Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ellrich am Harz (Kreis Nordhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
("eine der ältesten und frömmsten Gemeinden unserer Gegend...", 1846)

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
In Ellrich bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Bereits im Mittelalter lebten Juden in der Stadt. 1320 wird der Jude Jakob von Ellrich in Nordhausen als Bürger aufgenommen. Während der Pestzeit 1348/49 kam es auch in Ellrich zu einer Judenverfolgung. Danach werden erst wieder 1388/89 Juden aus Ellrich genannt (Jud Michel von Ellrich und sein Sohn Vifelman in Erfurt; möglicherweise war Michel v.E. jedoch vor der Pestzeitverfolgung in Ellrich ansässig). 1418 lebten sicher Juden in der Stadt, doch waren es wohl nur wenige, da sie eine relative geringe Abgabe von 4 Gulden an das Reich zu bezahlen hatten.
  
Im 16. Jahrhundert wurden 1570 sechs jüdische Familien in der Stadt gezählt (Wolf, Moses, Mayer, David, Isaak und Michel). 1580 erfolgte eine vorübergehende Vertreibung der Juden aus der Stadt. 1591 wird wiederum ein Jude namens Jacob in der Stadt genannt. Er war vermutlich aus Göttingen zugezogen, wo in diesem Jahr die Juden ausgewiesen worden waren. Jud Jacob bat damals den Rat von Nordhausen, den Zuzug seiner vier Schwäger aus Göttingen in der Reichsstadt zu gestatten. 1593 kam es - auf Bitten des Rates von Ellrich - erneut zu einer Ausweisung aller Juden aus der Grafschaft Hohnstein.  
  
Im 17. Jahrhundert lassen sich ab 1614, sicher seit 1619 wieder mehrere jüdische Personen / Familien in der Stadt nachweisen. Aus diesem Jahr (1619) liegt eine Bitte der Juden aus Ellrich an den Rat der Stadt Nordhausen vor, ihnen in der Stadt freier Geleit und den Handel zu gewähren. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde Ellrich mehrfach von durchziehenden Truppen in Mitleidenschaft gezogen. 1627 hört man, dass die Häuser der Juden Sussmann und Moses von Ellrich dabei abgebrannt wurden. Die beiden fanden (vorübergehend oder beständig?) Aufnahme in Nordhausen. 
       
Die Zahl der jüdischen Familien nahm in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg in Ellrich zu, sodass 1727 26 jüdische Familien gezählt wurden.        
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 129 jüdische Einwohner, 1816 141, 1840 146, 1861 93.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (vermutlich immer Religions- und nicht Konfessionsschule, vgl. Ausschreibungen der Stelle des "Religionslehrers" unten)), ein rituelles Bad (im Keller eines Anbaus zur Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle von 1847 und 1861). 
 
In den Listen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges werden keine jüdischen Gefallenen aus Ellrich genannt.   
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 16 Personen gehörten (in vier Familien; 0,5 % von insgesamt ca. 4960 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Wilhelm Nußbaum. Die das Gymnasium Nordhausen besuchenden Schüler aus Ellrich erhielten ihren Religionsunterricht durch den dortigen Rabbiner und Lehrer Dr. Levy. 1932 gehörten 14 Personen der jüdischen Gemeinde an.  

1933 lebten noch ca. 15 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wurden noch neun jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, später abgebrochen (s.u.). Die jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, darunter Rechtsanwalt Walter Richter und sein Sohn. Familie Richter wohnte in der Bahnhofstraße; er war Mitinhaber der Harzer Papierfabrik und war bereits im Frühjahr 1933 in "Schutzhaft" genommen worden. Bei seiner dritten Verhaftung nahm es sich 1939 im Gerichtsgefängnis Nordhausen das Leben. Sein Sohn, zuletzt im KZ Gross-Rosen, überlebte die Deportation.     
  
Von den in Ellrich geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Ballin (1882), Selmar Ballin (170), Max Baumgarten (1874), Michaelis Max Michael Bernstein (1863), Rosa Bernstein (1861), Bertha Busch geb. Holländer (1871), Fanny Dessauer (1860), Rahel Feldmann geb. Bergmann (1864), Johanna Fichtmann geb. Burchhardt (1873), Henriette Ida Frohnhausen (1884), Moritz Frohnhausen (1864), Henriette Grunsfeld (1904), Karl Grunsfeld (1884), Minna Grunsfeld (1886), Selmar (Selma) Grunsfeld (1886), Leopold Rein (1858), Georg Schottländer (1859), Minna Wolf geb. Rhein (1866).     
  
An der Mauer des jüdischen Friedhofes Ecke Töpferstraße / Karlstraße erinnert seit 1988 (ersetzt 1994) eine Gedenktafel an die frühere jüdische Gemeinde der Stadt mit der Inschrift: "Zum Gedenken an die jüdische Gemeinde 1591 - 1938".  
Im Juni 2015 wurden insgesamt acht "Stolpersteine" in der Stadt verlegt (siehe unten). Vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Ellrich.  
 
Ellrich Stadt 154.jpg (127225 Byte) Hinweis: Über das KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte siehe Informationen über den Wikipedia-Artikel "KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte"    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1847 / 1861   

Ellrich AZJ 09081847.jpg (44344 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. August 1847: "Gesuche
Für die hiesige Gemeinde wird zum 1. Ijar 5608 (= 4. Mai 1848) ein Religionslehrer, Vorbeter und Schächter gesucht. Derselbe erhält einen fixen jährlichen Gehalt von 150 Thaler nebst der sogenannten Schechite und Akzidenzien. Hierauf Reflektierende wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse bis den 1. Oktober dieses Jahres bei unterzeichnetem Vorstande melden. 
Ellrich, den 27. Juli 1847. 
Der israelitische Gemeindevorstand. J.H. Warburg."         
 
Ellrich AZJ 13081861.jpg (56084 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. August 1861: "Anzeigen.  
Ein jüdischer Religionslehrer, welcher zugleich Schochet und Vorbeter ist, womöglich unverheiratet, wird von uns zu Mitte Oktober dieses Jahres zu engagieren gesucht. Gehalt Thaler 200 pro Jahr. Bewerber wollen ihre Zeugnisse franco richten an 
den Vorstand der Synagogen-Gemeine L. Frohnhausen. Ellrich, Regierungs-Bezirk Erfurt, Juli 1861."       

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
In Ellrich fehlt ein "geistlicher Redner" (1846)  

Ellrich AZJ 30111846.jpg (38736 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1846: "Das benachbarte Ellrich, eine der ältesten und frömmsten Gemeinden unserer Gegend, wo ehemals eine rabbinische Zelebrität, R. Hirsch lebte, entbehrt leider ebenfalls noch des geistlichen Redners. Auch das weibliche Geschlecht und die Jugend müssen bedacht werden".      

     
Brandkatastrophe in Ellrich am 13. und 15. September 1841  

Ellrich AZJ 16101841.jpg (133684 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1841: "Nordhausen, 22. September (1841). Nachdem in Ellrich am 13. dieses (Monats) schon eine Feuersbrunst gewütet, welche 21 Häuser in Asche gelegt hatte, wobei aber die jüdische Gemeinde verschont geblieben, entstand am 15. dieses Monats, nachmittags 3 Uhr, als dieselbe dem Beginn des Neujahrsfestes entgegensah, aufs Neue Feuer, und zwar in den Straßen, die von dem größten Teil der jüdischen Gemeinde bewohnt werden, welches mit rasender Schnelligkeit um sich griff, sodass binnen einer Stunde 30 Wohnhäuser, darunter die 16 jüdischen Familien, in vollen Flammen standen. Durch das rasche Umsichgreifen des Feuers und die Bestürzung, in welche hierdurch die Bewohner versetzt waren, wurde es denselben unmöglich, etwas von ihren Habseligkeiten zu retten. In wenigen Stunden waren ihre Wohnungen, ihr Hab' und Gut eine Beute der Flammen, und am ersten Tage des Neujahrsfestes standen sie - ein grässlicher Anblick - auf den Trümmern ihrer Habe! Nur 6 der abgebrannten Familien sind einigermaßen wohlhabend; die übrigen 10 hingegen, welche sich zwar kümmerlich, aber rechtlich ernährt hatten, sind jetzt im tiefsten Elend. Ohne Kleidungsstücke, ohne Betten, ohne Obdach, ohne Holz, ohne Mittel endlich zur Subsistenz ihrer zum Teil starken Familien, sehen sie mit Bangen dem nahenden Winter entgegen. Es ist unmöglich, das Elend zu schildern, und wenn gleich die hiesige Gemeinde sehr hilfreich eingeschritten, so reichen doch einzelne Kräfte nicht hin, dem Elend zu steuern; es bedarf allgemeiner, rascher Hilfe, und deshalb hat das unterzeichnete Komitee die Vorstände nicht zu entfernter Gemeinden gebeten, von den Mitgliedern ihrer Gemeinde Gaben für die armen Abgebrannten       
Ellrich AZJ 16101841a.jpg (104562 Byte)anzunehmen, und die eingehenden Beiträge an den mitunterzeichneten Vorsteher Ph. Solmitz einzusenden. Die Gemeinde zu Ellrich ist beinahe aufgelöst, und außer Stande, für ihre armen Brüder auf diesem Wege zu sorgen.  Wir erlauben uns daher, es Ihrem Ermessen anheim zu stellen, ob Sie von der gegenwärtigen Mitteilung - als Privatmitteilung - Gebrauch machen wollen, um in Ihrer weitverbreiteten, vielgelesenen Zeitung des Judentums das Unglück zur Kunde des Publikums zu bringen, und dasselbe aufzufordern, den Unglücklichen Spenden zu reichen, was umso wirksamer sein würde, wenn Sie sich geneigt finden, eingehende Beiträge anzunehmen. Auch die Gemeinden, an welche wir uns bittend gerichtet haben, würden, wenn sie die Anforderung in Ihrer Zeitung lesen, sich zur Beisteuer mehr angeregt finden, da die Zeitung des Judentums schon so oft zur Beförderung guter Zwecke hilfreich gewesen, und allgemein als ein hochgeachtetes Organ betrachtet wird. Schließlich bitten wir Sie etc. etc. 
Das Komitee zur Unterstützung der abgebrannten armen Ellericher Israeliten. 
Ph. Solmitz, Vorsteher. A. Cohn, Prediger. H. Bach. 
Die Redaktion ist sehr gern erbötig, Beiträge anzunehmen, sie Herrn Solmitz zu übersenden, und darüber Bescheinigung als Beleg zu veröffentlichen.    

   
Danksagung für die Mithilfe bei der Brandkatastrophe (Juli 1842)

Ellrich AZJ 16071842.JPG (95351 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Juli 1842:  Danksagung
Im Namen der, durch die am 15. September vorigen Jashres hier stattgefundene Feuersbrunst verunglückten jüdischen Familien unserer Gemeinde sagen wir den edlen Herren: Ph. Solmitz, H. Bach und A. Cohn zu Nordhausen für die uns zur Zeit der Not geleisteten Dienste den herzlichsten und innigsten Dank! Es wird uns ewig unvergesslich bleiben, mit welchem Eifer und mit welcher Menschenfreundlichkeit uns diese braven Männer ihre hilfreiche Hand geboten haben! Der Allgütige wird ihre niedere Tat belohnen!  
Dem Herrn Dr. L. Philippson zu Magdeburg sind wir ebenfalls für die in der Allgemeinen Zeitung des Judentums veröffentliche Unterstützungsaufforderung, sowie für die durch denselben uns zugegangenen Beiträge sehr verpflichtet. Möge der Himmel diesen Mann eine lange Reihe von Jahren erhalten! 
Auch besonders unsern wärmsten Dank Allen, die uns damals schwer Bedrängten, ihre milde Hand geöffnet, und durch Zusendung ihrer Unterstützungen uns dem Jammer und Elend entrissen haben. Der Allvater möge unser, für ihr Wohl zu ihm aufsteigendes Gebet erhören, und sie vor aller Gefahr gnädigst schützen!  
Ellrich, den 23. Juli 1842. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: A. Buttermilch."      

   
Brandkatastrophe in Ellrich am 25. September 1860 

Ellrich AZJ 13111860.jpg (149694 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Ellrich, im Oktober (1860). Am Nachmittage des 25. Septembers, wenige Stunden vor dem Beginne des Versöhnungstages, erscholl Feuerruf in unserer kleinen, 450 Häuser zählenden Stadt. Mit rasender Schnelligkeit griff das zügellose Element um sich, so dass in wenigen Minuten trotz der herbeigeeilten Hilfe die halbe Stadt, darunter drei der angesehensten, von jüdischen Familien bewohnte Häuser - in Flammen stand. Noch war das, beinahe nur von Juden bevölkerte Viertel, in welchem auch unsere 130-jährige Synagoge steht, unversehrt; aber wer durfte sich der Hoffnung hingeben, dass die entfesselte Himmelskraft gerade dies verschonen würde? - Schon dämmerte es - niemand konnte daran denken, den Vorabend des großen Tages in würdiger Weise zu begehen. Öde und vereinsamt stand unser Tempel, der weiße Atlasvorhand vor der heiligen Lade war abgenommen, die großen üblichen Wachslichter unangezündet - trauriges Bild entweihter Heiligkeit! - Unter Furcht und Bangen schwand die Nacht, zagend sahen wir den Morgen ergrauen, denn immer näher wälzte sich die verheerende Macht sich zu uns heran, aber - Gott sah herab, und das grausame Element schwand nichtig vor seinem Willen, ohne uns weiter geschadet zu haben. 
Erst am späten Nachmittage wurde es uns vergönnt, wenigstens den scheidenden Jom-Kippur noch in den heiligen Klängen des Neilah-Gebetes feiern zu können, und wenngleich manche den Verlust ihrer Habe beweinten, stieg doch der innigste Dank vieler zum gnädigen Lenker des Geschicks, der Israel an seinem großen Tage bewacht, und die geringen Opfer, die das Unglück erheischt, zur Prüfung seines Vertrauens auf ihn ihm auferlegte. ...n."      

  
Spendenaufrufe für arme Gemeindeglieder (1892 / 1897 / 1898)   

Ellrich Israelit 26091892.jpg (99656 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1892: "Herzliche Bitte. 
Ein frommer, braver 67-jähriger Mann - Moses Holländer in Ellrich a.H. - der bisher sich und seine 65-jährige Schwester durch Hausieren, wenn auch nur kümmerlich ernährte, hat in Folge einer Operation sein Augenlicht fast gänzlich verloren, sodass er nicht mehr im Stande ist, seinem Erwerb nachzugehen und die beiden würdigen, alten Leute sich in bitterster Notlage befinden.   
Es ergeht daher an alle edlen Menschenfreunde die innige Bitte, sich der schwer Heimgesuchten hilfreich annehmen zu wollen; möge Jeder, den Gott mit dem ungetrübten Lichtquell des Auges begnadet und mit irdischen Gütern gesegnet hat, dankbar hierfür des Ärmsten gedenken, dem ein hartes Geschick Beides versagte und Herz und Hand öffnen, um das traurige Los der braven alten Leute mildern zu helfen. 
Die löbliche Expedition dieser Zeitung hat sich gütigst bereit erklärt, freundliche Spenden, welche auch direkt an obige Adresse gesandt werden können, in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern, und wird darüber seinerzeit in diesen Blättern quittiert werden. 
Allen edlen Gebern aber schon jetzt herzinnigen Dank und der Allgütige wolle es ihnen tausendfach lohnen!"         
 
Ellrich Israelit 08101897.jpg (82467 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1897: "Herzliche Bitte!  
Ein frommer, braver Mann, A. Lehmann in Ellrich a. H., der einst bessere Tage gesehen, ist durch unverschuldetes Unglück und da derselbe infolge hochgradigen nervösen Zitterns zu keinem Berufe fähig, jetzt völlig verarmt und in bitterer Notlage. 
Es ergeht daher an alle edlen Menschenfreund die innige Bitte, sich des schwer Heimgesuchten hilfreich annehmen zu wollen. Möge jeder, den Gott mit Gesundheit und irdischen Gütern begnadet hat, dankbar hierfür des Ärmsten gedenken, dem ein hartes Geschick beides versagte und Herz und Hand öffnen, um das traurige Los des schwergeprüften Bruders lindern zu helfen. 
Freundliche Spenden wolle man an obige Adresse oder unter Nr. 5499 an die Geschäftsstelle dieses Blattes gelangen lassen und wird darüber seinerzeit Quittung geleistet werden. 
Allen edlen Gebern aber schon jetzt herzinnigsten Dank, und der Allgütige wolle es ihnen tausendfach lohnen."         
 
Ellrich Israelit 22091898.jpg (67017 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Herzliche Bitte! 
Ein frommer, braver Mann, A. Lehmann in Ellrich a. H., der einst bessere Tage gesehen, ist durch unverschuldetes Unglück und da derselbe infolge hochgradigen nervösen Zitterns zu keinem Berufe fähig, jetzt völlig verarmt und in bitterer Notlage. 
Es ergeht daher an alle edlen Menschenfreund die herzliche Bitte, sich des Unglücklichen hilfreich anzunehmen. 
Freundliche Spenden wolle man entweder direkt an obige Adresse oder unter Nr. 5475 an die Geschäftsstelle dieses Blattes gelangen lassen, welch letztere darüber seinerzeit in diesen Blättern quittieren wird. 
Allen edlen Gebern aber jetzt herzinnigen Dank, und der Allgütige wolle es ihnen durch eine Einschreibung und Besiegelung lohnen.      

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Lehrlingssuche des Baumwollwarenfabrikgeschäftes A. Burchhardt (1871) 
Anmerkung: auffallend ist die Hervorhebung "Sonn- und Festtage streng geschlossen", da es sich um ein jüdisches Geschäft handelt.. 

Ellrich AZJ 11041871.jpg (32318 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. April 1871: "Ein mit den nötigen Schulkenntnissen versehener junger Mann, findet unter günstigen Bedingungen zum baldigen Antritt in meinem Bauwollenwarenfabrikgeschäft Stellung als Lehrling. (Sonn- und Festtage streng geschlossen). 
A. Burchhardt in Ellrich am Harz."      

  
Verlobungsanzeige von Edith Morgenroth und Arnold Meyer (1937)  

Ellrich BayrGZ 15021937.jpg (28049 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1937: 
"Edith Morgenroth - Arnold Meyer.  Verlobte.  
Ellrich - Bamberg    Januar 1937   Nordhausen - Ellrich."         

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge    
          
    
Eine erste Synagoge lässt sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweisen. Sie befand sich nach Angaben eines Notariatsinstrumentes vom 9. November 1620 im Haus von Lazarus dem Älteren. Eine ausführliche Beschreibung der Inneneinrichtung liegt vor (wiedergegeben bei Stefan Litt s.Lit. S. 190-191). Da die Synagoge damals gegen Bestimmungen eines Schutzbriefes von 1614 verstieß, ließ der Amtmann zu Klettenberg damals die Bücher und den Toraschrein beschlagnahmen und auf das Rathaus bringen. Weitere Informationen liegen nicht vor.         
 
1730 konnte eine Synagoge in einem einfachen Fachwerkbau eines Hintergebäudes des Hauses Jüdenstraße 25 eingerichtet werden. Es war das älteste, bau- und kunstgeschichtliche interessanteste jüdische Gebetshaus des Landkreises Nordhausen. Kostbare Einrichtungsgegenstände und Ritualien befanden sich in der Synagoge. 
  
Von den Brandkatastrophen in der Stadt - 1841 und 1860 (siehe Berichte oben) - blieb die Synagoge verschont.  
  
1927 wurde die Synagoge letztmals renoviert
. Im Jahr zuvor erschien in der Zeitschrift "Menorah" der folgende Bericht über die Synagoge:    

Ellrich Menorah 1926 H 9 528.jpg (201049 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Menorah" 1926 Heft 9 S. 528: "Die Synagoge in Ellrich. Die vielen kleinen Judengemeinden Deutschlands mit ihrer eigenartigen Physiognomie sind in den letzten Jahrzehnten immer stärker dem Untergang preisgegeben. Zu ihnen gehört auch die Gemeinde von Ellrich, einem Städtchen am Rande des Südharzes auf der kürzesten Strecke von Hannover nach Thüringen. Hier lebte noch vor etwa einem halben Jahrhundert eine kleine, aber wertvolle jüdische Gemeinschaft. Berühmte jüdische Führer brachte sie wohl nicht hervor, aber unter ihren Mitgliedern waren einzelne geradezu klassische Typen harmonisch ausgebildeter Persönlichkeiten, bei denen es keine Dissonanz zwischen Leben und Lehre gab, und deren Angedenken noch heute bei allen fortlebt, die das Glück hatten, ihren Umgang zu genießen. Jetzt ist die Gemeinde am Aussterben. Einige wenige Familien sind übrig, die aus eigenem nicht in der Lage sind, die Gemeinde wiederaufzubauen. Die schwache in den Anfängen befindliche Organisation der preu0ßuschen Gesamtjudenheit kann auch nicht viel Hilfe bringen. 
Aber noch steht in Ellrich die alte Synagoge, ein Denkmal früherer großer Opferfreudigkeit; doch auch sie ist nahe daran, ein Opfer der Zeit zu werden. Das Äußere des rechteckigen Baues ist im Zustand starker Verwahrlosung: Dach und Mauern sind schadhaft und voll von Sprüngen und Rissen. Das Innere zeigt noch deutlicher die Spuren des langsamen Unterganges; die Malereien verblichen, das Schnitzwerk an vielen Stellen zerbrochen, die metallenen Leuchter beschädigt. In wenigen Jahren muss der Bau zur Ruine werden, wenn keine helfende Hand ihn stützt. Die Synagoge von Ellrich aber sollte im jüdischen Gesamtinteresse erhalten bleiben, weil sie ein künstlerisches Kulturdenkmal ist. Das ist der schön geschnitzte Almemor, der eigenartig verzierte Oron hakodesch mit dem großen geschnitzten Löwen, die überreichliche Verzierung der Wände mit Sprüchen aus der Bibel, die noch nicht ganz aufgeklärte Inschrift unter der Frauenschul, die auf einen früheren, aus Wilna stammenden Raw hinzudeuten scheint, die eigenartige Vergitterung der Frauenschul, die den Raum harmonisch gliedert, die Leuchterarbeit, die an russische oder polnische Wappenembleme erinnert.  
Wenn die Synagoge von Ellrich dem Untergang anheimfällt, so würde eine Quelle zerstört werden, aus der wir Kenntnis empfangen können von den Wanderungen der Juden in Deutschland und Europa, den Kulturelementen, welche sie aus fernen Landen mitgebracht und wieder verwertet haben. Die Bestimmung der künstlerischen Quellen, aus denen die einzelnen Inventarstücke der Synagoge von Ellrich ihren Ursprung nehmen, wäre eine dankbare Aufgabe für den jüdischen Kunsthistoriker und Ethnographen. Wäre es da nicht wichtig, dieses für die historische Kenntnis vom Judentum wichtige Denkmal zu erhalten? Die Synagoge von Ellrich und gar manche Synagoge der untergehenden jüdischen Kleingemeinden in Deutschland, die zu Ruinen zu zerfallen drohen, könnten durch die helfende Hand der Gemeinschaft zu historischen Kulturstätten werden, die der jüdischen Jugend sinnfällig die eigene Geschichte vor Augen führen.   
Nachwort: Die Redaktion der 'Menorah' hat diesen Ausführungen gerne Raum gegeben. Wie in Ellrich ist auch anderswo - in Deutschland, der Tschechoslowakei und in den Oststaaten - wertvolles jüdisches Kulturgut, das Generationen gehütet haben, der Vergessenheit und dem Verfalle preisgegeben. Bevor aber die organisierte Hilfe der Gesamtheit einsetzen kann, sollten alle Freunde jüdischen Lebens die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Rest verschwindender jüdischer Wohnstätten lenken. Wir würden gerne jede Mitteilung veröffentlichen und bitten stets Abbildungen sakraler oder profaner Gebäude (auch Innenräume) sowie einzelner Gegenstände beizufügen. Über Wunsch vergüten wir Kosten der photographischen Aufnahme. Der Herausgeber."    

           
Im März 1937 konnte Rachel Wischnitzer-Bernstein die Synagoge in Ellrich besuchen und auf Grund ihres Besuches eine ausführliche Beschreibung der Synagoge publizieren: 
 
Rahel Wischnitzer-Bernstein:  Die Synagoge in Ellrich am Südharz (Beitrag, erschienen 1939) 
(erschien in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 83 1939 Heft 1 Januar 1939 S. 4. Beitrag auch eingestellt als pdf-Datei)
Über die Autorin (geb.1885 Minsk - gest.1989 Manhattan) siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Rachel_Wischnitzer   

Die Synagoge in Ellrich bei Nordhausen im preußischen Regierungsbezirk Erfurt wurde in der kunstwissenschaftlichen Literatur verschiedentlich erwähnt, ohne eingehender behandelt zu werden.
Heinrich Frauberger veröffentlichte eine Außenansicht und eine Grundriss-Skizze der Synagoge (Anm. 1), jedoch ohne Vermessungen und Erläuterungen. Bei Alfred Grotte (Anm. 2) wird die Ellricher Synagoge unter anderen 'polnischen Synagogen in Süddeutschland' mit aufgeführt. 1926 erschien in der Wiener 'Menorah' eine Notiz mit zwei Innenansichten, deren ungenannter Verfasser, — es war Arthur Warburg in Nordhausen, — auf die bemerkenswerten Inschriften der Synagoge hinwies.
In seinen 'Mittelalterlichen Synagogen' (1927) führte Richard Krautheimer (Anm. 3) die Ellricher Synagoge als Beispiel an für eine Synagogenbauart, die besonders in Hessen im 18. Jahrhundert verbreitet war.
So wird denn die Synagoge in Ellrich sowohl für den importierten polnischen, als für einen landesüblichen Synagogentyp in Anspruch genommen. Wo gehört sie hin ?
Das wesentliche Merkmal der polnischen Holzsynagogen, das entscheidend wurde auch für die Gestaltung des Innenraums der fränkischen Synagogen in Bechhofen (Anm. 4) bei Ansbach, in Horb (Anm. 5)
Anm. 1: Zeichnungen von Albert Hochreiter in Notizblatt d. Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler, 1911, Nr. 11.
Anm. 2: Deutsche, Böhmische und Polnische Synagogen in Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler, VII/VIII, 1915, S. 63.
Anm. 3: Anhang S. 253.
Anm. 4: E. Toeplitz, Synagogale Malereien, Rimon־Kunstzeitschrift, Heft 3, 1923 (Hebr.). Derselbe in Milgrom, Heft 3, 1923 (Jidd,). Derselbe, Die Malerei in den Synagogen (bes. Franken), in Beiträge z. Jüdische Kulturgeschichte hrsg. Ges. z. Erforsch. Jüd. Kunstdenkm., Heft 3, 1929.
Anm. 5: Die Synagoge wurde von Pfarrer H. Pöhlmann entdeckt, vgl. seine Geschichte des Marktfleckens Küps mit Umgegend, 1909. Nach Untergang   
a. Main, in Kirchheim (Anm. 6) bei Würzburg, sind die Wand- und Deckenmalereien, die in den genannten Synagogen übrigens ein aus dem Osten eingewanderter Synagogenmaler Elieser Sußmann ausgeführt hatte. Die Synagoge in Ellrich weist jedoch außer einem Löwenpaar an der Schreinwand keinerlei Malereien auf.
Aber auch architektonisch zeigt die Ellricher Synagoge keine nähere Verwandtschaft mit den Holzsynagogen in Polen, — weil jene vorwiegend eine reine Holzkonstruktionsweise bieten, — es sind das entweder Blockbauten oder Ständerbauten mit Bretterfüllung, — während die Synagoge in Ellrich in ausgemauertem Holzfachwerk hergestellt ist.
Übrigens muss festgestellt werden, dass auch die nicht mehr bestehenden Synagogen in Horb und in Kirchheim Fachwerkbauten gewesen sind, wie die meisten hessischen Synagogen auch. Die Synagoge in Bechhofen allein ist ein Holzbau, mit einem Anbau in Fachwerk.
Die polnische Beeinflussung war in diesen Synagogen hauptsächlich in der Bemalung zum Ausdruck gekommen, weniger betroffen war von ihr die architektonische Gestaltung. Sie bieten baugeschichtlich keine weiter bemerkenswerten Lösungen. Die Horber und die Kirchheimer Synagoge befanden sich im Obergeschoß von Wohngebäuden. Die Bechhofener liegt zu ebener Erde, die Frauenabteilung im Westen in gleicher Bodenhöhe mit einem Wohngeschoß darüber. Derartige einfache Anlagen sind kaum auf fremde Einflüsse zurückzuführen.
Forts. Anm. 5: der Horber Gemeinde wurde die Synagoge als Heuschober benutzt. Mit Hilfe einer Stiftung von Herrn Max Gutmann, Bamberg, wurde die innere Holzverschalung der Synagoge mit den Malereien herausgelöst und 1914 in die Städtische Gemäldegalerie in Bamberg überführt. Vgl. Rabb. Dr. A. Eckstein, Die Synagogenmalereien von Horb a. M. usw., Bamberger Volksblatt, Beilage, 1924, Nr. 7; E. Toeplitz, op.cit. Vgl. auch Abb. bei Grotte, op. cit., fig. 7.
Anm. 6: Wegen Baufälligkeit abgetragen. Die bemalten Putzwände und die Innenraumschale der Decke wurden herausgelöst und mit Hilfe einer Stiftung von Herrn Reiß, Würzburg, 1912 in das fränkische Luitpoldmuseum zu Würzburg überführt. Vgl. Max Untermayer in C.V.-Zeitung vom 16. April 1936.   
Nur die bretterverschalte Tonnendecke mit Fugenleisten wird mitsamt den Malereien in diesen Synagogen aus osteuropäischen Synagogen übernommen worden sein, wo mit ihr übrigens die Scheinkuppel rivalisierte.
Im Hessenland ist die Holztonne selten zu finden. R. Hallo (Anm.7) hatte dort keine einzige Synagoge mit Tonnendecke gesehen. Epstein (Anm.8) nennt nur die Synagoge in Zwesten. Grotte wiederum hat mit Holztonne gedeckte Synagogenräume in verschiedenen Gegenden nachgewiesen: in Königsberg a.d.Eger aus dem Jahre 1802 (Anm.9), in Pinne (Anm.10) im Posenschen, in Deutsch-Krone (Anm.10) in Westpreußen (vermutlich aus dem Jahre 1824). Die Brettertonne, ein Scheingewölbe, ersetzt in den kleineren Dorfsynagogen das gemauerte Gewölbe.
Die Ellricher Synagoge weist eine Tonnendecke auf. Jedoch gegenüber den polnischen und den fränkischen Synagogen ist diese Tonne als besonders flach zu bezeichnen. Es ist eigentlich eine waagerechte Decke mit Bretterverschalung und einer sehr starken Hohlkehle, die ein Gewölbe vortäuscht.
Die Synagoge in Ellrich befindet sich in einem Hintergebäude der Jüdenstraße 7, jetzt Horst-Wessel-Straße 25. Man erreicht sie vom Vorderhaus aus, durch den Hof. Sie bietet dem Beschauer ihre nördliche Längsfront. Rechts stößt sie an einen Querflügel. Links ist ihr ein freistehender Holzschuppen zum Teil vorgelagert. Die übrigen Fronten grenzen an Gärten der Nachbargrundstücke.
Die Ausmaße der Synagoge sind bescheiden. Der Männerraum ist ein nur wenig gestrecktes Rechteck von nahezu 8 zu 6,7 Metern. (Horb 8 : 5; Bechhofen 8,5 : 9; Kirchheim 5,5 : 5,5. Eine hessische Synagoge von ähnlicher Anlage in Borken bei Kassel misst beispielsweise 8 : 6,9 (Anm.11).  Die Innenhöhe des Männerraumes der Ellricher Synagoge ist 4,5 Meter. (In Bechhofen beträgt sie 7 Meter,
Anm. 7: Jüdische Volkskunst in Hessen, 1928, S. 49.
Anm. 8: Fritz Epstein, Kultusbauten und Kultusgegenstände in der Provinz Hessen, Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler, 1906, Nr. 6, S. 12.
Anm. 9: Grotte, op. cit., S. 90, Abb. 53.
Anm. 10: Grotte, op. cit., S. 92.
Anm. 11: F. Epstein, op. cit., Abb. 5. 
in Horb 5,5, in Kirchheim 3,5.) Dem Betraum ist an der westlichen Schmalseite ein Vorraum von 3 zu 6,5 Metern angeschlossen.
Über dem Vorraum erhebt sich die Frauenempore. Der Treppenaufgang zur Empore liegt im Querflügel, in dessen Keller sich, angrenzend an die Synagoge, das jetzt verschüttete Frauenbad befand. (Die Zorge fließt in der Nähe.) Die Emporenlage auf der westlichen Schmalseite und nur auf dieser spiegelt die bescheidenen Verhältnisse einer Kleingemeinde wider. Die Absonderung des Aufganges zur Frauenschule, die von dem anstoßenden Flügel aus zugänglich ist, ist für viele Synagogen kennzeichnend. Eine Ausnahme bildet die Synagoge in Vollmerz in Hessen, mit ihren räumlich beieinander liegenden Zugängen zu Männerraum und Frauenempore in der Vorhalle (Anm.12).
Das Eingangsportal der Ellricher Synagoge befindet sich an der Nordseite, am äußersten Ende der Front, am Knick, den sie mit dem Querflügel bildet. Die rundbogige zweiflügelige Holztür ist ein schönes Beispiel der Schreinerkunst des Barock, mit ihrer Bretterfüllung in Rautenmusterung, nicht unähnlich dem Portal der 1759 erbauten Synagoge in Mergentheim. Man steigt eine Stufe hinab, möglicherweise, um des Psalmverses 130.1 (Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir) zu gedenken. Vielfach ist die Tiefenlage jedoch auf spätere Aufschüttungen der Straße zurückzuführen. Eine vertiefte Fußbodenlage weist u.a. die Synagoge in Hofgeismar, 1763 erbaut, auf.
Man betritt den Vorraum der Ellricher Synagoge von seiner Schmalseite her und wendet sich nach links in Ostrichtung zum Männerraum hin, der durch zwei Säulen vom Vorraum getrennt ist. Hauptraum und Vorhalle fließen ineinander. (In der Grundriss-Skizze von Hochreiter von 1911 sieht man die Betpulte auch im Vorraum eingezeichnet.) Der Vorraum war als Verlängerung des Betraumes gedacht. Nur ein kleiner Teil desselben, von der Nordwand zur nordwestlichen Säule, ist durch eine Schranke abgetrennt, aber auch diese ist durchbrochen und nicht hoch. Sie ist durch ein
Anm. 12: P. Epstein, op. cit., Abb. 22.  
Gitter in Laubsägearbeit abgeschlossen. Die Schranke dient als Windfang für die dahinter liegende Eingangstür.
Der Männerraum der Ellricher Synagoge ist ein einschiffiger Saal, eine stützenlose Halle. Merkwürdigerweise hat sich in die Literatur die irrige Meinung eingeschlichen, die Ellricher Synagoge habe Mittelstützen. In einem Manuskript von Architekt A. Pinthus im Besitz des Archivs des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden wird von einer zweischiffigen Anlage mit zwei Stützen gesprochen. R. Hallo spricht von Innensäulen in der Synagoge von Ellrich, die die Eckpfosten des Almemor bilden sollen. Beide Annahmen beruhen offenbar auf einer falschen Deutung des Grundrisses von Hochreiter von 1911. Der Almemor steht in der Ellricher Synagoge frei im stützenlosen Mittelteil der Männerschule. Die einzigen vorhandenen Säulen sind die zwischen Haupt- und Vorraum, sie tragen die Empore.
Während der Männerraum mit einer ostwestlich gerichteten Flachtonne gedeckt ist, die auf der Tünche, wie in mancher hessischen Synagoge, Spuren blauer Farbe zeigt, ist die Empore mit einer horizontalen Decke in gleicher Höhe, mit sichtbaren nord-südlich gerichteten Balken, gedeckt. Die Empore öffnet sich in der Schildwand der Tonne, die in fünf Pfeiler aufgelöst ist, zum Männerraum mit sechs Öffnungen. Eine hohe Brüstung mit Holzgitterabschluss entzieht das Innere der Empore den Blicken. Beide Räume, mit Tonne und Balkendecke, sind mit einem abgewalmten Ziegeldach gemeinsam gedeckt, das vor der Renovierung um 1926, wie aus der Hochreiterschen Zeichnung ersichtlich, die gleiche Form hatte.
Auf seinen freien drei Seiten weist der Männerraum je drei hochgelegene Fenster auf, die, mit Ausnahme des kleinen rechteckigen Mittelfensters oberhalb des Schreines an der Ostwand, rundbogig sind. Die Frauenempore erhält Licht durch ein Nordfenster und drei Südfenster. Zwei Fenster im Querflügel beleuchten im Obergeschoß den kleinen Vorraum der Weiberschule.
An der Fassade der Synagoge fällt auf, dass die Sturze, in die die Fensterrahmen eingebaut sind, sich am achten Ständer tot-   
laufen und die Sturzriegel im Portalabschnitt der Front in abweichender Höhe liegen. Es will scheinen, dass dieser Frontteil mit Vorhalle und Empore darüber dem Bau erst nachträglich angegliedert wurde. Die Synagoge war offenbar ursprünglich ein freistehender Bau, wohl ein einfacher Speicher.
Auf dem Sturz über dem Außenportal der Synagoge lesen wir die in hebräischer Quadratschrift eingeritzten Worte: לפרט פדות Das Wort ergibt die Jahreszahl 490 = 1730.
Von Synagogen des gleichen Bautyps sind der Ellricher Synagoge zeitlich am nächsten die fränkischen Synagogenbauten. Bechhofen wurde 1733 (Anm.13), Horb 1735 (Anm.14) und Kirchheim 1740 (Anm.15) ausgemalt. Die erhaltenen hessischen Synagogen sind, nach Epstein, ungefähr in die gleiche Zeit zu datieren. Es sind durchweg Fachwerkbauten, viele darunter aus Speicheranlagen für den sakralen Zweck hergerichtet. Wir sehen, dass das Holzfachwerk für den Landsynagogentyp in Deutschland kennzeichnend ist. Außer den fränkischen und hessischen Synagogen, die von Toeplitz, Epstein und Hallo untersucht wurden, liegen Vorarbeiten vor über die Fachwerksynagoge in Burgsteinfurt in Westfalen (Anm.16), Hechingen in Hohenzollern (Anm.17), Dramburg in Pommern (Anm.18), Hallo hat sich eingehender mit der nicht mehr erhaltenen Töpfermarktsynagoge in Kassel (Anm.19) beschäftigt, einem Hintergebäude in Fachwerk (wie die Synagoge in Ellrich), das Johann Friedrich Jussow 1756 vollendet hat, und mit der Fachwerksynagoge in Hofgeismar, die 1763 entstand. (Sie wurde seinerzeit verkauft und ihrer Bestimmung entzogen.) In Hofgeismar (Anm.20) haben wir die Empore im Westen, wie in Ellrich, die Dachformen sind jedoch differenzierter: es ist ein
13 E. Toeplitz, Die Malerei in den Synagogen (bes. Franken), in Beiträge z. Jüd. Kulturgesch. usw., 1929, S. 6.
14 A. Eckstein, Die Synagogenmalereien von Horb a. M. usw., Barnberger Volksblatt, Beilage, 1924, Nr. 7.
15 Toeplitz, Die Malerei in den Synagogen usw., S. 6.
16 Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler, Nr. 25, S. 9.
17 Notizblatt d. Ges. usw., Nr. 26, S. 7.
18 Notizblatt d. Ges. usw., Nr. 25, S. 12.
19 R. Hallo, Kasseler Synagogengeschichte, 1931, S. 21.
20 R. Hallo, Jüdische Volkskunst in Hessen, 1928, S. 61. 
Mansardendach mit anschließendem normal zur Außenseite gerichtetem Satteldach. Die Fenster weisen neugotische Gliederungen auf.
Die Ellricher Synagoge ist, wie aus dem Vergleichsmaterial zu ersehen, ein durchaus bodenständiger Bau und ein zeitlich frühes Beispiel des Bautyps, den sie repräsentiert.
Wir werden auf die osteuropäischen Einflüsse, die sich immerhin in ihr geltend machen, noch zurückkommen. Um uns das Bauprogramm der Synagoge des 18. Jahrhunderts zu vergegenwärtigen, wird es jedoch nötig sein, an die größeren, führenden Synagogenbauten der Zeit zu denken.
Da ist die 1855 abgerissene 'Neuschule' in Frankfurt a.M. (Anm.21). Sie ist 1711 entstanden, ein Steinbau mit einer noch gotisierenden Fassade und mittelalterlichen Kreuzrippengewölben. Eine dreigeschossige Frauenempore auf der nördlichen Breitseite des Betraumes zeugt für die zahlenmäßige Bedeutung der Gemeinde. Wir haben hier eine Großstadtsynagoge vor uns, die wichtigste Synagoge der Zeit. Die Berliner Synagoge in der Heidereuter Gasse (Anm.22), von Kemmeter 1712—1714 erbaut, hat als Repräsentationsbau eine vielleicht etwas geringere Bedeutung, was schon aus der Lage des Grundstückes zu ersehen ist. Während der Frankfurter Bau seine Fassade der Straße (Bernheimer Straße) zuwendet, wurde die Berliner Synagoge auf einem Hintergrundstück (des Hauses des Kammergerichtspräsidenten Sturm) erbaut (Anm.23). Sie besaß eine doppelgeschossige Empore, aber nur auf der westlichen Schmalseite (die jetzige dreiseitige Empore, die von Treppenhäusern flankierte Vorhalle, sogar die Decke des Betraumes, die Vorlesekanzel und der Schrein gehören nicht zum ursprünglichen Bau).
Der Synagogentyp, der in Berlin im Anfang des 18. Jahrhunderts geschaffen wurde: einschiffiger Saal mit flacher durch eine Hohlkehle vermittelter Decke und Westempore ist das Vor-
Anm. 21: Krautheimer, op. cit., Abb. 90 u. 91.
Anm. 22: Krautheimer, op. eit., Abb. 100.
Anm. 23: Singermann, Jüdische Denkwürdigkeiten Berlins, Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin, 5. Mai 1935.
  
bild vieler kleinerer Synagogen geworden, darunter auch der Ellricher Synagoge. Der Wert der Ellricher Synagoge leitet sich hauptsächlich von der Beziehung dieses Baues zum Synagogentyp her, der in Berlin geschaffen wurde. In ihrer provinziellen Abgeschiedenheit konnte sie sich manches bewahren, was in Berlin dem fortschreitenden Geschmack zum Opfer fiel. Die Atmosphäre des 18. Jahrhundert, die uns Göblins Stich der Berliner Synagoge, um 1720 entstanden (Anm.24), vermittelt, ist in Ellrich noch zu spüren.
Mit welchen Formmitteln ist sie erzeugt worden ? Da ist von dem alten Zubehör der Synagoge das Gestühl noch vorhanden, während das der Berliner Synagoge in der Heidereuter Gasse verschwunden ist. Es befindet sich in Ellrich auf dem alten Standort, läuft an den Längswänden entlang, setzt sich zu beiden Seiten des Schreines an der Ostwand fort, sowie auch an der Westseite, wo es an die Schranke gelehnt erscheint. Der Almemor in der Mitte bildet somit den natürlichen Blickpunkt für die ganze Gemeinde. Die gleiche Anlage zeigte die Frankfurter Neuschule, wie aus einer Zeichnung von 1855 (Anm.25) zu ersehen ist. Nicht nur die Wandsitze stehen in Ellrich unverrückt da, auch die beweglichen Schulstände' mit ihren Schubfächern bzw. Schränkchen für die Gebetbücher (solche sind auch noch in der Synagoge in Eckershausen erhalten (Anm.26) befinden sich auf ihren alten Plätzen.
Der Almemor der Ellricher Synagoge stammt allerdings nicht aus der Zeit der Synagoge, aber er bewahrt die traditionelle Anlage mit den Zugängen in Nord und Süd. Wie durchweg im 18. Jahrhundert, bildet dieser Almemor eine nur wenige Stufen hohe Estrade von ziemlicher Ausdehnung (3,10 Meter Durchmesser).
Die achteckige Brüstung des Almemors (sie hatte die früher vorherrschende viereckige Gestalt verdrängt) ist mit Rokoko-Kartuschenfüllungen geschmückt, die weder in den schweren Profilen des Rahmenwerks, noch in den geradlinigen strengen Grund- und Aufrissformen Entsprechung finden. Es handelt sich hier um
Anm. 24: Krautheimer, op. cit., Abb. 100.
Anm. 25: Krautheimer, op. cit., Abb. 89.
Anm. 26: F. Epstein, op. cit., Notizblatt Nr. 6, S. 15.   
ein Spätrokoko aus dem ]Ende der 40er-Jahre des 19. Jahrhunderts (Anm.27). Diese Annahme findet eine Bestätigung in den Mitteilungen von Arthur Warburg, Nordhausen, des Nachkommen der Ellricher Warburgs, denen das Synagogengrundstück gehört hatte. Die Vorlesekanzel war eine Stiftung der Warburgs, die Anfang der 50er-Jahre aus Ellrich nach Nordhausen übersiedelten. Es waren das Levi Jehuda und Josef Warburg.
Sehr wertvoll ist das in der Ellricher Synagoge erhaltene Lichtgerät. Da sind die fünf Kronleuchter in Gelbkupfer, die vor der Ostfront des Almemors hängen. Über den Wandsitzen sind noch etliche sehr reizvolle Wandblaker, ebenfalls in Gelbkupfer mit Ovalschild und Muschelaufsatz darüber erhalten. Ähnliche Blaker besaß die Berliner Synagoge.
Der Hl. Schrein der Ellrieher Synagoge gehört zu ihrem alten Bestand. Der zweiflügelige Eichholzschrank ist 1,80 breit (mit den Schnitzereien an den Außenseiten misst er 2,20 Meter) und 2 Meter hoch. Er trägt außerdem einen Aufsatz von 1,40 Höhe. Es ist eine Dreipilasterädikula mit verkröpftem geradlinigem Gebälk auf einem sockelförmigen Unterteil. Das durchbrochene Schnitzwerk, das den Schrein seitlich umrahmt, — eine Weiterentwicklung der Voluten des Barock, — ist aus Akanthus und Stabwerk gebildet, die Kapitelle der Pilaster aus je einem aufsteigenden Akanthusblatt. Der Schrein hat nichts von den mehrflügeligen, mehrgeschossigen, mit reichem Tierdekor in Kerbschnitt geschmückten Schaufassaden der osteuropäischen Synagogen-Schreine. Der Ellricher Schrein ist eine durchaus bodenständige Schöpfung, etwas bäuerlich in seiner untersetzten Gestalt. Das Schnitzwerk an den Außenseiten des Schreines ist von Kirchenaltären her bekannt, man denke etwa an den Schnitzaltar der 1680 erbauten Johanneskirche in Halberstadt. Nur die Bekrönung mit den Gebotetafeln erscheint als eine Besonderheit des Synagogenschreins.
Anm. 27: Ebenso liegen wohl die Dinge in der Synagoge in Märkisch Friedland, die 1840 erbaut wurde. Ihr Rokokoschrein wird wohl aus der gleichen Zeit stammen und kaum aus der älteren, 1770 entstandenen Synagoge übernommen worden sein. 
Der Schreinaufsatz ist wappenartig aufgebaut. Au der Stelle des Wappenschildes sehen wir die Doppeltafel des Bundes, die Schildträger sind steigende Löwen, die Krone ist die symbolische Krone der Lehre. Ähnliche Löwen mit bleckenden Zungen, pelzkragenartigen Mähnen und einer Bügelkrone begegnen uns in der Umrahmung des Fürstengebetes im Kasseler Memorbuch von 1725 (Anm.28). Bauernkunstmäßige Blumenvasen ergänzen den Schmuck des Schreines. Drei Stufen, eingefasst von einer gemauerten geradlinigen Brüstung, führen zum Schrein hinauf.
Unter den Holzarbeiten fällt in der Ellricher Synagoge der alte schöne Opferstock auf, der an der nordwestlichen Säule, unweit des Eingangs, aufgestellt ist. Der pfahlartige, in Baluster aufgelöste Almosenständer findet ein Gegenstück in der Synagoge in Münden (Anm.29), wo er allerdings als Herme im Geschmack des Louis Seize behandelt ist. Ein einfacher ungegliederter Block ist der Armenstock in der Synagoge in Rotenburg a. F. (Anm.30). Neben der Ellricher Form, die der des kirchlichen Almosenstocks verwandt ist, kennen wir den Opferstock in Gestalt eines Armes mit ausgestreckter Hand. Diese Form leitet sich von der Bettlerfigur (gelegentlich der des Lazarus) her, die als Armenstock in der Kirche ebenfalls Verwendung findet. In dem nahen Witzenhausen (Anm.31) hat der synagogale Opferstock die Form eines Armes. Besonders schön ist der Arm mit dem barock gebauschten Ärmel, der den Opferstock in der Synagoge in Halberstadt bildet.
Die Ellricher Synagoge erhält ihre Bedeutung nicht zuletzt auch von ihrem Inschriftenschmuck. Wir kennen die Portalinschrift mit dem Entstehungsjahr, das in das Wort 'Erlösung' hineingeheimnisst ist. Auf dem Verputz der Kopfstücke der beiden Emporenstützen liest man in erhaben ausgeführter Frakturschrift auf deutsch den Psalmvers 150,6; auf dem südwestlichen Kopf-
Anm. 28: R. Hallo, Kasseler Synagogen, Abb. 4.
Anm. 29: F. Epstein, op.cit., Fig. 15, S. 16.
Anm. 30: E. Epstein, op.cit., Fig. 14.
Anm. 31: Mitteilung der Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler III/IV, Abb. 91.   
stück: 'Alles, was Odem hat'; auf dem nordwestlichen: 'Lobe den Herrn. Alleluja.'
Die Wahl des Psalmverses ist nicht zufällig. So begegnen uns die voraufgehenden Verse des gleichen Psalmes 150, 3-5 (Lobet Ihn mit Posaunenschall. Lobet Ihn mit Saitenspiel und Flöten usw.) in der Neuen Betschule in Posen, die, nach Grotte, 1803 erbaut wurde. Dort sind sie hebräisch als Erläuterung zu den auf der Schreintür geschnitzten Musikinstrumenten zu lesen (Anm.32). Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Hl. Schrein häufig mit Darstellungen der Musikinstrumente, mit denen Gott im Psalter verherrlicht wird, geschmückt. Solche 'Instrumentenschreine' sind in einer Reihe von Synagogen, von denen wir nur Kempen (1815) nennen, zu finden (Anm.33). Die Psalmverse werden gelegentlich fehlen, das Bild bleibt. In der Synagoge in Ofen, Ungarn, schmücken Leier, Harfe und Trompeten Brüstung und Geländer der Almemortreppe (Anm.34). In der Synagoge in Horb gehören die Musikinstrumente zu einer symbolischen Vision, die ikonographisch von großem Interesse ist. Hier sehen wir an der östlichen Schildwand der Tonnendecke, also oberhalb des Toraschreines, ein Gemälde mit Darstellungen Jerusalems, des Ölbergs mit der Taube auf einem Ölbaum, ferner des Feststraußes des Lulab und der Etrogim, die durch eine Beischrift aus Lev 23,40 gekennzeichnet sind. Früchte, offenbar Symbole der Fruchtbarkeit der künftigen Zeit, füllen Körbe und Vasen, Löwen stoßen in Trompeten, zwei Schofarim hängen an Ketten herunter. Die zweite Beischrift des Bildes ist der etwas abgewandelte Psalmvers 98.6 : Mit Trompeten und Schofar posaunt vor dem Herrn und König. Es ist hier nicht der Platz, die messianische Bedeutung dieser Vision zu erörtern (Anm.35).
Anm. 32: Die Neue Betschule in Posen ist 1908 abgebrochen. Der geschnitzte Schrein ist in die Latzsche Siechenanstalt in Posen überführt worden, vgl. Grotte, op. cit., S. 47.
Anm. 33: Grotte, op. cit., S. 46—48.
Anm. 34: R. Wischnitzer-Bernstein, Jüdische Kunsteindrücke in Budapest, Jüdische Rundschau vom 3. Sept. 1937, Nr. 70/71 mit Abb.  
Man wird jedoch wohl nicht fehlgehen, wenn man den in der Synagoge in Ellrich vorkommenden Psalmvers 150,6 , der sich auf die Verherrlichung des Herrn mit Musikinstrumenten bezieht, als Überrest eines messianischen Bilder- und Textekreises auffasst, der in zahlreichen osteuropäischen Synagogen Verbreitung gefunden hatte.
Wir wenden uns nun den hebräischen Inschriften der Emporenbrüstung der Ellricher Synagoge zu. Sie laufen in 6 Spalten. Spalte 1 (von rechts nach links gelesen) lautet in deutscher Übersetzung: Der Mensch grämt sich um den Verlust seines Geldes, er sorgt sich nicht um den Verlust seiner Tage. Sein Geld steht ihm nicht bei, seine Tage kehren nicht wieder (Anm.36). Spalte 2: Sprüche 3,25; Jesaja 8,10 und Jesaja 46,4 (dem Siddur entnommen). Spalte 3 enthält das Sabbatgebet für Neumondverkündigung: Der unseren Voreltern Wunder getan und sie aus der Sklaverei zur Freiheit geführt, er erlöse uns bald... Spalte 4 bringt den Segensspruch zum Aufheben der Tora (Anm.37). Spalte 5 bringt die Worte des Auftaktes zum Ofan für Sabbat und Feste (dem Machsor entnommen): Und die Tiere (der Vision Ezekiel) singen und die Cherubim verherrlichen, die Seraphim jubeln und die Erelim preisen . . . Spalte 6 enthält eine Ermahnung zur Ruhe während der Toraverlesung (Anm.38).
Unter den sechs Spalten läuft auf dem Horizontalbalken, der auf den Säulen ruht, die Inschrift: בזאת יבא אהרן אל הקודש אהרן במהודר משה יצו מקק וילגא הבירה במדעות ליטא יאע . So soll Aaron ins Heiligtum kommen. Aaron, Sohn des R. Moscheh aus der Heiligen Gemeinde Wilna, Hauptstadt von Litauen. Sein Gott und Erlöser möge ihn bewahren.
Aaron von Wilna, der in der Synagogeninschrift erwähnt erscheint, stand offenbar in einer Beziehung zur Synagoge. Wir
Anm. 36: Gleiche Inschrift in der Syn. in Gwozdziec, dat. 1718, vgl. A. Breier, M. Eisler und M. Grunwald, Holzsynagogen in Polen, 1934, S. 14.
Anm. 37: In der Synagoge in Gwozdziec ist in einer Inschrift die Bede vom Aufgerufenen, der den Segensspruch sagt. Vgl. Breier usw., op. cit., S. 13.
Anm. 38: In den Inschriften der Synagoge in Gwozdziec ist diese Ermahnung ebenfalls zu lesen. Der Spruch ist Sota Anm. 39: entnommen. Vgl. Breier usw., op. cit., S. 13..   
dürfen in dem Mann wohl den Rabbiner vermuten und den Kompilator der Schrifttexte, die die Synagoge schmücken. Die Anspielung auf Lev 16,3, wo vom Hohepriester Aaron die Rede ist, berechtigt vielleicht zu der Annahme. Wir erwähnen in diesem Zusammenhang, dass ein Mosche Aschkenas von Wilna im Jahre 1775 Rabbiner in Hessen war (Anm.39).
Auf der Schildwand der Ostseite über den rundbogigen Fenstern, zu beiden Seiten des Schreins, sehen wir je einen Schriftstreifen, von gemalten Löwen gehalten. Sie enthalten das Gebet, das beim Ausheben der Tora gesagt wird, und das Gebet, das beim Hineinstellen der Torarolle gesprochen wird. Unter den Schrifttafeln läuft in größerer Quadrata der Vers Amos 3,8: Der Löwe brüllt, wer sollte sich da nicht fürchten? (Anm.40).
Der Amosvers bezieht sich auf die gemalten Löwen, die als einziger Bilddekor in der Ellricher Synagoge auftreten, abgesehen von den plastischen Löwen des Schreinaufsatzes. Es ist recht gut denkbar, dass die Ellricher Synagoge, bevor sie den gegenwärtigen klassizistischen, sehr nüchternen Palmetten und Lorbeerdekor in Schablonenmalerei erhielt, mit Malereien geschmückt war, die die Inschriften illustrierten. Die Schriftzeichen der Inschriften mit ihren blumigen Enden und den gegliederten Vertikalbalken verraten noch den Duktus des 18. Jahrhunderts. Sie sind später aufgefrischt worden.
Die Verwandtschaft der Ellricher Inschriften mit Inschriften galizischer Synagogen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die wir feststellen konnten, ist wohl auf die Mitarbeit des Aaron von Wilna zurückzuführen, der in ihrer Zusammenstellung einer östlichen Tradition folgte. Es wäre interessant, Näheres über das Inschriftenmaterial der litauischen Synagogen zu wissen, jedoch liegen uns keine Arbeiten auf diesem Gebiete vor.
Unter den datierten Gegenständen in der Ellricher Synagoge
Anm. 39: R. Hallo, Kult- und Kunstdenkmäler im Hessischen Landesmuseum zu Kassel, Morgen, 4. Jahrgang, Berlin 1928 S. 26.
Anm. 40: Der Amosvers erläutert in der Synagoge von Chodorow, dat. 1714, das Sternzeichen des Löwen; vgl. Breier usw., op. cit., S. 11.  
ist die Misrachtafel vom Vorbeterpult zu nennen, die mit 1776 bezeichnet ist. Die an der Nordwand der Männerschule hängende Tafel mit dem Fürstengebet für Friedrich Wilhelm III. ist 1813 datiert. (Das Edikt Friedrich Wilhelm III., das die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Preußen regelte, war am 11. März 1812 erlassen worden.)
In der Vorhalle der Synagoge steht an der Rückwand eine einfache Truhe mit Spuren von Bemalung. Sie bewahrt ein kupfernes Waschbecken mit Wasserbehälter. An der Südwand des Männerraumes, unweit der Schreinwand, hängt eine gusseiserne Laterne, eine Arbeit des 19. Jahrhunderts, für das Ewiglicht. In der Grundriss-Skizze von Hochreiter ist die Laterne in der Vorhalle eingezeichnet, wo sie wohl früher gehangen hat. Über den Standort des Ewigen Lichts herrschte in den Synagogen keine Übereinstimmung. Die Westlage, die dem früheren Standort in der Ellricher Synagoge entspricht, ist in Bechhofen, Kempen, Kurnik, Deutsch-Krone und in älteren Synagogen in Lemberg, der Vorstadtsynagoge (1632) und der Alten Synagoge, sowie in Zolkiew, Ende des 17. Jahrhunderts, festzustellen (Anm.41).
Als datiertes Stück im Besitz der Ellricher Gemeinde ist der Toraschild von 1769 zu nennen. Es wurde der Synagoge von der Chewra Kadischa gestiftet und trägt auf zierlich getriebenen Rokokoschildchen die eingravierten Namen von 13 Mitgliedern der Begräbnisbruderschaft. Im Innern des Wechselrahmens für die Täfelchen des Festkalenders ist auf hebräisch der Name 'Schelomo Pach, Dessau' eingraviert. Die Abbreviatur 'Pach' wurde häufig zur Bezeichnung des Stempelschneiders und des Medailleurs gebraucht. So ist J. Abraham auch in seiner Grabschrift und der Grabschrift seines Sohnes, des Medailleurs Abraham Abramson, auf dem Friedhof in der Großen Hamburger Straße in Berlin so bezeichnet (Anm.42).
Der Toraschild trägt auf seiner Schauseite die Inschrift: Dies
Anm. 41: Grotte, op. cit., S. 41 und Taf. 4 u. 5.
Anm. 42: Alb. Wolf, Einiges über jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler, Mitt. z. jüd. Volkskunde, XV, 1905, S. 18. 
ist eine Spende der Chewra Kadischa der Hl. Gemeinde Ellrich. Im Jahre 529 nach der kurzen Zeitrechnung (1769 der gewöhnlichen Zeitrechnung).
Unter den Beleuchtungskörpern haben wir die fünf Kronleuchter für Kerzen aus Messing genannt, von denen einer mit dem preußischen einköpfigen Adler und die übrigen mit dem Doppeladler geschmückt sind. Auf den Brüstungen der Schreintreppe sind eiserne Stacheln für Jahrzeitlichter vorgesehen. Besondere Gestelle für die Totenlichtstacheln sehen wir dagegen in Bechhofen (Anm.43) und in Rotenburg a.F. (Anm.44).
Auf der rechten Brüstung der Schreintreppe erhebt sich ein Chanukkaleuchter aus Gelbkupfer mit mächtig profiliertem Schaft, grazilen Armen und Aufsteckblumen am Schaft. Außer den neun Armen für die Chanukkakerzen mit ihrem Dienerlicht, weist er einen Dorn am Schaft und einen rückwärtigen Arm auf. Auf der Brüstung des Almemors stehen schlanke doppelarmige Empireleuchter und einkerzige Leuchter.
Für die Entstehungszeit der Ellricher Gemeinde liefert einen Anhaltspunkt die Totenliste von Ellrich (Anm.45). Sie ist in einem Statuten- und Rechnungsbuch der Ellricher Chewra Kadischa enthalten. Sie beginnt mit dem Jahre 1704 (und schließt mit 1898), also lange vor dem Datum der Vollendung der Synagoge, das auf dem Synagogenportal zu lesen ist.
Der vorliegenden Arbeit liegt ein Reisebericht zugrunde, den ich für die Jüdische Gemeinde in Berlin verfasst habe. Ich besuchte Ellrich im März 1937 (Anm.46). Späterhin wurde mir das Familienarchiv von R.-A. Arthur Warburg zugänglich, das im Preußischen Lan-
43 Mitt. d. Ges. z. Erforsch. Jüd. Kunstdenkm., III/IV, fig. 35.
44 F. Epstein, op. cit., S. 14, Abb. 13.
45 Ich spreche hier meinen Dank Herrn Dr. Jacob Jacobson aus, der mich auf die im Besitz des Jüdischen Gesamtarchivs, Berlin, befindliche Totenliste von Ellrich hinwies.
46 Bei der Besichtigung der Synagoge waren mir besonders Herr und Frau Fritz Lieberg und Herr Wilhelm Nußbaum in Ellrich behilflich, denen ich zu großem Danke verpflichtet bin. Frau Käthe Katzenstein, jetzt Palästina, machte mich zuerst auf die Synagoge aufmerksam.  
desverband Jüdischer Gemeinden aufbewahrt wird. Es enthält einen Bericht von Rabbiner Martin Koppenheim, dessen Untersuchung der Inschriften der Ellricher Synagoge von mir zum Teil verwertet wurde. Jedoch habe ich beim Nachweis der Quellen der Schriftstellen nicht nur die Bibel, sondern hauptsächlich den Siddur und den Machsor herangezogen, weil es wichtig war zu zeigen, wie die Synagogeninschriften vom liturgischen Gebetzyklus bestimmt waren. In Polen bildeten sie das Programm für die Wand- und Deckenmalereien der Synagogen. Bild und Gebet waren eine Einheit.
Der Landesverband besitzt unter seinem Ellricher Material ein handschriftliches Gutachten des Architekten Alex Pinthus, Köln-Sülz, vom Jahre 1927. Es erwies sich in seinem geschichtlichen Teil insofern als überholt, als seit 1927 eine Reihe von einschlägigen Veröffentlichungen erschienen sind. Die architektonische Beschreibung der Synagoge wurde von Herrn Pinthus lediglich auf Grund von ihm zugegangenen schriftlichen Mitteilungen unternommen, ohne Untersuchung des Baues an Ort und Stelle. Hierdurch erklärt sich die irrtümliche Annahme des Verfassers, die Ellricher Synagoge sei zweischiffig.
Eine Schilderung meiner Reise nach Ellrich habe ich im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin vom 28. November 1937, Nr. 48, veröffentlicht, mit Abbildungen des Toraschildes und des Chanukkaleuchters der Ellricher Synagoge." 

  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die kunsthistorisch so wertvolle Synagoge verwüstet und anschließend abgebrochen. Vom Gebäude ist nichts mehr erhalten.  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Jüdenstraße 25, Hintergebäude      
  
  
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.4.2011)       

 Erinnerung an das frühere 
jüdische Wohngebiet
Ellrich Stadt 152.jpg (121495 Byte)   Ellrich Stadt 155.jpg (112235 Byte) Ellrich Stadt 153.jpg (67016 Byte)
  Blick in die "Jüdenstraße"   Straßenschilder "Jüdenstraße"
     
 Die Synagoge in Ellrich 
(Quelle: Zeitschrift "Menorah" 1926) 
Ellrich Menorah 1926 H 9 527.jpg (165352 Byte) Ellrich Menorah 1926 H 9 529.jpg (140968 Byte)
  Blick in den Betraum der Männer  Bimah und Frauenempore 
     
Gebäude "Jüdenstraße 25"
(vor Synagogengrundstück)
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  Hinter dem Gebäude "Jüdenstraße 25" 
stand bis zu ihrem Abbruch die Synagoge
 
     
     
Erinnerung an frühere jüdische Geschäfte    
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In einer Schaufensterauslage des Heimatmuseums in der Jüdenstraße finden sich
 Erinnerungen an das frühere Ellrich, u.a. mit einer Übersicht über "alte Geschäfte" 
um 1930 mit Namen jüdischer Geschäfte wie Max Bernstein (Konfektion), E. Frohnhausen,
 Inh. W. Nussbaum (Manufaktur- und Modewaren). Auf einer historischen Ansichtskarte
 findet sich das Geschäft von E. Frohnhausen.   
Das Gebäude des früheren Manufaktur- 
und Modewarenhauses E. Frohnhausen 
zeigt sich wenig verändert  
  
     
Gedenken an die Opfer der NS-Zeit
auf dem Platz vor der Kirche 
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  Gedenkstein mit Inschrift "Zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges
 und Opfer jeglicher Gewaltherrschaft"; eine Gedenktafel speziell für die jüdische Gemeinde 
findet sich am jüdischen Friedhof.
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

März / Juni 2015: In Ellrich werden "Stolpersteine" verlegt   
Vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Ellrich   
Artikel in nnz-online vom 6. März 2015: "Stolpersteine in Ellrich
Seit über einem Jahr forschen Schüler der Oberschule Ellrich, unterstützt von ihren Lehrerinnen und dem Familienverein Ellrich, zum Schicksal ehemaliger jüdischer Familien in ihrer Heimatstadt. Zum Abschluss des Projekts werden Stolpersteine in Gedenken an die ehemaligen Ellricher Mitbewohner am 18. Juni 2015 gesetzt. Zu den ursprünglich vorgesehenen zwei Standorten kommt nun ein dritter Ort hinzu...." 
Link zum Artikel    
Anmerkungen: Es werden Stolpersteine verlegt: in der Lindenstraße 1 für Max Bernstein und Selma Bernstein geb. Nußbaum, in der Bahnhofstraße 4 für Selmar Ballin, Bertha Ballin, Elsa-Margarete Kleimenhagen geb. Ballin, Elisabeth Süsskind-Ballin geb. Ballin, in der Bahnhofstraße 13 für Walter Richter und Hans Richter.    
 
Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" vom 19. Juni 2015: "Acht Stolpersteine in Ellrich gesetzt..." 
Link zum Artikel  
   
Artikel in nnz-online vom 22. Juni 2015: "Stolpersteine gesetzt - Projekt beendet
Das Projekt: 'Miteinander in Ellrich – Spurensuche – jüdische Familien damals' ist formal mit der Setzung von acht Stolpersteinen beendet worden. Das Gemeinschaftsprojekt der Oberschule Ellrich und des Familienvereins Ellrich wurde seit September 2013 betrieben...

Unter großer Anteilnahme, moderiert durch den Bürgermeister Matthias Ehrhold wurden in der vergangenen Woche in der Jüdenstraße Ecke Lindenstraße die ersten beiden Steine für Max und Selma Bernstein gesetzt. Der aus Berlin stammende Künstler Gunter Demnig bekundete, mit der Stadt Ellrich den 1052. Ort mit Stolpersteinen bereichert zu haben. Zum Sinn der Stolpersteine äußerte der Künstler 2009 im Hamburger Abendblatt: 'Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich herunterbeugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm. Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist. Mit einem Stolperstein soll an das individuelle Schicksal erinnert werden - und zwar an dem Ort, wo das Grauen begann.' Die beteiligten sechs Schüler der Oberschule Ellrich legten zum Gedenken an die ehemaligen Mitbewohner ihrer Heimatstadt Rosen nieder. Sie gedachten auch in der Großen Bahnhofstraße 04 der Familie Ballin und in der Nr. 13 Walter und Hans Richter. Mit den Steinen vor den Häusern wurde die Erinnerung an die Menschen wieder lebendig, die hier wohnten. Durch die Folgen des Rassenwahns der Nationalsozialisten getrennt, wurden ihre Namen und ihr Schicksal 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges wieder zusammengeführt. Es war immer ein Anliegen des Projekts, den Schülern einen Zugang zur besonderen Geschichte ihrer Heimatstadt Ellrich zu gewähren. Mit ihren Forschungen, ihren Exkursionen zu den Orten des Geschehens, dem Besuch der 'Alten Synagoge' in Erfurt, der Ausstellung zum jüdischen Leben in der Flohburg und vor allem durch Gespräche mit älteren Menschen, die noch aus ihren Kindheitserinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus berichten konnten, sind sie selbst zu Zeitzeugen geworden. In der öffentlichen Stadtratssitzung am 6. Juli werden drei Schüler der Projektgruppe ihre schriftliche Arbeit zum Thema vorstellen. Allen Beteiligten und Unterstützern des Projekts sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Für den Familienverein Ellrich, Torsten Fuhr."  
Link zum Artikel   

   

     
Links und Literatur  

Links: 

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Website der Stadt Ellrich   

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Private Website von Margit Rambow zur Geschichte der Stadt  

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Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ellrich (interner Link)  

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Wikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Ellrich   

Literatur:  

bullet Germania Judaica II,1 S. 201; III,1 S. 297.        
bulletPeter Kuhlbrodt: Die Synagoge in Ellrich (1730-1938) In: Meyenburg-Museum (Herausgeber) Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt- und Kreis Nordhausen, Heft 9, Nordhausen 1984, S. 72-77. 
bulletZeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 260-261.  
bulletIsrael Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Ellrich S. 100-103.  
bulletHeimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 182.
bulletStefan Litt: Juden in Thüringen in der Frühen Neuzeit (1520-1650). Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe Band 11. 2004. u.a. S. 55-58. 
bulletPeter Kuhlbrodt: Verzeichnis der Nordhäuser jüdischen Familien zur Zeit des Neuanfanges im Jahre 1808, 1922 und 1829. Beitrag von 2006 - online zugänglich. Hierin findet sich eine Zusammenstellung der in Ellrich 1808 lebenden jüdischen Familien.  

     
   n.e.

     

                   
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Stand: 31. Januar 2026