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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Sindolsheim (Gemeinde Rosenberg,
Neckar-Odenwald-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sindolsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1921.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
Die höchste Zahl
jüdischer Einwohner wurde um 1839 mit 71 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts verzogen die meisten Juden von hier, sodass 1897 nur noch
32 jüdische Einwohner (in 10 Familien, von insgesamt 716 Einwohnern) und 1900 noch
26 jüdische Einwohner gezählt wurden.
Nach 1850 bildeten die in Sindolsheim und Rosenberg
lebenden jüdischen Personen eine gemeinsame Gemeinde. Spätestens nach 1900 war
Sindolsheim eine Filale der Gemeinde in Eubigheim.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule und ein rituelles Bad (das Bad war in einem Haus oberhalb der
ehemaligen Dorfmühle, Kirnautalstraße 2 neben dem Mühlkanal; wurde jedoch
schon Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr benützt, brannte Anfang der
1930er-Jahre ab, heute Ackerland). Im 19. Jahrhundert gab es
einige Zeit einen eigenen Lehrer der jüdischen Gemeinde, der zugleich als
Vorbeter (eventuell auch als Schochet) tätig war (siehe Ausschreibung der
Stelle unten von 1847). Seit 1852 wurde eine gemeinsame Lehrerstelle für
Sindolsheim und Rosenberg ausgeschrieben (siehe
Ausschreibungen der Stelle unten von 1852 / 1854 / 1855). 1869 wird Lehrer
L. Staadecker als Lehrer in beiden Orten genannt (u.a. in "Der
Israelit" vom 28. April 1869 S. 28). 1897 erteilte Lehrer Abraham Frohmann
aus Eubigheim den damals neun jüdischen
Kindern in Sindolsheim den Religionsunterricht.
Anfang des 20. Jahrhunderts war Sindolsheim
Filiale zur Gemeinde in Eubigheim - der
dortige Lehrer erteilte weiterhin den jüdischen Kinder in Sindolsheim den
Religionsunterricht. Zuletzt (1920er/1930er-Jahre) wurde der Unterricht durch
den Lehrer aus Bödigheim erteilt.
Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum
Rabbinatsbezirk Merchingen (nach
Ausschreibung der Lehrerstelle von 1847 allerdings noch zum Rabbinatsbezirk
Bödigheim).
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1897 J. Keller und H.
Heimberger.
Bis in die 1920er-Jahre, teils bis nach 1933 bestanden an jüdischen
Geschäften am Ort: Bäckerei David Hecht (Kirnautalstraße 23), Metzgerei
Herzlöb Heimberger (in zwei an das Gebäude Marktstraße 8 angebauten
Häuschen), Gemischtwarenladen David Keller und Albert Niedermann (Lammstraße
10, abgebrochen), Textilgeschäft Jakob Keller (Lammstraße 8), Schuhgeschäft
Ephraim Schorsch (Bofsheimer Straße 4).
1933 wurden in
Sindolsheim noch neun jüdischen Personen gezählt.
Von den in Sindolsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Walter Hecht
(1910), Adolf Heimberger (1866), Elise Heimberger (1886), Max Keller (1886), Eli
Lader (1883), Albert Niedermann (1888), Jettchen Niedermann (1884), Leopold
Niedermann (1886), Klara Rothschild (1866), Jette (Jettchen) Schorsch (1867), Sannchen Schorsch (1872).
Außerdem: Joseph Schorsch, geb. 15.1.1875 Sindolsheim, Oktober 1941 von Köln
nach Lódz deportiert, 1949 f.t.e. (Hinweis von Christiane Hoss, M.A. Köln).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers 1847 (nur für
Sindolsheim), 1852 / 1854 / 1855 (für Sindolsheim und Rosenberg)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 20. November 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
"Vakante Schulstellen.
[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Sindolsheim ist die
Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein
Gehalt von 135 fl., nebst freier Wohnung, sowie der
Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist,
erledigt, und unter höherer
Genehmigung zu besetzen.
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert,
unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren
sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der
Bezirkssynagoge Bödigheim zu melden.
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch
Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach
erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen
werden." |
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 6. November 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante
Schulstellen.
Die
mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48
kr. für jedes die
Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon
abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der
israelitischen Gemeinde Sindolsheim und
Rosenberg, Synagogenbezirks
Merchingen,
ist zu besetzen.
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren
Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über
ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst
des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen
sich
zu melden. Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder
Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte
nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden."
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 3. Juni 1854 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die
mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48
kr. für jedes die Schule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon
abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der
israelitischen Gemeinde Sindolsheim und
Rosenberg
ist zu besetzen.
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren
Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über
ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst
des betreffenden Rabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich
zu melden.
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder
Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte
nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden." |
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 16. Juni 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante
Schulstellen.
Die
mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48
kr. für jedes die
Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon
abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der
israelitischen Gemeinde Sindolsheim und Rosenberg
ist zu besetzen.
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren
Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über
ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst
des betreffenden Rabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich
zu melden.
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder
Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte
nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden."
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Zum 70. Geburtstag und zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Aron Heimberger
(1904 in Reilingen, ab 1854 wahrscheinlich
nebenberuflicher Lehrer in Sindolsheim)
Anmerkung: es ist unklar, wieso Aron Heimberger 1904 in Reilingen seinen 70.
Geburtstag feierte. Nach dem Geburtsregister Sindolsheim (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116533-102)
ist er am 21. Juni 1835 und nicht 1834 in Sindolsheim geboren als Sohn
von Emanuel Heimberger, Bürger und Handelsmann in Sindolsheim und seiner Frau
Rebekka geb. Sondheimer. Aron Heimberger heiratete am 23. Februar 1864 in
Sindolsheim Rebecca geb. Friedberger, die am 15. September 1840 in
Wachbach als Tochter des Handelsmannes Jakob
Friedberger und seiner (2.) Frau Hanna geb. Stern geboren ist (Hochzeitsregister
Sindolsheim
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116534-157). Aron Heimberger ist
in seiner Sindolsheimer Zeit als "israelitischer Bürger und Kleiderhändler"
eingetragen, nicht als Lehrer. Vermutlich hat er nebenberuflich die Kinder der
Gemeinde unterrichtet. Wenn Aron Heimberger 1904 sein 50-jähriges Dienstjubiläum
gefeiert hat, war er jedenfalls ab 1854 als Lehrer in Sindolsheim tätig. In
Sindolsheim war 1854/55 die Religionslehrerstelle ausgeschrieben (siehe oben),
auf die sich bewerben konnten: "Schul- oder Rabbinats-Kandidaten sowie andere
inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem
Bezirksrabbiner". Jedenfalls dürfte Aron Heimberger von 1854/55 an bis
spätestens zum Wechsel nach Schriesheim
in Sindolsheim unterrichtet haben. In
Schriesheim war er ab 1869/70 als Lehrer tätig danach 1871/74 in
Billigheim, von 1874 an in
Reilingen). Er starb im hohen Alter von 92
Jahren am 16. November 1926 in Reilingen und wurde in
Wiesloch beigesetzt, Grab
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2614042.
Kinder waren: Jakob Heimberger, geb. 6. Januar 1865 in Sindolsheim (gest.
USA), Adolph Heimberger, geb. 26. Mai 1866 in Sindolsheim (umgekommen
1942 Internierungslager Noé), ausführlich zu ihm im Gedenkbuch Karlsruhe
https://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/1546; Regine Heimberger, geb.
24. April 1868 in Sindolsheim (gest. USA).
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1904: "Hockenheim, 22.
Juni (1904). Gestern beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen
sein 70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30jährigen Wirksamkeit an
diesem Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Eine kleine, aber
erhebende Vorfeier wurde am 19. dieses Jahres von den israelitischen
Religionslehrern des Rabbinatsbezirkes Heidelberg und Reilingen
abgehalten. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab dem Gefeierten einen
Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben, worin die Verdienste erwähnt
waren, die sich der Jubilar als tüchtiger Schulmann und als Gründer und
Präsident des Pensionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden
erworben hatte. Herr Rabbiner Dr. Pinkuß - Heidelberg übersandte ein
herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben, die besten Wünsche für einen
glücklichen Lebensabend noch anfügend. Die israelitische Gemeinde Reilingen
nahm durch ihre Vertreter freudige Veranlassung, ihren schon oft durch
erkenntliche Aufmerksamkeiten bedachten Beamten mit einem schönen
Silbergeschenk zu erfreuen. Tief bewegt dankte der Jubilar für die Ehrung;
er freue sich, dass seine berufliche Tätigkeit und das Wirken für den
Lehrerstand anerkannt wird. Bei dem darauf folgenden gemütlichen
Zusammensein, wobei die Familie Heimberger eine gute Bewirtung erfolgen
ließ, wurden noch herzliche Worte gewechselt von dem Vorstande der dortigen
Gemeinde und den Lehrern zum Wohle der Familie. Mit den besten Eindrücken
verlief das Fest für den Geehrten der Ehrenden.
Am Geburtstage selbst wurden Herrn Heimberger zahlreiche Beweise der Liebe
und Freundschaft gebracht. Im Auftrage des Großherzoglichen Oberrats der
Israeliten überbrachte Herr Rabbiner Dr. Pinkuß persönlich ein
Gratulationsschreiben und ein Geldgeschenk von hundert Mark." |
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Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Juni 1904: "Aus Baden. Am
21. Juni beging Herr Lehrer Aron Heimberger in Reilingen seinen 70.
Geburtstag. Die vielen Freunde des verdienten Seniorkollegen werden freudige
Veranlassung nehmen, ihre Glückwünsche darzubringen. Die Mitglieder des
früher bestandenen Pensionsfonds für israelitische Lehrer, dessen Gründer
und Leiter der Jubilar bis zur Übergabe desselben in die Verwaltung des
Großherzoglichen Oberamts der Israeliten war, werden durch diese Mitteilung
sich besonders verpflichtet fühlen ihre Erkenntlichkeit in der Form eines
Glückwunschschreibens auszusprechen. " |
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Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Juli 1904: "Hockenheim. Am
22. Juni beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen sein
70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30-jährigen Wirksamkeit an
diesen Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Aus dieser
Veranlassung wurde eine kleine, aber erhebende Vorfeier von den
israelitischen Religionslehrer des Rabbinatsbezirks Heidelberg in
Reilingen veranstaltet. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab einen
Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben...," Bericht wie oben im
"Israelit" |
Ausschreibung der Lehrerstelle Eubigheim mit Filiale in
Sindolsheim (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902: Vakanz.
Die mit einem festen Gehalt von 800 Mark und Nebengefällen von etwa 500
Mark nebst freier Wohnung verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und
Schächterstelle in Eubigheim mit
Filial Sindolsheim ist bis 1. November dieses Jahres zu besetzen.
Geeignete Bewerber (verheiratete vorgezogen) wollen ihre Gesuche nebst
Zeugnisabschriften sofort uns zusenden.
Mosbach, 24. September (1902). Die
Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein." |
Zum Tod des Bödigheimer Lehrers Samuel
Schwarzenberger, der auch in Sindolsheim unterrichtete (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20.Dezember 1934:
"Bödigheim in Baden, 12. Dezember (1934). Lehrer Schwarzenberger,
der seit 15 Jahren hier und in den Filialgemeinden Eberstadt
und Sindolsheim amtierte, starb im Alter von 67 Jahren und wurde in
Ladenburg am Neckar zur letzten Ruhe gebracht. Herr Bezirksrabbiner
Greilsheimer, Mosbach sprach
Dankesworte im Auftrag des Oberrats der Israeliten, des Bezirksrabbinats,
der Gemeinden und der Chewra und würdigte die Verdienste des
Entschlafenen als Forscher des Gesetzes, als Lehrer und Verwalter des
altehrwürdigen Bezirksfriedhofes
Bödigheim. Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim
sprach Dankes- und Abschiedsworte im Namen der Kollegen. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zur Goldenen Hochzeit von Hirsch Wolf Kentenberger und
seiner Frau (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1887: "Sindolsheim
(Baden). Die in weiten Kreisen bekannten und beliebten Hirsch Wolf
Kentenberger'schen Eheleute feierten im vorigen Monate in hiesiger
Gemeinde ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar versieht seit 20 Jahren die
Vorsängerstelle bei der israelitischen Gemeinde. Am Festzug beteiligten
sich außer der israelitischen Gemeinde auch der politische Gemeinderat,
der Herr Pfarrer und die beiden Herren Lehrer. Herr Gutsbesitzer Stein aus
Kudach übergab ein von ihm und seinen Freunden gewidmetes Sparkassenbuch
mit eingezeichnetem Betrag von 680 Mark. Herr Bezirksrabbiner Dr.
Löwenstein verlas ein Schreiben des Israelitischen Oberrats in Karlsruhe
und übergab ein Geldgeschenk von 50 Mark von dieser Behörde. Daran
anschließend überreichte Herr Bezirksrat und Bürgermeister Gramlich dem
Ehepaar das huldvolle Geschenk des Großherzogs im Betrag von 30 Mark ein;
weiter überhab Herr Niedermann als Vorstand der hiesigen israelitischen
Gemeinde dem Jubilar einen prachtvollen Regulator mit dem schönen
Wunsche, dass derselbe dem Ehepaar die Stunde noch recht lange
anzeige." |
Zum Tod von Hirsch Wolf Kentenberger (1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1892: "Vor
wenigen Tagen starb in Sindolsheim im Alter von 83 Jahren Herr
Hirsch Wolf Kentenberger, ein wahrer frommer Mann, die Zierde der
Gemeinde. Seine Gemahlin Johanna ist ihm 8 Tage vorausgegangen.
Friedliebend und wohltätig war er bei allen Ortsangehörigen, Juden wie
Andersgläubigen sehr angesehen. Vor 5 Jahren feierten die Genannten ihre
goldene Hochzeit, wobei ihnen große Ehre erwiesen wurde. Galt es den Mann
zu feiern, der in der Synagoge 40 Jahre unentgeltlich sämtliche
gottesdienstlichen Funktionen versag. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein aus
Mosbach hielt die Leichenrede, in welcher die Tugenden des Verstorbenen
gebührend geschildert wurden." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von E. Schorsch (1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1892: "Stelle-Gesuch,
Bäcker. Tüchtiger, junger, kräftiger Bäcker mit bester Empfehlung,
selbständiger Arbeiter, sucht dauernde Beschäftigung in einer Brot-,
Fein- oder Mazzenbäckerei. Gefällige Offerten an
E. Schorsch, Sindolsheim (Baden) erbeten." |
Todesanzeige für den nach der Deportation umgekommenen
Adolf Heimberger (1942)
Anmerkung: Adolf Heimberger ist am 26. Mai 1866 in Sindolsheim als Sohn von
Aron Heimberger und Rebekka geb. Friedberger geboren. Er ist in Sindolsheim
aufgewachsen. Nach Abschluss seiner Ausbildung war er kurze Zeit (wann?) in Kuppenheim
als Religionslehrer tätig. Danach übernahm er die Stelle des Kastellans
("Kirchendiener") in der Karlsruhe Synagoge. Adolf Heimberger wurde am
22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und starb im Lager Noé am 14. Januar 1942
an Hunger. Seine Frau Wilhelmine hat die Lagerzeit überlebt und starb 1952 in
Baltimore/USA.
Weiteres siehe im Gedenkbuch
für die Karlsruhe Juden zu Adolf Heimberger.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1942:
"Mein geliebter Mann, unser geliebter Vater und Großvater
Adolf Heimberger
ist unerwartet im Camp Noé gestorben.
Wilhelmine Heimberger Camp Noé
Familie Niedermann Rivesaltes
Familie Straus
Emil Heimberger 1724 Ruxton Ave., Baltimore, Md." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Seit der ersten Hälfte des 19.
Jahrhundert stand eine Synagoge an der Stelle des heutigen Gartens beim
Haus Kronenstrasse 2. Sie wurde bis um 1905/10 genutzt. Nach einem Bericht des
Gemeindevorstehers David Keller von 1911 gehörten zur jüdischen Gemeinde
damals noch fünf Familien. Die Synagoge sei zwar noch vorhanden, werde aber
nicht mehr benützt. Das Gebäude wurde wegen Baufälligkeit um 1920
abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde eine Scheune mit Anbau erbaut. Die
Natursteinmauer der Rückseite des Anbaus war noch bis in die 1980er-Jahre der
einzige Überrest der ehemaligen Synagoge. Inzwischen wurden diese Gebäude
einschließlich der Mauer abgebrochen und das Grundstück Kronenstraße 2 neu
bebaut. Bis heute wird bei der älteren Ortsbevölkerung der Bereich des
Synagogengrundstückes als "Judenschule"
bezeichnet.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos, vermutlich aus
den 1970er-Jahren
(Fotos: Sammlung Leo-Baeck-Institut
New York) |
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Grundstück der
ehemaligen Synagoge Kronenstrasse 2, das nach Abbruch der Synagoge
mit
einer Scheune und einem Anbau überbaut wurde. Die Natursteinmauer an der
Rückseite des Anbaus war der letzte Überrest der ehemaligen
Synagoge |
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Fotos 2004:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 11.5.2004) |
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Grundstück der
ehemaligen Synagoge Kronenstrasse 2. Es wurde mit einem
Wohnhaus neu
überbaut. Die Bebauung erinnert noch an die früher hier
stehende Scheune
mit Anbau. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 70. |
 | Reinhart Lochmann: Die Geschichte der Juden in Sindolsheim, in:
Heimatbuch Sindolsheim. 1999. |

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