Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zeltingen (Gemeinde Zeltingen-Rachtig, Kreis Bernkastel-Kues)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  Allgemeine Berichte zur jüdischen Geschichte in Zeltingen 
-  Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
-  Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
-  Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Zeltingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten die in Zeltingen, Rachtig, Lösnich und Ürzig lebenden jüdischen Personen eine gemeinsame Kultusgemeinde mit Synagoge in Zeltingen. Bereits in den 1830er-Jahren bemühten sich die Orte Rachtig und Lösnich um Selbständigkeit, da die Wege zur Synagoge und zur Schule nach Zeltingen vor allem im Winter zu beschwerlich waren. Die Bemühungen waren erfolgreich: nach 1853 bestanden drei Gemeinden in Zeltingen, Rachtig und Lösnich mit teilweise eigenen, teilweise gemeinsamen Einrichtungen. Um 1920 schlossen sich auf Grund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindeglieder die jüdischen Gemeinden von Zeltingen und Rachtig wieder zu einer Gemeinde zusammen.
        
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Zeltingen 1808 fünf jüdische Familien mit 33 Personen (drei Ehepaare, zwei Witwen, 25 Kinder), 1833 47 jüdische Einwohner, 1843 55, um 1850 46 (etwa 4 % der Gesamtbevölkerung), 1895 in Zeltingen und Rachtig zusammen 78 jüdische Einwohner (bzw. etwas anders nach "Statistischem Jahrbuch" 1895 in Rachtig 60, in Zeltingen 40 jüdische Einwohner, in Z. in zehn Familien), 1901 in Zeltingen 35 jüdische Einwohner (in acht Haushaltungen). 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle 1886). Als Lehrer werden u.a. genannt (teilweise für Lösnich, Rachtig und Zeltingen zuständig. teilweise eigene oder auswärtige Lehrer): Salomon Haas in Zeltingen (um 1838), Nathan Moses aus Niedermendig (seit etwa 1860 bis um 1874, wohnte in Rachtig), nach Ausschreibung einer eigenen Stelle in Zeltingen (s.u. 1886) wird 1888 als Lehrer in Zeltingen ein Herr Pauli genannt; 1889 unterrichtet Lehrer R. Nußbaum aus Wittlich, um 1892 als Lehrer in Zeltingen ein Herr Rosenthal (wird in den "Statistischen Jahrbüchern" jedoch nicht mehr ab 1893 genannt). 1895 waren in Zeltingen zehn Kinder zu unterrichten, 1901 noch zwei. 
Um 1895/1901 wird in den "Statistischen Jahrbüchern" als Schochet der Gemeinde Jacob Schoemann genannt. Dieser war von 1886 bis zu seinem Tod 1926 (Todesanzeige unten) ehrenamtlicher Vorbeter in der Synagoge der Gemeinde.  
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1878/1901 Jacob Bach.   
        
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 25 Personen in Zeltingen gehörten (1,3 % von insgesamt etwa 2.000 Einwohnern, in Rachtig lebten 39 jüdische Personen), war Vorsteher der Gemeinde Jacob Schömann. Damals erhielten 12 Kinder der Gemeinde Religionsunterricht, der durch Lehrer Hugo Friedmann aus Bernkastel erteilt wurde. 1932 war Gemeindevorsteher Hermann Levy. Als Kantor wird Max Marx genannt. Im Schuljahr 1931/32 erhielt nur noch ein Kind aus Zeltingen und eines aus Rachtig Religionsunterricht, weiterhin durch Lehrer Hugo Friedmann aus Bernkastel. Ehrenamtlicher Kantor war bis zu seinem Tod 1926 40 Jahre lang der Kaufmann Jacob Schiemann (siehe Anzeige unten). An jüdischen Vereinen gab es den Israelitischen Frauenverein mit Sitz in Rachtig (1932 unter Leitung von Frau Bach; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit und Bestattungswesen).       
    

Nach 1933
sind alle jüdischen Gemeindeglieder (1933: 17 in Zeltingen, 31 in Rachtig) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wurden zwar noch 18 jüdische Einwohner gezählt, die inzwischen der Gemeinde in Neumagen zugeteilt worden waren (1937), 1939 verließ jedoch der letzte jüdische Einwohner seinen Heimatort.   
         
Von den in Zeltingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; Angaben von Marie-Luise Conen): Alfred Bach (1882, siehe unten, "Stolperstein" in Düsseldorf), Ella Bach geb. Bach (1868), Gutella (Gudella) Ermann geb. Bach (1858), Rosa Grünhut geb. Marx (1876), Rosa Herz geb. Ermann (1879), Rosa Herz geb. Ermann (1879), Hedwig Hirsch geb. Bach (1869), Ludwig Kaufmann (1865), Sibilla Kaufmann (1874), Sophie Löb geb. Ermann (1880), Oskar Schömann (1891), Amalie Spanier geb. Kaufmann (1871). 
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Bericht zur jüdischen Geschichte von Zeltingen    
Bericht von 1930 
 

Aus einem Bericht im "Israelitischen Familienblatt" "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande - I. Moselwanderung von Koblenz bis Trier". Von S. Lilienthal - Wiesbaden vom 15. Mai 1930:
"Zeltingen, rechte Moselseite, 1,5 Kilometer von Rachtig, 2400 E. (Zeltingen-Rachtig ca. 3050 E.), 20 jüdische Seelen (1843: 55 Seelen, 1900: 35 Seelen). Die Gemeinde ist wahrscheinlich bald nach dem 30jährigen Kriege entstanden. Einige Wimpel stammen aus dem Jahre 1707; 1718 stirbt Frau Kres, Tochter des Mordechai aus Zeltingen. Synagoge 1835 erbaut. Jetzt Gottesdienst, abwechselnd mit Rachtig. Der alte Friedhof 'im Engeltor' 1880 geschlossen, ganz verwildert. "  

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1886
   

Zeltingen Israelit 06051886.jpg (49068 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1886: "Israelitische Gemeinde Zeltingen an der Mosel sucht zum 1. Mai einen Religionslehrer und Kantor (unverheiratet). Russen und Polen ausgeschlossen. Einkommen Mark 600 bei freier Wohnung mit circa 30 Mark Nebenverdiensten. Bewerber wollen sich mit Einsendung ihrer Zeugnisse melden. 
Jacob Bach."
  
Ähnlich der Text der Ausschreibung in "Israelitische Wochenschrift für die religiösen und sozialen Interessen des Judentums" vom 28. Januar 1886 S. 6 (ohne Textabbildung): "Israelitische Gemeinde Zeltingen a.d. Mosel sucht zum 1. April einen Religionslehrer für einige Kinder, jedoch guter Vorbeter und jungen Mann (unverheiratet). Russen und Polen ausgeschlossen. Einkommen M. 600 nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich wenden mit Einsendung ihrer Zeugnisse an Jacob Bach, Vorsteher."  

  
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod der Inhaber der Weingroßhandlung Bach (1932)   

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. Mai 1932: "Zeltingen a. d. Mosel. Von einem geradezu tragischen Schicksal ist die in Zeltingen an der Mosel beheimatete jüdische Familie Bach, eine der ältesten und bekanntesten jüdischen Familien an der Mosel, heimgesucht worden. Nachdem erst vor zwei Monaten der eine Inhaber der weit über die Grenzen bekannten Weingroßhandlung verschied, starb kurze Zeit darauf unerwartet ein zweiter Bruder, der seit Jahren in Genf lebte. Nun ist vor wenigen Tagen der Seniorchef des Hauses plötzlich am Herzschlag verschieden. Der schwergeprüften Familie wendet sich die Teilnahme der gesamten Bevölkerung zu, um so mehr, da die Dahingeschiedenen ihrer vornehmen Art der Berufsauffassung wegen sich weit über die Fachkreise und ihre Heimat hinaus großen Ansehens erfreuten."      

    
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen 

- 1879 - 1883: Max Bach aus Zeltingen ist Schüler an der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt (in "Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main..." 1879 S. 51 (Übersicht: "Gaben beim Eintritt von Zöglingen") sowie 1883 S. 44 (Übersicht: "Gaben beim Austritt von Zöglingen").  
- 1908: Verlobung von Lina Bach aus Zeltingen mit Adolf Schleedorf aus Frankfurt am Main (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 20. März 1908 S. 6). 
- 1912 macht Abitur an der Jacobson-Schule in Seesen am Harz: Hermann Moses, geb. 4. März 1896 in Zeltingen (Vater verstorbener Bürstenfabr.), gewählter Beruf: Bankfach (in: Bericht über die Jacobson-Schule... 1912-1913 Heft 1 S. 12).  

  
Über Alfred Bach (geb. 1882. umgekommen 1942 im Ghetto Litzmannstatt (Łódź)   

Nach dem "Gedenkbuch zur Erinnerung an die jüdischen Opfer 1933-1945 der Landeshauptstadt Düsseldorf" (ausführlich siehe: https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/bach-alfred/): Alfred Bach wurde am 26. Oktober 1882 in Zeltingen geboren als Sohn von Jacob Bach und seiner Frau Johanna geb. Weil. Als Weinhändler für die "Gebr. Bach, Zeltingen Mosel, Weinbau und Weinhandel" kam Alfred Bach 1912 als nach Düsseldorf, wo er mit seiner Frau Gertrude geb. Herz (aus Ockenheim) und den gemeinsamen Kindern Doris (geb. 1913) und Richard (geb. 1919) lebte. Im Ersten Weltkrieg diente Alfred Bach als Offizier-Stellvertreter und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
In der NS-Zeit war die Familie zunehmend Repressionen ausgesetzt: Während den Kindern Doris (1938) und Richard (1939) die Emigration nach Schweden beziehungsweise Amerika gelang, wurden Alfred und Gertrude Bach im Novemberpogrom 1938 Opfer von Gewalt und Zwangsmaßnahmen. Am 27. Oktober 1941 wurden sie in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Dort lebten sie unter schweren Bedingungen, erhielten zeitweise Unterstützung und konnten eine drohende Deportation im Mai 1942 durch Bachs Kriegsauszeichnungen vorerst abwenden. Gertrude Bach wurde im September 1942 in das Vernichtungslager Chełmno verschleppt und ermordet. Alfred Bach ist kurz darauf am 8. Oktober 1942 im Ghetto von Litzmannstadt umgekommen." 

  
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige / Lehrlingssuche des Schuhmacherbedarfsartikel-En gros-Geschäftes Kaufmann & Bach (1881) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1881: "In unserm Hause ist eine Lehrlingsstelle zu besetzen. Schabbat und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause.
Kaufmann & Bach,

Schuhmacherbedarfsartikel-En gros-Geschäft, Zeltingen bei Trier."     

  
Spendenaufruf für arme, kranke Witwe (1898)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1898: "Bitte an edle Glaubensgenossen!
Eine bereits 15 Jahre gichtleidende, israelitische Witwe in Zeltingen deren Tochter sie bis jetzt redlich ernährte, jedoch wegen Verschlimmerung des Leidens die Mutter nicht mehr verlassen kann, bittet um einen Beitrag zur unumgänglichen Renovierung ihres Hauses. Gütige Spenden, über die später an dieser Stelle quittiert wird, nimmt die Geschäftsstelle dieses Blattes unter Nr. 1744 gerne entgegen.
Die Wahrheit der vorstehenden Angaben bescheinigt:
E. Kaufmann, J. Wendel, M. Kaufmann,
   Gemeindemitglieder."   

 
Lehrlingssuche der Metzgerei Lion Ermann (1904)   

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 24. November 1904: "Lehrling gesucht. Für meine an Sabbat und Feiertagen geschlossene Metzgerei suche einen Lehrling.
Lion Ermann, Zeltingen a.d. Mosel.
" 

      
Traueranzeige für Fanny/Friedricke Bach (1919)     
   
Anmerkung: es handelt sich sicher um Friedricke Bach geb. Schmitt (gest. 1919 im 84. Lebensjahr), Frau von Marx Bach, deren Grabstein in der Seite zum jüdischen Friedhof abgebildet ist.    

Anzeige in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 14. November 1919: "Am 3. November entschlief sanft zu Godesberg, unsere liebe Mutter, Großmutter, Urgrossmutter und Schwiegermutter Frau
Wwe. Max Bach
Fanny geb. Schmidt im Alter von fast 81 Jahren.
Sie wurde in Zeltingen zur letzten Ruhe gebracht. 
Godesberg, Wittlich, Volmaranstad (Afrika) und Köln im November 1919.
Im Namen der Trauernden
Frau S. Daniel    Therese geb. Bach."  

  
Traueranzeige für Jacob Schoemann (1926)   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. September 1926: "Am 5. September verschied nach kurzem Krankenlager unser treuer Gemeindevorsteher,
Herr Jacob Schoemann, Kaufmann, Zeltingen/Mosel, im Alter von 67 Jahren, nachdem er 40 Jahre als ehrenamtlicher Kantor in der Gemeinde Zeltingen-Rachtig in vorbildlicher Weise gewaltet hat. Wir verlieren in dem Entschlafenen nicht nur einen treuen Diener Gottes, sondern auch einen Menschen von seltener Geistesgabe und Bescheidenheit.
Die trauernde Gemeinde Zeltingen-Rachtig." 

  
Hochzeitsanzeige von Alvin Mayer und Hilde geb. Schoemann (1944 nach Auswanderung in die USA)   

Anzeige in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 28. April 1944: "Statt Karten!
Alvin Mayer (formerly Niedermendig Bez. Koblenz) - Hilde Mayer née Schoemann (formerly Zeltingen, Mosel) 
Married  April 16, 1944   4527 Drexel Blvd., Apt. 1-C   Chicago, Ill."

  
   
   
Zur Geschichte der Synagoge          
   
Eine Synagoge in Zeltingen wird erstmals 1821 genannt. Sie wurde damals auch von den in Rachtig, Lösnich und Ürzig lebenden Juden besucht. Die jüdischen Einwohner dieser Orte bemühten sich jedoch seit etwa 1835 um die Einrichtung eigener Betsäle. So gab es in Lösnich ab 1835 einen eigenen Betraum. Nach einem Brand der Zeltinger Synagoge im Jahr 1837 konnte sie nochmals repariert und weiter benutzt werden. 1842 war das Gebäude allerdings in sehr schlechtem Zustand. Ein Neubau war erforderlich, der nach 1850 erstellt werden konnte. Am 19. August 1853 wurde die neue Synagoge feierlich eingeweiht. Es gab dabei musikalische Darbietungen; in besonderer Weise werden unter den Musikern die Herren Gebrüder Hirsch aus Bernkastel genannt, die bei der Einweihung in Zeltingen mitgewirkt haben. Dies geht aus einem Bericht von 1855 hervor, in dem vom Bau und der Einweihung dreier neuer Synagogen im Regierungsbezirk Trier - in Zeltingen, Bernkastel und Müstert-Emmel die Rede ist:   
       
Über die Einweihung der Synagogen in Zeltingen, Bernkastel und Müstert-Emmel (Bericht von 1855)

Zeltingen AZJ 02041855.jpg (195479 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. April 1855: "Regierungsbezirk Trier, 15. März (1855). Mit Recht erkennt man in den vielen, in neuerer Zeit erbauten Synagogen den Beweis für die wieder neu erwachte Liebe und Begeisterung für unsere Religion und deren Institutionen. Aus welchen anderen Motiven sonst würden die Gemeinden die so großen Opfer darbringen, wenn nicht der religiöse Drang sie hierzu antreiben sollte? Aus unserem Regierungsbezirke wäre in jedem Jahre über eine oder mehrere neu erbaute Synagogen und deren feierliche Einweihung zu berichten und zwar meistens in kleinen und unbemittelten Gemeinden. So haben denn auch drei kleine Gemeinden im Kreise Bernkastel, nämlich Bernkastel, Zeltingen in neuerer Zeit und am verflossenen Sabbat Ki tissa (Schabbat mit der Toralesung Ki tissa = 2. Mose 30,11 - 34,35, das war Samstag, 10. März 1855) Müstert-Emmel recht hübsche Synagogen durch unseren Oberrabbiner, Herrn Kahn aus Trier, auf die feierlichste Weise eingeweiht. Letzterer Gemeinde muss dieses noch umso mehr anerkannt werden, als sie aus nur zehn unbemittelten Familien besteht, welche alle durch mehrjährige Sammlungen über 1.000 Taler aufbrachten und mit gutem und frohem Herzen Alles aufboten, um auch die Einweihung auf schöne und erhabene Weise zu feiern. Besonders Anerkennung und Dank verdienen die intelligenten und religiösen Kaufleute, die Herren A. Marx und Schews aus Bernkastel, die dort den Gottesdienst durch Leitung eines hübschen Chores verherrlichen, auch bei dieser Gelegenheit wieder wie früher bei den Einweihungen zu Bernkastel und Zeltingen in Gemeinschaft mit den Musikern, den Herren Gebrüder Hirsch aus Bernkastel, ohne Zeit- und Geldopfer zu scheuen - erschienen und zur Hebung der Feierlichkeit sehr viel beitrugen. Durch dieses ihr gottgefälliges Wirken verursachen sie nicht nur eine Heiligung des Gottesnamens bei dem bei solchen Gelegenheiten anwesenden zahlreichen christlichen Publikum, da es hierdurch eine bessere Ansicht über Judentum und jüdischen Gottesdienst bekommt, - regen vielmehr auch die jüdischen Gemeinden an und bestimmen sie, einen geregelteren und anständigeren Gottesdienst in der Zukunft einzuführen. Dank, innigen Dank daher diesen Biedermännern! Die genannten Gebrüder Hirsch, die gewöhnlich auch die bei solchen Festen stattfindenden Bälle leiten, können wir für derartige Feierlichkeiten allen Gemeinden bestens empfehlen; wie sie denn auch wegen ihrer Tüchtigkeit, Anspruchslosigkeit und, obgleich sie sich und ihre zahlreichen Familien von ihrer Musik ernähren müssen - Uneigennützigkeit in unserer ganzen Gegend bekannt und beliebt sind und seit vielen Jahren von unserem Herrn Oberrabbiner den betreffenden Gemeinden auch anempfohlen werden."

Aus der Geschichte der Synagoge in Zeltingen ist ansonsten nur wenig bekannt. Etwa 80 Jahre war sie Zentrum des gottesdienstlichen Lebens der jüdischen Gemeinde in Zeltingen, zeitweise auch der Gemeinde in Rachtig, die mit Zeltingen in enger Beziehung stand. Nach 1920 wurden offenbar Gottesdienste abwechselnd in der Synagoge in Zeltingen und der in Rachtig abgehalten.     
  
Nachdem auf Grund der nach 1933 weiter zurückgegangenen Zahl der jüdischen Gemeindeglieder kein Gottesdienst mehr abgehalten werden konnte, wurde die Synagoge bereits vor dem Novemberpogrom 1938 an einer Privatperson verkauft. Zuvor gab es im Juli 1938 noch einen Abschiedsgottesdienst:        
  
Letzter Gottesdienst in der Synagoge (1938)     

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Juni 1938: "Zeltingen a. d. Mosel. Wegen Schrumpfung der Gemeinde wurde die Synagoge nach 85jährigem Bestehen geschlossen. Bei einem zahlreich besuchten Abschiedsgottesdienst sprach zunächst für die noch ortsansässigen Gemeindemitglieder Herr Bach jr. Worte, danach Oberlandesgerichtsrat a. D. Franken (Düsseldorf). Die Abschiedspredigt hielt Rabbiner Dr. Klein (Düsseldorf). Der Friedhof Ist in die Verwaltung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden übergegangen."     
 
Ähnlicher Bericht in der "CV-Zeitung" - Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 23. Juni 1938 (ohne Textabbildung, Link): "Zeltingen a. d. Mosel. Unter zahlreicher Beteiligung aus den umliegenden Gemeinden wurde in der Synagoge in Zeltingen der letzte Gottesdienst abgehalten. Für die letzten Gemeindemitglieder fand Herr Bach jr. Worte wehmütigen Gedenkens. Oberlandesgerichtsrat a. D. Josef Franken (Düsseldorf) nahm in seiner Eigenschaft als Betreuer der Not leidenden jüdischen Gemeinden im Rheinland ergriffen Abschied von dem Gotteshaus, das 85 Jahre lang seinem Zweck gedient hat. Der Friedhof ist nunmehr der Obhut des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden übergeben worden. Zum Schluss des Gottesdienstes sprach Rabbiner Dr. S. Klein (Düsseldorf)."  

Obwohl nun die Synagoge danach nicht mehr als solche verwendet wurde, soll sie beim Novemberpogrom 1938 verwüstet worden sein. Zunächst wurde das Gebäude als Lagerschuppen und Scheune verwendet.
     
In den 1950er-Jahren
wurde - nach Klärung des Restitutionsverfahrens mit dem neuen Eigentümer (Nachzahlung eines Betrages) - die ehemalige Synagoge großenteils abgebrochen und an ihrer Stelle eine Wohnhaus erstellt. Die Grundmauern der Synagoge blieben beim Neubau erhalten. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht vorhanden. 
    
    
 
Adresse/Standort der Synagoge:    Fährstraße 22   
    

    
Fotos    

Historische Ansicht 
der Zeltinger Synagoge 
(Quelle: Publikation des Landesamtes
 s.Lit. S. 412)
Zeltingen Synagoge 010.jpg (70402 Byte)
    Blick auf die Synagoge - ein Bruchsteinbau mit Walmdach. Das von der Fährstraße aus 
über das Gittertor zugängliche Gebäude hatte einen kleinen Vorplatz ("Synagogenhof"). 
      
 Synagogenstandort im Frühjahr 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum April 2006)
     
Zeltingen Synagoge 102.jpg (69183 Byte) Zeltingen Synagoge 101.jpg (62009 Byte) Zeltingen Synagoge 100.jpg (86836 Byte)
Blick auf das an Stelle der ehemaligen Synagoge erstellte Wohnhaus, das auf den Grundmauern der ehemaligen Synagoge steht.  
 
 Synagogenstandort im Sommer 2026
(Fotos: Jonathan Blöcher)
   
   Gedenken an die Synagoge mit einer Tafel und dem Text: "Synagoge - An der Stelle des heutigen Gasthauses (links) stand die 1821 errichtete Synagoge der jüdischen Gemeinde Zeltingen. Bis 1853 war sie zugleich auch Partikularsynagoge für die Juden aus Rachtig, Ürzig und Lösnich, die damals eine eigene Synagogengemeinde gründeten. Nach einem Rückgang der Gemeindeglieder fanden die Gottesdienste ab 1920 nur noch im Wechsel von Zeltingen und Rachtig statt. 
1842 lebten allein in Zeltingen 55 Juden. 1938 waren es in Zeltingen und Rachtig zusammen nur noch 18. Die letzten jüdischen Mitbürger verließen Zeltingen im Jahre 1939. Die Synagoge wurde schon vor der Reichskristallnacht verkauf und in den 50er-Jahren abgebrochen." 

    
     

Links und Literatur  

Links:   

bulletWebsite der Gemeinde Zeltingen-Rachtig     
bulletSeite bei der Kulturdatenbank Trier zur Synagoge in Zeltingen   
bulletZur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Zeltingen (interner Link)    

Literatur:  

bulletHubert Gessinger: Die Juden von Zeltingen-Rachtig. 1984.  
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 412-413 (mit weiteren Literaturangaben).
bulletMarie-Luise Conen / Hilde Weirich: Jüdische Familien von der Mittelmosel. Lebensläufe von 1714 bis zur Gegenwart. Paulinus Verlag Trier 2010. € 24.90. 
Informationen auf der Verlagsseite.   

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Zeltingen-Rachtig  Rhineland. In 1808, 33 Jews lived in Zeltingen and 17 in Rachtig. In 1895, the combined population was 78. The community in Zeltingen, which had a synagogue by 1821, constituted the center for the two. In 1853, however, the Rachtig community formed its own congregation, building a synagogue c. 1910. A common cemetery was opened in 1876. In 1933, the combined population was 45, dwindling to 18 by 1939. In 1937, the community attached itself to the Neumagen congregation. The synagogue in Zeltingen was sold before Kristallnacht (9-10 November 1938), while the one in Rachtig was desecrated during the pogrom. By August 1939, the last Jews left the town. However, 23 met their deaths after being trapped by the Nazis in their places of refuge.  
         
           

                   
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Stand: 09. August 2026