Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gernsbach (Landkreis Rastatt) 
(ab 1928 mit Gaggenau, Hörden und Bad Rotenfels)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 
 (Die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Irene Schneid-Horn)  

Übersicht:   

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
bulletLinks und Literatur   

       
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen zwei unterschiedlichen Landesherren (Baden und Hochstift Speyer) geteilten Gernsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. Erstmals wird 1683/84 im speyerischen Teil von Gernsbach die jüdische Familie von "Israel, dem Juden" genannt (1683 ist noch ohne Namensnennung von einer jüdischen Familie in Gernsbach die Rede, womit sicher Israel gemeint war). 1694 verstarb der Dienstbote des Juden Israel in Gernsbach, der in Kuppenheim beigesetzt wurde; bereits 1689 war sein Schwiegervater gestorben. Bis zu seinem Tod im August 1711 war Israel der einzige Schutzjude in Gernsbach; er lebte vom Handel mit verschiedenen Waren und vom Geldverleih. Nach Israels Tod wurde 1712 Isaac Lazarus als Schutzjude in Gernsbach aufgenommen. Er stammte aus dem pfälzischen Eisenberg; zu seiner Familie gehörten 1722 zusammen neun Personen. 
Hinweis auf den Beitrag von Cornelia Renger-Zorn: Erste Juden in Gernsbach (online zugänglich).
 
Unbekannt ist der Ursprung der heute noch so genannten "Judengasse" in der Altstadt. Es lässt sich nicht nachweisen, dass sich hier die jüdische Bevölkerung konzentrierte. Nur ein jüdisches Wohnhaus ist dort nachweisbar: 1798 brannte das Haus von Isaac Kaufmann an der Ecke heutige Judengasse/Amtsgasse ab. Allerdings ist damals noch nicht von einer "Judengasse" die Rede.   
 

Die Zahl der jüdischen Familien blieb im 18. Jahrhundert klein: bis 1711 war nur die Familie des Israel in der Stadt. 1721 wurden vier jüdische Erwachsene und drei Kinder gezählt; bis 1784 waren es vier Familien. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: um 1825 56 jüdische Einwohner (2,7 % von insgesamt 2.055), 1852 56 (2,6 % von 2.183), 1871 54 (2,3 % von 2.321), 1880 52 (2,1 % von 2.524), 1895 68 (2,5 % von 2.688), 1900 57 (2,1 % von 2.679), höchste Zahl um 1910 mit 71 Personen (2,5 % von 2.804). 
 
An älteren jüdischen Wohnhäusern sind in besonderer Erinnerung (weitere Adressen siehe unten): im Eckhaus Judengasse/Amtsstraße wohnte um 1800 der vermögende Kolonialwarenhändler Simon Kaufmann, ein Nachkomme des 1733 aus Untergrombach zugezogenen David Kaufmann (siehe unter Lit. der Beitrag von C. Renger-Zorn), in der Loffenauer Straße 9 Eli Neter, der Vater des berühmten Mannheimer Kinderarztes Dr. Eugen (Isaak) Neter (siehe unten; an die Familie Neter erinnert die 1922 an einem Wanderweg Richtung Müllenbild/Baden-Baden errichtete Schutzhütte, noch heute Neter-Hütte genannt). Die bis 1903 bestehenden Eisengroßhandlung der Familie Neter war in der Hauptstraße 21.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal / Synagoge (s.u.) und eine jüdische Religionsschule (der Religionsunterricht wurde im 19. Jahrhundert zeitweilig in Räumen der Höheren Bürgerschule am Marktplatz abgehalten). Ein rituelles Bad bestand nicht; die Einrichtung scheiterte im 19. Jahrhundert am Widerstand des Gemeinderates der Stadt. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim beigesetzt (Foto links: Grabstein für Karl Marx aus Gernsbach in Kuppenheim, geb. 1908, gest. 1931). Auch die Anlage eines eigenen jüdischen Friedhofes in Gernsbach scheiterte am Widerstand des Gemeinderates. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibungen der Religionsschulstelle Gernsbach bzw. Gernsbach-Hörden). Als Lehrer werden genannt: Mitte des 19. Jahrhunderts Lehrer Adler, 1857 bis 1861 Jakob Scherer, ab 1861 für wenige Jahre Baruch Frank, um 1871 Lehrer A. Heidingsfeld (in "Der israelitische Lehrer" vom 14.6.1871 S. 191). Um 1887/1903 erteilte Lehrer Moses aus Hörden den Religionsunterricht in Gernsbach; 1901 waren fünf Kinder aus Gernsbach zu unterrichten.
  
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Bühl.    
 
Eine Stiftung wird um 1900 genannt: die Sal. Kaufmann'sche Stiftung (in "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1901 S. 114).
 
Als Gemeindevorsteher werden genannt: um 1848 "Synagogenrat zu Gernsbach" S. Kaufmann (in: "Der treue Zionswächter" vom 15.9.1848 S. 296 und "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 25.9.1848 S. 584), um 1887/1897 Eli Neter (1897 zusammen mit Gustav Dreyfuß und S. Stern; Eli Neter war zusammen mit Leo Wertheimer zudem Bezirksältester im Synagogenbezirk Bühl, er starb 1908), um 1909 weiterhin Gustav Dreyfuß.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Vize-Wachtmeister Julius Falk (geb. 19.3.1895 in Berwangen, gef. 22.8.1917), Max Kohn und Albert Stern. Ihre Namen wurden auf dem 1936 erstellten Gefallenendenkmal der Stadt nicht eingetragen, jedoch 1985 mit einer Einweihungsfeier nachträglich ergänzt (Namen von Max Kohn und Albert Stern; der Name des aus Berwangen stammenden Julius Falk findet sich auf dem dortigen Gefallenendenkmal). Ausgezeichnet für seinen Kriegseinsatz wurde Zahlmeister Max Baer: er erwarb sich neben dem Eisernen Kreuz (EK II) die Badische Silberne Verdienstmedaille (Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Januar 1917 S. 4)
 
Um 1924, als noch 62 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,9 % von 3.368 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Hermann Nachmann, Josef Dreyfuß und Emil Nachmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet kam regelmäßig Lehrer J. Grünbaum aus Kuppenheim nach Gernsbach. Er hatte damals 12 Kinder in Gernsbach zu unterrichten. 1932 waren die Gemeindevorsteher Hermann Nachmann (1. Vors.), Julius Maier (Hörden, 2. Vors.) und Max Baer (2. Vors. und Schriftführer). Inzwischen kam als Lehrer und Schochet regelmäßig Lehrer Hermann Translateur aus Rastatt nach Gernsbach. Im Schuljahr 1931/32 hatte er 7 Kinder in Gernsbach zu unterrichten. Zur jüdischen Gemeinde in Gernsbach gehörten in den Außenorten: Hörden 14 jüdische Personen, Gaggenau 8 und Rotenfels 4 (in Rotenfels Arztfamilie Dr. Isidor Meyerhoff, siehe Presseartikel unten).  
  
Seit Mitte 1928 gab es, nachdem die Zahl der jüdischen Einwohner in Hörden stark zurückgegangen war, eine gemeinsame Israelitische Religionsgemeinde Gernsbach – Hörden
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Gemischtwarengeschäft Friederike Baer (Igelbachstraße 21, abgebrochen), Manufaktur- und Möbelgeschäft Julius und Max Baer (Igelbachstraße 7), Eisenhandlung Emanuel Dreyfuß (Igelbachstraße 5), Kleidergeschäft Leopold Dreyfuß (Bleichstraße 4), Metzgerei Adolf Maier (Hauptstraße 14), Kaufhaus für Konfektions- und Manufakturwaren, Wäsche und Ausstattungsgeschäft, Möbellager, Inh. Emil Nachmann und Julius Ochs (Igelbachstraße 8), Eisenwarengeschäft, Haus- und Küchengeräte, Inh. Hermann Nachmann und Herbert Walter (Bleichstraße 2), Viehhandlung Josef Salomon Stern (Igelbachstraße 17, abgebrochen).
 
1933 lebten noch 54 jüdische Personen in Gernsbach. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung wanderten bis 1939 die meisten von ihnen aus (USA, Palästina, Uruguay und Argentinien). Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch auswärtige SA-Leute die Synagoge angezündet und zerstört; die bis dahin noch bestehenden jüdischen Geschäfte und Wohnungen wurden demoliert. Am 1. Januar 1939 wurden noch 25 jüdische Einwohner gezählt; am 22. Oktober 1940 wurden die letzten neun jüdischen Einwohner aus Gernsbach nach Gurs deportiert.  
      
Von den in Gernsbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Cahn geb. Stern (1874), Hilda Dreyfuß (1899), Arthur Kahn (1887), Erna Kahn geb. Dreyfuß (1895), Eugen Lorsch (1884), Marianne Lorsch (1924), Hermann Nachmann (1867), Else Neter (1883), Irma Pappenheim geb. Stern (1881), Mathilde Schlossberger geb. Neter (1868), Johanna Schönberger geb. Dreyfuß (1892), Kätchen (Käthe) Simon (1885), Eva Stern (1925), Hedwig Stern geb. Koch (1898), Ludwig Stern (1886), Moritz Stern (1884), Ella Weil geb. Stern (1888).   
   
Von den in Gaggenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Nathan Kahn (1878), Abraham Neumark (1863).    
         
         
         
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
    
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1836 / 1840)        

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1836 S. 460  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Erledigte Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde Gernsbach ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 60 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Bühl zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Bühl, den 24. Mai 1836. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1840 S. 426 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde Gernsbach ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 60 Gulden nebst freier Wohnung und ein hinreichender Ersatzbetrag für Verköstigung nach Vorschrift der verehrlichen großherzoglichen Oberrats-Verordnung vom 22. Oktober 1839 Nr. 383, sowie auch der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Es werden daher Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Bühl zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner Willstätter zu Bühl zur Bewerbung zugelassen werden ."    

   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1916 / 1920 / 1922  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1916: "Bekanntmachung. Die mit dem Kantor- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle Gernsbach - Hörden (Großherzogtum Baden), ist auf den 1. Januar 1917 neu zu besetzen.   Festes Gehalt vorerst 1.200 Mark, mit Aussicht auf Erhöhung. Nebeneinkommen mindestens 500 Mark, freie Dienstwohnung für einen Ledigen.   Meldungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind sofort an die unterzeichnete Stelle zu richten.   
Bühl
(Baden), den 21. November 1916. Die Bezirkssynagoge. Dr. Mayer."    
    
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Januar 1920: "Die Kantor-, Religionsschul- und Schächterstelle
in Gernsbach-Hörden
(Baden)
ist sofort neu zu besetzen. Gesamteinkommen garantiert 3000 Mark, freie Wohnung. Ledige bevorzugt.
Meldungsschreiben nebst beglaubigten Zeugnisabschriften sind an die unterzeichnete Stelle einzureichen.
Bühl (Baden), den 6. Januar 1920.
Die Bezirks-Synagoge.  Dr. Meyer."   
   
Gernsbach Israelit 19101922.jpg (55786 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1922: "Die mit der Kantor- und Schächterstelle verbundene Religionsschulstelle Gernsbach-Hörden (Baden) ist sofort zu besetzen. Fixum 60.000.- Mark und Nebeneinkommen 15.000.- Mark nebst freier Wohnung. Der Dienst in beiden benachbarten Gemeinden ist durch einen gemeinsamen Lehrer zu versehen. Meldungen und Zeugnisabschriften sind an die unterzeichnete Stelle einzusenden. 
Die Bezirkssynagoge Bühl. Dr. Mayer."    

    
Jacob Scherer aus Sinsheim ist ab 1857 Lehrer in Gernsbach (Berichte von 1875, 1911 und 1926)     
Anmerkung: Jakob Scherer ist am 7. Mai 1838 in Sinsheim geboren und war bereits seit 1857 - Alter von 18 Jahren - als Lehrer in Gernsbach tätig. Vermutlich nach seiner 1. Dienstprüfung in Karlsruhe 1861 wechselte er nach Freiburg. Die in den Berichten gemachten Angaben sind teilweise unterschiedlich. Jakob Scherer ist am 8. Februar 1926 in Frankfurt gestorben.  

Mitteilung in der "Einladungsschrift zu der... öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" in Frankfurt am Main 1876 S. 28: "Jacob Scherer, geb. den 7. Mai 1838 zu Sinsheim bei Heidelberg, erhielt den ersten Unterricht in der höheren Bürger-Schule seiner Geburtsstadt. Im Jahr 1855 trat er in das Seminar in Karlsruhe ein. Nach seiner Abiturientenprüfung wurde ihm die Schulstelle in Gernsbach übertragen. 1861 bestand er die Dienstprüfung in Karlsruhe. Vom Frühjahr 1865 bis Herbst 1866 bekleidete er die Stelle eines ordentlichen Lehrers in Freiburg und hörte während 2 Semester Vorlesungen an der dortigen Universität. Darauf wurde er an die Stadtschule und im Jahre 1872 an das Gymnasium in Karlsruhe berufen, welche Anstalt er verließ, um am 1. April 1875 die ihm übertragene Lehrerstelle an der Realschule der israelitischen Gemeinde in Frankfurt zu übernehmen."      
 
Sinsheim FrfIsrFambl 12041911.jpg (228085 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1911: "Frankfurt am Main. Mit Beginn dieses Monats schied Herr Jakob Scherer, Lehrer am Philanthropin, aus seiner 54-jährigen Lehrtätigkeit, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. In Sinsheim (Baden) im Jahre 1838 geboren, besuchte er die dortige höhere Bürgerschule und bezog hierauf das Karlsruher Lehrerseminar. Nach bestandener Lehrerprüfung wirkte er seit 1857 in Gernsbach und Freiburg in Baden, später an der israelitischen Stadtschule und dem Großherzoglichen Gymnasium in Karlsruhe. Von dort wurde er 1875 als ordentlicher Lehrer an die Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt berufen, welcher er während 36 Jahren mit voller Hingebung seine ganze Kraft und sein großes Lehrgeschick widmete. Zahlreiche Schülergenerationen sind ihm in treuer Anhänglichkeit dankbar, und auch früher schon wurde ihm die öffentliche Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens durch Verleihung des Kronenordens 4. Klasse zuteil aus Anlass der Einweihung des neuen Schulgebäudes des Philanthropins im Herbste 1908. 
Sein Abschied von der Schule und der Lehrtätigkeit nach mehr als einem halben Jahrhundert, gestaltete sich zu einer erhebenden Familienfeier, an der alle, die zu dieser Schule in Beziehung stehen, herzlichen Anteil nahmen. In warmen, herzlich empfundenen Worten gab Direktor Adler den Gefühlen Ausdruck, die in erster Linie die Kollegen und Schüler des greisen Lehrers bewegen, der - trotz seiner 73 Jahre - noch ungebeugt von den Beschwerden des Alters, sich in den im wahren Sinne wohlverdienten Ruhestand zurückzieht, um jüngeren Kräften Raum zu geben. Indem der Direktor ferner auch den Dank und die Anerkennung des Vorstandes und des Schulrates der israelitischen Gemeinde aussprach, überreichte er dem verdienten Pädagogen die ihm vom Kaiser verliehene Auszeichnung, den Roten Adlerorden 4. Klasse, als weitere Anerkennung für den schon mit dem Kronenordnen Ausgezeichneten, dabei dessen weitere Verdienste um die Gemeinde wie auch auf sozialem Gebiete hervorhebend. Die warme Anhänglichkeit der gegenwärtigen, wie der früheren Schüler des Gefeierten brachten ein paar kräftig herausgeschmetterte Worte eines Sextaners sowie die Ansprache eines Vertreters des Vereins der ehemaligen Schüler des Philanthropins zum Ausdruck. Für alle diese Ehrungen dankte der Scheidende mit bewegten Worten des Abschieds an Schule, Kollegen und Schüler."  
 
Zum Tod von Lehrer Jakob Scherer (1926 in Frankfurt)    
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Februar 1926: "Frankfurt a. M. (Persönliches). Am 8. dieses Monats verstarb der im Ruhestand lebende Lehrer Herr Jakob Scherer im 88. Lebensjahre. Mit ihm verliert die Frankfurter Gemeinde einen Mann, dessen Leben bis zum letzten Augenblick beneidenswert genannt werden kann. In dem badischen Städtchen Sinsheim geboren, kam er mit 18 Jahren als Lehrer nach Gernsbach und von da im Jahre 1866 an das Großherzogliche Gymnasium in Karlsruhe, wo er bis zum Jahre 1875 wirkte. Von hier wurde er an das Frankfurter Philanthropin berufen und an dieser an Tradition so reichen Schule fand er seine Lebensaufgabe. Der Verstorbene, dem ein glückliches Gemisch von Frohsinn und Würde eigen war, verstand es kraft seiner natürlichen Veranlagung, sich die Herzen und Seelen seiner Zöglinge — und gerade die jüngsten waren ihm aus diesem Grunde anvertraut — zu gewinnen, sodass sie mit einer geradezu stürmischen Verehrung an ihm hingen. 54 Jahre, davon 36 in Frankfurt, hat er so in der ihm eigenen fröhlich-ernsten Weise Menschen für das Leben vorbereitet. mit denen er auch später freundschaftlich verbunden blieb und denen er auch nach der Schulzeit, selbst als gereiften Männern noch, das vertrauliche Du schenkte. Als er 1911 im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand trat, fühlte er sich noch zu jung zur Muße des Alters und bezog die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, den Vorläufer der hiesigen Universität, als Hörer. Daneben widmete er sich der sozialen Tätigkeit in ausgedehntem Maße, besonders für seine Standesgenossen. Jahrzehntelang gehörte er dem Vorstand der hiesigen Hauptsynagoge an, dessen Ehrenvorsitzender er zuletzt war. Bei Ausbruch des Krieges, als durch die Einberufung jüngerer Lehrer Mangel an Lehrkräften eintrat. stellte er sich, auch ein Kriegsfreiwilliger, mit 76 Jahren wieder in den Dienst der Schule. Alt ist der Lebenskünstler Scherer nie geworden. Fröhlich, wie er gelebt hat, ist er, bereit, wie er war, in eine bessere Welt eingegangen. Die überaus starke Beteiligung bei der Beerdigung dieses seltenen Mannes und die Reden an seiner Bahre legten Zeugnis ab von der Liebe und Verehrung, die die Frankfurter Gemeinde dem Dahingeschiedenen zollt."   
 
  Links: Erinnerungen an Jakob Scherer im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" 1926 3 S. 8+10.
Text wird nicht abgeschrieben - bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken.

 
Baruch Frank aus Nonnenweier ist 1861 Lehrer in Gernsbach (Berichte von 1875 und 1895)       

Anmerkung: die Berichte enthalten unterschiedliche Angaben zur Zeit als Lehrer in Gernsbach. Baruch Frank war sehr wahrscheinlich direkter Nachfolger von Jakob Scherer. Der Bericht von 1875 dürfte korrekt sein, wonach Baruch Frank in Hechingen und nicht in Sigmaringen als Lehrer gewirkt hat.  

Mitteilung in der "Einladungsschrift zu der... öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" in Frankfurt am Main 1875 S. 2: "In das Lehrer-Kollegium eingetreten sind:
1. Mit dem Beginn des Schuljahrs: Herr B. Frank, bis dahin Lehrer in Hechingen. Baruch Frank wurde am 18. Januar 1840 zu Nonnenweier im Großherzogtum Baden geboren. Er besuchte die dortige Volksschule und wurde nebenbei von zwei Lehrern, bei denen er Real- und fremdsprachlichen Unterricht erhielt, für das Seminar in Karlsruhe, das er 1856 bezog, vorbereitet. Nach seiner Abiturientenprüfung 1858 bekleidete er die Religions-Schulstelle in Hörden-Gernsbach, bis er Ende 1860 an die Elementarschule nach Hechingen als erster Lehrer berufen wurde. 1862 bestand er zu Sigmaringen die Lehrer-Prüfung für Mittelschulen und war seitdem neben der Elementarschule auch als Lehrer an der höheren Töchterschule und als Translator bei dem Königl. Kreisgericht zu Hechingen tätig, bis er Ende März v. I. einem Rufe an die Realschule der israelitischen Gemeinde (sc. in Frankfurt am Main) folgte."      
 
Mitteilung in "Programm der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt Ostern 1895 S. 26-27: "Einen sehr schmerzlichen Verlust haben wir noch gegen Ende des Schuljahres erlitten. Unser Kollege Frank, der schon lange leidend war, der aber für die geringe Stundenzahl, die ihm auf sein Verlangen belassen wurde, sich mannhaft aufrecht erhielt und noch am Montag 25. Februar in unserer Schule unterrichtete, ist wenige Tage darauf, Samstag 2. März sanft verschieden. Am 5. März vormittags wurde er zur ewigen Ruhe geleitet. An seiner Bahre widmeten ihm die Herren Rabbiner Dr. Plaut, Dr. med. Blumenthal (im Namen des Schulrats) und, in Vertretung des Direktors, Kollege Dr. Brüll (namens des Lehrerkollegiums) einen ehrenden Nachruf. Am Nachmittage desselben Tages fand unter Teilnahme der ganzen Schule eine Trauerfeier statt, bei der Herr Oberlehrer Dr. Kracauer die Gedenkrede hielt. — Baruch Frank wurde am 18. Januar 1840 zu Nonnenweier (Baden) geboren, besuchte das Lehrerseminar in Karlsruhe und bestand dort 1858 die erste, 1862 in Sigmaringen die zweite Lehrerprüfung. Er war zuerst Religionslehrer in Hörden-Gernsbach, dann Lehrer an der Elementarschule in Sigmaringen, von wo er im März 1874 an unsere Schule berufen wurde. (Vergleiche unser Programm von 1875. Schulnachrichten S. 2). Hier hat er hauptsächlich an der Vorschule unterrichtet, daneben aber auch, naturgeschichtlichen Unterricht in der Mädchenschule erteilt. Er war ein wohlunterrichteter, geschickter, fleißiger und gewissenhafter Lehrer, dem unsere Schule stets ein dankbares, ehrendes Andenken bewahren wird."   

        
Zum Tod von Religionslehrer Sam. Moses (1931)           

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 28. Januar 1931: "Hörden-Gernsbach (Todesfall). Im Alter von fast 83 Jahren starb Religionslehrer Sam. Moses. Dr. Lewin aus Offenburg widmete dem Entschlafenen Worte der Anerkennung für die im Amte bewiesene Pflichttreue. Herzliche Abschiedsworte fand Lehrer Grünbaum aus Kuppenheim, während Bürgermeister Schwan die allgemeine Wertschätzung des Verstorbenen mit den Worten betonte: 'Er war nicht nur der Religionslehrer seiner Gemeinde, nein, er war unser aller Berater und Führer.' Weitere Gedenkreden hielten noch Kantor Grünfeld aus Baden-Baden und Gemeindevorsteher Hermann Nachmann aus Gernsbach".                

   
    
Berichte zu einzelnen Personen und Familien aus der Gemeinde 

100jähriges Bestehen des Bankgeschäftes Jakob Dreyfuß (1906)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. September 1906: "Gernsbach in Baden. Das Bankgeschäft Jakob Dreyfuß blickt Mitte September auf ein 100-jähriges Bestehen zurück. Von 1806 bis 1833 waren Leopold Dreyfuß und David Kauffmann Inhaber, von 1833 bis 1844 lautete die Firma Leopold Dreyfuß, von 1844 bis 1845 L. Dreyfuß Sohn und ab 1845 Jakob Dreyfuß, dessen Sohn Gustav Dreyfuß der jetzige Inhaber der Firma ist."    
 
Dazu der Umschlag eines Geschäftsbriefes aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries: der am 27. Mai 1827 von Frankfurt nach
 Gernsbach geschickte Brief ist adressiert an die damaligen Inhaber 
der Bank Leopold Dreyfuß und David Kauffmann
(verschickt in der Zeit,
 als es noch keine Briefmarken gab)
Gernsbach Dok 120.jpg (116987 Byte)

    
Über den aus Gernsbach stammenden Professor Robert Dreifuß (Artikel zu seinem Tod 1931)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1931: "Zum Tode von Professor Robert Dreifuß - er ruhe in Frieden -. Über den vor kurzem in Frankfurt heimgegangenen Professor Dr. Robert Dreifuß wird uns noch geschrieben: 
Professor Dr. Robert Dreifuß war am 13. März 1866 in Gernsbach in Baden geboren, er habilitierte sich 1908 an der Universität Straßburg für Ohrenheilkunde und wurde bereits 1909 zum Professor ernannt. In Frankfurt am Main, wo er sich nach dem Kriege niederließ, erwarb er sich bald eine angesehene Stellung, er wurde städtischer Schul- Ohrenarzt und konnte noch auf dem internationalen medizinischen Kongress in Kopenhagen 1928 sein Fachgebiet vertreten. Prof. Dreifuß gehört seinerzeit in Straßburg dem Vorstand der Gemeinde an, war dort Präsident der Unitas-Loge und Vorsitzender der zionistischen Ortsgruppe. Auch in Frankfurt zeigte er reges Interesse für jüdische Angelegenheiten. Sehr oft sah man ihn früher bei den Geschichtsvorträgen des Mekor Chajim. Ein großer Kreis von persönlichen Freunden trauert neben der Familie und der Wissenschaft um den großen Gelehrten und guten Menschen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Mai 1931: "Mitten aus seiner ärztlichen Tätigkeit heraus wurde am 20. Mai der Ohrenarzt Prof. Dr. Robert Dreyfuß jäh dahingerafft. Wahrlich, man hat diesem Manne, der, ein großer Naturfreund, noch wenige Wochen zuvor wie ein Jüngling seinen Schwarzwald, seinen heimatlichen Baden durchwandert hatte, seine 00 Jahre nicht angesehen. In Gernsbach (Baden) geboren, studierte Robert Dreyfuß in Freiburg, München und Straßburg und erhielt die Grundlage seiner Ausbildung in der Hals-,. Nasen- und Ohrenheilkunde in Berlin als Assistent von Professor Baginsky sowie an den Spezialkliniken in Wien und Paris. Vor etwa 40 Jahren ließ er sich dann in Straßburg als Ohrenarzt nieder, widmete sich aber neben der prak­tischen Tätigkeit noch in weitem Maße der wissenschaft­lichen Arbeit und gab verschiedene Schriften aus seinem Fachgebiet heraus. Aus dem reichen Material seiner Poli­klinik hielt er gut ^besuchte Kurse für Studierende und jüngere Acrzte. Im Jahre 1909 erfolgte seine Ernennung zum Titularprofessor. Nur schweren Herzens ver­mochte sich Robert Dreyfuß, durch die politischen Verhält­nisse gezwungen, nach Kriegsende von seinem ihm lieb gewordenen Wirkungskreise in Straßburg zu trennen. Er siedelte nach Frankfurt über und erwarb sich auch hier bald wieder eine angesehene Stellung. Ein neues Arbeitsgebiet eröffnete sich ihm hier als städtischer Shulohrenarzt. eine Tätigkeit, der er mit Eifer und Tatkraft oblag. Bei allem Ernst, der seinen Charakter kennzeichnete und der ln seiner wissenschaftlichen wie in seiner praktischen ärzt­lichen Tätigkeit zum Ausdruck kam, verfügte Robert Drey­fuß auch über einen sonnigen Humor, einen treffenden Witz und große Schlagfertigkeit. Er war ein Mann von um­fassender Bildung, von hohem Verstände und reichen Kenntnissen, nicht nur in seinem Spezialfache. Auch auf dem Gebiete der alten und neuen jüdischen Lite­ratur besaß er eine außerordentliche Belesenheit. Sein Lieblingsgebiet war die Geschichte der badischen Juden, der Juden seiner Heimat. Alle Veröffentlichungen zur Sozio­logie der Juden fanden sein warmes Interesse. So war Professor Dreyfuß ebenfalls führend tätig in der „Arbeits­gemeinschaft für Demographie und Statistik der Juden". Mehrfach hat er hier Referate gehalten, vor allem über die Juden des badischen Landes. Die Bibliothek der drei Frankfurter Logen des Ordens Bnei Brith verliert in Professor Dreyfuß ihren hervorragenden Förderer, wie er überhaupt an der Logenarbeit lebhaften Anteil nahm und vor dem Kriege auch in Straßburg das Amt des Präsi­denten der Unitas-Loae inne hatte. Professor Dreyfuß war ein begeisterter Ziomst und wirkte lange Jahre in dem Vorstände der Frankfurter Ortsgruppe mit.  "     

   
Über den aus Gernsbach stammenden Dr. Eugen Neter (1876-1966)  

Eugen Neter 100.jpg (7534 Byte)Eugen (Isaak) Neter (1876 Gernsbach - 1966 Degania/Israel): in Gernsbach in einer großen Familie mit 11 Geschwistern aufgewachsen; seit 1893 Studium der Medizin in Heidelberg; seit 1903 Kinderarzt in Mannheim; 1914-18 Arzt im Ersten Weltkrieg; Verfasser zahlreicher Schriften zur Kleinkinderpflege und –erziehung; Mitbegründer des Mannheimer Fröbelseminars für angehende Kindergärtnerinnen; 1940 bis 1945 im KZ Gurs, danach Auswanderung nach Palästina. An seiner ehemaligen Praxis in Q 1,9 in Mannheim erinnert eine Gedenktafel an den Arzt; im Stadtteil Blumenau ist die "Eugen-Neter-Schule" nach ihm benannt 
(Siehe die Website der Schule: www.ens.ma.schule-bw.de, von wo auch das Foto übernommen wurde). 

   
Brief aus Gurs - geschrieben von dem Gernsbacher Arthur Kahn (1941) 
(erhalten von Irene Schneid-Horn)   

Gernsbach Brief aus Gurs 01.jpg (142929 Byte) Gernsbach Brief aus Gurs 02.jpg (184373 Byte) Dazu eingestellt: 
Stammbaum der Familie Dreyfuss 
(erstellt von Irene Schneid-Horn)  
eingetragen: Artur Kahn mit seiner Frau 
Erna geb. Dreyfuss und den Kindern 
Lieselotte und Margit: alle vier wurden
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert 

Den obigen Brief verfasste Arthur Kahn am 5. Februar 1941 im Lager Gurs. Er bittet das Bürgermeisteramt in Gernsbach, mit Genehmigung der Geheimen Staatspolizei von den in der Gernsbacher Wohnung zurückgelassenen Sachen vor allem Decken, Handtücher, Kleidung usw. zuzusenden. Alle Unkosten sollten von dem Sperrkonto bei der Deutschen Bank oder bei den Konten bei der Dresdner Bank Karlsruhe abgebucht werden. "...wir befinden uns hier mit unseren kleinen Kindern wirklich in der größten Not, weshalb ich nochmals bitte, die Zusendung auf dem bestmöglichsten und schnellsten Wege erfolgen zu lassen, ohne Rücksicht nehmen zu wollen auf die Höhe der Unkosten...".  
Drei Monate nach Abfassung des Briefes ist Arthur Kahn am 9. Juni 1941 im Internierungslager Rivesaltes umgekommen; seine Frau Erna geb. Dreyfuß wurde im August 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.    

     
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   

-  1900:  Notar Emil Edesheimer in Gernsbach wird von Seiner Königlichen Hoheit dem badischen Großherzog zum Rang eines Oberamtsrichters ernannt (Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1900 S. 51 und "Jüdisches Volksblatt" vom 19. Januar 1900 S. 4 sowie "Israelitisches Familienblatt" vom 31. Januar 1900 S. 3). 
-  1904: Verlobung von Stefanie Dreyfuss (Gernsbach) mit Otto Isay (Trier) (Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Januar 1904 S. 6).  
-  1906: Verlobung von Ritta Baer (Künzelsau) mit Emil Nachmann (Gernsbach) (Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. April 1906 S. 6). 
-  1906: Verlobung von Else Dreyfuß (Gernsbach) mit Eduard Weil (Speyer) (Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" - "Neue jüdische Presse" vom 9. November 1906 S. 6).
-  1908: Geburt von David Marx in Gernsbach (Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1908).  
-  1908: Tod von Eli Neter in Gernsbach, Mitbegründer der Carl-Friedrich-Loge in Karlsruhe, geb. 10. April 1837 in Gernsbach, gest. 22. Mai 1908 (Mitteilung im "Bericht der Großloge für Deutschland" Oktober 1908 S. 131); der Tod von Eli Neter wird auch im Bericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden (Sitz in Bruchsal) bekannt gegeben, da Eli Neter dort Ausschussmitglied war (in: "Der Gemeindebote" vom 30. Juli 1909 S. 3). 
-  1911: Verlobung von Jenny Mann in Höheinod (Pfalz) mit Julius Baer in Gernsbach (Mitteilung in "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" - "Neue jüdische Presse" vom 11. August 1911 S. 6).  
-  1913: Verlobung von Rosa Baer in Gernsbach mit Edmund Salmon in Homburg (Pfalz) (Mitteilung in "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" - "Neue jüdische Presse" vom 20. Juni 1913 S. 6).
-  1914: Gemeindevorsteher Bankier Gustav Dreyfuß in Gernsbach erhält für seine Verdienste von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog Friedrich II. das Ritterkreuz II. Klasse vom Zähringer Löwen (Mitteilung in "Das jüdische Blatt" vom 17. Juli 1914 S. 11 und in "Der Gemeindebote" vom 31. Juli 1914 S. 4).  
-  1922: Verlobung von Hedwig Koch (Alzey) mit Moriz Stern (Gernsbach) (in: Israelitisches Familienblatt" vom 7. September 1922 S. 5).
-  1928: 75. Geburtstag am 17. August 1928 von Johanna Ruben geb. Seeliger in Gernsbach (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 9. August 1928).
1928: Zu Synagogenräten wurden in der Gemeinde Gernsbach-Hörden gewählt: der seitherige Vorsteher Hermann Nachmann und die Herren Julius Maier und Max Baer (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 16. August 1928).   

    
         
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Heinrich Dreyfuß, Manufaktur- und Kolonialwarengeschäft (1867)
  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. April 1867: "Lehrlings-Gesuch.
In meinem Manufaktur- und Kolonialwarengeschäft wird ein Lehrling (Israelit) unter annehmbaren Bedingungen zu nächsten Ostern gesucht.
Reflektierende wollen sich deshalb wenden an
Heinrich Dreyfuß. Gernsbach,
im Murgtale."    

   
Anzeige von Julius Kauffmann, Manufakturwarengeschäft (1871)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. November 1871: "Lehrlings-Gesuch.
In meinem Manufakturwaren-Geschäfte (Samstag geschlossen), ist unter günstigen Bedingungen eine Lehrlings-Stelle zu besetzen. Tüchtige Schulkenntnisse unerlässlich. Kost und Logis im Hause.
Julius Kauffmann in Gernsbach
(Großherzogtum Baden)."    

        
Mädchen für Hausarbeiten bei Josef Dreyfuß gesucht (1900) 

Gernsbach Israelit 03051900.jpg (34744 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: 
"Tüchtiges Mädchen
das kochen kann und die Hausarbeiten verrichtet, per sofort gesucht
Josef Dreyfuß, Gernsbach, Baden."    

  
Anzeigen der Eisenhandlung (/Ausstattungsgeschäft /Möbelgeschäft /Haushaltungsgeschäft) A. Nachmann (1898 / 1900 / 1903 / 1910)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1898: "In meinem Eisenwaren- und Ausstattungsgeschäft ist eine
Lehrlingsstelle
offen. Samstags und israelitische Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause  
A. Nachmann, Gernsbach,
Baden."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1900: "Suche zum sofortigen Eintritt in mein Eisenwaren- und Möbelgeschäft einen
Lehrling

unter günstigen Bedingungen.
Kost und Logis im Hause.
A. Nachmann, Gernsbach in Baden
."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1903
"Suche per 1. Januar künftigen Jahres einen 
Lehrling
 
aus achtbarer Familie für mein Eisen- und Haushaltungsgeschäft unter günstigen Bedingungen. Eventuell nehme ich auch einen angehenden Commis.  
A. Nachmann,
Eisenhandlung, Gernsbach (Baden)."  
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 1910: "Lehrlings-Gesuch.
Suche für mein Eisen- und Haushaltungsgeschäft einen Lehrling zum baldigen Eintritt, aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen.
A. Nachmann, Gernsbach
(Baden)." 

  
Anzeigen des Manufaktur- und Ausstattungsgeschäftes, später Kaufhauses Emil Nachmann (1907 / 1921 / 1925)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1907: "Ich suche per Ostern einen
Lehrling

mit guter Schulbildung. Samstag und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause.
Emil Nachmann.

Manufaktur- und Ausstattungsgeschäft, Gernsbach in Baden."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1921: "Intelligenter Lehrling
für mein Manufaktur-Aussteuer- und Möbelgeschäft bald gesucht gegen sofortige Vergütung.
Kaufhaus Emil Nachmann 
Gernsbach in Baden."  
  
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1925: "Tüchtiger Dekorateur und Verkäufer
der zugkräftig Schaufenster zu dekorieren versteht,
jüngerer Verkäufer und Lagerist und tüchtige Verkäuferin

für meine Manufakturwaren- und Konfektionsabteilung per sofort oder später gesucht.
Offerten mit Lebenslauf, Bild, Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüchen an
Kaufhaus Emil Nachmann
Gernsbach in Baden."   

   
Anzeigen des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes Gebrüder Baer (1907 / 1909)    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. August 1907: "Lehrling
mit guter Schulbildung aus achtbarer Familie per bald gesucht.
Gebrüder Baer, Manufakturwaren und Konfektion. Gernsbach in Baden
."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1909: "Lehrling
mit guter Schulbildung aus guter Familie per sofort gesucht.
Gebrüder Baer, Manufakturwaren und Konfektion. Gernsbach in Baden
"

   
Anzeige der Viehhandlung David Marx (1907)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1907: "Viehhandlung.
Ein Gehilfe oder Metzger,
der den Viehhandel erlernen will, kann sofort eintreten bei
David Marx, Gernsbach (Baden).
"     

  
Anzeige des Manufaktur- und Herrenkonfektionsgeschäftes Dreifuss & Lorsch (1911)  
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1911: "Wir suchen für unser Manufaktur- und Herrenkonfektionsgeschäft einen
Lehrling oder Volontair
aus achtbarer Familie.
Dreifuss & Lorsch  Gernsbach
in Baden". 

         
Anzeige des "Kaufhauses Gernsbach", Inh. P. Stern (1924)  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 2. Oktober 1924: "Für unser Manufakturwaren- und Herrenartikel-Geschäft
in Gernsbach wird zu sofortigem oder baldigem Eintritt eine äußerst tüchtige Verkäuferin gesetzten Alters bei freier Station und Familienanschluss gesucht. Dauernde, angenehme Stellung zugesichert.
Kaufhaus Gernsbach,
Inhaber P. Stern in Gernsbach (Murgtal)."   

   
Geburtsanzeige von Siegfried Jacob Stern, Sohn von Sally Stern und Paula geb. Ruben (1924)    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Januar 1925: "Siegfried Jacob Stern
Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen an  
Sally Stern und Frau Paula geb. Ruben.
 
Gernsbach
, Dezember 1924." 

    
Die Frau von Julius Ochs sucht eine Kinderbetreuung (1926)     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Januar 1926: "KINDERGÄRTNERIN
zweiter Klasse oder einfaches Fräulein, mit durchaus gutem Charakter und zuverlässig, zu meinem vierjährigen Töchterchen per 1. oder 15. Februar gesucht. Familienanschluss, gute Behandlung und Bezahlung.
Frau Julius Ochs,
Gernsbach im Murgtal in Baden."   

  
Geburtsanzeige von Heinz Julius Lorsch, Sohn von Eugen und Sabine Lorsch (1925) 
Anmerkung: Todesanzeige für die Mutter Sabine Lorsch geb. Moch siehe unten. Der Vater Eugen Michael Lorsch (geb. 7. Januar 1884 in Gernsbach) war nach dem Novemberpogrom 1938 im KZ Dachau interniert, wurde am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert, dann nach Rivesaltes, wo er am 21. August 1941 umgekommen ist.  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. August 1925: "HEINZ-JULIUS.
Statt Karten! Die glückliche Geburt eines kräftigen Stammhalters zeigen hocherfreut an
Eugen Lorsch und Frau Sabine geb. Moch.
Gernsbach-Baden.

     
Hochzeitsanzeige von Dr. Alfred Grünebaum (Rastatt) und Ruth geb. Nachmann (Gernsbach) (1928)         

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar 1928:
"Dr. med. Alfred Grünebaum  -  Ruth Grünebaum
geb. Nachmann   
Vermählte  
Rastatt   -   Gernsbach."  

   
Verlobungsanzeige von Erna Dreyfuss (Gernsbach) und Arthur Kahn (Mannheim/Albersweiler) (1930)     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. August 1930:
"Statt Karten  
Erna Dreyfuss   -   Arthur Kahn 
 
Verlobte  
Gernsbach Baden  -  Mannheim R 1.7  -  Albersweiler   

August 1930."   

    
Todesanzeige für Sabine Lorsch geb. Moch (1937)   
Anmerkung: Sabine Lorsch geb. Moch ist am 8. März 1896 geboren und am 26. Juli 1937 gestorben. Sie wurde beigesetzt im jüdischen Friedhof Kuppenheim.  

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitung des "Central-Vereins") vom 29. Juli 1937: 
"Unerwartet rasch verschied nach kurzer schwerer Krankheit meine innigst geliebte unvergessliche Frau, unsere herzensgute, treu besorgte Mutter, Tochter und Schwester, 
Frau Sabine Lorsch geb. Moch 
im blühenden Alter von 41 Jahren.  
Gernsbach (Baden), Pforzheim, Akoon (USA), Paris.
 In tiefster Trauer: Eugen Lorsch und Kinder, Marianne und Heinz, M. Moch und Frau, Friedel Moch, Max Moch und Frau, Josef Moch und Frau, Berthold Moch."  

       
        
Sonstiges 
Nur ein Gerücht: der Antisemitenführer (Max) Liebermann von Sonnenberg hätte seinen Wohnsitz in Gernsbach genommen (1901)                              

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 26. April 1901: "Liebermann von Sonnenberg hat seinen Wohnsitz in der Stadt Gernsbach genommen und beabsichtigt nach der 'Kreuzzeitung' innerhalb der antisemitischen Partei Badens eine regsame Wirksamkeit zu entfalten. Nach der 'Neuen Badischen Landeszeitung' will Liebermann für die nächsten Landtagswahlen 'einen großartigen antisemitischen Sieg inszenieren'." 
 
Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Mai 1901: "Gernsbach. Gegenüber der Meldung, dass der Anti­semitenführer Liebermann v. Sonnenberg nach Gernsbach in Baden übergesiedelt sei, wird uns mitgeteilt, dass zwar eine Familie Liebermann von Sonnenberg schon seit vielen Jahren in Gernsbach wohnt, aber mit Antisemitismus nichts zu tun hat. Die Namensgleichheit in Verbindung mit dem Umstand, dass der antisemitische Abgeordnete Agitationsreisen in Baden unternahm, hat wohl das irrige Gerücht hervorgerufen."    
Der Antisemitenführer war Max Liebermann von Sonnenberg (1848-1911), der unter Bismarck die "Antisemitenpetition" initiierte und jahrzehntelang ein Zugpferd der antisemitischen Bewegung war. In Gernsbach lebte die Familie (bereits die Eltern) von Felix Liebermann von Sonnenberg (geb. 6. Juli 1856, gest. 8. November 1932 und beigesetzt in Scheuern, Stadtteil von Gernsbach), der jedoch politisch nicht in Erscheinung trat, vgl. https://www.wikitree.com/wiki/Liebermann_von_Sonnenberg-5; zur "Kreuzzeitung", die die Falschmeldung verbreitete: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzeitung    

     
     
 
      
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge         
   
Ab wann ein Betsaal vorhanden war, ist nicht bekannt. 1748 ließ der Speyrer Vogt den Besitz des nach Muggensturm gezogenen Herz Lazarus beschlagnahmen, darunter eine Torarolle. Sie wurde später als "die in die schul gehabte 10 gebott" bezeichnet, wobei "Schul" für einen Betraum beziehungsweise eine Synagoge steht.     
   
Um 1830 plante die jüdische Gemeinde die Einrichtung einer (neuen?) Synagoge beziehungsweise eines Betraumes. Dies geht aus den Unterlagen zu einer Kollekte der Eschelbacher jüdischen Gemeinde hervor. Die Gernsbacher teilten am 19. Juli 1833 nach Eschelbach mit, dass sie nichts geben könnten, weil sie selbst eine Synagoge bauen wollten. Spätestens in der Mitte des 19. Jahrhundert wurde zunächst im Haus Hauptstraße 45 ein Betsaal eingerichtet.  
    
Nachdem dieser Betsaal nicht mehr ausreichte, wurde 1860 eine Synagoge erbaut. Sie befand sich in der Färbertorstraße gegenüber der Einmündung in den Mühlgraben außerhalb des Altstadtbereichs, der durch einen Überrest der Stadtmauer in diesem Bereich angezeigt wird. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entsprach das Gebäude nicht mehr den Verhältnissen und Bedürfnissen der Gemeinde. So sammelte man einige Jahre lang Gelder für einen geplanten Neubau, die dann freilich mit der Inflation 1922/23 entwertet wurden. 
   
Nochmals wurden die Neubaupläne um einige Zeit verzögert, bis endlich eine von Architekt Richard Fuchs aus Karlsruhe entworfene neue Synagoge 1927/28 in einem damaligen Neubaugebiet der Stadt erstellt werden konnte (heutiges Grundstück Austraße 3). An der Bauausführung waren zahlreiche Gernsbacher Firmen beteiligt. Die feierliche Einweihung war am Sonntag, 15. Juli 1928. Anwesend waren dabei der Offenburger Bezirks-Rabbiner Dr. Isidor Zlociski, der die Festpredigt hielt, und Konferenzrabbiner Dr. Julius Zimels aus Freiburg, der die Glückwünsche des Oberrates der Israeliten überbrachte. Weitere Vertreter der jüdischen Gemeinden, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie Regierungsrat Götz aus Rastatt sprachen Grußworte. Für einen würdigen musikalischen Rahmen sorgte der Synagogenchor aus Weinheim. Eine weltliche Feier im Gernsbacher Löwensaal schloss sich an die Synagogeneinweihung an. Dankbar war man über einige wertvolle Stiftungen, die für die Synagoge eingegangen waren. So stammte von Familie Emil Neter aus Mannheim wertvoller Toraschmuck (Schild und Zeiger). Der vielfach bewunderte, aus rotem Samt mit Goldstickerei bestehende Toravorhang kam aus der Kunststickerei W. Grünebaum in Kassel. Den Gebetsraum prägte ein in der Mitte angebrachter Beleuchtungskörper in der Form eines Davidsternes. Rechts der Apsis des Toraschreines stand ein schöner Leuchter aus Messing, ein bisheriges Prunkstück der Synagoge in Hörden.  
 
Das Gebäude der alten Synagoge wurde 1927 verkauft und später als Wohnhaus, zuletzt als städtische Notunterkunft verwendet (nach 1960 abgebrochen).       
    
Einweihung der Synagoge in Gernsbach (1928)  

Bericht aus der allgemeinen Tagespresse von der Einweihung der neuen Gernsbacher Synagoge (Quelle: O. Stiefvater s. Lit. S. 60ff.): "Die neue Synagoge der israelitischen Gemeinden Gernsbach und Hörden wurde am Sonntag, dem 15. Juli 1928, in feierlicher Weise eingeweiht. Mit der Vollendung des Baues, in der Austraße zu Gernsbach, ging ein jahrzehntelanger Wunsch der Gemeinde in Erfüllung. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war man darauf bedacht, eine neue Synagoge zu erbauen, da das alte Gebäude in der Färbertorstraße in keiner Weise mehr den Verhältnissen und Bedürfnissen entsprach. Man hatte für den geplanten Neubau Jahr und Jahr Gelder zurückgelegt, die dann mit der Inflation, nach dem Ersten Weltkrieg, entwertet wurden. Als man in der Austraße ein Grundstück erwerben konnte, war die Möglichkeit gegeben, die jahrelangen Pläne zu realisieren, zumal die Nachbargemeinde Hörden damit einverstanden war, ihre Synagoge zu schließen und zu verkaufen, um dann gemeinsam mit der Gemeinde in Gernsbach eine neue Synagoge zu erbauen.
Die Planfertigung stammt von Dr. Ing. Richard Fuchs, Karlsruhe. An der Ausführung des Baues waren zahlreiche Gernsbacher Firmen beteiligt. Der Gebetsraum war wie folgt ausgestattet: Unter anderem wurde in der Mitte des Gebetsraumes ein Beleuchtungskörper in der Form eines Davidsternes angebracht, vor dem Toraschrank das ewige Licht und an der rechten Seite ein schöner Leuchter aus Messing, ein bisheriges Prunkstück der Synagoge in Hörden. Die von der Majolika-Fabrik in Neureut bei Karlsruhe gelieferte Altarstelle war von einer Majolikaumfassung umrahmt, darüber war eine hebräische Inschrift in Gold auf blauem Grunde, oberhalb des Toraschrankes die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten.
Der 'Heilige Schrank' mit den Torarollen war in weißer Farbe gehalten. Rechts und links des Toraschrankes befand sich ein Ehrenstuhl für die Rabbiner, anschließend standen die Bänke für die Besucher, dazu gehörte noch eine geräumige Empore. Eine Reihe von Nebengelassen befanden sich links vom Eingang, die ganze Anlage war von einer Mauer umschlossen. 
Zur Einweihung der Synagoge waren viele Gäste erschienen, Ehrengäste und Vertreter der Stadtverwaltung Gernsbach, der katholischen Kirchengemeinde Gernsbach, der evangelischen Gemeinden Gernsbach und der staatlichen Behörden.
Nach einem Präludium sang der Synagogenchor aus Weinheim das Eingangslied. Architekt Fuchs, Karlsruhe, übergab anschließend die Schlüssel des Toraschrankes und wies darauf hin, dass durch Glaubensstärke und guten Willen ein Heim geschaffen worden sei, welches das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken solle. 
Der Synagogenchor Weinheim sang ein weiteres Weihelied, dann wurden die Torarollen in feierlicher Form aus- und eingehoben. Die feierliche Predigt hielt Dr. Zlociski, Offenburg. Konferenz-Rabbiner Dr. Zimels, Freiburg, übermittelte die Glückwünsche der Landessynagoge und des Oberrates der Israeliten. Er erinnerte an die alte Synagoge, in der die Gernsbacher Israeliten sechs Jahrzehnte lang sich in Andacht zusammengefunden hätten und die trotz ihrer Schlichtheit alte Erinnerungen wach halten wird. Gewerbeschuldirektor Münz, Gernsbach, überbrachte die Grüße der evangelischen Gemeinden Gernsbach, desgleichen Stadtpfarrer Ernst Bernauer im Namen der katholischen Gemeinde Gernsbach. Regierungsrat Götz, Rastatt, sprach die Glückwünsche der Staatsverwaltungsbehörde aus und Gemeinderat Heiliger, Gernsbach, überbrachte die Glückwünsche der Stadtverwaltung. Der Synagogenvorstand Hermann Nachmann dankte im Namen der Synagogengemeinde Gernsbach-Hörden."      

 
Weitere Berichte aus der jüdischen Presse, Zeitschrift "Der Israelit" und "Israelitisches Familienblatt" :  
Gernsbach Israelit 02081928.jpg (235891 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1928: "Baden-Baden, 26. Juli (1928). Rechts der Murg, an einem stillen, idyllischen Platz steht das kleine, herrliche Gotteshaus, der kürzlich in Anwesenheit der stattlichen und kirchlichen Behörden und den Vertretern der Bezirks- und Nachbargemeinden feierlich eingeweiht wurde. Es ist eine Zierde des lieblichen Murgtalstädtchens Gernsbach, dieses schöne Gotteshaus, und macht dem Erbauer, Architekt Dr. Richard Fuchs, Karlsruhe, alle Ehre. 
Der Synagogenchor Weinheim leitete die Feier mit dem Lewandowskyschen Chor 'Ma towu' ein, worauf Frl. Bär, Gernsbach, einen sinnreichen Prolog vortrug. 
Kantor Marx Meier, Weinheim, verrichtete das Michagebet und alsdann übergab Architekt Dr. Fuchs dem Gemeindevorsteher Hermann Nachmann den Schlüssel zum Toraschrank. In feierlicher Weise wurden die neu eingekleideten Torarollen ausgehoben und Kantor und Chor sangen freudeerfüllt in tiefer Ergriffenheit 'Ono adonoy, hoschiono', 'Hilf, o Ewiger hilf!'  
Es folgte alsdann die eigentliche Weihe des Hauses durch den zuständigen Bezirksrabbiner Dr. Zlocisti aus Offenburg. Dieser eindrucksvollen Rede folgten die von Begeisterung getragenen Worte des Konferenz-Rabbiners Dr. Ziemels, Freiburg, der im Namen des Oberrats der Israeliten sprach. 
Der Vertreter der evangelischen Gemeinde sprach von der Eintracht der verschiedenen Konfessionen in Gernsbach und drückte den Wunsch aus, dass es immer so bleiben möge. Herzliche Worte fand der katholische Geistliche, Stadtpfarrer Bernauer im Namen der beiden katholischen Gemeinden Gernsbach und Hörden
Regierungsrat Dr. Götz brachte die Glückwünsche des Staates und der Vertreter der Stadtgemeinde Gernsbach fand begeisternde, aufmunternde Worte namens der Stadt. 
Allen Rednern und Vertretern dankte der bewährte Gemeindevorsteher Hermann Nachmann, dem das neue Gotteshaus in erster Linie zu verdanken ist, für ihr Erscheinen und insbesondere für ihre tatkräftige Mithilfe zur Ausführung dieses edlen Werkes. 
Der auf beachtenswerter Höhe stehende Weinheimer Synagogenchor beschloss die ernste, freudige Feierstunde mit dem Lewandowski-Chor 'Der Herr hat unser gedacht'.
Der zweite Teil des Tages der Einweihung galt der Gemütlichkeit und der Freude beim gemeinsamen Abendessen im Hotel Löwen, wobei Oberrat Dr. Ellenbogen, Rechtsanwalt Lion, Rastatt, Dr. med. Neter, Mannheim, Architekt Dr. Fuchs, Karlsruhe, schöne Worte sprachen. Besondere Anerkennung fand der verdienstvolle Vorsteher der Gemeinde Gernsbach, Hermann Nachmann. Speise und Trank der bekannten Adlerwirtin, Frau Stern, Hörden, waren vorzüglich."  
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1928: "Gernsbach (Baden). (Einweihung der neuen Synagoge.) Rechts der Murg, an einem idyllischen Platz steht das kleine Gotteshaus, das vorige Woche in Anwesenheit der staatlichen und kirchlichen Behörden und der Vertreter der Bezirks- und Nachbargemeinden feierlich eingeweiht wurde. Es ist eine Zierde des lieblichen Schwarzwaldstädtchens, dieses Gotteshaus, und macht dem Erbauer, Architekt Dr. Richard Fuchs, Karlsruhe, alle Ehre. Der Synagogenchor Weinheim leitete die Feier mit dem Lewandowskyschen Chor 'Mahtauwo' ein, worauf Frl. Bär einen Prolog vortrug. Kantor Marx Meier, Weinheim, verrichtete das Minchahgebet, und dann übergab Architekt Dr. Fuchs dem Gemeindevorsteher Hermann Nachmann den Schlüssel zum Toraschrank. In feierlicher Weise wurden die neu eingekleideten Torarollen unter Chorgesang ausgehoben. Alsdann folgte die eigentliche Weihe des Hauses durch den zuständigen Bezirksrabbiner Dr. Zlocisti (Offenburg). Nach seiner Weiherede kam Konferenz-Rabbiner Dr. Ziemels, Freiburg, zu Wort, der im Namen des Oberrats der Israeliten sprach. Der Vertreter der evangelischen Gemeinde rühmte die Eintracht der Konfessionen in Gernsbach, und drückte den Wunsch aus, das es immer so bleiben möge. Herzliche Worte fand der katholische Stadtpfarrer, der im Namen der katholischen Gemeinden Gernsbach und Hörden gratulierte. Regierungsrat Dr. Götz brachte die Glückwünsche des Staates, und der Vertreter der Stadtgemeinde Gernsbach fand herzliche Worte namens der Stadt. Allen Rednern dankte der Gemeindevorsteher Herr Nachmann, dessen Initiative das neue Gotteshaus in erster Linie zu verdanken ist. Der Präsident des Oberrats, Prof. Dr. Stein, übergab dem Gemeindevorsteher die amtliche Urkunde über die Verschmelzung der beiden Gemeinden Gernsbach und Hörden und wünschte der Gemeinde zur Vermählung besten Erfolg, während Oberrat Dr. Ellenbogen in humorvoller Weise die Stärkung und Vergrößerung dieser 'Ehe' wünschte. Im Namen der Bezirksgemeinden sprach Rechtsanwalt Lion (Rastatt) und toastete auf den Oberrat. Die Grüße und Glückwünsche der Nachbar- und Tochtergemeinde Baden-Baden überbrachte Kantor Grünfeld. Dr. med. Eugen Neter, Mannheim, ein geborener Gernsbacher, erzählte aus seinen Gernsbacher Jugendtagen. Die dankbaren Gemeindemitglieder überbrachten ihrem opferbereiten Vorsteher Hermann Nachmann einen prachtvollen, wohlverdienten Ruhestuhl als Zeichen der Anerkennung für seine Verdienste um das Gelingen des Werkes."   
Nachtrag im "Israelitischen Familienblatt" vom 9. August 1928: "Nach Gernsbach. Wunschgemäß tragen wir unserem Bericht über die dortige Synagogeneinweihung in der vorletzten Nummer noch nach, dass der Solo-Gesang ('O hätt' ich Jubels Harf'') von Fräulein Freya Wolfsbruck aus Emmendingen, der im badischen Musikleben bekannten Sängerin und Dirigentin, zur Verschönerung der Feier erheblich beigetragen hat."  
Anmerkung: - über Freya Wolfsbruck (1893 Randegg - 1973 Lengnau), Klavierlehrerin, Gesangslehrerin, Chorleiterin siehe https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00004270     
 
Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes Israelitischer Religionsgemeinden Hessen" im August 1928 S. 4: "Eingesandt.
Wie ich durch einen unvorhergesehenen Aufenthalt zu einer seltenen Mizwoh kam!

Auf der Fahrt nach dem Schwarzwald benutzte ich den Frühschnellzug Mainz-Karlsruhe-Rastatt, um von letzterer Station aus die neu eröffnete direkte Bahnlinie Rastatt-Freudenstadt zu befahren. Meine Annahme, dass der direkte Schnellzug auch an diese Linie sofort Anschluss haben würde, war insofern falsch, da ich erfahren musste, dass der Zug nur bis Gernsbach fahre. Ich war deshalb genötigt, in dem schön gelegenen Gernsbach mich aufzuhalten, die Gelegenheit benutzend, eine mir bekannte Familie Dreifuß zu besuchen, und wurde mir anlässlich meines Besuchs mitgeteilt, dass am Nachmittag die neu erbaute Synagoge eingeweiht würde. Durch die Liebenswürdigkeit der Familie D. wurde mir noch eine Einlasskarte zur Feier zur Verfügung gestellt, und so hatte ich die große Freude der Synagogenweihe beizuwohnen. Die Synagoge war von einer großen Anzahl fremder Gäste, Regierungsvertretern, Geistlichen beider Konfessionen und geladenen Gästen überfüllt. Nach der Predigt des Bezirksrabbiners, Herrn Dr. Zlocisti, und der Ansprache des Herrn Konferenzrabbiners Dr. Ziemels, als Vertreter des badischen Oberrats der Israeliten, sprachen die Geistlichen beider Konfessionen, so auch der Vertreter der badischen Regierung, der Stadtverwaltung von Gernsbach. Es machte ganz besonders auf die fremden Gäste einen erhebenden Eindruck, dass in dem netten Städtchen Gernsbach unter den sämtlichen Konfessionen Friede und Eintracht herrscht, was durch die Ansprachen der katholischen und evangelischen Geistlichkeit zum Ausdruck gebracht wurde. Hervorgehaben seien die wundervollen Gesänge des Synagogenchors von Weinheim a. d. B., der dazu beigetragen, die Feier zu einer glanzvollen und erhebenden zu machen. Durch die eifrige Bemühung der Frau Dreifuß wurden Gelder gesammelt, und so konnten am Tage der Weihe der Synagoge zwei herrliche Brochaus der Gemeinde im Namen der Stifterinnen übergeben werden, eine kunstvolle Arbeit, die der liefernden Firma B. Grünebaum in Kassel alle Ehre macht. Es sei hervorgehoben, dass die israelitische Gemeinde Gernsbach sich nur aus zirka 14 Familien zusammensetzt. Daran können sich die kleineren Landgemeinden auch in Hessen ein Beispiel nehmen, was Opferwilligkeit selbst in kleinen jüdischen Gemeinden vermag. Die Synagoge ist ein prachtvoller Bau, errichtet durch den Architekten Herrn Dr. Fuchs. Das Gotteshaus steht auf einem der schönsten Plätze von Gernsbach und gereicht zur Zierde der Stadt. Möge das neu geweihte Gotteshaus ein Ansporn geben, den Zusammenhalt der Judenschaft zu fördern zur Ehre Gottes auch in religiösem Sinne!     Oppenheimer, Gau-Bickelheim."  
Anmerkungen: - Die durchgehende Bahnlinie Rastatt-Freudenstadt ("Murgtalbahn") wurde im Juli 1928 nach Fertigstellung eines letzten Streckenteiles eröffnet - vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Murgtalbahn
- Brochaus = Parochot (Vorhänge vor dem Toraschrein) siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Parochet  
 
Ein weiterer Bericht zur Einweihung der Synagoge Gernsbach erschien in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 3. August 1928 Beilage S. 1. 

Zur Architektur der Gernsbacher Synagoge (1928)   

Artikel in "Aus alter und neuer Zeit" vom 30. August 1928: "'Neue Sachlichkeit' im Synagogenbau. Die neue Synagoge in Gernsbach
Die neue Synagoge der Israelitischen Gemeinde Gernsbach-Hörden ist nun fertig gestellt und wurde vor kurzem feierlich eingeweiht. Damit ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen, den viele Juden Badens seit Jahrzehnten erstrebt hatten. Schon lange vor dem Kriege war man darauf bedacht, eine neue Synagoge zu erhalten, denn das alte Gebäude entsprach nicht mehr den Verhältnissen. Jahr für Jahr wurden Ersparnisse zurückgelegt. Es kam der Krieg und damit die Verschiebung der Baupläne; es kam die Inflation und damit der Verlust der Ersparnisse. Es musste von vorn angefangen werden in einer Zeit, in der Rücklagen nicht allzu reich gemacht werden konnten. Ein bescheidener Grundstock ließ den Plan zur Wirklichkeit reifen, als man ein geeignetes Gelände fand. Es kam ferner hinzu, dass die Nachbargemeinde Hörden damit einverstanden war, ihre bisherige Synagoge zu veräußern und gemeinsam mit Gernsbach eine neue Synagoge zu erbauen. Nachdem die Verhandlungen mit der Gernsbacher Stadtverwaltung über den Ankauf der alten Synagoge durch die Stadt ebenfalls zufrieden stellend verlaufen waren, ging es unter der tatkräftigen Förderung des bewährten Vorstandes der Gernsbacher Synagogengemeinde, Herrn Hermann Nachmann , mit Hochdruck an den Bau der neuen Synagoge.
Herr Architekt Dr. Ing. Richard Fuchs (Karlsruhe) hatte einen Plan entworfen, der die Billigung der Bauherren fand. Architektonische Schönheit vereinte sich mit vollständiger Zweckmäßigkeit, und es darf von vornherein gesagt werden, dass auch dem Laien das nun fertige Gebäude gefällt.
Denn der neue Bau wird in einer für eine Kleingemeinde geradezu idealen Weise seiner Bestimmung gerecht. Der Würde eines Gotteshauses ist vollauf Rechnung getragen, und dabei ist doch unsere moderne Zeit und der landschaftliche und bauliche Charakter der Umgebung berücksichtigt worden. Schaudern erinnern wir uns an so manche Synagogenbauten, die mit ihrer pseudomaurischen, überladenen Architektur in schreiendem Gegensatz zu den sie umgebenden europäisch-westlich-deutschen Profan­bauten standen und dabei alles andere waren als jüdisch. Denn wir Juden haben bekanntlich keine eigene, spezifische Architektur. So ist es am sinnvollsten — und das haben unsere mittelalterlichen Vorfahren auch immer und überall getan —, wenn wir auch unsere Gotteshäuser harmonisch in das Straßen- und Stadtbild einfügen, und bei den neu zu erbauenden Synagogen ist die größte 'Sachlichkeit' zu beobachten, genau wie eben die übrige Architektur unserer Tage von rein sachlichen und dabei — ja, vielleicht darf man sagen: dadurch — schönen Formen bestimmt ist. An einem Monumentalbau, der neuen Synagoge in Amsterdam, haben wir unsern Lesern vor kurzem die strenge, herbe, kühle Schönheit der neuen sachlichen Architektur auch des jüdischen Gotteshauses zu demonstrieren versucht; dass ähnliche wohltuende, beruhigende Wirkungen auch von einer ganzen kleinen und schlichten Kultstätte ausstrahlen können, zeigen unsere heutigen Bilder von der Synagoge Gernsbach-Hörden."    
 
  Fotos aus dem obigen Artikel
zur Synagoge in Gernsbach
     
    Synagoge Gernsbach (Außenansicht)   Blick auf die Heilige Lade    Blick auf die Frauenempore 
 KI-Rekonstruktionen auf Grund der obigen Fotos, koloriert (erstellt im April 2026)      
       

    
Über den Architekten der Gernsbacher Synagoge: Richard Fuchs (1887-1947) 
     

Julius Hirsch Lit 010.jpg (59323 Byte)Aus dem Buch von Werner Skrentny: Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers. 
Verlag "Die Werkstatt"
Göttingen 2012. 
Nachfolgend wird - mit freundlicher Genehmigung des Autors - aus den Seiten 248-249 dieses Buches zitiert:    
"Dr. Richard Fuchs, Architekt der Synagoge
Architekt der Gernsbacher Synagoge war Dr. Richard Fuchs (geb. 26.4.1887 in Karlsruhe). Als das Gotteshaus in Brand gesteckt wurde, lebte Fuchs noch in Deutschland. 
Der älteste Bruder des Fußball-Nationalspielers Gottfried Fuchs / Godfrey E. Fochs hatte 1923 an der Technischen Hochschule Karlsruhe promoviert. In der Pogromnacht 1938 wurde Dr. Richard Fuchs festgenommen; kahlgeschoren kehrte er aus dem KZ Dachau zurück. Nachdem das denkmalgeschützte 'Café Stübinger' in Karlsruhe einer Erweiterung des 'Karstadt'-Kaufhauses geopfert wurde, gilt als einzig erhaltenes Hauptwerk des Architekten der Moderne heute der Wohnblock 'Gottesauer Hof' (um 1928, Ecke Mozartstraße 1-3/Moltkestraße 55-57 in Karlsruhe).
Der ehemalige Kriegsfreiwillige erhielt 1935 als Architekt Berufsverbot. Er gründete den Jüdischen Kulturbund Baden mit, war Präsident der Loge B’nai B’rith – und komponierte. In Neuseeland, wohin er über Großbritannien flüchtete, galt er mit Beginn des Zweiten Weltkriegs als 'feindlicher Ausländer' und wurde erneut arbeitslos. Josef Werner schrieb in seinem Standardwerk 'Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich': 'Desillusioniert starb der Karlsruher Architekt und Komponist am 22. September 1947 im Alter von 60 Jahren. Die lebenslang nachwirkende Ausgrenzung und die Demütigung in seinen letzten Karlsruher Jahren sowie die Distanzierung seiner Asylgeber von dem ' Deutschen’ bewirkten, dass sich Fuchs’ seltenes Doppeltalent nicht voll entfalten konnte und nicht erkannt wurde.' 
In der früheren Heimatstadt Karlsruhe erfuhr der Emigrant 2007 'Eine Rehabilitation': Am 19. Juni gestalteten Studierende der Hochschule für Musik unter diesem Titel im Schloss Gottesaue einen Abend mit den Werken von Richard Fuchs. Es gibt in Neuseeland inzwischen The Richard Fuchs Archive (www.richardfuchs.org.nz), und Danny Mulheron, ein Enkel von Richard Fuchs, hat den Dokumentarfilm 'The Third Richard' produziert. 
'Den Glauben endgültig begraben'
Seinen letzten Auftrag als Architekt in Deutschland erhielt Dr. Fuchs 1934/35 durch seinen Bruder Gottfried, erfolgreich im Holzhandel und Immobiliengeschäft. Gottfried Fuchs verkaufte sein Karlsruher Grundstück Beiertheimer Allee 42 a unter einer Bedingung an den Bezirkskaminfegermeister Ernst Giessler: Architekt des Neubaus musste sein Bruder Dr. Richard Fuchs sein. Das Schreiben von Richard Fuchs an seinen Auftraggeber Giessler am 19. März 1935 ist ein bemerkenswertes Zeugnis zum Selbstverständnis jüdischer, deutschnationaler Menschen in der Nazi-Zeit:
'Es war für Sie ein mutiger Entschluss nötig, mir, dem Nichtarier, die Gestaltung Ihres Heimes anzuvertrauen. Dass wir zusammen ein deutsches Kunstwerk gestaltet haben, das hat ja ein Amtswalter der NSDAP schon beim Richtfest mit diesen gleichen Worten anerkannt. 
Es ist überhaupt symbolisch gewesen, wie sehr die Hauptentstehungsdaten des Hauses mit den großen Geschehnissen des deutschen Vaterlandes zusammenfinden: das Richtfest in die Zeit der Bestätigung der Führerschaft Hitlers (Anm.: 'Volksabstimmung' 19.8.1934), die Vollendung zur Saarbefreiung (Anm.: Saarabstimmung 13.1.1935) und zur Rückkehr des deutschen Kraftbewusstseins im neuen Volksheer (Anm.: Allgemeine Wehrpflicht 16.3.1935).'
Richard Fuchs sieht voraus, dass dem von ihm geplanten Haus Beiertheimer Allee 42 a kein anderes Projekt mehr folgen würde: 'Für mich war dieser Bau doch in jeder Sekunde, Tag und Nacht, mit dem an meiner Seele zehrenden Schmerz verbunden, dass er wohl der letzte sein werde, den ich in diesem deutschen Land werde ersinnen und gestalten können.' 
Im Brief an seinen Auftraggeber reflektiert Fuchs auch seine Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben: 'Ich stelle so ungefähr das genaue Gegenteil von dem dar, was die heutige öffentliche Meinung sich unter dem Charakterbild eines Juden vorstellt und sagen Sie ja nicht, ich sei eine Ausnahme (...) für mindestens 60 v. H. meiner Schicksalsgenossen bin ich die Regel! Niemals werde ich begreifen können, was die Erneuerung des deutschen Nationalgefühls mit dem Hass und Kampf gegen uns Juden zu tun habe.' 
Seine Kriegsauszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg erwähnt Richard Fuchs, doch möchte er sie nicht mehr öffentlich zeigen, um sich nicht 'anzubiedern'. Die Hoffnung, 'dass in dem (...) Vaterland endlich auch für uns Juden ein Dasein in Ehren möglich sein werde, diesen Glauben habe ich endgültig begraben'. Er verbleibt mit der 'Hoffnung, uns gegenüber Gerechtigkeit zu üben.'"   

    
Am frühen Nachmittag des 10. November 1938 wurde die Gernsbacher Synagoge durch SA-Leute aus Gaggenau niedergebrannt. Die bis auf die Umfassungsmauern zerstörte Synagoge ist zunächst durch einen Gernsbacher Architekten gekauft worden, der plante, ein Wohnhaus für "Volksdeutsche" unter Verwendung der stehenden Mauern zu bauen, was durch Bürgermeister und Kreisleiter des NSDAP mit der Begründung abgelehnt wurde: "Es ist eines deutschen Mannes unwürdig, vorhandene Bauteile einer Synagoge zur Errichtung eines Wohnhauses zu verwenden, in dem nachher deutschblütige Menschen wohnen sollen". Das Landratsamt Rastatt genehmigte jedoch den Bau, wonach das Haus an Privatleute weiterverkauft wurde, die ein Wohnhaus auf dem Grundstück errichteten (nur noch Keller und Fundamente der ehemaligen Synagoge waren vorhanden). 

1944 wurde dieses Wohnhaus bei einem Luftangriff durch einen Volltreffer völlig zerstört - es gab drei Todesopfer. Bei diesem Luftangriff war nur ein einziges Flugzeug zu sehen, das sehr hoch flog, die abgeworfene Bombe traf das auf dem Synagogengrundstück stehende Haus. 

Nach 1945 wurde das Grundstück wieder neu mit einem Wohnhaus bebaut (Austraße 3). Seit der Aufstellung bei einer Gedenkfeier am 10. November 1985 erinnert eine Bronze-Gedenktafel an die Synagoge.
      
Adresse der Synagoge: Austraße 3   
     
     

Fotos:  
   
1. Die "Judengasse" und jüdische Häuser 

Gernsbach Judengasse 200.jpg (52777 Byte) Gernsbach Judengasse 201.jpg (43121 Byte)
Erinnerung an die Zeit der ersten Niederlassung von Juden in Gernsbach: die ehemalige Judengasse, 
vermutlich aus dem 17./18. Jahrhundert (Fotos 2004) 
   
Gernsbach Judengasse 2012010.jpg (214943 Byte) Gernsbach Synagoge 2012083.jpg (177662 Byte) Gernsbach Judengasse 2012011.jpg (93267 Byte) Gernsbach Judengasse 2012012.jpg (68257 Byte)
Oben: Fotos von 2012 (von Irene Schneid-Horn)   
       
       
     
Gernsbach Stadt 2012080.jpg (235959 Byte) Gernsbach Synagoge 2012080.jpg (213453 Byte) 
 Aufnahme der Igelbachstraße aus den
 1920er-Jahren mit den nebeneinander liegenden
 jüdischen Geschäften Dreyfuß, Bär und Nachmann
An der Ecke Amtsstraße / Judengasse wohnte um 1800 der reiche Kolonialwarenhändler 
Simon Kaufmann, ein Nachfahr des im Jahre 1733 aus Untergrombach zugewanderten 
David Kaufmann (Foto links: Irene Schneid-Horn; Mitte/rechts: Hahn) 
     

 
3. Das Gebäude mit dem Betsaal bis 1860 (Synagoge Hauptstraße 45)     

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)

Gernsbach Synagoge 010.jpg (85129 Byte)  Gernsbach Synagoge 011.jpg (78157 Byte) 
  Gebäude Hauptstraße 45, worin bis 1860 ein Betsaal war 
   

Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.8.2004)

     
Gernsbach Synagoge 202.jpg (63848 Byte) Gernsbach Synagoge 200.jpg (45672 Byte) Gernsbach Synagoge 201.jpg (41921 Byte)
Das Gebäude Hauptstraße 45, worin bis 1860 ein Betsaal war  
   

Fotos 2012:  
(von Irene Schneid-Horn) 

 Gernsbach Synagoge 2012081.jpg (154728 Byte)  Gernsbach Synagoge 2012082.jpg (116288 Byte)
     
     

Fotos 2021:
(Fotos: Hahn) 

   
     
     

 
3. Die alte Synagoge (1860-1928)      

Gernsbach Synagoge a01.jpg (50226 Byte) 
Die alte Synagoge Färbertorstraße  
  

    
4. Die neue Synagoge
(Quelle der oberen Fotos: Foto Hahn, Gernsbach; linkes Foto der zerstörten Synagoge: Staatsanwaltschaft Baden-Baden KLs 11/47) 

Die 1927/28 erbaute 
Synagoge in Gernsbach
 Gernsbach Synagoge 003.jpg (43634 Byte) Gernsbach Synagoge 004.jpg (40125 Byte)
     Die Synagoge Gernsbach von Osten 
gesehen; vor dem Gebäude 
Synagogenwart Eugen Nachmann
Innenansicht
 
     
    Gernsbach Synagoge 005.jpg (82115 Byte) Gernsbach Synagoge 080.jpg (34021 Byte)
    Toraschrein, 
darüber Gebotstafeln
Der Toravorhang mit der Inschrift: "Die 
Frauen von Gernsbach zur Einweihung der
 Synagoge im Jahr 5688" (= 1927/28)
  
        
Die am 
10. November 1938 
zerstörte Synagoge
Gernsbach Synagoge 051.jpg (62662 Byte) Gernsbach Synagoge 050.jpg (88476 Byte)
     
     
Nach 1945: Wohnhaus auf dem Synagogengrundstück
 (Fotos: Hahn, aufgenommen um 1985)  
Gernsbach Synagoge 060.jpg (79502 Byte) Gernsbach Synagoge 061.jpg (72461 Byte)
  Wohnhaus auf dem Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge 
     

Das Wohnhaus auf dem Synagogengrundstück
mit Denkmal - Fotos 2004 

(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.8.2004)  

   
Gernsbach Synagoge 204.jpg (79875 Byte) Gernsbach Synagoge 203.jpg (83154 Byte) Gernsbach Synagoge 205.jpg (56211 Byte)
Das Grundstück in der Austraße, wo sich die neue Synagoge befand, mit der 1985 aufgestellten Gedenktafel.   
     

Fotos 2012 
(Fotos von Irene Schneid-Horn)  

   
Gernsbach Synagoge 2012087.jpg (216219 Byte) Gernsbach Synagoge 2012086.jpg (281387 Byte) Gernsbach Synagoge 2012085.jpg (147559 Byte)
 Gebäude Austraße 3  Gedenktafel wie oben  Das Foto oben in hoher Auflösung  
     

Fotos Frühjahr 2021
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.6.2021) 

   
     
 Hinweistafel auf den "Synagogenweg" (vgl.
Pressebericht unten vom November 2020)
 Gebäude Austraße 3
  
 Gedenktafel - wie oben
    

    
5. Gedenken:  

Gedenkstein an der Brücke (2004

Gernsbach Synagoge 207.jpg (69970 Byte) Gernsbach Synagoge 206.jpg (58230 Byte) 
Gedenkstein an der Brücke für die nach Gurs deportierten Juden aus Gernsbach (im Jahr 2000 errichtet)   
   
     

Gedenkstein zur Erinnerung an die Deportation nach Gurs 
(Fotos von 2012: Irene Schneid-Horn)   

  
Gernsbach Denkmal 2012011.jpg (258744 Byte) Gernsbach Denkmal 2012010.jpg (150192 Byte) Gernsbach Gedenkstein Gurs 010.jpg (180883 Byte) Gernsbach Gedenkstein Gurs 010a.jpg (97785 Byte)
Gedenkstein mit den Namen der neun am
 22. Oktober 1940 aus Gernsbach 
deportierten jüdischen Personen  
   
 Der rechte Gedenkstein mit der Sonnenblume wurde 2009 im Rahmen des 
Mahnmalprojektes Neckarzimmern im Rahmen eines ökumenischen Jugendprojektes
 geschaffen; ein identischer Gedenkstein befindet sich seit 2009 in der 
zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern  
       

(Fotos von 2021: Hahn)  

     
    
 Die Gedenkstätte  Hinweistafel mit QR-Code Gedenkstein mit Gedenktafel   

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 1985: Eine Gedenktafel soll an die Zerstörung der Synagoge erinnern 
Gernsbach PA 1985.jpg (342237 Byte)Artikel im "Badischen Tagblatt" (Rastatter Tagblatt / Der Murgtäler) vom 6.11.1985: Artikel "Gedenktafel soll an Zerstörung der Synagoge in Gernsbach erinnern. Brigitte Rein erinnert sich an das Leiden der jüdischen Gemeinde 1938."
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Herbst 2008: "Woche des Gedenkens"    
Artikel von Irene Schneid-Horn den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 31. Mai  / 1. Juni 2008 über die Planungen für die "Woche des Gedenkens" Ende Oktober / Anfang November 2008 in Gernsbach. 
 
Juni 2009: Artikel über Eyal Grunebaum, Nachkomme der Gernsbacher Familie Nachmann, und seine Forschungen   
Gernsbach PA 03062009.jpg (308988 Byte)Artikel von Irene Schneid-Horn in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 3. Juni 2009: "Kanadier forscht nach seinen Wurzeln. Eyal Grunebaum ist ein Spross der einst in Gernsbach lebenden jüdischen Familie Nachmann..."  
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Oktober 2011: Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober 1940    
Gernsbach PA 24102011a.jpg (193565 Byte)Artikel von Irene Schneid-Horn in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 24. Oktober 2011: "Namen gegen das Vergessen. Gedenkfeier für die von den Nazis nach Gurs deportierten jüdischen Mitbürger..." 
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 Fotos der Gedenkstunde 
(erhalten von Irene Schneid-Horn) 
Gernsbach Ged 22102011a.jpg (134489 Byte) Gernsbach Ged 22102011b.jpg (140601 Byte)
 
September 2013: Ein "Sabbatweg" wird vorgestellt  
Gernsbach PA 13092013.jpg (337858 Byte)Artikel in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 13. September 2013: 
"Jüdische Spurensuche. 'Sabbatweg' wird am 28. September vorgestellt.  
Gernsbach
(BNN). Zum Gedenken an die Mitbürger jüdischen Glaubens in Gernsbach hat der Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach in diesem Jahr einen 'Sabbatweg' vorbereitet. Aus Anlass des Europäischen Tags der jüdischen Kultur wird dieser Weg am Samstag, 28. September, in einer öffentlichen Führung erstmals vorgestellt...."  
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Gernsbach PA 01102013.jpg (349287 Byte)Artikel im "Badischen Tagblatt" vom 1. Oktober 2013 zur Premiere des Sabbatweges in Gernsbach.  
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Januar 2017: Die "Stolpersteine" in Bad Rotenfels werden gereinigt  
Artikel von Irene Schneid-Horn in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 29. Januar 2017: "Stolpersteine als Zeichen der Sorge und des Mitgefühls
Aus Anlass des Holocaust-Gedenktags, der alljährlich zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahre 1945 begangen wird, richteten die Schülerinnen und Schüler der Realschule Gaggenau den Blick auf einstige jüdische Mitbürger. In Hörden, Gaggenau und Bad Rotenfels wurden in den vergangenen Jahren sogenannte Stolpersteine auf den Gehwegen vor den einstigen jüdischen Wohnhäusern eingelassen.
Putzaktion in Bad-Rotenfels einmal im Jahr. Einmal im Jahr werden die Messingplatten von den Realschülern gesäubert und so die Erinnerung wach gehalten. Zur diesjährigen Putzaktion in Bad Rotenfels kamen sogar Nachfahren der jüdischen Familie Meyerhoff. Schüler und Schülerinnen der Klasse 9 b mit Lehrerin Elena Wunsch sowie Joachim Peters und Ulrich Behne vom 'Arbeitskreis Gedenken' gestalteten die Zeremonie, die von Heidrun Haendle vom Kulturamt der Stadt Gaggenau organisiert wurde.
Erinnerung an die jüdische Familie lebt bis heute. Das prachtvolle gelbe Jugendstilhaus in der Murgtalstraße 101 sticht bis heute ins Auge. Während des ersten Weltkrieges ließ es der praktische Arzt Isidor Meyerhoff erbauen, bis 1938 wohnte er mit seiner Frau Frieda und den Kindern Liselotte, Gertrud und Friedrich in der geräumigen Villa. Die Familie war wohlhabend, besaß sogar ein Auto. Meyerhoff war 'ein Arzt, der immer kam, manchmal auch ohne Honorar,' erläuterte Lehrerin Elena Wunsch. Heinz Wolf von der Kuppenheimer Stolpersteingruppe fügte hinzu, dass die Erinnerung an den Arzt bis auf den heutigen Tag in Kuppenheim lebendig sei: 'Man hört von Zeitzeugen nur Gutes über ihn.'
Ein Arzt mit sehr gutem Ruf. 1938 verließ die Familie nach Misshandlungen bei einem Hausbesuch das Murgtal und zog nach Mannheim. Isidor Meyerhoff verstarb 1940 dort, seine Frau Frieda und Tochter Liselotte wurden im Oktober dieses Jahres nach Gurs deportiert. Wie Ulrich Behne erst kürzlich in Erfahrung bringen konnte, stand Frieda 1942 bereits auf der Liste zur Verschickung nach Auschwitz, wurde aber durch Fürsprache ihrer Tochter, die dem Lagerkommandanten als Sekretärin diente, in letzter Minute gestrichen. Seit 2013 erinnern fünf Stolpersteine an die Arztfamilie, die durch glückliche Fügung den Holocaust überlebte. Schon seit dem Schuljahr 2008/09 kümmern sich Realschüler um die jüdische Ortsgeschichte und erstellten dazu eine Website mit virtuellen Stolpersteinen. Die Umsetzung in die Realität erfolgte in Kooperation mit dem Gaggenauer 'Arbeitskreis Gedenken'.
Meyerhoff-Urenkel reist aus Stuttgart an. Bei einer Internetrecherche wurde die Amerikanerin Susan Baum, die Enkelin von Isidor Meyerhoff, auf diese Website aufmerksam. Ihr Sohn Aaron machte daraufhin 2015 einen Abstecher nach Gaggenau, als er seine Arbeit bei den amerikanischen Streitkräften in Stuttgart antrat. Susan kam dann während eines Besuchs im letzten Jahr nach Rotenfels, um das Haus ihrer Vorfahren aufzusuchen. 'Ich habe sie nie so bewegt gesehen,' sagte ihr Sohn Aaron rückblickend.
Gedenktafel von der Familie. Mit seiner Frau Laurie und seinen Kindern Camden, Carter und Brinley war er zur diesjährigen Putzaktion gekommen. Mit strahlenden Augen sagte er zu den Schülern: 'Thank you, thank you, thank you', und überreichte der Realschule von seiner Mutter gestaltete Gedenktafel, mit der sie den Schülerinnen und Schülern für ihre wertvolle Erinnerungsarbeit dankte: 'Das Projekt Stolpersteine und Ihre Fürsorge jedes Jahr erinnern alle, dass Gutes und Mitgefühl noch in der Welt existieren. Sie können nicht wissen, wie viele Mitmenschen Sie damit berührt haben. Die Nachkommen von Frieda und Isidor Meyerhoff werden Sie nie vergessen.'"  
Link zum Artikel   
 
Juli 2017: Gräber von Gernsbacher Juden auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim 
Kuppenheim Friedhof Gernsbach PA 150717.jpg (210462 Byte)Links: Artikel in den "Badischen Zeitung" (Lokalausgabe) vom 15. Juli 2017: "Auf den Spuren der Gernsbacher Juden - 69 Gräber auf dem Jüdischen Friedhof Kuppenheim".  
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April 2018: Nach Dr. Isidor Meyerhoff wird in Bad Rotenfels eine Straße benannt   
Artikel von Irene Schneid-Horn und Thomas Dorscheid in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 12. April 2018: "Straße wird umbenannt. Späte Ehre für jüdischen Arzt aus Gaggenau
Vor 80 Jahren verließ der beliebte Rotenfelser Landarzt Dr. Isidor Meyerhoff seine Heimat – er tat es nicht aus freien Stücken. 32 Jahre wirkte er 'als Arzt, der immer im Einsatz war'. Als ein Arzt, der bekannt dafür war, dass er ärmere Einwohner nicht nur in seiner Praxis ohne Rechnung behandelte; er machte auch Hausbesuche und brachte den Menschen, die kein oder nur wenig Geld hatten, kostenlos Medizin mit. Nationalsozialistische Gesetze behinderten ihn allein wegen seines jüdischen Glaubens mehr und mehr an der Ausübung seines Berufes. Dennoch konsultierten viele Menschen rund um Rotenfels weiterhin den beliebten Mediziner, an den sich Ältere aus Bad Rotenfels bis heute erinnern.
Von Nazis zusammengeknüppelt. Als Meyerhoff 1938 zu einem fingierten Hausbesuch nach Michelbach gerufen wurde, misshandelten ihn junge Nazischergen brutal, er wurde zusammengeknüppelt. Schwer gedemütigt, zog der damals 63-Jährige mit seiner Frau und Tochter Liesel nach Mannheim. Dort starb der schwerkranke Mann im Mai 1940, die beiden Frauen wurden im Oktober ins Lager Gurs (Südfrankreich) deportiert. Glücklichen Umständen war es zu verdanken, dass die beiden Frauen den Holocaust überlebten und in die USA auswandern konnten. Die Kinder Fritz und Gertrude waren schon 1936 beziehungsweise 1938 ausgewandert.
20 Nachfahren aus den USA kommen. Jetzt kommen 20 Meyerhoff-Nachfahren aus den USA (aus den Bundesstaaten Kalifornien und Utah) nach Gaggenau, um am Montag, 16. April, Augenzeugen zu sein, wenn ihrem Ahn eine späte Ehrung zuteil wird und ein Straßenzug seinen Namen erhält. Die frühere Bruchgrabenstraße, eine wichtige Erschließungsstraße, wird zur Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße. Das neue Straßenschild ist bereits angebracht worden; jedoch hat die Stadtverwaltung mit dem 'Widmungsakt' bis zum Besuch der Meyerhoff-Nachfahren gewartet. Ausgewählt wurde genau diese Straße auch deshalb, weil es nur wenige Anwohner gibt, die ihre Adresse hätten ändern müssen.
'Widmungsakt' ist am 16. April. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Meyerhoff liegt in der Murgtalstraße 101, nur rund 100 Meter von der Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße entfernt. Nach dem 'Widmungsakt' steuert am 16. April die gesamte Gruppe um Oberbürgermeister Christof Florus den Hof dieses Anwesens an. Die Initiative für die Straßenumbenennung ging vom 'Arbeitskreis Gedenken' um Ulrich Behne aus. Dem ehemaligen leitenden Geschichtslehrer am Goethe-Gymnasium liegt die deutsche Geschichte insgesamt sehr am Herzen; insbesondere aber motiviert ihn 'das Bewusstsein, dass die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet werden muss, damit sie nicht vergessen wird'.
Ulrich Behne hat recherchiert. Sensibilisiert für die Verbrechen an Juden wurde der inzwischen pensionierte Lehrer Ulrich Behne durch Erzählungen seiner Mutter, deren jüdische Freundin verschleppt und umgebracht worden war. Ein Buch zur der jüdischen Geschichte seines Geburtsortes Vechta (Niedersachsen) ging daraus hervor. In einer mehrteiligen Serie veröffentlichte die BNN-Redaktion Gaggenau im Jahr 2009 exklusiv Ulrich Behnes umfangreiche Recherchen über 'Das jüdische Leben in Gaggenau'.
Stolpersteine verlegt. Eine führende Rolle spielte Behne wiederum, als sich im Jahr 2009 der 'Arbeitskreis Gedenken' in Gaggenau formierte, um durch die 'Aktion Stolpersteine' an die einstigen jüdischen Mitbürger zu erinnern. 2013 wurden für die fünf Mitglieder der Familie Meyerhoff Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Murgtalstraße in Bad Rotenfels verlegt. Auf diese Aktivität wurde Susan Baum, die heute 70-jährige Enkelin der Meyerhoffs, bei ihrer Ahnenforschung im Internet aufmerksam. Sie nahm Kontakt auf und besuchte Bad Rotenfels im Sommer letzten Jahres.
Behne legt Dokumentation vor. Bereits im Rahmen des Stolperstein-Projektes recherchierte Behne ausführlich zur jüdischen Geschichte von Gaggenau. Inzwischen ist seine Gesamtdokumentation fast fertig und soll im Herbst erscheinen. Im Rahmen von Zeitzeugen-Interviews fiel laut Behne einmal der Satz: 'Er hätte es verdient, dass eine Straße nach ihm benannt wird.' Das griff Behne umgehend auf und wandte sich an die Stadtverwaltung.
Programm für die Gäste aus den Staaten. Den 20 Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln von Isidor Meyerhoff wird er vorab einen 80-seitigen Auszug zu ihrer Familiengeschichte überreichen. Sie reisen am Sonntag aus Utah und Kalifornien an; Susan Baum kommt sogar aus Panama, wo die gläubige Mormonin derzeit einen Missionsauftrag ausübt. Über sie lief auch der Kontakt mit den anderen Familienmitgliedern. Die Besucher werden bei Gaggenauer Familien wohnen und vom 'Arbeitskreis Gedenken' betreut. In Zusammenarbeit mit der Stadt Gaggenau gibt es ein umfangreiches Programm – mit einem Ausflug nach Heidelberg und auch zum Grab von Isidor Meyerhoff in Mannheim.
Öffentliche Buchvorstellung. Ulrich Behne stellt sein Buch 'Erinnerungen an Dr. Isidor Meyerhoff und seine Familie' am Montag, 16. April, ab 18 Uhr im Bürgersaal des Gaggenauer Rathauses vor. Alle interessierten Bürger sind zu dieser Vorstellung eingeladen. In der Einladung der Stadt heißt es hierzu: 'Die Dokumentation ist dem jüdischen Arzt gewidmet, der 32 Jahre lang überaus segensreich in Rotenfels wirkte, bis er von den Nationalsozialisten vertrieben wurde und 1940 in einem sogenannten Judenhaus in Mannheim starb.'"  
Link zum Artikel  
 
Oktober 2018: Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober 1940  
Artikel von Irene Schneid-Horn in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom Oktober 2018: "Rosen und Kerzen zum Gedenken. Feier in Gernsbach für die letzten neun am 22. Oktober 1940 deportierten Juden..."
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November 2018: Gedenken an den Novemberpogrom 1938  - Veranstaltungen und Zeitzeugenbericht   
Artikel von Irene Schneid-Horn in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 9. November 2018: "Vielfältiges Gedenken an jüdisches Leben. Mehrere Veranstaltungen in Gernsbach / Christ warnt vor wieder aufkeimendem Antisemitismus..."
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Artikel von Thomas Dorscheid in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 9. November 2018: "Gernsbacher Zeitzeuge erzählt. Der Tag, an dem die Synagoge brennt
Am Mittag des 10. November 1938 steht ein Rauchpilz über Gernsbach. Die Synagoge steht in Flammen. Das Zerstörungswerk der Nazis vor 80 Jahren vollzieht sich in der Alten Amtsstadt nicht in der 'Reichskristallnacht' am 9. November, sondern einen Tag später. Doch es trifft nicht nur die erst zehn Jahre zuvor eingeweihte Synagoge, es werden auch Wohnungen und Geschäfte demoliert, Menschen misshandelt. Walter Stradinger aus Gernsbach, Geburtsjahrgang 1924, ist Zeitzeuge. Heute 94 Jahre alt, schildert er im BNN-Gespräch: 'Ich habe gesehen, wie die SA in mehrere Häuser rein ist, Sachen rausgeworfen und demoliert hat.'
Auch Häuser werden gestürmt. Die Demütigung und die Angst der Betroffenen lässt sich kaum in Worte fassen. Bekannt ist, dass der SA-Hauptsturm 3/111 Gaggenau, zu dem auch Männer aus den umliegenden Orten gehören, den Auftrag hat, gegen die Synagogengemeinden der Umgebung massiv vorzugehen. In Gernsbach wird der Gaggenauer Trupp beim Brandanschlag auf die Synagoge und beim 'Häusersturm' von Einheimischen wie auch halbwüchsigen Hitlerjungen unterstützt. Gleichaltrige hat auch Walter Stradinger dabei gesehen. Er selbst habe aber nicht mitgemacht. 'Du gehst in kein Haus hinein', habe ihn sein Vater ('Der wollte vom Dritten Reich nichts wissen') angeherrscht.
'Wir haben Euch doch gar nichts getan!' Walter Stradinger wird später zur Wehrmacht einberufen, in Belgrad gerät er in Kriegsgefangenschaft. Ein Jahr wird er in russischer und noch weitere drei Jahre in serbischer Gefangenschaft zubringen müssen, schildert er. Er ist kein gebürtiger Gernsbacher, stammt vielmehr aus dem Nagoldtal. Als der Vater 1926 Arbeit in der Papierfabrik Schoeller & Hoesch bekommt, zieht die Familie nach Gernsbach. Das Bild der völlig aufgelösten Frau Marx an jenem 10. November 1938 hat Stradinger noch immer vor Augen; draußen vor der Tür habe sie gestanden und auf die völlig zerstörte Wohnungseinrichtung geschaut: 'Sie war völlig verzweifelt und rief immer nur: Wir haben Euch doch gar nichts getan!' Die jüdische Familie Marx habe in der Altstadt nahe der evangelischen Kirche gewohnt.
Zuschauer an brennender Synagoge. Als die Synagoge an der Reihe ist, sei er in der Schule gewesen. 'Einer hat gerufen: Die Synagoge brennt – und dann sind alle dorthin gelaufen. Viele standen da und haben zugeschaut', erinnert er sich. Die Feuerwehr hat wie überall in Deutschland die Anweisung, beim Brand der Synagogen nicht einzuschreiten, wohl aber darauf zu achten, dass das Feuer nicht auf Nachbargebäude übergreift. Stradinger erinnert sich auch, zwei Kameraden jüdischen Glaubens in seiner Schulklasse gehabt zu haben. Sie seien mit ihren Familien in die USA beziehungsweise nach Paris emigriert, sehr viel später aber wieder zu Klassentreffen nach Deutschland gekommen.
'Kleine Hitlers' machen mit. Nach der Schandtat in Gernsbach zieht es die Gaggenauer SA nachmittags nach Kuppenheim, am Abend folgt Malsch. In Hörden, so ist es aus weiteren Zeitzeugenberichten bekannt, plündert und verwüstet ein SA-Trupp aus Gernsbach die Gastwirtschaft 'Zum Adler' und das Textilgeschäft von Julius Maier. Die Eheleute Maier sind als anständige Geschäftsleute im Flößerdorf geachtet. Jetzt müssen sie unter Angst und Schrecken zusehen, wie nicht nur die SA, sondern auch Zehn- bis Zwölfjährige vom 'Jungvolk' – 'kleine Hitlers' genannt – Mobiliar auf die Straße werfen und zerstören."  
Link zum Artikel   
 
November 2020: Weg bei der ehemaligen Synagoge als "Synagogenweg" benannt   
Artikel in den "Badischen Neuesten Nachrichten" vom 2020: "Erinnerung an früheres Gotteshaus. 
Gernsbacher 'Synagogenweg' soll jüdische Vergangenheit der Stadt ins Bewusstsein der Menschen rücken

Der Fuß- und Radweg zwischen der Gernsbacher Austraße und dem Blumenweg hatte lange Zeit keinen Namen. Seit Mittwoch heißt er nun offiziell 'Synagogenweg'. Damit soll an ein dunkles Kapitel in der Gernsbacher Geschichte erinnert werden.
Der bislang namenlose Fuß- und Radweg zwischen Austraße und Blumenweg trägt jetzt den Namen 'Synagogenweg'. Am Mittwochvormittag weihte Bürgermeister Julian Christ das Straßenschild im Beisein von Regina Meier als Vertreterin des Arbeitskreises für Stadtgeschichte ein. Der Arbeitskreis hatte die Namensgebung angeregt. Seit Juli 1928 stand in der Austraße 3 die Gernsbacher Synagoge. Die feierliche Einweihung des von dem renommierten Karlsruher Architekten Richard Fuchs entworfenen Gotteshauses fand seinerzeit unter Teilnahme von Vertretern der politischen Gemeinde sowie der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinden statt.
Gernsbacher Synagoge wurde 1938 zerstört. Doch keine fünf Jahre später begann in der Zeit des NS-Regimes auch in Gernsbach die systematische Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung der Menschen jüdischen Glaubens. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge von Nazi-Schergen geschändet, angezündet und zerstört. Der Arbeitskreis für Stadtgeschichte beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem jüdischen Leben in Gernsbach, das im Oktober 1940 mit der Deportation der letzten neun Juden nach Gurs sein Ende fand. Neben vielen anderen Aktionen zur lokalen jüdischen Geschichte veranstaltete der Arbeitskreis 2018 eine Ausstellung zur Gernsbacher Synagoge, an die seit 1985 ein Gedenkstein erinnert. 'Im Rahmen der Ausstellung wurde uns bewusst, dass vielen Menschen aus der Region nichts von der Existenz einer Synagoge in Gernsbach bekannt war. Dieses Bewusstsein zu stärken und die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Gernsbachs vermehrt ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, ist uns ein wichtiges Anliegen', begründete Regina Meier vom Arbeitskreis Stadtgeschichte den an die Stadt Gernsbach gerichteten Antrag, dem Fuß- und Fahrradweg zwischen Austraße und Blumenweg den Namen ' Synagogenweg' zu geben.
Verbindungsweg hat keine direkten Anwohner. Die Stadt Gernsbach stand dem Antrag von Anfang an wohlwollend gegenüber. Nach Prüfung der rechtlichen und verwaltungstechnischen Aspekte gab das Rathaus grünes Licht, zumal der Verbindungsweg keine direkten Anwohner hat und somit keine Adressänderungen mit der Umbenennung einhergehen. 'Gerne unterstützen wir das Ansinnen des Arbeitskreises Stadtgeschichte zur Namensgebung 'Synagogenweg' für den bisher namenlosen Fuß- und Fahrradweg. Mein Dank gilt hier den Aktiven des Arbeitskreises für ihren Einsatz. Gemeinsam mit ihnen setzen wir als Stadt damit ein weiteres Zeichen des Erinnerns und der Verbundenheit mit unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Gernsbach', betont Bürgermeister Julian Christ." 
Link zum Artikel   vgl. Bericht in der Website der Stadt Gernsbach    
 
Februar 2023: Zum Tod von Ulrich Behne - Forscher an der jüdischen Geschichte in Gaggenau    
Nach dem Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Behne: "Ulrich Behne (1939-2023) war ein deutscher Heimatforscher aus Gaggenau.
Er machte sein Abitur in Hannover, nach seiner Wehrpflicht studierte er Germanistik und Geschichte in Göttingen und Freiburg. Sein Staatsexamen legte er in Freiburg ab. Nach seinem Referendariat am Tulla-Gymnasium Rastatt war er von 1969 bis 2003 als Lehrer und Vertrauenslehrer am Goethe-Gymnasium Gaggenau tätig. Nach seiner Pensionierung 2003 übte er sechs Jahre lang das Amt des ersten Vorsitzenden des Kulturrings Gaggenau aus. Er war der erste, der mit Unterstützung des Stadtarchivs ausgiebig um die Geschichte der Juden in Gaggenau recherchiert hat. Seine Ergebnisse erschienen zwischen Anfang 2009 und Januar 2010 in einer Serie der BNN ('Jüdisches Leben in Gaggenau') sowie in seinem Buch 'Verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen'." (siehe Literatur)      
Dazu Artikel von Thomas Senger in "Badische Neueste Nachrichten" vom Februar 2023: "Gaggenauer Geschichtsforscher und Lehrer Ulrich Behne ist tot..."  
Link zum Artikel   
 
2022: Zweite Stolpersteinverlegung 2022: es wurden "Stolpersteine" für Opfer der sogenannten "Euthanasie"-Aktionen verlegt 
 
2023: Gedenken an die Deportation nach Gurs am 22. Oktober 2023    
Artikel von Regina Maier / Arbeitskreis Stadtgeschichte in  https://stadtgeschichte-gernsbach.de/gemeinsam-schulter-an-schulter-stehen/: "Jüdisches Leben - Gemeinsam Schulter an Schulter stehen
Gedenkstunde am 22. Oktober 2023
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Alljährlich veranstaltet der Arbeitskreis Stadtgeschichte ein Gedenken an die Menschen jüdischen Glaubens, die einst inmitten Gernsbachs gelebt haben. Am 22. Oktober 1940, dem vorletzten Tag des jüdischen Laubhüttenfestes, wurden in Baden, dem Saargebiet und der Pfalz von Polizeibeamten und Gestapoleuten in der ersten großen Deportationsaktion rund 6.500 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die jüdischen Glaubens waren, aus ihren Häusern und Wohnungen geholt. Sie wurden von Sammelpunkten aus in tagelangen strapaziösen Zugtransporten nach Gurs in die französischen Pyrenäen verschleppt. Für zwei Drittel von ihnen bedeutete die Deportation den Tod. Entweder starben sie an Entkräftung, Krankheiten und Unterversorgung oder sie wurden ab August 1942 in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa verbracht und ermordet. Auch aus Gernsbach wurden am 22. Oktober 1940 neun Mitbürgerinnen und Mitbürger abgeholt. Andere hatten bereits ihre Heimat verlassen oder mussten den Druck der Ausgrenzung und Verfolgung ertragen. Andere entkamen der Verfolgung nicht und wurden Opfer in einem der Konzentrationslager. Bei dem diesjährigen Gedenken wirkten Schülerinnen und Schüler der Realschule mit ihren Lehrerinnen Elvira Schulz und Johanna Lang sowie des Albert-Schweitzer-Gymnasiums unter der Leitung von Gabriela Guth mit. Außerdem trug Lisa Schwelle, eine junge Gernsbacherin, die in den Pfarrgemeinden aktiv und derzeit ein FSJ im Jugendhaus absolviert, einen Beitrag vor. Anne Dresel sorgte mit ihrem Waldhorn für die musikalische Umrahmung und trug mit den von ihr gewählten tragenden Weisen zur stimmungsvollen Gestaltung der Veranstaltung bei.
Regina Meier vom Arbeitskreis Stadtgeschichte betonte in ihrer Begrüßung, dass durch die Einbindung neuer Gruppen die Gedenkarbeit lebendig bleibt und ein starkes Signal gerade in diesen Zeiten von Krieg und Geiselnahme aussendet. Sie ging auf den Krieg in Israel und Palästina ein. Der Überfall der Terrorgruppe Hamas auf unschuldige Zivilisten in Israel am 7. Oktober hat ein Blutbad verursacht, das weltweit Erschrecken ausgelöst hat. Die weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen fordern täglich Opfer. Und mit dem versuchten Anschlag auf die Synagoge in Berlin und weitere antisemitischen Handlungen ist der Konflikt hier vor unserer Haustür angekommen. 'Wir hätten nie gedacht, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland Angst haben müssen. Wir sind erschüttert, dass sie von Anschlägen bedroht sind, dass sie Hass, Gewalttätigkeiten und Drohungen erleben müssen.' Das könne man nicht tolerieren, auch hier nicht weit weg von Berlin. 'Daher stehen wir hier und stehen ein für ein freies und gefahrloses Leben von Jüdinnen und Juden in unserer Gesellschaft. Wir stehen gegen Antisemitismus und Israelhass.'
Dazu hatte sich auch Eyal Grunebaum in einem Schreiben an Irene Schneid-Horn vom Arbeitskreis Stadtgeschichte gewendet. Er ist ein Nachfahre der Gernsbacher Familie Nachmann, die in der Igelbachstraße ein Geschäft unterhielt und der bereits mehrfach in Gernsbach auf den Spuren seiner jüdischen Familie war. Er schrieb anlässlich des diesjährigen Gedenken an die Gurs-Deportation: 'I applaud you and the community for continuing the ceremony, particularly during this time, as it is a reminder of how easy it is for people to forget their humanity, regardless of nationality, faith, and identity. I wish I was able to stand shoulder-to-shoulder with you!' Frei übersetzt: 'Ich applaudiere euch und der gesamten Gemeinde, dass dieses Gedenken weitergeführt wird. Vor allem in dieser Zeit, da es ein Erinnern daran ist, wie leicht es für Menschen wird, ihre Menschlichkeit zu vergessen, ungeachtet der Nationalität, Schicksal und Identität. Ich wünschte, ich könnte neben euch stehen Schulter an Schulter.' So war es von besonderer Bedeutung, dass bei der Gedenkfeier viele junge Menschen anwesend waren. Die Schülerinnen und Schüler der Realschule Gernsbach hatten das Schicksal von Eva Stern, die in der Igelbachstraße 17 mit ihren Eltern gewohnt hatte, aufgegriffen. Sie war 15jährig mit ihren Eltern aufgrund der Ausgrenzung und Verfolgung der Juden nach Stuttgart geflüchtet, von dort wurde sie nach Riga deportiert und wegen ihres jüdischen Glaubens ermordet. Die Realschülerinnen versuchten sich in die Lage der verfolgten Eva Stern zu versetzen und formulierten in eigenen Worten ihre Gedanken zu diesem Unrecht. In 15 Textbeiträgen machten die Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer Gymnasiums Gernsbach das grausamste Verbrechen gegen die Menschlichkeit – den Holocaust – zum Thema. Sie formulierten die Mahnung, niemals gleichgültig zu sein und für eine Welt des Friedens, der Toleranz und der Versöhnung einzustehen. Sie sind voller Entsetzen, Trauer und Unverständnis, wenn sie über das Leid nachdenken, das Andersdenkenden, Homosexuellen und Juden und vielen mehr zur Zeit des Nationalsozialismus angetan wurde. Sie hatten sich dem Schicksal von zwei Gernsbachern, Eugen Neter und Hermann Maas, beschäftigt und sprachen auch deutlich aus, dass Gernsbach, die Stadt ihrer Kindheit, diesen Vorbildern zu wenig gedenkt. Ihr Schlussappell ging allen Anwesenden unter die Haut: 'Die Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Juden ist kein rückwärtsgewandter Blick, sondern ein Aufruf zur Wachsamkeit. Möge ihr Leid uns dazu anspornen, heute und morgen für eine Welt einzustehen, die auf Respekt, Toleranz und Mitgefühl gegründet ist. In ihren Namen verpflichten wir uns, das Erbe der Menschlichkeit zu bewahren.'
Den Schluss der Redebeiträge wurde Lisa Schwelle gesetzt. Sie führtet die Ereignisse am 20. Oktober 1940 aus und formulierte am Ende einen ebenso eindringlichen Aufruf: 'Damit die Worte 'Nie wieder' nicht zu einer leeren Phrase werden: Nie wieder darf Menschen ihr Wert als Menschen abgesprochen werden. Nie wieder dürfen Menschen aus unserer Mitte zu Sündenböcken gemacht werden. Wir müssen der Menschenfeindlichkeit, die immer wieder neu aufkommt, mutig entgegentreten!' Mit einem herzlichen Dank ging Michael Chemelli, Bürgermeister-Stellvertreter, auf die Beiträge der Schülerinnen und Schüler ein. Sie hätten mit eigenen Worten die Trauer, das Unverständnis, den Protest gegen das Unrecht während der Nazi-Herrschaft eine Stimme gegeben. Er sprach Worte des Dankes an die Aktiven aus, zum einen den jungen Beteiligten mit den vorgetragenen Gedanken sowie der Musik. Sein Dank galt auch der Initiative des Arbeitskreises Stadtgeschichte, die in jedem Jahr das Schicksal der einstigen Gernsbacherinnen und Gernsbachern jüdischen Glaubens lebendig hält.
Zum Schluss verlas er die Namen der 1940 Deportierten: 'Wir gedenken Hilda Dreyfuß – Arthur Kahn – Erna Kahn – Lieselotte Kahn – Margit Kahn - Eugen Lorsch - Heinz Lorsch - Bertha Marx und Hermann Nachmann.' Dabei wurde jeweils eine Kerze entzündet und zu den Gedenksteinen getragen. Danach ging die Versammlung in Stille auseinander."  

    
     

 Links und Literatur  

Links:  

bulletWebsite der Stadt Gernsbach   

Literatur:

bulletHeinrich Langenbach: Gernsbach im Murgtal. Eine Stadtgeschichte während 700 Jahre. 1922. 
bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 107-110. 
bulletOskar Stiefvater: Geschichte und Schicksal der Juden im Landkreis Rastatt, in: Um Rhein und Murg. Heimatbuch des Landkreises Rastatt Bd. 5 (1965) S. 42-83.
bulletJoseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 297-299.  
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 
bulletMohr Lit 020.jpg (18107 Byte)Günther Mohr: "Neben, mit Undt bey Catholischen*. Jüdische Lebenswelten in der Markgrafschaft Baden-Baden 1648-1771. Böhlau-Verlag Köln u.a. 2011. 248 Seiten. ISBN 13: 978-3412207397.  Website des Verlags  mit Informationsseite zur Publikation   
Die Studie widmet sich den Lebensmöglichkeiten von Juden und Jüdinnen in der katholisch geprägten Markgrafschaft Baden-Baden und damit Fragen der ländlichen Gesellschaft und Kultur in Südwestdeutschland. Es entsteht ein neues Bild des Landjudentums in seinen vielfältigen Kontakten zur christlichen Nachbarschaft und mit einem überraschenden Selbstbewusstsein. Das Buch analysiert u.a. die Aufnahme der Juden in den Schutz, die wirtschaftlichen Aktivitäten von Juden und Christen, ihr spannungsreiches Verhältnis ­zueinander, innerjüdische Verhältnisse sowie Fragen der jüdischen Religion. Dabei stehen immer die ­wechselvollen Schicksale einzelner Protagonisten im Vordergrund.
bulletCornelia Renger-Zorn: Juden in Gernsbach. Löw Dreyfuß in Gernsbach nicht willkommen. Schwieriger Start einer jüdischen Familie.
Online zugänglich über https://literaturdesign.de/Juden_in_Gernsbach/juden_in_gernsbach.html; der Text (ohne Abbildungen) ist auch als pdf-Datei eingestellt.
Anmerkung: der Gernsbacher Schutzjude Salomon Kaufmann (1739-1818) hatte mehrfach bei der badischen Regierung um Aufnahme seines Neffen Löw Dreyfuß (1783-1855) aus Weißenburg gebeten. In Gernsbach formierte sich vehementer Widerstand gegen Salomon Kaufmann und seinen Neffen... Dennoch wurde von der Regierung Löw Dreyfuß aus Weißenburg im August 1806 als so genannter Schutzjude in Gernsbach aufgenommen... 
bulletdies.: Erste Juden in Gernsbach. Online zugänglich über https://literaturdesign.de/Juden_in_Gernsbach/Erste_Juden/erste_juden.html
bulletUlrich Behne: Verstreute Spuren – verblasste Erinnerungen. 2019, Verlag Regionalkultur, ISBN 978-3-95505-131-0.     
bulletSabine Giersiepen / Arbeitskreis Stadtgeschichte Gernsbach. Beitrag zum 9. November 1938 für einen Vortragsabend am 9. November 2023. 3 Seiten. Eingestellt als pdf-Datei.  

   
    

Gernsbach Spurensuche T01.jpg (79414 Byte) Hinweis: Online zugänglich ist die 2008 erschienene Publikation: 
Irene Schneid-Horn: Jüdisches Leben in Gernsbach. Eine Spurensuche. 20 Seiten.
Link: die Publikation ist als pdf-Datei eingestellt.  
Im Herbst 2008 wurde aus Anlass des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht in Gernsbach mit "Wochen des Gedenkens" der ehemaligen jüdischen Mitbürger gedacht. In der Murgtalstadt erinnern Gedenksteine an die Zerstörung der Synagoge im November 1938 sowie an die Deportation im Oktober 1940. 
Die Autorin Irene Schneid-Horn richtete in einer neunteiligen Serie der "Badischen Neuesten Nachrichten" (Juli bis Oktober 2008) den Blick auf über 250 Jahre jüdisches Leben in Gernsbach.   

          
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gernsbach  Baden. Jews first settled in 1683, concentrating in a Jewish quarter in the old city and later in a suburb outside the town walls. From the early 19th century, to the Nazi era the Jews maintained a population of around 60 (2,5 % of the total). A new synagogue was erected in 1860. A number of smaller communities were attached to Gernsbach, including Hoerden with its 14 Jews. Of Gernsbachs 54 Jews (1933), 29 emigrated in the Nazi era, mostly to the U.S., and 12 left for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned, Jewish homes and businesses were heavily damaged, and 20 jews were sent to the Dachau concentration camp. The last nine Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Of the Jews in Hoerden, eight emigrated and four were deported to Gurs.  
    
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026