Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eichtersheim (Gemeinde Angelbachtal, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhundert als kurpfälzisches Lehen den Herren von Venningen gehörenden Eichtersheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1710 mehrere Juden am Ort genannt (u.a. Aron Bloch, Jakob Mayer). 1770 waren bereits mindestens 12 jüdische Familien am Ort; ihre Namen lauteten damals Michel, Lang, Maier, Eichtersheimer, Seligmann, Wertheimer, Jöhlinger, Karlebach, Philipp, Edesheimer, Marx und Metzger.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 23 jüdische Familien, 1825 129 jüdische Einwohner (15,8 % von insgesamt 814 Einwohnern), 1839 149, 1848 Höchstzahl von 160 Personen (16 % der Einwohnerschaft), 1875 93 (11,2 % von 830), 1887 104, 1900 54 (7,4 % von 733), 1910 37 (4,7 % von 790). Die jüdischen Familien hatten bereits im 19. Jahrhundert große Bedeutung für das wirtschaftliche Leben des Dorfes (1864 gehörten jüdischen Familien eine Bäckerei, zwei Metzgereien, eine Weinhandlung, eine Gaststätte, drei Handlungen mit verschiedenen Waren). Die Zahl der jüdischen Einwohner ging vor allem durch die Auswanderung nach Nordamerika zurück: von 1843 bis 1890 sind 55 jüdische Personen aus Eichtersheim ausgewandert.   
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule (beziehungsweise von 1837 bis 1868 eine jüdische Konfessionsschule / Volksschule; seit 1838 im Gebäude Hauptstraße 50; in diesem Gebäude war nach Auflösung der Konfessionsschule 1876 die allgemeine Ortsschule; heute Wohnhaus), ein rituelles Bad (seit 1838 im Untergeschoss des Schulgebäudes) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1811 lässt sich ein jüdischer Lehrer am Ort nachweisen. 1838 wird als Lehrer Samuel Bär genannt; er hatte Frau und vier Kinder und klagte in diesem Jahr über Bauschäden im neu erbauten Schulgebäude und die zu kleine Lehrerwohnung. Seiner Frau missfiel, dass der Zugang zur Mikwe durch die Küche der Wohnung führte. Von 1875 bis 1903 wirkte in Eichtersheim der bei den Berichten unten mehrfach genannte Lehrer Abraham Rothschild. 1904 wurde die Religionslehrerstelle gemeinsam für Eichtersheim und Michelfeld ausgeschrieben (siehe unten). Das rituelle Schlachthaus befand sich im Gebäude Hauptstraße 57; in ihm wurde wöchentlich unter Aufsicht des Bruchsaler oder Heidelberger Rabbinates Groß- und Kleinvieh geschlachtet. Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Bruchsal
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Adolf Heppenheimer (geb. 25.4.1878 in Eichtersheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 3.8.1917). 
    
Um 1924, als noch 21 jüdische Personen in Eichtersheim lebten (4,8 % von insgesamt 746 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Max Wertheimer. Die damals vier schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Jakob Lewin aus Malsch. 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Max Wertheimer. Im Schuljahr 1931/32 gab es noch zwei schulpflichtige jüdische Kinder.
  
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Metzgerei und Kälbergroßhandel Leopold Metzger (Kirchgasse 1; die Kälber wurden in den Ortschaften bis Bruchsal aufgekauft und wöchentlich den Schlachthöfen Heidelberg und Mannheim zugeführt), Kurzwarenhandlung Robert Oberdörfer (Friedrich-Hecker-Straße 1, abgebrochen), Fellgroßhandlung Moritz Sandler (Hauptstraße 55); Kurzwarenhandlung Jakob Sternweiler (Hauptstraße 59, abgebrochen), Textilwarengeschäft mit Kurzwaren Gustav Traub (Hauptstraße 38), Rechtsanwalt Dr. Josef Wertheimer (Hauptstraße 52), Zigarrenfabrikant Max Wertheimer (Schlossstraße 8).  
   
1933 lebten noch 18 jüdische Personen in Eichtersheim. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind die meisten der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren ausgewandert. Zwischen 1936 und 1938 mussten alle jüdischen Gewerbebetriebe schließen beziehungsweise wurden von nichtjüdischen Personen übernommen. Ende Oktober 1938 wurde die Familie Jonas Kort nach Polen abgeschoben. Nach 1940 wohnte in Eichtersheim nur noch der mit einer nichtjüdischen Frau verheiratete Rechtskonsulent Dr. Josef Wertheimer, der 1942 starb.    
  
Von den in Eichtersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Karoline Kleiner geb. Sandler (1896), Jonas Kort (1884), Richard Kort (1921), Robert Oberndörfer (1871), Berta Schwarz geb. Heppenheimer (1873), Jakob Sternweiler (1874), Ernst Traub (1892), Leopold Traub (1879), Selma Traub (1885), Thekla Ullmann geb. Wertheimer (1866), Max Wertheimer (1862).
  
Nach 1945 kehrte Manfred Kort mit seiner Mutter und einer Schwester nach Eichtersheim zurück. Alle drei hatten schlimmste Zeiten in Lagern hinter sich. Die Mutter starb 1949 in Heidelberg, die Kinder wanderten in die USA aus. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
     
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1837)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1837 S. 804 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Erledigte Stelle. Die mit dem Vorsängerdienst vereinigte Lehrstelle an der neuerrichteten öffentlichen israelitischen Schule in Eichtersheim, mit einem Gehalte von 140 fl., nebst freier Wohnung und einem Aversalbetrage von 22 fl. für Schulgeld, ist zu besetzen. 
Die Kompetenten um diese Stelle haben sich nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli vorigen Jahres durch ihre Bezirksschulvisitaturen bei der Großherzoglichen evangelische Bezirksschulvisitatur Sinsheim zu Hoffenheim innerhalb 4 Wochen zu melden. 
Karlsruhe, den 2. August 1837. 
Großherzoglich badischer Oberrat der Israeliten".    

   
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1904) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1904: "Die mit dem Vorbeter- und Schächterdienst verbundene Religionslehrerstelle für die zusammenhängenden Gemeinden Eichtersheim (Dienstsitz) und Michelfeld ist baldigst durch einen seminaristisch gebildeten Lehrer zu besetzen. Gehalt 1.000 Mark, freie Wohnung und etwa 300-400 Mark Nebengefällen. Bewerbungen an die 
Bezirkssynagoge Bruchsal: 
Rabbiner Dr. Doctor
."    

   
Auszeichnung von Religionslehrer Abraham Rothschild nach 50-jähriger Dienstzeit (1902)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1902: "Eichtersheim, Bezirks-Rabbinat Bruchsal, im Dezember (1902). Mit einer seltenen Feier wurde am zweiten Chanukka-Abend die hiesige Gemeinde überrascht und zwar galt diese Feier dem verehrten Herrn Religionslehrer Abraham Rothschild dahier. Es wurde demselben eine Ehre zu Teil, wie selten eine solche einem Lehrer, der trotz hohem Alter bei solcher Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit, vergönnt ist. In verdienter Anerkennung seiner 50-jährigen, pflichterfüllten, ununterbrochenen Dienstzeit im badischen Lande, hat Seine Königliche Hoheit, Großherzog Friedrich von Baden, gnädigst geruht, dem verehrten Herrn Abraham Rotschild die goldene Verdienstmedaille zu verleihen und wurde dieselbe durch Seine Ehrwürden, Herr Bezirksrabbiner Dr. Doctor - Bruchsal, Herrn Abraham Rothschild unter großer Teilnahme sowohl Ortsangehöriger, als auch Auswärtiger an heiliger Stätte mit entbotenen Großherzoglichen Glückwünschen feierlichst überreicht. Eine daran geknüpfte ergreifende Rede des Herrn Rabbiner verlieh der ganzen Feier ein erhöhtes Interesse. Mit innigen Dankesworten des sichtlich tief erregten Jubilars und des sich daran anschließenden Abendgebetes nach vorausgegangenem Anzünden der Chanukkakerzen endete diese erhebende Feier. Möge es dem Jubilar noch lange vergönnt sein, in voller Geistes- und Körperfrische zum Heile und Segen des Judentums zu wirken. Da walte Gott!"      

 
Lehrer Abraham Rothschild wird in den Ruhestand verabschiedet (1903; Lehrer in Eichtersheim seit 1875)  

Eichtersheim Israelit 04011904.jpg (166181 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904: "Eichtersheim (Baden), Ende Dezember (1903). (hebräisch und deutsch:) 'Denn mit meiner ganzen Kraft habe ich gedient' (1. Mose 31.6). Dieses Zeugnis, das Jakob unser Vater beim Verlassen seines Wirkungskreises im vollen Bewusstsein seiner langjährigen, aufopfernden Tätigkeit im Dienste Labans sich ausstellte, können auch wir mit freudigem Herzen unserem verehrtesten, vom Großherzoglichen Oberrate in Ruhestand versetzten Herrn Lehrer Rothschild ausstellen, als er einige Tage nach Schabbat Paraschat Wajeze (das war Schabbat mit der Toralesung Wajeze = 2. Mose 28,10 - 32,3, das war der 28. November 1903) den Wirkungskreis unserer Gemeinde verließ. Ja, mit seiner ganzen Kraft, das wiederholen wir an dieser Stelle, hat der Scheidende auch uns gedient. Mit süßem Bewusststein kann Herr Lehrer Rothschild auf eine 28jährige, ununterbrochene, segensreiche Tätigkeit in unserer Gemeinde, zu unserer vollsten Zufriedenheit, zurückblicken. Erwähnt sei nebenbei, dass Herr Lehrer Rothschild vergangenes Jahr im siebzigsten Lebensjahre, bei voller körperlicher und geistiger Frische sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte, bei welcher Gelegenheit er auch mit der goldenen Verdienstmedaille seitens Seiner Königlichen Hoheit des Großherzog von Baden gnädigst und huldvollst dekoriert wurde. Wahrlich, in treuem Pflichteifer, mit unermüdlichem Fleiße, der Verantwortlichkeit seines heiligen, hohen Berufes sich voll und ganz bewusst, stellte derselbe in selbstlosester Weise, in edelster Absicht und großem Geschicke seine ganze Kraft sowohl als Seelsorger, wie als Lehrer in den Dienst der Gemeinde, der Schule und des Gesamtjudentums. Dafür sei dem schon fern von uns Weilenden an dieser Stelle nochmals unser tiefster Dank gezollt.
Welcher Beliebtheit und hohen Achtung sich derselbe in Folge seines einnehmenden Charakters auch bei der christlichen Gemeinde zu erfreuen hatte, das bewies eine Abschiedsfeier, die ein aus verschiedenen Bekenntniskreisen bestehender, geselliger Verein, dem Herr Lehrer Rothschild als langjähriges Mitglied angehörte, zur Ehre des Scheidenden gab. Mit stolzer Genugtuung und erhebendem Gefühl konnten wir zu unserem Vergnügen bei dieser Gelegenheit wahrnehmen, welche Ehrung man dem Gefeierten, und noch in einer 
Eichtersheim Israelit 04011904a.jpg (89725 Byte)Zeit, wo man uns Juden so gerne verkennt, zuteil werden ließ. Eine ausführliche Schilderung dieser Feier würde zu weit führen. Wahrlich, das beste Denkmal, das man sich setzen kann, hat sich Herr Lehrer Rothschild bei unserer Gemeinde, seinen dankbaren Schülern und Freunden gesetzt, ein Denkmal gesegneten und ehrenden Andenkens. Als leuchtendes Vorbild und nachahmenswertes Beispiel kann derselbe allen Kollegen vorangestellt werden; von ihm können jüngere Kollegen Mut und Ausdauer schöpfen zum rüstigen Weiterkampfe für ihren dornenvollen, aber edlen und heiligen Beruf. Mit wehmütigem Herzen sahen wir unseren verehrtesten Herrn Rothschild, unseren Lehrer, Führer und Berater von uns scheiden, und mit aufrichtigem Herzen wünschen wir demselben in einem langen, glücklichen Lebensabend auf seinen wohlverdienten Lorbeeren im Kreise seiner Lieben zu Straßburg ausruhen zu können und sich der herrlichen Ernte seiner geistig ausgestreuten Saat noch lange zu erfreuen. Gott gebe es. (hebräisch und deutsch:) 'Heil Dir, so Du Deiner Hände Arbeit genießest, Heil Dir: Dir geht es gut.' (Psalm 128,2)"

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    

Suche nach Kriegsdienstpflichtigen aus den Jahrgängen 1837 bis 1839 (1841)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1841 S. 259 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Wiesloch [Konskriptionspflichtige]. Bei der kürzlich dahier stattgehabten Ausgebung der Kriegsdienstpflichtigen der zur außerordentlichen Konskription gehörigen 3 Altersklassen 1837, 1838 und 1839 sind nachstehende nicht erschienen und als von Hause abwesend angemeldet worden. ...
Altersklasse 1838:  Isaak Herz Kaufmann von Eichtersheim.   
Altersklasse 1839:  Ascher Bloch von Eichtersheim..
.. 
Dieselben werden daher aufgefordert, innerhalb 6 Wochen von heute an gerechnet, sich dahier zu stellen, und ihrer Konskriptionspflichtigkeit Genüge zu leisten, widrigenfalls sie als Refraktär behandelt und nach dem Gesetze vom 3. Oktober ... bestraft werden.... 
Großherzogliches Bezirksamt."    

  
Moses Hirsch meldet sich nicht nach der Einberufung zum Militärdienst (1847)   
 

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 24. März 1847  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Wiesloch. [Erkenntnis] Moses Hirsch, Kaufmann, von Eichtersheim, welcher sich der öffentlichen Aufforderung vom 25. November vorigen Jahres, Nr. 29,088, ungeachtet bis jetzt nicht gestellt hat, wird anmit des Verbrechens der Refraction für schuldig erklärt, und deswegen nebst dem Verluste des Ortsbürgerrechts und unter Vorbehalt persönlicher Bestrafung im Betretungsfalle in eine Geldstrafe von 800 fl. verfällt, welche, wenn er zu Vermögen kommen sollte, nach den gesetzlichen Bestimmungen zu erheben ist.  V.R.W.  
Wiesloch, den 30. Januar 1847, Großherzogliches Bezirksamt."   

  
Der Schulkandidat Emanuel Wertheimer von Eichertsheim ist von dem Schulfache entlassen worden (1849)   
  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 19. Dezember 1849  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Dienst-Nachrichten. Der israelitische Schulkandidat Emanuel Wertheimer von Eichtersheim ist von dem Schulfache entlassen worden."   

 
Zum Tod von Rosa Wertheimer geb. Seligmann (1920)  

Eichtersheim Israelit 11031920.jpg (112021 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1920: "Wiesloch, 7. März (1920). Am vergangenen Sonntag, 29. Februar, durcheilte das Dorf Eichtersheim bei Sinsheim die schrecklich traurige Nachricht, dass die Frau des Herrn Zigarrenfabrikanten und Vorstehers der Israelitischen Gemeinde, Max Wertheimer, Rosa geb. Seligmann, nach nur zweitägigem Krankheitslager an der Grippe im Alter von 52 Jahren verschieden ist. Die Verstorbene hinterlässt ihren treuen, braven Gatten mit fünf Kindern, wovon die älteste Tochter erst vor einigen Monaten in den Bund der Ehe mit dem Sohne des Herrn Rabbiners Dr. Tawroki aus Kreuznach einging. Es war ihr, der biederen, religiösen und guten Frau nicht vergönnt, lange in dem vor kurzer Zeit erworbenen neuen Hause ihrer lieben Kinder als treu besorgte Mutter zu walten. In welcher hohen Achtung und Verehrung die Entschlafene bei allen Schichten der Bevölkerung von Nah und Fern, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses stand, zeigte die überaus große Teilnahme bei der Beerdigung, welche am Dienstag, 2. März stattfand. Auf dem Friedhof schilderte der zur Beerdigung berufene Herr Rabbiner Dr. Unna aus Mannheim in beredten Worten den Lebensgang der Dahingeschiedenen, worauf der Schwiegervater, Herr Dr. Tawroki, in herrlichen Zügen die guten Eigenschaften der Verstorbenen als Gattin und Mutter an den Tag legte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
  
Weitere Dokumente  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

Umschlag eines Briefes 
an Lehmann Kauffmann 
in Eichtersheim (1867)
  
Eichtersheim Dok 170.jpg (209925 Byte) Eichtersheim Dok 170a.jpg (225620 Byte)
   Der Brief an Lehmann Kauffmann aus Eichtersheim wurde am 28. März 1867 aus Eppingen verschickt. Nach der im Internet zugänglichen Genealogie der Familie Calzaretta usw. (Link zur Seite) ist Lehmann Kaufmann 1822 in Eichtersheim geboren. Er war seit 1850 verheiratet mit Barbara (Babette) Lichtenberger; die beiden hatten acht Kinder. Lehmann Kaufmann starb 1893 in Mannheim.     

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge        
   
Zunächst (2. Hälfte des 18. Jahrhunderts) war sehr wahrscheinlich ein Betsaal vorhanden, den sich die um 1770 12 jüdischen Familien eingerichtet haben. 
 
Eine Synagoge wurde nach den Angaben des Feuerversicherungsbuches 1808 hinter dem 1779 erbauten und bis heute erhaltenen Gebäude Hauptstraße 37 erstellt. Vermutlich erwies sich diese Synagoge für die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark wachsende Gemeinde nach wenigen Jahrzehnten als zu klein. Auf einer Gemeindeversammlung beschloss die jüdische Gemeinde am 16. April 1830 den Neubau der Synagoge. Der damalige Vorstand der Gemeinde Samuel Kauffmann bat über das Bezirksamt Wiesloch die Behörden um die Erlaubnis zum Bau. Die Genehmigung kam am 25. Juni 1830 vom Direktorium des Neckarkreises Mannheim. Die auszuführenden Arbeiten wurden am 28. Juli 1830 auf dem Rathaus von Eichtersheim versteigert. So ist ein Neubau oder eine Vergrößerung der bisherigen Synagoge vermutlich noch 1830 durchgeführt und diese im selben Jahr oder im folgenden Jahr 1831 neu eingeweiht worden. Zur Bauausführung liegen jedoch keine weiteren Quellen, auch keine Eintragung im Feuerversicherungsbuch vor. 
  
An weiteren Quellen zur Synagogengeschichte ist noch eine Synagogenordnung von 1848 erhalten.   

Vor den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude an Privatleute verkauft und blieb dadurch unzerstört. Nach 1945 wurde es als Lagerraum und Schreinerwerkstatt genutzt. In den vergangenen Jahren ist das weiterhin in Privatbesitz befindliche Gebäude nach altem Vorbild restauriert worden (Hauptstraße 37/39). Es wird teilweise als Wohnraum, teilweise als Lagerraum verwendet. 
   
   
  
Fotos 
Historisches Foto / Plan

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

Eichtersheim Synagoge P01.jpg (58171 Byte)
Plan des Grundstückes um die ehemalige Synagoge aus dem 19. Jahrhundert (Lagerbuch-Nr. 163). 
Südlich der Hauptstraße (oberer Bildrand) befindet sich das Gebäude Hauptstraße 37; beim unteren, durch 
einen Strich markierten Gebäudeteil handelt es sich um die ehemalige Synagoge.


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey 
s. Lit. Abb. 45)  
Eichtersheim Synagoge 100.jpg (38784 Byte)  
   Die ehemalige Synagoge in Eichtersheim     
       
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Eichtersheim Synagoge 101.jpg (66662 Byte) Eichtersheim Synagoge 104.jpg (84204 Byte)
  In schlechtem Zustand befand sich die 
ehemalige Synagoge um 1985  
 
     
  Eichtersheim Synagoge 103.jpg (74019 Byte) Eichtersheim Synagoge 102.jpg (82474 Byte)
     
     
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum
 14.10.2003* und 7.7.2004)  
Eichtersheim Synagoge 150.jpg (46278 Byte)* Eichtersheim Synagoge 251.jpg (54678 Byte)
  Nach der Renovierung präsentiert sich die
 ehemalige Synagoge in sehr gutem Zustand.
 Eine Hinweistafel ist angebracht. 
 
     
  Eichtersheim Synagoge 250.jpg (62509 Byte) Eichtersheim Synagoge 152.jpg (110714 Byte)
  Im Bereich der Hinweistafel 
befand sich der Toraschrein  
Hinweistafel 
    
Andernorts entdeckt 
(erhalten von Herbert Giess 
im August 2011) 
Eichtersheim GSt 010a.jpg (136968 Byte) Eichtersheim GSt 010.jpg (169489 Byte)
  Grabstein für Bernhard Baer (geb. 11.4.1836 in Eichtersheim, gest. 24.9.1886) 
in der jüdischen Sektion des "Calvary Cemetery" inmitten von 
Fort Smith, Arkansas, USA. Baer hatte sich seit Juni 1867 in Fort Smith
 niedergelassen. Er wurde erster Präsident der National Bank of Western Arkansas 
(seit 1887 First National Bank). Weitere Informationen auf einer 
Seite in der Website der Fort Smith Historical Society.   
     

           
           

Links und Literatur  

Links:  

Website der Gemeinde Angelbachtal   
Expose zur ehemaligen Synagoge Eichtersheim (pdf-Datei) in der Website des Vereins Jüdisches Leben Kraichgau e.V.    

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 74.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 237-238.  
Gustav Schleckmann: Die jüdische Gemeinde Eichtersheim, in: Ortsgeschichte Eichtersheim. 1986.     
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 
Leonhard Dörfer: Jüdisches Leben in Eichtersheim. In: Jüdisches Leben Kraichgau e.V. Mitgliederzeitung. Ausgabe 2 - 2010. S. 2-3.   
Die Ausgabe der Mitgliederzeitung ist online zugänglich: www.juedisches-leben-kraichgau.de/downloads/Vereinszeitung/files/JLK_Zeitung2_10.pdf   

 
   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Eichtersheim 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind (soweit vorhanden) die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Eichtersheim sind keine Register vorhanden mit Ausnahme eines dreiseitigen maschinenschriftlichen "Gräberverzeichnisses des Friedhofes von Echtersheim": http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442495.               

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eichtersheim Baden. A Jewish community with a synagogue and a cemetery was present in the 18th century and numbered 149 in 1842 (about 15 % of the total), subsequently declining sharply to 18 in 1933. All Jewish businesses were liquidated in 1936-38 under Nazi pressure. By 1939, ten Jews had emigrated and three had left for other German cities. The rest were deported. 
       
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Mai 2014