Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Feudenheim (Stadt Mannheim) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)       
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Feudenheim (1910 nach Mannheim eingemeindet) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1672 Juden in Feudenheim genannt; 1774 zählte man 17 Juden am Ort. 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1803 58, 1832 106 jüdische Einwohner, 1836 118, 1839 121, 1864 Höchstzahl mit 129 Personen, 1871 94, 1875 86, 1880 126, 1885 118, 1890 120, 1895 113 jüdische Einwohner. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zunächst Religionsschule; seit 1845 öffentliche israelitische Konfessionsschule im Gebäude gegenüber der Synagoge; im Schulgebäude auch die Lehrerwohnung; das Schulgebäude wurde 1962 abgebrochen), ein rituelles Bad (im Schulgebäude) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer anstellt, der zugleich aus Vorbeter und Schochet tätig war (von 1840 bis 1869 Lehrer Samuel Weil, zunächst als Religionslehrer, seit Begründung der Konfessionsschule 1845 als Lehrer an der israelitischen Schule; von 1888 bis 1910 war Karl Billigheimer Religionslehrer). Die Konfessionsschule wurde 1869 aufgelöst (zwischen 1865 und 1860 gab es noch 18 bis 24 Schüler), danach bestand - bis zum Weggang von Lehrer Billigheimer 1910 - noch eine Religionsschule. Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Ladenburg, der seit 1884 von Heidelberg aus betreut wurde. 
  
Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Handel mit Vieh und anderen Waren. An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden jüdischen Gewerbebetrieben sind bekannt: Bäckerei Julius Kaufmann (bis nach 1900; Brunnenstraße 4), Viehhandlung Gustav Kahn (bis nach 1933, Hauptstraße 66), Metzgerei Reimann (bis nach 1933; Hauptstraße 88), Textilgeschäft der Familie Scherrmann (bis um 1900; die Familie ist nach Amerika ausgewandert; Ecke Hauptstraße/Blücherstraße); Viehhandlung Sigmund Kirchheimer (Talstraße 19), Viehhandlung Hermann Kahn (Talstraße 16).   
  
Seit den 1870er-Jahren verzogen viele Mitglieder der Gemeinde nach Mannheim, einige wanderten aus, sodass 1905 nur noch 65, 1925 49 jüdische Einwohner in Feudenheim gezählt wurden.   
   
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 etwa 40 in Feudenheim lebenden jüdischen Personen mindestens zwölf ums Leben.  
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers (1835 / 1836 / 1839 / 1841) 
(Quelle: erhalten vom Stadtarchiv Donaueschingen)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von November 1835 S. 996: "Offene Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde Feudenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 80 Gulden nebst freier Kost bei den dortigen israelitischen Gemeindemitgliedern und freier Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen, zu 40 Gulden veranschlagt, verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Ladenburg zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Ladenburg, den 19. November 1835. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. J. Ettlinger. J. Lippmann, Bezirksältester."   
 
Feudenheim Anzeigenblatt 03121836.jpg (105444 Byte)Anzeige im Großherzoglichen Anzeigenblatt für den Seekreis vom 3. Dezember 1836: "Erledigte Stelle. 
Bei der israelitischen Gemeinde Feudenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 80 Gulden, nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen zu 40 Gulden veranschlagt, verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Ladenburg zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Ladenburg, den 24. November 1836. Großherzogliche Bezirks-Synagoge."       
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1839 S. 122: "Bei der israelitischen Gemeinde Feudenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 50 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Ladenburg zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1841 S. 513:  "Bei der israelitischen Gemeinde Feudenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 140 Gulden nebst freier Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Ladenburg zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.  
Mannheim, den 24. Dezember 1840. 
Der Bezirksrabbiner. H. Traub."     
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 16. April 1845 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Karlsruhe. [Bekanntmachung]. Die mit dem Vorsängerdienst vereinigte Lehrstelle an der neu errichteten israelitischen öffentlichen Schule in Feudenheim, Amtsbezirks Ladenburg, ist zu besetzen. Die berechtigten Bewerber um diese, mit einem festen Gehalt von 175 fl., nebst Wohnung, einem Schulgelde von 1 fl. für jedes Schulkind, und den Nebengefällen des Vorsängerdienstes verbundene Lehrstelle werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1836, Regierungsblatt Nr. 38, durch die betreffende großherzogliche Bezirksschulvisitatur, bei großherzoglicher evangelischer Bezirksschulvisitatur Ladenburg in Heidelberg binnen 6 Wochen sich zu melden. 
Großherzoglicher Oberrat der Israeliten."   

      
Ernennung von Schulkandidat Samuel Weil auf die Lehrstelle an der neu errichteten, öffentlichen israelitischen Schule (1845)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 6. August 1845 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Karlsruhe. [Bekanntmachung]. Die mit dem Vorsängerdienste vereinigte Lehrstelle an der neu errichteten öffentlichen Schule bei der israelitischen Gemeinde Feudenheim, Amtsbezirks Ladenburg, wurde dem bisherigen Religionsschullehrer und Vorsänger bei derselben, Schulkandidaten Samuel Weil von Breisach übertragen".   

    
Lehrer Karl Billigheimer erteilt auch am Knabeninstitut Schwarz in Mannheim Religionsunterricht (1899) 
Anmerkung: Lehrer Karl Billigheimer war von 1888 bis 1910 Religionslehrer in Feudenheim und bemühte sich in der Gemeinde um die Ausgestaltung des Gottesdienstes, wobei er auch einen Knabenchor ins Leben rief. 1910 übernahm er die Leitung des israelitischen Waisenhauses in Mannheim.  

Feudenheim Israelit 19101899.jpg (44197 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1899: "Mannheim, 16. Oktober (1899). Mit der Erteilung des israelitischen Religionsunterrichts am Knabeninstitut Schwarz dahier, welches von ca. 100 Schülern verschiedener Konfessionen - worunter 25 Israeliten - besucht wird, wurde Lehrer Billigheimer Feudenheim, welcher seit 10 Jahren an der hiesigen israelitischen Religionsschule tätig ist, betraut."   

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe  
Anzeige von F. Hammerschmidt, Mannheim-Feudenheim - Vertrieb von Koscherer Pflanzenbutter (1922)

Feudenheim CV-Ztg 07121922.jpg (76111 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7. Dezember 1922: "Koscher - Koscher - Pflanzenbutter 'Kippo' - feinste ungesalzene Nussbutter, wie Teebutter, unter Kontrolle SEiner Ehrwürden des Herrn Provinzialrabbiners Dr. L. Cahn, Fulda, hergestellt. In Post- und Bahnsendungen franko - unter den Fabrikpreisen, gegen Nachnahme oder Rechnung. Jeder Versuch führt zu dauerndem Bezug! 
F. Hammerschmidt. Mannheim-Feudenheim"  

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge           
   
Ein eigentliches jüdisches Wohngebiet gab es nicht. Da viele der jüdischen Familien jedoch in der Talstraße zwischen Haupt- und Ziethenstraße wohnten, wurde dieser Abschnitt früher die "Judengasse" genannt.  
    
Die Gottesdienste wurden nach einem Bericht von 1798 in einem Betsaal im Haus des Isaak Löw abgehalten. Er stellte ein Giebelzimmer seines Hauses der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung. Da dieser Raum bei der anwachsenden Zahl der Gemeindeglieder zu klein wurde, begann man nach 1800 mit der Sammlung von Spenden für den Bau einer neuen Synagoge.   
  
1809 hatte man ausreichende Spendengelder für den Kauf eines Grundstücks in der Neckargasse gesammelt. 1819 wurde eine Synagoge erbaut, die 1840/41 umgebaut wurde. Das einfache Gebäude mit rechteckigem Grundriss war durch seine an allen vier Wänden befindlichen Rundbogenfenster als Sakralbau zu erkennen. Die westliche Seite war abgewalmt, die Ostfassade zur Neckarstraße besaß einen Giebel. Man betrat das Gotteshaus vom Hof her, der vom Raum zwischen Synagoge und Schulhaus gebildet wurde. Im Innenraum ging eine Treppe an der Westseite hinauf zur Frauenempore. Die Wände waren vermutlich bemalt; ein großer Leuchter bildete eine Zierde des Betsaales. Seit 1888 war Karl Billigheimer als Religionslehrer und Vorbeter in der Feudenheimer Synagoge tätig. Sein Sohn Samuel erinnerte sich an das gottesdienstliche Leben in der Feudenheimer Gemeinde an Schabbat- und Festtagen: "In der 2. Hälfte der 1890er Jahre erlebte ich an diesen Tagen eine lebendige und volle Synagoge. Ich war stolz auf meinen Vater, wenn ich ihn an den hohen Feiertagen die erhebenden Melodien in seiner so ansprechenden Baritonstimme vortragen – und beten – hörte, denn der Beter war in ihm stärker als der Sänger [...] Hoch geschätzt wurde seine Toralesung..." Karl Billigheimer studierte auch Knabenchöre für den Gottesdienst ein. Er war bis 1910 in Feudenheim tätig.  
 
Nachdem die Zahl der Gemeindeglieder bereits Anfang des 20. Jahrhunderts stark abgenommen hatte, wurde es immer schwieriger, an Schabbat und Festtagen die erforderliche Zehnzahl von Männern zusammen zu bekommen. Schon in den 1920er-Jahren wurde die Feudenheimer Synagoge kaum mehr benutzt. Nur an den hohen Feiertagen fanden noch Gottesdienste statt, die der Mannheimer Rabbiner leitete.  
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Feudenheimer Synagoge durch SA-Leute zerstört. Sie rissen zunächst den Boden heraus und setzten anschließend das Gebäude in Brand. Nachmittags holten sie die jüdischen Männer aus ihren Wohnungen und zwangen sie, Gebetbücher in ein vor der Synagoge entfachtes Feuer zu werfen.  
 
Auf dem Synagogengrundstück in der Neckarstraße 10 ist nach dem Abriss 1962 bis zur Gegenwart die südliche Mauer der Synagoge mit den Ansätzen von drei Fenstern erhalten und durch Anbringung einer Gedenktafel (im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit am 14. März 1965) als Erinnerungsstätte hergerichtet. Beim Abbruch der Synagoge wurden auch zwei Grundsteine gefunden. Der Stein an der Synagogenmauer trug die Jahreszahl 1819, der Stein des benachbarten Schulhauses enthielt ein Bleirohr, eine verschlossene Glasflasche, zwei Silbermünzen von 1840 und 1841 sowie Papier- oder Lederreste. Die Grundsteine wurden nicht aufbewahrt und gingen verloren.  
  
  
  
Fotos / Skizzen: 
Skizzen:
(Rekonstruktionsversuch von Günther Löhr, 1984; bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 77)  

Feudenheim Synagoge 010.jpg (25695 Byte) Feudenheim Synagoge 011.jpg (22160 Byte)
Skizze von Synagoge Feudenheim und 
jüdischem Schulhaus von der Westseite
Skizze der beiden Gebäude von der 
Straßenseite (vgl. Foto 1962 unten)  


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 1962
(Quelle: Keller s. Lit., Bilder S. 78) 
Feudenheim Synagoge 021.jpg (155640 Byte) Feudenheim Synagoge 020.jpg (176184 Byte)
  Blick auf Synagogenruine und jüdisches
 Schulhaus vor dem Abbruch 
Abbruch des jüdischen Schulhauses 
im Sommer 1962 
     
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) 
Feudenheim Synagoge 101.jpg (67881 Byte) Feudenheim Synagoge 100.jpg (71061 Byte)
   Blick auf die die 1965 geschaffene
 Gedenkstätte für die Synagoge 
 Feudenheim
Gedenktafel in der 
südlichen Mauer 
der Synagoge
     
Fotos 2003 
(Fotos: Hahn) 
Feudenheim Synagoge 151.jpg (87178 Byte) Feudenheim Synagoge 152.jpg (78439 Byte)
   Blick ähnlich wie oben   Die Gedenktafel 
      
    Feudenheim Synagoge 150.jpg (83858 Byte) Feudenheim Synagoge 153.jpg (80768 Byte)
     Die südliche Mauer der 
ehemaligen Synagoge 
Die Bebauung des Nachbargrundstückes
 hat sich verändert (vgl. Foto oben)
      
Foto Herbst 2009   
(Foto: Michael Ohmsen)  
Feudenheim Synagoge 410.jpg (667893 Byte)  Feudenheim Synagoge 570.jpg (499871 Byte)
    Das Grundstück der ehemaligen Synagoge und die Gedenktafel 
(Für Anfragen zur Verwendung der Fotos: E-Mail des Fotografen, 
Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei den eingestellten Fotos handelt es sich um Fotos mit höherer Auflösung  
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)   

  
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

Oktober 2017: Verlegung von "Stolpersteinen" in Feudenheim      
Artikel von Katja Geiler im "Mannheimer Morgen" vom 11. Oktober 2017: "Feudenheim. Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine im Gedenken an die Geschwister Bertha und Gustav Kahn. Zeichen der Erinnerung an jüdische Bürger
Gleich 19 Stolpersteine wurden an einem Tag verlegt, Künstler Gunter Demnig, der die Aktion vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hatte, eilte von einem Termin zum nächsten und machte somit eine Gedenkreise durch ganz Mannheim. Die kleinen Mahnmale galten in diesem Fall Mannheimer Juden, Menschen mit Behinderung sowie Widerstandskämpfern.
Eine der Stationen war die Hauptstraße 66 in Feudenheim, wo das Geschwisterpaar Bertha und Gustav Kahn, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, lebten. Am 22. Oktober 1940 wurden sie mit weiteren zwölf Feudenheimer Juden nach Gurs deportiert. Gustav Kahn konnte aus dem Lager fliehen und sich mit Hilfe des französischen Widerstandes verstecken, Bertha Kahn wurde in Le Douadic interniert, bis sie befreit wurde. Sie kehrte 1945 nach Feudenheim zurück und lebte hier, bis sie 1957 im Alter von 89 Jahren verstarb. Ihr Bruder starb noch in Frankreich. 'Gerade in Zeiten, in denen wieder vermehrt rassistische und rechtsradikale Strömungen aufkommen, ist es wichtig, die Erinnerungen an die Nazi-Herrschaft wachzuhalten und rechtzeitig ein Zeichen zu setzen', sagte Alois Putzer vom Verein für Ortsgeschichte Feudenheim. 'Ich kann mich noch an Bertha Kahn erinnern, aber leider nicht gut genug, um etwas über sie sagen zu können, dazu war ich zu jung', so Putzer. Er habe viele Juden getroffen - auch Nobelpreisträger. 'Viele haben die Verbundenheit zu ihrer Heimat nie verloren.' Ernst Gramberg vom Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus hatte an diesem Tag viel vor. 'Ich fahre quasi Demnig hinterher und war heute schon bei drei Stolperstein-Verlegungen mit dabei', erzählte er. Der AK Justiz befasst sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Damals wurde mit allen Mitteln versucht, die Arier nach vorn zu bringen. 'Das soll nie wieder passieren', so Gramberg.
Gravierte Messingplättchen. 'Die Stolpersteine sind eine gute Gelegenheit, um im Alltag an die deportierten Menschen zu erinnern', sagte Boris Weirauch, Landtagsabgeordneter der SPD und wohnhaft in Feudenheim. 'Die Stolpersteine sind eine Alternative zu Geschichtsbüchern und Dokumentationen, da sie zeigen, dass die Leute direkt aus unserer Mitte gerissen wurden.' Routiniert entfernte Künstler Demnig einen Pflasterstein und fügte die beiden Denkmäler, zwei Betonklötze mit gravierten Messingplättchen, in den Boden ein. 'Im Jahre 1991 wurde die Idee geboren', blickte Demnig zurück. Einige Zeit habe er die Steine illegal verlegt. 'Inzwischen kommen die Initiativen aus den Orten selbst, auch im Ausland gibt es inzwischen Stolpersteine.' Das Interesse von Schülern sei ebenfalls gestiegen: 'Für sie ist es handfester Geschichtsunterricht', weiß Demnig, Was den Künstler besonders rührt, ist, wenn Leute von weither anreisen, um die Verlegung mitzuerleben, weil es sich um einen Angehörigen handelt. In Mannheim gibt es die Aktion seit 2007. Sie wird durchgeführt vom Arbeitskreis Stolpersteine für Mannheim."  
Link zum Artikel  https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-feudenheim-zeichen-der-erinnerung-an-juedische-buerger-_arid,1128097.html  

    
     

Links und Literatur 

Links:  

bulletWebsite der Stadt Mannheim 
bulletWebsite des Stadtteiles Feudenheim  
bulletZur Seite über den alten jüdischen Friedhof in Feudenheim (interner Link) 
bulletZur Seite über den neuen jüdischen Friedhof in Feudenheim (interner Link)   

Literatur:  

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 196. 
bulletKarl Otto Watzinger: Die jüdische Gemeinde in Feudenheim, in: Mannheimer Hefte (1965) S. 14-17. 
bulletHans Huth: Die Kunstdenkmäler des Stadtkreises Mannheim 2 (1982) S. 1427, 1461. 
bulletVolker Keller: Bilder vom jüdischen Leben in Mannheim. 1988. 
bulletders.: Jüdisches Leben in Mannheim. 1995 (zu Feudenheim: S. 190-193).

     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Feudenheim  Baden.  The Jewish population in 1860 was 125, and the community maintained a synagogue and elementary school. The synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). The last 14 Jews were deported by the Germans to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. 
    
     

                   
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Stand: 15. Oktober 2013