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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Laudenbach (Stadt Weikersheim, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Hinweis: es gab jüdische Gemeinden auch in Laudenbach
(Stadtteil von Karlstadt, Landkreis Main-Spessart)
und in Laudenbach
(VG Kleinheubach, Kreis Miltenberg), vgl. auch Laudenbach
an der Bergstraße (Rhein-Neckar-Straße).
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Laudenbach, das 1641 bis
1794 die Grafen von Hatzfeld als würzburgisches Lehen innehatten, lebten Juden
bereits im Mittelalter (1336 Judenverfolgung) und in der Neuzeit bis
1939.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück.
Im 17. Jahrhundert ist eine jüdische Ansiedlung ab 1677 bezeugt; 1696
wird Jud Mayer genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Bewohner wie
folgt: 1807 74 jüdische Einwohner, 1824 105, 1843 138, 1854 155, 1858 158,
1872 126, 1900 89 (8,9 % von insgesamt 1.000 Einwohnern), 1910 57. Die jüdischen
Familien lebten hauptsächlich vom Handel mit Vieh und Produkten (u.a.
Textilien). Es gab auch jüdische Handwerker wie den 1911 verstorbenen Gerber
Meier Löwengart (siehe Bericht unten). Die Vermögensverhältnisse werden in
der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit "teils gut, teils gering"
bezeichnet. Die häufigsten Familiennamen waren in Laudenbach Eisemann, Levi, Löwenstein,
Schloß und Selz.
Aus Laudenbach stammte der spätere Stuttgarter Rabbiner Dr. Joseph (von)
Maier (Geburtsname Josef Rosenthal), der in Laudenbach 1798 geboren ist
(Geburtshaus Herrgottstraße 4) und 1873 in Stuttgart starb.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule (seit 1828 in einem Anbau zur Synagoge;
seit 1880 gab es im Rathaus zwei Schulzimmer: eines für die katholische, eines
für die jüdische Schule; von den 1840er-Jahren bis um 1900 bestand eine
israelitische Volksschule) und ein rituelles Bad (im Keller eines Hauses
im Marktplatzgässle, früheres Gebäude Marktplatz 93, wo auch der jüdische
Lehrer wohnte; Gebäude ist abgebrochen, auf dem Grundstück wurde eine Scheune
erstellt). Die Toten der Gemeinde wurden zunächst in Unterbalbach,
seit 1729 auf dem jüdischen Friedhof
in Weikersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde
war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig
war. Um 1850 war Nathan Eduard Sommer Lehrer in Laudenbach. 1864 wird
Nathanael Forchheimer genannt. Um 1872 war Heinrich Raphael Königsberger
Lehrer in Laudenbach. Ab 1886 war der letzte Lehrer der Gemeinde Gabriel Kahn
(unterrichtete um 1892 20 Kinder an der israelitischen Volksschule der Gemeinde).
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mergentheim.
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1892 die Herren Kahn,
M. Schloß, B. Levi und J.L. Löwenstein.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Josef Eisemann
(geb. 26.3.1893 in Laudenbach, gef. 12.4.1916), Hermann Hähnlein (geb.
27.8.1885 in Laudenbach, gef. 16.6.1915), Gefreiter Siegfried Löwenstein (geb.
27.6.1891 in Laudenbach, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gest. 18.8.1916 in
Gefangenschaft), Unteroffizier Karl Rosenthal (geb. 9.3.1890 in Laudenbach, gef.
16.7.1915) und Julius Schloß (geb. 16.9.1893 in Laudenbach, gef. 28.5.1918(.
Mit dem Eisernen Kreuz I und dem Bayerischen Militärverdienstkreuz III wurde
Vizefeldwebel Max Löwenstein ausgezeichnet. Die Namen der fünf jüdischen
Gefallenen stehen auf dem Kriegerdenkmal im Friedhof oberhalb der Pfarrkirche.
Um 1924, als zur Gemeinde 21 Personen gehörten, waren die
Gemeindevorsteher Sigmund Selz, Siegfried Eisemann und Josef Rosenthal. An jüdischen
Vereinen gab es noch den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924
unter Leitung von Joseph Rosenthal mit 9 Mitgliedern). 1932 war Vorsteher
der Gemeinde (weiterhin) Sigmund Selz.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im
Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Viehhandlung Siegfried
Eisemann (Marienstraße 14, abgebrochen), Kohlenhandlung Löwengardt (Bachstraße
18), Viehhandlung Lippmann Löwenstein (Erbsengasse 6, abgebrochen, und Hintere
Furchgasse 2), Textilgeschäft Josef Rosenthal (Herrgottstraße 4), Metzgerei,
Viehhändler, Makler Isaak Schloß (Am Markt 4), Metzgerei, Viehhändler, Makler
Karl Schloß (Zehnthof 5), Textilgeschäft Sigmund und Wilhelm Selz (Bachstraße
17).
1933 lebten noch 13 jüdische Personen in Laudenbach. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der
Entrechtung sind in den folgenden Jahren mehrere von ihnen von Laudenbach
verzogen. Fünf Personen starben noch in Laudenbach vor Beginn der
Deportationen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung
der Synagoge zerstört (s.u.). Im Juli 1939 wurde die israelitische
Gemeinde aufgelöst. Die sechs letzten jüdischen Einwohner wurden nach Riga (1.
Dezember 1941) beziehungsweise nach Theresienstadt (22. August 1942) deportiert.
Von den in Laudenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julie Baum geb. Schloß
(1875, vgl. Erinnerungsblatt
des "Aktiven Museums Spiegelgasse" Wiesbaden), Fanny Brader geb. Hofmann (1878), Selma Bravmann geb. Rosenstock (1887),
Clara Dreifuß geb. Schloß (1868), Siegfried Eisemann (1886), Paula Forchheimer
geb. Löwenstein (1884), Frieda Freudenberger (1893), Rosa Guttmann geb. Löwenstein
(1888), Anna Hähnlein (1887), Jenny Hähnlein (1890), Frieda Heilbrunn geb.
Eisemann (1887), Helene Heimann geb. Löwenstein (1886), Ricka Hirsch geb. Adler
(1882), Paula (Pauline) Kahn (1872), Cilli Kirchheimer geb. Rosenthal (1888),
Pauline Kohn geb. Löwenstein (1884), Benno Löwenstein (1882), Julius Löwenstein
(1887), Adolf Rosenstock (1883), Paula Rosenthal (1892), Getta Schlossmann geb.
Löwengardt (1882), Frida Schömann geb. Schloß (1882), Wilhelm Selz (1903),
Karoline Steigerwald geb. Löwengardt (1854), Hanna (Johanna) Stern geb. Löwenstein
(1862), Jette Stern geb. Schloß (1860), Selma Teutsch geb. Eisemann (1885).
Hinweis: Es kann zu Verwechslungen in den Listen der Umgekommenen mit
Personen kommen, die aus der jüdischen Gemeinde in Laudenbach
(Stadt Karlstadt) stammen.
Eine Gedenktafel für die jüdische Gemeinde befindet sich am
Dorfgemeinschaftshaus.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Zu Lehrer Nathan Eduard Sommer (um
1850 Lehrer in Laudenbach)
Zu Lehrer Nathan(ael) Forchheimer
(1864 Lehrer in Laudenbach)
Anmerkung: in der Zeitschrift "Der israelitische
Lehrer" vom 18. Februar 1864 S. 27 wird als Lehrer in Laudenbach Nathanael
Forchheimer genannt. Dieser war nach seinem Studium am
Lehrerseminar in Esslingen (1860 bis 1862)
nur kurze Zeit in Laudenbach. Er ist am 10. Oktober 1842 in
Niederstetten als Sohn eines
Schuhmachers geboren. Nach Laudenbach war er Lehrer in
Pflaumloch und
Kappel, dann von 1867
bis 1875 in Pflaumloch, 1875 bis 1896
in Ernsbach, 1896 bis 1908 in
Buttenhausen. 1914 lebte er in
St. Ludwig (Saint Louis) im Elsaß,
zuletzt noch in Heilbronn, wo
er am 8. Dezember 1931 starb und im dortigen jüdischen
Friedhof beigesetzt wurde.
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Oktober 1927: "Ernsbach. Am
10. Oktober vollendet das älteste Mitglied der israelitischen
Lehrerschaft Württembergs, Lehrer a.D. Forchheimer in Heilbronn, wo er
bei seinen Kindern seinen Ruhestand verbringt, das 85.
Lebensjahr.
Lehrer Forchheimer ist 1842 in Niederstetten geboren und hat seine
Ausbildung im Lehrerseminar in Esslingen
erhalten. Nach unständiger Verwendung in den Gemeinden Laudenbach,
Pflaumloch und Kappel
bei Buchau kehrte Forchheimer in der Mitte der 60er-Jahre wieder als
ständiger Lehrer nach Pflaumloch
zurück, wo er über 1 Jahrzehnte wirkte. 21 Jahre, von 1875 bis 1896 war
er dann in Ernsbach tätig und ein weiteres Jahrzehnt in
Buttenhausen. Im Jahre 1907 zwang ein schweres Augenleiden den sonst noch
rüstigen und arbeitsfrohen Mann in den Ruhestand zu treten.
Forchheimer war Lehrer mit allen Fasern seines Herzens; die Schule war ihm
das Höchste, und mancher, der aus seiner Schule hervorgegangen ist, blieb
mit dem einstigen Lehrer auch späterhin in Treue verbunden. Er ist noch
der einzige Überlebende unter den Lehrern, die einst im Jahre 1862 den
'Verein israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg' begründet
hatten. Äußerlich ist der so pflichttreue bescheidene Mann wenig
in die Öffentlichkeit getreten; umso tiefer und wertvoller war sein
stilles Wirken in seinen Gemeinden. Die Oberschulbehörde hat seine
Verdienste des öfteren besonders anerkannt.
Der Verein israelitischer Lehrer in Württemberg und mit ihm gewiss auch
alle, die Forchheimer als Mensch und Lehrer kennen, freuen sich mit dem
Hochbetagten und wünschen ihm noch eine lange Reihe glücklicher
Jahre.
A. Adelsheimer, Schriftführer des Vereins israelitischer Lehrer
Württembergs." |
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Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Oktober 1927:"Ernsbach.
Berichtigung. In dem Bericht des Vereins israelitischer Lehrer in der
letzten Nummer der Gemeindezeitung muss es anstatt Horchheimer, Lehrer
a.D. Forchheimer heißen". Anmerkung: wurde in
der Abschrift oben berücksichtigt. |
Zu Lehrer Emil Marx (vor 1870
Lehrer in Laudenbach)
| Emil Menachem Marx ist am 26. Februar
1840 in Steinbach / Hall geboren als
Sohn von Seligmann Marx und seiner Frau Maria / Mina gen. Maindel geb.
Stern. Er heiratete am 29. April 1868 Lea Groß aus
Affaltrach (geb. 26. Januar 1846 ebd.,
gest. 8. Mai 1883). Er studierte 1856 bis 1858 am
Lehrerseminar in Esslingen. Von 1860 bis
1864 war er Lehrer in Talheim,
anschließend an der Heilerziehungsanstalt
Homburg vor der Höhe, später in
Laudenbach, seit 1870 in Oberdorf.
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er Rosa geb. Wechsler aus
Aschbach (geb. 19. Juni 1864). Emil Marx
trat 1906 in den Ruhestand ist am 4. Februar 1920 in
Oberdorf gestorben (Grab im jüdischen
Friedhof Oberdorf). Seine Frau Rosa
verzog am 25. Juli 1937 nach Frankfurt am Main (Pension Lang, Oberlindau
55). Sie wurde 1942 nach
Theresienstadt deportiert, wo sie im Februar 1943 umgekommen ist. Von seinen aus
beiden Ehen zusammen 14 Kindern sind acht früh verstorben. Die 1881 in Oberdorf
geborene Tochter Nanette verheiratete Popper wurde 1941 von Frankfurt in das
Ghetto Kowno deportiert und ist umgekommen; die 1895 in Oberdorf geborene
Tochter Minna verheiratete Fröhlich wurde 1941 von Frankfurt in das Ghetto
Lodz deportiert und ist umgekommen |
Zum Tod von Lehrer Emil Marx (1920 in
Oberdorf)
Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. Februar 1920: "Lehrer und
Vorsänger Emil Marx.
Wohl als Senior in der jüdischen Lehrerwelt starb im Alter von fast 80
Jahren der überall hochgeschätzte und beliebte Lehrer a. D. Emil Marx
in Oberdorf-Bopfingen (Württ.). Während seine Wirksamkeit auf seinen
früheren Stellen in Laudenbach,
Homburg v.d.H. und
Talheim bei Heilbronn sich nur auf
kürzere Zeiträume erstreckte, wirkte er hier seit 1870 ununterbrochen über
35 Jahre lang mit unermüdlichem Fleiß und Eifer an der hiesigen jüdischen
Volksschule und in der Gemeinde in der segensreichsten Weise. Trotz mancher
schlimmen Erfahrung, die ja wohl niemandem erspart bleibt, der in
öffentlichem Amte wirkt, bewahrte er seine hohe Berufsfreude und seinen
eisernen Pflichteifer und wirkte, solange seine Kräfte es ihm erlaubten.
Dabei war er von tiefer Herzensfrömmigkeit erfüllt und beobachtete die
religiösen Gebote mit peinlichster Gewissenhaftigkeit. An seinem Lebensabend
durfte er sich an der Liebe und Anhänglichkeit von zwei
Menschengeschlechtern erfreuen.
Die allgemeine Verehrung kam auch beim Gang zur letzten Ruhestätte zum
Ausdruck. In der Synagoge zeichnete Herr Rabbiner Dr. Kroner in beredten
Worten die hohen Verdienste und das segensreiche Leben und Wirken des
Verstorbenen; am Grabe sprachen der Schwiegersohn, Herr Rabbiner Dr.
Schweizer - Horb, der Amtsnachfolger
Hauptlehrer Erlebacher, letzterer auch im Namen und im Aufträge des Vereins
israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs, and Hauptlehrer Wechsler -
Aschbach, der Schwager des
Entschlafenen. Sie hoben sein großes Wissen im Jüdischen und Profanen
hervor, seinen bescheidenen Sinn, seine wahre Menschenfreundlichkeit und
seine Opferwilligkeit. Oberdorf-Bopfingen, Februar 1920.
Erlebacher." |
Zu Lehrer Heinrich (Raphael)
Königsberger (um 1872 Lehrer in Laudenbach)
| Heinrich (Raphael) Königsberger ist
am 28. September 1847 in Rexingen als
Sohn des dortigen Vorbeters Hirsch Wolf Königsberger (1803-1876) und seiner
(3.) Frau Jeanette geb. Einstein (geb. 1806 in Fellheim) geboren.
Königsberger besuchte 1864 bis 1866 das Lehrerseminar in Esslingen. Er war
um 1872 Lehrer in Laudenbach, von 1873 bis 1899 in
Crailsheim, wo er am 5./6. September
1899 verstorben ist. Er wurde im jüdischen
Friedhof Crailsheim beigesetzt. |
Zu Lehrer Gabriel Kahn (1886 bis
1914 Lehrer in Laudenbach)
| Gabriel Kahn ist am 29. Januar 1845
in Affaltrach geboren als Sohn des
Handelsmannes Moses Kahn und seiner Frau Rosalie geb. Fröhlich. Er studierte
1862 bis 1864 am Lehrerseminar in Esslingen.
Verheiratet war er mit Bertha geb. Guggenheim.
1869 war er Lehrer in Dörzbach,
1879 bis 1886 in Freudental,
danach Lehrer in Laudenbach, wo er am 16. November 1914 gestorben
ist. |
Jüdische Lehrer aus Laudenbach
Aus Laudenbach stammt folgende Lehrer:
- Samuel Wolf Schwarz (geb. 13. November 1803 in Laudenbach als Sohn des
Handelsmannes Liebmann Schwarz; war nach Studium am
Lehrerseminar in Esslingen (1829-1832) Lehrer
u.a. in Mergentheim (1847),
Wachbach (1848), zuletzt
Michelbach, wo er schon am 16. September
1848 in Michelbach verstarb.
- Nathan Hähnlein (geb. 19. April 1846 in Laudenbach als Sohn eines
Handelsmannes); war nach Studium am Lehrerseminar Esslingen (1862 bis 1864) seit
1869 Lehrer in Schwäbisch Hall, wo er 1918 starb.
- Samuel Löwenstein (geb. 8. Mai 1856 in Laudenbach als Sohn eines
Metzgers); war nach Studium am Lehrerseminar in Esslingen von 1872 bis 1875
zunächst Lehrer in Esslingen, dann 1876 Amtsverweser in Talheim,
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des im Gefecht bei Tauberbischofsheim
verwundeten jüdischen Soldaten Bernhard Levi aus Laudenbach
(1866)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1866:
"Weikersheim an der Tauber, 3. August (1866). Am vorigen
Montag wurde hier der im Gefechte bei Tauberbischofsheim schwer verwundete
jüdische Soldat Bernhard Levi von dem benachbarten Laudenbach
beerdigt, seligen Andenkens. - Er starb im nahen Mergentheim, wohin
er vom Schlachtfelde zur Verpflegung gebracht worden war, und hat nun den Vorzug,
bei seinen Vätern begraben zu sein, da sein Geburtsort zum Kreise des
hiesigen Friedhofs gehört. Das in Mergentheim liegende Militär
begleitete des Waffenbruders Leiche mit allen üblichen Ehrenzeichen bis
vor die Stadt hinaus und die Jehudim und Christen von hier und den
benachbarten Orten, darunter auch der katholische Geistliche vom
Geburtsort, bildeten einen großen Zug bis zum Friedhof. Nur unser
hiesiger Rabbiner ging, obschon der Kondukt an dem Gasthofe vorüberging,
in dem er sich eben befand und das seltene Leichenbegängnis notorisch
bekannt war, nicht mit der Beerdigung, weil, wie er behauptete, er nicht
offiziell dazu bestellt worden sei. Eine Leichenrede wurde somit dem
jungen Manne, der den Ehrentod für sein Vaterland starb, nicht gehalten.
In Württemberg wird nämlich gegen eine Taxe von 2 Gulden 42 Kreuzer,
respektive 1 Gulden 45 Kreuzer, nur dann eine Trauerrede vom Rabbiner der
Vorsänger gehalten, wenn dies verlangt worden ist. - Dagegen hat Einer
dieser Beamten, am Rabbinatssitz der Geistliche, eine konfirmierte (!)
Person ex officio zu begleiten und für die Totengebete, ein kurzes
deutsches Formular nebst HaZur tamim ('der beständige Hort'),
einen Gulden als Gebühr anzusprechen. Über Soldatenleichen besteht nun
allerdings keine Vorschrift in der Synagogenordnung, allein selbst ein
württembergischer Rabbiner kann seine Pflichten hierüber im Jore dea
(sc. zweiter Teil des Schulchan Aruch) finden, wenn er sie
erfüllen will. Diese Zurückgezogenheit (?) macht großes Aufsehen, und
das christliche Publikum weiß es sich nicht zu erklären, warum der Rabbi
den Krieger mied, zumal er ein Angehöriger seines Sprengels war.
Vielleicht fordert ihn seine vorgesetzt Behörde zur Verantwortung über
sein rätselhaftes Benehmen auf und schenkt dann auch dem Publikum so
klaren Wein ein, wie der erwähnte Gasthof ihn bieten
mag." |
Zum Tod von Babette Schloss (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. November 1902: "Laudenbach (Württemberg), Ende Tischri.
An Vorabend zum 2. Sukkottag (= 16. Oktober 1902) ist hierselbst
die Ehefrau des Meier Schloss, Babette, 76 Jahre alt, in die ewige
Hütte eingezogen. Als wackere Frau erzog sie im Verein mit
ihrem noch lebenden Gatten ihre beiden Söhne, die mit ihren Frauen echt
religiöse Familien gründeten, in jüdischem Sinne. (hebräisch und
deutsch:) Hand und Haus waren stets offen für Bedürftige. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Meier Löwengart
(1911)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober
1911: "Laudenbach (Württemberg). Im 98. Lebensjahr verschied
hier der frühere Gerber Meier Löwengart. Der Verstorbene erfreute sich
in allen Kreisen der Bevölkerung der Wertschätzung." |
Zum Tod von Isack Schloß (1933)
Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 18. Januar 1933: "Laudenbach. Im Alter von 72 Jahren verstarb
Isack Schloß. Mit seinem Tode fand ein vorbildliches jüdisches Leben seinen Abschluss.
Isack Schloß war der glaubensstarke Mittelpunkt der hier noch lebenden Juden. Im Gottesdienst und auf dem Gebiete Werk tätiger Nächstenliebe war keiner eifriger als er. Seit die hiesige Lehrerstelle verwaist ist, übte Schluss in ohne eigennützigster Weise den Vorbeterdienst aus.
Isack Schloß hat einen Ehrennamen hinterlassen, der überall und insbesondere in den
Dörfern und Weilern der Umgebung, mit deren Landwirten er zeitlebens freundschaftlich
verbunden war, unvergessen bleiben wird."
|
| |
| Zu seinem Tod schreibt das "Israelitische
Familienblatt" vom 19. Januar 1933: "Laudenbach b. Mergentheim. Hie:
starb im Alter von 72 Jahren Isack Schloß, die Hauptstütze unserer
kleinen Gemeinde. Für seine große Beliebtheit unter der Bevölkerung sprach
auch die Teilnahme vieler Bauern der Nachbarorte am Begräbnis."
|
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1862: bei der Bescheidung des
Jacob Stern in Laudenbach durch den Mohel Abraham Selz (Niederstetten)
wird eine Spendensammlung zugunsten des Baus jüdischer Armen- und
Pilgerwohnungen in Jerusalem durchgeführt (in: "Der Israelit" vom 11.
Juni 1862 S. 188) |
| |
| - 1933: 60. Geburtstag von
Sigmund Selz in Laudenbach am 3. September 1933 (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 24. August 1933 S. 6). |
| - 1935: 70. Geburtstag von Frau
Regina Schloß Witwe in Laudenbach (in: "Gemeindezeitung für die
israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1935 S. 10).
|
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Eisenhandlung von J. S. Löwengardt
(1879)
Anzeige
vom 19. Februar 1879: "Lehrstelle-Gesuch. Unter sofortigem
Eintritt suche für meinen Sohn (Israelit) eine Lehrstelle, womöglich in
einem Eisen- oder Manufaktur-Geschäft. Derselbe ist im Besitz des
Einjährigen-Zeugnisses. Reflektanten wollen sich mit Unterzeichnetem in
Benehmen setzen.
J.S. Löwengardt, Eisenhandlung, Laudenbach bei
Mergentheim." |
Anzeige von M. D. Schloss (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1884: "Ein
jüdisches Mädchen, 17 Jahre alt, welches die besten Schulzeugnisse
aufzuweisen, und gute Kenntnisse in der englischen und französischen
Sprache, sowie auch in der Buchführung hat, sucht eine Stelle als
Ladnerin in einem am Samstag geschlossenen Geschäft, bei Kost und Logis
in dem betreffenden Hause, oder zur Aufsicht und Unterricht für Kinder
entsprechenden Alters. Reflektanten wollen sich gefälligst wenden an
M.
D. Schloss, in Laudenbach an der Tauber." |
Weitere Dokumente
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
|
Karte von Max Braun in
Niederstetten an
S. Maier in Laudenbach (1902)
(aus dem Fundus von Ulrich Maier-Harth,
Angaben auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller) |
 |
|
| Die Postkarte von
Max Braun aus Niederstetten wurde versandt an Herrn S. Maier in
Laudenbach am 15. April 1902. Es handelt sich um eine geschäftliche
Karte. Max Braun (Landesproduktenhändler) und Wolf Braun betrieben eine
Fellhandlung in Niederstetten. Beim Kartenempfänger handelt es sich um die
Lederhandlung Sigmund Maier in Laudenbach. Die Familie Sigmund Maier
findet sich im jüdischen Familienregister Laudenbach (Links siehe unten).
|
Sonstiges
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19.
Jahrhundert: Grabstein in New York für Isaac Plaut aus Laudenbach
(1826-1889)
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.
Hinweis: In den RSA-Familienregistern Laudenbach konnte keine Familie Plaut in
Laudenbach gefunden werden.
vgl. https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632
|
Grabstein
für "Isaac Plaut
Born in Laudenbach by Mergentheim.
August 19th 1826
Died February 4th 1889
Aged 62 years 6 months". |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Franz Graf von Hatzfeld und
Gleichen hatte 1714 einen 1680 erstmals ausgestellten Generalschutzbrief für
die Juden erneuert, die sich in den Ämtern Haltenbergstetten (das heißt in
Niederstetten) und Laudenbach befanden. In ihm wurde unter anderem geregelt, "dass
diesen gesamten jetzigen und künftigen Juden, eine Synagog zu halten und einen
Rabbiner, Vorsänger und Schulmeister anzunehmen und zu ihren jüdischen
Zeremonien zu gebrauchen wie in Prag, Frankfurt und sonst im Römischen Reich
bevor ab im Lande Franken üblich und Herkommens ist, gnädig erlaubt...
[ist].“ Möglicherweise haben – wie damals in Niederstetten – auch die
Laudenbacher Juden einen Betsaal eingerichtet. 1747 ist jedenfalls in einer
Aufstellung der sechs jüdischen Haushaltungen mit zusammen 43 Seelen) auch "der
Schulmeister“ der Gemeinde genannt, was zu dieser Zeit eine "Judenschule“,
das heißt einen Betsaal für diese Zeit voraussetzt.
Den Antrag zum Bau
einer neuen "Judenschule" richteten am 4. Juli 1797 die Vorsteher der jüdischen
Gemeinde Laudenbachs - Löb Samuel und Isac Moses - an die "Hochfürstliche
Landesregierung in Würzburg". Demnach war die alte Synagoge vom Einsturz
bedroht, ein Neubau unumgänglich. Der würzburgische Amtmann in Niederstetten
befürwortete das Baugesuch, weil er von der christlichen Gemeinde keine Einwände
erwartete und der "Höchsten Landesherrschaft" bei einer Ablehnung verschiedene
Einnahmen verloren gehen könnten. Doch war die christliche Gemeinde nicht ohne
weiteres mit dem Bau einverstanden. Die Einsprachen, in Briefen und Protokollen
niederlegt, füllen ein umfangreiches Aktenbündel. Schließlich wurde der Bau
unter dem Vorbehalt genehmigt, dass sich sein Standort nicht in der Nähe
der Kirche, des Pfarrhauses, der Hauptstraße oder sonst einer Straße befindet,
an der gewöhnlich Prozessionen vorbeigehen, damit die christliche Gemeinde in
ihrem Gottesdienst nicht gestört werde. Außerdem dürfe die "Judenschule"
nicht das Aussehen einer Kirche haben. Deshalb sollte sie aus zwei Fensterstöcken
wie ein Privathaus erbaut und mit zwei Schlöten versehen werden. Letzte
Differenzen gab es schließlich darüber, ob man für die Fenster der Synagoge
große Tafelscheiben zugestehen könne oder ob nur kleine Fenster einzubauen
seien.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch
unbekannte Täter fast vollständig zerstört. Das Gebäude wurde später zu
einem Wohnhaus umgebaut (Am Markt 3). Das Synagogengebäude ist bis heute in der
Substanz erhalten (neuer Dachstock; Türsturz alt). Seit 1998 erinnert eine
Gedenktafel vor der ehemaligen Synagoge an die Geschichte des Hauses.
Fotos
Historisches Foto:
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser in Württemberg. 1932. S. 93)

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Die Synagoge in Laudenbach 1932 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Links und Literatur
Links:
Quellen:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 471. |
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
155-156. |
 | Art. "Begangenes Unrecht muss entlarvt und darf nicht schöngeredet
werden". Erinnerungstafel vor der ehemaligen Synagoge in Laudenbach
enthüllt. in: Tauber-Zeitung vom 11.11.1998 S. 22. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 99-100. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Laudenbach
Wuerttemberg. The community suffered in the Armleder massacres of 1336-39 and in
the Thirty Years War (1618-48) and grew from 74 in 1807 to 155 in 1854 before
members began emigrating. A Jewish elementary school was opened in the 1940s but
closed in 1911 for lack of students. The synagogue was vandalized on
Kristallnacht (9-10 November 1938) and partially blown oup in December 1938. Of
the 13 Jews in Laudenbach in 1933, four may have survived the Holocaust.

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