Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Obergimpern (Stadt Bad Rappenau, Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Kennkarte aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Yrsch-Pienzenau gehörenden Obergimpern bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1588/89 Juden (Süßkind und Moses), dann wieder seit der Mitte des 18. Jahrhunderts genannt. 1753 lebten zwei jüdische Familien im Ort: Marx Levi mit Frau und zwei Kindern sowie David Hirsch mit Frau und neun Kindern. 1775 waren es sieben jüdische Familien mit zusammen 27 Personen, 1801 fünf Familien.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1826 67 jüdische Einwohner (6,0 % von insgesamt 1.109 Einwohnern), 1833 87, 1838 101, 1841 höchste Zahl mit 110, 1864 101, 1871 72, 1875 56 (5,4 % von 1.046), 1880 70, 1885 66, 1890 56, 1895 45, 1900 34 (3,6 % von 954), 1905 30, 1910 35 (3,8 % von 913). 
 
1809 hatten sich die Familien folgende Familiennamen zugelegt: Maier Levi: Stammhalter, Emanuel Liebmann: Strauß, Jos. Lazarus: Waldörfer, Josef Herz: Stein, Hirsch Maier: Kaufmann, Abraham Wolf: Zimmern, Kaim Süsmann: Grombacher, Gumpel Simon: Mosbacher. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (1830 im Keller des Hauses des damaligen Vorstehers Hirsch Kaufmann, später im Synagogengebäude). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf den Friedhöfen in Heinsheim und Waibstadt beigesetzt (1826: drei Familien beerdigen in Heinsheim, die anderen in Waibstadt). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein eigener Lehrer angestellt (vgl. Ausschreibung der Stelle 1837 unten), der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1805 wird als Lehrer Baruch Levi genannt, im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hört man von den Lehrern Simon Marx, Löw Jeremias, Bernhard Kahn und Jakob Östreicher. Um 1900 hatten die jüdischen Gemeinden Wollenberg, Hüffenhardt, Obergimpern und Siegelsbach gemeinsam einen Lehrer (siehe unten Ausschreibung der Stelle 1901). Den allgemeinen Unterricht besuchten die jüdischen Kinder Anfang des 19. Jahrhunderts in der evangelischen Schule, später in der katholischen, nach 1848 wieder in der evangelischen Schule. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kinder der Gemeinde noch durch einen auswärtigen Religionslehrer unterrichtet. Bereits seit 1827 war die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Sinsheim zugeteilt. 
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Gustav Hirsch (geb. 23.3.1878 in Obergimpern, vor 1914 in Reutlingen wohnhaft, gef. 9.6.1917).  
  
Die jüdischen Einwohner lebten in der Hauptsache vom Handel mit Vieh und Landesprodukten, viele hatten dazu eine Landwirtschaft. 1933 gab es noch die folgenden Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz: Gemischt- und Kurzwarenhandel Familie Berney (Professor-Kühne-Straße neben Gasthaus Rose), Farben- und Lackgeschäft Jakob Katzauer (Professor-Kühne-Straße 8), Viehhandlung David Grombacher (Wagenbacher Straße 12), Kohlen-, Getreide- und Gemischtwarenhandlung Wilhelm Falkenstein (Wagenbacher Straße 16). In der Grombacher Straße 22 wohnte bis vor 1933 eine Familie Kaufmann.  
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 25 Personen gehörten (2,7 % von insgesamt 935 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Jakob Katzauer. Den Religionsunterricht für die damals noch acht schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte Lehrer Heinrich Bloch aus Neckarbischofsheim.  Auch 1932 war Gemeindevorsteher Jakob Katzauer. 
    
1933 wurden noch 17 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ist ein Teil von ihnen in andere Orte verzogen (zwei nach Karlsruhe), ein Teil konnte auswandern (fünf in die USA, drei nach Palästina/Israel, drei nach Argentinien). 1939 waren noch fünf jüdische Personen am Ort. Die letzten drei jüdischen Einwohner (David und Flora Grombacher sowie Emma Weinberger) wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. 
 
Von den in Obergimpern geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Baer geb. Adler (1860), Sally Birk geb. Weinberger (1900), Mina Böttigheimer geb. Katzauer (1878), Betty Brückheimer geb. Stammhalter (1904), Lina Edheimer (1867), Irma Erlebacher geb. Stammhalter (1902), Adolf Grombacher (1880), David Grombacher (1876), Flora Grombacher geb. Dreifus (1886), Hannchen Kahn geb. Katzauer (1871), Samuel Katzauer (1868), Berta Marx geb. Berney (1889), Julie Strauß (1873), Emma Weinberger geb. Katzauer (1866).     
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1837 / 1840 / 1854 (nur für Obergimpern)   
/ 1901 (zusammen mit Nachbargemeinden) und eines Vorbeters für die Hohen Feiertage 1920 / 1924  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1837 S. 252 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Erledigte Stelle. 
Bei der israelitischen Gemeinde Obergimpern ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 60 Gulden nebst freier Kost und Wohnung und bis zum 15. September laufenden Jahres, womit selber auch der Vorsängerdienst vereinigt wird, noch ein weiterer Gehalt von 30 Gulden samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge zu melden.
Sinsheim, den 1. März 1837. Großherzogliche Bezirks-Synagoge."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1840 S. 857 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen.  
Bei der israelitischen Gemeinde Obergimpern ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 140 Gulden sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Sinsheim zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 11. Oktober 1854 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 140 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Obergimpern, Synagogenbezirks Sinsheim, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Sinsheim zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Obergimpern Israelit 04031901.jpg (44811 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1901: "Religionsschulstelle. Die Religionsschulstelle zu Wollenberg, nebst den Filialen Hüffenhardt, Obergimpern und Siegelsbach, mit einem Gehalt von 950 Mark, freier Wohnung und Nebeneinnahmen ist per 1. Mai dieses Jahres (eventuell später) zu besetzen. 
Bezirkssynagoge Sinsheim zu Heidelberg."   
Obergimpern Israelit 24061920.jpg (44880 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1920: "Vorbeter gesucht für Rosch Haschono und Jomkippur. Obergimpern, Baden. Synagogenrat." 
  
Obergimpern Israelit 24071924.jpg (37251 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1924: "Vorbeter gesucht. Wir suchen für Rosch Haschono und Jomkippur einen Vorbeter. 
Offerten an die Israelitische Gemeinde Obergimpern (Baden)."

   
   
Berichte aus dem Gemeindeleben 
Die Gemeinde geht der Auflösung entgegen (1929)   

Obergimpern Israelit 05121929.jpg (98153 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1929: "Obergimpern (Baden). Unsere Gemeinde teilt auch das Los aller Landgemeinden und steht vor ihrer Auflösung. Eine Familie ist diese Woche wieder weggezogen, andere werden folgen. Vor dem Kriege war hier noch eine stattliche religiöse Gemeinde, wo Schabbos und Feiertage noch streng gehalten wurden; das hat sich auch noch bis heute bei den noch ansässigen Familien bewahrt. Obergimpern ist eine der ältesten Gemeinden der Umgegend; die schöne zweistöckige Synagoge, welche mitten im Orte steht, wurde im Jahre 18095 von den damaligen Gemeindemitgliedern unter großen Opfern erbaut. Nach dem Kriege wurde sie neu restauriert und sind schon einige Jahre ohne Minjan. Auch unsere Nachbargemeinden Wollenberg, Siegelsbach, Rappenau, Grombach, alle vor dem Kriege noch stattliche Gemeinden, stehen vor ihrer Auflösung. In Obergimpern haben die Juden neben ihrem Geschäft noch größere Landwirtschaft selbst betrieben und haben in der Arbeit den anderen Bauern nicht nachgegeben."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde           
Samuel Straus soll sich zur Musterung für den Militärdienst melden (1852)         

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 14. Januar 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Neckarbischofsheim [Aufforderung]. Bei der heute dahier vorgenommenen Assentierung sind folgende Konskriptionspflichtigen der Altersklasse 1831 ungehorsam ausgeblieben. 
Ls.-Nr. 4. Leopold Marx von Siegelsbach.  
6. Friedrich Wittich von da.  
15. Paul Blum von Obergimpern.  
31. Jakob Bernhard Eschelbach von Hüffenhard.  
40. Liebmann Samuel von Siegelsbach. 
60. Samuel Straus, Jakob Sohn, von Obergimpern 
Dieselben werden aufgefordert, sich binnen 6 Wochen dahier zu stellen, widrigenfalls sie als Refraktäre erklärt, nach $ 4 des Gesetzes vom 5. Oktober 1820 behandelt und des Staatsbürgerrechts für verlustig erklärt würden.
Neckarbischofsheim, den 7. Januar 1852. Großherzogliches Bezirksamt."     

 
Über Liebmann Strauß aus Obergimpern, Mitbegründer der jüdischen Gemeinde in Heilbronn (Bericht zu seinem Tod 1908)  

Obergimpern Israelit 10091908.jpg (146409 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1908: "Heilbronn, 30. August (1908). Vor 14 Tagen ist in hiesiger Gemeinde ein Mann zu Grabe getragen worden, dessen Leben und Wirken so sehr mit der Entwicklung der hiesigen Kehillo (Gemeinde) verknüpft war, dass es als eine Pflicht der Pietät erscheint, seiner auch an dieser Stelle zu gedenken. Liebmann Strauß, geboren in Obergimpern (Baden) war einer der ersten Juden, die wieder in die alte Reichsstadt Heilbronn zu dauerndem Aufenthalt einzogen. Mit wenigen Genossen betrachtete er es als seine Aufgabe, die neu erstandene jüdische Gemeinde zu organisieren und sie im Sinn des überlieferten Judentums weiter auszubauen. Vorbildlich in jeder Hinsicht ist die von ihm organisierte und zu hoher Blüte gebrachte Chewra Gemilus Chesed (Wohltätigkeitsverein) geworden, deren selbstloses Wirken im Sinne unseres Gesetzes allgemein anerkannt wird. Ein Menschenalter hindurch widmete der Verstorbene seine besten Kräfte dem Dienste der jüdischen Gemeinde, hiezu umso mehr befähigt und berufen, als ihm neben umfassender profaner Bildung reiches jüdisches Wissen eigen war. Wohl hat auch in die Heilbronner Gemeinde die Reform mit Orgelklang und gemischtem Chor ihren Einzug gehalten, dieses zu verhindern, reichte die Macht des Verstorbenen nicht aus. Dass er aber, wenn auch mit schwerem Herzen, sich darein fügte, war sein Lebensschmerz, der Fehler, den er sich innerhalb wohl selber nicht verzeihen konnte. Denn er blieb isoliert in seinem Kreise, isoliert in der Auffassung des jüdischen Pflichtenlebens. Unbegrenzt sind die Wohltaten, die der Verstorbene - er ruhe in Frieden - seiner Gemeinde erwiesen, aber sie wurden und werden auch gewürdigt von allen, denen er im leben nahe stand. Seine Bescheidenheit und seine Selbstlosigkeit im Dienste der Wahrheit ist rühmend. Die Heilbronner Gemeinde wird diesen Mann nie vergessen, den zu ersetzen ihr nicht leicht fallen wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

     
Zum Tod von Babette Stammhalter (1919)    

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1919: "Obergimpern (Baden). Im 81. Lebensjahre verschied hier Frau Babette Stammhalter, geb. Vogel, eine wegen ihrer Frömmigkeit und ihrer Wohltätigkeit allgemein geschätzte Frau".   

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Obergimpern 
geborenen Berta Marx geb. Berney
 
 Obergimpern KK MZ Marx Berta.jpg (100986 Byte)    
   Kennkarte (Groß-Gerau 1939) für Berta Marx geb. Berney (geb. 2. Juli 1889 in Obergimpern), 
wohnhaft in Nauheim, am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski   
 

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge            
    
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. Er wurde 1807 auf Grund seiner Enge als "Schlupfwinkel in einer jüdischen Behausung" bezeichnet. Dieser Betsaal wurde gemeinsam von den Juden aus Ober- und Untergimpern benutzt. 1807 war das Gebäude in baufälligem Zustand. Auch wollte der Hausbesitzer nach einer wohl anstehenden Reparatur den Raum für eigene Zwecke benutzen. So war die jüdische Gemeinde gezwungen, einen neuen Betsaal einzurichten oder eine Synagoge zu bauen. Man entschloss sich für den Neubau einer Synagoge, die etwa 600 Gulden kosten sollte. Da die Juden aus Untergimpern bisher auch den Betsaal besucht hatten, bestanden die Juden aus Obergimpern darauf, dass ihre Glaubensgenossen aus dem Nachbarort zumindest ein Sechstel des Betrages, also 100 Gulden übernehmen sollten. Es wurde argumentiert, dass die Juden aus Untergimpern auf Grund eines alten Vertrages auch ein Sechstel der Kosten für den Vorsänger bezahlten. Da die Untergimperner Juden jedoch nicht so viel bezahlen wollten, musste Rabbiner Juda Moses Bamberger aus Neckarbischofsheim vermitteln. Auch er sprach sich für dafür aus, dass die Untergimperner Juden den Anteil von 100 Gulden bezahlen sollten. Einige der damals acht Juden verweigerten dennoch jegliche Beiträge, sodass schließlich eine Exekution angedroht wurde, die aber vom Justizamt in Mosbach untersagt wurde. Der Synagogenneubau wurde dennoch kurz darauf beschlossen und um 1810 durchgeführt.  
 
1830 kam es zu einem Pogrom gegen die Juden in Obergimpern im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach der Julirevolution in Frankreich, die gegen die Forderungen nach völliger Gleichberechtigung der Juden gerichtet waren. Dabei wurden in der Synagoge Obergimpern in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1830 acht große Fenster sowie ein gläserner Leuchter zerstört.  
  
1882 erfolgte für 400 Mark eine größere Renovierung der Synagoge. 
  
Bereits Anfang der 1930-Jahre war es kaum noch möglich, die Zehnzahl jüdischer Männer zum Gottesdienst zusammen zu bekommen. Von einem inzwischen verstorbenen, nichtjüdischen Ortsbewohner wird berichtet, dass dieser als Jugendlicher immer wieder den Auftrag bekam, mit dem Fahrrad in die umliegenden Orte zu fahren, um von dort Männer zum Gebet zu bitten, wenn die Zehnzahl (Minjan) noch nicht erreicht war.    
    
Noch vor 1938 wurde das Synagogengebäude an die katholische Kirche verkauft, die es für einige Jahre als Jugendhaus benützte. 1964 wurde das Gebäude abgebrochen, der freie Platz aufgeteilt und an die Anlieger verkauft (heute Garten zwischen Grombacher Straße 10 und 12). 
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Foto oben: Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 163; Fotos um 1985: Hahn)  

Foto aus der Zeit im Besitz der 
katholischen Kirche (Aufnahmedatum
 zwischen 1938 und 1964)
(Quelle: Hundsnurscher/ Taddey 
s. Lit. Abb. 163)  
Obergimpern Synagoge 100.jpg (58791 Byte)  
  Das Foto wurde in der Zeit der Nutzung der ehemaligen Synagoge durch 
die katholische Kirchengemeinde aufgenommen  
     
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)  
Obergimpern Synagoge 001.jpg (59222 Byte)  Obergimpern Synagoge 002.jpg (110729 Byte)  
   Das Gartengrundstück, auf dem die ehemalige Synagoge stand  
     
Neuere Fotos   Ein neueres Foto des ehemaligen Synagogengrundstückes wird bei Gelegenheit erstellt; 
über Zusendungen freut sich der Webmaster, Adresse siehe Eingangsseite.

    
     

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Bad Rappenau 

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 219-220.
Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. S. 182-186.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 218-219.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 

      
      

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Obergimpern  Baden. Jews were expelled in the late 16th century and were present again in the 18th. A synagogue was built in 1820 and Jews were represented in the local council and the civil guard as their population grew to a peak of 70 in 1887 (around 5 % of the total). In 1933, 17 remained; nine left in 1934-37 and four after Kristallnacht (9-10 November 1938). Three perished in Auschwitz.
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. Juni 2015