Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Otterberg (Kreis Kaiserslautern)
Jüdische Geschichte / Familie Straus / Synagoge
Jewish History / Family Straus / Synagogue

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Beiträge     
Berichte zu Personen aus der jüdischen Gemeinde - Beiträge zur Familie Straus (Strauss, Strauß)   
Fotos zur Geschichte der Familie Strauss   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
   
In Otterberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1897. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als einige jüdische Familien aus benachbarten Orten und anderen pfälzischen Gebieten zugezogen sind. Jedoch lebten bereits zuvor Juden am Ort: 1650 wird eine jüdische Familie am Ort genannt.
   
Genaue Zahlen jüdischer Einwohner liegen erst wieder aus dem 19. Jahrhundert vor. 1803 werden vier jüdische Familien gezählt, 1808 31 jüdische Einwohner (8 % der Gesamteinwohnerschaft), 1815 acht jüdische Familien, 1825 56 jüdische Einwohner (2,4 %), 1848 100 jüdische Einwohner in 21 Familien mit 100 Personen.
  
1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt: Salomon Maas (Händler), Joseph Rothschild (Viehhändler), Isaac Strauß (Viehhändler), Jacob Strauß (Viehhändler), Lazare Strauß (Viehhändler), Isaac Weil (Händler), David Wolff (Händler).   
  
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung schnell zurück. 1875 wurden nur noch 23 jüdische Einwohner gezählt. 1897 konnte kein Gottesdienst mehr abgehalten werden, da nur noch drei erwachsene jüdische Männer hier lebten. Daher wurde in diesem Jahr die jüdische Gemeinde Otterberg aufgelöst. Die hier noch lebenden Juden wurden der Gemeinde in Kaiserslautern zugeteilt. 
    
Von den in Otterberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Eugen Heimann (geb. 1869 in Otterberg, später Köln, 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er 1944 umgekommen ist), Mathilde Salmon geb. Heimann (geb. 1867 in Otterberg, später in Berlin, 1941 in das Ghetto Lodz deportiert, 1942 in das Vernichtungslager Chelmno).   
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde          
      
Allgemeine Beiträge    
Streit vor Gericht zwischen Gemeindegliedern in Otterberg und dem Rabbiner von Kaiserslautern (1846)  
Das Dokumente stammt aus der Zeit aufkommender Auseinandersetzungen zwischen reformerisch und konservativ gesinnten Personen in den jüdischen Gemeinden. Beschrieben wird, wie Personen der Otterberger Gemeinde den "reformatorischen Bestrebungen" des Rabbiners "stets hindernd im Wege" standen. Die Bestrebungen des Rabbiners gingen allerdings ausgesprochen weit, was u.a. daran deutlich wird, dass sich der Rabbiner in der Gerichtsverhandlung u.a. für eine Abschaffung des feierlichen Eingangsgebetes an Jom Kippur, dem Kol Nidre aussprach. 

Otterberg KL AZJ 14121846a.jpg (111050 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Dezember 1846: "Otterberg (für Osterberg) bei Kaiserslautern (bayerische Pfalz), 30. November (1846). Die Presse ist dazu da, die Übergriffe nach jeder Seite hin zu bekämpfen, um nur dem Geltung zu verschaffen, was in reiner Intention und mit reinen Mitteln unternommen worden. Wir haben hier am 3. dieses Monats vor dem Zuchtpolizeigerichte in öffentlicher Sitzung ein Schauspiel erlebt, das sicherlich einer strengen Mahnung bedarf. Die Israeliten K. und O. waren von Herrn Rabbiner S. angeklagt, ihn am letztverflossenen Erew Jom Kippur in der Synagoge durch Worte in Verrichtung seiner Funktionen gestört zu haben. (Wenn ich nicht irre, war nämlich dies die Veranlassung, dass jene behaupteten, man sage an diesem Tage kein Awenu Malkenu ['Unser Vater, unser König', Teil der Jom-Kippur-Liturgie]). Herr Rabbiner, der bei dieser Sache selbst als Zeuge geladen war, deponierte mit der größtesten Leidenschaftlichkeit, und suchte namentlich die als Entlastungszeugen geladenen Israeliten, zwanzig an der Zahl, worunter die angesehensten der Stadt, als Teilnehmer eines Komplotts darzustellen; dieses Komplott stünde seinen reformatorischen Bestrebungen stets hindernd im Wege, und suche alle Verbesserungen, die er im Gottesdienste einzuführen gedenke, zu hintertreiben, nicht sowohl aus innerer Frömmigkeit, als vielmehr aus persönlichem Hasse gegen ihn selbst. Als Beleg seiner Behauptung verließ Herr S. plötzlich den eigentlichen Boden der Verhandlung, und führte an: es existiere ein Gebet, das sogenannte Kol Nidre, das am Versöhnungsfeste gesprochen werde. 
Otterberg KL AZJ 14121846b.jpg (223633 Byte) Dieses Gebet enthalte den Ausdruck, dass alle Schwüre und Eide, die ein Israelit während des ganzen Jahres ablege, förmlich erlassen seien. Dieses Gebet nun habe er abschaffen wollen, weil es den Betenden leicht irre führen und zur Ansicht verleiten könne, es würde in demselben der Meineid verziehen, er sei aber auf den heftigsten Widerstand gestoßen, und so werde das Kol Nidre heute noch am Verstöhnungstage gebetet. 
Herr Rabbiner führte noch mehrere Beispiele von solchen widersinnigen Gebeten an, die er habe abschaffen wollen, unter Anderen, dass eines dieser Gebete mit den Worten anfange: 'Ich danke dir, Herr, dass ich kein Christ bin'; ein anderes: 'Ich danke dir, Herr, dass du mich zu keiner Frau gemacht.' Als Herr S. seine Zeugenaussage beendigt hatte und zu seinem Sitze zurückgekehrt war, soll ihm ein anderer Israelit zugerufen haben: 'Herr Rabbiner, sagen Sie Kiddusch darauf.' Herr S. erhob sich sofort leidenschaftlich gegen das Gericht und deponierte, dieses Wort sei eines der gemeinsten Schmähwörter, welche die hebräische Sprache aufzuweisen habe. Der Mann der jenes Wort ausgerufen, wurde sofort vor Gericht gestellt. Er erklärte zu seiner Verteidigung, das Wort Kiddusch habe durchaus die Bedeutung nciht, welche Herr Rabbiner S. ihm beizulegen sich bemühe. Der Präsident des Gerichts ließ zwei anwesende Israeliten vortreten, um sich über die Bedeutung des Wortes zu erklären. Auf ihre Behauptung, das Wort Kiddusch enthalte nichts Beleidigendes, wurde der Mann freigesprochen.  
Die Verhandlung dieser Sache, die einen großen Teil der Sitzung einnahm, namentlich die krasse Schroffheit, mit welcher der Herr Rabbiner gegen seine Glaubensgenossen auftrat, machte auf alle Unbeteiligten einen sichtbar widerlichen und verletzenden Eindruck. Der Verteidiger des Angeklagten erhob sich darauf und erklärt mit feierlicher Stimme: 'Wenn alles das wahr ist, was Herr Rabbiner S. zur Schilderung seiner Glaubensgenossen und von ihren Gebeten und Gebräuchen gesagt hat, so fühle ich mich versucht, auszurufen: Ich danke dir, Herr, dass du mich nicht zum Juden gemacht.'  
Ich könnte Ihnen noch Manches bei dieser Verhandlung Vorgekommene aufzählen, will aber, der Kürze wegen, nur noch das anführen, dass Herr S., um seine Handlungen zu beschönigen, das Wirken seines Vorgängers, des seligen Herrn Rabbiners Cohen auf alle mögliche Weise zu verunglimpfen suchte, eines Mannes, dessen Name noch heute wohltuend klingt, und dessen zu frühes Hinscheiden noch jetzt von Jedermann tief bedauert wird. 
Von welchen moralischen Folgen ein Tatbestand begleitet ist, der, wie der vorliegende, öffentlich vor einer großen Menge von Zuhörern verhandelt worden, welche Eindrücke und Meinungen ferner dieser Vorfall hervorgerufen, und noch hervorruft, davon mag sich jeder Leser Ihres verbreiteten Blattes überzeugen.  St."  

   
    
Über das Ende der jüdischen Gemeinde (1913) 

Otterberg FrfIsrFambl 10101913.jpg (22971 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Oktober 1913: "Otterberg bei Kaiserslautern. Unser fast 3.000 Seelen zählendes Städtchen hatte noch vor wenigen Jahrzehnten eine blühende jüdische Gemeinde. Heute gibt es nicht eine jüdische Seele mehr hier."   

    
    
Berichte zu Personen aus der jüdischen Gemeinde - Beiträge zur Familie Straus (Strauss, Strauß)    
Lazarus und Sara Strauss aus Otterberg und seine Söhne - ein Überblic
k:   

Lazarus Straus (geb. 1809 in Otterberg, gest. 1898 in New York), Vater von Isidor, Nathan und Oskar Straus; gründete in Folge der durch seine Aktivitäten bei der Revolution 1848/49 (enge Freundschaft mit Carl Schurz und Gottfried Kinkel) veranlassten Auswanderung in die USA das Warenhaus L. Straus and Sons (weitere Informationen zur Familiengeschichte in den unten stehenden Artikeln von 1898 und 1906).  
    
Isidor Strauss (geb. 1845 in Otterberg, gest. 15. April 1912 beim Untergang der Titanic): 1854 mit seiner Familie in die USA ausgewandert, zunächst aufgewachsen in Talbotton, Georgia, 1866 nach New York, 1888 zusammen mit seinem Bruder Nathan Teilhaber des Kaufhauses R.H. Macy & Co. in New York; 1894-1895 Mitglied des Repräsentantenhauses. Im April 1912 zusammen mit seiner Frau Ida und zwei Angestellten an Bord des Luxusdampfers Titanic. Beide kamen bei der Katastrophe ums Leben.
  
Nathan Strauss (geb. 31.Januar 1848 in Otterberg, gest. 1931 in New York): 1854 mit seiner Familie in die USA ausgewandert, zunächst aufgewachsen in Talbotton, Georgia, 1866 nach New York, 1888 zusammen mit seinem Bruder Isidor Teilhaber des Kaufhauses R.H. Macy & Co. in New York; verheiratet seit 1875 mit Lina geb. Gutherz; Nathan Strauss galt bereits in den 1890er-Jahren als Wohltäter. Setzte sich für Arme und Obdachlose ein; unterstützte wesentlich eine Kampagne für pasteurisierte Milch und rettete dadurch unzähligen Kindern das Leben. In den folgenden Jahrzehnten unterstützte er mit großen Summen Projekte in den USA, Palästina (Israel) und Deutschland. Die Stadt Netanja in Israel ist nach ihm benannt.  
     
Oskar Salomon Strauss (Oscar S. Straus, geb. 23. Dezember 1850 in Otterberg, gest. 3. Mai 1926 in New York), 1854 mit seiner Familie in die USA ausgewandert; machte eine politische Karriere zunächst als US-Gesandter der Türkei 1887-1889 und 1898-1899. 1906-1909 war er unter Präsident Theodore Roosevelt US Secretary of Commerce and Labor (Wirtschafts- und Arbeitsminister; war erstes jüdisches Kabinettsmitglied in den USA); 1909-10 wiederum als Botschafter der USA in der Türkei.  

  

Lazarus Straus - bereits vor der Auswanderung in besonderer Funktion (1843)  
Anmerkung: bereits lange vor der 1854 erfolgten Auswanderung nach Amerika hatte Lazarus Straus eine besondere Rolle in der Judenschaft von Otterberg und der Region inne. Er war es, der im Alter von 30 Jahren 1843 für die "Allgemeine Zeitung des Judentums" den Nekrolog zum Tod von Bezirksrabbiner Moses Cohen (Kaiserslautern) verfasste:  

Kaiserslautern AZJ 05061843.jpg (192170 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juni 1843: "Nekrolog. Am 14. dieses (Monats) entschlummerte nach kurzem Krankenlager unser geliebter Bezirksrabbiner Moses Cohen zu Kaiserslautern. Geboren im Jahre 1785 zu Merzbach in Unterfranken, bezog er in seinem fünfzehnten Jahre die damals noch blühende jüdische Hochschule in Fürth, und nachdem er zwei Jahre da zugebracht, setzte er seine Studien neun Jahre in Prag weiter fort. Als im Jahre 1828 das Bezirksrabbinat zu Kaiserlautern gegründet wurde, berief man ihn zu diesem Amte, bei welchem er als Geistlicher und als ein wahrer Priester (Cohen) des Ewigen fünfzehn volle Jahre hindurch wirkte. Der Verblichene gehörte zu den selteneren, ausgezeichneten Persönlichkeiten. Außer seinen theologischen und linguistischen Kenntnissen hatte er sich noch besonders in Mathematik und Geschichte hervorgetan. Alle seine heilsamen Verbesserungen, die er namentlich beim Schul- und Synagogenwesen ins Leben rief, suchte er nicht durch Gewalt, sondern langsam auf dem Wege der Liebe und Besserung durchzuführen.    
Noch nie habe ich einen größeren Leichenzug erblickt. Den Glaubensgenossen des Verewigten, die aus allen Orten in und außer des ausgebreiteten Bezirkes herbeigeströmt waren, hatten sich die christlichen Bewohner der Stadt Kaiserslautern in Masse angeschlossen; die Beamten, die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen, die Lehrer der Volksschulen, die Zöglinge des Seminars und der Gewerbeschule, sie alle waren herbeigekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor der Stadt machte der Zug Halt, und nachdem die Seminaristen einige Trauerkantaten abgesungen hatten, bewegte sich der Leichenwagen nach dem zwei Stunden von da entfernten Begräbnisplatze. Der Dahingeschiedene hatte, wie der hiezu berufene Leichenredner, Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum aus Landau treffend bemerkte, keinen Feind, ja nicht einmal einen Gegner. Ihn beweinen eine trostlose Witwe mit fünf Kindern, sein tief getrübter Bruder, der Bezirksrabbiner März aus Dürkheim a. H., sowie sämtliche Gemeinden des Bezirks Kaiserslautern. Möge sein Andenken noch recht lange unter uns weilen! Möge aber auch der Geist des Friedens, der Liebe und der erleuchteten Frömmigkeit, die ihn beseelt, über uns walten, ihm zum Ruhme und uns zum Segen!  
Otterberg, im Mai 1843. L. Straus, der junge."

           
Zum Tod von Lazarus Straus (1898)     

Otterberg AZJ 04021898.jpg (133662 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Februar 1898: "New York, 15. Januar (1898). Gestern verschied hier in dem hohen Alter von 89 Jahren Herr Lazarus Straus, der Gründer des weithin bekannten Warenhauses L. Straus and Sons. Im Jahre 1809 in Otterberg, Bayern, geboren, ein Enkel des gleichnamigen Mitgliedes des französischen Sanhedrins, widmete er sich neben den von ihm betriebenen Studien des hebräischen Schrifttums und der Geschichte der Juden dem merkantilen Fache. An der revolutionären Bewegung in den Jahren 1848 und 1849 nahm er, ein Freund Kinkels und Karl Schurz's, tätigen Anteil. Im Jahre 1853 verließ er die Heimat und wanderte nach Amerika aus. Er eröffnete ein Geschäft in Talbotton, Georgia und siedelte sich mehrere Jahre später in New York an, wo er mit seinem Sohne Isidor das Haus begründete, das heute zu den bedeutendsten und angesehensten des Landes gehört. In den letzten Jahren seines Lebens zog er sich vom Geschäft zurück und widmete sich den liebgewonnenen Studien. Als sein Sohn Oskar, der frühere amerikanische Gesandte in Konstantinopel, der gegenwärtige Präsident der 'Amerikanisch-jüdisch-historischen Gesellschaft', vor einigen Jahren Herrn Dr. Kayserling in Budapest veranlasste, zur Ermittelung des Anteils, welchen die Juden an der Entdeckung Amerikas genommen, eine Forschungsreise nach Spanien zu unternehmen, war er es, der die Kosten der Reise bestritt. Lazarus Straus, eines der ältesten Mitglieder der Beth-el-Gemeinde und vertrauter Freund des Rabbiners David Einhorn, gehörte zu den wohltätigsten Männern New Yorks; viele Familien betrauern in ihm ihren Ernährer. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein!" 

    
Über die Tätigkeiten von Nathan Strauß in New York (1898)  

Ortenberg AZJ 24091897.jpg (69612 Byte)Artikel in "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1898: "Eine große Wohltat ist der Dachgarten auf dem Gebäude der Educational Alliance wieder täglich Tausende Erholung suchen. Jeden Freitag und Sonntag finden daselbst Konzerte statt, und Erfrischungen werden unentgeltlich verabreicht.  Herr Nathan Struaß, der bekannte Philanthrop, hat daselbst eine seiner zahlreichen Milchhallen, in denen sterilisierte Milch für einen nominellen Preis verkauft wird. Eine andere Verkaufshalle, welche Herr Strauß auf dem Quai im New Yorker Hafen errichten wollten, welche Erfolgungszwecken gewidmet ist, wollte die Häfenbehörde nicht gestattet, weil dadurch dem Pächter des dortigen Hafenrestaurants Konkurrenz gemacht wurde. " 


Nathan Strauß wird Präsident des Sanitätsrates von New York - Oskar Strauß ist zum Präsidenten der Park-Kommission nominiert (1898)  

Otterberg AZJ 11021898.jpg (39570 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1898: "New York, im Januar (1898). Nathan Strauß, der bekannte Philanthrop, ist zum Präsidenten des Sanitätsrates der jetzigen Viermillionenstadt ernannt worden. Sein Bruder, der frühere amerikanische Gesandte bei der Pforte, Oskar Strauß, ist zum Präsidenten der Park-Kommission ausersehen, hat sich aber seine Entscheidung über die Annahme des ihm zugedachten Amtes noch vorbehalten."  

    
Oskar Straus wird zum Minister für Handel und Industrie berufen (1906) 

Otterberg FrfIsrFambl 02111906.jpg (104123 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. November 1906: "New York. Ein jüdischer Minister. In das Kabinett ist zum ersten male ein Jude eingetreten. Präsident Roosevelt hat den früheren Botschafter am türkischen Hofe Oskar Straus zum Sekretär (Minister) für Handel und Industrie ernannt. Oskar Straus ist 1850 in Otterberg (Bayern) geboren, kam als Knabe von 4 Jahren mit seinen Angehörigen nach Amerika. Er widmete sich nach besuch der Columbia-Lateinschule und der Columbia-Universität in New York zuerst der juristischen Laufbahn, trat aber später in das Porzellan- und Glasgeschäft seines Vaters ein. Seine politische Tätigkeit begann er gelegentlich der Wahl Clevelands zum Präsidenten im Jahre 1884, und drei Jahre später wurde er Botschafter in Konstantinopel. Nach dem Tode des Expräsidenten Harrison wurde er 1902 als dessen Nachfolger zum Mitgliede der Friedenskonferenz im Haag (= Den Haag) ernannt." 

  
Über Oskar Strauß und die Geschichte der Familie Strauß (1906)  

Otterberg FrfIsrFambl 09111906.jpg (285697 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. November 1906: "Oskar Strauß. Über die Familie und die Person des neuen Ministers der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, lesen wir in den 'Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus': Die Familie Strauß stammt aus Bayern, wo seine Vorfahren Landwirte waren und noch sein Vater ein Gut besaß. Dieser Lazarus Strauß nahm an der Revolution im Jahre 1848 teil, wurde mit Karl Schurz bekannt und stand zu diesem in freundschaftlichen Beziehungen bis zu dessen Tode. Lazarus Strauß musste aus Deutschland flüchten und ging nach Philadelphia. Es wurde ihm aber geraten, nach dem Süden zu gehen, und im Jahre 1854 eröffnete er in Talboton im Staates Georgia einen Laden. Er hatte damals drei Söhne: Isidor, der 9, Nathan, der 6, und Oskar, der noch nicht 4 Jahre alt war. Die Familie war arm, sodass die Mutter beispielsweise die Kleider für die Kinder anfertigen und ihre Strümpfe stricken musste. Vater Strauß nahm entschieden Stellung gegen die Sklaverei und zum Teil aus diesem Grunde zog er nach dem viel größeren Columbus in demselben Staate. 
Infolge der kriegerischen Ereignisse kam Lazarus Strauß in Geldverlegenheit. Obwohl ihm ein Chef der Firma, der er 3.000 Dollar schuldete, riet, sich nicht aller Mittel zu entblößen und mit 10 % zu akkordieren, wie es die anderen Kaufleute im Süden täten, erklärte Lazarus Strauß: Ich will meine ganze schuld bezahlen. Ich erwarte nicht, meinen Kindern viel Vermögen zu hinterlassen, aber ich will ihnen einen ehrlichen Namen vererben. Mit dem geringen Reste seines Barvermögens begründete Strauß ein Porzellangeschäft. 
Alle drei Söhne dieses Mannes haben es zu Einfluss und Ansehen gebracht. Nathan Strauß, der die armen Kinder New Yorks mit sterilisierter Milch, ihre Eltern mit Kohlen im Winter und die Obdachlosen mit Asylen versorgt hat, war beispielsweise als Kandidat für den New Yorker Bürgermeisterposten aufgestellt. Isidor Strauß wurde Kongressmitglied und war beteiligt an der Herstellung des Wilsontarifs. Der bedeutendste aber ist Oskar Strauß, der Kaufmann, Verfasser mehrerer staatwissenschaftlicher Werke, Mitglied der permanenten Haager Schiedsgerichtshofes ist und zweimal amerikanischer Gesandter in Konstantinopel war. 
Was waren nun die hauptsächlichsten Taten des jüdischen Gesandten in Konstantinopel? Damals war christlichen Kolporteuren verboten worden, Bibeln und Traktätchen in der Türkei zu verteilen. Es schien unmöglich, da Abhilfe zu schaffen. Aber Strauß, der jüdische Gesandte, fand doch ein Mittel, dem christlichen Missionswesen zu helfen. Er stellte nämlich auf der Pforte vor, dass die Kolporteure auch Bibeln verkauften, und dass eine Verhinderung dieses Geschäfts eine Verletzung des Handelsvertrages bedeute. So setzte er durch, dass die christlichen Schriften wieder verteilt werden durften und dass auch 50 gewaltsam geschlossene christliche Schulen wieder geöffnet wurden. Präsident Cleveland dankte dem Gesandten für diesen Erfolg und auch der Evangelische Bund in England ließ ihm durch Vermittlung Lord Salisbury's eine Anerkennung zukommen. Das zweite Mal gelang es Strauß, mit dem Sultan in einem ernsteren Konflikt fertig zu werden. Armenische Christen waren massakriert und für 90.000 Dollar Missionsbesitz vernichtet worden. Strauß erklärte dem Sultan, der Konflikt könne durch einen Krieg oder durch friedliche Mittel schnell erledigt werden. Er schlug ein Schiedsgericht vor, bemerkte jedoch, dass dieses dann auch eine Untersuchung wegen der Metzeleien veranstalten würde. Strauß wusste wohl, dass der Sultan eine solche Untersuchung nie zulassen würde. In der Tat entschloss sich der Sultan schnell, die amerikanischen Ansprüche zu befriedigen." 

    
Oscar Strauß engagierte sich für die verfolgten russischen Juden (1911)  

Otterberg FrfIsrFambl 24111911.jpg (80270 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1911: "New York. Die Protestbewegung gegen die Zurücksetzung amerikanischer jüdischer Reisenden in Russland nimmt ständig an Ausdehnung zu. Großes Aufsehen macht eine Versammlung von vierhundert Geistlichen, Vertreter der verschiedenen christlichen Sekten, die als Protestversammlung gegen diese Zurücksetzung hier stattfand. Den Vorsitz führte der 80jährige Bischof James Courtny. Er brach in seiner Rede in Tränen aus über das bittere Unrecht, das den Juden zugefügt wird. Nachdem die Versammlung einstimmig eine Protestresolution angenommen hatte, ergriff der zu diesem Zwecke eingeladene frühere Botschafter Oscar Strauß das Wort zu einer Rede über die Lage der Juden in Russland. Die Rede machte tiefen Eindruck und veranlasste eine Resolution, die dem russischen Botschafter zu Übermittlung an seine Regierung überreicht werden soll."  


Stiftung eines Milchpasteurisierungsinstitutes in Heidelberg durch Nathan Strauß (1907)  

Otterberg FrfIsrFambl 15111907.jpg (12753 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. November 1907: "Heidelberg. Durch die Großherzigkeit des New Yorker Millionärs Nathan Strauß ist hier ein Milchpasteurisierungsinstitut errichtet worden".

  
Stiftung eines Milchpasteurisierungsinstitutes in Karlsruhe (1907)  

Otterberg Israelit 27121907.jpg (62244 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1907: "Karlsruhe, 19. Dezember (1907). Die Großherzogin-Mutter empfing am Dienstag Abend im Schlosse zu Karlsruhe den bekannten New Yorker Millionär Nathan Strauß, der auf ihren Wunsch von Heidelberg, wo er gegenwärtig vorübergehend seinen Wohnsitz hat, dorthin gekommen war, um ihr über seine amerikanischen Schöpfungen zu berichten. Die Großherzogin-Mutter zeigte großes Interesse für die segensreichen Bestrebungen des Amerikaners, und Straus, der zu den Freunden Morgans und Rockefellers zählt, erklärte sich bereit, in der Stadt Karlsruhe auf eigene Kosten ein Pasteurisierungs-Institut zu errichten, wie er es in New York und anderen amerikanischen Städten, zuletzt in kleinerem Stil in Heidelberg, geschaffen hat."

  
Nathan Straus ist nach 13monatiger Tätigkeit im Ausland wieder in New York zurück (1908)

Otterberg FrfIsrFambl 11091908.jpg (46115 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1908: "New York. Nach 13monatlicher Abwesenheit ist der Philanthrop Nathan Straus hier wieder eingetroffen. Er hat während dieser 13 Monate in Deutschland, Österreich und England Stationen für pasteurisierte Milch errichtet und seitens der Behörden und Fachmänner für sein segensreiches Wirken uneingeschränkte Anerkennung gefunden."  

  
Brief von Nathan Strauss an die Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten (1912 nach der 'Titanic'-Kastrophe und dem Tod seines Bruders Isidor)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. August 1912: "New York. Der bekannte Philanthrop Nathan Straus, Bruder des früheren Botschafters und Staatssekretärs Oskar Straus und des bei der 'Titanic'-Katastrophe verunglückten Isidor Straus, richtete an die Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten einen Brief. In diesem Briefe heißt es: 
'Bei meinem jüngsten Besuch in Palästina machte der gewaltige Fortschritt im Vergleich zu den Zuständen bei meiner früheren Palästinareise vor sieben Jahren einen überaus tiefen Eindruck auf mich. Überall treten die Wirkungen von Dr. Herzls Geist und den großen Idealen, die er in Jung-Israel wachgerufen hat, deutlich zutage. Gleichwohl bleibt noch manches zu tun übrig. Dr. Magnes, der Ihrer Versammlung beiwohnt, wird Ihnen über unsere Bemühungen zur Besserung der Lage berichten... In den letzten drei Monaten war mein ganzes Sein vom Gedanken des Zionismus beherrscht, und ich habe eine Fülle von Plänen für das Wohl des Heiligen Landes erwogen. Infolge unseres jüngsten Missgeschicks (der Titanic-Katastrophe) waren jedoch meine Nerven derart angegriffen, dass ich unfähig war, sogleich, wie es mein sehnlichster Wunsch gewesen wäre, ans Werk zu gehen. Aus diesem Grunde fühle ich mich auch außerstande, in öffentlicher Versammlung zu sprechen.'"    

    
Nathan Straus veranlasst eine Perlmutter-Arbeiten-Fabrik in Jerusalem (1912)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August 1912: "Jerusalem. Es sind wieder mehrere neue gewerbliche Unternehmungen von hier zu melden. 
Der bekannte New Yorker Philanthrop Nathan Straus, der unser Land vor einiger Zeit besuchte, hat die Errichtung einer Fabrik von Perlmutter-Arbeiten veranlasst. Bisher wurden diese Arbeiten nur von Christen in Bethlehem gemacht.  
Ein Antwerpener Zionist errichtet hier eine Diamantenschleiferei und wird damit einigen Dutzend Juden Arbeit geben."      

 
Spende von Oskar Salomon Straus (1916)  

Otterberg FrfIsrFambl 28071916.jpg (19597 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "New York. Oskar S. Straus spendete dem Clara de  Hirsch-Heim für weibliche Einwanderer zur Errichtung eines zweiten Gebäudes 150.000 Dollar."    

    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. März 1919: "'Jewish Chronicle' meldet: 'Aus den letzten Berichten geht deutlich hervor, dass die in New York für den jüdischen Kriegsunterstützungsfonds ausgeschriebene Spende von 5 Millionen Dollar überzeichnet werden wird. Den größten Einzelbeitrag steuerte Mr. Nathan Strauß in Höhe von 200.000 Dollar bei. Mr. Jacob H. Schiff und Mr. Felix M. Warburg (statt Warburger) gaben je 100.000 Dollar. Viele der ganz bedeutenden Beträge kamen von nichtjüdischen Häusern und Persönlichkeiten."           

 
Weitere Spenden für das Institut in Karlsruhe (1922) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12.1.1922: "Karlsruhe, 4. Dezember (1922): Der wegen seiner hochherzigen Spenden mehrfach genannte Philanthrop Nathan Straus in New York hat von Prof. Lust, dem Leiter des Kinderkrankenhauses in Karlsruhe, die Nachricht erhalten, dass die von Herrn Straus im Jahre 1907 in Karlsruhe errichtete Milchküche wegen Mangels an Mitteln geschlossen werden müsse. Herr Straus hat nun an W.T.B. 200.000 Mark überwiesen, die zur Hälfte für Karlsruhe, zur anderen Hälfte für die ebenfalls von ihm eingerichtete Milchküche der Frau Gothein-Roemers in Eberswalde bestimmt sind." 

    
74. Geburtstag von Nathan Straus (1922)  

Otterberg Israelit 03031922.jpg (48577 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1922: "Aus New York meldet die 'J.P.Z': Am 30. Januar feierte der bekannte jüdische Philanthrop Nathan Straus seinen 74. Geburtstag. In einer von ihm herausgegebenen Erklärung bedauert Straus, lange nicht so reich zu sein, wie man von ihm behauptet; er würde sich sonst schämen, nicht noch mehr Wohltätigkeit zu üben, als er es tue. Er gebe weit über seine Kräfte und würde sich schämen, für sich denselben Maßstab zu beanspruchen wie zu zahlreiche andere reiche Juden."
  
Otterberg FrfIsrFambl 23021922.jpg (23364 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1922: "Nathan Straus feierte seinen 74. Geburtstag. In einem Brief bedauert Straus, lange nicht so reich zu sein, wie man von ihm behauptet; er würde sich sonst schämen, nicht noch mehr Wohltätigkeit zu üben, als er es tue."  

      
80. Geburtstag von Nathan Strauß (1928) 

Otterberg Israelit 09021928.jpg (29616 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Anlässlich seiner achtzigsten Geburtstages, über den wir bereits berichteten, machte Nathan Straus weitgehende Stiftungen für alle jüdischen Wohltätigkeitszwecke, auch für den Aufbau in Palästina."   

  
Zum Tod von Nathan Straus (1931)     

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 14. Januar 1931:  "Nathan Straus. Im hohen Alter von 83 Jahren verstarb am Montag, dem 11. Januar, in New York Herr Nathan Straus, der große jüdische Philanthrop und Menschenfreund. In der amerikanischen Judenheit ist die Trauer um Nathan Straus, auf den sie stolz war, groß. Nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt hatte der Verstorbene, dessen menschenfreundlichem Wirken die Abwendung von viel Unglück zu verdanken ist, und dessen Kinderschutzanstalten und Anstalten für Milch-Pasteurisierung, die er in zahlreichen Ländern gegründet hat, Tausenden von Kindern das Leben gerettet haben, einen großen Namen.  
Nathan Straus wurde im Jahre 1848 in Otterberg (Rheinpfalz) geboren, 1854 wanderten seine Eltern mit ihm aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten aus. Im Jahre 1872 trat er in die Import-Firma seines Vaters L. Straus & Sons ein und wurde dann Teilhaber des New Yorker Warenhauses R. H. Macy & Co. sowie des Brooklyner Warenhauses Abraham & Straus. In der demokratischen Partei New Yorks spielte er von je eine führende Rolle. 1898 wurde er Präsident des New Yorker 'Board of Health'. Von dieser Zeit an begann seine weltumfassende gesundheitliche und philanthropische Tätigkeit. Er schuf insbesondere nicht nur in den Vereinigten Staaten, die er 1911 bei dem Berliner Internationalen Kongress zum Schutze der Kinder und 1912 beim Tuberkulose-Kongress in Rom offiziell vertreten hat, sondern auch in zahlreichen europäischen Ländern Stationen zur Verteilung von pasteurisierter Milch.  
Noch vor dem Weltkriege schloss sich Nathan Straus der zionistischen Bewegung an. Im Jahre 1912 gründete er in Jerusalem Suppenküchen sowie ein Health-Büro, das mit dem jüdischen Pasteur-Institut und dem deutschen Malaria-Institut zu einem Institut in Jerusalem vereinigt wurde. Während des Krieges, im Jahre 1915, entsandte er ein Lebensmittelschiff nach Palästina und brachte dadurch der hungernden jüdischen Bevölkerung dieses Landes Hilfe. Er spendete alljährlich größere Summen für jüdische, zionistische, und allgemeine philanthropische Zwecke. Mehrere Male wurde er zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas gewählt. In den Jahren 1920 bis 1922 war er Präsident des American Jewish Congress.  
Vor einigen Jahren gründete er in Jerusalem das große 'Gesundheits-Zentrum', welches Abzweigungen in mehreren Orten Palästinas hat. Zur Erhaltung dieser Institution, die Angehörigen aller Konfessionen offen steht, spendete er eine große Geldsumme. 1929 ließ er für das Institut ein großes Gebäude in Jerusalem aufführen. Das Gesundheitszentrum trägt seinen und seiner Gattin, Lina Gutherz-Straus, Namen. Lina Gutherz-Straus verstarb im Jahre 1930. Sie stand ihrem Manne in allen seinen philanthropischen Werken zur Seite, war in der amerikanischen Organisation jüdischer Frauen und Mädchen 'Hadassah' anführender Stelle tätig und hat die Institution er Hadassah ungemein gefördert.  
Nathan Straus war Ehrenbürger der Stadt New York.  
Die gesamte amerikanische Presse würdig an leitender Stelle die Persönlichkeit und das weltumfassende humanitäre Wirken des Verstorbenen. Die bedeutendsten Vertreter der jüdischen und christlichen Öffentlichkeit Amerikas, Mitglieder der Regierung und Führer fast aller großen Organisationen haben den Hinterbliebenen ihr Beileid zum Ausdruck gebracht.  
Das Kondolenzschreiben des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, lautet u.a.: Durch den Tod von Nathan Straus ist unserem nationalen Leben eine verehrungswürdige Gestalt entrissen worden, deren Verlust schmerzlich empfunden wird; ein Führer der Judenheit, dessen Vision von hilfsbereitet Menschenfreundlichkeit über alle nationalen und konfessionellen Grenzen hinausging; ein Philanthrop, dessen Wohltaten, insbesondere die für die Kinder, bis in die ferne Zukunft weiter wirken werden."     

  
  
Fotos zur Geschichte der Familie Straus
 
(Quelle: die mit *) bezeichneten Fotos: Straus Historical Society)      

Otterberg Brueder Straus.jpg (38957 Byte) Otterberg Oskar Straus.jpg (44307 Byte) Otterberg OskarSStraus.jpg (39494 Byte)
Die Brüder Nathan, Oscar und 
Isidor Straus 1909 *
Oscar Salomon Straus 
(vor 1900) *
Oscar Salomon Straus 
um 1920 *
     
Otterberg Straus Haus.jpg (103897 Byte) Otterberg Strauss 01.jpg (25209 Byte) Otterberg Strauss 02.jpg (44071 Byte)
Das Haus der Familie Straus in Otterberg
 (historische Aufnahme) *
Nathan Strauss 
(Foto vor 1912)
Nathan Strauss, 
Zeichnung, Quelle 
        
  Jerusalem Strassenschild Strauss 01.jpg (78867 Byte)  
  Jerusalem: Straßenschild: Nathan Straus
 Street (Foto erhalten von Michael Hornung,
 Aufnahme vom Juni 2008)
 

    
    
Seit September 2006 an der Stadthalle in Otterberg: Denkmal für Oskar Salomon Straus   

Otterberg PT 05.jpg (157529 Byte)Artikel aus dem Stadt- und Landkurier vom 21. September 2006:  "Denkmal für Oskar Salomon Straus: Otterberg. In einer Feierstunde zu Ehren des in Otterberg geborenen Oskar Salomon Straus, der u.a. als Minister in der Regierung Theodore Roosevelt war, wurde am Freitag, den 16. September in Anwesenheit der über 20 angereisten Nachkommen aus Amerika ein Denkmal an der Stadthalle enthüllt. Grußworte richtete Landrat Rolf Künne und Bürgermeister Ulrich Wasser sowie Roland Paul an die Straus Nachkommen und an die Mitglieder des Stadtrates sowie an die Bürger von Otterberg. Oskar Salomon Straus war einer der bekanntesten Söhne Otterbergs. 1850 in der Wallonenstadt geboren, wanderte bereits im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Amerika aus und macht später eine glänzende Karriere. Dr. Hans Steinebrei erklärte in seiner Ansprache, wie es zu dieser Verbindung kam. 'Als Heimatforscher setzte ich mich mit der deutschen Botschaft in Washington in Verbindung, welche mir entsprechende Informationen lieferte. Bei einer USA-Reise konnte ich sehr viel über Oskar Salomon Straus finden. 1977 besuchte Robert K. Straus, der Historiker der Straus Familie Otterberg. Seit dieser Zeit besteht eine stetige Korrespondenz mit ihm und der gebildeten Straus Historical Society und der Sekretärin Mrs. Joan Adler. Roland Paul vom Bezirksverband der Pfalz und ich besuchten Bürgermeister Ulrich Wasser und unterbreiteten ihm den Vorschlag für ein Denkmal. Wasser war sehr aufgeschlossen und auch der Stadtrat. Der Bürgermeister wählte diesen Platz für den Steinfindling neben der Stadthalle. Ich bedanke mich bei Bürgermeister Wasser und dem Stadtrat, dass dieser Platz mit dem Denkmal geschaffen werden konnte.' Der Gedenkstein neben der Stadthalle hat folgenden Text: Oskar Salomon Straus, geb. 1850 in Otterberg, gestorben 1926 in New York, ausgewandert mit seiner Familie nach USA. Jura-Studium von 1887-1889 und 1898-1899. Gesandter in der Türkei. 1906-1909 Minister für Handel und Arbeit, erstes jüdisches Mitglied in einem US-Kabinett. Minister internationaler Organisatoren von Präsidenten, Autor und Großkaufmann. Seine Brüder Isidor und Nathan erwarben sich als Kaufleute ('Macy') und Wohltäter ebenfalls bleibende Verdienste. Oskar Salomon Straus III., Urenkel der Auswanderers und Vorstandsmitglied der 'Straus Historical Society' dankte der Stadt Otterberg für die Ehrung der Familie. Er habe die Verbindung zur Heimat seines Urgroßvaters nie verloren. 'Wir sind zwar Tausende Meilen entfernt, doch mit unseren Gedanken immer hier. Wir sind heute zu den Wurzeln unserer Familie zurückgekehrt."

Untertexte zu den Fotos auf dem Presseartikel: oberes Foto: "Denkmal Straus nach Enthüllung v.l.n.r. Dr. Hans Steinebrei, Bürgermeister Ulrich Wasser, Oskar Salomon Straus III. und Landrat Rolf Künne."
unteres Foto: "Familienmitglieder der Fam. Straus vor dem Gedenkstein".

           

Sonstiges:  Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten des in Otterberg
 geborenen Jakob Deutsch
 
 Otterberg KK MZ Deutsch Jakob.jpg (89747 Byte)    
   Kennkarte (Mainz 1939) für Jakob Deutsch (geb. 3. April 1863 in Otterberg), Kaufmann    

          
          
          
Zur Geschichte der Synagoge                 
   
1817 wird erstmals ein Betsaal genannt, über den jedoch nichts Weiteres bekannt ist. Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder in den 1820er-Jahren stark zunahm, plante man den Bau einer neuen Synagoge. 1831 wurde von jüdischen Gemeindemitgliedern ein Haus in der Hintergasse (heute Kirchstraße) gekauft, um dieses zu einer Synagoge mit Lehrerwohnung umzubauen. 1838 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Einer der besonderen Höhepunkt in der Geschichte der jüdischen Gemeinde war der Besuch des bayrischen Königs (Ludwig I.) 1843 in der Otterberger Synagoge. Dazu berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" am 3. Juli 1843:

Otterberg Israelit 03071843s.jpg (55472 Byte)Otterberg (Pfalz), 18. Juni (1843). Bei der Anwesenheit Seiner Majestät des Königs von Bayern am 13. Juni (1843) allhier, begab sich dieser Monarch nach beendigtem Gottesdienste in der katholischen Kirche in unsere vor fünf Jahren von der hiesigen, aus fünfzehn Mitgliedern bestehenden Gemeinde erbaute Synagoge, erkundigte sich nach der Zahl und dem Wohlstande der Gemeindemitglieder bei dem israelitischen Lehrer E. Mandel, gab seinen Wohlgefallen zu erkennen, und fügte hinzu: "Das Alte Testament haben auch wir, und noch das neue." Die israelitische Gemeinde  fühlte sich durch die Aufmerksamkeit Seiner Majestät höchst beglückt.

1847 wurde die Synagoge umgebaut. Von der Architektur her war es eine einfache Dorfsynagoge. Äußerlich fielen die Rundbogenfenster und über dem Eingang eine hebräische Portalinschrift auf (Zitat aus Psalm 118,20). Für die Frauen gab es eine Empore mit separatem Zugang.      
    
Nach dem Wegzug beziehungsweise der Auswanderung der meisten jüdischen Familien wurde das Synagogengebäude nach 1880 verkauft. Damals muss es sich in einem desolaten Zustand befunden haben. 1902 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Als solches ist es erhalten. Beim Umbau zum Wohnhaus wurden die Rundbogenfenster geschlossen und verputzt. Erst im Zusammenhang mit einer Renovierung des Gebäudes im Jahr 2002 wurden an der Nordseite die Rundbogenfenster wieder sichtbar gemacht.        
       
       
Adresse/Standort der SynagogeKirchstraße 19a.    
       

       
Fotos zur Geschichte der Synagoge 
(links: O. Weber s. Lit. S. 141, Foto von B. Gerlach; rechts: Landesamt s. Lit. S. 309) 

Otterberg Synagoge 010.jpg (88190 Byte) Otterberg Synagoge 011.jpg (52194 Byte)   
Die ehemalige Synagoge in Otterberg 
mit den seit 2002 wieder 
freigelegten Rundbogenfenstern
Portalinschrift (Psalm 118,20): "Dies ist 
das Tor zum Herrn, Gerechte ziehen 
durch es hinein"
  

   
      

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Otterberg  
Website der Stadt Netanja / Israel (hebräisch)
Englische Website der Stadt Netanja
Artikel bei wikipedia zu Isidor Strauss   
Englische Seite zu Nathan Strauss "Jewish Heroes in America"   
Website der "Straus Historical Society" 

Literatur:   

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 133-134.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 309 (mit weiteren Literaturangaben).

    

                   
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Stand: 19. Mai 2015