Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Massenbachhausen (Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletEinzelne Presseberichte   
bulletLinks und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Neipperg (Herrschaft Schwaigern) gehörenden Massenbachhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1865, zu der seit 1832 eine Zeitlang die Juden aus Massenbach und Bonfeld gehörten. Die Entstehung der Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1684/85 Juden am Ort genannt (Jud Berlein, 1686/87 Berlein und David, 1687/88 Berlein, Löw und Moses). 1737 waren sieben, 1796/1800 sechs jüdische Familien am Ort. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1806 42 jüdische Einwohner, 1822 34, 1826 46, 1838 Höchstzahl von 58 Personen, 1846 54, 1858 46, 1864 18, 1871 8, 1880 8, 1890 9, 1900 8. Demnach ging in der zweiten Hälfte ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung schnell zurück.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden in den jüdischen Friedhöfen in Heinsheim und Waibstadt, nach 1819 auch in Eppingen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1709 wird als Vorsänger und Schulmeister eine "Rebe" (Rabbi) Marum genannt, 1769 Rabbi Abraham. Die Gemeinde gehörte seit 1832 zum Bezirksrabbinat Lehrensteinsfeld
    
Bei der Annahme erblicher Familiennamen 1828 wurden folgende Namen gewählt: Dreifuß, Ettlinger, Meckesheimer, Meinhold, Wertheimer und Wollenberger. Die jüdischen Familien lebten damals (1828) überwiegend vom Vieh- und Fruchthandel, dazu gab es zwei jüdische Metzger, zwei hatten neben dem Handel eine Branntweinbrennerei. Ende des 19. Jahrhundert richtete der aus Berwangen stammende Kaufmann Bernhard Hochherr eine Zigarrenfabrikation in Maschenbachhausen ein. Hochherr selbst wohnte seit 1908 in Heilbronn.

Nach Auflösung der Gemeinde wurden die hier noch lebenden Juden der Synagogengemeinde in Massenbach zugeteilt. 1926 verstarb die letzte jüdische Einwohnerin in Massenbachhausen (Karoline Dreyfuß geb. Wollenberger).
 
Von den in Massenbachhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Leopold Dreifuss (1884), Bernhard Hochherr (der oben genannte Zigarrenfabrikant, 1870). 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Massenbachhausen gefunden.   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge             
   
Eine Synagoge - vermutlich ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus - wird erstmals 1736 genannt. Für das "synagogische exercitium" hatte die jüdische Gemeinde der Ortsherrschaft sechs Gulden jährlich zu bezahlen. Auch in einem Bericht vom März 1807 ist von einer Synagoge in Massenbachhausen die Rede. 
   
1826/27 wurde von der israelitischen Gemeinde eine neue Synagoge mit Betsaal, Schule und Lehrer-/Vorsängerwohnung erbaut. Als 1828 die jüdischen Gemeinden in Württemberg neu eingeteilt werden sollten, wurde Massenbachhausen auf Grund dieser neu erstellten Synagoge zum Sitz einer vereinigten Gemeinde der Judenschaften von Massenbachhausen, Massenbach und Bonfeld. Den Behörden war das Argument wichtig, dass die neue Synagoge in Massenbachhausen "in mehreren Jahren keine Reparatur nötig habe". In Massenbach und Bonfeld konnten jedoch weiter Filialgottesdienste abgehalten werden. Auf Grund der Abwanderung der Juden aus Massenbachhausen wurde seit den 1860er-Jahren jedoch Massenbach zum Sitz der Hauptgemeinde. Die Synagoge in Massenbachhausen wurde bis 1865 als solche genutzt, dann geschlossen, 1872 verkauft und zu einem Wohnhaus mit Scheune umgebaut. Beim Umbau wurden zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen: Wände wurden versetzt, eine Zwischendecke eingezogen, eine Stalltüre eingebrochen usw. 
  
Für die kirchliche Gemeinde Massenbachhausen hat das Synagogengebäude dadurch besonderen Erinnerungswert, da in ihm 1876 Josef Wickenhäuser zur Welt kam, später Franziskaner in Düsseldorf (genannt das "Herrgottsbrüderle von Düsseldorf", gest. 1939). Wickenhäuser wurde 1998 vom Papst zum verehrungswürdigen Bruder Firminus ernannt.  
  
Das Synagogengebäude kam in den 1990er-Jahren in den Besitz der Gemeinde Massenbachhausen. Im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart (Ref. 25 Denkmalpflege) erfolgte im Juni 2007 eine bauhistorische Untersuchung. Ziel der Untersuchung war es, Aufschluss über das ursprüngliche Aussehen der Synagoge zu gewinnen sowie die späteren Veränderungen zu dokumentieren. Ergebnisse der Untersuchung waren u.a.: die ehemalige Synagoge bestand aus einem großen Saal mit Toraschrein und großzügigen hellen Fenstern in der Ostwand. Sie war beheizbar über einen Ofen, der eventuell gleichzeitig als Kochstelle der Lehrer- und Vorsängerwohnung im westlichen Erdgeschossbereich diente. Über der kleinen Wohneinheit, die vermutlich aus Küche und Kammer bestand, könnte die Frauenempore gewesen sein. 
  
Eine Restaurierung des Gebäudes wurde 2009/2010 durchgeführt. Die Einweihung des restaurierten Gebäudes war am 1. August 2010. Zur Nutzung des Gebäudes (vor allem "Firminushaus" genannt) siehe Presseartikel unten.        
   
   
Adresse / Standort der Synagoge: Gartenstraße 3   
   
   
Fotos 
Historische Fotos/Pläne:  
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932).

Massenbachhausen Synagoge 001.jpg (88656 Byte) Massenbachhausen Synagoge 002.jpg (48335 Byte)
Die ehemalige Synagoge um 1930, als sie bereits fast 60 Jahre als Wohnhaus gedient hatte. 
Über der Eingangstür ist als hebräische Inschrift zu lesen (aus 5. Mose 28,6): 
"Gesegnet bist du bei deinem Eingang und bei deinem Ausgang".

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 15.9.2003)
Massenbachhausen Synagoge 150.jpg (63639 Byte) Massenbachhausen Synagoge 151.jpg (78464 Byte)
   Zustand des ehemaligen
 Synagogengebäudes 
Blick von 
Südwesten
     
  Massenbachhausen Synagoge 152.jpg (65332 Byte) Massenbachhausen Synagoge 153.jpg (55357 Byte)
  Blick von 
Nordwesten 
Eingangstüre des schon lange 
unbewohnten Gebäudes 
     
Ergebnis der bauhistorischen
 Untersuchung im Juni 2007

(Quelle: Website strebewerk
Massenbachhausen Syn2007a.jpg (63014 Byte)   Massenbachhausen Syn 2007b.jpg (80928 Byte)
   Die Karte zeigt vor allem zwei Bauphasen:
blau: Phase I um 1826/27, 
grün Phase II um 1872 
   Die ehemalige Synagoge 
vor Beginn der 
Restaurierungsarbeiten 
      
 Renovierung und Umbau des
ehemaligen Synagogengebäudes (2009)
(Quelle: wikimedia commons)
 Massenbachhausen Synagoge 2009.jpg (187038 Byte) Massenbachhausen Syn 2010.jpg (98574 Byte)  
     Nach Abschluss der Renovierung 
im Herbst 2009

   
   
Einzelne Presseberichte  

November 2009: Die Sanierung der ehemaligen Synagoge ist abgeschlossen    
Artikel in der "Heilbronner Stimme" vom 3. November 2009 (Artikel): "Firminushaus saniert. 
Massenbachhausen
- Das Firminushaus in Massenbachhausen steht kurz vor der Vollendung. Eine Truppe Ehrenamtlicher hat das Haus umgebaut, über dessen Abriss bereits nachgedacht worden war. Der Förderverein Denk-Mal setzte alles daran, das Geburtshaus von Bruder Firminus, das auch mal Synagoge war, zu erhalten. Papst Johannes Paul II. hatte den 1876 in Massenbachhausen geborenen, späteren Franziskanermönch mit weltlichem Namen Josef Wickenhäuser 1998 wegen seines menschlichen und geistlichen Wirkens zum "Verehrungswürdigen Diener Gottes" ernannt. Daher setzte sich auch das Bruder-Firminus-Werk in Düsseldorf für den Erhalt des Gebäudes ein. 200 000 Euro kostete die Sanierung trotzt vieler freiwilliger Stunden. Ein Großteil, auch Material, ist über Spenden finanziert, einen Teil schießt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg zu, ein Teil rechnet die Gemeinde über das Landessanierungsprogramm ab. Im Frühjahr 2010 soll das Haus eingeweiht werden." 
 
August 2010: Das restaurierte ehemalige Synagogengebäude wird eingeweiht   
Artikel in der "Heilbronner Stimme" vom 28. Juli 2010 (Artikel): "Firminushaus wird am Sonntag eingeweiht. 
Massenbachhausen
- Seit Mai 2007 wurde am Massenbachhausener Firminushaus geschuftet und gewerkelt. Am kommenden Sonntag, 1. August, wird es eingeweiht. Unter der Regie von Horst Baumgärtner haben zahlreiche Helfer das damals baufällige Geburtshaus von Bruder Firminus Wickenhäuser zum Schmuckstück umgebaut. Insgesamt wurden dabei rund 4000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet."
Interview mit Bürgermeister Christoph Schulz: "4000 ehrenamtliche Stunden für ein Schmuckstück.   
Seit Mai 2007 wurde am Massenbachhausener Firminushaus geschuftet und gewerkelt. Am kommenden Sonntag, 1. August, wird es eingeweiht. Unter der Regie von Horst Baumgärtner haben zahlreiche Helfer das damals baufällige Geburtshaus von Bruder Firminus Wickenhäuser zum Schmuckstück umgebaut. Gabi Muth sprach mit Bürgermeister Christoph Schulz über die außergewöhnliche Aktion.  
Wie viele Stunden haben die Helfer eingebracht und wie groß war die Spendenbereitschaft?
Christoph Schulz: Insgesamt wurden rund 4000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Es sind Spenden von sage und schreibe über 83 000 Euro eingegangen.
Was sagen Sie zu dem Engagement der fleißigen Truppe − hätten Sie das vor drei Jahren gedacht, als mit den Arbeiten begonnen wurde?
Christoph Schulz: Das Engagement ist sicherlich über alle Maßen bemerkenswert. Gerade bei der Sanierung alter Gebäude ist man vor Überraschungen schließlich nicht gefeit. In der Regel gehen solche Überraschungen leider auch immer mit deutlichen Mehrkosten und einer Verlängerung der Bauzeit einher. Dass die Männer trotzdem bis zum Schluss bei der Stange geblieben sind, ist sicher dem unvorstellbaren Engagement von Horst Baumgärtner zu verdanken, der sich zu keiner Zeit von der Vollendung des Werkes abbringen ließ.
Am Sonntag ist Einweihung. Wie soll das Haus mit Leben gefüllt werden?
Christoph Schulz: Im Erdgeschoss befinden sich ein Andachts- und ein Ausstellungsraum, der natürlich dem dort Geborenen gewidmet wird. Künftig sollen Lesungen, Ausstellungen und interessante Vorträge stattfinden. Im Obergeschoss des Gebäudes befinden sich eine Küche, ein Esszimmer und eine Stube, im Dachgeschoss zwei Zimmer mit je zwei Betten und einer Dusche. Diese Übernachtungsmöglichkeiten können als Ferienwohnungen gebucht werden. Der Service steht allen offen, die beispielsweise im Rahmen von Familienfeiern oder als Radfahrer eine Unterkunft suchen. Was mich in dem Zusammenhang ganz besonders freut − und die Dauernörgler vielleicht oder hoffentlich ärgert − ist, dass derzeit beide Zimmer für mehrere Wochen ausgebucht sind. Buchen kann man das Firminushaus über firminus@massenbachhausen.de.
Bleibt das Haus im Besitz der Gemeinde oder wird es an den Förderverein Denkmal übergehen?
Christoph Schulz: Die Gemeinde wird immer Eigentümer bleiben. Da ich die Annahme vertrete, dass an einen Verein honoriger gespendet wird, war vorgesehen, das Firminushaus symbolisch im Rahmen der Einweihung an den Verein zu übergeben. Hierzu bedarf es einer Satzungsänderung, die für die Sitzung im Herbst vorgesehen ist."   
  
Artikel von Stefanie Pfäffle in der "Heilbronner Stimme" vom 3. August 2010 (Artikel): "Kleinod mit Hühnerschlupf. 
Massenbachhausen -
Nur 35 000 Euro, das sollte alles sein, was zur Renovierung des Geburtshauses von Firminus Wickenhäuser, Franziskanermönch und Bildhauer, noch fehlte. "Und da fiel im Rahmen einer Sitzung des Fördervereins Denk-Mal diese unvorstellbare und im ersten Moment sicher gar nicht greifbare Aussage von Horst Baumgärtner", erinnert sich Massenbachhausens Bürgermeister Christoph Schulz und zitiert: "Also daran kann es nicht scheitern. Ich werde umsonst arbeiten und örtliche Handwerker und Freunde finden, die mir helfen." Und er hat sie gefunden. Am vergangenen Sonntag feierte der Ort mit einem kleinen Fest die Einweihung des Firminushauses.
Zwischen den beiden Ereignissen liegen allerdings drei Jahre und 4000 Arbeitsstunden von 46 ehrenamtlichen Helfern. Bei einer 40-Stunden-Woche wären das fast zwei Jahre, und das nur für ein Dankeschön. "Da fehlen nicht nur mir die Worte", betont Schulz.
Vermodertes Holz Einsturzgefährdet war das alte Haus schon lange. Auf Bildern im Innern ist Architekt Hans-Peter Weinreich zu sehen, wie er fast ungläubig auf die vermoderten Balken der Zwischendecke blickt. Jahrelang hatte Nässe von oben und unten ihr Werk getan. Bausubstanz musste in Ordnung gebracht, vermodertes Holz ergänzt werden. Einfach rausreißen ging nicht, denn schließlich steht das 1736 erstmals urkundlich erwähnte Haus − eine ehemalige Synagoge − unter Denkmalschutz. Historisch Wertvolles wie ein Balken, der auf den Toraschrein der Synagoge hinweist, wurde erhalten. "Schön sind so kleine Details wie der Hühnerschlupf in der alten Treppe", findet Weinreich.
30 Gewerke waren insgesamt beteiligt, 17 davon konnten in Eigenleistung bewältigt werden. Horst Baumgärtner erinnert sich an zwei besonders schwierige Abschnitte. Die Grundmauern hatten kein Fundament, also mussten die Helfer einen Meter Erde abtragen, einen Meter stehen lassen und so weiter. Die Löcher wurden mit Beton gefüllt und dann noch mal umgekehrt. "Da dachten viele, die schaffen und schaffen und man sieht nichts."
Schulz freut sich sichtlich über das neue Kleinod seiner Gemeinde. "Als ich vor 16 Jahren im Wahlkampf unterwegs war, wurde mir beim Anblick des baufälligen Hauses entgegnet, da könnte man mal eine Feuerwehrübung machen." Jetzt hat sich viel getan. Das Haus bekam nicht nur ein Fundament, sondern auch Dachgauben, Duschen, einen Andachtsraum, einen Ausstellungsraum sowie ein zusätzliches Zimmer im Dachgeschoss.
Gästezimmer Zu Beginn beherbergt der Ausstellungsraum Informationen und Bilder über Bruder Firminus. Es soll aber auch andere Themen, Lesungen und Vorträge geben. Die beiden Gästezimmer sind bereits auf Wochen ausgebucht. Eine Dame aus Dresden hatte das Firminushaus im Internet gefunden und für zehn Wochen gebucht. "Sie hat aus ihrem Hotel noch einen anderen Gast abgeworben, der voraussichtlich mehrere Monate bleiben wird", erzählt der Bürgermeister bei der Eröffnung. 
Das ist auch gut so, denn noch ist das Projekt nicht komplett finanziert. Die geschätzten 150 000 Euro Baukosten stiegen auf 230 000 Euro. 180 000 Euro sind durch das Land und durch Spenden (mehr als 83 000 Euro) abgedeckt. Der Förderverein wird etwa durch den Verkauf von Firminuströpfle und Firminuswein weiter Geld sammeln." 
    
Juni 2019: Forschungen zur Geschichte der Zigarrenfabrik von Bernhard Hochherr  
Anmerkung: Im Gebäude Sinsheimer Straße 18 eröffnete Bernhard Hochherr 1898 eine seiner ersten Zigarrenfabriken. Durch ihn fanden rund hundert Menschen am Ort Beschäftigung. Heute ist das Haus das Asylbewerberwohnheim. 
Artikel von Gabi Muth in der "Heilbronner Stimme" vom 7. Juni 2019: "In diesem Haus im Leintal wurden einst Tabakblätter gewickelt
Massenbachhausen
. 1898 gründete Bernhard Hochherr in Massenbachhausen eine Zigarrenfabrik, die 100 Menschen Arbeit gab. In der NS-Zeit wurde der jüdische Unternehmer enteignet und ins KZ gesteckt. In Heilbronn werden nun Stolpersteine für ihn und seine Tochter verlegt.
Ein unbändiger Unternehmergeist zeichnete ihn aus. Er war innovativ und zeigte bereits Ende des 19. Jahrhunderts seinen Arbeitnehmern gegenüber soziale Verantwortung: Bernhard Hochherr eröffnete 1898 in Massenbachhausen die ersten beiden Standorte einer florierenden Zigarrenfabrik. Er expandierte und gründete mehrere Produktionsstätten. 1937 lag der Umsatz bei stolzen 2,4 Millionen Reichsmark, was heute etwa 9,8 Millionen Euro entspricht. Während der Zeit des Nationalsozialismus verlor Bernhard Hochherr alles, starb am Ende als 71-Jähriger im Konzentrationslager Theresienstadt. Am Montag, 1. Juli, werden für ihn und seine Tochter Grete in Heilbronn zwei Stolpersteine verlegt.
Biografie über den Unternehmer verfasst. Das Gebäude in der Sinsheimer Straße 18 ist jedem in Massenbachhausen bekannt. Viele Jahre dienten die Räumlichkeiten als Kindergarten und als Jugendhaus. Heute beherbergt es Asylbewerber. Doch kaum einer kennt die Historie des Hauses. Karl-Heinz Vetter, der für den Förderverein Denkmal das Ortsfamilienbuch erstellt hat, hat über den Unternehmer Hochherr eine interessante Biografie verfasst. 1870 wurde Bernhard Hochherr als Sohn jüdischer Eltern in Berwangen geboren. Die Gabe, ein guter Geschäftsmann zu sein, bekam er wohl in die Wiege gelegt. Denn bereits der Vater war Handelsmann. Mit 28 Jahren wagte Bernhard Hochherr den Schritt in die Selbstständigkeit, zog nach Massenbachhausen und eröffnete in der Sinsheimer Straße 18 und der Fürfelder Straße 39 seine ersten Produktionsstätten. 'Die Zigarrenindustrie war aufstrebend, im ausgehenden 19. Jahrhundert hat die Zigarrenproduktion einen richtigen Boom erfahren', weiß Karl-Heinz Vetter.
Eine Krankenkasse für die Mitarbeiter. 1900 heiratete Hochherr seine Frau Maria, ein Jahr später kam Tochter Ilka zur Welt. Bereits 1905 beschäftigte der Geschäftsmann in Massenbachhausen 98 Männer und Frauen - und gründete eine Fabrikkrankenkasse, der alle Beschäftigten angehörten und aus der sie im Krankheitsfall einen Obolus erhielten. Das Zigarrengeschäft florierte. Bald wurden auch in Fürfeld, in Rot, in Rettigheim, in Eichelberg und in Walldorf Tabakblätter gewickelt und in Heidelberg ein neuer Verwaltungssitz errichtet. Dabei war die Zigarrenherstellung eine kleine Kunst. Denn die auf große Ballen aufgerollten getrockneten Blätter mussten zunächst für einige Tage in die Anfeuchtkammer. Dort wurden sie weich und geschmeidig. Es folgte das Ausrippen, das ist das Schneiden der Blätter vom Stängel. Anschließend wurden sie walzenförmig aufgewickelt und in Formbrettern getrocknet.
Stumpen für die kleinen Leute. 'Die Zigarre war teuer. Sie wurde von der Mittel- und der Oberschicht geraucht', erzählt Karl-Heinz Vetter. Für den kleinen Mann stellte Bernhard Hochherr deshalb aus den Resten der Tabakblätter den so genannten Stumpen her. 1908 zog er nach Heilbronn, 1909 wurde dort die zweite Tochter Hilda geboren. Im selben Jahr verstarb seine Frau Maria - für Hochherr ein schwerer Schicksalsschlag. Er nahm zur Unterstützung seine Brüder Simon und Ferdinand mit in die Geschäftsleitung, zog sich selbst aus dem Unternehmen zurück und gründete 1911 die 'Bernhard Hochherr & Co. GmbH' in Walldorf. Die Tochter des letzten jüdischen Lehrers in Massenbachhausen, Ida Reis, wurde Bernhard Hochherrs zweite Ehefrau. Aus dieser Beziehung stammt Tochter Grete. Sie emigrierte 1938 nach Port Elizabeth, ihre älteren Halbschwestern in die USA. Im Zuge der Arisierung enteigneten die Nationalsozialisten Bernhard Hochherr. Die Firma, seine Grundstücke und sein Vermögen fielen in die Hände des damaligen Regimes. Am 22. August 1942 wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 31. August starb.
Nachfahren kommen zur Stolpersteinaktion. Die Geschichte des Unternehmers Bernhard Hochherr hat Karl-Heinz Vetter dazu bewogen, ihn und seine Tochter Grete für die Stolpersteinaktion in Heilbronn vorzuschlagen. Sein Anliegen hatte beim Runden Tisch Erfolg. Am Montag, 1. Juli, findet in der Käthchenstadt die Verlegung von insgesamt 17 Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig statt. Zwei davon sind Bernhard Hochherr und seiner Tochter Grete gewidmet. Karl-Heinz Vetter ist es gelungen, 17 Nachfahren von Bernhard Hochherr ausfindig zu machen, die für dieses denkwürdige Ereignis aus den Niederlanden, aus Italien, Südafrika, Kanada und den USA anreisen. Am Sonntag, 30. Juni, besuchen die Gäste um 13 Uhr die beiden ehemaligen Fabrikstandorte in Massenbachhausen und verweilen bei Kaffee und Kuchen im örtlichen Firminushaus."  
Link zum Artikel   
Siehe auch Artikel von Gabi Muth in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 24. Juni 2019: "Das ist die bewegte Geschichte der Zigarrenfabrik von Bernhard Hochherr"
Link zum Artikell  
 
Artikel von Brigitte Fritz-Kador in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom Juli 2019: "Massenbachhausen. Familie Hochherr ist ihrer Geschichte auf der Spur
18 Nachfahren des jüdischen Unternehmers kamen nach Deutschland, um sich und ihren Vorfahr kennenzulernen
Heilbronn. Zwischen Heilbronn, Heidelberg, Massenbachhausen und Berwangen spielte sich im letzten Jahrhundert eine besondere jüdische Familiengeschichte ab - heute setzt sie sich zwischen drei Kontinenten fort: Europa, hier die Länder Italien, England und Holland, Amerika, hier die USA und Kanada und Südafrika. Dank Karl-Heinz Vetter kam ein denkwürdiges Familientreffen zustande. Bei der Arbeit für das Ortsfamilienbuch des Massenbachhausener Fördervereins 'Denk-Mal' stieß er auf die Geschichte der Familie Hochherr. Gewiss konnte er damals noch nicht ahnen, welche Konsequenzen daraus erwachsen würden. Von ihr beeindruckt, begann er, sie in allen Details zu erforschen, in mühevoller Recherche nach Familienmitglieder zu suchen und alles zu dokumentieren. Am Ende haben er und Mitgliedern des Vereins die Reise, den Aufenthalt, das Programm für die Hochherr-Nachfahren und die Stolperstein-Verlegung für Bernhard Hochherr und seine Tochter Grete in Heilbronn organisiert, mit vielfältiger Unterstützung auch von außerhalb des Vereins, wie Vetter sagt.
Foto links: Bernhard Hochherr und seine Tochter Grete. 18 Nachfahren des jüdischen Zigarrenfabrikanten Bernhard Hochherr und seiner Brüder Simon und Ferdinand (von der 'Heidelberger Linie') sind gekommen. Dass sie von den Hochherrs abstammen, denen noch die Flucht aus Nazi-Deutschland gelang, wussten alle, viele sprechen auch noch gut Deutsch. Nicht aber, dass und wie viele Verwandte sie noch in anderen Ländern haben, welche Schicksale auch dahinter stehen. Das Smartphone wird fleißig genutzt, es werden Fotos gemacht von den Lebensstationen ihrer Vorfahren, Tonaufnahmen und Videos, auch von den Geschichten, die man sich untereinander zu erzählen hat, auf Deutsch oder auf Englisch. In Heilbronn haben sie einen Film gesehen, der auf dem Tagebuch der Flucht von Franz Joseph, verheiratet mit Erika, geborene Hochherr, einer Tochter von Ferdinand, beruht. Was Avital Toren sagt, unterstreichen auch einige aus der Gruppe: Es wurde nichts oder zu wenig von dieser fürchterlichen Zeit erzählt, ein nicht wieder gut zu machendes Versäumnis und vielleicht auch einer der Gründe dafür, an der Reise teilzunehmen. Avital Toren bestätigt auch den Eindruck, den man schon bei der ersten Begegnung gewinnt: Niemand von ihnen ist ablehnend, von Vorurteilen oder Vorbehalten geprägt, alle sind neugierig und aufgeschlossen. Nach dem Empfang im Amtszimmer von Oberbürgermeister Harry Mergel bedankte sich Paul Joseph und sagte: 'Wenn es die Jahre zwischen 1933 und 1945 nicht gegeben hätte, dann wären wir jetzt alle ihre Mitbürger.' Zuvor hatte Mergel von den Bemühungen der Stadt berichtet, von dem Unheil, an dem auch Heilbronner beteiligt waren und dem 'Tag der Schande', als bei der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 auch die Heilbronner Synagoge niederbrannte und dass dies unvergessen bleiben wird. Im Gedächtnis der Stadt werden nun auch Bernhard Hochherr und seine Tochter Grete bleiben, für die in der Frankfurter Straße 39 zwei Stolpersteine gelegt wurden. Auch der Künstler Gunter Demnig, der sie seit 1992 verlegt um den Opfern einen Namen zu geben - inzwischen sind es etwa 70.000 Steine - hat selten so viele ihrer Nachfahren bei diesem Anlass erlebt. Vor dem unscheinbaren Nachkriegsbau steht eine Staffelei mit zwei Familienbildern, darunter eine Vase mit gelben Rosen. Herbert Hess liest aus der Familienchronik von Vetter vor, Pfarrer Günter Spengler vom 'Runden Tisch Stolpersteine' in Heilbronn steht, bittet um eine Gedenkminute. Und dann gibt es diesen besonderen Moment, in dem Geschichte und Schicksal unmittelbar greifbar werden, als weitere Familienmitglieder vortreten und auch um ein Gedenken an ihre weiteren Verwandten und Opfer bitten. Die Gruppe besuchte auch den Jüdischen Friedhof in Heilbronn. An zwei Familiengräbern wird das Kaddisch, das jüdische Totengebet, für die hier Begrabenen gesprochen und auf die Grabsteine Marmorkiesel gelegt, dem jüdischen Brauch entsprechend. Das Mahnmal in der Mitte des Friedhofs, auf dem alle Namen der ermordeten Heilbronner Juden stehen, beeindruckt die kleine Gruppe zutiefst. Am Ende sagt Paul Joseph, der aus Holland kommt und mit seinen 81 Jahren zusammen mit Hesse zu den ältesten zählt, dass seine Familie dann, wenn dem gegenwärtigen Antisemitismus in Holland nicht Einhalt geboten werde, überlege, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hier habe man sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt. Seine Mutter aber habe es nicht fertig gebracht, nach dem Krieg noch einmal von Holland nach Deutschland zurückzukehren." 
Link zum Artikel  

    
     

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Gemeinde Massenbachhausen   
bulletDatenbank Bauforschung / Restaurierung der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg: Ehemalige Synagoge Massenbachhausen (auch als pdf-Datei eingestellt)
bulletWikipedia-Artikel zur Synagoge Massenbachhausen 
bulletWikipedia-Artikel zur Jüdischen Gemeinde Massenbachhausen              

Literatur:

bulletPaul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 126.
bulletWolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 160-163.
bulletGabi und Rolf Muth: Chronik der Gemeinde Massenbachhausen. Hg. Gemeinde Massenbachhausen. Weinsberg 1999, hierin Abschnitt von Eberhard Schnotz: "Juden in Massenbachhausen" S. 53-58.

  
      Massenbachhausen BrFirminius.jpg (27679 Byte)                            

 

Zu dem im Synagogengebäude geborenen Bruder Firminius Wickenhäuser: Wikipedia-Artikel zu Firminius Wickenhäuser    

 

 

   

                   
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Stand: 15. Oktober 2013