Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Erlangen (Mittelfranken)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Erlangen wurden in jüdischen Periodika gefunden.   
Diese Seite wird bei Gelegenheit durch weitere Texte ergänzt.   
   

Hinweis auf Ansprechpartner zur Geschichte der untergegangenen Erlanger jüdischen Gemeinde    
Herr Christof Eberstadt wurde 2014 von der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen zum " Beauftragten der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen für die alte Jüdische Gemeinde" bestellt. Damit möchte die JKG Erlangen ihren Wunsch nach dem Aufbau eines eigenen Archivs mit Informationen aller Art über die in der NS-Zeit durch Verfolgung untergegangene erste Jüdische Gemeinde Erlangens realisieren.
Herr Eberstadt bittet Interessenten und Anbieter von Informationen zum Thema um Kontaktaufnahme per E-Mail cpa-eberstadt@t-online.de.    

     
     
Übersicht über die eingestellten Texte:    

bulletÜber die Aufnahme von Juden in der Stadt seit 1860  
Der Magistrat der Stadt stimmt der Aufnahme von jüdischen Personen zur Niederlassung in der Stadt zu (1860)   
bullet Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer in der jüdischen Gemeinde   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1881 / 1923        
Spendenaufruf von Lehrer Morgenthau für einen armen Studenten (1903)     
Spendenaufruf der beiden Lehrer Morgenthau und Katz für eine mittellose Familie (1907)     
Zum Tod von Lehrer M. Morgenthau (1911)      
Zum Tod der Lehrerwitwe (von Leopold Katz) Johanna Katz geb. Morgenthau (1928)  
L
ehrer Justin Fränkel wechselt von Hofheim nach Erlangen (1924)   
bulletBerichte zu Personen an der Universität Erlangen   
Berichte zu Prof. Dr. Jakob Herz:     
Jakob Herz wird Assistent bei Prof. Dr. Strohmeyer (1841) 
D
r. Herz wurde als Prorektor der Universität bestätigt (1847)      
Anstellung von Jakob Herz im Staatsdienst als ordentlicher Professor in Erlangen (1862)      
Weitere Vorbehalte gegen die Ernennung von Dr. Herz zum Professor (1863)  
Der außerordentliche Professor Dr. Herz wird zum ordentlichen Professor der Anatomie ernannt (1869)  
Meldung des Todes von Prof. Herz (Oktober 1871)        
Ein erster Nachruf zu Prof. Herz (Oktober 1871)   
Ausführlicher Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu Trauerfeier und Nachrufen für  Prof. Herz, u.a. von Rabbiner Wittelshöfer (Floß)  
Ausführlicher Bericht in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" zu Trauerfeier und Nachrufen für Prof. Herz       
Nachruf in der nichtjüdischen "Wochenschrift der Fortschrittspartei" (Oktober 1871)    
Ein Denkmal-Komittee bildet sich (November 1873)    
Beschluss zur Ausführung des Denkmales für Prof. Herz nach erfolgreicher Spendensammlung (November 1873)      
Enthüllung des Denkmals für Prof. Herz (Mai 1875)  
Über Denkmäler für deutsche Juden, insbesondere das Denkmal für Dr. Jakob Herz in Erlangen (Beitrag von 1902)    
Erinnerung an Prof. Jakob Herz (1928)    
Erinnerung an Prof. Jakob Herz (1933)   
Berichte zu weiteren Personen an der Universität:  
Prof. Dr. Isidor Rosenthal wird bei der Wahl zum Rektor der Universität übergangen (1884) 
70. Geburtstag und Verleihung des Ehrenbürgerrechtes für Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1906)  
Postkarte an die Frau von Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1883, ergänzendes Dokument)    
Zum Tod von Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1915)  
Prof. Georg Jacob wechselt von Erlangen nach Kiel (1911)     
Beförderungen: Oberbibliothekar Dr. Markus Zucker / Bibliothekar Philipp Stein (1913)    
Prof. Dr. Max Nöther wird zum Geheimen Hofrat ernannt (1917)  
Über die Tochter von Prof. Dr. Max Nöther: die Mathematikerin Emmy Nöther (1882-1935)         
bulletBerichte zu einzelnen Personen der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod des Gemeindevorstehers Moses Stern (1904)    
Zur Beisetzung von Stabsarzt Dr. Strauß (1910)     
Kaufmann Eduard Goldstein erhält den Doktorgrad der philosophischen und juristischen Fakultät (1912)   
Unfalltod von Emanuel Rosenberger (1916)  
Erinnerung an den Fotografen Simon Katz in Erlangen (gest. 1927)  
80. Geburtstags des 2. Vorstandes und Kassiers Leopold David (1931)  
Zum Tod des 2. Vorstandes und Kassiers Leopold David (1934)     
bulletWeitere Mitteilungen und Berichte  
S
ammlung für die Familien der in den Krieg gezogenen Soldaten (1914)   
Möglichkeit einer koscheren Verpflegung in der Universitätsstadt (1928)  
Die Burschenschaft 'Bubenruthia' hat Probleme wegen der Nichtdurchführung des Arierparagraphen (1934)   
bulletAnzeigen der Gemeinde, von Gewerbebetrieben und Privatpersonen  
Anzeigen von Metzgermeister Salomon Wassermann (1901)       
Für die Häute- und Fellhandlung von Jonas Hopfenmaier wird ein Lehrling gesucht (1908)     
Die Gemeinde verkauft Torarollen (1921) 
G
eburtsanzeige für Hermann Hopfenmaier, Sohn von Albert Hopfenmaier und Lisl geb. Feldmann (1924) 
V
erlobungsanzeige von Resi Reinemann und Adolf Berberich (1934)    

    
    
Über die Aufnahme von Juden in der Stadt seit 1860    
Der Magistrat der Stadt stimmt der Aufnahme von jüdischen Personen zur Niederlassung in der Stadt zu (1860)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1860: "Erlangen, im Juni (1860). Das hiesige Gemeinde-Kollegium hat die seit mehreren Jahren schwebende Frage, ob in Zukunft Juden sich dort niederlassen dürfen, mit 24 gegen 3 Stimmen bejaht, und sofort mit 25 gegen 2 Stimmen, der Magistrat aber einstimmig den ersten Juden aufgenommen. Für das intolerante Bayern jedenfalls ein großer Triumph."             
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1860: "Aus Bayern, Ende Mai (1860). Die Toleranz bricht sich auch bei uns mehr und mehr Bahn. Während in Nürnberg die Zahl derjenigen, die die Bürgeraufnahme erlangen, in steter Zunahme begriffe ist, hat auch die Stadt Erlangen, entgegen ihrer früheren Ansicht, einen Schritt nach Vorwärts getan. Man schreibt nämlich von dort: 'In einer außerordentlichen Sitzung des Gemeindekollegiums war das Ansässigmachungsgesuch des Juden Lehmann Aischberg von Uehlfeld zu verbanden. Da dieser Gegenstand für hiesige Stadt von Wichtigkeit ist, so erörterte ihn der Vorstand in einer sehr durchdachten Rede und hob besonders die Notwendigkeit der Toleranz, wie in unsern Nachbarstädte, hervor, es wurde demnach zuerst darüber abgestimmt, ob für die Zukunft überhaupt Juden sich hier niederlassen dürfen oder nicht, diese Frage wurde mit 24 gegen 3 Stimmen bejaht, das spezielle Gesuch des Aischberg nachfolgend mit 25 gegen 2 Stimmen ebenfalls und in der heutigen Magistratssitzung einstimmig genehmigt; somit wäre ein Kampf beendigt, der hier die Bürgerschaft seit 8 Wochen lebhaft beschäftigte.' Bereits bietet sich ein Kommissionär in den öffentlichen Blättern zur Vermittlung von Käufen von Häusern oder Bauplätzen an."     

  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer in der jüdischen Gemeinde   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1881 / 1923   

Erlangen Israelit 16081876.jpg (41972 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1876: "Mit dem 1. Mai 1877 wird die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger-, Synagogendiener- und Schächterstelle vakant. 
Der fixe Gehalt als Lehrer und Vorsänger beträgt 700 Mark, als Schächter, Synagogendiener und Nebenakzidenzien kann sicher gerechnet werden ca. 800 Mark, nebst freier Wohnung, veranschlagt zu 200 Mark. 
Bewerber um diese Stelle wollen ihre Qualifikationsnoten über erstandene Prüfung portofrei an Unterzeichneten einsenden. 
Erlangen, den 1. August. Der Kultusvorstand: Adolph Jakob."
 
Erlangen AZJ 09111880.jpg (43068 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. November 1880: "Vakanz. Die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger und Schächterstelle soll bis 1.Januar 1881 besetzt werden. Fixer Gehalt 700 Mark. Nebeneinkünfte 1.000-1.200 Mark. Wohnung des bisher funktionierenden Lehrers. Verheiratete werden bevorzugt. Bewerber wollen sich an den unterzeichneten Vorstand wenden. 
Erlangen. Der Kultusvorstand L.H. Guttmaier."
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Lehrer Morgenthau (siehe Berichte unten). 
   
Erlangen Israelit 07061923.jpg (40991 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1923: "Die Stelle eines seminaristisch gebildeten Lehrers, Vorbeters und Schochets ist sofort in hiesiger Gemeinde zu besetzen. Gehalt nach Tarif. Bevorzugt werden jüngere Bewerber. Israelitische Kultusgemeinde Erlangen (Bayern)."
  
Erlangen Israelit 26071923.jpg (45054 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1923: "Die Stelle eines seminaristisch gebildeten Lehrers, Vorbeters und Schochets ist sofort in hiesiger Gemeinde zu besetzen. Gehalt nach Tarif. Bevorzugt werden jüngere Bewerber. Israelitische Kultusgemeinde Erlangen (Bayern)." 

   
Spendenaufruf von Lehrer Morgenthau für einen armen Studenten (1903)

Erlangen Israelit 09031903.jpg (61601 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1903: "Dringender Aufruf! Im Interesse eines sehr braven und strebsamen Studenten, israelitischer Religion, von ganz unbemittelten Eltern, die er bisher durch seinen Privatunterricht mit unterstützt hat, der vor seinem Staatsexamen steht und dem hiezu die nötigen Mittel fehlen, sich demselben zu unterziehen, wende ich mich an Euch, ihr wohltätigen Glaubensgenossen, denen es heilige Pflicht ist, sich an diesem Gemilus-Chesed-(Wohltätigkeits-)Werk zu beteiligen, die ergebene Bitte zu stellen, unverzüglich reichliche Spenden für ihn an mich zur Weiterbeförderung einzusenden. Ich kenne die Verhältnisse des Bittestellers und dessen tadellose Führung seit seiner Jugend, weshalb ich als Pflicht erachte, zum ersten Male mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit zu treten. Erlangen (Bayern), Februar 1903. M. Morgenthau, Lehrer und Kantor."

  
Spendenaufruf der beiden Lehrer Morgenthau und Katz für eine mittellose Familie (1907)  

Erlangen Israelit 31101907.jpg (79775 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1907: "!!Aufruf!! Durch langjährige Krankheit, durch schwere Unglücksfälle, sowie durch schlechten Geschäftsgang ist eine würdige Familie unverschuldet in bitterste Not geraten und sieht dem nahenden Winter trostlos entgegen. Edle Menschen wollen der gänzlich mittellosen und unglücklichen Familie ihr kleines Geschäft vor dem sicheren Ruin retten; damit ihr gebrechlicher Ernährer den Unterhalt für seine große kinderreiche Familie verdienen kann. Dazu bedarf es der Unterstützung wohltätiger, edel denkender Menschen. Edle Glaubensgenossen! Beteiligt euch an dieser großen Weisung des Gebens im Verborgenen. Lasset keine jüdische Familie umkommen und verwirklicht Euere Mildtätigkeit! Zur Annahme von Spenden, über welche zurzeit in diesem Blatte öffentlich quittiert wird, sind wir gerne bereit. Gott lohne es Ihnen! 
M. Morgenthau Lehrer in Erlangen. L. Katz. Auch die Expedition des Blattes ist zur Annahme von Spenden bereit."

  
Zum Tod von Lehrer M. Morgenthau (1911)   

Anmerkung: Moritz (Moses) Morgenthau, geb. 1843 in Pahres, absolvierte 1861 das Königliche Lehrerseminar zu Schwabach, danach Lehrer in Schnodsenbach 1864, Egenhausen 1866, Kaubenheim 1868, Leutershausen 1870, Binswangen 1872, Hüttenbach 1874 bis 1880, Ottensoos 1880, von 1881 bis 1906 in Erlangen, wo er 1911 starb und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde.
Zu Moritz Morgenthau weitere Informationen von einem Beitrag von Christof Eberstadt 2024, eingestellt als pdf-Datei
 

Erlangen Israelit 07091911.jpg (130819 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911: "Erlangen, 23. August (1911). Vergangenen Sonntag, den 20. August, brachte man unter zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung die sterbliche Hülle des Religionslehrers Herrn M. Morgenthau zu Grabe. Herr Rabbiner Dr. Neuburger, Fürth, schilderte in beredten Worten das segensreiche und verdienstvolle Wirken des Verblichenen während seiner 30jährigen Tätigkeit in Erlangen. Zu Pahres bei Neustadt an der Aisch 1843 geboren, absolvierte er 1861 das Königliche Lehrerseminar zu Schwabach, übte sodann seine Lehrtätigkeit in Kaubenheim, Leutershausen, Binswangen und wirkte seit 1881 in Erlangen auch als Schochet (Schächter) und Mohel (Beschneider). Herr Lehrer Katz, der Schwiegersohn und Nachfolger des Verstorbenen, nahm in ergreifenden Worten Abschied von dem geliebten Vater seiner Familie.
Sodann sprachen Herr W. Männlein als Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in deren Namen, Herr A. Dreifuß als Vorstand des israelitischen Wohltätigkeitsvereins, dessen Gründer der Verblichene war; Herr Rechtspraktikant Max Stern im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen; sodann entboten die Vertreter des königlichen humanistischen Gymnasiums, sowie der königlichen Realschule wie auch die städtischen Behörden ihrem dahingegangenen Waisenrat den letzten Gruß. In erhebenden Worten feierte Herr Lehrer Rohmer den Verstorbenen als treuen Kollegen und dankte als Vorstand des Bezirkslehrervereins für erwiesene Kollegialität und Vereinstreue.  
Die zahlreiche Trauerversammlung legte beredtes Zeugnis ab, welcher Beliebtheit sich der Verblichene erfreute. Die israelitische Kultusgemeinde Erlangen verliert in dem Dahingegangenen eine Stütze, die mit seltener Pflichttreue eine hervorragende Gelehrsamkeit und gediegene Bildung verband und so eine verdienstvolle und segensreiche Tätigkeit entwickelte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
   
Erlangen FrfIsrFambl 25081911.jpg (102657 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. August 1911: "Erlangen. Vergangenen Sonntag senkte man die sterbliche Hülle des Lehrers M. Morgenthau, der seit 1881 - 30 volle Jahre - im Dienste der israelitischen Kultusgemeinde stand, in den Schoss der Erde. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Neubürger. Sodann nahm sein Schwiegersohn und Nachfolger im Amte, Lehrer Katz, ergreifenden Abschied. W. Männlein sprach im Namen der israelitischen Kultusgemeinde, N. Dreifuß als Vorstand des israelitischen Wohltätigkeitsvereins, dessen Gründer der Verblichene war, Rechtspraktikant Stern im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen, dabei erwähnend, dass der Verblichene ein treuer Anhänger der zionistischen Bewegung war. Sodann wurden Kränze niedergelegt im Namen des königlichen humanistischen Gymnasiums, der königlichen Realschule, der städtischen Behörden und des Bezirkslehrervereins, in deren Namen Lehrer Rohmer eine eindrucksvolle rede hielt. Mit einem Trauergesang des Lehrervereins schloss die erhebende Trauerfeier."  

    
Zum Tod der Lehrerwitwe (von Leopold Katz) Johanna Katz geb. Morgenthau (1928)

Erlangen BayrGZ 15111928.jpg (20094 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1928: "Erlangen. Nach langem und schwerem Leiden starb hier die Witwe unseres früheren Lehrers, Frau Johanna Katz. Sie war eine Tochter des Lehrers Morgenthau, der vor ihrem Manne viele Jahre segensreich in unserer Gemeinde wirkte."

      
Lehrer Justin Fränkel wechselt von Hofheim nach Erlangen (1924)     
Anmerkung:  Justin Fränkel (geb. 28. Oktober 1896 in Obbach) wuchs mit seiner jüngeren Schwester Berta in der Familie des Viehhändlers und Metzgers Mendel Fränkel und seiner Frau Fanny geb. Grünbaum in Obbach auf. Er besuchte ab 1911 die Israelitische Präparandenschule in Höchberg. Ab 1914 bis 1919 machte er eine Ausbildung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt ILBA in Würzburg, unterbrochen durch seine Zeit als Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. Nach Abschluss der Ausbildung war Justin Fränkel von 1921 bis 1924 Lehrer in Hofheim, anschließend am Mädchengymnasium in Erlangen. Ab 1923 war er mit Frieda geb. Blatt aus Obbach verheiratet; 1924 wurde sein Sohn Ernst geboren, 1927 die Tochter Edith (Schwarz). Justin prägte als Religionslehrer und Kantor die noch junge Kultusgemeinde Erlangen und engagierte sich im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, auch als Schriftführer der Ortsgruppe (1932). In der NS-Zeit kam es im September 1934 zu Misshandlungen durch einen SA-Mann. 1936, nach dem verfolgungsbedingten Berufsverbot, zog Justin nach Bamberg und arbeitete dort an einer jüdischen Sonderklasse der Volksschule. Im April 1937 wurde er verhaftet im Zusammenhang der Ritualmordlegende zu Manau (vgl. auf Seite zu Hofheim); danach, im November 1937, ging er wieder zurück nach Erlangen. Justin Fränkel konnte im Juli 1938 in die USA emigrieren. Seine Mutter Fanny und seine Schwester Berta wurden nach der Deportation ermordet. Justin Frankel starb 1984 mit 87 Jahren in Cincinnati, betrauert von seiner Frau Frieda, den Kindern Ernst und Edith, Enkeln und Urenkeln. 

Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 26. März 1924:
"Justin Fränkel in Hofheim erhielt ab 1. April die Religionslehrerstelle in Erlangen.
Simon Blumenthal in Rimpar kommt am 15. Mai nach Hofheim."   

  
   
Berichte zu Personen an der Universität Erlangen      
Berichte zu Professor Dr. Jakob Herz
       
    
Jakob Herz wird Assistent bei Prof. Dr. Strohmeyer (1841)
Noch ohne Namennennung wird die folgende Nachricht 1841 in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" verbreitet:

Erlangen AZJ 22051841.jpg (26467 Byte)Am 22. Mai 1841 berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums": "Aus Bayern, 26. April (1841). Seit einem halben Jahre ist auf der Universität Erlangen ein Israelit als Assistent an der chirurgischen Klinik angestellt, was auf Betrieb des nun in München lebenden Prof. Dr. Strohmeyer geschehen".  

  
Dr. Herz wurde als Prorektor der Universität bestätigt (1847)      

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 23. November 1847: "Erlangen. Als Prorektor der hiesigen Universität wurde Dr. Herz aus Bayreuth bestätigt, was, abgesehen von dem Talente und positiven Wissen dieses seit mehreren Jahren hier weilenden sehr beliebten Arztes, deswegen hauptsächlich als bemerkenswert erscheint, dass derselbe der erste Israelit in Bayern sein möchte, der als Dozent den akademischen Lehrstuhl besteigt. Mit der Prorektor-Stelle ist bekanntlich bei uns die venia legendi verbunden; sie gibt Anwartschaft auf Erlang der Professur oder zum weiteren Staatsdienst. (A.Z.)."  

   
Anstellung von Jakob Herz im Staatsdienst als ordentlicher Professor in Erlangen (1862)

Erlangen Israelit 24121862.jpg (71767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1862: "Aus Bayern. Bei der stiefmütterlichen Behandlung, über welche in unserem Königreich die Juden, insbesondere bezüglich der Anstellung im Staatsdienste, bisher zu klagen hatten, verdient es gewiss öffentlicher Erwähnung, dass die königliche Regierung auch in diesem Betreff die Bahn des Fortschritts einschlägt. So wurden kürzlich nicht nur Juden als Notare eingestellt, sondern auch einer, Dr. Herz, als ordentlicher Professor bei der medizinischen Fakultät in Erlangen habilitiert. Ingleichen wird die neue Gewerbeordnung in liberaler Weise angewendet und den Juden zu allen Gewerben und Plätzen Zutritt gestattet. Mit diesem humanen Streben der Regierung geht der bessere Sinn der Bevölkerung Hand in Hand, und ahmen viele kleine Städte den größeren in der bereitwilligen Aufnahme von Juden nach."

    
Weitere Vorbehalte gegen die Ernennung von Dr. Herz zum Professor (1863)   

Erlangen Jeschurun AZ 1863 S236.jpg (40356 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Jeschurun" (Alte Folge) 1863 S. 236: "Erlangen. Einer der hervorragendsten medizinischen Lehrer und einer der vorzüglichsten Ärzte, Herr Dr. Herz, den die bayerische Regierung, weil er Israelite ist, nicht zum Professor befördern, sondern nur den Titel 'Ehrenprofessor' verleihen wollte (was Herr Dr. Herz zurückwies), will Erlangen und Bayern verlassen."    

   
Der außerordentliche Professor Dr. Herz wird zum ordentlichen Professor der Anatomie ernannt (1869)  

Erlangen Israelit 24021869.jpg (15410 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1869: "München, 13. Februar (1869). Der Prosektor und außerordentliche Professor Dr. Herz in Erlangen wurde zum ordentlichen Professor der Anatomie ernannt."   

      
Meldung des Todes von Prof. Herz (Oktober 1871)          

Erlangen Israelit 11101871.jpg (22345 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1871: "Erlangen, 27. September (1871). Der berühmte Prof. Herz, der erste Jude, welcher in Bayern eine Anstellung im Staatsdienste erhalten, ist leider heute Mittag seinem Leiden erlegen."

 
Ein erster Nachruf zu Prof. Herz (Oktober 1871)           

Erlangen AZJ 24101871.jpg (130497 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Oktober 1871: "Erlangen, 28. September (1871). Über die letzten Momente des Prof. Herz wird Folgendes gemeldet: ‚Gestern Nachmittag um ein Uhr ist Herr Professor Dr. Jakob herz seinen Leiden erlegen. ‚Das Leben entflieht, Gott sei’s gedankt!’ – mit diesen Worten legte er ohne Schmerz und Kampf sein Haupt zur Ruhe. Der Verlust durch den Tod dieses Mannes ist für die Wissenschaft wie für die leidende Menschheit ein gleich schwerer. Denn für jene hat er als eifriger, gründlicher, mit der glücklichsten Lehrgabe ausgestatteter akademischer Lehrer an der benachbarten Universität durch Jahrzehnte auf unzählige Jünger der Heilkunde anregend und befruchtend gewirkt; was er aber den Kranken und Leidenden durch seine tiefe Wissenschaftlichkeit, durch den glücklichsten ärztlichen Seherblick, durch reiche Erfahrung und eine bis zum völligen Selbstvergessen gesteigerte Uneigennützigkeit gewesen, davon werden bei der Kunde von seinem Hinscheiden die Tränen von Tausenden in der Nähe und Ferne, die ihm Heilung und Hilfe verdanken, Zeugnis geben. Der Jakob Herz war am 2. Februar 1816 zu Bayreuth geboren und hat sonach nur ein Alter von 55 Jahren erreicht. In Erlangen, wo er seine Universitätsstudien machte, war er zuerst 8 Jahre lang Assistent der chirurgischen Klinik unter Stromeyer, Ried und Heyfelder, dann seit 1848 Professor an der Anatomie. Seine Ernennung zum Professor, welcher lange Zeit bei allen seinen allgemein anerkannten Verdiensten seine Konfession – er war Israelit – als unüberwindliches Hindernis entgegen stand, datiert kaum über ein Jahrzehnt zurück."

 
Ausführlicher Bericht in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu Trauerfeier und Nachrufen für  Prof. Herz, u.a. von Rabbiner Wittelshöfer (Floß)    

Erlangen AZJ 31101871a.jpg (269829 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1871: "Professor Dr. Jakob Herz. Über diesen allzu früh dahingerafften, für so viele unvergesslichen Mann kommen uns von verschiedenen Seiten Mitteilungen aus seinem Leben zu, aus welchen wir folgende hervorheben.
Aus einer Jugend schreibt uns sein Studiengenosse, Herr Rabbiner Wittelshöfer zu Floß unter anderem: Herz hatte im elterlichen Hause, in der Kulmbacher Straße zu Bayreuth, jenes Zimmer als Studier- oder Arbeitszimmer gewählt, an dessen Türe mit schwarzen Buchstaben ‚Samson Herz’ geschrieben stand. Es war das der Name jenes Mannes, den Jean Paul in seinen Schriften ‚mein Samson’ nannte. Herz glaubte, von diesem seinem Ahnen her wohne in den Räumen, wo der große klassische Geist Richters bisweilen zu Besuch einkehrte, eine Weihe für seine eigene wissenschaftliche Seele, um sie in den Tempel der Gelehrsamkeit einzuführen. Dies waren Knabenideen des 10jährigen Lateinschülers. Pietät war überhaupt ein Hauptzug seines Charakters.
Dort in dem, nach dem Hofe zu gelegenen lichten Zimmer saß Herz als der älteste unter seinen, verschiedene Klassen und Schulen besuchenden Geschwistern oft als Zucht- und Lehrmeister mit Zurechtweidung und Mahnung, oft auch helfend beim An- und Auskleiden, zärtlich wie ein Vater. Denn Herz musste diesen ersetzen wegen der monatelangen Abwesenheit des Familienhauptes, dessen Geschäftsbetrieb in Hof war. Die Mutter aber hatte die Kleinsten zu besorgen, denn es war ein großer Familienkreis. Wir sehr auch Herz den Vater zu vertreten verstand, bewies er bei einer drohenden Katastrophe. Es war an einem Sommerabend, da wir bei einem Gang durch die Stadt eine verdächtige Erleuchtung der so genannten Spittelkirche bemerkten. Wir eilten zur Straßenecke, und siehe beim Einbiegen in die Kulmbacher Straße leuchtet uns die helle Lohe entgegen, die aus dem Gasthofe, dem Herz’schen Hause gegenüber aufzusteigen anfing. Herz stürzt in die Elternwohnung und ich mit ihm. Dort war die Mutter anfangs fast ohnmächtig und bewusstlos, später außer Fassung, umgeben von den größeren Kindern, die schrecklich jammerten.
Herz, der damals 14jährige Knabe, war der einzige Disponierende. Er ließ die kleinsten Kinder, die schon im Bette waren, ankleiden, das Haus nach der Brandseite zu gegen Eindringlinge absperren, die nötigsten Utensilien packen und durch den Hof ins Freie tragen, wo er sie einem ausgestellten Wachposten anvertraute. Dabei ermutigte er immer die Mutter, die in ihrer Verwirrung manchen Schaden angerichtet hatte. Dieselbe Kinder- und Bruderliebe begleitete ihn durchs ganze Leben bis zur Aufopferung. Und eben dieselbe Pietät bewahrte er seinem Glauben! War er Märtyrer seines Berufes, so war er es noch mehr des ersteren! Nicht bloß, der er der langjährigen Hinansetzung seines Verdienstes und Rufes ein beharrliches Credo entgegensetzte, nicht bloß, dass der ‚Jude Herz’ mit Stolz die zugemutete Glückseligmachung (sc. Taufe) zurückwies. Als wir anno 35 zusammen die Universität Erlangen bezogen, hatten wir in der damals ganz christlichen Stadt keine Gelegenheit zu jüdischer Kost. Herz bezog die seine aus Bruck, denn er wollte bei der religiös erlaubten bleiben, trotz der vielen Beschwerden, die damit verbunden waren, da die Speisen oft spät, oft abends, stets kalt kamen und erst gewärmt werden mussten, und zwar von ihm selbst, nachdem er oft spät aus dem Kollegium kam. Herz litt oft Hunger; doch wich er nicht vom Gesetze. Aber seine Fürther Verwandten, welche 6 Monate lang die Kosten dieses Unterhaltes getragen hatten – seine Eltern befanden sich nämlich damals nicht in der Lage, seine Studienkosten auf sich zu nehmen – sagten sich los, und wollten ferner ihm die Kost unmittelbar senden. Man denke sich die damalige Entfernung und den Transport, wo keine Eisenbahn war. Nur zweimal in der Woche erhielt Herz eine Sendung, die kärglich bis zur nächsten reichte und 3 Tage lang gewärmt und aufgefrischt werden musste, und doch wich er nicht vom Gesetze.
Herz abstrahierte zwar später von der ursprünglich spezifischen Religiosität; durch seine dankbare Anerkennung aber, womit er sich über den in Erlangen arrangierten Gottesdienst für die Andachtstage gegen seine dort angesiedelten Glaubensgenossen aussprach, besiegelte er nicht blo0ß die Treue gegen den Glauben, sondern bewies auch, wie er mit ganzer Seele die heiligen Institutionen unserer Religion bewahrte.  
Erlangen AZJ 31101871b.jpg (225746 Byte)Ein anderer Korrespondent schreibt uns: ‚Dem ausgezeichneten Arzt und Lehrer wurden schon vor langen Jahren die größten Anerbietungen gemacht; dem getauften Juden Herz war nichts unerreichbar; diese Verlockungen wurden selbst unmittelbar durch König Ludwig I. von Bayern an ihn gerichtet: er trotzte unerschütterlich allen derartigen Versuchungen. Oft hat er es ausgesprochen, dass er als Jude, und nicht anders, Universitätsprofessor werden wolle. Durch seine Charakterstärke erreichte er, was er erstrebte: sein Ruhm war so weit gedrungen, seine Verdienst um Stadt und Universität Erlangen so über jede Missgunst erhaben, dass ihm endlich vor einigen Jahren die ordentliche Professor an der Universität Erlangen verliehen wurde.
Er war begeistert für seinen Lehrberuf, der ihm volle innere Befriedigung gewährte; von den Studenten aller Fakultäten, deren opferwilliger Freund er gewesen, war er geliebt und hoch verehrt. Als Arzt hat er Tausenden Leben und Gesundheit wiedergegeben. Seine gründliche Gelehrsamkeit, sein genialer prognostischer Scharfblick, sein Operationstalent – diese glücklichen Eigenschaften veranlassten die Patienten aus aller Herrn Länder bei Herz Hilfe für ihre Leiden zu suchen. Eine große Tätigkeit entfaltete er für die kommunalen Interessen Erlangens, dessen Ehrebürger er war, und die bayerische Fortschrittspartei sieht sich eines treuen Kämpfers beraubt, der in Wort und Schrift mit gleicher Ausdauer und mit gleicher Hingabe eine echt nationale Politik vertrat.
An seinem Grabe hat der Prof. theol. evang. Dr. v. Hofmann u.a. Folgendes gesprochen: ‚Dass er nie und in keiner Weise das Seine gesucht hat, auch nicht eigene Ehre, soll ich wohl nicht erst von ihm rühmen. Denn die Tugend der Selbstsuchtlosigkeit schien sich bei ihm wie von selbst zu verstehen. Und diese mit dem eigenen Lebensmark erkaufte Hingabe war in ihrer Betätigung von der besonnensten Erwägung, von dem klarsten Urteil regiert. Er trug das richtige Maß der Dinge in sich und legte es an vorurteilslos und unbestechlich, nur seine feurige Liebe zum Vaterland und seine edelsinnige Begeisterung für alles, was des Menschen Dasein menschwürdig macht, zurate ziehend. Was sie ihn als das Rechte und Richtige erkennen ließen, dem gehörte er und gehörte ihm ganz, ohne Rückhalt, ohne Menschenfurcht und Menschengefälligkeit, frei von persönlichen Rücksichten, voll Opferfreudigkeit, aber auch voll Siegeszuversicht.’
Jakob Herz, opferwillig bis zum Selbstvergessen, hat das größte Opfer seines Lebens dem Judentume dargebracht, dessen Erwähnung der Schluss dieser Zeilen bilden möge. Seit mehr als 25 Jahren war sein Herz an die hochsinnige Tochter eines seiner Freunde und Kollegen gekettet. Bei gegenseitiger Überzeugungstreue wurde nie von einer Seite ein Opfer der Konfession gefordert. Ein zu gewissenhafter Staatsdiener, um die Landesgesetze zu umgehen, die ihm Zivilehe nicht gewährten, hat Herz das Glück, sich eine Familie zu begründen, nicht mehr erlebt; als greiser Bräutigam ist er ins Grab hinab gestiegen. So bleibt er für alle Zeiten ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung, mannhafter Festigkeit und edelster Menschenliebe. Seine Freunde haben den Beschluss befasst, um auch äußerlich sein Andenken bleibend zu ehren, ihm dein Denkmal zu errichten. Nach erfolgter landesherrlicher Genehmigung wird ein Aufruf an alle Freunde und Verehrer des edlen Mannes gerichtet werden, der Umfang und die glänzende Ausführung des Monumentes ist von der Größe der eingehenden Beiträge bedingt. Mögen vor Allem die Israeliten, welche diesen gefeierten Namen mit gerechter Freude und mit hohem Stolze den Ihrigen genannt haben, sich erinnern, dass ihre Spenden nicht nur zur Ehre des hehren Toten, sondern auch zur Ehre  und zum Ruhme des Gesamtjudentums beizutragen bestimmt sind."


Ausführlicher Bericht in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" zu Trauerfeier und Nachrufen für Prof. Herz    

Erlangen Israelit 18101871.JPG (193173 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1871: "Erlangen, 4. Oktober (1871). In Ergänzung des bereits mitgeteilten Berichtes über die Leichenfeier des Professors Dr. Herz ist noch nach dem ‚Erlanger Tagblatt’ zu erwähnen, dass zahlreiche Deputationen von Auswärts erschienen waren. Bamberg allein hatte drei Deputationen gesandt, außerdem waren solche gekommen aus Nürnberg, Fürth und Bayreuth. Man sah u.a. Freunde des Verstorbenen aus München und Augsburg, aus Ansbach und Rothenburg, aus Schweinfurt und Thüringen. Der allen Erlangern wohl bekannte Prof. Brinz, der gefeierte Rechtslehrer, war herbeigeeilt, um seinem alten Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Ein angesehener Kaufmann aus Nürnberg hatte seinen Kuraufenthalt unterbrochen und war aus der Ferne herbeigekommen, um dem Begräbnisse anwohnen zu können. Endlich möge auch noch erwähnt werden, dass Landleute in ungemein großer Zahl aus der Umgebung von Erlangen sich zu der Leichenfeier eingefunden hatten. Kopf an Kopf gedrängt stand die Menschenmasse vor der Halle des Leichenhauses auf dem Neustadter Gottesacker. Trotz Wind und Regen, der während der ganzen Feier in Strömen sich ergoss, harrte man unverdrossen aus, und wer es bei der großen Ungunst der äußeren Verhältnisse irgend vermochte, folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den Rednern, die in der Halle das Bild des Verewigten vor den trauernden Gemütern ausführten. Der Sarg, in den der Tote ruhe, war mit Blumen, Kränzen und Zweigen überdeckt, die von den verschiedensten Seiten aus der Nähe und Ferne gekommen waren. Aus Bonn am Rhein war ein Lorbeerkranz geschickt worden. Der geschmackvoll mit Blumen gezierte Leichenwagen war in einem prachtvollen Viergespann von Rappen aus den Ställen der Häuser Helbig und Franz Erich gezogen und von einer Anzahl Studenten, Mitgliedern der Burschenschaft ‚Bubenruthia’, die Fackeln trugen, umgeben. Das 6. Jägerbataillon hatte zur Anerkennung der Verdienste, die sich der Verewigte um die Verwundeten der Jahre 1866 und 1870 erworben hatte, sein Musikkorps zur Eröffnung des Zuges abgeordnet. Die Geistlichkeit aller Konfessionen, die Beamten, das Offizierskorps, die Professoren und Studenten der Universität, unzählige Einheimische und Fremde ohne offizielle Stellung, endlich die Mitglieder der städtischen Kollegien folgten dem Sarge. Eine stattliche Reihe von Wagen schloss den Zug. Es dauerte wohl über eine Viertelstunde, bis der gewaltige Menschenstrom vor dem Auge des Zuschauers vorüber war. So ging es in immer strömendem Regen durch die Stadt, die Fenster an den Häusern waren besetzt und in den Strassen standen die Menschen zu dichten Spalieren gedrängt. Auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Baiersdorf konnten nicht alle zu dem eigentlichen Begräbnisplatze Hinzukommenden Platz finden. Hier brachten die vereinigten Sänger von Erlangen die letzte Huldigung des Gesanges."
Erlangen Israelit 18101871b1.jpg (94241 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1871: "Freysing, 4. Oktober (1871 – Zum Andenken an Professor Dr. Herz.). ‚Das Leben flieht – Gott sei’s gedankt’ – das waren die letzten Worte, mit denen unser edler Herz am 27. September dieses Jahres, nachmittags 1 Uhr, seinen Geist aufgab. ‚Herz ist tot!’ so tönt es traurig allerwärts in Erlangens breiten Straßen. ‚Herz ist tot!’ und es feuchtet sich mit dieser Trauerbotschaft in vielen Gegenden, nicht bloß Bayerns, sondern auch des Auslandes, manches Auge, das ihn gesehen, das ihn gekannt. Von tiefem Schmerze gebeugt stehen nun in Tränen zerflossen seine vielen, vielen Freunde, Kollegen und Schüler um sein Grab, wohl wissend, dass mit Herz einer der edelsten Männer der jetzigen Zeit, eine Perle im Diamantschmuck der Erlanger medizinischen Fakultät, ein Mann von gründlichem deutschen Wissen durch den Tod des Welt entrissen wurde. Die Stadt Erlangen selbst hat sich in ihr Trauergewand gehüllt, da sie einen ihrer wackersten Ehrebürger, einen bis zum letzten Atemzuge mutigen und unerschrockenen Vorkämpfer für die Einigung des gesamten Deutschlands verloren. Die Fortschrittspartei unseres engeren Vaterlandes sieht sich eines Gliedes beraubt, welches schon seit einer Reihe von Jahren mit bewunderungswürdiger Hingabe in Wort und Schrift für echt deutsche Politik zündend wirkte. Mehr noch aber, als durch seine politische Tätigkeit, hat Herz durch
Erlangen Israelit 18101871b2.jpg (245658 Byte)Seinen Lebensberuf, durch seine Stellung als Arzt geleistet. Seine gründliche Gelehrsamkeit, seine reiche Erfahrung auf dem Gebiete der Medizin, sein genialer prognostischer Scharfblick, sein auf tiefen anatomischen Kenntnissen basierendes Operationstalent – diese glücklichen Eigenschaften waren es, welche Patienten aus den entferntesten Gegenden veranlassten, bei dem Manne Hilfe für ihre Leiden zu suchen, der, unscheinbar von außen, wie die Schale eines Kernes, trotzdem stets als glänzendes Gestirn am medizinischen Himmel galt. Und welche Sorgfalt, welche Liebe und Aufopferung bewies Herz, dieser edle Arzt, der Stolz der Israeliten Bayerns, seinen Patienten? Davon mögen und sollen nur die Tausende von Kranken lebendiges Zeugnis geben, welche seine ärztliche Hilfe suchten und auch fanden, wenn Glück und Segen von oben die Meisterhand unseres Dahingeschiedenen, manchmal in der wunderbarsten Weise, begleiteten! Der Triumph seiner Eigenschaften aber gipfelte in seinem Charakter. Herz war ein Charakter in des Wortes eminentester Bedeutung. Nichts mehr konnte ihn von seiner Anschauung und seiner Überzeugung abwendig machen, wenn er sie einmal als die richtige und allein maßgebende erkannt hatte. Der von Natur aus kleine, unscheinbare Mann mit seinem ruhig-ernsten und doch wieder alle Herzen gewinnenden Blicke glich dann einem Löwen, wenn es galt, mit seinem Mannesworte in offenem Kampfe für seine Überzeugung einzustehen. Unvergesslich wird auch für alle, die ihm näher zu stehen das Glück hatten, seine Toleranz für Andersgläubige sein. Seine Wohltätigkeit, seine Uneigennützigkeit, die oft mit völligem Selbstvergessen endete, erstreckte sich in gleicher Weise und in gleich rührender philanthropischer Art auf alle christlichen Konfessionen ohne jeglichen Standesunterschied. Herz war der helfende rettende Arzt in den Palästen des Reichtums, wie in der dumpfen Hütte des Fabrikarbeiters. Nicht äußere Auszeichnung, nicht sein von Jahr zu Jahr wachsender Ruf waren es, welche sein rastloses und mühevolles, von Kämpfen verschiedener Art durchzogenes Leben einigermaßen versüßen konnten, nein – Herz fand als Charaktermann seine schönste Beseligung einzig und allein in dem tiefen Bewusstsein, seine natürlichen schönen Anlagen bloß der leidenden Menschheit und dem akademischen Unterrichte geweiht zu haben. Was Herz dem studierenden Jünglinge war, weiß Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung, während seiner einstigen Universitätszeit in Erlangen – ein aneifernder, für die Wissenschaft durch seine herrlichen, beredten Vorträge und Demonstrationen begeisternder Lehrer, dessen Namen im Herzen aller seiner einstigen Schüler und Kommilitonen ewig fortleben wird. Sein ganzes, leider nur zu frühe beschlossenes Leben wurde in den jüngsten Tagen von anderer Seite mit vollem Rechte ‚eine ununterbrochene Kette von Selbstaufopferung und Wohl tun’ genannt. Leider schonte Herz in dieser seiner jahrelangen Selbstaufopferung seinen schwächlichen Körper bis zu seiner letzten Erkrankung nicht. Er, der Vielen ein Retter des schwachen Lebens gewesen – er dachte an sich zuletzt, als bereits die Sichel des Todes über sein Haupt geschwungen war. – Doch genug! Eine kundigere Feder mag späterhin ein detailliertes Lebensbild dieses Edelsten der Menschenfreunde entwerfen, als meine schwachen Kräfte es erlauben; stete Gefühle der Pietät gegen Herz als Gelehrten und als Menschen waren es, welche Anlass zu diesen flüchtigen Zeilen gaben. Er hat nun ausgekämpft einen großen Lebenskampf und ihn bestanden zu einem ewigen Nachruhme. Sit terra levis!"  
Baiersdorf G Friedhof ue11.jpg (146419 Byte) Links: Grabmal für Prof. Dr. Jakob Herz im jüdischen Friedhof in Baiersdorf 

   
Nachruf in der nichtjüdischen "Wochenschrift der Fortschrittspartei" (Oktober 1871)    

Erlangen AZJ 17101871.jpg (134310 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1871: "Über den verstorbenen Professor Dr. Jakob Herz, dessen am 27. September erfolgten Tod wir schon gemeldet, enthält die bayerische ‚Wochenschrift der Fortschrittspartei’ einen Nachruf, in welchem es heißt: ‚Hier dürfen wir nur sagen, aber auch mit voller Überzeugung sagen, dass die Partei des freiheitlichen nationalen Fortschritts in Bayern keinen überzeugteren und werktätigeren, zu jeder Stunde in allen Richtungen bereiten Vorkämpfer gehabt hat, als Herz, der in der vollen selbstsuchtlosen Hingabe an die öffentlichen Interessen ein würdigen Ebenbild unseres und seines unvergesslichen Freundes Brater. Beide sind durch einen frühen Tod dem Vaterlande genommen worden, und doch hatte Jeder von ihnen ein reiches Leben voll Segen und Frucht für die Menschheit hinter sich. Darin glücklicher als ein vorangegangener Freund, dessen Gesundheit seit Jahren ein Gegenstand ängstlicher Sorge und Sorgfalt des berühmten Arztes war, hat Herz noch den glorreichen Wiederaufbau des Deutschen Reiches aus tausendjährigem Verfall erlebt mit der ungetrübtesten Freude über das Erreichte und in der festen Zuversicht, dass es nach den Worten des Kaisers ein Reich der Wohlfahrt, des Friedens und der Freiheit sein werde. Ihm selber war es noch vergönnt, als Vorstand des Erlanger Hilfsvereins, dann als Führer eines Sanitätszuges bis ins Herz von Frankreich hinein, vor allem aber als Leiter eines Spitals, dem er neben seiner fast unabsehbaren sonstigen Berufstätigkeit mit beispielloser Hingebung sich widmete, an dem großen, neuen Befreiungskriege der deutschen Nation werktätigen Anteil zu nehmen, und es unterliegt keinem Zweifel, dass er, dessen Konstitution im Dienste der leidenden Menschheit schon seit Jahren über alles Maß außer dem seiner Aufopferungsfähigkeit angestrengt worden war, den ungeheuren Zumutungen, die er im Laufe des Krieges an sie stellte, schließlich erlegen ist."

   
Ein Denkmal-Komittee bildet sich (November 1873)         

Erlangen Israelit 01111871.jpg (76588 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1871: "Am 27. September dieses Jahres starb in Erlangen Dr. Jacob Herz, ordentlicher Professor der Medizin an der Universität daselbst. - Wir glauben nur einen Wunsch der zahlreichen Schüler, Freunde und Verehrer dieses als akademischen Lehrer, Arzt und Mensch gleich ausgezeichneten Mannes zu erfüllen, wenn wir dieselben auffordern, beizutragen, ihn an der Stätte seines Wirkens durch ein dauerndes Zeichen der Erinnerung zu ehren. Es ist hierfür zunächst die Errichtung eines Denkmales in Aussicht genommen, an welche sich eine Stipendienstiftung anschließen wird, welche den Namen des Verewigten tragen soll. Beiträge bitten wir an einen der Unterzeichneten einzusenden. Erlangen, den 28. September 1871. Professor Dr. Brinz, München. Th. V. Cramer-Klett, Nürnberg. Dr. Dorsch, prakt. Arzt, Erlangen. Advokat Frankenburger, Nürnberg. Prof. Dr. J. Gerlach, Erlangen. Dr. Mack, prakt. Arzt, Fürth. Professor Dr. Makowiczka, Erlangen. Oberarzt Dr. Friedrich Müller, Augsburg. Professor Dr. Spiegel, Erlangen. C. Weinmann, Kaufmann, Erlangen."
Der Aufruf erschien auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" - Prof. Herz genoss - wie auch in den oben wiedergegebenen Nachrufen deutlich wird - dasselbe Ansehen in den orthodoxen wie den liberalen Kreisen des Judentums.  
Erlangen AZJ 14111871.jpg (144484 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1871: "Erlangen, 5. November (1871). Hier ist folgender ‚Aufruf’ erschienen und von hier aus verbreitet worden.

– wie oben in der Zeitschrift ‚Der Israelit’ - 

(Auch wir sind bereit, Spenden zu diesem Zwecke entgegenzunehmen und sie in diesem Blatte anzuzeigen. Hierbei wollen wir nicht unterlassen zu bemerken, welche Liebe und Achtung für den verstorbenen Professor Herz sich in diesem Aufrufe aussprechen, und wie armselig diesem Beispiele gegenüber, das ja nicht das einzige seiner Art ist, die Klage des Prof. Röder in Heidelberg, von der wir in Nr. 36 berichtet, sich ausnimmt, darüber, dass Juden auch deutsche Lehrstühle an den Universitäten besteigen! Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums.)"
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1872: "Erlangen, 16. März (1872). Für das zu Ehren des verstorbenen Professors Herz in Erlangen zu errichtende Denkmal sowie für die zum Andenken an denselben zu gründende Stipendienstiftung sind bei dem Fürther Komiteemitgliede bereits 6.600 Gulden eingegangen; hierunter befinden sich 2.700 Gulden aus New York und Cincinnati."     

  
Beschluss zur Ausführung des Denkmales für Prof. Herz nach erfolgreicher Spendensammlung (November 1873)                

Erlangen AZJ 01121873.jpg (83778 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Dezember 1873: "Erlangen, 11. November (1873). Kurz  nach dem im September 1871 erfolgten Ableben des alt akademischer Lehrer, Arzt und Menschenfreund ausgezeichneten Professors der Medizin an der hiesigen Universität, Herrn Dr. Jakob Herz, hatte sich ein Komitee zu dem Zwecke gebildet, durch Sammlungen die Mittel zur Errichtung eines Denkmals für denselben aufzubringen. Die Beiträge von Verehrern, Schülern und dankverpflichteten Patienten flossen, - selbst von jenseits des Ozeans, - in so reichem Maße, dass das Ziel in verhältnismäßig kurzer Zeit vollkommen erreicht wurde. Das Denkmal wird nach dem Beschlusse des Komitees in einem 10 Fuß hohen, in Erzguss ausgeführten Standbilde des zu früh Verblichenen bestehen, dessen Modellierung Herr Professor Zumbusch in Wien (früher in München) übernommen hat. Dasselbe wird der Stadtgemeinde Erlangen als Geschenk überlassen, deren Gemeindekorporationen dessen Aufstellung auf dem Holzmarktplatze beschlossen haben. (Diese Ehrenbezeugung wird einem Juden zum ersten Male gewährt…)."

  
Enthüllung des Denkmals für Prof. Herz (Mai 1875)    

Erlangen AZJ 18051875a.jpg (81393 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Mai 1875: "Die Enthüllung des Denkmals des Prof. Dr. Jacob Herz in Erlangen. Am 6. vorigen Monats fand zu Erlangen die feierliche Enthüllung des Denkmals des verstorbenen Professors Dr. Jakob Herz statt. Es ist die erste Statue, die in Europa einem Juden, und zwar durch eine allgemeine Sammlung und mit so großer Feierlichkeit gesetzt und enthüllt wurde. Es wird daher angemessen erscheinen, wen wir hier eine ausführlichere Beschreibung dieser Feier, und zwar nicht aus jüdischer Feder, nach dem ‚Korres. v. u. f. Deutschland’ wiedergeben. Herz fand um seiner Religion willen erst spät eine staatliche Anerkennung und die ihm gebührende Stellung; er war der erste Jude, der in Bayern eine ordentliche Professur erhielt. Aber noch ein anderes Motiv bewegt uns zu dieser Mitteilung. Vergebens zeichnen sich Juden auf allen Gebieten der Wissenschaft, und ganz besonders auch durch ihr edles, uneigennütziges, wissenschaftliches Streben aus. Auch dahin verfolgt sie der unausrottbare Judenhass und wir haben soeben wieder die erbärmlichste Anschuldigung seitens eines deutschen Gelehrten (des bekannten Privatdozenten Dühring in Berlin) vor uns, mit der wir uns in nächster Zeit zu beschäftigen haben
Erlangen AZJ 18051875b.jpg (318366 Byte)werden. Herz gibt so recht die faktische Widerlegung aller solcher Schmähungen, und hierauf wollen wir aufmerksam gemacht haben. 
Der Bericht lautet: ‚Sofort nach dem Hinscheiden des in den weitesten Kreisen hoch geschätzten und verehrten Professors Dr. Herz hat sich ein Komitee gebildet, welches einen Aufruf zu Beiträgen für ein dem Verlebten zu errichtendes Denkmal, sowie für eine sein Andenken ehrende Stipendienstiftung erließ. Der Aufruf fand regesten Widerhall, und reichlich flossen die Gaben aus allen Gegenden, namentlich auch von jenseits des Ozeans. Mit der Modellierung des Denkmals beauftragte das Komitee den Bildhauer Prof. Zumbusch, der Guss wurde, nachdem der Künstler die ihm gestellte Aufgabe meisterhaft gelöst, der Lenz’schen Eisengießerei in Nürnberg übertragen. Heute Vormittag nun fand die feierliche Enthüllung statt. Bereits in den Morgenstunden hatten die Bahnzüge dichte Scharen von Festgästen gebracht, sodass in den sonst so stillen Straßen der Stadt ein ungewohntes reges Leben herrschte. Um 10 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung, in dessen Mitte wir einen Vertreter der Staatsregierung, Herrn Ministerialrat Völk, einen Vertreter der Kreisregierung, Herrn Medizinalrat Dr. Martins, Deputationen der Gemeindekörperschaften von Bamberg, Bayreuth, Fürth, Nürnberg, Vertreter der Universitäten München, Würzburg, Erlangen, die hiesigen Militär- und Zivilbehörden, die Studentenschaft (die Chargierten der Verbindungen in ‚vollem Wichs’) usw. erblickten. Die Strassen, durch welche der stattliche Zug sich bewegte, waren festlich geschmückt, und eine zahllose Menschenmenge bildete förmlich Spalier. An dem Standorte des Denkmales – dem Holzmarkt – angelangt, gruppierten sich die Festteilnehmer um das noch verhüllte Monument, und nachdem die mitwirkenden Sängervereine den Chor: ‚O Schutzgeist alles Guten’ vorgetragen, bestieg das Komiteemitglied, Herr Professor Dr. von Brinz aus München, die Rednerbühne, um die Festrede zu halten. Im Eingange berührte der Redner mit kurzen Worten den Entwicklungsgang des heute Gefeierten, der vor 40 Jahren als ärmlich gekleideter Jüngling in Erlangen einzig. Einfach, gleich dem antiken Drama war sein Lebensgang, und erst nach seinem Tode erkannte man, dass ein tief bewegtes und tief bewegendes Leben abgeschlossen. Ein Leichenzug, wie Erlangen noch keinen gesehen, geleitete trotz der geöffneten Schleusen des Himmels den Hingeschiedenen zu der fernen Ruhestätte. Herz war aber auch von ungewöhnlicher geistiger Begabung, und er hatte das Material zu einem Literator ersten Ranges in sich. In jungen Jahren literarisch tätig, gelangte er aber nicht zur vollen Entfaltung seiner literarischen Tätigkeit. Herz’s Leben war eben eine Transaktion einander gegenüberstehender Faktoren, und da konnte er sich dem Triebe der Forschung nicht einseitig hingeben. Als Lehrer hatte dagegen Herz Gelegenheit, seine hohe geistige Begabung in vollstem Maße auszugestalten: die Lebendigkeit seines Vortrags, die klare Auseinandersetzung fesselte die Hörer an die Lippen des Vortragenden. Wohl sollte man denken, dass Misserfolge auf das Gemüt des Verstorbenen eingewirkt hätten: wurde ihm doch erst im 47. Lebensjahre eine Stellung zuteil, die sein Talent längst verdient hatte, wurde er doch erst im 22. Jahre seiner akademischen Tätigkeit, drei Jahre vor seinem Tode, zum ordentlichen Professor ernannt. Doch all diese bitteren Erfahrungen konnten ihn nicht beugen; er betrachtete dieselben als letzte Ausläufer einer von seiner Person unabhängigen sozialpolitischen Phase, die zu antiquieren er berufen war. Fragt man nun: wäre es Herz möglich gewesen, sich ausschließlich dem Studierzimmer zu widmen und sich dem Krankenbette zu entziehen? So muss man mit ‚Nein’ antworten. Herz war nicht bloß Dozent, er war auch Arzt. Ob reich oder arg, ob vornehm oder gering, mit gleicher Sorgfalt widmete er dem Kranken seine Tätigkeit. Mit Hintansetzung seines Interesses, ja seines glänzenden Nachruhmes, gab er sich dem Berufe des Arztes hin. Allwärts begehrt, lag hierin für ihn eine Quelles des Reichtums – er hat nur wenig daraus geschöpft, die Welt lag ihm offen – er blieb in Erlangen. Forscht man nun nach den Motiven dieser Uneigennützigkeit und Sesshaftigkeit, so kann man fragen: hat Herz der Welt beweisen wollen, dass man, ohne Christ zu sein, in Verfolgung höherer zwecke nicht nach schnödem Mammon jage? Wenn dieses Motiv die Richtschnur des Verblichenen gewesen wäre, dann hätte in seinem Handeln ein heroisch-antiker Charakter gelegen, der, persönliche Interessen opfernd, für das Ganze sich hingab. Dann würde aber dieses Denkmal nur von Juden errichtet werden, es würden nicht Christen und Juden sich hieran beteiligt haben. - Mit Sicherheit ist jedoch die Unrichtigkeit des angegebenen Motives anzunehmen, die Tugend der Selbstlosigkeit schien eben in Herz vollständig zu leben. Geld nahm er, weil er musste, Hilfe gab er, weil er wollte. Redner schilderte noch in beredten Worten die Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit des Verstorbenen, dem gegenüber das Vorurteil zu Nichts zerflossen sei. Es stehe somit die 
Erlangen AZJ 18051875c.jpg (106044 Byte)Festversammlung vor einem Denkmal seltener Art. Man habe schon viele Monumente berühmten Fürsten, Feldherren, Künstlern und Gelehrten errichtet, in dem heute zu enthüllenden Denkmal feiere man den Inbegriff der Allen gleichmäßig obliegenden, in Herz zur Reife gediehenen Tugenden: ‚Wir setzen ein Denkmal dem Menschen’. Nach den Schlussworten des Redners fiel die das Denkmal dem Auge entziehende Hülle. Tausendstimmige Hochrufe übertöten die diesen Akt begleitenden Musikklänge, während in die bayerischen Farben gekleidete Mädchen reiche Blumenspenden zu den Füßen des Denkmals legten. Das Monument zeigt uns Herz in einfachem Gehrocke; in dem portraitähnlichen Antilitze sind die Hauptcharakterzüge des Gefeierten: Milde und Herzensgüte vollendet ausgedrückt. Die Vorderseite trägt die Inschrift:
Professor Dr. Jakob Herz – Geboren 2. Februar 1816 – Gestorben 27. September 1871.
Die Rückseite gibt den Enthüllungstag an. Nachdem die Musik verklungen, richtete Herr Dr. von Brinz im Namen des Komitees an den Bürgermeister der hiesigen Stadt, Herrn Reichold, eine Ansprache, indem er das Denkmal der Stadt Erlangen übergab und gleichzeitig dem Bürgermeister die Urkunde über die zum Andenken des Verstorbenen errichtete Stipendienstiftung mit einem Grundstock von 2.000 Gulden übergab. Herr Bürgermeister Reichold drückte den Dank der Stadt für die Übergabe des Denkmals, das er als der Humanität gewidmet betrachte, aus. Mit den Vorträgen des Gesangsgesellschaften schloss die vom schönsten Wetter begünstigte Feierlichkeit und erst nach Beendigung derselben stellte sich Regen ein."   

     
Über Denkmäler für deutsche Juden, insbesondere das Denkmal für Dr. Jakob Herz in Erlangen (Beitrag von 1902)     

Artikel in der "Allgemeinen
  Zeitung des Judentums"
  vom 26. September 1902:  
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Erinnerung an Prof. Jakob Herz (1928) 

Erlangen BayrGZ 15031928.jpg (124900 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1928: "Jakob Herz. Jakob Herz war der erste Jude auf bayerischem Lehrstuhl. Es dauerte lange, bis er, der überragende Gelehrte und bedeutende Mensch, das Vorurteil der Zeit gebrochen und die ordentliche Professur erlangt hat. Zu Bayreuth geboren, wurde er im 47. Jahre seines Lebens Prosektor zu Erlangen, nach sieben weiteren Jahren wurde ihm 1854 die Zulassung zur Habilitation verweigert, nach weiteren acht Jahren der Titel eines Professors, 1863 eine wirkliche, aber außerordentliche und sechs Jahre später - im 22. Jahre seiner akademischen Tätigkeit und drei Jahre vor seinem Tode - eine ordentliche Professur verliehen. Dem 1871 in Erlangen verstorbenen Professor der Medizin, Jakob Herz, errichteten seine Freunde am Luitpoldplatz zu Erlangen ein von Professor Zumbusch entworfenes Denkmal, das den seltenen Mann in voller Figur darstellt. Ein schöneres noch hat er sich in den Herzen aller derer erworben, die die Herzensgüte und Selbstlosigkeit, die Hilfsbereitschaft, die Bescheidenheit und Aufopferung dieses großen Gelehrten, ganzen Menschen und vollen Juden gekannt haben. H."
Foto links: Das Denkmal für Jakob Herz in Erlangen. 

    
Erinnerung an Prof. Jakob Herz (1933)  

Erlangen Bayr GZ 10111933.jpg (114777 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 10. November 1933: "Erlangen 1933. Professor Jakob Herz zum Gedenken. Jakob Herz war der erste Jude auf bayerischem Lehrstuhl. Nach jahrzehntelangem Kampf erlangte er die ordentliche Professur. Herz war 1816 zu Bayreuth geboren, der Hochbefähigte wandte sich nach harter Jugend der Chirurgie zu. Seine wissenschaftlichen Vorträge und Arbeiten erweckten bald die Aufmerksamkeit der akademischen Welt. 1847 erfolgte seine Ernennung zum Prosektor in Erlangen. 1854, nachdem seine Vorlesungen zu den besuchtesten der Universität zählten, wurde ihm die Zulassung zur Habilitation verweigert, 1862 ernannten man ihn zum Ehrendoktor der Universität Erlangen. 1863, im 47. Jahre seines Lebens, wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Professor und 1869, im 22. Jahre seiner akademischen Tätigkeit und drei Jahre vor seinem Tode, der eines ordentlichen Professors verliehen.
Selbstlos und uneigennützig widmete er sein Können der Menschheit. Seine überragenden Fähigkeiten als Arzt und Lehrer einten sich mit den seltenen Qualitäten einer sollen Persönlichkeit, eines edlen ganzen Menschen. Seine helfende Hand stand in steter Opferbereitschaft, in werktätiger Liebe jedem offen. 
Die unermüdlichen Anstrengungen – im Erlanger Gemeindekollegium betätigte er seinen gemeinnützigen Bürgersinn, in den Kriegen 1866 und 1870 betreute er Lazarette – zehrten an seinem von Jugend auf schwachen Körper. Bereits 1871 war seinem segensreichen Wirken ein frühes Ende gesetzt.
Seine Beisetzung bekundete den ganzen Umfang der Liebe und Verehrung, die der lautere große Mann genoss. Seine Freunde errichteten Professor Jakob Herz am Luitpoldplatz zu Erlangen ein von Professor Zumbusch entworfenes Denkmal. Dieses äußere Zeichen der Anerkennung steht nun nicht mehr. Das schönere aber, das sich der bedeutende Jude im Herzen aller derer erworben, die seine Güte, Hilfsbereitschaft und Aufopferung gekannt, das wird, von Mund zu Mund getragen, nie verlöschen."   

   
Hinweis: seit 2009 verleiht die Medizinische Fakultät der Universität Erlangen jährlich den "Jakob-Herz-Preis". Die Auszeichnung wird für herausragende wissenschaftliche Erfolge auf dem gesamten Gebiet der Theoretischen und Klinischen Medizin vergeben. Der Preisträger wird mit einer Urkunde und einer Medaille mit dem Porträt des Namensgebers ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und wird von den Professoren der Medizinischen Fakultät gestiftet.  
Weitere Informationen zu Jakob Herz und den Jakob-Herz-Preis siehe den Wikipedia-Artikel "Jakob Herz".    
   
   
   
Berichte zu weiteren Personen an der Universität   
Prof. Dr. Isidor Rosenthal wird bei der Wahl zum Rektor der Universität übergangen (1884)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1884: "Nürnberg, 17. Dezember (1884). In Nr. 19 dieses Zeitung befindet sich die Nachricht: Die Universität Erlangen hätte den königlichen Professor Dr. Rosenthal daselbst zum Rektor gewählt und der Minister von Luz hätte die Bestätigung verweigert (die Bemerkung war Berliner Blättern entnommen. Red.). Gerade das Gegenteil ist wahr. Die Universität Erlangen hatte, obschon die medizinische Fakultät an der Reihe war, den Dr. Rosenthal übergangen. Nur die gedachte Fakultät wählte ihn. Die Bestätigung wäre ihm unter der Regierung unseres erlauchten Königs Ludwig II. - Gott erhalte ihn! - durch den liberalen Minister von Luz ganz gewiss zuteil geworden. Das weiß man in Bayern! Ist doch vor kurzer Zeit ein allerhöchster Erlass an alle Präsidien und die Konsistorien ergangen, sich aller Beteiligung an dem antisemitischen Treiben zu enthalten, sonst hätte gar mancher Geistlicher, besonders unter den protestantischen, ein Lüftchen hierzu verspurt und durch Unterschriftbevorwortungen etc. gefördert. Gottlob, unser liebes Bayern ist gegen uns Juden bei weitem das nicht mehr, was es früher, besonders unter dem Minister von Abel unseligen Andenkens, war und es ist eine Gnadenverwaltung Gottes, dass der heillose Antisemitismus nicht zu jener Zeit ausbracht, sonst wäre es uns schlecht ergangen. Wir genießen in allen Stücken gleiches Recht; wir zählen bereits eine schöne Anzahl königlicher Beamten, königlicher Handelslehrer und dergleichen; die Einjährig Freiwilligen und andere Soldaten erfahren seitens ihrer Offiziere, wie in anderen Landen, keine Beleidigung ihres Glaubens wegen etc."         

   
70. Geburtstag und Verleihung des Ehrenbürgerrechtes für Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1906)   

Erlangen Isidor Rosenthal.jpg (42492 Byte)Hinweis: über Prof. Dr. Isidor Rosenthal informiert ein Wikipedia-Artikel   
  
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juli 1906: "Erlangen. Siebzigster Geburtstag. Am 16. dieses Monats begeht der Professor der Physiologie an der hiesigen Universität Dr. J. Rosenthal seinen 70. Geburtstag."       
  
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Juli 1906: "Erlangen. Das Ehrenbürgerrecht der Stadt Erlangen wurde Prof. Dr. Rosenthal zu seinem 70. Geburtstag verliehen."     

   
Postkarte an die Frau von Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1883, ergänzendes Dokument)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
Hinweis: der Frau von Prof. Rosenthal - Anna Rosenthal - ist seit 1998 in Erlangen eine Straße gewidmet: Anna-Rosenthal-Weg.       

Postkarte aus Berlin an 
"Frau Professor Rosenthal 
in Erlangen (Bayern)"
(1883) 
Erlangen Dok 285.jpg (100955 Byte) Erlangen Dok 285a.jpg (136294 Byte)
  Die Postkarte an Frau Professor Rosenthal wurde am 30. Oktober 1883 aus Berlin verschickt.  

        
Auszeichnungen jüdischer Gemeindeglieder durch den König, darunter Prof. Dr. Rosenthal in Erlangen (1885)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1885: "Fürth, 2. Januar (1885, Privatmitteilung). Anlässlich des Neujahrsfestes hat Seine Majestät der König von Bayern folgenden Glaubensgenossen das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens vom heiligen Michael zu verleihen geruht: Herrn Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt W. Frankenburger in Nürnberg, Herrn Professor Dr. Rosenthal in Erlangen, Herrn Oberstabsarzt erster Klasse Dr. Neuhöfer in München. Prof. Dr. Rosenthal wurde bekanntlich bei der letzten Rektoratswahl übergangen, obschon der Turnus seine Wahl erforderte. Dr. Frankenburger hat sich als Landtagsabgeordneter - eine Zeitlang war er auch Mitglied des deutschen Reichstages, nahm aber kein Mandat für diesen wieder an - viele Verdienste erworben, und haben wir hervorzuheben, dass er auch für seine Glaubensgenossen stets eifrig eintrat. Ihm ist die Aufbesserung der Gehälter der Rabbinen aus Staatsmitteln und die Aufhebung des lästigen Judenzolles an die Kirchen zu verdanken."        

         
Isidor Rosenthal wird Ehrendoktor der philosophischen Fakultät (1909)  

Erlangen AZJ 17091909.jpg (38944 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. September 1909: "Der Geheime Hofrat Professor Dr. med. Isidor Rosenthal, Direktor des Physiologischen Instituts an der Universität Erlangen, der erst vor einigen Tagen das goldene Doktorjubiläum feierte, wurde von der Erlanger philosophischen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt." 
   
Nachstehend ein Artikel mit unklarem Hintergrund, daher hier bis zur Klärung nur "am Rande" eingestellt. 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1897: "Das bayerische Kultusministerium hat jetzt nach abgeschlossener Disziplinaruntersuchung dem Professor Rosenthal in Erlangen 'sein Bedauern und Missfallen' über den Vergleich aussprechen lassen, den er in seinem physiologischen Kolleg gezogen hatte." 

 
Prof. Dr. Isidor Rosenthal tritt in den Ruhestand (1913)

Erlangen AZJ 15081913a.jpg (222705 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. August 1913: "Geheimrat Professor Dr. Isidor Rosenthal. Mit Ende des soeben ablaufenden akademischen Sommersemesters tritt eine Zierde deutscher Gelehrsamkeit, eine Größe der heutigen internationalen Medizin nach einer öffentlichen fachwissenschaftlichen Tätigkeit von 54 Jahren in den gewiss wohl verdienten Ruhestand: Isidor Rosenthal in Erlangen, der am 16. Juli das 77. Lebensjahr vollendet hat. Im Jahre 1836 zu Labischin im Regierungsbezirk Bromberg geboren, führte er seine medizinischen Studien an der Universität Berlin durch und brachte die ausschlaggebenden siebzehn Jahre vom 19. bis 36. in der Reichshauptstadt zu, sodass im ‚Berliner Tageblatt’ (Nr. 361) jüngst ein kundiger Berichterstatter feststellen und begründen konnte: ‚Rosenthal ist seiner wissenschaftliche Entwicklung nach als ein Berliner Kind anzusprechen. Hier hat er seine Studien begonnen und unter des unvergesslichen Emil Dubois’ Leitung, dessen langjähriger Assistent und Freund er gewesen, auch vollendet. Rosenthal gehört zu den begabtesten Schülern Dubois’, dem an allgemeiner Bildung, an wissenschaftlicher Gründlichkeit und unbestechlicher Kritik es gleichzutun sein hauptsächliches Bestreben war.’ 
Schon 1859 wurde der erst Dreiundzwanzigjährige Assistent am Physiologischen Institut bei Emil Dubois-Reymond, erhielt 1867 an der Berliner Universität eine außerordentliche Professor und ging 1872 an die Erlanger als Ordinarius der Physiologie und Gesundheitslehre. Daselbst wirkt er nunmehr 41 Jahre, und zwar mit dem für die ziemlich kleinen und kleinlichen Verhältnisse der dritten bayerischen Alma mater denkbar größten Erfolge. Die Schriften und Studien, die J. Rosenthal seit seinem literarischen Auftreten als Fachmann verfasste und drucken ließ, sind folgende: ‚Die Atembewegungen und ihre Beziehungen zum Nervus vagus’ (1862), ‚Elektrizitätslehre für Mediziner und Elektrotherapie’ (1862, dritte Auflage, mit Bernhardt, 1883), ‚Zur Kenntnis der Wärmeregulierung bei den warmblütigen Tieren’ (1872), ‚Ziele und Aussichten der Gesundheitspflege’ (1876), ‚Bemerkungen über die Tätigkeit der automatischen Nervenzentra, besonders über die Atembewegungen’ (1875), ‚Allgemeine Physiologie der Muskeln und Nerven’ (1877, zweite Auflage 1899), ‚Bier und Branntwein in ihrer Bedeutung für die Volksgesundheit’ (1881, zweite Auflage 1893), ‚Atembewegungen und Innervation derselben’ und ‚Physiologie der tierischen Wärme’ (1882, in Hermanns ‚Handbuch der Physiologie’, Band 4), ‚Vorlesungen über öffentliche und private Gesundheitspflege’ (1887, zweite Auflage 1889). Als Leiter publizistischer Unternehmungen betätigte sich Rosenthal, indem er 1869 bis 1880 das ‚Zentralblatt für die medizinischen Wissenschaften’ und 1873 bis 1885 die bei F.A. Brockhaus in Leipzig erscheinende deutsche Ausgabe der ‚Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek’ redigierte. Mit seinen Kollegen Rees und Selenka rief er 1881 das ‚Biologische Zentralblatt’ ins Leben und steht noch jetzt mit Fachgenossen an der Spitze dieses maßgebenden Organs des neuen bedeutsamen Fachs der Biologie.

Natürlich ist eine Aufzählung der einzelnen Beiträge J. Rosenthals zu den von ihm oder anderen geleiteten Zeitschriften hier ebenso sehr ausgeschlossen, wie eine fachgemäße 
Erlangen AZJ 15081913b.jpg (144915 Byte)und sachgemäße Würdigung seines ausgedehnten Schaffens an diesem Orte und beim jetzigen Anlass in Betracht kommen kann. Es muss genügen, einerseits den Weltruf der Leistungen dieses Meisters in der Physiologie des Menschen und in der Hygiene, die er beide mit in erster Linie zu ihrer heutigen Bedeutung emporheben half, festzustellen, andererseits sein ergebnisreiches Streben, mit den Resultaten seiner Studien gleichsam dem täglichen Leben selbst unter die Arme zu greifen: vielleicht der schönste Ruhm des medizinischen Forschers. 
Überhaupt war Isidor Rosenthal stets alles andere als ein weltfremder Stubengelehrter. Er hat sich als modern denkender Mann in dem ihm zur zweiten Heimat gewordenen Erlangen vielfach an den Gemeinde-Angelegenheiten beteiligt und jahrelang als viel beachtetes Mitglied im städtischen Gemeindekollegium mit beratschlagt. In Anerkennung dessen ernannte ihn die Stadt Erlangen zu ihrem Ehrenbürger. J. Rosenthal hat die Kriege von 1864, 1866 und 1870 als Arzt mitgemacht. Im Jahre 1870 war er Stabsarzt beim Hanseatischen Infanterieregiment Nr. 76 und hat nach der Schlacht von Orleans das Eiserne Kreuz erhalten. Auch in der Politik stand er oft genug seinen Mann, indem er sich an den Kämpfen des ausgesprochenen Liberalismus gegen Rückschritt, Verdunkelung und Kulturfeindschaft nachdrücklich beteiligte. Er gehörte zu den geistigen Führen der freisinnigen Partei im nördlichen Mittelfranken.
Die amtliche Bekanntmachung teilte am 16. Juli mit: ‚Vom 1. Oktober laufenden Jahres an wurde der ordentliche Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Erlangen, Geheimer Hofrat Dr. Isidor Rosenthal auf sein Ansuchen von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen befreit und ihm aus diesem Anlass in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleitung der Titel und Rang eines Königlichen Geheimen Rates verliehen.’ Wir schließen diese Skizze über Leben, Wesen und Wirken dieses gediegenen Charakters, der auch jederzeit, wo er eingriff, ohne Aufdringlichkeit eine Persönlichkeit zu verkörpern wusste, mit einigen Sätzen aus dem eingangs erwähnten, dem Scheidenden gewidmeten Artikel eines Kenners im ‚Berliner Tageblatt’ vom 19. Juli: ‚Isidor Rosenthal steht im 77. Lebensjahr und hat nach einer erfolgreichen und ehrenvollen wissenschaftlichen Laufbahn ein volles Anrecht darauf, seinen Lebensabend in einer des hoch angesehenen Forschers würdigen Ruhe zu schließen. - Gleichwohl wird es manchen unter seinen Freunden geben, die seinen Entschluss bedauern. Denn an geistiger Frische vermag er es noch heute mit viel jüngeren seiner Genossen aufzunehmen. Wir wünschen dem ausgezeichneten Physiologen und vortrefflichen Menschen einen schönen Lebensabend. L.F."
   
Erlangen AZJ 08081913.jpg (99031 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1913: "Erlangen, 1. August (1913). Der ordentliche Professor und Direktor des physiologischen Instituts Geh. Hofrat Dr. med. et phil. Isidor Rosenthal wurde auf sein Ansuchen von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen befreit; aus diesem Anlass erhielt er den Titel eines Geheimen Rates. Geheimer Rat Rosenthal ist am 16. Juli 77 Jahre geworden, er ist 1836 in Labischin, Provinz Posen, geboren. Der berühmte Physiologe hat nach einer erfolgreichen und ehrenvollen wissenschaftlichen Laufbahn ein volles Anrecht darauf, seinen Lebensabend in einer des hochangesehenen Forschers würdigen Ruhe zu schließen. Gleichwohl wird es manchen unter seinen Freunden geben, die seinen Entschluss bedauern. Denn an geistiger Frische vermag er es noch heute mit viel jüngeren seiner Genossen aufzunehmen. Rosenthal ist seiner wissenschaftlichen Entwicklung nach als ein Berliner Kind anzusprechen. Hier hat er seine Studien begonnen und unter des unvergesslichen Emil Dubois-Reymond Leitung, dessen langjähriger Assistent und Freund er gewesen, auch vollendet. Rosenthal gehört zu den begabtesten Schülern Dubois', dem an allgemeiner Bildung, an wissenschaftlicher Gründlichkeit und unbestechlicher Kritik es gleichzutun, sein hauptsächlichstes Bestreben war. Wir wünschen dem ausgezeichneten Physiologen und vortrefflichen Menschen einen schönen Lebensabend."    

  
Zum Tod von Prof. Dr. Isidor Rosenthal (1915)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Januar 1915:  "Der Erlanger Physiologe, Geheimrat Professor Dr. Isidor Rosenthal ist am 2. dieses Monats im Alter von 78 Jahren infolge von Herzschwäche gestorben."      

   
Prof. Georg Jacob wechselt von Erlangen nach Kiel (1911)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1911: "Professor Dr. Georg Jacob von der Universität Erlangen, der im 50. Lebensjahre steht, ist als Nachfolger Georg Hoffmanns zum ordentlichen Professor der semitischen Philologie an der Universität Kiel ernannt worden. Er siedelt zu Beginn des Wintersemesters nach Kiel über."  
Anmerkung:  Georg Jacob (1862-1937) war Islamwissenschafter und Orientalist und der Begründer der modernen Turkologie in Deutschland; in Kiel war er der erste Direktor eines eigenen "Orientalischen Seminars" (bis 1929); Nachfolger von Georg Jacob auf dem Lehrstuhl in Kiel wurde Theodor Menzel. 

    
Dr. Markus Zucker wird zum Oberbibliothekar, Philipp Stein zum Bibliothekar befördert (1913)

Erlangen AZJ 15071913.jpg (39491 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli 1913: "Der Bibliothekar mit dem Titel Oberbibliothekar an der Universität Erlangen, Dr. Markus Zucker, wurde zum Oberbibliothekar mit dem Range eines ordentlichen Universitätsprofessors, der Sekretär mit dem Titel Bibliothekar an dieser Bibliothek, Philipp Stein, zum Bibliothekar befördert."

     
Prof. Dr. Max Nöther wird zum Geheimen Hofrat ernannt (1917)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar 1917: "München. Folgende Ernennungen sind zu berichten: der bekannte Mathematiker ordentlicher Professor Dr. Max Nöther - Erlangen zum Geheimen Hofrat, Dr. Paul Arndt, Kunstmaler, Max Obermeyer - München zu Professoren, Lehrer Jakob Possenheimer - Böchingen, Michael Rosenstiel - Mutterstadt, Benzion Ellinger - Fürth, Moses Rüll - Nürnberg, Martin Estenfeld - Mürsbach und Samuel Massenbacher - Niederwerrn zu Hauptlehrern."   
 
Über die Tochter von Prof. Dr. Max Nöther: die Mathematikerin Emmy Nöther (1882-1935)  
Erlangen ENoether 121.jpg (11467 Byte)Foto links aus dem Wikipedia-Artikel zu Emmy Nöther  
       

Artikel von Ursula Naumann in br-online.de (Artikel): 
"Weiblich, jüdisch, links, genial - Die Mathematikerin Emmy Noether. 
Nach ihrem Tod nannte Albert Einstein Emmy Noether das 'schöpferischste mathematische Genie', das seit Beginn des Frauenstudiums hervorgebracht worden sei, rühmte ihre Entdeckungen als außerordentlich wichtig und zukunftsweisend und fand eine prägnante Formel für ihr Arbeitsgebiet: 'Reine Mathematik ist auf ihre Weise die Poesie logischer Ideen'. 
Keine "Verweiblichung" an deutschen Universitäten!  Den meisten von uns ist der Zugang zu dem Ideenreich der Algebra verschlossen, in dem Emmy Noether zu Hause war. Nachvollziehen lässt sich, welche enormen Widerstände die 1882 geborene Tochter eines Erlanger Mathematikprofessors auf ihrem Weg zum Ruhm überwinden musste. Nachdem ihr erstes Habilitationsgesuch an der Universität Göttingen 1915 auf Grund ihres Geschlechts abgelehnt worden war ('zahlreichen studierenden Frauen würde sich hiermit ein neuer Lebenslauf eröffnen, und die wissenschaftliche Höhe der deutschen Universitäten würde durch die fortschreitende Verweiblichung zweifellos sinken'), durfte sie 1919 dann doch habilitieren. Eine ordentliche Professur aber bekam sie nie. Dafür war sie nach der Machtergreifung der Nazis unter den ersten Göttinger Hochschullehrern, denen aus rassischen Gründen die Lehrbefugnis entzogen wurde. Zuflucht und eine neue Wirkungsstätte fand sie am Frauencollege Bryn Mawr/Philadelphia. 
"Offen und versöhnend wie immer gingst Du Deinen Weg". Im Exil ist Emmy Noether am 14. April 1935 nach einer Operation gestorben. 'Dein Herz kannte kein Arg; es glaubte nicht an das Böse', rief ihr ein Freund nach, 'mitten in dem stürmischen Sommer 1933, in dem furchtbaren Kampf, Zusammenbruch und Aufbruch, in einem Meer von Hass und Gewalt, von Angst und Verzweiflung und lastender Sorge, gingst Du Deinen Weg wie vorher, mit demselben Eifer den mathematischen Problemen nachdenkend. Offen wie immer, versöhnend wie immer gingst Du Deinen Weg.'"
Hinweis: am Geburtshaus von Emmy Noether in der Hauptstraße 23 in Erlangen erinnert eine Gedenktafel (abgebildet im Wikipedia-Artikel zu Erlangen); auch das Emmy-Noether-Gymnasium in Erlangen erinnert an sie.   

      
      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod des Gemeindevorstehers Moses Stern (1904)      

Bruck ImdtReich Dez1904.jpg (52133 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Dezember 1904: "Erlangen, 12. Dezember (1904). Vorgestern verstarb im 61. Lebensjahr der Vorstand der Kultusgemeinde Bruck - Erlangen, Kaufmann Moses Stern, ein treues Mitglied unseres Vereins. Die heute erfolgte Beerdigung, bei welcher die Stadt Erlangen durch den zweiten Bürgermeister Fränger und mehrere Mitglieder der städtischen Kollegien vertreten war, legte Zeugnis dafür ab, wie der Dahingeschiedene als Vorstand der Gemeinde und als städtischer Armenpflegschaftsrat es auch verstanden hat, die Beziehungen zu den Behörden zu freundlichen zu gestalten. Auf die tief empfundene Grabrede des Rabbiners Dr. Neuburger - Fürth folgten innige Dankesworte des hiesigen Lehrers Morgenthau namens der Gemeinde Bruck - Erlangen."      

   
Zur Beisetzung von Stabsarzt Dr. Strauß (1910)    

Erlangen AZJ 20051910.jpg (115046 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Mai 1910: "Erlangen, 9. Mai (1910). Gestern Vormittag 10 Uhr fand die feierliche Überführung der Leiche des nach langem schweren Leiden hier verstorbenen Stabsarztes Herrn Dr. Strauß nach Fürth statt, woselbst nachmittags 2 1/2 Uhr die Beerdigung auf dem alten israelitischen Friedhof erfolgt. Der Trauerzug wurde eröffnet durch die Musik des 19. Infanterie-Regiments, den Leichenwagen, begleiteten sechs Sanitäts-Unteroffiziere. Hinter dem Sarge folgten die nächsten Anverwandten des Verstorbenen, die israelitische Kultusgemeinde, Vertreter der Universität, der Staats und städtischen Behörden, das Offiziers-Korps beider Regimente fast vollzählig und die Unteroffiziere des 19. Infanterie-Regiments. An der Stadtgrenze machte der Zug halt, und nachdem Herr Lehrer Katz Abschieds-, Trost- und Dankesworte gesprochen hatte, löste sich der Trauerzug auf, während der Leichenwagen nach Fürth weiterfuhr. Das Offiziers-Korps des Königlichen 19. Infanterie-Regiment König Viktor Emanuel III. von Italien, gezeichnet von Heydenaber, Oberst und Regiments-Kommandeur, widmet dem Verblichenen folgenden warmherzigen Nachruf: 'Das Regiment verliert in dem Entschlafenen einen tüchtigen und pflichtgetreuen Sanitäts-Offizier, dem es stets ein treues und ehrenvolles Andenken bewahren wird."

   
Kaufmann Eduard Goldstein erhält den Doktorgrad der philosophischen und juristischen Fakultät (1912)  

Erlangen FrfIsrFambl 26071912.jpg (48661 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1912: "Erlangen. Kaufmann Eduard Goldstein hat bei der philosophischen und außerdem bei der juristischen Fakultät der Universität auf Grund größerer staatswissenschaftlichen und juristischen arbeiten den Doktorgrad erworben. Dr. Goldstein hat sich, neben einer anstrengenden und erfolgreichen Berufstätigkeit, selbst auf das Gymnasialabiturium vorbereitet und dann Jurisprudenz und Staatswissenschaft studiert."  
Anmerkung: Eduard Goldstein promovierte 1912 über "Die Staatsangehörigkeit der juristischen Personen".    

   
Unfalltod von Emanuel Rosenberger (1916)  

Erlangen FrfIsrFambl 28041916.jpg (20586 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1916: "Erlangen. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde der in Urlaub befindliche Artilleriehauptmann Emanuel Rosenberger infolge Unvorsichtigkeit vom Zuge erfasst und getötet."  

  
Erinnerung an den Fotografen Simon Katz (gest. 1927)   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

Fotopostkarte mit dem jüdischen
 Fotographen Simon Katz (1911)  
Erlangen Dok 290.jpg (154774 Byte) Erlangen Dok 290a.jpg (71462 Byte) Erlangen Dok 290b.jpg (118999 Byte)
Die Fotopostkarte wurde anlässlich des Umzuges beim 75-jährigen Stiftungsfest der Erlanger "Uttenruthia" (Christliche Studentenverbindung, Website) im Jahr 1911 aufgenommen. Der Fotograf hat dabei nicht nur den Umzug, sondern auch den Fotografen Simon Katz bei seiner Arbeit festgehalten (Ausschnittvergrößerung) und es dabei auch für nötig befunden, diesen namentlich auf der Fotokarte zu erwähnen. Simon Katz betrieb in Erlangen ein Fotogeschäft "Atelier für moderne künstlerische Photografie und Kunst-Anstalt". Er starb 1927 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Erlangen beigesetzt. Seitdem führte seine Frau Wilma das Geschäft weiter und wurde später von ihrem Schwiegersohn, Jakob Benesi, einem gelernten Fotografen unterstützt. Zum Schicksal der Familie nach 1933 siehe eine Seite auf der Website hshedenus.de: demnach wurden Jakob Benesi (kath. Konfessionszugehörigkeit) mit seiner Frau Gottliebe geb. Katz und den drei (katholischen) Kindern Erich, Hildegard und Hannelore nach der Deportation in Auschwitz ermordet.     
Seite zu Simon Katz im "Lexikon der Fotografen": http://www.fotorevers.eu/de/fotograf/Katz/4083/       Rechts: Foto aus dem Atelier Simon Katz; 
bei dem Foto handelt es sich 
 um Regina Rost geb. Stöcklein (nichtjüdisch, 
geb. 1883, aus Erlangen) 
(erhalten vom Enkel Fritz Rost)   
 Erlangen Foto Simon Katz 01.jpg (129807 Byte)  Erlangen Foto Simon Katz 01a.jpg (156261 Byte)

    
80. Geburtstag des 2. Vorstandes und Kassiers Leopold David (1931) 

Erlangen BayrGZ 15121931.jpg (49060 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Erlangen. Am 10. November (1931) feierte unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde und einer weiteren nichtjüdischen Öffentlichkeit der 2. Vorstand und Kassier der Israelitischen Kultusgemeinde Erlangen, Herr Leopold David, in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Herr David ist seit dem Jahre 1880 Mitglied der Gemeinde, seit 1896 bekleidet er das Amt eines Mitglied der Gemeindeverwaltung ununterbrochen. Bei dem zu seinem Geburtstag veranstalteten Ehrenabend feierte vor allem Herr Rabbiner Dr. Behrens (Fürth) den Jubilar, der bei der gleichen Gelegenheit zum Ehrenmitglied der Kultusverwaltung ernannt wurde." 

    
Zum Tod des 2. Vorstandes und Kassiers Leopold David (1934)
  

Erlangen Bayr GZ 01111934.jpg (110039 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1934: "Erlangen. Vor kurzem schloss der 2. Vorstand und Kassier der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde Leopold David im 83. Lebensjahre seine Augen für immer. Der Verlust dieses Mannes ist für unsere auf die Hälfte ihrer einstigen Seelenzahl zusammengeschmolzene Gemeinde ein schwerer Schlag. Denn was der Verstorbene in den verflossenen drei Jahrzehnten auf allen Gebieten der Verwaltung geleistet hat, wird für immer mit goldenen Lettern in der Geschichte unserer Kultusgemeinde verzeichnet sein. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde er deshalb zum Ehrenmitglied der Gemeindeverwaltung ernannt. Mit regem Interesse widmete er sich noch bis in die letzten Tage den Obliegenheiten des Kassiers. Eine im Jahre 1930 erschienene Broschüre ‚Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Erlangen’ entstammt seiner Feder. Mit Rücksicht auf die Festtage konnte der Klage um den Heimgang des Verblichenen nur ungenügend Ausdruck gegeben werden und nur kurz konnten Rabbiner Dr. Behrens, Fürth und Lehrer Fränkel, Erlangen, seine Verdienste hervorheben. Bei der später in der Synagoge abgehaltenen Trauerfeier würdigten Lehrer Fränkel und der 1. Vorstand Max Hopfenmaier ausführlich das segensreiche Wirken ihres ‚treuen Ekkehards’ der Gemeinde. Sein Andenken werde zum Segen!"

   
   
Weitere Mitteilungen und Berichte  
   
Sammlung für die Familien der in den Krieg gezogenen Soldaten (1914)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1914: "Die in Erlangen veranstaltete Sammlung für die Familien der ins Feld ziehenden Soldaten beträgt bist jetzt rund 11.000 Mark. Die kleine Israelitische Kultusgemeinde hat allein 500 Mark geschenkt."             

 
Möglichkeit einer koscheren Verpflegung in der Universitätsstadt (1928)  

Erlangen Israelit 02061927.jpg (25426 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1927: "Erlangen, 25. Mai (1927). Hier wurde von der V.J.A. ein unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Deutsch - Fürth stehender jüdisch-akademischer Mittagstisch, Dreikönigstr. 3 eröffnet, wo auch Nichtakademiker nach vorheriger Anmeldung speisen können." 
  
Erlangen Israelit 31051928.jpg (38767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Erlangen, 15. Mai (1928). Die Räumlichkeiten der unter Aufsicht des Herrn Dr. Deutsch in Fürth stehenden Mensa Academica Judaica (Mitglied des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg) befinden sich seit 1. Mai nicht mehr Dreikönigstraße, sondern Engelstraße 21,2, worauf jüdische Reisende hiermit aufmerksam gemacht werden."    


Die Burschenschaft "Bubenruthia" hat Probleme wegen Nichtdurchführung des Arierparagraphen (1934)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Erlangen. Die Burschenschaft 'Bubenruthia' in Erlangen war, wie eine Korrespondenz berichtet, wegen Nichtdurchführung des erweiterten Arierparagraphen aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen worden. Die Burschenschaft wollte einem Mitglied, dessen burschenschaftliche Gesinnung und Haltung sie achtete und auf dessen bedeutsame Arbeit für Deutschland sie stolz war, die Treue halten, auch wenn sie deshalb ihre Existenz aufgeben müsste. Jetzt hat Reichsminister Rust in einem Erlass an den Reichsführer der Deutschen Studentenschaft zugunsten der Burschenschaft 'Bubenruthia' entschieden. Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft hat daraufhin von dem Verlangen des Austritts des Prof. B. aus seiner Altherrschaft Abstand genommen."     
Hinweis: Die Bubenruthia ist die "Burschenschaft der Bubenreuther", gegründet 1817 in Erlangen; Website der Burschenschaft  

   
   
Anzeigen der Gemeinde, von Gewerbebetrieben und Privatpersonen  
Anzeigen von Metzgermeister Salomon Wassermann (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1901: "Suche 
per sofort einen kräftigen Jungen, welcher die Metzgerei gründlich erlernen will. 
Samstags und Feiertage streng geschlossen. 
Salomon Wassermann
, Metzgermeister, Erlangen, Einhornstraße 5".    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1901: 
"Suche per sofort einen kräftigen 
Jungen
, welcher die Metzgerei gründlich erlernen kann. Samstags und Feiertage streng geschlossen. 
S. Wassermann, 
Erlangen,
Einhornstraße 5."     

  
Für die Häute- und Fellhandlung von Jonas Hopfenmaier wird ein Lehrling gesucht (1908)   

Erlangen Israelit 24041908.jpg (49091 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1908: "Lehrlingsgesuch
Per 1. Mai dieses Jahres suche ich einen kräftigen 14-15jährigen jungen Mann für meine Fellhandlung, Samstag und Feiertag streng geschlossen. 
Jonas Hopfenmaier, Erlangen, Bayern."

  
Die Gemeinde verkauft Torarollen (1921)  

Erlangen Israelit 17031921.jpg (46058 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1921: "Torarollen-Verkauf. 3 gut erhaltene und 1 weniger gute Tora-Rollen sind zu verkaufen. Preisangebote erbeten an 
A. Dreifuß, Kultusvorstand der israelitischen Kultusgemeinde Erlangen in Bayern."    

  
Geburtsanzeige für Hermann Hopfenmaier, Sohn von Albert Hopfenmaier und Lisl geb. Feldmann (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Mai 1924: "Hermann.  
Die Ankunft eines kräftigen Stammhalters zeigen hocherfreut an 
Albert Hopfenmaier und Frau Lisl geb. Feldmann. Erlangen, 17. April 1924."     

   
Verlobungsanzeige von Resi Reinemann und Adolf Berberich (1934)   
Anmerkung: Adolf Berberich und Resi (Therese) geb. Reinemann sind beide nach der Deportation umgekommen.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1934: "Gott sei gepriesen
Resi Reinemann - Adolf Berberich. Verlobte.  
Erlangen  -  Frankfurt am Main. Beethovenstraße 38 / Groß-Krotzenburg
Adar 5694 / März 1934".            

     

     

     

       

       

               

 

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Stand: 30. Juni 2020