Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lohrhaupten (Gemeinde Flörsbachtal, Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Lohrhaupten bestand eine jüdische Gemeinde bis 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Zwischen 1693 und 1717, als Lohrhaupten unter der Herrschaft der Grafen von Hanau stand, werden die ersten Juden am Ort genannt: es handelte sich um die Familien des Abraham, Vastel, Josias Mahnes und Gerson Meyer. 
   
1754 werden fünf jüdische Einwohner/Familien genannt. 
   
An jüdischen Familiennamen erscheinen im 19. Jahrhundert u.a. Ehrlich, Maier, Rosenthal, Stern, Strauß. 
    
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1835 47 jüdische Einwohner, 1861 59 (7,1 % von insgesamt 834), 1871 32 (3,9 % von 827), 1882: elf Familien, 1885 55 (6,3 % von 868), 1887 50, 1893 53 (in 13 Familien), 1895 49 (5,7 % von 859), 1905 46 (5,5 % von 831). Die jüdischen Familien lebten in einfachen Verhältnissen. Sie betrieben Viehhandel oder waren Inhaber kleinerer Handels-/Ladengeschäfte. Die meisten hatten auch ein wenig Landwirtschaft. In der Gemeindevertretung der bürgerlichen Gemeinde war längere Zeit Liebmann Rosenthal, später Israel Maier.
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule beziehungsweise zeitweise eine jüdische Elementarschule sowie ein rituelles Bad (bis 1748 im gemeindlichen Hirtenhaus, danach ein neues Bad in der Dünkelbachstraße). In den Ausschreibungen der Lehrerstelle von 1872 und 1876 wird noch ein jüdischer Elementarlehrer für die Gemeinde gesucht, in den Ausschreibungen seit 1884 nur noch ein Religionslehrer (Anzeigen siehe unten), allerdings reden die Ausgaben des "Statistischen Jahrbuches des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" von 1892, 1893 und 1894 von der (israelitischen) "Volksschule" in Lohrhaupten. Von den Lehrern werden genannt: um 1869/71 L. Ehrlich (vor Ausschreibung 1872), Lehrer Neumann (ca. vor 1880), Abraham Ottenheimer (vor Ausschreibung 1884), um 1885 Lehrer Fulder (zwischen Ausschreibungen 1884 und 1886), um 1887/88 S. Katz (nach Ausschreibung 1886), um 1892/94 K. Rotschild (maximal bis Ausschreibung 1897, keine Nennung in "Statistisches Jahrbuch" 1895; unterrichtete 1892 sechs Kinder, 1895 vier Kinder); um 1897 M. Heinemann (vor Ausschreibung 1897, da in "Statistischen Jahrbüchern" 1898 und 1899 kein Lehrer in Lohrhaupten genannt; unterrichtete 1897 fünf Kinder).
  
Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.
  
Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Altengronau beigesetzt.
   
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1868 David Ehrlich, um 1887 L. Rosenthal, um 1892/94 Löb Rosenthal und J. Schafheimer.   
 
An jüdischen Vereinen gab es einen "Wohltätigkeitsverein" (um 1888/92 genannt unter Leitung von Binas Löb Strauß 
   
Um 1924 gehörten noch 20 bis 25 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,4 - 2,7 % von etwa 825). Ein eigener Lehrer und Vorbeter war damals nicht mehr angestellt. Als "aushilfsweiser Kantor" wird Samuel Strauß genannt. An jüdischen Vereinen gab es weiterhin den "Wohltätigkeitsverein" tätig (Chewra, Ziel: Bestattungswesen und Wohltätigkeit, 1924 acht Mitglieder). 1932 war Vorsteher der Gemeinde I. Rosenthal, Schriftführer Samuel Strauß. 
   
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in sechs Familien am Ort (2,5 % von 833). In den folgenden Jahren ist der größere Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert, sodass am 1. Oktober 1937 nur noch neun jüdische Einwohner gezählt wurden. Ende Juni 1934 war das Haus der Familie Halle von Nationalsozialisten gestürmt und die Fenster eingeschlagen worden, weil sich Julius Halle bei der Polizei darüber beschwert hatte, dass kurz zuvor ein HJ-Angehöriger ihm ins Gesicht geschlagen hatte. Der Kaufmann Bernhard Rosenthal war mit seiner Familie 1935 nach Palästina ausgewandert, die Familie Samuel Strauß emigrierte nach Brasilien. Letzter Gemeindevorsteher soll Michael Strauss gewesen sein.   
      
Von den in Lohrhaupten geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", aktualisiert am 9.8.2024 nach den Recherchen von Wolf-Dieter Gutsch): Julie Alexander geb. Hess (1899), Jenny Freudenreich geb. Schafheimer (1894), Ida Goldschmidt (1890), Debora (Dora) Hess (1894), Regina Künstler geb. Oppenheimer (1875), Julius Schafheimer (1902), Karoline Schafheimer (1870), Mina (Minna) Schafheimer (1863), Sara Schafheimer (1865), Arnold Strauss (1891), Cilli (Zilly) Strauss (1905), Josef Strauss (1878), Leo Strauss (1892), Max Strauss (1890), Siegmund (Sigmund) Strauss (1868), Diana (Anna) Voss geb. Schafheimer (1903).
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Lehrer- und Vorbeterstelle 1872 / 1876 / 1884 / 1886 / 1894 / 1897 / 1901       

Lohrhaupten Israelit 28081872.jpg (40553 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1872: "Die Elementar-, Religionslehrer- und Vorbeterstelle in hiesiger Gemeinde ist vakant und soll alsbald besetzt werden. Fixer Gehalt 120 Taler nebst freier Wohnung. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Zeugnisse über bestandene Elementarlehrerprüfung an den unterzeichneten Vorstand franko einsenden. 
Lohrhaupten (bei Gelnhausen), im August 1872. Der Synagogen-Vorstand: D. Ehrlich". 
  
Lohrhaupten Israelit 08111876.jpg (56627 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Bekanntmachung
In der Synagogengemeinde Lohrhaupten ist die Elementar- und Religionslehrerstelle, mit welcher die Versehung des Vorsängerdienstes verbunden ist, mit einem jährlichen Einkommen von 700 Mark nebst freier Wohnung und Heizung, erledigt. Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche, mit den erforderlichen Zeugnissen versehen, innerhalb 3 Wochen bei der unterzeichneten Stelle einreichen. 
Hanau, den 3. November 1876. Königliches israelitisches Vorsteher-Amt. Hamburger."
   
Lohrhaupten Israelit 18021884.jpg (43055 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1884: "Durch die Versetzung des seitherigen Herrn Lehrers wird die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochet-Stelle bis zum 15. März dieses Jahres vakant und soll sofort wieder besetzt werden. Gehalt 600 Mark, freie Wohnung und Heizung, Akzidenzien ca. 100 Mark. Bewerber wollen unter Vorlage der Zeugnisse bei dem Unterzeichneten sich melden.  
Lohrhaupten, Kreis Gelnhausen, den 15. Februar 1884. Der Synagogen-Älteste. Rosenthal."  
 
Lohrhaupten Israelit 16101884.jpg (61493 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1884: "Bekanntmachung
Die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters in der israelitischen Gemeinde Lohrhaupten mit einem jährlichen fixen Gehalt von 600 Mark freier Wohnung und Heizung ist erledigt. Geeignete unverheiratete Bewerber wollen ihre Gesuche unter Beifügung ihrer Zeugnisse innerhalb 4 Wochen anher einsenden.
Hanau, 10. Oktober 1894. Königliches israelitisches Vorsteheramt. Hamburger."
    
Lohrhaupten Israelit 12081886.jpg (77844 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1886: "Bekanntmachung
Für die Synagogengemeinde Lohrhaupten soll ein Religionslehrer, Vorsänger und Schächter gegen den Bezug eines jährlichen Gehaltes von 600 Mark, freie Wohnung und Heizung bestellt werden. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Abschriften der erforderlichen Zeugnisse innerhalb 4 Wochen anher einreichen. 
Kandidaten, welche ein Preußisches Lehrerseminar nicht besucht haben, haben sich einer Prüfung vor der Prüfungskommission für israelitische Religionslehrer zu Hanau zu unterziehen. 
Hanau, den 6. August 1886. Das Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Koref."
  
Weitere Ausschreibung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1894: "In der Synagogengemeinde Lohrhaupten ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters gegen den Bezug eines jährlichen Gehaltes von 500 M., freie Wohnung und Heizung, sowie ungefähr 100 Mark Nebeneinkommen zu besetzen. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Abschriften der erforderlichen Zeugnisse bis zum 10. Juni einreichen. 
Hanau, 4. Mai 1894.  Das Vorsteheramt d. Israeliten. Dr. Koref."    
  
Lohrhaupten Israelit 08101897.jpg (55688 Byte)Anzeige in der Zeitung "Der Israelit" vom 8. Oktober 1897: "In der Synagogen-Gemeinde Lohrhaupten ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters gegen den Bezug eines jährlichen Gehaltes von Mark 600, nebst freier Wohnung, Heizung und ca. Mark 100 Nebeneinkommen zu besetzen
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Gesuche mit Zeugnisabschriften alsbald hier einreichen.  
Hanau, 7. Oktober 1897. 
Das Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Koref."  
  
Lohrhaupten Israelit 21111901.jpg (63719 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1901: "In der Synagogengemeinde zu Lohrhaupten ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters gegen den Bezug eines jährlichen Gehaltes von Mark 600 nebst freier Wohnung, Heizung und einem Nebeneinkommen von Mark 150-200 alsbald zu besetzen. Unverheiratete Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis zum 6. Dezember 1901 anher einreichen. 
Hanau, 11. November 1901. 
Das Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Bamberger."      

   
Zum Tod von Lehrer Neumann (zeitweise - vor 1880? -  Lehrer in Lohrhaupten) (1920)      

Friedberg Israelit 11031920.jpg (111219 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1920: "Friedberg in Hessen, 7. März (1920). Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Am Heiligen Schabbat mit der Toralesung Teruma starb in Frankfurt am Main infolge einer Operation Herr Lehrer Neumann, der mehr als zwanzig Jahre die Funktionen eines Lehrers, Kantors und Schochets hier ausgeübt hat. Schüler der Präparandenanstalt zu Burgpreppach und des Seminars zu Köln war er nacheinander in Lohrhaupten, Herborn, an der Israelitischen Religionsgesellschaft in Gießen, in Reinheim, Groß-Gerau und schließlich dahier tätig. Überall wusste er sich durch große Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit die Zufriedenheit der Gemeinden zu erwerben. An seinem Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Sander, Gießen, der besonders das Lehrgeschick des Verstorbenen hervorhob, Herr Lehrer Ehrmann, dahier, für den 'Unabhängigen Verein israelitischer Lehrer Hessens' und für den 'Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands', denen der Verewigte angehört hatte, Herr Rektor Philipps von der hiesigen Volksschule, das Vorstandsmitglied Herr Ferdinand Krämer für die Gemeinde und Herr Studienassessor Ehrmann, Frankfurt am Main, im Namen der Schüler. Möge sein Andenken ein gesegnetes sein! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zu Lehrer Fulder (zwischen Ausschreibungen 1884 und 1886 genannt als Lehrer in Lohrhaupten)  
Es handelt sich sehr wahrscheinlich um Bernhard Fulder (1866-1940), der von 1886 bis 1893 Lehrer in Nordheim, danach in Diespeck (von 1893 bis 1911) und in Treuchtlingen (1911 bis 1933, dann im Ruhestand hier bis 1937/38) war. Dieser hatte die Würzburger Israelitische Lehrerbildungsanstalt 1884 verlassen und hat sehr wahrscheinlich seine erste (unständige) Stelle in Lohrhaupten angetreten. Bernhard Fulder ist 1866 in Thüngen geboren (weitere Informationen dort). Er war verheiratet mit Ida geb. Oberdorfer, mit der er vier Kinder hatte (siehe Seite zu Thüngen). 1911 ist er - in Diespeck - zum Hauptlehrer ernannt worden ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 24.3.1911 S. 9). Er wohnte zuletzt (ab 1938) im Altersheim in Gailingen, von wo aus er im Oktober 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert wurde. Hier ist er bereits im November 1940 umgekommen.  
  
  

 40-jähriges Ortsjubiläum in Mainz von Kantor und Lehrer Abraham Oppenheimer (1926, war vor 1886 in Lohrhaupten und Ottensoos   

Mainz Israelit 29071926.jpg (82885 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1926: "Mainz, 19. Juli. Am Schabbos beging Herr Kantor und Lehrer Abraham Oppenheimer sein 40jähriges Ortsjubiläum im Dienste der hiesigen Israelitischen Religionsgesellschaft, nachdem er vorher kurze Zeit in Lohrhaupten und Ottensoos gewirkt hatte. Die Wertschätzung seiner Tätigkeit zeigte sich in der nach beendigtem Morgengottesdienst in seiner Wohnung stattgehabten Feier. Nach einem vom Synagogenchor ausgeführten Ständchen ergriff Herr Rabbiner Dr. Bondi das Wort, zu größeren Ausführungen, um die großen Verdienste des Jubilars in Schule und Gotteshaus eingehend zu würdigen, worauf der Gefeierte kurz erwiderte, dass er für alle dargebrachten Ehren bestens danke – die Gemeinde ließ ein größeres Geschenk überreichen – aber doch nur eigentlich seine selbstverständliche Pflicht erfüllt habe. Wir aber rufen Herrn Oppenheimer zu: 'Brich auf, fahr einher bis 100 Jahre' (nach Psalm 45,5)"
Anmerkungen: -  Schabbos Jiddisch für Schabbat, https://de.wikipedia.org/wiki/Schabbat  
-  Rabbiner Dr. Bondi: vgl. Artikel zu Rabbiner Dr. Bondi von 1890    

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Lohrhaupten - das "hessische Eldorado der Hundertjährigen" - Artikel von 1882

Lohrhaupten Israelit 26071882.jpg (62297 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" von 26. Juli 1882: "Hanau, 10. Juli (1882). Lohrhaupten scheint das hessische Eldorado der Hundertjährigen zu sein, zum mindesten aber einen Beleg zu der verbreiteten Ansicht zu liefern, dass unter den Juden die längstlebenden Menschen zu finden sind. In der nur 11 Familien bestehenden israelitischen Gemeinde zu Lohrhaupten befinden sich vier Personen, welche zusammen nicht weniger als 371 Lebensjahre zählen. Der Jüngste dieses Vierblattes ist ein 82jähriger Mann, ihm voransteht ein 84jähriger, der aber von einem 100jährigen, dessen Auge allerdings fast ganz umnachtet ist, an Rüstigkeit und leichter Beweglichkeit noch übertroffen wird. Die älteste Person ist eine 105jährige Frau."

   
Ergebnisse von Spendensammlungen in der Gemeinde

Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig für unterschiedliche Zwecke Spenden gesammelt; die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen Periodika veröffentlicht. Nachstehend finden sich nur einige der aus Lohrhaupten vorliegenden Spendenergebnisse. 
 

- 1868: Spendensammlung für "die Armen des heiligen Landes": "...Durch E. M. Grünstein, Vorsteher in Romsthal: aus Lohrhaupten Sal. Heß 1 fl. 7 kr., A. Schufmann 1 fl., V. Stern 1 fl. 12 kr., F. Schafheimer 36 kr., Sal. Heß 1 fl., E. Strauß 1 fl. 30 kr., B.L. Strauß 1 fl., Vorsteher David Ehrlich 6 fl. 35 kr., zusammen 14. fl." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1868 S. 902).  Link      
- 1869: Spendensammlung "für unsere dürftigen Glaubensbrüder an der russischen Grenze...":  "... Lohrhaupten: Durch David Ehrlich: Israel Strauß 1 fl. 45 kr., Victor Stern 36 kr., B. L. Strauß 1 fl., David Ehrlich 5 fl. 39 kr. Summa 9 fl."  (in der Zeitschrift "Der Zeitschrift" vom 28. April 1869 Extra-Beilage). Link  
- 1869: weitere Spendensammlung "für unsere dürftigen Glaubensbrüder an der russischen Grenze..." "...Lohrhaupten: Durch Lehrer Ehrlich: M. Strauß 1 fl. 45 kr., Seligmann Heß 30 kr., Frau Bes Strauß 30 kr., Frau Merla Stern 30 kr., Lehrer Ehrlich 1 fl. 45 kr., Theres Straus 1 fl. Summa 6 fl." (in in der Zeitschrift "Der Zeitschrift" vom 12. Mai 1869). Link   
- 1869: weitere Spendensammlung "für unsere dürftigen Glaubensbrüder an der russischen Grenze..." "...Lohrhaupten: Durch Lehrer Ehrlich: B.L. Strauß 1 fl, Frau Betti Strauß 1 fl. David Ehrlich 3 fl. 30 kr.  Summa 6 f.." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1869)
- 1870: Spendensammlung "zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im heiligen Lande": "...Lohrhaupten. Durch Lehrer L. Ehrlich: Israel Strauß 1 fl., Binas Löb 1 fl., Victor Stern 1 fl. 10 kr., Michael Strauß 1 fl. 45 kr., Abraham Schafheimer 1 fl. 30 kr., David Ehrlich 3 fl., Lehrer Ehrlich 1 fl. 35 kr. Summa 11 fl." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1870 S. 3)
- 1870: Weitere Spendensammlung "zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im heiligen Lande": "...Lohrhaupten. Durch Lehrer L. Ehrlich:
Viktor Stern 36 kr., Israel Strauß 1 fl., Michael Strauß 1 fl. 45 kr., Binas Löb 1 fl., Ungenannt 7 fl., Lehrer Ehrlich 1 fl. 4 kr., zusammen 12 fl. 25 kr. Durch den Synagogen-Ältesten David Ehrlich: Viktor Stern 1 fl. 12 kr., Seligman Heß 1 fl., Israel Strauß 1 fl. 30 kr., Michael Strauß 1 fl., Binas Löb 1 fl. 12 kr., Salomon Heß 30 kr., Abraham Schafheimer 1 fl. 10 kr., Jonas Schafheimer 24 kr., David Ehrlich 6 fl. Aus der Kupas Erez Israel 37 kr., zusammen 14 fl. 35 kr. Summa 27 fl." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1870).  Link  
- 1885: Spendensammlung "zur Unterstützung unserer Glaubensbrüder im heiligen Land": "...Lohrhaupten. Durch Synagogen-Ältesten L. Rosenthal: Michael Straus 5, B.L. Strauß 5, Salomon Heß 3, Lehrer Fulder 3, Israel Strauß 3, L. Rosenthal 5, Synagogenbüchse 9,02, Abraham Schafheimer 2,70, Israel Meier 0,30, Feist Meier 0,50. Summa 36,52 M." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1885 S. 4).  
- 1920: Spendensammlung "zur Unterstützung unserer Glaubensbrüder in heiligen Land": "...Lohrhaupten. Chewra 10.-, Strauß, J. Rosenthal, S. Rosenthal und L. Rosenthal je 5.-, S. Strauß 3.-, J. Schafheimer 1.-" (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1920 S. 4).  
- 1921: Spendensammlung zum "Erez-Jisroel-Fonds": "Lohrhaupten: L. Rosenthal 41,60, gesammelt von: H. Strauß 5, L. Rosenthal, Jac. Rosenthal 10, aus Chewra 10, aus den Synagogenbüchsen 11,60." (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1921 - zusammen mit "Blätter, hrsg. vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland").

      
     
Berichte über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Der 1875 in Schweinfurt verstorbene fromme David Ehrlich aus Lohrhaupten möchte nicht in Schweinfurt beigesetzt werden (gest. 1875 in Schweinfurt)
  
Anmerkung: David Ehrlich war langjähriger jüdischer Gemeindevorsteher in Lohrhaupten. 

Schweinfurt Israelit 24111875a.jpg (234886 Byte)Hinweis: der gesamte Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1875 wird zitiert in der Textseite zur jüdischen Geschichte in Schweinfurt: "...Freilich hat die israelitische Gemeinde in Schweinfurt in sozialer Beziehung manchen Fortschritt gemacht. So hat sie es durchgesetzt, eine Piece des allgemeinen Friedhofes für sich zu erhalten. Allein, keine Mauer, kein Zaun scheidet zwischen jüdischen und christlichen Gräbern, und in einer Reihe von Jahren können die jüdischen Gräber von Symbolen nichtjüdischer Religionsgebräuche umgeben sein und den Besuchern der jüdischen Gräbern das Beten auf den Gräbern ihrer Angehörigen unmöglich machen. Bis jetzt birgt dieser jüdische Friedhof nur erst einige Kinder. Denn bei einigen erwachsenen Personen kam es vor, dass sie ausdrücklich testierten, nicht in Schweinfurt zur Erde bestattet sein zu wollen. So geschah dies namentlich von Seiten eines auch in diesen Blättern unter den jüdischen Wohltätern oft genannten Mannes, namens David Ehrlich. Derselbe, durch Todesfälle in seiner Familie allein stehend, zog von Lohrhaupten hinweg zu seinen Kindern nach Schweinfurt, woselbst er aber schon nach einigen Monaten verstarb. Dieser biedere Mann, zu seiner Ehre sei's gesagt, hat die Orgelsynagoge nicht betreten und stets lieber sein Gebet im Verborgenen verrichtet. Darum aber hatte seine irdische Hülle beim Verbringen in einen auswärtigen Friedhof, sich nicht der Ehre einer großen Begleitung zu erfreuen!* Ja, solch' ein wahrhaft frommer Jehudi hätte in Schweinfurt noch viel des Guten stiften können, und namentlich hätte derselbe sicherlich seinen Vorsatz, sich ein Privat-Minjan, wo nach Gesetz und Tradition gebetet worden wäre, noch zur Ausführung gebracht, wenn der himmlische Wille ihn nicht so rasch abberufen hätte. – Möchten doch die übrigen konservativen Elemente in dieser und anderer Beziehung erstarken, damit es auch dem wahren Jehudi möglich werde, seinen Wohnsitz nach der handelsreichen und wahrhaft liberalen Stadt Schweinfurt zu verlegen...". 
*
) Ob die mir gewordene Mitteilung, wonach eine gewisse Persönlichkeit in Schweinfurt bei dem Tode Ehrlichs geäußert haben soll: 'Hat doch sterben müssen, wenn er die Orgelsynagoge auch nicht besucht hat', wahr oder nicht, soll hier nicht untersucht werden."  

  
Zum Tod des jungen, aus Lohrhaupten stammenden Lehrers Wolf Schafheimer (1901)

Graefenhausen Israelit 05081901.jpg (95232 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1901: "Groß-Gerau, 1. August (1901). Soeben wurde mir die tieftraurige Nachricht, dass mein lieber Freunde und Studiengenosse, Herr Lehrer Wolf Schafheimer, nach schwerem Leiden das Zeitliche gesegnet hat. Wer ihn gekannt, wird ihn nur als wahren, echten Jehudi betrauern müssen. Zuletzt als Lehrer in der israelitischen Gemeinde zu Gräfenhausen bei Darmstadt tätig, war er stets bemüht, das religiöse Leben dieser Gemeinde zu fördern und zu verbessern. Seinen lieben Eltern und Geschwistern war er ein steter Wohltäter. Leider sollte ihm nur ein kurzes Leben beschieden sein. So wurde er im letzten Vierteljahr von einer tückischen Krankheit befallen, die ihn nötigte, seinem Berufe zu entsagen. Bei seinen Eltern in Lohrhaupten bei Gelnhausen fand er leider die erhoffte Genesung nicht, denn am 5. Aw (= 21. Juli 1901) hauchte er seine reine Seele aus in dem noch so jugendlichen Alter von kaum 24 Jahren. In seiner Berufstätigkeit galt er als ein gewissenhafter, berufsfreudiger Lehrer, und erfreute sich derselbe auch stets der Anerkennung seiner Vorgesetzten und seiner Gemeinde. S. Hofmann, Lehrer."   

  
Hochzeit von Sophie Meier aus Lohrhaupten und Wolf Lebrecht aus Schöllkrippen in Wächtersbach mit fürstlichen Hochzeitsgästen (1903)  
Anmerkung: seit dem 5. Mai 1903 war Anna Gräfin Dobrženský von Dobrženitz (1852–1913) Fürstin zu Ysenburg-Wächtersbach. Sie war seit 1879 mit Fürst Friedrich Wilhelm zu Ysenburg und Büdingen verheiratet. vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_zu_Ysenburg_und_Büdingen.    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. September 1903: "Lohrhaupten. Am 13. d. M. feierten Frl. Sophie Meier von Lohrhaupten und Herr Wolf Lebrecht - Schöllkrippen ihre Hochzeit in Wächtersbach. Vor der Trauung avisierte Ihre Durchlaucht Fürstin Isenburg, Wächtersbach ihre Ankunft. Präzise 11 3/4 Uhr erschien auch Ihre Durchlaucht Hoheit mit sämtlichen Prinzessinnen und Hofdamen. Am Schlusse des Trauaktes gratulierten Ihre Durchlaucht Hoheit herzlichst und verabschiedeten sich dann."   

    
Mitteilungen zu einzelnen Personen der jüdischen Gemeinde  

-  1867: Spendensammlung bei der Hochzeit von Herz Friedenheim in Theilheim mit Adelheit Ehrlich aus Lohrhaupten (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1867 S. 524).     
-  1897: Spendensammlung bei der Hochzeit von Sally Strauß aus Braunfels mit Bertha Rosenthal aus Lohrhaupten (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1898 S. 5) 
-  1909: Verlobung von Ricke Rosenthal aus Lohrhaupten mit Joseph Lehmann aus Würzburg (in "Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 19. November 1909 S. 5)
Nach Strätz Biographisches Handbuch I S. 336 war Josef (Joseph) Lehmann ein am 12. Juli 1879 in Wiesenbronn geborener und um 1910 mit seinem Bruder Samuel nach Würzburg gezogener Weinhändler (Wü, zunächst Röntgenring 6). Er war Kriegsteilnehmer von 1915 bis 1918 und führte mit seinem Bruder in Würzburg die Weinhandlung Fa. S. Lehmann & Co. (zuletzt Wolframstr. 3). Joseph war verheiratet mit Ricke/Ricka geb. Rosenthal, die am 19. Dezember 1881 in Lohrhaupten geboren ist. Die beiden hatten eine Tochter Lilli (geb. 10. Februar 1911). Joseph starb am 10. Februar 1931 in Würzburg.  
Seine Witwe Ricka emigrierte im Oktober 1941 nach Kuba, später nach New York, wo bereits die Tochter lebte, die seit 1936 mit Victor Gibbs (1910-1995) verheiratet war. Ricka verstarb 1947 und wurde im Cedar Park Cemetery in Paramus, Bergen, New Jersey/USA beigesetzt. Tochter Lilli (Lilly) Gibbs verstarb am 9. Januar 1995.
  
Links: Grabstein für die in Lohrhaupten geborene Ricka Lehmann geb. Rosenthal   https://de.findagrave.com/memorial/208865720/ricka-lehmann
   
Grab von Lilly und Victor Gibbs siehe  https://de.findagrave.com/memorial/289031099/lilly-gibbs   
-  1932: Verlobung von Bella Rosenthal in Lohrhaupten mit Siegfried Kugelmann aus Hamburg (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 3. November 1932 S. 6).  
-  1932: Gestorben ist Jakob Rosenthal in Lohrhaupten (in: "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" vom Februar 1932 S. 137).   
-  1933: Barmizwah-Feier von Walter, Sohn von Julius Halle und Hannchen geb. Meier in Lohrhaupten am 28. Januar 1933 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 26. Januar 1933 S. 6).   

 
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Private Anzeige - Stellengesuch (1877)  

Lohrhaupten Israelit 19121877.jpg (25998 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1877: "Ein Vorbeter und nicht examinierter Lehrer, der seit mehreren Jahren hebräischen Unterricht gründlich erteilt, wünscht sofort Anstellung.
Zu wenden an Herrn L. Goldstein in Lohrhaupten bei Bieber (Kurhessen)."

   
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Caroline Oppenheimer geb. Hess aus Lohrhaupten (1819?-1915) und Emanuel Oppenheimer aus Bad Mergentheim (1821-1922) 
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; nach Auskunft von Paul Theobald, Frankenthal vom 20.5.2017 war der Geburtsname von Caroline Oppenheimer "Hess" .      

Mergentheim New York Salem 1673.jpg (184047 Byte)   Mergentheim New York Salem 1673a.jpg (124641 Byte)   Grabstein für 
"Our Beloved Mother 
Caroline Oppenheimer 
Born in Lohrhaupten, Germany, 
December 14, 1819 (?), 
Died August 21, 1915" und 
"Our Beloved Father 
Emanuel Oppenheimer  
Born in Mergentheim, Germany  
April 3, 1821, Died Jan. 7, 1922".  

   
   
   

Zur Geschichte der Synagoge               
    
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1885/86 wurde eine neue Synagoge erbaut.   
   
Die Synagoge in Lohrhaupten war integriert in ein charakteristisches jüdisches Gemeindezentrum mit hohen Rundbogenfenstern im Bereich des Betsaales. Im Gebäude befand sich auch die Lehrerwohnung und der Raum für die jüdische Schule.
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Fenster der Synagoge eingeworfen; über weitere Zerstörungen ist nichts bekannt, vermutlich weil das Gebäude bereits seit 1935 verkauft worden war. Nach Klärung des Restitutionsverfahrens 1951 blieb es in Privatbesitz, bis es 1974 abgebrochen wurde. 
   
Über das Schicksal des Gebäudes berichtet Thea Altaras (1988 S. 157): "Im Zuge der Errichtung neuer Garagen im Hof ließ der Besitzer die ehemalige Synagoge in den 1970er-Jahren abreißen, weil das Gebäude baufällig geworden sei. Er hätte es gerne als Kino eingerichtet, jedoch wegen der schlechten Isolierung des Gebäudes wären die Außenwände zum Hang bei schlechter Witterung undicht gewesen, und so ließ er diesen Gedanken fallen. Er selbst hat jedoch die ehemalige Synagoge nie repariert". Auf dem Platz der Synagoge wurden zwei Garagen erstellt. 
   
Im Mai 2016 wurde am Kreissparkassengebäude (Hauptstraße 2 unweit des Synagogenstandortes) eine Gedenktafel für die ehemalige Synagoge angebracht. Auf der Gedenktafel findet sich auch eine Darstellung der ehemaligen Synagoge (Zeichnung von 1957; ein Foto existiert nicht).   
   
   
Adresse/Standort der Synagogein der Ortsmitte / Pfaffenhäuser Straße 
   
   
Fotos         
(Quelle: Arnsberg: Bilder-Dokumente S. 135).

Zeichnung der Synagoge und Zustand 
nach dem Abriss in den 1970er-Jahren
Lohrhaupten Synagoge 010.jpg (66469 Byte) Lohrhaupten Synagoge 199.jpg (82300 Byte)
  Federzeichnung der 
ehemaligen Synagoge 
Die an Stelle der in den 1970er-Jahren
 abgebrochenen Synagoge erbauten Garagen
     
Der Kaufladen der Familie Rosenthal in Lohrhaupten 
(Quelle: Postkarte: Sammlung Hahn; 
Foto rechts: Familie Rosenthal) 
Lohrhaupten Kaufhaus Rosenthal PK 1601.jpg (481065 Byte)   Lohrhaupten Kaufhaus Rosenthal 010.jpg (54285 Byte)
  Links: Historische Ansichtskarte von Lohrhaupten mit dem Kaufladen der Familie Rosenthal (eingestellt in hoher Auflösung)  
     
     
Begräbnisplatz der Lohrhaupter Juden:
 Altengronau
Altengronau Friedhof 152.jpg (92267 Byte) Neuwied Friedhof 204.jpg (112787 Byte)
  Grabstein für Sara Rosenthal aus
 Lohrhaupten (1871-1919) im 
jüdischen Friedhof Altengronau  
Andernorts entdeckt: Grabstein für
 Johanna Goldschmidt geb. Stern aus Lohrhaupten 
(1825-1912) im jüdischen Friedhof 
Neuwied-Niederbieber
  

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
           

November 2009: Presseartikel zur jüdischen Geschichte in Lohrhaupten (erhalten von Fred G. Rausch)  
Lohrhaupten PA 112009.jpg (238589 Byte)Artikel von Holger Senzel im "Lohrer Echo" vom 7. November 2009 (Artikel):  18 Lohrhauptener Juden auf den Opferlisten
Reichspogromnacht: Fenster der Synagoge zerstört - Viele jüdische Einwohner ausgewandert - Gemeinschaft mit Mittelsinnern und Burgsinnern
Flörsbachtal-Lohrhaupten Große Zerstörungen waren in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Lohrhaupten nicht zu beklagen. Nur die Fenster der Synagoge wurden eingeworfen. Aber 18 Juden, die in Lohrhaupten wohnten, starben durch die Nationalsozialisten...".  
Link zum Artikel     
 
 
Herbst 2014: Nachkommen einer jüdischen Familien Lohrhauptens zu Besuch  
Lohrhaupten 122014.jpg (114823 Byte)  Artikel in der lokalen Zeitschrift "Die Dorfschelle"  14. Jahrgang Ausgabe Nr. 4 www.dorfschelle.net: "Familie Thal aus Israel besucht Lohrhaupten. Jakob Thal wurde als Jakob Rosenthal im Jahr 1932 im Gelnhäuser Tal in Lohrhaupten geboren. Er entstammt der jüdischen Kaufmannsfamilie Rosenthal, die über Generationen ein Kaufhaus in Lohrhaupten betrieb - bis sie 1934 vor den Nazis ins damalige Palästina floh.  
Jakob Thal verbindet allerdings wesentlich mehr als nur seine Geburt mit Deutschland. So hat er in den 1960er-Jahren hier studiert. Auch seinen Geburtsort Lohrhaupten hat er bereits mehrfach unbemerkt von der Öffentlichkeit besucht. Einen erneuten Deutschlandaufenthalt hat Jakob Thal nun zum Anlass genommen, seiner Frau und seinen 5 Kindern seinen Geburtsort zu zeigen.  
Mit der Frage nach Kenntnissen und Zeugnissen des jüdischen Lebens in Lohrhaupten wand sich Herr Thal an die Gemeinde Flörsbachtal. Dies war Anlass für den Lohrhaupter Hobby-Historiker Udo Weiß, die Geschichte des jüdischen Lebens in Lohrhaupten mit bereits gesammelten Unterlagen zu dokumentieren. So konnten Bürgermeister Frank Soer und Udo Weiß die Familie Thal im Flörsbachtaler Rathaus begrüßen und die bisher gewonnenen Erkenntnisse erläutern und mit dem abgleichen, was Herr Thal aus den Berichten seiner Eltern in Erinnerung hat.  
Abgerundet wurde der Besuch mit einem kurzen Rundgang zu der Stelle, an der das Geburtshaus Jakob Thals stand. Auf besonderes Interesse der Besucher aus Israel stieß der Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge. Beeindruckt zeigte sich Bürgermeister Frank Soer von der Offenheit und der positiven Grundeinstellung der gesamten Familie Thal zu Lohrhaupten im Besonderen und zu Deutschland im Allgemeinen. 'Diese Haltung ist angesichts des Schicksals der Familie Rosenthal und der Ermordung von Millionen Juden im sog. Dritten Reich alles andere als selbstverständlich.  
Den Besuch der Familie Thal wird die Gemeinde Flörsbachtal zum Anlass nehmen, um die Bemühungen der ortsansässigen Hobby-Historiker zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Lohrhaupten verstärkt zu unterstützen. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde sind Gedenkveranstaltungen, Vorträge und Gedenktafeln zum jüdischen Leben in Lohrhaupten angedacht.  Wer Fotos, Dokumente oder auch Kenntnisse von überlieferten Begebenheiten aus dieser Zeit hat, wird herzlich gebeten, diese der Gemeinde Flörsbachtal zur Verfügung zu stellen, um ein möglichst vollständiges und zutreffendes Bild erstellen zu können. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Schulzuweisungen an Einzelpersonen oder Familien, sondern um eine Dokumentation, die weit über die Nazi-Zeit hinaus reicht."   
 
Mai 2016: Ausstellung "Jüdisches Leben in Lohrhaupten" - Anbringung einer Gedenktafel für die Synagoge    
Lohrhaupten Dorfschelle Mai2016.jpg (45200 Byte)Anzeige in "Die Dorfschelle" www.dorfschelle.net vom Mai 2016 S. 3:: "Fotoausstellung 'Jüdisches Leben in Lohrhaupten'. 
Über Jahrhunderte besaß Lohrhaupten - im Gegensatz zu den anderen Flörsbacher Ortsteilen und vielen Spessartdörfern - eine Jüdische Gemeinde. Aus Dokumenten des Hessischen Staatsarchivs und mittels zur Verfügung gestellter Bilder und Fotos konnte das Jüdische Leben in Lohrhaupten erforscht werden. 
Daraus entstanden ist u.a. eine Fotoausstellung, zu deren Präsentation die Gemeinde Flörsbachtal in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Gelnhausen für Sonntag, 22. Mai 2016, 14 Uhr in den Bürgersaal in der Kreissparkasse in Lohrhaupten einlädt. 
Neben der Fotoausstellung wird eine Gedenktafel für die Synagoge am Kreissparkassengebäude enthüllt. Umrahmt wird das Programm durch Livemusik. Seine Teilnahme hat zugesagt der in Lohrhaupten geborene und in Israel lebende Jacob Rosenthal (Sohn des letzten jüdischen Kaufhausbesitzers im Gelnhäuser Tal)."    
Dazu auch Presseartikel im "Gelnhäuser Tageblatt" vom 7. Mai 2016: "Als man im Spessart noch Sabbat feierte":  Link zum Artikel    
 
Mai 2016: Die Gedenktafel für die Synagoge wurde angebracht   
Artikel im "Gelnhäuser Tageblatt" vom 23. Mai 2016: " Flörsbachtal. "Spannende Zeitreise"
AUSSTELLUNG Zahlreiche Besucher tauchen ein in das "Jüdische Leben in Lohrhaupten" / Gedenktafel für Synagoge eingeweiht
FLÖRSBACHTAL
- (bis). Das Interesse am Thema 'Jüdisches Leben in Lohrhaupten' ist offenbar groß. Viele Besucher waren der Einladung der Gemeinde Flörsbachtal und der Kreissparkasse Gelnhausen zur Fotoausstellung gefolgt, um sich über die jüdische Vergangenheit des Spessartorts zu informieren.
Manche nutzten die Gelegenheit, um bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen, auch mit Jacob Tal, der nach einigen Besuchen mit Familie und Freunden erneut nach Lohrhaupten gekommen war. 'Angesichts der Geschichte und der dahinter stehenden Schicksale ist dies mehr als bemerkenswert', sagte Bürgermeister Frank Soer bei seiner Begrüßung. Jacob Tal kam am 15. Juli 1932 als Sohn von Selma und Bernhard Rosenthal in Lohrhaupten zur Welt. Sein Elternhaus stand an der Ecke Gelnhäuser Tal/Pfaffenhäuser Straße, wo die Familie einen Gemischtwarenladen führte. Auf dessen Gründung 1825 in Lohrhaupten weist die Rotal Group auf ihrer Internetseite heute noch hin.
Zur Aufarbeitung der Geschichte gehöre sicher auch die Frage, warum das jüdische Leben in Lohrhaupten verloren gegangen ist. Sie stehe aber nicht im Mittelpunkt des Tages, betonte Soer. Und schon gar nicht solle mit dem Finger auf diejenigen gezeigt werden, die auch in Lohrhaupten am Schicksal der Juden mitgewirkt haben. Vielmehr gehe es darum, in welchem Zeitraum Juden im Dorf lebten, wo sie wohnten, wie sie von Nichtjuden gesehen wurden und welchen Einfluss sie auf das Leben der Bevölkerung und die umliegenden Orte hatten. 'Es ist sehr spannend, welche Erkenntnisse sich ergeben', so der Bürgermeister. In einem alten Dokument von 1657 wurde beklagt, dass ein Jude die Sonntagsruhe nicht eingehalten habe. 1693 ist die Rede von vier jüdischen Familien in Lohrhaupten. 1864 lebten 59 Juden in dem Spessartort bei insgesamt 834 Einwohnern. Im Durchschnitt soll ihr Anteil zehn Prozent der Bevölkerung betragen haben. 1894 hatte die Gemeinde Lohrhaupten Steuereinnahmen von 588 Mark, von denen alleine 390 Mark von jüdischen Einwohnern stammten. 1925 trat eine jüdische Liste zur Gemeindewahl an. Laut Überlieferungen aus Partenstein hätte es die ärmere Bevölkerung der umliegenden Spessartdörfer ohne die Juden in Lohrhaupten wesentlich schwerer gehabt. Anhand eines 3D-Dorfmodells konnte man den Standort der von 1885 bis 1974 existierenden Synagoge und anderer jüdischer Häuser nachvollziehen. Die Ausstellung sei nicht das Ende der Forschung über das jüdische Leben in Lohrhaupten, sondern ein Zwischenschritt, ließ Soer wissen. Aufgrund des Interesses insbesondere von Geschichtsvereinen aus umliegenden Kommunen, werde die Ausstellung in den Sitzungssaal des Rathauses verlegt und könne während der Öffnungszeiten besichtigt werden.
Besuch aus Israel. Die jüdische Geschichte ist nur ein Teil der Forschungsarbeiten der Lokalhistoriker Paul Reinert und Udo Weiß, von dem die Dokumente lesbar gemacht wurden. Er hat zudem eine umfangreiche Dokumentation erstellt, die er an Jacob Tal übergab. Dieser hatte als Gastgeschenk die Familiengeschichte und ein Buch über Israel mitgebracht. Bevor von den Beteiligten die Gedenktafel mit einer Zeichnung der Synagoge am Gebäude der Kreissparkasse enthüllt und kurz der Standort besichtigt wurde, berichtete Tal, dass er 1963 während seines Studiums erstmals nach Deutschland zurückkehrte. Die Vergangenheit kenne er nur aus den Erzählungen seiner Eltern, denn er war gerade erst zweieinhalb Jahre alt, als die Familie 1934 nach Palästina auswanderte. 'Die Gedenktafel ist eine noble Tat, die von uns sehr hoch anerkannt ist', betonte er in seiner bewegenden Rede. Alle Grußredner zeigten sich beeindruckt vom Charakter Jacob Tals. 'Sie müssen eine außerordentliche Persönlichkeit sein', stellte Landrat Erich Pipa fest. 'Aus ihren Worten spricht Versöhnung', sagte die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Lohr, Christine Kohnle-Weis. Weitere Grußworte sprachen der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Gelnhausen, Horst Wanik, sowie Paul Reinert als Vertreter des Archäologischen Spessartprojekts. Manfred Lemm und Fred Patzelt gaben der Veranstaltung mit Klezmer-Musik einen würdevollen Rahmen." 
Link zum Artikel: "Spannende Zeitreise" (Gelnhäuser Tageblatt, 23.05.2016) 

   

    
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Flörsbachtal 
bulletLohrhaupten Dok 1902.jpg (95356 Byte)Hinweis: In Lissabon - Bibliothek Ohel Jakob - finden sich zwei Bücher aus der jüdischen Gemeinde Lohrhaupten, siehe Beitrag von Annette M. Boeckler: Os Livros de Lohrhaupten  https://hehaver-oheljacob.org/?p=6699 
Bei einem Buch handelt es sich um ein Gebetbuch mit den Selichot und dem Vermerk "Gebetbuch von Samuel Strauß", beim anderen findet sich der Vermerk "Eigenthum der Synagogen Gemeinde Lohrhaupten. Der Synagogen Älteste Rosenthal".  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Lohrhaupten 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Lohrhaupten sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,567  Trauregister der Juden von Lohrhaupten  1826 - 1870    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319773      
HHStAW 365,568  Sterberegister der Juden von Lohrhaupten  1826 - 1876  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4449183   
HHStAW 365,566  Geburtsregister der Juden von Lohrhaupten  1826 - 1878  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4101088     

 Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 497.
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 135.
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 156-157.
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 136.
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 204.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 494-495. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lohrhaupten (now part of Floersbachtal) Hesse Nassau. Dating from the 18th century, the Jewish community numbered 59 (7 % of the total) in 1861 and built a synagogue in 1889. Reduced to 21 in 1933, the community disbanded four years later and the nine remaining Jews left.  
   
    

                   
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Stand: 31. Januar 2026