Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Basel (Kanton Basel-Stadt, CH) 
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen
 
(zu aktuellen Informationen siehe die Website der Israelitischen Gemeinde Basel unter http://www.igb.ch/ 
sowie die Website der Israelitischen Religionsgesellschaft Basel unter http://leben.schearim.org/gemeinde_irg.html 
und die Website der Chabad Basel unter www.chabadbasel.com
 

Es bestehen weitere Seiten mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Basel in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens: 
 
  -  Seite mit allgemeinen Berichten sowie Berichten aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben in Basel bis in die 1930er-Jahre     
  -  Seite mit Berichten zu überregional bedeutsamen jüdischen Einrichtungen in Basel bis in die 1930er-Jahre     
  -  Seite mit Berichten zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde bis in die 1930er-Jahre    
  -  Seite mit Berichten zu den Rabbinern und Lehrern der jüdischen Gemeinde bis in die 1930er-Jahre   
  -  Seite zu den jüdischen Friedhöfen in Basel    
   
  
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen 
Mittelalter   
19./20. Jahrhundert  
   -  Die Synagoge am Unteren Heuberg (1850)      
   -  Die Synagoge in der Leimenstraße (1868) 
   -  Die Kleine Synagoge (1909)     
   -  Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft in der Ahornstraße (1929)   
   -  Die Synagoge der Chabad Gruppe in der Ahornstraße - "Feldinger Chabad Center" (2012)        
Links und Literatur   

    
    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
   
In Basel gab es eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Die erste Gemeinde bestand von der Zeit um 1200 (1213 erste urkundliche Erwähnung von Juden in der Stadt) bis zu den Verfolgungen während der Pestzeit, als am 16. Januar 1349 die Basler Juden grausam verbrannt wurden. Von etwa 1360 bis zur Ausweisung der Juden aus Basel 1400 bestand nochmals eine kleinere, zweite mittelalterliche jüdische Gemeinde in der Stadt. 
 
Nachdem sich seit 1799 einige elsässische Juden niederlassen konnten, wurde um 1805 eine neue Gemeinde in Basel gegründet. Basel AZJ 03081839.jpg (16882 Byte)Doch war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ansiedlung von Juden in der unmittelbaren Umgebung der Stadt (Basel-Land) noch höchst umstritten. Im August 1839 meldete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" (siehe links, Artikel vom 3.8.1839): "Basel, 9. Juli (1839). Baselland hat den Juden jeden Aufenthalt auf seinem Gebiete, außer an den Markttagen, untersagt. Alle Handlungsdiener jüdischen Glaubens sollen binnen einigen Tagen das Land verlassen." Die insgesamt gegenüber Juden noch sehr unfreundliche Stimmung und die fehlende Klarheit im Blick auf das Recht einer dauerhaften Niederlassung in der Stadt und im Kanton führte zunächst dazu, dass die Zahl der jüdischen Familien in Basel von 36 Familien (1815) auf elf Familien (1846) zurückging. Erst der Abschluss eines Niederlassungsvertrages mit Frankreich und die neue Bundesverfassung (1849) brachte den Israeliten die Gleichberechtigung und führte zu einem stärkeren Zuzug jüdischer Familien vor allem aus elsässischen Gemeinden.  
   
Seit 1872 wurden die ersten Juden in das Basler Bürgerrecht aufgenommen; die Revision der schweizerischen Bundesverfassung 1874 brachte dem Land die Garantie der religiösen Freiheit. In der Folgezeit begann ein schneller Aufstieg der jüdischen Gemeinde in der Stadt, die auch bald eine überregionale Bedeutung bekommen sollte: 1897 war der 1. Zionistenkongress in Basel. 
   
Nicht nur aus dem Elsass kamen jüdische Zuwanderer in die Stadt; seit den 1860er-Jahren zogen auch jüdische Familien aus dem süddeutschen Raum zu. Die Zahl jüdischer Einwohner nahm im 19. Jahrhundert stark zu von 198 (1815) auf 1897 (1900) und 1903 (1901)
  
Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges kam eine größere Zahl von "Ostjuden" aus Russland und Polen in die Stadt, die auf der Flucht vor Pogromen ihre Heimat verlassen hatten.
  
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die jüdische Gemeinde in Basel ihre Blütezeit. Zahlreiche Organisationen und Vereine prägten das Leben der jüdischen Gemeinde. Eine Übersicht über die israelitische Gemeinde, den damaligen Vorstand, die Beamten und die Institutionen sowie die Vereine der israelitischen Gemeinde um 1920 gibt die Beschreibung der Baseler Gemeinde im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" von 1921/22:      

Basel JuedJbSchw 1921 175.jpg (92439 Byte)Artikel im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5682 Jahrgang 1921/22 S. 175: "Basel. Die im Jahre 1805 begründete jüdische Gemeinde zählte heute 475 Gemeindemitglieder. Es wohnen in Basel zirka 3.000 Seelen. Vorstand: J. Dreyfus-Brodsky, Präsident; S. Günzburger, Vizepräsident; S. Bloch-Roos, Sekretär; Dr. Werner Bloch, Kassier; weitere Mitglieder: A. Bodenhaar, Dr. M. Ditisheim, E. Heymann, Jules Jung, Dr. L. Levaillant, Lucien Levy, Jules Spira. Beamte: Dr. A. Cohn, Rabbiner; Oberkantor: Max Epstein; Dr. L. Hausmann, Religionslehrer; M. Löb, Kantor; J. Nordmann und M. Gintzburger, Synagogendiener.   
Institutionen der israelitischen Gemeinde. Synagoge: Eulerstraße 2-6 (Abwart: R. Ley). Gemeindehaus mit Betsaal. - Rituelles Bad. - Schächt- und Fleischkommission (Präsident: Lucien Levy). - Jüdische Genossenschaftsmetzgerei (Präsident: Emil Heymann). - Religionsschule mit 4 Lehrern und 300 Schulkindern (Präsident: Dr. Ditisheim). - Israelitische Armenpflege (Präsident: Jules Jung; Sitzung der engern Kommission jeden Donnerstag 11-12 1/2 Uhr, Leimenstraße 24). - Jüdisches Auswandererbureau (Sekretariat: Jules Bloch). - Friedhof-      
Basel JuedJbSchw 1921 176.jpg (195935 Byte)Kommission (Präsident: S. Bloch-Roos). - Israelitische Leihkasse (Präsident: J. Spira). - Rabbiner Dr. A. Cohnsche Jubiläumsstiftung Hachnosas-Kalloh. - Israelitischer Armenfonds. - Pensionsfonds. - Synagogenchor Schir-Zion (Präsident: S. Günzburger-Hirsch).  
Weitere jüdische Institutionen: Beth Hamidrasch (israelitisches Lehrhaus), Spalentorweg 32. Reichhaltige Bibliothek, tägliche Lernvorträge. - Adass Jisroël-Gemeinschaft (Präsident: Typer); Bethaus Hegenheimerstraße. Gottesdienst an Sabbat und an Feiertagen. - Agudas Achim (Präsident: J.A. Sephs); Bethaus Florastraße 18, Kleinbasel. - Israelitisches Waisenhaus (Präsident: J. Dreyfus-Strauss). - Israelitisches Asyl in Hegenheim (Präsident: S. Dreyfus-Bernheim). - Jüdische Krankenschwester-Institution (Präsident: J. Dreyfus-Strauss). - Jüdische Bibliothek (Präsident: Dr. K. Meyer). - Schweizer jüdische Volksbibliothek, Spalentorweg 32.  
Vereine: Loge Bnei Dris (Präsident: Dr. F. Arnstein). - Chevra Kadischah (Präsident: L. Eisenmann). - Schomre Thora Männerverein (Präsident: Charles Nordmann), unterhält eine hebräische Fortbildungsschule (Lehrer: M. Schwarz) und veranstaltet täglich Schiurim. - Schomre Thore Jünglingsverein (Präsident: Adrien Blum), Vereinversammlung jeden Sonntag, außerdem mehrere regelmäßige Schiurum. - Chevro Espérance (Präsident: J. Dreyfus-Strauss). Chewro Ez-Chaim (Präsident: Dr. M. Ditisheim). - Chewro Dowor Tow (Präsident: L. Rueff-Feitler). -  Israelitischer Frauenverein (Präsidentin: Frau Dreyfus-Strauss). - Jüdisch-polnischer Frauenverein (Präsidentin: Frau R. Botschko). - Chewro Malbisch Arumim (Präsidentin: Frau Ditisheim-Brunschwig). - Verein für Erziehung israelitischer Waisen (Präsident: J. Dreyfus-Strauss). - Agudas Jisroël Ortsgruppe (Präsident: N. Schterenbuch). - Agudas Jisroël Mädchengruppe (Präsidentin: Fräulein Bella Nordmann). - Misrachi Ortsgruppe (Präsident: P. M. Goldschmidt). - Zionistische Vereinigung (Präsident: Dr. Edm. Goetschel, Basel). - Verein Zion. - Degel Jeruscholajim Ortsgruppe. - Verein Cercle (Schützengraben). Alliance Israélite Universelle, Lokalkomitee. - Verein Erholung (Präsident: Rudolf Loeb). - Verein Achdus. - Jüdischer Turn- und Sportverein (Präsident: Adrien Blum). - 'Hechawer', zionistischer Stundentenverein. - 'Hehardea', Altherrenverband (Präsident: Dr. E. Wormser). - Jüdischer Wanderbund Blau-Weiss (Präsident: Willy Eisner)."       

Neben den jüdischen Institutionen und Vereinen der Israelitischen Gemeinde Basel war die Stadt noch Sitz mehrerer überregionaler jüdischer Organisationen, darunter der Verein zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz (gegründet 1907), der in Basel auch die Schweizerische jüdische Volksbibliothek betrieb (um 1920: Spalentorweg 32) und das Schweizerischen Komitee für Erze Jisroël (Suisse Comité pur Erez Jisroël, gegründet 1909), wie auch das Internationale Pro Falascha-Komitee (Sitz um 1920 in Basel, Missionsstraße 32). Das "Schweizerische Israelitische Waisenhaus" (gegründet 1903) war in der Gotthelfstraße 98 in Basel eingerichtet.         
   
1927 kam es zu einer Trennung zwischen der Israelitischen Gemeinde in Basel (IGB) und der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Basels (IRG). Diese eröffnete eigene Einrichtungen, darunter die 1929 eingeweihte Synagoge in der Ahornstraße.   
  
In den 1930er-Jahren kam es in der Stadt mehrfach zu judenfeindliche Aktivitäten und Zusammenkünften. Selbst die "Basler Zeitung" tendierte zu einer antisemitisch gefärbten Berichterstattung. 1938/39 - nach dem "Anschluss" Österreichs und nach Kriegsbeginn - verloren die Antisemiten in der Schweiz jedoch ihren Rückhalt in der Bevölkerung.     
  
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner in Basel-Stadt und Basel-Land wurde - nach Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge aus NS-Deutschland - um 1941 mit etwa 3.050 Personen erreicht (davon etwa 2.850 in Basel-Stadt), um nach 1945 langsam zurückzugehen. 
  
In der Shoa kamen auch mehrere der in Basel geborenen oder längere Zeit dort wohnhaften jüdischen Personen ums Leben beziehungsweise wurden ermordet (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Simon Adler (geb. 1920 in Liestal, später in Saargemünd wohnhaft), Eleonore Baum geb. Prötz (geb. 1904 in Basel, später in Nonnenweier und Karlsruhe wohnhaft), Camille Bloch geb. Wyler (geb. 1886 in Basel, später in Nancy wohnhaft), Claudine Bloch (geb. 1935 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Jeanne Bloch geb. Brunswig (geb. 1902 in Basel, später in Strasbourg wohnhaft), Moseka-Adele Byesunski geb. Langbemeim (geb. in Basel), Berthe Adrienne Cahen geb. Halff (geb. 1887 in Basel, später in Metz wohnhaft), Laura Cerf (geb. 1879 in Basel), Fanny Czarny geb. Lubelski (geb. 1911 in Basel, später in Sosnowic, Polen wohnhaft), Martin Deck (geb. 1910 in Basel, später in Paris wohnhaft), Isaak Eckmann (1912, später in Brüssel wohnhaft), Marja Esther Ejzenberg-Kohn (geb. 1910 in Basel, später in Köln wohnhaft), Bernard Faijngold (geb. 1911 in Basel, später in Marseille wohnhaft), Lina Goldschmidt geb. Kahn (geb. 1899 in Basel, später in Frankfurt am Main wohnhaft), Joseph Grünheim (geb. 1908 in Basel, später in Lörrach wohnhaft), Bertha Gutmann geb. Warmund (geb. 1899 in Basel, später in Berlin wohnhaft), Erwin Herz (geb. 1897 in Basel, später in Saarbrücken wohnhaft), Jean Hess (geb. 1897 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Edmee Hirsch geb. Ditisheim (geb. 1907 in Basel, später in Colmar wohnhaft), Juliette Khann (geb. 1866 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Prof. Dr. Leo Krüger (geb. 1904 in Riga, zeitweise an der Universität in Basel tätig), Marcel Kuflik (geb. 1912 in Basel), Klara Kusznir geb. Tannenbaum (geb. 1900 in Basel, später in Hannover wohnhaft), Emil Levy (geb. 1905 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Jeanne Levy (geb. 1886 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Sophie Levy (geb. 1881 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Toni Levy geb. Stein (geb. 1893 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Erna Loeb (geb. 1913 in Basel), Lucie Lucas (1878), Rose Malinsky geb. Weissberg (geb. 1906 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Gustave Meyer (geb. 1882 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Lilli Pless (1900), Brainscha (Berthe) Rosentraub geb. Fajngold (geb. 1907 in Basel), Betty Rubin (geb. 1906 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Lotte Samuel (geb. 1912 in Basel, später in Philippsburg wohnhaft), Else Schujueschuurder geb. Kahn (geb. 1907 in Basel, später in Haarlem NL wohnhaft) Max Schmierer (geb. 1914 in Basel, später in Köln und Karlsruhe wohnhaft, später in Brüssel wohnhaft), David Silbermann (geb. 1912 Liestal, später wohnhaft in Britz), Minni (Hermine) Steinfeld geb. Baumann (geb. 1879 in Basel, später in Frankfurt am Main wohnhaft), Valentine Sophie Strauss geb. Guggenheim (geb. 1881 in Basel, später in München wohnhaft), Yvonne Weill geb. Dreifuss (geb. 1904 in Basel, später in Mulhouse wohnhaft), Jonas Wertheimer (geb. 1911 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Max (Marcel) Wertheimer (geb. 1912 in Metz, später in Basel, Saint Louis und Toulouse wohnhaft), Gerson Wolff (geb. 1888 in Basel, später in Frankreich wohnhaft), Sara Zygelman geb. Wald (geb. 1902 in Basel).      
   
   
Gegenwart: Ende 1996 hatte die IGB etwa 1.650, die IRG etwa 250 Gemeindeglieder. Derzeit (2017) leben insgesamt etwa 2.000 jüdische Personen in der Stadt. Seit etwa 2002 bereichert auch die Chabad Lubawitsch-Bewegung das jüdische Leben in Basel.       

Übersicht 2017:   
Israelitische Gemeinde Basel (I.G.B): Leimenstraße 24, 4051 Basel    www.igb.ch  
Israelitische Religionsgesellschaft in Basel (I.R.G.): Ahornstraße 14 4055 Basel   http://www.inforel.ch/i1166    
Agudas Achim Minyan – Nusach Sfard: Leimenstraße 45, 4051 Basel     http://godaven.com/detail.asp?Id=3231           
Bet Chabad: Ahornstraße 33 4055 Basel.  www.chabadbasel.com deutsch: http://www.chabadbasel.com/?lang=de     
Holbeinhof – Alters- und Pflegeheim: Leimenstraße 67, 4051 Basel    http://www.holbeinhof.ch/ 
Mikwen bestehen bei der Israelitischen Religionsgesellschaft: Thannerstrasse 60 - Tel.  078 880 22 18.
I.G.B - Mikva al gabey Bor - Eulerstrasse 8. Tel.  079 208 23 65.

    
    
    
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen       
  
Mittelalter  

  
Die mittelalterliche Synagoge lag im 13. Jahrhundert und bis zur Verfolgung 1349 am Rindermarkt, der heutigen Unteren Gerbergasse, auf dem Areal des späteren Stiftes St. Leonhard. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (von etwa 1367 bis etwa 1400) bestand eine Synagoge auf dem Grundstück Grünpfahlgässlein 1. Nach der Ausweisung der Juden wurde das Gebäude der "Judenschule", wie es noch bis ins 19. Jahrhundert genannt wurde, zu profanen Zwecken verwendet.   
   
   
19./20. Jahrhundert   
Die Synagoge am Unteren Heuberg (1850)
 
  
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es zunächst nur die Möglichkeiten zu Gottesdiensten in privaten jüdischen Wohnhäusern. Im Zusammenhang mit den Neuregelungen des Niederlassungsrechtes beziehungsweise Niederlassungsgesetzes (1847/49) konnten die jüdischen Familien der Stadt an die Einrichtung beziehungsweise den Bau einer Synagoge denken. Zunächst war jedoch der Bau einer Synagoge nur als "Privatbau" und nicht als öffentlicher Bau der jüdischen Gemeinde möglich (siehe unten Artikel vom Mai 1850). Der Gemeindevorsteher Leopold Dreyfus konnte mit Genehmigung der Stadt das "Nideckersche Magazin" auf dem Heuberg kaufen, um dieses zur Synagoge für die Juden der Stadt umzubauen. Die Einweihung der Synagoge erfolgte in Anwesenheit des Rabbiners von Hegenheim Moise Nordmann am 4. September 1850. Er hatte zur Einweihung auch den israelitischen Gesangsverein aus Hegenheim mitgebracht, der für die musikalische Gestaltung des Einweihungsgottesdienstes sorgte.               
    
Der Bau einer Synagoge ist geplant (1849)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. November 1849 (aus einem längeren Beitrag über die Situation der Juden in der Schweiz): "Auch von Basel ist in den organischen Verbesserungen der jüdischen Gemeinde nur Erfreuliches zu berichten. Mehrere junge Männer, die sich der zerfallenden Gemeinde angenommen, haben in wenigen Jahren recht Ordentliches zustande gebracht. Und diese wenigen Familien werden nun eine Synagoge bauen, was gewiss kein geringes Opfer für diese Leute sein wird. Es ist noch nicht alle Religiosität geschwunden in Israel!"              

   
Als Synagogenbau wird nur ein "Privatbau" gestattet (1850)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Mai 1850: "Von Basel muss ich Ihnen noch schnell sagen, dass die dortige Regierung den Synagogenbau nur insofern gestattet, wenn ein Privatmann den Bau auf seinen Namen nimmt, aber nicht als einer Korporation gehörend. Mit anderen Worten: sie gestattet einen Privatbau aber keine Synagoge."        

  
Einweihung der neuen Synagoge (1850)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1850: "Basel, 4. September (1850). Die zu Basel erscheinende 'Schweizerische National-Zeitung' enthält von dort aus folgenden Artikel: Heute war es uns vergönnt, der Einweihung des israelitischen Gebethauses beizuwohnen, und wir können nicht unterlassen, einige Bemerkungen darüber auszusprechen. Wir werden in keine weitere Beschreibung dieser Festlichkeit eintreten, sondern einfach versuchen, den innern Eindruck einer so würdigen Feier wiederzugeben. Die ganze heilige Handlung hatte etwas recht Ernstes und Würdevolles, und das Zeremonielle dabei, der Umzug mit den Gesetzesrollen in der Synagoge, dies aus uralter Zeit Hergebrachte und Erhaltene, wies so recht wieder darauf hin, wie von Generation zu Generation dieses vielfach verfolgte Geschlecht doch seinem alten Glauben und seinen Satzungen treu geblieben. Eine der Sache angemessene und inhaltreiche Rede über das Hoffen und Bestreben des jüdischen Volkes hielt der uns Allen so vielfach bekannte Rabbiner Nordmann. Er setzte in einfachen Worten die Bedeutung des Gotteshauses im Allgemeinen (woran auch jeder Christ sich hätte erbauten können) auseinander und dann die besondere des israelitischen Gottesdienstes, dem man so oft vorgeworfen, bloß Zeremoniendienst ohne innere Herzensnahrung zu sein. Er gab zu, dass hier freilich manches zu wünschen übrig bliebe, dass aber die Zeit selbst, die den Bestrebungen dieses von Gott so schwer heimgesuchten Volkes immer hemmend in den Weg getreten, dass die feinseligen Beschränkungen von allen Seiten her, die überall streitend wider das ernstliche Bestreben des jüdischen Volkes auftraten, dass diese vielfach die Schuld trügen, warum Israel hinter seiner Vervollkommnung noch stets zurückstehe, und fragt, ob aber nun der Kämpfer, der mit Staub und Blut bedeckt aus dem Kampfe zurückkehrt, sich seiner Wunden zu schämen hätte. Er wies dann dagegen auch hin auf unsere so vielfach bewegte Gegenwart, die in ihrem regen Schaffen und Erneuern endlich auch dem israelitischen Volke mit Duldsamkeit entgegenkommt und, vereint mit den ernstlichen Bestrebungen in eigner Mitte nicht ermangeln wird, das Volk Gottes den Verheißungen Jehovas immer näher zu bringen.          
Kurz Nordmanns Rede, die sowohl den Glauben als das Hoffen seines Volkes so schön und klar uns darstellte, würde jeden Judenbekehrer (wären sie nur da gewesen!) davon überzeugt haben, dass dies Volk, das durch alle Zeiten und Stürme hindurch, diesem seinem Glauben und Hoffen stets treu geblieben, dass dies Volk ihrer seichten und plattköpfigen Proselytenmacherei etwas entgegenzubieten hat, das nicht von gestern auf heut erst, sondern einen Glauben, der seit Jahrhunderten bestehend, Halt genug haben wird, ihren engherzigen Bestrebungen zu trotzen, hat er doch so vielfach den Verfolgungen und dem Tode selbst die Spitze geboten. Ein Volk, das wie das israelitische, so klar mit sich selbst, so entschieden weiß, was es soll und will, ein solches Volk bedarf keiner Bekehrung. Möge vielmehr unsere Zeit, die so vielfältig überall nach Vervollkommnung und Willensklarheit ringt, möge sie immer je mehr und mehr auch dem israelitischen Volke die Schwingen lösen und den Weg bahnen, damit auch es auf die seine, wie wir Christen auf unsere Weise, empor sich hebe nach dem Morgenrote der Vollendung.* 
Anmerkung: *) Die oben erwähnte Rede ist 'zum Besten der Armen' gedruckt erschienen. Sie entspricht obigem Urteil. Wir führen das Schlusswort derselben hier an: '...Der Kampf von außen hat aufgehört, so sollen wir auch den Staub abschütteln von unseren Kleidern, den Staub von unseren Institutionen. Unsere Religionsangelegenheiten, unsere inneren Institutionen, auf die seit Jahrhunderten nicht die nötige Sorge verwendet werden konnte möchte wir trachten, sie vor den Augen der Welt, vor den Augen unserer eigenen Kinder, sie wieder in ihr wahres Licht zu stellen. Schon sind unter uns in kürzester Zeit so große Schritte vorwärts geschehen, aber noch bleibt so viel zu tun übrig. Schon leuchtet wieder in hellerem Lichte die Lampe Israels; aber noch sehe ich so manche dunkle Flecken, die das Licht abhalten. Diese Flecken, die uns die Zeit aufgedrückt, mögen wir es als unsere heiligste Aufgabe betrachten, sie zu beseitigen. Eine günstigere Wendung hat das Schicksal Israels genommen in neuerer Zeit; mögen wir zeugen vor dem Auge der Welt, dass wir dieser günstigen Wendung würdig sind. Der Dank vor Gott, unsere eigene Ehre, die Erhaltung unserer Religion, das Wohl unserer Kinder richten allzu gleich dieselbe Forderung an uns. Die Stammväter Israels, erzählt die Schrift, so oft sie der Herr aus einer Not errettet, so oft sie in ein besseres Verhältnis getreten, errichteten Dankaltäre dem Allmächtigen. Dankbar sollen auch wir errichten dem Allgütigen, dessen Hilfe wir in der neuern Zeit so oft gesehen. Der Wiederaufbau so vieler unserer Institutionen, die in Verfall geraten; der Aufbau so mancher Anstalten, die die Zeit erfordert; die Wiederherstellung unseres Gottesdienstes in seiner ursprünglichen Reinheit und Einfachheit, seien uns jene Dankaltäre. Neue Tempel sehe ich aufsteigen allenthalten in den Gemeinden Israels; mögen diese neuen Tempel sein die ersten Grundsteine zu jenem größeren geistigen Bau, den wir aufzuführen haben, und es wird in Erfüllung gehen der Schlusssatz unserer Schriftstelle (Jeremia 31,4): Israel wird wieder in seinem Schmucke erscheinen, Freude und Heiterkeit wird in seiner Mitte wohnen." 

  
Der Großrabbiner von Kolmar kritisiert ein Bild in der Synagoge (1851)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1851: "Vom Hörensagen noch folgende Anekdote, die, wenn sie sich bewährt, dem neuen Konsistorialrabbi in Kolmar (Département du Haut-Rhin) seine Unsterblichkeit sichert. In der schönen neuen Synagoge zu Basel ist am Glaswerk das Bild des größten Propheten in Israel angebracht. Der Rabbi des Oberrheins soll auf dessen Entfernung dringen. 
Wenn es auch ein großer Vorzug unserer Gotteshäuser ist, aller Bilder bar zu sein und gewiss Israel seit Jahrtausenden vor Irrtümern bewahrt hat, so hätte der Großrabbine des Oberelsass Besseres und Nützlicheres zu vollbringen und an Mängel in seinem eigenen Lande, die dort wie Unkraut wuchern, die Art zu legen, ehe er sich auf ein Territorium wirft, das seine Botmäßigkeit nicht anerkennt."             

   
 Darstellung der alten Synagoge Unterer Heuberg     

Die alte Synagoge Unterer Heuberg 
nach einem Gemälde von 
Johann Jakob Schneider (1822-1889)
Basel Synagoge a011.jpg (82863 Byte) Basel Synagoge a010.jpg (111461 Byte)
   Der Untere Heuberg: am Ende der Gasse 
ist die Synagoge erkennbar  
Ausschnitt aus dem Bild links: 
die (alte) Synagoge

     
     
     
Die Synagoge in der Leimenstraße (1868)    

Nachdem bis um 1864 etwa 300 jüdische Gemeindeglieder in Basel lebten, war der Bau einer größeren Synagoge dringend notwendig. Im Dezember 1865 wandte sich die israelitische Gemeinde mit einem Gesuch um die unentgeltliche Überlassung eines Grundstückes am Fröschenbollwerk an den Kanton Basel-Stadt. Dem Gesuch wurde jedoch nicht entsprochen. Auch der Hinweis auf die entsprechenden Vorgänge bei den Synagogenbauten in Genf und Zürich nützte der Gemeinde nichts.           

Basel AZJ 02011866.jpg (65814 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Januar 1866: "Basel, 14. Dezember (1865). Die hiesige israelitische Gemeinde, welche aus 45 Familien, meistens Elsässern besteht und in beständigem Wachsen begriffen ist, beabsichtigt den Bau einer neuen Synagoge. Durch den Verkauf von Plätzen und durch Geschenke ist bereits die Summe von 50.000 Franken aufgebracht und gibt sich die Gemeinde der Hoffnung hin, dass die Stadt nach dem Vorgange von Genf und Zürich der israelitischen Gemeinde einen geeigneten Platz zum Synagogenbau anweisen werde..."

Im Laufe des Jahres 1866 konnte schließlich die israelitische Gemeinde ein Grundstück an der Ecke Eulerstrasse/Leimenstrasse erwerben und dort nach den Plänen von Architekt Herrmann Rudolf Gauss aus Heilbronn (1835-1868) eine neue Synagoge im maurisch-byzantinischem Stil erbauen, in der jeweils 150 Männer und Frauenplätze vorhanden waren. Die Grundsteinlegung war am 25. Mai 1867. Architekt Gauss kam 1858 nach Basel als Adjunkt in das technische Büro der Schweizerischen Centralbahn. Als selbständiger Architekt hat er nach 1860 zunächst mehrere Bürgerhäuser der Stadt in klassizistischem Stil entworfen.     
  
Grundsteinlegung der neuen Synagoge (1867)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1867: "Basel, den 28. Mai (1867). Am 24. dieses Monats wurde mit angemessener Feierlichkeit der Grundstein unserer neuen Synagoge gelegt. Trotz bescheidenen Dimensionen wird der Bau eine Zierde der Stadt werden. Es sind dafür von den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde an freiwilligen Beiträgen 60.000 Fr. gezeichnet worden."            

   
Die feierliche Einweihung der Synagoge erfolgte durch die Rabbiner von Lengnau (Dr. Meyer Kayserling) und Hegenheim (Moise Nordmann) am 9. September 1868.   Zahlreiche Presseartikel berichteten von dem Ereignis in der Stadt. Ein kurzer Artikel findet sich in der orthodox-jüdischen Zeitschrift  "Der Israelit" im September 1868: 
 
Die Einweihung der neuen Synagoge (1868) 
  

"rtikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1868:  "Basel. Am 9. September  (1868) wurde die von der hiesigen Gemeinde erbaute prachtvolle Synagoge eingeweiht. Außer den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgegend, Abgeordnete der Regierung, des Stadtrats, einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden. Die Rabbinen von Hegenheim (Elsass) und Lengnau (Aargau) hielten die Weihereden.

Ausführlicher war der Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" Anfang Oktober 1868: 

Basel AZJ 06101868.jpg (214102 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Oktober 1868: "Basel, 13. September (1868). Basel, die Stadt so vieler mittelalterlicher Gräuel gegen die Juden und wiederholter Austreibungen derselben, aber auch manches verdienstvollen Schriftwerkes auf unserem Gebiete, hat jetzt den Sieg der Glaubensfreiheit besiegelt, indem in seinem Weichbilde eine Synagoge erbaut und öffentlich eingeweiht worden, und war unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung. Davon zeugt auch die Berichterstattung aus christlicher Feder in Nr. 216 des ‚Tagblattes der Stadt Basel’, und deshalb können wohl einige Stellen aus diesem einen Anspruch auf einen Raum in diesem Blatt machen. Es heißt dort: "Die neue Synagoge an der Leimenstraße ist ein zwar nur mäßig großes, aber in seiner Ausführung vollkommen gelungenes Gebäude, dessen zierliche Kuppel weithin gesehen und nicht nur der nächsten Umgebung, sondern der ganzen Stadt zur Zierde gereicht. Im Innern ist die Synagoge hell, freundlich, geschmackvoll und ohne Überladung geziert, die Estrade, auf welcher sich die Stühle und der Pult der Rabbiner befinden und in deren Hintergrunde die heilige Lade angebracht ist, reich geschmückt. Das Gebäude wurde ohne irgend welche Mithilfe des Staates oder der Stadt, lediglich auf Zu- und Vorschüsse der Mitglieder der israelitischen Gemeinde ausgeführt. Die Einweihung dieses israelitischen Gotteshauses fand letzten Mittwochnachmittag statt. Neben den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgebung, eine Abordnung der Regierung, des Stadtrates, einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden." 
Die Einweihung wurde vollzogen durch die Herren Rabbiner Nordmann aus Hegenheim bei Basel und Dr. Kayserling aus Lengnau. Der Erstere sprach über den Kampf, den Israel glücklich überwunden, über die großen Lehren des Judentums, und dass jetzt der jüdische Stamm im Glücke dieselbe Überzeugungstreue zu beweisen habe, wie in der Zeit des Unglücks. Der Berichterstatter nennt die Predigt "sehr ansprechend und die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer findend." Er berichtet ferner: "Es folgte der Festchor aus dem 118. Psalm, noch eine ganz ausgezeichnete Komposition von Halevy und darauf eine zweite Predigt und Einsegnung der Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Kayserling aus Lengnau, eine Rede voll Schwung und rhetorischem Reichtum, bei welcher namentlich das Eingangsgebet (Preis Gottes) und dann das Schlussgebet (der Segen) wunderbar schön und ergreifend waren".
Den Inhalt dieser Predigt bildete der Gedanke, dass Bruderliebe und Duldsamkeit der Kern des Judentums seien, und dass es der weltgeschichtliche Beruf Israelis sei, durch Lehre, Kampf und Tat dieselben zur Herrschaft zu bringen.  
 
Die Synagoge von 1868 an der Eulerstrasse/Leimenstrasse 
Basel Synagoge n022.jpg (57704 Byte) Basel Synagoge 150.jpg (103558 Byte)
Oben: der endgültige Entwurf zum Bau der Synagoge 
von Architekt Herrmann Rudolf Gauss
Rechts: Foto der Synagoge - vor der Vergrößerung 1890/92 - mit noch
 einer Kuppel; das Foto wurde uns im Januar 2010 zur Verfügung gestellt
 von John Gauss (GB), einem Urenkel des Synagogenarchitekten 
   

Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in Basel wuchs weiter - von 1870 bis 1888 von 429 auf 1086 Gemeindeglieder, sodass auch der Neubau der Synagoge von 1868 alsbald zu klein war. An den Festtagen mussten zusätzliche Räume für die Gottesdienste benutzt werden.  
 
Die Gemeinde kann ihre Gottesdienste an den Hohen Festtagen im Messhaus abhalten (1885)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1882: "Basel. Der Stadtrat hat bereitwilligst der jüdischen Gemeinde das prachtvolle Meßhaus für die kommenden hohen Festtage behufs Abhaltung eines Gottesdienstes zur Verfügung gestellt. Die Synagoge selbst ist zu klein, um alle Andächtigen zu fassen."         

    
Im Dezember 1889 wurde bei einer Gemeindeversammlung die Vergrößerung der Synagoge mit einer Erweiterung der Platzzahl auf 600 beschlossen. Dabei kam es zu einem Streit um die Frage, ob eine Orgel eingebaut werden sollte. Eine Trennung der Gemeinde mit einem Auszug der orthodox geprägten Gemeindeglieder konnte damals jedoch noch verhindert werden.   
  
Die anstehende Vergrößerung der Synagoge und die Frage nach Einbau einer Orgel (1889)     

Basel Israelit 24121889.JPG (222529 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1889: "Basel, 16. Dezember (1889). Gestern Abend fand in unserer Gemeinde eine wichtige und bedeutungsvolle Gemeindeversammlung statt. Die hiesige Synagoge ist im Jahre 1864 gebaut worden, zu einer Zeit, als die Gemeinde, da Juden erst seit dem Jahre 1864 hier sein dürfen, noch sehr klein war. Inzwischen wuchs die Anzahl der Gemeindemitglieder, besonders seit dem Kriege, sodass wir jetzt ca. 240 Haushaltungen haben. Natürlich war die Synagoge schon seit längerer Zeit, besonders an den hohen Festtagen, für diese Zahl zu klein. Am jüngsten Sonntage lebte nun der Gemeinderat das Projekt zur Vergrößerung der Synagoge, die nach dem Plane 600 Plätze hat, der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vor. Leider ging es dabei nicht ohne einen bedauerlichen Zwischenfalls ab. Wie wohl in den meisten Gemeinden, die zahlreiche "neue" Elemente haben, kam bei dem Neubau der Synagoge auch die leidige Orgelfrage zur Debatte. Bereits früher hatten wir ein Harmonium, welches allerdings nicht regelmäßig, aber doch ziemlich oft an Festtagen gespielt wurde. Unserm hochverehrten Rabbiner, Herrn Dr. Cohn, gelang es, wie so manches andere Ersprießliche, gleich bei seinem Amtsantritt das Spielen des Harmoniums zu verbannen. Die Debatte über die Orgel in der Gemeindeversammlung war ziemlich heftig. Es führten das große Wort diejenigen, die das ganze Jahr hindurch das Gotteshaus nicht besuchen und sie hielten es mit ihrem so genannten "Freisinn" für vereinbar, denjenigen, denen die Religion teurer ist, einen Gewissenszwang aufzuerlegen. Nachdem sich die Mehrzahl für die Orgel ausgesprochen hatte, während die Mitglieder des Vorstands und des Gemeinderats sich einstimmig dagegen erklärten, ergriff der langjährige Präsident der Gemeinde, Herr Dreyfus-Neumann, das Wort. Er wies darauf hin, dass an unserer Spitze ein orthodoxer Rabbiner steht, der ihm erklärt habe, dass er, wenn eine Orgel in die Synagoge komme, auf der Stelle sein Amt niederlegen würde. Er machte dann darauf aufmerksam, dass unser von Allen hochverehrter Rabbiner in Anerkennung seiner elfjährigen, unermüdlichen Tätigkeit erst kürzlich einen neuen Kontrakt auf zehn Jahre ausgefertigt erhalten habe und dass wenigstens während dieser Zeit eine solche Änderung des Rituals nicht vorgenommen werden könne. Für den Fall, dass die Gemeinde eine sofortige Einführung der Orgel wolle, erklärte er, seine Demission geben zu wollen. Hierauf beschloss die Gemeinde mit überwältigender Majorität, vor der Hand von der Einführung einer Orgel anzusehen. 
Wir glauben also für eine Reihe von Jahren den religiösen Frieden gesichert. Möge inzwischen die Zahl derer wachsen und erstarken, die, ehe sie an den Werken der "Reform" teilnehmen, lieber die Gemeinde verlassen, Möge auch die Zahl der Besonnenen sich mehren, die einsehen, dass, wie alle Rabbiner, deren Wort für den aufrichtigen Israeliten in Betracht kommt, ohne Ausnahme erklären, dass ein jüdisches Gotteshaus durch die Einführung einer Orgel seines Charakters als Synagoge entkleidet wird.

Der Umbau und die Erweiterung der Synagoge konnte 1890 durch den Basler Architekten Paul Reber vorgenommen werden. Die von 300 auf 600 Plätze vergrößerte und nun mit zwei Kuppeln versehene Synagoge konnte am 15. September 1892 neu eingeweiht werden. Der erste Rabbiner der Basler Gemeinde Dr. Arthur Cohn (1862-1926, Rabbiner in Basel von 1885-1926) hielt die Festpredigt. 
      
Einweihung der erweiterten Synagoge (1892)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1892: "Basel, 16. September (1892). Gestern fand hier die Einweihung der Synagoge statt. Der Bau derselben hatte 15 Monate gedauert, doch war durch die Opferwilligkeit einer Anzahl Gemeindemitglieder es erreicht worden, dass der Bau an Sabbat und Festtagen ruhte, in unserer Zeit des religiösen Niederganges ein schöner Kiddusch HaSchem (Heiligung des Gottesnamens). Über die Feier selbst entnehmen wir den 'Basler Nachrichten', einem der angesehensten schweizerischen Blätter, folgende Schilderung:  
'Es ist ein recht stattliches Gotteshaus, das sich die hiesige israelitische Gemeinde an der Eulerstraße gebaut hat, ein Werk, das nicht bloß seinen Urhebern Ehre macht, sondern das auch der Stadt zur Zierde gereicht. Der frühere Kuppelbau, der etwa 210 Sitzplätze fasste, ist durch eine große Erweiterung zu einer Halle umgeschaffen worden, in der nun 560 Personen bequem Raum finden. Zwei Kuppeln überragen das in geschmackvoll einfachem, maurisch-byzantinischem Stil erbaute Haus. Die beiden Seitenschiffe sind durch Säulenreihen vom Mittelschiff getrennt. Eine Galerie auf den beiden Längsseiten und auf der hintern Seite gegenüber dem Allerheiligsten ist den Frauen angewiesen. Eine obere Galerie auf der Rückseite ist zu Aufnahme der Orgel bestimmt, falls eine solche angeschafft werden sollte (redaktionelle Anmerkung: Möge ihr religiöser Sinn die Gemeinde hiervor bewahren!'). Das Licht fällt durch farbige Fenster in die Synagoge und erzeugt schon beim Eintritt eine feierlich-ernste Stimmung.   
Bei der Einweihungsfeier, die am Donnerstag nachmittags 3 Uhr begann, war die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Regierungsräte Dr. Zutt und Dr. Brenner, Großratspräsident Stünzi-Sprüngli und verschiedene andere Vertreter von Behörden. Der feierliche Akt begann mit dem Einzug der Tora oder Gesetzesrollen, die von einzelnen Mitgliedern der Gemeinde getragen wurden. An ihrer Spitze schritten im Ornat Herr Oberkantor Heymann aus Straßburg und Herr Rabbiner Dr. Cohn. Die Gesänge, die den Umzug begleiten, stimmten durch ihre Abwechslung zwischen dem ebenso schönen als kräftigen Organ des Vorsängers und den Chorstellen zu tiefer Andacht. Nachdem die Torarollen in der heiligen Lade untergebracht waren, hielt Herr Dr. Cohn die Weiherede über das Wort:           
Basel Israelit 26091892b.jpg (230648 Byte)'Preiset den Ewigen; denn er ist gütig und ewig währet seine Gnade.' Sodann trat der Präsident der israelitischen Gemeinde, Herr Dreyfus-Neumann, in einer kurzen Ansprache auf die Entwicklung der Gemeinde ein und schilderte ihr Wachstum während der letzten 4 Jahrzehnte. Dreimal sei es ihm, sagte er, vergönnt gewesen, in Basel eine neue Synagoge zu eröffnen. Im Jahre 1846 habe die israelitische Bevölkerung nur aus 11 Familien bestanden; erst der Abschluss des Niederlassungsvertrages mit Frankreich und die neue Bundesverfassung, die den Israeliten die Gleichberechtigung brachte, habe den Aufschwung der Gemeinde ermöglicht. Seinem Danke an Gott schloss Herr Dreyfus auch einige herzlich empfundene Dankesworte an die Regierung, an die Gemeinde und an alle Anwesenden an.   
Hierauf folgte der Gesang des Beethoven'schen Lieder 'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre' und sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn die Festrede, welcher er die Worte zu Grunde legte: 'Nahe ist Dir das  Wort in Deinem Munde, in Deinem Herzen es auszuüben'. Der Vortrag war eine tief durchdachte und beredte Verteidigung des jüdischen Glaubens, der dem Volke durch die lange bange Leidenszeit des Mittelalters hindurch eine starke Stütze gewesen war. Mit sicherem Takt entledigte sich der Redner seiner schwierigen Aufgabe, ohne die religiöse Überzeugung der vielen christlichen Zuhörer auch nur im Geringsten zu verletzen. Er zeigte auf der einen Seite in schonender Art durch einige Hinweise auf die dunkelsten Blätter der Kultusgeschichte des Mittelalters, dass an manchem Vorwurf, der heute gegen die Juden erhoben wird, frühere Staats- und Rechtsinstitutionen die Schuld tragen; auf der andern Seite tat er dar, dass das Christentum seine wichtigsten Lehren, wie z.B. 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!' und andere mit dem Judentum teilt und dass dieses niemals den Anspruch erhoben hat, es allein mache selig. Der Rabbiner schloss mit einem Segenswunsch für unser engeres und weiteres Vaterland, für Regierung und Volk und für alle Anwesenden. Es ist wohl kein Teilnehmer von der Feier geschieden ohne die Überzeugung, dass die jüdische Religion ihre Ziele ebenso hoch sucht wie die christliche und dass es für gar manche Eiferer vor Allem nötig wäre, erst die Lehre des Andern kennen zu lernen.   
Schließlich darf auch noch mit Anerkennung des Herrn Baupel gedacht werden, der den musikalischen teil der Feier leitete, sowie der Leistungen des Männerchores.   Am Bankett, das am Abend im Stadtkasino stattfand, nahmen über 200 Personen teil. Es sprachen Herr Architekt Reber, der ein Gedicht vortrug, Herr Oberkantor Heymann aus Straßburg,     
Basel Israelit 26091892c.jpg (33671 Byte) der einen prachtvollen Solovortrag zum Besten gab. Herr Gemeindepräsident Dreyfuß-Neumann toastierte auf die gemeinnützigen Institutionen der israelitischen Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Cohn auf die Gemeinde selbst, Herr B. Nordmann auf den Präsidenten, Herr Dreyfuß-Brettauer auf die Damen und Herr Dreyfus aus Hegenheim brachte die Grüße der Nachbargemeinden."      

    
1908/09 wurde nach den Plänen von Architekt Fritz Stehlin neben der großen eine kleine Synagoge erstellt (siehe Abschnitt unten). Sie diente während Umbauten der großen Synagoge (um 1910 und um 1947) den gottesdienstlichen Feiern der Gemeinde. Große und kleine Synagoge sind bis zur Gegenwart kultischer Mittelpunkt der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB)
 
Zu Ereignissen in der Synagoge war bisweilen auch von negativen Ereignissen zu berichten:        
     
Einbruch in der Synagoge (1904)     

Artikel im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 15. Januar 1904: "Basel, 9. Januar (1904). Am Samstag früh zwischen drei und vier Uhr stieß der Heizer der Synagoge, als er den Kellerraum betrat, plötzlich auf zwei Männer, von denen ihm der eine Pfeffer in die Augen warf und sich mit seinem Begleiter flüchtete. Nachher zeigte sich, dass die Opferstöcke in der Synagoge erbrochen und ihres Inhalts beraubt waren. Im Keller ließen die Diebe zwei gestohlene silberne Becher zurück. Die Diebe sind vermutlich mit den Räumlichkeiten gut bekannt."           
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1904: derselbe Bericht wie oben.  

  
Diebstahl in der Synagoge (1922)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1922: "Basel, 15. November  (1922). In der Zeit vom Samstag bis zum Montag Morgen sind aus der Basler Synagoge eine Anzahl Kultusgegenstände, unter anderem ein großer silbervergoldeter, mit kostbaren Steinen besetzter achtarmiger Leuchter entwendet worden. Der Dieb demoliert den Leuchter und wird zweifellos versuchen, die Bruchstücke zu verkaufen. Der Schaden wird auf über 15.000 Franken geschätzt."          

    
    
Fotos / Darstellungen der Synagoge in der Leimenstraße       

Die Synagoge der Israelitischen Gemeinde in Basel nach der Vergrößerung 1890/92
(SW-Abbildungen aus: 1868-1968 Zum Zentenarium der Basler Synagoge s. Lit.)
Basel Synagoge n021.jpg (90271 Byte) Basel Synagoge n020.jpg (62171 Byte) Basel Synagoge n023.jpg (57786 Byte)
Die Synagoge nach der Vergrößerung
 1891 mit nunmehr zwei Kuppeln)
Innenansicht nach 
der Vergrößerung 1891
Theodor Herzl vor der 
Basler Synagoge ca. 1903
     
Basel Synagoge n024.jpg (76596 Byte) Basel Synagoge n025.jpg (77484 Byte) Basel Synagoge 260.jpg (61019 Byte)
Innenansicht der Synagoge - 
Blick nach Westen
Innenansicht der Synagoge - 
Blick nach Osten (Toraschrein)
Die Synagoge in Basel - Ansichtskarte 
der 1980er-Jahre
          
Die Synagoge 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.6.2007)
Basel Synagoge 160.jpg (93165 Byte) Basel Synagoge 161.jpg (82851 Byte) Basel Synagoge 163.jpg (57598 Byte)
Ansichten von Südwesten Die beiden Kuppeln der Synagoge
   
Basel Synagoge 164.jpg (74301 Byte) Basel Synagoge 168.jpg (87064 Byte) Basel Synagoge 167.jpg (91261 Byte)
  Apsis des Toraschreines Blick von Südosten
      
  Basel Synagoge 166.jpg (73839 Byte)   
   Das Eingangsportal   
     
Fotos der Synagoge im Frühjahr 2017  
(Fotos: D. Bluthardt, Aufnahmen vom Mai 2017)    
  
 Basel Synagoge 2017010.jpg (265808 Byte) Basel Synagoge 2017011.jpg (297523 Byte) Basel Synagoge 2017012.jpg (303300 Byte)   Basel Synagoge 2017013.jpg (316144 Byte)  Basel Synagoge 2017014.jpg (264948 Byte)  Basel Synagoge 2017015.jpg (216573 Byte)
Eingangsbereich und Eingangsportal zur Synagoge   Blick nach Osten zum Toraschrein    
     
 Basel Synagoge 2017016.jpg (292230 Byte)  Basel Synagoge 2017017.jpg (230046 Byte)  Basel Synagoge 2017018.jpg (296720 Byte)  Basel Synagoge 2017019.jpg (240757 Byte)  Basel Synagoge 2017020.jpg (288534 Byte)  Basel Synagoge 2017021.jpg (301200 Byte)
Leuchter in der Synagoge 
  
Blick über das Toralesepult 
(Schulchan) zum Toraschrein    
Blick nach Westen  
 
 Kuppeln der Synagoge 
  
     
 Basel Synagoge 2017022.jpg (206297 Byte)  Basel Synagoge 2017023.jpg (233412 Byte)   Basel Synagoge 2017024.jpg (349485 Byte)       
Uhr über dem Eingangstor und nördliche Seitenansicht      

     
Die Synagoge Basel im Film:    

Basel Synagoge 360.jpg (160662 Byte)Die Synagoge in Basel ist online auch in 3D zu sehen: Link zu synagogues360.org zu Basel   

  
 
Die kleine Synagoge (1909)   
  
Unmittelbar neben der Synagoge in der Leimenstraße konnte 1908/09 ein neues jüdisches Gemeindehaus erbaut werden, in dem unter anderem eine "kleine Synagoge" eingerichtet wurde, die fortan insbesondere für die Wochentagsgottesdienste, aber auch für weitere Veranstaltungen wie die regelmäßigen Lernvorträge des Rabbiners verwendet wurde. Das neue Gemeindehaus wurde mit Hilfe von zwei bedeutenden Stiftungen des Gemeindepräsidenten Jules Dreyfus-Brodsky finanziert. Das neue Gemeindehaus sollte dem Andenken an seine Eltern, vor allem dem langjährigen Präsidenten der Gemeinde, Herrn Dreyfus-Neumann s.A. dienen.     
    
Ein Grundstück zum Bau eines jüdischen Gemeindehauses wurde erworben (1907)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1907: "Basel, 13. Januar (1907). Die israelitische Kultusgemeinde Basel hat neben der Synagoge um den Preis von Fr. 180.000 eine Liegenschaft angekauft, auf welcher ein Gemeindehaus mit einem 200 Personen fassenden Saale errichtet werden soll.         

   
Stiftung der Familie Dreyfus-Brodski zum Bau eines neuen Gemeindehauses (1908)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1908: "Basel, 20. Januar (1908). Herr und Frau J. Dreyfus-Brodski hatten aus Anlass der Barmizwa-Feier ihres ältesten Sohnes der israelitischen Gemeinde zum Andenken an ihren seligen Vater, S. Dreyfus-Neumann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - den langjährigen Gemeindevorsteher in Basel, eine Stiftung im Betrage von 100.000 Frcs. überwiesen. Bei Gelegenheit der Barmizwa-Feier ihres zweiten Knaben, die am jüngsten Sabbat stattfand, haben sie zu dieser Summe 50.000 Frcs. überwiesen. Der Bau eines schönen Gemeindehauses soll nun demnächst in Angriff genommen werden."          

  
Gemeindeversammlung zum Bau eines Gemeindehauses - Gründung eines jüdischen Gesangvereines (1908)     

Artikel im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar 1908: "Basel. Eine außerordentliche Gemeindeversammlung beschäftigte sich mit dem Bau eines Gemeindehauses. Nach Errichtung desselben soll das alte Gemeindehaus in der Eulerstraße abgerissen und der Haupteingang der Synagoge wieder in den Synagogenhof verlegt werden. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand, die von Herrn Dreyfus-Brodsky gestifteten 160.000 Frls. für den Bau zu verwenden und eine Hypothek von 200.000 Franks aufzunehmen. - 
Zur Bildung eines Synagogenchors ist ein jüdischer Gesangverein gegründet worden."            

 
Der Bau des neuen Gemeindehauses wird in Auftrag gegeben (1908)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1908: "Basel, 21. Juli (1908). Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat den Bau des neuen Gemeindehauses nunmehr dem Baumeister übergeben und ihm trotz erheblicher Mehrkosten die Verpflichtung auferlegt, an Sabbaten und an den jüdischen Feiertagen den Bau ruhen zu lassen."            

   
Einweihung des jüdischen Gemeindehauses und der "kleinen Synagoge" (1909)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1909: "Basel, 21. Dezember (1909). Zur Erinnerung an seinen Vater, den verstorbenen langjährigen Präsidenten der Gemeinde, Herrn Dreyfus-Neumann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, das das unbestrittene Verdienst hat, die Gemeinde von Spaltungen bewahrt und auf dem Boden der Gesetzestreue erhalten zu haben, hatte vor mehreren Jahren unserer jetziger Gemeindepräsident, Herr J. Dreyfus-Brodsky, der Gemeinde 150.000 Frcs. als Stiftung zur Errichtung eines Gemeindehauses überwiesen. Das neben der Synagoge gelegene Gemeindehaus, an welchem seit 1 1/2 Jahren unermüdlich gearbeitet wird - nur am Sabbat ruhte die Arbeit - ist nunmehr in seinen wesentlichen Teilen vollendet und wurde am jüngsten Sonntag seiner Bestimmung übergeben. die geräumige Liegenschaft enthält eine Wohnung für den Abwart, die Räume für die jüdische Armenpflege, den Raum für das Schächten des Geflügels und ein allen rituellen Anforderungen entsprechendes und sehr schön eingerichtetes rituelles Bad (Mikwe). Den Mittelpunkt des Areals nimmt das neue Gemeindehaus ein. Dieses enthält im oberen Stockwerk die für die Verwaltung bestimmten Räume, während unten eine kleine Synagoge eingerichtet ist, welche ca. 200 Männer- und 50 Frauenplätze enthält. Die Einweihung wurde durch Gesänge des Herrn Oberkantor Drujan und des Synagogenchors eingeleitet. Hierauf hielt der Gemeindepräsident, Herr J. Dreyfus-Brodsky eine Ansprache, in welcher er seiner Freude darüber Ausdruck gab, den Wunsch seines seligen Vaters nach Erbauung eines Gemeindehauses erfüllt zu sehen. Er schloss mit der Aufforderung, auch weiterhin die Fahne des Judentums hochzuhalten, für die unsere Väter Gut und Blut aufgeopfert haben. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn, welcher die dreifache Benennung des jüdischen Gotteshauses, Gebethaus, 'Schule' und Versammlungshaus erläuterte. Mit nochmaligem Chorgesang schloss die stimmungsvolle Feier. Der Betsaal wird zum Gebet an den Wochentagen benutzt. Auch werden von von Herrn Rabbiner Dr. Cohn an jedem Sabbat abgehaltenen Lern-Vorträge fortan in diesem schönen Raume stattfinden.   
Die Gemeinde Basel, mit ihren mehr als 400 Gemeindemitgliedern, besteht ohne jeden staatlichen Zwang. Bis zum Jahre 1868 besaß sie nur mietsweise 2 kleine Räume zum Beten. Erst damals war die Gemeinde genug erstarkt, um eine eigene Synagoge zu erbauen, die im Jahre 1890 um mehr als das Doppelte vergrößert wurde.  
Die Gemeinde besitzt außer den religiösen allerlei humanitäre Einrichtungen, ein Asyl für Altersschwache, ein Waisenhaus und ein Spital, und sie hat nun in ihrem neuen Gemeindehaus mit seinen Dependenzen alle ihre Institutionen ergänzt und ausgebaut."           

 
Fotos der Kleinen Synagoge    

Basel Synagoge 165.jpg (81142 Byte)    
Blick auf die Eingangsfassade der Kleinen Synagoge (Hintergrund - Mitte)    

   
   
   
   
Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft in der Ahornstraße (IRG) (1929)   
    
Aus der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) ist 1927 die Israelitische Religionsgesellschaft (IRG) hervorgegangen als Gemeinde des toratreuen, orthodoxen Judentums. Zunächst handelte es sich um einen 1924 durch den Rabbiner Arthur Cohn und Sally Guggenheim gegründeten Verein der "Schabbatwächter" Schomre Schabbos, die sich nach dem Vorbild anderer Städte (Zürich) in die "Israelitische Religionsgesellschaft" umbenannte. Ein Betsaal wurde zunächst in einem Gebäude an der Thannerstraße eingerichtet. Dieser war jedoch an den Feiertagen nicht ausreichend, sodass zu den Feiertagen im Herbst 1928 der Saal des Schützenhauses zur Abhaltung der Gottesdienste gemietet wurde.  
  
Sally Guggenheim stiftet eine Torarolle für den Betraum des Vereins "Schomre Schabbos" (1927)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Basel, 1. November (1927). Am vergangenen Schabbat Noach waren drei Jahre verflossen seit Gründung des Betlokals 'Schomre Schabbos'. Aus diesem Grunde spendete der Initiator und Förderer des Minjan, Herr Sally Guggenheim, eine Sefer Tora. Durch Beteiligung weiterer Kreise hat sich der Besuch der kleinen Synagoge, in der nach altjüdischer Tradition gebetet wird, dermaßen entwickelt, dass sich die Räumlichkeiten schon jetzt als zu klein erwiesen haben. Möge den wackeren Männern, die zur Erhaltung und Ausgestaltung des Minjan beitragen, beschieden sein, den Segen ihres Werkes in immer weiterem Maße erleben zu können."           

Über die Gründungsversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft am 25. Dezember 1927 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" in der Ausgabe vom 5. Januar 1928: 

Basel Israelit 05011928.jpg (53369 Byte)Israelitische Religionsgesellschaft in Basel.  Basel, 3. Januar (1928). Sonntag, den 25. Dezember fand hier die diesjährige Generalversammlung des Vereins "Schomre Schabbos" statt. In der zahlreich besuchten Versammlung wurden die Statuten festgelegt und genehmigt. Der Verein führt in Zukunft den Namen "Israelitische Religionsgesellschaft", und hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens dermaßen entwickelt, dass sich die bisherigen Räumlichkeiten schon als zu klein erwiesen haben, sodass man eifrig auf der Suche nach einem größeren Lokale ist. Die Mitgliederzahl ist ständig im Wachsen begriffen, da der traditionell geführte Gottesdienst anziehend auf weitere Kreise wirkt. – Möge Gottes Segen auch fernerhin auf diesem zukunftverheißenden Werke ruhen.

    
Die Generalversammlung der "Israelitischen Religionsgesellschaft" beschließt den Kauf eines Grundstückes zum Bau einer Synagoge (1928)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1928: "Israelitische Religionsgesellschaft Basel. 
Basel, 2. September (1928(. Der Vorstand hat nunmehr den in der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Mrz 1928 übernommenen Auftrag, sich für das Grundstück Ahornstraße - Birkenstraße zum Zwecke der Errichtung einer Synagoge zu interessieren, ausgeführt. Nach längeren Verhandlungen mit dem vorstand des Bürgerspitals beziehungsweise der Bürgergemeinde der Stadt Basel konnten ca. 400 Quadratmeter Areal des dem Bürgerspital gehörenden Geländers an der Birkenstraße - Ahornstraße - Rufacherstraße zum Preise von Fr. 55.- per Quadratmeter erworben werden und zwar das Eckgrundstück Birkenstraße - Ahornstraße. Der Verkauf unterlag noch der Zustimmung des Bürgerrates der Bürgergemeinde, was in dessen Sitzung vom 20. Juni 1928 geschehen ist. 
Praktisch ist dazu zu bemerken, dass die Lage des von der Israelitischen Religionsgesellschaft erworbenen Grundstückes (nächste Nähe des Spalenrings) für die Errichtung einer Synagoge als sehr gut zu bezeichnen ist, außerdem ist die Richtung des Grundstückes wegen Misrach sehr gut. Vor Tätigung des Kaufes wurde von einer hiesigen Spezialfirma eine Bodenexpertise, wegen der Beschaffenheit des Bodens eingeholt, welche sehr günstig ausgefallen war. Des ferneren ist die Parzelle so gelegen, dass wohl die ganze Fläche wird ausgenützt werden können. Die zu errichtende Synagoge ist vom Vorstand für ca. 100 Männer und 80 Frauenplätze in Aussicht genommen und sind einige hiesige Baufirmen mit der Bearbeitung von Plänen betraut worden.   Es wäre zu hoffen und zu wünschen, dass der Bau der Synagoge nun bald in Angriff genommen werden kann, da die Platz- und Raumverhältnisse im jetzigen Betlokal an der Thannerstraße längst absolut ungenügend sind, weshalb auch dieses Jahr am Rosch-Haschono und Jaum Kippur, um dem Platzmangel abzuhelfen, der Saal des Schützenhauses gemietet werden musste."            

     
Schomre Schabbos
hatte einen ersten Betsaal (bereits seit 1923) in einem jüdischen Privathaus (Haus von Konsul Sally Guggenheim), seit 1. November 1924 im Haus Thannerstrasse 60. 1929 konnte eine eigene Synagoge in der Ahornstrasse 14 eingeweiht werden. Es handelt sich um ein äußerlich unscheinbares Haus mit einem Betsaal (120 Männer- und 125 Frauenplätze), Sitzungszimmer und Gemeindebüro sowie einem Hörsaal. Im Haus des früheren Betsaales Thannerstrasse 60 ist seitdem das Gemeindehaus und das Rabbinat der IRG.  
     
Grundsteinlegung zum Bau der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (1929)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1929: 
"Grundsteinlegung des Synagogenbaues der Israelitischen Religionsgesellschaft. 
Basel,
19. März (1929). Am Sonntag den 17. März (5. Adar) fand unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft, hiesiger und auswärtiger Gäste die Grundsteinlegung zum Synagogenneubau der Israelitischen Religionsgesellschaft Basel an der Ahornstraße statt, die bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.  
Eingeleitet wurde die Feier durch 'Ma Tauwu-Gesang', ausgeführt in trefflicher weise von Mitgliedern und Jünglingen der Israelitischen Religionsgesellschaft unter Leitung des Herrn Weiß. Als erster Redner betrat der großzügige Förderer des Synagogenneubaus, Herr Konsul Sally Guggenheim, die um den Grundstein errichtete Tribüne und richtete namens des Vorstandes warme Begrüßungsworte an die zahlreiche Versammlung. Sein besonderer Gruß galt Herrn Oberrabbiner Dr. Lewenstein, Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich, sowie den Vertretern der verschiedenen Vereine. Mit Dankesworten für den Allmächtigen fand der Redner in seiner zu Herzen gehenden Ansprache, die mit Toraworten reich ausgefüllt war, anerkennende Worte für die Mitarbeiter der jungen Gemeinde, vor allem auch für den allseits verehrten Herrn M. Schwarz. Er sprach auch dem anwesenden Herrn Architekten, Herrn Alfred Bischoff, von der Baufirma Bischoff u. Co., für die weitgehende Mühewaltung bei der Anfertigung der Baupläne den Dank des Vorstandes aus.    
Als zweiter Redner verstand Herr Dr. Lewenstein an Hand von Midrasch- und Talmudworten in geistvoller Weise Bedeutung und Zweck einer Synagogengrundsteinlegung darzulegen und erflehte man von Gott den Segen für die Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft, für die am Bau beschäftigte Arbeiterschaft, für die Stadt Basel und für 'Klall Jisroel'. - Hierauf wurde vom Präsidenten der Israelitischen Religionsgesellschaft Herrn M. Jakubowitsch, im Boden eine kupferne Kapsel, enthaltend eine hebräische und deutsche Urkunde über die Entstehung und bisherigen Entwicklung der Gemiende, derner der Mitgliederlsite versenkt. Dann wurde zu den ersten Hammerschlägen zum Grundstein geschritten, ausgeführt von den anwesenden Herrn Rabbinern und Vorstandsmitgliedern der Israelitischen Religionsgesellschaft. Allen Teilnehmern wurde hierauf gestattet - kol ascher jidwenu libau - einen Baustein zum entstehenden Gotteshause anzufügen; eine Handlung, welche einen ergreifenden Eindruck machte. 
Mit Schlussgesang vom Schir Hamalaus wurde die schöne, schlichte Feier geschlossen."              

   
Einweihung der Synagoge der "Israelitischen Religionsgesellschaft" (1929)    

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 26. September 1929: 
"Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft Basel. 
Basel
, 23. September (1929). Am 24. Elul 5689 (= 29. September 1929) findet die feierliche Einweihung der neu erbauten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Ahornstraße statt. Es hat von Seiten dieser jungen Religionsgesellschaft großer Anstrengung und starken ideellen Schwunges bedurft, dieses Werk lekwaud hatauro wehajiro fertigzustellen. Die Synagoge, deren ganzer Bau in seiner inneren und äußeren Form, ist schlicht und schön geworden. Die eigentliche Synagoge hat bequem 130 Männer und auf der Galerie 125 Frauenplätze erhalten, daran anschließend einen Hörsaal, welcher ca. 40 Personen Platz bietet und eventuell später, wenn mit Gottes Hilfe Platzmangel eintreten sollte, zur Synagoge erweitert werden kann. 
An der Feier am 24. Elul werden die Herren Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Wien und Dr. Brom, Luzern sprechen. Es ist zu hoffen, dass die Israelitische Religionsgesellschaft Basel durch die neue Synagoge neu Impulse erhalte und ein Zentrum für echte, unverfälschte Jüdischkeit werde."                
    
Basel Israelit 03101929a.jpg (136569 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1929: "Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel   Basel, 30. September. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, aus dem Vereine "Schomre Schabbos" hervorgegangen, hatte ihre Existenz vor Jahren mit einem kleinen, von dem inzwischen nach St. Gallen verzogenen Herrn Sternbuch gegründeten Minjan begonnen. Herr Konsul Sally Guggenheim nahm sich des Minjans mit besonderer Liebe an, und viele Freunde der jüdischen Sache scharten sich um ihn. So wuchs sich der Kreis allmählich zu einer Gemeinde aus, einer Religionsgesellschaft. Sie konnte am letzten Sonntag ihr Werk mit der Einweihung einer Synagoge krönen, die, vom Architekten Bischoff erbaut, einfach und schön, doch allen derzeitigen Ansprüchen vollauf genügt. Für weitere Entwicklungen ist neuer Bauplatz vorhanden, auch für eine eigene Schule. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, nach Zürich die zweite in der Schweiz, ist eine Tatsache.
Zu der Einweihung am letzten Sonntagnachmittag hatten sämtliche Kultusgemeinden in der Schweiz ihre Delegierten beziehungsweise ihre Glückwünsche geschickt. Auch die Religionsgesellschaften Frankfurt a.M., Karlsruhe, Straßburg, Stuttgart usw. waren vertreten. Neben den Mitgliedern der Religionsgesellschaft füllten viele Gäste aus Basel und der ganzen Schweiz den heiligen Raum, um Zeugen des ersten denkwürdigen Gottesdienstes zu sein. Ein Chor sang kunstgerecht alle üblichen Gesänge und Herr Finkel aus Köln sang als Ehrenkantor mit wohlklingender Stimme die Sologebete. Die Herren Rabbiner Dr. P. Kohn – Wien und S. Brom – Luzern hielten vorzügliche Festreden auf die Heiligkeit und Bedeutung eines Gotteshauses, und gar einer solchen Heimstätte der Andacht für einen Kreis von Jereim (Gottesfürchtigen) mit trefflichen Worten und Bildern aus der Zeit der slicha uteschuwa hinweisend.
Zwischendurch richtete nach den Rundgängen und dem Einheben der Torarollen Herr Sally Guggenheim eine Ansprache an die Gemeinde, in der er eingangs der Vorgänge in Palästina und der heiligen Märtyrer gedachte. Ein stimmungsvolles El male rachamim (Gott, voller Erbarmen…) begleitete die stille Trauerkundgebung, worauf das Licht der ewigen Lampe aufleuchtete. 
Basel Israelit 03101929b.jpg (165822 Byte)Um 7 Uhr abends fand man sich im Hotel "Metropol" zu einem Festmahl. Bei Speise und Trank und guter Geselligkeit hörte man eine Reihe zum Teil ganz vorzüglicher Reden an. Herr Konsul S. Guggenheim leitete den Reihen mit einer Begrüßung der Gäste ein. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein überbrachte mit sinnvollen Worten warme Glückwünsche der Zürcher Gesinnungsfreunde. Herr Dr. W. Hofmann entbot mit einem Worte der Erklärung von S. R. Hirsch die Grüße der Frankfurter Khal Adass Jeschurun. Die Kultusgemeinde Zürich ließ durch ihr Vorstandsmitglied, Herrn Gutmann, ihre Glückwünsche ausdrücken und ein Geschenk überreichen. Dr. Willy Weil für die Religionsgesellschaft in Karlsruhe unterstrich die Tatsache, dass diese Gemeinde im Schoße des Vereines für Sabbatheiligung entstanden ist. Rabbiner Dr. P. Kohn sprach einige grundsätzliche Worte zur Gründung der Gemeinde und den Voraussetzungen ihrer weiteren Entwicklung. Red. S. Schachnowitz überbrachte in einer Rede heiteren und ernsten Inhalts die Grüße der Frankfurter Jeschiwa und der Palästina-Zentrale der Agudas-Jisroel. Herr Gabriel Plaut gab in launigen Worten den Gefühlen der Mitglieder der Religionsgesellschaft Ausdruck. Für die Zürcher Religionsgesellschaft sprach ferner Herr Mannes, Herr Messinger war ein guter Dolmetsch der Segenswünsche der Berner Kultusgemeinde. Herr Emanuel Kaufmann grüßte im Namen der württembergischen Religionsgesellschaften. An eine Botschaft vom zurzeit in Montreux weilenden Rabbi Chajim Oser knüpfte Herr Botschko einen feurigen Appell an Alt und Jung, das "beständige Licht" der Tora zu pflegen. Mit schönen Toraworten wartete uns Herrn Sternbuch – St. Gallen auf, und Herr Willi Guggenheim – Berlin beschloss kurz vor Mitternacht die lange Reihe mit einer Danksagung. Unter den Gästen sah man auch Herrn Oberrabbiner Weil aus Colmar. Eine große Anzahl von Depeschen und Glückwunschschreiben wurde verlesen. Auch dem Baumeister wurde Dank votiert, den er in herzlichen Worten an all seine treuen Helfer weitergab.
Die Feier ist verklungen, das Fest für die Baseler Religionsgesellschaft beginnt erst in und mit der Synagoge. Möge aus diesem neuen Hause neuer Ansporn für die im Wachsen begriffene Orthodoxie in der Schweiz ausgehen. 

Foto der neuen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (1929)     

Foto in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1929, unterschrieben: "Die neue Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft in Basel. (Siehe Bericht in nr. 40 des Israelit). (Aufnahme des Herrn Roger in Mülhausen.).        

      
Seit der Einweihung der Synagoge in der Ahornstraße hat die "Israelitische Religionsgesellschaft" in Basel hier ihr gottesdienstliches Zentrum. In den ersten Jahren wirkten auswärtige Rabbiner zeitlich für die IRG. In der Generalversammlung vom 27. November 1932 wurde Dov Jehudo Schochet zum Rabbiner der Gemeinde gewählt. 1933 wurde eine Talmud Thora-Schule gegründet. In den folgenden Jahren entwickelte die Gemeinde große Aktivitäten, um die Bildung aller Altersklassen ihrer Religionsschule zu fördern.  
    
    
Die Synagoge der Chabad-Gruppe - "Feldinger Chabad Center" (2012)   
  
Am 16. April 2012 wurde in der Ahornstraße 33 eine neue Synagoge der chassidischen Bewegung Chabad Lubawitsch in Basel eingeweiht. Die als Verein organisierte Chabad-Gruppe ist in Basel seit ca. 2002 tätig. Leiter der Synagoge ist Rabbiner Zalmen-Wishedski. Eine Spende von Samuel Rohr ermöglichte es der Gruppe, die Liegenschaft in der Ahornstraße zu kaufen. Der aus Polen stammende Sohn jüdischer Eltern fand als Jugendlicher während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht in der Schweiz. Drei Jahre wohnte er in Basel bei einer Familie namens Feldinger. Daher stammt der Name der neuen Synagoge "Feldinger Chabad Center".   
  
Weitere Informationen zu Chabad Basel siehe die Website http://www.chabadbasel.com/   
Presseartikel in der "Basellandschaftlichen Zeitung" vom 13. April 2012: "In Basel wird die erste Synagoge seit 80 Jahren eingeweiht". Link zum Artikel.   
  
  
    

 Links und Literatur

Links:

Website Stadt Basel 
Quartierportrait Basel mit Foto der Synagoge  
Website der Israelitischen Gemeinde Basel 
Website der Israelitischen Religionsgesellschaft Basel  
Informationsseite zur Israelitischen Religionsgesellschaft in Basel 
Website der Chabad Basel    
Website des Jüdischen Museum der Schweiz in Basel (Kornhausgasse 8) 
Website des Stadtarchivs Basel-Stadt mit Seite zu den Beständen aus der Geschichte der Israelitischen Gemeinde Basel (1807-2004)     
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Basel (interner Link)   
Christlich-jüdische Projekte Basel  


Literatur:

Germania Judaica II,1 S. 51-55; III,1 S. 81-91 (jeweils mit weiteren Literaturangaben). 
Achilles Nordmann: Geschichte der Juden in Basel seit dem Ende der zweiten Gemeinde bis zur Einführung der Glaubens- und Gewissensfreiheit 1397-1875. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 13. 1914. S. 1-190. 
Theodor Nordmann: Zur Geschichte der Juden in Basel. Jubiläumsschrift der Israelitischen Gemeinde Basel aus Anlass des 150jährigen Bestehens. 5565-5715. 1805-1955 (148 S., SW Abb.).
Israelitische Gemeinde Basel (Hg.): 1868-1968. Zum Zentenarium der Basler Synagoge. Eine Festschrift. Basel 1968. Hierin u.a. Ludwig Kahn: Geschichte der Synagogen in Basel. S. 13-32. 
Katha Guth-Dreyfus: 175 Jahre Israelitische Gemeinde Basel. In: Basler Stadtbuch 101. 1980 S. 153-162.   
Nadia Guth: Synagoge und Juden in Basel. Israelitische Gemeinde Basel. Morascha-Verlag. Zürich 1988 (60 S., 41 Abb.).
Emanuel Lang: Aus den ersten fünfzig Jahren. 5688-5738. 1927-1977. Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Basel 1977 (39 S.).
Patrick Kury: "Man akzeptierte uns nicht, man tolerierte uns nicht!" Ostjudenemigration nach Basel 1890-1930. Umfang - Wahrnehmungen - Erfahrungen. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit. Basel 1994.
Achim Nolte: Jüdische Gemeinden in Baden und Basel. Eine rechtsvergleichende Studie über ihr Recht und ihre rechtliche Stellung. Reihe: Staatskirchenrechtliche Abhandlungen Bd. 38. Verlag Duncker & Humblot Berlin 2002.   
Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Jubiläum. 5699-5763. 1928-2003. Hg. Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Basel 2004 (227 S.).
Heiko Haumann (Hrsg.): Acht Jahrhundert Juden in Basel. 200 Jahre Israelitische Gemeinde Basel. Schwabe Verlag Basel 2005. Informationen zu diesem Buch.
SBennewitz Buch.jpg (8576 Byte)Susanne Bennewitz: Basler Juden - französische Bürger. Migration und Alltag einer jüdischen Gemeinde im frühen 19. Jahrhundert. Schwabe Verlag Basel 2007 (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft ISSN 1661-5026; ISBN 978-3-7965-2312-0). Nähere Informationen zu diesem Buch auf Seite des Schwabe Verlages.  
Urs Draeger: Die Basler Juden und ihre Gemeinde. Herkunft, Berufe und soziale Struktur der Basler Juden. ISBN-13: 978-3639034431.  Vdm Verlag Dr. Müller.  Bestellbar auch beim Autor unter der E-Mail.   
Ron Epstein-Mil:   Die Synagogen der Schweiz. Bauten zwischen Emanzipation, Assimilation und Akkulturation. Fotografien von Michael Richter  
Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Band 13. 2008. S. 99-121 (hier auch weitere Quellen und Literatur). 
Basel Lit 071.jpg (57842 Byte)Noëmi Sibold: Bewegte Zeiten - Zur Geschichte der Juden in Basel, 1930er bis 1950er Jahre. Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds. Band 14 2010. 396 S. 66 Abb. Geb. CHF 48 / € 31 ISBN 978-3-0340-1002-3. Informationen über einen Flyer zur Buchvernissage am 1. Juni 2010 (pdf-Datei).       

  
Hinweis auf eine Ausstellung "200 Jahre Israelitische Gemeinde Basel" in 2005    

Basel logo200.jpg (14638 Byte) Basel Prospekt200.jpg (38699 Byte) 1805-2005 - 
"baslerisch und jüdisch": 
200 Jahre Israelitische Gemeinde Basel
Nähere Informationen
Die Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Basel wurde 2005 gezeigt.  

       
        

                   
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Stand: 22. Mai 2017