Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bodersweier (Stadt Kehl, Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 
      

Übersicht:

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bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
In dem bis 1736 den Grafen von Hanau-Lichtenberg, dann bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu Hessen-Darmstadt gehörenden Bodersweier bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1755 Juden am Ort genannt.  
   
1811 waren es sieben Familien mit 41 Personen, 1825 60 (5,8 % von insgesamt 1.042 Einwohnern). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1875 mit 116 Personen (10,3 % von insgesamt 1.124 Einwohnern) erreicht. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner stark zurück: 1887 94 jüdische Einwohner, 1900 82 (7,0 % von 1.176), 1910 61 (5,0 % von 1.214).         
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein jüdische Gemeindehaus (neben der Synagoge) mit Schulraum (bzw. spätestens um 1892 Simultanschule) und rituellem Bad (1860 erneuert; Gebäude wurde 1940/41 abgebrochen). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim, später (seit 1817) in Freistett beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die Ausschreibung der Stelle unten). Als Lehrer werden u.a. genannt: um 1879 Lehrer Schweizer, um 1884/1887 Jakob Pollaschek (Polatschek), um 1889 J. Kahn, um 1892/1894 H. Reis, um 1895/1902 Lehrer L. Jakobsohn, um 1904 Lehrer Rothschild, um 1909/1912 Lazarus Mannheimer (danach in Kehl).
   
1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bühl zugeteilt.  
  
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1875/1876 Leo Wertheimer, um 1890/1911 Karl Bensinger.
 
Von den Vereinen der jüdischen Gemeinde werden genannt: der Israelitische Wohltätigkeitsverein (um 1905 unter Leitung von J. Wertheimer).   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Alfred Bensinger (geb. 24.12.1895 in Bodersweier, gef. 11.8.1916) und Joseph Wertheimer (geb. 1.8.1877 in Bodersweier, gef. 9.10.1917). Ihre Namen stehen auch auf dem Gefallenendenkmal des Friedhofes der Ortsgemeinde. 
  
Die jüdischen Familien waren im Leben des Ortes völlig integriert. Jüdische Personen waren im Gemeinderat, Im Bürgerausschuss und im Musik- und Sportverein vertreten.  
   
Um 1924, als noch 46 jüdische Einwohner gezählt wurden (3,8 % von 1.223 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Leopold Kaufmann, Emanuel Merklinger und Ludwig Meier. Die Religionsunterricht der damals fünf schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Lehrer Mannheimer aus Kehl. 1932 waren die Gemeindevorsteher Emanuel Merklinger (1. Vors.), Eduard Bensinger (2. Vors.) und Julius Wertheimer (3. Vors.).    
       
Bis nach 1933 gehörten jüdischen Familien in Bodersweier die folgenden Handelsbetriebe: Mehlhandlung Isidor Bensinger (Querbacher Straße 14), Viehhandlung Salomon Frank (Grabenstraße 7), Eisenhandlung Leopold Kaufmann und Karl Bensinger (Querbacher Straße 18), Kolonialwaren Ludwig Meier (Querbacher Straße 15), Viehhandlung David Merklinger (Querbacher Straße 27), Kolonialwarenhändler Emanuel Merklinger (Grabenstraße 8), Fellhandlung Emanuel Merklinger (Querbacher Straße 16), Viehhandlung Max Merklinger (Querbacher Straße 3), Textilhandlung Julius Wertheimer (Rastatter Straße 13), Schuhgeschäft Simon Wertheimer (Rastatter Straße 5, abgebrochen), Viehhandlung Leo Wertheimer (Rastatter Straße 33).  Bis 1912 hatte es ein jüdisches Schlachthaus und bis 1915 eine koschere Metzgerei gegeben. 
   
1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Bodersweier. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1938 mussten alle jüdischen Gewerbebetriebe schließen oder an nichtjüdische Personen verkauft werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). Acht jüdische Männer wurden über Kehl in das KZ Dachau verschleppt. Die letzten 15 jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Vier Personen überlebten die Deportationsjahre, drei starben in Frankreich, die übrigen acht jüdischen Personen sind von Gurs aus in das KZ Auschwitz verschleppt und dort ermordet worden.    
   
Von den in Bodersweier geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Eduard Bensinger (1880), Elsa Bensinger geb. Bloch (1887), Fanny Bensinger geb. Ledermann (1856), Julius Bensinger (1913), Karl Bensinger (1877), Martha Bodenheimer geb. Meier (1910), Babette Frank geb. Wertheimer (1882), Berta Hammel geb. Bensinger (1862), Berta Jordan geb. Wertheimer (1868), Regina Mannheimer geb. Bensinger (1889), Auguste Meier geb. Bensinger (1881), Ludwig Meier (1881), Emanuel Merklinger (1880), Emanuel Merklinger (1898), Ida Merklinger geb. Bensinger (1909), Lina Merklinger geb. Kander (1890), Luise Merklinger geb. Frank (1877), Rosa Merklinger (1898), Mathilde Wachenheimer geb. Wertheimer (1865), Berthe Weill geb. Merklinger (1875), Elise Wertheimer geb. Crailsheimer (1886), Hanna (Mina) Wertheimer geb. Merklinger (1870), Heinrich Wertheimer (1875), Julius Wertheimer (1884), Klara Wertheimer geb. Kander (1884), Mina Wertheimer geb. Wertheimer (1861).   
         
Auf dem Friedhof der Ortsgemeinde steht neben dem Gefallenendenkmal seit 1984 ein Gedenkstein mit den Namen von 17 jüdischen Opfern der Verfolgungszeit 1933 bis 1945.   
        
        
        
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875  

Bodersweier Israelit 03021875.jpg (53904 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1875: "Auskündigung einer Religions-Schulstelle.
Die mit einem festen Jahresgehalt von Gulden 450, freier Wohnung mit Garten und dem Schulgelde verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Bodersweier ist baldmöglichst zu besetzen und wollen sich Bewerber unter Anschluss ihrer Zeugnisse bei der Bezirkssynagoge Bühl in Karlsruhe melden. 
Bodersweier, 25. Januar 1875. Der Synagogenrat: L. Wertheim, Vorstand."

      
Bei einer Versammlung der jüdischen Lehrer des Rabbinatsbezirkes Bühl ist unter den Referenten Lehrer Pollaschek aus Bodersweier (1886)     

Artikel in "Die jüdische Presse" vom 9. Dezember 1886: "Bühl, 4. Dezember (Original-Korrespondenz). Jüngsten Sonntag versammelten sich hier nach vorhergegangener Einladung durch den Bezirks-Rabbiner Herrn Dr. Mayer sämtliche israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirks Bühl zur Abhaltung der auf diesen Tag anberaumten Konferenz. Der Herr Bezirks-Rabbiner hieß die Versammelten, denen sich auch der derzeitige Bezirksälteste Herr Dr. M. Wertheimer und Synagogenrat S. Weil dahier angeschlossen hatten, herzlich willkommen und hob den Anwesenden in wenigen, aber geistreichen Worten den Wert solcher Versammlungen für den Unterricht hervor. Hierauf erteilte derselbe dem Hauptlehrer Jacob dahier das Wort zu seinem Referate über den biblisch-geschichtlichen Religionsunterricht. ...   In der hieran anschließenden Diskussion, an welcher Hauptlehrer Lehmann aus Lichtenau, Lehrer Levy aus Rheinbischofsheim, Lehrer Maiersohn aus Rastatt und andere sich beteiligten, wurde dieser Vereinigung beigestimmt, aber auch hervorgehoben, dass in den so genannten Religionsschulen, denen für den Religionsunterricht mehr Zeit zur Verfügung steht, diese Unterrichtsgegenstände ausführlicher behandelt werden können. Hierauf sprach Lehrer Pollaschek aus Bodersweier über den Wert des Pentateuchunterrichts und hob insbesondere die Schwierigkeit hervor, die dem Lehrer hierbei dadurch bereitet wird, dass so manche Eltern diesem wichtigen Unterrichtsgegenstand so wenig Sympathie entgegenbringen. Auch von den anderen Lehrern, die an der hierauf folgenden Besprechung sich beteiligten, wurde dieser Indifferentismus tief beklagt. Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Mayer legte jedoch in seiner Schlussrede den anwesenden Lehrern dringend ans Herz, sich hierdurch nicht stören zu lassen und ihren Obliegenheiten umso gewissenhafter nachzukommen. Im Allgemeinen glaubte der Vorsitzende den Lehrern bezüglich des geschichtlichen Unterrichts und unter Bezugnahme auf das Referat des Herrn Hauptlehrers E. Jakob den Wink geben zu sollen, dass es nicht so wohl darauf ankomme, sich bei einzelnen unerheblichen geschichtlichen Erzählungen aufzuhalten, als vielmehr durch lichtvolle Rekapitulationen des Geschichtsstoffes denselben dem Gedächtnisse der Kinder dauernd einzuprägen, mit anderen Worten dem Unterricht einen mehr intensiven als extensiven Charakter zu verleihen. Nachdem hierauf die Tagesordnung für die nächstjährige Konferenz festgestellt war, vereinigte man sich zu einem gemeinschaftlichen Mittagessen, bei welchem neben guten Speisen und Getränken auch der gemütliche Teil, Toaste, gesangliche und humoristische Vorträge nicht fehlten. Erst am späten Abend trennte man sich, mit dem Bewusstsein, einen genussreichen Tag verlebt zu haben."      

    
Lehrer Pollaschek und Sohn empfehlen sich als Toraschreiber (1887)   

Bodersweier Israelit 17031887.jpg (62973 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1887: "Gemeinden 
und Privaten empfehlen wir uns bestens zur Restaurierung alter und Anfertigung neuer Torarollen, Jahrzeittafeln mit Berechnung auf 50 Jahre, sowie auch zu Schiur Mischnajot lernen für Kranke und teuere Hingeschiedene und Mappot - Wimpeln malen. Alles gegen billigste Berechnung. 
Lehrer Pollaschek & Sohn, Schreiber von Torarollen usw. in Bodersweier bei Kehl am Rhein."

   
Neujahrsgrüße von Lehrer Jakobsohn und Frau (1901/1902)     

Anzeige in "Der Israelit" vom 12. September 1901: "Freunden und Bekannten senden wir die herzlichsten Neujahrs-('Gute Einschreibung und Besiegelung'-) Wünsche. 
Lehrer L. Jakobsohn und Frau, Bodersweier."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1902: "Nur auf diesem Wege! 
Freunden und Bekannten senden wir die herzlichsten Neujahrs-('Gute Einschreibung und Besiegelung'-) Wünsche. 
Lehrer Jakobsohn und Frau, Bodersweier."  

      
Lehrer Lazarus Mannheimer wird zum Hauptlehrer ernannt und nach Kehl versetzt (1912)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1912: "Bodersweier (Baden). L. Mannheimer wurde zum Hauptlehrer befördert und nach Kehl am Rhein versetzt."       

   
Julius Bensinger wurde Handelslehrer an der Oberrealschule in Heidelberg (1913)   

Artikel in "Das jüdische Blatt" vom 14. November 1913: "Bodersweier. Herr Julius Bensinger, der erst kürzlich an die Handelsschule nach Rastatt versetzt wurde, hat dieser Tage ein Ministerialratdekret als Handelslehrer an die Oberrealschule nach Heidelberg erhalten."      

     
Der Jura-Student Emil Bensinger ist aktiv in der Bavaria-Verbindung Heidelberg (1930)   
Anmerkung: Genealogische Informationen und Foto in https://www.geni.com/people/Emil-Bensinger/6000000043129679916. Emil Bensinger ist am 1. Juni 1903 geboren in Bodersweier als Sohn von Karl Bensinger und seiner Frau Bertha geb. Kaufmann. Er starb am 17. Oktober 1949 in Buenos Aires (Argentinien).  

Artikel in "KC-Mitteilungen" vom 30. November 1927: "Bavaria, Heidelberg. Dank unserer zahlreichen Aktivitas nahm das Semester weiterhin einen guten Verlauf. Wir beteiligten uns an den sportlichen Wettkämpfen der Universität und konnten durch unseren o.V. Levin im 100-Meter-Lauf den 1. Preis erringen....
  
Außerdem hatten wir noch eine Aktivmeldung zu verzeichnen, da Herr stud. jur. et rer. pol. Emil Bensinger aus Bodersweier (Baden) sich aktiv meldete..."      

    
Zum Tod des aus Bodersweier stammenden Fabrikanten Simon Wertheimer (in Ludwigsburg 1931)       

Artikel in "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1931: "Ludwigsburg. Wiederum so ist unerwartet tiefe Trauer über unsere Gemeinde gekommen. Am 18. April wurde Fabrikant Simon Wertheimer durch einen Herzschlag im Alter von 67 Jahren aus dem Leben gerissen. Simon Wertheimer war erst im vorigen Jahre als Nachfolger des verstorbenen Vorsitzenden Max Dreyfus seligen Andenkens in das Vorsteheramt eingetreten und hat jederzeit seine Persönlichkeit und sein reiches Wissen der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Der Verstorbene ward in Bodersweier geboren und zog bald nach seiner Verheiratung nach Ludwigsburg, wo er gemeinsam mit seinem Schwager eine Metallwarenfabrik gründete. Das Unternehmen erfreut sich überall des besten Rufes; seine Angestellten und Arbeiter schätzten den verstorbenen Chef im höchsten Maße. Die Trauerfeier schloss mit einem Gebet des Religionsoberlehrers Metzger. Das Andenken Simon Wertheimers wird stets in treuen Ehren gehalten werden."      

  
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Ergebnisse von Kollekten für den Verein "Achawa - Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" - bei Hochzeiten (1894/1900)  
Anmerkung: genealogische Informationen zu Bernhard Hochherr (1870 Berwangen - 1942 Ghetto Theresienstadt) siehe  https://www.geni.com/people/Bernhard-Hochherr/6000000027405006401; Marie geb. Wertheimer (geb. 1877, gest. 1909).     

Mitteilung in "Rechenschaftsbericht der Achawah" vom 1894 S. 11: "3. August 1894: "Sammlung bei der Hochzeit des Lehrers Jacobsohn in Bodersweier mit Fräulein Hannchen Ettlinger aus Flehingen."   
 
Mitteilung in "Rechenschaftsbericht der Achawah" von 1900/1901 S. 10: "29. September 1900: "Teilertrag einer Sammlung anlässlich der Hochzeit von Fräulein Marie Wertheimer aus Bodersweier mit Herrn Bernhard Hochherr in Berwangen, durch Herrn A. Levy."   

   
Der Antisemitismus macht sich bemerkbar - jüdische Einwohner wehren sich und werden angeklagt (1896)   

Bodersweier Israelit 16071896.jpg (224131 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1896: "Gerichtszeitung
Kehl
, 9. Juli (1896). Unter dem Vorsitz des Amtsrichters Dr. Rinteler begann heute früh die Schöffengerichtsverhandlung gegen 19 Angeklagte aus Bodersweier und Kehl wegen Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensbruch, Gefangenenbefreiung, Ruhestörung, groben Unfug und Tätlichkeiten. Die Verteidigung sämtlicher Angeklagten führte der Rechtsanwalt Muser von Offenburg. Der antisemitische Agitator und Redakteur Reuther aus Karlsruhe, der seit einiger Zeit das Hanauer Land zur Agitation auserkoren, hielt am 31. Mai in Bodersweier eine antisemitische Versammlung ab, die bekanntlich wegen Tumult der Auflösung verfiel. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, den Tumult verursacht und dem Reuther Bier ins Gesicht gespuckt zu haben. Als Reuther in Bodersweier nicht zu Worte kam, zog er nach dem 3/4 Stunden entfernten Linx, wo von den nachgezogenen Bodersweierern eine gehörige Prügelei inszeniert wurde, bei der Reuther getreten und zu Boden geworfen wurde, sodass er stark blutete. Bei der Schlägerei, die bald eine allgemeine wurde, machten sich auch einige Angeklagte des Widerstands gegen die Staatsgewalt und Gefangenenbefreiung schuldig. 
Über den Gang der Verhandlung wird berichtet: Die Angeklagten, zum Teil Viehtreiber und Knechte, zum Teil jüdische Handelsleute, bestreiten in der Hauptsache die erhobenen Beschuldigungen, andererseits wollen sie ohne eigene Schuld in die Schlägerei verwickelt worden sein. Durch den Zeugen Gendarm Baumgartner, ist festgestallt worden, dass in drei Wirtschaften in Bodersweier vor der Versammlung Freibier gespendet wurde im Werte von 400 Mark, welches Karl Bensinger, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bodersweier, und Leo Wertheimer bezahlt haben. Die Aussagen der Söhne des Wirtes, bei dem die Versammlung angehalten wurde, sind so widersprechend, dass es schwer ist, die objektive Wahrheit festzustellen. Zeuge Reuther erklärt, dass er im Auftrage der deutsch-sozialen Reformpartei den siebenten Reichstagswahlkreis zu bearbeiten habe, da bei der nächsten Reichstagswahl in diesem Bezirk ein Kandidat aufgestellt werde. Er wurde in Linx zu Boden geworfen und mit Füßen getreten, und habe starb geblutet. Die Schlägerei in Linx, die von den Viehtreibern inszeniert war, geben die Angeklagten zu, ebenso, dass sie Reuther blutig geschlagen haben. 
In der weiteren Zeugenvernehmung wird u.a. festgestellt, dass Reuther in sehr verletzender Weise gegen die Juden in seinen Versammlungen losgezogen ist, so z.B. in Scherzheim sich geäußert, die jüdischen Soldaten hätten auf dem Schlachtfelde toten Soldaten die Finger abgeschnitten, um die Ringe stehlen zu können. 
Muser führte als Verteidiger aus, die verletzende Art der antisemitischen Agitation und zwar speziell Reuthers, habe im Hanauer Land eine berechtigte Erbitterung hervorgerufen. Gerade da Generalisieren sei das Niederträchtigste der Agitation. Reuther sei schon wegen Verbrechen gegen den § 130 des Reichsgesetzbuches zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. 
Nach nahezu siebenstündiger Verhandlung wurden die Angeklagten zu 14 Tagen Gefängnis und zu 2 Tagen Haft verurteilt, von der Anklage des Hausfriedensbruches freigesprochen. In der Urteilsbegründung heißt es zum Schlusse, dass die widerlichen Ausschreitungen nicht vorgekommen wären, wenn nicht von gewisser Seite in reichlichem Maße Freibier gespendet worden wäre. Das Gericht lasse es dahingestellt sein, wer das Bier bezahlt habe."  

    
Hinweis auf das Beschneidungsbuch (Mohelbuch) von Mosche und Schimon Blum von Bischheim (Elsass)  

Avraham Malthete hat in dem genannten Mohelbuch für den Zeitraum zwischen 1817 und 1867 21 Beschneidungen in Bodersweier gefunden; die erste war die Beschneidung von Moses Wertheimer, Sohn von Joseph Wertheimer und Rosetta Neumann am ersten Tag Rosch-Chodesch Ijar 5577 (= Mittwoch 16. April 1817). Die Abbildung links zeigt die Eintragung dieser Beschneidung - oben der Ortsname "Boderschweiger". 
Die ersten 18 Beschneidungen wurden durch Mosche Blum durchgeführt, die letzten drei durch seinen Sohn Schimon Blum. Bodersweier ist in dem Mohelbuch nicht einfach zu identifizieren, da es hebräisch als "Boderschweiger, Boteschwiger" u.ä. geschrieben wurde.   
Die 21 Beschneidungen aus Bodersweier in einer Übersicht (xls-Datei, Übersicht erstellt durch Abraham Malthete).    
       
22-3r_Moses WERTHEIMER.jpg (53325 Byte) 61-6v_Baruch-Löw WERTHEIMER .jpg (45356 Byte) 67-7r_Löw WERTHEIMER.jpg (54693 Byte) 114-11r_Zal WERTHEIMER.jpg (50236 Byte)
Moses Wertheimer 
(geb. 9.4.1917, gest. 24.6.1817)
Baruch-Löw Wertheimer 
(geb. 9.5.1818)
Löw Wertheimer 
(geb. 2.7.1818)
Zal Wertheimer 
(geb. 20.2.1920)
        
122-11v_Seligmann WERTHEIMER.jpg (54861 Byte) 130-12v_Karl WERTHEIMER.jpg (68706 Byte) 210-19r_ Israel WERTHEIMER.jpg (52850 Byte) 211-19r_ David WERTHEIMER.jpg (50112 Byte)
Seligmann Wertheimer 
(geb. 4.4.1820)
Karl Wertheimer 
(geb. 21.6.1920)
Israel Wertheimer 
(geb. 21.5.1822)
David Wertheimer 
(geb. 22.5.1822)
       
297-27r_ Michael WERTHEIMER.jpg (61691 Byte) 323-30r_Joseph WERTHEIMER.jpg (75241 Byte) 370-34v_Zall WERTHEIMER.jpg (57175 Byte) 384-35v_ Michael WERTHEIMER.jpg (52229 Byte)
Michael Wertheimer 
(geb. 2.11.1824)
Joseph Wertheimer 
(geb. 12.6.1825, gest. 2.10.1825)
Zall Wertheimer 
(geb. 11.11.1826)
Michael Wertheimer 
(geb. 2.4.1827)  
       
468-43r_ Michael WERTHEIMER.jpg (60845 Byte)  529-48r_ Maier WERTHEIMER.jpg (54656 Byte) 638-58r_ Abraham WERTHEIMER.jpg (52325 Byte) 640-58r_Elias WERTHEIMER.jpg (57522 Byte)
Michael Wertheimer 
(geb. 1.5.1829)
Maier Wertheimer 
(geb. 15.12.1830)
Abraham Wertheimer 
(geb. 22.11.1830)
Elias Wertheimer 
(geb. 31.12.1834)
       
660-60v_Wolf BENSINGER.jpg (76557 Byte) 721-65v_Jacob BENSINGER.jpg (53860 Byte) 183-100r_Zall WERTHEIMER.jpg (75084 Byte) 897-177r_Elias WERTHEIMER.jpg (58236 Byte)
Wolf Bensinger 
(geb. 29.10.1835) 
Jacob Bensinger 
(geb. 18.3.1838)
Zall Wertheimer 
(geb. 19.2.1851)
Elias Wertheimer 
(geb. 21.8.1865)
       
1024-190v_Karl BENSINGER.jpg (60098 Byte)      
Karl Bensinger 
(geb. 18.9.1867)
     

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Verlobungsanzeige von Anna Holz und Julius Bensinger (1919)  
Anmerkung: über Familie Eduard Bensinger (aus Bodersweier) in Karlsruhe siehe  http://gedenkbuch.informedia.de/index.php/PID/12/name/262/seite/3/suche/B.html  

Anzeige in "Jüdische Rundschau" vom 28. März 1919: "Anna Holz  -  Julius Bensinger  
Verlobte  
Karlsruhe   17. März 1919    Bodersweier  Gernsbach"     

   
Verlobungsanzeige von Lilly Wertheimer und Heinrich Zimmer (1930)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1930: "Gott sei gepriesen. 
Lilly Wertheimer - Heinrich Zimmer.
Verlobte.  
Bodersweier (Baden) - Frankfurt am Main  Hanauerlandstraße 44.  
Empfang: Samstag, den 6. und Sonntag, den 6. Juli 1930. Hanauerlandstraße 44."      

  
  
Sonstiges        
Treffen von "Bundesbrüdern" in der Revierstube in Bodersweier (Bericht von 1919)     

Artikel in "Der jüdische Student" vom Februar 1919 S. 166: "Rudolf Herzberg.
Wir waren vier Bundesbrüder in der 88. Infanterie-Division. Ich bin der einzige, der am Leben geblieben ist. Gegenüber der Tragik dieser Tatsache verstummen alle Worte des Trostes. Man empfindet seine eigene Existenz beinahe als einen Vorwurf.
Ich lernte Rudolf Herzberg am 19. Dezember 1917 in unserer Revierstube in Bodersweier bei Kehl kennen. Er war als Feldunterarzt zu unserer Batterie gekommen. Bis zum April lebten wir in engster Gemeinschaft. Dann kam er zu einem Infanterie-Regiment unserer Division. Hier wurde er zum Feldhilfsarzt befördert. Er teilte mir damals seine Beförderung mit den Worten mit: Ich habe in militärischer Beziehung alles erreicht, was mir zu erreichen möglich war, außer den Heldentod. Die Ahnung, dass er den Weltkrieg nicht überleben werde, hatte er schon seit mehreren Jahren. Sie verließ ihn niemals, wenn er es auch der Umwelt verbarg. Ein großer Schmerz war es für ihn, dass er an der schönen Rauschhaschonohfeier (Feier des jüdischen Neujahrsfestes) in Sedan nicht hatte teilnehmen können. Die Division war gerade auf dem Transport nach Lothringen begriffen. Dort habe ich ihn am 12. September, am Morgen des amerikanischen Durchbruches bei St. Mihiel, zum letzten Mal gesehen. In der furchtbaren Abwehrschlacht bei Stenay an der Maas ereilte ihm das Geschick. Ein Volltreffer machte seinem Leben ein Ende. Als er gerade im Begriff war, sich in den Graben zu begeben.
Da Rudolf Herzberg immer in Süddeutschland studiert hatte, war er nur verhältnismäßig wenigen Bundesbrüdern bekannt. Auch sein ganzes Wesen war nicht geeignet, ihn in den Vordergrund zu drängen. Er war einer von jenen Menschen, die alle Probleme mit sich selbst durchkämpfen müssen, die eine gewisse seelische Schamhaftigkeit daran hindert, ihr Inneres vor der Öffentlichkeit, sei es auch nur vor der beschränkten des Kartells, zu enthüllen. Er war kein Mann der Worte, sondern der schlichten, stillen Tat. Eine selten vornehme Gesinnung zeichnete ihn aus. Für unsere Sache erfüllte ihn begeisterte Hingabe. Er hatte Palästina tatsächlich zu seinem Lebensinhalt gemacht und den festen Vorsatz, nach dem Kriege ins Land unsere Väter zu ziehen.
Es ist ihm ergangen wir unserem Führer Mose. Er hat das gelobte Land des Friedens und der nationalen Zukunft unseres Volkes nur noch aus der Ferne erblicken, aber nicht mehr selbst betreten dürfen.
Erich Cohn."     

  
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge        
   
1756 suchten die beiden Bodersweier Schutzjuden Isaak Levi und Joseph Wertheimer um eine herrschaftliche Genehmigung nach, in der Kammer eines jüdischen Hauses einen Betsaal einrichten und "Schul halten" zu dürfen. Vermutlich wurde dem Gesuch entsprochen und die Bodersweier Juden konnten seitdem ihre Gottesdienste feiern.

Nachdem 1811 die Zahl der jüdischen Familien auf sieben angewachsen war, konnten in dem "engen und allzu beschränkten Raum" des bisherigen Betsaales (möglicherweise derselbe wie nach 1756) kaum noch alle Platz finden. Nach einer damals angefertigten Statistik waren von den insgesamt 41 Gemeindegliedern 27 "schulbesuchende" (d.h. die Synagoge besuchende) Juden, ein Vorsänger und 13 Kinder, die noch keine Synagoge besuchen. Die Familien baten über ihre Vorsteher beim Bezirksamt Rheinbischofsheim darum, eine Synagoge erbauen zu dürfen und erklärten, diese "gänzlich aus ihren Mitteln und Kräften zu erbauen und durchaus das Mitleid anderer nicht in Anspruch zu nehmen". Im Herbst 1811 kaufte die jüdische Gemeinde von Friedrich Stölzel einen Gemüsegarten zum Preis von 355 Gulden, auf dem die Synagoge erbaut werden sollte. Widerstand kam freilich alsbald vom Vater des Verkäufers, Revierförster Stölzel, der auf dem Nachbargrundstück wohnte und den Verkauf seine Sohnes überhaupt nicht gut fand. Er protestierte beim Bezirksamt gegen eine solche, "sehr unwillkommene" und "lärmende" Nachbarschaft. Im übrigen war er der Meinung, dass der bisherige Betraum mit geringen Kosten durch einen Anbau erweitert werden könnte. Und schließlich habe doch auch das Pfarramt der Judenschaft einen Acker zum Verkauf angeboten und Jud Leib habe einen "weit bequemeren Bauplatz" für die Synagoge in seinem Besitz. Nach einiger Zeit des Briefverkehrs mit der Behörde gab Revierförster Stölzel nach und erlaubte den Synagogenbau, wobei ihm wichtig war, dass der "nötige Abstand" zu seinem Grundstück eingehalten wurde.  
   
Im Februar 1812 erteilte das Großherzogliche Badische Direktorium des Kinzigkreises die Bauerlaubnis und bestimmte, dass die kalkulierte Bausumme in Höhe von 1.092 Gulden nicht überschritten werden dürfe. Im März 1812 wurde der Synagogenbau versteigert. Valentin Merker von Bodersweier legte mit 900 Gulden das günstigste Angebot vor und bekam den Auftrag. So konnte auf dem heutigen Grundstück Querbacher Straße 25 im Laufe des Jahres 1812 die Synagoge erbaut und noch im selben oder im folgenden Jahr 1813 eingeweiht werden. Zur Finanzierung wurden die Synagogenstühle (Betpulte) nach Abschluss der Bauarbeiten unter den einzelnen Familien versteigert. Dabei kamen für einen Stuhl bis zu 80 und mehr Gulden in die Gemeindekasse. Es stand den einzelnen Haushaltsvorständen frei, einen oder mehrere Stühle zu kaufen. Joseph Wertheimer beispielsweise erwarb vier Stühle, 'zwei für das männliche und zwei für das weibliche Geschlecht'. 
  
Da die Zahl der jüdischen Einwohner im Laufe der kommenden Jahrzehnte weiter zunahm, war Anfang der 1830er-Jahre das Synagogengebäude zu klein geworden. Am 20. Januar 1833 beschloss eine Gemeindeversammlung die Vergrößerung und Verbesserung der Synagoge. Zur Finanzierung sollten zum einen die in der Gemeindekasse befindlichen Gelder (ausgenommen das 'Almosengeld') verwendet, zum anderen eine wöchentliche Umlage erhoben werden. Nach dieser Umlage waren bei den Viehhandelsgeschäften bis auf weiteres an die Gemeinde für den Synagogenbau abzugeben: 'sechs Kreuzer auf jedes Stück großes Vieh, Ochsen, Kühe, Rinder, Pferde, ob sie gekauft, eingetauscht oder auf andere Weise an sich gebracht wurden'. Nicht allen gefiel dieses Verfahren: Joseph und Mayer Wertheimer protestierten mit allen möglichen Gründen. Doch konnte man sich mit ihnen schließlich einigen.
   
Konfirmation in der Synagoge (gemeinsame Bar-Mizwa- und Bat-Mizwa-Feier, 1853)   
(Artikel eingestellt auf Grund eines Hinweises von Karl Britz)    

Artikel in der "Karlsruher Zeitung" vom 31. Mai 1853: "Bodersweier. In der hiesigen Synagoge wurde vergangenen Sabbat, den 21. dieses Monats, zum ersten Male eine feierliche Konfirmation für die zu entlassende hiesige israelitische Schuljugend von unserem hochwürdigen, geehrtesten Herrn Bezirksrabbiner Willstätter von Rastatt vorgenommen.
Den Akt der Prüfung dabei nahm unser Herr Lehrer L. Kahn aus Breisach vor, sowie auch die Leitung des Chors.
Der ganze Akt wurde auf eine feierliche und würdige Weise vorgenommen. Die Synagoge war bekränzt und auf dem Leuchter vor der Tribüne brannten neun Wachslichter. Ein tiefes Schweigen und eine ernste Ruhe herrschte während der ganzen Dauer des Gottesdienstes in den heiligen Räumen und die hohe Andacht der zahlreichen Anwesenden war auf dem Gesichte eines Jeden wahrnehmbar. Die Konfirmanden, sowie die übrigen an der Feierlichkeit teilnehmenden Schülerinnen waren weiß, alle einfach und gleich gekleidet.
Unser verehrtester, hochwürdiger Herr Rabbiner bewährte auch an diesem Tage seinen Ruf als guter Prediger. Seine Predigt, und besonders seine Schlussrede an die Konfirmanden und sein Gebet für dieselben ergriffen alle Herzen, und das Auge Mancher, das seit Jahren nicht geweint hatte, stand in dieser ernsten Stunde voll Tränen. Lautes Schluchzen und Seufzen der Konfirmanden und eigene Rührung nötigten den würdigen Redner, seine Rede für einige Augenblicke zu unterbrechen.
Die Prüfung dauerte, obgleich sie in abgekürzter Form vorgenommen wurde, über eine halbe Stunde, und die Konfirmanden beantworteten sämtliche Fragen des Herrn Lehrers über die Pflichtenlehre, sowie die Zwischenfragen des Herrn Geistlichen und die Fragen ihres Glaubensbekenntnisses von Seiten des Letztern ohne Anstoß, laut, deutlich und mit Ausdruck. Die Lobgesänge Israels: 'der Jigdal' und 'die Geschöpfe allesamt in der obern Welt, in der unteren Welt etc. etc.' von dem seligen Herrn Oberrat Epstein metrisch übersetzt, bildeten den Schluss der Prüfung.
Die Feierlichkeit und die Andacht dieser Feier wurde wesentlich erhöht durch die Leistungen des aus der III. und IV. Klasse unserer Schuljugend und mehreren hiesigen israelitischen Erwachsenen bestehenden Chors, sowie besonders durch die Mitwirkung und Teilnahme beim Gesang von Seiten des Herrn Lehrers Hemmerdinger aus Neufreistett und mehrerer befreundeter christlichen Herrn Kollegen unseres Herrn Lehrers von hier und der Umgegend.
Ein erhebender, freudiger, die Herzen aller Anwesenden zur brüderlichen Eintracht auffordernder Anblick war es, wie das Lob Gottes von Israeliten und Christen wie aus einer Brust erscholl. Israelite und Christ vereinigten sich hier in dem Lobpreisen des Einen Gottes, des Vaters unser Aller.
Sehr schmeichelhaft, und für unsere Gemeinde zur größten Ehre gereichend, sowie die Feier wesentlich erhöhend, war insbesondere die hohe Anwesenheit unseres hochzuverehrenden, allenthalben bei Christen und Israeliten beliebten und die Religion und deren Riten, ohne Unterschied des Glaubens, ob christlichen oder israelitischen, nach dem Vorbild unserer höchsten Regierung in hohen Schutz nehmenden Herrn Oberamtmanns Exter von Rheinbischofsheim und unseres hochehrwürdigen, nicht minder beliebten und toleranten Herrn Dekans Schember von Freistett, sowie unseres hochehrwürdigen Herrn Ortsgeistlichen, des Herrn Bürgermeisters und der Herren Gemeinderäte. Beide Ersteren hatten die Güte, bis gegen Abend hier zu verweilen.
Auch andere christliche Bürger von hier und der Umgegend beehrten uns durch ihre Teilnahme an der Feierlichkeit, und wäre die Witterung an diesem Tage etwas günstiger gewesen, so hätten wir uns gewiss einer größeren Teilnahme noch mehrerer Herren Geistlichen, Lehrer und Bürger erfreuen dürfen.
Wir fühlen uns nun gedrungen, den hochzuverehrenden Herren Teilnehmern dieser Feierlichkeit hiermit öffentlich unsern innigsten Dank auszusprechen.
Insbesondere fühlen wir uns auch verpflichtet, unserem würdigen Herrn Bezirksrabbiner und unserm geliebten und allseits geachteten Herrn Lehrer unsern aufrichtigsten Dank für ihre großen Bemühungen um unsere Gemeinde und die Schule an den Tag zu leben.
Wäre es uns nur vergönnt, unser Herrn Lehrer, diesen würdigen und tüchtigen Schulmann und vortrefflichen Vorsänger, noch länger in unserer Gemeinde wirken zu sehen!
Dieser feierliche Tag wird nicht nur den betreffenden Konfirmanden, sondern auch uns Allen, ewig im Gedächtnis bleiben.
Bodersweier, den 24. Mai 1853.
Der Synagogenrat: Jos. Wertheimer, Vorsteher, Baruch Löw Wertheimer, Synagogenrat, Jakob Wertheimer, Synagogenrat."

  
Größere Reparaturen der Synagoge wurden aus dem Jahr 1858
gemeldet. Für die Neueinrichtung eines warmen Frauenbades, die Einrichtung einer jüdischen Schule und die Reparatur der Synagoge musste damals ein Darlehen von 1.000 Gulden aufgenommen werden. 80 weitere Jahre diente dann die Synagoge Bodersweier als Mittelpunkt des dortigen jüdischen Gemeindelebens. 
  
Eines der letzten besonderen Ereignisse in der Synagogengeschichte war die Einweihung der Gefallenengedenktafeln im Juni 1935. 
  
Einweihung der Gedenktafel für die Gefallenen 1914/18 (1935)     

Bodersweier Israelit 04071935.jpg (88633 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1935: "Bodersweier, 1. Juli (1935). Die hiesige Israelitische Kultusgemeinde weihte am Sonntag, den 16. Juni, die in der Synagoge angebrachte Gedenktafel für ihre im Krieg gefallenen Söhne ein. Herr Synagogenrat Eduard Bensinger sprach Begrüßungsworte, Herr Lehrer und Kantor Mannheimer, Kehl, leitete die Feier, an welcher die Nachbargemeinden und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten teilnahmen, und verstand es, sie überaus erhebend und würdig zu gestalten. - Für den Landesverband Baden des RjF. sprach dessen Vorsitzender, Herr Rechtsanwalt Dr. Fritz Rosenfelder, Karlsruhe, für die Ortsgruppe Kehl-Bodersweier deren Vorstand, Herr Paul Wertheimer, Kehl, die den toten Kameraden ergreifende Worte des Gedenkens widmeten. ferner sprachen ehrende Worte Herr Bezirksältester Lippmann Kahn, Rheinbischofsheim und Herr Siegfried Kaufmann, Kehl."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Die Aktionen in Bodersweier wurden von österreichischer SS durchgeführt. Vier bis fünf SS-Leute fuhren nach einem Zeitzeugenbericht vor der Synagoge vor, traten die Türe ein und zerschlugen das Inventar. Als Gotteshaus war die Synagoge danach nicht mehr zu benutzen. Die Behörden waren an einem baldigen Abbruch und einer "arisierten" Verwertung der Grundstücke interessiert. Eine Ende April 1939 durchgeführte Besichtigung der Synagoge und des benachbarten jüdischen Gemeindehauses ergab, dass "sich beide Gebäude in einem derart schlechten baulichen Zustand befinden, dass sie als abbruchreif bezeichnet werden müssen." Das Gemeindehaus war bereits im März 1939 wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. Im Winter 1940/41 wurde dieses Gebäude wegen "Baufälligkeit" abgebrochen.   
     
Das Synagogengebäude wurde zunächst noch als Garage für den Postomnibus und Schafstall zweckentfremdet. Als Grundstückeigentümer wird 1943 "Deutsches Reich - Deutsche Post" genannt. Nach dem Krieg kam das Grundstück über die Jüdische Vermögensverwaltung JRSO in den Besitz der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden, die es ihrerseits privat veräußerte. 1951 wurde nun auch das ehemalige Synagogengebäude abgebrochen und ein Geschäftswohnhaus errichtet.         
    
    
    
Fotos          
Historische Fotos: 
(Quelle: Sammlung Hahn)

Bodersweier Synagoge 001.jpg (110759 Byte) Bodersweier Synagoge 002.jpg (98086 Byte) Bodersweier Schule 001.jpg (49097 Byte)
Die Synagoge in Bodersweier, 
1812/13 erbaut
Innenansicht
  
Das jüdische Gemeindehaus in Bodersweier,
 früheres Wohnhaus, 1858 von der 
jüdischen Gemeinde erworben und als 
Schul- und Gemeindehaus umgebaut
   
     
     

Hinweis-/Gedenktafel an die jüdische Gemeinde Bodersweier mit dem Text: "Ehemalige Synagoge. Dieses Grundstück war bis 1940 der Mittelpunkt der Israelitischen Gemeinde. Hier befanden sich die Synagoge (Bild links) und das jüdische Gemeindehaus (Bild rechts)..." 

 

   
Plan und Dokument  
(Quelle: Gemeinde Bodersweier, Feuerversicherungsakten; übersandt von Karl Britz)  

Bodersweier Plan 01.jpg (36518 Byte) Bodersweier Dokument 01.jpg (69646 Byte)
Synagoge (2) und jüdisches
 Gemeindehaus/Schule (1) im Plan der
 Feuerversicherungsakten 1934
Eintragung in den Feuerversicherungsakten über das Gebäude des Gemeindehauses:
 "Abgangs-Nachweis. Das unter Querbachstraße Hausnummer 25 zur Feuerversicherung
 eingeschätzte Gebäude der Israelitischen Gemeinde... ist im Dezember des Jahres 1940
 und Januar 1941 wegen Entbehrlichkeit abgebrochen worden. Da der Eigentümerin die
 Möglichkeit genommen ist, dasselbe wieder herzustellen, so ist die
 Versicherungssumme... abzuschreiben" 
 
 


Fotos nach 1945/Gegenwart:  
 

Fotos 2003:
(Fotos: Britz, 
Aufnahmedatum 11.9.2003)

Bodersweier Olivon.jpg (42219 Byte)
    

Das Gebäude (Friseurgeschäft) steht auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge 
und des Gemeindehauses (Querbacher Straße 25).
Die Synagoge stand links nach hinten versetzt, das Gemeindehaus rechts an der Straße.
 

       

Ehemalige jüdische Wohn- und
 Geschäftshäuser, die noch den
 ursprünglichen Baustil erkennen lassen

Bodersweier Meier.jpg (41878 Byte) Bodersweier Bensinger.jpg (40708 Byte)
  Kolonialwarenhandlung Ludwig Meier 
Querbacher Straße  15
(in Baustil und Bauart 
dem Gemeindehaus vergleichbar) 
Mehlhandlung Isidor Bensinger
Querbacher Straße  14 
 
 
     
Bodersweier Wertheimer.jpg (36652 Byte) Bodersweier KaufBens.jpg (44398 Byte) Bodersweier Merklinger.jpg (47522 Byte)

Viehhandlung
Leo Wertheimer
Rastatter Straße 33
 

Eisenwarenhandlung
Kaufmann und Bensinger
Querbacher Straße 18 
Kolonialwarenhandlung
Emanuel Merklinger
Grabenstraße 8  
     
Bodersweier Frank.jpg (46311 Byte) Bodersweier Denkmal.jpg (81606 Byte)
Viehhandlung Salomon Frank
Grabenstraße 7  

Gedenkstein
"Den jüdischen Opfern der Verfolgung 1933 – 1945"
auf dem Friedhof von Bodersweier, errichtet 1984  

   
         
     
Mahnmalprojekt Neckarzimmern  - der Beitrag aus Bodersweier
(rechts mit Foto des Steines in Neckarzimmern: Bericht aus der Stuttgarter Zeitung 
vom 21. Oktober 2005; Fotos unten: Karl Britz, Bodersweier)
Bodersweier Bericht 200501.jpg (179791 Byte)
   
Bodersweier Memorialstein 001.jpg (88772 Byte) Bodersweier Memorialstein 003.jpg (31436 Byte) Bodersweier Memorialstein 002.jpg (49352 Byte)
Bei der Gedenkfeier am 16. Oktober 2005
 in Bodersweier: Großrabbiner René
 Gutmann aus Straßburg legt einen 
Stein auf die Gedenkstele 
Der Gedenkstein bei der Kirche in Bodersweier; links mit Transparent am
 Einweihungstag. Rechts vorne: der Ring um Ortswappen von Bodersweier symbolisiert
 die Gemeinschaft aller Menschen im Dorf; der Davidstern ist herausgebrochen, wie 
die Gemeinde in der NS-Zeit herausgebrochen wurde.  
   

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Januar 2018: Obermayer Award für Karl und Hanna Britz:
deutsch: https://widenthecircle.org/de/karl-and-hanna-britz
englisch: https://widenthecircle.org/karl-and-hanna-britz  
(Foto: Obermayer foundation)  
 

    
     

Links und Literatur  

Links:  

bulletWebsite des Stadtteiles Kehl-Bodersweier 
bulletMahnmalprojekt Neckarzimmern  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bodersweier 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Bodersweier sind im Staatsarchiv Freiburg vorhanden:    
STAF L 10 Nr. 2202 Bodersweier Israelitische Gemeinde: Standesbuch 1810 - 1825  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-482616     
STAF L 10 Nr. 2205 Bodersweier Israelitische Gemeinde: Standesbuch 1825 - 1870  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-482619      
 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (hier: Staatsarchiv Freiburg) sind einige Familienregister aus badischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Amtsgerichtsbezirken) Findbuch L 10   https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=10028   
Zu Bodersweier ist vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
L 10 Nr. 2202 Bodersweier, Kehl OG evangelische und israelitische Gemeinde: Standesbuch 1810-1825 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-482616 
L 10 Nr. 2205 Bodersweier, Kehl OG Israelitische Gemeinde: Standesbuch 1825-1870  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-482619    .  

Literatur:   

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 46-47.  
bulletBodersweier. Berichte, Erzählungen und Bilder aus der Geschichte eines Dorfes im Hanauerland (Hg. Ortschaftsrat Kehl-Bodersweier). 1984. S. 49-74.
bulletLudwig Lauppe: Burg, Stadt und Gericht Lichtenau. Eine heimatgeschichtliche Rückschau. Hemsbach 1984 (zum Antrag von 1756 des Isaak Levi und Joseph Wertheimer: S. 163 Anm. 2).
bulletHans Nußbaum/Karl Britz: Das Schicksal der Juden von Bodersweier. 1986.
bulletHartmut Stüwe: Kehl im Dritten Reich. Stadtgeschichte 1933-1945. Stadt Kehl am Rhein. Kultur- und Verkehrsamt 1997 (hierin besonders: Boykott jüdischer Geschäfte S. 36ff und Verbrechen gegen die Menschlichkeit S. 110ff). 
bulletNicolas Rosenthal: Hagada des 20. Jahrhunderts - ein Vermächtnis. Mit Beiträgen von Rold Kruse jun. und Friedrich Peter. Historischer Verein Kehl 2000. 
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
     
bullet
Deutsche Ausgabe: 
Denise und Jules Kaufmann
Karl Britz
Glück, ganz besonderes Glück
Verlag Medien und Dialog
ISBN 3-933231-93-0
Preis: 12,00 €  
Bodersweier Lit 015.jpg (27774 Byte) Bodersweier Lit 016.jpg (27364 Byte) Französische Ausgabe:
Denise et Jules Kaufmann
Karl Britz:
La chance de survivre, le bonheur de vivre
Edition Medien und Dialog
ISBN 3-933231-94-9
Preis: 12,00 €
2008 jährt sich die Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 zum 70. Mal. Aus Kehl wurde bekannt, dass hier die jüdischen Männer vor ihrer Deportation ins Konzentrationslager Dachau unter Führung der Gestapo besonders grausam erniedrigt und gequält wurden. 
Das historische Datum markiert aber nur eine der vielen barbarischen Terrormaßnahmen, mit denen die Nazis die jüdische Bevölkerung im eigenen Land und in ganz Europa entrechtete, drangsalierte und in Massen tötete. 
Judenhetze ab 1933, Entzug bürgerlicher Rechte nach 1935, Deportation der männlichen Juden nach Dachau und Schließung aller jüdischen Geschäfte 1938 – es schien auf deutschem Boden keine Zukunft mehr zu geben. Wer weiterexistieren wollte, ging ins Ausland. In den badischen und pfälzischen Grenzregionen war Frankreich das naheliegende Ziel.
In Kooperation mit der Bürgerstiftung Kehl ist nun in einer deutschen und einer französischen Ausgabe ein reich illustriertes Buch erschienen, in dem das hochbetagte Ehepaar Denise und Jules Kaufmann die Geschichte seines Überlebenskampfes erzählt. Jules Kaufmann war einst Bürger in Bodersweier, seine Frau Denise stammt aus Wasselonne im Elsass. Am Beispiel dieser badisch-elsässischen Familie wird deutlich, wie sich das Schicksal vieler Juden aus unserer Grenzregion im besetzten Frankreich entschieden hat.
Nach der Schließung seiner einst florierenden Eisenwarenhandlung gewinnt Jules Kaufmann seine Zukunft nur wenige Kilometer entfernt - in Straßburg, im Elsass und in der Liebe zu Denise Roos aus Wasselonne. Sie heiraten 1938 und gründen eine neue Existenz. 
Doch 1940 besetzt die deutsche Wehrmacht den größten Teil Frankreichs. Auf das Land greift der nationalsozialistische Terror gegen die Juden über. "Missliebige Personen" müssen die besetzten Gebiete verlassen. Aber auch in der so genannten "freien Zone" ist eine Regierung im Amt, die mit den deutschen Besatzern zusammenarbeitet.
Die Gauleiter der Grenzregionen lassen im Oktober 1940 auch die badischen und saarpfälzischen Juden nach Südfrankreich deportieren, wo sie im Pyrenäen-Lager Gurs interniert werden. Ab 1942 rollen die Züge nach Auschwitz. Denise und Jules Kaufmann werden mit ihren Familienangehörigen in diesen Strudel gerissen, müssen erleben, wie Verwandte und Freunde in die Vernichtungslager deportiert werden. 
Durch Phantasie, Mut und auch List, durch die Hilfe anderer Menschen, vor allem aber mit der Kraft ihrer Liebe schaffen sie es, dass sie und ihre engsten Angehörigen in Südfrankreich die Zeit der Verfolgung überleben: "Es war auch Glück, ganz besonderes Glück."
Das Titelbild des Buches zeigt die Bronzefigur "Begegnung" von Josef Fromm am Rhein bei Kehl. Was sie darstellt, haben Denise und Jules Kaufmann schon zu der Zeit in die Tat umgesetzt, als ihre beiden Völker als tief verfeindet galten und auch an dieser Stelle die Waffen aufeinander richteten. 
Karl Britz hat die Erzählungen redaktionell bearbeitet. Außerdem berichtet er über die historischen Hintergründe und über eine aktuelle Spurensuche. Alfred Matt, früherer Leiter des Museums in Bouxwiller, besorgte die Übersetzung ins Französische.       

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bodersweier  Baden. Jews first settled in the early 17th century. A new synagogue was built in 1811 and the Jewish population grew to 116 in 1875 (total 1,124). Thereafter it declined steadily to 34 in 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was vandalized and eight Jews were detained at Dachau for a few weeks after being severely beaten. Fifteen Jews left Bodersweier until 1940. Twenty-two were deported to the Gurs concentration camp and other camps; six survived.  
       
        

                   
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Stand: 30. Juni 2020