Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
  
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Kloster Muri (Schweiz), dann zu Hohenzollern-Sigmaringen gehörenden Dettensee bestand eine jüdische Gemeinde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1579/80 (Jud Baruch in Mühringen, vormals Dettensee), dann wieder 1688 jüdische Einwohner genannt. 1764 lebten die damals 23 jüdischen Familien in drei für sie errichteten herrschaftlichen Gebäuden (mehr dazu unten im Abschnitt zur Synagoge). Mit Ausnahme des Lehrers, des Vorsängers und eines Wirtes waren alle jüdischen Haushaltsvorsteher Händler, die mit Vieh, Pferden Kupfer, Leder, Fellen, Betten, Kurzwaren, Kesseln, Pfannen usw. handelten. 
 
Die jüdischen Familien lebten in sehr armseligen Verhältnissen. 1807 lebten 11 der 23 Familien von Almosen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserten sich die Vermögensverhältnisse. 
    
Seit den 1830er-Jahren konnten die jüdischen Familien auch außerhalb der für sie bestimmten herrschaftlichen Gebäude im Ort leben. So war um 1840 das ehemalige  Pfarrhaus auf dem Grundstück des heutigen Tabernwasener Weg 7 von drei jüdischen Familien bewohnt. An jüdischen Häusern aus dem 19. Jahrhundert sind noch bekannt die Gebäude Georg-Schorpp-Straße 4 und 23, Neuneckstraße 15, 17, 21 und 25 sowie Tabernwasener Straße  23. Im Gebäude Neuneckstraße 17 war das ehemalige jüdische Gasthaus "Sonne".   
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 126 jüdische Einwohner, 1830 173 (Höchstzahl der jüdischen Einwohner, 1888 (nach statistischem Jahrbuch des deutsch-israelitischen Gemeindebundes: 82), 1889 73, 1892 60, 1894 50 (in 15 Familien), 1898 48, 1899 50 (in 14 Haushaltungen), 1904 8, 1907 4.    
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (von 1826 bis 1902 öffentliche israelitische Volksschule/Elementarschule), ein rituelles Bad (befand sich vermutlich bei der Synagoge - ehemaliges "Brunnenhaus") sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Von 1826 bis 1870 war Lehrer Salomon Holländer in der Gemeinde tätig, nach ihm Lehrer Max/Marx Schwan bis 1876, Lehrer Eduard Zürndorfer 1877 bis 1888, anschließend Lehrer Arno Friedmann 1888 bis 1896 (unterrichtete 1894 noch acht Kinder an der israelitischen Volksschule, war später in Ingolstadt tätig) und Lehrer H. Heinemann 1896 bis zur Auflösung der Schule 1902 (unterrichtete 1899 noch neun Kinder an der israelitischen Volksschule). 
   
Von 1822 bis 1836 hatte Dettensee einen eigenen Rabbiner (Marx Hirsch, der selbst aus Dettensee stammte). Danach gehörte die Gemeinde zum Rabbinat Haigerloch
  
Gemeindevorsteher waren um 1888 Lehrer Zürndorfer, J. Levy, B. Biggard und B. Stern, 1889 J. Levy, B. Biggard und B. Stern, um 1892/94 Lehrer Arno Friedmann, B. Stern jun., M. Stern und Michael Rosenheimer, 1899 B. Stern, M. Stern und Michael Rosenheimer.
 
Es gab mehrere jüdische Vereine/Chebroth, insbesondere den Beerdigungs- und Bruderschaftsverein Chewra kadischa (1894 unter Leitung von A. Friedmann, B. Stern, M. Stern und Michael Rosenheimer), den Wohltätigkeitsverein Chewrat gemilus chassodim (1894 unter Leitung von Arno Friedmann, B. Stern, M. Stern und Michael Rosenheimer) sowie den Israelitischen Armenfond (60 Jahrzeitstiftungen) und den Israelitischen Schulfonds
  
Bereits um 1900 war durch die schnell zurückgegangene Zahl der Gemeindemitglieder kein jüdisches Gemeindeleben mehr möglich. 
     
1933
waren noch Hermann Hirsch (gest. 1. Juli 1934) und seine Schwester Luise Hirsch am Ort (wohnhaft im Gebäude Neuneckstraße 21). Luise Hirsch wurde über Oberstotzingen 1942 nach Theresienstadt deportiert, von hier aus nach Maly Trostinec, wo sie ermordet wurde.  
   
Von den in Dettensee geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):    Sofie Barth geb. Tannhauser (1865), Klara Fleschner geb. Stern (1895), Luise Hirsch (1868), Paula Kahn geb. Stern (1893), Max Oppenheimer (1872), Charlotte Rosenheimer geb. Tannhauser (1863), Mina Rosenheimer (1890), Frieda Salomon geb. Stern (1887), Sigmund Schwan (1876), Albert Stern (1892), Arthur Stern (1888), Ida Wormser geb. Stern (1865).   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
       
Allgemeine Berichte
               
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee (Beitrag von Lehrer Gustav Spier, Haigerloch, 1926)           

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1926: "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee.
Von Gustav Spier, Haigerloch.
Wenn man von Horb über Nordstetten nach Südosten wandert, gelangt man nach etwa einstündigem Marsch zum Dorfe Dettensee. Hier bestand bis vor kurzem eine ansehnliche jüdische Gemeinde, nächst Hechingen und Haigerloch die dritte im Gebiet der Hohenzollerischen Fürstentümer. Das Dorf Dettensee gehörte bis zum Jahre 1803 mit einer Anzahl von Nachbarorten dem Kloster Muri in der Schweiz. Unter dem Schutz der Fürstäbte von Muri und ihrer Statthalter zu Glatt am Neckar ist die jüdische Gemeinde in Dettensee entstanden.
Der erste Schutzjude scheint um 1720 nach Dettensee gekommen zu sein. Als nämlich der Statthalter von Glatt im Jahre 1764 eine Umfrage betreffs der Schutzverhältnisse der Dettenseer Juden vornimmt, erklärt der 70-jährige Jacob Löw, er sei über 40 Jahre im hiesigen Schutz, ohne jedoch einen Schutzbrief zu besitzen. Da alle andern Juden erst seit 28, 19 und weniger Jahren am Orte zu wohnen angaben, ist der genannte Jacob Löw als der erste Jude in Dettensee anzusehen und seine Niederlassung auf die Zeit um 1720 anzusetzen.
Von den 23 zur Zeit der Umfrage ansässigen Juden besaßen nur 7 Schutzbriefe, von denen der älteste aus dem Jahre 1745 stammte. Doch sind keineswegs seit diesem Jahre systematisch Schutzbriefe ausgegeben worden. Der größte Teil der Judenschaft war noch nach diesem Jahre ohne Schutzurkunde zugezogen. Die Juden wohnten in herrschaftlichen Gebäuden und hatten 1764 an Schutzgeld und Hauszins für jede Familie 12 1/2 Gulden zu zahlen, Witwen zahlten die Hälfte. Lazarus Benedict gibt an, niemals (seit 28 Jahren) Schutz- und Mietsgeld entrichtet zu haben. Sein Bruder, der Hofjude, habe ihm das vermittelt.
Aus der Folgezeit ist eine große Anzahl Schutzbriefe erhalten. Im Gegensatz zu denen der Haigerlocher Juden, die immer für die gesamte Gemeinde ausgestellt sind, lauten die Dettenseer Schutzurkunden stets nur auf einen einzelnen Namen. Nach einem Bericht des Vogtes von Dettensee an den Amtmann in Mühringen wurde dies grundsätzlich so gehandhabt. Vom Jahre 1766 bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts enthalten die Briefe durchweg die Klausel, dass der Schutz mit und ohne Grund jederzeit aufgehoben werden könne.
Um 1773 haben die Juden zu entrichten: 2 fl. Einzugsgeld, 15 fl. jährliches Schutzgeld und Mietszins, außerdem den 'Wassertaler' an die Dorfgemeinde.
Die Judenschaft selbst beschloss im Jahre 1749 mit Genehmigung der Herrschaft von jedem zuziehenden Glaubensgenossen 3 Gulden Einzugsgeld zu erheben und zwar zur Bestreitung der Kosten 'für erkaufte zehen gebotten (= Thorarollen) und andere nothwendigkeitten in der Synagog.' Ferner sollte wöchentlich 1/2 Batzen für die Armenkasse erhoben werden.              
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1926: "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee. Teil 2.
Von Gustav Spier, Haigerloch.
1763 wurde dieser Beschluss dahin abgeändert, dass jedes zuziehende Ehepaar 10 Gulden, ein Fremder, der eine Dettenseer Jüdin heiratet, 5 fl., der Sohn eines Dettenseer Schutzjuden bei seiner Schutzerlangung 3 fl. zu zahlen habe. Der Vorsinger soll von allen Abgaben befreit sein. 
Als im Jahre 1753 der eben zugezogene Abraham Marx sich weigert, das Einzugsgeld zu zahlen, wird er von dem 'krumenen Jud namens Hirsch', der Armenpfleger und Vorsänger war, in den Bann getan. Erst auf Einschreiten des Statthalters wird der Bann aufgehoben. 
Im Jahre 1763 bestraft die Herrschaft mehrere Juden und verwarnt die übrigen, weil sie sich 'in höchst sträflicher Weis erfrecht haben, mit Pferden, Gaisen und Vieh die Wayd zu gebrauchen, verbotene Wege zum Reiten und Laufen zu benutzen, an Sonn und Feiertagen mit Aushenkung allerlay Häuten und Wäschen und sonstigen Zerschiedentliche Ungebühren auszuüben, auch zum Schaden der Gn. Herrschaften und der Untertanen in großer Anzahl Geflügel zu halten.'
1764 sind von den Dettenseer Juden dem Berufe nach: einer Schulmeister (Jakob Weill aus Haigerloch), einer Vorsinger (Hirsch Jakob), einer Wirt. Alle andern sind Händler. Als Handelsgegenstände nennen sie: Vieh, Pferde, Kupfer, Leder, Felle, Betten, Kurzwaren, Kessel, Pfannen, Kelsch (?) und 'unterschiedliche Waren.'
Der Handel wird ihnen sehr erschwert. Am 3. April 1761 wird den Juden vorgeschrieben,      
Dettensee GemZeitung Wue 16071926a.jpg (378982 Byte)Schuldforderungen an die Untertanen binnen 4 Wochen beim Oberamt anzumelden und Belege einzureichen. Nicht angemeldete Schulden werden hinfällig. Ferner wird den Juden verboten, mit ein und demselben Untertanen ohne besonderen, vom Oberamt genehmigten Kontrakt Abschlüsse in Gesamthöhe von mehr als 6 Gulden zu machen. Ungenehmigte Forderungen verfallen der Konfiskation. Im November desselben Jahres wird der Satz auf 5 Gulden, 1793 sogar auf 4 Gulden herabgesetzt. Jeder höhere Abschluss bedarf besonderer Genehmigung.
Waren so die Bestimmungen für den Handel im Murischen Gebiet schon drückend, so galt das erst recht für Geschäfte mit den Bewohnern des benachbarten württembergischen Gebiets. Nach einem Schreiben des Oberamtmanns von Sulz, 1777, ist den Juden außer an den Jahrmärkten der Handel im Württembergischen gänzlich untersagt. Eine einzige Ausnahme macht der Handel mit alten Kleidern, den man 'ihnen noch aus Nachsicht zur Zeit gestatten will.' Handel auf Borg wird strengstens verboten; Außenstände werden mit Einziehung bedroht. Auch ist Juden der Aufenthalt in württembergischen Orten nur für eine einzige Nacht gestattet.
Freundlicher zeigt sich — unter der Herrschaft Kaiser Josefs II. - die österreichische Regierung, der im südlichen Schwaben die Herrschaften Ober- und Niederhohenberg gehörten. Hier wird durch einen Kontrakt vom 15. Mai 1777 (abgeschlossen mit dem österreichischen Oberamt zu Rottenburg) der lästige und entwürdigende Leibzoll für die Juden der ganzen Umgebung durch eine Pauschalsumme abgelöst. Der Inhalt des Schriftstücks ist kurz folgender:
1. Die Juden der Gemeinden Baisingen, Rexingen, Mühringen, Nordstetten, Dettensee, Haigerloch und Hechingen haben samt Angehörigen und Gesinde in dem Ober- und Nieder-Hohenbergischen Oberamtsbezirke volle Leibes- und Personalfreiheit.
2. Diese Leibzollfreiheit wird auch auf fremde Betteljuden erweitert.
3. Dahingegen ist der Warenzoll nicht abgelöst.
4. Der Kontrakt gilt für 6 Jahre.
5. Werden der Judenschaft noch 30 Geleiter zugestanden, damit sie auch in andern österreichischen Gebieten ihre Verwandten und Freunde — ohne Leibzoll zu zahlen — besuchen kann.
6. Dafür zahlt die Judenschaft jährlich 500 Gulden, die wie folgt auf die Gemeinden verteilt werden:
Haigerloch 26 fl., Dettensee 55 fl., Mühringen 100 fl., Nordstetten 75 fl., Rexingen 102 fl., Baisingen 75 fl., Hechingen 67 fl.
Dass eine solche menschlichere Behandlung der Juden eine Ausnahme war, beweisen die Akten der folgenden Zeit, u. a. auch Protokolle über den 'Judeneid', von denen 2 bei den Akten des ehemaligen Oberamts Glatt vorhanden sind.
Viel mehr noch scheinen die Dettenseer Juden aber unter den unzuträglichen Wohnungsverhält­nissen gelitten zu haben. Die 23 Familien waren in 3 Herrschastsgebäuden untergebracht. Schon 1764 Nagen sie über unzureichendes Nebengelaß. 1781 begibt sich — gegen den Willen des Statt­halters in Glatt — eine Deputation zum Fürst­adt nach Muri, um betreffend der Wohnungen und anderen Unzuträglichkeiten um Abhilfe zu bitten.
Der Fürstabt Geroldus drückt darauf in einem Schreiben an den Statthalter 1. den Wunsch aus, dass betr. der engen Wohnungen Abhilfe geschaffen werde, und er verbiete 2., dass man die Juden durch Hinweis auf die laut Schutzbrief immer drohende Ausweisung beunruhige,... 'inmaßen die Juden doch immer auch Menschen sind.'
Die Wohnungsverhältnisse scheinen sich indessen nicht geändert zu haben, denn 1796 und 1798 reichen die Juden neue Bittschriften ein, die erste an den Statthalter, die zweite an den Fürstabt selbst.
Eine Abhilfe wird aber auch durch diese Eingaben nicht erreicht; denn als 1813 die 3 Gebäude den Juden käuflich überlassen werden, wohnen immer noch 23 Familien in ihnen; außerdem befinden sich in einem der Gebäude noch Synagoge und Schule! Noch 1836, als der Jude Samuel Eppstein beabsichtigt, Land zu kaufen und ein eigenes Haus zu errichten, protestiert die Ortsgemeinde dagegen!
Die Napoleonschen Kriege bringen der Gemeinde große Lasten durch Einquartierungen. 1800 mutet die Dorfgemeinde den Juden zu, Pferde in Quartier zu nehmen, obwohl kein einziger Jude Stallung besitzt! Da die Juden vom persönlichen Kriegsdienste befreit sind, werden ihnen Ablösungsgelder auferlegt. Die Gemeinde Dettensee hat 1809 eine Summe von 125 fl., 1814 für dieses und das vorhergehende Jahr 870 fl. zu entrichten. Mit einem weiteren Beitrag für 1815 — dessen Höhe nicht genannt wird — ist sie infolge Geldmangels noch 1817 im Rückstand, sodass sich der Oberamtmann für Ermäßigung verwendet, freilich ohne Erfolg.
Inzwischen ist Dettensee 1803 an Hohenzollern-Sigmaringen gekommen. Eine Erleichterung der Lage war mit diesem Übergang für die Juden nicht verbunden. Im Gegenteil versuchte die Regierung in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts die Zahl der Judenfamilien etwas zu verringern, indem sie jahrelang beim Ableben von Schutzjuden den Schutz nicht weiter übertrug. Ohne Schutzbewilligung war aber bekanntlich den Juden das Heiraten untersagt. Die Folge war, dass die Juden im allgemeinen sehr spät zum Heiraten kamen. Schon 1809 — also vor der genannten    
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1926:  "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee. Von Gustav Spier, Haigerloch.
Selbst die im Jahre 1837 erfolgte Emanzipation hatte für manchen Juden unangenehme Folgen. 1840 will der Witwer Jakob Biggard wieder heiraten. Er kann genügend Vermögen nachweisen und ist ebenso wie seine Braut gut beleumundet. Trotzdem erhält er folgenden Bescheid:
1. Auf seinen früher besessenen Judenschutz hin dürfe er nicht heiraten, denn die Judenschutz-Gesetzgebung sei 1837 aufgehoben worden.
2. Bürgerrecht habe er aber anstelle des Judenschutzes nicht erworben. Mithin habe er kein Recht auf Gewährung der Heiratserlaubnis !
Schlimm ist es auch mitunter um das Heimatsrecht einzelner Juden bestellt. Ein gewisser Josef Schüle, der in Dettensee geboren ist, hat zeitweise bei seinem Stiefvater in Wallerstein gewohnt. Nun will 1823 weder die Hohenzollerisch-Sigmaringische Regierung, noch das Fürstlich Oetting-Wallersteinsche Herrschaftsgericht ihm Heimatsrecht zuerkennen. 
Dettensee GemZeitung Wue 01081926a.jpg (120802 Byte)  Von 1820 an haben die Dettenseer Juden auch geschäftlich Ursache zur Klage. Die Regierungen treffen Maßnahmen zur Unterdrückung des Handels der Juden. Die Gemeinde verarmt. Zahlreiche Konkurs! erfolgen. Die Gemeinde kann not­wendige Ausgaben nicht bestreiten, kein Schulhaus bauen, das Tc uchbad nicht ausbessern lassen. Sie bleibt ihrem Lehrer Jahre hindurch beträchtliche Teile des Gelalts schuldig. Ms endlich zu einer Pfändung geschritten wird, sind statt 120 Gulden nur 37 aufzsttreiben; bei den meisten Familien ist nichts zu pfänden. Der Oberamtmann bestätigt der Regierung immer wieder die unglaubliche Armut der Gemeinde. 1807 gibt er an, von 30 Familien hätten 0 etwas Geld im Geschäft stecken,
10 seien ohne Vermögen, hätten* aber Erwerb (einige von ihnen stünden allerdings in Gant),
11 seien notorisch arm und leben von Almosen.
Noch 1841 berichtet der Oberamtmann fast genau dasselbe.
Ein Glück war es für die Gemeinde, dass sie vor Beginn dieses finanziellen Niedergangs eine neue Synagoge errichtet hatte. Im Jahre 1811 hatte sie um die Erlaubnis zum Bau nachgesucht und von der Regierung einen Bauplatz für 185 fl. erworben. Mit Hilfe von Spenden auswärtiger Juden gelang es dann, eine massive Synagoge zu errichten, die noch heute — trotz des Verfalls — einen stattlichen Eindruck macht. 1820 wuü>e sie vollendet und am 5. Juli in Gegenwart des Oberamtmanns durch den Rabbiner von Hechingen eingeweiht.
1830 erwarb die Gemeinde einen eigenen Fried­hof dicht beim Torfe. Bisher hatte sie ihre Toten in Mühringen bestatten müssen. Zur Errich­tung einer Umfassungsmauer, wie die Regierung sie vorschrieb, war die Gemeinde nicht imstande, und so verblieb es bis 1909 bei einer Einzäu­nung durch einen Tannenhag. (Schluß folgt).    
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1926: "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee. Teil 4. Von Gustav Spier, Haigerloch.
Eine Volksschule erhielt die Gemeinde 1826. Bis dahin hatte der Vorsinger — zuletzt Samuel Eppstein — die Knaben im Hebräischen unterrichtet. Jetzt wurde aus Betreiben einiger fortschrittlicher Gemeindemitglieder eine öffentliche jüdische Volksschule errichtet und Solomon Holländer — aus Haigerloch gebürtig — nach Ablegung der vorgeschriebenen Prüfung von der Regierung als Lehrer angestellt. Obwohl die Errichtung eines neuen Schulhauses mit Lehrerwohnung sich bald als notwendig erwies, ist es infolge Mittellosigkeit der Gemeinde nie dazu gekommen. Die Schule verblieb im alten Raum, im 'großen Judenbau.' 
Lehrer Holländer hat bis 1870 amtiert. Ihm folgten Lehrer Schwan bis 1876, Lehrer Zürndorfer 1877 bis 1888, Lehrer Aron Friedmann 1888 bis 1896 und Lehrer Heinemann 1896 bis 1902. Dann wurde die Schule ausgelöst.
Kurze Zeit hat Dettensee auch einen eigenen Rabbiner gehabt. Zunächst hatte sich die Gemeinde dem in Nordstetten amtierenden Rabbi unterstellt. 1781 wird Landrabbiner Jakob Solomon in Nordstetten als religiöse Instanz genannt. 1783, 1784 und 1791 Landrabbiner Jakob Samuel Schwabacher dortselbst (vielleicht bezeichnen die beiden abweichenden Namen dieselbe Person). Vor Abzug des Rabbiner Schwabacher vereinbaren Rexingen, Baisingen, Nordstetten und Dettensee 1791 feierlich, bei Androhung hoher Strafen, als Rabbinatsverband mit dem Sitz des Rabbiners in Nordstetten weiter zusammenzuhalten. Sie wählen Abraham Raphael aus Endingen in der Schweiz zum Nachfolger Schwabachers. Vor seinem Antritt aber kommt es zu Zweifeln über seine Eignung. Das Zeugnis der Jeschiba Fürth scheint den     
Dettensee GemZeitung Wue 01091926a.jpg (82693 Byte)Gemeinden nicht genügend, weil es besagt, dass Abraham Raphael unter Beisitz eines andern Gelehrten befugt sei, talmudisches Recht zu sprechen. Vermittlungsversuche der Jeschiba sowie des Oberrabbiners in Frankfurt a. M., bleiben erfolglos. Rexingen tritt aus dem Verband aus, und nun weigern sich die andern Gemeinden gleichfalls, den Gewählten anzustellen. Endlich nimmt Nordstetten den Rabbiner auf. Dettensee aber bleibt bei seiner Weigerung. Ein Gesuch des Rabbiners beim Fürstabt scheint erfolglos geblieben zu sein. — In der Folge schießt sich Dettensee dem Landrabbiner in Hechingen an. 1814 wird Landrabbiner Löw Aach als religiöse Instanz erwähnt. Mit der Vertretung desselben in Dettensee war zeitweise der Unterrabbiner Raphael Zivi aus Haigerloch betraut. Die Synagogeneinweihung, 1820, hat ebenfalls ein Rabbiner aus Hechingen vorgenommen, jedenfalls einer der beiden Rabbiner an der Talmudschule, da das dortige Landrabbinat seit Löw Aachs Tod unbesetzt geblieben war.
1822 wählen die Dettenseer ein Gemeindemitglied, Marx Hirsch zu ihrem Rabbiner. Er hat jedenfalls eine Jeschiba besucht und wird schon 1792 als 'ein gestudierter Rabbiner' genannt. Er scheint sich vom Handel ernährt zu haben und gilt  
Dettensee GemZeitung Wue 01091926b.jpg (127235 Byte)als einer der wohlhabendsten Juden in Dettensee. Für seine Tätigkeit als Rabbiner erhält er ein Jahresgehalt von 22 fl.
1836 stellt die Sigmaringer Regierung den akademisch vorgebildeten Maier Hilb als Rabbiner für Haigerloch und Dettensee an. Marx Hirsch tritt in den Ruhestand. Dettensee bleibt hinfort mit dem Rabbinat Haigerloch verbunden, so lange dieses besteht. Der Rabbiner ist angewiesen, nach Maßgabe des Beitrages der Dettenseer zu seinem Gehalt in Dettensee zu predigen, nämlich achtmal im Jahre. — 1842 führt Rabbiner Hilb die württembergische Synagogenordnung in Dettensee ein.
Allmählich scheinen sich die Vermögensverhältnisse der Gemeinde wieder gehoben zu haben. Ein nicht unbeträchtlicher Armenfonds und Schulfonds werden geschaffen. Es sammelt sich bis zum Anfang dieses Jahrhunderts ein Gemeindevermögen von über 4000 Mark an.
Die Zahl der Gemeindemitglieder beginnt aber in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückzugehen. Die Gemeinde hatte schon 1763 16 und 1764 23 Schutzjuden gezählt; um 1830 hatte sie 30 Familien. Die Seelenzahl wird 1809 mit 126, 1830 mit 173 angegeben. 1864 aber berichtet das Vorsteheramt an das Oberamt, dass die Gemeinde zurückgehe, da 'die jüngeren Kirchengenossen' nach und nach fortziehen. 1898 sind nur noch 48 Seelen vorhanden, 1902 hat die Gemeinde nur noch 4 Männer, den Lehrer mit eingeschlossen. Die Schule wird aufgelöst, der Armenfonds nach Haigerloch gegeben. Bezüglich der Synagoge wird beschlossen und genehmigt, dass sie später abgebrochen werden soll. Schule und Lehrerwohnung werden 1903 auf Abbruch verkauft.
Den Schulfonds und das Gemeindevermögen möchte die Dorfgemeinde Dettensee gerne an sich bringen. Die beiden letzten Männer der jüdischen Gemeinde vereinbaren 1904 mit dem Gemeinderat von Dettensee, dass die politische Gemeinde die   
 
Dettensee GemZeitung Wue 01091926c.jpg (90013 Byte)Verwaltung der beiden, etwa 2500 und 4000 M. zählenden Fonds übernimmt. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde solle der Schulfonds der israelitischen Gemeinde Horb zufallen; das Gemeindevermögen am Orte verbleiben. Die politische Gemeinde soll aus seinen Zinsen den jüdischen Friedhof erhalten. Ein anfangs 1904 erfolgter Antrag an die Regierung, die Gemeinde aufzulösen, wird abgelehnt, da nach den bestehenden Bestimmungen eine Auflösung nicht durch Beschluss erfolgen könne, sondern erst mit dem Wegzug oder Tod des letzten Dettenseer Juden eintrete.
Ende 1904 umfaßt die Gemeinde nur noch 8 Personen, davon 5 über 70, eine über 65 Jahre; 1907 sind nur noch 4 Juden im Ort. Heute (sc. 1926) leben in Dettensee als Rest der jüdischen Gemeinde nur noch 2 ledige Geschwister. Der Bruder, Hermann Hirsch, hat in den Jahren 1909 und 1911 aus den Mitteln des Gemeindevermögens eine solide Mauer um den Friedhof bauen lassen. 1913 erklärte er sich auf Veranlassung des Oberamtmanns v. Schulz-Hausmann bereit, die Synagoge der Dorfgemeinde zur Umwandlung in ein Gemeindehaus zu überlassen. An der Kurzsichtigkeit des Dettenseer Gemeinderats scheiterte der Plan.
Nun verfällt die Synagoge allmählich. Noch sind Mauern und Dachstuhl fest, noch zeigt der Bau Spuren alter Schönheit. Über dem Portal ist noch ein gut erhaltenes Wappen im Stein zu  
Dettensee GemZeitung Wue 01091926d.jpg (78513 Byte)sehen. Die alten, schönen Glasleuchter hängen noch im Raum; die Seine, aber in sehr gefälligen Formen gehaltene, mit schön geschnitzten und vergoldeten Löwen geschmückte heilige Lade hebt sich von dem satten Blau eines gemalten Fürstenmantels wirkungsvoll ab. Der zierliche Almemor steht noch an seinem Platz und ringsherum noch ein Teil der Ständer (Synagogenbänke haben die Dettenseer nie gehabt). Aber von der Decke bröckelt der Mörtel hernieder, Schwalben nisten im Raum und beschmutzen ihn, Bubenhände haben Fenster und Leuchter schwer beschädigt. Der heilige Raum ist ein Bild des Verfalls geworden, ein Sinnbild der verfallenden jüdischen Landgemeinden Deutschlands.
Herr Lehrer Spier teilt das Folgende über den 1764 genannten Handelsgegenstand 'Kelsch' mit: Herr Seligmann Kahn aus Stuttgart schreibt mir: 'Kelsch ist ein gewürfeltes Bett-, Schürzen- oder Kleiderzeug. Der Ausdruck ist wohl nur im Schwarzwald gebräuchlich.' Ich habe mich nachträglich davon überzeugt, dass das Wort hier in der ganzen Gegend in Gebrauch ist. Nach dem schwäbischen Wörterbuch (unter Kölnisch) bedeutet Kelsch oder Kölsch, auch Golsch und Kolsch genannt, einen Stoff, der ursprünglich in der Kölner Gegend verfertigt worden ist. Die Weberei dieser Stoffe hat im 16. Jahrhundert im Allgäu in besonderer Blüte gestanden. Die von Hauswebern auf dem Lande verfertigten Stoffe wurden hauptsächlich von Ulm und Augsburg aus vertrieben, später in die Kölschweberei in Schwaben zurückgegangen. Tie Bezeichnung in aber noch heute lebendig.   

          
Vortrag über die jüdische Gemeinde Dettensee von Lehrer Gustav Spier aus Haigerloch in Hechingen (1930)  
Anmerkungen: die Synagoge wird als "der bedeutendste Synagogenbau in Hohenzollern" beschrieben.      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1930: "Hechingen. Auf Einladung der Kultusverwaltung hielt Lehrer Gustav Spier - Haigerloch am Dienstag, den 16. April, einen Vortrag über "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Dettensee". Die Gemeindemitglieder waren fast vollzählig erschienen. Der Vortrag bot eine lückenlose Darstellung der Schicksale der Judenschaft Dettensee von ihrem ersten Auftreten in den Akten bis zum Erlöschen der Gemeinde in unseren Tagen. Gegenwärtig leben nur noch zwei jüdische Einwohner, die Geschwister Hirsch ( Bruder und Schwester) in Dettensee. Herrn Hirsch war die Aufgabe zugefallen, mit der politischen Gemeinde Dettensee Verhandlungen wegen der Übergabe der letzten Besitztümer der israelitischen Gemeinde, Synagoge und Friedhof, zu pflegen. Er hat diese Aufgabe in vorbildlicher Weise gelöst. Die Synagoge wurde der politischen Gemeinde geschenkweise übergeben. Dafür übernimmt diese für ewige Zeiten die Verpflichtung den jüdischen Friedhof in Ordnung zu halten: dazu gehört die Instandsetzung der Friedhofsmauer , die Reinhaltung der Wege innerhalb des Friedhofes, die Aufrichtung umgefallener und beschädigter Grabsteine. Als Aufsichtsbehörde für die Einhaltung des Vertrages wurde der Israelitische Oberrat  bestimmt. Er wird jedes Jahr durch eine Vertrauensperson den Friedhof besichtigen lassen. Die Synagoge wurde vor kurzem verkauft und wird gegenwärtig abgebrochen, um zu verhüten, dass das ehrwürdige Gebäude für profane Zwecke benutzt werden könnte. Es ist schade um den Bau. Von außen unscheinbar, wies die Synagoge im Inneren eine reiche, kunstvolle Ausschmückung auf. Prachtvolle venezianische Glaslüster hingen an langen Metall schnüren von der Decke herab, einen Almemor aus Holz schmückten handgetriebene Leuchter aus Metall. Das Innere ist durch vorzügliche Lichtbildaufnahmen festgehalten. Selten schön in seiner malerischen Umrahmung war auch der Aron hakodesch, wie unstreitig das Bauwerk als der bedeutendste Synagogenbau in Hohenzollern anzusprechen war. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Dettensee bildet ein Musterbeispiel für das Entstehen und Vergehen so vieler kleinen Gemeinden Deutschlands. Viel Leid und wenig Freude war der israelitischen Einwohnerschaft beschieden. Rührend ist das Festhalten am angestammten Glauben, dem die Juden Dettensees in allen Wechselfällen ihres schweren Daseins die Treue hielten. 
Mit angespannter Aufmerksamkeit lauschten die anwesenden den Ausführungen. Besitzen wir doch in unserer Gemeinde noch so manches Mitglied, dass in Dettensee geboren ist und auch Religions genossen, deren Eltern und sonstige Verwandten von dort herstammen".           

     
Über die Wohnungsnot der jüdischen Familien in Dettensee um 1780 (Beitrag von Lehrer Gustav Spier, Haigerloch, 1930)              

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1930: "Jüdisches Wohnungselend vor 15O Jahren.
Von Gustav Spier. Haigerloch.
Alles ist schon einmal dagewesen', sagt Ben Akiba in Gutzkows 'Uriel Aeosta', und vor ihm hat es König Salomo gesagt.
Eine der schwersten sozialen Nöte unserer Zeit ist die Wohnungsnot. Hunderttausende suchen vergebens ausreichende Wohnungen: Hunderttausende sind in unzulängliche Behausungen eingezwängt. Ähnliche Not haben die Schutzjuden gewisser Gegenden in gleicher oder schwererer Weise schon vor Jahrhunderten erlebt, als ihr Wohnrecht auf ein enges Ghetto oder auf wenige 'herrschaftliche' Häuser beschränkt war.
Ein anschauliches Bild solchen Wohnungselends bieten uns die Akten der jüdischen Gemeinde Dettensee. Die dortigen Schutzjuden waren gezwungen, in drei der Herrschaft gehörigen Häusern zu wohnen. Schon 1764 hatten sie auf den Mangel an Nebengelassen hingewiesen, 1781 sich persönlich an ihren Schutzherren, den Fürstabt Geroldus zu Muri, gewandt. Sie mussten ihre Bitte 1791 und 1798 wiederholen. Die ganze Größe ihres Wohnungselends und andrer Nöte) geht aus diesen Bittschriften hervor. Die Eingabe von 1798 hat folgenden Wortlaut:
Dem hochwürdigsten Fürsten und Herrn. Herrn Geroldus, Fürsten zu Muri pp.
llochvc iirdigon Fürsten und Herrn.
Hochwürdiger Reichsfürst! Gnädigster Fürst und Herr!
Euer Hochfürstliche Gnaden wollen sich gnädigst zu erinnern geruhen, dass unsere Judenschaft in drei Herrschaftsgebäuden zusammen zu leben angewiesen ist. So wie dies nun für ehemalige Zeiten uns ausreichend war, so ist dies jetzt für nun bestehenden 25 starke Familien kaum möglich: denn nun reicht bei mehreren Familien der Platz kaum zur Lagerstatt für die Nacht hin. Wir wollen nicht davon reden, wie traurig es ist, wenn eine große Haushaltung in zwei kleinen Gemächern (mehr hat keines von uns) ihr Leben das ganze Jahr hindurch zubringen soll. Wir schweigen davon, welchen Nachteil diese Lebensweise für die Gesundheit haben muss und führen nur dies an, dass in kleinen Wohnungen bereits zwei Familien eingepfropft sind, dass in all unsern Wohnungen Vater, Mutter, Kinder und Gesinde meist auf einem Haufen schlafen, dass diese durch die Notwendigkeit gedrungen sind, alle Sittlichkeit zu vergessen und sich ohne Unterschied des Geschlechts vor- oder nebeneinander anzukleiden. Treffen solche Gemächer dann noch Krankheiten oder Wochenbetten, so ist das Elend noch größer und gewiss oft namenlos. Könnte der edle Menschenfreund, der das Elend seiner Brüder aufsucht, um es zu erleichtern, in einem solchen Zustand öfters in unseren Wohnungen sein, gewiss, das Mitleiden würde ihm Tränen lösen, wenn er sehen müsste, dass viele von uns eingekerkerte Menschen, die um ihrer Verbrechen willen in Gefängnissen schmachten, um ihren Zustand zu beneiden haben. Sollten Euer Hochfürstl. Gnaden an der Wahrheit dieser Erzählung zweifeln, so lassen Sich Höchstdieselben durch gnädigste Anordnung eines Augenscheins huldreichst zu dem Elend der leidenden Menschheit herab, und Euer Hochfürstl. Gnaden werden Gewissheit erhalten, dass unser Zustand so traurig ist, als er weit und breit nicht angetroffen wird. So groß dies Elend ist, so leicht sind Mittel, die-               
Dettensee GemZeitung Wue 16121930a.jpg (225284 Byte)sen abzuhelfen. Sie bestehen darin. dass entweder die gnädigste Herrschaft die Gnade für uns hat, die weiter nötigen Wohnungen erbauen zu lassen, uns aber bedingen, einen den Aufwand entschädigenden Hauszins zu zahlen, oder aber, dass uns gnädigst gestattet wird, auf unsere Kosten Wohnungen erbauen zu dürfen, oder dass wir wenigstens die gnädigste Erlaubnis erhalten, uns bei anderen von Höchstdero Untertanen in Hausmiete begeben zu dürfen. Zu der Erwählung eines oder des anderen Mittels zu unserer Rettung spricht das von uns geschilderte Elend hinlänglich das Wort, und sollte eines oder das andre Hindernis noch eintreten, dessen Wegräumung in gegenwärtiger Vorstellung nicht enthalten ist, so lassen wir uns jede nur zu ertragende Bedingung gefallen, bei der wir wenigstens imstande sind, auf Gottes lieber Erde wie andere Menschen frei atmen und so unseres Lebens uns freuen zu können. 
Der zweite Punkt unserer untertänigsten Vorstellung geht dahin, dass der uns erteilte Schutz auch auf unsere Kinder dergestalt wirksam sein möge, dass wir dieselben bei erlangten volljährigen Alter untereinander verheiraten dürften. So hart es uns ist. mit unserer ganzen Familie in ein paar Gemächer eingepfropft zu sein, ebenso drückend und niederschlagend ist der Gedanke, auch nicht die geringste Hoffnung zu haben, dieser Familie loszuwerden. Dass die Erschwerung der Heiraten den nachteiligen Einfluss auf die Sittlichkeit habe, ist in der Erfahrung zu sehr gegründet, als dass wir solches zu entwickeln erst nötig haben. Wie glücklich würde uns die Erlaubnis machen, dass sich unsere Kinder, sofern keine Abhaltungsgründe dagegen wären, als untereinander und so auch die Wittfrauen ungehindert verheiraten dürfen. Einmal haben wir gezeigt, dass die Judenschaft in Dettensee weder gnädigster Herrschaft noch den übrigen Bürgern zum Nachteil sei, wie könnte dies durch die Ausbreitung derselben geschehen! Wo 25 Familien darum bestehen können, wo sie von auswärtigen Gewerbe leben, da können unter den nämlichen Verhältnissen auch 50 leben. Man wende nicht ein, dass die kleinen Familien wieder größer werden und sich so stärker multiplizieren, denn würde man nach diesem System bei Bevölkerungsberechnungen verfahren. so hätte man längst nicht nur die Juden, sondern die halbe Christenheit von den Traualtären zurückweisen müssen. Die Welt steht viele tausend Jahre, und immer hat die Menschheit auf ihr Platz. Diesen Platz wird sie in künftigen Jahrtausenden ebenso bequem noch finden, und immer wird gewiss in jedem Ort. in jedem Lande die Judenschaft mit der Christenheit im gleichen Verhältnis stehen. Was dem noch die allbekannte Großmut und Menschenliebe Ew. Hochw. Gnaden uns nicht versagen werden, dies wagen wir nun in aller Untertänigkeit zu bitten: dass nämlich sämtlich unsern Kindern und Wittfrauen unter den nötigen Bestimmungen das Heiraten gnädigst gestattet zu werden. Endlich möchten wir nicht umhin, auch dies noch anzuführen, dass es uns äußerst hart fällt, bei der Erlangung unseres Schutzes so ganz nicht auch nur für den kommenden Tag gesichert zu sein: indem unseren Schutzbriefen, und zwar erst in neuerer Zeit, die Klausel einverleibt, dass der einmal erteilte Schutz mit und ohne Ursache entzogen werden könne. Wir sind zwar von der erhabenen Gesinnungen Ew. Hochwürden Gnaden zu sehr überzeugt, als dass wir das Letzte befürchten sollten, doch können wir in tiefster Untertänigkeit den Wunsch nicht unterdrücken, dass um der Folgezeit willen, dass für das Vergangene und für die Zukunft gedachte Klausel, die bisher wahrscheinlich nur als Formel angesehen wurde, hochgeneigtest erlassen   
Dettensee GemZeitung Wue 16121930b.jpg (44512 Byte) werden möchte. Da wir ja bisher alle Lasten des Krieges gleich mit den anderen Untertanen getragen haben, werde uns auch gnädigst vergönnt, die Früchte besserer Zeiten zu genießen... Schon jetzt wünschen wir, dass der reiche Segen Gottes Höchstdenselben das nach jeder Rücksicht belohnen möge, was dieselbe für unsere arme, niedergedrückte, so sehr leidende Judenschaft tun werden,  die wir in tiefster Ehrfurcht ersterben für Hochfürstliche Gnaden untertänigste Judenschaft zu Dettensee.' . Soweit die Bittschrift, die uns Bilder des Jammers entrollt. Und der Erfolg der untertänigsten Bitten? Er ist ausgeblieben. Nur die üble Klausel blieb aus den Schutzbriefen fort. Die Wohnungsnot und die Beschränkung der Heiraten aber dauerte noch 40 Jahre fort, bis die Gleichstellung der Juden in Hohenzollern-Sigmaringen (1837) diese übelsten Reste des finsteren Mittelalters beseitigt und aus gedrückten und getretenen Schutzjuden freie Bürger schuf."    

      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870 / 1876  

Dettensee AZJ 24051870.jpg (31658 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1870: "Die hiesige Lehrer-, Kantor und Schächterstelle soll sofort wieder besetzt werden. Gehalt 300 Gulden bis 400 Gulden. Freie Wohnung und Nebeneinkommen. Reflektanten wollen sich beim unterzeichneten Vorsteheramte melden. 
Dettensee, den 12. Mai 1870. Israelitisches Vorsteheramt."  
  
Dettensee AZJ 14061870.jpg (45290 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juni 1870: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle soll sofort wieder besetzt werden. Gehalt 400 Gulden - freie Wohnung und Nebeneinkommen. Reflektanten wollen sich beim unterzeichneten Vorsteheramte melden. 
Dettensee, Amts Haigerloch in Hohenzollern, den 2. Juni 1870. Israelitisches Vorsteheramt."
  
Dettensee Israelit 19101876.jpg (59902 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1876: "Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen seminaristisch gebildeten Lehrer und Vorsänger zu möglichst baldigem Eintritt. Die fixe Besoldung beträgt 1.100 Mark; für 250 Mark Nebeneinkommen wird garantiert und wird dem anzustellenden Lehrer freie, für eine Familie ausreichende Wohnung gewährt. Die Bewerber brauchen die zweite Dienstprüfung nicht erstanden zu haben. 
Das israelitische Kirchenvorsteheramt: Jacob Levy. Leopold Stern. Dettensee, Oberamt Haigerloch."  

   
Über Lehrer Salomon Holländer (1826 bis 1870 Lehrer in Dettensee)  

Lehrer Salomon Holländer ist am 13. Februar 1798 in Haigerloch geboren als Sohn des David Holländer und seiner Frau Röse geb. Weil (beide aus Haigerloch). Salomon Holländer war seit 1826 erster Lehrer an der jüdischen Volksschule in Dettensee. Er heiratete am 12. Februar 1832 Rickchen geb. Stern, die am 21. Februar 1798 in Dettensee als Sohn des Baruch Stern geboren ist. Sie starb bereits am 17. Januar 1844 in Dettensee. Salomon und Rickchen Holländer hatten sechs Kinder, von denen drei früh verstorben sind. Die drei ihre Kindheit überlebenden Kinder waren Karoline (1827), Maier (1832-1868 in Berlichingen), Sophie (1833-1905). 
Salomon Holländer lebte nach seiner Zurruhesetzung weiter in Dettensee und erhielt von der Gemeinde eine (bescheidene) Pension von 200 Gulden. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 1874 ist in Dettensee gestorben.     

     
Über Lehrer Max (Marx) Schwan (1870 bis 1876 Lehrer in Dettensee)  

Lehrer Max (Marx) Schwan ist am 6. Februar 1847 in Neudenau geboren als Sohn von Lazarus Schwan in Neudenau (1800-1865) und seiner aus Dertingen stammenden Frau Babette (1813-1860). Marx Schwan heiratete am 9. Mai 1871 in Obergimpern (Trauung durch Rabbiner Geißmar von Sinsheim) Judith geb. Grumbach, die am 24. Mai 1848 in Obergimpern geboren ist als Tochter von Marx Hirsch Grumbacher und seiner aus Wollenberg stammenden Frau Babette (gest. 1868). 
Marx und Judith Schwan hatten fünf Kinder: Ludwig (geb./gest. 1872), Hermann (geb. 1873), Heinrich (geb. 1874), Sara (geb./gest. 1875) und Sigmund (geb. 1876, zu ihm und seiner Geschichte siehe Kennkarte unten). Lehrer Schwan verließ Dettensee im Dezember 1876, um eine neue Stelle in Baden anzutreten.   
vgl. Archivalien im Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 235 T 26-28 Nr. 1390: Personalien des israelitischen Schulamtsverwesers Max Schwan in Dettensee
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/QXJ4N567D7PHFRJLBAKMD3BVVAHZGFWP  

    
 Über Lehrer Eduard Zürndorfer (von 1877 bis 1888 Lehrer in Dettensee)  

Lehrer Eduard Zürndorfer war von Mai 1877 bis August 1888 Lehrer in Dettensee. Zuvor war er in Nagelsberg, dann in Mühlen am Neckar als Schulverweser sowie von 1870 bis 1877 in Jebenhausen als Lehrer tätig gewesen. Eduard Zürndorfer ist am 28. Oktober 1843 in Rexingen geboren. 1888 wechselte er als Lehrer und Vorsänger nach Michelbach an der Lücke, wo er bis 1914 tätig war. 
Im Ruhestand lebte Eduard Zürndorfer in Dortmund, wo er am 17. März 1919 gestorben ist. 

   
Über Lehrer Arno Friedmann (von 1888 bis 1896 Lehrer in Dettensee, danach in Kiel, später in Ingolstadt)     

Lehrer Arno Friedmann ist am 24. Februar 1867 in Hainsfarth geboren als Sohn des dortigen Lehrer Marcus Friedmann (1835-1910) und seiner Frau Babette geb. Hollerbaum (1844-1883). Arno ließ sich zum Lehrer ausbilden und war als solcher seit 1888 tätig in Dettensee, ab 1896 in Kiel. Hier heiratete er die aus Dettensee stammende Josephine geb. Oppenheimer. Nach seiner Heirat zogen die beiden nach Ingolstadt, wo er ab ca. 1900 als Lehrer und Vorbeter der jüdischen Gemeinde tätig war, zugleich (ab 1901) Schuhwarenladen innehatte. Dieser befand sich nach dem Ersten Weltkrieg im Haus Ludwigstraße 10. Arno und Josephine Friedmann hatten eine Tochter Paula (geb. 1900), die 1923 Karl Kissinger heiratete (geb. 1898 in Ermershausen als Sohn des Lehrers David Kissinger* und der Karoline geb. Zeilberger; Hochzeitsanzeige von Karl Kissinger und Paula geb. Friedmann siehe unten). Karl Kissinger wurde Geschäftspartner seines Schwiegervaters Arno Friedmann und war um 1924 2. Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Ingolstadt. Friedmann verfasste Beiträge zur jüdischen Geschichte wie 1900 "Die Geschichte der Juden in Ingolstadt (1300-1900)". Hierin beschreibt er die "die heutige israelitische Kultusgemeinde; diese zählt z. Zt. 90 Seelen, nämlich 38 Männer, 28 Frauen, 24 Kinder in 18 Haushaltungen. Der Betsaal der jüdischen Gemeinde ist Milchstrasse No. 8 und hat 25 Sitzplätze für Männer und 15 Sitzplätze für Frauen. Israelitischen Religionsunterricht genießen 9 Volksschüler (3 Knaben und 6 Mädchen), 3 Sonntagsschülerinnen und 5 Realschüler." Obwohl er seinen 27 Seiten umfassenden Artikel mit folgenden Worten beendet: "Die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde leben in Frieden und Eintracht mit den Angehörigen der anderen Konfessionen; sie nehmen innigen Anteil an den Leiden und Freuden des Gemeinwesens, mit dem sie verwoben sind.", und den Wunsch anschließt, die jüdische Gemeinde Ingolstadt möge "weiter blühen, wachsen und gedeihen", musste er kurz darauf am eigenen Leibe erfahren, dass es offensichtlich doch starke antisemitische Tendenzen gab. Denn der Redakteur Otto Schoy des "Bayerischen Vaterland" fiel daraufhin über Friedmann her und beschimpfte ihn in einem längeren Artikel so übel, dass Friedmann sich auf gerichtlichem Wege zur Wehr setzte. Friedmanns Tochter Paula heiratete Karl Kissinger, einen Sohn des Lehrers David Kissinger und zweiter Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Ingolstadt.
Arno Friedmann starb am 27. November 1934 in Ingolstadt und wurde im jüdischen Friedhof ebd. beigesetzt. Karl Kissinger führte das Geschäft bis zur erzwungenen "Arisierung" 1937 fort.  
*Hinweis: der genannte Lehrer David Kissinger war auch der Vater von Louis Kissinger, dessen 1923 in Fürth geborener Sohn Heinz Alfred war der später US-Politiker Henry Kissinger.      
       
 Familienfotos und Grabstein 
von Arno Friedmann 
SIEGBERT ISIDOR ARNO-FRIEDMANN.jpg (56644 Byte) ARNO-FRIEDMANN-PORTRAIT.jpg (62023 Byte)  ARNO-FRIEDMANN-GRAB.jpg (114452 Byte)
  Die Brüder Siegbert (1880-1943,
Lehrer in Schwanfeld), Isidor (1873-1949,
Rabbiner) und Arno Friedmann 
Lehrer Arno Friedmann 
(1867-1934)  
Grabstein für Arno Friedmann 
im jüdischen Friedhof Ingolstadt   
       
Quellen: Rolf Hofmann: Arno Friedmann in Ingolstadt. Erstellt mit Unterstützung von Dr. Theodor Straub, Edmund Hausfelder und Elizabeth Levi. 2015 
(eingestellt in deutsch als pdf-Datei - English Version by Yehuda Shenef and Elizabeth Levy)  
Rolf Hofmann: Friedmann + Kissinger Ahnenreihe, bezogen auf die Lehrer der israelitischen Elementarschule in Hainsfarth und den US-Außenminister Henry Kissinger (pdf-Datei)    
Rolf Hofmann: Family Sheet Marcus Friedmann of Poppenlauer + Hainsfarth (pdf-file)    

    
    
Vom Ende der jüdischen Gemeinde  
Bericht eines Besuchers in Dettensee (1921)     

Dettensee AZJ 16091921.jpg (73684 Byte) Zitat aus einem längeren Bericht über die jüdischen Schwarzwaldgemeinden Anfang der 1920er-Jahre in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1921: "Das Traurigste, was mein Auge sehen musste, war in Dettensee, ebenfalls ja in Auerbachs Dorfgeschichten genannt. Eine prachtvolle Synagoge, weit gebaut und gewiss eine Zierde des Ortes, ist völlig dem Verfall anheimgegeben. Die Fenster sind eingeschlagen, sodass man die schöne Inneneinrichtung durch die 'offenen Höhlen' bewundern kann. Noch ein Haushalt ist der letzte Rest einer einst nach Hunderten zählenden Gemeinde. Wer sorgt für die Erhaltung dieser heiligen Stätten? Der mit einer hohen Mauer umgebene Friedhof scheint noch gut in Ordnung zu sein." 

    
Zum Ende der jüdischen Gemeinde Dettensee (Beitrag von Lehrer Gustav Spier, Haigerloch, 1929)    

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1929:  Zum Lesen bitte die Textabbildungen anklicken            Dettensee GemZeitung Wue 01071929a.jpg (157730 Byte)    

    
Bericht eines Besuchers in Dettensee (1929)   

Dettensee Israelit 20031930.jpg (240882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1930: "Heilige Ruinen. Es war im Sommer 1929, als ich auf einer kleinen Ferienwanderung durch das südliche Württemberg und Hohenzollern, von Nordstetten kommend, das bereits hohenzollerische Dorf Dettensee passierte - oder vielmehr passieren wollte. Denn das erste Gebäude rechts an der Landstraße zeigte im Stil so unverkennbar das Bild einer Synagoge und zwar, dem äußeren nach zu urteilen, das einer unbenutzten und verlassenen, dass ich beschloss, etwas zu verweilen, um mich über das Nähere zu vergewissern. Ich erfuhr, dass eine jüdische Gemeinde nicht mehr existiere und dass ein älteres, unverheiratetes Geschwisterpaar die beiden einzigen noch am Orte lebenden Juden seien. Herr und Fräulein Hirsch empfingen mich freundlich, war ich doch nach langer Zeit wieder der erste Jude, der ihr Haus betrat. Der leidende alte Herr geht kaum mehr aus und so ist er von der lebendigen Berührung mit der jüdischen Welt abgeschlossen. Man denke sich: Kein Sabbatgottesdienst, kein Feiertag, kein Freudentag und kein Trauertag und dazu kein jüdischer Glaubensgenossen am Orte, der in der letzten Stunde zugegen sein könnte, den niederschmetternden Eindruck vollkommener Vereinsamung und Verlassenheit, den ich dort gewonnen, habe ich bis heute nicht vergessen. Freilich - die keineswegs nur synagogale altjüdische Frömmigkeit hält einen letzten Zusammenhalt mit dem jüdischen Zibbur (Öffentlichkeit) aufrecht. Wöchentlich 1-2 mal holt sich Frl. Hirsch aus dem über eine Stunde entfernten Mühringen Fleisch und auch die Mazzos sind alljährlich gleichzeitig eine Art Gruß der jüdischen Außenwelt. Mit einem gewissen Stolz und Verantwortungsgefühl sprach Herr Hirsch vom Friedhof, von den toten Zeugen einer vor nicht allzu langer Zeit noch blühenden Gemeinde, deren Bewachung ihm allein noch anvertraut ist, nachdem alle, alle weggegangen sind, teils lebend, teils tot... Kein Rabbiner, kein Gemeindeverband ist zuständig... 
Allsabbatlich verrichtet das alte Fräulein pietätvoll in der Frauensynagoge ihre anspruchslose Andacht mit mit Rührung erzählt sie mir, wie sie dabei noch die Melodien zu vernehmen meint, die in ihrer Jugend, vor Jahrzehnten, das damals noch volle Gotteshaus erfüllten. Und einmal, vor Monaten, da erlebte sie es, dass eine Esragruppe unter Leitung des Lehrers Spier der benachbarten Gemeinde Haigerloch auf ihrer Wanderung Dettensee berührte und in der Synagoge Gottesdienst abhielt. Die kahlen Wände hallten wider von den lange nicht vernommenen Lauten und auf der Frauenempore begleitete das Fräulein diesen letzten Gottesdienst mit bitteren Tränen. 
In der Synagoge sind sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen, aber nicht durch Menschenhand, wie man im Jahre 1929 in deutschen Landen zu vermuten manchen Anlass hat, vielmehr lange vor dem Krieg geschah es durch Hagelschlag - aber keine Möglichkeit und kein Bedürfnis zur Wiederherstellung. Der Toraschrein ohne Bekleidung hält ewige Trauer und in den leeren Ständen haben die Vögel ihre Nester gebaut. 
Unwillkürlich dachte ich an Jesajas Wort: 'Pelikan und Kröte nehmen es in Besitz, Eule und Rabe wohnen darin und er spannt darüber die Messschnur der Verödung und das Lot der Verwüstung. Ihre Edlen sind nicht da und all ihre Fürsten sind dahin, Und aufschießt in ihren Palästen Gestrüpp, Nesseln und Dornen in ihnen und sie wird zur Wohnung der Schakale, ein Gehöft der Strauße...'  
Freilich, Jesaja prophezeit es Edom... P."     

    
Die Verhandlungen zur Übergabe der Grundstücke der jüdischen Gemeinde an die politische Gemeinde sind zu Ende geführt (1930) 
       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1930        

    
    
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Über den Maler Salomon Hirschfelder (1831-1903)      

Salomon Hirschfelder (geb. 1831 Dettensee, gest. 1903 München), Maler (eingetragen im Matrikelbuch der Akademie der Bildenden Künste München 1853). Beliebt waren seine heiteren Volksszenen, die er in Bildern kleineren Formats herstellte. Im Horber Stadtmuseum "Hoher Giebel" befinden sich seit 1982 als Leihgaben des Landes Baden-Württemberg zwei Gemälde des Künstlers: "Die Brotvisitation" (2. Fassung, datier 1876) und "Das Dienstmädchenbüro" (2. Fassung, datiert 1896). Das Museum besitzt auch die Holzstiche nach den verschollenen Erstfassungen beider Bilder aus damaligen illustrierten Zeitschriften und das Ölgemälde "Portrait einer jungen Dame im roten Kleid", datiert 1900 (Angaben von Agnes Maier, Stadtverwaltung Horb). Neu erworben wurde 1988 das nachstehende abgebildete Gemälde: 
     

Erinnerung an die Heimat Dettensee und das elterliche Haus
(1873 in Öl gemalt von Salomon Hirschfelder; das Bild ist seit 2008 im Besitz der Stadt Horb und wird nach einer Restaurierung neben anderen anderen von Salomon Hirschfelder ausgestellt werden)

Dettensee Hirschfelder 201.jpg (60709 Byte) Dettensee Hirschfelder 200.jpg (51388 Byte)
    Aufschrift: "Stube im Haus meiner Urgroßeltern Meier (1786-1872) und Sara Hirschfelder 
in Dettensee, gemalt von deren Sohn Salomon Hirschfelder". Die Aufschrift wurde von einem
 Urenkel erstellt. Bei Meier und Sara Hirschfelder handelt es sich um die Eltern des Malers.
        
Weiteres Werk von 
Salomon Hirschfelder
Hirschfelder Schlittenfahrt.jpg (14704 Byte)  
  "Heimkehr von der Schlittenfahrt" (1877)  
     

Beitrag von Dr. Adolf Kohut über "Samuel Hirschfelder, ein humoristischer Genremaler" (1902)  
Anmerkung: Bei Adolf Kohut (geb. 1848 in Mindszent, Ungarn, gest. 1917 in Berlin) handelte es sich um einen vielfach ausgezeichneten Journalisten und Literatur-/Kulturhistoriker. Siehe Wikipedia-Artikel "Adolph Kohut".       

Artikel in der "Allgemeinen
 Zeitung des Judentums" 
vom 14. November 1902: 
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken.    
     
Dettensee AZJ 14111902a.jpg (394201 Byte)    Dettensee AZJ 14111902b.jpg (336721 Byte)  
  
Dettensee AZJ 21111902.jpg (306586 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung 
des Judentums" 
vom 21. November 1902:
 Fortsetzung.   
Dettensee AZJ 21111902a.jpg (258721 Byte)    

           
Zum Tod von Hermann Hirsch, letztes männliches Mitglied der jüdischen Gemeinde Dettensee (1934)                   

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1934:         
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1934:     

      
Über den Münchner blinden Schriftsteller Nathan Norbert Stern (geb. 1881 in Dettensee, überlebte Theresienstadt, gest. 1964 in München) 
Anmerkung: Der Münchner Schriftsteller und Privatgelehrte Nathan Norbert Stern wurde am 3. April 1881 in Dettensee als Sohn von Leopold Stern und Paula geb. Augsburger geboren und starb am 11. Juli 1964 in München. Nach seiner Schulzeit in Dettensee und Reutlingen studierte er Ingenieurswissenschaften und Maschinenbau, danach Philosophie und wurde 1908 in diesem Fach in Bern promoviert. Er war Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und konvertierte 1916 zum evangelischen Glauben. Im Juli 1942 erhielt er in München seinen Deportationsbefehl nach Theresienstadt. Infolge einer Kriegsverletzung war der 61jährige völlig erblindet. Aus seiner Theresienstädter Zeit existieren noch Aufzeichnungen, die das Lagerleben mit großer innerer Hellsichtigkeit beschreiben. Er überlebte das Konzentrationslager und kehrte nach seiner Befreiung 1945 nach München zurück.

Über Nathan Norbert Stern liegt eine Publikation von Wolfgang Benz vor: Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern. Jüdische Miniaturen. Hrsg. von Hermann Simon. Band 201. Hentrich und Hentrich Verlag Berlin 2017.    
Artikel zu einer Vortragsveranstaltung mit Wolfgang Benz im "Gießener Anzeiger" von hh vom November 2017: "Als Blinder in Theresienstadt".
GIESSEN
- Zu einer Lesung mit dem renommierten Historiker Wolfgang Benz zur Vorstellung seines Buches "Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern" laden die Arbeitsstelle Holocaustliteratur und das Literarische Zentrum Gießen (LZG) am Dienstag, 5. Dezember, ein. Der schmale Band ist in der Reihe Jüdische Miniaturen des Hentrich und Hentrich Verlags Berlin erschienen.
Norbert Stern wurde 1881 in Dettensee, einem Dorf am Neckar in Baden-Württemberg, geboren. Nach einer Karriere als Techniker widmete er sich immer mehr der Philosophie. Er promovierte und erweiterte sein Interessenfeld im Bereich Mode und Kultur. Im Ersten Weltkrieg erlitt Stern als Soldat eine schwere Augenverletzung, die erhebliche Sehstörungen zur Folge hatten und einige Jahre später zur vollständigen Erblindung führte. Als Schriftsteller und Privatgelehrter veröffentlichte er 1922 sein erstes Werk. Doch im Sinne der NS-Ideologie galt Stern ab 1933 als Jude und konnte seinen Beruf nicht weiter ausüben. Am 21. Juni 1942 wurde Norbert Stern dann von München in das Getto Theresienstadt deportiert, da er durch seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg als 'privilegiert' galt. Trotz seiner Blindheit nahm er die Zeit sehr intensiv wahr und versuchte, die Erinnerungen in seinen Aufzeichnungen "Ein Blinder erlebt Theresienstadt" festzuhalten. Dieses Manuskript wurde jedoch nie veröffentlicht. Nach seiner Befreiung lebte Stern bis zu seinem Tod in München. Ein Teil seiner Aufzeichnungen konnte vor seiner Deportation gerettet werden, so dass er in den 1960er Jahren ein weiteres Werk mit dem Titel "Wer bist du, Mensch?" veröffentlichte.
Der emeritierte Professor Wolfgang Benz war bis 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im KiZ (Kultur im Zentrum) an der Südanlage 3A (Kongresshalle). Der Eintritt ist frei." 
Link zum Artikel  
Zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur 2018 (2. September 2018) referierte Wolfgang Benz in Horb-Dettensee im Gemeindesaal des Rathauses über Norbert Stern.
Einladung zur Veranstaltung (als pdf-Datei eingestellt)  

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Fanni Ottenheimer sucht eine Stelle in einem Haushalt (1890)  

Dettensee Israelit 16061890.jpg (33724 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1890: "Ein israelitisches Mädchen, gesetzten Alters, sucht Stellung, am liebsten bei einem älteren Manne oder eine alleinstehenden Frau. 
Ansprüche bescheiden. 
Gefällige Offerten richte man an Fanni Ottenheimer, Dettensee Post Empfingen (Hohenzollern)."   

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Dettensee 
geborenen Siegmund Schwan 
 
 Dettensee KK MZ Schwan Sigmund.jpg (88951 Byte)    
   Kennkarte (Mainz 1939) von Siegmund Schwan, geb. 9. Januar 1876 in Dettensee, später wohnhaft in Mainz. 
Wurde am 27. September 1942 ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, 
wo er am 11. Dezember 1942 umgekommen ist. 
   

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge               
    
Im 18. Jahrhundert waren die jüdischen Familien (1764: 23) in zwei von der Herrschaft zur Verfügung gestellten Häusern zusammen untergebracht ("Großer Judenbau" bzw. "Judenkaserne" genannt; eines der Gebäude ist erhalten: Tabernwasener Weg 11; das zweite ist teilweise - völlig umgebaut – in dem Gebäude Neuneckstraße 2 aufgegangen). Bis um 1820 änderte sich an diesen beengten Verhältnissen nichts, zudem auch ein Betsaal und ein Schulraum in den Häusern eingerichtet war. Um 1840 war das ehemalige Pfarrhaus auf dem Grundstück des heutigen Tabernwasener Weg 7 von drei jüdischen Familien bewohnt.  
      
Ab wann ein Betsaal für Gottesdienste vorhanden war, ist nicht bekannt. 1749 beschloss die Judenschaft mit Genehmigung der Herrschaft, von jedem zuziehenden Glaubensgenossen drei Gulden Einzugsgeld zu ergeben. Diese wurden zur Bestreitung der Kosten "für erkaufte zehn Gebote (= Torarolle) und andere Notwendigkeiten in der Synagoge" verwendet.  
     
1811 bat die Gemeinde um Erlaubnis zum Bau einer Synagoge und erwarb hierzu von der Regierung einen Bauplatz für 185 Gulden. Mit Hilfe von Spenden auswärtiger Juden gelang es, den Synagogenbau durchzuführen. 1820 wurde er vollendet und am 5. Juli in Gegenwart des Oberamtmanns durch den Rabbiner von Hechingen eingeweiht.  Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner rapide zurück: 1890 gab es noch 100 jüdische Gemeindeglieder (1898: 48). 1902 waren nur noch vier Männer in der Gemeinde wohnhaft, den Lehrer mit eingeschlossen. Spätestens damals musste der Gottesdienst eingestellt werden. Es wurde beschlossen, die Synagoge zu schließen und sie später abzubrechen. Man wollte verhindern, dass das Gebäude für profane Zwecke benützt werden könnte. Die Torarollen wurden in andere Gemeinden gegeben; die Armen- und Jahrzeitstiftungen Dettensees wurden nach Haigerloch überwiesen.  
     
1913 erklärte sich der letzte jüdische Einwohner Dettensees (Hermann Hirsch) auf Veranlassung des Oberamtmanns von Schulz-Hausmann bereit, die Synagoge der politischen Gemeinde zur Umwandlung in ein Gemeindehaus zu überlassen. Der Dettenseer Gemeinderat konnte diesem Angebot "aus Geldmangel" nicht zustimmen. Weitere Versuche, das Gebäude jüdischen Verbänden zur Benutzung als Kinderheim abzutreten, scheiterten an der ungünstigen Lage von Dettensee. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verfiel die Synagoge immer mehr. In einem Bericht von 1926 liest man: "Noch sind Mauern und Dachstuhl fest, noch zeigt der Bau Spuren alter Schönheit. Über dem Portal ist noch ein guterhaltenes Wappen im Stein zu sehen. Die alten schönen Glasleuchter hängen noch im Raum; die kleine, aber in sehr gefälligen Formen gehaltene, mit schön geschnitzten und vergoldeten Löwen geschmückte heilige Lage hebt sich von dem satten Blau eines gemalten Fürstenmantels wirkungsvoll ab. Der zierliche Almemor steht noch an seinem Platz und ringsherum ein Teil der Ständer (Synagogenbänke haben die Dettenseer nie gehabt). Aber von der Decke bröckelt der Mörtel hernieder, Schwalben nisten im Raum und beschmutzen ihn, Bubenhände haben Fenster und Leuchter schwer beschädigt. Der heilige Raum ist ein Bild des Verfalls geworden, ein Sinnbild der verfallenden jüdischen Landgemeinden Deutschlands". Nach einem Plan von 1926, der jedoch aus Kostengründen nicht verwirklicht wurde, sollten die Steine der Synagoge Dettensee beim Bau einer neuen Synagoge in Horb verwendet werden. Über diesen letzten "Rettungsversuch" der Synagoge in Dettensee liest man in einem Brief von Hans Georg Hirsch:   

Aus einem Brief von Hans Georg Hirsch, Enkel von Louis Hirsch (1858-1941), des früheren Vizepräsidenten des Oberrats der Israeliten Württembergs, und Sohn von Dr. Otto Hirsch (1885-1941) (in: Mitteilungen des Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen 3 vom Juli 2002):  "... und nun zu einem persönlichen Erlebnis von mir, das vielleicht ... wert ist festgehalten zu werden. Im Jahre 1927 waren der Abbruch der nicht mehr benutzten Synagoge in Dettensee und der Bau einer Synagoge in der Stadt Horb selbst geplant. Dettensee, im damals preußischen Hohenzollern gelegen, unterstand nicht der Jurisdiktion des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Trotzdem kam man auf den Gedanken, dass das nach dem Dettenseer Synagogenabbruch etwa noch verwendbare Baumaterial zum Bau der Horber Synagoge verwendet werden könne. Man sah darin eine geradezu heilige Aufgabe, jenes etwa verfügbare Baumaterial nicht zu veräußern, sondern es zum Bau einer neuen Synagoge zu verwenden. Mein Großvater Louis Hirsch, der damals als Vizepräsident des Oberrats wirkte, und Leopold Levi, ein anderes Mitglied des siebenköpfigen Oberrats, der später der Nachfolger meines Großvaters wurde, sollten an Ort und Stelle nachprüfen, ob man das Projekt verwirklichen könne. Mein Großvater nahm mich, damals im Frühjahr 1927 zehnjährig, auf die Reise in einem gemieteten Auto mit, ein mir unvergesslich gebliebenes Erlebnis. Zum allgemeinen Bedauern stellte sich heraus, dass die Beförderungskosten des Baumaterials von Dettensee nach Horb so teuer sein würden, dass man den Plan nicht verwirklichen könne. Ich erinnere mich insbesondere an unseren Besuch bei einem Herrn Hirsch in Dettensee (mit uns nicht verwandt), von dem es hieß, er sei der letzte dort ansässige jüdische Glaubensgenosse...".  

In einem Vortrag, den der Haigerlocher Lehrer Gustav Spier im April 1930 in Hechingen über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Dettensees hielt, meinte dieser, dass die Dettenseer Synagoge "unstreitig als der bedeutendste Synagogenbau in Hohenzollern" gelten könne. Im selben Monat (April 1930) ist die Synagoge abgebrochen worden. Sie stand auf dem heutigen Grundstück Georg-Schorpp-Str. 16-18. Beim Abbruch der Synagoge in Nordstetten 1937 wurde auch an den damals schon mehrere Jahre zurückliegenden Abbruch der Synagoge Dettensee erinnert:

Nordstetten Israelit 07051937s.jpg (67248 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Stuttgart. Das 'Reutlinger Tageblatt' meldet: Schon vor Jahren wurde die Synagoge in Dettensee an der Straße nach der Ortschaft Nordstetten gänzlich abgebrochen und beseitigt. Jetzt ist an der Stelle, wo früher die Synagoge stand, ein Garten. Nun ist in der Nachbarschaft, und zwar in Nordstetten bei Horb, dieser Tage eine ähnliche Arbeit vorgenommen worden. Die Synagoge, die an das Gasthaus zum 'Ochsen' angebaut war, wurde vom Gastwirt käuflich erworben und bis auf die Grundmauern abgebrochen."  

Ein Pfeiler aus der Synagoge blieb erhalten und wurde auf dem jüdischen Friedhof als Grabstein verwendet (Grab des Hermann Hirsch mit Inschrift zum Gedenken an die Synagoge). Die ehemalige Eingangstür der Synagoge wurde im Gebäude Neuneckstraße 47 als Teil einer Schreinerwerkstatt (erbaut 1930) eingebaut. Die fünf wertvollen Glaskandelaber (Leuchter) aus venetianischem Glas kamen nach Buchau und wurden in der dortigen jüdischen Gemeinde in mühevoller Arbeit restauriert. Sie wurden beim Brand der Synagoge Buchau am 11. (!) November 1938 zerstört. Das Synagogensilber aus dem 17./18. Jahrhundert der Dettenseer Synagoge (Toraschilde, -kronen, Rimonim, Jad) befindet sich im Judaica Museum of Greater Phoenix, Arizona, wohin es über eine der letzten beiden in Dettensee lebenden Familien (Familie Rosenheimer) gelangt ist. Familie Max Rosenheimer in Phoenix übergab das Silber am 1. Juni 1971 dem Museum (Sylvia Plotkin Judaica Museum of Temple Beth Israel, Scottsdale, Arizona).  
   
Nach Abriss des Gebäudes Neuneckstraße 47 (2010) wurde die ehemalige Synagogentür (zweiteilige Holztüre mit Steineinfassung) gesichert. Sie werden vermutlich einen neuen Platz in der ehemaligen Synagoge in Haigerloch finden.    
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Dettensee Synagoge 004.jpg (91123 Byte)

Dettensee Synagoge 003.jpg (63201 Byte)
Die ehemalige Synagoge Dettensee   Innenaufnahme  

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: Sammlung Hahn; Fotograf der beiden Türenbilder: Heinz Gaus, Haigerloch; Aufnahmedatum 25.7.1997) 

Fotos der erhaltenen 
Synagogentüre (1997)
Dettensee Synagoge 001.jpg (90458 Byte) Dettensee Synagoge 002.jpg (38900 Byte)
  Die Tür der ehemaligen Synagoge, eingebaut im Gebäude Neuneckstraße 47
(Gebäude wurde inzwischen abgebrochen; zur Rettungsaktion für die Synagogentür
 siehe Artikel unten vom März 2011; seit November 2011 ist die Tür in der
 Dauerausstellung der ehemaligen Synagoge Haigerloch)  
    

        
        
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

September 2010: Ausstellung über den Maler Salomon Hirschfelder in Horb      
Artikel von Peter Morlok im "Schwarzwälder Boten" vom 5. September 2010 (Artikel):   
"Der "seltsame" Künstler aus Dettensee. 
Horb.
Am Vorabend zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur, dessen Fokus in diesem Jahr auf der bildenden Kunst liegt, fand im Bürgerkulturhaus ein Kunstgespräch über das Leben und das Werk des jüdischen Künstlers Salomon Hirschfelder statt. 
Rund 40 Besucher folgten der Einladung des Stadtmuseums Horb und des Rexinger Synagogenvereins zu dieser Veranstaltung. Horb hat sich in den vergangenen Jahren zum "Hirschfelder-Zentrum" entwickelt, denn beide Hauptwerke des Malers, der am 16. Mai 1831 in Dettensee geboren wurde, hängen als Leihgabe des Landes in Horb, und weitere Arbeiten des Malers vervollständigen die größte Hirschfelder-Ausstellung, die es derzeit weltweit gibt. Den vielleicht größten Anteil an dieser Entwicklung hat der ehemalige MGG-Lehrer und Kunstkenner Bernd Ballmann, dessen Hartnäckigkeit es zu verdanken ist, dass die "Brotvisitation" den Weg an den Neckar fand und zudem das Meisterwerk "Dienstmädchenbüro" aus den Schatzkammern des Landes geholt wurde und seit 1983 in Horb ausgestellt wird. 
Ballmann erzählte humorvoll die Geschichte um die Irrungen und Wirrungen die man umgehen musste, um beide Werke nach Horb zu holen. Als 1977 erstmals ein Käufer für die "Brotvisitation" gesucht wurde, reiste Ballmann nach Stuttgart in das Kunsthaus Bühler, die das Werk anboten. Bei dem mittleren fünfstelligen Betrag, den das Bild damals kosten sollte, war an einen direkten Ankauf nicht zu denken. Die Option "Leihgabe-Erwerb" durch das Land war jedoch möglich. Nur war dieses Verfahren an mehrere Bedingungen geknüpft, von denen Horb nur den Passus "der Museumsträger muss außerstande sein, den Kunstgegenstand zu erwerben" voll erfüllen konnte. Aus dem Kauf wurde nichts, und es sollte nochmals drei Jahre dauern, bis sich eine weitere Chance bot. Dieses Mal erhielt Horb den Zuschlag, und Bernd Ballmann nutzte die Gunst der Stunde und holte auch das "Dienstmädchenbüro" aus den Katakomben der Staatsgalerie nach Horb.
Bei beiden Werken handelt es sich um die zweite Version eines verschollenen Gemäldes. Abbildungen der Erstfassungen in Holzschnitten sind ebenfalls im Heimatmuseum vorhanden. Ballmann erklärte anhand beider Bildversionen in einer Gegenüberstellung die Entwicklungsgeschichte der Werke und sah die vielen kleinen, dafür umso prägnanteren Verbesserungen als einen Glücksfall für die Genre-Kunst des Salomon Hirschfelder an.
Agnes Maier beleuchtete die Lebensgeschichte des Künstlers, der 1860 von Dettensee nach München umzog (siehe auch Bericht unten). Damals bescheinigte ihm der Dettenseer Gemeinderat einen ausgezeichneten Lebenswandel und dass er ein "seltsamer" Künstler – damals ein Lob – sei. Neben seinem Schaffen als Maler war Hirschfelder auch lange Zeit seines Lebens der Musik zugetan. In der Kapelle von Franz Strauß, dem Vater von Richard Strauß, war das Multitalent über 25 Jahre als Flötist tätig. Die Kapelle "Wilde Gungel" gibt es noch heute. Fotografie und technische Experimente, die zu einigen Patenten führten, waren weitere Schaffensphasen von Salomon Hirschfelder. In Dettensee ist der jüdische Künstler unter sehr ärmlichen Bedingungen aufgewachsen, wie Hans Peter Müller – in Vertretung für Herbert Zander – in der Hinführung zum Themenschwerpunkt ausführlich darlegte. Es waren jedoch Lebensumstände, die den Künstler prägten. Dettensee, aus dem Blickwinkel des Malers, findet der Betrachter daher in vielen Werken wieder. Horb hat einen berühmten Maler, der lange Zeit verschwunden war, wieder aufleben lassen, seine Werke in Erinnerung gerufen und sie mit dieser Veranstaltung nochmals manifestiert. 
Die Ausstellung der Hirschfelder-Bilder kann noch bis Mittwoch, 29. September, im Bürgerkulturhaus angesehen werden und zwar immer montags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr (Eingang bei der Stadtbücherei)."
    
März 2011: Rettungsaktion für die ehemalige Synagogentür - initiiert durch den Gesprächskreis ehemalige Synagoge Haigerloch gemeinsam mit der Sparkasse Zollernalb    
Artikel in der Website "175 Projekte" (Projektbeschreibung): "Einzige originale Synagogentür Hohenzollerns 
Kurze Beschreibung
: Durch die Aufmerksamkeit eines Lokalhistorikers* konnten im Herbst 2010 die Türe und Türeinfassung der früheren Synagoge Dettensee gerettet werden. Sie war über Jahrzehnte, weitgehend unbekannt, Türe einer Werkstatt, die nun abgerissen wurde.
Die zweiteilige Holztüre und die Steineinfassung wurden durch ehrenamtliches Engagement gesichert, abgebaut und zwischengelagert.
Türe und Steineinfassung dieses einmaligen Zeugnisses müssen nun konserviert werden und sollen dann im Rahmen der Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" in der ehemaligen Synagoge in Haigerloch (dort wird die jüdische Geschichte Dettensees, Hechingens und Haigerlochs seit 2004 vorgestellt) gezeigt werden.
Türe und Steineinfassung bilden ein einmaliges, unersetzbares Original. Im Jahr des Jubiläums der Sparkasse Zollernalb ist diese Rettung von besonderer Bedeutung. 
Detaillierte Beschreibung
Das Projekt umfasst folgende notwendigen Arbeiten:
- Konservatorische Behandlung
- Rekonstruktion 
- Installation an einem dem Publikum zugänglichen Ort in / an der ehemaligen Synagoge Haigerloch 
Kontakt zu Fachleuten besteht. Die Arbeiten können kurzfristig beginnen. 
Das Projekt sichert dieses einmalige Zeugnis und macht es auf Dauer der Öffentlichkeit zugänglich: Ca. 2.500 BesucherInnen pro Jahr, viele Schulklassen/Jugendgruppen sind darunter. www.synagoge-haigerloch.de  
Gesamtkosten: Voraussichtlich € 5.000.-
ANMERKUNG DER JURY: Maximale Budgetobergrenze entspricht € 2.500,-.
Die ehemalige Synagoge wird vom Gesprächskreis ehemalige Synagoge Haigerloch e.V. ehrenamtlich betreut. Die fachliche Beratung liegt beim Haus der Geschichte Baden-Württemberg. 
Das Projekt wurde eingereicht von: Verein / Institution: Gesprächskreis ehemalige Synagoge Haigerloch e.V. 
Person: Herr Klaus Schubert Ort: Haigerloch."   
* Anmerkung des Webmasters: gemeint ist Herbert Zander      
   
November 2011: Synagogentür aus Dettensee in der ständigen Ausstellung der ehemaligen Synagoge Haigerloch     
Artikel von Wilfried Selinka in der "Hohenzollerischen Zeitung" (Südwestpresse) vom 11. November 2011: "Spur jüdischen Lebens. 
Haigerloch.
Mit der Eingangstür der früheren Synagoge Dettensee hat die Dauerausstellung 'Spurensicherung. Jüdisches Leben in Hohenzollern' ein weiteres prägnantes Ausstellungsstück bekommen."
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.      
 
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 10. November 2011:  "Haigerloch. Ein Objekt voller Symbolik.
Bei Gedenkfeier zur Reichspogromnacht wird in Haigerloch eine Rarität präsentiert
Haigerloch. (tk) Sie ist über zwei Meter hoch, von solider Machart und seit Mittwoch ein neues und einmaliges Ausstellungsstück in der ehemaligen Synagoge im Haag. Die Tür der früheren Dettenseer Synagoge. Dass die einzige heute noch vollständige erhaltene Tür einer früheren jüdischen Synagoge in Hohenzollern den kurzen Weg von Dettensee nach Haigerloch gefunden hat, ist etlichen Leuten und Institutionen zu verdanken. Der Dettenseer Ortshistoriker Herbert Zander, wusste um die Geschichte der Tür. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg, welches die Haigerlocher Dauerausstellung 'Spurensicherung – Jüdisches Leben in Hohenzollern' konzipierte, hat sich ebenfalls eingeschaltet. Die Sparkasse Zollernalb hat die Bewahrung der Tür im Rahmen ihrer Jubiläumsaktion '175 Projekte' finanziell unterstützt. Und nicht zuletzt hat die Dettenseer Familie Fischer die Tür eigenhändig aus der früheren Schreinerei des Vaters und Opas Johann ausgebaut. Außerdem hat der Haigerlocher Steinmetzmeister Paulus Roth hat die grobe Steineinfassung der Tür nach Stuttgart gebracht, wo die Steine nun in einem Depot des Hauses der Geschichte lagern.
Die Geschichte der Dettenseer Synagogentür zeichnete bei der Gedenkfeier Cornelia Hecht vom Haus der Geschichte nach (siehe Info-Rubrik). Der Abend stand ganz im Zeichen des Erinnerns an die Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes am 9. November 1938. Klaus Schubert, Vorsitzender des Gesprächskreises Ehemalige Synagoge, freute sich, dass mit der Präsentation der Synagogentür diese wieder ein Stück ihrer ursprünglichen Würde und Bedeutung zurückerhält. Dies tue sie stellvertretend für die Mitglieder der jüdischen Gemeinden Haigerloch und Dettensee, die heute allenfalls durch Kontakte zu den Nachfahren noch existent seien. Haigerlochs Bürgermeister Heinrich Götz griff in seiner Ansprach den Begriff Tür immer wieder symbolisch auf. Wo war die Tür, durch der der Novemberterror 1938 so brutal hereinbrechen konnte und zur Zerstörung von 1200 Synagogen führte?, fragte er sich. Allein aus diesem Grund könne und dürfe man sich das Erinnern nicht ersparen. 73 Jahre nach dem Naziterror und angesichts einer wachsenden Erinnerungskultur hoffte er, dass sich die Türen zueinander aber wieder öffnen. Bettina Zundel von der Sparkasse Zollernalb bezeichnete den 9. November als besonderes Datum für die jüdische Geschichte Hohenzollerns. Mit der Synagogentür könne man nun die 2004 eröffnete Dauerausstellung in Haigerloch um ein 'bedeutendes Exponat' erweitern. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von Simone Hönisch (E-Piano) und Viola Faiss (Flöte). Sie spielten unter anderem Musik aus dem Film 'Schindlers Liste'".  
Link zum Artikel  
 

     

Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Horb am Neckar     
bulletPrivate Website zu Dettensee mit vielen Infos zur jüdischen Geschichte    
bullet Zur Seite über den jüdischen Friedhof Dettensee (interner Link)     
bulletÜbersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Dettensee: pdf-Datei hier anklicken     

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Dettensee 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Dettensee sind vorhanden:    
J 386 Bü. 144 Dettensee  Familienbuch 1770-1869  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442467 
J 386 Bü. 145 Dettensee  Geburten 1874-1888, Eheschließungen 1874-1888 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442468   
J 386 Bü. 146 Dettensee  Eheschließungen 1820-1892, Sterbefälle 1820-1894 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442469   
 
Hinweis auf Quellen im Staatsarchiv Sigmaringen: in den Protokollen des Amts Glatt Ho 201 T 1 unverzeichnete Bände finden sich verschiedene Einträge zur jüdischen Gemeinde Dettensee (online nicht zugänglich; Hinweise von Friedrich R. Wollmershäuser vom 29.10.2018)   
1803-1805 vom 06.10.1803 Die Judenschaft in Dettensee wird dem Rabbiner zu He(chingen) unterstellt.
1821 Seite 140: Tauchbad für die Weiber.
In der ganzen Serie (bis 1835) erscheinen viele Juden, zum Beispiel

1812 (mit Namensregister) Schutzaufnahme des Cajum Baruch in Dettensee.
1825 Seite 183, 187, 190: Einrichtung einer Judenschule in Dettensee.
1833 Seite 148: Armut der Juden in Dettensee.  

Literatur:  

bulletGemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs. Jg. III Nr. 7, 8, 9, 11; Jg. VII Nr. 3 vom 1.5.1930 S. 38-39; Jg. VI Nr. 7 vom 1.7.1929 S. 96-97; Nr. 10 vom 1.1.1930 S. 264, Nr. 21 vom 1.2.1930 S. 257.
bulletPaul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1968. S. 66-68.
bulletHans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau 25 (1981) S. 36-43.  
bulletH. I. Bach: Zur Geschichte einer schwäbisch-jüdischen Familie, in: Rosch Haschana 5730 (1970) S. 19-22.
bulletFranz Xaver Holder: Geschichte des Oberamts Haigerloch. 1928. S. 355-356.  
bulletHelmut J. Gabeli: in:  Möglichkeiten des Erinnerns. 1997 S. 36-38. 
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
bulletHerbert Zander: Die jüdische Gemeinde Dettensee 1579-1939. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte. Bd. 45. Jg. 2009. S. 61-134.  
Zu beziehen über den Hohenzollerischen Geschichtsverein  Auch online eingestellt (pdf-Datei).
bulletders.: Die Dettenseer Auswanderer - eine Spurensuche. 2023. Online-Druck Paderborn.  Ausgezeichnet mit dem Landespreis für Heimatforschung Baden-Württemberg 2023. 237 S.
Bei Anfragen zu dieser Dokumentation Email-Adresse des Autors: herbert.zander[et]gmail.com.   
  
Literatur zu Salomon Hirschfelder:  
bulletHerbert Zander: Salomon Hirschfelder, Leben und Werk eines Multitalents aus Hohenzollern. In: Hohenzollerische Heimat Jg. 53 Nr. 4 Dezember 2003. S. 59-64 und Nr. 1 März 2004 S. 1-5.    
bulletBernd Ballmann: Salomon Hirschfelder, 1831-1903, ein Genremaler aus Dettensee. In: Schwäbische Heimat. Jg. 54 Heft 2 April 2003 S. 139-150.  

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Dettensee  Hohenzollern. A quota of 23 families was present from 1720 to the 1830s under letters of protection, eking out a living as peddlers and as traders in horses and cattle, hides and copperware. A synagogue was opened in 1920, a cemetery in 1830 and a Jewish public school in 1826. The Jewish population dropped from 173 in 1830 to 48 in 1898 through emigration. The two Jews remaining in 1933 were attached to the Haigerloch community. 
     
      

                   
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Stand: 31. Januar 2026