Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) 
Jüdische Geschichte / Rabbinat / Synagoge  

      
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In dem seit 1261 den Grafen von Oettingen gehörenden Wallerstein bestand eine jüdische Gemeinde beziehungsweise lebten jüdische Personen von spätestens der Mitte des 14. Jahrhunderts bis 1939. 
 
Im Mittelalter war die Gemeinde von den Judenverfolgungen (1298 oder 1348/49) betroffen. 1434 lebten zwei Juden in Wallerstein. 1488 wird von einem Juden in Wallerstein berichtet, der damals gefangen gesetzt und später vertrieben wurde. 1506 wurden die Juden vorübergehend ausgewiesen, nur ein damals dort praktizierender jüdischer Arzt und seine arzneikundige Schwiegermutter konnte bleiben. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts entstand durch den Zuzug von Juden aus anderen Städten und Regionen eine neue Gemeinde von besonderer Bedeutung, zumal dem Wallersteiner Rabbiner Mosche Levi Heller die Funktion eines "Rabbiners für ganz Deutschland" (vermutlich gewählter Sprecher auch anderer Rabbanim und Parnassim gegenüber weltlichen Behörden) zugekommen ist.
 
Nach dem Dreißigjährigen Krieg umfasste die jüdische Gemeinde: 1656 23 Familien, 1684 43 Familien, 1688 37 Familien. Bis zum 18. Jahrhundert lebten die jüdischen Einwohner im Bereich des "Judenhofes" (1787 abgebrochen). Danach waren ihre Häuser vor allem entlang der "Judengasse" (heute: Felsenstraße). Die jüdischen Familien lebten vom Handel, insbesondere vom Pferde- und Viehhandel, auch auch vom Einzel- und Kleinwarenhandel. Bei den Grafen und Fürsten von Wallerstein waren einige jüdische Hoffaktoren tätig, u.a. aus der Familie der Model zu Monheim. 
 
Wallerstein war - wie schon an dem genannten Rabbiner Mosche Levi Heller deutlich wird - vom 16.-19. Jahrhundert Sitz eines bedeutenden Landrabbinates (zu einzelnen Rabbinern siehe unten). Im 19. Jahrhundert war das "königlich-bayerische Bezirksrabbinat Wallerstein" zuständig für alle jüdischen Gemeinden im bayerischen Ries. Nach Rückgang der Zahlen jüdischer Gemeindeglieder seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde um 1900 die Rabbinatsbezirk Wallerstein vom Rabbiner in Ichenhausen mitbetreut und nicht mehr besetzt.

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1811/12 296 jüdische Einwohner (14,0 % von insgesamt 2.120 Einwohnern), 1867 78 (5,7 % von 1.372), 1871 57 (4,1 % von 1.402), 1880 56 (3,8 % von 1.482), 1890 40 (3,1 % von 1.297), 1900 32 (2,5 % von 1.262), 1910 37 (2,9 % von 1.253).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhundert neben dem Rabbiner noch ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Nachdem Wallerstein keinen eigenen Rabbiner mehr hatte, gab es noch einen Religionslehrer beziehungsweise seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch einen Vorbeter und Schochtet. Den Religionsunterricht übernahmen nun  Lehrer aus umliegenden Gemeinden.
 
1925 lebten nur noch 24 jüdische Personen (1,9 % von 1.203). Vorsteher der Gemeinde waren damals Josef Schulmann und Max Lisberger. Die vier schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch die Lehrer Gustav Erlebacher (Mönchsroth) und Hermann Strauß (Nördlingen). 1932 wird als Gemeindevorsteher Josef Schulmann genannt, Max Lisberger als Schriftführer. Offiziell gehörten die jüdischen Einwohner Wallersteins bereits seit 1928 zur Gemeinde in Nördlingen. Im Schuljahr 1931/32 gab es nur noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind am Ort.

1933 wurden noch 16 jüdische Einwohner gezählt (1,3 % von 1.182) in Wallerstein. Von ihnen wurden 1942 mindestens sechs deportiert und ermordet.
 
Von den in Wallerstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Heinrich Heckscher (1863), Rosa Kohner geb. Lisberger (1880), Hannchen Lisberger (1876), Ludwig Leo Meyer (1879), Doris Rachelsohn (1921), Elieser M.  Rachelson (1892), Ida Schlesinger geb. Wallerstein (1881), Berta Schulmann (1874), Ida Schulmann geb. Cohn (1886), Ludwig Schulmann (1880), Nanette Schulmann geb. Neuburger (1891), Paula Schulte geb. Meyer (1886), Rosa Seltmann geb. Brunner (1894), Isidor Stein (1870), Lina Süß-Schülein geb. Marx (1880), Siegfried Süß-Schülein (1903), Leopold Weinmann (1884), Anna Wild (1880), Lina Wild (1885).
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
      
Allgemeine Beiträge zur jüdischen Geschichte 

Forschungsstand zur jüdischen Geschichte in Wallerstein (Beitrag von 1842)   

Wallerstein AZJ 03121842.jpg (134591 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Dezember 1842: "Wallerstein. Die Judengemeinde zu Wallerstein gehört wahrscheinlich zu den ältesten in Deutschland. Es reichen zwar die schriftlichen Monumente nicht über die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts hinauf, allein andere Gründe lassen darauf schließen. Ihre zeremoniellen Gebräuche stimmen mit denen der ältesten Gemeinden zu Speyer und Worms überein, weniger mit Fürth, obgleich diese für die meisten als Norm gedient hat und noch dient. Hieraus konnte man folgern, dass die Wallersteiner Gemeinde älter als die Fürther sei. Die Begräbnisstätte muss sehr alt sein, weil in früherer Zeit die Toten aus Regensburg hierher gebracht wurden und doch die Israeliten in Regensburg schon im vierzehnten Jahrhundert ihre Begräbnisstätte hatten.
Das älteste noch leserliche Denkmal auf dem Friedhofe gehört in das fünfzehnte Jahrhundert und ist der Grabstein eines gelehrten Rabbi Moses. Der Sage nach waren nach den Römerzügen Juden vorhanden. Die Verfolgungen der Juden im 13. und 14. Jahrhundert erstrecken sich auch nach Wallerstein (s. Nördlingen). Die Ursache lag in den Freiheiten und Privilegien, durch welche sie des Handels sich bemeisterten und die Christen beeinträchtigten. Das Privilegium Kaiser Ludwigs, erteilt dem Grafen Ludwig dem Älteren in Oettingen, beweist die Verbreitung der Juden (kaiserliche Kammerknecht) in Wallerstein (Steinheim) und in der Umgegend (1333, 1348). Im Jahre 1358 erlitten sie vielerlei Verfolgungen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Juden während der vielen Pfandschaften des heiligen Römischen Reiches an die Grafen von Oettingen, worunter sich 1313 die Judensteuer zu Ulm, Nördlingen etc. befindet. Und wegen der dabei geleisteten Dienste, Besitz und Rechte erwarben."

 
Allgemeiner Beitrag über "Die Juden im Ries", vor allem zu Wallerstein (1847)   

Wallerstein DtrZionsw 07091847a.jpg (217699 Byte) Wallerstein DtrZionsw 14091847a.jpg (279082 Byte)
Beitrag in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 7. und 14. September 1847: 
zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken.   

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wallerstein (Beitrag von Rabbiner Dr. Kroner von 1927)  

Wallerstein GemZeitung Wue 16041927.jpg (262605 Byte)                Wallerstein GemZeitung Wue 16041927a.jpg (171069 Byte)   Wallerstein GemZeitung Wue 16041927b.jpg (134933 Byte)  
Beitrag in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1927  
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken    
 

 
      
Aus der Geschichte des Rabbinates in Wallerstein  
In Wallerstein waren u.a. als Rabbiner tätig:   

Mosche Levi Heller (ca. 1517 - ca. 1600 in Wallerstein), Vater des R. Nathan Heller (gestorben vor 1579), Großvater von R. Jomtow Lippmann Heller. 
Chanoch Henoch ben Abraham (gest. 1663 in Pfersee): war bis 1648/49 Rabbiner in Posen und Gnesen, danach einige Jahre in Prag, bis er um 1655 für einige Jahre als Landesrabbiner nach Wallerstein kam; später zum Landesrabbiner von Schwaben mit Sitz in Pfersee ernannt.
Abraham ben David Mahler (von Prag): 1715 aus Prag nach Wallerstein berufen; 1719 nach Oettingen berufen; 1752 bis 1757 Rabbiner in Bamberg.
Pinchas ben Moses haKohen Katzenellenbogen (von Dubnow, gest. ca. 1767 in Schwabach): studierte in Prag und Nikolsburg, erhielt 1719 einen Ruf nach Wallerstein, 1721 Rabbiner in Leipnik in Mähren, 1722-50 in Marktbreit.
Isaak Israel Lemberger (von Proßnitz in Mähren, gest. 1750 in Wallerstein): war bis 1730 Rabbiner in Proßnitz in Mähren, von 1730 bis 1750 in Wallerstein. 
Zwi Hirsch ben Baruch Kahana Rappaport (Sohn des Fürther und Schnaittacher Rabbiner Baruch Rappaport, gest. 1763 in Wallerstein): von 1750 bis 1763 Rabbiner in Wallerstein.
Isaak ben Zvi Rappaport (gest. 1788 in Bonn): übernahm nach dem Tod seines Vater s.o. 1763 das Wallersteiner Rabbinat, 1772 als Landesrabbiner für das Erzbistum Köln und das Herzogtum Westfalen berufen. Ihm folgte sein Bruder:
Simcha-Bunem ben Zvi Rappaport (gest. 1816 in Bonn): war bis 1772 Rabbiner in Marktbreit, danach bis 1788 in Wallerstein; später in Bonn.
Ascher Löw (auch Ascher Wallerstein, 1754 in Minsk - 1837 in Karlsruhe): Sohn des Talmudisten Arje Löb ben Ascher, zuletzt in Metz): 1783 Landesrabbiner der Würzburgischen Ritterschaft in Niederwerrn, 1785 Landesrabbiner des Fürstentums Wallerstein, 1809-1837 Oberlandesrabbiner in Karlsruhe.
Wolf S. Rothenheim (1801 in Wallerstein, gest. in den USA 1862): 1841 nach längerer Vakatur zum Rabbinatsverweser in Wallerstein investiert; bei einer Wahl in Wallerstein am 19. Januar 1847 setzte sich allerdings David Weiskopf mit 67 von 104 Stimmen gegen Wohl Rothenheim durch; Rothenheim ist nach dem anschließenden verlorenen Rechtsstreit nach Amerika ausgewandert; zunächst in New York, nach 1855 in Cincinatti als Lehrer; Mitarbeiter an der deutsch-jüdischen Zeitschrift "Die Deborah". 
Artikel zum Tod von Wolf Rothenheim in der Zeitschrift "The Israelite" vom 7. November 1862 (eingestellt als pdf-Datei) .   
David Weiskopf (1798 in Gunzenhausen - 1882 in Kleinerdlingen): Schüler von Oberrabbiner Abraham Bing in Würzburg; 1830 Religionslehrer und rabbinischer Aktuar des Würzburger Oberrabbiners Bing in Aub, 1847 zum Rabbiner in Wallerstein gewählt; 1849 zum Distriktsrabbiner eingesetzt, führte eine kleine Jeschiwa und eine Talmud-Tora-Schule; 1876 zieht er zu seinem Schwiegersohn Marx Michael Kohn nach Kleinerdlingen.

 Aus Wallerstein stammten u.a. die folgenden Rabbiner:   

Jomtow Lipmann Heller (1579 in Wallerstein - 1654 in Krakau): bereits mit 18 Jahren wurde er in Prag Rabbinatsassessor. Danach war er in Nikolsburg, und Wien als Rabbiner, seit 1627 als Oberrabbiner in Prag tätig. Nach äußerst unruhigen Zeiten wurde er 1644 Rabbiner in Krakau, wo er als Lehrer der dortigen Jeschiwa erfolgreich bis zu seinem Tod lehrte. Er ist Autor bedeutender religiöser Werke. Sein Mischna-Kommentar (Tosaphot Jomtow) wird noch heute studiert.
Abraham Ascher (1794 in Wallerstein - 1837 in Bühl): lernte in Metz und Fürth, ab 1828 Klaus-Rabbiner ("Beter") in Mannheim, 1829 Rabbinatsverweser, 1832-1837 Rabbiner in Bühl. 
Jakob Oberdorfer (1807 in Wallerstein - 1884 in Oberdorf), studierte in Hechingen, Fürth, München; 1834 Distriktsrabbiner in Ansbach, 1842 Prediger in Wandsbek, Hamburg, 1857 Rabbiner in Pniewa (Pinne), Posen, 1861-1884 Rabbiner in Oberdorf am Ipf.

     
     
Rabbi Mosche Levi Heller - ein "Landrabbiner über ganz Deutschland"?   (Abschnitt aus einem Artikel von 1862: "Über den Versuch des Königs Ruprecht, den sämtlichen deutschen Juden ein rabbinisches Oberhaupt zu geben. Von David Oppenheim)

Wallerstein AZJ 15041862a.jpg (98779 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1862: "...Wir finden 150 Jahre später wirklich einen Landrabbiner über ganz Deutschland, der noch dazu in einem kleinen Städtchen seinen Sitz hatte, genannt. Die betreffende Stelle, die zu einer eingehenden Untersuchung auffordert, befindet sich in der Vorrede des Korrektors Abraham Israel Levi zum Midrasch rabba, editio Frankfurt a.d. Oder 1711, … wo derselbe erzählt, dass er auf dem Grabsteine seines Urahns, R. Moses Levi Heller in Wallerstein gelesen habe, dass genannter R. Moses Rabbiner über ganz Deutschland war: (Zitat seine Artikel links)... Wir wissen über unseren R. Moses Levi Heller aus Wallerstein (blühte 1550) nichts Näheres anzugeben, als dass er der Großvater des weit berühmteren R. Jomtob Heller (dem Verfasser des Tossefot Jomtob) war, und dass der Ruhm des Enkels den des Großvaters weit überstrahlte. Übrigens gedenkt R. Jomtob seines Großvaters mit besonderer Auszeichnung bloß ein Mal in der Vorrede seines Maadane Melech, welches Werk uns aber gegenwärtig nicht zu Gebote steht. Vielleicht unternimmt es der Vorstand oder der Rabbiner zu Wallerstein, das Epitaph des R. Moses Heller getreu kopieren zu lassen und in diesen Blättern zu veröffentlichen, was gewiss von den meisten Lesern dieser Zeitung dankbar aufgenommen werden möchte…"

  
Die Erneuerung des Grabsteines für Rabbi Mosche Levi Heller (1876) 
Anmerkung: dem Webmaster ist einiges unklar: nach dem Artikel bzw. der zitierten Grabsteininschrift ist Rabbi Mosche Levi Heller 1550 gestorben. Dies passt nicht zur Angabe des nachfolgenden Beitrages, wonach Rabbi Jomtow Lippmann Heller (der Enkel von Rabbi Mosche Levi Heller) von seinem Großvater erzogen wurde, da sein Vater Nathan bereits vor dessen Geburt gestorben ist. Nach anderen Angaben starb Rabbi Mosche Levi Heller erst um 1600. So liegt vermutlich ein Lesefehler der Grabsteininschrift vor.   

Wallerstein Israelit 12101876.jpg (239625 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1876 (abgekürzt zitiert): "Bamberg, 24. September (1876). Folgende Mitteilung wird Ihre Leser ohne Zweifel lebhaft interessieren, weshalb ich hoffe, dass Sie solche einer Ihrer nächsten Nummern einreihen werden. Auf dem Friedhofe der alten jüdischen Gemeinde Wallerstein in Schwaben ruhen die Gebeine des hochberühmten HaRaw HaGaon, unseres Lehrers, der Herr, Herr Mosche Levi Heller – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, des Großvaters des in der ganzen jüdischen Welt bekannten HaRaw HaGadol, unseres Lehrers, der Herr Herr Lippmann Heller Wallerstein – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Von dem großen Ansehen, in welchem Jener bei seinen Zeitgenossen gestanden, gibt die erfolgte Ernennung desselben durch den römisch-deutschen Kaiser zum Oberrabbiner aller Juden Deutschlands, die auch in der Einleitung zu Midrasch Jalkut Schimoni, Ausgabe Frankfurt a.O., Schanat Schimon Aw, erwähnt ist, sprechendes Zeugnis.
Die Mazewa (Grabstein) dieses Mannes liegt seit undenklichen Zeiten in Trümmer und immer und immer wurde der Wunsch laut, dass dieselbe wieder aufgerichtet werden möchte. Endlich ist dieser fromme Wunsch in Erfüllung gegangen. Am verwichenen 1. Tag der Selichot versammelten sich auf Einladung des in weiten Kreisen bekannten, ehrwürdigen Herrn Distrikt-Rabbiners Weiskopf – sein Licht leuchte – viele Männer, Verehrer der Tora, aus der ganzen Umgegend Wallersteins, um der Aufrichtung eines neuen Grabsteines, die in einem feingeschliffenen Sandstein in Obelisk-Form besteht, anzuwohnen. Man würde es vorgezogen haben, die Bruchstücke des alten Grabsteines zusammen zu fügen, allein das war leider nicht möglich und man musste sich daher zur Errichtung eines neuen Denkmals entschließen, welches die Inschrift des alten Grabsteines enthält, insoweit sich dieselbe (durch die Bemühungen des Herrn Distriktrabbiners Weiskopf) noch aus den erhaltenen Bruchstücken, die übrigens an Ort und Stelle gelassen wurden, entziffern ließ. Nach Aufrichtung des neuen Steins heilt Herr Distrikt-Rabbiner Weiskopf eine entsprechende Ansprache an die Versammlung, die den tiefsten Eindruck hervorbrachte. … Den Schluss des erhebenden Aktes bildete Tefilat Mincha (Mittagsgebet), die in der Synagoge zu Wallerstein von den tief gerührten Anwesenden verrichtet wurde. Die Inschrift, die nun auf dem neuen Grabstein in Goldbuchstaben prangt, lautet: "Mosche stieg zu Gott hinauf /… / Gott hat die Krone von unserem Häuptern genommen / er wurde von uns genommen / das war der Mann, der uns geführt hat / der uns von den schlechten Menschen gerettet und uns angesprochen hat / der große Baum, der Gaon, unser Lehrer / Mosche Levi Heller, das Licht unserer Augen, / Sohn des Märtyrers R. Abraham unserer Gerechten / am 4. Tag des Monats Schewat im Jahr 5310", also 1550". 
(Übersetzung des Webmasters ohne Garantie, bitte hebräisches Zitat links vergleichen). 

    
Roman über Rabbi Jom tob Lippman Heller von Heinrich Lebermann (1903)  
Anmerkung: ein ausführlicher Roman über Rabbi Jom tob Lipmann Heller von Heinrich Lebermann erschien in Fortsetzungsserie in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1903 (Nr. 52) bis 30. November 1903 (95). Nachstehend der Beginn der 14. Folge.     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1903: "Rabbi Jom tob Lipmann Heller. Von Heinrich Lebermann."  
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. 


Artikel über Rabbi Jomtob Lippmann Heller von Rabbiner Dr. A. Posner in Kiel (von 1929)    

Wallerstein Israelit 22081929.jpg (178254 Byte) Wallerstein Israelit 22081929a.jpg (227786 Byte) Wallerstein Israelit 22081929b.jpg (118347 Byte)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1929: "Rabbi Jomtob Lippmann Heller aus Wallerstein (1579-1654). Von Rabbiner Dr. A. Posner in Kiel. In dem Marktflecken Wallerstein im ehemaligen Fürstentum Ansbach – heute wohnen dort nur etliche jüdische Seelen – wurde im Jahre 1579 Jomtob Lippmann Heller, der aus ‚Tausves-Jontof’ (Heine, Disputation) bekannte Talmudgelehrte geboren, dessen Schicksal in diesem Jahre, da sein Geburtstag sich zum 250. Male jährt, neu erzählt zu werden verdienen. Der Knabe wurde, da sein Vater, der Rabbiner Nathan Heller vor der Geburt des Sohnes gestorben war, bei seinem Großvater erzogen, der Moses Wallerstein hieß und auf seinem Grabstein als Landrabbiner von ganz Deutschland – will wohl sagen – Süddeutschland – bezeichnet wird. Hier genoss er seine erste unterrichtliche Ausbildung. Er besuchte später noch die talmudische Hochschule des Rabbi Jacob Günzburg in Friedberg (Hessen). In Prag beendete Heller seine Ausbildung, die hier auch den profanen Wissenschaften galt. Um die Wende des 17. Jahrhunderts berief ihn die Prager Gemeinde zum leider einer Talmudschule und zum Dajan, zum Mitglied des Judengerichtes. Er genoss hier hohes Ansehen, verheiratete sich mit Rachel, der Tochter von Moses Aaron Aschkenas und hatte zahlreiche Nachkommenschaft. Es waren friedvolle und glückliche Jahre, die die Familie in Prag verlebte, und der Vater des Hauses hatte Sinn für das Wohlergehen seiner Kinder, sorgte für ihre Belehrung und auch Verheiratung. Mit recht jungen Jahren verlobte er seine Töchter schon, nach dem Brauch der Zeit und konnte einer z.B. 800 Gulden als Mitgift mitgeben, er war ja auch Hausbesitzer in Prag, widmete freilich einen Teil seines Hauses für die Unterrichtszwecke.
Wohl ein Vierteiljahrhundert wirkte der Gelehrte in Prag. Da erhielt er einen Ruf nach Nikolsburg, einer bedeutenden mährischen Gemeinde, die ihm das dortige Rabbinat übertrug. Im Winter 1624 siedelte Heller nach Nikolsburg über, wo er nur wenige Monate blieb. Denn bald gelangte der Ruf der Wiener Gemeinde an ihn. Im Frühjahr 1625 tritt er sein Amt in Wien an. Aus Wien waren die Juden im Jahre 1421 ‚auf ewige Zeiten’ vertrieben worden, aber die Kaiser brauchten Geld und holten die Juden allmählich wieder zurück. 1624 wies ihnen Ferdinand II. die Gegend der heutigen Leopoldstadt als Wohnsitz. Es war eine im Blühen begriffene Gemeinde, deren geistiger Führer Lippmann Heller werden sollte. So fand er hier viel Neuarbeit vor, auf die er sich mit Eifer stürzte. Er gab der neuen Gemeinde Statuten, er traf besondere Verordnungen für den Kult, er schuf gemeinnützige Institutionen und schien mit der Gemeinde verwachsen. Trotz der Anhänglichkeit der Gemeinde hielt es ihn dort nicht, als die Prager Gemeinde ihn rief, ihn zum Oberrabbiner und Schuloberhaupt ernannte. Er kehrte 1628 gern in die Stadt zurück, in der er als Jude in der Nähe des Hohen Rabbi Löw wirken durfte. Aber es war nicht zu seinem Besten. Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges – 1626 hatte er anlässlich einer Seuche in Wien eine Predigt gehalten, die in den sorgenvollen Zeiten die Gemeinde mit Mut und vertrauen erfüllte -, beunruhigten sein Leben und brachten ihn in eine gefährliche und sorgenvolle Lage. Der Krieg forderte ungeheure Geldsummen, auch der Gemeinderat der Prager jüdischen Gemeinde musste sich an der Aufbringung beteiligen. Er nahm Anleihen auf, die durch Besteuerung der Gemeindemitglieder gedeckt werden sollten. Viele Mitglieder glaubten, zu scharf angefasst zu sein, und scheuten sich nicht, den eigenen jüdischen Gemeinderat bei den Staatsbehörden anzuzeigen. Auch gegen den Gelehrten richteten sich die Anklagen der Verleumder. Sie reichten eine Anklageschrift gegen Heller ein, in der sie ihm Vergehungen gegen das Steuerwesen vorwarfen und behaupteten auch, dass er in seinen Schriften bisweilen die christliche Religion zu schmähen nicht unterließe. Der Kaiser erfuhr dies. Er ließ ihn verhaften und 1629 zum Verhör nach Wien bringen. Seinen Freunden gelang es, eigene Fahrt für ihn zu erwirken und ihn von der Schmach der Fesselung zu befreien. Er blieb zunächst weiter in Untersuchungshaft, in seiner Wohnung, im Kriminalgefängnis, im Staatsgefängnis. Es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die ihn verhörte. Sie richtete die Frage an ihn, wie er den Talmud, den doch der Papst verwerfe, anpreisen könne. Er verteidigte sich mit der Angabe, dass der Talmud eine wichtige religionsgeschichtliche Quelle des Judentums sei und daher von allen Juden hoch geschätzt werden müsste. Der zweite Vorwurf der Anklage könne nicht zu Recht bestehen, da kein talmudischer Ausspruch, der den Nichtjuden gelte, sich gerade auf Christen beziehe; nur die Heiden des talmudischen Zeitalters seien gemeint. Die anklage entbehrte so aller rechtlichen Grundlagen. Dennoch – im Interesse der Staatskasse – wurde Heller zu einer Geldstrafe von 12.000 Reichstalern verurteilt. Er wollte diese hohe Summe herabgesetzt wissen und brachte eine entsprechende Bitte vor. Dem Bemühen seiner Fürsprecher ist es zu danken, dass die Summe auf 10.000 Reichstaler ermäßigt und ihre Zahlung auf drei Raten verteilt wurde. Außerdem sollten seine Schriften vernichtet und ihm das Recht, einen Rabbinatsposten zu bekleiden, abgesprochen werden. Auch hierin wurden noch Milderungen erreicht. Seine Schriften wurden nur der verdächtigen Stellen beraubt, nur in den kaiserlichen Erblanden durfte er nicht als Rabbiner wirken.
Krank kehrte der Gelehrte nach Prag zurück,  beraubt seines Vermögens und so vieler Hoffnungen. Drei Monate musste er der Erholung widmen. Danach im Sommer 1631, verließ er Prag und begab sich nach Polen. In dem Städtchen Nemirow (Litauen) bekleidete er zunächst das Rabbinat. Drei Jahre später wurde er nach Lodomir (in Wolhynien) als Rabbiner berufen. Von dort ging er 1643 als Oberrabbiner nach Krakau, als Nachfolger des R. Joel Sirkes (genannt der Bach). Hier verbrachte er lehrend und wirkend seine letzten Lebensjahre. 1654 starb er in Krakau. Es endete ein Leben, das durch Städte und Länder wandern musste und nur in der Wissenschaft die ewige Ruhe fand, die das Schicksal ihm vorenthielt.

Wir besitzen noch die Werke, die den Namen des Rabbi Heller unsterblich gemacht haben, ja, wir lesen und benutzen sie noch eifrig. Wir lernen da einen Gelehrten kennen, der im Meere des Talmuds sich zurechtfindet, Sprache und Geschichte beherrscht und in wenigen Sätzen große Gedankengänge wiederzugeben vermag. Um 1615 etwa hatte er schon sein größtes Werk vollendet, es trägt den Titel Tossafot Jomtow-Hinzufügungen des Jomtow, es ist ein Kommentar zu sämtlichen sechs Ordnungen der Mischna, der ganz oder ihm Auszug allen Mischna-Ausgaben beigedruckt ist. Zehn Jahre hatte Heller an diesem Werke gearbeitet, dafür hatte er aber auch die Freude, dass es sofort beim Erscheinen freundliche Aufnahme fand, und dass er selbst noch zwei Neuauflagen erlebte. Mehr als der andere übliche Kommentator der Mischna, R. Obadja von Bertinoro, erfasst der Tossafot Jomtow den ganzen Zusammenhang und erörtert in großzügiger Weise Systeme und Prinzipien der talmudischen Erklärungen. Seine Kenntnisse in der Mathematik zeigen in diesem Kommentar seine vielfachen Zeichnungen und Berechnungen, zu denen die Mischna oft Anlass gibt. Am Ende dieses Werkes macht der Verfasser auch einige biografische Angaben über sich selbst.
R. Heller hat außerdem 18 Werke verfasst, viele sind halachischer Natur, auch Predigten hat er in Prag 1626 herausgegeben. Sein eigenes unruhevolles Leben beschrieb er in der Megillat ewah. Für die Vorschriften des Hauses verfasste er ein Büchlein in jüdischdeutscher Sprache, damit es einem großer Leserkreis
zugänglich sei. Die miterlebte Geschichte gab ihm Veranlassung und Stoff zu mehreren Gedichten, Selichoth genannt, von denen eines die Schlacht am weißen Berge (am 8. November 1620) behandelte, es wurde am 14. Cheschwan des genannten Jahres bei der Gedächtnisfeier in der Altneusynagoge in Prag vorgetragen. In anderen schildert er die Leiden der Verfolgungen durch Chmelnicki (1648-50). Diese Gedichte werden noch heute am 20. Siwan in den jüdischen Gemeinden Polens rezitiert. Aus allen Liedern spricht eine ungeheure Wärme der Empfindung und liebevolles Mitleid. So war das Leben dieses Mannes, der auf deutscher Erde geboren, in mährischer Luft seinen Ruhm begründete und in Polens Boden ruht."

 
 
Weitere Berichte über Rabbi Jomtob Lippmann Heller 
Links: Vortrag von Dr. Ehrentreu, gehalten im Verein für Jüdische Geschichte und Literatur am 5. Dezember 1900, in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1900;  rechts für Kinder geschrieben: "Aus dem Leben eines Großen" in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1922 und vom 7. Dezember 1922. 
Bei Interesse: Zum Lesen bitte anklicken.  
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Über Rabbiner Ascher Löw siehe Berichte auf der Seite zu den Rabbinern und Lehrern in Karlsruhe   
  
  
Investitur des Rabbiners Wolf S. Rothenheim (1841)  

Wallerstein AZJ 27031841a.jpg (167266 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. März 1841: "Aus Bayern, 4. März (1841). Der 11. Februar war für die israelitischen Bewohner Wallersteins ein wahrer Festtag. Dort war schon lange das Amt eines Rabbinen verwaist und lange nicht mehr trotz der ansehnlichen Gemeinde von einem solchen das Wort Gottes an heiliger Stätte verkündet worden. An diesem Tage wurde der von der Gemeinde gewählte Kandidat Herr Wolf S. Rothenheim, ein Mann, der mit gründlich talmudischen Kenntnissen echt wissenschaftliche Bildung vereint, von der Regierungsbehörde eingewiesen und vorgestellt. Jung und alt, Israeliten und Nichtisraeliten strömten in die schöne Synagoge, wo der feierliche Akt vor sich ging und sie hatte fast nicht Raum genug, die Menge der Erfreuten, Andächtigen und Erbauten aufzunehmen; vor allem aber ward die Feier durch die Gegenwart der hohen, dort residierenden Wallersteinschen Fürstenfamilie und vieler Beamten erhöht. Nachdem, wie es in einem Programm festgesetzt war, einige erhebende Lieder vom Chore abgesungen waren und der königliche Kommissär, was seines Amtes war, beendet hatte; betrat Herr Rothenheim die Kanzel und setzte in feurigem, begeisternden Vortrage und gediegener Rede, als er seinen Dank für die Wahl ausgesprochen hatte, die schwierige Stellung eines Rabbinen der Jetztzeit bei den herrschenden Glaubensparteiungen, die Pflicht eines solchen im Allgemeinen, darauf seine eigene, zuletzt seine Stellung zur Gemeinde und die Stellung der Gemeinde zu ihm schön und klar auseinander. Einsender glaubt diese Rede den gehaltreichsten unserer Zeit mit Recht an die Seite stellen zu dürfen und kann, noch in Betracht des anerkannt biederen Charakters des Herrn Rothenheim, der Gemeinde Wallerstein nur von allem Herzen gratulieren, ein solches geistliches Oberhaupt nunmehr zu besitzen."   
  
Hinweis auf die am 11. Februar 1841 von Rabbiner Wolf S. Rothenheim gehaltene Predigt: "5. *Was ist der Hauptberuf und die Hauptbestimmungen eines israelitischen Priesters und Geistlichen jetziger Zeit. Eine Predigt, gehalten bei seiner Einweihung der Synagoge zu Wallerstein am 11. Februar 1841, von W. S. Rothenheim (Verweser des Rabbinats in Wallerstein). Nördlingen, 1841. 7. C.H. Beck."       
 
Hinweis: Artikel zum Tod von Wolf Rothenheim in der Zeitschrift "The Israelite" vom 7. November 1862 (eingestellt als pdf-Datei).

    
Über die Wahl von David Weißkopf zum Rabbiner (1847) 
    

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 16. Februar 1847: "Mittelfranken. Die jüngst stattgehabte Wahl eines Rabbiner für den Ort und Bezirk Wallerstein im Kreise Mittelfranken führte zu einem höchst erfreulichen Resultate. Die Majorität stimmte für den Herrn David Weißkopf aus Gunzenhausen, der schon seit mehreren Jahren in religiöser Wirksamkeit der Stadtgemeinde Aub, einige Meilen von Würzburg, eifrig diente. Dessen Charakter ist aufs Ruhmvollste bekannt. Man liebt ihn allenthalten ob der ihm eigenen Leutseligkeit und Friedfertigkeit, man sucht seine Gesellschaft, seine Freundschaft, seinen Rat, denn er verbindet mit herzlicher Offenheit eine tiefe Einsicht und ein klares Urteil. Man vernimmt gern die Worte seines Mundes, denn sie fließen ungekünstelt aus einem frommen Gemüte und gesundem Verstande. Man vertraut ihm mit aller Zuversicht die Lösung aller religiösen Fragen und Zweifel an, denn man kennt den Fleiß und Eifer, womit er von jeher bis heute ausdauernd den talmudischen Wissenschaften obgelegen und man wird von ihm in seinem neuen Wirkungskreise alle rabbinischen Funktionen mit Liebe und Vertrauen verrichten lassen, da man weiß, wie er von dem seligen Herrn Oberrabbiner Abraham Bing zu Würzburg, bei dem er sich durch einen wohl 13-jährigen Unterricht (?) eine alle rabbinisch-wissenschaftlichen Sphären umfassende Gewandtheit erwarb, geachtet und nachdrücklich empfohlen wurde. Wir dürfen den frommen Gemeinden, die ihn sich zum Seelenhorten gewählt, mit ganzem Herzen gratulieren; die Zukunft wird sowohl unsere gegenwärtige Charakterzeichnung als wahr erweisen, als auch dem seiner geistlichen Obhut Empfohlenen die freudige Überzeugung gewähren, dass die Amtsführung eines orthodoxen Rabbinen für den ganzen Distrikt heilbringend sei."      
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 12. März 1847: "In Wallerstein ... im Kreise Schwaben und Neuburg, fiel am besagten Tage die Wahl auf den bisherigen Unterrabbiner David Weißkopf zu Aub mit 67 Stimmen, wovon 45 auf die Gemeinden Kleinerdlingen und Ederheim kommen. In der Gemeinde Wallerstein selbst erhielt der bisherige Verweser H. Rottenheimer die Mehrheit der Stimmen 27, im Ganzen jedoch nur 37. Wie gewöhnlich wird auch gegen diese Wahl Reklamation, jedoch wahrscheinlich, erfolglos erhoben werden."     
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 23. April 1847: "Die Einsetzung des Rabbiners Dr. Weinmann in Welbhausen ist noch nicht erfolgt und dürften also die Anstände erheblich sein. Auch Weißkopf harret derselben in Wallerstein. Vielleicht bringt uns schon die nächste Zeit bezeichnende Entschließungen unseres Kultusministeriums!"      
 
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 14. September 1847: "Aus dem Ries. Dieser Tage noch erwartet man die Bestätigung der Wahl des hiesigen Rabbiners Weiskopf für das Wallersteiner Rabbinat seitens der Königlichen Regierung von Schwaben und Neuburg. Herr Rabbiner Weiskopf, bisher zu Aub, zeichnet sich durch strengste Religiosität, sowie durch echt gediegenes talmudisches Wissen aus, daher seine Wahl für die hiesige Gegend als ein wahrer Gewinn angesehen wird. Rabbiner Weiskopf in Wallerstein und Dr. Feuchtwang in Oettingen, sind würdige Amtsbrüder, und ihrem vereinten Eifer, ihrer warmen Glaubenstreue, wird es gewiss gelingen, in unseren Gemeinden das religiöse Leben zu erhalten, wodurch dieselben sich seit den ältesten Zeiten schon ausgezeichnet haben."      

         
David Weißkopf wird Distriktsrabbiner in Wallerstein (1848)   

Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 26. April 1848: "Aub in Unterfranken, den 17. April (1848). Vor Kurzem ist unserem sehr geehrten Religionslehrer, Herrn David Weißkopf die königliche Regierungsbestätigung zum Distriktsrabbiner in Wallerstein, im Kreise Schwaben und Neuburg mitgeteilt worden. Derselbe wird sogleich nach dem Pessachfeste seinen neuen Wirkungskreis antreten, und wird die Zukunft, die von uns gleich bei seiner Wahl (vgl. No. 7 vorigen Jahres) ausgesprochene Charakterzeichnung als so wahr erwiesen, dass sie den seiner geistlichen Obhut Empfohlenen die freudige Überzeugung gewähren wird, wie sehr die Amtsführung dieses orthodoxen Rabbinern für den ganzen Distrikt heilbringend sei. - Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne zugleich auf die Wahrhaftigkeit des bekannten bayerischen Korrespondenten des 'Israeliten' aufmerksam zu machen, der vor kurzer Zeit in jenem Blatte triumphierend meldete, wie es einer der ersten Akte des neuen Ministeriums gewesen sei, die Wahl des Rabbiners Weißkopf für Wallerstein zu annullieren. Freilich, wenn es dem Herrn Korrespondenten des 'Israeliten' nachginge -; doch was unser Ministerium vor allem schützt, ist die Freiheit und Selbstständigkeit unserer Gemeinden."   

  
Beitrag von Rabbinats-Substitut Dr. Hartwig Werner zur anstehenden Synode (1849) 
Anmerkung: Der Verfasser ist Rabbiner Dr. Hartwig Werner (geb. 1819 in Niederwerrn, gest. 1905 in Bamberg): er studierte in München, Offenbach am Main und Gießen; vermutlich hat er um 1848/49 die Rabbinatsvertretung übernommen; ab 1851 war er Rabbinats-Substitut in Adelsdorf, 1859 Rabbiner in Reckendorf, ab 1861 Distriktsrabbiner in Burgebrach.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. April 1849: "Wallerstein, im April (1849)..."  
Hinweis: zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken. 

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Rabbiner David Weiskopf wird von den Behörden definitiv als Rabbiner in Wallerstein bestätigt (1849)     

Wallerstein DtrZionsW 29061849.JPG (71603 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 29. Juni 1849: "Aus Schwaben. Dieser Tage ist endlich nach jahrelangem Hin- und Herzerren die Angelegenheit des Herrn Rabbiners Weiskopf, gewählt als Rabbiner für Wallerstein, definitiv erledigt worden. Der Staatsrat als oberste, definitiv entscheidende Behörde hat unter Aufhebung aller dagegen sprechenden respektive Regierungs-Beschlüssen die Wahl genehmigt, und der Gewählte in sein Amt eingesetzt. Wir freuen uns dieser Entscheidung umso mehr, als durch dieselbe sowohl ein Gewebe von Trug und Hinterlist gänzlich zerstört, als wir von der Persönlichkeit des Gewählten zu erwarten volle Berechtigung haben, wie derselbe binnen Kurzem durch ein segensreiches, gedeihliches Wirken die Herzen aller seiner Pflegebefohlenen sich erwerben, ihre Zuneigung und Vertrauen zu gewinnen wissen wird."

  
Kritik am Unterricht künftiger Lehrer durch die Rabbiner von Oettingen und Wallerstein (1850)   
Anmerkung: die kritische Mitteilung erschien in der liberal eingestellten "Allgemeinen Zeitung des Judentums"    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juli 1850: "Die Herren Rabbinen zu Oettingen und Wallerstein sammeln seit einiger Zeit Jünger um sich, die sie im Talmud etc. unterrichten. Wir anerkennen dies. Der Unterricht an Jünglinge, welche sich dem Lehrfache widmen wollen oder sonst Freude am Talmudstudium finden, steht unseren Rabbinen in Anbetracht ihres Amtes und ihrer disponibeln Zeit wohl an, zumal wenn es wie hier in uneigennütziger Absicht geschieht. Wenn sie aber diese jungen Leute zu einem exzentrisch asketischen Leben hintreiben, wenn sich diese unsere künftigen Jugend- und Volkslehrer nicht einmal in ihrer äußeren Erscheinung der Zeit fügen und in einem augenfälligen lächerlichen Gebaren eine Ehre suchen, so kann man dies im Interesse unseres Glaubens und unserer Glaubensgenossen nur tief beklagen. Unsere künftigen Lehrer sollen aus den Quellen selbst zu schöpfen vermögen, sie sollen tüchtiger im Hebräischen gebildet werden, als dies in der Neuzeit hin und wieder geschieht, und wer hierzu beiträgt, erwirbt sich ein großes Verdienst; aber sie sollen nicht in der Missachtung des Zeitgemäßen eine Größe suchen, sie solle nicht einseitig, sondern vielseitig, besonders pädagogisch tüchtig herangebildet werden!"         

 
Brief von David Weiskopf nach Fürth - ergänzendes Dokument 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

 Brief von Rabbiner David Weiskopf
nach Fürth (zwischen 1849 und 1861)
 
Fuerth Dok 0840.jpg (166857 Byte) Fuerth Dok 0840a.jpg (148294 Byte)
Fuerth Dok 0840b.jpg (53407 Byte)  Der Brief an den Kaufmann Joel Getz in Fürth wurde aus Wallerstein im Zeitraum 
zwischen 1849 und 1861 (Verwendungszeitraum der Briefmarke) geschickt. 
Er ist unterzeichnet (siehe links) von Rabbiner David Weiskopf.  

      
Über Rabbiner David Weiskopf (1875)   

Wallerstein Israelit 24031875.jpg (153446 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875 (abgekürzt zitiert; der Artikel erhält teilweise starke Kritik aus streng orthodoxer Sicht): "Aus dem Rabbinatsbezirk Wallerstein, im März (1875). Unser ehrwürdiger Distrikts-Rabbiner Herr David Weiskopf – sein Licht leuchte – versieht sein Amt trotz seines Alters – Gott vermehre seine Tage und Jahre – mit jugendlicher Geistesfrische. Die Schechitah im diesseitigen Distrikte ist in Händen gottesfürchtiger Männer, die den Anordnungen ihres Rabbiners gern und willig Folge leisten. Es ist nur schade, dass der Ort Wallerstein nur noch einige jüdische Familien hat, während die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen an die frühere Gemeinde lebhaft erinnern. Hingegen ist das benachbarte Nördlingen, welches in jedem ‚Memmer-Buch’ (Memorbuch u.a. zur Erinnerung an die Märtyrer von Verfolgungen) als Gerusch-Ort verzeichnet ist, in wenigen Jahren zu einer jüdischen Gemeinde von 70-80 Familien herangewachsen. Die junge Gemeinde hat Männer unter sich, denen das Wort Judentum keine Phrase ist, die vielmehr ihre ganze Kraft aufbieten, um die bewährten jüdischen Institutionen zu erhalten. Trauriger sieht es in Oettingen aus… Wohl gibt es noch Männer in Oettingen, die Jehudim sein wollen; weil man sich aber fürchtet, von den ‚Tonangebern’, ‚Gebildeten’ und ‚Aufgeklärten’ in der Kaffeegesellschaft verspottet zu werden, so lässt man es ruhig geschehen, wenn mit manchen Gebetstücken Tabula rasa gemacht wird und lächelt dazu, wenn man die Anordnungen eines ehrwürdigen Greises als Karikatur auf den Biertischen herumzerrt. Besser sieht es in Hainsfahrt aus. Dort holen noch Männer ihre Aufklärung aus der Gemara, und die Schass Chawera zählt alte und junge ‚Bale-Batim’. Dort gibt es gebildete, junge, wohlhabende Männer, die sich ihrer religiösen Gesinnung nicht schämen und nicht zwischen zwei Stühlen sitzen wollen. Von den übrigen Gemeinden des diesseitigen Bezirkes ein anderes Mal, so Gott will." 

  
Über das Rabbinat Wallerstein (Bericht von 1866) 

Wallerstein Israelit 23051866.jpg (79169 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866 (aus einem Bericht von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer über die Situation der Jeschiwot (Toraschulen) in Bayern): "Im Ries sind zwei Rabbinate, Wallerstein und Oettingen. Erster Ort hat schon eine ziemlich alte Geschichte. Schon vor ca. 300 Jahren fungierte der Großvater des 'tausves jontof, nämlich Rabbiner Mosche Heller - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - daselbst; doch ist von einer Jeschiwa daselbst nichts bekannt. Der gegenwärtige tatkräftige Rabbiner David Weißkopf, einer der vorzüglichsten Vorkämpfer der Orthodoxie in Bayern, hat auch immer mit einen jungen Männern gelernt. Doch hat dieser Ort ebenso wie Harburg und (Mönchs-)Deggingen, wo früher auch sehr großer Toralehrer als Rabbiner fungierten, an Einwohnerzahl sehr abgenommen; was natürlich auch auf die Ausführung der in Rede stehenden Angelegenheit sofort einen Rückschlag übt." '

     
Seligmann Weiskopf, Sohn von Rabbiner David Weiskopf hat die Leitung einer Schule in Damaskus übernommen (1869)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1869: "Syrien. Wie unsern Lesern bekannt, steht Herr Seligmann Weiskopf aus Wallerstein in Bayern, Sohn des dortigen Distrikts-Rabbinen, einer von ihm im Auftrage der Alliance Isr. Universelle in Damaskus gegründeten Schule vor. Wir entnehmen einem uns vorliegenden Familienbrief desselben Folgendes: ..."
Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.    
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Zum Tod von Rabbi David Weißkopf (1882)  

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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März  1882: "Rabbi David Weißkopf - seine Ruhe sei Wonne -. "Darum gürtet Säcke, klaget und jammert’ (Zitat aus Jeremia 4,8). Wieder ist gefallen eine herrliche Zeder im Haine des Herrn, eine der stärksten Stützen des Judentums, eine Koryphäe der Orthodoxie – unser großer Lehrer, Rabbiner David Weiskopf – das Andenken an den Gerecht ist zum Segen – der gegangen ist in die künftige Welt, der greise, ehrwürdige Distrikts-Rabbiner David Weißkopf aus Wallerstein segnete das Zeitliche am 19. Adar. Der Tod dieses wahrhaft Gerechten wird weit über Deutschlands Gauen hinaus Schmerz und Trauer erwecken, denn der Verlebte, welcher das hohe Alter von fast 84 Jahren erreichte, hatte sich im Verlaufe seiner tatenreichen Lebensbahn nur Freunde und Verehrer erworben und zahlreiche Schüler ausgestellt, die in allen Weltgegenden in seinem frommen Geiste fortwirken.
Rabbi David Weißkopf, geboren Samstag den 12. Ijar 5558 (den 28. April 1798) stammte mütterlicherseits aus einer alten Gelehrtenfamilie, von denen einzelne Mitglieder Dajanim (Mitglieder des Rabbinatsgerichtes) zu Metz und Fürth waren. Sein äußerst gottesfürchtiger Vater führte ihn als einzigen Sohn schon frühe dem Studium der heiligen Tora zu. Den ersten Grund zu der späteren Berühmtheit des Rabbi David – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – legte dessen Jugendlehrer R. Abraham Böhm aus Gunzenhausen, seinem Geburtsorte. Dort schloss er ewige Freundschaft mit dem so frühe verstorbenen Rabbi Elieser Bergmann – seligen Andenkens – aus Heidenheim, welcher später nach dem heiligen Lande übersiedelte und sich um die Angelegenheiten Palästinas so große Verdienst erworben hat. Beide verlebten eine Reihe von Jahren als wahre Chaberim (Freunde) in brüderlicher Gemeinschaft und weder die Entfernung noch der frühzeitige Tod hatten das Feuer der Liebe auslöschen können, welches Rabbi David Weiskopf bis zu seiner letzten Erdenstunde dem Freunde und dessen in Jerusalem weilenden Nachkommen bewahrt hat. Immer nur unter Tränen erwähnte er den längst Verstorbenen, der in Berlin ruht.
Von Gunzenhausen zog R. David nach seiner Bar Mizwah zu Rabbi Moses Hechheim – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – dem damaligen Oberrabbiner zu Ansbach. Nach mehrjährigem, eifrigem Studium unter diesem ebenso frommen, wie tief gelehrten Mann wanderte R. David nach Würzburg, wo er fortan unter dem väterlichen Schutze des damaligen Medinerabs (Landrabbiners) Rabbi Abraham Bing – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – eine lange Reihe von Jahren nur für Tora und gute Werke lebte. R. David im Vereine mit R. Elieser Bergmann waren die eigentlichen Pioniere der später so berühmt gewordenen rabbinischen Hochschule, Jeschiwa, aus welcher so viele edle Männer hervorgegangen sind.
In Würzburg entfaltete sich vollends in R. David der heilige Eifer zur Gotteslehre, seine Tugendhaftigkeit und sein unvergleichlich frommer Lebenswandel. Vier Jahre hindurch fungierte der jetzt Heimgegangene an der Stelle seines durch das Alter gebeugten Lehrers, der ihn wie sein eigenes Kind liebte. In Würzburg war es auch, wo R. David im Jahre 1826 seine fromme bescheidene Gattin, eine Tochter des R. Sekel und Nicht des R. Mendel Rosenbaum (siehe Zell am Main) heimführte; mit ihr lebte er in einem niemals getrübten Eheglücke; sie stand ihm treue und hilfreich zur Seite in der streng-jüdischen Erziehung seiner vier Söhne und drei Töchter.
Ausgerüstet mit einem reichen Wissen auf dem Gebiete der heiligen Lehre usw. – war er ja dem Ausspruche unserer Weisen gemäß als echter Talmid Chacham vollkommen geübt auch in der Schechita, Beschneidung usw. – ging R. David im Jahre 1830 nach Aub in Unterfranken, wo er 19 Jahre zum Heile der Gemeinde und der ganzen Umgegend wirkte.
Alsdann trat er die Rabbinerstelle in Wallerstein an, welche seit dem Abgange des R. Oscher Wallerstein – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - unbesetzt geblieben war. Nachdem vor einigen Jahren die Gemeinde Wallerstein so abgenommen hatte, dass die Werktage hindurch kein Minjan zum Gebet mehr zusammengebracht werden konnte, wurde mit Genehmigung des Rabbinatssprengels der Sitz nach Kleinerdlingen verlegt, wo R. David noch im hohen Alter das Glück hatte, schöne Tage in der Gesellschaft seines Schwiegersohnes R. Michael Kohn und seines Freundes R. Salomon Ettenheimer, zweier ebenso hoch gelehrten wie edlen Männer, zu verbringen. 
Kurz vor Rosch Haschana stellte sich ein Schwächezustand bei R. David ein und am 19. Adar verschied dieser gottesfürchtige Mann im glücklichen Greisenalter und satt an Jahren, umringt von seinen Kindern, die auf das Geheiß der schmerzerfüllten Gattin herbeigeeilt waren.
Freitagnachmittag wurde die Hülle dieses Isch Elokim (Gottesmann) zur ewigen Ruhe getragen, seine Ruhestätte befindet sich in der nächsten Nähe des bekannten Reb Lippmann Heller, des Großvaters vom Tosephot Jomtob und neben dem vor 116 Jahren heimgegangenen Wallersteiner Rabbiners, Rabbi Hirsch Kahne, Sohn des berühmten Fürther Rabbiners R. Boruch Charif aus der Familie Rappaport. Eine lange Reihe von Leidtragenden – die sämtlichen Mitglieder der Gemeinden von Nördlingen und Kleinerdlingen folgten dem Verewigten bis zu dem 1 ½ Stunden entfernten Friedhofe in Wallerstein, so weit vor dem Orte die wenigen noch dortselbst wohnenden Israeliten sich dem Trauerzuge anschlossen. Wegen dem Erew Schabbat war es den übrigen zum Rabbinatsbezirk gehörenden Ortschaften nicht vergönnt, ihrem verewigten, vielgeliebten Lehrer und Rabbiner die letzte Ehre zu erweisen. 
Vor dem Eingang zum Beth Chajim (Friedhof) sprach Rabbinats-Substitut R. Michael Kohn einige tief ergreifende Worte, wenige – wegen Erew Schabbat – aber inhaltsreiche, welche das Herz aller Anwesenden zu Tränen rührten. Das ganze Leben dieses seltenen Mannes ging in der ununterbrochenen Ausübung von Tora und Gottesdienst und Wohltätigkeit, dieses drei Grundpfeilern des Judentums auf.
Von seiner zartesten Jugend an dem unerschöpflichen Quell der heiligen Lehre weilend, schöpfte er und schaffte er darin mit nimmer erschlaffendem Fleiße: weder Kälte noch Hitze, weder Freud’ noch Schmerz, keine irdische Macht konnte ihn stören in dem Forschen nach den Wahrheiten von unserer heiligen Tora. Und darum wählte er auch den Beruf, der es ihm ermöglichte, auch andere: Jung und Alt, Männer und Frauen für die heilige Lehre zu gewinnen. Mit seiner unbegrenzten Demut unterrichtete R. David selbst die kleinsten Kinder, um sie allmählich in Mischna und Talmud einzuweihen. Man muss ihn gesehen haben, diesen Mann, mit dem Liebe verkündenden Blicke der weihevollen Freude und dem heiteren Ernste, auf dem nur Edles verheißenden Antlitze, wenn er Groß oder Klein Tora lehrte; da fühlte man dass die Tora, die Wahrheit auf seiner Zunge war, dass die Zunge nur den Ergüssen eines von der Gottesidee einzig und allein beseelten Herzens Ausdruck verleihe. Ununterbrochenes Selbststudium der Tora und Verbreitung der Kenntnis derselben, das war die Aufgabe, an deren Vollbringung R. David seine ganze Kraft, ja sein ganzes Dasein von dem ersten Erwachen seines Geistes bis zu seinem letzten Atemzuge setzte. Erst jüngstens als die körperliche Schwäche den sonst so fein fühlenden Geist zeitweise umflort hatte, nahm er Verblichene ein Buch zur Hand, sprechend: Leider habe ich Alles vergessen, ich muss wieder zu erlernen beginnen.
Und als die Stunde schlug, jene Stunde, die ihn in die himmlische Region führen sollte, wohin lebenslang sein Blick gewandt, da schied er gerne von hienieden, weil er – es sind dies eine eigenen Worte – nichts mehr für die Heilige Tora wirken konnte. Während R. David selbst sein Wissen unaufhörlich zu bereichern strebte und mit bewunderungswürdiger Geduld seine Kinder und viele Zöglinge an das Torastudium gewöhnte, erfüllte mit tiefem Schmerz sein edles Herz die betrübende Wahrnehmung, dass die Pflege der Gotteslehre leider immer seltener in Israel werde. Unbegrenzt war seine Liebe zur Tora, unbegrenzt seine Hochachtung für weise Schüler, untröstlich sein Gemüt, wenn er im laufe der Zeit gar manchen Fels in Jehuda und Israel von der Erde verschwinden sah. Ein Toragelehrter war für den unvergesslichen Wallersteiner Rabbiner der kostbarste Diamant. Wenn nun alle Phasen seines geistigen Seins in der Liebe zur heiligen lehre aufgingen, so war seine ganze irdische Existenz dem Dienste des Allmächtigen, dem Gottesdienst und dem Wohle seiner Brüder und dem Heile der Menschheit, der Wohltätigkeit gewidmet.  
Seinem Streben nach Vervollkommnung in unserer heiligen Tora entspross sein Feuereifer in der täglichen, ja allaugenblicklichen Betätigung von Gottesdienst. Von frühester Jugend an übte R. David Weißkopf alle Gebote mit einer Freude, die keine Feder beschreiben kann, mit einer rein himmlischen Wonne. Nur diejenigen, welche das Glück hatten, ihm nahe zu stehen, sind imstande, sich einen, aber auch nur schwachen Begriff zu machen von der Beseligung, die sich seines frommen Gemütes bei der Erfüllung eines Gebietes bemächtigte: es war nicht mehr irdisch, es war eine höhere Lust, welche sein ganzes Sein durchströmte, so er eine anscheinend mindergroße Weisung ausübte. Da vibrierte vor Freude der ganze Mensch in R. David und auf seiner edlen Stirn konnte man da deutlich die Gottesfurcht lesen.
Seine große Opferfähigkeit im Dienste des Schöpfers betätigte er auch durch häufiges Fasten. Abgesehen von den üblichen Hauptfasttagen pflegte der Heimgegangene an allen Rüsttagen von Rosch Chodesch, die ganze Selichoth- und Teschubohwoche hindurch bis vor wenigen Jahren ganze Tage zu fasten, ohne darum in seinem Fleiße und Eifer im Blick auf Tora und Gottesdienst nachzulassen. Wie oft stand er noch in dem letzten strengen Winter, vor einigen Jahren, früh morgens, allein in der Synagoge, um trotz den Unbilden der rauen Jahreszeit, wenn auch ohne Minjan doch an diesem heiligen Ort zu beten. Und was war Rabbi David Weißkopf als Mensch, was als Gatte, was als Vater, Sohn, was als Freund, als Gelehrter, als Lehrer und Unterweiser? In seinem edlen Herzen war nie Raum für eine Leidenschaft, kein Platz für eine Untugend. Seinem Vater war er ein folgsamer Sohn, der nur den Willen seiner Eltern kannte, seiner Gattin war er nur Liebe und Güte und Zuvorkommenheit, sodass auch sie, die ehrwürdige Matrone kein anderes Glück je gekannt hatte, als an der Seite ihres teuren Mannes, für ihn und durch ihn zu leben; die Erfüllung seiner Wünsche, darin allein gipfelte sich das Prinzip, nach welchem diese jüdische Biederfrau 56 Jahre hindurch im Bunde mit R. David gelebt hat. Wie für seine Gattin so war der Selige auch nur Liebe und Sanftmut für seine Kinder, die er mit der größten Selbstverleugnung und Aufopferung großzog im Geiste des wahren Judentums. Aber nicht für seine Familie allein, lebte und wirkte R. David Weißkopf – das Andenken an den gerechten ist zum Segen -, seine Liebe zu der ganzen Judenheit war unbegrenzt, sie war kosmopolitisch. Von einer Bescheidenheit, wie sie nur bei solcher feurigen Gottesfurcht zu finden ist, von einer Selbstlosigkeit sondergleichen, war R. David jedermann gegenüber zuvorkommen, diensteifrig in einem Grade, der das Menschenmögliche fast überschreitet.
Das können wir von R. David Weißkopf getrost behaupten, zu keiner Zeit und in keinerlei Verhältnissen konnte irgendein materielles Interesse in seinem frommen Sinn auftauchen oder gar Wurzel fassen. Nur die Gottesfurcht, sie allein und keinerlei irdischen Gedanken hat je einen seiner Schritte bestimmt. Darum war er auch freundlich gegen jedermann, liebevoll für Alle. Israelit und Nichtjude, Greis oder Knabe, Jung und Alt, Reich und Arm. Jedermann musste sich im Verkehre mit dieser ehrwürdigen Gestalt sagen, nur eine Engelseele kann so unvergleichlich gut und sanft gegen die Menschenkinder sein. Soll ich erzählen, wie er mit Hintenansetzung seines Vorteiles anderen zu Stellen verholfen hat, wie er mit der größten Selbstverleugnung jungen Leuten Stipendien zum ungestörten Torastudium verschafft hat, während seine Kinder in der Ferne darbten, wie er von Haus zu Haus wandelte oder Nächte durch Briefe schrieb, um die Begüterten zum Gebot der Ausstattung (armer) Bräute zu veranlassen, wie Tag und Nacht sann, um ganz Unbekannten helfend beizustehen? Da müsste ich eines der tatreichsten jüdischen Existenzen der neuen und der alten Zeit erzählen.

Wer von Rabbi David Weißkopf – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – gehört, der wird wissen, dass kein Armer je sein Haus unzufriedne verlassen hat, es war das Haus Davids ein offenes, wo jeder Trost und Hilfe suchte und fand. Nun, eines muss ich noch hinzufügen: zahlreich und unschätzbar sind die Edelsteine der uns nun entrissenen Krone, aber eine Perle glänzt in diesem Diadem, wie kein irdisches Juwel zu glänzen vermag.
R. David Weißkopf, dem in seinem Leben manche Zurücksetzung nicht erspart worden war, - wovon aber kein Menschenkind je aus seinem Mund etwas erfahren hatte – er besaß ein Gottvertrauen, das unerschütterlich war, eine Zuversicht auf die Hilfe Gottes, die kein Sturm wankend machen konnte. Sein Vertrauen auf Gott war die ebenbürtige Zwillingsschwester seiner Selbstverleugnung, seiner Uneigennützigkeit, seines anspruchslosen Wesens und seiner eminenten Bescheidenheit. Man kann diesem Frommen nachrühmen, er hat in seinem Leben nie eine Sorge um das Materielle empfunden. Dagegen verursachten ihm die Reformen und die Verletzung der jüdischen Gesetze schweren Kummer; es erfüllte seine Seele mit Gram, wenn er sah, wie die Füchse den Garten des Ewigen zertraten und in dem Weinberg des Herrn die Reben ausrissen. Da richtete er denn sehnsuchtsvoll seinen Blick nach Jerusalem. Für Palästina schwärmte R. David. Jahraus, jahrein suchte er Geld für die Armen der heiligen Städte zu sammeln und gar Vieles aus eigener Tasche floss dahin. Nie blieb sein Auge tränenlos, wenn er am Heiligen Schabbat an den Segensspruch gelangte, worin um die Wiederaufrichtung Jerusalems gefleht wird.
R. David Weiskopf ist nicht mehr; er erntet jetzt den Lohn seines tadellosen, nur dem Dienste Gottes geweihten Lebens. Möge von den Höhen des Himmels herab das Verdienst dieses wahren Gerecht und Frommer uns führen auf die Bahn des Lebens, damit bald nicht mehr Klage ertöne in Israel und auch verschwinde der Tod. Und die Seele des frommen, viel geliebten Morenu Harab R. David Weißkopf ruhe im Eden bis zum Tage des Wiedererwachens. S.D. Weiskopf"  

  
  
  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   

Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers
/ Vorbeters / Schochet 1865 / 1901 / 1902

Wallerstein Israelit 26071865.jpg (50536 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1865: "Bekanntmachung. Für den israelitischen Religionsunterricht in der hiesigen Kultusgemeinde sucht man ein taugliches Subjekt. Ein jährlicher Gehalt von 200 Gulden und 30 Gulden für Beheizung, denn freie Wohnung wird zugesichert. Bewerber um diese Stellen wollen ihre Befähigungszeugnisse an den löblichen Kultusvorstand dahier einsehen oder sich mit dem Unterfertigten in Benehmen setzen. Wallerstein (Bayern), den 17. Tamus 5625. Der Distriktsrabbiner David S. Weiskopf".
     
Wallerstein Israelit 03011901.jpg (47816 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1901: "Die israelitische Kultusgemeinde Wallerstein (Bayern) sucht zum baldigen Eintritt einen Schochet & Vorbeter. Gehaltsbezüge ca. 900 Mark. Reflektanten wollen sich an den unterfertigten Kultusvorstand wenden. Wallerstein, 26. Dezember. Isaac Wild, Vorstand."
   
Wallerstein Israelit 16011902.jpg (60768 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1902: "Die hiesige Kultusgemeinde sucht per 1. oder Mitte März einen Vorbeter und Schochet. Gehaltsbezüge ca. 800 Mark nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich gefälligst an den unterfertigten Vorstand wenden. Wallerstein, 12. Januar. 
Der Kultusvorstand: Isaac Wild, Vorstand."

 
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des aus Wallerstein stammenden Bamberger Hofbankiers Angelo von Wassermann (1835 Wallerstein - 1914 Berlin)  
sowie über seinen Bruder Emil Wassermann (1842 Wallerstein - 1911 Berlin)
      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. August 1914: "Hofbankier Angelo von Wassermann. Geboren am 20. Mai 1835 in Wallerstein. Gestorben am 6. Mai 1914 in Berlin.   
An einem Maientage haben wir in Bamberg nach einer stillen Trauerfeier, die an Einfachheit und Bescheidenheit nicht übertroffen werden kann, die Staubeshülle eines Mannes der Familiengruft übergeben, dessen Leben ein fast wolkenloser Maientag gewesen, der es schon mit Rücksicht auf seine einflussreiche Stellung und seine Gesinnung gegenüber dem Judentum verdient, dass ihm an dieser Stelle mit einigen Worten ein Denkmal der Ehre aufgerichtet werde.    
Von Benjamin Disraeli, dem genialen Staatsmann von Großbritannien, wird erzählt, dass er die adelsstolzen Herren im Hause der Peers, als sie es wagten, den auf politischer Stufenleiter durch eigene Geisteskraft zur höchsten Sprosse des Erfolges emporgestiegenen Judenstämmling mit ironisierender Anspielung an seine israelitische Abstammung zu erinnern, in ihre Schranken mit den Worten zurückgewiesen habe: mein Adel ist älter als der eure, denn mein Stammbaum reicht zurück bis auf Abraham, den zum Segen aller Geschlechter der Erde erwählten Gottesfürsten! Nicht alle geadelten Israeliten haben so adelig gedacht und empfunden. Auf der Stufe, die sie erreicht, haben ihrer viele vergessen der Wurzel, der sie entsprossen, und wir haben im allgemeinen keine Veranlassung, ihr Bild in der Galerie berühmter Männer des Judentums aufzustellen, wie es ein zeitgenössischer Schriftsteller getan. Aber Angelo von Wassermann, der am 6. Mai dieses Jahres fern der Heimat, an der sein Herz gehangen, in einem Sanatorium zu Berlin nach einem an Aussaat und Ernte reich gesegneten Leben kurz vor Vollendung seines 70. Jahres wie ein verlöschendes Licht seinen Odem ausgehaucht, kannte keinen höheren Stolz als den der Abstammung aus einer durch Wissen und Frömmigkeit ausgezeichneten und im deutschen Vaterland weit verzeigten Familie (Anmerkung: Die Familie führt ihren Stammbaum, den der als Sammler von auf die Geschichte der bayerischen Israeliten bezüglichen Akten und Urkunden verdiente David Wassermann in München aus archivalischen Forschungen mühsam zusammengestellt, bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Als Stammvater historisch nachgewiesen ist Elkan Wassermann, 1770 Salzfaktor des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Mütterlicherseits stammt die Bamberger Linie der Wassermanns angeblich von Rabbi Akiba Eger).  
Wallerstein AZJ 21081914a.jpg (361470 Byte)Von diesem Mann kann aber nicht gesprochen werden, ohne zugleich das Andenken an seinen um einige Jahre jüngeren Bruder zu wecken, der ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Der Name Emil Wassermann (geb. am 12. Mai 1842 in Wallerstein, gest. am 12. November 1911 in Berlin) bedeutete in weiten Kreisen ein Programm, und dies Programm war das altüberlieferte Judentum in modernisierter Fassung. Er schützte es, wie man ein teures Familienerbe schätzt, und dennoch war es ihm ein Lebendiges und Gegenwärtiges, der Inhalt seines Bewusstseins. Und er selbst war nach seiner ganzen Erscheinung und Geistesbeschaffenheit ein echtes Produkt des Judentums, und zwar eines von den immer seltener werdenden, in welchem der Geist der Vergangenheit und der Geist der Gegenwart, Thorakenntnis und neuzeitliche Bildung in harmonischem Bunde vereinigt waren. Es war ein Vergnügen, in seinem mit allem Schönen geschmückten Hause ein Bibliothekzimmer zu finden, in welchem die ehrwürdigen Talmudfolianten, denen er gern eine geschäftsfreie Mußestunde widmete, seine besten Freunde waren. Keine Erscheinung gab es im Judentum, im Leben oder in der Literatur des Judentums, welcher er nicht sein lebhaftestes Interesse zugewendet, kein bestreben auf geistigreligiösem oder gemeinnützigem Gebiete, das er nicht mit Hingabe seines jederzeit zum Dienen bereiten Wesens und der ihm zur Verfügung stehenden materiellen Mittel unterstützte. Immer und überall stand er an der Spitze der Wohltäter und Förderer. Die Krone der Persönlichkeit war aber doch seine durchaus konservativ gerichtete Frömmigkeit, die ihre tiefsten Wurzeln in seinem warmfühlenden Herzen hatte. Von solcher Gesinnung erfüllt, hat er in seiner hinterlassenen Niederschrift seiner Wünsche seine sieben Söhne, welche bereits geachtete Stellungen in der Welt einnehmen, gleich den Frommen ehemaliger Zeiten mit ergreifenden Worten zur treuen Anhänglichkeit gemahnt an das Judentum und seine Einrichtungen. 
In seiner Liebe zum Judentum stimmte auch sein älterer Bruder Angelo von Wassermann mit ihm überein. Nach Wesen und Art war's allerdings ein anderer. Er war das Weltkind im Goetheschen Sinne dieses Wortes. Seine Begabung und Neigung betätigte er vor allem auf kommerziellem Gebiete. In ihm arbeitete ein intelligenter Geist und ein zielbewusster Wille, der den eroberten Erfolg zu verwandeln wusste in ein Mittel neuer Unternehmungen und neuer Erfolge. Damit ist bereits gesagt, dass er zu denjenigen Erscheinungen kaufmännischer Unternehmer gehörte, die durch schöpferische Arbeitskraft immer neue Betriebe in Bewegung setzen und so durch ihre anregende und befruchtende Tätigkeit werteschaffend wirken. So wird ihm mit Recht nachgerühmt, dass das von ihm in Gemeinschaft mit seinem Bruder geleitete Bankhaus in Bamberg, eines der größten Privatinstitute im Reiche, das in Berlin ein eigenes Haus hat und Schwestergeschäfte in London und Brüssel, an der Begründung und an dem Aufschwung der oberfränkischen Textilindustrie einen hervorragenden Anteil hatte. 
Und er war unser. Die schöne Synagoge in Bamberg wird sein und seines Bruders Andenken erhalten in der Erinnerung kommender Geschlechter. Am 27. Mai 1910 hat der verewigte Prinzregent von Bayern ihm den erblichen Adel verliehen. Ich darf, nachdem er für ewig die Augen geschlossen, verraten, dass es ihm Vergnügen machte, seinen großen Einfluss bei Hochgestellten zugunsten von Glaubengenossen, die ein Anliegen hatten, in die Wagschale zu legen. Nichts aber kennzeichnet so sehr seine Gesinnung als sein letzter Wille, in welchem er verfügte: 'Da ich mein ganzes Leben lang ein echter Jehudi war, so will ich auch als solcher begraben werden. Man soll mich durch die Bruderschaft bestatten lassen und es sollen nur die hebräischen Gebete gesagt werden. Ich will keine Grabrede und auch kein deutsches Gebet gehalten haben, das etwa die Stelle einer Leichenrede ersetzen könnte. Ich will, dass der Geistliche kein deutsches Wort bei meiner Beerdigung spricht. Das soll durchaus keine Abneigung gegen den gegenwärtigen Rabbiner bekunden. Grund der vorstehenden Verfügung ist vielmehr der, weil ich von jeher Feind aller öffentlichen Huldigungen und Lobeserhebungen war.'  
In genauer Befolgung dieser patriarchalischen Wünsche sind im Beisein einer imposanten Trauerversammlung seine Staubesreste in die Familiegruft, die er sich nach dem im März 1912 erfolgten Tode seiner Gattin (Dora geb. Bauer aus Augsburg) errichtet, versenkt worden. Als die auf seinen Sarg fallenden Erdschollen aus der Tiefe ein dumpfes Echo aufsteigen ließen, musste ich an die Dichterworte denken:
 'Auf einem Berge sterben, Wohl muss das köstlich sein,  
Wo sich die Wolken färben Im Morgensonnenschein. 
Tief unten der Welt Gewimmel,  Forst, Flur und Stromeslauf,  
Und oben tut der Himmel  Die goldenen Pforten auf.'  Dr. A. Eckstein."           
 
Dazu - aus der Sammlung von Peter Karl Müller (Kirchheim am Ries) - ein Dokument aus der Familie Wassermann (Bamberg)  
Der nachstehende Brief der Brüder Angelo und Emil Wassermann (beide aus Wallerstein, nun in Bamberg) wurde am 26. Februar 1871 von Bamberg nach Nördlingen geschickt.   
 Wassermann Dok 040.jpg (96354 Byte)

Wassermann Dok 040c.jpg (53973 Byte)

Wassermann Dok 040b.jpg (96468 Byte) Wassermann Dok 040a.jpg (74671 Byte)
Adressat auf der 
Vorderseite des Briefes
Vergrößerung des 
Firmenstempels
Briefinhalt Absender auf der 
Rückseite des Briefes
  

 
Zum Tod von Isak Wild, 25 Jahre Kultusvorstand der Gemeinde (1924)  

Wallerstein Israelit 22051924.jpg (71283 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1924: "Wallerstein, 10. Mai (1924). Von einem herben Verlust wurde die altehrwürdige Gemeinde Wallerstein betroffen. Isak Wild, der über 25 Jahre in selbstloser Weise als Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde wirkte, wurde unter Teilnahme einer fast unübersehbaren Menge aus nah und fern zur letzten Ruhe gebettet. Herr Lehrer Strauß aus Nördlingen widmete ihm am Hause herzliche Abschiedsworte und ermahnte die aus allen Konfessionen zusammengesetzte Trauerversammlung nach dem Vorbild des Verstorbenen den Frieden und die Eintracht zu pflegen und zu wahren. Am Grabe schilderte sein Schwiegersohn sein inniges Familienleben, seinen unermüdlichen Fleiß und sein bescheidenes Wesen. Ein Stück der historischen Gemeinde ist mit ihm dahingegeben. Möge Gott die wunden Herzen heilen und seinen himmlischen Trost spenden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
    
Sonstiges
Handels-Lehrinstitut in Wallerstein (1860)  

Wallerstein Israelit 17101860.jpg (56975 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1860: "Handels-Lehr-Institut in Wallerstein. Mit dem 15. Oktober dieses Jahres beginn an meiner Anstalt der Unterricht für das Wintersemester und findet gleichzeitig die Aufnahme neu eintretender Zöglinge statt. Der Unterricht umfasst die neueren Sprachen sowie alle für das kaufmännische Fach notwendigen Wissenschaften. 
Näheres besagt mein Prospektus, den ich auf Verlangen gerne mitteile. Wallerstein, den 19. September 1860. S. Eldod, Instituts-Vorstand." 

   
Die in Wallerstein lebenden jüdischen Personen gehören nun zur Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen (1928)  

Noerdlingen BayrGZ 15081928.jpg (73131 Byte)Anzeige im 'Amtlichen Anzeiger' - Beilage der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: "Bekanntmachung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden - Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen. 
Die Israelitische Kultusgemeinde Nördlingen hat beschlossen, ihr Gebiet auf den Finanzbezirk Nördlingen mit Ausnahme der Gemeinde Wallerstein auszudehnen. Es ergeht hiermit an alle Religionsgenossen, die in dem von der Ausdehnung betroffenen Gebiete wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, die Aufforderung, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 20. September 1928 beim Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen schriftlich oder mündlich einzulegen. 
München, den 6. August 1928. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Straus." 

      
   
Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe    
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim am Ries; Erläuterung gleichfalls von P.K. Müller)  

Geschäftsbrief der Gebrüder Neumark
aus Wallerstein (1840) 
Wallerstein Dok 039.jpg (81888 Byte) Wallerstein Dok 039a.jpg (82649 Byte) Wallerstein Dok 039b.jpg (146855 Byte)
   Der Brief wurde von den Gebr. Neumark am 10. Februar 1840 nach Dörflach bei Marktredwitz geschickt (Poststempel 11. Februar 1840) Inhalt des Briefes
 
     
Brief des Amschel B. Cohen 
nach Trient (1853) 
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  Es handelt sich um einen Brief der Firma A. B. Cohen von Wallerstein, der von Wallerstein nach Trient am 28. Juni 1853 verschickt wurden. Er ist unterschrieben von A. B. Cohen und Anselm Cohen. Aron Benjamin Cohen wurde am 3. Januar 1792 als Sohn von Amschel B. Cohen und Bella Kohn, Tochter des Naphtali Hirsch ben Jehuda Ha-Cohen geboren. Aron Benjamin Cohen erhielt 1821 die Konzession zur Ausübung eines Großhandels. Der zweite Unterzeichner des Briefes - Anselm Cohen (geb. 30.11.1827) war einer von sieben Söhnen des Aron Benjamin Cohen (es gab noch drei Schwestern). Zur selben Zeit, in der Aron Benjamin seines Großhandelskonzession erhielt und zumindest als Kompagnon im väterlichen Geschäft beteiligt wurde, eröffnete sein Bruder Heinrich Cohen sein eigenes Band- und Seidenwarengeschäft in München, dessen späterer Enkel dann der Heinrich Cohen in der Löwengrube 23 war. Das Ende des Münchner Spezialgeschäftes kam 1937, als das Geschäft in den Besitz von Herbert Stiehler, damaliger Chefverkäufer bei Loden-Frey, überging ("Arisierung").
Zu Heinrich Cohen in München mehr im Buch von Rolf Hofmann " Begegnung mit bemerkenswerten Menschen - Lebensbilder jüdischer Persönlichkeiten ". Im Buch " Jüdisches Leben in München - Lesebuch zur Geschichte des Münchner Alltags - Geschichtswettbewerb 1993/94 " findet sich im Kapitel "Münchner Geschäfte" ein Artikel von Robert Brunner: Sachor oder Heinrich Cohen, Löwengrube 23, in dem sehr detailliert auf die Familien- und Geschäfts-Geschichte von Aron Benjamin Cohen und seine Wurzeln in Wallerstein eingegangen wird. 
        
Geschäftskarte Fa. Gabriel Süss-Schülein
 (1912) 
Wallerstein Dok 280.jpg (98047 Byte) Wallerstein Dok 280a.jpg (116576 Byte)
Gabriel Süss-Schülein war verheiratet mit Lina geb. Marx (umgekommen nach der Deportation). Der Sohn war verheiratet mit einer Frau geb. Rosenstein und bestritt seinen Lebensunterhalt als Darmhändler. Nach der Postkarte oben war Gabriel Süss-Schülein Inhaber einer Eisenhandlung und eines Maschinengeschäftes. Die Karte wurde am 20. März 1912 von Wallerstein nach Zöbingen versandt. 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge      
    
Bereits im früheren, am südöstlichen Ortsanfang gelegenen "Judenhof" gab es eine "Judenschule" (Synagoge) mit Lehrer- und Rabbinerwohnung neben dem 1804 abgebrochenen "Judentor". Für die Erlaubnis, Gottesdienste zu feiern, hatte die jüdische Gemeinde 1761 und 1806 jährlich 7 Gulden 30 Kreuzer an "Synagogengeld" zu bezahlen. Voraussetzung dieser Zahlung war, dass die Synagoge auf Kosten der Herrschaft errichtet worden war. Bereits 1790 wollte man eine neue Synagoge erstellen, was an der Finanzierungsfrage scheiterte. Die Gemeinden des Bezirksrabbinates wollten sich damals am Wallersteiner Neubau finanziell nicht beteiligen. Eine neue Synagoge mit Wohnung für Lehrer und Rabbiner konnte erst nach dem Abbruch der alten Synagoge (1804) von 1806 bis 1808 am Eingang zur ehemaligen "Judengasse" an der heutigen Hauptstraße erbaut werden. Die Baukosten betrugen insgesamt etwa 12.000 Gulden, die von der jüdischen Gemeinde selbst aufzubringen waren. Man konnte allerdings eine Kollekte in auswärtigen jüdischen Gemeinden durchführen und wurde von der Herrschaft durch eine "fürstliche Baugnade" mit Baumaterial unterstützt.  
   
Die Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 am 10. November 1938 beschädigt, die Inneneinrichtung und die Ritualien wurden zerstört (darunter ein wertvoller Kiddusch-Becher aus dem Jahr 1750). 
  
Nach 1945
wurde das Gebäude als Kino zweckentfremdet, 1979 abgebrochen. Das Grundstück wurde mit einem Gebäude der Sparkasse überbaut (Hauptstraße 61), das in der Architektur an diejenige des Synagogengebäudes angeglichen wurde.    
        
        
        
Fotos 
Historische Fotos: 
(Quelle: links und Mitte der oberen Reihe aus Volker v. Volckamer s.Lit. S. 203-204; die übrigen Fotos entstammen der Fotosammlung Theodor Harburger und wurden 1927/28 angefertigt. Die Originale der Dias sind in den Central Archives Jerusalem; die Fotos sind veröffentlicht in: Theodor Harburger: Die Inventarisierung s.Lit., teilweise auch in: Pinkas Hakehillot Bavaria hg. von Yad Vashem Jerusalem)

Wallerstein Synagoge 004.jpg (36818 Byte) Wallerstein Synagoge 002.jpg (69138 Byte) Wallerstein Synagoge 003.jpg (59508 Byte)
Johann Georg Bergtold: Plan für den
 Neubau einer Synagoge in Wallerstein 
von 1790 (nicht verwirklicht)
Synagoge und Sechsherrenbau 
auf einem Wallersteiner 
Panorama von 1856
Pläne der Synagoge: oben 
Durchschnitt, unten
Grundriss
       
Wallerstein Synagoge 012.jpg (56478 Byte) Wallerstein Synagoge 011.jpg (52820 Byte) Wallerstein Synagoge 001.jpg (46460 Byte)
Außenansicht der Synagoge 
von Südosten
Außenansicht der Synagoge 
von Südwesten
   
       
Wallerstein Synagoge 005.jpg (51595 Byte) Wallerstein Synagoge 009.jpg (40342 Byte) Wallerstein Synagoge 006.jpg (95010 Byte)
Blick zum Toraschrein 
(Aron-ha-Kodesch) 
Hängeleuchter und Gestühl 
in der Frauenempore
Toraschild um 1700 (heute im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg, Sammlung IKG)
     
Wallerstein Synagoge 007.jpg (93140 Byte) Wallerstein Synagoge 008.jpg (76369 Byte)   
Memorbuch der Gemeinde Wallerstein, angelegt am 12. Dezember 1684 durch Vorbeter Issachar,
 Sohn des Dajan Josef. Rechts zwei Seiten mit Hanoten teschua für Kraft Ernst, 
Fürst zu Oettingen-Oettingen und -Wallerstein. Das Original wurde im November 1938 
zerstört oder entwendet. Eine Kopie ist im Leo-Baeck-Institut New York.
  
   
   

Historische Karten von Wallerstein
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Wallerstein Synagoge 230.jpg (68298 Byte) Wallerstein Synagoge 231.jpg (22065 Byte)
  Die Synagoge am rechten Kartenrand  Die Synagoge: Ausschnitt aus Karte links 
     
Wallerstein Synagoge 290.jpg (45507 Byte) Wallerstein Synagoge 232.jpg (78212 Byte) Wallerstein Synagoge 233.jpg (17672 Byte)
Die Judengasse in Wallerstein, 
heute "Felsenstraße" 
Die Synagoge in der Straße 
oberhalb der Kirche 
Die Synagoge: Ausschnitt 
aus Karte links 
     
  Wallerstein Synagoge 470.jpg (74844 Byte) Wallerstein Synagoge 471.jpg (90117 Byte)
   Ansichtskarte, verschickt am 25. Juli 1928 
       
              
1950 bis 1979: die 
ehemalige Synagoge als Kino
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Wallerstein Syn m01010001.jpg (68504 Byte) Wallerstein Syn m01010002.jpg (46755 Byte)
   Ende 1950 wurde in das Synagogengebäude ein Kino eingebaut; 1979 wurde 
das Gebäude abgebrochen. 

 
Neuere Fotos des Synagogenplatzes
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.3.2004)

Wallerstein Synagoge 113.jpg (47031 Byte) Wallerstein Synagoge 112.jpg (45595 Byte) Wallerstein Synagoge 110.jpg (45039 Byte)
Auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge steht heute ein Gebäude 
der Sparkasse; das Gebäude wurde äußerlich dem früheren 
Synagogengebäude angeglichen  
Die ehemalige Synagoge stand an der 
Ecke Felsenstraße (frühere "Judengasse")/ Hauptstraße 
   
  Wallerstein Synagoge 111.jpg (40781 Byte)  
  Blick in die Felsenstraße, 
frühere "Judengasse"  
 
     
Erinnerungen an die jüdische Geschichte    
Brief aus dem Jahr 1853
(
Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Harburg Wassermann 07.jpg (64356 Byte) Harburg Wassermann 08.jpg (59133 Byte)
   Brief an Elkan Wassermann 
in Mainz  
Absender: Jacob Rothenheim 
in Wallerstein 
     
 Brief des Rabbiners David Seligmann Weiskopf an seinen Sohn Lazarus Weiskopf (vermutlich 1854)  
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
 MWallerstein Dok 070.jpg (55173 Byte)  MWallerstein Dok 071.jpg (43550 Byte)
  Brief mit Wallersteiner Poststempel 
und der Anschrift
Lacksiegel mit den Initialen 
D.S. Weiskopf
     
     
Abbruch ehemaliger jüdischer Häuser in der Felsenstraße, ehemals "Judengasse"  
Wallerstein Abbruch 102.jpg (70870 Byte) Wallerstein Abbruch 100.jpg (80027 Byte) Wallerstein Abbruch 101.jpg (59644 Byte)
In den 1970er-Jahren wurden mehrere der ehemaligen jüdischen Wohnhäuser in der Felsenstraße abgebrochen. Damit wurden mit der Synagoge weitere bauliche Erinnerungen an die jüdische Geschichte des Ortes beseitigt. In dem oben abgebildeten Haus gab es ein im Volksmund sogenanntes "Judenloch" (Foto rechts als Ausschnittsvergrößerung des Fotos in der Mitte), eine gemauerte Nische, in dem religiöse Bücher und Schriften aufbewahrt wurden (Haus-Genisa?). Die Fotos wurden von Manuela Hofmann-Scherrers, Nördlingen, zur Verfügung gestellt. 

    
     

Links und Literatur 

Links:

Website des Marktes Wallerstein
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wallerstein (interner Link)  
Moise Weiskopf 01.jpg (82320 Byte)Informationen zum Stammbaum der Familie Weisskopf; Weisskopf Chart Comment (erstellt von Rolf Hofmann, interner Link)
links: Moise Weisskopf (Mitte), Sohn von David Weisskopf, im hohen Alter anlässlich eines Buches in New York  
MAYER-WEISKOPF.jpg (53346 Byte)Family sheet Mayer Weiskopf of Aub + Wallerstein + Fischach + Fuerth   
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia" 
Website des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg mit Seite zur jüdischen Geschichte in Wallerstein   
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben  www.jkmas.de  
Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben www.juedisches-schwaben-netzwerk.de  
Digitales Synagogenarchiv für Bayerisch-Schwaben www.synagogenarchiv.jkmas.de beziehungsweise http://archiv.jkmas.de    

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 863; III,2 S. 1553.
Ludwig Müller: Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Riess. in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 26 1899 S. 81-183.
Ludwig Brutscher: Der Rabbi von Prag. Leben und Leiden des Jomtow Lipmann Heller-Wallerstein, in: Nordschwaben 1979 S. 207-210.
Gernot Römer: Der Leidensweg der Juden in Schwaben. Schicksale von 1933-1945 in Berichten, Dokumenten und Zahlen. Augsburg 1983.
ders.: Die Austreibung der Juden aus Schwaben. Schicksale nach 1933 in Berichten, Dokumenten, Zahlen und Bildern. Augsburg 1987.
ders.: Schwäbische Juden. Leben und Leistungen aus zwei Jahrhunderten. In Selbstzeugnissen, Berichten und Bildern. Augsburg 1990.
Volker von Volckamer: Aus dem Land der Grafen und Fürsten zu Oettingen. Kalenderbilder und Kalendergeschichten. Wallerstein 1995. Hierin ist der Wallersteiner Kalender 1983 aufgenommen worden: "Von den Juden im Ries. Friedhöfe und Synagogen" S. 157-208.
Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken-Fürth & Schnaittach. Fürth 1998 Bd. 3 S. 752-765 (zu Wallerstein).
Michael Schneeberger: Die Geschichte der Juden in Wallerstein. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern (10). In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 20. Jg. Nr. 97 April 2005 S. 30-39.
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu.    (mit umfassenden Quellen- und Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Wallerstein S. 530-539.  
Reese Lit 020.jpg (145046 Byte)Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band 6. 
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN 978-3-9808482-2-0  
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der 'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum 'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart, Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von 12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de.   
Schwaben Synagogen Lit 1401.jpg (163447 Byte)"Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben. Mit Beiträgen von Henry G. Brandt, Rolf Kießling, Ulrich Knufinke und Otto Lohr. Hrsg. von Benigna Schönhagen. JKM Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. 2014. 
Der Katalog erschien zur Wanderausstellung "Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben des Jüdischen Kultusmuseums Augsburg-Schwaben und des Netzwerks Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben.  

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wallerstein  Swabia. A community was formed around the end of the 13th century, suffering from persecution in 1358. A new community existed in the first half of the 15th century. R. Yom Tov Lippmann Heller (1579-1654), the famous Mishna commentator, was born and educated there. The Jews of Wallerstein found temporary refuge in Noerdlingen during the Thirty Years War (1618-1648) and again in 1672. They fled there during the fighting in 1701-04 as well. The Jews maintained a stable population of around 40 families from the late 17th century to the mid-18th century, with Wallerstein the seat of the state rabbinate for nearly 200 years until 1809. Jews engaged in moneylending and the horse and cattle trade as well as real estate brokerage. A new synagogue was built in 1807. By 1867 the community numbered 78 (total 1.372); in 1933, 16. Six Jews left in 1936-39 and the last five were deported to Piaski (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.   
   
     

                    
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge 

               

 

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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Februar 2015