Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Übersicht über die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land und in Ostfriesland    
  

Emden (Kreisstadt, Niedersachsen) 
Die jüdischen Friedhöfe 
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
     
Siehe Seite zur Synagoge in Emden (interner Link)         
     
     
Zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe             
     
Ein alter jüdischer Friedhof lag ursprünglich außerhalb der Stadt im heutigen Stadtteil Tholenswehr am Treckfahrtstief (Kanal nach Aurich). Dieser Friedhof wurde im 17. Jahrhundert (bis zur Anlage des neuen Friedhofes 1703) belegt. Auch die Juden aus Weener, Bunge, Jemgum und Stapelmoor setzten ihre Toten auf diesem Friedhof bis 1670 bei. 
In diesem Jahr (1670) bat die Judenschaft von Jemgum in einem Schreiben an die Fürstin Christine Charlotte darum, einen eigenen "Gottesacker für unsere Todten" anlegen zu dürfen. Hauptgrund für dieses Anliegen war die insbesondere im Winter als sehr beschwerlich und gefährlich empfundene Überführung der Toten über die Ems nach Emden.
Von dem alten jüdischen Friedhof in Emden sind auf dem Friedhof selbst keine Steine sichtbar erhalten. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts waren diese in dem weichen Boden am Rande des Kanals versackt. Auf einem Foto von 1933 sind noch drei Grabplatten zu erkennen. 1953 wurden bei Anlage einer Straße in diesem Bereich Grabsteine gefunden. Eine Gedenkstein ist aufgestellt (siehe Fotos unten). 
       
Ein neuer jüdischer Friedhof wurde 1703 angelegt. Auf ihm wurden bis zur Gegenwart etwa 800 Beisetzungen vorgenommen. Der Friedhof liegt an der Bollwerkstraße (früher Sandpfad). 
Eine auffällige Gruppe von 35 Steinen liegen gleichmäßig in einer Reihe. Möglicherweise standen oder lagen sie ursprünglich auf dem alten Friedhof.   
      
Besondere Ereignisse nach 1945:

Am 9. November 1978 ("40 Jahre Pogromnacht") wurden am Eingang des Friedhof unter großer öffentlicher Anteilnahme zwei bronzene Gedenktafeln angebracht. Kantor Stollberg aus Hannover war anwesend. 
Mitte Juni 1980 kam es zu Schändungen auf dem Friedhof. Die Taten blieben unaufgeklärt. 
Im Herbst 1989 beschließt der Rat der Stadt Emden die Errichtung eines Denkmales auf dem jüdischen Friedhof. 
Am 28. August 1990 wird die Gedenkstätte auf dem Friedhof durch Landesrabbiner Henry Brandt (Hannover) eingeweiht. Drei Granitstelen tragen die Namen von 465 Emder Juden, die in der Shoa ermordet wurden bzw. umgekommen sind. Etwa 50 frühere jüdische Emder Juden aus verschiedenen Ländern sind anwesend. Die Öffentlichkeit nimmt großen Anteil. 
2000-2008: Umfassende Restaurierungsmaßnahmen auf dem Friedhof  

Pressebericht vom November 2008: Langjährige Restaurierung des Friedhofes abgeschlossen 

Pressemitteilung vom 19. November 2008 (aus www.taz.de, Artikel). "Jüdischer Friedhof offen
In Emden wurde der jüdische Friedhof nach der seit acht Jahren andauernden Restauration wieder eröffnet

Mit einem Gebet für die Toten ist am Dienstag der restaurierte jüdische Friedhof in Emden wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Das nach dem Krieg verfallene Gelände war vom Jahr 2000 an mit rund 400.000 Euro aus Mitteln des Denkmalschutzes, der Stadt Emden und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden erneuert worden. 
Nach Angaben des Verbandes gibt es in Niedersachsen noch 210 jüdische Friedhöfe, jedoch nur noch 13 Gemeinden. Vandalismus und Schändungen von Grabsteinen seien ein Problem, sagte ein Sprecher. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten sei in den vergangenen Jahren jedoch gleich geblieben. Der Friedhof wurde im 18. Jahrhundert angelegt. Nach der Vertreibung der Juden und dem Zweiten Weltkrieg verfiel er und wurde wegen Baufälligkeit geschlossen. Heute zählt er noch rund 800 Grabsteine. Sie belegen eine Nutzung vom Jahr 1703 an bis 1963. In Emden gab es lange Zeit eine bedeutende jüdische Gemeinde. Sie war neben Hannover die größte in der Provinz. Davon zeugt das weiträumige und bewaldete Friedhofsgrundstück innerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Die Grabsteine tragen häufig noch hebräische Inschriften. Zwischen 1933 bis 1941 wurde die jüdische Gemeinde in Emden wie in anderen Städten Ostfrieslands systematisch zerstört, die Menschen wurden vertrieben und allein aus Emden 500 von ihnen ermordet. An sie erinnert eine Stele und ein Mahnmal mit den Namen der Konzentrationslager in Europa."   

   
   
Die Lage der Friedhöfe   
Lage der jüdischen Friedhöfe in Emden auf dem dortigen Stadtplan: 
links anklicken und unter "Behörden und öffentliche Einrichtungen" 
weiterklicken zu (alter Friedhof:) "Friedhof, jüd., Tholenswehr" 
bzw. zu (neuer Friedhof:)  "Friedhof, jüd., Emden"

    
Links zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert jeweils die Lage des Friedhofes)  

Lage des alten Friedhofes am Tholenswehr  Lage des neuen Friedhofes (seit 1703)  

Größere Kartenansicht   

Größere Kartenansicht 

   
   
Fotos:  

Fotos des alten jüdischen Friedhofes Tholenswehr 
(Fotos: Dieter Peters, Aachen, Aufnahmedatum 30.7.2009) 
   
Emden Friedhof al170.jpg (104135 Byte) Emden Friedhof al171.jpg (117713 Byte) Emden Friedhof al172.jpg (110937 Byte)
Blick über den 
alten Friedhof  
Der Gedenkstein mit der Inschrift "Zum Gedenken an den israelitischen Friedhof" und
 hebräischem und deutschem Bibelzitat aus Psalm 44,23: "Für Dich ließen wir uns
 würgen, alle Tage geachtet wie die Schafe an der Schlachtbank
. 44. Psalm 23. Vers" 
 
     
Fotos des jüdischen Friedhofes Bollwerkstraße
(Fotos: Dieter Peters, Aachen, Aufnahmedatum 30.7.2009)  
 
Emden Friedhof n270.jpg (110721 Byte) Emden Friedhof n272.jpg (63657 Byte)  Emden Friedhof n273.jpg (72088 Byte)
Das Eingangstor mit den 1978 angebrachten Gedenktafeln; auf dem linken Pfosten 
für die Synagoge: "Zum Gedenken an die Synagoge der jüdischen Gemeinde 
der Stadt Emden. Frevelhaft zerstört am 9. November 1938;  
rechts hebräisches und deutsches Zitat aus
 Jeremia 8,23 (kursiv nur hebräisch): "Wäre
 doch mein Kopf ein Gewässer und meine
 Augen ein Tränenquell
- ungestillt rinnt die
 Träne um die Erschlagenen unseres Volkes."
 
     
Emden Friedhof n271.jpg (114414 Byte) Emden Friedhof n274.jpg (50634 Byte) Emden Friedhof n275.jpg (132375 Byte)
Blick vom Friedhof 
zum Eingangstor 
Hinweis auf Restaurierung
 der Grabsteine 
Gedenkwand mit 
Grabsteinfragmenten 
     
Emden Friedhof n276.jpg (116697 Byte) Emden Friedhof n277.jpg (126569 Byte) Emden Friedhof n278.jpg (116351 Byte)
Gedenkwand mit Grabsteinfragmenten  "Hier ruht eine bedeutende Frau, 
Frau Esther, Tochter des Herrn..
." 
 
       
Emden Friedhof n279.jpg (116242 Byte) Emden Friedhof n284.jpg (139753 Byte) Emden Friedhof n285.jpg (119184 Byte)
Teilansichten des Friedhofes 
      
Emden Friedhof n282.jpg (114482 Byte) Emden Friedhof n283.jpg (112506 Byte) Emden Friedhof n286.jpg (125944 Byte)
In der Mitte ein als Sarkophag 
gestalteter Grabstein 
Grabsteine aus der Zeit 
um 1870 
Liegende Grabsteinplatten nach
 sephardischer Tradition 
      
Emden Friedhof n281.jpg (128968 Byte) Emden Friedhof n287.jpg (124292 Byte) Emden Friedhof n280.jpg (125052 Byte)
Teilansichten des Friedhofes  Im neueren Teil des Friedhofes, links 
ist die Gedenkstätte zu erkennen. 
  
     
Emden Friedhof n288.jpg (105805 Byte) Emden Friedhof n289.jpg (131762 Byte) Emden Friedhof n290.jpg (130198 Byte)
 Teilansichten des Friedhofes  Grabsteine aus den 1930-er Jahren, links 
für Louis Meyer (1843-1933), rechts für
 Jacob Michel de Beer (1855-1932) 
  
     
Emden Friedhof n302.jpg (113624 Byte) Emden Friedhof n299.jpg (94776 Byte) Emden Friedhof n300.jpg (75259 Byte)
Der beschädigte Grabstein oben mit schöner
 Pflanzenornamentik datiert auf Juni 1750 
Grabstein für Marianne Nussbaum geb. Gossels (1837-1913) mit Rosenschale 
 
     
Emden Friedhof n296.jpg (122348 Byte) Emden Friedhof n297.jpg (109059 Byte) Emden Friedhof n298.jpg (92719 Byte)
Grabstein für Sophie Hartogsohn geb. Neuburg (1849-1902) mit Baum am Sockel, deutscher Inschrift auf der einen Seite, 
hebräischer Inschrift auf der anderen Seite (hier auch ineinandergelegte Hände als Zeichen der Verbundenheit, Ehrenkranz am 
Sockel und pflanzlicher Ornamentik) für "Serche (Sophie), Tochter des Schlomo, Frau des Herrn Uri Hartogsohn"
gest. 4. Nisan 5662 = 11. April 1902. 
     
Emden Friedhof n303.jpg (91495 Byte) Emden Friedhof n301.jpg (77513 Byte)    
Grabstein mit Palme für 
"Jaakow Bar Mosche", 
gest. 8. Nissan 5593 = 28. März 1833 
Grabstein für Lucie Visser
(1908-1930) 
   
   
     
Emden Friedhof n293.jpg (111744 Byte) Emden Friedhof n292.jpg (118965 Byte) Emden Friedhof n291.jpg (122440 Byte)
Die 1990 eingeweihte Gedenkstätte mit verschiedenen Inschriften und den Namen von 465 aus Emden in der NS-Zeit ermordeten Juden
 - "Die Bürger der Stadt Emden trauern um ihre jüdischen Mitbürger, Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-1945" 
      
Emden Friedhof n294.jpg (79523 Byte) Emden Friedhof n295.jpg (119841 Byte)   
 Gedenkinschrift und erste Namen A-B  Ein Teil der 465 Namen   
     
Ältere Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: Juli 1987 
   
Emden Friedhof 113.jpg (69352 Byte) Emden Friedhof 111.jpg (48780 Byte) Emden Friedhof 112.jpg (48128 Byte)
     
Das Eingangstor zum Friedhof
 Bollwerkstraße 
Gedenktafel für die zerstörte 
Synagoge der Stadt Emden 
Bibelzitat aus Jeremia 8,23 
wie oben 
      
Emden Friedhof 103.jpg (82925 Byte) Emden Friedhof 108.jpg (81542 Byte) Emden Friedhof 107.jpg (83604 Byte)
Teilansichten des Friedhofes 
  
Emden Friedhof 109.jpg (41820 Byte) Emden Friedhof 110.jpg (67708 Byte) Emden Friedhof 106.jpg (60326 Byte)
  Liegende 
Grabsteinplatte   
Rein hebräisch beschriebene Grabsteine,
 beide mit dem Symbol der 
abgeknickten Blume 
 
     
Emden Friedhof 104.jpg (38967 Byte) Emden Friedhof 101.jpg (48018 Byte) Emden Friedhof 100.jpg (51358 Byte)
Levitenkanne für einen Verstorbenen 
aus dem Geschlecht der Leviten
Symbol der abgeknickten Blume 
aus Zeiten der Trauer
Symbol der Palme
   
     
Emden Friedhof 102.jpg (78339 Byte) Emden Friedhof 114.jpg (65347 Byte) Emden Friedhof 200.jpg (49581 Byte)
Neuere Gräber  Die Reihe mit den 35 liegenden
 Grabsteinen nach sephardischer Tradition
 (vermutlich vom alten jüdischen Friedhof) 
Einweihung der Gedenkstätte auf dem
 Friedhof am 28.8.1990 
(Foto R. Claudi, Quelle)  
    

   
   

Links und Literatur 

Links: 

Arbeitskreis Juden in Emden e.V. mit zahlreichen Unterseiten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Seite zur Synagoge in Emden (interner Link)    

Literatur:  

Bernhard Brilling: Die Entstehung der jüdischen Gemeinde in Emden.
Jan Lokers: Die Juden in Emden im Spannungsfeld zwischen Landesherrn und Stadt.
beide Beiträge In: Frisia Judaica. Beiträge zur Geschichte der Juden in Ostfriesland (Hg. von Herbert Reyer und Martin Tielke). Aurich 1988 (= Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands. Bd. 67). S. 27-44 und S. 45-58.  
Jan Lokers: Die Juden in Emden 1530-1806. Verlag Ostfriesische Landschaft. Aurich 1990.  
weitere Literatur wird genannt auf einer Zusammenstellung des Arbeitskreises Juden in Emden e.V.: hier anklicken 
Ostfriesland Lit 13004.jpg (73854 Byte)Reise ins jüdische Ostfriesland. Hrsg. von der Ostfriesischen Landschaft - Kulturagentur  Georgswall 1-5  26603 Aurich. Tel. 04941-179957  E-Mail: kultur[et]ostfriesischelandschaft.de. Erschienen im Juli 2013. 67 S. Kostenlos beziehbar. 
Internet: www.ostfriesischelandschaft.de 
"Reise ins jüdische Ostfriesland" ist ein gemeinsames Projekt im Rahmen des dritten kulturtouristischen Themenjahres "Land der Entdeckungen 2013". Am 9. November 2013 jährte sich zum 75. Mal die Pogromnacht von 1938 in Deutschland. Dies haben 17 Einrichtungen, davon neun Museen und fast alle ehemaligen Synagogengemeinden zum Anlass genommen, sich unter dem Titel "Reise ins jüdische Ostfriesland" zusammenzuschließen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwand die jüdische Kultur im Vergleich zum übrigen Deutschland hier bemerkenswert schnell aus dem bis dahin gemeinsamen Alltagsleben von Juden und Nichtjuden. "Reise ins jüdische Ostfriesland" will an das einst lebendige jüdische Leben in der Region erinnern.
Die Projekte zeigen in beeindruckender Weise, wie ein Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Allen jedoch geht es insbesondere darum, dem vielfältigen jüdischen Leben in Ostfriesland bis zur Shoah und darüber hinaus wieder ein Gesicht zu geben. Denn Erinnerung ist ein Weg zur Heilung und damit zur Versöhnung.  

  
   

                   
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Stand: 25. Dezember 2013