Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Emden Synagoge 190n.jpg (33725 Byte) Emden (Kreisstadt, Ostfriesland / Niedersachsen)
mit Orten der Umgebung 
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde (gesammelt aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts) 
  hierzu bestehen drei weitere Seiten
            - Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben sowie zu Einrichtungen der Gemeinde 
            - Berichte zu den Rabbinern und Lehrern der jüdischen Gemeinde sowie der jüdischen Schule 
            - Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Emden bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Nach alten, historisch nicht belegbaren Legenden soll es schon im Altertum Juden in der Stadt gegeben haben. Bereits nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus (70 n.d.Z.) sollen jüdische Gefangene in Emden an Land gesetzt worden sein. Nach dem friesischen Geschichtsschreiber Eggerik Beninga (1490-1562; Chronik van Oostfriesland. E. 1723) soll schon nach der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar eine Anzahl jüdischer Familien an die Nordseeküste in Ostfriesland gekommen sein. 
 
Zu vermuten ist, dass es im 14. Jahrhundert erstmals - eventuell auch nur vorübergehend - Juden in der Stadt gegeben hat, doch liegen aus der ganzen Zeit des Mittelalters keine urkundlichen Nachweise vor.
 
Seit 1571 lassen sich Juden in der Stadt nachweisen, doch dürften die ersten Niederlassungen bereits einige Jahre zuvor gewesen sein; nach verschiedenen (späteren Quellen) gab es seit etwa 1530 Juden in der Stadt. Die ersten jüdischen Familien war aschkenasischer Herkunft, erst später (frühestens nach 1649 beziehungsweise erst um 1700) und auch nur 1712 gab es auch einige sefardische jüdische Familien (portugiesische Marranos) in Emden. Ein erstes Schutzgeldverzeichnis liegt aus dem Jahr 1589 vor (sechs 'deutsche' jüdische Familien). Zunächst standen die Juden der Stadt unter dem Schutz des ostfriesischen Grafenhauses, Anfang des 17. Jahrhundert ging der Judenschutz auf die Stadt über.   
  
1613 gab es 16 jüdische Familien in der Stadt, 1624 21 Familien; bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl zu auf 98 Familien (1741). Von Emden aus gab es bereits im 17. Jahrhundert erste Auswanderungen nach Amerika; 1696 spielte Abraham Isaack aus Emden eine wichtige Rolle beim Aufbau der damals einzige Synagoge in New York. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der höchste Anteil der jüdischen Einwohner an der Gesamteinwohnerschaft erreicht (1771 waren 7,6 % der Einwohnerschaft jüdisch). 
 
Zur jüdischen Gemeinde in Emden gehörten auch die in der Umgebung der Stadt lebenden jüdischen Familien (Greetsiel, ldersum, Pewsum, Rysum, Wirdum, Woquard).  
  
Bereits seit dem 17. Jahrhunderts war Emden Sitz eines Rabbiners, von 1827 bis 1939 Sitz eines Landrabbiners, zuständig zunächst für die jüdischen Gemeinden in Ostfriesland, im Verlauf der Jahrzehnte für die jüdischen Gemeinden der weiteren Umgebung. Der erste namentlich bekannte Rabbiner Uri Halewi (= Philips Joost/Feibisch Emden, ca. 1540-1620/25) kam nach der Vertreibung der Juden aus Braunschweig nach Ostfriesland (war seit 1602 in Amsterdam). Im 18. Jahrhundert war der bedeutendste Rabbiner in der Stadt Jakob Emden (1697-1776), der seit 1729 drei Jahre lang Rabbiner in Emden war.  
  
Die jüdischen Familien konnten im 17./18. Jahrhundert unter dem Schutz des Magistrats sehr freizügig ihren wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen nachgehen. Ihnen war Haus- und Grundbesitz erlaubt. Es gab kaum Zuzugsbeschränkungen. Die Zahl der wohlhabenden jüdischen Familien blieb jedoch immer gering (etwa 10 % der Familien). Rund zwei Drittel der Gemeindeglieder - meist Familien von Trödelhändlern und Schlachter - gehörten zur Unterschicht der jüdischen Gemeinde. Erst die Übernahme Ostfrieslands durch Preußen 1744 brachte eine deutliche Verschlechterung der Lage des Juden in der Stadt. Gegen Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) kam es erstmals zu Ausschreitungen gegen Juden im Zusammenhang mit den schlechter Wirtschaftsverhältnissen während des Krieges.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 490 jüdische Einwohner (4,4 % von insgesamt 11.128 Einwohnern), 1828 802 (6,7 %), 1848 730 (5,7 % von 12.727), 1861 758 (6,2 % von 12.139), 1871 681 (5,4 % von 12.588), 1885 663 (4,7 % von 14.019), 1895 726 (5,0 % von 14.485), 1905 809 (3,9 % von 20.754). 
 
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die Juden in Emden noch mit zahlreichen rechtlichen Einschränkungen zu kämpfen. Das Ministerium des Königreiches Hannover wollte die Zahl der Juden in Emden und Ostfriesland durch verschiedene Maßnahmen vermindern. Dadurch ging die Zahl der jüdischen Einwohner von 1828 (802) bis 1842 (691) zurück. Erst in den 1840er-Jahren kam es wieder zu Verbesserungen der Lage der Juden in der Stadt: 1843 wurden die ersten jüdischen Einwohner offiziell Emder Bürger; bis 1852 erhielten insgesamt 46 Emder Juden das Bürgerrecht. Die Mehrzahl der Emder Juden lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch vom Klein- und Trödelhandel, von kleineren Geldgeschäften auf Pfändern, vom Viehhandel und vom Schlachtergewerbe. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch jüdische Handwerker und Akademiker (Ärzte wie Dr. Carl Joseph Norden, Adolph Leers, Rechtsanwälte u.a.m.).      
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren neben dem Rabbiner meist mehrere Kultusbeamten (Lehrer, Vorbeter, Schochet) angestellt. 1843/45 wurde in der Judenstraße neben der Synagoge eine drei, später zweiklassige Gemeindeschule errichtet. An dieser unterrichteten 1858 drei Lehrer der Gemeinde (vgl. Ausschreibungen der Stellen in der Textseite).  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Jonas de Beer (geb. 27.2.1892 in Emden, gef. 17.9.1916), Ludwig Fulde (geb. 7.1.1889 in Emden, gef. 27.6.1915), Harry Gans (geb. 15.8.1895 in Emden, gef. 18.4.1917), Unteroffizier Arnold Italjener (geb. 1.4.1893 in Emden, gef. 30.7.1918), Richard Koppel (gen. 15.12.1897 in Pewsum, gef. 14.10.1917), Jakob Seligmann geb. 2.6.1898 in Emden, gef. 21.3.1918), Jakob Valk (geb. 6.10.1882 in Emden, gef. 2.3.1917), Salomon Visser (geb. 22.4.1889 in Emden, gef. 13.7.1917), Max Windmüller (geb. 9.10.1886 in Emden, gef. 21.2.1915). Außerdem ist gefallen: Iwan Pels (geb. 25.5.1890 in Emden, vor 1914 in Herne, Westfalen wohnhaft, gef. 19.1.1915).         
 
Um 1925, als zur Gemeinde etwa 700 Personen gehörten (ca. 3 % von insgesamt 30.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jacob S. Pels (wohnt Kettenbrücke), Philipp Meyer, S. Nordheimer und Rendant Gottschalk. Der Repräsentanz gehörten an: Hermann Hartogsohn, S. H. Schönberg, Wolf Balk, Katzenstein, Max v.d. Walde, S. v.d. Wyk, Arnold Visser, Louis ten Brink und Louis Pels. Landrabbiner S. Blum hatte seinen Sitz in der Judenstraße 43. Als Kantor und Schochet war Joel Hes tätig, gleichfalls B. Schwarz. Die Jüdische Volksschule wurde von 60 Kindern besucht, Leiter war Lehrer B. Apt, weiterer Lehrer Julius Gottschalk. 40 jüdische Schüler an den höheren Schulen erhielten ihren Religionsunterricht an der jüdischen Volksschule.
   
1932 bildeten vier Personen den Gemeindevorstand: Louis Wolff (1. Vors., wohnt Kleine Faldernstraße), Max v.d. Walde (2. Vors.), Hermann Seligmann (3. Vors.). Der Repräsentanz gehörten neun Gemeindemitglieder an unter dem Vorsitz von: Hermann Hartogsohn (1. Vors.; wohnt Okkotombrokstraße), L. ten Brink (2. Vors.), Simon Pels (3. Vors., wohnt Am Bollwerk). Der Gemeindevorstand hatte einen Bauausschuss (Vorsitzender Louis Wolff), einen Synagogenausschuss (Vorsitzender Max v.d. Walde) und einen Steuerausschuss (Vorsitzender Hermann Seligmann). Weiterhin war Landrabbiner Dr. Blum; Oberkantor war inzwischen I. Wolkenfeld (wohnt Kl. Osterstraße 39), Kantor S. Igler (wohnt Judenstraße 40). Die Jüdische Volksschule wurde von 61 Kindern besucht (2 Klassen); den Religionsunterricht erhielten 80 Kinder. Schulleiter war Lehrer S. Hirschberg (wohnt Zw. bd. Sylen 2), weiterer Lehrer der bereits genannte Julius Gottschalk.    

An jüdischen Einrichtungen bestanden 
- das Israelitische Waisenhaus (Esrath Jessomim) mit 24 Plätzen, je 12 Mädchen und 12 Knaben (gegründet 1886; Claas-Tholenstraße; 1924 Vorsitzender Landrabbiner Blum; Leiter: Emil Zielinsky; Aufnahme von verwaisten schulpflichtigen Kindern und solchen, denen es an geeigneter häuslicher Erziehung fehlt; für soziale Härtefälle aus dem Rabbinatsbezirk Ostfriesland-Osnabrück gab es auch Freistellen) sowie 
- das Israelitische Asyl für den Landrabbinatsbezirk Aurich und Osnabrück (Machseh Loewjaunum, gegründet 1879; Altersheim, Schonhovenstraße 8 mit 8 Plätzen (4 männlich und 4 weiblich); Träger: Asyl-Verein, 1924 unter Vorsitz von Jabob Pels; Leitung des Asyls: Frau Bundheim [Witwe von Simon B.] ). 
 
Zur jüdischen Gemeinde Emden gehörten auch die in umliegenden Orten lebenden jüdischen Personen: in Oldersum (1924 23 Personen; Vorsteher der Filiale war S. Cohen; 1932 9), in Woquard (1924 5 Personen, 1932 2) und in Wirdum (1924 6 Personen. 1932 2).  
 
An jüdischen Vereinen bestanden: die Israelitische Kranken- und Beerdigungsbrüderschaft e.V. (gegründet 1661, 1924/32 unter Vorsitz von Moritz v.d. Berg (Ulrichstraße 17), W. D. d. Beer und M. Löwenstein mit 180/200 Mitgliedern; Ziel und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Bestattung) der weibliche Kranken- und Beerdigungsverein (1924 unter Leitung von Frau B. Selig, Edzardstraße 19, Frau S. Gossels und Frau Is. Gossels; der Verein Esches Chajil (gegründet 1848; 1924 unter Leitung von Frau B. Selig, Frau B. de Leuw und Frau G. Gossels, 1932 unter Leitung von Frau de Leuw mit 110 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege, Berufsausbildung hilfsbedürftiger Mädchen und Frauen), der Verein für durchreisende Arme Hachnossath Orchim e.V. (gegründet 1846; Zweck und Arbeitsgebiet: für durchreisende Arme / Wanderfürsorge; 1924/32 unter Leitung von J. Gans [Kleine Faldernstraße 14] und L. ten Brink mit 91 Mitgliedern), der Knabenverein Derech Z'dokoh e.V. (gegründet 1860, 1924 unter Leitung von Louis Wolff, Leo Sternberg und Lehrer Julius Gottschalk; 1932 unter Leitung von Lehrer Gottschalk [Wallstraße]; Zweck und Arbeitsgebiet: Pessach-Versorgung, Jugendfürsorge); der Jüdische Jugendbund (Literatur und Sportverein; 1924 unter Leitung von Julius Gottschalk; 1932 unter Leitung von Ida Polak [Neutorstraße]); der Club jüdischer Mädchen (1924 unter Leitung von Frieda S. Falk, 1932 nicht genannt); die Ortsgruppe der Agudas Jisroel Jugendorganisation (1924/32 unter Leitung von Jacob v.d. Walde); die Ortsgruppe des Brith Haolim (1924 unter Leitung von Isi Falk, 1932 nicht genannt), der Israelitische Mäntelchen-Berein (Bigde S'rod; 1924 unter Leitung von Frau Phil. Meyer und der Frau von Landrabbiner Blum; 1932 unter Leitung von Fr. Polak), der Talmud-Tora-Verein (1924/32 unter Leitung von Landrabbiner Dr. Blum und Ph. Meyer mit 44 Mitgliedern), der Verein Moaus Laewjon (1924 unter Leitung von Is. v.d. Walde und Is. Fulda mit 15 Mitgliedern, 1932 nicht genannt), der Verein Malbisch Arumim e.V. (gegründet 1900; 1924/32 unter Leitung von Lazarus Nordheimer, Mos. v.d. Berg und Jac. Gans mit 21/19 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Bekleidung Hilfsbedürftiger), der Verein Hachnossat Kallo e.V. (gegründet 1811; 1924/32 unter Leitung von Lazarus Nordheimer, Fr. Isr. Hartogsohn, Is. Seligmann, H. von Cleef, Abr. Weinberg mit 40 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Brautausstattung), der Verein Orach Chajim (1924 unter Leitung von Phil. Meyer und Jac. Pels), der Verein Bachure Chemed e.V. (gegründet 1800; 1924/32 unter Leitung von Lazarus Nordheimer [Alter Markt 12] mit 14/9 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Versorgung Hilfsbedürftiger zu Pessach), der Verein Roeh Simchah (1924 unter Leitung von H. v.d. Walde, Viktor Gossels und Valk mit 15 Mitgliedern), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von Dr. Sternberg [Gr. Brückstraße] und Hermann Seligmann; 1932 unter Leitung von Hermann Seligmann, eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Arnold Visser mit 45 Mitgliedern; 1932 unter Leitung von Leo Sternberg), eine Zionistische Ortsgruppe (1932 unter Vorsitz von Dr. Kretschmer). 
Die Wohltätigkeitsvereine (1932 acht der oben genannten Vereine) arbeiteten zusammen in einer "Örtlichen Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege - Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsvereine (1932 unter Vorsitz von Moritz v.d. Berg [Ulrichstraße 17]; Zweck und Arbeitsgebiet: Zusammenschluss der Wohlfahrtspflege).          
   
1933 lebten 581 jüdische Personen in der Stadt (von insgesamt 34.111 Einwohnern).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (bis 1938 etwa ein Viertel) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1933 sind durch SA-Leute zahlreiche Schaufenster der jüdischen Läden eingeworfen worden. Anfang 1934 wurden Fensterscheiben von Emder Einwohnern eingeworfen, die noch in jüdischen Geschäften kauften. 1935 wurde Juden der Besuch der städtischen Badeanstalt verboten. Bis 1937 wurden insgesamt 47 jüdische Gewerbebetriebe, Häuser und Grundstücke an nichtjüdische Personen verkauft. Bis 1938/39 sind alle jüdischen Geschäfte zwangsweise geschlossen beziehungsweise verkauft worden. Am 1. September 1938 wurden noch 430 jüdische Einwohner gezählt. Ende Oktober 1938 wurden fünf ostjüdische Familien (24 Personen) zwangsweise nach Polen ausgewiesen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Jüdische Familien wurden aus ihren Wohnung geholt; Männer, Frauen und Kinder wurden misshandelt , beschimpft und verhöhnt. Die jüdischen Geschäfte wurden demoliert und geplündert. Die meisten der jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt und wochenlang festgehalten, unter ihnen war Rabbiner Blum. Am 8. November 1939 wurden noch 320 jüdische Einwohner gezählt (von insgesamt 34.786). Im Februar und März 1940 mussten fast alle jüdischen Einwohner Emden verlassen. Sie wurden in andere größere Städte "ausgesiedelt", dort in Judenhäusern zusammengepfercht und zur Zwangsarbeit herangezogen.   
  
Von den in Emden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit zahlreiche umgekommen- Eine Zusammenstellung der Namen kann hier nicht vorgenommen werden, vgl. die Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945") mit Eingabe von "Emden" als Geburtsort: 361 Namen; "Emden" als Wohnort: 383 Namen; insgesamt 528 Namen (bei Abzug derjenigen, die in Emden geboren sind und 1933ff immer noch dort wohnten). Nach Angaben des "Historischen Handbuches" (s.Lit.) sind die Namen von 465 ermordeten Juden aus Emden bekannt, die entweder 1933 oder in den Jahren vorher hier gelebt hatten oder in der NS-Zeit, teilweise unter Zwang, nach Emden umgesiedelt waren. Diese 465 Namen stehen auf einem 1990 im jüdischen Friedhof eingeweiht Denkmal.  
  
Nach 1945 kehrten nur wenige frühere jüdische Einwohner, die die NS-Zeit überlebt hatten, nach Emden zurück. 1949 wurde eine neue Synagogengemeinde als Verein gegründet. Der Verein bestand bis 1984, als ihm nur noch ein Mitglied angehörte. Seitdem gehören die wenigen jüdischen Einwohner Emdens zur Synagogengemeinde Oldenburg.           
    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge          
   
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts gab es eine Synagoge beziehungsweise einen Betraum der jüdischen Familien in der Stadt. Zwischen 1589 und 1593 beschwerten sich der Magistrat und besonders die calvinistische Geistlichkeit immer wieder über die jüdischen Gottesdienste und forderten die Vertreibung der Juden aus der Stadt, doch ohne Erfolg. 
 
Eine erste Synagoge unbekannten Baujahres (ein Toraschrein von 1681 befand sich im Gebäude) stand verborgen zwischen zwischen zwei Häuserzeilen zwischen den früheren Straßen "Sandpfad" (Nr. 5; heute Bollwerkstraße) und "Judenstraße" (1933 bis 1998 Webergildestraße, heute Max-Windmüller-Straße). Nachdem ein Teil der Synagoge bei einem Gottesdienst 1835 eingestürzt war, musste sie baupolizeilich geschlossen werden.    
   
Eine neue Synagoge wurde 1836 an Stelle der alten Synagoge erbaut. Sie war jedoch größer und viel prächtiger als der Vorgängerbau. Zur Finanzierung musste die Gemeinde Kredite trotz eingegangener Spenden aufnehmen. Der Toraschrein von 1681 wurde in die neue Synagoge übernommen. Landrabbiner Abraham Heymann Löwenstamm nahm die Einweihung der Synagoge vor. 
 
1910 wurde die Synagoge durch einen Erweiterungsanbau vergrößert, in dem sich nun auch der Sitzungssaal und die Mikwe (rituelles Bad) befanden. In der Synagoge gab es 320 Plätze für die Männer und 250 für die Frauen (auf der Empore). Aus der Geschichte der Synagoge liegen einzelne Berichte in jüdischen Periodika vor:  
      
Schenkung einer Torarolle durch den Synagoge-Damenverein (1889)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1889: "Emden, 28. Oktober (1889). Der seit einigen Jahren hier bestehende Synagogen-Damenverein Chewrat Naschim... bereitete der hiesigen Gemeinde eine überaus große Freude durch die Schenkung einer Torarolle mit prachtvollem heiligem Schmuck, welche einen Aufwand von 1000 Mark erforderten. Die Einweihung dieses heiligen und hochherzigen Geschenkes fand am Schabbat Bereschit (= Schabbat mit der Toralesung Bereschit, d.i. 1. Mose 1,1 - 6,8; das war am 19. Oktober 1889) statt und gestaltete sich zu einer wahrhaft erhebenden Feier. Durch die begeisternde von Herzen kommende und zu Herzen gehende Rede, die Herr Rabbiner Dr. Buchholz nach dem Einheben hielt, hatte derselbe die Feier zu einer recht weihevollen gestaltet."             

  
Besuch einer Schulklasse der Oberrealschule in der Synagoge (1930)    
Anmerkung: der im Artikel genannte Lehrer an der Kaiser-Friedrich-Oberrealschule Dr. Zeißig (auch Zeisig) gehörte auch nach 1933 zu den mutigen Freunden der jüdischen Gemeinde. Er kaufte weiterhin in jüdischen Geschäften ein und äußerte im Unterricht seine gegenüber der offiziellen Parteilinie abweichende Meinung. Im September 1933 wurde Zeißig aus dem Schuldienst entlassen. Nach Kriegsende war er nochmals kurze Zeit als Lehrer tätig.  

Emden Israelit 27111930.jpg (71392 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1930: "Emden, 12. November (1930). Herr Studienrat Dr. Zeißig besuchte mit der Unterprima der Oberrealschule unsere Synagoge. Herr Landrabbiner Dr. Blum hatte die Führung übernommen und erklärte ihnen die Besonderheiten des jüdischen Gottesdienstes. Insbesondere gaben die schönen bunten Glasfenster mit den Symbolen unserer Festtage Gelegenheit, eingehend auch über die Bedeutung unserer Feiertage und die Art ihrer häuslichen und synagogalen Feier zu sprachen. Manche eingeflochtene agadische Bemerkung unserer Weisen fand bei den jungen Besuchern und ihrem Lehrer lebhaft zustimmendes Verständnis. Mit reger Aufmerksamkeit und sichtlichem Interesse folgten die Gäste den Erklärungen und stellten auch selbst einige Fragen, die gern beantwortet wurden. Mit herzlichen Dankworten verließen sie nach etwa einstündigem Besuche die Synagoge."            

1936 konnte die Gemeinde im Beisein auswärtiger jüdischer Würden- und Amtsträger noch den 100. Jahrestag der Synagogenweihe feiern.  
   
 Hundertjahrfeier der Synagoge in Emden (1936)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1936: "Ein Jubiläum der Emdener Synagoge. 
Emden
, 17. August (1936). Die Synagoge zu Emden, die frühere Wirkungsstätte von S. R. Hirsch - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - sieht auf ein Jahrhundert ihres Bestehens zurück. Aus diesem Anlass wird am Sonntag, den 23. August, Nachmittag 5 Uhr ein Festgottesdienst in der Synagoge veranstaltet, für den ein reiches Programm zusammengestellt ist. Im Mittelpunkte der Feier steht die Festpredigt des Herrn Landrabbiners Dr. Blum, die von Gesängen und Ansprachen der Gäste eingerahmt wird. Um für die auswärtigen Gäste genügend Platz in der Synagoge bereithalten zu können, bittet der Vorstand der Gemeinde Emden um sofortige Anmeldung ihrer Ankunft."     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1936: "Jahrhundertfeier der Synagoge. 
Emden,
24. August (1936). Die Jahrhundertfeier unserer Synagoge war ein Erlebnis nicht nur für unsere Gemeinde, sondern für den ganzen Landrabbinatsbezirk und über dessen Grenzen hinaus; hatten sich doch aus der engeren und weiteren Umgegend fast 200 Gäste eingefunden, um mit der alten Gemeinde diesen Ehrentag festlich zu begehen. Zu ihrem Feiertage war unsere Synagoge, die zu den schönsten Deutschlands zählt, wieder neu hergestellt worden und prangte im Schmuck der ehrfurchtgebietenden Tage, verziert mit prächtigem Blumenschmuck. Es war für alle ein erhebender Augenblick, als in der Synagoge 5 Uhr nachmittags, bei festlicher Beleuchtung und bis auf den letzten Platz gefüllt, mit dem Gesang Mah towu die Feier begann. Darauf richtete unser Gemeindevorsteher, Herr L. Wolff, herzliche Worte der Begrüßung an die Erschienenen und konnte dabei mit Genugtuung feststellen, dass unsere Gemeinde, dem Vorbild der großen Führer, die hier gewirkt, treu geblieben sei und die alten Ideale des Judentums hier immer durch Rabbiner und Vorsteher ihre traditionelle Pflege gefunden hätten.   
Dem Minchoh-Gebete folgte Ausheben sämtlicher Torarollen mit den Umzügen, nach dem Einheben die großangelegte Festpredigt unseres Landrabbiners Herrn Dr. Blum, die uns in trefflichen Worten auseinander setzte, was uns ein Gotteshaus bedeutet. Unter Anführung verschiedener Stellen aus der Einweihungsrede, die vor 100 Jahren sein Amtsvorgänger Rabbiner Abraham Löwenstamm - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - gehalten, wies Herr Landrabbiner darauf hin, dass das Gotteshaus den Juden auf seinem ganzen Werdegang durchs Leben begleite und bei allen Phasen desselben die Stätte sei, die ihm Halt und Stütze gebe.  
Dem Halleluja-Gesang und dem Sologesang des Herrn Erich Wolkenfeld, der in sinnvoller Weise ein Lied Kol-Jaakow vortrug, welches der erwähnte Rabbiner Löwenstamm - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - für die Feier vor 100 Jahren gedichtet hatte, folgte dann die Festrede unseres Synagogenvorstehers, Herrn Max v. d. Walde. In kurzen Zügen entrollte der Redner ein umfassendes Bild der Geschichte der Gemeinde aus den letzten 100 Jahren, hob besonders hervor die Verdienste des Rabbiners Löwenstamm um den damaligen Synagogenbau und unterstrich in treffenden Worten die Wirksamkeit seines Nachfolgers, des großen Samson Raphael Hirsch - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - während seiner Emdener Amtszeit. In ehrender Weise erwähnte der Redner die späteren Rabbiner, Vorsteher, Lehrer, Vorbeter und alle Gemeindemitglieder, die sich um die Erhaltung der Gemeinde besonders verdient gemacht hatten. Gleichzeitig wurde mit dieser Festrede die Würdigung des 275-jährigen Bestehens der hiesigen Chewrah-Kadischah in pietätvoller Weise verbunden.  
An die Festrede schlossen sich die Ansprachen der auswärtigen Gäste. Es sprachen Rabbiner Bamberger, Wandsbek für den Nordwestdeutschen Rabbinerverband, Landesrabbiner Dr. Trepp, Oldenburg für den Landesgemeindeverband und Gemeinde Oldenburg; Herr Vorsteher Markreich, Bremen, für die Reichsvertretung der Juden, den Preußischen Landesverband und für die Gemeinde Bremen; Herr Lehrer Moses, Aurich, für die Lehrerschaft des Bezirks; Herr Vorsteher Carl v. Dyk, Aurich, für die Nachbargemeinde Aurich und Herr Vorsteher S. Rosenberg, Leer, für die Gemeinde Leer und die Bezirksgemeinden. Die Reden wurden umrahmt von Chorgesängen und Sologesängen unseres Oberkantors Herrn Wolkenfeld. Nach einem von Herrn S. M. v. d. Wyk für die Feier verfassten Gedicht, vorgetragen von dem Schüler Walter Hirschberg, wurde von Herrn Kantor Igler das Maariw-Gebet verrichtet; Schofarton und Gemeindegesang Jigdal schlossen die würdig verlaufene Feier, die trotz vierstündiger Dauer alle Teilnehmer unter gespannter und andächtiger Aufmerksamkeit hielt.  
Zum Abschluss der Feier vereinigten sich die Herren Rabbiner, Gemeindeverwaltung und die auswärtigen Gäste zum gemütlichen Beisammensein im  Gemeindeheim. Ein ernster Gedenktag liegt hinter uns. Möge Gott unsere alte, ehrwürdige Heilige Gemeinde weiterhin beschützen und beschirmen und sie im Verdienst der großen Gaonim, die hier gewirkt, erhalten."       
 
Foto in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1936: "Die Synagoge in Emden, frühere Wirkungsstätte von S. R. Hirsch, feierte vor kurzem ihr hundertjähriges Bestehen (s. 'Israelit' Nr. 35 Seite 14).     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1936- "Emden, 14. September (1936). Bei der Hundertjahr-Feier der Synagoge in Emden war es allen Anwesenden eine besondere Freude, 'einem jungen Emder', Herrn Lehrer Hartogsohn aus Höchst am Main zu lauschen, der es ganz hervorragend verstand, gesangliche Darbietungen vorzutragen, und somit zur Verschönerung der Feier beitrug".       
Anmerkung: Zu Lehrer Carl Hartogsohn weitere Informationen auf den Seiten zu Höchst am Main und Guntersblum

 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA- und SS-Männer niedergebrannt. Führend war - zusammen mit einem SS-Sturmführer der stellvertretende Kreisamtsleiter Neeland, der den Brand legte. Die Emder Feuerwehr stand bereit, um die Häuser neben der Synagoge gegen ein Übergreifen der Flammen zu schützen. Der östliche Teil des Synagogengebäudes brannte bis auf die Grundmauern nieder, vom westlichen blieb ein Teil übrig, der während des Krieges abgebrochen wurde.  
  
Das Synagogengrundstück (einschließlich des Grundstückes der jüdischen Schule) wurde nach dem Krieg eingeebnet und neu bebaut. 1986 wurde ein erster Gedenkstein aufgestellt. 1990 wurde er durch einen neuen Gedenkstein ersetzt. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge     Am Sandpfad 4/5          

Fotos
(Fotos der Synagoge - Außen- und Innenaufnahmen der zweiten und dritten Fotozeile - übernommen aus www.synagogen.info, hier eingestellt von Dietrich Janßen und Helmut Escher in Emden am 21.11.2010 bzw. 14.11.2003; neuere Fotos des Gedenksteines: Hahn, Aufnahmen vom 4.8.2010)   

Die Synagoge in Emden - 
historische Ansicht 
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Emden Synagoge 014.jpg (135515 Byte) Emden Synagoge 015.jpg (92089 Byte) Emden Synagoge 016.jpg (125547 Byte)
Westfassade der Synagoge  Die Synagoge ist jeweils hinter den Häusern zu erkennen 
     
  Emden Synagoge 017.jpg (103505 Byte) Emden Synagoge 018.jpg (101420 Byte)
  Blick auf die Bankreihen 
und die Bima (Vorlesepult)   
Blick zum 
Toraschrein 
        
Blick auf das Synagogengrundstück mit 
der Bebauung mit Wohnhäusern und 
dem Gedenkstein für die Synagoge
Emden Synagoge 195.jpg (151734 Byte) Emden Synagoge 194.jpg (177344 Byte)
  Blick auf die heutige Wohnbebauung und den Gedenkstein 
     
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Inschrift des Gedenksteines (hebräisch und deutsch): "An diesem Ort stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Emden. Erbaut im Jahre 1836. Durch Brandstiftung zerstört während des Nazipogroms in der Nacht vom 9. November 1938. Unsere jüdischen Mitbürger wurden entrechtet, verfolgt, gequält, gemordet. Gedenke - Erinnere! Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen." Dazu biblisches Zitat aus Klagelieder 5,1: "Gedenke O Herr, was uns geschah...".   
Die ehemalige "Judenstraße" ist 
nach dem jüdischen Emder 
Max Windmüller benannt
 
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   zu Max Windmüller: "Emder Bürger im jüdischen Widerstand. Geb. 7.2.1920 ermordet
 21.4.1945". Zur Straße: "von 1571-1933 Judenstraße, bis 1998 Webergildestraße". 
vgl. Wikipedia-Artikel "Max Windmüller"   
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

März 2011: Die Verlegung von "Stolpersteinen" in Emden wird von der Stadtverwaltung (noch) nicht befürwortet  
Artikel von Heiner Schröder in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 4. März 2011 (Artikel): "Emden. Rat wird über Stolpersteine entscheiden. 
Das auch von der SPD gestützte Projekt kommt nicht so recht voran. Die Stadt Emden bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung. 
Emden
- Das Projekt Stolpersteine, das an die Emder Juden erinnern soll, kommt nicht so recht voran. Die FDP-Fraktion kündigte daher im Kulturausschuss am Mittwochabend an, dass sie einen Antrag in den Rat einbringen will. "Vor 2012 geht es sowieso nicht, weil der Künstler Günter Demnig so lange Wartelisten hat", sagte Ratsfrau Hillgriet Eilers.
Die Stolpersteine gehen auf eine Idee des Künstlers zurück. Die Steine tragen die Namen von Juden, die früher in Deutschland gelebt haben. Sie werden ins Pflaster eingelassen, möglichst dort, wo die Juden zuletzt gelebt haben. Diese Aufgabe übernimmt immer Demnig selbst - daher muss man auf ihn warten.
Viele Städte haben diese Idee schon umgesetzt, beispielsweise auch Aurich und Norden. In Emden hat ein Arbeitskreis der FDP diese Idee aufgegriffen, die von der SPD offen unterstützt und von den anderen Fraktionen im Rat auch grundsätzlich mitgetragen wird.
Die Stadt Emden hat nie einen Hehl aus ihrer Skepsis gemacht
Aber an der Umsetzung hapert es. "Warum das so schwierig ist, kann ich nicht nachvollziehen", sagte am Mittwochabend Frank Narewski, der zum Arbeitskreis gehört und an der Sitzung des Kulturausschusses als Besucher teilnahm. Das Interesse sei auf jeden Fall da: Eilers berichtete, dass sich schon viele Emder gemeldet haben, die das Projekt unterstützen wollen. Denn es basiert auf Spenden: Jeder Stein kostet 95 Euro und muss einen Spender haben.
Die Stadt Emden hat nie einen Hehl aus ihrer Skepsis gemacht. Stadtbaurat Andreas Docter äußerte am Mittwochabend noch einmal, dass die Stadt in den Stolpersteinen "eine Entwertung" der anderen Mahnmale, die an die Emder Juden erinnern, sieht. Außerdem weist er auf die Kosten hin: Unterm Strich koste es 85 000 bis 90 000 Euro, die 410 Namen der Emder Juden, die von den Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet wurden, in Emder Straßen oder Gehwegen einzulassen. Die Finanzierung an sich sei nicht das Problem. Aber er befürchtet, dass sich letztlich nicht genügend Sponsoren finden. "Wir müssen aber sicherstellen, dass keiner vergessen wird", sagte er."      
 
November 2011Artikel zum Gedenken an die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 und zur Enthüllung einer Gedenktafel     
Emden PA OZ 08112011.jpg (597007 Byte)Artikel von Bernd-V. Brahms in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 8. November 2011: "Erinnerung an die Verfolgung der Juden. 
'Wurden als Kinder ins Lager deportiert'. Friedel und Albrecht Weinberg mussten nach dem November-Pogrom 1938 Leer verlassen..." 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.     
 
Emden PA OZ 09112011.jpg (616707 Byte)Artikel von Heiner Schröder in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 9. November 2011: "Die Menschen dem Vergessen entreißen.
In Emden wird heute eine Gedenktafel mit den Namen von 146 Juden enthüllt.   Am 22. und 23. Oktober 1941 wurden die meist alten Menschen nach Litzmannstadt und Theresienstadt deportiert. Im Laufe des Jahres 1942 wurden sie ermordet...." 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.   
 
Weiterer Artikel von Heiner Schröder in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 10. November 2011 zur Enthüllung der Gedenktafel: "'Den Prozess des Vergessens stoppen'. Gedenken: Vor 73 Jahren brannte in Emden die Synagoge. Und vor 70 Jahren wurden die letzten Juden deportiert..." 
Artikel als pdf-Datei eingestellt.      
 
Mai 2012: Im Herbst 2012 sollen in Emden die ersten "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel von Heiko Müller in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 5. Mai 2012: "Emden. Stolpersteine kommen im Herbst. Das Projekt zum Gedenken an Opfer des Naziregimes nimmt Formen an. Die Stadt will das Vorhaben unterstützen. Sie fördert die Stelle eines Koordinators..."  
Link zum Artikel     
 
Mai 2013: Am 30. Mai 2013 werden weitere "Stolpersteine" in Emden verlegt 
Artikel von Heiner Schröder in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 23. Mai 2013: "32 neue Stolpersteine gegen das Verbrechen. Große Aktion des Arbeitskreises am 30. Mai in Transvaal und Klein-Faldern: Auch der Künstler Gunter Demnig, der mit seiner Idee auf ungewöhnliche Weise an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern will, ist wieder dabei..."  
Link zum Artikel     
 
Oktober 2013: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in Emden    
Artikel von Fritz Harders in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 8. Oktober 2013: "Stolpersteine in Emden verlegt. Eines der Mahnmale erinnert an Ulfert Janssen. Sein Sohn Johann Janssen legte am Montag vor dem früheren Wohnhaus der Familie in der Berumer Straße eine Rose nieder. Der Künstler Gunther Demnig hatte zuvor den Stein in den Gehweg eingelassen.
Emden - ... Insgesamt verlegte er am Montag 28 Steine an verschiedenen Stellen in der Stadt. Damit gibt es jetzt in Emden fast 90 Steine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten freigewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in das Pflaster eingelassen..." 
Link zum Artikel      
 
Juli 2014: Vierte Verlegung von "Stolpersteinen" in Emden    
Artikel von Heiner Schröder in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 3. Juli 2014: "Bald sind es mehr als 100 Stolpersteine
In Emden werden zum vierten Mal Stolpersteine verlegt. Es geht darum, die Erinnerung an die Juden, Widerstandskämpfer und andere Verfolgte wachzuhalten, die von den Nationalsozialisten umgebracht worden sind. Ein Ende der Gedenkaktion ist nicht in Sicht, so viele Opfer gab es in der Stadt.
Emden
- Der Anfang war nicht leicht. Aber mittlerweile hat sich die Verlegung der Stolpersteine in Emden zu einer kleinen Bewegung entwickelt. Am 16. Juli werden bereits zum vierten Mal die goldglänzenden, pflastersteingroßen Blöcke in den Straßen und vor den Häusern verlegt, in denen Emder lebten, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Die Zahl der Emder Stolpersteine wird dann die Grenze von 100 überschreiten – genau werden es 114 sein. Und das ist noch lange nicht das Ende..." 
Link zum Artikel      
    
Artikel von Wolfgang Behrends in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 17. Juli 2014: "'Man wusste: Die kommen nicht wieder'
Weitere 'Stolpersteine' werden im Emder Stadtgebiet verlegt. Sie sollen an Opfer des NS-Regimes erinnern. Inspiriert wurde Bildhauer Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat, durch einen Spruch aus dem Talmud.
Emden
- 'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist' – so lautet eine Stelle aus dem Talmud, die Bildhauer Gunter Demnig zu seinem Projekt 'Stolpersteine' inspiriert hat. Mittlerweile finden sich 114 der metallenen Tafeln auf Emder Wegen. Sie sollen an die Opfer der Nationalsozialisten erinnern, geben den Verfolgten, Diffamierten, Ermordeten ihre Namen zurück.
Unter den 33 neuen Stolpersteinen, die am Mittwoch im Emder Stadtgebiet gelegt wurden, waren auch die des Ehepaares Hinerine und Valk Valk und ihres Sohnes Samuel, die im Boltentorsgang lebten. Patrick Ullrich und Angela Zimmermann, zwei Schüler der BBS II Emden, verlasen die Biografien der Familie. Valk Valk führte in Emden den elterlichen Schlachterbetrieb fort, bis die Nazis 1933 seinen Gewerbeschein einzogen. Der Familienvater hielt sich in der Folgezeit mit Viehhandel über Wasser, 1940 wurde er mit seiner Frau und seinem Sohn nach dem erzwungenen Verkauf seines Hauses in das Judenhaus in der Schoonhovenstraße eingewiesen. 'Ein Jahr später erfolgte die Übersiedlung in das jüdische Altenheim, wo Valk Valk im August des Jahres 86-jährig verstarb', schlossen die Schüler..." 
Link zum Artikel     
 
Oktober 2014: Gedenken an die Deportation der Emder Juden  
Emden Emder Zeitung 15102014.jpg (271443 Byte) Artikel von Marten Klose in der "Emder Zeitung" vom 14. Oktober 2014: "82-jähriger erinnert sich an Deportation der Emder Juden...
Link zum Artikel (oder links Textabbildung anklicken)  
Anmerkung: zur Erinnerung an den Tag der Deportation der letzten Juden aus Emden fand am 23. Oktober 2014 ein "Marsch des Lebens" statt.
  

Vgl. dazu auch der Artikel in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 21. Oktober 2014: "Nachfahren des letzten Rabbiners kommen..."  
Link zum Artikel  
 
Berichte auch in der Website marschdeslebens.org: Berichte zum Oktober 2014  /  (Link zur pdf-Datei mit dem ausführlichen Bericht zu Emden)   
 
November 2014: Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 
Artikel in der "Ostfriesen-Zeitung" vom 10. November 2014: "Gedenken an Gräuel der Pogromnacht...."  
Link zum Artikel      
 
April 2016: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in der Stadt  
Anmerkung: am 25. April 2016 wurden in Emden an sieben Orten 25 weitere "Stolpersteine" verlegt, die an Opfer der NS-Zeit erinnern.  
 

  
 

Links und Literatur   

Links: 

Website der Stadt Emden    
Arbeitskreis "Juden in Emden e.V.": www.emder-juden.org  
Wikipedia-Artikel Synagoge Emden  
Wikipedia-Artikel Jüdische Gemeinde Emden   
Hinweis auf die "Familiendatenbank Juden in Nordwestdeutschland"  
Seiten über die Geschichte der Juden in Oldersum   
Seite "Die jüdischen ehemaligen Familien in Oldersum" (zusammengestellt von Klaus Euhausen)       

Literatur (kleine Auswahl):  

Germania Judaica II,1 S. 208-209; kein Artikel in III,1. 
Reinhard Claudi: Die Synagoge zu Emden. Dokumente und Texte. 1834-1938. 1994 48 S. 
Emden Lit 165.jpg (81683 Byte)Jan Lokers: Die Juden in Emden 1530-1806. Eine sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Studie zur Geschichte der Juden in Norddeutschland vom ausgehenden Mittelalter bis zur Emanzipationsgesetzgebung. (=Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands Bd. 70). Aurich 1990. 
(mit zahlreichen weiteren Literaturangaben).  
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen (Hrsg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel). Bd. I Göttingen 2005 (Abschnitt zu Emden von Jan Lokers: S. 533-569; mit zahlreichen weiteren Literaturangaben). 
Ostfriesland Lit 13004.jpg (73854 Byte)Reise ins jüdische Ostfriesland. Hrsg. von der Ostfriesischen Landschaft - Kulturagentur  Georgswall 1-5  26603 Aurich. Tel. 04941-179957  E-Mail: kultur[et]ostfriesischelandschaft.de. Erschienen im Juli 2013. 67 S. Kostenlos beziehbar. 
Internet: www.ostfriesischelandschaft.de 
"Reise ins jüdische Ostfriesland" ist ein gemeinsames Projekt im Rahmen des dritten kulturtouristischen Themenjahres "Land der Entdeckungen 2013". Am 9. November 2013 jährte sich zum 75. Mal die Pogromnacht von 1938 in Deutschland. Dies haben 17 Einrichtungen, davon neun Museen und fast alle ehemaligen Synagogengemeinden zum Anlass genommen, sich unter dem Titel "Reise ins jüdische Ostfriesland" zusammenzuschließen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwand die jüdische Kultur im Vergleich zum übrigen Deutschland hier bemerkenswert schnell aus dem bis dahin gemeinsamen Alltagsleben von Juden und Nichtjuden. "Reise ins jüdische Ostfriesland" will an das einst lebendige jüdische Leben in der Region erinnern.
Die Projekte zeigen in beeindruckender Weise, wie ein Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Allen jedoch geht es insbesondere darum, dem vielfältigen jüdischen Leben in Ostfriesland bis zur Shoah und darüber hinaus wieder ein Gesicht zu geben. Denn Erinnerung ist ein Weg zur Heilung und damit zur Versöhnung.  

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Emden. Political and economic factors motivated the city's decision to permit Jewish settlement in the mid-16th century. The first Jews to arrive were Hochdeutsch Ashkenazim (1571); former Portuguese Marranos came later but most had moved elsewhere by 1712. Thanks to relatively favorable conditions, the community prospered and grew from 16 to 98 families (1613-1741), becoming one of the largest in northwestern Germany. However, during the years of Prussian rule (1744-1807), it was also one of the most disadvantaged. Many Jews earned their livelihood from the cattle trade, in which they eventually attained predominance. Three parnasim leaded the Emden community, which acquired a synagogue and a cemetery and established a burial society in the 17th century. Communal regulations were drawn up in 1780. From its inception, the community engaged a rabbi: the first, Moshe Uri ha-Levi, known also a Philips Joost (1549-1620), helped Portuguese Jews set up a congregation in Amsterdam. Yaakov Emden, the son of 'Hakham Tzevi' Ashkenazi, also occupied the rabbinate (1728-33) before returning to his native Altona. During the Napoleonic era, when Jews were emancipated under French rule (1808), the city's Jewish population numbered 500. Although the Hanoverian government reintroduced various discriminatory measures after Napoleon's downfall, the Jewish population increased to 802 (nearly 7 % of the total) in 1828. In 1836, the synagogue was rebuilt. An edict that transferred to Emden the prerogatives of the Jews from the nearby town of Aurich, also led to Avraham Loewenstamm's installation as chief rabbi of East Friesland (1827-39). His religious traditionalism, displayed in the prohibition of organ music, characterized future leaders of the community. An attempt by Aurich Jews to regain control of the (provincial) rabbinate was the main reason for a delay in the appointment of Shimshon Rafael Hirsch as Loewenstamm's successor (1841-1847). Hirsch, the architect of Neo-Orthodoxy, wore celerical dress, preached in German, and launched a compaign for Jewish civil rights. He vastly improved the education of girls as well as boys, obtaining state aid for the Jewish elementary school. New railroads, canals, and harbor extensions marked the city's growth after 1848, when Jews first became active in municpal and commercial affairs. The National Liberal Party administration fostered religious harmony and denounced antisemitism. Jakob Pels, a communal leader for over 50 years, served a deputy chairman of the city council in 1905, when the Jewish population numbered around 900 (4 % of the total). Few members of the community were attracted by Liberal Judaism or married out of the faith, but a drift toward assimilation alarmed successive chief rabbis. Paul Buchholz (1874-93) attacked 'religious indifferentism'; Jonas Loeb (1894-1911) establised a talmud torah so as to counteract this 'pernicious spirit of the age'; and Moses Hoffmann (1913-21) took a firm stand against mixed choirs. Until the Nazi era, however, most parents sent their children to the Jewish elementary school and many refused to give them a high school education. The chief rabbinate's authority extended to Stade, near Hamburg, and to 25 communities in the Aurich and Osnabrueck districts (1893). The community maintained an extensive welfare system, an old age home, an orphanage, women's groups, a cultural society, and youth clubs. During the Weimar period, the Jewish population dwindled - to 700 (2 %) in 1925. The German Zionist Organization's branch was established as early as 1901. Youngsters from more assimilated homes joined the Blau-Weiss movement and some who were trained in hakhsharot emigrated to Palestine. Religious Zionism had a keen advocate in Samuel Blum, the last chief rabbi (1922-39), and voters favored Mizrachi in elections to the 16th Zionist Congress (1929). Members of the Jewish War Veterans Association and the Central Union (C.V.) were active in combating antisemitism. Thereafter, in Reichstag elections, the Nazi vote skyrocketed from 2 % (1928) to 37 % (1932).  
In 1933, the Jewish population numbered 581. After Hitler's appointment as chancellor, the windows of Jewish stores were smashed on 28 March 1933 in anticipation of Boycott Day (1 April). Newspapers, broadcasts, and parades heightened the anti-Jewish atmosphere, which aroused horror abroad. Chief Rabbi Blum, forced to comdemn 'exaggerated reports' of Nazi persecution, worked hard to maintain communal and religious life. After the banning of shehita, a temporary arrangement was made to import kosher meat from Holland. Nazi attempts to enforce the economic boycott sometimes ran into local opposition. When SA stromtroopers provoked a riot in Emden (May 1935), two were actually arrested by the police. Until 1937, the leading Jewish cattle traders remained in business, thanks to German dealers who trusted them and ignored the boycott. Approximately 25 % of the remaining Jews left Emden between 1933 and 1938: 130 emigrated while 50 moved to other German cities. Those who made the mistake of settling in Holland were mostly deported after the German occupation. On Kristallnacht (9-10 November 1938), organized by SA and SS men, Nazis burned down the synagogue and shot or tortured Jews. A few courageous German handed food parcels to Jewish men being dispatched to the Sachsenhausen concentration camp. Emigration both inside and outside Germany was accelerated after the pogrom, with at least 13 making it to safe havens in England (3), Palestine (3), Argentina (2), New York (1), and the Domanic Republikc (4). The community shrank from 430 (September 1938) to 320 (November 1939). By mid-1940 it had ceased to exist, the last 150 Jews being deported to the east on 23 October 1941. At least 465 Jews from Emden perished and only 13 survived the Holocaust. 
    
          

                   
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Stand: 28. Mai 2016