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Kreis Bad Kreuznach"
Seibersbach (VG
Stromberg, Kreis Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Seibersbach bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück.
Am 12. August 1798 wurde der jüdische Händler Simon Seligmann aus
Seibersbach ermordet. Er war mit einer Kuh am Strick auf dem Weg von Argenthal
nach Seibersbach zur Thiergartenhütte, in der sich damals auch der "Schinderhannes"
(Johannes Bückler) und der "Schwarze Peter" (Peter Petry) befanden.
Die beiden Räuber verfolgten den Handelsmann, schlugen in zwischen Thiergarten
und Kaltenborn mit einem Knüppel nieder und ermordeten ihn. Sein Besitz wurde
von den Mördern gestohlen. Die Beteiligung an diesem Raubmord hat später
wesentlich zum Todesurteil des "Schinderhannes" beigetragen, zumal
Simon Seligmann ein geachteter Bürger in Seibersbach
war.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1808 27 oder 28 jüdische Einwohner (4,5 % der Gesamteinwohnerschaft),
1843 55, 1858 65, 1895 69 (10 Familien, 8,25 % von 940 Einwohnern). Die jüdischen Familiennamen am Ort waren
Strauss, Seligmann, Salomon, Stern, Michel, Wolf, Moses, Hirsch, Kann, Forst, Löb, Hess und Harf.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt,
der auch als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibungen der
Stelle von 1889 / 1892). 1892 wird als Kultusbeamter Julius Löwenthal genannt.
Von den Gemeindevorstehern sind bekannt: um 1889/1905 Moses Harf.
Seitdem im benachbarten Dörrebach die
Zahl der jüdischen Einwohner stark zurückgegangen war, schlossen die letzten
dort wohnhaften jüdischen Personen der Gemeinde in Seibersbach an.
Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden aus der jüdischen Gemeinde
Levi (Levy) Forst und Benedikt Michels verwundet (beide im Kriegseinsatz mit dem
Infanterie-Regiment 69, beide wurden verwundet bei St. Quentin; in: "Im
deutschen Reich" 1896 Heft 1 S. 39.43). Levi Forst war bereits
Kriegsteilnehmer 1866 (siehe Bericht unten zu seinem Tod 1933).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Josef Harf (Metzger, geb.
23.11.1883 oder 24.11.1884 in Seibersbach, eingezogen 12.2.1915, gef. 12.2.1916), Moritz Harf (Kaufmann, geb. 15.11.1886 in
Seibersbach, eingezogen 3. oder 13.8.1914, gef. 15.9.1915), Emanuel Heß (Schuster, geb.
1.5. oder 1.7.1884 in Seibersbach, eingezogen 1.9.1916, gest. 27.5.1917 in Ulm), Ferdinand Michel (Handelsmann, geb. 15.1.1879 in Seibersbach,
eingezogen 6.8.1914, gef. 25.9.1914),
Gefreiter Siegfried Michel (Bäcker, geb. 5.7.1892, Sohn von Isack Michel,
ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz, EK II, siehe "Israelitisches
Familienblatt" vom 9. Dezember 1915 S. 3, gef. 7.4.1918) und Willy Michel (geb.
14.4.1890 in Seibersbach, gef. 15.2.1922). (Hinweis: in
unterschiedlichen Quellen finden sich teils unterschiedliche Daten betr.
Geburtsdaten, Daten des Einzugs).
Um 1924, als zur gemeinsamen Gemeinde Seibersbach-Dörrebach noch 31
Personen in Seibersbach (von insgesamt 1.040 Einwohnern) und acht in Dörrebach
(von insgesamt 650 Einwohnern) gehörten, gab es zwar in beiden Orten keinen
offiziellen Gemeindevorsteher. Für etwaige Angelegenheiten war jedoch Gustav
Marx in Seibersbach Ansprechpartner.
1933 lebten noch 17 jüdische Personen in Seibersbach (von insgesamt etwa
900 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.). 1939 wurden noch sieben
jüdische Einwohner in Seibersbach gezählt (Geschwister Harf, Lina Hess Wtw.,
Isaak Michel, Wilhelm Michel, Hanna Salomon Wtw. und Moritz Wolf). Nach der
Deportation der letzten jüdischen Einwohner im Juli 1942 war Seibersbach
in der NS-Sprache "judenfrei".
Von den in Seibersbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Theodor Blum (1875),
Rosa Emanuel geb. Seligmann (1872), Gertrude Gamiel geb. Harf (1904), Benno
David Harf (1897), Gustav Harf (1872), Theobald Harf (1869), Isidor Hess (1880),
Lina Hess geb. Seligmann (1875), Rosette Hess geb. Michel (1878), Ida Hirsch
geb. Harf (1900), Johanna Hirsch (1901), Bertha Jonas geb. Michel (1895), Lina
Lehrberger geb. Michel (1882), Ernestine Michel geb. Hirschberg (1887), Isaak
Michel (1858), Jacob Otto Michel (1888), Moses Moritz Michel (1863), Bertha
Müller geb. Michel (1868), Johanna Salomon geb. Michel (1900), Heinrich
Seligmann (1880), Isidor Seligmann (1874).
Hinweis: für Gustav Harf und seine Familie liegen "Stolpersteine" in Bullay https://stolpersteine-guide.de/map/biografie/1688/harf-in-bullay
und https://mosella-judaica.de/Gemeinden/Spuren163.html
Zu Theobald Harf vgl.
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=3534553
Über Mirtyll Harf (geb. 1895 in Seibersbach, gest. 1957 in New York) siehe
https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-3350
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1889 / 1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1889: "Für unsere
Gemeinde suchen wir einen Religionslehrer. Gehalt 300 bis 400 Mark
bei freier Station.
Seibersbach bei Stromberg (Hunsrück). Jacob Blum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1892:
"Suche für bald einen Religionslehrer, Vorbeter und Schochet.
Offerten unter Beifügung von Gehaltsansprüchen und Zeugnissen sind zu
richten an
Julius Löwenthal, Kultusbeamter, Seibersbach,
Hunsrück." |
Ausschreibung der Stelle des
Vorbeters für die Hohen Feiertage (1924)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. September 1924: "Für die hohen
Feiertage wird ein
Vorbeter
gesucht, der auch Schofar blasen kann. Bewerbungen erbitte an
Israelitische Gemeinde Seibersbach
(Kreis Kreuznach) Gustav Marx." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Gemeinde
Mord an dem Seibersbacher Simon Seligmann zur Zeit des "Schinderhannes"
1798 (Artikel von 1926)
Links Artikel in der "Jüdisch-liberalen
Zeitung" vom 28. Mai 1926: "Der rheinische Räuberhauptmann Schinderhannes
und die Juden! Kulturhistorische Plauderei von Otto Schwerin. Darin: Das
Richtbeil des Schinderhannes auf der Polizeitechnischen Ausstellung in
Karlsruhe. — Kurze Lebensbeschreibung des Schinderhannes. - Der
Antisemitismus des Straßenräubers. — Der Mord an dem Viehhändler
Seligmann aus Seibersbach. — Aktenmäßige Beispiele von Judenplünderungen
und Misshandlungen. — Behördlicher Kampf gegen die Bande des Schinderhannes.
— Seine Hinrichtung in Mainz am 21. November 1803.
Im vorigen Jahre weilte ich, als Vertreter einer Anzahl Tageszeitungen, auf
der Internationalen Polizeiausstellung in Karlsruhe. Ein hessischer
Polizeioberleutnant, der zufällig den Pressevertreter in mir erkannte,
führte mich an den Stand der hessischen Ausstellung, um mich aus einige
besonders wertvolle Kuriosa ausdrücklich aufmerksam zu machen. Das
Prunkstück der hessischen Abteilung war ein flacher, mit Leder bezogener
Holzkasten, der auf rotem Samt ein Fallbeil enthielt: es stammte von jener
Guillotine. die im Winter des Jahres 1803 den Räuberhauptmann Johannes
Bückler, im Volksmund als Schinderhannes bekannt. vom Leben zum Tode
beförderte.
Die Lebensgeschichte dieses gefährlichen Verbrechers, der glücklicherweise
nur 25 Jahre alt geworden ist, scheint derart interessant, vor allem im
Zusammenhang mit der Geschichte, der in der Nahe- und Hundsrückgegend
wohnenden Juden, dass wir sie nachstehend in großen Zügen skizzieren wollen,
wobei wir uns auf die von Rauchhaupt zusammengestellte aktenmäßige
Geschichte des Schinderhannes und den Pitaval hauptsächlich stützen. Die
Veröffentlichung dürfte insofern von besonderem Interesse sein, als sie
unseres Erachtens heute erstmalig, im obigen Zusammenhang, ausführlich und
eingehend erfolgt.
Bückler wurde am 25. Mai des Jahres 1778 in
Nastätten als Sohn des Waffenknechtes
Johannes Bückler geboren und hatte eine sehr bewegte Kindheit. Bücklers
Vater prozessierte jahrelang unglücklich und erfolglos mit zahlreichen
Juden, und entschloss sich zum Auswandern, nahm aber in einem habsburgischen
Infanterieregiment Handgeld und wurde Soldat. Johannes, der Sohn, trieb sich
während dieser Zeit mit den zahlreichen anderen Soldatenkindern frei umher,
und folgte dann seinem Vater, der sich natürlich um die Erziehung seines
Kindes in keiner Weise kümmerte und schließlich desertierte, in die
Heimatgegend zurück. Ein kleiner Diebstahl veranlasste den jungen Johannes
Bückler die Heimat zu verlassen und in die Dienste des Scharfrichters Nagel,
von Kirn an der Nahe zu treten. Aber auch
hier tat der junge Bückler, der auf Grund seiner Tätigkeit den Beinamen
Schinderhannes erhielt, nicht gut. Er wurde, nachdem er sich verschiedene
Diebereien zuschulden kommen ließ, festgenommen, und öffentlich
ausgepeitscht. Ein Jahr später finden wir den jungen Bückler bereits als
gefährlichen Straßenräuber wieder, dessen Tätigkeit den ganzen Hunsrück, die
Nahe, Teile der Pfalz, aber auch rechtsrheinische Gebiete in Atem hielt.
Er wurde mehrere Male aufgegriffen und ins Gefängnis gesteckt, aber es
gelang ihm immer wieder, mit heiler Haut zu entkommen und sein Räuberleben
weiterzuführen, bis er im Jahre 1803 endlich und endgültig dingfest gemacht
werden konnte.
Wenn wir uns heute erstaunt fragen, wie es möglich war, dass ein Räuber
viele Jahre lang sein Unwesen treiben konnte, ohne eine nennenswerte
Behinderung und Belästigung seitens der Behörden zu erfahren, so muss immer
in Betracht gezogen werden, dass die Verhältnisse und Zustände im heiligen
römischen Reich deutscher Nation, Ausgangs des 18. Jahrhunderts, denn doch
etwas anders gelagert waren als in der Gegenwart. Die Revolutionskriege, die
sich größtenteils in der heutigen Rheinprovinz und Pfalz abspielten,
beziehungsweise diese Gebiete stark in Mitleidenschaft zogen, bildeten den
Nährboden für Gesindel jeder Art. dessen Bekämpfung durch die deutsche
Kleinstaaterei und ihre ohnmächtigen Polizeibehörden, ein beinahe
aussichtsloses Unterfangen bedeutete. Die Gebiete, in denen gerade Bückler
sein Unwesen trieb, standen außerdem einige Zeit unter französischer
Verwaltung, und, wenn es auch zur Ehre der Franzosen gesagt werden muss,
dass sie beinahe besser für Ordnung und Zucht sorgten als die deutschen
Behörden, so hatten sie doch weit mehr zu tun, als sich nachhaltig mit den
Räuberbanden zu befassen, die es zudem nach Möglichkeit vermieden, den
französischen Militärbehörden ins Gehege zu kommen.
Die Bekämpfung des Schinderhannes und seiner Kumpane musste auf große
Schwierigkeiten stoßen, da ihm die einheimische Bevölkerung Vorschub
leistete und unterstützte, teils der Not gehorchend, teils aber auch aus
einer gewissen Sympathie heraus, weil die Räubereien Bücklers sich zumeist
gegen die Juden richteten, die damals noch mehr, wie heute, als Fremdlinge
und Fremdstämmige betrachtet wurden, und deren Brandschatzung und Beraubung
die Bevölkerung nicht nur nicht allzu tragisch nahm, sondern sogar aus Hass
gegen die 'wucherischen' Hebräer, noch schadenfroh begrüßte.
In jedem Aufsatz, bzw. jeder größeren oder kleineren Arbeit, die sich mit
dem Leben und Treiben des Schinderhannes befasst, nehmen seine gegen die
Juden gerichteten Streiche einen breiten Raum ein. Der Begriff
Schinderhannes scheint untrennbar mit Judenhass, und die Vermutung. dass
Bückler stark 'antisemitisch' eingestellt war, liegt nahe. Natürlich trifft
eine solche Behauptung nicht in dem heute gebräuchlichen Sinne zu, denn ein
Antisemitismus in seiner heutigen Form war damals insofern unbekannt, als
der Jude überhaupt als etwas Minderwertiges angesehen wurde und überall und
von jedem mit Hass, Neid und Verachtung bedacht wurde. Da Bücklers Vater
durch die Prozesse mit Juden landflüchtig werden musste und sein geringes
Vermögen durch jüdische 'Machenschaften' verlor, könnte man annehmen, dass
Bückler Sohn gerade die Hebräer mit besonderem Hass verfolgte. Dies traf
aber in keiner Weise zu. Schinderhannes raubte überall da, wo seiner
Berechnung nach etwas zu holen war, und eine Beraubung der Juden schien ihm
aus diesem Grunde nicht nur zweckmäßig, sondern auch gefahrlos. Zweckmäßig,
weil bei dem jüdischen Kaufmann oder Viehhändler eo ipso mit einer Wegnahme
von Bargeld weit eher zu rechnen war, als bei dem christlichen Bauer oder
Handwerker. Gefahrlos, weil die Feigheit der Juden damals sprichwörtlich
war, außerdem konnte er im voraus wissen, dass kein christlicher Mitbürger
auch nur die Hand hob, um den Juden gegen Schinderhannes beizustehen. Im
Gegenteil, die Bauern freuten sich ganz offen, dass der ,Judd', dem sie
größtenteils in irgendeiner Form verschuldet waren, durch einen Räuber, der
eine gewisse Popularität besaß, auch ein wenig geschröpft wurde.
Es muss Schinderhannes nachgesagt werden, dass er im großen und ganzen keine
blutdürstige Natur gewesen ist. Zahlte der Jude die ihm auferlegte
'Kontribution', so war er im allgemeinen seines Lebens sicher. Weigerte er
sich, was aber selten genug vorkam, so musste er mit einer furcht- |
baren
Tracht Prügel rechnen, wenn ihm nicht gar einige Zoll kaltes Eisen in die
"Rippen gestoßen wurden.
Es dürfte von Interesse sein und auch in den Rahmen unserer Ausführungen
passen, nachstehend einige aktenmäßig überlieferte Taten Bücklers in knappen
Sätzen anzuführen, wobei wir uns ausschließlich auf Zusammenstöße mit Juden
beschränken wollen. Wir beginnen mit dem ersten aktenmäßig bekannten Fall,
in dem Bückler nicht der Haupttäter war, aber als Mithelfer in Frage kam. Es
handelt sich um den Mord an dem Viehhändler Simon Seligmann aus
Seibersbach.
Im Herbst des Jahres 1798 veranstaltete der Räuber Peter Petri, der schwarze
Peter genannt, eine Familienfestlichkeit, der Schinderhannes und seine
Kumpane beiwohnten. Einer der Räuber, Iltis-Jacob, hatte seine hübsche Frau
bei sich, die mit Petri zurückblieb und von dem zufällig des Weges kommenden
Viehhändler Simon Seligmann aus Seibersbach im zärtlichen tete-à-tete
überrascht wurde. Seligmann beging die Dummheit, die Sache dem Iltis-Jacob
zu verraten, der in höchster Wut zurückrannte, die ungetreue Ehefrau aus
Petris Armen riss und erdrosselte. Einige Wochen später saß Peter mit
Schinderhannes in einer Dorfwirtschaft. Peter hatte scharf getrunken und war
im Rausch unberechenbar. In diesem Augenblick ging draußen Seligmann mit
einer Kuh vorüber, und die Wut übermannte Peter beim Anblick dieses
verhassten Juden, dessen Klatscherei er ihm nicht vergessen hatte. Er
forderte Schinderhannes auf, ihm zu folgen, und die beiden Räuber stürzten
laut schreiend dem armen Teufel nach, der zwar die Flucht ergriff, aber nach
kurzer Zeit eingeholt wurde. Sein Körper wurde in geradezu sinnloser Weise
mit Messerstichen bedeckt, und ausgeplündert.
In späteren Jahren, als Bückler eine eigene Bande zusammenstellte. ließ er
sich im allgemeinen auf Bluttaten nicht gern ein. Er hatte in der ganzen
Gegend seine Späher sitzen, die ihn aufs genaueste informierten, wo bei
einem Juden Geld oder Schmuckgegenstände zu holen waren. Schinder-Hannes zog
dann mit acht bis zwölf Komplizen vor das ihm bezeichnete Haus und forderte
den Bewohner auf (ob Jude oder Christ, war ihm in vielen Fällen
gleichgültig), eine näherbezeichnete Geldsumme abzuladen. Fügte sich der
Betreffende, so zog die Bande (meist ungehindert) ab. Gewalttaten kamen nur
dann vor, wenn Widerstand geleistet wurde.
Eine Tages traf Schinderhannes in Begleitung seines Kumpanes Benzel auf der
Landstraße nach Sobernheim den
Handelsmann Samuel Levi. Levi war beritten und hatte einen Mantelsack
hinter sich aufs Pferd geschnallt. Schinderhannes verlangte von Levi brüsk
die Herausgabe seines Geldes, und als dieser sich weigerte, wurde er vom
Pferde gerissen, am Boden festgehalten und bis auf den letzten Heller
ausgeraubt. Da Levi mutig die beiden Banditen verfolgte, wurde er von
Schinderhannes vom Pferde geschossen.
Die Überfälle, Plünderungen und Erpressungen nahmen einen derartigen Umfang
an, dass die armen Juden ihres Lebens nicht mehr froh wurden und sich vor
allem im Gebiet des Hunsrücks nicht mehr allein über Land wagen konnten. Sie
reisten entweder in größeren Trupps oder unter militärischer Bewachung.
Schinderhannes, der, wie die meisten Straßenräuber, in Wirklichkeit ein
feiger Geselle war und jede wirkliche Gefahr immer zu vermeiden suchte, ließ
einen solchen militärisch gesicherten Zug ruhig passieren, denn den Kugeln
der Militärgewehre setzte er sich nicht gern aus, vor allem suchte er
Zusammenstöße mit französischem Militär klug zu vermeiden. Besonders
fürchtete er die relativ gut organisierte französische Gendarmerie, die ihm
arg zu schaffen machte und ihn zwang, häufiger als ihm lieb war, sich auf
rechtsrheinischem Gebiet in Sicherheit zu bringen. Trotzdem riskierte er
häufig genug auch Überfälle auf größere Trupps von aus Jahrmärkten
heimkehrenden Juden. Er spekulierte, und nicht zu unrecht, auf die Furcht,
die von seinem Namen ausging, und die tatsächlich bestehende Feigheit der
jüdischen Handelsleute. Ferner wusste er zu genau, dass die christlichen
Händler, die mitunter die Juden begleiteten, noch keinen Finger krumm
machten, um ihr kostbares Leben für jüdische Interessen zu riskieren.
Schinderhannes war denn auch immer Diplomat genug, die christlichen Händler
unbehelligt zu lassen und sich an den Juden schadlos zu halten. Einer seiner
bekanntesten Streiche war folgender:
Am Nachmittag des Kreuznacher Marktes wartete er mit zwei Getreuen auf einem
Felsen, der oberhalb eines Hohlwegs log, und entdeckte durch sein Fernrohr
einen Trupp von ungefähr 30 heimkehrenden Juden, die in Begleitung von fünf
Bauern reisten. Schinderhannes hielt den Zug an, während seine Begleiter die
Büchsen schussfertig machten. Er durchsuchte persönlich sämtliche jüdische
Händler, nahm ihnen die Geldbeutel ab und gab einem alten Juden Moyse Jacob
aus Meisenheim seine geladene Büchse
zum Halten. Die Bauern standen mit schadenfrohen Mienen dabei, wie die Juden
wehklagend ihre Barschaft, Uhren und Ringe abliefern mussten, und machten
Schinderhannes noch durch Gesten auf jüdische Händler aufmerksam, die einen
Teil ihres Geldes an nicht leicht zugänglichen Körper- und Kleiderstellen
versteckt oder eingenäht hatten. Zum Schluss zwang Schinderhannes die armen
Ausgeplünderten, ihre Schuhe und Stiefel auszuziehen und auf einen Haufen zu
werfen. Er freute sich königlich, wie die von ihm Gebrandschatzten beim
eiligen Zusammensuchen sich um ihre Bekleidungsstücke stritten.
Im Mai 1800 reiste eine größere Gesellschaft, aus Juden und Christen
bestehend, von Wolfersweiler nach Birkenfeld. Unterwegs wurden sie von
Schinderhannes und vier Genossen angehalten, mit Kugeln und Schrot
beschossen und nach teilweise schweren Misshandlungen bis aufs Hemd
ausgeplündert.
Bücklers Bande erhielt um die Jahrhundertwende von lichtscheuen Elementen
derartigen Zuzug, dass selbst die Departements der Saar heimgesucht werden
konnten. In vielen Orten sandten die Juden richtiggehende Abordnungen an
Schinderhannes. um sich gewissermaßen loszukaufen. Auf der anderen Seite
ging die Frechheit des Banditen so weit, dass er durch Boten Juden, die sich
gegen seine ungeschriebenen Gesetze wiederholt vergangen hatten, zu sich
befehlen ließ. In Sobernheim wohnte
ein reicher Handelsmann namens Isaak Herz, der es sich leisten konnte.
Gendarmen zu seiner Begleitung zu engagieren. Schinderhannes ließ den Herz
schriftlich auffordern, zu einer genau bestimmten Zeit nach Meddersheim in
das Haus eines gewissen Hexamer zu kommen. Herz hielt es für gut und
angebracht, dieser 'Bitte' pünktlichst Folge zu leisten. Eine bewaffnete'
Schildwache führte ihn vor 'den Räuber, der den vor Angst zitternden Herz
bereits mit seiner Geliebten erwartete unwütend anfauchte: 'Du Lump lässt
Dich auf Deinen Geschäftsgängen von Gendarmen begleiten? Ich fordere Dich
auf, dies für die Folge zu unterlassen, da ich Dich sonst mitten aus Deiner
Bewachung heraus niederknalle.' Herz entschuldigte sich und wurde 'gnädigst'
entlasten, nachdem er sechs Kronentaler Strafe bezahlt hatte. (Schluß
folgt)." |
Über die jüdische Gemeinde
Seibersbach im Frühjahr 1933
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Mai 1933: "Seibersbach
(Hunsrück). Von der einst blühenden Synagogengemeinde sind nur noch drei
jüdische Haushaltungen übrig geblieben. Die noch im schönen Stand
befindliche Synagoge wird von Herrn Theodor Harf betreut, der auch
die Aufsicht des Friedhofes versieht.
An jedem Sabbat findet ein Gottesdienst statt, wozu sich abwechselnd noch
Glaubensgenossen aus den Nachbarorten
Rheinböllen und Schweppenhausen
zum Minjan vereinen, in dem ein Laie ehrenhalber das Vorbeteramt verwaltet.
Auf diese Weise wird ein wertvolles Stück jüdischer Kulturarbeit auf dem
Flachlande vor dem völligen Untergange bewahrt." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Goldene Hochzeit des nach Philadelphia ausgewanderten Paares Jacob Loeb und Mina
geb. Harf (letztere aus Seibersbach, 1907)
Hinweis: das Grab von Jacob Loeb (geb. 2. März 1829, gest. 14. Januar
1920 in Philadelphia) und das Grab von Amelia "Mina" Loeb (geb. 1836,
gest. 1926) finden sich im Adath Jeshurun Cemetery, Philadelphia,
Pennsylvania/USA. Ihre Kinder waren Henrietta Loeb (1865-1923), Louis Loeb
(1872-1961), Carrie Loeb (1874-1964) und Beulah Loeb (1876-1883).
Links:
https://de.findagrave.com/memorial/195503124/jacob-loeb und
https://de.findagrave.com/memorial/195503172/amelia-loeb
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 15.
März 1907: "Philadelphia. Ihre goldene Hochzeit feierten in
Rüstigkeit Herr Jacob Loeb und Frau Mina geb. Harf. Der Jubilar ist in
Vallendar am Rhein und die Jubilarin in
Seibersbach bei Kreuznach geboren." |
Grab von Mina Loeb geb. Harf (geb. 1836 in Seibersbach, gest. 1926 in
Philadelphia) im Adath Jeshurun Cemetery in Philadelphia, PA/USA.
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Zum Tod von Levi Forst (1933)
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Mai 1933: "Seibersbach
(Hunsrück). Hier starb kurz vor der Vollendung des 89. Lebensjahres Herr
Levi Forst, Kriegsveteran von 1866 und 1870/71. Zum 88. Geburtstage
empfing er u a. vom Reichspräsidenten von Hindenburg einen persönlichen
Glückwunsch und sein Lichtbild. Lehrer Unikower (Simmern)
zeichnete ein treffendes Bild des Verewigten, zu dessen Beisetzung auch die
evangelische Bevölkerung des Ortes erschienen war." |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
| - 1917: Goldene Hochzeit von David Harf
und seiner Frau in Seibersbach (in: "Israelitisches Familienblatt" vom
20. Dezember 1917 S. 5). |
| - 1922: Für die Sattlerei und Polsterei
Gustav Marx in Seibersbach wird ein Lehrling gesucht (in: "Central-Verein-Zeitung"
vom 10. August 1922 S. 183). |
| - 1923: Verlobung von Ruth Simon in Berlin,
Helmstedterstr. 31 mit Benno Harf aus Seibersbach (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 5. April 1923 S. 5)
|
| - 1928: Am 19. Januar 1928 70. Geburtstag
von Isaak Michel in Seibersbach (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 19. Januar 1928 S. 5). |
| - 1928: Am 1. Juli 1928 in Bad Kreuznach
Hochzeit von Manfred Jacobsohn aus
Mannheim-Feudenheim, Arndtstraße 18 mit Hedwig Wolf aus Seibersbach
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 28. Juni 1928 S. 5).
|
| - 1928: Am 28. Juli 1928 89. Geburtstag von
Abraham Wolf in Seibersbach (in: "Israelitisches Familienblatt"
vom 26. Juli 1928 S. 6). |
| - 1928: Am 10. November 1928 88.
Geburtstag von Abraham Harf in Seibersbach (in "Israelitisches
Familienblatt" vom 8. November 1928 S. 5) |
| - 1929: Tod von Abraham Wolf in Seibersbach
im Alter von 89 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 14. März
1929 S. 5). |
| - 1931: Tod von Berta Wolf geb. Strauß,
Frau von Moritz Wolf, im Alter von 49 Jahren in Seibersbach (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 1. Oktober 1931 S. 6). |
| - 1934: Verlobung von Erna Michel aus
Seibersbach mit Josef Levi in Dehrn
(Lahn) (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 29. März 1934 S. 15).
|
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verlobungsanzeige von Else Harf und Georg Münzer (1925)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 17. April 1925:
"Else Harf - Georg Münzer
Verlobte
Seibersbach Kr. Kreuznach - Berlin
Braunsbergerstr. 49
Ostern 1925 z. Zt. Berlin, Barbarossastr. 56." |
Anzeige von Moritz Wolf (1936)
Anzeige
im "Israelitischern Familienblatt" vom 10. September 1936:
"Für frauenlosen Haushalt, 3 Personen, auf dem Lande, tüchtige
Haushälterin
gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen und Referenzen an
Moritz Wolf Seibersbach (Hunsrück)" |
Nach der Emigration: Verlobungsanzeige von Margot
Liebenstein und Max Wolf (1944)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 11. Februar 1944: "Margot
Liebenstein - Max Wolf. Engaged February 6, 1944.
680 West End Av. formerly Kitzingen/Main
224 E. Tremont Av., formerly Seibersbach bei Bingen am
Rhein". |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden. Vermutlich zwischen 1850 und 1860 wurde auf einem 2,30 ar
großen Grundstück eine Synagoge erbaut. 1913 ist das Gebäude
abgebrannt. Die Gemeinde entschloss sich zu Wiederaufbau. So wurde auf den alten
Fundamenten die Synagoge wieder aufgebaut und war bis 1938 weiterhin Mittelpunkt
des jüdischen Gemeindelebens in Seibersbach. 1933 wurde berichtet: "Die
noch im schönen Stand befindliche Synagoge (sc. in Seibersbach) wird von
Herrn Theodor Harf betreut, der auch die Aufsicht des
Friedhofes versieht. An jedem Sabbat
findet ein Gottesdienst statt, wozu sich abwechselnd noch Glaubensgenossen aus
den Nachbarorten Rheinböllen und
Schweppenhausen zum Minjan vereinen,
in dem ein Laie ehrenhalber das Vorbeteramt verwaltet."
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem fünfköpfigen
SA-Trupp aus Dörrebach überfallen. Die Eingangstür wurde eingeschlagen, die
Inneneinrichtung völlig demoliert, der Fußboden teilweise herausgerissen.
Teile der Innenrichtung und Schriften wurden auf dem Vorplatz verbrannt. Wenige
Tage später - am 18. November 1938 - musste die jüdische Gemeinde (vertreten
durch Moritz Wolf und Isaak Michel) das Synagogengebäude für 2.674 RM an eine
Privatperson verkaufen.
In den 1950er-Jahren wurde nach Abschluss des Restitutionsverfahren, bei
dem der neue Eigentümer den Betrag von 2.250,00 DM an die Jüdische
Kultusgemeinde Kreuznach-Birkenfeld nachzahlen musste, das ehemalige
Synagogengebäude umgebaut. Nur die Fundamente und die Südwand sind noch
original erhalten. Das Gebäude wurde zunächst als Turnhalle, dann als Festsaal/Tanzsaal
eines Gasthauses verwendet. Später wurde das Gebäude durch einen Bäckereibetrieb
verwendet und schließlich privat genutzt.
Adresse/Standort der Synagoge: Soonwaldstraße
Fotos
Ehemalige
Synagoge
(Foto links: Jonathan Blöcher; Aufnahme vom Juni 2026;
Foto rechts aus: juedische-gemeinden.de bzw. aus ehem.
seibersbach.net (besteht nicht mehr), um 2010) |
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Blick auf das
Gebäude
der ehemaligen Synagoge |
Vom Aussehen als
Synagoge
ist nichts mehr erkennbar |
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Schülerfoto aus
Seibersbach von 1919
mit christlichen und jüdischen Kindern
(erhalten von Dieter Pferdekamp) |
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Das Schülerfoto aus dem Jahre 1919 zeigt
Kinder des damaligen ersten Schuljahres an der Seibersbacher Schule; die
Mutter des Einsenders dieses Fotos - Regina geb. Conrad - ist mit einem Kreis markiert. Damals
waren auch jüdische Kinder mit auf dem Foto, u.a. Erna Lewi, die mit mit
ihrer Familie in Seibersbach im sog. Eck wohnte und später nach Amerika
emigrieren konnte. Sie ist abgebildet, doch ist nicht bekannt, um welches
Kind es sich auf dem Foto handelt.
Frage an die Besucher dieser Seite: wer kann auf dem obigen Foto Erna
Lewi und andere jüdische Kinder identifizieren? Rückmeldungen bitte
an den Webmaster von "Alemannia Judaica"; Adresse auf der Eingangsseite. |
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Aus den
Erinnerungen von Regina geb. Conrad - mitgeteilt von ihren Söhnen: "Unsere
Mutter hatte eine jüdische, nahe Freundin namens Erna Lewi. Diese ist noch vor dem Krieg nach Amerika
emigriert und wohnte dann in Brooklyn, New York. Die beiden hatten Adressen voneinander. Erna schickte uns nach dem Krieg ein Paket,
was damals etwas sehr Besonderes war. Es war ein ganz buntes Frauenkleid darin, was für Deutschland, in dieser freudlosen Zeit, direkt nach dem Krieg, gar nicht passte und auch nicht angezogen wurde.
Unsere Mutter erzählte, was mit der Kriegerwitwe der Frau Hess passierte [sc.
vermutlich Lina Hess geb. Seligmann]. Sie war Jüdin, deren Mann Jude, der als Kriegskamerad unseres Opas in Frankreich gefallen
war [sc. Emanuel Hess s.o. bei den Gefallenen des Ersten Weltkrieges].
Die Nazis hatten das Leben der jüdischen Mitbürger sehr stark eingeengt und sie bekamen während des Krieges wenig Nahrungsmittel. Die Großeltern und die Frau Hess waren direkte Grundstücksnachbarn und so wurden auch Nahrungsmittel herüber gemogelt zur Frau Hess, was verboten war.
Und dann wurde sie abgeholt. Sie ging am Haus der Großeltern vorbei und sagte meinem Opa:
'Jakob, wenn du mal einen Brief oder eine Postkarte von mir bekommst und hinter dem Datum steht ein Punkt, dann geht es mir schlecht, egal was in dem Brief
steht'. Es kam eine Karte mit Punkt, wohl aus Theresienstadt, möglich
durch die Kartenschreibaktion der Nazis nach der Intervention des schwedischen Roten
Kreuzes". |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Dezember 2017:
Auch in Stromberg sollen
"Stolpersteine" verlegt werden |
Artikel von Norbert Krupp in der
"Allgemeinen Zeitung" vom Dezember 2017: "'Stolpersteine' auch in Stromberg.
STROMBERG - Demnächst sollen auch in Stromberg sogenannte 'Stolpersteine' aus Messing in den Gehwegen vor einigen Häusern eingelassen werden, um daran zu erinnern, dass hier einst Mitbürger gelebt haben, die noch rechtzeitig vor dem NS-Regime flüchten konnten oder von den Nazis verschleppt und getötet wurden. Dieses Projekt, das von der Schülervertretung (SV) der Integrierten Gesamtschule Stromberg
(IGS) initiiert wird, werden einige Schüler um Lehrerin Ursula Rindt heute Abend dem Stadtrat vorstellen.
'Wir hoffen, dass der Stadtrat unsere Idee gut findet und unterstützen
wird', sagt Helena Joerg aus der Jahrgangsstufe 10, die zusammen mit Helena
Budee, Nina Herbst und Robin Kuber (alle drei Jahrgangsstufe 11) das Projekt vorantreiben möchte.
Siebenköpfige Arbeitsgruppe startet Quellenforschung. Den Anstoß gab Christof Pies aus Kirchberg, der sich als Vorsitzender des Fördervereins der Synagoge Laufersweiler engagiert. Auf Anregung der SV entstand eine siebenköpfige Arbeitsgruppe, die demnächst mit Quellenforschung beginnen soll, um die Namen von NS-Vertriebenen und -Opfern in Erfahrung zu bringen. Bekannt ist bislang, dass um 1935 etwa drei bis fünf jüdische Familien in Stromberg lebten. Im städtischen Wikipedia-Eintrag wird berichtet, dass in der Pogromnacht am 9. November 1938 das Kleidungsgeschäft der Klara Jungblut von SA-Anhängern und ihren Helfern demoliert wurde.
Die IGS-Schüler wollen ihr Projekt aber nicht nur auf jüdische Mitbürger beschränken, sondern nach allen Opfern der NS-Diktatur suchen. Dazu gehörten auch Behinderte, Sinti und Roma, Sozialisten und Kommunisten. Die Schüler werden die einschlägigen Archive durchforsten und werden Zeitzeugen aufsuchen, um möglichst viele Informationen aus der NS-Zeit zusammenzutragen. Da bereits bekannt ist, dass auch in anderen Orten der VG Stromberg etliche NS-Opfer zu beklagen sind, wollen die Schüler das Stolperstein-Projekt vielleicht später auf die gesamte Verbandsgemeinde ausweiten. Die Aktionsgruppe wird auch den Künstler Gunter Demming bitten, die Idee zu unterstützen und – wenn es soweit sein wird – die Stolpersteine selbst zu verlegen. Dabei sehen sie sich auch in der Verantwortung gegenüber dem Titel, der ihrer Schule 2014 verliehen wurde:
'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage'." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad
Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe
des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. S. 399-410. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 341-342 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | Hans-Dieter
Arntz: Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen. Josef Weiss -
würdig in einer unwürdigen Umgebung. 710 Seiten mit zahlreichen Fotos und Dokumenten.
ISBN 978-3-86933-082-2 Preis: 38 €. Helios-Verlag, Karl-Heinz Pröhuber, Brückstr. 48, 52080 Aachen, Tel.: 0241-555426.
Hinweis: Josef Weiss hatte Vorfahren in Seibersbach: seine Mutter,
Mathilde Michel ist in Seibersbach am 17. Juni 1856 (gest. 9. August 1920 in
Flamersheim). Die Gebrüder Michael, die alle aus Seibersbach stammten,
machten Karriere in Köln und besaßen dort - neben Tietz und Peters - eines
der größten Kaufhäuser. 1893 eröffneten sie in der Schildergasse 48 in
Köln das "Größte Kaufhaus für Reste, Manufactur-, Weiß- und
Modewaren", 1894 ein weiteres Manufactur-, Weiß- und
Modewarengeschäft Michel & Cie. in der Hohen Straße 40 (1913 nach
Abbruch des alten Gebäudes ein fünfstöckiges Haus Michel & Co. an der
Hohen Straße/Gürzenichstraße mit 5.000 qm Verkaufsfläche und 500 bis 700
Verkaufskräften). Vgl. http://www.modehaus-jacobi.de/Historie/
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n.e.

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