Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Thannhausen (Landkreis Günzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Die Juden in Thannhausen - Beitrag von 1926 von Isidor Kahn      
Über die hebräische Drückerei in Thannhausen    
Weiterer Beitrag über die hebräische Druckerei in Thannhausen - von David Wallersteiner (1926)       
Die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde  
Die Lage von Judengasse, ehemaliger Synagoge und jüdischem Friedhof     
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
In Thannhausen bestand im 15./18. Jahrhundert eine zeitweise große jüdische Gemeinde. Erstmals haben sich vermutlich um 1400 Juden hier niedergelassen. Anfang des Dreißigjährigen Krieges wurden etwa 48 jüdische Haushaltungen mit zusammen etwa 300 Personen gezählt. Im Laufe des Krieges wurden die Juden vertrieben. Mehrere Juden aus Thannhausen konnten sich beispielsweise 1637 bis 1651 in Mauren und am Eschnerberg (Liechtenstein) niederlassen (darunter Rabbiner Abraham Neuburg aus Thannhausen).
  
In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts konnten wieder jüdische Familien in Thannhausen zuziehen. 1708 zählte man 20 Familien in der Stadt. Im August 1718 wurden auf Betreiben der Gräfin von Stadion alle Juden vertrieben. Sie ließen sich in der Folgezeit vor allem in Hürben, Ichenhausen und Altenstadt nieder.
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Die Juden in Thannhausen - Beitrag von 1926 vom (damaligen jüdischen) Hauptlehrer Isidor Kahn (Krumbach)  

Thannhausen BayrGZ 08061926.jpg (191854 Byte)Artikel in: "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 8. Juni 1926: "Überall zeigt sich ein reges Streben, das Heimatleben in Gegenwart und Vergangenheit betrachten und verstehen zu lernen, die Wechselbeziehungen zwischen Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen der Menschen zueinander zu erforschen, um daraus Schlüsse und Folgerungen für die Zukunft zu ziehen. Dieses Suchen und Forschen förderte auch die Geschichte der Juden in Thannhausen, einem schwäbischen Marktflecken im Mindeltale, zutage. Daselbst befand sich ehedem eine blühende jüdische Gemeinde, welche zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges aus 48 steuerpflichtigen Mitgliedern und einer Seelenzahl von etwa 300 Personen bestand. Eine Klageschrift besagt: "es wären schier der dritte oder vierte Teil Juden." Das Salbach (Steuerliste) 1599-1602 enthält die Namen Lazarus Judt, Isaak Barlen Judt, Seligmann Judt, Mayer Judt, Veis Niederländer Judt, Kauffmann Judt, Aberlen Schatz, Bebers Judt, Samuel, Schwarz Szigle, Benjamin, Doktor, Eberlen, Doktors Sohn, Jocklin, Doktors Sohn, Isaak Maier, Jakob Fillenschreiber, Schemuel, Veis Lene, Jakob, genannt Blattfus, Jecklin von Neuburg, Jakob, genannt Schattoy. Von dem Rabbiner Günzburger, der eine Anzahl Bachurim (Jünger) hielt, fordert die Herrschaft 30 Heller für jeden Jünger. Die Steuern, die an die Herrschaft zu entrichten waren, bestanden aus einer Besitzsteuer von 5-8 Gulden, dem Neujahrsgeld von 1 Gulden 30 Kreuzer und dem Gansgeld, das 1599 für jede Person auf 20 Kreuzer festgesetzt wurde.
Einige Juden besaßen auch Grundbesitz, wofür die Grundsteuer entrichten mussten. 1599 bezahlte die Judengemeinde jährlich für die Benützung der Mindelbrücke 21 Gulden, Weid- oder Rossgeld im Betrage von 17 Gulden. Über ihre Tätigkeit gibt das Steuerbuch wenig Anhaltspunkte; einige besaßen wohl Grundbesitz, doch dürfte der größere Teil sich mit Nothandel seinen Lebensunterhalt erworben haben. Ihre Häuser lagen im ganzen Markt zerstreut, doch scheinen sie im Bachgassenwinkl vorherrschend gewesen zu sein. Dort lag auch ihre Schule im Haus des Juden Jecklin. Jecklin und Anstall waren die jüdischen Lehrer. Auch am Marktplatze standen zwei Judenhäuser, darunter eine Weinschenke, die von einem Juden namens Blattfus geführt wurde.
Bemerkenswert ist, dass sich in Thannhausen eine jüdische Druckerei befand, in welcher 1592-94 das Machsor nach Minhag aschkenes gedruckt wurde. Ein Exemplar befindet sich noch in der Bibliothek zu Oxford. Das Titelblatt bezeichnet als Verfasses Maharil Jzchak Masi, der die Herausgabe im Namen und Auftrag des Rabbiners Günzburger ausführte. Der Titel ist hellrot, die Lettern ziemlich groß, das Portale hat oben drei Fische, unten eine Hand aus den Wolken, welche zwei andere begießt (Levi), an den Seiten zwei geharnischte Männer mit Schildern, worauf die Namen der Herausgeber stehen.

Anfänglich mussten sie ihre Toten nach Kriegshaber bei Augsburg im Dunkel der Nacht überführen. Später wies ihnen die Herrschaft eine entlegene Stelle als Gottesacker an, "und jed Judt, sey alt, jung, Mann oder Weib, so er stirbt, ist man der Herrschaft 1 Gulden 30 Kreuzer schuldig".
In Zeiten religiöser Aufregungen bot der "Judenschutz" nicht mehr die nötige Sicherheit. So wurde 1610 Klage geführt, ein Jud habe die religiösen Gefühle der Christen verletzt und es kam zu einer großen Schlägerei. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Beschuldigung erhoben, die Juden hätten die Brunnen vergiftet.  Die Pest, die hier wütete, im Verein mit der herrschenden Not, die der schreckliche Krieg gebracht hatte, machte die Juden zum Sündenbock, und ihre Vertreibung aus Thannhausen war die Folge. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sie sich in geringerer Zahl wieder an und im Jahre 1708 zählte man im Markte wieder 20 Familien. In diesem Jahre erwarb Graf Stadion die Herrschaft Thannhausens. Schon beim ersten Besuch äußerte die Gräfin ihr Missfallen über die jüdische Bevölkerung. An ihrer Kinderlosigkeit sollten die Juden Schuld sein, "sie sollten die Gräfin verhext haben", und so erlangte der Graf beim Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, sämtliche Juden aus Thannhausen zu vertreiben. Das geschah am 24. August 1718. Die Vertriebenen lagerten einige Zeit in der Talebene und schickten eine Gesandtschaft an den Kaiser, um den Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Wohl reute es den Kaiser, das Glück so vieler unschuldiger Menschen geopfert zu haben, aber sein gegebenes Wort wollte er nicht zurücknehmen. Die Vertriebenen siedelten sich in den benachbarten Gemeinden Hürben, Ichenhausen und Altenstadt an. Als durch kaiserliches Reskript allgemein Familiennamen anzunehmen befohlen wurde, wählten einige den Namen Thannhauser, der heute noch vielfach geführt wird. Die Synagoge in Thannhausen wurde in eine Kapelle umgebaut und führt noch heute den Namen "Judenkapelle". Am Eingang derselben steht ein Opferstock, der alten Synagoge entnommen und trägt eine auf die Umwandlung bezüglich Darstellung. Oben ist Moses mit den Gesetzestafeln dargestellt mit der Inschrift "Antiquum documentum". Unten ist eine Monstranz und darunter die Schrift "Novo cedat ritui".  

   
Über die hebräische Druckerei in Thannhausen 

Thannhausen BayrGZ 06071925.jpg (28140 Byte)Aus einem allgemeinen Artikel zum hebräischen Buchdruck in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juli 1925: "Auch in Thannhausen in Schwaben erschienen Ende des 16. Jahrhunderst einige höchst seltene hebräische Drucke. Dort scheinen sogar, wie der verstorbene Rabbiner Dr. Perle in München vermutete, Vorbereitungen für eine Talmud-Ausgabe getroffen worden zu sein."

  
Weiterer Beitrag über die hebräische Druckerei - von David Wallersteiner in Ansbach (1926)     

Thannhausen Israelit 29071926.jpg (182573 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1926: "Die jüdische Druckerei in Thannhausen. Von David Wallersteiner in Ansbach. 
Das Suchen und Forschen nach dem Gestand der einstmals blühenden schwäbischen Geruschgemeinden (= Gemeinden, aus denen eine Vertreibung der Juden erfolgte), gab Herrn Hauptlehrer Kahn in Krumbach Veranlassung einen diesbezüglichen Aufsatz in Nr. 6 der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung 'Die Juden in Thannhausen' erscheinen zu lassen. Ich verweise hiermit auf den sehr interessanten Artikel und in Ergänzung desselben teile ich folgendes mit: 
Der Herr Bibliothekar der hiesigen Regierungsbibliothek ersuchte mich, die dort aufgewahrten, einstmals in der Markgrafenzeit konfiszierten hebräischen Werke beziehungsweise deren Titel behufs Aufnahme in den Katalog ins Deutsche zu übertragen. Dabei fand ich das von Herrn Kahn beschrieben Machsor (Gebetbuch) in einem Quartlederband. Das von Herrn Kahn beschriebene Machsor befindet sich in Oxford.
Dort scheint aber nur der erste Teil Machsor vorhanden zu sein, während der hiesige Band zwei Teile enthält, und zwar der erste Teil das Machsor, dessen Titelblatt leider fehlt. Das Titelblatt des zweiten Teils ist vollkommen erhalten und entspricht genau der Beschreibung in oben angeführtem Artikel, nur dass der Titel nicht in Rot, sondern in Schwarzdruck gehalten ist. Der Titel dieses zweiten Teils lautet: ... 
  
Das Buch war Eigentum des Moyses aus Fürth, ehemaligen markgräflichen Hofjuden. Sein Name steht auf einem auf dem Deckel aufgeklebten Papierschild. Weiteres ist auch mit der Lupe nicht mehr zu entziffern. Bezüglich der Konfiskation macht mich Herr Rabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt auf Hänle, 'Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach', S. 85 und 86 und Ziemlich 'Eine Bücherkonfiskation in Fürth im Jahre 1702' aufmerksam, wofür ich dem Herrn auch an dieser Stelle danke. Ob die von Ziemlich namentlich aufgeführten Bände und ihre Druckorte mit den in der besagten Bibliothek befindlichen identisch sind, kann ich erst nach Sichtung sämtlicher Bände bestimmen und werde ich dann nicht säumen, von weiteren Funden Mitteilung zu machen. Das Thannhauser Druckwerk ist bei Ziemlich nicht registriert. Wie Herr Hauptlehrer Kahn mitteilt, wohnen in Thannhausen keine Juden mehr und nur der Name Thannhausen (auch Dannhauser) erinnert noch an die einstige Heimat. Ich gestatte mir dabei zu bemerken, dass die Urahnen meiner seligen Frau - sie ruhe in Frieden - geb. Dannhauser, aus Thannhausen stammten und nach dem Gerusch (Vertreibung) nach Hürben, dem heutigen Krumbach übersiedelten. Der Großvater (Rabbiner Mosche seligen Andenkens), des hochberühmten - in Ehren Ruhenden - war Rabbiner in Thannhausen."      

    
    
    
Die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde          
    
Bis heute erinnert die "Judengasse" in Thannhausen an die frühere jüdische Niederlassung.
   
Eine Synagoge war vorhanden. Sie wurde 1627 im Bereich des "Bachgassenwinkels" (heute an der Stadionstraße) erbaut. Davor gab es vermutlich bereits einen Vorgängerbau oder einen Betraum in einem der jüdischen Häuser, doch ist näheres dazu nicht bekannt. Nach der Vertreibung der Juden 1718 wurde die Synagoge wenig später (1719) abgebrochen und an ihrer Stelle 1720 bis 1722 eine Kapelle umgebaut (Stadionkapelle, auch "Judenkapelle" genannt. Möglicherweise sind Teile des Synagogengebäudes in den Bau der Kapelle übernommen worden. Ein "Synagogenopferstock" (Zedaka-Büchse) ist noch vorhanden. 
 
Die im Auftrag von Johann Philipp Graf von Stadion durch Baumeister Georg Christian Wiedemann aus Elchingen erbaute Kapelle wurde am 28. Oktober 1722 den Heiligen Simon und Judas geweiht. Bei der Kirche handelt es sich um einen achteckigen Bau mit einem doppelgestuften Dach, das in ein bekreuztes Türmchen ausläuft. Über dem Kirchenportal ist das Wappen derer von Stadion angebracht. Eine grundlegende Restaurierung der Kapelle erfolgte 2001 bis 2003. 
  
1567 erteilte die Ortsherrschaft der jüdischen Gemeinde die Genehmigung zur Anlage eines eigenen Friedhofes. Dieser lag an der Straße nach Ziemetshausen in einem Waldteil - Flur "Judenbegräbnis". 
  
An weiteren Einrichtungen gab es Ende des 16. Jahrhunderts eine hebräische Druckerei, in der u.a. ein Machsor (Gebetbuch) verlegt wurde, von dem sich noch ein Exemplar in der Universitätsbibliothek in Oxford befindet.
    
    
    
Die Lage von Judengasse, ehemaliger Synagoge und jüdischem Friedhof

Lage der "Judengasse" und der "Stadionkapelle" in Thannhausen auf dem dortigen 
Stadtplan: oben anklicken über das Straßenverzeichnis weiterklicken zu "Judengasse"
Lage des jüdischen Friedhofes: oben anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu
 "Jugendübernachtungshaus". Der Friedhof lag bzw. liegt nördlich des Bereiches (Eintragung der geplanten Umgehungsstraße). 
Der Friedhof bzw. die Flur ist jedoch nicht eingetragen.

     
    
Fotos
(Farbfotos erhalten von Rektor Karl Landherr, Anton-Höfer-Grundschule Thannhausen)

Thannhausen Machsor 02.jpg (109836 Byte) Thannhausen Stadionkapelle 140.jpg (59363 Byte)  Thannhausen Stadionkapelle 144.jpg (39175 Byte)
Gebetbuch (Machsor), gedruckt 1592-94 
in Thannhausen, im Besitz der
Universitätsbibliothek Oxford  
 Blick auf die Stadionkapelle 
am Platz der früheren Synagoge 
 Eingangsportal  
  
     
     
Thannhausen Stadionkapelle 143.jpg (113015 Byte) Thannhausen Stadionkapelle 141.jpg (49854 Byte) Thannhausen Stadionkapelle 142.jpg (72161 Byte)
Hinweistafel zur Geschichte der Kapelle   Der "Opferstock" (Zedaka-Büchse) aus der ehemaligen Synagoge  
    

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Juli 2010: Ein israelischer Chor auf jüdischer Spurensuche in Thannhausen und Krumbach   
Artikel von Peter Voh in der "Augsburger Allgemeinen" vom 18. Juli 2010 (Artikel): "Jüdische Spurensuche. 
Thannhausen
Knapp drei Tage war der israelische Chor Ranot Gast der Evangelischen Kirchengemeinde in Thannhausen. Ein Großteil der 30-köpfigen Gruppe war bei Kirchenmitgliedern in und um die Mindelstadt fürsorglich untergebracht. Der Chor kam im Rahmen seiner zweiwöchigen Deutschland-Tour. Dem Empfang schloss sich ein kleiner Rundgang durch Thannhausen an. Hans Rettenmaier und Herbert Kramer vom Heimatverein führten die Delegation zur Stadionkapelle und erläuterten den Gästen die Situation der Juden in Thannhausen im späten Mittelalter. Zum Ende des 16. Jahrhunderts bestand hier auch eine jüdische Druckerei, wovon ein Buch heute noch in der Bibliothek im englischen Oxford existiert. Der Heimatverein Thannhausen besitzt Kopien daraus, die Pfarrer Karl B. Thoma anlässlich einer Studienreise vor vielen Jahren angefertigt und mitgebracht hat. Beeindruckt waren die Gäste von der Geschichte der Stadionkapelle. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erwarb Graf Stadion die Herrschaft Thannhausen und ließ die Juden vertreiben. Etliche von ihnen ließen sich daraufhin in Krumbach und Ichenhausen nieder. Die Synagoge in Thannhausen aber wurde von Stadion in eine Kapelle umgebaut, wie sie heute noch besteht und im Volksmund noch gelegentlich als Judenkapelle bezeichnet wird.
Tags darauf besuchten die Ranot- Sänger den jüdischen Friedhof in Krumbach. Herbert Auer, Experte des Judentums in der Kammelstadt, informierte sie über die Geschichte im früheren Hürben, dem heutigen östlichen Stadtteil von Krumbach.
Auf halbem Weg. Nachdem die doch zahlreichen Juden in der Region seinerzeit zentral auf dem jüdischen Friedhof in Burgau bestattet wurden, konnte man 1628 auf halbem Weg von Hürben zum Krumbad eine eigene Grabstätte anlegen. 1898 wurde ein Tahara-Haus zur Waschung und Einkleidung der Toten gebaut. Der Friedhof wurde in der NS-Zeit mehrfach geschändet, ein Teil der Grabsteine wurde als Baumaterial zweckentfremdet.
Unter den im Friedhof Beigesetzten ist auch die Schriftstellerin Hedwig Lachmann (1863-1918). Die letzten Bestattungen jüdischer Bürger fanden noch in den Jahren unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Die Gäste aus Israel waren vom guten Zustand des Friedhofs überrascht und dankten Herbert Auer für seine fachkundige Führung. 
Am Rande des Besuches spielte sich eine kleine persönliche Überraschung ab. Nelly Sommer von der Evangelischen Kirchengemeinde Thannhausen, die ihren Gast aus Israel auf den jüdischen Friedhof begleitete, stieß dort auf einen Grabstein, wo sie ihre Großmutter vermutet. Die Vorfahren von Sommer sind im 19. Jahrhundert an das Schwarze Meer ausgewandert, wo sie in der heutigen Ukraine geboren wurde, bevor sie über Kasachstan vor 15 Jahren nach Thannhausen übersiedelte. Herbert Auer wird nun versuchen, Nelly Sommer auf den Spuren ihrer Vorfahren zu helfen.
Das Ranot Vocal Ensemble verabschiedete sich nach dem großartigen Konzert in der Christuskirche. Neben einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau hatten sie ihren finalen Auftritt in München, bevor sie, voll guter Eindrücke besonders aus Thannhausen, in ihr Heimatland zurückgeflogen sind." 
 
  

  
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Thannhausen   
Informationen zum ehemaligen jüdischen Friedhof (interner Link): hier anklicken  
Informationsseite zu Thannhausen und der jüdischen Familie Thannhauser (u.a. Prof. Siegfried Thannhauser)  
Thannhausen Stadionkapelle 145.jpg (5231 Byte)  Seite zur Stadionkapelle auf der Website der Anton-Höfer-Grundschule in Thannhausen  
Weitere Seiten bei der Anton-Höfer-Grundschule:  Zur Judengasse in Thannhausen   
und über die Kunsthändler Heinrich Thannhausen (1859-1923) und (sein Sohn) Justin Thannhauser (Artikel in den "Mittelschwäbischen Nachrichten" vom 8. Oktober 2007)     
Die Familie Thannhauser gehörte seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten zu den führenden Kunsthändlern Deutschlands. In der Münchener Galerie von Heinrich Thannhauser fand 1911/12 die erste Ausstellung des Blauen Reiters statt. 1913 veranstaltete Heinrichs Sohn Justin die bis dahin weltweit umfangreichste Ausstellung mit Werken Picassos, die der Künstler selbst als Ausgangspunkt seines Weltruhmes bezeichnet hat, und eröffnete damit einen Ausstellungsreigen, um den ihn noch heute jedes Museum beneiden würde. Legendär ist die 1930 in der Berliner Galerie gezeigte Matisse-Ausstellung, die mit ihren 265 Werken aus der Zeit von 1896 bis 1929 die bis heute weltweit umfangreichste Schau des Künstlers geblieben ist. Den hohen Rang der Galerie, die vor den Nationalsozialisten nach Paris und schließlich nach New York weichen musste, dokumentiert auch die im Thannhauser Wing des Guggenheim Museums (und mit einigen Glanzstücken bis zum 7. Januar in Bonn) zu sehende Sammlung, die Justin und Hilde Thannhauser dem Museum gestiftet haben. Die Ausstellung und die dazu erscheinende Publikation geben einen Abriss der bewegten Geschichte der Thannhausers und erste Einblicke in das lange verloren geglaubte, jedoch in wichtigen Teilen erhaltene und außerordentlich wertvolle Archiv der Galerie, das dem ZADIK im letzten Jahr übereignet wurde.
(Quelle: Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels ZADIK )   
Robert Schlickewitz: Jüdisches Bayern: Die Juden von Thannhausen. Februar 2011 eingestellt bei hagalil.com. Online zugänglich.       

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 265. 
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Kempten. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 14. Jg. Nr. 81 Dezember 1999 S. 17.
Hans Bronnenmaier: Thannhauser Heimatbuch. Hg. von Leo Fendt. Thannhausen um 1959.

   

                   
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Stand: 16. Oktober 2013