Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Waldgrehweiler (VG Alsenz-Obermoschel, Donnersbergkreis) 
Jüdischer Friedhof
(erstellt unter Mitarbeit von Torsten Schlemmer, Waldgrehweiler)

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  
Siehe Seite zur Synagoge in Waldgrehweiler (interner Link)  
   
    
Zur Geschichte des Friedhofes  
  
Der jüdische Friedhof wurde im 19. Jahrhundert - die Angaben schwanken zwischen 1830 und 1890 - angelegt (Flurstück Nr. 761/2). Die Friedhofsfläche umfasst 3,50 ar. Es sind 14 Grabsteine in teilweise stark verwittertem Zustand erhalten. Einige der vermutlich in der NS-Zeit oder danach umgestürzten, teilweise zerbrochenen Grabsteine waren bis vor wenigen Jahren nur notdürftig aufgestellt und nicht renoviert.
  
Wenige Grabsteine erhalten noch lesbare Namen und Daten, u.a.: 

1. Abraham Strauß, Waldgrehweiler, geb. 9.1828, gest. 1.1889   
2.  Max Weil, geb. 7.3.1873, gest. 7.12.1932.
3.  Simon Strauß, geb. Jan. 1811, gest. 17.1.1867.
4.  ... Weil, geb. 11.5. ?, gest. 26.12.18?2. 
5. Samuel Weil, geb. 22. Jan.1832, gest. 13. März 1928.
6. ... Weil geb. Simon    

  
Zur Sanierung des Friedhofes - abgeschlossen im Sommer 2018
 
An den vergangenen Jahren wurde der Friedhof auf Initiative der Ortsgemeinde Waldgrehweiler in ehrenamtlicher Arbeit wieder hergerichtet - Pressebericht von Tosten Schlemmer in der "Rheinpfalz" vom Juli 2018:

"Judenfriedhof aus Dornröschenschlaf erweckt. Waldgrehweiler
. In wochenlanger, mühsamer Arbeit haben Marion und Heinz Kästner im Auftrag der Ortsgemeinde Waldgrehweiler den örtlichen jüdischen Friedhof saniert und wieder ansehnlich herausgeputzt. Bei den meisten Bürgern war er längst in Vergessenheit geraten. So durchlebte der kleine Begräbnisplatz, rund 1,5 Kilometer abseits des Ortskerns, an einem Waldrand auf der Höhe zwischen Waldgrehweiler und Bisterschied gelegen und von Schwarzdornhecken überwuchert, schon sinnbildlich seinen 'Dornröschenschlaf'. Da der einstige Zuweg, ein landwirtschaftlicher Dienstbarkeitsweg, seit einigen Jahren dem Ackerbau zum Opfer gefallen ist, hat die Gemeinde durch das angrenzende Waldstück einen Weg bis zum Friedhof hin freischneiden und herstellen lassen. Kleine Hinweisschildchen mit blauem Davidstern auf weißem Grund weißen den Interessierten den Weg, der als Abzweig an den Wanderweg 'Hexenroute' angebunden ist.
Der kleine denkmalgeschützte Bestattungsort umfasst 13 Grabstelen aus Sandstein, in meist historisierenden Formen. Ihre deutschen und hebräischen Inschriften sind sehr stark, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Zu lesen sind noch Familiennamen wie Strauß und Weil. Die meisten der Grabsteine waren zerbrochen, umgekippt, notdürftig aufgerichtet oder hingen schief. Nachdem die wuchernden Dornenhecken beseitigt und ihren Wurzeln ausgegraben waren, mussten Marion und Heinz Kästner teilweise wahre Archäologenarbeit leisten, legten Steinplatten und abgebrochene Zierelemente aus dem trockenen Waldboden frei. Ohne Strom und Wasseranschluss, mit einfachsten Hilfsmitteln, Handwerkzeug und selbstgebauten Hebeln, richteten sie die Grabdenkmäler wieder auf, sicherten ihren Stand und setzten die Fragmente gleich einem Puzzle wieder zusammen. Hierzu hatte sich Heinz Kästner extra bei einem Grabsteinmacher und Steinmetz im Nachbarort Ratschläge eingeholt und Kenntnisse in der Anfertigung des zum 'Kleben_ verwendeten Trasszementmörtels angeeignet. Auch der Umfassungszaun wurde wieder neu hergerichtet und erhielt einen Anstrich. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Nach jahrzehntelangem Dahinsiechen ist wieder ein schmucker Platz des Gedächtnis, der Ruhe und Andacht entstanden. Auf einer Bank können Besucher nun in der Stille des Waldes inne halten.
Über den Ursprung der Juden in Waldgrehweiler ist nur wenig bekannt, jedoch wird bereits 1718 ein Jude Gerdon genannt. 1801 waren 2,3 Prozent der Gesamteinwohner jüdischen Glaubens, im Jahr darauf wieder alle Juden verschwunden. Ab 1809 kamen erneut jüdische Händler in die Moscheltalgemeinde. In der gleichen Zeit entstand am heute so genannten 'Juden- oder Klostereck' Ortsausgang Richtung Ransweiler eine 'Judenschule', eine kleine Synagoge mit Mikwe und Nebenraum. In den Folgejahren entwickelte sich die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder auf bis zu 49 Personen in elf Familien. 1836 entsandte man einen Vertreter zur Kreissynode nach Speyer, um eine einheitliche jüdische Lehr- und Gottesdienstordnung zu gestalten. Am 25.03.1854 listete das Landkommissariat Kirchheimbolanden schließlich eine eigenständige jüdische Gemeinde in Waldgrehweiler. Bis 1880 sank deren Mitgliederzahl rasant auf 32 Personen, so dass sie bereits 1893 wieder aufgelöste und die Mitglieder der Nachbargemeinde Teschenmoschel zugeteilte. Die Synagoge wurde zum Preis von 1.425 Mark versteigert und die Torarollen nach Teschenmoschel überführt. Das Finkenbacher Pfarrbuch nennt 1905 noch acht Juden in Waldgrehweiler. Genaue Zahlen aus der Zeit bis zur NS-Zeit liegen nicht vor. Frieda Hamburger geb. Schlachter, Rosa Kling geb. Strauß, Max Pfahler, Ludwig Schlachter, Martha Wald geb. Kling und Johanna Weil geb. Frank wurden Opfer des Holocaust.
Nachdem sie wiederverkauft war und lange Zeit als Scheune diente, wurde schließlich auch die Waldgrehweilerer Synagoge Ende der 1950er Jahre abgerissen. Von der einstigen jüdischen Siedlung mit Bethaus, Schule, Wohnhäusern, Scheunen und Geschäften sind heute nur noch einige Ruinen übrig geblieben. Der einstige Türsturz der Synagoge ist in einer privaten Gartenmauer in Obermoschel eingesetzt. Im Gedenken an die jüdische Gemeinde hat die Ortsgemeinde Waldgrehweiler an der Hofstelle 'Judeneck' eine Zieranlage mit Gedenktafel errichtet."
  
  
Lage des Friedhofes  
   
Außerhalb des Ortes im Wald: ca. 1 km vom Ort entfernt, am asphaltierten/betonierten Feldweg nach Bisterschied bis auf die Höhe, dann bei betonierter Abstellfläche über eine Wiese bzw. eine Feld bis zum Waldwand gehen, wo sich der Friedhof befindet.    
   
  
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Fotos 

Der Friedhof im Sommer 2018
(Fotos: Torsten Schlemmer, Waldgrehweiler; Aufnahmen vom Juli 2018)
 
  Hinweiszeichen auf dem Weg zum Friedhof Blick auf den Friedhof mit Eingangstor  
     
 
Teilansichten des Friedhofes aus unterschiedlichen Perspektiven  
     
 
Teilansichten des Friedhofes     Unlesbare/verwitterte  Grabsteine
     
  Unlesbarer Grabstein
 
 Links Grabstein für Max Weil (1873-1932),
 rechts für Samuel Weil (1838-1928)
 Nur fragmentarisch lesbare Grabsteine
rechts für ... Weil geb. Simon
     
 
 Links Grabstein für He... Strauß, rechts für Jacobine (?),
 Ehefrau des Emanuel Weil
(1841-1863)
 Links Grabstein für Ester, Tochter des Mosche (hebr.),
 rechts für Simon Strauss (1811-1867)
 Links Grabstein für Abraham Strauß (1828-1889),
rechts unlesbar  
     
 
 Stark verwitterte Grabsteine, teilweise sind einzelne Worte hebräisch lesbar,
ganz rechts Grabsteinrückseite mit deutscher Inschrift.  
 
     
     
Der Friedhof im Frühjahr 2010
(Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 24.5.2010)
   
Waldgrehweiler Friedhof 170.jpg (123970 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 171.jpg (105308 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 182.jpg (123213 Byte)
Blick auf den Friedhof und das
Eingangstor
Die Hinweistafel Blick über den 
Friedhof
 
     
Waldgrehweiler Friedhof 173.jpg (121728 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 174.jpg (124783 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 175.jpg (120836 Byte)
Einzelne Grabsteine - damals (2010) noch durchweg in schlechtem und ungepflegtem Zustand
     
Waldgrehweiler Friedhof 176.jpg (111406 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 177.jpg (116464 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 178.jpg (119647 Byte)
Die Grabsteine sind - wenn überhaupt - nur noch fragmentarisch zu lesen 
     
Waldgrehweiler Friedhof 179.jpg (119426 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 180.jpg (92184 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 181.jpg (93100 Byte)
  Grabstein für ... Weil 
(1873-1932, Nr. 2)
Vermutlich Grabstein für 
Simon Strauß (Nr. 3)
      
Waldgrehweiler Friedhof 172.jpg (126908 Byte) Waldgrehweiler Friedhof 184.jpg (90957 Byte)    
  Blick auf Waldgrehweiler
 vom Weg zum Friedhof 
   
       

  
   

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der VG Alsenz-Obermoschel     

Literatur:  

bullet 
  
   

      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Oktober 2013