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Altenkunstadt (Kreis
Lichtenfels)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Altenkunstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht bis in spätmittelalterliche Zeiten zurück.
Bereits im 13. Jahrhundert könnten Juden am Ort gelebt haben: bei der
Judenverfolgung 1298 ("Rindfleisch-Verfolgung") kamen auch Juden aus
"Kunstadt" ums Leben, womit freilich auch - was sogar wahrscheinlicher
ist - "Burgkunstadt" gemeint sein kann. Um 1400 hatte das
Kloster Langheim in Altenkunstadt Schutzjuden. 1403 wird ein Jude genannt, der
entweder in Alten- oder Burgkunstadt wohnte (im Rechnungsbuch des Bamberger
Bischof steht der Name zwischen Einträgen über Einnahmen aus Altenkunstadt und
Burgkunstadt). Ein "Moses aus Altenkunstadt" erhielt 1475 das
Niederlassungsrecht in der Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach. Seit dem 16. Jahrhundert wohnten
im sogenannten Judenhof Schutzjuden der Freiherren von Schaumburg.
Bei den Mai-Unruhen 1699 wurden (im Mai dieses Jahres) auch
in Altenkunstadt jüdische Häuser überfallen und geplündert. Die jüdischen
Familien kamen dadurch in große Not. Gemeinsam mit den Burgkunstadter
Juden klagten sie bei der Herrschaft: "Wir müssen wegen unserer gewalttätigerweise
verwüsteten und ruinierten Wohnungen in Städeln und Scheuern in beständiger
Furcht und Kümmernis uns aufhalten und haben dabei nicht das liebe Brot noch
sonst etwas zu leben, mithin uns in dem äußersten Elend und Notstand
befinden." Erst Soldaten aus Bamberg sorgten wieder für Ruhe in den beiden
Orten.
Im 17. und
18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner ständig zu. 1700 waren
es 200, 1765 265 jüdische Einwohner. Im 18. Jahrhundert waren Juden aus Polen
und Böhmen zugewandert. Die jüdischen
Familien in Altenkunstadt standen unter dem Schutz unterschiedlicher Herrschaften:
1751/52 gab vier "fürstliche" Juden (Fürstbistum Bamberg), drei
Langheim'sche, 13 Marschalk'sche und 38 Schaumberg'sche Juden (es werden nur die
männliche Juden beziehungsweise Haushaltsvorstände aufgeführt). Zwei Jahre
später waren es 2 Langheim'sche, vier mehr Marschalk'sche (halb ämtische, halb
redwitzische), elf Giechische und 30 Schaumberg'sche Juden. Die jüdischen
Familien lebten vom Handel mit Vieh und Waren aller Art. Ihr Einzugsbereich
reichte vom Thüringer Wald bis in die Gegend um Scheßlitz. Im 18. Jahrhundert
finden sich jüdische Handelsleute aus Altenkunstadt auch bei den Leipziger
Messen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(seit 1809 'deutsche Elementarschule', Jüdische Volksschule seit 1869) mit Lehrerwohnung und ein rituelles Bad (Mikwe). Die Toten der Gemeinde wurden
auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt
beigesetzt. Zur
Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt,
der auch als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungstexte unten).
Um 1809, als die Elementarschule eingerichtet wurde, gab es zugleich vier
Privatlehrer am Ort, was noch in den folgenden Jahren zu einigen Spannungen mit
dem Elementarlehrer führte. Die Aufgaben Unterricht, Gottesdienst und Schochet wurde zeitweise auch
auf mehrere
Personen verteilt. Von den Lehrern bzw. auch Vorbetern und Schochetim werden
genannt: ab 1820 bis nach 1823 Moritz Ullmann (protestierte noch 1823
gegen die "Winkelschule" des Löb Bettmann), bis 1845 (Vorbeter) Ochs, von
1872 bis 1879 Moses Vogel
(u.a. "Der israelitische Lehrer" 25.5.1865 S. 84 und ebd. 15.4.1868 S. 24;
Vogel war acht Jahre lang erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr),
von 1879 bis zu seinem Tod 1907 Jonas Nordhäuser (geb. 1848 in
Wüstensachsen; unterrichtete 1893 18
Kinder an der Volksschule der Gemeinde, dazu 8 Religionsschüler), um 1909/14 Jacob Bierschild
(ab 1914 in Burgkunstadt), ab 1914
Hilfslehrer Semi Dorfzaun aus Karbach. 1889/92 gab
es neben Lehrer Nordhäuser als Lehrer und Kantor: S. Rosenthal als
Schochet und Synagogendiener. Zuvor wird in diesem Amt schon L. Leist
genannt (1887/88).
Altenkunstadt war wichtiger Teilort des bis 1914 bestehenden Bezirksrabbinates
Burgkunstadt. Daher werden im
Zusammenhang mit Mitteilungen aus diesem Bezirksrabbinat oft beide Orte zusammen
genannt. Die Rabbiner waren: von 1798 bis 1835 Rabbiner Löw
Reckendorfer, von 1835 bis 1844 Leopold Stein (seit 1844 in Frankfurt),
1845 bis 1878 Löw Traub, 1880 bis 1885 Dr. Siegmund Flaschner,
1886 bis 1896 Dr. Joseph Cohn,
Dr.
Eduard Ezechiel Gotein (1897 bis zu seinem Tod 1914). Nach Dr. Gotein wurde die Stelle nicht mehr besetzt, sondern durch den
Distriktsrabbiner aus Bayreuth vertreten.
An jüdischen Vereinen und besonderen Einrichtungen gab es bereits um 1810 ein
"Armen- und Krankenbesuch-Institut" (geleitet von Alexander Mack,
Lebensdaten 1774-1847), später
den "Krankenunterstützungsverein" (1889 genannt).
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1887/88 die Herren Hofmann,
L. Hellmann, H. Krause, um 1892 E. Lauer, J. Wolff, H. Levor, S. Oppenheimer, M.
Liebermann; 1919 bis 1938 Karl Lauer, um 1932 Karl Lauer gemeinsam mit Theodor
Liebermann, Max Schuster; 1938 bis 1941 Theodor Liebermann.
Im 19. Jahrhundert hielt sich die Zahl der jüdischen Einwohner zunächst noch
auf hohem Niveau: 1809 285 jüdische Einwohner (42,2 % der Gesamtbevölkerung
von 676 Personen; 70 Familien), 1811/12 339 (46,4 % von insgesamt 730), 1837
Höchstzahl von 400 (49,9 % von 802). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ging
die Zahl durch Aus- und Abwanderung schnell zurück: 1867 184 jüdische
Einwohner (15,8 % von 1.166), 1880 112
(8,7 % von 1.288), 1893 108 (in 33 Familien), 1900 65 (5,3 % von 1.219).
Im Ersten Weltkrieg ist von den jüdischen Kriegsteilnehmern aus
Altenkunstadt Karl Freudenthal gefallen (1917). Sein Name steht auf dem
Kriegerdenkmal unterhalb der Katholischen Kirche. Für seinen Kriegseinsatz wurde
mit dem Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet: Unteroffizier der Reserve Kaufmann
Moritz Herrmann, Sohn der Witwe von Max Herrmann (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 2. Dezember 1915 S. 1).
Um 1925, als noch etwa 40 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten,
waren die Vorsteher der Gemeinde Karl Lauer, David Liebermann und Max
Schuster. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat
Burgkunstadt, das seit
1914 durch den Bayreuther Rabbiner mitversehen wurde. 1932 waren die Vorsteher
der Gemeinde Karl Lauer, Theodor Liebermann und Max Schuster (letzterer auch als
Schriftführer und Schatzmeister). Als Lehrer und Kantor war Ignaz Steinbock
aus Burgkunstadt tätig.
An jüdischen Vereinen war noch der
Israelitische
Frauenverein aktiv (gegründet 1890, Ziel: Wohltätigkeit, 12 Mitglieder unter
der Leitung von Philippine Hellmann).
1933 lebten noch 28 jüdische Personen in Altenkunstadt (1,5 % von
insgesamt 1.867). Trotz der zunehmenden Repressalien und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts verzogen zunächst nur wenige der jüdischen Einwohner
vom Ort. 1936 wurde die Gemeinde mit den anderen Gemeinden des ehemaligen
Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt dem Rabbinat Bamberg zugeteilt. Erst zwischen 1937 und 1939 verzogen 12 der jüdischen Einwohner aus Altenkunstadt (drei wanderten in die USA aus, neun übersiedelten in andere Orte
Deutschlands). Von den letzten 15 - im Frühjahr 1942 noch in Altenkunstadt
lebenden - jüdischen Einwohner wurden 13 im April über Bamberg bzw. Würzburg nach
Krasnystaw deportiert und ermordet.
Ein jüdischer Mann (Benno Wolf, geb. 1891, nichtjüdisch verheiratet, 1966
Ehrenbürger von Altenkunstadt, gest. 1973 und in Bamberg beigesetzt) und seine Tochter
Inge (geb. 1924) überlebten den Krieg in
Altenkunstadt.
Von den in Altenkunstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Bacharach geb. Levor (1874), Ida Baer geb.
Hofmann (1874), Anna Berger geb. Hofmann (1875), Rosa Frankenburger geb.
Löwenthal (1874), Bertha Freudenthal geb. Levi (1886), Simon
Freudenthal (1889), Viktor Freudenthal (1896), Rosa Heller geb. Liebermann
(1874), Emma Hellmann (1858), Frieda (Friedl) Hellmann geb. Kahn (1902), Jenny
Hellmann (1891), Karl
Hellmann (1899), Mosche Hellmann (1889), Philippine Hellmann geb. Freudenthal
(1865), Siegmund Hellmann (1930), Roger Herrmann (geb. ?), William Herrmann
(geb. ?), Ida Hessdörfer geb. Liebermann (1869), Sophie Kohlmeier geb. Lauer
(1872), Frieda Lauer geb. Satzmann (1876), Ernst Liebermann (1926), Hedwig
Liebermann geb. Zeilberger (1892), Johanna Liebermann (1898), Martin Liebermann
(1921, siehe Beitrag
von Christof Eberstadt), Rosa Liebermann
geb. Rindsberg (1875), Ruth Liebermann (1928), Theodor Liebermann (1883), Sara
Lorentz geb. Seeligsberg (1869), Marie Moses geb. Seeligsberg (1876), Bella
Neumann geb. Hahn, Mathilde Nordhäuser (1878), Theodor Nordhäuser (1882), Else
Richheimer geb. Oppenheimer (1881), Siegfried (Fritz) Satzmann (1922), Emil
Schuster (1905), Julie Schuster geb. Löwenthal (1876), Max
Schuster (1876), Alexander Seeligsberg (1868), Klara Stark geb. Hahn (1865), Helene (Helena) Wolf geb.
Brill
(1906), Leo Wolf (1892), Lina Wolf geb. Leist (1863), Margot Wolf (1928), Käte
Zeilberger geb. Liebermann (1896).
Seit Mai 2013 erinnern auch in Altenkunstadt "Stolpersteine" an
einige der jüdischen Opfer der NS-Zeit. So wurden am 9. Mai 2013 drei
"Stolpersteine" vor dem Anwesen Theodor-Heuß-Straße 65 zur
Erinnerung an Leo, Helene und Margot Wolf verlegt. Ende August 2023
wurden weitere Stolpersteine verlegt vor dem Haus Langheimer Straße 1 für Emil
Schuster, Julie Schuster geb. Löwenthal und Max Schuster. Vgl. weitere
Informationen unten und Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Altenkunstadt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Über die Geschichte der jüdischen
Schule in Altenkunstadt (Artikel von 1909)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Februar 1909: "Schulgeschichte.
Von Jakob Bierschild, Lehrer, Altenkunstadt.
Auf ein 100-jähriges Bestehen kann die hiesige jüdische Volksschule nunmehr
zurückblicken, weshalb es von Interesse sein dürfte, einiges über die
Geschichte derselben zu erfahren.
Die Nachrichten über die jüdische Volksschule zu Altenkunstadt reichen nicht
über das Jahr 1806 zurück. Vor diesem Zeitpunkt bestand für die
israelitische Jugend kein Schulzwang, doch besuchten die meisten
jüdischen Kinder dahier die christliche Schule. Es bestand aber hier, ebenso
wie in allen älteren israelitischen Gemeinden, seit langen Jahren eine
sogenannte Winkelschule, die von Privatlehrern, Bachurim genannt, geleitet
wurde.
Vom Jahre 1806 an besuchten alle israelitischen schulpflichtigen
Kinder dahier die christliche Schule und unter dem 9. November gleichen
Jahres erging von dem damaligen Ober-Schul- und Studienkommissariat in
Franken ein Schreiben an die Vorsteher der israelitischen Gemeinde dahier
als Ausdruck besonderen Wohlgefallens 'über die aufgeklärten Gesinnungen,
mit welchen sie sich an die Jugendbildung der Christen anschlossen.'
Im November 1808 erklärte die israelitische Gemeinde, einen eigenen
Elementarlehrer anstellen und besolden zu wollen, und Altenkunstadt war von
allen israelitischen Gemeinden der damaligen 'Provinz Bamberg' die erste,
vielleicht die einzige, welche im Juni 1809 aus eigenem Antrieb und auf
eigene Kosten eine 'deutsche Elementarschule' organisierte. Die Eltern
hatten nun die Pflicht, ihre Kinder zur Werktagsschule zu schicken.
Erst am 5. Januar 1817 wurde gemäß Entschließung des königlichen
Generalkommissariates des 'Mainkreises', in den israelischen Gemeinden zu
Altenkunstadt und Burgkunstadt die
Errichtung und der zwangsweise Besuch der Feiertagsschule
angeordnet." |
Ausschreibungen der Lehrer-/ Vorbeterstelle 1845 / 1853 /
1879 / 1907
/ 1908
Anmerkung: Altenkunstadt wird in den damaligen Anzeigen "Altenkundstadt"
geschrieben; in ungefähr zeitgleichen Dokumenten und Artikeln begegnet jedoch in
derselben Weise "Altenkunstadt".
| Die Ausschreibung der Stelle 1845 war
nach dem Tod des Vorbeters Ochs nötig geworden: |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 14. April 1845: "Erledigte Stelle für inländische
israel. Lehramts-Kandidaten. Durch den Tod des seitherigen Vorbeters Ochs
wurde die hiesige Vorbeterstelle erledigt. Mit derselben ist ein fixer
Gehalt von 200 fl. rheinl. nebst mehreren nicht unbedeutenden Akzidenzien
verbunden. Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche mit legalen
Zeugnisse begleitet, binnen sechs Wochen an unterzeichnete Verwaltung
franco einzusenden, und zugleich anzuzeigen, ob sie zur Abhaltung eines
Probevortrags in hiesiger Synagoge bereit sind. Für Reisekosten wird
nichts vergütet. Bemerkt wird noch, dass der verstorbene Vorbeter, durch
Erteilung von Privatunterricht in Elementar- und Religionsgegenständen,
einen Nebenverdienst von circa 300 fl. jährlich hatte.
Altenkundstadt in Bayern 30. März 1845. Die israel.
Kultusverwaltung." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 7. März 1853: Ausschreiben. Die
israelitische Gemeinde zu Altenkunstadt beabsichtigt einen Vorbeter
aufzunehmen. Bewerber müssen mit den nötigen Seminarzeugnissen versehen
sein. Der Ertrag dieser Stelle ist fl. 150 aus der Kultuskasse, fl. 50 aus
Stiftungen, dann der gewöhnlich Akzidenzien, außerdem kann derselbe auf
Privatunterricht sich zuverlässig fl. 150 erwerben. Bewerbungen wollen
baldigst franko eingesendet werden.
Altenkundstadt, 13. Februar 1853. Die israel. Kultusverwaltung. |
| Die Ausschreibung 1879 erfolgte
nach dem Weggang von Lehrer Moses Vogel: |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1879:
"Offene Lehrer- und Vorbeterstelle.
Die in Erledigung gekommene, hiesige israelitische Elementar- und
ReligionsIehrer-Stelle, verbunden mit Vorbeter-Funktion wird mit einem
fixierten Jahresgehalte von
M. 950 und freier Dienstwohnung
zur öffentlichen Bewerbung ausgeschrieben. Der Gehaltsbezug wird durch die
aus der Vorbeterstelle fließenden Akzidentien, wie durch reichliche
Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht beträchtlich erhöht.
Bewerber wollen ihr Gesuch unter Beilage legaler Zeugnissee über ihren
Studiengang, sittliche Führung und seitherige Wirksamkeit binnen 14 Tagen
bei unterfertigter Stelle einreichen.
Altenkunstadt, den 10. Juni 1879. Israelitische
Kultus-Verwaltung." |
| Auf die Ausschreibung 1879 bewarb sich
erfolgreich Jonas Nordhäuser, der von 1879 bis 1907 Lehrer an der
israelitischen Volksschule Altenkunstadt war. Nach seinem Tod wurde die
Stelle wiederum ausgeschrieben: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 19. Dezember 1907: "Die in Erledigung
gekommene hiesige israelitische Elementar-, Religionslehrer- und
Kantorstelle wird mit einem fixierten Jahresgehalt von 1.200 Mark und
freier Dienstwohnung im Schulhause zur öffentlichen Bewerbung
ausgeschrieben. Der Gehaltsbezug kann durch spätere Übernahme der
Schächterfunktion erhöht werden. Bewerber wollen ihr Gesuch unter
Beilage loyaler Zeugnisse über ihren Studiengang, Führung und bisherige
Wirksamkeit binnen 14 Tage bei der unterfertigten Stelle einreichen.
Altenkundstadt (Oberfranken), d. 8. Dezember 1907. Israelitische
Kultusverwaltung". |
| Die Stelle musste 1907/08 mehrere Monate
ausgeschrieben werden, bis sich ein geeigneter Lehrer fand: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1908: Text
ähnlich wie oben. |
| Schließlich konnte die Stelle mit dem
Religionslehrer Jakob Bierschild besetzt werden (s.u.) |
Zum Tod von Lehrer Jonas Nordhäuser im November 1907 und Nachfolgeregelung
durch Lehrer Jakob Bierschild
Anmerkung: Jonas Nordhäuser ist am 2. September 1848 in
Wüstensachsen geboren. Nach seinem Tod
am 2. November 1907 wurde er im jüdischen Friedhof in
Burgkunstadt beigesetzt. Seine Frau
überlebte ihn einige Jahre. Die beiden hatten zwei Söhne Nathan und Theo (geb.
27. März 1882 in Altenkunstadt, Großhändler mit Essigessenz und Spirituosen,
bereits 1933 im KZ Dachau inhaftiert, deportiert und ermordet 1942)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1907:
"Burgkunstadt, 4. November (1907). Heute wurde unter allgemeiner
Beteiligung Herr Hauptlehrer Jonas Nordhäuser von Altenkunstadt im
Alter von erst 58 Jahren zu Grabe getragen. Um ihn trauert mit der Familie
und den zahlreichen Freunden die Gemeinde, in der er 28 Jahre hindurch
seines Amtes als Religions- und Elementarlehrer gewaltet hat. Von nah und
fern war man herbeigeeilt, um dem hochverehrten Mann, dem wackeren
Jugendbildner, der sich allgemeiner Achtung und Liebe erfreute, das letzte
Geleite zu geben. Herr Distriktsrabbiner Dr. Gottein von
Burgkunstadt
schilderte am Grabe in tiefempfundenen Worten das Leben und Wirken des
Heimgegangenen, Herr Hauptlehrer Löwenstern daselbst sprach im Namen der
anwesenden Kollegen und nahm in ergreifender Weise Abschied von dem Verwandten
und Freunde. Auch der Bezirkslehrerverein Weismain brachte seine Teilnahme
an dem Verlust in herzlicher Weise zum Ausdruck. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens". |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der
Israelit" am 10. September 1908: "Altenkunstadt, 3. Sept. (1908). Die durch den Tod des
Herrn Lehrers Nordhäuser seit Dezember vorigen Jahres verwaiste
israelitische Volkschullehrerstelle dahier wurde von Seiten der
Königlichen Regierung dem bisherigen Religionslehrer Jakob Bierschild
übertragen, nachdem derselbe von der hiesigen israelitischen
Kultusgemeinde in Vorschlag gebracht worden war." |
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| Über Lehrer Jakob Bierschild:
Jakob Bierschild ist geboren am 21. Februar 1883 in
Heßdorf als Sohn des Heßdorfer Lehrers
Joseph Bierschild und dessen Frau Babette geb. Goldbach. Er besuchte die
Israelitische Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in
Würzburg, die er 1902 abschloss. Im Jahr 1907 arbeitete Jakob Bierschild
bereits als Religionslehrer in Altenkunstadt. Nach dem Tod von Lehrer
Nordhäuser im November 1907 (s.o.) schlug die Kultusgemeinde vor, die Stelle
Jakob Bierschild zu übertragen. Im 1. Weltkrieg wurde Bierschild am 2.
Januar 1915 zum 5. Reserve Infanterie-Regiment der Bayerischen Armee
eingezogen. Am 3. September 1916 wurde er zum überzähligen Gefreiten ernannt
und am 13. Mai 1917 zum Unteroffizier. Er wurde im Winter 1916/17 in
Stellungskämpfen in französisch Flandern eingesetzt, anschließend vor der
Siegfriedstellung, im April und Mai 1917 in der Frühjahrsschlacht bei Arras,
dann bis Oktober 1917 in Lothringen und anschließend im Oberelsass. Jakob
Bierschild wurde für seinen Kriegseinsatz als "Einjähriger Unteroffizier",
1917 als Geschützführer in einem bayerischen Feldartillerieregiment mit dem
Bayerischen Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit Krone und Schwertern
ausgezeichnet. |
| Jakob Bierschild publizierte immer wieder
in jüdischen Periodika, siehe oben zur "Schulgeschichte" von Altenkunstadt.
Ein Beitrag über "Die Konfessionsschule" findet sich in "Israelitisches
Familienblatt - Blätter für Erziehung und Unterricht" vom 29. April 1909 (Link
zum Artikel), weitere Beiträge u.a. über "Gedenken zur Revision des
bayrischen Judenedikts vom 10. Juni 1813" in ebd. vom 11. November 1909 (Link
zum Artikel), "Skizze über die Behandlung eines Buchstaben im
hebräischen Unterricht" in ebd. 24. Februar 1910 (Link
zum Artikel) und ebd. 28. April 1910 (Link
zum Artikel). |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Charakterisierung der jüdischen
Bevölkerung in Altenkunstadt, Burgkunstadt und Redwitz (1810)
Anmerkung: von Patriotismus, Streben nach Bildung, Wohltätigkeit und anderen
Charakteristika der jüdischen Dorfbewohner Anfang des 19. Jahrhunderts.
Artikel
in der Zeitschrift "Sulamit" 1810 A. 33-35: "Die Kultur im Dorfe, oder
die Israeliten zu Altenkunstadt und Burgkunstadt.
Wenn Städtebewohner mit dem Zeitgeiste fortschreiten, und sowohl in
intellektueller als moralischer Hinsicht auf eine höhere Stufe gelangen, so
ist dieses weiter keine Bewunderung erregende, unerwartete, sondern eine dem
Verhältnisse der Kausalität ganz angemessene Erscheinung. Auffallend
hingegen, muss es uns sein, wenn wir Kultur im Dorfe einkehren, und den
niedern Hüttenbewohner vor jenem den Vorsprung hierin abgewinnen sehen.
Treten nun solche Fälle wirklich ein, so verdienen sie umso mehr einer
öffentlichen Erwähnung gewürdigt zu werden; da sie jedem Menschenfreunde
erfreulich sein, und die Hoffnung in ihm beleben müssen, einst da das große
Sonnenlicht zu erblicken, wo jetzt nur matter Mondschein sich dem
forschenden Auge darbietet.
Unweit der Provinzialhauptstadt Bamberg in Franken ist eine Gegend, welche
insgemein Gebirg genannt wird. Zu dieser gehören unter andern die Orte
Alten- und Burgkunstadt, Redwitz u.s.w. Ersterer und letzterer
Ort sind nur Dörfer, der zweite ist ein kleiner Marktflecken. Die physischen
und moralischen Beziehungen, zu welchen hier besonders die Einwohner
jüdischer Religion stehen, sind von der Art, dass sich nichts weniger, als
ein Aufkeimen der Vernunftsaat hier erwarten lässt. Ihr Hauptumgang bestehet
mit Ackersleuten, ihr Nahrungszweig in dem einzigen ihnen erlaubten Erwerbe
des Handels, kurz alle Verhältnisse deuten darauf hin, hier bloß den
gemeinen Dorfjuden finden zu können. Dessen ungeachtet haben sich die in
dieser Gegend, vorzüglich in den zwei ersteren Orten wohnenden Israeliten
seit 10 Jahren dergestalt in der Kultur hervorgetan, dass ihnen die Achtung
aller Edeldenkenden - freilich auch der Hass manchen Dummkopfs zuteil werden
musste. Geistes- und Herzensbildung hielten hier gleiche Schritte. Beide
reichen sich da schwesterlich die Hand. Ja, es ist keine Kultur, die in
einer bloßen Aufklärung gewöhnlicher Art bestehet; - da würde sie auch
diesen Namen nicht verdienen, und vielmehr verfeinerte Tierheit genannt
werden müssen - sondern eine solche, die sich überall durch helle und
richtige Denkungsart, guten Geschmack, edle Gesinnung und Handlung, mit
einem Worte: durch Humanität ausdrückt.
Ist es auch nicht möglich, alle jene Anstalten und Handlungen anzuführen,
aus welchen das Gesagte hervorleuchtet, so sollen hier wenigstens einige
hauptsächlich charakterisierende berührt werden.
Seit einigen Jahren besteht daselbst eine Gesellschaft verheirateter und
unverheirateter junger Leute, deren Tendenz ebenso mannigfaltig, als gut und
edel ist. Zur intellektuellen und ästhetischen Bildung hat sie sich eine
Bibliothek verschiedener schöner und geistreicher Werke, der neusten
Literatur angeschafft, welche jedem Liebhaber der Lektüre offen steht. Eine
Anstalt, die schon an und für sich sehr rühmlich ist, die aber zugleich auch
Bildung voraussetzt. Des Armen nicht vergessend, hat sie ein
Mildtätigkeits-Institut, aus welchem monatlich eine bedeutende Summe an
Bedürftige fließet. Der Fond hierzu wird teils durch bestimmte wöchentliche
Beiträge, teils durch den Ertrag eines der Gesellschaft zugehörigen Billards
gebildet.
Als bei der neuesten Rekrutierung mehrere jüdische Individuen ihres Ortes
das Los zum Militärdienste traf, bewies sich diese Gesellschaft ebenso
patriotisch als wohltätig. Jedem Unbemittelten, der den Beruf eines
Vaterlandsverteidigers erfüllte, und sich dieser Pflicht nicht durch
Stellung eines Ersatzmannes entledigte, setzte sie eine wöchentliche Zulage
von Einem Gulden aus, und bestimmte ihm noch überdies, bei seiner Entlassung
aus dem Militärdienste, eine Unterstützungssumme von 300 fl. |
Fortsetzung
aus ebd. S. 34-37: zu geben, damit er ein Gewerb anfangen, oder sein bisher
getriebenes fortsetzen kann. Wie edel, weise, patriotisch und ganz dem
Zeitgeiste anpassend ist nicht diese Handlung!*
*Anmerkung: Von dem Patriotismus der dortigen Israeliten überhaupt
verdient angemerkt zu werden, dass selbst einer der reichsten Männer zu
Altenkunstadt, Namens Gerson Kohn, Vorsteher der Landjudenschaft
seines Distrikts, seinen Sohn, Heß Kohn, dem Militärdienste
überlässt, ungeachtet er mit einigen, hundert Gulden einen Ersatzmann hätte
stellen können, und der Soldatenstand seines Sohnes ihm vielleicht dreimal
so viel kostet. Von gleicher patriotischen Besinnung beseelt, widersteht
letzterer aller Zudringlichkeit vieler seiner Glaubensgenossen, und beharrt
fest darauf: dem Vaterlande nicht nur mit seinem Gute, sondern auch mit
seinem Blute zu dienen.
So viel von dieser Gesellschaft, und ich kehre aufs Ganze wieder zurück.
Es ist eine unverkennbare Wahrheit: der gebildete Geist des Menschen drückt
sich auch in dem Bestreben zum Wiederbilden aus. Wir wollen daher einen
Blick auf das dortige Erziehungswesen werfen, und den Charakter der
Einwohner auch daraus zu erkennen suchen. Aber auch in dieser Hinsicht
finden wir da eine solche Stimmung, wie sie nur zu wünschen ist. Ihre Kinder
nicht nur zu Israeliten, sondern auch zu Menschen, zu nützlichen
Staatsbürgern zu bilden, ist das Ziel aller ihrer Unterrichtsanstalten, und
kein Opfer ist ihnen zu teuer, keine Mühe zu anstrengend, wenn es diesen
Gegenstand anbetrifft. In der kleinen ungefähr aus 70 Familien bestehenden
israelitischen Gemeinde zu Altenkunstadt, findet man, außer dem
öffentlichen - noch vier Privatlehrer, welche alle mit einem sehr
ansehnlichen Gehalte besoldet sind, und dabei noch sehr viele
Nebenakzidenzien beziehen. Was den öffentlichen Elementarlehrer betrifft, so
darf hier nicht übergangen werden, dass von allen Gemeinden der Provinz
Bamberg die des besagten Ortes, die erste, oder vielmehr zu sagen die
einzige war, welche aus Selbsttrieb und auf eigene Kosten*
*Anmerkung: Man vergleiche hiermit die jüdische Elementarschulanstalt in der
Provinzialhauptstadt Bamberg, die weder der Gemeinde noch den Eltern der
Schüler nur einen Heller kostet, sondern ihre Begründung und Erhaltung ganz
allein der allerhöchsten Gnade des Königs, welcher Seine Neujahrsgeschenke
zu einem jüdischen Schulfond zu bestimmen geruhte, zu verdanken hat, und die
noch so manche Hindernisse von Seiten der dortigen jüdischen Einwohner fand,
und noch findet! Vielleicht ginge es aber besser, wenn die Gemeinde die von
der Regierung ihr dargereichte Wohltat bezahlen müsste.
eine deutsche Elementarschule organisierte, und bei der Regierung um die
Erhaltung eines im Königlichen Schullehrer-Seminar gebildeten Lehrers
nachsuchte. Die Herstellung des Schulzimmers und Schulapparats, die Heizung
der Schule, der Gehalt und sie Wohnung des Lehrers, wurden und werden von
der Gemeinde und den Eltern der Schüler aus ihren eigenen Mitteln besorgt.
Mit der größten Feierlichkeit und Festivität ward auch von Seiten der
Gemeinde die Einweihung dieser Schule am vergangenen Gesetzfreudenfeste (Simchat
Tora) begangen, und deutlich war dabei die innere Freude zu erkennen,
die sich äußerlich auf das Gesicht eines jeden jüdischen Hausvaters dieses
Ortes malte.
Dieses alles und selbst das, dass sie diese Feierlichkeit gerade am besagten
Tage veranstaltete, muss hinlänglich beweisen, welchen Grad von Wichtigkeit
sie auf den Unterricht der Gegenstände des profanen Wissens legt, und
welches Interesse sie dafür haben muss.
Was zum Lobe dieser Gemeinde in Hinsicht der Moralität oben gesagt wurde,
wird vollkommen durch die in ihrer Mitte bestehenden
Wohltätigkeitsanstalten bestätigt.
Die Gemeinde zu Altenkunstadt (von den übrigen der im Eingänge erwähnten
Orten sind mir deren innere Einrichtungen nicht genau bekannt) hat unter
andern ein Armen- und auch ein Krankenbesuch-Institut errichtet, die
im Verhältnisse der geringen Familienzahl den berühmtesten Anstalten dieser
Art in großen Städten an die Seite gesetzt werden dürfen. Ersteres, unter
dem Namen Kwuza Kasse (Almosenkasse) bekannt, und welches durch
gewisse Auflagen jährlich einige Hundert Gulden Einkünfte hat, besteht
darin, dass wöchentlich eine bestimmte Summe Geldes an arme Ortseinwohner
verteilt, und jedem Dürftigen alljährlich das so genannte Osternmehl *
*Anmerkung: wo mancher 4 - 5 Metzen Weizen: ein Geldbetrag von 2 - 10 fl.
erhält.
gereicht wird. Das Letztere hat
1. das, was schon der Name desselben mit sich führt, nämlich Krankenbesuch,
und
2. die Unterstützung des Kranken durch Bezahlung des Arztes etc.
zum Zwecke. Sobald nämlich jemand erkrankt, müssen zwei, nach einem der
Reihe nach treffenden Lose, ihn, den Kranken besuchen und den Bericht in
Ansehung der allenfalls nötigen Anstalten an die Vorsteher des Instituts, an
deren Spitze Herr Alexander Mack - ein edler, vernünftiger,
kenntnisreicher und fürs allgemeine Wohl, für die Ausbreitung der Kultur so
äußerst tätiger, als wirkender Mann - steht, erstatten.- Alles, es sei in
Hinsicht der Pflege und Wartung, des Arztes, der Arznei, der Nahrung, oder
überhaupt was nur der Kranke nötig hat, wird, wenn er arm ist, auf Kosten
des Instituts besorgt. Hat der Kranke eine Familie zu ernähren, so wird ihm
noch überdies ein den Verhältnissen nach zu bestimmender Beitrag ins Haus
geschickt.
Solche Anstalten sind gewiss keine Erzeugnisse einer Modeaufgeklärtheit,
sind keine Produkte einer Neuerungssucht, sondern eines wahren verfeinerten
moralischen Gefühls und von allem Sauerteige gereinigten Verstandes. Aber
auch außer denselben befinden sich hier noch so viele andere Verbrüderungen
und Stiftungen, die deutlich die Worte aussprechen, deren ich mich im
Eingange dieses Aufsatzes bediente: Hier haben Geist und Herz gleichen
Schritt gehalten!
Bamberg, M. L. Kohn." |
Ausschreitungen im Revolutionsjahr 1848
Artikel
in "Der treue Zionswächter" vom 28. März 1848: "Südwestliches
Deutschland. Die Zeitungen der jüngsten Tage berichten zahlreiche
schreckliche Angriffe gegen die Juden an der württembergischen, badischen
und französischen Grenze, von boshaftem Pöbel und plündernden Rotten
versucht und ausgeführt, welche Hab' und Gut zertrümmerten und die
Eigentümer aus ihren Besitztümern völlig verjagten. Wer erinnert sich
nicht bei solche traurigen Szenen an die Beschlüsse der nunmehr aus dem
Zeitlichen verschwundenen Rabbiner-Versammlung, welche die herkömmlichen,
zur Abwehr ähnlicher Gefahren und Schrecknisse an den allgewaltigen
Beschützer Israels gerichteten Gebete, und sogar auf die Fasttage für
überflüssig erklärte, weil jene mittelalterlichen Bedrückungen und
Grausamkeiten in dem von Bildung strotzenden 19. Jahrhundert nicht mehr vorkämen,
ja undenklich wären.*) Sehen nun diese vom Wahne geblendeten Ratsherren,
wie wenig sie über die Gegenwart hinaus zu sehen vermögen, und wie sie
sonach als Unweise auch unvermögend seien, die Lehren und Anordnungen
unserer Weisen irgendwie anzutasten?
*) Auch in Altenkunstadt und Burgkunstadt in Oberfranken, wo der jetzt zu
Frankfurt am Main Neues predigende Stein vor einigen Jahren noch als
Rabbiner fungierte, kamen ähnliche Verheerungen und Vertreibungen
vor." |
Rabbiner Dr. Leopold Stein über
positive Entwicklungen bei seinen früheren Gemeinden Altenkunstadt und
Burgkunstadt (1852)
Aus
einem Beitrag von Leopold Stein "Die Reform bei den Israeliten auf dem
Lande" in: "Der israelitische Volkslehrer" Heft Mai 1852 S. 114: "In meinem
früheren ländlichen Rabbinate nämlich in Bayern, in den achtbaren
Gemeinden Burgkunstadt und
Altenkunstadt, haben in Folge eines fortgeschrittenen Bildungszustandes
und des mit demselben immer verbundenen Weiterstrebens und
Unternehmungsgeistes Handel und Gewerbe unter den Juden den merklichsten
Aufschwung genommen; es hat sich, trotz dem Drucke eines wahrhaft
unmenschlichen Matrikelgesetzes, die jüdische Familienzahl in beiden
Gemeinden im Laufe von vier Jahrzehnten fast verdoppelt; es hat die
Armut bedeutend abgenommen; es ist die Bettelei gänzlich aus jenen Gemeinden
verschwunden; und wenn in Folge der bürgerlichen Zustände auch dort die
Auswanderung zunimmt, so hat der Unternehmungsgeist durch
Handelsverbindungen mit den Ausgewanderten auch diesen Umstand zu einer
Quelle des Wohlstandes für jene Gegend gemacht." |
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1866 durch Lehrer Moses Vogel)
Anmerkung: in jeder jüdischen Gemeinde wurden regelmäßig
Spendensammlungen für bestimmte Zwecke durchgeführt; die Ergebnisse wurden immer
wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.
Mitteilung
in "Der Israelitische Lehrer" vom 15. März 1866: "Verein zur
Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und
-Waisen in Deutschland.
Spenden: Von dem Präsidenten des Landeskomitees in Bayern sind eingegangen
die in Nr. 3 u. 9 angezeigten Spenden mit fl. 319. 40 kr. Außerdem von Herrn
Weinschenk aus Schwabach 51 kr. Durch
Herrn Moses Vogel in Altenkunstadt: 1) aus den Gemeinden
Frießen und
Kronach, gesammelt durch Lehrer Gärtner
in Frießen, von Sal. Roßmann, Ludwig
Moßbacher, J. Z. Moßbacher, Bachmanns Witwe., Salomon Strauß, I.
Reitzenberger, Isaak Strauß, Simon Friedmann, Salomon Friedmann, Frau
Süßheim, Z. Moßbacher, Simon Strauß und Simon Bachmann fl. 14. 15 kr; 2) aus
der Gemeinde Redwitz, gesammelt durch
Lehrer Dachauer dort, von A. Wald, S. Zinn, M. Thurnauer, Wilhelm
Hopfmann, Th. Greif und S. Kuh fl. 7. 45 kr.; 3) aus der Gemeinde
Altenkunstadt, gesammelt durch mich von Leonhard Hahn, Moritz
Seeligsberg, Samuel Friedmann, A. Müller, J. S. Lauer, M. Heidelberger, S.
Lauterbach, A. Mohr, Ph. Bachmann, Frau Rabbiner Gutmann, K. S. Rauh, Frau
Rosenbaum, Heinrich Hellmann und Michael Herrmann fl. 6; Summe fl. 28; Louis
Lehmann in Homburg v. d. Höhe fl.
2. 45 kr. Zusammen fl. 351. 16 kr.. Gesamtsumme fl. 885. 35 kr."
|
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über R. Kopel Charif (geb. um 1765
in Altenkunstadt, gest. 1836 Vrbové, Slowakei)
Artikel
in "Die jüdische Presse" vom 24. Januar 1936: "R. Koppel Charif זצ״ל
hundert Jahre
Am 21. Kislew waren hundert Jahre seit dem Heimgang des berühmten R. Kopel
Charif seligen Andenkens verflossen. Er war um 5525 (1765) in
Altenkunstadt (Bayern) geboren; seine Nachkommen führen daher als aus
dem 'Reich' Stammende den Familiennamen Reich.
Als Zehnjähriger, schon ein 'Iluj', kam Koppel auf die Jeschiwa nach Fürth,
wo R. Josef Steinhardt und R. Hirsch Charif seligen Andenkens wirkten, dann
nach Prag zu R. Jecheskel Landau seligen Andenkens, der bald sein immenses
Wissen und die haarscharfe Disputierkunst erkannte. Als Verboer Raw leitete
R. Koppel Charif eine der größten und berühmtesten Jeschiwos des Landes, aus
der Leuchten des Judentums hervorgehen sollten.
Zur hundertsten Jahrzeit erschien nun dieser Tage der dritte Teil des Werkes
'Thoras Jecheskel', von R. Jecheskel Reich, dem Sohne R. Koppel
Charifs, das nach handschriftlichen Aufzeichnungen von Oberrabbiner Moses
Reich, Banovce n. Bebr., redigiert und herausgegeben wurde. Seine schon
im ersten Teil auf Bereschis anerkannten Vorzüge sind wirklich danach
angetan, den Leser zu erfreuen. Dem Werke sind auch Reden des bekannten
Oberrabbiners, Oberhausmitgliedes und königl. Rates R. Koppel Reich seligen
Andenkens, Budapest, eines Enkels R. Koppel Charifs, beigegeben. Der I. und
II. Teil zum II. bis IV. Buch sind beim Herausgeber (obige Adresse) zum
Preise von Kč 22.—, P. 4.—, S 5.—, inkl. Porto erhältlich." |
| |
(Abbildung aus Wikimedia Commons). Vgl. zum R. Kopel Charif den
Wikipedia-Artikel:
https://en.wikipedia.org/wiki/Yaakov_Koppel_Altenkunshtadt
Genealogische Informationen
https://www.geni.com/people/Harav-Yaakov-Koppel-Charif/6000000015181671742
Weitere Artikel zum R. Kopel siehe über Suchmaschinen.
|
"Akt der Humanität" gegenüber einem jüdischen Mitschüler
(1882)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1882:
"Nürnberg, 25. März (1882). Nachstehender Akt der Humanität
dürfte sich wohl eignen, in den Spalten Ihres geschätzten Blattes
Aufnahme zu finden. Ein sehr begabter und hoffnungsvoller Jüngling
unseres Glaubens, der eine der höheren Klassen des hiesigen Gymnasiums
besuchte, namens Moritz Hellmann aus Altenkunstadt, starb im 17.
Lebensjahre im Hause seiner Eltern. Zur Beerdigung desselben ordnete das
Rektorat dieser Anstalt fünf Mitschüler (zwei Israeliten und drei
Christen) auf Kosten der Schule ab, den Verblichenen zu Grabe zu geleiten
und ihm namens der Studienanstalt einen Kranz auf das Grab zu legen, was
auch in Begleitung einer kurzen Ansprache von einem der Mitschüler
geschah. Die Heimat des Verstorbenen ist von hier 27 Stunden entfernt und
die Schüler mussten unterwegs übernachten." |
Soldat Grünfelder meldet sich freiwillig zum
China-Feldzug (1900)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1900:
"Als Freiwillige, die sich für die Expedition nach China gemeldet
haben, werden uns noch genannt: J. Cohn vom 67 Infanterieregiment, L.
Rosenthal aus Ibbenbüren, Musketier Bachrach aus
Nentershausen bei der 3.
Kompanie des hess. Trainbat. Nr. 11, August Lang, Reservist in
Worms und
Grünfelder aus Altenkunstadt in Oberfranken." |
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Artikel
in "Der Gemeindebote" vom 17. August 1900: "München, 10. August. Im
zweiten Bataillon des 4. ostasiatischen Infanterieregiments, - das
ganze Bataillon ist nur aus Angehörigen der bayerischen Armee
zusammengestellt, befinden sich zwei Juden: Löwenthal aus
Rothenburg ob der Tauber und
Grünfelder aus Altenkunstadt in Oberfranken. Grünfelder trägt die
Schießauszeichnung. Am Freitag, den 27. Juli erschienen diese beiden
Musketiere zum Abendgottesdienste in der hiesigen Hauptsynagoge, woselbst
der Rabbinatssubstitut Dr. Finkelscherer aus diesem Anlasse eine
Ansprache hielt; in derselben betonte der Redner, dass die Ausziehenden für
das alte biblische Gesetz einzutreten berufen seien, das da lautet, der
Fremde sei gleich dem Einheimischen, gleiches Recht für ihn wie die Bewohner
des Landes, damit nicht fernerhin gegen dieses göttliche Gesetz die Heiden
freveln und der Erhabenheit dieses Gesetzes sich nicht ferner verschließen.
Mit einem Gebete für den Sieg der deutschen Fahnen schloss die Ansprache.
Die in den hiesigen Tageszeitungen enthaltene Mitteilung, dass den beiden
Musketieren auch ein Gebetbuch auf ihren Zug mitgegeben wurde, beruht auf
Irrtum." |
70. Geburtstag von Philippine Hellmann geb. Freudenthal
(1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1935: "Altenkunstadt,
8. April (1935). Frau Philippine Hellmann geb. Freudenthal, Vorstandsdame
des hiesigen Israelitischen Frauenvereins feiert ihren 70. Geburtstag. (Alles
Gute) bis 120 Jahre." |
| Anmerkung: Philippine Hellmann wurde am
17. März 1943 von Berlin nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 20.
Januar 1944 umgekommen ist. |
Der Gemeindevorsitzende Karl Lauer
verlässt Altenkunstadt - Nachfolger als Gemeindevorsitzender wird Theodor
Liebermann (1938)
Anmerkung: der Viehhändler Karl Lauer (geb. 23. Oktober 1863 in
Altenkunstadt, gest. 1941 in Scheßlitz)
verzog mit seiner Frau Frieda geb. Satzmann (geb. 23. Januar 1876 in
Zeckendorf, von Scheßlitz aus über
Würzburg 1942 deportiert nach Krasnystaw und ermordet) 1938 nach Scheßlitz. Ihr
Sohn Louis konnte 1940 noch von Fürth aus in die USA emigrieren (geb. 1903,
gest. 1985 in Deerfield Beach/USA). Hier lebte bereits seit 1937 seine Schwester
Grete verheiratet Maier (1905-1984, war verheiratet mit Emil Maier, Tochter
Mina).
der Viehhändler Theodor (Theo) Liebermann (geb. 6. Juli 1883 in
Altenkunstadt) war verheiratet mit Hedwig geb. Zeilberger (geb. 11. Mai
1892 in Ermershausen). Die beiden hatten
drei Kinder: Martin (geb. 28. Juni 1921 in Altenkunstadt), Ernst (geb. 6. Juli
1926 in Altenkunstadt) und Liese (Liesel Ruth, geb. 4. Juli 1928 in
Altenkunstadt). Die ganze Familie wurde 1942 über Würzburg nach Krasnystaw
deportiert und ermordet.
Mitteilung
in "Israelitisches Familienblatt" vom 20. Januar 1938: "Altenkunstadt.
In der vor einigen Tagen stattgefundenen Gemeindeversammlung wurde zum
Vorstand der Israelitischen Gemeinde Theodor Liebermann gewählt. Der
bisherige Vorstand, Karl Lauer, zieht nach
Scheßlitz. Er verwaltete neunzehn
Jahre den Vorstandsposten." |
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Mitteilung
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. April 1938: "Altenkunstadt.
Der Vorsitzende der Gemeinde, Karl Lauer, siedelte nach
Scheßlitz über. Aus diesem Anlass
fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier statt, in der Kantor Steinbock das
Wirken des Scheidenden während seiner 19jährigen Tätigkeit schilderte." |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1926: Hochzeit in Altenkunstadt von
Viktor Freudenthal und Else Freudenthal geb. Guth (in: Israelitisches
Familienblatt" vom 2. Dezember 1926 S. 6). |
| - 1929: 85. Geburtstag von Rosine
Seligsberg in Altenkunstadt (in: "Israelitisches Familienblatt" vom
31. Januar 1929 S. 6). |
| - 1930: 80. Geburtstag der
Lehrerwitwe Mathilde Nordhäuser in Altenkunstadt am 28. März 1930 (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 27. März 1930 S. 6). |
| - 1930: am 5. September 1930 70.
Geburtstag von Lehmann Freudenthal in Altenkunstadt (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 28. August 1930 S. 6). |
| - 1933: am 23. Oktober 70. Geburtstag
von Karl Lauer, Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde
Altenkunstadt (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 19. Oktober 1933 S.
6). |
| - 1933: gestorben ist in Altenkunstadt
Mathilde Nordhäuser, Lehrerwitwe im Alter von 84 Jahren (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 19. Oktober 1933 S. 6). |
| - 1934: am 9. März 1934 75. Geburtstag
(geb. 9. März 1859 in Altenkunstadt) von Philippine Herrmann geb. Krauß
(Altenkunstadt) zur Zeit Saarbrücken (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 8. März 1934 S. 5). |
| - 1935: am 8. April 1935 70.
Geburtstag von Philippine Hellmann geb. Freudenthal in Altenkunstadt,
Vorstandsdame des Israelitischen Frauenvereins in Altenkunstadt (in: "Der
Israelit" vom 11. April 1935 S. 14). |
| - 1937: am 3. April 1937 60.
Geburtstag von Frl. Rosa Nordhäuser in Altenkunstadt (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 25. März 1937). |
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| Weitere Personen: |
| Über den Bankier Emanuel Samuel bzw.
Emanuel Osmund (geb. 1766 in Altenkunstadt als Sohn des Händlers Samuel
Enzel und seiner Frau Rösel, gest. 1842 in Bayreuth) siehe Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Emanuel_Samuel |
| Über den Chirurgen und Geburtshelfer Dr.
Wolfgang Mack (geb. 1808 in Altenkunstadt als Sohn von Alexander Mack
und seiner Frau Sara, gest. 1883 in Fürth) siehe Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Mack |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige - Stellensuche von L. Leist
(1877) und Hinweise auf das Schicksal der
Familie Wolf
Anmerkung: es handelt sich um Lina Leist, geb. 10. Oktober
1863 in Altenkunstadt und umgekommen am 12. Oktober 1942 im Ghetto
Theresienstadt. Lina Leist war verheiratet mit N.N. Wolf bzw. nach dessen
Tod verwitwet. Sie lebte bis zur Deportation in Altenkunstadt bzw. zuletzt im
Jüdischen Altersheim Regensburg (Weißenburgstraße 31). Am 23. September wurde
sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Für den Sohn Leo Wolf, seine Frau Helene geb. Brill und die
Tochter Margot wurden 2013 in Altenkunstadt in der Theodor-Heuß-Straße 65
"Stolpersteine verlegt.
Sonstiges
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert:
Grabsteine in New York für Philip Hermann (gest. 1888),
Baruch Adler (1808-1882), Selig S. Fischer (1827-1884), Charles W. Mack
(1826-1887) und Sophie Fisher (1831-1886), alle aus Altenkunstadt sowie aus
Alexandria (Virginia, USA)
Anmerkung: die Gräber befinden sich in einem jüdischen Friedhof in
NY-Brooklyn, das Grab für David und Fanny Bendheim geb. Lauer ist auf dem Wilkes
Street Cemetery (jüdischer Teil) in Alexandria (Virginia, USA; Foto von Matthias
Maier).
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Grabstein
für
"...Philip Herman.
Native of Altenkunstadt, Bavaria.
Died July 15, 1888. Aged 85 Years.
May his soul rest in Peace..." |
Grabstein für "Charles W. Mack
Born in Altenkunstadt Bavaria
Dec. 3, 1826
Died Nov. 2, 1887 -
Hanna Mack
Born in Fürth - Bavaria April 23, 1831
Died March 19, 1907". |
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Grabstein für
"...Baruch Adler
Born in Altenkunstadt, Bavaria
October 24, 1808
Died May 20, 1882
Aged 53 Years..." |
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Grabstein für
"Selig S. Fisher
Born in Altenkunstadt Bavaria
November 7, 1827
Died in New York
January 28, 1884" . |
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Grabstein für "Sophie Fisher,
Born in Redwitz - Bavaria Febr. 28,
1831.
Died August 2, 1886" und
"Solomon Fisher. Born in Altenkunstadt Bavaria,
October 11, 1817,
Died September 15, 1906 -
Was a righteous man, perfect in his generation, and he walked with God". |
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Grabstein
für
David Bendheim,
Born April 18, 1827, at Gross Bieberau
(für Gross Biberach) Hessen Darmstadt Germany.
Died April 3, 1904.
Fanny Lauer Bendheim, Born Altenkunstadt
(für Alten Constadt) Bavaria, April 23, 1836.
Died June 20, 1909". |
Weitere Dokumente
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Zur Geschichte der Synagoge
Die bis heute erhaltene Synagoge wurde 1726 erbaut.
Die Jahreszahl steht auf dem Hochzeitsstein der Synagoge. Über 200 Jahre lang
war die Synagoge kultureller und religiöser Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens am Ort.
Zur Synagoge in Altenkunstadt wurden in jüdischen Periodika keine besonderen
Artikel gefunden. Immerhin gibt es einen kleinen Beitrag von 1928:
Der Gymnasiast Karl Lang aus
Burgkunstadt übernimmt in
Urlaubsvertretung den Vorbeterdienst in der Synagoge (1928)
Aus einem Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. September 1928:
"Kinder als Vorbeter.
Während des Urlaubes der Lehrers und Vorbeters der Gemeinde
Burgkunstadt (Bayern) übernahm
der 13jährige Gymnasiast Paul Lang, Sohn des verstorbenen
Gemeindevorstandes Karl Lang, den vollständigen Gottesdienst für die beiden
Gemeinden Burgkunstadt und
Altenkunstadt. Die Gemeindemitglieder waren hocherstaunt über die
vorzüglichen Leistungen des jugendlichen Vorbeters, der die schwierige
Materie wie ein vollständig ausgebildeter Chason (Kantor)
beherrschte." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge
(Inventar und Ritualien) durch ortsansässige SA-Leute zerstört. Im
Zweiten Weltkrieg wurden Kriegsgefangene in dem Gebäude untergebracht, nach dem
Krieg Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Im März 1948 fand vor dem
Landgericht Coburg ein Prozess gegen zwei der beim Novemberpogrom 1938
Beteiligten statt. Einer von ihnen erhielt eineinhalb Jahre Gefängnis.
Nach einer mehrjährigen Nutzung als Lagerraum für das Wasserwerk der Gemeinde
wurde die ehemalige Synagoge 1989 bis 1993 umfassend restauriert und als Museum und
kulturelle Begegnungsstätte hergerichtet. Auf der ehemaligen Frauenempore
erinnert heute eine Dauerausstellung an die Geschichte der Juden im oberen
Maintal. Eine Nachbildung des Hochzeitssteines von 1726 wurde am Gebäude
angebracht, da der alte Hochzeitsstein bis zur Unkenntlichkeit verwittert ist.
Adresse/Standort der Synagoge: Judenhof 3 D-96264 Altenkunstadt (Tel. 09573/7999,
über Gemeinde: 09752/387-0 oder -11, Fax 09753/310986)
Fotos / Darstellungen:
(Historische Aufnahmen von Hochzeitsstein und Toraschild von Theodor Harburger
1928/29,
veröffentlicht in ders.: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und
Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the
Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth und
Schnaittach. 1998 Bd. 2 S. 4-5; Zeichnungen aus Motschmann: Es geht Schabbes ei
s.Lit. S. 28-29; neuere Innenaufnahme: Jürgen Hanke, Kronach)
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Zeichnung der Synagoge von
Josef Dumrauf (1930) |
Foto des Hochzeitssteines von
Th. Harburger (Aufnahme von 1929) |
Zeichnung des Hochzeitssteines
von
Distriktrabbiner Dr. Eduard Goitein (1915) |
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Steinerner Rahmen des
Tora-Schreines, Zeichnung von
Dr. Goitein (1915) |
Tora-Schild (Tass) von 1715 im
Synagogenbesitz (Aufnahme
von Th. Harburger 1928). |
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| Fotos nach 1945 |
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Die ehemalige Synagoge um 1985
vor der
Restaurierung (das Dach ist bereits
erneuert. Quelle: Schwierz s.Lit.) |
Innenaufnahme
nach der
Restaurierung |
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Fotos
2007 / 2022
(Fotos von J. Hahn, Aufnahmedatum 10.4.2007, neuere Aufnahmen von
Jürgen Hanke, Kronach von 2022) |
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| Der "Judenhof" |
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Straßenschild |
Hinweistafel zur Geschichte
des "Judenhofes" (links alte Tafel von 2006) |
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Blick auf den
Judenhof |
Im Judenhof: links Teil der
Synagoge;
das Haus links der Mitte war das Haus
des Schächters |
Eines der ehemaligen
jüdischen Häuser (Judenhof 15) |
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Hinweistafel zur Geschichte
der
israelitischen Volksschule |
Das Gebäude der ehemaligen
israelitischen Volksschule mit Anbau |
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| Die ehemalige Synagoge |
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Hinweistafel zur
Synagoge "Kulturraum und Gedenkstätte) |
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Blick auf die Ostfassade der
ehemaligen
Synagoge vom Eingang in den "Judenhof"
Der Aron hakodesch (Toraschrein) befindet
sich links von dem Fenster |
Blick vom Judenhof auf die
Nordfassade
der ehemaligen Synagoge
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Blick zum Eingang auf
der
Westseite
der ehemaligen Synagoge
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Nachbildung des
Hochzeitssteines
und Gedenktafel |
Hinweis- und
Gedenktafel |
Nachbildung des
Hochzeitssteines |
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Brunnen vor der
ehemaligen
Synagoge |
Eingang zum Nebengebäude
der
ehemaligen Synagoge |
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Das sog. "Mack-Haus"
(Theodor-Heuss-Straße 25)
und seine
jüdische Vorgeschichte
(Fotos: Jürgen Hanke, Fotos von 2014/2022) |
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Text auf der
Informationstafel von 2006: "Das Mack-Haus. Dieses Gebäude war das Wohn- und
Geschäftshaus der jüdischen Familien Mack und Seeligsberg. Sie waren
Tuchhändler. Das Haus wurde 1832/33 im klassizistischen Stil neu erbaut,
möglicherweise nach Plänen des berühmten Architekten Leo von Klenze, der zu
jener Zeit die Residenzstadt München prächtig ausbaute."
Die neue Tafel hat den Text: "Das Mack-Seeligsberg-Haus.
Dieses denkmalgeschützte Gebäude war das Wohn- und Geschäftshaus der
jüdischen Tuchhändlerfamilie Mack im klassizistischen Stil,
höchstwahrscheinlich nach Plänen des berühmte Architekten Leo von Klenze,
der zu jener Zeit die Residenzstadt München so prächtig ausbaute. Ausgeführt
wurde der Bau durch den hiesigen Baumeister Georg Zeuß. Der rückwärtige
Fachwerkbau gilt als eines der ältesten Gebäude in der Gemeinde
Altenkunstadt. Das Haus blieb im Besitz der Familie Mack. Als letztes
Mitglied lebte hier Rosine Seeligsberg eine Enkelin von Alexander Mack,
verheiratet mit dem Kronacher Arztsohn Moritz Seeligsberg. Sie starb,
hochangesehen nicht zuletzt wegen ihres großen sozialen Engagements, im Jahr
1932." |
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Das Rathaus und seine
jüdische Vorgeschichte
(Foto: Jürgen Hanke, Fotos von 2014 / 2022) |
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Text auf der
Informationstafel von 2006: "Das Rathaus. Die Gemeindeverwaltung wurde
erst nach dem Zweiten Weltkrieg aus der alten Kanzlei in dieses Gebäude
verlegt. 1855 kaufte die Gemeinde das Anwesen von der jüdischen
Weinhändlerfamilie Putzel, die, wie damals viele ihrer Glaubensgenossen,
nach Amerika auswanderte. Von 1855 bis 1929 beherbergte das Haus die
Volksschule sowie Lehrerwohnungen. durch den Zuwachs der Bevölkerung
reichten die Räume bald nicht mehr aus. Im 'Kloster' wurde die 1. bis 4.
Klasse der Mädchen, in der Gastwirtschaft Fischer am Markt, heute Anwesen
Langheimer Strasse 2, die 1. bis 4. Klasse der Jungen unterrichtet. Die
oberen Klassen verblieben im Rathaus, ebenso die Lehrerwohnungen. 1975 wurde
das Rathaus um einen Anbau erweitert."
Die neue Tafel hat den Text: "Das Rathaus. Das Gebäude wurde
1826 errichtet und erfuhr im Laufe der Jahre zahlreiche Umbauten und
verschiedene Nutzungen. 1855 kaufte die Gemeinde das Anwesen von der
jüdischen Weinhändlerfamilie Putzel, die wie damals viele ihrer
Glaubensgenossen nach Amerika auswanderte. Von 1855 bis 1929 beherbergte das
Gebäude die Volksschule sowie Lehrerwohnungen. Durch die Zunahme der
Bevölkerung reichten die Räume bald für Schulzwecke nicht mehr aus. Nach dem
Neubau einer Schule an der Baiersdorfer Straße im Jahr 1928 verblieben hier
aber weiterhin Lehrerwohnungen. Nach 1945 erfolgte nach und nach die
Verlegung der Gemeindeverwaltung hierher. Im Zuge der Gebietsreform der
1970er-Jahen wurden einige umliegende Dörfer eingemeindet und die Verwaltung
wurde größer, sodass 1975 ein Anbau am rückwärtigen Teil des Hauses nötig
wurde." |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| April 2012:
Gedenken an die Deportation und Ermordung von 13
Altenkunstadter Juden |
Artikel von Andreas Welz in "infranken.de"
vom 25. April 2012: "13 Kerzen, ein Foto und viele mahnende
Worte.
Altenkunstadt. Gedenkstunde. Die Interessengemeinschaft Synagoge
Altenkunstadt erinnerte mit der CHW-Bezirksgruppe Burgkunstadt-Weismain an
die Deportation und Ermordung von 13 Altenkunstadter
Juden..."
Link
zum Artikel |
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| Mai 2013:
In Altenkunstadt werden "Stolpersteine"
verlegt |
Artikel von Josef Motschmann in der
"Neuen Presse" vom 14. Mai 2013: "Symbole neuer
Erinnerungskultur.
Drei Stolpersteine erinnern an die Familie Wolf. Sie wurde am 24. April
1942 nach Polen deportiert und wenige Wochen später in den Gaskammern des
Konzentrationslagers Sobibor von den Nazis ermordet..."
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| Oktober 2013:
Ausstellung zu den Genisa-Funden |
Artikel von Josef Motschmann in der
"Neuen Presse" vom 19. Oktober 2013 (Link
zum Artikel): "Ältestes Dokument aus dem Jahr 1566
In der Altenkunstadter Synagoge ist die Genisa-Ausstellung eröffnet. Selbst Gäste aus den USA sind angereist.
Altenkunstadt - Evi Iglauer und Lotte Reynold aus New York City konnten im Jahr 1938 noch rechtzeitig Deutschland verlassen und in den USA eine sichere Bleibe finden. Beide Iglauer-Töchter, damals sechs und zehn Jahre alt, mussten nicht mehr erleben, wie wenige Wochen nach ihrer Ausreise ihre vertraute Burgkunstadter Synagoge in der Pogromnacht zerstört und ein paar Tage später abgerissen wurde.
Dokumente, wie sie jetzt in der Altenkunstadter Synagoge präsentiert werden konnten, seien damals in Burgkunstadt während der November-Tage 1938 wohl für immer verloren gegangen. Umso erfreuter lauschten die beiden rüstigen "Borkuuschde Maala" der 30er-Jahre den Ausführungen von Inge Goebel, als sie einzelne Genisa-Objekte, die man Anfang der 1990er-Jahre auf dem Dachboden der Altenkunstadter Synagoge geborgen hatte, erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.
In Anwesenheit des Bürgermeisters Georg Vonbrunn, mehrerer Gemeinderäte und zahlreicher Gäste erklärte Inge Goebel, ehrenamtliche Archivleiterin der Gemeinde Altenkunstadt, die Bedeutung einer Genisa für die heutige Forschung. Religiöse Gegenstände und andere Dokumente hätten die Juden früher nicht weggeworfen, sondern in der Synagoge "hinterlegt". Mit Hilfe der gefundenen Objekte könnte man heute Rückschlüsse ziehen auf das Innenleben einer Gemeinde, das Schulwesen, auf die Rolle der Frauen, den kulturellen Austausch und den Radius wirtschaftlicher Beziehungen.
Das älteste Dokument, das man in Altenkunstadt geborgen hatte, stammt aus dem Jahr 1566 und ist das Fragment eines Bibelkommentars, der in Venedig gedruckt wurde. "Salomon Jakob Lauer aus Altenkunstadt" ist beispielsweise in einer Predigtsammlung vermerkt, die 1799 in
Sulzbach erschienen ist. Inge Goebel zeigte sich darüber erfreut, dass tatsächlich die meisten Objekte aus Altenkunstadt stammen und damit sehr anschaulich 300 Jahre der 700-jährigen jüdischen Tradition des Ortes dokumentieren. Vielleicht könnte sich in einigen Jahren jemand entschließen, seine Doktorarbeit über die Altenkunstadter Genisa zu schreiben, so der Wunsch der Referentin.
Auf der ehemaligen Frauenempore, auf der seit 1993 einer Dauerausstellung zur Geschichte der Juden am Obermain präsentiert wird, konnten die Besucher in den neu eingerichteten Vitrinen einzelne Objekte einsehen, die man in den letzten Wochen restauriert hatte. Erstaunt wurde registriert, wie vor 200 Jahren Kalender angelegt waren. Andererseits konnte man bei der Literatur für die Schulanfänger durchaus Parallelen zu heutigen ABC-Schützen feststellen: Das mühsame Erlernen der einzelnen Buchstaben fällt eben doch am leichtesten, wenn es mit Hilfe von interessanten Bildern schmackhaft gemacht wird - damals wie heute..." |
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November/Dezember 2016: Zum Tod von Josef Motschmann
Der im Blick auf die Erforschung der jüdischen Geschichte der Region
hochverdiente Josef Motschmann (geb. 26.1.1952 in Altenkunstadt, gest.
26.11.2016) wurde unter anderem mit dem German Jewish History Award
ausgezeichnet. Dazu findet sich eine Würdigung in der Seite http://obermayer.us/award/awardees/motschmann-ger.htm
bzw. in englisch http://obermayer.us/award/awardees/motschmann-eng.htm
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Traueranzeige
zum Tod von Josef Motschmann: "Nachruf
Die Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt trauert um
Josef Motschmann
Gründer, 1. Vorsitzender und inspirierender Geist unserer
Gemeinschaft.
Seiner Initiative ist es zu danken, dass die ehemalige Synagoge zu einem
Ort der Begegnung, des friedlichen Diskurses und des kulturellen
Austausches wurde - es war ihm eine Herzensangelegenheit.
Mit der Gründung der Interessengemeinschaft Synagoge wurde der Rahmen
geschaffen für die vielfältigen Veranstaltungen, mit denen Josef
Motschmann unermüdlich für das gegenseitige Verständnis der jüdischen
und der christlichen Religion und das Wissen um die gemeinsamen Werte und
Traditionen warb. Sein Bemühen um das Aufarbeiten der Geschichte
bewirkte, dass Nachkommen Altenkunstadter Juden die Heimat ihrer Vorfahren
immer wieder als Ort der Versöhnung kennenlernten und hat den Namen den
Namen Altenkunstadt in die Welt getragen. Josef Motschmanns großes
Engagement, seine Unbeirrbarkeit und sein ausgleichendes Wesen haben die
Interessengemeinschaft geprägt. Er wird sehr fehlen.
Inge Goebel Otto Schumann Dr. Hansjürgen Michel" |
| Presseartikel in "InFranken.de"
vom 28. November 2016: "Altenkunstadts
Ehrenbürger Josef Motschmann ist tot". |
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| März 2020:
Mit App und Smartphone
durch die Ausstellung in der Synagoge |
Artikel von Corinna Tübel in "Fränkischer
Tag" vom 10. März 2020: "Interaktiv durch die Synagoge. Ein sogenannter
Smartguide ermöglicht es, erklärende Informationen zu den Exponaten zu
bekommen.
In der ehemaligen Synagoge gibt es jetzt die Möglichkeit, sich auf eine
'interaktive Führung' durch die Dauerausstellung zu begeben. Bei einer
kleinen Feier wurde der sogenannte Smartguide offiziell vorgestellt.
Bürgermeister Robert Hümmer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die
Synagoge von Altenkunstadt eines der wenigen Gebäude sei, das die
schrecklichen geschichtlichen Ereignisse überstanden habe. Noch heute könne
es deshalb an die jüdische Gemeinde erinnern. Nachdem Gemeinderat Karlheinz
Hofmann die Ausstattung der Synagoge mit modernster Technik ins Spiel
gebracht habe, entschieden sich die Verantwortlichen der Gemeinde dafür,
eine Smartguide anzuschaffen.
Interessengemeinschaft. Einen kurzen geschichtlichen Überblick gab
Archivbetreuerin Inge Göbel, die ins Bewusstsein rief, dass im Jahr 1938 die
Synagoge von Altenkunstadt beschädigt worden sei. 1988 fanden sich heimische
Bürger zusammen, die die 'Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt'
gründeten. Ihr besonderes Anliegen sei es dabei gewesen, dieses Gebäude, das
über Jahrzehnten als Turnraum oder als Lagerhalle gedient habe, als Kultur-
und Ausstellungsraum zu eröffnen. Die inzwischen immer umfangreicher
gewordene Dauerausstellung auf der sogenannten Damenempore trage dazu bei,
dass bei Besuchern und insbesondere Schulkindern viel Verständnis für die
Geschichte der Juden geweckt werde. Allerdings erschlössen sich derartige
Exponate nicht von selbst. Sie benötigten Erklärung. Hier habe der
technische Fortschritt nun Möglichkeiten geschaffen, um sich selbst auf den
Weg durch die Dauerausstellung in der Synagoge zu begeben. In diesem
Zusammenhang kam dann die Idee von Kreisarchivpflegerin Adelheid Waschka,
mit sogenannten QR-Codes zu arbeiten.
Schlüssel und Smartphone. Dies stellte sich als eine funktionierende
und weitgehend wartungsfreie Lösung heraus. Interessierte müssten sich nur
den Schlüssel im Rathaus (während der üblichen Geschäftszeiten) holen und
könnten mit einem Smartphone an die erklärenden Informationen kommen, die es
sowohl in deutscher wie auch in englischer Sprache gibt."
Link zum Artikel
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September 2024:
Führung durch das jüdische
Altenkunstadt am "Tag des offenen Denkmals" |
Artikel von Bernd Kleinert im
"Obermain-Tagblatt" vom 10. September 2024: "ALTENKUNSTADT.
"Wahr-Zeichen": Synagoge Altenkunstadt steht Besuchern offen
'Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte' lautete das Motto des 'Tag des
offenen Denkmals 2024'. Mit der ehemaligen Synagoge besitzt auch die
Gemeinde Altenkunstadt ein geschichtsträchtiges Wahrzeichen. Über die
Bedeutung des 1726 errichteten Gotteshauses, das die jüdische Gemeinde im
Ort 212 Jahre lang für religiöse und kulturelle Zwecke nutzte, informierte
Udo Bornschlegel-Diroll aus Burgkunstadt bei einer Führung. Unter den
Teilnehmenden waren auch zahlreiche auswärtige Zuhörende, darunter etwa
Gäste aus Erfurt. Der geschichtliche Rundgang begann im Judenhof, der
Bornschlegel-Diroll zufolge mit der Synagoge, der Schule und dem
Schächte-Haus für die jüdische Bevölkerung das Zentrum bildete. Ein Brunnen
in der Mitte des Platzes versorgte die Menschen mit 'lebendigem Wasser'. Im
Schächte-Haus seien nur zugelassene Tiere rituell geschlachtet worden. 'Der
Schächter musste ein integrer Mann sein, seine Arbeit mit einem speziellen
Messer verrichten und dafür sogar ausgebildet sein', erklärte der Referent.
Bornschlegel-Diroll führte die Teilnehmenden zu dem Ort neben der Synagoge,
wo einst die Mikwe floss.
Rituelles Tauchbad. Bei dem Bach handelte es sich um ein rituelles
Tauchbad, dessen 'besonderes Wasser' der innerlichen, nicht aber der
äußerlichen Reinigung diente. Wer in die Mikwe stieg, und das waren
hauptsächlich Frauen, musste komplett untertauchen. Aber nicht nur Menschen
wurden in dem Wasser rituell gereinigt, sondern auch Gegenstände wie
Geschirr. 'Zusammen mit der Thora und der Synagoge bildet die Mikwe die drei
Säulen, auf denen das Judentum basiert', betonte der Redner. An einer
Nachbildung des historischen Hochzeitssteins neben dem Haupteingang der
ehemaligen Synagoge informierte er über den Ablauf einer jüdischen
Hochzeitsfeier. Der zweite Teil der Führung fand in der Synagoge statt,
deren Inneneinrichtung in der sogenannten Reichspogromnacht vom 9. auf den
10. November 1938 zerstört wurde. Danach diente das Gebäude Schule und
Vereinen als Turnhalle und später dann der Gemeinde als Lagerraum.
Jetzt Begegnungsstätte. Die 1988 gegründete Interessengemeinschaft
Synagoge und die Gemeinde Altenkunstadt wagten sich an die Restaurierung des
ehemaligen jüdischen Gotteshauses, das nun seit 1993 als Begegnungs-,
Kultur- und Gedenkstätte für Veranstaltungen genutzt wird.
Bornschlegel-Diroll zeigte den Teilnehmenden den nach Osten hin
ausgerichteten Thora-Schrein, wo einst die auf den ersten fünf Büchern Mose
beruhenden Thora-Rollen aufbewahrt und bei Gottesdiensten zum Lesen
aufgelegt wurden. Im Gegensatz zu Kirchen als rein sakral geprägten Gebäuden
gelten Synagogen dem Referenten zufolge als Versammlungsorte, wo nicht nur
Gottesdienst gefeiert wird. Für Männer und Frauen gibt es separate Räume mit
getrennten Eingängen. Auf der ehemaligen Frauenempore stellte
Bornschlegel-Diroll die Dauerausstellung vor, die anhand zahlreicher
Exponate über die Geschichte der Juden am Obermain informiert. Besonders
interessierte die Gäste eine Thora mit den 613 Ge- und Verboten, die ein
Jude zu befolgen hat. Ein Thora-Schreiber musste dem Referenten zufolge eine
spezielle Ausbildung absolvieren. Die Feder, die er zum Schreiben benutzte,
durfte nicht von einem unreinen Tier stammen. 'Es gibt Thora-Rollen, die
sind zehn bis zwölf Kilogramm schwer und haben mit einer Länge von 30 bis 40
Metern die Größe eines Kirchturms', so der Referent. Interessant auch die
Sabbat-Vitrine. Der Sabbat, der am Freitagabend beginnt und am Samstagabend
endet, sei für die Juden der wichtigste Tag, der als Ruhetag unbedingt
eingehalten werden müsse. An den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und
die damit verbundene Befreiung aus der Sklaverei erinnere das Pessachfest."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 146-147; III.1 S. 195-196. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 104-105. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 192. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 200-202.
|
 | Josef Motschmann: Es geht Schabbes ei. Vom Leben der
Juden in einem fränkischen Dorf. Lichtenfels 1988 (hg. vom SPD-Kreisverband
Lichtenfels).
Eingestellt
zum Download (pdf-Datei) |
 | ders.: "Die Kultur im Dorfe". Jüdisches
Vereinsleben in Altenkunstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Vom Main
zum Jura. Heimatgeschichtliche Zeitschrift für den Landkreis Lichtenfels.
Heft 2. Lichtenfels 1985 S. 35-44. |
 | ders.: Altenkunstadt - Saaz - Berlin - Jerusalem. Stationen
einer jüdischen Familie in drei Jahrhunderten. ebd. S. 45-56. |
 | ders.: "Masel Tow". Zur Bedeutung des
Hochzeitssteins an der Synagoge zu Altenkunstadt. In: Vom Main zum
Jura. Heft 3 Lichtenfels 1986. S. 51-58. |
 | ders.: Rabbi Altenkunstadt. Skizzen zur Biographie eines
bedeutenden Rabbiners. In: Vom Main zum Jura. Heft 4. Lichtenfels 1987. S.
131-138. |
 | Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken
(1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. zu
Altenkunstadt S.
62-77.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu. ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Altenkunstadt S. 49-55 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden). |
 | Genisa-Blätter.
Hrsg. von Rebekka Denz und Gabi Rudolf in Kooperation mit dem
Genisaprojekt Veitshöchheim. Heft 1 2013. Darin Beiträge von Monika Müller,
Gabi Rudolf, Oliver Sowa und Rebekka Denz: Quellen 2-4
aus der Genisa Altenkunstadt S. 21-51.
Auch online
zugänglich (interner Link) bzw. über www.v-j-s.org
(über "Aktuelles") |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Altenkunstadt Upper
Franconia. Jews were present from the 15th century. Their houses were destroyed
during the peasant riots of 1699. A synagogue was built in 1726 (replaced in
1822) and a Jewish public school was opened in 1869. The Jewish population
declined sharply from 400 in 1837 to 112 (total 1.288) in 1880 and subsequently
to 28 in 1933. The interior of the synagogue was destroyed on Kristallnacht
(9-10 November 1938). In 1937-39, 12 Jews left the town, nine to other German
cities and three to the United States. Thirteen were expelled to Izbica in the
Lublin district of Poland on 25 April 1942.

nächste Synagoge
(in Oberfranken)
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