Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ulmbach (Stadt Steinau an der Straße, Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
   
(erstellt unter Mitarbeit von Benedikt Mario Röder) 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Abbildungen   
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Ulmbach bestand eine jüdische Gemeinde von 1834 (offizielle Gründung durch Beschluss der kurfürstlichen Regierung der Provinz Hanau) bis zum Herbst 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. In einer Amtsrechnung von 1597 wird bezüglich Ulmbach zwar bereits ein Jude genannt (David des Juden Sohn), doch handelte es sich hierbei vermutlich um eine durchreisende jüdische Person. In einer Amtsrechnung von 1692/92 wird berichtet, dass in Ulmbach "Sebastian Ball Judt, ein Cramer" zwei Gulden Schutzgeld bezahlt habe. Er scheint in Ulmbach zumindest vorübergehend seinen Wohnsitz genommen zu haben. Auch im Folgejahr bezahlte er nochmals das Schutzgeld, dann scheint er wieder weggezogen zu sein.
  
1728/29
wird "Jud Meyer von Ulmbach" genannt, der sich hier als Viehhändler und Metzger niedergelassen hatte. Er wird identisch sein mit dem 1731 und in den folgenden Jahren genannten "Jud Mayer" aus Ulmbach. 1741 ist die Rede von "Jud Jeckoff", der in den folgenden Jahren auch als "Jeckoff Meyer" und Jakob Mayer bezeichnet wird, möglicherweise ein Sohn des Jud Mayer. 1763 lebte Jakob Mayer mit Frau und sechs Kindern sowie vier weiteren Hausgenossen in seinem neu erbauten Haus. 1776 hört man von "Jud Seligmann", 1777 von "Jud Abraham"; 1790 werden Jud Ahron und Jud Feiber (Feibel) genannt, die in den Häusern 85 und 86 lebten (heute Rabensteiner Straße 26 und 24). 1801/03/05 werden drei in Ulmbach lebende jüdische Familien genannt: Abraham Jakob (mit Frau und fünf Kindern), Feiber Jakob (mit Frau und vier Kindern) und Maier Hirsch (mit Frau und drei Kindern). Abraham und Feiber dürften Sohne von Jud Jeckoff/Jakob gewesen sein.   
  
Nach der Annahme fester Familiennamen werden 1811 folgende jüdische Familien bzw. Familienvorsteher genannt: Maier Nussbaum, Feiber Busseck, Moses Ochs und Jakob Heim. 1826 waren es die vorgenannten - teils anders geschriebenen Meyer Nussbaum (mit vier Kindern), Feiber Buseck (mit vier Kindern), Moses Ochs (mit einem Sohn), Isuuv Heim (keine Kinder), dazu Herz Nusbaum (mit zwei Kindern) und Jakob Hein (= Hain, mit zwei Kindern). 1826 dürften etwa 25 jüdische Einwohner in Ulmbach gelebt haben. 
  
Im weiteren Verlauf des  19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1861 36 jüdische Einwohner (2,9 % von insgesamt 1.222 Einwohnern), 1871 43 (3,8 % von 1.143), 1885 61 (5,2 % von 1.163), 1895 57 (4,7 % von 1.201), 1905 56 (4,8 % von 1.170). Erster Gemeindevorsteher nach Gründung der Gemeinde 1834 war Jacob Hain, um 1850 war Gemeindevorsteher Herz Nußbaum.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), zeitweise ein Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad (seit 1883/84 in einem Schuppen hinter der Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Eckardroth beigesetzt. Auf diesem Friedhof sind bis heute etwa 30 Grabsteine von Ulmbacher Juden erhalten: der älteste aus dem Jahr 1804, der jüngste von Meier Nussbaum (gest. 2. März 1934). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise - spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit der jüdischen Gemeinde Hintersteinau - ein Lehrer (Religionslehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Einige Jahre (so nach 1885) hatte die Ulmbacher Gemeinde auch einen eigenen Lehrer und Vorsänger (Simon Bloch), der 1887 die höchste Zahl von 22 Knaben und Mädchen unterrichtet (1891 noch 12). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Baruch Nußbaum (geb. 3.5.1888 in Ulmbach, gef. 9.6.1918) und Juda Julius Schild (geb. 12.2.1890 in Ulmbach, vor 1914 in Köln, gef. 5.9.1916; siehe Foto unten). Ihre Namen stehen auf dem allgemeinen Gefallenendenkmal der Gemeinde bei der Kirche, das am 15. September 1929 eingeweiht wurde (siehe Foto unten). Dabei hielt Lehrer Marx aus Gelnhausen als Vertreter der Synagogengemeinde eine Ansprache.        
   
Um 1924, als zur Gemeinde 35 Personen gehörten (3,1 % von insgesamt 1.123 Einwohnern), war Gemeindevorsteher M. Nußbaum II. Als Kantor und Schochet wird S. Schuster genannt. 1932 war Gemeindevorsteher Teiß/Feisz/Feit Nußbaum. Als Lehrer und Schochet wird ein Herr Katz genannt. Im Schuljahr 1931/32 erteilte er vier Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht.      
  
1933 lebten noch 36 jüdische Personen in Ulmbach (2,9 % von 1.230). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (vor allem nach Fulda und Frankfurt am Main) beziehungsweise ausgewandert (USA, Argentinien, Palästina/Israel). Im April 1936 lebten nur noch vier jüdische Personen in Ulmbach (Familie des Schuhhändlers Felix Schild, konnte noch in die USA emigrieren und Gemeindevorsteher Veisz [Veit] Nußbaum, Januar 1945 im Ghetto Theresienstadt umgekommen). Im Herbst 1936 wurde die Gemeinde aufgelöst, nachdem die Synagoge bereits am 18. Juni 1936 verkauft worden war.   
       
Von den in Ulmbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ignaz Hain (1902), Jonas Hain (1889), Karoline Hain (1882), Lina Hirsch geb. Schuster (1907), Ricka Hirsch geb. Schuster (1898), Frieda Mayer geb. Stern (1900), Regina Nussbaum (1886), Feist Nussbaum (1876), Hermann Schild (1885, "Stolperstein" in Köln, Wallstraße 43). Frieda Wisler geb. Schuster (1901).   

Hinweis: für Max Schuster wurde ein "Stolperstein" in Seligenstadt verlegt; zu seiner Geschichte siehe unten.    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1884 / 1900  

Ulmbach Israelit 10031884.jpg (70348 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1884: "Bekanntmachung. Die Stelle eines gemeinschaftlichen Religionslehrers für die Synagogengemeinden Hintersteinau und Ulmbach soll besetzt werden. Das Diensteinkommen beträgt 800 Mark (600 Mark von Hintersteinau und 200 Mark von Ulmbach) fixer Gehalt jährlich nebst freier Dienstwohnung in Hintersteinau und 4 Meter Holz zur Heizung des Schullokals und 100 Mark Nebeneinkünfte, für welche jedoch keine Garantie geleistet wird. Bewerbungsgesuche sind unter Beifügung der erforderlichen Zeugnisse binnen vier Wochen bei uns einzureichen. 
Hanau, den 5. März 1884. Königlich israelitisches Vorsteheramt. Hamburger." 
 
Ulmbach Israelit 14051900.jpg (62169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1900: "In den Synagogengemeinden Ulmbach und Hintersteinau ist die Stelle eines gemeinsamen Religionslehrers mit dem Wohnsitze in der erstgenannten Gemeinde und einem Jahresgehalte von Mark 800 zu besetzen. Bewerber haben ihre Gesuche unter Hinzufügung von Zeugnisabschriften bis zum 21. Mai anher einzusenden. 
Hanau, 7. Mai 1900. Das Vorsteheramt der Israeliten. I.V.: Hirsch".   

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Einweihung des Gefallenendenkmales (1929) 
 vgl. Foto unten

Ulmbach Israelit 03101929.jpg (128101 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1929: "Ulmbach, Kreis Schlüchtern, 22. September (1929). Am Sonntag den 15. September weihte die Dorfgemeinde Ulmbach ein schlichtes Ehrenmal für ihre im Weltkriege gefallenen Söhne ein. Da auch zwei Juden auf dem Denkstein verzeichnet sind, hatte das Festkomitee die kleine Jüdische Gemeinde gebeten, einen Geistlichen bei der Feier sprechen zu lassen. Das Vorsteheramt der Israeliten zu Hanau hatte, das der Herr Provinzialrabbiner dienstlich verhindert war, Herrn Lehrer Marx, Gelnhausen, gebeten, an der Feier teilzunehmen. Nach der Weiherede des katholischen Geistlichen, der Verehrung und Hochschätzung der jüdischen Religion zollte, sprach Herr Lehrer Marx ergreifende Worte des Gedenkens. Die großangelegte Rede machte einen guten Eindruck auf die große Trauergemeinde und dürfte wesentlich dazu beitragen, das gute Einvernehmen, das hier zwischen Juden und Nichtjuden besteht, zu vertiefen und zu befestigen."   

    
Angriff auf zwei jüdische Rechtsanwälte im Februar 1936 in Steinau   

Zitat aus Heimatgeschichtlicher Wegweiser s. Lit. S. 227: "Im Februar 1936 kam es vor dem Steinauer Amtshaus, in dem sich damals das Amtsgericht befand, zu einem tätlichen Angriff auf zwei jüdische Rechtsanwälte, Dr. Max Rapp aus Hanau und Dr. Elkan Sondheimer aus Gelnhausen, die ihre Mandanten zu einer Verhandlung begleiteten. Amtsgerichtsrat Wilhelm Harff schilderte den Vorfall in einem Protestschreiben an den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring: 
'Diese Unbekannten sagten in schroffer Anrede zu den beiden Anwälten dem Sinne nach. 'Hier in Steinau werden keine Juden mehr hineingelassen. Verlassen Sie sofort Steinau!'... Die Anwälte und ganz besonders Justizrat Sondheimer versuchten, trotzdem auf das Gerichtsgrundstück zu gelangen. Hierdurch gab es ein Handgemenge, bei dem besonders einer der Unbekannten die Anwälte stieß, mit den Fäusten auf die Schulter schlug, beide am Genick fasste und würgte, sie schüttelte und mit Kniestößen die Torkelnden vor sich hertrieb.' 
Zwar fanden daraufhin Ermittlungen statt, die inzwischen bekannten Täter blieben jedoch auf freiem Fuß, während der Amtsgerichtsrat ein Jahr später in den vorläufigen Ruhestand versetzt wurde. 

   
Die Auflösung der Gemeinde (1936)  

Ulmbach CV 01101936.jpg (30461 Byte)Artikel in der CV-Zeitung (Zeitung des Central-Vereins) vom 1. Oktober 1936: "Manche Gemeinden sind völlig verschwunden. Die Gemeinde Ulmbach bei Schlüchtern zählte z.B. ursprünglich 32 Seelen, im April 1936 nur noch vier Gemeindemitglieder; sie hat sich in diesen Tagen ganz aufgelöst".  
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1936: 
Ausführlicher Bericht über den "Rückgang des Provinzjudentums" in der Provinz Hessen-Nassau, in dem wie oben über den Schwund der Zahl der jüdischen Einwohner Ulmbachs und die Auflösung der Gemeinde berichtet wird.    
    

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Max Schuster (1925) 
   
Anmerkung: Max Schuster (geb. 20. Dezember 1899 in Ulmbach) ist zusammen mit seiner Frau Erna geb. Israel (geb. 7. Mai 1908 in Schweich als Tochter von Moses Israel) 1932 nach Seligenstadt gezogen, um sich als Bäcker eine Existenz aufzubauen. Nachdem durch den NS-Boykott immer mehr Kunden ausblieben, war die Familie im November 1935 aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen auszuwandern. Argentinien war damals eines der wenigen Länder, das noch jüdische Flüchtlinge aufnahm. Er starb am 17. Juli 1977 in Buenos Aires. Für Max Schuster wurde in Seligenstadt ein "Stolperstein" verlegt.  
Genealogische Informationen:  https://www.geni.com/people/Max-Schuster/6000000022016728750  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925: 
"Bäcker, 26 Jahre alt, sucht 
Stelle
Max Schuster, Ulmbach bei Schlüchtern."    

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge              
     
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1834 gaben die Ulmbacher Juden gegenüber den Behörden an, "dass sie schon länger als 50 Jahren im Besitz einer eignen Synagoge und Schule seien, in ersterer ihren Gottesdienst verrichteten und in letzterer ihre Kinder unterrichten ließen". Bei dieser Synagoge handelte es sich um einen Betraum in Privatbesitz  zumal 1835 diese als "nicht gemeinschäftlich" bezeichnet wurde. Genauer war dieser Betraum im Haus von Jacob Hain und Moses Ochs, die in der Rabensteiner Straße 24 wohnten. 1835 war auch die Torarolle im privaten Besitz von Moses Ochs. Sie wurde 1837 auf Kosten der Gemeinde mit einem Zuschuss durch das kurfürstliche Kreisamt repariert.  
     
Für den Bau einer Synagoge erwarb die jüdische Gemeinde am 8. Dezember 1869 ein sogenanntes Auszugshaus (bisher im Besitz von Johannes Lauer; zum Begriff vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Auszugshaus) mit einem dahinter liegenden Garten. Das Auszugshaus war ein eingeschossiges Gebäude, das traufseitig zum Verlauf der Straße erstellt worden war. Das Gebäude wurde zur Einrichtung der Synagoge erweitert und umgebaut (vgl. Plan unten, heute Rabensteiner Straße 10). Der Betsaal der Synagoge erhielt eine Empore. In einem Anbau (im Katasterplan 1855 als Erweiterung des Gebäudes rot schraffiert) wurde die Lehrerwohnung eingerichtet. Ein rituelles Bad (1883/84 neu errichtet) war in einem Schuppen in dem an der Rückseite liegenden Hofteil eingerichtet. Das Wasser dafür konnte direkt vom Ulmbach bezogen werden.
   
Ergänzender Hinweis: die heutigen Straßenbezeichnungen in der Rabensteiner Straße wurden erst in den 1960er-Jahren eingeführt. Ursprünglich bildeten die heutigen Grundstücke der Gebäude Rabensteiner Straße 10 und 12 ein Grundstück, das bis 1869 Johannes Lauer gehörte. Das ganze Anwesen hatte damals die Hausnummer 146 und bestand aus einem Wohnhaus, einer Scheune und zusätzlich aus dem sogenannten Auszugshaus, das dann zur Synagoge ausgebaut wurde. Nach dem Erwerb des Auszugshauses durch die jüdische Gemeinde 1869 wurde das Grundstück geteilt. Das Bauernhaus wurde neu gebaut (auf Katasterplan von 1855 wie der Anbau zur Synagoge rot schraffiert) und bekam in den 1960er-Jahren die Adresse Rabensteiner Straße 12. Die neu eingerichtete Synagoge erhielt die Hausnummer 176 1/2. Nach dem Verkauf und dem Umbau erhielt das ehemalige Synagogengeböude in den 1960er-Jahren die Adresse Rabensteiner Straße 10.
    
Wie lange in dem Gebäude nach 1933 Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Bereits über zwei Jahre vor dem Novemberpogrom 1938 - am 18. Juni 1936 - wurde die Synagoge an eine nichtjüdische Familie (Schneidermeister Aloys Pappert) zum Preis von 1.500 RM verkauft; von jüdischer Seite unterzeichneten der Gemeindeälteste Veiß Nußbaum sowie Felix Rothschild und die beiden Brüder Sally und Hermann Nußbaum. In der Folgezeit wurde das Gebäude zu einem Einfamilienwohnhaus umgebaut. Dabei wurden im bisherigen Betsaal eine Zwischendecke eingezogen, ein neues Obergeschoss erstellt sowie eine Außentreppe und eine zusätzliche Eingangstüre angebaut. Die früheren großen hohen Fenster der Synagoge verschwanden. Insgesamt wurde das Gebäude als frühere Synagoge unkenntlich gemacht. Die Anbringung einer Gedenktafel war bislang nicht möglich.   
   
September 2016: Diskussionen ab es vor Ort um Abbruch oder Erhalt des früheren Synagogengebäudes. Zur Erweiterung einer in der Nachbarschaft stehenden Tankstelle gab es von deren Inhaber Interesse an einem Erwerb des Synagogengrundstückes mit nachfolgendem Abbruch des früheren Synagogengebäudes. Das Gebäude steht allerdings unter Denkmalschutz.     
Über die Diskussionen vor Ort erinnerte eine Sendung des hr-Fernsehen - Sendung defacto am 11. September 2016:  http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/mediaplayer.jsp?mkey=61921666&rubrik=45534  bzw.  http://www.ardmediathek.de/tv/defacto/Verdr%C3%A4ngte-Geschichte-Sp%C3%A4ter-Streit-um/hr-fernsehen/Video?bcastId=3437388&documentId=37653920      
    
    
Adresse/Standort der Synagoge  Rabensteiner Straße 10 
    
   
    
Fotos/Abbildungen  

 Zum Bau der Synagoge 1869:
Ausschnitt aus Katasterplan 1855
mit Ergänzungen
 
   Der Ausschnitt aus dem Katasterplan 1855 zeigt unter Nr. 691/391a das Auszugshaus des Johannes Lauer, das 1869 von der israelitischen Gemeinde erworben und zur Synagoge umgebaut wurde. Rot schraffiert wurde der spätere Anbau der Lehrerwohnung (Quelle: Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Bestand 3011/2 Serie 3999, Bl. 1).  
     
Das ehemalige Synagogengebäude
nach baulichen Veränderungen
um 1940 / 1987  
   
   Im Gebäude ist die Herren-Damen-Schneiderei
von Aloys Pappert eingezogen (Foto: Irmgard Lauer)
Nach weiterem Umbau: neues Dach (ohne bisheriges
 Krüppelwalmdach und mit Dachgaube) 
   
  Ulmbach Synagoge 190.jpg (60568 Byte)  
    Am Gebäude erinnert nichts mehr an frühere Synagoge
(Quelle: Altaras 1988 S. 160)
 
   
     
 Schreiben der Synagogengemeinde von 1850
mit Siegel der Synagogengemeinde
   
   Schreiben zur Wahl von Abraham Hein als
Rechnungsprüfer vom 16. Oktober 1850, unterzeichnet
durch den Synagogen-Gemeindeältesten H. Nußbaum
  Schreiben vom 5. Dezember 1850 mit Siegel und
Unterschrift des Synagogenältesten
Herz Nußbaum
     
 Friedhof in Eckardroth
mit Foto; Quelle: Kommission für die
Geschichte der Juden in Hessen / LAGIS
   
 Suchfunktion bei LAGIS zu den in Eckardroth aus Ulmbach Bestatteten
über https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsearch/page/1/sn/juf?q=Ulmbach 

abgebildet ist der Grabstein von Abraham, Sohn des Jakob aus "Ulmich" = Ulmbach
https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/juf/id/17066 
 
     
Fotos aus der Familie Nussbaum 
(erhalten von Ruth Stern Gasten, die aus Nieder-Ohmen stammt; ihre Mutter Hannah Stern geb. Nussbaum war eine Tochter von Maier Nussbaum (geb. 9. Mai 1862 in Ulmbach als Sohn des Handelsmannes David Nußbaum und der Sofie geb. Blumhof aus Gersfeld) und seiner Frau Fannie Nussbaum geb. Adler in Ulmbach.    
Ulmbach Nussbaum family 002.jpg (83615 Byte) Ulmbach Nussbaum family 003.jpg (33523 Byte) Ulmbach Nussbaum family 001.jpg (50171 Byte)
Maier Nussbaum (geb. 9.5.1862), der 1918 an 
der Spanischen Grippe gestorben ist   
Fannie Nussbaum geb. Adler 
   (geb. 23.10.1870) 
Fannie Nussbaum geb. Adler mit ihren 
sechs Söhnen* nach der Emigration in Südafrika  
*) Die sechs Söhne waren: Jacob (geb. 8.7.1896), Salli (geb. 26.12.1900), Siegfried (geb. 30.10.1903), Benno (geb. 19.9.1906), Hermann (geb. 26.10.1910), Leo (geb. 7.2.1912). Der Sohn Leo ist bereits 1933 nach Südafrika emigriert. Später folgten andere Mitglieder der Familie nach Johannesburg in Südafrika: 1935 die Mutter Fannie Nussbaum mit Sohn Jakob und seiner Frau Friedel, dann auch Benno und Salli. Hermann bekam aus gesundheitlichen Gründen keine Einreiseerlaubnis nach Südafrika und lebte später in Rhodesien (heute Simbabwe). Siegfried emigrierte Ende der 1930er-Jahre nach Palästina.      
Die Tochter von Fannie und Maier Nussbaum war Johanna (Hannah, geb. 10.10.1898). Sie heiratete 1932 Joseph Stern. Ihre Tochter ist die in Nieder-Ohmen geborene Ruth Stern Gasten.  
     

Weitere Erinnerungen an die Familien Nussbaum (Nußbaum) in Ulmbach 
(Quelle: Horst Kunz, Heimat- und Geschichtsverein Ulmbach e.V.)    

 
 Ulmbach Reklameschild Meier Nussbaum 010.jpg (177275 Byte)  Ulmbach Gewerbeschein Hermann Nussbaum 010.jpg (265072 Byte)   Ulmbach Gewerbeschein Siegfried Nussbaum 010.jpg (265973 Byte)  Ulmbach Wandergewerbeschein Sally Nussbaum 010.jpg (228690 Byte)
 Reklameschild für Anker Nähmaschinen
 im Geschäft von Meier Nussbaum in Ulmbach
(das Schild existiert nur noch als Foto, 
da das Original dem Rost zum Opfer gefallen ist)   
 Links: Gewerbeschein für Hermann Nußbaum, rechts für  
Siegfried Nußbaum
(beide Ulmbach: jeder von ihnen konnte 
"für Rechnung des Geschäfts" ihrer "Mutter Fannie Nußbaum als 
Vieh- und Fellhandlung Bestellungen aufgeben und Aufkäufe machen".   
Wandergewerbeschein 
für Saly Nußbaum   
 
    
     
Ulmbach Haus Feis Nussbaum 051.jpg (212860 Byte)   Ulmbach Haus Nussbaum 051.jpg (191971 Byte)  Ulmbach Haus Nussbaum 050.jpg (138805 Byte)

Das historische Foto links zeigt das Wohn- und Geschäftshaus von Feis Nußbaum in Ulmbach, Die Fotos in der Mitte und rechts zeigen zeigen das Wohn- und Geschäfts-Doppelhaus, in dem zuerst von Meier Nußbaum Nähmaschinen verkauft wurden. Sally Nußbaum verkaufte in der kleineren Hälfte später Stoffe und Tuch. Siegfried und Hermann Nußbaum handelten mit Vieh und Fellen. Die Häuser haben mehrfach der Besitzer gewechselt und stehen seit einigen Jahren leer, da sie mittlerweile unbewohnbar sind. 

     

Erinnerungen an die Familie Schild  
(Quelle Foto links): Horst Kunz, Heimat- und Geschichtsverein Ulmbach e.V.)   
Hinweis: Juda Schild und Sara geb. Nußbaum heirateten am 13. April 1881 in Ulmbach. Juda war ein in Völkersleier geborener Sohn des dortigen Handelsmannes Baruch Löb Schild und seiner Frau Breinche (?) geb. Heidelberger. Juda und Sara bekamen in den folgenden Jahren drei Kinder: Felix, Julius und Hermann Heinz.    

Ulmbach Fam Felix Schild 010.jpg (116028 Byte) 

   
Familie Felix Schild (geb. als Feist Schild am 6. Juli 1882 in Ulmbach, wurde Schuhhändler in Ulmbach)
mit Frau Berta (Baila) geb. Schuster und
Sohn Joseph (Seppel); sie haben 1936 Ulmbach verlassen 
und konnten noch nach New York emigrieren.  
Juda (Julius) Schild in Uniform (geb. 12. Februar 1890
in Ulmbach, vor 1914 in Köln wohnhaft,
gefallen am 5. September 1916
(Foto: Erwin Schild, Kanada)  
        
 "Stolperstein" in Köln-Mülheim (Wallstraße 43) für
Hermann (Harry) Schild* (geb. als Herz Schild
am 10. Mai 1885 in Ulmbach,
umgekommen nach Deportation 1941 in das Ghetto Riga;
NS-Dokumentationszentrum Köln; Wikipedia).   
 genealogische Informationen siehe  https://www.geni.com/people/Felix-Schild/6000000058818961128    genealogische Informationen siehe  https://www.geni.com/people/Hermann-Herz-Schild/6000000014703816593  genealogische und weitere Informationen
 zur Familie: http://familienbuch-euregio.eu/genius/?person=374768
       

Weitere Erinnerungen 
(Quellen: Foto links erhalten von Horst Kunz, Heimat- und Geschichtsverein Ulmbach e.V.; Foto rechts erhalten von Benedikt Mario Röder)   

 Schluechtern Synagoge 0340.jpg (175707 Byte)  
  Kutscher des Gutshofes Elisabethenhof 
in Ulmbach. Dieser Kutscher war ein Ulmbacher Bürger, 
der die jüdischen Gäste des Gutsbesitzers 
in die Synagoge nach Schlüchtern (Hintergrund) kutschierte.  
 Gefallenendenkmal mit den Namen der
jüdischen Gefallenen Baruch Nußbaum (rechte
Spalte 10.v.o.) und Juda Schild (linke Spalte 4.v.u.).
Foto von 1929 (Quelle: Foto Freund, Schlüchtern)

    

    
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Steinau an der Straße   

 Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Ulmbach 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Ulmbach sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,791  Sterberegister der Juden von Ulmbach  1826 - 1886     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083532   
HHStAW 365,790  Trauregister der Juden von Ulmbach  1833 - 1885   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900012    
HHStAW 365,789  Geburtsregister der Juden von Ulmbach  1834 - 1886  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245120      

 

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Eckardroth mit umliegenden Orten 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Eckardroth sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,136  Verzeichnis der jüdischen Söhne in der Synagogengemeinde in Eckardroth mit Angabe von Geburtsdatum und Beruf  1808 - 1823; darin auch Birstein, Fischborn, Helfersdorf, Hellstein, Ober-Reichenbach, Unterreichenbach, Untersotzbach    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289745      
HHStAW 365,137  Verzeichnis der jüdischen Söhne in der Synagogengemeinde in Eckardroth mit Angabe von Geburtsdatum und Beruf  1808 - 1834; darin auch Romsthal, Salmünster, Ulmbach 
  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379127           
HHStAW 365,142  Sterberegister der Juden von Eckardroth  1826 - 1845; darin auch Romsthal, Salmünster, Ulmbach   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379127               
HHStAW 365,138  Geburtsregister der Juden von Eckardroth  1828 - 1834; darin auch Romsthal, Salmünster, Ulmbach   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924713       
HHStAW 365,140  Trauregister der Juden von Eckardroth  1833 - 1863; darin auch Romsthal, Salmünster, Ulmbach https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971244   
HHStAW 365,733  Sterberegister der Juden von Eckardroth  1845 - 1888; darin auch Romsthal  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083510        
HHStAW 365,732  Geburtsregister der Juden von Eckardroth  1845 - 1894; darin auch Romsthal  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245103      
HHStAW 365,139  Geburtsregister der Juden von Eckardroth  1850 - 1875; darin auch Romsthal  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4101079      
HHStAW 365,143  Sterberegister der Juden von Eckardroth  1850 - 1892; darin auch Romsthal, Salmünster, Ulmbach  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3553149     
HHStAW 365,141  Trauregister der Juden von Eckardroth  1864 - 1884; darin auch Romsthal https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1675001         

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 313.  
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 160-161.   
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 138.  
bulletdies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 345-346.   
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 227.    
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 361-362.   
bulletBenedikt Mario Röder: Jüdisches Leben in Ulmbach. Erinnerung an eine fast vergessene bzw. verdrängte Geschichte. Teil 1, in: Bergwinkel-Bote 2018. Heimatkalender, 69. Jg., Schlüchtern 2017, S. 63-70. Beitrag ist online eingestellt (pdf-Datei).  
bulletders.: Jüdisches Leben in Ulmbach. Erinnerung an eine fast vergessene bzw. verdrängte Geschichte. Teil 2, in: Bergwinkel-Bote 2019. Heimatkalender, 70. Jg., Schlüchtern 2018, S. 51-62. Beitrag ist online eingestellt (pdf-Datei).      

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ulmbach (now part of Steinau) Hesse-Nassau. Numbering 612 (5 % of the total) in 1885, the Jewish community dwindled to 36 in 1933 and disbanded three years later. 
   
   

                   
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Stand: 30. Juni 2020