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Heppenheim an der Wiese
(Stadt
Worms) mit Offstein (Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Heppenheim an der Wiese konnten sich Juden vermutlich seit
Anfang des 18.
Jahrhunderts niederlassen. 1722 waren zwei jüdische Familien am Ort,
1743 eine
Familie. Sie besuchten zunächst die Synagogen in Grünstadt und
Horchheim.
Auch in Offstein lebten bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts jüdische
Personen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: im Jahr 1800 15, 1824 21, 1830 28, 1855 59, 1861 72, 1890 57 jüdische Personen am Ort. Gemeinsam mit den in
Offstein lebenden
Juden bildete man nun eine Gemeinde, hier lebten 1824 8, 1855 14, 1905 13 jüdische
Einwohner. Die jüdischen Familien
- die Familiennamen waren Bamberger, Salomon, Tryfuß, Klein, Goldschmidt und
Gutmann - lebten vom Handel mit Vieh, Düngemittel,
Textilien und Gemüse. Auch war eine jüdische Metzgerei vorhanden. Einigen
jüdischen Familien gehörten Einzelhandelsgeschäfte am Ort (Bettzeug, Stoffe,
Kurz- und Tabakwaren). Durch Aus- und Abwanderung ging die Zahl der jüdischen Einwohner seit der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zurück, sodass 1900 nur noch
44 jüdische Einwohner gezählt wurden.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle
von 1887).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Ludwig Klein (geb.
31.10.1881 in Heppenheim a.d.W., gef. 29.1.1918).
Um 1924, als noch 28 jüdische Einwohner (in 11 Familien; 1,75 % von
insgesamt etwa 1.600 Einwohnern) gezählt wurden, waren die Vorsteher der
Gemeinde Moritz Klein II und Ludwig Salomon. Die Gemeinde gehörte zum
Bezirksrabbinat in Worms.
1933 wurden noch 30 jüdischen Einwohner gezählt. Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts entschloss
sich ein Teil zur Auswanderung, andere
verzogen innerhalb von Deutschland. Sechs Personen aus der Familie Salomon
emigrierten nach Paraguay (1934 und 1936), ebenso die Familie Bamberger mit drei
Personen. Von der Familie Goldschmidt verzogen drei Personen nach Mannheim, eine
wanderte nach Palästina aus (1935). Erich Gutmann (geb. 1904) verzog 1936 nach
Hannover, von hier aus nach England.
Mehrere der jüdischen Gemeindeglieder wurden deportiert und ermordet (u.a.
Isaak Tryfuß, geb. 1864). Da es auch im Gedenkbuch des Bundesarchives Berlin zu
Verwechslungen zwischen Heppenheim an der Bergstraße und Heppenheim an der Wiese
kommt, ist eine genaue Auflistung noch nicht möglich. Sicher sind die folgenden
jüdischen Gemeindeglieder aus Heppenheim a.d.Wiese umgekommen bzw. wurden
ermordet: Isaak Tryfuß (1864), Salomon (Sally) Tryfus (1887).
Aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendensammlungen in der Gemeinde
(1887 / 1895)
Anmerkung: In jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig
Spendensammlungen für unterschiedliche Zwecke durchgeführt. Über die Ergebnisse
wurde immer wieder in jüdischen Periodika informiert.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1887 - Spendensammlung
"Zur freien Verfügung für höchst dringliche edle Zwecke": "Heppenheim
a.W. Durch Isaak Tryfus: von sich 4, Challah-Geld von seiner Frau
Mathilde 2, desgleichen von seiner Mutter Barbara in
Kleinbockenheim 2, zus. 8 Mark." |
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Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887 -
Spendensammlung "Zur freien Verfügung für höchst dringliche edle Zwecke":
"Heppenheim a.W. Isaak Tryfus: Von sich 3, Challah-Geld von
seiner Frau 1, desgleichen von seiner Mutter, Frau Barbara Tryfus in
Kleinbockenheim 1, zus. 5 Mark".
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1895 - Spendensammlung
"Zur freien Verfügung für höchst dringliche edle Zwecke":
"Heppenheim, Rheinhessen. Isaak Tryfus: Von sich 1, von seiner
Schwägerin Ida Salomon 2, Challah-Geld von seiner Frau 1,50, von
seiner Mutter 1.50, zus. 6 Mark". |
Eine Ortsgruppe Heppenheim, Pfeddersheim und Pfiffligheim
des "Central-Vereins" wird gegründet (1923)
Mitteilung
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 12. Mai 1923:
Heppenheim a. d. W. und Pfeddersheim. 11. 3. Dr. Freund
(Darmstadt): 'Die politische Lage'. Gründung einer Ortsgruppe. Umfasst die
Orte Heppenheim, Pfeddersheim
und Pfiffligheim. 1.
Vorsitzender: Milton Reinheimer (Heppenheim); 2. Vorsitzender: Emil
Wiener (Pfeddersheim); Beisitzer:
Bernhard Salomon und Isaak Tryfuß (Heppenheim)." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und
Vorbeters (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1887:
"Die
israelitische Gemeinde Heppenheim a.d. Wiese bei Worms sucht einen jungen
unverheirateten Mann als
Vorbeter und Religionslehrer.
Reflektanten wollen
sich an den dortigen Vorstand wenden." |
Heppenheim a.d.W. und Offstein werden dem Unterrichtsbezirks Worms zugeteilt (1904)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1904: "Worms. Das Großherzogliche Ministerium plant die definitive Anstellung
israelitischer Religionslehrer, welche ein den Volksschullehrern gleiches
Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich
20 Stunden Religionsunterricht erteilen. Die nötigen Mittel sollen von
den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht
werden. An die Vorstände der israelitischen Gemeinden des Kreises Worms
ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach ihm sind die
Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke eingeteilt und zwar: 1. Alsheim,
Gimbsheim, Eich und
Hamm; 2. Osthofen, Rhein-Dürkheim, Herrnsheim,
Abenheim und
Gundheim; 3. Hessloch, Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und
Westhofen; 4. Monsheim,
Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim,
Wachenheim, Mölsheim, Pfeddersheim
und Pfiffligheim. Die Gemeinden Heppenheim
a.d.W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugeteilt werden. Bis
zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht erstattet
haben." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Salomon Klein (1892)
Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1892:
"Heppenheim a.W. Am 12. Adar (= 11. März 1892) starb dahier im Alter
von 71 Jahren Herr Salomon Klein, ein wahrer, frommer Mann, die Zierde
unserer Gemeinde und die Krone unserer Synagoge. Friedliebend und
wohltätig war er bei allen Ortsangehörigen, Juden wie Christen, sehr
angesehen. An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich außer
zahlreichen Glaubensgenossen aus Nah und Fern der Bürgermeister, der
Gemeinderat und der Turnverein. Herr Rabbiner Dr. Stein-Worms hielt die
Trauerrede, in welcher die Tugenden des Verstorbenen gebührend
geschildert wurden." |
Goldene Hochzeit von Moritz Salomon I. und Helene geb. Klein (1908)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember
1908: "In Heppenheim a.d. Wiese feierten Moritz Salomon I. und Frau
Helene geb. Klein die goldene Hochzeit." |
Über den Zigarrenfabrikanten
Salomon (Sally) Tryfus (geb. 1887 in Heppenheim, umgekommen nach Deportation
1942)
Salomon (Sally) Tryfus ist am
21. September 1887 in Heppenheim an der Wiese geboren. Möglicherweise war er
ein Bruder von Fritz und Ernst Tryfus (siehe unten), doch liegt dafür noch
kein Nachweis vor. Er besuchte das Gymnasium bzw. die Oberrealschule in
Worms ließ sich als Kaufmann ausbilden. Als solcher war er in
Heppenheim tätig und Inhaber einer (von ihm gegründeten?) Zigarrenfabrik. Vom Februar 1915 bis
August 1916 war er im Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg, zuletzt als
Musketier in der 5.Kompagnie, Infanterie-Regiment 118. Wie lange er die
Zigarrenfabrik betreiben konnte, ist unbekannt, möglicherweise bis zu den
NS-Maßnahmen nach 1933. 1938 lebte er in Heidelberg in der Straße Anlage 41
II. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und bis Mitte Dezember im KZ
Dachau festgehalten, vgl.
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429428. 1939 lebte er in Heidelberg
in der Leopoldstraße 41. Er war inzwischen verwitwet (nach der Meldekarte
1939 "ledig") und nach der Emigration seines Sohnes Friedrich Tryfus und
dessen Familie inzwischen alleine in Heidelberg.
Während der Oktoberdeportation der badischen Juden 1940 war er in
Gefängnishaft. Daher wurde er "erst" 1942 nach Izbica deportiert und ist
dort umgekommen bzw. wurde dort ermordet. Im Bergfriedhof Heidelberg
wird an einem Grab an "Sally Tryfus" erinnert:
https://de.findagrave.com/memorial/137823030/sally-tryfus).
Norbert Giovannini: Die Ausweisungen und Deportationen der jüdischen
Einwohner Heidelbergs 1937-1945. S. 114.120.135 |
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| Briefumschlag der
Zigarrenfabrik S. Tryfus in Heppenheim a.d.Wiese, versandt am 14. Dezember
1916 an die Zigarrenfabrik Gebr. Säuberli in Teufenthal AG/CH (aus der
Sammlung von Dieter Minder) |
Kennkarte für Salomon (gen.
Sally) Tryfus in der NS-Zeit, ausgestellt in Heidelberg am 1. September 1939
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Meldekarte
von Salomon Tryfus
vom September 1939
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Zu Dr. Ernst Tryfus (geb. 1897 in
Heppenheim; Arzt in Worms,
nach 1935 Arzt in Jerusalem: Arzt u.a. von Golda Meir) und seinem Bruder
Dr. Fritz Tryfus
(geb. 1889 in Heppenheim; Zahnarzt in Heidelberg, nach 1935 in den USA)
Anmerkung: Ernst und Fritz Tryfus waren während ihrer Studienzeit in
Heidelberg Mitglieder in der V.J.St. Ivria, Heidelberg = "Verein Jüdischer
Studenten Ivria Heidelberg" siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Verein_Jüdischer_Studenten_Ivria_Heidelberg
Die Eltern von Ernst und Fritz (und Sally?) Tryfus waren der
Metzgermeisters
Isaak Tryfuß (Tryfus), der am 3. November 1864 in
Kleinbockenheim geboren (Mutter hieß
Barbara verh. Tryfus) und später nach Heppenheim gezogen ist. Er war
verheiratet mit Mathilde geb. Salomon, die am 11. September 1858 geboren
ist). In der NS-Zeit lebten Isaak und Mathilde Tryfus in Heidelberg, zuletzt in
der Hinteren Judengasse 6. Mathilde Tryfus starb in Heidelberg 1941, Isaak wurde
deportiert und ermordet.
Der Sohn Dr. med. Ernst Mosche Tryfus ist am
5. Januar 1897 in Heppenheim a.d. Wiese geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Worms und studierte anschließend
Medizin in Heidelberg (Physikum 1917), München und Freiburg (Abschluss des
Studiums 1919). Das Studium wurde durch den Kriegseinsatz unterbrochen, bei
dem er verwundet wurde.
Nach dem Abschluss seines Studiums ist Dr. Ernst Tryfus am 15. Oktober 1921
von Heppenheim/Wiese nach Worms zugezogen (Adresse zuerst
Dalbergstraße 2, ab 1925 Goethestraße 2), wo er seitdem als Arzt tätig war.
Er heiratete am 7. Dezember 1922 Margarethe geb. Steinfeld, die am
28. Dezember 1899 in Bühl/Baden geboren
ist. Die beiden hatten zwei Kinder: David Heinrich (geb. 5. Dezember
1924 in Worms), Leopold Friedrich (starb wenige Tage nach der Geburt am 19.
Juli 1927) und Hannah Eva (geb. 25. Juli 1928 in
Heidelberg).
Dr. Tryfus war in Worms und Umgebung als Arzt bekannt und geschätzt. Auch in der jüdischen Gemeinde in Worms
war er sehr aktiv, gehörte zeitweise dem
Gemeindevorstand an und war Leiter der Wormser Ortsgruppe der zionistischen
Vereinigung für Deutschland. Seit 1929 war die Wohnung der Familie und die
Praxis in der Kaiser-Wilhelm-Straße 10. Bald nach 1933 musste Dr. Tryfus
seine Praxis aufgeben. Er sah für sich und seine Familie in Deutschland
keine Zukunft mehr. Laut polizeilicher Abmeldung ging Dr. Ernst Tryfus am
17. Dezember 1935 nach Jerusalem, seine Frau und seine Kinder folgten wenig
später. Dr. Ernst Tryfus hat als Arzt in Jerusalem weitergewirkt und viel
Anerkennung gefunden (siehe Berichte unten). Am 23. September 1957 haben die
Eheleute die deutsche Staatsbürgerschaft wieder angenommen, blieben aber in
Israel.
Sohn David Heinrich wurde in Israel Polizeioffizier. Er ist früh
verstorben. Auch die Tochter Hannah Eva ist früh verstorben. Sie
hatte Medizin studiert und einige Jahre als Ärztin gearbeitet. Weiteres
siehe unten.
Vgl.
http://www.wormserjuden.de/Biographien/Tryfus.html und die Artikel unten,
vor allem Artikel aus
dem "Mitteilungsblatt" zum Tod von Dr. Ernst Tryfuß. |
Der Sohn Dr. med. dent. Fritz Tryfus ist - als älterer Bruder von Ernst Tryfus -
am 13. März 1889 in Heppenheim a.d. Wiese geboren. Auch er hat vermutlich
die Oberrealschule in Worms besucht und begann anschließend mit dem Studium
der Zahnmedizin in Heidelberg.
Im Ersten Weltkrieg war Fritz Tryfus 1917 im Einsatz als Feldzahnarzt in
Warschau im Festungs-Lazarett II, Zahnstation. Nach dem Krieg
setzte er sein Studium der Zahnmedizin in Heidelberg fort. Er wurde 1923 an der
Universität Berlin promoviert zum Dr. med. dent. mit einer Arbeit über "Das
diagnostische Problem in der Orthodontie". Anschließend war er in Heidelberg als
Zahnarzt tätig (wohnte 1927 im Graimbergweg 2). Er war verheiratet mit Lola
geb. Rosen (geb. 27. April 1894 in Prag). Die beiden hatten eine Tochter
Susanne (geb. 25. Oktober 1919 in Heidelberg; vgl. im Jüdischen Museum
Berlin ein Schreiben vom 16. April 1930 an Lola Tryfus wegen Aufnahme ihrer
Tochter im Kinderheim des Jüdischen Frauenbundes Wyk auf Föhr,
https://objekte.jmberlin.de/gobject/jmb-obj-132854). Vor ihrer
Emigration lebte die Familie Tryfus 1933 in einem "Judenhaus" in Heidelberg
Landfried 14. 1933 (oder 1936) konnte er über England in
die USA emigrieren (New York; Literatur: John Zamet: German and Austrian
Refugees Dentist The Response if the British Authorities. Diss. Oxford
Brookes University 2007 S. 185; Norbert Giovannini/Claudia Rink: Ghetto ohne
Ghetto. Hinweise zu den "Judenhäusern" in Heidelberg 1938-1945).
Dr. Fritz Tryfus starb am 12. Juni 1957 (nach Akten Wiedergutmachung im
Landesarchiv Baden-Württemberg Findbuch 480 Nr. 8016, u.a.
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1824199). Seine Frau Lola starb
am 21. Februar 1989 (ebd. Akten Wiedergutmachung). Beide wurden im
jüdischen
Teil des Bergfriedhofes in Heidelberg beigesetzt
Tochter Susanne (Suzanne) war verheiratet mit Dr. Gerard Frank Charig (geb. 1919
Polen, gest. 1999 USA, siehe
https://de.findagrave.com/memorial/95351546/gerard-frank-charig).
Suzanne Charig geb. Tryfus starb am 7. April 2005 USA, siehe
https://de.findagrave.com/memorial/95351557/suzanne-charig). |
Grab von Dr. Fritz
Tryfus und seiner
Frau Lola geb. Rosen im jüdischen Teil
des Bergfriedhofes Heidelberg
(Foto: findagrave.com) |
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| Nennung von Ernst und Fritz Tryfus aus
Heppenheim als Mitglieder in der "Ivria" Heidelberg 1915:
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Mitteilung
über anstehende Einberufungen in den Kriegsdienst in der Zeitschrift "Der
jüdische Student" vom 11. Juni 1915: Aus der Verbindung "V.J.St. Ivria,
Heidelberg. Präsenz: i.a.B. Unterarzt Sally Wallach, cand. med., i.a.B.
Herbert Großberger, cand.hist.art.
Eine Aktivmeldung: Ernst Tryfus aus Heppenheim (Bruder unseres
Bundesbruders Fritz Tryfus)." |
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| Ernst Tryfus engagiert sich durch
Spenden und Spendensammlungen für Palästina |
Mitteilung
in der "Jüdischen Rundschau" vom 29. Oktober 1915: "Ernst Tryfus,
Heppenheim, gratuliert seinem lieben Alten Herrn (Verbindungsbegriff)
Dr. A. Hirsch und Frau Gemahlin zur Geburt des Töchterchens, wünscht
ihm außerdem baldige Genesung." |
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Mitteilung
des Ergebnisses einer von Ernst Tryfus durchgeführten Spendensammlung in der
"Jüdischen Rundschau" vom 31. Dezember 1915:
"Aus Heidelberg: (Durch Ernst Tryfus.)
Kneipe der Ivria 4,76, Julius Simon 2,01, Friedel Gerson 1,80, Pens. Deutsch
4,05, M.M.M. .,47, Dr. Albert Hirsch 3,14, Ernst Tryfus 3,42; aus
Heppenheim: David Salomon 1,81, Albert Salomon 5,10, Isaak Tryfus 3,53.
Synagoge Heppenheim 2,26, Hoflieferant L. Gutmann 1, ... 12
Büchsen Summe 33,35 M." |
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In
zahlreichen Mitteilungen wird in den folgenden Jahren von Spenden und
anderen Ereignissen bei Ernst und Fritz Tryfus berichtet: u.a.
"Jüdische Rundschau" 4. Mai und 13. Juli 1917: Feldzahnarzt in Warschau
Fritz Tryfus, derzeit Festungs-Lazarett II, Zahnstation.
"Jüdische Rundschau" 27. Juli 1917: Ernst Tryfus besteht das Physikum
"Jüdische Rundschau" 10. August 1917: Isaak Tryfus spendet für einen Hain des
Jüdischen Nationalfonds aus Anlass des bestandenen Physikums seines Sohnes Ernst.
Zeitschrift "Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport" vom Februar 1918
erwähnen den "Sanitäts-Soldaten Ernst Tryfus" in Thiaucourt.
Bei den Spendenaktionen wird immer wieder von "Büchsen" berichtet. Dies
bezieht sich auf die "Blauen Büchsen", mit denen der Jüdische Nationalfond
Spenden sammelte (vgl. Abbildung und Informationen bei
https://www.jnf-kkl.de/ueber-uns/blaue-buechse/. |
Mitteilung
in der "Jüdischen Rundschau" vom 14. Dezember 1917 - Spenden für Palästina
(Jüdischer Nationalfonds): Heppenheim (Durch Ernst Tryfus). David Salomon
5,51, Isaak Tryfus 10,-, Ernst Tryfus 10.-, Albert Salomon 14,24 = 4 Büchsen
39,75." |
Anzeigen
in der "Jüdischen Rundschau" vom 4. April 1919: "Wir erhielten die traurige
Nachricht, dass unser lieber Alter Herr
Dr. David Rück
praktischer Arzt in Gunzenhausen
(Bayern)
am 8. Dezember 1918 in Bukarest an der Grippe verstorben ist.
Verbindung Jüdischer Studenten an der Universität Freiburg I.
A.: Ernst Tryfuss X." |
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| Dr. Ernst Tryfus - bisher
Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Worms - emigriert nach Palästina (1936)
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Artikel
in der "Jüdischen Rundschau" vom 30. Januar 1936: "Worms. Der
Jüdische Kammerchor (Frankfurt a. M.) gab ein Konzert. Die Leitung des
Chores hatte Dr. Ehrenreich, an der Orgel wirkte Nathan Fromm.
- An Stelle des nach Palästina verzogenen Dr. Ernst Tryfus wurde
Bernhard Spies Präsident der Gemeinde. - Dipl.-Hdl. Paul Weiner,
Handelsstudienrat i.R., ist vom Vorstand zum Syndikus der Religionsgemeinde
bestellt worden. - Helene Schubach, seit über einem Jahrzehnt im
Dienste der Synagogengemeinde
Saarbrücken, ist jetzt als Kindergärtnerin und Fürsorgerin am Sozialamt
der Gemeinde tätig." |
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Artikel
im "Mitteilungsblatt des Irgun Olei Merkas Europa" vom 22. November 1957:
"Das Archiv der Gemeinde Worms in Israel. Am 29. Oktober 1957 wurden im
Staatsarchiv in Jerusalem das Archiv der Jüdischen Gemeinde Worms, alte
kostbare Machsorim und eine Torarolle dem Staate Israel und den zuständigen
Stellen feierlich übergeben. Der gesamte Besitz der Gemeinde wurde nach dem
Kriege von der Stadt Worms aus lokalen Gründen für sich beansprucht. Erst
nach langwierigen Vergleichsverhandlungen, die mit äußerstem Takt in
Deutschland geführt wurden, gelangten die Stücke in den dauernden Besitz
unseres Staates. Aus diesem Anlass stellt uns Dr. Ernst Tryfus (Jerusalem)
den Text einer nicht gehaltenen Rede zur Verfügung. (RED.)
Für mich als ehemaligen Ersten Vorsteher der altehrwürdigen jüdischen
Gemeinde Worms ist es eine ganz besondere Freude, als Jerusalemer Bürger
anwesend zu sein bei der Übergabe der alten Machsorim und des Archivs
unserer Gemeinde an jüdische Institutionen in Jerusalem.
Dass diese Übergabe möglich ist, verdanken wir der Hingabe und dem Einsatz
der Persönlichkeit unseres sehr verehrten Museumdirektors der Stadt Worms,
des Herrn Dr. Friedrich Maria Illert. Wir wissen, dass er es war, der die
überaus kostbaren Machsorim gerettet hat, und wir wissen, dass er es war,
dem es gelungen ist, den alten Friedhof in Worms vor der Zerstörung zu
bewahren und vor Schändung zu schützen. Wir wissen, wie sehr wir Herrn Dr.
Illert für all das zu Dank verpflichtet sind, umso mehr als es ihm gewiss
nicht leicht gefallen ist, sich von den Schätzen zu trennen, die er als
Treuhänder der Wormser jüdischen Gemeinde gehütet hat in der Überzeugung,
dass überall dahin, wo einmal blühende jüdische Gemeinwesen bestanden haben,
immer wieder jüdisches Leben zurückgekehrt ist.
Dass er dennoch die Entsagung hatte, die Kostbarkeiten nach Jerusalem zu
bringen, zeigt, dass er sich zu der Überzeugung durchgerungen hat, dass ihr
Platz hier ist. Wir sind ihm, wie gesagt, dafür unendlich dankbar. Und ich
darf darauf hinweisen, dass Dankbarkeit ein spezifisch jüdischer Zug ist.
Wenn die Juden das Empfinden haben, dass ein Mensch Verständnis hat für ihre
Lage und es sie fühlen lässt, so sind sie ihm dankbar. Als im Jahre 1888
Kaiser Friedrich starb, gaben die deutschen Juden allen ihren Söhnen, die in
diesem Jahre geboren wurden, den Namen Fritz. Und seit Alexander der Grosse
vor fast 2500 Jahren mit ihnen zusammengetroffen ist, ist Alexander ein
jüdischer Name geworden, wie Mosche oder Josef, mit dem man zur Tora
aufgerufen wird, bis auf den heutigen Tag.
So ist die jüdische Dankbarkeit, und in die Reihe derer, die sich einen
Anspruch auf sie erworben haben, gehört Herr Dr. Illert. Dr. Ernst
Tryfus." |
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Artikel im "Mitteilungsblatt des Irgun Olei Merkas Europa" vom 7. Januar
1972: "Dr. Mosche Ernst Tryfus zum 70. Geburtstag.
Unzählige Jerusalemer, vom Ministerpräsidenten bis zu der Öffentlichkeit
unbekannten Mitgliedern der Krankenkasse, verdanken Dr. Tryfus Gesundheit
und Arbeitskraft. Sie sind sich dessen bewusst, dass er ein sehr
ungewöhnlicher Arzt ist, dank einer heute selten gewordenen Kombination
gründlichster Fachbildung mit unmittelbarer Anteilnahme an jedem Patienten.
Tryfus stammt aus einer orthodoxen Landgemeinde der Wormser Gegend, dem
'falschen Heppenheim', wie er mit dem ihm eigentümlichen Humor seinen
Geburtsort von dem durch Buber berühmt gewordenen Städtchen unterscheidet.
Für ihn aber war es das echte Heppenheim. In halbländlicher Umgebung wuchs
er frei und gesund heran, wohl behütet in einem patriarchalischen Hause
alter Art, von dem er noch heute gerne und mit Liebe erzählt. Zwei Söhne
durften studieren, beide wurden Zionisten; einer von ihnen ist als ein
hervorragender Zahnarzt in Amerika und Heidelberg zu großem Ruf gelangt und
leider vor einigen Jahren gestorben.
Bis nach 1933 war Dr. Ernst Tryfus ein sehr gesuchter praktischer Arzt in
Worms, stets auch an den Aufgaben und Sorgen der Jüdischen Gemeinde tätigen
Anteil nehmend, bis er in der schweren Nazizeit ihren Vorsitz übernahm.
In Jerusalem hat er sich wohl bald durchgesetzt, und heute ist sein Name ein
Symbol für eine Haltung und für eine Sache. Die Haltung ist die des Arztes
als helfenden Menschen. Er ist völlig unhysterisch, mit Kleinigkeiten darf
man zu ihm nicht kommen, und er übertreibt nie etwas. Ist es aber ernst,
oder könnte es ernst werden, so ist er immer zur Stelle Tag und Nacht. Man
kann sich auf ihn verlassen und fühlt sich in, seinen Händen geborgen. Schon
sein Eintritt ins Zimmer bringt dir ein Stück der bedrohten Gesundheit
zurück.
Die Sache aber, an die man denkt, wenn der Name Dr. Tryfus fällt, ist die
Verbindung einer Allgemein-Praxis mit offenbar sehr weit gehenden
Spezialkenntnissen auf vielen Gebieten, Darüber kann der Laie zwar kein
Urteil haben, aber auch ihm muss erlaubt sein, sich eine Ansicht zu bilden,
wenn er seinen Arzt etwa in psychologischen Grenzfragen, die sowohl das
Pädagogische wie das Medizinische betreffen, vorzüglich beschlagen findet.
Und wir alle wissen, an einem Tag in der Woche ist Tryfus nicht zu
erreichen: da bildet er sich fort, auf der Hadassa oder sonstwo.
In den fortgeschrittensten Ländern Europas, z. B. in der Schweiz, denkt man
jetzt daran, der heillosen Zersplitterung der Medizin und der ärztlichen
Betreuung dadurch zu steuern, dass man die Allgemeinmedizin zu einem
Spezialfach macht. Für dieses Katheder wüsste ich einen jugendlichen
Kandidaten. Leider verbietet es die akademische Diskretion, hier seinen
Namen zu nennen, aber die herzlichsten Glückwünsche für unseren Dr. Tryfus
wird man doch wohl noch öffentlich aussprechen dürfen. Ernst Simon."
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Artikel
im "Mitteilungsblatt des Irgun Olei Merkas Europa" vom 7. Januar 1972:
"Dr. Ernst Tryfus zum 75. Geburtstag.
Am 5. Januar 1972 wird der Jerusalemer Arzt Dr. Ernst Tryfus 75 Jahre 'alt'.
Dieses übliche 'alt' hemmt mich eigentlich, die gewohnten Gedenk- und
Wunschzeilen zu schreiben, zumal ich gar nicht weiß, ob es ihm recht ist.
Hätte ich ihn vorher um Erlaubnis gefragt — wer weiß, ob er sich’s nicht
verbeten hätte!
Denn Dr. Tryfus, zu dessen Patienten Arbeiter und Minister zählen, kennt
kein Ermüden in seiner ärztlichen Pflicht. Vorbildlich trägt er die
Arbeitsbürde von Jahrzehnten als Arzt und Mensch. Wer sein Patient ist, kann
sich auf ihn verlassen und darf ihn Freund nennen. Dr. Tryfus gehört zu dem
fast schon ausgestorbenen Spezies des 'Haus-' oder 'Familienarztes' - ein
Vorbild für die werdenden oder jungen Ärzte unseres Landes.
Wie Dr. Ernst Tryfus vor seiner Auswanderung in Worms als Arzt, Zionist und
Gemeindevorsitzender verehrt und geliebt wurde, so gelangte er in Jerusalem
nach seiner Niederlassung sehr bald zu einem weiten Wirkungskreis und
verdienten Ansehen.
Wir wollen ihn nicht erinnern, dass er hier bereits im vierten Jahrzehnt am
Werke ist. Dass ihm seine Arbeitskraft noch viele erfolgreiche und
befriedigende Lebensjahre bei bestem gesundheitlichen Wohlergehen vergönnt
sein möge, ist der Wunsch aller seiner zahlreichen Patienten und Freunde. -
nn." |
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Artikel
im "Mitteilungsblatt des Irgun Olei Merkas Europa" vom 14. Januar 1977:
"Ernst Mosche Tryfus - 80 Jahre. Am 5. Januar beging Dr. Ernst Mosche
Tryfus (Jerusalem) seinen 80. Geburtstag. Die alte Familie entstammt der
Champagne (Tryfus = Troyes). Sein Geburtsort ist Heppenheim in
Rheinhessen (mit Bubers Wohnort an der Bergstrasse nicht zu
verwechseln). Sein toragelehrter Vater war dort Metzger der Gemeinde, deren
Synagoge aus Bauteilen des jüdischen Gotteshauses im benachbarten
Horchheim errichtet war. Die Juden von
Heppenheim hatten sie der evangelischen Kirche Horchheims abgekauft, nachdem
sich die dortige jüdische Gemeinde aufgelöst und den verfallenden Bau den
Christen übertragen hatte, die ihn für Umbau in eine Kirche nicht zureichend
fanden.
Nach Absolvierung der Oberrealschule in Worms ging Tryfus zum Medizinstudium
nach Heidelberg. Noch in der Schulzeit wurde er Mitglied des Wormser 'Blau-Weiss',
als Student Mitglied des Heidelberger V.J.St. 'Ivriah', später in München
der 'Jordania' des K.J.V., dann - nach 'Feldunterarzt'- Dienst an der
Westfront und dort verwundet - beendete er sein Studium in Freiburg i.Br.,
auch dort im KJV ('Ivria') aktiv. Er ließ sich danach in Worms als Arzt
nieder und verband nun wöchentliche wissenschaftliche Vortragsreisen nach
Heidelberg mit zionistischer Arbeit in Worms, bekleidete das Ehrenamt eines
Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppe, ebenso des lokalen Sportvereins 'Makkabi'
dann der jüdischen Gemeinde, jahrelang auch Präsident der
Bnei-Brith-'Dalberg-Loge'.
Nach 15-jähriger hingebungsvoller Tätigkeit als Arzt und in all seinen
aufgezeigten jüdischen, und zionistischen Funktionen entzogen ihm 1935 die
Nazis das Praxis-Recht. Unter Schwierigkeiten erlangte er die Möglichkeit
zur Alijah. Seither praktizierte er in Jerusalem. Jeder Jerusalemer kennt
aus den letzten 40 Jahren den unermüdlichen Arzt Tryfus, dessen Rat und
Hilfe alle Schichten des Jischuw suchten. Für die Kupat Cholim ging er 16
Jahre jeden Schabbat zu Fuss nach Ramat Rachel, dortige Patienten zu
versorgen, betreute über die Jahre die Insassen der Elternheime. Aufs
gewissenhafteste um die eigene fachliche Fortbildung bemüht, sah man ihn in
allen wissenschaftlichen Veranstaltungen der Ärzteschaft. Fast jährlich fuhr
er zudem wochenlang nach Europa, um die neuesten Methoden der Therapie der
Homöopathie und der psychosomatischen Behandlung kennen zu lernen. Tryfus
blieb auch in Jerusalem seinen Traditionen aus Worms treu, ist Mitglied der
David-Yellin Loge der Bnei Brith, der Freimaurerloge 'Zum Schiloa-Quell' und
der Gemeinde 'Emeth weEmunah'. Wir wünschen uns noch viele Jahre der engen
Verbundenheit mit dem Bundesbruder, der so lebendig von seiner Jugend im
alten jüdischen Worms der Raschi-Tradition und deren Verbindung zu Troyes zu
erzählen weiß, vom Schrecken der Kreuzzüge und vom Ende der altberühmten
Gemeinde in der Hitlerzeit, wo der weltbekannte Jüdische Friedhof (mit Rabbi
Meir von Rothenburgs Grab als Wallfahrtsstätte) überstand, in dem die 'Raschi-Kapelle'
und das 'Raschi-Tor' restauriert stehen. Ludwig Nelken."
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Artikel
zum Tod von Dr. Ernst Tryfus im Mitteilungsblatt des "Irgun Olei
Merkas Europa" Juni 1990 S. 5: "In
memoriam Dr. Ernst Tryfus
Am Vorabend des Pessachfestes entschlief im Alter von 93 Jahren Dr. Ernst
Moshe Tryfus. Nur wenige Freunde und ehemalige Patienten geleiteten ihn zur
letzten Ruhe und man 'konnte meinen, dass dieser so außerordentliche Arzt
und Mensch in den langen Jahren seines Siechtums von der Welt vergessen
worden war. Dr. Tryfus war der typische Familienarzt. Er war ein glänzender
Diagnostiker und kannte seine Grenzen als behandelnder Arzt. Er las
medizinische Fachliteratur und war immer mit den modernsten Methoden der
Medizin vertraut. Als einer der ersten Ärzte in Jerusalem wandte er
Akkupunktur und Homöopathie an. Seine Sorge galt stets dem Patienten, für
den er keine Mühe scheute.
Dr. Tryfus wurde 1897 in Heppenheim a.d. Wiese geboren. Sein
Medizinstudium absolvierte er in München und Heidelberg; 1925 ließ er sich
in Worms als praktischer Arzt nieder. Er war aktiv im jüdischen Leben und
Vorsteher der Gemeinde in Worms. Sein Interesse an dem berühmten Machsor von
Worms erlosch nie, bis es endlich in seiner Gegenwart der jüdischen
Nationalbibliothek in Jerusalem übergeben wurde. Er war Präsident der Bnei
Brith Loge in Worms und gehörte zu den Gründern der David Yellin Loge in
Jerusalem, wo er seit 1935 praktizierte. Zu seinen Patienten zählten Levi
Eshkol, Golda Meir und viele andere Persönlichkeiten.
Die 10 Jahre von 1963-1973 brachten furchtbare Schicksalsschläge und Dr.
Tryfus wurde fast zu einer Hiobsgestalt. Der Tod der geliebten Tochter durch
eine Krankheit während ihrer ersten Schwangerschaft, Krankheit und Tod
seiner Frau und schließlich das tragische Ende seines einzigen Sohnes. - Als
Rauschgiftsüchtige den alten, hilflosen Arzt zu erpressen versuchten, gab er
seine Praxis auf.
Freunde aus der Freimaurerloge sorgten dafür, dass er in einem Heim
untergebracht wurde. Bei allen, die ihn kannten, wird das Andenken an diesen
so gütigen und hilfsbereiten Arzt stets wachbleiben. Paul Alsberg." (sc.
oder Paul Arnsberg?) |
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Kleine Mitteilungen aus der Gemeinde:
- 80. Geburtstag von Mathilde Tryfuss (Heppenheim) (in:
Israelitisches Familienblatt vom 8. September 1938 - falsch wird sie
Heppenheim a.d. Bergstraße zugeordnet) |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Isaak Tryfus
(Heppenheim) und Prediger Goldmann (Herford) mit Bitte um Unterstützung eines
ehemaligen Kultusbeamten (1915)
Anmerkung: Prediger Siegmund Goldmann war bis zu seinem Tod am 31. Januar
1935 (Todesanzeigen im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Februar 1935)
über 27 Jahre Prediger und Seelsorger der jüdischen Gemeinde. Wieso sich
Goldmann und Tryfus gemeinsam für den nicht genannten Kultusbeamten engagierten,
ist nicht bekannt.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Oktober 1915: "Dringende Bitte!
Ein betagter ehemaliger Kultusbeamter, der im Leben oft und schwer
heimgesucht ist, hat im Kriege den Sohn verloren, der die Stütze der Eltern
gewesen. Die Not der alten Leute ist drückend, helfet uns sie lindern.
Segen komme über Euch
Spenden nehmen entgegen:
Prediger Goldmann, Herford-Westfalen. Isaak Tryfuss, Heppenheim
a.d.W." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge war in Heppenheim lange nicht vorhanden.
Man traf sich zu Gottesdienst und Gebet in Privathäusern, vor dem Bau der
Synagoge zuletzt im Anwesen
Wormser Landstraße 24. Dieses gehörte Frau Jakob Männchen. Ein Mietvertrag
mit der jüdischen Gemeinde regelte 1907 die Überlassung eines Raums im
Seitengebäude ihres Anwesens. Dennoch bestand der Wunsch nach dem Bau einer
Synagoge. Die damaligen Vorstandsmitglieder Moritz Klein, Salomon Mayer und
David Salomon bemühten sich um eine neue Lösung.
Seit 1908 stand die zuletzt von der evangelischen Kirche genutzte,
ehemalige (1847 erbaute) Synagoge der jüdischen Gemeinde in Horchheim leer. Das
Gebäude wurde zum Verkauf angeboten. 1911 gelang es der jüdischen
Gemeinde in Heppenheim, die frühere Synagoge für 2.000 Mark zu erwerben. Das
Gebäude wurde abgebrochen, das gesamte brauchbare Material nach Heppenheim
gebracht. Als Bauplatz hatte man einen zuvor der Mathilde Tryfuß gehörigen
Acker erwerben können (Obere Grabenstraße / Dorfgrabenstraße 103, Flur I, Nr.
136).
Die feierliche Einweihung der Synagoge war am 17./18. November 1911. Über
die Feier liegt nachstehender Pressebericht vor (Wormser Zeitung vom 20.
November 1911):
| "Heppenheim a.d.W., 18. Nov. Endlich ging der Wunsch der hiesigen isr. Gemeindemitglieder, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, in Erfüllung. Heute wurde die neuerbaute Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Es ist ein schmuckes, niedliches Gotteshaus, das als Gebäude für sich bereits eine nicht uninteressante Vergangenheit hat. Es wurde als Synagoge im Jahre 1847 in
Horchheim erbaut. Als aber die isr. Gemeinde teils durch Wegzug, teils durch Aussterben der älteren Mitglieder sich auflöste, ging die Synagoge in den Besitz der evg. Kirchengemeinde Horchheim über, die diese als Kirche benutzte, worin noch bis vor kurzem Gottesdienst abgehalten wurde. Da nun die evangel. Gemeinde eine neue Kirche besitzt, kaufte die israel. Gemeinde Heppenheim a.d.W. die ursprüngliche Synagoge, um sie niederzureißen und das brauchbare Material zum Bau einer neuen Synagoge in ihrem Ort zu verwenden. Diese steht nun in früherer Größe und in gleicher Bauart in Heppenheim. Schon am Freitag fanden sich Herr Rabbiner Dr. Holzer, Herr Lehrer und Kantor Agulnik aus Worms und noch andere Gäste ein. Am Freitag Abend fand eine gemütliche Zusammenkunft im Kurgarten statt, um ein doppeltes Fest zu feiern. Mit der Vorfeier der Synagogenweihe sollte die Feier der silbernen Hochzeit des Hrn. Tryfuß u. Frau verbunden werden. Herr Rabbiner Dr. Holzer hob ein einer Ansprache den biederen schlichten Sinn der Jubilare, besonders aber die Selbstlosigkeit des Hrn. Tryfuß hervor, der sich in den Dienst der israel. Gemeinde in uneigennütziger Weise stellte. Im Auftrage der isr. Gemeinde Heppenheims überreichte Hr. Dr. Holzer dem Jubilar als Anerkennung eine goldene Kette. Hr.
Tr. dankte tiefgerührt für die erwiesene Aufmerksamkeit. Hr. Agulnik wies auf den Opfersinn der kleinen Gemeinde, die Einigkeit und Einmütigkeit der Gemeindemitglieder hin, wodurch es möglich war, den schon
lange gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen. Er wünsche das Fortbestehen des einträchtigen Sinnes innerhalb der Gemeinde. Das eigentliche Fest fand Samstag morgen statt, zu dem der Herr Bürgermeister des Ortes mit sämtlichen Herren Gemeinderäten, die Herren Geistlichen von Heppenheim, Horchheim und Offstein, die Herren Lehrer des Ortes und viele andere Gäste erschienen waren. Herr Rabbiner Dr. Holzer weihte in formvollendeter Predigt das neue Gotteshaus ein. Auch Herr Tryfuß hielt eine zu Herzen gehende Ansprache und dankte allen die zur Verherrlichung des heutigen Tages beigetragen haben. Als Einleitung trug Hr. Agulnik das Lied 'Gott Deine Güte reicht so weit' von Beethoven vor. In liebenswürdiger Weise wirkte eine erlesene Schar des Synagogenchorvereins Worms unter ihrem Organisten Hrn. Hohmeier bei der Feier mit. Durch ihren vorzüglichen Gesang und durch den des Hrn. Agulnik wurden der Frühgottesdienst und die Feier sehr gehoben. Herrlich brachten die Sänger zwei Lieder: 'Die Himmel rühmen' u. den 'Segen' zu Gehör. Die ganze Feier übte auf die Anwesenden ersichtlich einen tiefen Eindruck aus." |
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Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember
1911: "Heppenheim a.d.W. Unsere neue Synagoge ist eingeweiht
worden. Rabbiner Dr. Holzer - Worms hielt die Festrede." |
Die Synagoge wurde - wie in Horchheim - als Massivbau
mit rechteckigem Grundriss erstellt und trug ein Satteldach. In der südlichen
Längsmauer gab es drei hohe Fenster. Das Eingangsportal war auf der
Westseite.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und wenig
später abgebrochen. Das Grundstück ging in Privateigentum
über und ist neu überbaut. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht
vorhanden.
Adresse/Standort der Synagoge: Grundstück Dorfgrabenstraße 103
(ehemalige Grabenstraße, Ecke Zeppelinstraße); am Platz des heutigen
Ladengeschäftes der Metzgerei Braun.
Fotos
(Quelle: Zeichnung links: Synagogen in Rheinland-Platz s.
Lit.
S. 406)
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Die Horchheimer Synagoge, die
1908
abgebrochen und in Heppenheim aufgebaut
wurde (Zeichnung E. Heuser
nach Angaben
von N. Schmitt, Horchheim) |
Historische Karte von
Heppenheim an der Wiese
mit der Synagoge |
Ausschnitt
aus der Karte links |
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Historische Karte von 1915
mit
der Synagoge |
Ausschnitt aus
Karte links |
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Das Synagogengrundstück
mit
der gegenwärtigen Bebauung
(Foto: Michael Ohmsen;
Aufnahme: September 2010;
Foto in hoher Auflösung über den Link) |
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Die ehemalige Synagoge stand
im
Bereich des Ladengeschäftes links |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 351-352. |
 | Werner Kropp: Der Judenfriedhof in Worms-Heppenheim. In: Der Wormsgau d.
17 1998 S. 178ff.
Aufsatz als pdf-Datei zugänglich: hier
anklicken |
 | ders.: Die Heppenheimer Synagoge. Online
zugänglich. Als pdf-Datei: hier
anklicken |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 187-188. |
 | Kurzer Artikel von Werner Kropp zum jüdischen
Friedhof in Heppenheim: "Jüdischer Friedhof unter
Schutz": hier
anklicken (pdf-Datei). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 405-406 (mit weiteren Literaturangaben). |

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