Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dierdorf mit Stadtteil Giershofen (Kreis Neuwied) 
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Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

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bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
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Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Dierdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1677/78 wird erstmals ein jüdischer Einwohner genannt ("Veit der Jud" im ""Flecken Dierdorf"). 1688 kam "Jud Kalmes" als weiterer Schutzjude hinzu. Auch 1700 waren es nur zwei jüdische Personen (mit Familien): Jud Peritz und Jud Veit.   
   
Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand bereits eine relativ große jüdische Gemeinde in der Stadt. 1706 werden fünf jüdische Familien genannt (Peritz, Veit, Löb, Moses, Seligmann), 1761 gab es 15 jüdische Familien in der Stadt. 1742 war Hirsch Löw "Judenvorsteher" im Amt Dierdorf. Damals lebten in Dierdorf die Familien des Jud Ruben, Hirsch, Seligmann, Martgen und Mausche. Aus dem Jahr 1787 liegt ein Bericht über die Hochzeitsfeierlichkeiten des Erbgrafen Carl zu Wied-Runkel und der Prinzessin Caroline Louise Frederique zu Nassau-Weilburg am gräflichen Hofe zu Dierdorf vor. Nachdem am dritten Tag der Feierlichkeiten (am 19. September 1787) die Pfarrer sich vorgestellt, ihre Glückwünsche überbracht und Geschenke überreicht hatten, "kam die ganze Judenschaft hiesiger Stadt und Amt mit Musik ins Schloss. Der Vorsteher (Herz) und einige Deputierte überreichten der durchlauchtigsten Prinzessin ein Geschenk in Silber mit Versen nach jüdischer Art. Der Vorsänger aber sang mit Begleitung der Musik auf der Schlossbrücke einige ins Deutsche übersetzte Verse aus den Psalmen ab, die Bezug auf die Feierlichkeiten hatten, und zogen unter beständigen Vivatrufen wieder in die Stadt zurück". Bei der Ausschmückung der Stadt hatte auch Jakob Bär, der Inhaber eines Kramladens war, mitgewirkt und einen Spruch ausgestellt: "Komm, komm, mein lieber Saar (Fürst), und kauf mir ab mein War. Komm, komm, mein lieber Herr, und kauf bei Jakob Bär!!"     
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1822 77 jüdische Einwohner, 1855 121 (in der Bürgermeisterei zusammen 170), 1858 120, 1895 116 (bzw. nach "Statistischem Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" S. 46 1895 zusammen 158 in 33 Familien; 1896 nach dem "Statistischen Jahrbuch" 135 Personen in 34 Familien und 1897 nach "Statistischem Jahrbuch" 135 in 30 Familien), 1900 121. Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein insbesondere vom Handel mit Vieh, Ellen- und Kurzwaren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen offene Handlungen und Läden am Ort.  
   
Zur Gemeinde gehörten auch die in Giershofen lebenden jüdischen Personen. Hier wird 1703 ein erster jüdischer Einwohner genannt (Jud Löw), 1707 sind es zwei Familien, beide mit Namen Löb, 1742 Veit Jonas und dessen Vater. Die Zahl der Juden am Ort blieb klein: 1924 waren es sechs jüdische Einwohner, bis 1938 noch die Familie von Jakob Kahn). Auch in anderen Orten der Umgebung lebten wenige jüdische Familien, die zur Gemeinde in Dierdorf gehörten, so in Großmaischeid (bereits 1705 ein jüdischer Einwohner, 1742 Moses, Veit, Heyem und Jacob), in Isenburg (bereits seit 1688/89, 1707 zwei: Veit und Jüdin Blumin, 1742 Jud Seligmann) 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische öffentliche Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle unten). Bereits im 18. Jahrhundert wird ein "Judenschulmeister" genannt (vor 1778 Israel Elias bis nach 1811). 1836 wird Lehrer Victor Israel erwähnt. Besonders lange war in der Gemeinde im 19. Jahrhundert Lehrer M. Stamm, der sich auf die Ausschreibung der Stelle 1856 erfolgreich bewarb und nach 43 Jahren in Dierdorf im Jahr 1899 sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte (siehe Bericht unten; Stamm unterrichtete 1895 26 Kinder, 1897 20 Kinder, 1898 24 Kinder). Letzter jüdischer Lehrer war von 1900 bis 1938 Adolf Ginsberg (vor 1900 war er Lehrer in Gehrden). In der Zeit des Ersten Weltkrieges unterrichtete er zeitweise die Oberklasse der evangelischen Schule und verwaltete später die katholische Schule. Die jüdischen Kinder besuchten während dieser Zeit die christlichen Schulen. Erst nach Kriegsende konnte der Betrieb der jüdischen Schule wieder aufgenommen werden.  
 
Von den jüdischen Vereinen werden genannt: der Israelitische Jünglingsverein (um 1895 unter Leitung von M. Daniel und S. Seligmann II, 1898 unter Leitung von J. Scheyer und M. Seligmann; Zweck: religiöse Vorträge und Bildungszwecke), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (um 1895/1898 unter Leitung von S. Freudenberger und A. Salomon), der Israelitische Frauenverein (um 1896 unter Leitung der Frau von S. Seligmann II, 1898 Frau von J. Kahn I), ein Israelitischer Männerverein (1905 genannt; Zweck: religiöse Vorträge und Bildungszwecke), eine Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (seit 1920, Vorstand Lehrer Adolf Ginsberg, Siegmund Kahn und Moritz Salomon). 
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1895/1898 Th. Salomon, A. Hirschberg und S. Herz. Die Vorstandswahl 1920 ergab: Abraham Hirschberg (Vorsitzende), Samuel Herz und Moses Seligman sowie Stellvertreter Herr Markus Frohwein.   
   
Um 1924, als zur Gemeinde 96 Personen gehörten (7,3 % von insgesamt 1.320 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moses Seligmann, Samuel Herz und Markus Frohwein. Zur Repräsentanz gehörten Israel Seligmann, Jakob Kahn (Giershofen), Jakob Marx Moritz Salomon, Arthur Berg, Alex Daniel, Alex Hirschberg, Ferdinand Strauß und Siegfried Seligmann. Als Lehrer und Kantor war Adolf Ginsberg angestellt. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch neun Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden insbesondere der Israelitische Frauenverein (Frauen-Chewra, gegründet 1827, 1924 unter Leitung der Frau von Nathan Seligmann mit 22 Mitgliedern, 1928 unter Leitung der Frau von Ferdinand Strauß, 1932 unter Leitung von Tina Marx mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Israelitische Männer-Wohltätigkeitsverein (gegründet ca. 1825, 1928 unter Leitung von Markus Frohwein, 1932 unter Leitung von Siegfried Seligmann mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftigen und von Durchwanderern - Wanderfürsorge) und der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von Lehrer Adolf Ginsberg mit 37 Mitgliedern).   1932 waren die Gemeindevorsteher Alexander Daniel (Bismarckstraße, 1. Vors.), Arthur Berg (2. Vors.) und Sally Marx (3. Vors. und Schriftführer). Die beiden Vorsteher der Repräsentanz waren Moritz Salomon (1. Vors.) und Alex Daniel (2. Vors.). Weiterhin war Adolf Ginsberg Lehrer und Kantor. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er an der Israelitischen Volksschule neun Kinder in sechs Klassen.       
   
1933 lebten noch 84 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die jüdische Schule wurde 1933 aufgelöst, Lehrer Ginsberg blieb danach als Religionslehrer und Vorbeter in Dierdorf. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im Inneren völlig verwüstet, jüdische Wohnhäuser wurden überfallen und teilweise völlig demoliert oder geplündert (Häuser von Louis Daniel, Nathan Seligmann, Hugo Seligmann, Moses und Emil Seligmann, Moritz Seligmann, Ferdinand Strauß). Auch in Giershofen wurde das Haus von Jakob Kahn, in dem auch Lehrer Ginsberg lebte, völlig demoliert.
   
Von den in Dierdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde Corper geb. Strauss (1915), Johanna Erna Dahl (1938) Margarete (Grete) Dahl geb. Seligmann (1912), Emma Daniel geb. Sternberg (1864), Amalie Driels geb. Salomon (1873), Berta Erkelenz geb. Kahn (1869), Lehrer Adolf Ginsberg (1874), Emma Ginsberg geb. Loebenberg (1873), Jenny Goldschmidt geb. Hecht (1880), Lucie Harf geb. Ginsberg (1903, "Stolperstein" in Bremen), Lina Hecht (1878), Mathilde Hermann geb. Salomon (1863), Bertha Herz geb. Strauss (1886), Emma Herz (1871), Heinrich Herz (1875), Josef Herz (1879), Hugo Hirschberg (1876), Siegfried Hirschberg (1884), Helene Jonas (1877), Jeanette Kaufmann (1856), Anneliese Liszewsky geb. Seligmann (1919), Ruth Lyon geb. Frohwein (1898), Leopold Marx (1883), Sally Marx (1884), Samuel Marx (1850), Henriette Mayer geb. Salomon (1877), Ruth Meyer geb. Ginsberg (1905, "Stolperstein" in Bremen), Werner Meyer (1934), Ernestine Michel geb. Michel (1887), Amalie Regensburger geb. Strauss (1879), David Salomon (1863), Nathan Salomon (1875), Rosa Salomon (1860), William Salomon (1865), Sigmund Scheier (1875, vgl. Kennkarte unten), Bienchen Seligmann geb. Seemann (1863), Dina (Tina) Seligmann (1867), Emil Seligmann (1887), Henriette Seligmann geb. Scheier (1879), Manfred Seligmann (1924), Nathan Seligmann (1876), Nathan Seligmann (1879), Siegfried Seligmann (1881), Alma Steinberg geb. Daniel (1900), Juliane Steineberg geb. Veit (1876), Karoline Sternberg geb. Herz (1867), Klothilde Stibbe geb. Seligmann (1887), Anny Strauss geb. Dinkelspiel (1884), Ferdinand Strauss (1882), Else Wendel geb. Daniel (1896), Selma Wolf geb. Hecht (1884).          
   
Hinweis: für das in Dierdorf ansässige Ehepaar Siegfried Seligmann und Henriette geb. Scheier wurden am 13. März 2015 in Wiesbaden zwei "Stolpersteine" verlegt. Ehepaar Seligmann hatte in Dierdorf ein Kolonialwarengeschäft betrieben, das 1936 aufgegeben werden musste. Danach verzogen die beiden nach Wiesbaden (Fritz-Kalle-Straße 14, wo die Stolpersteine verlegt wurden). Siehe Bericht im "Wiesbadener Kurier" vom 15. März 2015.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1856  

Dierdorf AZJ 03031856.jpg (52118 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1856: "Ein Lehrer, welcher in Allem gut zu unterrichten, und den Vorbeterdienst nach herkömmlicher Weise befriedigend zu verrichten versteht, kann in unserer Gemeinde sobald wie möglich eine Stelle erhalten, die 150 bis 200 Thaler jährlich einbringt. Meldungen sind einzureichen bei dem israelitischen Vorstande.   
Dierdorf bei Neuwied, im Februar 1856."  

   
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Stamm (1899) 

Dierdorf Israelit 26101899.jpg (49659 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Dierdorf. Dieser Tage feierte Herr Lehrer Stamm in Dierdorf, Kreis Neuwied, das seltene Fest des 50-jährigen Dienstjubiläums, welches hier festlich begangen wurde. Herr Lehrer Stamm bekleidet seit 43 Jahren das Amt eines Lehrers und Kantors in der israelitischen Gemeinde am hiesigen Platze, und hat sich die Liebe und Achtung der hiesigen Einwohnerschaft in vollem Maße erworben. Möge es ihm vergönnt sein, noch weitere Jahre segensreich in der hiesigen Gemeinde wirken zu können."  

   
80. Geburtstag von Lehrer Stamm (1911)          

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Mai 1911: "Homburg v.d. Höhe. Am 2. Mai feierte der in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte, verdienstvolle Lehrerveteran dahier seinen 80. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Stamm, 1831 in Mogendorf, Regierungsbezirk Wiesbaden, geboren, war von 1849 bis 1900 Lehrer in Dierdorf, Regierungsbezirk Koblenz, und feierte dort unter allseitiger Beteiligung sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Im Jahre 1900 nahm er nach langer segensreiche Tätigkeit seinen Abschied, der ihm, unter ehrenvoller Anerkennung seiner Leistungen im Schulamt, gnädigste bewilligt wurde, worauf er hierher zu seinen Kindern zog. Möge es dem liebenswürdigen Greis vergönnt sein, an der Seite seiner Gattin noch viele Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit zu erleben. "   
 
Mitteilung in "Neue jüdische Presse" vom 5. Mai 1911: "Homburg vor der Höhe. Der hier wohnende Lehrerveteran Stamm, von 1849 bis 1900 in Dierdorf amtierend, feierte seinen 80. Geburtstag."   

    
Lehrer Adolf Ginsberg wechselt von Gehrden nach Dierdorf (1900)      
Anmerkung: zur jüdischen Geschichte in Gehrden https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/e-g/693-gehrden-niedersachsen und https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Gehrden

Mitteilung in "Israelitische Wochenschrift" vom 2. Januar 1900: "Der bisher in Gehrden angestellte Lehrer Adolf Ginsberg ist von der königlichen Regierung zu Koblenz nach Dierdorf berufen worden. "   

  
Lehrer Adolf Ginsberg verschickt Neujahrsgrüße (1902)  
Anmerkung: Lehrer Adolf Ginsberg ist am 18. Februar 1874 in Varrel (Lkr. Diepholz) als Sohn von Meier Ginsberg und der Rosette geb. Neublum geboren. Er war verheiratet mit Emma geb. Loebenberg aus Fulda (geb. 1873). Die beiden hatten zwei in Dierdorf geborene Kinder: Lucie (geb. 1903, später verheiratete Harf, "Stolperstein" in Bremen http://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=724) und Ruth (geb. 1905, später verheiratete Meyer, Stolperstein in Bremen http://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=339). Die Töchter Lucie und Ruth wurden im Ghetto Minsk 1942 ermordet. Adolf Ginsberg und seine Frau Emma wurden in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie beide umgekommen sind (1944 bzw. 1942). Genealogische Informationen vgl. https://www.geni.com/people/Adolph-Ginsberg/6000000076771992306.  

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 2. Oktober 1902: "Zum Rausch-haschonoh allen lieben Freunden und Bekannten nur auf diesem Wege herzlichen Glückwunsch! 
Dierdorf. Lehrer Adolf Ginsberg.
"    

   
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Adolf Ginsberg in Dierdorf (1925)     

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. November 1925: "Dierdorf. Am 30. Oktober waren 25 Jahre verflossen, seitdem unser Lehrer Herr Adolf Ginsberg in Dierdorf seine Tätigkeit als Lehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde ausübt. Der Jubilar hat es verstanden, die Achtung und ihr Ehrerbietung nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch die der gesamten Bevölkerung zu erwerben. Anlässlich des Jubiläums fand am 30. Oktober, abends, im Saale des Hotels Sahm eine Feier statt, welche sich innerhalb der Teilnehmerschaft zu einer ergebenden Ehrung des Jubilars gestaltete, bei welchen unter anderem auch der Herr Bürgermeister den Jubilar als einen Menschen feierte, der es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet habe, nicht allein innerhalb seiner Glaubensgemeinschaft, sondern auch in der gesamten Bürgerschaft des Ortes zum Besten zu wirken. " 

   
Die jüdische Volksschule in Dierdorf wird nach über 100 Jahren aufgelöst (1933)      

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 31. August 1933: "Dierdorf (Westerwald). Am 1. August wurde die mehr als 100 Jahre bestehende jüdische Volksschule von der Regierung zu Koblenz aufgelöst. Während die Schule früher mehr denn 30 Schüler zählte, waren es im laufenden Schuljahr nur noch sieben. Dem Lehrer Adolf Ginsberg wurde bei seinem Übertritt in den Ruhestand in einem Schreiben vom Regierungspräsidentin für die in treuer Pflichterfüllung dem Staat geleisteten Dienste der Dank der Staatsregierung ausgesprochen. Herr Ginsberg wird der Gemeinde fernerhin als Religionslehrer und Kantor dienen."   

    
Lehrer Adolf Ginsberg referiert in Neuwied (1934)      

Artikel in "Jüdische Schulzeitung" vom 1. August 1934: "Kollege Ginsberg aus Dierdorf sprach in Neuwied im Bezirk Oberrhein des Vereins israelitischer Lehrer und Lehrerinnen der Rheinprovinz und Westfalen über die Richtlinien und den Religionsunterricht."  

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf von Hermann Daniel (Dierdorf) für eine verarmte jüdische Familie (in Puderbach, 1906)        

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1906: "Aufruf! Eine allein auf einem Dorfe wohnende jüdische Familie, bestehend aus Eltern und 5 ganz kleinen Kindern, hat keine Wohnung, da solche gekündigt und keine andere zu erhalten ist. Es ist Gelegenheit geboten, ein Häuschen zu erwerben, welches auf den Namen der Kinder eingetragen werden würde. An alle Glaubensgenossen richte ich die herzliche Bitte, mir zu diesem Zwecke Gaben zukommen zu lassen, über welche in diesem Blatte öffentlich quittiert wird. Nähere Auskunft erteilt auf Wunsch Herr Bürgermeister Ermich in Puderbach (Westerwald). Spenden nehme (im Voraus danken) entgegen und werden solche für die betreffende Familie zu dem erwähnten Zwecke verwendet. Hermann Daniel, Dierdorf, Bezirk Koblenz."   

     
 Simchas-Tora-Ball in Dierdorf (1907)      

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. September 1907: "Simchas-Tora-Ball in Dierdorf (Westerwald)  
am Montag, den 30. September, abends 8 Uhr  im Saale des Hotels 'Wiedischer Hof'
Die Ballmusik wird von der Kapelle des 9. Fußartillerie-Regiments in Koblenz ausgeführt.  Es ladet ergebenst ein der Vorstand des Jünglings-Vereins."  "   

   
Der deutschlandweite "Bund Deutscher Viehhändler e.V." hat seinen Sitz in Dierdorf (1910)       
Anmerkung: es wird nur ein Abschnitt aus einem längeren Artikel zitiert, in dem der Verein mit Sitz in Dierdorf genannt wird.  

Aus einem Artikel in "Jüdischer Volksbote" Nr. 8 1910: "Auf unsere Anregung und nach genauer Prüfung aller Verhältnisse hat der über ganz Deutschland sich erstreckende Bund Deutscher Viehhändler, (EV) Sitz Dierdorf am Rhein eine Eingabe nach der Richtung unserer Petita bereits unterm 28. April an die 'ständige Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen' gerichtet, welche Letztere die Eingabe dem Reichseisenbahnamt überwiesen. Den Bescheid des Reichseisenbahnamts, der die königlichen Eisenbahndirektionen als zuständig zur Erfüllung unserer Wünsche bezeichnet, fügen wir ab schriftlich bei..."   

      
Spendensammlung für eine in Not geratene Familie in Dierdorf (1912)      

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 5. Dezember 1912: "Glaubensbrüder!
An Euren nie versagenden Opfersinn wende ich mich mit der Bitte, einer hierorts wohnenden, in Not geratenen wackeren Familie zu helfen. Über einlaufende Gaben wird an dieser Stelle quittiert.
Dierdorf
, Bezirk Koblenz, 24. November 1912 Uhr. A. Ginsberg, Lehrer.   "   
  
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 3. Januar 1913: "Quittung. Infolge meines Aufrufs in Nr. 48 und 49 dieses Blattes für die hierorts wohnende arme Familie gingen folgende Gaben ein: 30 Mk. von der Chewro Gemilus Chasodim in Dierdorf; 15 Mk. vom jüdischen Frauenverein in Dierdorf; je 5 Mk. von J. Marx, Dierdorf, S. Landmann, Schifferstadt, N.N., Langenfeld, A Spanier, Calcar, N.N., Breslau, K. Kempenich, Kempenich, Jüd. Frauenverein, Altenkirchen, S. Marx, Kreuznach; 4 Mk. von Witwe H. Bär, Hamm a. Sieg; je 3 Mk. von N.N., Dierdorf, G. Barmé, Elberfeld, A. Powitzer, Posen, J. Abraham, Altenkirchen, H. Cremer, Gelsdorf, N.N., Treysa, N.N. Ahlen, Siegfried Seligmann, Dierdorf, S. Scheyer, Neuwied, L. Daniel, Urbach-Kirchdorf, K. Kahn, Laubenheim, H. Aronthal, Nastätten, H. Fribourg, Metz, H, Löbenberg, Groß-Krotzenburg, A. Reiß, Herbstein; je 2 Mk. von A. Binheim, Sarstedt, J.M., Bielefeld, N.N. Stuttgart, E. Kamm, Pawonkau, N.N., Lügde, N.N., Puderbach; je 1,50 Mk. von Frau M. Braun, Weinsheim, B. Wolf, Niederstetten, N.N., Strelno; 1,40 Mk. von N.N., Bendorf; je 1,05 Mk. von N.N., Großkrotzenburg, M.M., Detmold; je 1 Mk. von W. David, Zirke, N.N., Puderbach, J.A. Groß, Berlin; 0,50 M. von Frau Jonas, Dierdorf. - Allen Spendern namens der armen Familie herzlichen Dank. 
Dierdorf, Bezirk Koblenz, den 27. Dezember 1912. A. Ginsberg, Lehrer."  

     
Gründung eines "Jugendvereins" und einzelne Aktivitäten (1919 / 1922)        

Mitteilung in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 19. Dezember 1919: "Dierdorf (Bezirk Koblenz). Hier hat sich ein Jugendverein gebildet. Es traten demselben sogleich 35 Mitglieder bei. Zuwachs ist zu erwarten. "    
 
Im nachfolgenden Bericht auch die Mitteilung vom Tod von Amalie Salomon geb. Daniel, Frau von Salomon Salomon (1920) und Ergebnis der Vorstandswahl (1920) 
Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 9. Januar 1920: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Der hier neu gegründete Jugendverein wird von einem siebengliedrigen Vorstand geleitet, bestehend aus den Herren Lehrer Ginsberg, Leopold Marx, Richard Herz, Siegfried Seligmann und den Damen Frau Emil Seligmann, Fräulein Ida Kahn und Ruth Frowein. In seinen Statuten heißt es: 'Der Verein will die Anhänglichkeit seiner Mitglieder an das Judentum erhalten und kräftigen, ihren Sinn für alle idealen Interessen anregen, sie geistig fortbilden und zu edler Geselligkeit vereinen'. Zu diesem Zwecke fanden schon einige Zusammenkünfte statt und wurde der Grundstock zu einer Bibliothek geschaffen. Der am Sabbat Chanukka veranstaltete Familienabend verlief recht anregend. - In voriger Woche wurde die allgemein beliebte Frau Salomon Salomon Amalie geb. Daniel, zu Grabe getragen. Sie gehörte zu den ältesten Leuten unseres Ortes.
Aus der stattgehabten Vorstandswahl ging der bisherige Vorstand hervor, und zwar die Herren: Abraham Hirschberg (Vorsitzende), Samuel Herz und Moses Seligmann. Zum Stellvertreter wurde Herr Markus Frohwein gewählt."   
 
Im nachfolgenden Bericht auch Mitteilung der Gründung einer Ortsgruppe des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens'  (1920)  
Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 9. Juli 1920: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Der hiesige Jugendverein veranstaltete am 20. Juni einen Vortragsabend, der gut besucht war. Herr Lehrer Ransenberg aus Neuwied sprach über das Thema: 'Angriffe und Abwehr'. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Einer Anregung entsprechend traten mehrere der Anwesenden dem 'Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei und bildeten noch am selbigen Abend im Verein mit den alten Mitgliedern eine Ortsgruppe des Zentralvereins. In den Vorstand wurden gewählt die Herren Lehrer A. Ginsberg (Vorsitzender), Siegmund Kahn (Schriftführer) und Moritz Salomon (Kassierer)."
   
  Mitteilung in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 28. April 1922: "Neu angemeldet ist der Verein Dierdorf (Westerwald)." 
Anmerkung: es ging um die Aufnahme des Jugendvereins Dierdorf im Bezirksverband der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands.  
 
Mitteilung in "Jüdischer Boten vom Rhein" vom 2. Juni 1922: "Dierdorf (Bezirk Koblenz).
Jüdischer Jugendverein.
Vereinsanschrift des Schriftführers: Felix Frohwein, Postfach 9."   

     
Ergebnis der Repräsentantenwahl in der Gemeinde und Wahl des Mitglieds in der politischen Gemeindevertretung (1919) 
Anmerkung: die "Repräsentanz" ist der erweiterte Vorstand einer Gemeinde, aus dem heraus der eigentliche Vorstand gewählt wird. Über die Wahl wird oben im Artikel vom 9. Januar 1920 berichtet. Demnach wurden von den genannten Personen in den Vorstand gewählt: Abraham Hirschberg (Vorsitzender), Samuel Herz und Moses Seligmann, als Stellvertreter Markus Frohwein.    

Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 28. November 1919: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Bei der in der 3. Novemberwoche hierselbst stattgehabten Repräsentantenwahl wurden folgende Herren gewählt: Jakob Marx, Markus Frohwein, David Kahn - Giershofen, Israel Seligmann, Siegfried Seligmann, Alexander Hirschberg, Alexander Daniel, Arthur Berg, Lehrer A. Ginsberg und Max Seligmann; die beiden letzteren als Stellvertreter. Demnächst haben die Gewählten den dreigliedrigen Vorstand zu wählen. - Der vor einiger Zeit gewählten politischen Gemeindevertretung gehört von unserer Gemeinde Herr Moritz Salomon an."   


Aktivitäten im Zusammenhang mit dem "Palästinatag" und Aktuelles aus der jüdischen Schule (1919)    

Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 18. Juli 1919: "Dierdorf (Westerwald). Wie in den Vorjahren an dem von der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung veranstalteten Palästinatag, so beteiligte sich in diesem Jahre unsere Gemeinde auch an der Palästinawoche der zionistischen Organisation Deutschlands. Wenngleich man unsere Gemeinde auch nicht zionistisch nennen kann, so fühlt sich doch die Mehrzahl der Mitglieder verpflichtet, alle Bestrebungen zu unterstützen, die darauf hinzielen, in Palästina eine Heimstätte für die unglücklichen, heimatlosen, in harter Bedrängnis lebenden Glaubensbrüder zu errichten. Die von den Fräulein Ruth Frowein hierselbst und Ida Kahn in Giershofen vorgenommene Sammlung hatte ein Ergebnis von 113 Mark. - Unsere Schule hatte in den letzten Jahren zeitweise ihre Selbständigkeit eingebüßt. Herrn Lehrer Ginsberg war eine Zeit lang die Oberklasse der evangelischen Schule und später die katholische Schule zur Verwaltung übertragen worden. Die jüdischen Kinder besuchten während dieser Zeit die genannten Schulen. Erst seit einigen Monaten kann sich unser Lehrer wieder voll und ganz seiner eigenen Schule widmen."    

    
Ergebnis einer Kollekte in der Gemeinde (1920)   
Anmerkung: die Sammlung war bestimmt für jüdische Kinder in Wien.     

Mitteilung in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 23. Januar 1920: "Dierdorf (durch Abraham Hirschberg und Lehrer Ginsberg): Arth. Berg 25 M., Siegmund Cahn 25 M., M. de Cromme 5 M., Alex Daniel 25 M., M. Frohwein 100 Mark, Lehrer Ginsberg 10 M., Samuel Herz 50 M., Abraham Hirschberg 25 M., Alex Hirschberg 20 M., Frau Jonas 5 M., David Kahn 5 M., J. Kahn, Giershofen, 20 M., Jakob Marx 30 M., Jon. Meyer, Luxemburg, 25 M., Geschw. Salomon 5 M., L. Salomon 1 M., Moritz Salomon 30 M., Samuel Scheier Wwe. 10 M., David Seligmann 40 M., Emil Seligmann 15 M., Max Seligmann 10 M., Moses Seligmann 20 M., Nathan Seligmann 10 M., Paula Seligmann 2 M., Siegfried Seligmann 50 M., Ferdinand Strauß 5 M."    

  
Eine neue Ortsgruppe "Westerwald" des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" wurde für Dierdorf und Umgebung gegründet (1929)       

Artikel in "Der Schild" vom 6. Dezember 1929: "Durch den Vorstand der Ortsgruppe Altenkirchen wurde am 24. November 1929 Uhr in Dierdorf, Bezirk Koblenz, eine neue Ortsgruppe Westerwald gegründet. Diese Ortsgruppe umfasst die Gemeinden Dierdorf und Umgebung, Selters und Umgebung und Montabaur. Sitz Dierdorf.
Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender Kamerad Ferdinand Strauß, Dierdorf, 2. Vorsitzender Kamerad Leo Rosenthal, Montabaur,
1. Schriftführer Kamerad Helmut Herz, Dierdorf, 2. Schriftführer und Kassierer Kamerad Arthur Berg, Dierdorf.
 Die Anschrift lautet Kamerad Ferdinand Strauß, Dierdorf, Bezirk Koblenz.
Wir geben dies erfreut bekannt und begrüßen die Kameraden der Ortsgruppe Westerwald aufs herzlichste mit dem Wunsche, dass diese mit uns, besonders aber mit den Kameraden des Landesverbandes Westdeutschland, in Treue im Sinne des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten arbeiten werden."    

      
Veranstaltung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten - Gedächtnisfeier für die Gefallenen (1932)         

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 24. März 1932: "Dierdorf (Bezirk Koblenz). Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete vor einem interkonfessionellen Publikum eine große Kundgebung. Die verschiedenen Wehrverbände, das Reichsbanner, politische Parteien, die Behörden, Geistliche, Lehrer und andere Beamte aus der näheren und weiteren Umgebung waren erschienen. Die etwa 500 Zuhörer begrüßte der Vorsitzende Herr Herz und ehrte das Gedächtnis der Gefallenen. Darauf nahm Dr. Ludwig Freund (Berlin) das Wort zu seinem Vortrage: 'Die deutschen Juden und das deutsche Volk'. In fünfviertelstündiger wirkungsvoller Rede zog er die Versammelten in seinen Bann und zerstörte die Legenden, die über die Juden im Umlauf sind. Reichen Beifall zollte die Zuhörerschaft den gedankentiefen Ausführungen. Mit einer kurzen Aussprache und dem Schlusswort des Vortragenden fand die gelungene und hoffentlich reiche Früchte tragende Veranstaltung ihren Abschluss."   

   
Der "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" gründete in Dierdorf eine "Sport-Jugendgruppe" (1933)    

Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 6. Juli 1933: "In Dierdorf wurde eine 'Sport-Jugendgruppe im Reichsbund jüdischer Front-Soldaten der Ortsgruppe Westerwald gegründet. Der erste Vorsitzende, Herr Helmut Herz, sprach über die Stellung der jüdischen Jugend zum Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, mit diesen Richtlinien er die Anwesenden vertraut machte."   

      
 Fußballspiel zu Beginn der NS-Zeit zwischen den jüdischen Sportgruppen Dierdorf und Andernach  (1933)   

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. November 1933: "Fußball im Westerwald. Der Kreis Mosel-Westerwald im Sportbund des Reichsbundes jüdischer Freundsoldaten trat in Dierdorf Bezirk Koblenz) zum ersten Male sportlich mit einem Fußballspiel zwischen den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Sportgruppen Westerwald (Sitz Dierdorf) und Andernach-Rhein an die Öffentlichkeit. Die Überlegenheit Andernachs machte sich gleich bemerkbar. Das erste Tor konnte trotzdem Walter Berg vom Westerwald einschießen, worauf R. Bender (Andernach) den Ausgleich erzielte. Durch eine Unachtsamkeit des Westerwald-Tormann konnte Andernach durch Bruno Lambert ein weiteres Tor schießen und mit 2:1 Führung in die Halbzeit gehen. Nach der Halbzeit glich Möllerich durch einen indirekten Strafstoß aus, und Daniel sandte den letzten Treffer für Westerwald ein. H. Gottschalk stellte den Ausgleich her, und nachdem Fritz und Walter Schubach noch je ein Tor für Andernach geschossen hatten, stellt Fritz Schubach in der 8. Minute vor dem Schlusspfiff das Ergebnis auf 6:3 für Andernach. Beide Mannschaften besitzen leider noch sehr mangelhafte Trainingsmöglichkeiten. Obwohl die Sportgruppe Westerwald einen Platz besitzt, ist es in Anbetracht dessen, dass die Spieler in fast 60-70 Kilometer voneinander entfernt liegenden Orten beheimatet sind, unmöglich, jeden Sonntag die Mannschaft zum Training zusammen zu bekommen. Andernach hat bisher sogar weder einen Platz noch eine Trainingsmöglichkeit. Nach dem Spiel gab es eine Bewirtung in der jüdischen Schule, wo die Begrüßung durch die Ortsgruppenführer stattfand. Unter anderem waren auch der Bezirksgruppenführer des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Mittelrhein, Gottschalk (Koblenz) und der Reichsportführer des Kreises Mosel-Westerwald, Sundheimer (Ems), erschienen."   

      
 Die holländische Prinzessin bleibt Dierdorf wegen der antisemitischen Haltung des Fürsten zu Wied fern - "abscheuliche Transparente" mit antijüdischen Aufschriften an den Ortseingängen (1935)  

Artikel in "Die Stimme" vom 16. Juli 1935: "Die holländische Prinzessin bleibt einer nationalsozialistischen Feier fern.
Die holländische Kronprinzessin Juliane wurde Ende Juni eingeladen, der Taufe eines Sohnes des Fürsten zu Wied, eines Verwandten des holländischen Königshauses, in Dierdorf in Deutschland beizuwohnen. Fürst zu Wied ist als ein leidenschaftlicher Nationalsozialist und Antisemit bekannt, deshalb nahm die Öffentlichkeit in Holland die Einladung an die Kronprinzessin mit gemischten Gefühlen auf. Die holländischen Zeitungen meldeten vor kurzem, dass die Kronprinzessin in Folge in Disposition von einer Reise nach Dierdorf absehe. Man versteht aber hier, dass der wahre Grund der Absage in der politischen Richtung des Hauses Wied liege.
Der Berichterstatter des 'Haagsche Courant', der Dierdorf besucht hat, lieferte seinem Blatte das folgende Stimmungsbild: über der Straße am Dorfeingang sind Transparente mit Aufschriften 'Die Juden sind Meister der Lüge!' 'Bauern, hütet euch vor den Juden, den Parasiten des deutschen Volkes!' Der Berichterstatter schließt: 'Wir Holländer können froh sein, dass der Kronprinzessin erspart bleibt, diese abscheulichen Transparente zu sehen, deren Aufschriften sicherlich ihre Gefühle verletzt hätten."   
 
Artikel in "Die Wahrheit" vom 19. Juli 1935: Derselbe Bericht wie oben in "Die Stimme".   

   
Das Ehrenmitglied der Ortsgruppe des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" David Kahn feiert seinen 90. Geburtstag (1937)    

Artikel in "Der Schild" vom 11. September 1937: "Ortsgruppe 'Westerwald'.
Das Ehrenmitglied unserer Ortsgruppe Kamerad David Kahn, Dierdorf, feierte am 1.9.1937 seinen 90. Geburtstag. Kamerad Kahn ist Veteran von 1866 und 1870/71. Wir gratulieren auf das herzlichste!"   

 
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde           
Kriegsauszeichnungen im Ersten Weltkrieg (1915 / 1916)    

Mitteilung in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 26. November 1915 zur Verleihung des Eisernen Kreuzes I: "Dierdorf (Koblenz). Manfred Marx, Unteroffi´zier bei der Fernsprechabteilung im 7. Reservekorps."     
 
Mitteilung in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 1. Januar 1916 zur Verleihung des Eisernen Kreuzes II: "Dierdorf (Bezirk Koblenz), Ludwig Herz, Unteroffizier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 258." 
 
Mitteilung in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 12. Mai 1916 zur Verleihung des Eisernen Kreuzes II: "Dierdorf (Bezirk Koblenz), Julius Hecht, Unteroffizier im Landsturm-Infanterie-Regiment Nr. 3"  
 
Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 20. April 1916 zur Verleihung des Eisernen Kreuzes II: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Julius Hecht, Unteroffizier im Landsturm-Infanterieregiment Nr. 3, Sohn des Handelsmannes Herrn Bernhard Hecht."
  
Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 21. Juni 1917 zur Verleihung des Eisernen Kreuzes II: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Unteroffizier Helmuth Herz, Sohn des Herrn Samuel Herz."   

   
83. Geburtstag der Salomon Salomonschen Eheleute (1919)     
Anmerkung: Salomon Salomon war verheiratet mit Amalie geb. Daniel. Diese ist nach einem Bericht (siehe oben) Ende 1919 gestorben.   

Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 29. August 1919: "Dierdorf (Westerwald). Kürzlich feierten hier die Salomon Salomonschen Eheleute ihren 83. Geburtstag. Beide erfreuen sich seltener Körper- und Geistesfrische. Vor 7 Jahren begingen sie unter allgemeiner Beteiligung der hiesigen Bürgerschaft das Fest der goldenen Hochzeit. Möge sie der Himmlische auch fernerhin lebensstark erhalten und ihnen die Gnade zuteil werden lassen, in 3 Jahren das diamantene Ehejubiläum zu feiern!"    

          
 Arthur Seligmann und Julius Strauß kehren nach langer Kriegsgefangenschaft nach Dierdorf zurück (1920)     

Mitteilung in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 20. Februar 1920: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Endlich sind die beiden in Kriegsgefangenschaft geratenen Söhne unserer Gemeinde wieder in unserer Mitte. Es sind das Arthur Seligmann, Sohn des Herrn Moses Seligmann, und Julius Strauß, Sohn des Benjamin Strauß. Ersterer war annähernd 5 1/2 Jahre in Gefangenschaft."         

  
75. Geburtstag von Abraham Hirschberg (1920)          

Artikel in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 15. Oktober 1920: "Dierdorf, Bezirk Koblenz. Am 1. Sukkot-Tage beging unser langjähriger Vorsteher Herr Abraham Hirschberg seinen 75. Geburtstag. - In der letzten Versammlung unseres Jugendvereins sprach Herr cand. med. Hermann Simon aus Altenkirchen über das Thema 'Jüdische Gegenwartsfragen'. An den interessanten Vortrag knüpfte sich eine rege Aussprache."    

    
Zum Tod von Abraham Hirschberg (1923)        

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 12. Juli 1923: "In Dierdorf starb im ehrwürdigen Alter von 77 Jahren der langjährige Vertrauensmann und Kassierer unserer dortigen Ortsgruppe, Herr Abraham Hirschberg, Veteran von 1866 und 1870/71. Unter Beteiligung weitester Kreise der jüdischen und christlichen Bevölkerung wurde er zu Grabe getragen."    
  
Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. Juli 1923: "Dierdorf. Im Alter von 77 Jahren ist hier ein jüdischer Veteran von 1866 und 1870/71 Abraham Hirschberg verstorben. An seiner Beerdigung beteiligten sich Angehörige aller Konfessionen."   

     
Zum Tod von Berta Sternberg geb. Hirschberg (1924)   

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Juli 1924: "Heute morgen verschied infolge Altersschwäche unsere liebe, unvergessliche Mutter, Schwester, Schwägerin, Tante, Großmutter und Urgroßmutter 
Frau Berta Sternberg, geb. Hirschberg
im 89. Lebensjahre.  
In tiefem Schmerz: 8 Kinder, 23 Enkel und 14 Urenkel
Im Namen der trauernden Familie: Alex Daniel. Dierdorf, den 8. Juli 1924".      

     
Über Leopold Salomon (1855-1930)    

Über den Lebenslauf des Kaufmannes und Fabrikanten Leopold Salomon (geb. 17. Mai 1855 in Dierdorf, gest. Oktober 1930 in Darmstadt) hat Michael Meyer (Dierdorf) 2014 ein Erinnerungsblatt (12 Seiten) zusammengestellt.    

   
Zum Tod von David Kahn (1934)        

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 20. September 1934: "Dierdorf (Bezirk Koblenz). Das älteste Mitglied der Gemeinde, David Kahn, feierte seinen 87. Geburtstag." 

    
70. Geburtstag von Alexander Daniel (1934)     

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1. November 1934: "Dierdorf (Bezirk Koblenz). Der erste Vorsteher der Gemeinde, Alexander Daniel, vollendete sein 70. Lebensjahr. Mit großer Gewissenhaftigkeit verwaltete er seit mehreren Jahren sein verantwortungsvolles Amt."   

    
Der jüdische Viehhändler Moritz Salomon wurde verurteilt (1936!)      

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. April 1936: "Jüdischer Viehhändler verurteilt. Das 'Nationalblatt' in Koblenz meldet: Das Schöffengericht in Limburg verurteilte den jüdischen Viehhändler Moritz Salomon aus Dierdorf (Westerwald) wegen Beleidigung eines Amtsverwalters der NSDAP zu fünfzig Mark Geldstrafe. Der Jude hatte behauptet, der Amtswalter habe im November 1935 in Koblenz von einem jüdischen Viehhändler ein Rind gekauft. Das Gericht schloss sich der Auffassung des Staatsanwaltes, dass es nicht nur für jeden Parteigenossen, sondern auch für jeden arischen Volksgenossen ehrenrührig sei, wenn man ihm Geschäfte mit Juden nachsage, in seiner Urteilsbegründung an." 

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen des Kolonial-, Eisenwaren- und Bauartikel-Geschäft Simon Herz (1904) bzw. des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes Simon Herz (1910 / 1919)       

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 17. November 1904: "Lehrling!
Für mein Kolonial-, Eisenwaren- und Bauartikel-Geschäft suche zum 1. Januar 1905 einen kräftigen Lehrling (Israelit), Sohn ehrenwerter Eltern, unter günstigen Bedingungen. 
Simon Herz, Dierdorf
bei Koblenz."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 17. Februar 1910: "Lehrmädchen.
Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche zum 1. April ein Lehrmädchen (Israel.) aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen. Pension im Hause.
Simon Herz, Dierdorf, Bezirk Koblenz.
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. August 1916: "Für Anfang Oktober suche ein israelitisches Lehrmädchen ansehnlicher Figur, aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen. Kost und Wohnung in der Familie.
Simon Herz, Manufaktur und Konfektion, Dierdorf, Bezirk Koblenz."  
 
Anzeige in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 24. Oktober 1919: "Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche für bald eine tüchtige
Verkäuferin,

die im Dekorieren und Nähen erfahren, ein kräftiges ansehnliches
Lehrmädchen
aus achtbarem Hause. Pension in der Familie. Angebote mit Bild und Zeugnissen erbittet
Simon Herz, Dierdorf
 Bezirk Koblenz."  

  
Anzeigen der Familie Frohwein (1905)    

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. Januar 1905: "Für sofort suche besseres jüdisches
Mädchen,
welches selbständig bürgerlich kochen und backen kann und Hausarbeit mit übernimmt, bei hohem Lohn, angenehme familiäre Behandlung. Zwei christliche Mädchen vorhanden.
Frau M. Frohwein, Dierdorf, Bezirk Koblenz."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 7. März 1907: "Lebensstellung.
Für meinen Haushalt, 12-14 Personen, suche für baldigen Eintritt ein älteres besseres Mädchen, welches durchaus selbständig bürgerlich kochen, backen und bügeln kann, zur Leitung des ganzen Haushaltes bei hohem Salair und Familienanschluss. 2 christliche Dienstmädchen vorhanden.
Frau M. Frohwein, Dierdorf, Bezirk Koblenz.
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 27. Juni 1907: "Für sofort oder später suche eine erfahrene
Stütze
,
welche perfekt bürgerlich kochen kann, gegen hohen Lohn und Familienanschluss, da Frau im Geschäfte tätig. Angebote mit Gehaltsansprüchen an
M. Frohwein, Dierdorf, Bezirk Koblenz."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 3. April 1913: "Zum baldigen Eintritt suche ein besseres älteres
israelitisches Mädchen,

welches selbständig bürgerlich kochen und backen kann und schon in Stellung war. Der Haushalt besteht aus 7 Personen und ist christliches Mädchen vorhanden. Hohes Gehalt bei familiärer Behandlung. Anerb. mit Zeugnissen und Bild erbeten 
M. Frohwein  Dierdorf, Bezirk Koblenz."     
 
Anzeige in "Neue jüdische Presse" vom 20. März 1913: "Zum baldigen Eintritt suche ein besseres, älteres
israelitisches Mädchen,

welches selbständig bürgerlich kochen und backen kann, da Frau im Geschäft tätig. Der Haushalt besteht aus 7 Personen einschließlich 2 christlichen Mädchen. Hohes Gehalt, familiäre Behandlung.
M. Frohwein  Dierdorf, Bezirk Koblenz."    
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 2. Juni 1933: "Gesucht für Ende Juli eine in der Küche erfahrene, tüchtige
Wochenbett- und Säuglingspflegerin
.
Angebote mit Gehaltsansprüchen und Zeugnissen erbittet:
Frau Felix Frohwein, Dierdorf, Westerwald."     

 
Anzeige des Viehgeschäftes Hermann Daniel (1907)      

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 12. Dezember 1907: "Gesucht auf sofort für mein kleineres Viehgeschäft einen
Gehülfen
,
der mit füttert. Sabbat und Feiertage geschlossen. Näheres bei Hermann Daniel in Dierdorf (Bezirk Koblenz)."  

   
Anzeigen der Destillerie und Weinhandlung Jacob Marx (1907 / 1926)       

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 7. März 1907: "Für Pessach empfehle: 
hochfeinen Kräutermagenlikör
per Literflasche Mark 2.- inklusive Flasche  
hochfeinen Tresterbranntwein per Literkrug  Mark 2.- inklusive Krug.
Rot- und Weißweine vorzüglich in Qualität zu den billigsten Preisen. Versand gegen Nachnahme. 
Jacob Marx, Destillerie und Weinhandlung, Dierdorf, Rheinpreußen."   
  
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 18. März 1926: "Zu Pessach  
Ist man angewiesen   Besond're Speisen zu genießen, 
Und manch' ericht dann unbedingt  Verdauungsstörung mit sich bringt. 
Dies Uebel rottet man schnell aus   Durch den Genuss von 'Doktor Klaus'  
Der ist bekannt in aller Welt; wird österlich jetzt hergestellt 
Nach altbewährter Rezeptur  Von Jacob Marx in Dierdorf nur. 
Jacob Marx   Spezialfabrik für Kräuterpräparate. Seit 1878  Dierdorf, Rheinland.
Versand in ganzen und halben Flaschen. Wiederverkäufer Preisermäßigung."   

 
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes Abraham Hirschberg (1910 / 1919)    

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1. September 1910: "Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche ich per Oktober ein
Lehrmädchen

aus guter Familie. Familienanschluss zugesichert.
Abraham Hirschberg, Dierdorf, Bezirk Koblenz.
"   
 
Anzeige in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 9. Dezember 1919: Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche per bald ein
Lehrmädchen

aus achtbarer Familie. Kost und Logis im Hause. Offerten mit Bild an
Abraham Hirschberg, Dierdorf,
Bezirk Koblenz.""  

   
Anzeigen des Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes Siegfried Seligmann (1919 / 1930)     

Anzeige in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 28. November 1919: "Tüchtige angehende
erste Putzarbeiterin sowie Lehrmädchen 
zum 1. Februar gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen bei freier Station sowie Photographie erbeten 
Siegfried Seligmann, Dierdorf
(Bezirk Koblenz)."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 28. Juni 1923: "Für meine Putzabteilung suche ich per bald eine
wirklich tüchtige Putzarbeiterin,

welche auch im Verkauf bewandert ist. Offerten mit Zeugnisabschrift, Bild, Gehaltsansprüchen, bei freier Station erbeten an 
Siegfried Seligmann, Manufaktur- und Modewaren, Dierdorf, Bezirk Koblenz.
"   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 6. März 1930: "Lehrling
mit guter Schulbildung (eventuell Handelsschulbildung) für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft per bald gesucht. Monatliche Vergütung wird bewilligt. Pension preiswert zu haben. Offerten mit selbst geschriebenem Lebenslauf und Bild erbeten an Siegfried Seligmann, Dierdorf  Bezirk Koblenz."  

     
Hochzeitsanzeige für Franz Lyon und Ruth geb. Frohwein (1921)       

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 18. August 1921:
"Franz Lyon, Staatsanwalt III  -   Ruth Lyon geb. Frohwein  
Vermählte 
Landau (Pfalz)      zur Zeit Dierdorf, Bezirk Koblenz."   

      
Todesanzeige für Berta Sternberg geb. Hirschberg (1924)     

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Verein") vom 24. Juli 1924: "Heute Morgen verschied infolge Altersschwäche unsere Liebe unvergessliche Mutter, Schwester, Schwägerin, Tante, Großmutter und Urgroßmutter
Frau Berta Sternberg, geb. Hirschberg
im 89. Lebensjahr.
In tiefem Schmerz: 8 Kinder, 23 Enkel und 14 Enkel.
Im Namen der Trauernden Familie: Alex Daniel. Dierdorf, den 8. Juli 1924. "   

     
Todesanzeige für Rena Seligmann (1929)       

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. September 1929: "Heute morgen, 8 1/2 Uhr, entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere geliebte Tochter und Schwester,
Rena Seligmann
im 21. Lebensjahre. 
In tiefem Schmerz  Familie Siegfried Seligmann  
Dierdorf
, den 12. September 1929."    

        
Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Joseph Liberles und Ilse geb. Seligmann (1934 / 1935)      

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 27. Dezember 1934: "Ilse Seligmann  -  Joseph Liberles  
Verlobte  
Dierdorf
Bezirk Koblenz   -   Ludwigshafen am Rhein  Wittelsbachstr. 30  
30. Dezember 1934."     
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 11. Juli 1935: "Joseph Liberles  -  Ilse Liberles geb. Seligmann    
Vermählte   
Ludwigshafen   -   Dierdorf, Bezirk Koblenz. 
Trauung: Sonntag, den 14. Juli 13 Uhr   Mannheim, Lamay-Loge  C 4 12.""

   
Verlobungsanzeige von Isi Eisemann und Herta geb. Daniel (1936)    

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Juli 1936: "Berta Daniel   Isi Eisemann   
Verlobte   
         Diersburg (Westerwald)   -   Düsseldorf, Cleverstr. 72   
Hoensbroek (Holland)  Ackerstr. 142.      2. August 1936."" 

          
 Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Sally Daniel und Hanna geb. Metzger (1937)    

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Januar 1937: "Hanna Metzger   -   Sally Daniel.  
Verlobte   Rhens/Rhein   -   Dierdorf (Westerwald.. 17. Januar 1937."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 22. Juli 1937: "Statt Karten!  Sally Daniel  -  Hanna Daniel 
Vermählte
   Dierdorf/Westerwald    Rhens/Rheinland.  Rhens/Rhein, den 25. Juli 1937."

      
 Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Walter Berg und Hilde geb. Simon (1937)       

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Juni 1937: "Hilde Simon   -   Walter Berg.  
Verlobte.  Hermannstein z.Zt. Dierdorf   Juni 1937   Dierdorf."  
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. August 1937: "Statt Karten! Walter Berg  - Hilde Berg geb. Simon.  
Vermählte    
Dierdorf, Hermannstein, August 1937."  

       
Nach der Deportation: Todesanzeige für Alexander Daniel und Emma Daniel geb. Sternberg (umgekommen im Ghetto Theresienstadt, Anzeige vom Juli 1945)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 20. Juli 1945: "Wir erhielten erst jetzt die traurige Nachrichte, dass unsere geliebten Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Bruder und Schwester  
Alexander Daniel   Emma Daniel geb. Sternberg
 
(früher Dierdorf, Westerwald) 
in Theresienstadt verschieden sind. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 
Isy & Else Wendel geb. Daniel  Aufenthalt unbekannt.   
Norbert & Paula Daniel geb. Bruck  
2-12 B'way Terrace, N.Y.C. und 3 Enkel."      

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Dierdorf 
geborenen Siegmund Scheier
 
 Dierdorf KK MZ Scheuer Siegmund.jpg (83787 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Siegmund Scheier (geb. 4. April 1875 in Dierdorf),
 Kaufmann, wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in das 
Ghetto Theresienstadt, wo er am 17. April 1943 umgekommen ist       
 

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Eine erste Synagoge ("Judenschule") wurde zwischen 1742 und 1778 eingerichtet. Ob es sich um einen Betraum in einem bestehenden Gebäude oder um ein selbständiges Gebäude gehandelt hat, ist nicht bekannt. 
   
1829 wurde ein eigenständiger Synagogenbau erstellt und eingeweiht. Dieses Gebäude befand sich Anfang der 1920er-Jahre in einem baufälligem Zustand. Damals hatte die jüdische Gemeinde einen Baufonds angelegt und Mittel für einen Neubau angespart, doch war nach durch die Inflationszeit der angesparte Betrag vernichtet. 
   
1924 erschienen Spendenaufrufe zum Neubau einer Synagoge, da das alte Synagogengebäude kaum mehr benutzt werden konnte, u.a. in der Zeitschrift "Der Israelit" und im "Israelitischen Familienblatt":  
      
Spendenaufrufe für eine neue Synagoge (1924)  

Dierdorf Israelit 11121924.jpg (109111 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1924. "Aufruf. Helft uns bauen! 
Die hiesige, bereits 100 Jahre stehende Synagoge ist in einem derart schlechten Bauzustand, dass die Gemeinde gezwungen ist, baldigst mit dem Neubau eines Gotteshauses zu beginnen. Der seit Jahren angelegt Baufonds ist das Opfer der Geldentwertung geworden und so steht die Gemeinde mittellos vor der schweren Aufgabe, die bald erfüllt werden muss, da der bauliche Zustand des alten Gotteshauses ein längeres Abhalten von Gottesdienst in demselben nicht mehr erlaubt.   
Die Gemeinde allein ist nicht imstande, die zum Bau erforderlichen Mittel aufzubringen und so richten wir an alle die Bitte: helft uns unsere schwere Aufgabe lösen. 
Gaben bitte an Synagogen-Neubau der Synagogengemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz, Postscheckkonto Nr. 22703 Köln, gelangen zu lassen. 
Der Vorstand der Synagogengemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Dezember 1924: "Aufruf! Helft uns bauen!
Die hiesige bereits 100 Jahre stehende Synagoge ist in einem derart schlechten Bauzustand, dass die Gemeinde gezwungen ist, baldigst mit dem Neubau eines Gotteshauses zu beginnen. Der seit Jahren angelegte Baufonds ist das Opfer der Geldentwertung geworden, und so steht die Gemeinde mittellos vor der schweren Aufgabe, die bald erfüllt werden muss, da der bauliche Zustand des alten Gotteshauses ein längeres Abhalten von Gottesdiensten in demselben nicht mehr erlaubt.
Die Gemeinde ist nicht imstande, die zum Bau erforderlichen Mittel aufzubringen, und so richten wir an alle die Bitte, helft uns, unsere schwere Aufgabe lösen. Gaben bitte an: Synagogen-Neubau der Synagogen-Gemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz,
Postscheckkonto Nr. 22703 Köln, gelangen zu lassen.
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz." 
  

1925 ließ die Gemeinde Pläne für einen Neubau durch der Frankfurter Architekten Fritz Epstein erstellen, die jedoch nicht realisiert worden. 1928 zeichnete der Kölner jüdische Architekt Robert Stern einen neuen Plan, der noch in diesem und dem darauf folgenden Jahr verwirklicht wurde. Die finanziellen Mittel wurden teilweise durch Spenden (Wohltätigkeitskonzerte, Haussammlungen) aufgebracht. Am 26. März 1928 war die Grundsteinlegung für die neue Synagoge. Am 9. April 1929 konnte der Neubau am Rande des Dierdorfer Markplatzes durch Lehrer Ginsburg  eingeweiht werden. Im Inneren wurde am selben Tag eine "Heldengedenktafel" eingeweiht (Bericht in der "Neuwieder Zeitung" vom 10. April 1929: "Synagogenweihe in Dierdorf"). Die Synagoge verfügte über 60 Männer- und 50 Frauenplätze. Das Gebäude war ein traufseitig von der Straße zurückgesetzter Putzbau in expressionistischen Formen. Prägend war im oberen Drittel der Mittelachse ein großes Rundfenster mit einbeschriebenem Davidstern. Auch auf dem Giebel war ein solcher angebracht. 
       
Konzert zugunsten der neuen Synagoge (1927)     

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 3. März 1927: "Dierdorf. (Konzert für den Synagogen Neubau). Am vorletzten Sonntag fand unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bevölkerung und einiger Nachbargemeinden im Jugendheim ein Konzert statt, dass der jüdische Jugendverein Dierdorf zur Förderung des Synagogen-Neubaus unternommen hatte. Das Programm wies neben einem von Kapellmeister Gustav Stern, Duisburg, gespielten Klavierkonzert Gesänge aus der Freitagabend-Liturgie, hebräische Melodien und Lieder von Giardano und Schubert auf, die der Kölner Oberkantor Hermann J. Fleischmann zu Gehör brachte. In die musikalischen Beiträge reiten sich Rezitationen jüdischer Dichtungen ein, um deren eindrucksvolle Wiedergabe sich Fräulein Lotte Kleinschmidt vom Kölner Schauspielhaus und die Herren Herbert Felsenthal und Kurt Friedmann vom Sprechchor des jüdischen Jugendvereins Düsseldorf verdient machten. Mit reichem Beifall lohnte das vollbesetzte Haus den Künstlern, die sich in selbstloser Weise in den Dienst des guten Werkes gestellt hatten. Die Veranstaltung erbrachte dank der Opferfreudigkeit und des von Angehörigen aller Benntnisse und Schichten bewiesenen Gemeinschaftsinns manch wertvollen Baustein zum neuen Gotteshause."   

 Für den Neubau der Synagoge werden Haussammlungen durchgeführt (1927)       

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 25. Februar 1927: "Dierdorf. (Neubau einer Synagoge). Die hiesige Gemeinde plant den Neubau einer Synagoge und hat zu diesem Zwecke mit Genehmigung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz behördlicherseits das Recht für Haussammlungen bei jüdischen Bewohnern der Rheinprovinz in Anspruch genommen. Die Sammlungen können bis zum Ende dieses Jahres erfolgen. Außerdem soll der Reinertrag eines Konzerts, dem Kantor Fleischmann aus Köln und Schauspieler Alexander vom Kölner Schauspielhaus ihre Mitwirkung leihen, dem Baufonds der Synagoge zugute kommen."   

Grundsteinlegung für die neue Synagoge am 26. März (1928)   
sowie 100-Jahrfeier zum Bestehen des Frauenvereins  

 Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 4. April 1928: "Dierdorf (Bezirk Koblenz). (Der Grundstein zu einer neuen Synagoge). Die hiesige kleine Gemeinde schickt sich an, eine neue Synagoge zu bauen, da das fast 100 Jahre alte Gotteshaus sich in einem nicht mehr würdigen Zustand befindet. Der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage zum Trotz bekundet die Gemeinde durch ihre Opferwilligkeit den starken Willen zur Erhaltung des Judentums. Am 26. März fand die feierliche Grundsteinlegung der neuen Synagoge statt. Die politische Gemeinde war durch den Bürgermeister und Ortsvorsteher vertreten. Lehrer und Kantor Ginsberg hielt die Weiherede. Man hofft, das neue Gotteshaus, dass nach einem Entwurf des im Rheinland bekannten Architekten Robert Stein (Köln) erbaut wird, im Herbst beziehen zu können. - Vor kurzem begingen die im Jahre 1827 gegründete Frauen-Chewra die Feier ihres 100-jährigen Bestehens. Bei dieser Gelegenheit wurde Frau Berta Hecht aus Anlass ihrer 50-jährigen treuen Zugehörigkeit zur Chewra ein sinniges Angebinde überreicht. "     

Die Einweihung der Synagoge am 9. April 1929 (1929)        

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Mai 1929: "Dierdorf. (Einweihung der neuen Synagoge). Vor einigen Tagen wurde die von dem Architekten Robert Stern - Köln erbaute neue Synagoge feierlich eingeweiht. Die Synagoge stellt ein hübsches stimmungsvolles Bauwerk sowohl im Äußeren als auch im Inneren dar und hat 60 Männerplätze und 50 Frauenplätze auf der Empore. (Siehe auch die Abbildung in unserer Illustrierten Beilage 'Aus alter und neuer Zeit' in Nummer 21). Die Einweihungsfeierlichkeiten vollzogen sich unter starker Anteilnahme auch der nichtjüdischen Bürgerschaft und Vertretung der Behörden. Nachdem von dem alten Gotteshaus Abschied genommen war, bewegte sich der Festzug mit den Torarollen, getragen von den Gemeindeältesten, an der Spitze, unter den Teilnehmern waren die Vertreter geistlicher und weltlicher Behörden, zur neuen Synagoge. Dort wurde von Architekt Stern vor der Synagoge mit einer kurzen Ansprache der Schlüssel des Bauwerks dem Gemeindevorsteher übergeben, worauf ein von Herrn Emil Blumenau - Köln verfasster Prolog vorgetragen wurde. Nachdem die Pforten geöffnet waren, begab sich die Festversammlung in den Tempel, wo der eigentliche Weiheakt durch Herrn Lehrer Ginsberg - Dierdorf vollzogen wurde. Diesem reihten sich Ansprachen des Vertreters des Herren Regierungspräsidentin, des Bürgermeisters, des evangelischen Geistlichen sowie der Vorsteher der Nachbargemeinden an. Ferner sprach Herr Blumenau im Auftrage der Synagogengemeinde Köln sowie des preußischen Landesverbandes, Herr Lehrer Ransenberg aus Neuwied für den rheinischen Provinzialverband. Gleichzeitig mit der neuen Synagoge wurde eine an ihr angebrachte Gedenktafel für die Gefallenen der Gemeinde Dierdorf eingeweiht. Am Abend schloss sich ein Konzert an, während am nächsten Tage noch ein großer Festball stattfand. " 
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" 19. April 1929: "Dierdorf (Westerwald). (Synagogenweihe). In unserem Städtchen wurde am 9. April die vom Architekten B.D.A. Robert Stern - Köln erbaute Synagoge feierlich eingeweiht. Nachdem von dem alten Gotteshaus Abschied genommen war, bewegte sich der Festzug, in dem man die Vertreter geistlicher und weltlicher Behörden bemerkte, zur neuen Synagoge. Dort übergab der Erbauer dem Gemeindevorsteher den Schlüssel, wobei ein von Herrn Emil Blumenau - Köln verfasster Prolog vorgetragen wurde. Den eigentlichen Weiheakt vollzog Herr Lehrer Ginsberg. Nach seiner zu Herzen gehenden Festpredigt, mit der er zugleich auch die Gefallenen-Gedenktafel weihte, sprachen eine Reihe von Ehrengästen, unter anderem Herr Blumenau im Auftrage der Synagogengemeinde Köln und des preußischen Landesverbandes, sowie Herr Lehrer Ransenberg - Neuwied für den rheinischen Provinzialverband. Ein fröhliches Konzert am Abend schloss die schöne Feier, die im Gedächtnis aller Teilnehmer fortleben wird."    

Zur Einweihung der Synagoge - mit Abbildung (1929)      

Mitteilung in "Aus alter und neuer Zeit" vom 23. Mai 1929: "Aus aller Welt. Eine vorbildliche Klein-Synagoge hat die Gemeinde Dierdorf (Westerwald) anstelle ihres baufällig gewordenen, über 100 Jahre alten Gotteshauses errichtet. Das von dem bekannten jüdischen Architekten Robert Stern (Köln) entworfene Gebäude fasst 60 Männer- und 50 Frauenplätze. Gleichzeitig mit der Synagoge wurde eine Gedenktafel für die Gefallenen der Gemeinde geweiht."  

         
Nur neun Jahre war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Dierdorf.
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem SA-Sturmtrupp von etwa 18 Mann sowie Gestapo-Leuten, einen SS-Mann und Arbeitern vom Reichsautobahnbau überfallen. Das Innere wurde völlig verwüstet, die Torarollen gestohlen, die Eingangstüre und das große Rundfenster an der Giebelseite zerschlagen. Am Nachmittag des 10. November wurden vom NSDAP-Ortsgruppenleiter ein Lehrer mit Schulkindern in die Synagoge geschickt, um alles zu zertrümmern, was unzerstört geblieben war. Am Abend sollte das Gebäude mit Dynamit gesprengt werden, doch konnten diesen Plan der Bürgermeister und die Ortsgendarmen verhindern. 
  
Bei einem Bombenangriff wurde das ehemalige Synagogengebäude noch weiter zerstört, die Ruine wurde 1946 vollends abgetragen.  
  
1979 wurde an der Stadtmauer eine Bronzetafel angebracht, mit der an die jüdische Gemeinde Dierdorf und ihre zerstörte Synagoge erinnert wird. 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge     Hauptstraße / Ecke Marktplatz (ehemalige Vordergasse)   
   
   
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 136-137)  

Die alte Synagoge von 1829  Dierdorf Synagoge 110.jpg (82568 Byte)  
      
      
Die neue Synagoge von 1928 
(
Abbildung in: "Aus alter und neuer Zeit"
 vom 23. Mai 1929)
Dierdorf Synagoge 115.jpg (96466 Byte)  
      
      
Das in der Pogromnacht 1938 
und zusätzlich durch einen 
Bombenangriff im 2. Weltkrieg zerstörte
 Synagogengebäude (1946)
Dierdorf Synagoge 120.jpg (64930 Byte)  
     
     

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Juni 2012: Über die Forschungen von Michael Meyer   
Artikel von Wolfgang Tischler im "NR-Kurier" vom 5. Juni 2012: "Dierdorfer Michael Meyer beschäftigt sich mit Judenfriedhof. Zwei Bücher hat er im Selbstverlag herausgebracht - Am dritten Band arbeitet der Autor derzeit.  
Dierdorf.
Seit dem Jahre 2008 ist Michael Meyer Dierdorfer Bürger. Seine Spaziergänge führten ihn öfters über den Giershofener Weg, an dem auch der Judenfriedhof liegt. Der alte Friedhof weckte zunehmend sein Interesse. Da es wenig Informationen hierüber gab, reifte in ihm die Idee, selbst aktiv zu werden..."   
Link zum Artikel   
 
November 2016: Weitere Würdigung des Gesamtwerkes von Michael Meyer 
Im Heimatjahrbuch 2017 des Landkreises Neuwied wurden die Erinnerungen an das jüdische Leben des Dierdorfer Autors Michael Meyer erneut gewürdigt.  
Pressemitteilung eingestellt als pdf-Datei.     
 
November 2017: Gedenken an den Novemberpogrom 1938   
Artikel in blick-aktuell.de vom November 2017: "Dierdorf gedenkt der 1938 ermordeten jüdischen Mitbürger. Trauerfeier an der Stadtmauer, wo einst die jüdische Synagoge stand. 
Pfarrer Coelmann verlas die Namen von 113 Opfern
Dierdorf.
Ganz in der Nähe stand eine jüdische Synagoge. Viel ist aber nicht mehr zu sehen vom einst blühenden jüdischen Leben in Dierdorf. Eine Gedenktafel ist noch angebracht an der Dierdorfer Stadtmauer. An dieser Stelle treffen sich jedes Jahr am Abend des 9. November Bürger aus der Stadt. Sie gedenken der Verbrechen, die in dieser Nacht, der sogenannten 'Reichspogromnacht', an den damals jüdischen Mitbürgern begangen wurden.
Die Gedenkfeier an der Dierdorfer Stadtmauer wurde geleitet von Pfarrer Patrique Coelmann, Stadtbürgermeister Thomas Vis und Verbandsgemeinde-Bürgermeister Horst Rasbach. Thomas Vis ging in seiner Ansprache auf die Bezüge dieser Gräueltaten zur Stadt Dierdorf ein. Er sagte: 'Jene Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war auch in Dierdorf, aber auch in den Nachbargemeinden, in fast allen Städten in Deutschland eine schreckerfüllte Nacht. Die Synagoge, die hier in der Nähe stand, wurde in Brand gesteckt. Deshalb hat dieser Ort und auch die Gedenktafel eine große Bedeutung für unsere Stadt. Das gilt auf für den jüdischen Friedhof zwischen Dierdorf und Giershofen, der des Öfteren von Nachkommen jüdischer Familien aus dem Ausland besucht wird. Die damals Verfolgten waren Menschen wie du und ich. Sie waren die Opfer. Sie lebten zumeist schon über viele Jahre in Generationen hier in Dierdorf und Umgebung. Sie gingen dort wie alle anderen ihren Berufen nach und pflegten ihr Familienleben. Sie begeisterten sich für Kultur und Sport oder engagierten sich für allgemeine Belange. Sie waren - wie man heute sagen würde - voll integriert. Umso erschreckender war die Systematik, mit der die Pogrome von Deutschen - vielleicht sogar Nachbarn und guten Bekannten - durchgeführt wurden.'... "  
Link zum Artikel   
Anmerkung: im weiteren Artikel steht eine falsche Angabe, wenn davon gesprochen wird, dass 113 jüdische Personen in dieser Nacht oder auf Grund der späteren Misshandlungen umgekommen sind. 
 
 
November 2021: Gedenken an den Novemberpogrom 1938 - in Dierdorf soll eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer angebracht werden   
Artikel von Angela Göbler in der "Rhein-Zeitung" vom 11. November 2021: "Dierdorfer halten Erinnerung an jüdische Schicksale lebendig. Gedenkstunde an der alten Stadtmauer für die Opfer der Pogromnacht.
Dierdorf.
In Dierdorf waren es mindestens 113 Einzelschicksale: ganze jüdische Familien auch aus der Stadt kamen während der NS-Zeit ums Leben. Am Dienstagabend trafen sich die heutigen Bewohner an der alten Stadtmauer, um der Opfer der Pogromnacht im Jahr 1938 zu gedenken. Nahe der Stelle, an der die damals niedergebrannte Synagoge stand, versammelten sich die Dierdorfer auf Einladung der Stadt und der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde zur gemeinsamen Andacht. Mit Kerzen in den Händen erinnerten die Teilnehmer an die Leben der jüdischen Bürger, deren Wohnungen verwüstet und Geschäfte geplündert wurden, während den Menschen die Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager bevorstand. 'Warum konnte das geschehen?', Fragten sich auch die Dierdorfer Konfirmanden, beschämt und erschüttert von Berichten aus der damaligen Zeit.
'Demokratie kann nur lebendig, Menschenrechte können nur gewahrt bleiben, wenn sich Staat und Zivilgesellschaft gemeinsam für sie einsetzen und sie schützen', unterstrich Stadtbürgermeister Thomas Vis in seiner Ansprache. Denn heute, fast die Länge eines Menschen Lebens nach der Pogromnacht, wollen die Dierdorfer die Erinnerung als Mahnung bewahren: die Stadt und die beiden Kirchengemeinden wollen unter Beteiligung des Kulturkreises eine Tafel an der alten Stadtmauer anbringen, die an die jüdischen Mitbürger erinnert, damit ihre Namen und Geschichten nicht vergessen werden. Angela Göbler." 
 
Vgl. Artikel von Wolfgang Tischler im nr-kurier vom 10. November 2021: https://www.nr-kurier.de/artikel/108839-erinnerung-an-die-pogromnacht.
Darin u.a. zum Vorhaben der Gedenktafel: "Von den unzählig ermordeten Juden stammten 113 aus Dierdorf. Für sie soll nun eine Gedenktafel mit ihren Namen an der alten Stadtmauer angebracht werden. Vis mahnte: „Wir müssen uns immer wieder fragen, wie es dazu kommen konnte. Wir müssen immer wieder dafür sensibilisieren, Bedrohungen der Freiheit und der Wahrung der Menschenrechte rechtzeitig zu erkennen. Und wir müssen jeder nachwachsenden Generation Demokratie und demokratisches Handeln nahebringen. Denn Demokratie kann nur lebendig, Menschenrechte können nur gewahrt bleiben, wenn sich Staat und Zivilgesellschaft gemeinsam für sie einsetzen und sie schützen.“ Abschließend dankte der Stadtbürgermeister insbesondere den vielen jungen Leuten, die zur Gedenkfeier gekommen waren."    

     


Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Dierdorf 
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Dierdorf (interner Link)   

Literatur:  

bulletGerhard Ebbinghaus: Die Geschichte der Juden in Urbach / Westerwald. In: Sachor - Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 5 2/1993 S. 62-72. 
bulletUli Jungbluth: Juden in Dierdorf. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 7. Jahrgang Ausgabe  2/1997 Heft Nr. 14 S. 25-32. Online eingestellt (pdf-Datei).   
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 136-137 (mit weiteren Literaturangaben).  
bullet Dierdorf Lit F 015.jpg (64617 Byte)Gerd Friedt/Michael Meyer: Haus des Lebens. Der Jüdische Friedhof in Dierdorf. 
Michael Meyer: Erinnerung Jüdisches Leben in Dierdorf Band 2.
Dank der freundlichen Unterstützung durch den Historiker Gerd Friedt aus München kann nun eine vollständige Dokumentation des Jüdischen Friedhofs in Dierdorf vorgelegt werden. Auf knapp 300 Seiten und angereichert mit über 370 Fotos erfährt die Leserin / der Leser viele familiäre Details über die ehemaligen jüdischen Bürger Dierdorfs. Erstmals konnten sämtliche Grabsteine zugeordnet und die hebräischen Inschriften transkribiert werden. Gleichfalls wurden sämtliche Steine vermessen und alle Beschädigungen, Gefährdungen und Besonderheiten schriftlich und fotografisch dokumentiert. Mehrere ausführliche Register erleichtern dabei die Personensuche.
Druck und Verlag: epubli GmbH, 2014, 292 Seiten, Softcover*. ISBN 978-3-8442-8265-8. € 43,99 (Print-on-Demand). 
erhältlich in allen Buchhandlungen, über www.epubli.de oder www.buchhandel.de usw. oder direkt beim Autor (E-Mail)
Über den Link können Sie einen Blick ins Buch werfen. Siehe auch: Flyer zum Buch. Inhaltsangabe
bullet Dierdorf Lit MM Bd 5.jpg (34538 Byte) Michael Meyer: Lebenswege deutscher Juden. Familien und Persönlichkeiten aus Dierdorf und vielen weiteren Orten im In- und Ausland. Norderstedt: BoD - Books on Demand 2016. Reihe: Erinnerung - Jüdisches Leben in Dierdorf. Band 5. ISBN 978-3-7392-4896-7 38,90 €  Informationen auf Seite bod.de. Weiteres Informationsblatt des Verfassers.  
Der Fokus liegt diesmal auf dem Begriff "Leben", was auch im Titel sichtbar wird. Welche Verluste in allen gesellschaftlichen Bereichen jedoch die Vertreibung und Ermordung der Juden nach sich zog, wird nach der Lektüre des Bandes deutlich. Band 5 baut auf dem vorherigen Band 4 "Dierdorf – Newyork-Zitti – Familienbuch Dierdorfer Juden" auf: In zahlreichen Kurzgeschichten werden Personen, deren Familien sowie die Beziehungen zu ihrer Umwelt dargestellt. Kleine Ausflüge in die Zeitgeschichte geben einen Blick auf die damaligen Lebensverhältnisse. Durch zusätzliche Recherchen konnten viele Familien um weitere Vorfahren ergänzt werden, die in Band 4 noch nicht enthalten sind. Schon lange war der Ort Dierdorf, dem bereits im Jahre 1357 die Stadtrechte verliehen wurden, ein kleines Handelszentrum. Zeitweise befand sich hier sogar die Residenz der oberen Grafschaft Wied. Kein Wunder also, dass sich hier schon sehr früh auch Juden niederließen. So wird die Leserin/der Leser nach der Lektüre dieses Bandes nicht weiter verwundert sein, wenn sich Dierdorf als zentraler Knotenpunkt zeigt, von dem viele Verästelungen in über 600 Orte in Deutschland und darüber hinaus in weitere auf dem gesamten Erdball ausgehen. Interessant sind nicht nur die persönlichen Lebenswege und familiären Verbindungen, sondern auch Menschen und Institutionen außerhalb dieser Kreise, mit denen die Genannten in Berührung kamen. Das waren zum Beispiel bekannte Rabbiner, Musiker, Schriftsteller oder auch Kranken- und Pflegeanstalten. Ein ausführliches Personen- Orts und Sachregister sorgt für entsprechende Orientierung. Ein Literatur- und Quellenverzeichnis sowie zahlreiche Endnoten bieten umfangreiche Hintergrundinformationen.  
bullet Dierdorf Lit MM Bd 6.jpg (37549 Byte) Michael Meyer: Ship to Freedom. Auswanderer- und Flüchtlingsschiffe als Hoffnung für deutsche Juden zwischen 1884 und 1952. Norderstedt: BoD - Books on Demand. 2016 Reihe Erinnerung - Jüdisches Leben in Dierdorf Band 6. 136 S. 38,90 €  ISBN 978-3-8423-3232-4.  Informationen auf Seite bod.de.  Weiteres Informationsblatt des Verfassers.   
Dieser überwiegend farbig gestaltete Band 6 schließt die Reihe "Erinnerung – Jüdisches Leben in Dierdorf" ab. Er zeigt zu fast allen in Band 5 (s.o.) genannten Schiffspassagen das entsprechende Schiff. Es sind alte Postkartenansichten und SW-Fotos der Schiffe, mit denen zunächst Auswanderer und später dann Flüchtlinge die "Neue Welt" erreichten. Die Schiffe wurden in der Nachkriegszeit auch als "Ship to Freedom" bezeichnet. Die Hoffnung der Menschen in Deutschland ruhte auf einer Schiffspassage. Wohin die Reise zunächst ging, war für die meisten vermutlich zweitrangig. Sie versuchten mit allen Mitteln, Deutschland zu verlassen und damit ihr Leben zu retten. Nicht in allen Fällen konnten sie direkt von deutschem Boden aus ein Schiff in die Freiheit besteigen, sondern versuchten über viele abenteuerliche Wege einen rettenden Hafen im Ausland zu erreichen. Doch angesprochen werden in diesem Band auch die "Auswanderer". Jene Menschen, die zwischen 1884 und 1933 das Land verließen, um in der sogenannten "Neuen Welt" ihr Glück zu machen. Die teilweise über 100 Jahre alten Postkarten legen Zeugnis von vergangener Zeit ab. So sehen wir nicht nur die Schiffe der Emigranten, sondern auch Ansichten von New York und Chicago sowie Briefmarken aus längst vergangenen Zeiten. Ergänzt wird der Band mit erläuternden Landkarten und Stadtplänen der damaligen Zeit im Kapitel "Die alte und die neue Welt" .Im Kapitel "Schiffsgeschichten" erhalten wir, beispielhaft angeführt, Einblicke in das Leben des jüdischen Reeders Arnold Bernstein und zwei seiner Schiffe, der "Königstein" und der "Westernland". Im Kapitel "Postkartengeschichten" erfahren wir mehr zu den Absendern oder auch Empfängern der im Umlauf befindlichen Postkarten. Die Absender benutzten das gleiche Schiff wie die in Band 5 genannten Personen. Oft öffnete auch ein Ort oder eine Briefmarke das Fenster zur Geschichte.  
bullet Dierdorf Michael Meyer Palaestina Lit.jpg (36955 Byte)Michael Meyer: Palästina - Wenn nicht jetzt, wann dann?: Jüdische Besiedlung Palästinas zu Beginn des 20. Jahrhunderts - eine Reise in die Vergangenheit.
Gebundene Ausgabe. EUR 28,99. 496 Seiten. Verlag: Books on Demand 2017. ISBN-10: 3744819892. ISBN-13: 978-3744819893. Informationen auf Seite bod.de   
Viele deutsche Juden emigrierten in den 1930er Jahren und später nach Palästina, um der Verfolgung in Deutschland und Europa zu entgehen. So auch der Enkel eines Dierdorfer Ehepaares, Günter Goldschmidt (geb. 1913 in Limburg/Lahn; nannte sich in Israel Gershon Ben David und starb im Alter von über 90 Jahren in Kfar Blum/Israel). Doch was erwartete sie in diesem Land, das noch kein Land im Sinne eines Nationalstaates war, sondern immer noch unter der Obhut der Engländer stand? Konnte man in diesem Schmelztiegel der Nationen überhaupt leben, wenn man aus einem geordneten Deutschland kam, am Leben der Deutschen teilnahm, integriert war? Auf einer Reise durch Palästina begegnen wir in diesem Band unter vielen anderen den Menschen, die die jüdische Besiedlung vorangetrieben haben: Baratz, Gordon, Ruppin oder den jüdischen Wächtern. Sie alle kommen hier zu Wort. Ihr aufopferungsvolles Leben, ihr Einsatz für eine jüdische Heimstätte hat den Boden auch für Emigranten wie Günter Goldschmidt bereitet. 
bullet Buchreihe Erinnerung Bd. 21: Michael Meyer: Jüdisches Leben in Dierdorf – Teil I.  Eine Nachlese anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 –
Hardcover/Fadenbindung mit Lesezeichen, 50 Seiten, ohne ISBN – Selbstverlag 2021 – € 28,99.  Nur beim Autor erhältlich
Zu diesem Buch: Gedacht als Auftakt der neuen Reihe "Jüdisches Leben in Dierdorf – Teil I. bis III. und Erinnerung an die damaligen Mitbürger der Stadt Dierdorf. In den Abschnitten STADTPLÄNE DIERDORF und JÜDISCHE WOHNPLÄTZE werden die damaligen Grundstücke und Gebäude aufgezeichnet, auch wenn sie heute größtenteils nicht mehr erhalten sind. Der Abschnitt DIE OPFER DER SHOAH erinnert nochmals an das Leiden unserer ehemaligen Mitbürger. Der letzte Abschnitt FAMILIENANZEIGEN IM NEW YORKER AUFBAU zeigt, dass viele der Barbarei entkommen konnten und später in den Vereinigten Staaten oder einem anderen Ort dieser Welt in Frieden starben.
bullet Buchreihe Erinnerung Bd. 22: Michael Meyer: Jüdisches Leben in Dierdorf – Teil II. A – Familienbuch - B - Melderegister–
Hardcover/Fadenbindung mit Lesezeichen, 594 Seiten, ISBN 978-3-7543-3038-8.  Verlag: Books on Demand, 2021 – € 43,99
zu beziehen bei: www.bod.de/buchshop  oder in jeder Buchhandlung. 
Zu diesem Buch: Seit der Veröffentlichung des ersten jüdischen Familienbuches der Stadt Dierdorf sind nun sechs Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden viele Korrekturen auf Grund neuer Forschungsergebnisse durchgeführt. Damit wurde es notwendig, den Band neu aufzulegen. Neben den in Dierdorf geborenen Juden und deren Familienangehörigen wurden auch alle Zugereisten, die sich nur vorübergehend in Dierdorf aufhielten, nebst ihren Familienangehörigen aufgenommen. Sie stellen zahlenmäßig den größten Anteil. Insgesamt werden Verbindungen zu 740 Orten in Deutschland und nochmals zu 300 Orten im Ausland nachgewiesen. Das auf jüdische Mitbürger bezogene Melderegister der Stadt Dierdorf beginnt im Jahre 1880 und endet im Jahre 1939. Das Register zeigt deutlich, welche Bedeutung die jüdischen Geschäftsleute für das Leben und den Handel in Dierdorf hatten. Von dieser Vielfalt kann man heute hier wie andernorts nur träumen. 
bullet Buchreihe Erinnerung Bd. 23: Michael Meyer: Jüdisches Leben in Dierdorf – Teil III. Das Leben der Dierdorfer Juden im Spiegel der jüdischen Presse –
Hardcover/Fadenbindung mit Lesezeichen, 192 Seiten, ISBN 978-3-7543-3868-1. Verlag: Books on Demand, 2021 – € 28,99
zu beziehen bei: www.bod.de/buchshop bzw. https://www.bod.de/buchshop/juedisches-leben-in-dierdorf-teil-iii-michael-meyer-9783754338681 (mit Möglichkeit zum Probelesen) oder in jeder Buchhandlung.
Zu diesem Buch: Die Jüdischen Zeitschriften und Zeitungen waren stets Verbindungsglied und Kommunikationsorgan der in Europa ansässigen Juden. Durch deren Digitalisierung war es mir möglich, mehr Licht in das jüdische Leben in Dierdorf zu bringen. Insgesamt 323 Berichte in 36 jüdischen Zeitungen aus den Jahren 1836 bis 1937 geben einen Blick auf 100 Jahre jüdische Geschichte der kleinen Westerwaldstadt. Besonders das "Israelitische Familienblatt" öffnet mit seinen zahlreichen Anzeigen und Artikeln ein Fenster zur lebendigen Dierdorfer Synagogengemeinde. Insgesamt war die jüdische Synagogengemeinde in Dierdorf eine sehr lebendige Gemeinde, die weit über ihre Grenzen hinaus im Lande Beachtung fand. Motoren waren meist die jüdischen Lehrer, die ihr Volk motivierten, sich ihres Jüdischseins bewusst zu werden. Besonders hervorzuheben sind die 1920er Jahre. Trotz des vorherrschenden Antisemitismus bemühte man sich nach besten Kräften, die jüdischen Werte herauszustellen und die Menschen wieder stolz auf ihre Religion sein zu lassen. Aus dieser Jugend hätte mal ein lebendiges Judentum in Deutschland entstehen können, wenn es nicht durch die christlichen Mitbürger zunichte gemacht worden wäre. Die jüdische Synagogengemeinde Dierdorf verdient es, dass man ihrer nicht nur am 9. November gedenkt und damit an ihren Tod erinnert, sondern dass man sich vor allen Dingen an ihr Leben erinnert.  

 
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Dierdorf  Rhineland. A Jewish family is mentioned in 1683 and the Jewish population grew to 60 individuals in 1817 and probably reached its peak in 1885 with 142. A Jewish school was opened c. 1825 and in 1829 a synagogue was in use. A cemetery was opened in 1890. By 1925, the Jewish population hat dropped to 84. The community dedicated a new synagogue in 1928. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed, Jewish homes and stores were severely damaged, and Jews beaten. Jewish emigration, which had begun at the outset of the Nazi era, intensified after the Kristallnacht disturbances. Twenty-one Jews are known to have reached foreign countries, including 14 who arrived in the United States. The remaining Jews were sent to the camps, the last four in 1942. 
      
       

                   
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Stand: 30. Juni 2020