Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Fellheim (Kreis Unterallgäu) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In dem bis 1806 den Freiherren von Reichlin-Meldegg gehörenden Fellheim bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Freiherr Philipp Bernhard von Reichlin-Meldegg erlaubte nach dem Dreißigjährigen Krieg den Zuzug von Juden in Fellheim. Der Ort war 1633 von den Schweden völlig zerstört worden. 1670 waren fünf jüdische Familien am Ort, zwei Jahre später bereits 10 Familien. Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien weiter zu: 1722 18 wurden Familien, 1751 35 Familien gezählt. Bis 1808 hatte die jüdische Gemeinde am Ort eine eigene Verwaltung. Erst mit der Übernahme des Ortes durch den bayerischen König wurden Juden und Christen in einer politischen Gemeinde vereinigt.    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde bereits seit dem 18. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zeitweise Elementarschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war (neben dem Rabbiner) ein jüdischer Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten).   
   
Seit Anfang des 18. Jahrhunderts hatte die Gemeinde einen eigenen Rabbiner. Als erster wurde 1716 Marx Nissont angestellt. Mitte des 18. Jahrhunderts war als Rabbiner Simon Leopold Laupheimer tätig, danach Joel Nathan Greilsheimer (1778 genannt, Rabbiner bis 1800). 1877 starb nach 47jähriger Dienstzeit Rabbiner Dr. Marx Hayum Seligsberg (s.u.). 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folge: 1809/10 379 jüdische Einwohner (63,1 % von insgesamt 601 Einwohner), 1811/12 393 (61,0 % von 644), 1819 331 (58,6 % von 566), 1835 78 jüdische Familien, 1867 211 jüdische Einwohner (35,5 % von 595), 1880 63 (12,3 % von 513). Durch Aus- und Abwanderung ist die Zahl der jüdischen Einwohner seit Mitte des 19. Jahrhundert schnell zurückgegangen, sodass um 1900 nur noch 34 jüdische Einwohner (6,6 % von insgesamt 518) und 1910 noch 22 jüdische Einwohner gezählt wurden (4,3 % von 509). Wenig später wurde Fellheim zur Filialgemeinde von Memmingen und gehörte mit ihr zum Bezirksrabbinat Augsburg. 
 
Hinweis: Im Ersten Weltkrieg gab es unter den jüdischen Kriegsteilnehmern keine Gefallenen.   
 
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 20 Personen gehörten (3,6 % von insgesamt 549 Einwohner), war Gemeindevorsteher (Fellheim war inzwischen Filialgemeinde von Memmingen) J. Einstein.  
  
1933 wurden 26 jüdische Einwohner gezählt (5,0 % von insgesamt 523 Einwohnern). In den folgenden Jahren konnten noch 12 von ihnen auswandern (allerdings erst 1938/1941), die letzten 14 wurden 1942 deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). 
   
Von den in Fellheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; abgestimmt mit der Liste von G. Römer, Leidenweg s.Lit. S. 173): Albert Bacharach (1879), Caecilie Bacharach geb. Mayer (1882), Gustav Bacharach (1886), Julius Bacharach (1870), Adolf Einstein (1870), Berta (Bertha) Einstein geb. Mayer (1870), Berta Einstein (1902), Isak (Isaak) Einstein (1866), Jakob Einstein (1880), Julius Einstein (1903), Louis Einstein (1876), Rosa Einstein (1906), Jette Fränkel geb. Bacharach (1876), Johanna Frank geb. Einstein (1890), Justin Frank (ca. 1914), Bernhard Frankenthaler (1873), Lina Frankenthaler geb. Lichtenauer (1878), Bernhard Freimann (1901), Hans Jakob Freimann (1931), Lisa Salina Freimann geb. Guggenheimer (1907), Pauline Freundlich geb. Heilbronner (1873), Henriette Friedberger geb. Bacharach (1867), Frieda Günzburger geb. Heilbronner (1860), Josef Günzburger (1883), Rosalie (Rosy) Günzburger geb. Heilbronner (1893), Alfred Guggenheimer (1877), Klara Guggenheimer geb. Bacharach (1861), Ida Gutmann geb. Gutmann (1873), Julius Gutmann (1873), Pauline Gutmann (1882), Amalie Hänigsberger geb. Orthal (1868), Betty Heilbronner geb. Pressburger (1850), Heinrich Heilbronner (1896), Paula Hess geb. Kahn (1870), Samuel (Siegmund) Hess (1874), Jakob Jacobs (1869), Clara Katz geb. Laupheimer (1875), David Laupheimer (1881), Jenny (Jeanette) Laupheimer geb. Strauß (1894), Julius Laupheimer (1885), Karoline (Karolina) Laupheim (1897), Martin Laupheimer (1890), Mathilde Laupheimer geb. Strauß (1890), Salomon (Salo) Laupheimer (1882), Irma Mandelbaum geb. Einstein (1895), Beate Mayer (1922), Berta Mayer geb. Kusiel (1872), Elias Mayer (1891), Hanna (Johanna) Liselotte Mayer (1923) Hans Adolf Mayer (1931), Jeanette Mayer geb. Bildstein (1893), Johanna Mayer (1923), Martin Mayer (1926), Siegfried Mayer (1895), Sara Nathan geb. Schwabacher (1880), Rosa (Rosalie) Obernbreit geb. Heilbronner (1866), Rosalie Oppenheimer geb. Forst (1873), Sofie Oßwald geb. Goldstein 1874), Bernhard Schwabacher (1879), David Sommer (1880), Flora Sommer geb. Lemle (1891), Max Strauss (1873), Henriette Wolfskehl geb. Laupheimer (1876).  
  
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lebten in Memmingen und Umgebung für einige Jahre neben vier einheimischen jüdischen Überlebenden etwa 100 jüdische "Displaced Persons". Zu den jüdischen Überlebenden gehörte der Memminger Lehrer Norbert Jacobs, der mit seinen beiden am 10. Juli 1938 in Memmingen geborenen Söhnen Gerald und Ralph den Holocaust überlebt hatte und Ende 1945 im Haus Nr. 79 in Fellheim lebte. 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 / 1884  

Fellheim AZJ 03021874.jpg (59788 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1874: "Erledigte Stelle. Die hiesige Lehrerstelle, womit auch der Vorsänger- und Schächterdienst verbunden ist, soll besetzt werden. Der Gehalt besteht in 550 Gulden nebst freier Wohnung und in Schächtergebühren und sonstigen Akzidenzien, die ungefähr 150 Gulden betragen. Bewerber um diese Stelle werden aufgefordert, ihre Gesuche binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Zeugnisse bei der unterfertigten Kultusverwaltung einzureichen. Fellheim (Bayern), 14. Januar 1874. Israelitische Kultusverwaltung."
    
Fellheim AZJ 17061884.jpg (89853 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1884: "Erledigte Stelle. Durch das schnelle Ableben des seit 10 Jahren in hiesiger israelitischer Gemeinde funktionierenden Lehrers ist die Elementar- und Religionslehrerstelle, womit auch die Funktionen des Schächters, Vorsängers und Gemeindeschreibers verbunden sind, zur provisorischen Besetzung erledigt. 
Der Gehalt besteht in Mark 640.- fix nebst freier, schöner Wohnung, in Schächtergefällen und in sonstigen Akzidenzien, die ungefähr Mark 560.- betragen. 
Bewerber um die Stelle (ledige bevorzugt) werden aufgefordert, ihre Gesuche binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Befähigungszeugnisse bei der unterzeichneten Verwaltung einzureichen. 
Fellheim, den 2. Juni 1884. Israelitische Kultus-Verwaltung."

    
Zum Tod von Lehrer Isidor Kahn (1931)
Jüdischer Lehrer am Ende des 19. Jahrhunderts in Fellheim war Isidor Kahn. Er wechselte ca. 1900 nach Hürben. Zu seinem Tod 1931 erschien nachstehender Artikel.

Krumbach BayrGZ 01011931.jpg (202947 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1931: "Hauptlehrer Kahn (Krumbach) – er ruhe in Frieden. Am 20. November ist Herr Hauptlehrer Isidor Kahn von Krumbach (geboren zu Burgpreppach) im 67. Lebensjahre aus seinem Wirkungskreise abberufen worden, ‚allzu früh für seine Gemeinde, der er mehr als drei Jahrzehnte in vorbildlicher Pflichterfüllung, hingebender Treue und wahrer Nächstenliebe als Lehrer und Seelsorger’ gewidmet hatte. Kein Wort in dem warm empfundenen Nachruf des Vorstandes seiner Gemeinde ist ohne tiefste innere Wahrheit und Berechtigung ausgesprochen. Hauptlehrer Kahn – er ruhe in Frieden – gehörte zu der alten Garde aufrechter, liberal denkender Lehrerpersönlichkeiten, deren Stolz ihr Beruf, deren Stärke ihr Charakter und deren Größe ihr reines Menschentum ausmachte. Er war begeistert für die Ideale seines Standes, ein Lehrer von vorbildlichem Streben nach Vervollkommnung und Berufstüchtigkeit, ein Chasen (Vorbeter) von feinem Verständnis und beachtlichem Können, ein Menschenfreund und Seelenarzt – und dabei allzeit ein froher Kamerad und ein treuer Freund jedem, der, von der Güte seines Herzens oder dem Zauber seiner geschlossenen, abgerundeten Persönlichkeit bezwungen, sich ihm erschloss. Kahn hat fast seine ganze gesegnete unterrichtliche Tätigkeit an der jüdischen Volksschule (zuerst in Fellheim, dann in Hürben bzw. Krumbach), sich auswirken lassen können. Als vor wenigen Jahren seine Volksschule von der Regierung von Schwaben aufgelöst wurde, blieb er der Religionslehrer seiner Gemeinde. Er war verwachsen mit seiner Gemeinde und all ihren Institutionen wie selten einer; daneben bewahrte er sich die Weite des Blicks für alle Fragen des Gesamtjudentums, dem er sich unlöslich verkettet fühlte, wie für die Schicksalsfragen seines deutschen Vaterlandes, dessen treuester Söhne einer er gewesen ist. Darüber hinaus fand er Zeit für mannigfache soziale Betätigungen, insbesondere für die Betreuung des Münchener Ferienheims in Krumbach. – So ist die Trauer seiner Gemeinde um den Verlust dieses seltenen Mannes nur zu begreiflich. Man muss es gesehen haben, wie dem Verewigten die Hochschätzung und Verehrung seiner Gemeindeangehörigen wie eine reife Frucht zufiel, um die Aufrichtigkeit ihrer Klage in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen. Aber auch die Schar seiner Kollegen trauert um den frühen Heimgang ihres Amtsbruders; denn sein Herz schlug warm für alle ihre Bestrebungen, sein gastliches Haus stand jedem offen, den der Weg ins Schwabenland führte, seines Rates und seiner Hilfe konnte sicher sein, wer ihrer bedurfte.
Nun ruht er aus im stillen Frieden des so idyllisch gelegenen Besolom (‚Haus der Ewigkeit’ = Friedhof) der alten Hürbener Gemeinde, der andächtige Verehrer der Kunst, der begeisterungsfähige Bewunderer der Natur, der schlichte Diener seines Gottes, der gütige Gatte und Vater, der liebenswerte Mensch und Freunde. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Bl., Nürnberg.
Am Grabe widmete Kollege Hammelburger (Ichenhausen) im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern und der Bezirkskonferenz Schwaben dem heimgegangenen Freunde herzliche Abschiedsworte des Dankes und der Verehrung."

  
  
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Rabbiner Seligsberg hat ein Buch verfasst (1842) 

Vorbemerkung: Rabbiner Dr. Marx Hayum Seligsberg bzw. Max Heinrich Seligsberger war der bedeutendste Rabbiner in Fellheim. Er ist 1799 in Baiersdorf geboren und am 19. November 1877 in Fellheim gestorben. Er hatte an der Fürther Jeschiwa sowie an der Universität in Erlangen studiert und 1827 die Staatsprüfung in Ansbach abgelegt. Seit 1830 war er Rabbiner in Fellheim. Um 1870 betreute er neben Fellheim auch die Gemeinden Illereichen-Altenstadt, Osterberg, Memmingen und Kempten. Er hat mehrere Publikationen verfasst, "moralische Betrachtungen" sowie Homilien und Erklärungen zum Pentateuch u.a.m.  
 
Fellheim AZJ 16071842.jpg (32902 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Juli 1842: "M'kor chajim von M. H. Seligsberg, Rabbiner in Fellheim. 9. broch. Preis 1 1/2 Taler oder 2 Gulden 24 Kreuzer. Vorzüglich für Brüderschaften zur Erbauung. Ulm, im Juli 1842. Stettin'sche Buchhandlung." 

   
Unstimmigkeiten zwischen Lehrer Isaac Moses in Memmingen und Rabbiner Seligsberger in Fellheim zu Fragen der Kaschrut (1869)   
Hinweis: die vermutlich nur für Spezialisten interessanten Anzeigen werden nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1869: "Aufforderung!..."     
 
       Memmingen Israelit 05051869a.jpg (144592 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  5. Mai 1869: "Abfertigung!..."  

     
Weitere Publikationen von Rabbiner Seligsberg (2. und 3. Teil seines Werkes Ot tora: 1860 / 1863)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1860: "Um das Sefer Or tora zu vervollständigen, ist nun auch erschienen: Chelek scheni (w. Teil), al chamesch megilot... usw. und ist gegen frankierte Einsendung des Betrags vá 1 Fl., 36 Kr. zu beziehen von dem Verfasser Rabbiner Seligsberg in Fellheim in Bayern."        
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1863: "Buchau, 19. Oktober (1863). Vom Rabbiner Seligsberger in Fellheim (Bayern) ist nunmehr auch der 3. Theil seines hebräisch geschriebenen Werkes: Or Tora (Licht der Tora), von dem der 1. Teil die Wochenabschnitte, der 2. die fünf Megilloth und der 3. die Haphtoroth erklärt. Bei dem gänzlichen Mangel an derartigen, in leichtfasslicher und für die Gemeinden jetziger Zeit berechneten Sprachweise geschriebenen Büchern, die ganz besonders zu öffentlichen Lehrvorträgen in Chewrot (Vereinen, gemeint vor allem die Beerdigungsvereine Chewrot Kadischa) oder in Trauerhäusern sich eignen, kann des Verfassers Gewandtheit im Ausdrucke und unermüdeter Eifer im Abfassen solcher Werke nicht genug anerkannt werden, und ist es sehr zu wünschen, dass in jeder Gemeinde dafür gesorgt werde, diesen Kommentar in die Hände aller derer zu bringen, die noch Sinn für religiös-moralische Vorträge haben. W."       

    
70. Geburtstag von Rabbiner Marx Hayum Seligsberg (1869)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1869: 'Eine Krone des Schmuckes ist das greise Haupt, auf dem Wege der Gerechtigkeit wird es gefunden' (Sprüche 16,31). 
Fellheim
, 4. Juli (1869). Gestern feierte die hiesige israelitische Gemeinde ein ebenso schönes als seltenes Fest. Es galt nämlich, dem hiesigen Rabbiner Herrn. M. H. Seligsberg, dessen Name durch seine hebräischen Schriften weit über die Gauen unseres Vaterlandes hinaus rühmlichst bekannt ist, z seinem 70. Geburtstage den Tribut der Verehrung und Hochachtung vorzubringen. - Schon am Vorabend des Festes wurde dem Gefeierten vom hiesigen Gesangverein eine Serenade gebracht, wobei die nichtisraelitischen Mitglieder sich in der zuvorkommendsten Weise beteiligten, und worauf der Jubilar, ebenso sehr überrascht als gerührt, in schöner Ansprache seinen Dank zu erkennen gab. Am Festtag selbst, nach dem Frühgottesdienst, in welchem der Jubelgreis in ergreifender Rede die Weihe dieses Tages hervorhob, wurden ihm in seiner Wohnung die Glückwünsche der Gemeindeglieder dargebracht und demselben neben vielen anderen Beweisen der Liebe und Freundschaft als Zeichen der Hochachtung ein schöner silberner Pokal verehrt. Der Abend vereinigte die Freunde und Verehrer des ehrwürdigen Greises zum heiteren Mahl, wobei in bald ernster, bald heiterer Rede der Einzelne seinen Gefühlen Ausdruck gab, bis man spät in gehobener Stimmung sich trennte, Alle von dem Wunsche beseelt, dass es dem hochverehrten Greise gegönnt sein möge, den Abend seines vielbewegten Lebens in froher Ruhe zu genießen und noch eine lange Reihe von Jahren den Samen des Edlen und Guten auszustreuen. Mehrere Festteilnehmer."      

  
  
Kleinere Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Der Verein "Chevre Hanorim" feiert sein 100-jähriges Bestehen

Fellheim Israelit 18041877.jpg (48750 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "Fellheim (Bayern). Vor einiger Zeit feierte unser Verein 'Chevre Hanorim' (Jünglings-Verein), gegenwärtig aus noch 10 Mitgliedern bestehend, das hundertjährige Jubiläum. Dieses Fest wurde durch Gottesdienst und ein kleines Festessen gefeiert, wobei der Zweck des Vereins und die Wichtigkeit dieses Festes in würdiger Weise erläutert wurde; auch wurde unserer armen Brüder in Brückenau durch eine kleine Sammlung für dieselben gedacht."

 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Auszeichnung von Ludwig Heilbronner mit dem Eisernen Kreuz im Krieg 1870/71

Fellheim AZJ 31101871.jpg (68738 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1871: "Bonn, 20. Oktober (1871). Wir tragen die Mitteilung einiger Auszeichnungen nach, die Glaubensgenossen aus ihrer Teilnahme am Kriege 1870/71 geworden, und die wir erst jetzt erfuhren...  Ludwig Heilbronner aus Fellheim, Gefreiter im 12. königlich bayerischen Infanterie-Regiment, wurde in Folge seines ausgezeichneten Verhaltens in der Schlacht bei Sedan mit dem eisernen Kreuze dekoriert."

 
Über den Antiquitätenhändler Albert Einstein, langjähriger Vorsteher der Kultusgemeinde Fellheim (gest. 1926)

Fellheim BayrGZ 07081926.jpg (114900 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Fellheim (Schwaben). Am 5. dieses Monats starb hier der älteste jüdische Veteran Schwabens, Herr Antiquitätenhändler Albert Einstein, Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1866 und 70/71 und langjähriger Vorstand der Kultusgemeinde Fellheim. An seinem Grabe sprachen Herr Prediger Rosenblatt (Memmingen), Herr Hauptlehrer Frank, Fischach, als Schwiegersohn, ferner Herr Oberleutnant d.R. und Bahnvorstand Ostermann. Der letztere wies in seinem ehrenden Nachruf u.a. darauf hin, wie der Korporalschaftsführer Einstein durch die Tat die Behauptung Lügen gestraft, als ob Soldaten-Ehre und Tapferkeit von der Konfession abhingen. Der imposante Trauerzug, an welchem 5 Veteranenvereine mit Fahnen sich beteiligten, war wohl der weitaus größte am Ort seit Menschengedenken. Es war ein ergreifender Moment, als sich beim Kommando 'zum Gebet' die prächtigen Fahnen über den zu Grabe gebrachten Gründer des Veteranenvereins Fellheim senkten. - Albert Einstein hat auch bis an sein Ende ehrenamtlich als Vorbeter an den hohen Feiertagen gewirkt und noch am letzten Jom Kippur, als 82jährioger, das ihm in jungen Jahren von dem durch seine Belehrungs- und Erbauungsschriften bekannten Rabbiner Seligsberg übertragenen Neïloh mit seltener Kraft seines unverwüstlichen Tenors vorgebetet. Seiner Gemeinde war er nicht nur Führer, sondern auch Vorbild im privaten wie geschäftlichen Leben. Die überaus große Beteiligung bei der Bestattung, die Liebe und Ehre, die ihm schon bei Lebzeiten von Nah- und Fernstehenden stets entgegengebracht worden sind, zeugen von der Beliebtheit, deren sich dieser brave und aufrichtige Mann erfreute. Ehre seinem Andenken!"

 
Über den aus Fellheim stammenden Antiquar Ludwig Rosenthal (geb. 1840 in Fellheim, gest. 1929 in München)

Fellheim AZJ 07071905a.jpg (147478 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1905: "Ein deutscher Buchhändler. Unter den Begründern der großen Buchhandlungen Deutschlands in alter und neuer Zeit finden sich viele Männer, die es nur durch eisernen Fleiß und ihre nie ermüdende Umsicht, verbunden mit natürlicher Begabung für den erwählten Beruf, zu einem Weltruf gebracht haben. Zu diesen ‚Männern eigener Kraft’ dürfen wir mit vollem Recht auch den Antiquar Ludwig Rosenthal, den Gründer der Firma Ludwig Rosenthals Antiquariat in München rechnen, der in diesem Monat auf eine fünfzigjährige Tätigkeit im Buchhandel zurückblicken kann. Das ‚Börsenblatt für den deutschen Buchhandel’ widmet dem vortrefflichen Manne, der auch ein guter Jude ist, in Nr. 119 aus der Feder Paul Bürgers einen sehr interessanten Aufsatz, dem wir die nachfolgenden Mitteilungen entnehmen: Ludwig Rosenthal ist am 2. Juli 1840 in Fellheim, einem kleinen Flecken an der Iller im Königreich Bayern, geboren. Die geringen Mittel des Vaters erlaubten es nicht, den begabten Knaben eine höhere Schule besuchen zu lassen. Doch wusste es der Vater zu ermöglichen, dass der dreizehnjährige Volksschüler wöchentlich dreimal mit vierstündiger Wanderung im zwei Wegstunden entfernten Buxheim Privatunterricht in der englischen Sprache genießen konnte. So nur mangelhaft für den Buchhandel vorgebildet, trat er im Mai 1855 bei J. Heß in Ellwangen in die Lehre. Unter der Leitung dieses anerkannt tüchtigen Buchhändlers und Antiquars machte er, immer bestrebt, die Lücken seiner Vorbildung durch Privatstunden bei einem Gymnasiallehrer in der englischen, französischen und lateinischen Sprache und in eigener Fortbildung durch Lesen bis spät in die Nacht hinein auszufüllen, eine gute Schule durch. Das erste Buch, das der Lehrling auszeichnete, war Scheffels Ekkehard, 1855 erschienen. Schon in der Lehre machte sich sein Sammeleifer und sein Suchen nach seltenen, wertvollen Büchern bemerkbar und wies ihm den Weg, den er in der Folge gehen sollte. In einem Ankauf des Sohnes seines Chefs entdeckte er einen Reiberdruck, die ‚Mirabilia urbis Romae’, wovon in diesem Jahre ein Faksimile-Neudruck erschienen ist. Für den nach heutigen Verhältnissen spotbilligen
Fellheim AZJ 07071905b.jpg (391099 Byte)Preis von 1.200 Mark wurde das spannenlange Bändchen, wie sich der glückliche Finder in einem Brief an seinen Vater ausdrückte, verkauft. Vor der Vernichtung durch Einstampfen rettete dann sein Sammeleifer eine große Anzahl Goethescher Originalausgaben. Nach dreieinhalbjähriger Lehrzeit, die der immer Strebende gut ausgenützt hatte, erhielt er von seinem Chef das Lehrzeugnis mit den besten Wünschen für die Zukunft. Nur kurze Zeit arbeitete der junge Gehilfe in der Kuhlmeyschen Buchhandlung (H.H. Feddersen) in Liegnitz.
Der Trieb zur Selbständigkeit ließ dem auf Verdienst angewiesenen strebsamen Jüngling keine Ruhe, er suchte Betätigung der in der Lehre empfangenen Anregungen im eigenen Geschäft. Daher gründete der noch nicht zwanzigjährige junge Mann nach rühmlicher Ablegung der in der Neuzeit vergeblich wieder angestrebten Lehrlings- bzw. Gehilfenprüfung und der Prüfung für den selbständigen Betrieb des Buchhandels und Antiquariates Ende des Jahres 1859 unter stiller Teilhaberschaft seines Vaters in Fellheim in recht bescheidenen Verhältnissen ein Antiquariat durch den Ankauf der ersten Bibliothek.
Rastlose geschäftliche und private Arbeit und kleine Erfolge spornten den immer weiter Schreitenden, der nie vergaß, sein bibliographisches Wissen und seine typographischen Kenntnisse zu bereichern und praktisch auszunützen, zu neuen Unternehmungen an. Im Jahre 1863 trat er mit dem Gesamtbuchhandel in Verbindung, wurde Mitglied des Börsenvereins und hatte seinen Kommissionär in Leipzig und Stuttgart. Gleichzeitig erschien der erste Antiquariatskatalog, ‚Katholische Theologie’, schon mit einem Anhang ’Manuskripte’, Marienliteratur, Jesuiten und Häresie. Er umfasste die stattliche Anzahl von 3000 Nummern älterer Literatur. Dieser Richtung, vorwiegend nur ältere Literatur im reinen Antiquariat zu vertreiben, ist der früh Entschlossene auch immer treu geblieben. Es folgten bei stetem Fortschritt der geschäftlichen Entwicklung ganz naturgemäß Kataloge über protestantische Theologie, Reformationsschriften, alte Jurisprudenz und Medizin, typographische Seltenheiten, Holzschnittwerke, Ornamentik, Werke in schönen Einbänden etc.
Für eine weitere Ausdehnung konnte der kleine Ort Fellheim dem jetzt geschäftlich schon vielgewandten Antiquar nicht mehr genügen. Er verlegte daher sein Geschäft, nachdem ihm auf sein Gesuch‚ in Erwägung, dass der pp. Rosenthal die gesetzlichen Vorbedingungen zur Ansässigmachung resp. Übersiedlung erfüllt hat, eine sehr gute Befähigung besitzt und nachgewiesenermaßen mit so viel Vermögen (es waren laut Vermögens- und Leumundszeugnisses der Gemeindeverwaltung zu Fellheim 5.000 Gulden) versehen ist, dass mit Sicherheit angenommen werden kann, dass derselbe dahier seinen Nahrungsstand wird sichern können, zumal ihm das Zeugnis großer Geschäftsgewandtheit und Tätigkeit zur Seite steht, und  das Antiquariatswesen vorzüglich kommerzieller Natur ist’… eine persönliche Antiquariatsbuchhandlungs-Konzession für die Stadt München bewilligt war, im Jahre 1867 nach München.
München war der richtig gewählte Ort. Hier konnten sich die Kräfte des jungen Antiquars voll entfalten. Es entwickelte sich bei dem rastlosen Eifer und der Herausgabe bibliographisch anerkannt gut beachteter Kataloge das Geschäft schnell weiter. Geschäftsreisen im engen Vaterlande, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, England erweiterten den Geschäftskreis immer mehr, führten zur Auffindung und Erwerbung seltener typographischer Erzeugnisse und Handschriften, schufen neue Verbindungen und Absatzgebiete, brachten den immer Lernbegierigen mit Gelehrten und Bibliophilen zusammen, die wiederum den regen Eifer, das vielseitige bibliographische Wissen und das schnelle erfassen und Erfüllen ihrer Wünsche von Seiten des jungen Geschäftsmannes zu schützen wussten.
Im Jahre 1874 nahm Ludwig Rosenthal seine Brüder Jacques und Nathan, die bei ihm das Antiquariats-Geschäft erlernt hatten, zu Teilhabern auf; er selbst blieb aber nach wie vor die Seele des Geschäfts. Große Ankäufe von hervorragenden Bibliotheken, der Bibliothek des Benediktinerklosters St. Veit bei Neumarkt a. Rott, der Stadtbibliothek Leutkirch in Württemberg, der Bibliothek der Familie Hoerman von Gutenberg (mit Kupferstichsammlung), der Bibliothek des Jesuitenkollegiums Landsberg, der Bibliothek des Freiherren Karl Maria von Aretin, Direktors des Königlichen bayerischen Nationalmuseums in München, eines Teils der Bibliothek des Kathäuserklosters Buxheim bei Memmingen, der Bibliothek des Rittergutes Lobris in Schlesien brachten mit der Zeit eine Ausdehnung des Geschäfts, dass das Bücherlager der Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat in München an Inkunabeln, seltenen Drucken, Handschriften, Einzelblättern das größte Deutschlands geworden ist und einen Weltruf erworben hat. Ja, die Größe des Geschäfts ließ es wünschensweit erscheinen, eine Teilung zu schaffen, und so gingen die Brüder, die über 20 Jahre an dem großen Bau gemeinsam gearbeitet hatten, im Jahre 1895 auseinander und führten, jeder für sich unter eigener Firma, ein Antiquariat weiter. Ludwig Rosenthal behielt, seinem Hauptanteil am Geschäft entsprechend, die alte Firma und führte sie mit alter Kraft in den für richtig erkannten Bahnen weiter, bis er in diesem Jahre 1905, 50 Jahre nach Eintritt in den Buchhandel, seine drei Söhne Adolf, Norbert und Heinrich zu seinen Teilhabern ernannte. Was die Wissenschaft dem Rosenthal’schen Antiquariat verdankte, ist oft in Berichten und Besprechungen anerkannt worden. Die gut bearbeiteten Kataloge der Firma werden wegen ihrer bibliographischen Genauigkeit als Nachschlagewerke benutzt und öfter in Spezialbibliographien zitiert. Bei der Auffindung der verschollenen Globuskarte mit dem Schiffskurs der Magellanschen Weltumsegelung in den Jahren 1519 bis 1522 des Johannes Schöner von 1523, durch Professor Dr. Fr. R. von Wieser kritisch gewürdigt, und bei der Auffindung des ‚Missale speciale’, in dem Hupp, Misset und Stein einen Versuchsdruck Gutenbergs und einen Vorläufer des Psalteriums von 1457 erkannten, durfte Ludwig Rosenthal der Wissenschaft die oft bewährten Handlangerdienste tun. Er selbst hat im Repertorium für Kunstwissenschaft, Band V, Seite 379-405, eine bibliographische Studie über Hans Behaims alttestamentliche Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529 bis 1612 geschrieben, auch sonst manches von bibliographischem Interesse in Fachblättern mitgeteilt. Wohl die meisten Bibliotheken und Museen beziehen ihre Cimelien direkt oder indirekt vom Hause Ludwig Rosenthal. Ein Hauptgeschäft macht die Firma nach Amerika, ganz erklärlich, weil die dortigen jungen Bibliotheken und Museen typographischer Seltenheiten noch sehr ermangeln.
Eine Biographie Ludwig Rosenthals ist daher auch in Amerika zuerst in ‚The Curio vol. I 1988’ erschienen. – Der in völliger Mittellosigkeit früh auf eigenen Verdienst Angewiesene hat, streng gegen sich selbst, in harter Arbeit nicht nur tagsüber, sondern auch in manchen Nachtstunden sich bemüht, die Lücken seines Wissens auszufüllen und sein Geschäft auf jene Höhe zu bringen, auf der es nach mühevollen Jahren jetzt steht. Ludwig Rosenthal ist somit der Begründen des blühenden Antiquariatsbuchhandels in München geworden, denn außer den direkt aus seinem Geschäft hervorgegangenen Firmen Jacques und Nathan Rosenthal sind die Inhaber mehrere angesehener Firmen Münchens seine Schüler gewesen. Durch
Fellheim AZJ 07071905c.jpg (50953 Byte)Ludwig Rosenthal ist der von ihm vertretene Zweig des Antiquariats, dessen Mittelpunkt früher auch in Leipzig und Berlin lag, nach Süddeutschland verlegt worden; München ist durch ihn der Hauptplatz für Inkunabeln, seltene Drucke und Handschriften jeder Art geworden. Möge dem nunmehr 50 Jahre im Buchhandel tätigen Mann, der heute an leitender Stelle eines weltbekannten Hauses steht und mit nie ermüdendem Fleiß, umgeben von einem bibliographischen Handapparat, wie ihn nur große Bibliotheken besitzen – ein rühmliches Vorbild aller seiner Mitarbeiter – von früh bis abends in voller Rüstigkeit arbeitet, das seltene Glück beschieden sein, auch noch das 50jährige Bestehen des selbst gegründeten Geschäfts in gleicher Frische zu erleben."
  
Fellheim BayrGZ 15011929.jpg (194737 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Antiquar Ludwig Rosenthal. Am 23. Dezember verstarb in München im hohen Alter von fast 89 Jahren Herr Antiquar Ludwig Rosenthal, der Gründer des weltbekannten Antiquariats Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, München. Geboren am 2. Juli 1840 in Fellheim in Bayern trat er im Mai 1855 bei Isaak Heß in Ellwangen in die Lehre, wo er durch unablässiges Selbststudium alles das nachholte, was ihm zu erwerben infolge der beschränkten Mittel seines Vaters in seiner frühesten Jugend nicht möglich war. So gelang es ihm sich neben der Kenntnis fremder Sprachen ein umfangreiches Rüstzeug für den Buchhändler und Antiquar zu erwerben. Bereits im Jahre 1859 gründete er in Fellheim die Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, die er im Jahre 1867 nach München verlegte.
Durch Ludwig Rosenthal trat München mit Leipzig, Berlin, Frankfurt in gleiche Linie, im Hinblick auf Inkunabeln und Handschrift übernahm es sogar die führende Rolle in Deutschland. Die Wissenschaft verdankte dem Rosenthalschen Antiquariat viele Entdeckungen alter Werke von unschätzbarem Werte. Erinnert sei an die wertvolle Globuskarte mit der Schiffstour der Magellanschen Weltumsegelung von 1523, den Verrazano Weltglobus von 1530, einen seltenen unbekannten Holzdruck des Endkrist, das Missale speziale, die 47 Blätter umfassende Mantegna Spielkarte des Baccio Baldini aus dem 15. Jahrhundert. Ludwig Rosenthal selbst schrieb über Hans Beham’s alttestamentliche Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529-1612. Viele Bibliotheken und Büchersammler verdanken ihm Bereicherung ihrer Schütze. Bekannt sind die Aufträge, die die Firma Ludwig Rosenthal für König Ludwig II. erledigte. Auch Ignaz von Döllinger gehörte zu den ständigen Kunden des Hauses.
Erst im Alter von 82 Jahren hat sich Ludwig Rosenthal endgültig vom Geschäft zurückgezogen. Mit seinem Ausscheiden ist der Antiquar der alten Schule, wie Butsch, Vater & Sohn, J. Heß, der alte Köhler, Weigel und Simon Baer fast gänzlich verschwunden. Wie diese gehörte auch Ludwig Rosenthal zu den Männern, denen das Buch nicht nur Handelsware bedeutete, wie diese näherte er auch sich mehr den Bibliophilen, welche die Bücher wie ihre Kinder lieben und von denen sie sich zumeist nur sehr ungern trennen. Sein einfacher Sinn, der ihn abhielt, nach Titel und Orden zu streben, die ihm unter König Ludwig II, leicht erreichbar gewesen wären, drückte sich in seiner ganzen Lebensweise aus. In diesem Sinne wurde der Verstorbene auch seinem Wunsche entsprechend in aller Stille bestattet." 
  
Fellheim Rosenthalstrasse 010.jpg (144637 Byte)Erinnerung in Fellheim: Straßenschild "Rosenthalstraße" (Foto: Christian Herrmann, Förderkreis Synagoge Fellheim). Die jüdische Familie Rosenthal betrieb über Jahrzehnte hinweg mehrere weltberühmte Buchantiquariate in München. Die einzelnen Unternehmen werden bis heute u.a. in den Niederlanden, in Großbritannien und in den USA fortgeführt. Ihren Ursprung hat die Familie in der einstigen jüdischen Gemeinde Fellheim, wo die Familie bis 1867 lebte vgl. die Artikel oben). Im Zuge der Erschließung eines Neubaugebietes in Fellheim beschloss der Fellheimer Gemeinderat, eine dort neu entstandene Straße nach der Familie zu benennen. Nach Fertigstellung der Straße wurde im Sommer 2011 auch das Straßenschild nebst einer Hinweistafel angebracht.  

  
  
Anzeigen und weitere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe / Privatpersonen 
Anzeige von J. Einstein (1867)

Fellheim Israelit 21081867.jpg (30956 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1867: "Ein junger Mann, mit den besten Zeugnissen versehen, wünscht sich in Bälde, am liebsten in einem Manufakturwaren-Geschäft, das Sabbat und Feiertage geschlossen ist, als Commis oder Reisender zu platzieren. Näheres bei J. Einstein, Fellheim (Bayern)."

   
Brief von Samuel Hofheimer (1849)      
(Dokument aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)      

Brief von Samuel Hofheimer an 
den Stadtrat Helfferich in Stuttgart
 (Obermarktmeisteramt, 1849)
Fellheim Dok 340a.jpg (87490 Byte) Fellheim Dok 340.jpg (136997 Byte)
     Der Inhalt des Briefes: "Wohlgeborener Herr Stadtrath Helfferich in Stuttgart! 
Fellheim, den 25. April 1849. Da ich die nächst kommende Mai Messe wieder beziehe, so stelle ich hiemit das geziemente Ansuchen, mir meine an letzter Messe inne gehabte Budique No 178 gütigst besorgt halten zu wollen. In dieser Bewertung verharre ich mit vollster Hochachtung. Ergebenster Samuel Hofheimer." 

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge    
   
Zunächst richteten sich die in Fellheim aufgenommenen jüdischen Familien einen Betsaal in einem der jüdischen Häuser ein. 1738 konnte auf dem heutigen Grundstück Memminger Straße 17 eine Synagoge erbaut werden. Das heute noch erhaltene Synagogengebäude wurde 1786 in barockem Stil errichtet. Möglicherweise handelte es sich um eine wesentliche Vergrößerung des alten Synagogengebäudes und nicht um einen völligen Neubau. 1856 waren Restaurierungsarbeiten notwendig, die die Gemeinde allerdings in schwere finanzielle Nöte brachte. Unter anderem mit Hilfe von Spenden von nach Amerika ausgewanderten Verwandten konnte schließlich die Finanzierung der etwa  2.000 Gulden kostenden Reparatur besorgt werden.  
 
Beim Novemberpogrom 1938 kamen am 10. November 1938 etwa 40 Männer (insbesondere SS-Angehörige) in drei Lastautos aus dem benachbarten Boos nach Fellheim. Sie drangen in die Synagoge ein, zerschlugen einen Teil des Mobiliars, holten die Ritualien heraus (darunter zehn alte Torarollen, ein Toramantel von Anfang des 18. Jahrhunderts und ein Toraschrein-Vorhang von 1796) und verbrannten sie auf der Rückfahrt nach Boos. Zusätzlich kamen SS-Leute aus Memmingen nach Fellheim, die den Rest des Inventars vernichteten und den Toraschrein schwer beschädigten. Einige Dorfbewohner beteiligten sich zwar an der Verwüstung, jedoch widersetzte sich die Mehrheit der Einwohner der Zerstörung der Synagoge. 
 
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges für das Gebäude für militärische Zwecke (Unterbringung für Flugzeugmotoren) verwendet. 
 
Nach 1945 wurde das Gebäude beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen. Zeitweise bestand offenbar der Plan, die Synagoge für die in Memmingen und Umgebung lebenden jüdischen Displaced Persons wieder zu verwenden. Auf Grund ihrer Abwanderung (nach Gründung des Staates Israel 1948) wurde der Plan nicht weiter verfolgt. 1951 wurde das Gebäude an Privatleute verkauft, die es 1954 renovierten und zu einem Wohnhaus umbauten. 
Im August 1948 fand gegen acht der beim Novemberpogrom in Fellheim Beteiligten vor dem Landgericht Memmingen ein Prozess statt. Zwei der Personen wurden frei gesprochen, sechs erhielten Gefängnisstrafen zwischen vier und 15 Monaten.
  
Die Gemeinde Fellheim hat das Gebäude der ehemaligen Synagoge sowie den Platz zwischen Synagoge und Friedhof 2007 gekauft. Von 2013 bis 2015/16 wurde das Gebäude - durch Um- und Rückbaumaßnahmen - restauriert. Die Innenbereich des Gebäudes wurde dabei komplett entkernt. Im Kellerbereich wurden zur Stabilisierung statische Maßnahmen umgesetzt. Ein Aufzug wurde eingebaut. Die Empore wurde wieder erstellt, ein äußerer Treppenturm angebaut. Im Herbst 2015 konnte der Umbau des Synagogengebäudes abgeschlossen werden. Mit der Montage des Eingangsportals, der Schließung des Daches für den Treppenturm und einer neuen Fassadengestaltung erhielt die Ehemalige Synagoge ein neues und markantes Äußeres, das einerseits an die historische Synagoge erinnert, andererseits aber auch einen neuen Akzent setzt.  
  
Außer der Synagoge bestanden an jüdischen Einrichtungen: seit 1794 eine Mikwe und seit 1836 eine jüdische Schule. Die Schule musste 1910 geschlossen werden. Der Religionsunterricht für die noch verbliebenen jüdischen Kinder wurde von einem Lehrer aus Memmingen erteilt. Im Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule ist heute das Rathaus der Gemeinde Fellheim untergebracht. Am 6. November 1988 wurde zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde eine Gedenktafel angebracht. 
  
  
Adresse des Synagogengebäudes: Memminger Straße 17  
   
   
   
Fotos  
Historische Fotos: 
(Quelle für obere: Foto links oben bei H. Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. 1981 Bd. 2 Abb. 187; rechts oben bei G. Römer: Schwäbische Juden S. 10)

Fellheim Synagoge 003.jpg (79864 Byte) Fellheim Synagoge 190.jpg (67071 Byte)

Die Synagoge in Fellheim, auf dem rechten Bild ist hinter dem PKW der damalige Eingang 
zum Friedhof zu sehen

 
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Historische Postkarte von Fellheim mit der Synagoge 
(siehe Ausschnittvergrößerung rechts; Quelle: Sammlung Hahn)
        
Fellheim Dok 1309.jpg (492261 Byte) Fellheim Dok 1309a.jpg (113134 Byte) Fellheim Dok 1309b.jpg (144719 Byte)
Historische Postkarte von Fellheim mit Synagoge und "Geschäftshaus Thannhauser" 
(Ausschnittvergrößerungen; Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
   

Neuere Fotos:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 23.7.2004) 

Das Synagogengebäude im Sommer 2011 
Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 4.9.2011)
   
Fellheim Synagoge 190.jpg (123525 Byte) Fellheim Synagoge 192.jpg (106998 Byte) Fellheim Synagoge 193.jpg (87139 Byte)
Blick vom Friedhofseingang
 zum Synagogengebäude
Blick auf das Synagogengebäude von der Memminger Straße 
links des Gebäudes das "Lange Haus", ein "Judenhaus" für mehrere jüdische 
Familien vom Beginn des 18. Jahrhunderts 
  
      Das Foto oben in hoher Auflösung  Das Foto oben in hoher Auflösung 
     
  

  Rechts: Erinnerung an die Ausstellung 
im Synagogengebäude im November 2010

 Fellheim Synagoge 191.jpg (119511 Byte)
     
Das Synagogengebäude im Sommer 2004 
(Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 23.7.2004)
    
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Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Fellheim, als Wohnhaus genutzt. 
Das linke Foto ist aus dem Friedhof heraus aufgenommen 
(Eingangstor zum Friedhof)  
Die ehemalige jüdische Schule, heute Rathaus 
der Gemeinde Fellheim   
(Foto: Gemeinde Fellheim)

        
        
Erinnerungsarbeit vor Ort - 
2008-2016 - Berichte zur Frage nach der Zukunft der ehemaligen Synagoge
    

Dezember 2008: Rückbau der früheren Synagoge soll geprüft werden.  
Artikel von Armin Schmid in der "Memminger Zeitung" vom 30. Dezember 2008: "Aus Synagoge soll "Haus der Kunst und Kultur" werden   -   Gemeinderat - Rückbau des früheren jüdischen Gotteshauses soll geprüft werden - Frage der technischen Möglichkeit und des Unterhalts.
Fellheim.  Die ehemalige Synagoge soll nach Möglichkeit zu einem 'Haus der Kunst und Kultur' zurückgebaut werden. Diesen Grundsatzbeschluss hat der er Gemeinderat zum Ausklang des alten Jahres gefasst. 'Wäre doch schade, wenn wir das historische Ensemble vom ,Langen Haus über die Synagoge bis zum ehemaligen Judenfriedhof nicht erhalten und nutzen würden', erläuterte Bürgermeister Alfred Grözinger. Auch im Hinblick auf die gerade laufende Dorferneuerung bilden die steinernen Zeugen jüdischer Vergangenheit einen Kernpunkt. So stellen für Bürgermeister Grözinger der Rückbau der Synagoge und die Neugestaltung der davor liegenden Staatsstraße wie auch der Kreisstraße MN14 ein zusammenhängendes Projekt dar, das den Ortsmittelpunkt neu ordnet und für die Zukunft gestaltet. Die Pläne, aus der ehemaligen Synagoge ein neues Rathaus zu formen, wurden unterdessen aufgegeben. 'Dies hätte nur bedingt Sinn gemacht und wäre auch finanziell zu aufwendig geworden', meinte der Fellheimer Rathauschef auch im Hinblick darauf, dass die Gemeinde bei dieser Lösung den größten Kostenanteil hätte selbst tragen müssen. In der als Wohnhaus genutzten ehemaligen Synagoge erinnert derweil fast nichts mehr an das frühere Gotteshaus. Das dreigeschossige Gebäude beherbergt derzeit sechs Wohnungen, die allerdings momentan bereits zum großen Teil leer stehen beziehungsweise gekündigt wurden. Im Prinzip soll in dem zehn mal 15 Meter großen Gebäude vom Boden bis zur Decke wieder ein großer Raum entstehen. Beim Rückbau ruhen die Hoffnungen darauf, dass möglichst viel von der alten Bausubstanz freigelegt und renoviert werden kann. Fenster, Gesimse, Treppenhaus, Empore oder ein prächtiges Eingangsbauwerk könnten so wieder herausgestellt werden und der ehemaligen Synagoge ihren Gebäudecharakter zurückgeben. 
Idee: Schulklassen über jüdische Geschichte informieren. Die Nutzung eines geplanten Kunst- und Kulturhauses soll überregional stattfinden. So könnte nach einer Instandsetzung die Unterrichtung von Schulklassen zum Thema "jüdische Geschichte" dort stattfinden, genauso wie Konzerte oder Vorträge. Die Finanzierung dieses Projektes will der Gemeinderat nicht vorrangig auf den Schultern der Kommune lasten sehen. 
Finanzierungsvarianten sollen überlegt werden. Zunächst soll geprüft werden, ob der Rückbau aus technischer und baulicher Sicht möglich ist. Danach sollen eine Kostenschätzung gemacht und Finanzierungsmöglichkeiten überlegt werden. Erst danach fällt die Entscheidung, ob ein Rückbau durchgeführt wird. Genauso wichtig wie ein Rückbau sind dem Fellheimer Ratsgremium der künftige Unterhalt und das Organisationsmanagement eines künftigen Kulturhauses. Bürgermeister Grözinger könnte sich vorstellen, dass sich das Landratsamt mit einbringt, um den organisatorischen Rahmen und die Betreuung des Kulturhauses sicherzustellen. Zudem sollen die Dienste des örtlichen "Arbeitskreises für Geschichte und Kultur" in Anspruch genommen werden." 
   
Juni 2009: Die Synagoge soll aufgewertet werden  
Fellheim Synagoge 09.jpg (44573 Byte)Foto links mit Untertext: "Der nun eingeschlagene Weg ist der richtige" - Zitat Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert.  
Von der einstigen Pracht der Synagoge im Fellheimer Ortszentrum (unser Bild unten zeigt eine Aufnahme, die vermutlich aus dem Jahr 1910 stammt) ist derzeit nichts zu sehen. Die Gemeinde will nun einen Rückbau vorantreiben. Dafür soll zunächst die Bausubstanz des Gebäudes untersucht werden. Foto: Waltl Jensen/Repro: Armin Schmid  
   
Artikel von Johannes Schlecker in der "Memminger Zeitung" vom 2. Juli 2009 (Artikel):    
Synagoge soll aufgewertet werden.  
Diskussion - Erst wird Bausubstanz überprüft - Förderung von Rückbau vom Ergebnis abhängig

Die Gemeinde Fellheim will den Rückbau der Synagoge im Ortszentrum weiter voranbringen und das Gebäude als Erinnerungs- und Begegnungsstätte sowie für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Mit der technischen Umsetzung, einer möglichen Finanzierung sowie der künftigen Verwaltung und Trägerschaft beschäftigten sich am Mittwochabend mehrere Experten, darunter auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sowie Vertreter des bayerischen Staatsministeriums und des Landesamts für Denkmalpflege.
Synagoge soll aufgewertet werden. In der Runde herrschte Konsens, dass zunächst eine Bauvoruntersuchung in die Wege geleitet werden muss, um die Bausubstanz zu prüfen. Dadurch soll festgestellt werden, welche Gebäudeteile möglicherweise noch in Originalform existieren. Den Stein ins Rollen brachte Dr. Bernd Vollmar vom Landesamt für Denkmalpflege. "Wir wissen einfach noch zu wenig über den aktuellen Zustand des Gebäudes." Daher sei eine vorbereitende Untersuchung als erster Schritt unverzichtbar. Das Ergebnis könnte seiner Ansicht nach bereits im Herbst dieses Jahres vorliegen. Den Ausführungen Vollmars vorausgegangen war die Vorstellung eines vom Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Kultur erarbeiteten Nutzungskonzeptes für die Synagoge, die seit 2007 wieder im Besitz der Gemeinde Fellheim ist. In dem dreigeschossigen Gebäude, das derzeit sechs Wohnungen beherbergt, soll wieder ein großer Innenraum entstehen. "Leider existieren keine alten Pläne mehr über die Innenansichten", erklärte Christian Hermann vom Arbeitskreis Geschichte. Um die Bedeutung des Gebäudes sichtbar zu machen, sei auch eine möglichst vollständige Herstellung der einstigen Außenansicht das Ziel. Landrat Hans-Joachim Weirather, der zu dem Treffen geladen hatte, verwies auf die Bedeutung der Synagoge und auf das "Alleinstellungsmerkmal" des Gebäudes im gesamten Allgäu. Teile des Dachstuhls seien noch in ihrer Form von 1786 erhalten. "Eine Alternative zu einem großen, zentralen Innenraum sehe ich nicht." Die Voruntersuchung könne jedoch kein Ziel, sondern nur ein Teil des Ganzen sein. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sprach von einem "Reichtum für die Denkmalpflege". Die Höhe einer möglichen Förderung sei jedoch davon abhängig, wie hochwertig die Bausubstanz ist. "Wenn alles weg ist, stellt sich die Frage ganz anders", so Reichert. Fast alle Anwesenden, wie etwa Ministerialrat Dr. Andreas Bauer vom bayerischen Wissenschaftsministerium, der eine Voruntersuchung als "förderfähig" bezeichnete, signalisierten Interesse, sich an dem Projekt zu beteiligen. Konkrete Summen wurden an diesem Abend allerdings nicht genannt. 
Kosten auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Eine offene Arbeitsgruppe unter Leitung von Fellheims Bürgermeister Alfred Grözinger soll das Projekt weiter koordinieren. Der Rathauschef schätzt die Gesamtkosten eines Rückbaus auf rund zwei Millionen Euro. "Die Gemeinde allein kann dieses Projekt auf jeden Fall nicht tragen", so Grözinger. Das Treffen habe jedoch eine positive Entwicklung angestoßen. 
    
September 2009: Veranstaltungen zum "Europäischen Tag der jüdischen Kultur"  
Fellheim ETJK 2009p.jpg (50486 Byte)"Europäischer Tag der jüdischen Kultur am 6.9.2009 in Fellheim.  
Der "Europäische Tag der jüdischen Kultur" 
am Sonntag, den 6. September stand unter dem Motto 
'Jüdische Feste und Traditionen'. 
Der AK Geschichte beteiligte sich daran mit folgender Veranstaltung:  
Jüdische Feste und Traditionen.  
Zusammen mit der Gempfinger Hofmarkmusik wurden
Einblicke in jüdische Feste und den jüdischen Kalender gewährt.   
Die Veranstaltung fand statt im Foyer des Fellheimer Schlosses".
   
November 2009: Förderkreis für die Synagoge geplant    
Artikel von Armin Schmid vom 3. November 2009 in der "Memminger Zeitung" (Artikel):  
"Fellheim: Förderkreis für Synagoge geplant
Arbeitsgruppe - Überregionales Haus der Kunst und Kultur favorisiert - Alte Schriften und Dokumente entdeckt
Die zukünftige Nutzung der ehemaligen Fellheimer Synagoge stand bei einem Treffen der offenen Arbeitsgruppe im Mittelpunkt. Die Versammlung endete mit einer Absichtserklärung, einen Förderkreis für das historische Bauwerk zu gründen. Der Sprecher des Fellheimer Arbeitskreises Geschichte, Christian Herrmann, machte deutlich, dass es nicht um eine religiöse Nutzung der Synagoge geht. Vielmehr soll ein Haus der Kultur und Kunst entstehen.

Kreisheimatpfleger Peter Kern teilte mit, dass bei einer näheren Untersuchung der Synagoge religiöse Schriften und Dokumente gefunden wurden. Die Fundstücke werden demnach bereits geprüft und untersucht. Kern kündigte zudem an, dass ein Restaurator nach Restbeständen alter Bausubstanzen suchen wird. Da über die Gestaltung des Innenbereichs der Synagoge keine Bilder und Aufzeichnungen vorliegen würden, sollen so Erkenntnisse über alte Farbfassungen und ehemalige bauliche Ausgestaltungen gewonnen werden. Christian Herrmann betonte, dass Fellheim die einzige in ihrer Bausubstanz erhalten gebliebene Synagoge im Allgäu besitzt. Zudem existiere noch ein Großteil der ehemaligen jüdischen Wohnhäuser. 'Fellheim bietet noch die Möglichkeit, einstiges jüdisches Leben auf dem Land vor Ort zu erfahren', erläuterte der Arbeitskreis-Sprecher. Er sieht in der Restaurierung der Synagoge einen wichtigen Impuls für den Erhalt eines einzigartigen dörflichen Häuserensembles in der Ortsmitte. 'Im Landkreis fehlt es an sanierten, historischen Gebäuden, die man vorzeigen kann', erklärte Kreisheimatpfleger Kern. Er könne sich durchaus auch vom Landratsamt angeregte Veranstaltungen über Baukultur oder Bilderausstellungen vorstellen. Im Innenraum könnte ein Saal für etwa 100 Personen ausgebaut werden. Für die Neugestaltung des Außenbereichs könnten Pläne aus dem Jahr 1948 verwendet werden. Die damalige Absicht, die Synagoge für die rund 80 im Raum Memmingen verbliebenen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen, sei nie verwirklicht worden. Bürgermeister Alfred Grözinger berichtete von einer guten Bausubstanz und regte an, die charakteristische Außenansicht der ehemaligen Synagoge deutlich herauszustellen. Dies könne durch hohe Fenster oder den Rückbau des Eingangs zu einer Frauenempore geschehen. Grözinger machte aber deutlich, dass dies nicht von Fellheim allein geleistet werden könne. 
Veranstaltungen und Führungen. Der Bürgermeister regte überregionale Veranstaltungen, Führungen oder Besuche von Schulklassen an. Christian Herrmann schlug vor, Exponate vom Memminger Stadtmuseum in die sanierte Synagoge auszulagern."    
     
Mai 2010:   "Gründungsversammlung des gemeinnützigen Förderkeises Synagoge Fellheim e.V.
Am Donnerstag, den 20. Mai 2010 fand um 20 Uhr in den Illertal-Stuben in der Illertal-Halle in Fellheim die Gründungsversammlung des gemeinnützigen Förderkreises Synagoge Fellheim e.V. statt.  
   
Artikel von Zita Schmid in der "Memminger Zeitung" vom 26. Mai 2010 (Artikel): "Fellheim. Synagoge: Förderkreis gegründet
Versammlung - Verein will sich für Rückbau von Gebäude in der Ortsmitte von Fellheim einsetzen - 32 alte Schriftstücke auf Dachboden entdeckt.
  
Mit dem Ziel, das Bewusstsein für das einzig erhaltene Synagogen-Gebäude im Allgäu und dessen besonderen kulturellen Rang für die Geschichte zu bewahren, hat sich nun der 'Förderkreis Synagoge Fellheim' gegründet. 'Damit ist auch ein Forum geschaffen worden, das sich an alle richtet, die sich hier engagieren wollen', erklärte der frisch gewählte Vorsitzende des Vereins Christian Herrmann.
Noch vor Beginn der eigentlichen Gründungsversammlung informierte Kreisheimatpfleger Peter Kern die gut 30 Anwesenden - darunter auch viele Fellheimer Gemeinderäte und Bürgermeister aus benachbarten Orten - über den Zwischenstand der Befunduntersuchungen am Gebäude. Demnach wurden neben historischen Putzschichten in der nördlichen Außenfassade des Gebäudes auch vermauerte Rundfenster in den Innenräumen entdeckt. Weiter seien alte Wandmalereien wieder freigesetzt worden, auch das alte Ziegelfundament trat zutage. Im Dachboden wurden 32 Schriftstücke geborgen, die von den beauftragten Gutachtern als 'durchaus mit Seltenheitswert' beurteilt wurden, erläuterte Kern. Es handelt es sich dabei etwa um Bibel-Fragmente (aus dem 18. und 19. Jahrhundert), Brauchtumsschriften (19. Jahrhundert), Gebetsliteratur (von 1755 bis 1862), Erzählliteratur (von 1890) sowie Lehrmaterial und Zeitungsausschnitte (19. und 20. Jahrhundert). 
Bedenken geäußert. Gemeinderat Erwin Böckeler äußerte in einer anschließenden Diskussion seine Bedenken, dass die Ziele des Förderkreises an den Fellheimern 'vorbeigehen' könnten und hier quasi 'nur' ein überregionales Kulturzentrum entstehen solle. Christian Herrmann entgegnete, er habe keinerlei Einwände dagegen, wenn das Synagogen-Gebäude später etwa den Namen 'Dorfgemeinschaftshaus' erhalten würde und dort auch gemeindliche sowie private Feiern abgehalten werden. Auch Bürgermeister Alfred Grözinger sah hier kein Problem. Wem in dem Gebäude einmal Nutzungsrecht gewährt werden soll, müsse später festgelegt werden, betonte der Rathauschef.
Nach der Wahl des Vorstands gratulierten Bürgermeister Alfred Grözinger und Landrat Hans-Joachim Weirather den frisch gewählten Amtsträgern. Mit der Gründung des Vereins und der Wahl des Vorstands sei eine 'gute Basis geschaffen worden, das Projekt auch umzusetzen', betonte Weirather, der sich in die Namensliste der Gründungsmitglieder eintragen ließ. Knapp 30 der anwesenden Personen taten es ihm gleich und erklärten ihre Mitgliedschaft im neu gegründeten Förderverein." 
      
November 2010: Ausstellung in der und um die ehemalige Synagoge Fellheim     
Fellheim Ausstellung 02010.jpg (70520 Byte) Ausstellung: "Die ehemalige Synagoge Fellheim. Gestern - Heute - Morgen!  
Eine Ausstellung in der und um die ehemalige Synagoge Fellheim.
14.-28. November 2010 
Ehemalige Synagoge Fellheim (Memminger Straße 17) 

Öffnungszeiten: 14.11., 21.11., 28.11.2010  10-15 Uhr   
Führungen: 14.11., 21.11., 28.11.2010  11 Uhr und 14 Uhr oder nach vorheriger Anmeldung. 
Eintritt frei 
Veranstalter: Förderkreis Synagoge Fellheim e.V. 
Kontakt: E-Mail bzw. foerderkreis-synagoge-fellheim[et]arcor.de  
   
Dezember 2010: Fragen der Finanzierung des Umbaus des Synagogengebäudes sind noch offen  
Artikel in der "Memminger Zeitung" vom 3. Dezember 2010 (Artikel): "Ausbau beginnt erst, wenn Finanzierung steht
Fellheimer Rathauschef über die Umgestaltung der ehemaligen Synagoge - Auch Abschluss befristeter Mietverträge denkbar

Die Umgestaltung der ehemaligen Fellheimer Synagoge zum Kulturhaus stand im Mittelpunkt der Bürgeranfragen bei der Fellheimer Bürgerversammlung. 'Das ist uns unsere Geschichte wert' erklärte Rathauschef Alfred Grözinger und verwies darauf, dass der Umbau rund 1,8 Millionen Euro kosten soll. Wichtig sei es, dem Gebäude wieder eine Funktion zu geben. So könne im Keller des Gebäudes eine Dauerausstellung mit Funden aus der jüdischen Vergangenheit Fellheims eingerichtet werden. 
Wie berichtet, waren beim Entrümpeln der Synagoge wertvolle Schriften aus jüdischen Gebetsbüchern gefunden worden, die aus der Zeit zwischen 1755 bis 1862 stammen. Auf der Empore im Obergeschoss könnte Platz für Ausstellungen oder eine Bücherei entstehen. Die freitragende Halle der ehemaligen Synagoge soll durch einen Vorhang aus Metall in ein Foyer und einen Veranstaltungssaal aufgeteilt werden.
Einige Teilnehmer der Versammlung waren der Auffassung, dass es in Fellheim wichtigere Projekte gibt. Bürgermeister Grözinger meinte dazu, dass das Gebäude in einem guten Zustand sei. Es gäbe also keine Eile. Ohnehin werde man mit dem Ausbau erst beginnen, wenn die Finanzierung steht. Der Rathauschef hofft, dass ein Zuschuss über das EU-Förderprogramm Leader plus möglich wird. Marco Negele regte an, das Gebäude nochmals zu vermieten, falls die Realisierung des Kulturhauses über Jahre nicht möglich wird. Bürgermeister Grözinger erklärte, dass es denkbar ist, nochmals befristete Mietverträge abzuschließen... (sar)."   
   
Video zur ehemaligen Synagoge in Fellheim und den Bemühungen um ihre Restaurierung- eingestellt bei youtube.com (tvallgaeunachrichten):   
   
     
Januar 2011: Erste Spenden sind für die Umnutzung der ehemaligen Fellheimer Synagoge eingegangen 
Artikel von Armin Schmid in der "Memminger Zeitung" vom 7. Januar 2011 (Artikel - auszugsweise zitiert): 
"Fellheim - Kulturhaus: Erste Spenden erhalten
Fellheims Rathauschef berichtet über die Umgestaltung der ehemaligen Synagoge

Positive Nachrichten aus der Gemeindepolitik und aus dem Johanneshof prägten den Neujahrsempfang im Foyer des Fellheimer Schlosses. Erste Erfolgsmeldungen gibt es im Hinblick auf die Finanzierung für die Umnutzung der ehemaligen Fellheimer Synagoge zum Kulturhaus. Eine Zuwendung in Höhe von 60000 Euro hat die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim für das Bauprojekt beigesteuert. Eine weitere Spende in Höhe von 1500 Euro wird der Förderverein der Synagoge von der VR-Bank erhalten. 'Aufgrund der Voruntersuchungen und Planungsentwürfe konnten wir bereits Zuschussanträge stellen', berichtete Bürgermeister Alfred Grözinger im Hinblick auf das 1,6 Millionen Euro teure Projekt. Der Rathauschef geht davon aus, dass der Umbau der ehemaligen Synagoge über den EU-Fördertopf Leader plus förderfähig sein wird. Auch hier wurde demnach bereits ein größerer Betrag in Aussicht gestellt. Grözinger hofft, dass mit den zugesagten Zuwendungen die Planungen in diesem Jahr bereits weit vorangetrieben werden können. 'Wenn es nun noch gelingt, Lösungen für den Betrieb und den Unterhalt des Kulturhauses zu finden, stünde einem Baubeginn in 2012 nicht mehr viel im Wege', fügte der Bürgermeister an...  
Für die einzige Synagoge der Region will sich auch Staatssekretär Franz Josef Pschierer einsetzen. Die Entscheidung über einen Zuschussantrag in Höhe von 200000 Euro aus Mitteln der Landesstiftung soll im Mai fallen..." 
   
September 2011: Veranstaltung am "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" am 4. September 2011 in Fellheim  
Thema: "Synagogenrestaurierungen im süddeutschen Raum an ausgewählten Beispielen" 
Referent: Dr. Joachim Hahn, Plochingen (Verfasser u.a. des zweibändigen Werkes "Synagogen in Baden-Württemberg")       
Ort:   Schloss Fellheim, Ulmer Str. 6, 87748 Fellheim    
Termin: 4. September 2011, 19.30 Uhr 
   
März 2012: Zum Umbau der ehemaligen Synagoge fehlen noch 300.000 Euro     
Artikel in der "Memminger Zeitung" vom 16. Mai 2012: "Umbau der Synagoge in Fellheim: Noch fehlen 300 000 Euro.  Fellheims Bürgermeister zuversichtlich, dass Deckungslücke für Umbau bis Herbst geschlossen wird - Versammlung des Fördervereins. 
Der Umbau der ehemaligen Synagoge in Fellheim hat eine weitere Hürde genommen. Der Fellheimer Gemeinderat hat die Genehmigungsplanung für das Bauvorhaben abgesegnet. Dies berichtete der Vorsitzende des Förderkreises der Fellheimer Synagoge, Christian Herrmann, im Rahmen der Mitgliederversammlung. Weiter wies Herrmann auf die steigende Mitgliederzahl des Vereins hin. Innerhalb eines Jahres sei ein Anstieg um 20 Prozent auf nunmehr 57 Mitglieder zu verzeichnen gewesen..."   
Link zum Artikel     

  

  
Ausstellung der Beiträge zum Planungswettbewerb
im Februar / März 2012
 "Umbau der ehemaligen Synagoge Fellheim" 
 
Ausstellung geöffnet am 26. Februar, 4. und 11. März
 2012, 11-16 Uhr in der ehemaligen Synagoge Fellheim,
 Memminger Straße 17   

Eintritt frei, Spenden erwünscht 
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Juni 2013: Offizieller Baubeginn für die Renovierung der ehemaligen Fellheimer Synagoge - Enthüllung einer Bautafel vor dem Gebäude    
Fellheim 062013a01.jpg (100460 Byte) Fellheim 062013a02.jpg (192609 Byte) Fellheim 062013a03.jpg (114704 Byte)
Fotos von der Enthüllung der Bautafel (erhalten von Christian Herrmann, Förderkreis Synagoge Fellheim e.V.)     
  
Dezember 2013: Stand der Bauarbeiten und Ausblick (Bericht von Christian Herrmann) 
Fellheim Synagoge 122013.jpg (74861 Byte) Links: Fotos vom Stand der Bauarbeiten im Dezember 2013 mit aktueller Außenansicht, Foto einer freigelegten Fensteröffnung im 2. OG. und freigelegte Deckenbefunde, 2. OG. 
Seit Juni 2013 wurden zunächst Fußböden und Deckenverkleidungen in dem Gebäude entfernt. Im Zuge der Abbrucharbeiten im Inneren wurden Reste der einstigen Deckenbemalung unter einer dünnen Putzschicht gefunden. Vermutlich sind weite Teile der Deckenbemalung erhalten geblieben. Die Bemalung stammt vermutlich vom Ende des 18. Jahrhunderts und ist qualitativ sehr hochwertig. Es ist - auch auf Grund der zusätzlichen Kosten - derzeit noch nicht klar, ob eine vollständige Freilegung und Restaurierung der Deckenbemalung möglich ist. Für die Zusatzkosten von ca. 75.000 € müssten Sponsoren gefunden werden. Auch die früheren Fensteröffnungen wurden im Inneren de3s Gebäudes freigelegt. 
Für das Jahr 2014 sind sowohl im Inneren des Gebäudes als auch außen größere Baumaßnahmen vorgesehen. Die Fertigstellung der Arbeiten ist für 2015 vorgesehen.     
     
September 2014: Der Umbau kommt voran  
Artikel von Andreas Schnurrenberger in der "Allgäuer Zeitung" vom 9. September 2014: "Umbau von früherer Fellheimer Synagoge schreitet voran..."  
Link zum Artikel   
 
Januar 2015: Die Fertigstellung und Eröffnung des renovierten Synagogengebäudes ist für Mitte Juli 2015 geplant 
Vgl. Artikel in all-in.de vom 19. Januar 2015: "Ehemalige Synagoge in Fellheim soll Mitte des Jahres eingeweiht werden..."   

  

14. September 2014: Europäischer Tag der Jüdischen Kultur mit Programm in Fellheim   
Fellheim Konzert 092014.jpg (180006 Byte) Das Programm zu der an diesem Tag geplanten Benefizveranstaltung zugunsten des Um- und Rückbaus der ehemaligen Synagoge Fellheim ist eingestellt (pdf-Datei, bitte anklicken).  
Unter anderem findet ein Konzert im Innenhof des Fellheimer Schlosses statt: "Klezmermusik zweipunktnull" mit Günter Schwanghart (Klarinette), Enes Ludwig (Gitarre), Stefanie Pagnia (Violine, Gesang), Alex Berger (Akkordeon), Anja-Susann Hubert (Percussion) 
Karteninfo: Tel. 08335/909-0, E-Mail: info@schloss-fellheim.de  
 
Spendenaufruf für den Umbau der ehemaligen Synagoge Fellheim 
Der Umbau der ehemaligen Synagoge Fellheim (das einzige im Allgäu erhalten gebliebene Synagogengebäude!) ist ein Projekt, das für die Gemeinde Fellheim eine große Herausforderung darstellt. Die Gesamtkosten für den Umbau belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf ca. 1,7 Mio. €. Ein Großteil dieser Summe ist bis jetzt durch die Bereitstellung von öffentlichen Fördermitteln und die Eigenbeteiligung der Gemeinde Fellheim als Gebäudeeigentümerin abgedeckt. Dennoch müssen für die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung noch weitere Mittel in Höhe von ca. 250.000,-- € aufgebracht werden. Der Förderkreis Synagoge Fellheim e.V., der sich an der Finanzierung der Kosten ebenfalls beteiligen wird, bittet daher um Spenden, damit die genannte Finanzierungslücke möglichst rasch geschlossen werden kann. Der Förderkreis Synagoge Fellheim e.V. ist gemeinnützig anerkannt, so dass Spenden an den Förderkreis steuerlich absetzbar sind. Individuelle Spendenquittungen stellen wir ab einem Betrag von 100,-- € gerne aus.
Förderkreis Synagoge Fellheim, Konto-Nr. 48283, BLZ 73190000, VR-Bank Memmingen eG. 
 
Hinweis
: Vorsitzender des Förderkreises Synagoge Fellheim e.V. ist 
Christian Herrmann, Bahnhofstraße 4, 87748 Fellheim, Tel. 08335/987333  E-Mail . 
 
Planungsbüro ausgewählt 
Eine Kommission, die sich aus Vertretern der Gemeinde Fellheim, dem Förderkreis Synagoge Fellheim, dem Landkreis Unterallgäu, dem Bezirk Schwaben und dem Landesamt für Denkmalpflege zusammensetzte, hat erste Planungen für den Umbau der ehemaligen Synagoge, die von fünf verschiedenen Architektenbüros eingereicht wurden, begutachtet und den Entwurf des Büros Kern aus Mindelheim der Gemeinde zur weiteren Ausarbeitung empfohlen. Der Gemeinderat Fellheims hat diese Empfehlung einstimmig angenommen. Sobald die Genehmigung vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) in Krumbach vorliegt, wird die Gemeinde das Büro Kern offiziell mit der Ausarbeitung der denkmalpflegerischen Planung beauftragen.   

  

Informationen und Aufnahmeformular 
des "Förderkreises Synagoge Fellheim e.V." 
Fellheim FKr AF 010.jpg (193119 Byte) Fellheim FKr AF 011.jpg (217109 Byte)
        
        

Aktuelle Informationen des Förderkreises Synagoge Fellheim:    

8. Mai 2013: Informationen zum Beginn der Bauarbeiten an der Fellheimer Synagoge (pdf-Datei)    

22. Juni 2013: Informationen zum offiziellen Baubeginn an der Fellheimer Synagoge und Informationen über anstehende Termine (pdf-Datei) 

10. September 2013: Informationen zum Stand der Baumaßnahmen an der ehemaligen Synagoge - Führung zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 29. September 2013 in Fellheim     

15. Dezember 2013: Informationen zum Beginn des Umbaus der ehemaligen Synagoge und dem Stand der Baumaßnahmen, zu Führungen in 2014 und weitere Mitteilungen.      

4. August 2014: Informationen zu anstehenden Aktivitäten des Förderkreises und zum Stand der Umbauarbeiten der ehemaligen Synagoge Fellheim (pdf-Datei)     

5. Dezember 2014: Informationen des Förderkreises zum Stand der Baumaßnahmen, Vorschau auf die Nutzung, zu Führungen in 2014/15, Mitgliederfahrt nach Ul, Europäischer Tag der Jüdischen Kultur 2014,Spenden an den Förderkreis, Akquirierung eines öffentlichen Geldgebers u.a.m. (pdf-Datei)     

5. Dezember 2015: Informationen zur Fertigstellung des Umbaus der Ehemaligen Synagoge Fellheim, zur Ausstellung "Ma tovu", zu Führungen und Zusammenarbeit mit Schulen, zur Mitarbeit im Netzwerk der Historischen Synagogenorte sowie Termine für das Jahr 2016 (pdf-Datei)          

 

Fellheim Ausstellung 2015.jpg (108061 Byte) Hinweis auf die Ausstellung "Ma Tovu..." "Wie schön sind Deine Zelte Jakob" - Synagogen in Schwaben 
vom 6. September bis 9. November 2015 in der Ehemaligen Synagoge Fellheim (Memminger Straße 17) 
Weitere Informationen links anklicken oder pdf-Datei um Download     
 
September 2015: Die Restaurierung der ehemaligen Synagoge ist weitgehend fertig  
Artikel von Armin Schmid in der "Memminger Zeitung" (all-in.de - das allgäu online) von 4. September 2015: "Ehemalige Synagoge in Fellheim nach Umbei erstmals geöffnet..."  
 
Dezember 2016: Förderpreis für die ehemalige Synagoge Fellheim    
Artikel von Walter Müller in der "Memminger Zeitung" (all-in.de - das ällgau online) vom 13. Oktober 2016: "· Fellheim. Ehemalige Synagoge: Gemeinde Fellheim erhält Förderpreis
Auszeichnung · Die Gemeinde Fellheim ist für den Um- und Rückbau ihrer ehemaligen Synagoge mit dem Förderpreis 'Pro Suebia' ausgezeichnet worden. Die Dr.-Eugen-Liedl-Stiftung will mit dem mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis einen Impuls für Geschichtswissenschaft und die Erhaltung schwäbischer Kultur geben. Der 90-jährige Stifter, Dr. Eugen Liedl, überreichte Fellheims Bürgermeister Alfred Grözinger persönlich die Urkunde. Die Laudatio hielt Professor Dr. Rolf Kießling vom Stiftungsvorstand. 'Fellheim hat einen neuen Ort der Erinnerung', sagte Kießling..."   
Link zum Artikel    
 

      
         

Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Fellheim 
Website der Gemeinde Fellheim (Dorferneuerung Fellheim)  
Fellheim Judengasse 01.jpg (84548 Byte)Seite zur Thematik "Dorferneuerung Fellheim": hier anklicken 
 
Foto links aus dieser Seite: "Judengasse" und Synagoge in Fellheim
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Fellheim (interner Link)   
Seite mit Informationen und Foto zur jüdischen Familie Adolf Frenkel und Martha geb. Einstein aus Fellheim: hier anklicken  
Kalenderblatt mit Foto des Friedhofes Fellheim (pdf-Datei): hier anklicken 
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia"   
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben  www.jkmas.de  
Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben www.juedisches-schwaben-netzwerk.de  
Digitales Synagogenarchiv für Bayerisch-Schwaben www.synagogenarchiv.jkmas.de beziehungsweise http://archiv.jkmas.de    

Literatur:

Wilhelm Rapp: Geschichte des Dorfes Fellheim. Hg. von der Gemeinde Fellheim 1960.
Baruch Z. Ophir und Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. München und Wien 1979 S. 465-466.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. München 1988 S. 238-239.
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Fellheim / Schwaben. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 11. Jahrgang Nr. 74 vom Oktober 1997  S. 24.
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu.    (mit umfassenden Quellen- und Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Fellheim S. 431-439. 
Susanne Herrmann: Die reichsritterschaftlichen Judendörfer Illereichen-Altenstadt und Fellheim a.d. Iller. Entstehung und Entwicklung bis zum Ende des Alten Reiches. Fellheim 1998. 
Fellheim Publikation 010.jpg (111439 Byte) Christian Herrmann / AK Geschichte, Brauchtum und Chronik: Fellheim an der Iller. Eine bebilderte Führung durch den ehemals jüdischen Ortskern Fellheims. Fellheim 2007.   
Michael Schneeberger: "Sie in ihren jüdischen Ceremonien gnädig zu belassen". Die Geschichte der Juden von Fellheim im Allgäu. Serie: Jüdische Landgemeinden in Bayern (27). In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 25. Jg. Nr. 114 Dezember 2010 S. 26-31.  
Schwaben Synagogen Lit 1401.jpg (163447 Byte)"Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben. Mit Beiträgen von Henry G. Brandt, Rolf Kießling, Ulrich Knufinke und Otto Lohr. Hrsg. von Benigna Schönhagen. JKM Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. 2014. 
Der Katalog erschien zur Wanderausstellung "Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben des Jüdischen Kultusmuseums Augsburg-Schwaben und des Netzwerks Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben.   

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Fellheim  Swabia. Five Jewish families were among the settlers who rebuilt the village in 1670 after its destruction in 1633. A new cemetery was consecrated in 1777 and a synagogue in 1786. In the early 19th century Jews constituted two-thirds of the population, numbering nearly 400. By the 1840s a decline set in through emigration to the U.S. and (from the 1860s) nearby Memmingen. In 1857, the Jewish public school still enrolled 96 children but by 1890 the Jewish population was down to 108. In 1933, 26 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish omes were vandalized. Six Jews left for the U.S. in 1938 and another six in 1941. The remaining 14 were deported, eight of them to Piaski (Poland) via Munich on 3 April 1942.  
   
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 28. Dezember 2016