Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hatten (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte  /  Synagogue / Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur  

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
   
In dem zwischen Haguenau (Hagenau) und Lauterbourg (Lauterburg) gelegenen Hatten bestand eine jüdische Gemeinde bis zum 20. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bei der Zählung am 29. Oktober 1784 waren 13 jüdische Familien mit zusammen 61 Personen am Ort.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. 1877 wurde allerdings (s.u. Ausschreibungstext) die Stelle des Vorbeters und Schächters unabhängig von der Lehrerstelle ausgeschrieben. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk von Surbourg - Soultz-sous-Forêts.  
   
1808 gehörte 111 Personen zur jüdischen Gemeinde. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl jüdischer Gemeindeglieder auf über 200 Personen (um 1840/50 etwa 220, 1861 200, 1870 203), um danach durch Anwanderung in die größeren Städte schnell zurückzugehen. 1910 wurden 93 jüdische Einwohner gezählt.
    
Auch im 20. Jahrhundert ging die Zahl der jüdischen Einwohner weiter zurück. Ende der 1920er-/Anfang der 1930er-Jahre war die jüdische Gemeinde in Auflösung begriffen. 1936 wurden noch 34 jüdische Einwohner gezählt. Unter der deutschen Besatzung wurden 1940 die letzten jüdischen Einwohner von Hatten in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. 
    
Von den in Hatten geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Irma Cahen (1884), Henri Hugo (Hugues) Leopold (1904), Simon Klein (1878), Roger Levy (1902), Henri Meyer (1872), Andre Weil (1904), Jules Weil (1872), Rene Weil (1901), Celine Weill (1888), Henri Weill (1884), Marguerite Weill (1895), Robert Weill (1880), Betty Weinberg (1878), Achille Wolff (1873).       
   
Im Januar 1945 wurde fast der gesamt Ort durch Kriegshandlungen zerstört.     
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schächters 1877

Hatten Israelit 06041877.jpg (33680 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1877: "In der israelitischen Gemeinde Hatten bei Oberbetschdorf im Elsass ist die Stelle eines Chasan (Vorbeters) und Schochet (Schächter) vakant und sofort zu besetzen. Gehalt 12-1500 Mark pro Jahr. Kandidaten, welche lernen können, werden bevorzugt. Bewerber wollen sich bei dem unterzeichneten Vorstande melden. A. Cahn."

  
Zum Tod des Lehrers M. Silberberg (1904)  

Hatten Israelit 04011904.jpg (50767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904: "Hatten, 28. Dezember (1904). Am 24. dieses Monats wurde der 65jährige israelitische Lehrer M. Silberberg hier unter Begleitung von ca. 30 Lehrern des Kantons Sulz u.W. zu Grabe getragen. Rabbiner Bloch-Sulz u.W. betonte besonders den großen Willen des Verstorbenen und seine Anhänglichkeit zur Schule. Einer seiner Schüler, Lehrer J. Joseph in Niederrödern, widmete dem Verblichenen zum Abschiede Worte des Dankes und der Liebe. Am Grabe sprach Lehrer G. Heldt von Oberbetschdorf im Namen des Lehrervereins."
  
Hatten Israelit 07011904.jpg (32463 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1904: "Hatten. Ende voriger Woche starb im 65. Lebensjahre unser Lehrer Silberberg. Vor circa zehn Jahren trat er die hiesige Stelle an und waltete seines Amtes nach Kräften. Außer der Gemeinde nahmen etwa 50 Kollegen an der Beerdigung teil, bei welcher Dr. Bloch - Sulz dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt."

    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 

Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Bamberger (Sulz) in der Synagoge in Hatten (1901)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Hatten (Elsaß), 11. Juni (1901). Am 5. dieses Monats fand in unserer Synagoge unter allseitiger Beteiligung die Abschiedsfeier für den Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, wohnhaft zu Sulz a.W, statt, der einem Rufe nach Hamburger folgt, nachdem er hier vier Jahre zum Segen gewirkt hat.  
Die Gemeinde Hatten bedauert den unersetzlichen Verlust, den sie durch den Fortgang ihres geliebten Rabbiners erleidet. Möge dessen neuer Wirkungskreis ihm und seiner Familie zum Segen gereichen und es ihm vergönnt sein, bis zum höchsten Alter segensreich zu wirken."  

    
Gründung einer Ortsgruppe der "Vereins der Sabbatfreunde" (1909)   

Hatten Israelit 11021909.jpg (80086 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1909: "Hatten (Elsass), 9. Februar (1909). Unter Leitung der Herren Rabbiner Bloch-Sulz und Weil - Buchsweiler hat sich vergangene Woche hier ein 'Verein der Sabbatfreunde' konstituiert. Der Vorstand unserer Gemeinde hatte die Mitglieder auf Sonntagabend 4 Uhr eingeladen, die auch fast vollzählig erschienen war. Nachdem die beiden anwesenden Rabbiner Zweck und Ziel des Sabbatverbandes und seine hohe Bedeutung für unsere heranwachsende Jugend klargelegt hatten, ist eine stattliche Anzahl Gemeindemitglieder zusammengetreten, um sich zu einer Ortsgruppe des 'Verbandes der Sabbatfreunde' zu konstituieren. Rühmend sei besonders hervorgehoben, dass auch einige anwesende Damen sich sofort in die Liste der Mitglieder einzeichneten. Hoffentlich entstehen noch viele solcher Vereine im Elsass." 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod von Leopold Cahn (1887)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887: "Aus dem Elsaß. Am 27. Siwan (Sonntag) wurde Herr Leopold Cahn in Hatten im Alter von 76 Jahren zur letzten Ruhe bestattet. Unter dem Namen: 'Reb Leb' war derselbe im ganzen Elsass als ein Mann von großer Gelehrsamkeit und von ausgezeichneten Tugenden bekannt. 
In Westhofen geboren, widmete er sich dem Rabbinerstande und erheilt auch als solcher sein Diplom zur Anstellung für Frankreich. Er nahm aber keine Stelle an, indem er als 23-jähriger Mann von einem sehr reichen Mann in Hatten - wegen seiner Gelehrsamkeit - als Schwiegersohn eingesetzt wurde, Seine Wohltätigkeit erstreckte sich besonders aus Erez Jisroel
Fünf Rabbiner feierten das Andenken des großen Toten. Seine Seele sei eingebunden in der Bund des Lebens."   

     
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert   
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.     

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans: 
"Herman Hirsch born in Hatten Alsace France Feb. 14  1815  Died Max 23, 1883.  
Babette Wife of H. Hirsch  Born in Hatten Alsace.  
Nanette Hirsch  Born in Hatten Alsace  Died April 30, 1903.  Henriette Hirsch  Born in Hatten Alsace  Died Max 30, 1910."       

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1814 wurde eine Synagoge erbaut. 1870/71 ist sie durch einen Neubau ersetzt worden. 
   
1896 konnte das 25-jährige Bestehen der Synagoge feierlich begangen werden:

Hatten Israelit 30071896.jpg (117692 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1896: "Hatten (Elsass). Vergangenen Schabbat Nachamu wurde das 25jährige Bestehen unseres herrlichen Gotteshauses in schönster Weise gefeiert. Die Feier wurde besonders durch die Gegenwart unseres allverehrten Herrn Oberrabbiners des Herrn Dr. Weil aus Straßburg und des Herrn Rabbiners Dr. Bloch aus Sulz u.W. erhöht. Am Freitagnachmittag wurde der Herr Oberrabbiner von den Vertretern der Gemeinde am Bahnhofe empfangen. Abends fand ein Festgottesdienst in dem aufs schönste mit Blumen und Kränzen geschmückten Gotteshause statt. Der trefflich geleitete Synagogenchor erhob die Herzen in eine andachtsvolle Stimmung. Am Samstag wurde ein Frühgottesdienst von 7 bis 8 Uhr abgehalten. Um 10 Uhr wurde der Gottesdienst durch eine tief ergreifende, Allen zu Herzen gehende Rede des Herrn Oberrabbiners wieder eröffnet. Er gedachte einleitend der Begründer des Gotteshauses, von denen leider so viele nicht mehr unter uns weilen. Er sprach über den Text: 'Wie schön sind deine Zelt Jakob, deine Wohnung Israel' und in Verbindung hiermit über die Bedeutung des Gotteshauses in früheren Zeiten und in jetziger Zeit. Hiernach richtete Herr Rabbiner Dr. Bloch in längerer Rede erhebende Worte an die Gemeinde. nach einem Rundgang mi8t den Torarollen unter Begleitung des Chorgesanges wurde jedes Gemeindemitglied zur Tora gerufen. Um 2 Uhr begann das Festessen, wozu sämtliche Gemeindemitglieder geladen waren. Von den ausgebrachten Toasten sei besonders der des Herrn Oberrabbiners erwähnt, der den Herrn Anselm Cahn als langjährigen persönlichen Freund und als Vorsteher der Gemeinde feierte, deren Wohl er eine lange Reihe von Jahren mit Opferfreudigkeit gefördert hat. Eine gemütliche Nachfeier hielt die Festgenossen bis in die späte Nacht vereint."

Die Synagoge in Hatten war Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Hatten bis Ende des 1930er-Jahre. 

Im Januar 1945 wurde das Gebäude bei den kriegerischen Auseinandersetzungen im Bereich von Hatten zerstört.  
  
  
Standort der Synagoge:   Grand'rue     
  
  
Fotos / Darstellungen 

Historische Karten Hatten Synagoge 100.jpg (89015 Byte) Hatten Synagoge 101.jpg (26703 Byte)
  Oben und unten: Karte um 1900 mit Ausschnittvergrößerung
   
Hatten Synagoge 104.jpg (75955 Byte) Hatten Synagoge 103.jpg (98912 Byte) Hatten Synagoge 102.jpg (48322 Byte)
Blick auf die Synagoge    
     
Hatten Synagoge 158.jpg (77211 Byte) Hatten Synagoge 157a.jpg (71532 Byte) Hatten Synagoge 157.jpg (36586 Byte)
   

   
   

Links und Literatur

Links:

Französische Seite zur Synagoge in Hatten  
Zur Seite über den Friedhof in Hatten (interner Link)  
Website des Ministère de la culture mit Informationen zur Synagoge in Hatten      

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992.  S. 43.84.    

        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Mai 2013