Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bouxwiller (Buchsweiler, Dep. Bas-Rhin / Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
    
In Buchsweiler (1301 als Stadt bezeichnet) lebten bereits im Mittelalter jüdische Personen. Erste Nennungen liegen aus dem Jahr 1322 vor. 1337 verlieh Ludwig der Bayer den Herren von Lichtenberg alle dem Reich zustehenden Einkünfte von den Juden in ihrem Gebiet, zu dem damals auch Buchsweiler gehörte. Diese Verleihung wurde 1347 von Karl IV. erneuert. Namentlich genannt wird ein Isaak von Buchsweiler 1334 in Straßburg. 
   
Über Verfolgungen oder Ausweisungen liegen keine Berichte vor. Im 17. Jahrhundert stieg die Zahl der in der Stadt lebenden jüdischen Familien auf 18 (1689), bis 1725 auf 31 Familien (dazu fünf Witwen). Am Ort bestand eine Talmudschule (Jeschiwa) und ein jüdischer Gerichtshof (Beth-Din). Beide Einrichtungen gab es bis zur Zeit der Französischen Revolution. 1784 wurden 297 jüdische Einwohner gezählt.             
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 275 jüdische Einwohner, 1851 353, 1866 296, 1910 135. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind zahlreiche Familien in die Städte verzogen. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts waren zwei Drittel der jüdischen Familien abgewandert.   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Friedhof bei Ettendorf beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Buchsweiler war Sitz eines Rabbinates. Unter den Rabbinern sind u.a. zu nennen: 1845 bis 1883 Jacob Wolff, 1884 bis 1889 Rabbiner Dr. Adolf Singer, 1891 bis 1898 Rabbiner Dr. Nathan Netter, 1897 bis 1919 Rabbiner Dr. Ernest Weill, seit 1919/20 Max Gugenheim - betreute die Gemeinde auch wieder nach 1945 (bis 1956/57).     
  
1936 wurden 109 jüdische Einwohner gezählt. Vier Jahre später wurden diejenigen, die bis dahin nicht emigrieren oder wegziehen konnten, nach Südfrankreich deportiert. 
   
Von den in Buchsweiler/Bouxwiller geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Emile Aaron (1883), Henriette Eisenstaedt geb. Lewkoritz (1890), Caroline Hoffmann geb. Aaron (1880 oder 1888), Roger Joseph (), Jacky Joseph (), Myrtil Joseph (), Henriette Joseph (), Benoit (Benno) Malz (1925), Michel Metzger (1872), Jacob Revel (1900), Marie Ross (1875), Samuel (Samy) Rothkopf (1920), Celine de Veau geb. Bär (), Alfred Weil (1916), Emmanuel Weil (), Florine Weil (), Henri Weil (1873), Hugo Weil (1914), Sarah Weil geb. Weil (1870), Sarah Weil geb. Bär (1879), Hugo Weil (1915), Alphonse Wolff (1859).  
 
Nach 1945 konnte eine Gemeinde wieder begründet werden. Seit Ende der 1950er-Jahre ging die Zahl der jüdischen Einwohner jedoch stark zurück und die Gemeinde wurde wiederum aufgelöst. 1984 waren noch drei jüdische Familien in der Stadt.        
  
  
Am Ort erinnert heute vor allem das "Jüdische Museum des Elsass" (Musée judéo-alsacien) in der ehemaligen Synagoge an die jüdische Geschichte der Region.    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
     

Aus der Geschichte des Rabbinates in Buchsweiler
  
Zum Tod des in Buchsweiler geborenen Rabbiners Abraham Auerbach (1846)     

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 3. Februar 1846: "Nekrolog. Bonn, im November 1845 (nicht 1846!). Am 3. November (3. Cheschwan des Jahres und seine Gerechtigkeit steht vor dir n. d. kl. Zählung, gemeint 3. Cheschwan 5606) verschied dahier nach kurzem durch Altersschwäche veranlassten Krankenlager der emeritierte Oberrabbiner und Präsident des Königlichen israelitischen Konsistoriums der Rhein- und Mosel-Departements, Herr Abraham Auerbach, in einem Alter von 85 Jahren, wovon er über 60 Jahre das Amt eines Rabbiners bei verschiedenen französischen und deutschen Gemeinden treu und redlich verwaltet hat. Geboren im Jahr 1760 in Buchsweiler im Elsass, wo sein Vater - ein intimer Freund und Lehrgenosse des als scharfsinniger Talmudist rühmlichst bekannten R. Wolf Buchsweiler - Rabbiner war, ward er schon früh im zartesten Kindesalter von Vater und Mutter, die beide kurz nacheinander in der Blüte ihres Lebens das Zeitliche verließen, verwaist....  
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter vom 10. Februar 1846:   
Bouxwiller DtrZionsw 10021846a.jpg (328892 Byte)  Bouxwiller DtrZionsw 10021846b.jpg (75152 Byte)   Bouxwiller DtrZionsw 17021846.jpg (208657 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 17. Februar 1846:   

  
Rabbiner Dr. Adolf Singer wird in sein Amt in Buchsweiler eingesetzt (1884)
  
Anmerkung: Dr. Adolf Ascher Singer (geb. 1837 in Güssing, Burgenland, gest. 1889 in Bouxwiller), studierte von 1862 bis 1865 in Wien; 1867 bis 1877 Rabbiner und Lehrer in Rosenberg (Olesno), 1877 bis 1880 Rabbiner und Prediger in Schubin, Posten, 1878 Promotion in Tübingen, 1880 Rabbiner in Schildberg, Posen, 1882 Rabbiner in Seppois le-Bas, 1884 Rabbiner in Bouxwiller.  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1884: "Buchsweiler (Unter-Elsass), 9. Juli (1884). Sonntag, 6. dieses Monats fand hier eine Feier statt, die jeden wahren Jehudi mit Stolz und Freude erfüllen muss. Unser neuer Rabbiner, Herr Dr. Adolf Singer, bisher Rabbiner in Niedersept, wurde am genannten tage feierlich in sein Amt eingeführt.  
Um 3 Uhr Nachmittags versammelten sich die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, alle festtäglich gekleidet, in unserer herrlich geschmückten und beleuchteten Synagoge. Als Gäste waren erschienen: Das Stadtverordneten-Kollegium mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, der Herr Pastor der hiesigen evangelischen Gemeinde, der Herr Direktor des hiesigen Gymnasiums, der Herr Amtsrichter und noch viele andere Honoratioren der hiesigen Stadt, endlich die Herren Kultusvorsteher der zum hiesigen Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden.  
Die Feier begann mit einem Boruch Habo-Gesang, vorgetragen vom hiesigen Kantor. Sodann bestiegen Herr Dr. Singer und das Konsistorialmitglied Herr Isidor Nathan aus Straßburg, als Vertreter des dortigen Konsistoriums zu gleicher Zeit die Kanzel. Herr Nathan verlas die auf die Einsetzung des Rabbiners Bezug habenden Aktenstücke und schloss mit herzlichen Worten der Aufmunterung und mit Segenswünschen für Rabbiner und Gemeinde. Nachdem Herr Nathan die Kanzel verlassen, begann Herr Dr. Singer unter lautloser Stille seine Antrittsrede. Der Redner dankte zuerst in warm empfundenen Worten Gott dafür, dass er ihm beigestanden und gnädiglich seinem Ziele entgegengeführt. Dann sprach er der hohen Regierung, dem israelitischen Konsistorium und der hiesigen Gemeinde den Dank aus für seine Wahl zum hiesigen Rabbiner, endlich dankte er auch den anwesenden Gästen für ihre Teilnahme.
Nun begann die eigentliche Predigt. Unter Zugrundelegung der Worte des Moses aus dem laufenden Wochenabschnitte 4. Buch Mose, Kap. 27,16 und 16 als Text, entwickelte der Redner in gediegener und formvollendeter Weise die Pflichten eines Leiters der religiösen Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde.
Die Predigt machte auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck und wurde der Redner beim Verlassen der Kanzel allseitig beglückwünscht. Ein Schlussgesang beendete die Feier in der Synagoge.  
Später vereinigte ein Festessen, das die hiesige Gemeinde zur Feier des Tages veranstaltete, einen großen Teil der Festteilnehmer. Der Herr Rabbiner brachte bei dieser Gelegenheit auf die Einigkeit in der hiesigen Gemeinde einen Toast aus, den er aber zu einem ernsten und geistreichen Vortrage gestaltete. Es folgten noch andere Toaste und erst gegen Abend trennte man sich. 
So schloss diese schöne Feier, in in mancher Hinsicht eine Heiligung des Gottesnamens genannt werden kann und die allen Teilnehmern sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird. M. Kahn, Lehrer."    

  
Rabbiner Dr. Adolf Singer hält Volksbildungs-Vorträge (1886)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1886: "Buchsweiler, Elsass, 9. April (1886). Seit Jahren werden hier während der Wintermonate eine Anzahl von populärwissenschaftlichen Vorträgen im großen städtischen Konzertsaale gehalten. Es sind meistens die Lehrer des hiesigen Gymnasiums und die hiesigen evangelischen Geistlichen, welche diese Vorträge halten. 
In diesem Jahre hat sich auch unser Rabbiner, Herr Dr. Adolf Singer an dieser die Volksbildung fördernden Einrichtung beteiligt. Herr Dr. Singer steht hier auch bei Nichtisraeliten in hoher Achtung, weshalb am Vortragsabend (1. April) der große Saal mit Zuhörern überfüllt war, welche dem fast anderthalb Stunden dauernden Vortrage mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten. 
Herr Dr. Singer sprach über die Stellung der Frau nach Bibel und Talmud. Der Vortrag, vollendet in der Form und reich gediegen an Inhalt, war eine Heiligung des Gottesnamens in des Wortes schönster Bedeutung. Allseitiger lauter Beifall lohnte den Redner. Moses Kahn, Lehrer."   

 
Rabbiner Dr. Nathan Netter wurde zum neuen Rabbiner gewählt (1891)    
Anmerkung: Dr. Nathan Netter (geb. 1866 in Niedernai - Niederehnheim, gest. 1959 in Metz): war Sohn eines Viehhändler, studierte bei Isidor Weill in Colmar und in Straßburg; war 1891 bis 1898 Rabbiner in Buchsweiler, 1898 bis 1900 in Saargemünd (Sarreguemines), Lothringen; 1900 bis 1954 Oberrabbiner in Metz.    

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1891: "Zum Rabbiner der Gemeinde Buchsweiler (Elsass) ist Herr Dr. Netter gewählt worden."    
 
Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Juni 1891: "Zum Rabbiner der Gemeinde Buchsweiler (Elsass) ist Herr Dr. Netter gewählt worden."   

    
Frühgottesdienst für die Schüler des Gymnasiums und der Realschule (1899)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1899: "Buchsweiler im Elsass, 19. Januar (1899). Seit einigen Tagen findet hier unter Leitung unseres erst kurze Zeit hier wirkenden Herrn Rabbiner Dr. E. Weill für die Schüler des Gymnasiums und der Realschule jeden Sabbat Frühgottesdienst statt. Nachmittags wird alsdann der betreffende Wochenabschnitt vorgelesen und von den Schülern wöchentlich abwechselnd, die Hafthora gesagt. Noch einen anderen Erfolg hat Herr Rabbiner Dr. Weill hier aufzuweisen. Die Gymnasialschüler von dem eine Stunde von hier entfernten Städtchen Ingweiler gingen früher fast regelmäßig nach beendigtem Unterricht samstags nach Hause, das heißt zu Fuß nach Ingweiler. Der Herr Rabbiner hat es in seinem unermüdlichen Religionseifer durchgesetzt, dass von nun an die Schüler zum größten teil bis Nacht hier bleiben können. Infolgedessen auch dem von Herrn Rabbiner unentgeltlich erteilten Raschi-Unterricht beiwohnen. 
Wahrlich, das ist Samen, der gewiss edle Früchte tragen wird; dies umso mehr, da die Jugend, wie es sein soll, in ihrem Rabbiner einen treuen Leiter und Ratgeber erblickt und seinen aus tiefstem Herzen kommenden Ermahnungen und Lehren stets ein offenes Ohr schenkt."  

     
Die Schüler der aufgelösten Rabbiner-Präparandenschule in Kolmar studieren nun bei Rabbiner Dr. Weill in Buchsweiler (1899)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1899: "Buchsweiler im Elsass. Die wenigen Schüler, welche noch die Rabbiner-Präparandenschule in Kolmar besuchten, haben sich, da dieses Institut nun leider aufgehoben ist, zur Fortsetzung ihrer Studien den hiesigen Ort auserwählt. Zu diesem Entschlusse bewog sie die Berühmtheit des hiesigen Rabbiners Dr. Weill als Gelehrter; dann aber auch der gute Ruf, den das hiesige Gymnasium im ganzen lande genießt. Überhaupt ist unser altes Residenz-Städtchen durch seine guten Schule weithin bekannt."     

     
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorbeters 1903   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1903: "Die Stelle eines Kantors und Religionslehrers 
mit 700 Mark Jahresgehalt und 200 Mark Nebeneinkommen, ist zu besetzen. Bewerbungen sind einzureichen bei 
Rabbiner Dr. Weill
in Buchsweiler (Unter-Elsaß)."    
 
Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1903: "Buchsweiler (Elsass). Lehrer und Vorbeter. Gehalt 700 Mark und Nebeneinkommen 200 Mark. Meldung an Rabbiner Dr. Weill."    

      
Information zur jüdischen Schule und zum Rabbiner der Gemeinde (1843)
   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843: "Straßburg, im Juni (1843). Wir haben in voriger Nummer aus den Auszügen, welche die Arch. isr. de France aus dem Bericht des Großrabbinern über seine Rundreise durch seinen Sprengel bringen. Einziges mitzuteilen versprochen. Diese Berichterstattung ist in Frankreich selbst etwas Neues, und von der Art und Weise, wie die israelitischen Angelegenheiten eines ganzen Landstrichs mit einem Blicke übersehen zu werden angefangen werden, ein löbliches, erfreuliches Zeugnis. In der Einleitung setzt der Großrabbine auseinander, wie erst von der Bestimmung dieser Rundreisen an sich ein näheres, unmittelbares Verhältnis zwischen dem Konsistorium und den ihm zur seelsorgerlichen Obhut Anvertrauten datiert. Alsdann geht er die einzelnen Gemeinden durch, und bezeichnet, was sie für ihre Synagogen und Schulanstalten getan; insbesondere bemerkt er auch, was sie zu diesen von den städtischen Gemeinden an Unterstützung erhalten. - Bouxwiller gibt 1.400 Fr. für seine Schule aus, und erhält 500 Fr. von der Stadt und frei Lokal dazu; 47 Schüler. Der Rabbine ist alt und blind."   

   
Die Witwe des Vorsängers Cerf steht im 99. Lebensjahr (1900)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1900: "Während ich diese Zeilen niederschreibe, wird mir mitgeteilt, dass in Buchsweiler, Elsass, die Witwe des vor etwa 50 Jahren verstorbenen Vorsängers Cerf, welche im Jahre 1801 geboren ist, also im 99. Lebensjahre steht, noch rüstig sei, dass sie in ihrem hohen Alter noch stricken und ihre Hausarbeit verrichten kann".  

    
Bericht über den jüdischen Religionsunterricht an Gymnasium und Realschule (1900) siehe nachfolgender Abschnitt "Zum Tod von Schirmfabrikant...": 
  
  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
     
Vortrag im Kriegerverein von Hauptlehrer Scheye (1894)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. April 1894:  "Bei Gelegenheit der Bismarckfeier am 1. April hielt im Kriegerverein zu Buchsweiler (Elsass) unter allgemeinem Beifall Herr Hauptlehrer Scheye einen Vortrag 'Simson, ein hebräischer Held'."        

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Schirmfabrikant Aron Ott und über die Witwe Cerf (1900)
  
Anmerkung: zu Witwe Cerf vgl. den oben zitierten Bericht.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1900: "Buchsweiler im Elsass. Hier starb letzte Woche in dem hohen Alter von 94 Jahren der frühere Schirmfabrikant Aron Ott. Trotz seines hohen Alters war er noch so rüstig, dass er morgens und abends täglich dem Gottesdienste in der Synagoge beiwohnen konnte. 
Ihr Straßburger Korrespondent berichtete Ihnen in Nr. 63 Ihres Blattes von einer noch älteren hier lebenden Witwe, der Frau Cerf. Dieselbe ist jedoch nicht 99, wie die Straßburger Post schrieb, sondern erst 95 Jahre alt. Anm.: Von dritter Seite wird uns mitgeteilt, sie sei bereits 100 Jahre. Red. 
Das hiesige Gymnasium mit Realklassen wurde im verflossenen Schuljahre im Ganzen von 246 Schülern besucht; hiervor fallen der Religion nach auf das Gymnasium 18 katholisch, 93 evangelische, 10 israelitische, in die Realschule 17 katholische, 100 evangelische und 18 israelitische Schüler. Der jüdische Religionsunterricht an der Anstalt wurde von Rabbiner Dr. Weill in zwei Abteilungen zu je zwei Stunden wöchentlich erteilt. Es wurden durchgenommen in der ersten Abteilung: 40 Psalmen, aus den drei ersten Büchern wurde im Urtext gelesen und besprochen, die ethischen Grundsätze der Bibel in Anlehnung an den Text entwickelt und die Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum Abschluss der Periode der Gaonen durchgenommen. In der zweiten Abteilung: Deuteronomium (5. Mose) Kap. 6-21 und mehrere Psalmen, aus dem Gebetbuche wurde gelesen und erklärt und im Anschluss daran Belehrungen über wichtige Abschnitte aus der Pflichtenlehre gegeben; die biblische Geschichte von der Teilung des Reiches bis zur Zerstörung des ersten Tempels wurde durchgenommen und die Einteilung der Bibel und der Zyklus der Fest- und Fasttage wiederholt."   

    
Der Rentner Samuel Rewel und der Mehlhändler Hirsch Levy leben noch als Kriegsveteranen des Krimkrieges in der Stadt (1904)   
Anmerkung: über den 1853 bis 1856 geführten Krimkrieg siehe Wikipedia-Artikel "Krimkrieg"     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1904: "Buchsweiler, 27. April (1904). (Die Juden als Soldaten). Zur Zeit beschäftigt man sich in verschiedenen elsässischen Zeitungen mit den Veteranen aus dem Krimkrieger, die augenblicklich noch im Elsass leben, zumal da in diesem Monat der Jahrestag der Einnahme von Sebastopol war. Es dürfte für Ihre Leser wohl nicht uninteressant sein, zu hören, dass in hiesiger Stadt noch zwei jüdische Krimkrieger leben. Es sind dies der Rentner Samuel Rewel und der Mehlhändler Hirsch Levy. Der erstere besitzt die Kriegsmedaille und führt hier seit seiner Rückkunft aus dem Kriege, als Erinnerung an seine Teilnahme an der Belagerung von Sebastopol, im Volksmunde den Beinamen 'Sebastopolschmule'."           

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge        
  
1842 bis 1844 wurde eine neue Synagoge auf dem Grundstück einer älteren Synagoge aus dem 18. Jahrhundert erbaut. Der Stadtrat unterstützte die jüdische Gemeinde durch einen Beitrag von 3.000 Francs.   
 
Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude geschändet und umgebaut, um darin eine Kartonagenfabrik einrichten zu können. 
  
Nach 1945 wurde von der wieder entstandenen kleinen Gemeinde ein Betraum im Gebäude eingerichtet. Hier wurden bis 1956 die Gottesdienste abgehalten. Nachdem die Zahl der Gemeindeglieder so stark zurückging, dass keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten, gab es 1984 Pläne,  das Gebäude abzubrechen. Um dies zu verhindern, wurde ein Verein gegründet mit dem Ziel, die Synagoge als ein Museum zu nutzen. Im Jahr 2000 konnte das Musée Judéo-Alsacien de Bouxwiller eröffnet werden. 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   Grand Rue 62a   
    
    
Fotos  

Die Judengasse 
(neuere Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 4.10.2011)
Buchsweiler Judengasse 010.jpg (70320 Byte)    Bouxviller Judengasse 1600.jpg (330653 Byte)
    Historische Ansichtskarten der Judengasse in Buchsweiler, rechte Karte mit dem "Alten Haus" (Vieille Maison; Sammlung Hahn)    
     
Bouxwiller Ort 650.jpg (105476 Byte) Bouxwiller Ort 652.jpg (138462 Byte) Bouxwiller Ort 655.jpg (136850 Byte)
Straßenschilder "Judegass" 
/ Rue des Juifs 
Alte Fachwerkhäuser in der "Judegass" 
   
     
Bouxwiller Ort 651.jpg (124989 Byte) Bouxwiller Ort 654.jpg (91173 Byte) Bouxwiller Ort 654b.jpg (89907 Byte)Bouxwiller Ort 654a.jpg (97596 Byte)
Häuserensemble 
hinter der Hofeinfahrt
Jüdische Wohnhaus mit Portalinschrift  
   
     
Bouxwiller Mikwe 750.jpg (137520 Byte) Bouxwiller Ort 653.jpg (127514 Byte)  
Gebäude der ehemaligen Mikwe (?) Blick in die "Judegass"   
       
Historische Ansichtskarten von Buchsweiler   
Buchschweiler1.jpg (57063 Byte) Buchsweiler Synagogue 120.jpg (54056 Byte)  Bouxwiller Synagogue 600.jpg (82581 Byte)
  Karte oben mit freundlicher 
Genehmigung übernommen 
aus der Website www.judaica.cz 
Rechts die Synagoge    Innenansicht 
     
     
Das Synagogengebäude - 
vor der Restaurierung und 
Einrichtung des Museums  
(Quelle: Rothé/Warschawski S. 64) 
Bouxwiller Synagogue 602.jpg (132610 Byte) Bouxwiller Synagogue 601.jpg (131470 Byte)
  Außenansicht von Westen  Innenansicht - auf Höhe der Frauenempore
 ist eine Zwischendecke eingezogen
  
     
     
Die ehemalige Synagoge 
in der Gegenwart
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 4.10.2011)
 Bouxwiller Synagogue 651.jpg (129378 Byte)   Bouxwiller Synagogue 650.jpg (80044 Byte)
     Außenansicht von Westen   Der Glockenaufsatz 
   Das Foto oben in hoher Auflösung    
     
Bouxwiller Synagogue 652.jpg (85367 Byte) Bouxwiller Synagogue 653.jpg (79761 Byte) Bouxwiller Synagogue 654.jpg (66023 Byte)
Eingangsbereich - Blick auf 
ein "Wohnhaus"
In der kleinen Synagoge - 
Blick auf den Toraschrein 
Rituelles Waschbecken 
im kleinen Betraum 
  Das Foto oben in hoher Auflösung   
     
Bouxwiller Synagogue 655.jpg (95635 Byte) Bouxwiller Synagogue 656.jpg (73801 Byte) Bouxwiller Synagogue 658.jpg (83252 Byte)
Beim Rundgang durch die Geschichte 
des elsässischen Judentums: Kopie eines
 mittelalterlichen Grabsteines 
Stationen der Geschichte des 
elsässischen Judentums
Nachgebauter "Karren" eines
 jüdischen Töpferwarenhändlers 
      Das Foto oben in hoher Auflösung  
     
Bouxwiller Synagogue 657.jpg (83463 Byte) Bouxwiller Synagogue 662.jpg (98852 Byte) Bouxwiller Synagogue 663.jpg (75317 Byte)
Eine der Vitrinen zum 
jüdischen Alltagsleben 
In der Reihe der Darstellung jüdischer
 Feste: das Laubhüttenfest (Sukkot) 
Traditionelle Chanukkaleuchter 
und Dreidel 
Bouxwiller Synagogue 659.jpg (81156 Byte) Bouxwiller Synagogue 664.jpg (92341 Byte) Bouxwiller Synagogue 661.jpg (114568 Byte)
Torarolle mit 
Toraschmuck
Torawimpel / Mappa 
(vgl. Wikipedia-Artikel
Portalinschrift eines ehemaligen 
jüdischen Hauses (siehe Foto oben) 
Bouxwiller Synagogue 672.jpg (87382 Byte) Bouxwiller Synagogue 665.jpg (92076 Byte) Bouxwiller Synagogue 671.jpg (74701 Byte) Bouxwiller Synagogue 670.jpg (82793 Byte)
"Jüdische Schaufenster"  Abteilung zur Erinnerung an die jüdischen
 Friedhofe und Synagogen im Elsass
Modell der Synagoge 
in Bouxwiller
   
       
Bouxwiller Synagogue 669.jpg (83208 Byte) Bouxwiller Synagogue 668.jpg (109076 Byte)  
Modell der Synagoge in Balbronn   
     
     

   
    

Links und Literatur

Links:

  

Bouxviller - Grand-Rue - Ancienne Synagogue

OUVERTURE AU PUBLIC 
ETE : du 15 mars au 15 septembre du mardi au vendredi de 9h à 12h et de 14h à 17h.
HIVER : après le 15 septembre.
Pour groupes, sur rendez-vous.
Visites-conférences guidées, sur réservation.
Website der politischen Gemeinde Bouxwiller 
Wikipedia-Artikel zur Synagoge Bouxwiller    
Informationen zur Synagoge / Museum auf der Seite des Ministère de la cultur   
Französische Informationsseite zur Synagoge in Bouxwiller  
Weitere französische Informationsseite mit Fotos   
Musée Judéo-Alsacien in Bouxwiller 

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 142. 

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 34.59.      

Max Guggenheim: Les Israélites de Bouxwiller.  

    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. August 2016