Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Westhoffen (Westhofen) (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte / Synagoge / Synagogue

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kantoren   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
   
In dem 1332 zur Stadt erhobenen Westhoffen lebten Juden bereits im Mittelalter. 1334 wird Abraham von Westhofen in Straßburg genannt. Der Friedhof wurde vermutlich bereits im 15. Jahrhundert angelegt. 

Bei der Zählung am 14. Februar 1785 wurden in Westhoffen 58 jüdische Familien mit zusammen 282 Personen gezählt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 208 jüdische Einwohner, 1846 196, 1861 180, 1870 195, 1910 147.
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
   
Westhofen war Sitz eines Rabbinates, zu dem auch die Gemeinden Balbronn, Odratzheim, Scharrachbergheim, Traenheim gehörten. Unter den Rabbinern sind zu nennen: Aron-Moses-Ezechiel Lemberger (gest. 1712), der in Trier und Westhoffen als Oberrabbiner amtierte; Abraham Isaak Luntenschütz (aus Romanswiller, gest. 1818 in Endingen), war von 1808 bis 1813 Rabbiner in Westhoffen, danach in Endingen und Lengnau; Marc Cahn (auch Reb Mortché, Mordechai Cahn; geb. 1777 oder 1778 in Saverne), war von 1815 bis zu seinem Tod 1872 Rabbiner in Westhoffen; Zacharie Lazarus (geb. 1829 in Schirrhofen), war von 1872 bis zu seinem Tod 1897 Rabbiner in Westhoffen; Dr. Victor Marx (s.u.) von 1899 bis 1909, Max Guggenheim (s.u.) von 1910 bis 1919.        
 
1936 lebten noch 79, 1939 noch 63 jüdische Einwohner in der Stadt. Die meisten von ihnen wurden 1940 nach Südfrankreich deportiert.  Mindestens 16 jüdische Personen aus Westhoffen wurden in Vernichtungslagern ermordet.  
  
Von den in Westhoffen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem; die Angaben sind teilweise schwierig auszuwerten, da es zu Verwechslungen mit dem deutschen Westhofen kommt, auch die nachfolgenden Nennungen sind teilweise unsicher): (Kantor in Schmieheim) Abraham Bloch (1861), Maurice Cahen (1874), Jules Cahn (1891), Philipp Cahn (1887), Eugenie Debré (), Üauline Dreher geb. Debré (1875), Blanche Dreyfuss geb. Schwarz (1884), Beate Gumpertz (1884), Helene Gumpertz (1920), Florette (Flora) Jacob geb. Cahn (1883), Fanny Kachen geb. Koenigsbourg (1897), Jeanne Marx (1881), Felix May (1898), Marie Rueff (1893), Leopold Schwartz (1882), Clemence Wolff geb. Debré (1887), Pauline Dreher geb. Debré (1875).                   
  
Nach 1945 kehrte ein Teil der überlebenden früheren jüdischen Einwohner zurück. 1965 wurden 19 jüdische Einwohner gezählt. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Antijüdische Einstellung des protestantischen Pfarrers anlässlich der Beisetzung des Postagenten Jakob Römer (1904)      

Westhofen Elsass AZJ 26021904.jpg (109349 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Februar 1904: "Westhofen im Elsass, 7. Februar (1904). Die Straßburger Bürger-Zeitung meldet von hier: 'Donnerstag Nachmittag wurde der Postagent Jakob Römer unter großer Beteiligung der Bevölkerung des Krieger- und Gesangvereins begraben. Der Bezirksoffizier von Molsheim pries am Grabe den Verblichenen in einer markigen Rede. Der Gesangverein verliert in Römer eines seiner besten tätigsten und rührigsten Mitglieder. Diesem Ausdruck zu  geben, sowie dem Schmerz aller Mitglieder des Vereins, wollte der Präsident desselben, Herr Michel Weill, am Grabe eine kleine Rede halten. Es wäre so schön gewesen... Aber eine halbe Stunde vorher wurde vom protestantischen Pfarrhause dem Israeliten Weill dringend bedeutet, doch davon absehen zu wollen. Was für ein Geist hier im Pfarrhause herrscht, ist klar! Aber auch nur dort. Als vor einigen Jahren der Schwiegervater des Herrn Weill, Rabbiner Lazarus, starb, da hielt Herr Pfarrer Kiefer - Balbronn die erste und größte Grabrede (sc. vgl. unten Artikel von 1897). Andere 'Männer', andere Sitten.' - Der Berichterstatter ist kein Jude. In jüdischen Kreisen schließt man sich sehr gern der Ansicht an, dass der orthodoxe Geistliche die Beerdigungsfeierlichkeiten überhaupt auf die kirchlichen Zeremonien beschränken solle. Auch der Offizier habe seine Rede nur gehalten, weil er eben nicht erst lange vorher um Erlaubnis gefragt habe. Wie dem auch sei, es ist jedenfalls ein schöner Beweis des konfessionellen Friedens, wenn von christlicher Seite in dieser Weise sofort gegen eine möglicherweise nur scheinbare antisemitische Handlungsweise protestiert wird."     

  
   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
  
Beisetzung von Rabbiner Zacharie Lazarus (1897)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Dezember 1897: "Westhofen im Elsass, am 6. Dezember (1897). Bei dem am 1. dieses Monats stattgefundenen Leichenbegängnis des ehrwürdigen Rabbiners Lazarus strömte von Nah und Fern eine zahlreiche, gerührte Menge, Männer aller Konfessionen herbei, um dem höchst geachteten Geistlichen das letzte Geleit zu geben. Tief empfundene Abschieds- und Trauerreden wurden gehalten: in dem Sterbehause durch den ältesten der anwesenden Kollegen, Herrn Rabbiner Roller von Barr; in der Synagoge durch Herrn Ober-Rabbiner Weil von Straßburg; auf dem Friedhofe durch Herrn Rabbiner Blum aus Pfalzburg, ehemaliger Amtsnachfolger des Heimgegangenen in Schirrhofen; durch Herrn Pfarrer Kiefer aus Ballbronn; durch Herrn Arthur  Moch, Mitglied des Konsistoriums, Namens des Konsistoriums; Herr Lehrer Kaufmann, im Namen der Gemeinde, sagte das letzte Lebewohl. Der edle protestantische Pfarrer Kiefer gab seinen Gefühlen folgenden Ausdruck: 'Noch ein Wort lasset mich, bevor diese Gruft sich schließt, dem lieben Verstorbenen nachrufen, ein warmes Wort der Dankbarkeit, wie es der Heimgegangene verdient. Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 35 Jahren mein erster Lehrer im Hebräischen, er stand damals in Schirrhofen, zu seinem Rabbinat gehörte Bischweiler, wo mein seliger Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte hoch die große Herzensgüte, die tiefen theologischen Kenntnisse des Verewigten. In einer langen Reihe von Jahren war ich mit ihm durch innige Freundschaft verbunden. Ein Mann, so schlicht in seiner äußeren Erscheinung, so einfach, so bescheiden, aber so voll von Biedersinn, von Begeisterung für alles, was wahr, was gerecht, was edel, ein treuer Anhänger seiner Religion, aber doch mit einem Herzen voll von Duldung, von Verständnis auch für fremde Ansichten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, d.h. zur allgemeinen Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, dass die Menschen sich hassen und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern. Sein Bestreben war nur darauf gerichtet, durch Leben, Beispiel, Aufmunterung und Lehre die Erkenntnis der ewigen Wahrheiten, welche für das Reich Gottes geschickt machen, zu wecken und zu fördern. So hat er unter Euch gewirkt, das war ein Segen, womit ihn Gott geschmückt hatte. Von dem Arbeitsfeld hat ihn jetzt der Herr der Ernte abgerufen. Von der Welt unscheinbar, von dem gnadenreichen Vergelter aber nach dem Worte belohnt: Die Lehrer werden leuchten wie der Himmelsglanz, und die Viele zur Gerechtigkeit gewiesen gaben, wie die Sterne immer und ewiglich. Er ruhe in Frieden!'". 
 
Westhofen Elsass IDR Januar 1898.jpg (59060 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom Januar 1898 S. 47: "Westhofen im Elsaß, 1. Januar (1898). Bei dem vor einigen Wochen hier stattgefundenen Leichenbegängnis des Rabbiners Lazarus widmete an der offenen Gruft der protestantische Pfarrer Kiefer dem Heimgegangenen einen ehrenden Nachruf, indem er sagte: 'Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 35 Jahren mein erster Lehrer im Hebräischen. Zu seinem Rabbinat in Schirrhofen gehörte Bischweiler, wo mein seliger Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte die große Herzensgüte, die tiefen theologischen Kenntnisse des Verewigten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, d.h. zur allgemeinen Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, dass die Menschen sich hassen und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern'."     

 
Rabbiner Dr. Victor Marx verlässt Westhofen und wird nach Straßburg versetzt (1910) 
Anmerkung: im oberen Artikel wird fälschlich von Rabbiner Dr. Bloch gesprochen; es muss Dr. Marx heißen. 
Dr. Victor Marx (geb. 1872 in Bad Homburg v.d.H., gest. 1944 in Périgueux): Studium in Breslau; 1899 bis 1909 Rabbiner in Westhoffen, 1910 Rabbinatsassessor mit Filialgemeinde in Straußburg; 1937 übernahm er zusätzlich das Rabbinat von Lingoldsheim und war außerdem Hospitalseelsorger in Straßburg; 1939 zog er sich mit einem großen Teil der Straßburger Gemeinde nach Périgueux in der Dordogne zurück.     

Sennheim FrfIsrFambl 24031910.jpg (101469 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1910: "Straßburg im Elsass. Das Israelitische Konsistorium versetzte Rabbiner Dr. Bloch aus Westhofen auf 1. April nach Straßburg, wo er jetzt schon als Stellvertreter des leidenden Herrn Oberrabbiner Uri tätig ist."  
   
   
Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Februar 1910: "Das israelitische Konsistorium des Unterelsass hatte sich in seiner Sitzung vom 16. Januar mit der Wahl eines zweiten Rabbiners für die israelitische Kultusgemeinde Straßburg zu befassen. Gewählt wurde Rabbiner Dr. Marx - Westhofen."

    
Veränderungen in den Besetzungen der Rabbinate - Rabbiner Max Guggenheim kommt nach Westhofen (1910) 
Anmerkung: Rabbiner Max Guggenheim (geb. 1877 in Seppois-le-Bas = Niedersept, gest. 1968 in Paris): studierte am Rabbinerseminar in Colmar, 1898-1901 am Rabbinerseminar und an der Universität in Berlin. Seit 1902 war er Rabbiner in Quatzenheim, zuständig auch für Wintzenheim und Kuttolsheim. 1910 wechselte er nach Westhofen (s.u.), 1919/20 nach Bouxwiller (Buchsweiler, Unterelsass); die Besatzungszeit überlebte er in Paris, 1942 bis 1944 in Vichy; nach 1945 kehrte er nach Bouxwiller zurück. Seit 1956/57 Rabbiner in Saverne (Zabern).

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Mai 1905: "Straßburg. Die von dem israelitischen Bezirkskonsistorium zu Straßburg vorgenommenen Ernennungen des Rabbiners Dr. Bloch (bisher in Dambach) zum Rabbiner in Barr, des Rabbiners Dr. Lehmann (bisher in Schirrhofen) zum Rabbiner in Bischweiler, des Rabbiners Gugenheim (bisher in Quatzenheim) zum Rabbiner in Westhofen und des Rabbiner Dr. Marx in Westhofen zum beigeordneten Rabbiner in Straßburg, ferner die von dem Bezirkskonsistorium zu Colmar vorgenommene Ernennung des Rabbiners Bloch in Sulz unter Wald zum Rabbiner in Dornbach, sowie die von dem Bezirkskonsistorium zu Metz vorgenommenen Ernennungen des Rabbiners (Heinrich) Dreyfuß (bisher in Dürmenach) zum Rabbiner in Mörchingen (sc. Morhange, Lothringen) und des Rabbiners Levy (bisher in Pfalzburg) zum Rabbiner in Saarburg, sind von dem Ministerium in Elsaß-Lothringen bestätigt worden."    

 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kantoren
 
Über das Schicksal des Lehrers und Kantors Gustav Kron und seiner Frau Selma geb. Blumenkrohn (Anmerkung zu einem Artikel von 1922)     
(Fotos und Informationen aus einem Artikel zu Gustav Kron von Rolf Hocke, Waldkappel, Quelle

Fritzlar Kron 020.jpg (8201 Byte)Lehrer Gustav Kron (links Hochzeitsfoto während der Zeit in Harmuthsachsen 1921) ist 1878 in Wolfhagen geboren. Er ließ sich 1900 bis 1904 am Lehrerseminar in Kassel zum Lehrer und Kantor ausbilden. Während seines Militärdienstes in Arolsen war er zeitweise in der Gemeinde Mengeringhausen tätig, von 1905 bis 1914 war er Lehrer in Westhoffen im Elsass. 1914-1916 nahm er am Krieg teil. Auf Grund einer schweren Erkrankung kam er 1916/17 nach Westhoffen zurück, seit 1917 nach Balbronn. Im Februar 1919 kehrte er nach Hessen zurück. Kurzzeitig war er Lehrer im Momberg, danach von 1919 bis 1924 in Harmuthsachsen, seit 1924 Lehrer und Kantor in Fritzlar. Er war seit Januar 1921 verheiratet mit Selma geb. Blumenkrohn, Sohn des jüdischen Lehrers und Kantors Viktor Blumenkrohn in Spangenberg. Im Bericht zu dessen Beerdigung 1922 wird Gustav Kron genannt:    
Spangenberg Israelit 02031922.jpg (123220 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Spangenberg, 22. Februar (1922). Nach fast 40-jähriger segensreicher Wirksamkeit in unserer Gemeinde ist uns Lehrer Blumenkrohn nach kurzem Krankenlager durch den Tod entrissen worden. Das Scheiden dieses trefflichen Mannes, der in vorbildlicher Pflichttreue seines Amtes als Lehrer und Vorbeter waltete und dessen Lebensführung mustergültig gewesen, löste in allen Kreisen der hiesigen Stadt aufrichtige Trauer aus. Die ehrenden Nachrufe, die ihm die Synagogenältesten, der Bürgermeister, der Schulvorstand, der Lehrerverein widmen, zeugen von der Würdigung des allgemein beliebten und verehrten Mannes. Am 19. Februar wurde unter zahlreicher Beteiligung die sterbliche Hülle der Erde überantwortet. Herr Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, schilderte in längerer Rede das Wirken des Verblichenen in Schule und Gemeinde, Herr Lehrer Rosenstein, Rotenburg, sprach als Berufsgenosse und Freund; Herr Lehrer Heilbrun, Kassel, entbot als Schüler dem teuren Lehrer den Dank der Schüler, in deren Herzen der Verklärt sich ein Denkmal gesetzt, dauernder als in Stein gehauen und als letzter Redner nahm der Schwiegersohn, Herr Lehrer Kron, Harmuthsachsen, mit tränenerstickter Stimme Abschied von dem geliebten Schwiegervater, dessen Andenken nie erlöschen wird. In später Stunde schloss sich das Grab, das der Besten einen birgt. Wir sagen mit dem Dichter 'Ach, sie haben einen guten Mann begraben, uns war er mehr'. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
Weitere Geschichte: Gustav Kron und seine Frau Selma geb. Blumenkrohn bemühten sich in der NS-Zeit vergeblich um eine Auswanderung. Die Familie mit dem 1922 in Harmuthsachsen geborenen Sohn Walter verzog spätestens 1938 nach Hamburg; dabei war auch die in hohem Alter befindliche Mutter von Gustav Kron. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Gustav Kron einige Zeit im KZ Oranienburg festgehalten. Am 25. Oktober 1941 wurden Gustav und Selma Kron in das Ghetto Litzmannstadt deportiert; im Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno), wo sie ermordet wurden.   
Harmuthsachsen GKron 015.jpg (14171 Byte)  Links: Gustav Kron während der Zeit als Lehrer in Harmuthsachsen    

   

 
        
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Zum Tod des aus Westhofen stammenden Leopold Cahn (1887)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887: "Aus dem Elsaß. Am 27. Siwan (Sonntag) wurde Herr Leopold Cahn in Hatten im Alter von 76 Jahren zur letzten Ruhe bestattet. Unter dem Namen: 'Reb Leb' war derselbe im ganzen Elsass als ein Mann von großer Gelehrsamkeit und von ausgezeichneten Tugenden bekannt. 
In Westhofen geboren, widmete er sich dem Rabbinerstande und erheilt auch als solcher sein Diplom zur Anstellung für Frankreich. Er nahm aber keine Stelle an, indem er als 23-jähriger Mann von einem sehr reichen Mann in Hatten - wegen seiner Gelehrsamkeit - als Schwiegersohn eingesetzt wurde, Seine Wohltätigkeit erstreckte sich besonders aus Erez Jisroel
Fünf Rabbiner feierten das Andenken des großen Toten. Seine Seele sei eingebunden in der Bund des Lebens."   

  
Zum 90. Geburtstag von Raphael Kahn (1909)  

Westhofen Israelit 04031909.jpg (49819 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1909: "Westhofen (Elsaß), 1. März (1909). Demnächst wird der älteste Mann der Umgebung, der allseits geachtete Herr Raphael Kahn, in aller Stille seinen 90. Geburtstag feiern. Herr Kahn zählt zu denjenigen, die treu zu unserer heiligen Wahrheit halten. Sein ganzes Leben und Streben ist für den Dienst an Gott, in des Wortes wahrster Bedeutung. Er ist der Sohn des wegen seiner großen Gelehrsamkeit berühmten Rabbiners Mordechai HaCohen - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen, welcher über 70 Jahre segensreich hier gewirkt hatte. Möge der rüstige Greis mit seiner würdigen Gattin noch einen frohen Lebensabend genießen. (Alles Gute) bis 120 Jahre." 

   
Über den aus Westhoffen stammenden Rabbiner Dr. Moïse Debré (1882-1919)  

Rabbiner Dr. Debré ist 1882 in Westhoffen als Sohn des Anselme Debré und der Amélie geb. Cahn geboren. Er studierte 1903 bis 1909 an der Universität und am Rabbinerseminar in Berlin und wurde an der Universität Würzburg promoviert. Nach einer Zeit als Rabbinatskandidat in Augsburg war er von 1912 bis zu seinem frühen Tod am 26. Januar 1919 (er starb an der Spanischen Grippe) Rabbiner in Sarre-Union. Er wurde in seinem Heimatort Westhoffen beigesetzt. Er war verheiratet mit Yvonne geb. Blum, mit der er eine Tochter hatte. 
Saarunion FrfIsrFambl 19091912.jpg (16783 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. September 1912: "Saarunion. Zum Nachfolger unseres pensionierten Rabbiners Guggenheim ist Rabbinatskandidat Debrex - Augsburg ernannt worden."  

    
Zum Tod des aus Westhoffen stammenden Rabbiner Dr. Benjamin May (1929)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1929: "Rabbiner Dr. Benjamin May - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Tiefe Trauer und besonders lebhaftes Mitgefühl hat in den Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinschaft der allzu frühe Heimgang der im besten Mannesalter stehenden markigen Persönlichkeit des Rabbiners und Religionslehrers Dr. Benjamin May hervorgerufen. Aus Westhofen im Elsass stammend, hatte der Hingeschiedene am Berliner Rabbinerseminar seine Studien absolviert und war hier seit zwei Jahrzehnten als Religionslehrer an den höheren Schulen in hervorragender Stellung tätig. Was ihn vor vielen Berufsgenossen auszeichnete, war nicht nur sein in rastloser Studienarbeit immer mehr vervollkommmetes reiches Wissen, sondern vor allem die temperamentvolle Energie, mit der er seines Amtes waltete. Was für die oft aus halb oder ganz entfremdeten Kreisen stammenden Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen das gefährlichste Gift in der Religionsstunde ist, die Langeweile, war in den Lehrstunden Benjamin Mays eine unbekannte Erscheinung - er war durchglüht von innerer Wärme, die alle Herzen entflammte. Er hat zweifellos Hunderte von jungen Seelen für die tiefen Wahrheiten der Überlieferung und für die gewaltige Größe des Gotteswortes und des Prophetenwortes erwärmt und zahlreiche Saatkörner ausgestreut, die segensreich aufblühen werden. Bei der Bestattung, die am letzten Freitag stattfand, kam die Liebe und Verehrung, deren sich der Heimgegangene erfreute, zu erschütterndem Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  
Anzeige der Weinhandlung Th. Kahn Söhne (1915)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1915: "Offeriere selbstgekelterte Weiß- und Rotweine im Fass, sowie auch in Falsch - Koscher zu Pessach
Th. Kahn Söhne, Westhofen im Elsass. 
In Bezug auf die Kaschrut kann die Koscherbescheinigung erteilt werden. Frühzeitige Bestellungen erwünscht."    

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge     
  

1876 wurde eine neue Synagoge erbaut und eingeweiht. Sie stand vermutlich am Platz einer älteren Synagoge, weswegen in nachfolgender Meldung nur von der "Restaurierung" der Synagoge in Westhoffen die Rede ist.  

Westhofen Elsass Israelit 27091876.jpg (20191 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1876: "In Westhoffen (Elsass) wurde vor Kurzem die neu restaurierte Synagoge (die Herstellungskosten betrugen 50.000 Franc) unter den üblichen Gebräuchen eingeweiht."

Die Synagoge wurde während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg geplündert. Das Gebäude blieb jedoch erhalten. 
   

   
Adresse/Standort der Synagoge
Place de la Synagogue, Westhoffen    
   
   
Fotos
(Fotos obere Fotozeile: Rothé / Warschawski s. Lit. S. 144; untere Zeilen: Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2004)  

Die ehemalige Synagoge 
in den 1980er-Jahren 
Westhofen Synagogue 271.jpg (72068 Byte) Westhofen Synagogue 270.jpg (54986 Byte)
   Außenansicht  Innenansicht 
        
         
 Die ehemalige Synagoge 
im Frühjahr 2004 
Westhoffen Synagogue 102.jpg (50174 Byte) Westhoffen Synagogue 100.jpg (77492 Byte)
   Die Westfassade der
 ehemaligen Synagoge 
Die ehemalige Synagoge 
von der Südseite  
         
Westhoffen Synagogue 103.jpg (53536 Byte) Westhoffen Synagogue 104.jpg (58166 Byte)  Westhoffen Synagogue 101.jpg (28701 Byte)
Das Eingangsportal  Das Rundfenster über dem Eingangsportal   "Place de la Synagogue" 
     
     
Rechts: Roger Cahn, 
der "letzte Jude in Westhoffen" 
im Jahr 2003 vor und in der Synagoge 

(Fotos: Edgar Brück, erhalten über
 Dorothee Lottmann-Kaeseler)  
Westhoffen Roger Cahn 2003.jpg (133972 Byte) WEsthoffen Roger Cahn 2003a.jpg (81289 Byte)
     
Hinweis auf einen Film mit Roger Cahn in Westhoffen: http://www.r-diffusion.org/index.php?ouvrage=RDA-10 
Dazu: http://france3-regions.francetvinfo.fr/alsace/2014/04/02/que-sont-devenues-les-synagogues-rurales-d-alsace-451713.html 
http://www.ville-bischheim.fr/culture/la-cour-des-boecklin/401-baptiste-cogitore-et-pascal-koenig-andre-kosmicki-et-lloica-czackis   
     

  
  
3d-Animation der Synagoge Westhoffen - erstellt von Dipl-Ing. Jürgen Eckhardt
Eingestellt als Video bei YouTube (animago AWARD: 2004; Platz 1 in Home / Animation Architektur)  
  
 
   
      

Links und Literatur  

Links:

Französische Informationsseite zur Synagoge in Westhoffen    
Seite des Ministère de la cultur mit Informationen zur Synagoge in Westhoffen (französisch)   
Weitere Informationsseite zur Synagoge in Westhoffen: hier anklicken  
Rundfunkbeitrag von Deutschlandradio zur Situation der Synagoge in Westhoffen       
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Westhoffen (interner Link)    

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 881-882. 

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 41.144.   

Günter Boll:  Kinder und Enkel des David Meyer (ca. 1728-1798) von Westhoffen. Eingestellt als pdf-Datei.     

  
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 05. Januar 2015