Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Huningue (Hüningen, Dep. Haut-Rhin / Alsace / Oberelsass) 
Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Hüningen bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 19./20. Jahrhundert, doch lebten bereits Ende des 17. Jahrhunderts Juden am Ort. Bei der Begründung des Friedhofsverbandes Hegenheim 1692 war unter den 24 unterzeichnenden Personen auch eine aus Hüningen. 
  
Bei den Volkszählungen 1784 und 1807 wurden keine jüdischen Einwohner in Hüningen festgestellt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1846 20 jüdische Einwohner, 1861 127, 1910 58 oder 61.   
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), einen Religionsschule, vermutlich auch ein rituelles Bad.  Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Hegenheim beisetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schächter fungierte (siehe Ausschreibungstexte unten von 1899 und 1900). Zum Tod des Kantors Marx Weill 1910 s.u.
  
1936 wurden 54 jüdische Einwohner gezählt. Unter der deutschen Besatzung wurden 1940 diejenigen, die bis dahin nicht emigriert oder vom Ort verzogen sind, mit den Juden aus Elsass-Lothringen nach Südfrankreich deportiert. 
   
Von den in Hüningen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Claudine Bloch (1935), Gertrude Bloch geb. Bloch (geb. ?), Paul Bloch (1896), Berthe Metzger (1895), Alex (Alexandre) Weill (1905), Caroline Weil (1902), Marguerite Weill (), Marthe Weill ().
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schächters 1899 / 1900  

St Louis Elsass Israelit 13111899.jpg (45044 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1899: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters in Hüningen - St. Ludwig ist zu besetzen. Einkommen vom Staat Mark 880, sonstiges Einkommen ca. Mark 1000. Bewerber wollen sich wenden an 
Vorsteher E. Weill, St. Ludwig."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1900: "Die Lehrer-, Kantor- und Schochetstelle der Gemeinden Hüningen und St. Ludwig ist vakant. Das Einkommen vom Staat und den Gemeinden beträgt ca. 1.800 Mark. Bewerber mit guten Zeugnissen als Kantor und im Unterricht, wollen sich gefälligst an Vorsteher Herrn E. Weil, St. Ludwig wenden."      

   
Zum Tod des Kantors Marx Weill 1910  

Hueningen Alsace FrfIsrFambl 09091910.jpg (17305 Byte)Aus dem "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1910: "Hüningen im Ober-Elsass. Erst 45 Jahre alt, ist Kantor Marx Weill seiner Frau und seinen sechs unmündigen Kindern entrissen worden."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Der Krieg bedroht auch viele Orte mit jüdischen Gemeinden im Oberelsass (1914)  
Anmerkung: die angegebenen Zahlen der jüdischen Gemeindeglieder beziehen sich auf ca. 1890.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1914: "Hagenau, 10. September (1914). Die schweren Kämpfe im Oberelsaß, die in letzter Zeit zwischen den Franzosen und Deutschen ausgefochten wurden, erinnern uns daran, dass die dortige Gegend ziemlich stark von Juden bewohnt ist, die jetzt nicht nur zum großen Teil gezwungen waren, Heim und Herd zu verlassen, sondern neben der schweren seelischen Not auch viel durch die Zerstörung von Hab und Gut zu dulden haben. Es wohnen in dem vielgenannten Altkirch 289 jüdische Seelen, Hirsingen 74, Dammerkirch (Dannemarie) 15, Hagenbach 26, Bergheim 110, Grussenheim 314, Neubreisach 102, Blotzheim 62, Bollweiler 120, Ensisheim 27, Regisheim 154, Dürmenach 205, Hegenheim 169, Hüningen 50, Kolmar 1105, Dornach 202, Mülhausen 2271, Niederhagental 145, Niedersept 124, Pfastatt 73, Markirch 147, Rappoltsweiler 134, Habsheim 73, Rixheim 69, Sennheim 151, Wattweiler (Wattwiller) 37, St. Ludwig 60, Kembs 50, Sierenz 113, Uffheim 120, Gebweiler 305, Sulz 182, Thann 163, Winzenheim 421 Juden. Die meisten Familien, besonders in der Mülhauser Gegend, haben sich flüchten müssen, viele davon haben sich während dieser schweren Zeit in der Schweiz niedergelassen.".      

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Möbelhändler Bloch wird auf Grund seiner Unterstützung der Sozialdemokraten aufgefordert, sein Vorsteheramt niederzulegen (1907)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1907: "Colmar. Dem 'Elsässischen Kurier' wird aus Hüningen berichtet: 
' Im Anschluss an die hiesige Gemeinderatsersatzwahl wurde der hiesige, erst kurz vorher gewählte Vorsteher der israelitischen Kirchengemeinde, Möbelhändler Bloch, von verschiedener Seite aufgefordert, sein Vorsteheramt niederzulegen, weil er bei der Ersatzwahl mit den Sozialdemokraten marschiert beziehungsweise ihr Programm anerkannt habe. Da sich die Unstimmigkeiten nicht ausglichen, erschien heute ein Regierungsvertreter, der die Mitglieder der israelitischen Gemeinde versammelte, um diese Angelegenheit zu regeln. Nach seiner Ansicht liegt kein Grund vor, Herrn Bloch zum Niederlegen seines Amtes zu drängen, da durch das Unterzeichnen des sozialdemokratischen Wahlprogramms nicht zugleich die Zugehörigkeit zur Partei dargetan sei. Der Stimmung in der Gemeinde Rechnung tragend, legte Herr Bloch dennoch sein Amt nieder.'  
Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Hüningens sollten zu Ortsvorstehern in Ost- oder Westpreußen ernannt werden. Dort würden Leute ihrer Gesinnung einen freien Wirkungskreis und unumschränkte Anerkennung erzielen."       

  
Aufklärung eines Mordes an einem jüdischen Kaufmann (1912)
      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1912: "Hüningen. Nach 10 Jahren soll ein Mord, der hier verübt wurde, seine Sühne erhalten. In dem benachbarten badischen Orte Branzlingen (??) war vor 10 Jahren auf rätselhafte Weise ein jüdischer Kaufmann verschwunden. Die Vermutung lag nahe, dass er das Opfer eins Mörders geworden war. Der Ackerer Stortz wurde seinerzeit verhaftet, aber wieder freigelassen, da sich nicht genügend Beweise für die Tat fanden. Vor einigen Tagen hatte Stortz Streit mit seiner Ehefrau und diese rief so laut, dass es die ganze Nachbarschaft hörte: 'Mir machst Du es nicht wie dem Juden'. Als darauf unter Zuhilfenahme eines Polizeihundes eine Haussuchung bei Stortz stattfand, wurde das Skelett eines Mannes, zweifellos des ermordeten Juden im Keller vergraben gefunden."    

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Getreidehandlung J. Günsbürger (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1901: "Gesucht für sofort ein Lehrling 
in eine Getreide-Handlung. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
J. Günsbürger,
Hüningen im Elsass."    

       
       
      

Zur Geschichte der Synagoge        
   
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. 1860 konnte die jüdische Gemeinde ein Haus kaufen, das in den folgenden beiden Jahren zu einer Synagoge umgebaut wurde. 1862 wurde die Synagoge durch den Oberrabbiner Salomon Wolf Klein aus Colmar eingeweiht. Bis zum Bau und der Einweihung einer eigenen Synagoge im Jahr 1907 besuchten auch die in Saint-Louis lebenden jüdischen Personen die Gottesdienste in Huningue. 
  
Unter der deutschen Besatzung wurde die Synagoge im 2. Weltkrieg zerstört. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:     
   
  
Fotos   

Huningue Synagogue 01.jpg (36315 Byte)  
Die Synagoge in Hüningen auf einem im Musée historique de Huningue  
aufbewahrten Aquarell (Quelle: Rothè / Warschawsky s.Lit. S. 167) 
 
      
Huningue Heg Fr 01.jpg (30251 Byte)  
Gedenkstein für die in der NS-Zeit ermordeten Juden im jüdischen Friedhof Hegenheim: die Namen der aus Hüningen Umgekommenen (Foto: Detlef Ernst Rosenow)  

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der politischen Gemeinde Huningue   
Französische Informationsseite zur Synagoge in Huningue  
Private Website mit Seiten zu Hüningen  (deutsch) 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hegenheim  (interner Link)  

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 47.167.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Huningue  Haut-Rhin dist. France. A small Jewish community was established in the 19th century and a synagogue was inaugurated in 1862. On the eve of Worldwar II, 54 Jews lived in Huningue. During the occupation, the Germans expelled all to the south of France, together with the rest of Alsace-Lorrain Jews. Subsequently there were no Jews in Huningue.    
       
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. Januar 2014