Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ensisheim (Dep. Haut-Rhin / Alsace / Oberelsass) 
Jüdische Geschichte / Histoire des Juifs  

    

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
   
Ensisheim - seit Ende des 13. Jahrhunderts der Hauptort der elsässischen Besitzungen des Hauses Habsburg und Sitz des Landvogts - bekam für die jüdische Geschichte Berühmtheit dadurch, dass in der dortigen Festung nach 1286 R. Meir Ben Baruch von Rothenburg (MaHaRaM) längere Zeit von Rudolf von Habsburg gefangengehalten wurde. Meir von Rothenburg hatte versucht, ins Heilige Land auszuwandern und hierzu auch die im Reich lebenden Juden aufgefordert, wurde jedoch 1286 im Lombardischen Gebirge verhaftet. Meir von Rothenburg war einer der bedeutendsten Talmudgelehrten seiner Zeit (geb. um 1220 in Worms, lebte und wirkte von etwa 1250 bis 1286 in der Synagoge und in der Talmudschule in Rothenburg). Er starb 1293 in Ensisheim und wurde 1307 auf dem jüdischen Friedhof in Worms begraben. 
Vgl. Wikipedia-Artikel zu R. Meir Baruch von Rothenburg.     
  
Im Mittelalter lebten jüdische Familien in der Stadt. Ob es zur Gründung einer Gemeinde kam, ist nicht bekannt. 1291 werden (abgesehen von R. Meir von Rothenburg) erstmals Juden in der Stadt genannt, bei denen die Abtei Murbach verschuldet war. 1331 wird Jud Hegeman von Ensisheim genannt, bei dem verschiedene Herrschaften verschuldet waren.  1338 wurden unter der "Armleder-Verfolgung" auch in Ensisheim Juden ermordet. 1341 und 1347 ließen Jakob und Menchin von Ensisheim Darlehensgeschäfte in die Gerichtsbücher von Frankfurt eintragen. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit wurden die Juden der Stadt durch den Landvogt zunächst zu ihrer Sicherheit gefangengesetzt. Der Landvogt holte zunächst bei Herzog Albrecht von Österreich Instruktion ein. Die Einwohner der Stadt waren aufgebracht darüber, dass der Landvogt die Juden nicht kurzerhand dem Tode überantwortete, und hätten die Burg belagert, wenn der Herzog nicht nachgegeben hätte.      
   
Nach den Verfolgungen in der Pestzeit werden erst 1371 wieder Juden in der Stadt genannt. Zwischen 1450 und 1510 werden mindestens 16 jüdische Personen namentlich in Ensisheim erwähnt, darunter drei Frauen. Als die Schweizer im Winter 1476/77 durch das Elsass zogen, ermordeten sie auch in Ensisheim die Juden. 1499 wurde ein Jude von Ensisheim in Wettolsheim genannt. 1504 waren zwei Ensisheimer Juden in eine Ritualmordbeschuldigung verwickelt. 
  
1574 wurden die Juden aus der Stadt vertrieben. 
  

1689 wurden einige Juden für kurze Zeit gegen die Zahlung hoher "Schutzgelder" in der Stadt aufgenommen.             
   
Erst im 19. Jahrhundert (seit 1824) konnten jüdische Personen / Familien wieder in der Stadt zuziehen: aus den Jahren 1784 und 1807 liegen noch keine Zahlen vor. 
  
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgte: 1846 73 jüdische Einwohner, 1861 28, 1900 23, 1910 28.  
  
Ob es im 19. Jahrhunderts zeitweise einen Betraum in der Stadt gab, ist nicht bekannt.      
     
1936 lebten noch 36 jüdische Personen in der Stadt. Diejenigen von ihnen, die in den folgenden Jahren nicht die Stadt verließen, wurden unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert.  
   
Von den in Ensisheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Emma Blum geb. Ledermann (1894), Leon Blum (1884), Marcel Blum (1924), Leon Hecker (1905), Auguste Levy (1881), Georgette Levy geb. Rueff (1886), Germain Levy (1894), Ninon Levy (1931), Robert Levy (1928), Sylvain Levy (1884), Adeline Weill (1866).        
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts liegen - außer Berichten zur Lebensgeschichte von R. Meir von Rothenburg - keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Ensisheim vor.  

     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Der Krieg bedroht auch viele Orte mit jüdischen Gemeinden im Oberelsass (1914)  
Anmerkung: die angegebene Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bezieht sich auf ca. 1890.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1914: "Hagenau, 10. September (1914). Die schweren Kämpfe im Oberelsaß, die in letzter Zeit zwischen den Franzosen und Deutschen ausgefochten wurden, erinnern uns daran, dass die dortige Gegend ziemlich stark von Juden bewohnt ist, die jetzt nicht nur zum großen Teil gezwungen waren, Heim und Herd zu verlassen, sondern neben der schweren seelischen Not auch viel durch die Zerstörung von Hab und Gut zu dulden haben. Es wohnen in dem vielgenannten Altkirch 289 jüdische Seelen, Hirsingen 74, Dammerkirch (Dannemarie) 15, Hagenbach 26, Bergheim 110, Grussenheim 314, Neubreisach 102, Blotzheim 62, Bollweiler 120, Ensisheim 27, Regisheim 154, Dürmenach 205, Hegenheim 169, Hüningen 50, Kolmar 1105, Dornach 202, Mülhausen 2271, Niederhagental 145, Niedersept 124, Pfastatt 73, Markirch 147, Rappoltsweiler 134, Habsheim 73, Rixheim 69, Sennheim 151, Wattweiler (Wattwiller) 37, St. Ludwig 60, Kembs 50, Sierenz 113, Uffheim 120, Gebweiler 305, Sulz 182, Thann 163, Winzenheim 421 Juden. Die meisten Familien, besonders in der Mülhauser Gegend, haben sich flüchten müssen, viele davon haben sich während dieser schweren Zeit in der Schweiz niedergelassen.".      

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge              
     
Adresse/Standort der Synagoge:    unbekannt                          
    
     
Fotos    

Fotos oder Abbildungen zur jüdischen Geschichte in Ensisheim liegen nicht vor.  
     

    
     

Links und Literatur    

Links:  

Website der politischen Gemeinde Ensisheim    
Französische Seite zur jüdischen Geschichte in Ensisheim    

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 211-213; III,1 S. 305-306. 

E. Scheid: Histoire des Juifs d'Alsace. 1887. S. 87.107.118.135.  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 51. 159.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. Januar 2014