Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ribeauvillé / Rappoltsweiler (Dep. Haut-Rhin / Alsace / Oberelsass) 
Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur  

  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
  
In Rappoltsweiler sind im Mittelalter seit Beginn des 14. Jahrhunderts Juden nachzuweisen. 1311 bestand bereits eine Gemeinde mit Synagoge. Die Juden in der Unterstadt waren 1338 von der Armlederverfolgung betroffen. In der Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 wurde zu Gemeinde zerstört. Um 1375 oder nicht lange danach ließen sich wieder Juden in der Stadt nieder, die insbesondere vom Geldhandel lebten. Sie wohnten in der "Judengasse" nahe dem Strohmarkt, die jedoch auch von Christen bewohnt war. 

Vom Ende des 15. bis Ende des 16. Jahrhunderts lassen sich in Rappoltsweiler keine Juden nachweisen. 
 
Eine neue Gemeinde entstand wieder seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. um 1660 waren vier jüdische Familien am Ort, 1697 bereits 13 Familien. Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl zu von 1705 23 jüdischen Familien auf 1784 58 Familien mit etwa 220 Personen. 
 
Im 19. Jahrhundert wurde 1846 die Höchstzahl von 540 jüdischen Einwohnern erreicht. Danach ging sie durch Ab- und Auswanderung relativ schnell zurück auf 1861 349 jüdische Einwohner, 1900 103, 1910 64.    
  
Vom 18. Jahrhundert bis 1922 war Rappoltsweiler Sitz eines Rabbinates
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Konfessionsschule sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Schlettstadt (Sélestat) beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.   
 
1936 lebten noch 26 jüdische Personen am Ort. Diejenigen von ihnen, die in den folgenden Jahren nicht die Stadt verließen, wurden unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert.

Von den in Ribeauville geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Jeanne Bernheim (1887), Mathilde Blum (1875), Hortense Haussmann (1908), Delphine van Houten (1859), Adele Lindheimer (1877), Cecile Lindheimer geb. Levy (1877), Sarah Moch (1879), Alfred Moyse (1886), Ernestine Schwarz (1872), Berthe See (1882), Lise Weill (1923), Louis Weill (1873). 
 
Nach 1945 sind wieder einige jüdische Familien zugezogen. 1953 wurden 54 jüdische Einwohner gezählt.  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates   

Rabbiner K. Weill wird auszeichnet (1910)  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. April 1910: "Rappoltsweiler im Elsass. Rabbiner K. Weill erhielt anlässlich seines 50-jährigen Amtsjubiläums den Roten Adlerorden 4. Klasse."   

   
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Bericht über die jüdische Schule (1842/43)  

Rappoltsweiler AZJ 11021843.jpg (129535 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1843: "Straßburg, 5. Januar (1843). Der Courrier du Bas-Rhin (ein halb in französischer, halb in deutscher Sprache erscheinendes Blatt) vom heutigen Tag berichtet aus Hagenau von einer daselbst soeben statt gefundenen, allgemeinen Armenlotterie.
Eine israelitische Dame fand dabei Gelegenheit, ihr Zartgefühl von den Personen aller Glaubensbekenntnisse würdigen zu sehen, indem sie einer der Kirchen von Hagenau ein schönes Christusbild, das sie gewonnen hatte, zum Geschenk machte, Sie hatte alle Gebote es zu verkaufen abgeschlagen. - 
Derselbe berichtet aus Rappoltsweiler, vom 29. Dezember (1842). - 'Verflossenen Samstag fand die Preisverteilung in der israelitischen Kinderschule statt, in Gegenwart des Kommunal-Komitees, einiger Mitglieder des Munizipalrates und einiger anderer namhaften Einwohner der Stadt. 
'Man bemerkte mit Zufriedenheit die Fortschritte dieser Anstalt, welche von der Herren Marx Bloch und Lippmann Bloch geleitet wird'.' 
'Dieser letztere erntete besonders vielen Beifall von seinen Zuhörern, wegen der erhabenen Ansichten und edeln Grundsätze, welche er in einer deutschen Rede an seine Schüler entwickelte und worin er durch geschichtliche Vergleiche die Wohltaten des öffentlichen Unterrichtes heraushob. Er vernachlässigte auf der andern Seite nicht, den Älteren der Schüler den ganzen Umfang ihrer Pflichten ans Herz zu legen und die Notwendigkeit das Werk des Lehrers durch eine gute häusliche Erziehung zu ergänzen.   
'Die israelitische Gemeinde von Rappoltsweiler darf sich glücklich schätzen, ihre Kinder dem Unterrichte zweier so fähiger und eifriger Lehrer anvertraut zu haben'."   

    
Dem Kantor wird vom Vorstand gekündigt (1913)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom7. November 1913: "Rappoltsweiler. Der hiesige Kantor hatte sich im August nach Erstein zu einem Probegottesdienst begeben. Der Vorstand hatte ihm Urlaub unter der Bedingung erteilt, dass er einen Vertreter stelle. Das tat er auch - aber der Vertreter erschien nicht. Als der Kantor nach hier zurückkehrte, fand er einen eingeschriebenen Brief des Vorstehers vor, der ihm seine sofortige Entlassung ankündigte. Der Kantor hat natürlich geklagt, und es findet in Kürze der Termin statt."       

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Vortrag des Kreistierarztes E. Schild über das Schächten (1889)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1892: "Aus Elsass-Lothringen, 30. August (1892). In einer landwirtschaftlichen Versammlung der angesehensten Landwirte des Kreises Rappoltsweiler hielt der in unserm Reichslande aufs Beste bekannte Kreistierarzt E. Schild einen interessanten Vortrag, der auch im Druck erscheinen wird, über das in letzter Zeit viel besprochene Thema: 'Sollen unsere Schlachttiere geschächtet oder durch Schlagen auf den Kopf betäubt und dann geschlachtet werden. Vom physiologischen und sanitären Standpunkt aus beleuchtet.' Referent gibt dem vom jüdischen Ritus vorgeschriebenen Schächten dem Schlagen der Tiere den Vorzug, und zwar aus folgenden Gründen: Das Schächten der Tiere ist keine Tierquälerei; beim Schächten tritt sogleich Lähmung des Gehirns und in Folge dessen Bewusstlosigkeit ein; das Tier empfindet also keine Schmerzen. Der Tod der Tieres ist ein viel schnellerer und sicherer; das Schächten wird von einem geübten Manne vollzogen, wogegen beim Schlagen manche Missgriffe vorkommen. Außerdem bietet das Schächten den Vorteil, dass durch das gänzliche Verbluten das Fleisch viel schöner weiß und auch haltbarer wird, da es durch den Mangel an Blutstoffen vor Fäulnis bewahrt bleibt. Referent führte auch an, dass das Schächten von den meisten tierärztlichen Autoritäten empfohlen werde. Allgemeiner Beifall lohnte die so herrlich gesprochenen und Anerkennung findenden Worte des Vorredners. Möchten doch die Herren Antisemiten mit dem schönen Beinamen Tierschützler auch einmal aus einem solchen Vortrag etwas lernen."       


Der Krieg bedroht auch viele Orte mit jüdischen Gemeinden im Oberelsass (1914)  
Anmerkung: die angegebene Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bezieht sich auf ca. 1890.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1914: "Hagenau, 10. September (1914). Die schweren Kämpfe im Oberelsaß, die in letzter Zeit zwischen den Franzosen und Deutschen ausgefochten wurden, erinnern uns daran, dass die dortige Gegend ziemlich stark von Juden bewohnt ist, die jetzt nicht nur zum großen Teil gezwungen waren, Heim und Herd zu verlassen, sondern neben der schweren seelischen Not auch viel durch die Zerstörung von Hab und Gut zu dulden haben. Es wohnen in dem vielgenannten Altkirch 289 jüdische Seelen, Hirsingen 74, Dammerkirch (Dannemarie) 15, Hagenbach 26, Bergheim 110, Grussenheim 314, Neubreisach 102, Blotzheim 62, Bollweiler 120, Ensisheim 27, Regisheim 154, Dürmenach 205, Hegenheim 169, Hüningen 50, Kolmar 1105, Dornach 202, Mülhausen 2271, Niederhagental 145, Niedersept 124, Pfastatt 73, Markirch 147, Rappoltsweiler 134, Habsheim 73, Rixheim 69, Sennheim 151, Wattweiler (Wattwiller) 37, St. Ludwig 60, Kembs 50, Sierenz 113, Uffheim 120, Gebweiler 305, Sulz 182, Thann 163, Winzenheim 421 Juden. Die meisten Familien, besonders in der Mülhauser Gegend, haben sich flüchten müssen, viele davon haben sich während dieser schweren Zeit in der Schweiz niedergelassen.".      

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Spenden der Bürgermeisterwitwe Ostermann geb. Weißgerber aus Ostheim (1891) 
Anmerkung: bei dem genannten Ostheim handelt es sich nicht um ein in der Rheinpfalz gelegenes Ostheim, sondern um das unweit von Ribeauville/Rappoltsweier gelegene Ostheim (Haut Rhin)  

Ostheim Israelit 25051891.jpg (53357 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1891: "Ostheim (Rheinpfalz), im Mai (1891). Zum ehrenden Andenken an den langjährigen Bürgermeister Ostermann von hier, hat dessen Witwe geb. Weißgerber, vielen Anstalten und Vereinen Schenkungen und Gaben zugewendet. Es erhielten das Rappoltsweiler israelitische Hospital Mark 200, die Armenverwaltung von Ostheim Mark 800, die Frankenkasse Mark 400, die freiwillige Feuerwehr Mark 200 usw."   

  
95. Geburtstag und Tod des früheren Synagogendiener/Kultusbeamten Isaak Marx (1911 / 1912)
    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. September 1911: "Rappoltsweiler. Der frühere Synagogendiener Isaak Marx feierte in Rüstigkeit seinen 95. Geburtstag."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1912: "Rappoldsweiler. Im 95. Lebensjahre verschied der Kultusbeamte Isaak Marx".  

  
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Alfred Weill, Sohn des Oberrabbiners Weill in Rappoltsweiler empfiehlt seine Weine (1896)  

Rappoltsweiler Israelit 14121896.jpg (35116 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1896: "Alfred Weill, Weingutsbesitzer, Rappoltsweiler im Elsass. Sohn des Herrn Oberrabbiner Weill daselbst, empfiehlt seine 
Prima Koscher Weine & Branntweine zu billigsten Preisen. 
Preiscourant nebst Proben auf Wunsch zu Diensten."

    
    
    
Zur Geschichte der Synagogen                    
    
Eine mittelalterliche Synagoge wird erstmals 1311 genannt. Seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand vermutlich eine Synagoge in der Judengasse, möglicherweise am Standort der heute noch stehenden Kapelle am Eingang der Judengasse. 
   
Im 18./19. Jahrhundert wurde zunächst ein Betsaal in einem Privathaus eingerichtet (1711). 1830 bis 1840 wurde eine neue Synagoge an Stelle einer älteren Synagoge in neuromanischem Stil erbaut. Das Gebäude wird seit 1958 als Kino verwendet. 1996 wurde das Synagogengebäude restauriert  
    
    
Adresse der Synagoge: 17, rue de la Synagogue   
    
    
Fotos
Mittelalterliche Geschichte
(Fotos: Hahn, aufgenommen Mai 1987)

Rappoltsweiler Rue des Juifs 010.jpg (49246 Byte) Rappoltsweiler Rue des Juifs 011.jpg (45979 Byte)
Blick in die Judengasse 
/ Rue des Juifs
Die Kapelle am Eingang der Judengasse 
könnte am Standort der alten Synagoge stehen

  
Fotos der Synagoge des 19./20. Jahrhunderts       
   
Neue Fotos werden noch erstellt. Siehe die französische Informationsseite zur Synagoge und Seite in der Website synagogo.bloo.org.   
   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der politischen Gemeinde Ribeauville  
Seite zur Synagoge in Ribeauvillé (französisch) 
M. Ginsburger: Les Juifs à Ribeuvillé et Bergheim    

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 674-675; III,2 S. 1070-1071.  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. April 2014