Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hagenthal-le-Bas (Niederhagenthal) (Dep. Haut-Rhin / Alsace / Oberelsass) 
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinats  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Kennkarte aus der NS-Zeit      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In Hagenthal-le-Bas bestand eine jüdische Gemeinde bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort erreichte 1784 bereits 356 Personen.  
    
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Abwanderung in die Städte schnell zurück, sodass sich bereits in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die Gemeinde auflöste. Während 1871 noch 321 jüdische Einwohner gezählt wurden, waren es 1905 noch 93 und 1910 nur noch 71. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war.  Das in Hagenthal-le-Bas über mehrere Jahrzehnte bestehende Rabbinat wurde 1910 aufgelöst. Danach gehörte das Gebiet des Rabbinates zum Rabbinat Saint-Louis.    
     
Die zahlenmäßig größten jüdischen Familien am Ort hießen Brunschwig, Dreyfus, Picart und Ris (beziehungsweise Ries, letzteres eine Rabbinerfamilie, u.a. Rabbiner Rafael Ries, der von 1788 bis 1813 Rabbiner in Endingen und Lengnau in der Schweiz war).
 
Bereits 1922 wurde gemeldet, dass es keinen jüdischen Einwohner mehr am Ort gab (siehe Pressebericht unten). Auch 1936 wurde kein jüdischer Einwohner mehr gezählt. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Wechsel im Rabbinat (1879) 
Anmerkung: Rabbiner Isaac Guggenheim (Gugenheim, geb. 1847 in Dornach, gest. 1918 in Sarre-Union) war von 1874 bis 1879 Rabbiner in Hagenthal-le-Bas, 1879 bis 1918 Rabbiner in Sarre-Union (seit 1912 im Ruhestand).  

Niederhagenthal Israelit 10121879.jpg (37867 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1879: "Aus dem Elsass. Herr Isaac Guggenheim, bisher Rabbiner in Niederhagenthal, ist als solcher nach Saar-Union berufen worden. Herrn Rabbiner Salomon Bamberger, bisher in Lengnau (Schweiz), ist das Rabbinat in Niederhagenthal übertragen worden. - Herr Bloch, Sohn des Rabbiners von Hagenau, ist in der genannten Stadt als Gymnasial-Lehrer angestellt worden. Es ist dies der erste Elsässer Israelit, welcher seine Studien auf einer deutschen Universität vollendet hat."

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Der Krieg bedroht auch viele Orte mit jüdischen Gemeinden im Oberelsass (1914)  
Anmerkung: die angegebene Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bezieht sich auf ca. 1890.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1914: "Hagenau, 10. September (1914). Die schweren Kämpfe im Oberelsaß, die in letzter Zeit zwischen den Franzosen und Deutschen ausgefochten wurden, erinnern uns daran, dass die dortige Gegend ziemlich stark von Juden bewohnt ist, die jetzt nicht nur zum großen Teil gezwungen waren, Heim und Herd zu verlassen, sondern neben der schweren seelischen Not auch viel durch die Zerstörung von Hab und Gut zu dulden haben. Es wohnen in dem vielgenannten Altkirch 289 jüdische Seelen, Hirsingen 74, Dammerkirch (Dannemarie) 15, Hagenbach 26, Bergheim 110, Grussenheim 314, Neubreisach 102, Blotzheim 62, Bollweiler 120, Ensisheim 27, Regisheim 154, Dürmenach 205, Hegenheim 169, Hüningen 50, Kolmar 1105, Dornach 202, Mülhausen 2271, Niederhagental 145, Niedersept 124, Pfastatt 73, Markirch 147, Rappoltsweiler 134, Habsheim 73, Rixheim 69, Sennheim 151, Wattweiler (Wattwiller) 37, St. Ludwig 60, Kembs 50, Sierenz 113, Uffheim 120, Gebweiler 305, Sulz 182, Thann 163, Winzenheim 421 Juden. Die meisten Familien, besonders in der Mülhauser Gegend, haben sich flüchten müssen, viele davon haben sich während dieser schweren Zeit in der Schweiz niedergelassen.".      

   
Vom Ende der jüdischen Gemeinde (1922) 
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar 1922: "Straßburg. 'Le Juif' schreibt über die Auflösung jüdischer Gemeinden: In Niederhagenthal wie im benachbarten Hegenheim waren bis vor wenigen Jahren die Juden noch stark vertreten und hatten eine Gemeinde, eigene Synagoge, Kantor, Metzger usw. Infolge des Krieges ist nunmehr die Gemeinde aufgelöst und wohnt in Niederhagenthal kein einziger Jude mehr. Die Synagoge, die noch vor 10.15 Jahren dicht gefüllt zu sein pflegte, wird dieser Tage versteigert. In Oberhagenthal, das früher über die Hälfte jüdisch war, wohnt schon seit über 20 Jahren kein Jude mehr. Auch die Tage der jüdischen Gemeinde in Schalbach scheinen gezählte zu sein, da schon wieder einige Familien die Absicht haben, in nächster Zeit nach Saarburg zu übersiedeln. So verschwindet eine Landgemeinde nach der anderen. Im Kreise Saarburg bestehen jetzt nur noch vier jüdische Gemeinden, Saarburg mit annähernd 80 Familien, Pfalzburg, Finstingen und Lixstein. In Gosselmingen und Mittelbronn wohnen noch wenige Familien, in Schalbach nach 9, während von der einst so blühenden Gemeinde Imlingen nur noch eine einzige Familie geblieben ist."    

    
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Salomon Bloch feiert im Altenheim in Hegenheim seinen 96. Geburtstag (1912)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. November 1912: "Hegenheim. Im hiesigen israelitischen Asyl feierte Salomon Bloch aus Niederhagenthal seinen 96. Geburtstag".   

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für die in Nieder-Hagenthal 
geborene Blanche Löwenberg geb. Bloch
 
 Niederhagenthal KK MZ Loewenberg Blanche.jpg (87827 Byte)   
   Kennkarte (Mainz 1939) für Blanche Löwenberg geb. Bloch (geb. 8. November 1881 in Niederhagenthal)     

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge 
    

Eine erste Synagoge wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Auf Befehl des "Conseil Souverain d'Alsace" (Souveräner Rat des Elsass) wurde die ohne herrschaftliche Genehmigung erbaute Synagoge 1726 zerstört werden. 1740 konnte sie wieder aufgebaut werden. Um 1804 wurde die Synagoge erweitert. Im Revolutionsjahr 1848 wurde die Synagoge bei den damaligen antijüdischen Unruhen geplündert und verwüstet.  

1858 bis 1860 wurde die Synagoge umfassend restauriert und am 23. September 1859 feierlich wieder eingeweiht. 

Niederhagenthal Ben Chananja 011860.jpg (38594 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ben Chananja" Nr. 1/1860: "Am 23. September (1859) ist in Niederhagenthal (Elsass) eine Synagoge eingeweiht worden. Bei dem Akte der Einweihung predigten: Großrabbiner Klein und der Ortsrabbiner Levy. Am darauf folgenden Tage predigten Wurmser und Blotzheim. In Frankreich werden die Synagogeneinweihungen noch immer Freitagabend gefeiert. Auch in Trier wurde die Synagoge Freitag, 9. September (1859) eingeweiht."

Die nach Auflösung der jüdischen Gemeinde um 1920 nicht mehr benutzte Synagoge wurde verkauft und in eine Werkstatt umgebaut.         
     
2004 wurde die ehemalige Synagoge in ein privates Kunstatelier umgebaut.

Website der Künstlers / Kunstateliers in der Synagoge   

Adresse/Standort der Synagoge:    68220 Hagenthal-le-Bas, Rue de la Synagogue
    
    
    
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.4.2004) 

Die ehemalige Synagoge 
in den 1980er-Jahren 
(Quelle: Rothé / Warschawski s. Lit. S. 163)
Hagenthal le Bas Synagogue 170.jpg (73754 Byte) Hagenthal le Bas Synagogue 171.jpg (96479 Byte)
  Die ehemalige Synagoge 
  
Die als Werkstatt benutzte ehemalige
 Synagoge (Blick nach Osten)
     
     
Die ehemalige Synagoge im Frühjahr 2004    
Hagenthal-le-Bas Synagogue 100.jpg (39190 Byte) Hagenthal-le-Bas Synagogue 103.jpg (58791 Byte) Hagenthal-le-Bas Synagogue 104.jpg (62122 Byte)
Die "Rue de la Synagogue" weist auf den
 Standort der ehemaligen Synagoge hin
  
Das Gebäude 
von Norden 
 
Das Gebäude von Nordosten. Das große Tor
 wurde beim Umbau zur Werkstatt in der Zeit
 nach dem Ersten Weltkrieg eingebrochen.
     
Hagenthal-le-Bas Synagogue 105.jpg (48781 Byte) Hagenthal-le-Bas Synagogue 102.jpg (58732 Byte) Hagenthal-le-Bas Synagogue 101.jpg (64442 Byte)
Das Synagogengebäude 
von Westen  
Im ehemaligen Betsaal. Die Tür ist an 
Stelle des früheren Toraschreines  
Blick zur ehemaligen 
Frauenempore  
     
Nach Einrichtung des Kunstateliers
(Quelle: www.christophe-hohler.com)
  
Niederhagenthal Synagoge 202.jpg (55548 Byte) Niederhagenthal Synagoge 201.jpg (50639 Byte) Niederhagenthal Synagoge 200.jpg (42976 Byte)
       
     
   Niederhagental Synagoge 0701.jpg (87056 Byte)    
   Der Künstler in seiner Werkstatt, dem
 ehemaligen Synagogengebäude (2007)
 

   
   

Links und Literatur   

Links:    

Französische Informationsseite zur Synagoge in Hagenthal-le-Bas   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Hagenthal-le-Bas (interner Link)      
Website der Künstlers / Kunstateliers in der Synagoge    
Verzeichnis des Ministère de la culture mit Informationen zur Synagoge in Hagenthal-le-Bas  

Literatur:    

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 47.163.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. Mai 2015