Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mainz (Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt im 19./20. Jahrhundert  
    
Hier: Berichte zu den Rabbinern, Lehrer und weiteren Kultusbeamten der Gemeinde (bis zur NS-Zeit) 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Mainz wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.   
  
Die Texte wurden dankenswerterweise von Susanne Reber, Mannheim, abgeschrieben.    
    
      
    
  
Übersicht:     

bulletÜbersicht: Rabbiner in Mainz im 19./20. Jahrhundert   -   
bulletAus der Geschichte der Rabbiner in Mainz (später: der Israelitischen Religionsgemeinde)  
-  Zum 100. Todestag von Rabbiner Noach Chaim Zwi Berlin (1734-1802, Artikel von 1902)   
-  Aus der Zeit von Rabbiner Leo Ellinger  
Bewerbungen um das Rabbinat in Mainz - die neue Synagoge ist alsbald fertig (1850)    
 Dr. Adler soll erster Rabbiner in Mainz werden, der bisherige Prediger und Religionslehrer Dr. Cohn zweiter Rabbiner ebd. (1852) 
-  Rabbiner Dr. Joseph Aub wechselt nach Berlin (1866)  
-  Zum Tod des früheren Mainzer Rabbiners Dr. Joseph Aub (1880 in Berlin)  
25-jähriges Jubiläum von Rabbiner Dr. Sigmund Salfeld als Rabbiner der Mainzer Religionsgemeinde (1905)  
-  70. Geburtstag von Rabbiner Prof. Dr. Sigmund Salfeld (1913)  
-  Einführung von Rabbiner Dr. Sali Levi als Nachfolger von Prof. Dr. Salfeld (1918) 
Goldene Hochzeit von Prof. Dr. Sigmund Salfeld und seiner Frau (1920) 
 - Beitrag von Rabbiner Dr. Sali Levi zum Heimatrecht der deutschen Juden auf Grund zahlreicher Belege (1926)  
bulletAus der Geschichte der Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft    
-  Zum Tod von Sophie Bondi geb. Epstein, Gattin von Rabbiner Samuel Bondi (1871)  
-  Zum Tod von Rabbiner Samuel Bondi (1877)  
-  Beisetzung von Rabbiner Samuel Bondi (1877)  
-  Zum Tod von Rabbiner Samuel Bondi (I, 1877) 
-  Zum Tod von Rabbiner Samuel Bondi und seine Beisetzung - Rückblick 50 Jahre danach: Artikel von 1927)     
-  Rabbiner Dr. Markus Lehmann tritt sein Amt zum Sukkot-Fest an (1854)   
-  Zum Tod von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (zugleich Chefredakteur des "Israelit", 1890)  
-  Beisetzung von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (1890)   
-  Trauergottesdienst für Rabbiner Dr. Markus Lehmann (1890)   
Zum Tod von Therese Lehmann geb. Bondi, Witwe von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (1899) 
-  Dr. Jonas Marcus Bondi wird zum Rabbiner der Religionsgesellschaft gewählt (1890)  
-  Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi tritt seine Stelle als Rabbiner der Religionsgesellschaft an (1890)  
Artikel von Rabbiner Dr. Lehmann: "War dem Rabbi Amnon von Mainz das Gaslicht bekannt?" (Artikel von 1890) 
Jahrzeitstag von Rabbiner Dr. Lehmann (1904)   
25-jähriges Ortsjubiläum von Rabbiner Dr. Jonas Bondi bei der Religionsgesellschaft (1915)    
-  Todesanzeige für Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi (1929)   
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners der Israelitischen Religionsgesellschaft (1929)  
Rabbinerwahl der Israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz (1929)   
Jahrestag des Todes von Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi (1930)    
bulletAus der Geschichte der Lehrer und Kantoren der Israelitischen Religionsgemeinde    
Ausschreibung der Stelle eines Vorsängers und Schochet (1860)    
-  Anzeige des Pensionates von Oberlehrer Fuld (1869)  
-  Ausschreibung der Stelle des Kantors und Religionslehrers der Religionsgemeinde (1887)   
-  25-jähriges Amtsjubiläum von E. Gutmann als Rabbi und Kantor des "3. israelitischen Krankenpflegevereins" (1889) 
-  Ausschreibung der Stelle eines Lehrers und stellvertretenden Kantors der Religionsgemeinde (1890)  
-  25-jähriges Ortsjubiläum des Reallehrers Eschelbacher (1917)  
bulletAus der Geschichte der Lehrer und Kantoren der Israelitischen Religionsgesellschaft    
Ausschreibung der Stelle einer Lehrerin der Religionsgesellschaft (1859)    
-  Ausschreibung der Stelle eines Lehrers der Religionsgesellschaft (1866)  
Zum Tod des Kultusbeamten der Religionsgesellschaft Moses Marx (1894)    
-  Religionslehrer S. Eschelbacher wird Lehrer am Real-Gymnasium, Fräulein Weil wird Lehrerin an der Volksschule (1904)  
25-jähriges Ortsjubiläum von Oberkantor und Lehrer der Israelitischen Religionsgesellschaft Abraham Oppenheimer (1911)  
Zum Tod des Lehrers der Religionsgesellschaft Josef Kahn (1918) 
40-jähriges Ortsjubiläum von Kantor und Lehrer Abraham Oppenheimer (1926)   
Zum Tod von Kantor und Lehrer Abraham Oppenheimer (1930)  
25-jähriges Ortsjubiläum von Jakob Tschorniki als Kultusbeamter der Religionsgesellschaft (1931) 
bulletWeitere Lehrer  
Über Moritz Lorge, von 1908 bis 1933 Oberlehrer und Studienrat an der Höheren Töchterschule in Mainz     

      
      
      
Übersicht: Rabbiner in Mainz im 19./20. Jahrhundert:
Anmerkung: nicht ausführlicher genannt werden die nach 1800 noch einige Zeit tätigen Dajanim, Unter- und Lehrhausrabbiner (= Talmudlehrer an der Jeschiwa) wie Leser Lonnerstadt (gest. 1802 als Lehrhausrabbiner), Nathan-Neta Ellinger (um 1808 in Mainz genannt), Moses Kanstadt (um 1808, gest. nach 1811), Hirsch Kanstadt (gest. 1823 in Mainz), Mendele Kastel (um 1820/30, stammte aus Kastel). Um 1808 sollen fünf Rabbiner in Mainz tätig gewesen sein.       

bullet1783 bis 1800: Rabbiner Noah-Haium Hirsch (Noach Chaim Zwi) Berlin (geb. 1734 in Fürth, gest. 1902 in Altona): war seit 1764 Dajan in Fürth, seit 1772 Landesrabbiner des Fürstentums Bayreuth in Baiersdorf; seit 1783 Landesrabbiner in Mainz und von 1800 bis zu seinem Tod 1902 Oberrabbiner von Altona, Hamburg und Wandsbek. 
bullet1799 bis 1810 / 1822: Rabbiner Herz Scheuer (Abraham-Naftali Herz ben David; geb. 1753, gest. 1822 in Mainz): war in Mainz zunächst als Unterrabbiner und Lehrer tätig; seit 1799 Oberrabbiner in Mainz; 1810 Amtsniederlegung auf Grund der Reformen des Konsistoriums; 1814 in das Amt zurückgekehrt; war Leiter der Jeschiwa in Mainz.  
bullet1809 bis 1813: Rabbiner Samuel Levi (geb. 1751 in Pfersee bei Augsburg, gest. 1813 in Mainz): war seit 1783 Rabbiner in Worms; wurde am 1. Mai 1809 eingesetzt als Konsistorial-Oberrabbiner für das Departement Donnersberg mit Sitz in Main ("Grand Rabbin du Consistoire du Département du Mont-Tonnerre"). Zur Biographie vgl. https://www.lagis-hessen.de/pnd/1041787413   
bullet1822 bis 1830: Rabbiner Abraham Moch (geb. 1746 vermutl. in Haguenau, gest. 1830 in Mainz): war seit 1822 "provisorischer Rabbiner" in Mainz gemeinsam mit Rabbiner Leo Ellinger.   
bullet1822 bis 1847: Rabbiner Leo Ellinger (genannt Löb Schnadig [Schnaittach], geb. 1772 in Mainz, gest. 1847 in Mainz): war seit 1808 Dajan in Mainz und Talmudlehrer an der Jeschiwa; nach dem Tod des Mainzer Oberrabbiners Herz Scheuer übernimmt er dessen Amt, zunächst gemeinsam mit dem o.g. Rabbiner Abraham Moch als "provisorischer Rabbiner" beziehungsweise Rabbinatsverweser. Bis 1830 teilte er das Amt mit Abraham Moch. Nach 1841 wird ihm ein Prediger zur Seite gestellt. 
bullet1852 bis 1866: Rabbiner Dr. Joseph Aub (geb. 1804 in Baiersdorf, gest. 1880 in Berlin): studierte an der Fürther Jeschiwa, seit 1822 in Erlangen und München; war von 1829 bis 1852 Rabbiner in Bayreuth, seit Dezember 1852 in Mainz (Einweihung der neuen Synagoge mit Orgel 1853); von 1866 bis 1879 Rabbiner in Berlin, zugleich Dozent an der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt und Religionslehrer an der Lehrerbildungsanstalt (1866 Einweihungspredigt in der Neuen Synagogen Oranienburger Straße).  
bullet1846 / 1851 / 1866 bis 1880: Rabbiner Dr. Elias Cahn (geb. 1808 in Mainz, gest. 1888 in Mainz): studierte an der Jeschiwa in Mannheim, seit 1833 in Gießen und Bonn; ab 1838 Religionslehrer in Mainz, Reformanhänger (am 11. Juli 1840 die erste Konfirmation), seit 1843 auch Prediger; 1846 Rabbinatsverweser in Mainz, 1851 zweiter Rabbiner in Mainz, behält nach dem Amtsantritt von Joseph Aub die Rabbinatswürde für die Gemeinde Kastel; 1866 bis 1880 erster Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde. 
bullet1880 bis 1918: Rabbiner Prof. Dr. Sigmund Salfeld (geb. 1843 in Stadthagen, gest. 1926 in Mainz): studierte in Berlin und Breslau; seit 1870 Rabbiner in Dessau, seit 1880 Rabbiner in Mainz; trat 1918 in den Ruhestand.  
bullet1918 bis 1941: Rabbiner Dr. Sali Levi (geb. 1883 in Walldorf, gest. 1941 in Berlin): studierte in Breslau; 1910 bis 1914 zweiter liberaler Rabbiner in Breslau, 1915 bis 1918 Feldrabbiner in Wilna; 1918 bis März 1941 Rabbiner in Mainz; war Vorsitzender des 1925 gegründeten Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz; ging im März 1941 nach Berlin, um in die USA zu emigrieren, verstarb jedoch zuvor.  
bullet1941: Rabbiner Bernhard Baer (geb. 1917 in Berlin, 1942 verschollen bei Riga): studierte 1938 bis 1941 in Berlin; war von der jüdischen Gemeinde Mainz zum Rabbiner gewählt, doch wurde ihm die Zuzugsgenehmigung verweigert; deportiert nach Riga am 19. Januar 1942.      

Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft waren:  

bulletRabbiner Samuel Bondi (geb. 1794 in Mainz als Sohn von Rabbiner Moses-Jona Bondi, der an der Jeschiwa von Herz Scheuer in Mainz unterrichtete; gest. 1877 in Mainz): war als Kaufmann tätig; begründete die Israelitische Religionsgesellschaft als Prediger und Talmudlehrer an der Jeschiwa von Rabbiner Markus Lehmann. 
Auch sein Enkel Rabbiner Jonas Bondi (geb. 1862, gest. 1929) übte in Mainz rabbinische Tätigkeiten aus.   
bullet1854 bis 1890: Rabbiner Dr. Markus Lehmann (geb. 1831 in Verden, gest. 1890 in Mainz): studierte in Prag, Berlin und Halle; war seit 1854 Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz, heiratete eine Tochter des o.g. Rabbiners Samuel Bondi; gründete im Mai 1860 die Zeitschrift "Der Israelit". 
bullet1890 bis 1929: Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi (geb. 1862 in Mainz als Sohn von Markus Bondi und Enkel von Samuel Bondi, gest. 1929 ebd.): studierte in Berlin und Halle; war seit 1890 Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft. 
bullet1929 bis 1938: Rabbiner Dr. Moses Löb Bamberger (geb. 1902 in Bad Kissingen, gest. 1960 in Gateshead GB), studierte in Würzburg, Berlin und Gießen; war seit 1929 Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz; November 1938 in das KZ Dachau verschleppt; 1939 nach England emigriert: Rabbiner in Nottingham; 1944 Gründer und Leiter der Jewish Boarding School (Jeschiwa) in Gateshead.       

    
    
Aus der Geschichte der Rabbiner in Mainz (später der Israelitischen Religionsgemeinde)     
Zum 100. Todestag von Rabbiner Noach Chaim Zwi Berlin (1734-1802, Artikel von 1902)  
Hinweis: Inschrift des Grabsteins für Noach Chajim Zwi ben Awraham Meir Berlin mit Erläuterungen siehe  http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hha-1252 
Foto des Grabsteines mit Inschrift: https://www.wo-sie-ruhen.de/friedhoefe?stadt=5&friedhof=22   
Weitere Informationen englisch: https://www.encyclopedia.com/religion/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/berlin-noah-hayyim-zevi-hirsch   
Der Verfasser des Artikels ist Eduard Ezechiel Duckeß (Duckesz), geb. 1868 in Szeleocsény, Ungarn, ermordet 6. März 1944 im Z Auschwitz.

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1902: "Rabbi Noach Chaim Zwi Berlin,
Rabbiner in Mainz und zuletzt in den drei Gemeinden A.H.W. (Altona, Hamburg, Wandsbeck) - Gedenkblatt zu seinem 100. Todestage 4. Adar Scheni 1802 (nach jüdischer Zählung: 5562).

Wenn im Allgemeinen der Grundsatz lautet, ein Volk, dass seine Großen ehrt, ehrt sich selbst, so ist dies im Judentum eine besondere Pflicht, der großen Männer, die zum Wohle und zur geistigen Hebung unseres Volkes beigetragen haben, an besonderen Gedenktagen pietätvoll zu erwähnen. - Ein solch Großer in Israel war Noach Chaim Zwi, der Verfasser der Werke Ma'yan ha-Chochmah [Lehrgedicht über die 613 Gebote], Aze Beschamim, Azei Almuggim, Azei Arasim. 
Er wurde im Jahr (5494) 1734 in Fürth geboren. Sein Vater Maier Berlin war Privatgelehrter, dessen Vater Samuel Sanwil war Rabbinatsassessor in Berlin. Mütterlicherseits stammte er von R. Jehoschua Heschel in Krakau, dessen Tochter der Ersteren Mutter war. (Siehe Fürst, gemeint wohl ein Werk von Rabbiner Dr. Salomon Fürst oder Rabbiner Dr. Julius Fürst). Er erhielt gemeinsam mit seinem einzigen Bruder Löb Berlin, der Rabbiner in Bamberg und zuletzt in Kassel war, eine sorgfältige Erziehung. Sein Vater, der sehr reich war und keinem Broterwerb nachzugehen brauchte, widmete sich ausschließlich der Erziehung seiner beiden Söhne und war ihr Lehrer im Talmud. Chaim Zwi besaß eine seltene Auffassungsgabe, die gepaart war mit immensem Fleiße, was ihm frühzeitig großes Ansehen verschaffte. Er verheiratete sich nach damaliger Sitte mit 18 Jahren mit Ela (Eli), der Tochter des Vorstehers Elija Dow Schwabach, welcher ein Enkel des Frankfurter Rabbiner Abraham Broda, wie auch ein Enkel der ebenfalls berühmten Glückl Hammeln war. Nach seiner Hochzeit wurde er Dajan in seiner Geburtsstadt Fürth, wo er die Fürther Ausgabe des Rambam Jad hachasoko edierte. (Gedruckt 5525) 1765 Fürth). Später wurde er Rabbiner in Breit (= Bayreuth) und Peiersdorf (= Baiersdorf). Dort verfasste er sein erstes Werk Aze Almoigim (bzw. Azei Almuggim), Erläuterungen zu oreach chajim auf Hilchaus ...
Im Jahre (5542) 1782 wurde er in Mainz als Oberrabbiner erwählt. Dort gründete er eine Jeschiwo; wo sich alsbald eine zahlreiche Jüngerschar um ihn sammelte. Er fand dort, wie er in der Vorrede zu Aze Arosim berichtet. Den geeigneten Wirkungskreis, zu lernen und zu lehren, und eine wahre Pflanzstätte des Thorastudiums blühte unter seiner kundigen Leitung empor. Er verfasste in Mainz sein scharfsinniges und berühmtes Werk Azei Arasim (1789, 5549), gedruckt in Fürth. Als im Jahr 1799 (5559) der hochbetagte Rafael Kohn s(eligen) A(ngedenkens), Rabbiner der drei Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck, aus verschiedenen triftigen Gründen freiwillig sein Amt unwiderruflich niederlegte, richtete er zuletzt noch eine Bitte an den Vorstand der Drei-Gemeinden, dass derselbe den hervorragendsten Rabbiner, der für diesen verantwortungsvollen Posten zu gewinnen sei, als seinen Nachfolger erwählen möge. Auf der engeren Wahl standen nun: Noach Chaim Zwi – Mainz, Zwi Hirsch Samuscht – Glogau, Salomon Cohn – Fürth, Löb Berlin - Kassel, R. Esriel aus Lublin, Meschulam Tusminiz - Preßburg und R. Löb – Rotterdam. Fast einstimmig wurde nun Chaim Zwi im Jahre 1800 (oder 1799?) gewählt. Am 22. Cheschwan (20. November 1799) trat er sein Amt an. Mit großen Ehrenbezeugungen wurde er hier empfangen. Seine größte Ehre und Freude war es aber, als vormittags           
Mainz Israelit 10031902b.jpg (368871 Byte)den 24. Cheschwan, der greise Rafael Cohn, der inzwischen nach Hamburg gezogen war, zu ihm kam, um ihn zu begrüßen. Mit strahlendem Antlitz und inniger Herzlichkeit begrüßte Rafael seinen Nachfolger, mit Tränen in den Augen sprach er: 'Ich preise die gütige Vorsehung Gottes, die mich das Glück schauen lässt, einen solch würdigen Vertreter und Lehrer der von mir so geliebten Gemeinde als meinen Nachfolger sehen zu dürfen.' (S. sechor lezadik = gedenke an den Gerechten).
Bald nach seinem Antritte bestätigte und hielt er aufrecht alle Tikunim Anordnungen und Einrichtungen der Gemeinde, die er musterhaft vorfand. Mit Eifer widmete er sich jetzt dem Studium der Choschen Hamischpot, da ja damals das jüdische Bes din die Rechte und Autorität eines staatlichen Gerichtshofes besaß, und von der ganzen Umgebung die Juden sich mit Vorliebe an das jüdische Gericht zu Altona wandten, weil das Verfahren selbstredend streng rechtlich, vereinfacht und rasch erledigt war. Durch seine Gerechtigkeit, seine Gelehrsamkeit, zugleich aber seine Milde, war er bald als Richter von Nah und Fern in Prozessen gesucht. In Segeberg bei Lübeck war ein heftiger Streit wegen eines Lehrers Sußmann ausgebrochen und der Zwiespalt teilte das Jischuw Segeberg (jüdische Gemeinde Segeberg) in zwei feindliche Lager. Seiner Energie und Umsicht gelang es bald, vollständigen Frieden und Ruhe dortselbst zu stiften. Er war besonders dadurch beliebt, weil er es verstand, in den meisten Fällen die streitenden Parteien auszugleichen. Oftmals ließ er den Verurteilten Geldspenden zukommen, damit sie ihren Verpflichtungen nachkommen konnten, er handelte, wie es beim König David heißt er sorgte für Frieden und Gerechtigkeit erklärt in Sanhedrin 6. ... Er verschaffte Recht dem Kläger, und wenn der Angeklagte nicht bezahlen konnte, dann ... bezahlte für ihn.
Noach Chaim Zwi war auch als Grammatiker bekannt, wie dies sein Lieblingsschüler Wolf Heidenheim mehrfach in seinem Werke erwähnt. Hier in Altona verfasste er das herrliche Werk Ma'yan ha-Chochma auf ..., worin wir sein umfassendes Wissen auf jedem Gebiete der Halacha bewundern müssen. Er schrieb auch viele Erklärungen auf Piutim, siehe in den Rödelheimer  Machsorim, wo bei dem zweiten Abend Pesuch auf den Pssut Or Jom Honef in seinem Namen die Erklärung beigedruckt. Da ihm Kindersegen versagt war, pflanzte er, wie er in seiner Vorrede zu Aze Arosim bemerkt, fünf Zedern in Israel, nämlich seine fünf Werke. In welch hohem Ansehen er stand, dürfte aus folgendem Brief hervorgehen. Rabbi Chajim Malasim, der hervorragendste Schüler des Gaon R. Elija Wilna, wandte sich in einer Anfrage Schaala an Noach Chaim Zwi am 5. Tamus 5561. Er spricht in diesem Schreiben seine Freude darüber aus, dass Friede und gutes Einvernehmen zwischen ihnen und Rafael Kohn herrsche. 'Früher', schreibt er ferner, 'wenn ich Fragen hatte, die ich mir nicht selbst beantworten konnte, schrieb ich meinem Lehrer R. Elija Wilna. Jetzt aber, wo ihn das Zeitliche gesegnet hat, habe ich keinen Lehrer mehr und zu wem der Großen und Heiligen in Israel soll ich mich wenden? Da bist Du ja, mein Freund und Lehrer, der hellleuchtende Stern des Wissens am Firmamente des Judentums. Daher richte ich an dich in der weiten Ferne meine Frage. (Siehe Alias Elija, Seite 36).
Interessant dürfte auch sein, dass der Chacham Isaak Bernays , später Rabbiner in Hamburg mit Noach Chaim Zwi in Mainz in Berührung kam. Als Isaak Bernays sieben Jahre alt war, so erzählt seine Ehrwürden Dr. S.P. Nathan, in Hamburg - sein Licht leuchte - wurde er in ... von ihm verhört, das er so vorzüglich für sein Alter kannte und verstand, dass er ihm den Chower-Titel dafür verlieh. Doch nur kurze Zeit war es ihm vergönnt, hier zu wirken. Am 17. Schwat 5562 (1802) schrieb er noch ein Gutachten für die großen Altonaer Machsorim (siehe dort abgedruckt). Er erkrankte und am 4. Adar Scheni 5562 (8. März 1802) schloss er sein ruhmvolles und arbeitsreiches Leben. Sein Werk Ma'yan ha-Chochmah war zu seinen Lebzeiten schon zur Hälfte gedruckt, und hatte Wolf Heidenheim seinem verehrten Lehrer die Druckbogen zur Korrektur bereits eingesandt. Der zweite Teil wurde von seinem Bruder Arje Löb Berlin in Kassel herausgegeben. Gedruckt in Rödelheim 1804, unter besonderer Aufsicht Wolf Heidenheimers. Ein gut erhaltener Grabstein in der Königstraße in Altona ziert sein Grab. 
Zadikim maaseihem hem toldotam usecharinam.   E. Duckeß, Klausrabbiner in Altona."
Anmerkungen: - Halachah: https://de.wikipedia.org/wiki/Halacha 
- Adar: https://de.wikipedia.org/wiki/Adar_(Monat)   
- Israel: (Hier) jüdische Gemeinschaft
- Dajan: https://de.wikipedia.org/wiki/Dajan
- Glückl Hammeln: https://www.dasjuedischehamburg.de/inhalt/glückel-von-hameln
- Rambam: Maimonides https://de.wikipedia.org/wiki/Maimonides
- Jeschiwo: https://de.wikipedia.org/wiki/Jeschiwa
- Cheschwan: https://de.wikipedia.org/wiki/Cheschwan
- Choschen Hamischpot: https://de.wikipedia.org/wiki/Choschen
- Bes din: https://de.wikipedia.org/wiki/Beth-Din
- Gaon: https://de.wikipedia.org/wiki/Gaon_von_Wilna      https://www.nzz.ch/feuilleton/eines-menschen-herrlichkeit-der-gaon-von-wilna
- Isaak Bernays:  https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Bernays   
- Jischuw: https://de.wikipedia.org/wiki/Jischuv
- Machsorim, Plural von Machsor:https://de.wikipedia.org/wiki/Machsor
- Tamus:  https://de.wikipedia.org/wiki/Tammus 
- Chacham Isaak Bernasis: https://de.wikipedia.org./wiki/Isaak_Bernays.   

   
   
Aus der Zeit von Rabbiner Leo Ellinger 
-  Siehe Bericht über seine Predigt beim Geburtstagsfest für den Großherzog 1841 (interner LInk)     
    
    
    
Bewerbungen um das Rabbinat in Mainz - die neue Synagoge ist alsbald fertig (1850)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Oktober 1850: "Mainz, im September (Privatmitteilung). Die Konkurrenz um das hiesige Rabbinat ist eröffnet und sehr tüchtige Männer wie Dr. Aub zu Bayreuth, Dr. Adler zu Alzey, Dr. Adler zu Kissingen, Dr. Formstecher zu Offenbach und mehrere andere haben sich teils angemeldet, teils werden sie in der Gemeinde gewünscht und die in baldiger Aussicht stehende Wahl beschäftigt alle Gemüter. Es ist auch nicht zu leugnen, dass die Besetzung dieser Stelle von großem Einflusse auf die Gestaltung der religiösen Verhältnisse hier und in der Umgegend sein wird und ist von unserem Gemeindevorstande zu erwarten , dass er umsichtig seine Wahl treffe, und im Interesse unserer Jugend, und um der Zukunft des Judentums willen, einen Mann anstellen werde, welcher die Anforderungen der Zeit begreift und den Mut hat, sie geltend zu machen. - Auch unsere neue Synagoge schreitet rasch ihrer Vollendung entgegen und wird in jeder Beziehung ein sehr herrliches Gotteshaus werden. Möchte dieser würdige Tempel in die Hände eines recht würdigen Volkslehrers kommen!"
Anmerkungen: - Dr. Aub: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Aub
- Dr. Adler, Alzey: https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Adler_(Rabbiner)  
- Dr. Adler, Kissingen: https://de.wikipedia.org/wiki/Lazarus_Adler
- Dr. Formstecher: https://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Formstecher  und http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?gnd=118988433        

    
Dr. Adler soll erster Rabbiner in Mainz werden, der bisherige Prediger und Religionslehrer Dr. Cohn zweiter Rabbiner ebd. (1852)   
Anmerkung: es kam doch nicht so, wie hier gemeldet wurde, da Dr. Lazarus Adler aus Bad Kissingen 1852 Rabbiner in Kassel geworden ist. Dafür kam Dr. Joseph Aub nach Mainz. Über den genannten Dr. Cohn liegen dem Webmaster noch keine weiteren Angaben vor.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Februar 1852: "Schließlich benachrichtige ich Sie, dass im benachbarten Mainz vor kurzem Herr Dr. Adler, bisher Rabbiner zu Kissingen, zum ersten und der bisherige Prediger und Religionslehrer Dr. Cohn in Mainz zum zweiten Rabbiner von Mainz von Seiner königlichen Hoheit dem Großherzog ernannt worden sind."
Anmerkung:  - Dr. Adler: https://de.wikipedia.org/wiki/Lazarus_Adler  
        

  
Rabbiner Dr. Joseph Aub wechselt nach Berlin (1866)    

Mainz Israelit 28031866.jpg (71193 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Mainz, den 25. März. Die israelitische Gemeinde zu Berlin hat dem ersten Rabbiner der bisherigen (Reform-) Gemeinde, Herrn Dr. Joseph Aub, die dort erledigte Predigerstelle übertragen.
Herr Dr. Aub, der vor seinem Amtsantritte in Mainz bereits 23 Jahre in dem bayerischen Städtchen Bayreuth fungiert hat, ist einer der ältesten Reformrabbinen. Schon im Jahre 1836 wollte er, wie ein in Altona herausgegebenes Blatt berichtete, bei Gelegenheit einer Synode das Sabbatgesetz bedeutend modifiziert wissen, und den Staatsangestellten erlauben, am Sabbat zu schreiben. In den wenigen von ihm edierten Schriften und Aufsätzen, spielt die Verhöhnung und Verspottung des Talmuds und der Talmudisten eine Hauptrolle."      

 
Zum Tod des früheren Mainzer Rabbiners Dr. Joseph Aub (1880 in Berlin)  
Anmerkung: im Unterschied zu der oben aus dem konservativ-orthodoxen "Israelit" zitierten Meldung mit einer grundsätzlichen Kritik an Rabbiner Dr. Aub, ist die Mitteilung aus der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" freundlich gegenüber Rabbiner Dr. Aub geschrieben.  

Baiersdorf AZJ 08061880.jpg (122787 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1880: "Berlin, 25. Mai (1880). So ist abermals ein Veteran des zeitgenössischen Rabbinismus heimgegangen! Am 22. verschied sanft Rabbiner Dr. Joseph Aub im 76. Lebensjahre. Geboren 1805 in Baiersdorf bei Erlangen, fungierte er zuerst als Rabbiner in Bayreuth (1829-1852), dann in Mainz und seit 1866 in Berlin, wo er vor einigen Jahren in den Ruhestand trat. Seine literarischen Arbeiten sind nicht umfänglich, zeugen aber von der Gesinnungstüchtigkeit und Sachkenntnis ihres Verfassers. Sie sind, wie seine 'Betrachtungen und Widerlegungen', 2 Hefte (1839) und spätere Broschüren polemischen Inhalts auf theologischem und staatsrechtlichem Gebiete. Im Jahre 1846 gab er eine Wochenschrift 'Sinai' heraus, die er jedoch bald wieder aufgab. Seine letzte Schrift, eine Religionslehre auf wissenschaftlichem Grunde, hat Wert. Aub gehörte zu der Schule der Reformer, welche bei aller Selbständigkeit doch die Reformen an das Herkommen und an Aussprüche der Talmudisten anzuknüpfen suchen. Er nahm an den Rabbinerversammelungen keinen Anteil, desto lebhafteren an den beiden Synoden, wo er als Referent tätig war. Bei allem Ernst seines Strebens hatte er einen humoristischen Zug, der ihm im geselligen Verkehre sehr liebenswürdig machte. - Gestern Vormittag fand die Beerdigung statt. In der großen Synagoge unter Teilnahme einer die weiten Räume dicht füllenden Menge, des gesamten Gemeindevorstandes, Deputationen aus Leipzig und Mainz sowie Mitglieder beider städtischen Behörden, hielt Dr. Frankl die Leichenrede, während Dr. Ungerleider das Gebet auf dem Friedhof vortrug."      

    
25-jähriges Jubiläum von Rabbiner Dr. Sigmund Salfeld als Rabbiner der Mainzer Religionsgemeinde (1905)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1905: "In Mainz feierte am 2. d. M. Herr Rabbiner Dr. Salfeld unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Rabbiner in Mainz und des Mainzer Bezirks. Für den 5. d. J. ist ein Festgottesdienst und für den 6. ein Bankett geplant. Bericht folgt."      
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Mai 1905: "Mainz, 11. Mai. Wie wir bereits berichteten, feierte am 2. d. M. Herr Rabbiner Dr. Salfeld das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit als Rabbiner der Mainzer Religionsgemeinde. Die Beteiligung an der Feier war eine allgemeine. Dem Jubilar wurden von allen Seiten, von Privaten, Behörden und Vereinen teils mündliche, teils schriftlich zahlreiche Glückwünsche dargebracht. Den Reigen der Gratulationen eröffnete der in corpore erschienene Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Ihr Präzes, Justizrat Dr. F. Ph. Mayer, gab einen Rückblick auf das segensreiche Wirken des Jubilars und überreichte ein Ehrengeschenk der Gemeinde. Es folgten dann die Ansprachen der Deputationen von Vereinen. Für den großen Krankenpflegeverein d. ä. sprach Herr Karl Heidenheimer, für die Rhenus-Loge Herr Martin Mayer-Ganz, für den Verein zur Beschränkung des Wanderbettels und den Hospitalverein Herr Eduard Simon. Herr Karl Marx aus Alsheim, der Rektor der hessischen Lehrerschaft, schilderte die Verdienste des Jubilars um die Verbesserung der Lage der israelitischen Lehrer des Landes und sein erfolgreiches Wirken als Vorstandsmitglied des Vereins zur Heranbildung und Unterstützung jüdischer Seminaristen im Großherzogtum. Für das Lehrerkollegium der Religionsschule gab Kantor Nußbaum der Verehrung und Anhänglichkeit beredten Ausdruck. Nachdem noch mündlich und schriftlich von den Behörden, den Direktoren der höheren Lehranstalten, der christlichen Geistlichkeit, dem Kaufmännischen Verein, der Großloge für Deutschland, der Nassauloge in Wiesbaden und andere, dem Journalisten- und Schriftstellerverein, dem Mainzer Männergesangsverein, dem deutsch-israelitischen Gemeindebund, von wissenschaftlichen Vereinigungen, dem Verband der Literaturverein und von anderen Wünsche dargebracht und die Wohnung des Jubilars durch Geschenk und Blumenspenden überreich geschmückt war, erschienen am Nachmittag die Amtsbrüder Dr. Salfelds, in deren Namen Dr. Stein - Worms eine meisterhafte Ansprache hielt und ein kostbares Kunstwerk, eine silberne Hawdalabüchse, deren Zweck er geistreich gedeutet hatte, dem Gefeierten überreichte. Nach ihm sprach Dr. Lewit – Alzey im Namen des heutigen Rabbinerverbands. Auch die auswärtigen Religionsgemeinden fehlten nicht unter den Gratulanten. Dass die Ehrungen wohlverdiente sind, bezeugt folgendes Schreiben, aus dem wir einen Auszug mitteilen: 'Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner schreibt:‘Am heutigen Tage sind es 25 Jahre, daß Sie das Rabbinat der Mainzer israelitischen Religionsgemeinde inne haben. Mit Stolz und Genugtuung dürfen Sie auf diese lange, stets der ernsten Arbeit und treuesten Pflichterfüllung gewidmete Dienstzeit zurückblicken, die zwar reich an Mühen und Sorgen gewesen, der aber auch der Erfolg und die Anerkennung nicht gefehlt haben. Nicht allein haben Sie in der Ausübung Ihres geistlichen Amtes die segensreiche Wirksamkeit entfaltet, Ihr milder und versöhnlicher Sinn hat auch wesentlich zur Erhaltung von Frieden und Eintracht unter den Bekennern der verschiedenen Konfessionen beigetragen. Dem Bedrängten und Notleidenden waren Sie jederzeit ein warmer Freund und Berater. Eine Reihe von Vereinen schätzten in Ihnen ihren Gründer und werktätigen Mitarbeiter. Der städtischen Verwaltung haben Sie als Mitglied des Schulvorstandes und Erziehungsbeirates besonders nahegestanden, beide Körperschaften haben auf Ihre Mitarbeit jederzeit den größten Wert gelegt und wir geben uns gern der Hoffnung hin, daß Sie uns mit Ihren reichen Erfahrungen auf dem schwierigen Gebiete der Jugenderziehung und Jugendfürsorge auch fernerhin zur Seite stehen werden.' Am Abend des Jubiläumstages fand eine würdige, schliche Feier in der Rhenus-Loge und am 5. d(es) M.(onats), ein Festgottesdienst in der Synagoge statt.
Anmerkungen:  -  Rabbiner Dr. Salfeld: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_Salfeld   http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=1537
- Justizrat Dr. F.Ph. Mayer: Link zu Artikel zur Wahl Mayers zum Beigeordneten in Mainz
- Karl Heidenheimer: Link zu einem Bericht zum Tod von Karl Heidenheimer
- Großloge für Deutschland: https://archives.cjh.org/repositories/5/resources/16181 
- Dr. Stein: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Stein_(Rabbiner)   
- Rabbiner Dr. Sali Levi: https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/levi-sali.html            

 
70. Geburtstag von Rabbiner Prof. Dr. Sigmund Salfeld (1913)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1913: "Herr Rabbiner Professor Dr. Salfeld in Mainz begeht am 24. dieses Monats seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubeltag wird, wie uns mitgeteilt wird, von der dankbaren Gemeinde in feierlicher Weise begangen werden."     


Einführung von Rabbiner Dr. Sali Levi als Nachfolger von Rabbiner Prof. Dr. Salfeld (1918)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. August 1918: "Mainz, 26. Juli. Am vergangenen Freitagabend fand in der Hauptsynagoge die feierliche Einführung des für den in Ruhe getretenen Prof. Dr. Salfeld neugewählten Rabbiners Prof. Dr. Levy statt. Nach dem feierlichen Einzug in das Gotteshaus gruppierte sich der Gemeindevorstand und die Vorbeter um den Rabbiner. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Kommerzienrat Bernh. Albert Mayer, begrüßte den neuen Seelsorger im Namen des Vorstandes und der altehrwürdigen Gemeinde Mainz, indem er auf ihre tausendjährige Geschichte und die berühmten Gelehrten hinwies, die in der Gemeinde gewirkt haben. Er sprach die Hoffnung aus, dass es dem neuen Rabbiner gelingen möge, sich die Liebe und Verehrung der Gemeindemitglieder in demselben Maße zu erringen, wie dies bei seinem Vorgänger, dem allgemein hochgeschätzten und verehrten Herrn Prof. Dr. Salfeld in so überaus reichem Maße der Fall gewesen wäre. Möchten sich alle Hoffnungen erfüllen, die die Gemeinde auf ihn setze! Herr Dr. Levy antwortete, er sei sich bewusst, welch schweres Amt er in einer Gemeinde übernehme, in der vor ihm Geistliche gewirkt, deren Ruhm und Ansehen in der ganzen Welt leuchteten. Wenn Gott ihm die Kraft verleihe, wolle er sie anwenden zum Wohle dieser Gemeinde und ihrer Mitglieder. Das gelobe er an dieser Stelle und in dieser Stunde in die Hand der Vorstandsmitglieder vor versammelter Gemeinde. Hierauf hielt der neue Rabbiner seine erste Predigt, die nach Form und Inhalt, wie in rhetorischer Beziehung gleich vollendet war und die Gemeindemitglieder überaus befriedigte. Der neue Seelsorger der 'israelitischen Gemeinde' besitzt ein sehr sympathisches, volltönendes Organ, ist von großer repräsentabler Erscheinung und besitzt alle Eigenschaften, die eine ideale Führung seines Amtes voraussetzt."
Anmerkungen:  - Rabbiner Dr. Salfeld: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_Salfeld
-  Rabbiner Dr. Sali Levi: https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/levi-sali.html
-  Bernhard Albert Mayer: https://www.geni.com/people/Bernhard-Mayer/6000000031492887587
        

   
Goldene Hochzeit von Prof. Dr. S. Salfeld und seiner Frau (1920)          

Mainz AZJ 30011920.jpg (263528 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Januar 1920: "Mainz, 28. Januar. Wie bereits mitgeteilt, beginnen am Sonntag, den 18. dieses Monats Herr und Frau Professor Dr. S. Salfeld das Fest der goldenen Hochzeit, nachdem am 4. bereits das goldene Doktorjubiläum des Herrn Salfeld vorausgegangen war. Viele Ehrungen häuften sich bei diesen Gelegenheiten auf das ehrwürdige Haupt des Jubilars sowie der Jubilarin. Am Samstag, den 17. Januar, fand in der Synagoge eine religiöse Feier statt. Unter dem Chorgesang 'Gesegnet sei, der da kommt' wurde das Jubelpaar begrüßt und zu ihren mit Girlanden geschmückten Sitzen geleitet. Nach dem Vortrag eines Psalms durch Herrn Kantor London, sprach Herr Rabbiner Dr. Levi ein Gebet für das Paar und hielt darauf eine Rede über den Namen Gottes. Anknüpfend an diese formvollendete und tiefeindringliche Rede wandte er sich mit herzlichen Worten an das Jubelpaar, das daraufhin näher trat und mit dem alten Priestersegen 'Der Herr segne dich' eingesegnet wurde. Schon am Freitag und Samstag zeigte sich die treue Anhänglichkeit der Gemeindemitglieder, die durch Besuche, Blumenspenden und Geschenke aller Art ihrer unentwegten Treue Ausdruck gaben. Ein ganz besonders feierlicher Akt stand am Sonntagnachmittag in der Wohnung des Jubelpaares statt. Die Wohnung konnte die Gäste nicht fassen. Seitens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde begrüßte Herr Kommerzienrat Bernhard Albert Mayer in herzlicher Weise die Jubilare, worauf Herr Dr. Salfeld in längerer Rede erwiderte. Herr Rabbiner Dr. Levi, begleitet von den Lehrern und Gemeindevorständen des Rabbinatsbezirkes Mainz - Oppenheim überreichte nach warmherziger Ansprache eine Urkunde über eine reiche Siegmund-und-Zippora-Salfeld-Stiftung, die den Zweck hat, die Namen des Jubelpaares dauernd ehrend zu erhalten. Die Zinsen dieser Stiftung, welche den Betrag von 12.000 Mark bereits übersteigt, sollen alljährlich am 18. Januar zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichts des Lehrverstandes oder des geistigen Lebens im Rabbinatsbezirk Mainz-Oppenheim Verwendung finden.Vertreter sämtlicher Vereine der Israelitischen Religionsgemeinde gratulierten persönlich. Von auswärts kamen Glückwunschschreiben von den großen Vereinen der deutschen Judenheit, des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, des Verbandes Deutscher Juden, des Hilfsvereins, des Gemeindebundes, des Rabbinerverbandes, des hessischen Lehrervereins, der Wormser Gemeinde, der Großloge von Deutschland, des Mainzer Journalisten- und Schriftstellervereins und vieler anderer. Auch die Nachbargemeinden Frankfurt und Wiesbaden u.a. sandten Glückwünsche. Die Zahl der Depeschen und brieflichen Glückwünsche hat bereits die Zahl Tausend überschritten. Die überaus reichlichen Ehrungen legen beredtes Zeugnis ab von der Verehrung, welche sich das Jubelpaar im Verlaufe von nahezu 40 Jahren allerseits hier erworben hat. Die Universität Tübingen bestätigte in einem überaus herzlichen Schreiben die Doktorwürde des Jubilars. Herr Staatsrat         
Mainz AZJ 30011920a.jpg (160395 Byte)Dr. Hermann Cohn aus Dessau sandte ein Glückwunschschreiben, dem wir, nach einer Einleitung über das Leben des jungen Ehepaares Salfeld, Folgendes entnehmen: 'Keiner Ihrer Amtsnachfolger wurde wie Sie Stadtverordneter; die Gemeinde verlor mit Ihnen die Verbindung mit dem öffentlichen, dem geistigen Leben der Stadt, eine Lücke, die sich lange nicht schließen sollte. Denn leider für uns, zum Glücke für Sie, bald nahm die altberühmte Mainzer Gemeinde Sie aus unserem Kreise, und in Mainz nahm Ihre Tätigkeit in Praxis und Wissenschaft, als Redner, Seelsorger, Religionslehrer, Historiker, den Aufstieg, der Sie zu einer der bewundertsten und populärsten Kanzelgrößen des deutschen Judentums gemacht hat. Unter den Geistesgrößen der alten Dessauer 'Kehillah' steht Ihr Name auf eherner Tafel eingegraben, als Ihr Vorsteher danke ich Ihnen für die Treue, die Sie uns jederzeit bewahrt haben. Als Mensch und Freund danke ich Ihnen für all die Anregungen, die ich in Ihrem Hause und bei Ihren Kindern finden durfte, für alle Beweise von Anhänglichkeit und Freundschaft, die Sie und die Ihren mir stets entgegengebracht haben. Gott verleihe Ihnen und Ihrer Gattin noch lange Jahre der Gesundheit, des Glückes und der Ehre im Kreise der lieben Ihren, das ist der meinen und mein innigster Wunsch!' Nicht minder herzlich und ehrenvoll lautet das Schreiben, welches der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zugehen ließ, und in welchem der großen Verdienste aufgezählt werden, welche sich der Herr Dr. Salfeld um die Gemeinde erworben hat. Wir schließen uns mit vollem Herzen dem Glückwunsch an den Hofrat Professor A. Börckel zugleich im Namen seiner Gattin dem Jubelpaare gewidmet hat:  
'Wohl jeder, der wie wir Euch kennt,
Denn immer fiel in sie hinein,
Der Nächstenliebe goldner Schein,
Und stiegen manchmal Wolken auf,
Gleich schien die goldene Sonne drauf.
Und golden war, was Ihr erdacht
An edlen Werken und vollbracht.
Drum blieb Euch auch der Himmel hold.
Und wird Euch Lob und Dank gezollt,
An Eurem goldnen Jubeltage,
Denn 'golden' seid Ihr ohne Frage.'" 
Anmerkung:  - Prof. Dr. Salfeld: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_Salfeld
- Kantor London: Max London https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de918271
- Rabbiner Dr. Sali Levi: https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/levi-sali.html
- Priestersegen: https://de.wikipedia.org/wiki/Aaronitischer_Segen
- Bernhard Albert Mayer: https://www.geni.com/people/Bernhard-Mayer/6000000031492887587
- Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: https://de.wikipedia.org/wiki/Verband_nationaldeutscher_Juden
- Verband Deutscher Juden: https://de.wikipedia.org/wiki/Verband_nationaldeutscher_Juden
- Professor A. Börckel: https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Börckel 
 
 
Mainz FrfIsrFambl 06021920.jpg (15173 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Februar 1920: "Mainz. Rabbiner a. D. Prof. Dr. Siegmund Salfeld und Frau waren anlässlich ihrer goldenen Hochzeit der Gegenstand überaus großer Ehrungen."     

 
Beitrag von Rabbiner Dr. Sali Levi zum Heimatrecht der deutschen Juden auf Grund zahlreicher Belege (1926)   

Mainz CV Monat Okt 1926.jpg (406175 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Monatsschrift) vom Oktober 1926: "Die Steine reden.
Tausendjährige Belege für das Heimatrecht der deutschen Juden – Die Grabinschriften der ituräischen Kohorten – Um 1000 schon jüdische Gelehrte auf deutscher Erde – In Mainz die durch Unruhen in früheren Jahrhunderten verlorenen Grabsteine aufgefunden – Am 3. Oktober auf dem 'Judensand' neu aufgestellt – Zahlreiche Denkmäler von 1000 bis 1420 – Sarlin und Merlin – Neue Zeugen für unser Recht

Urkunden sind die wichtigsten Quellen für geschichtliche Forschungen. Über die Frühzeit jüdischer Siedlung auf deutschem Boden sind uns aber urkundliche Belege kaum erhalten geblieben. Zwar verdienen die zahlreichen Grabinschriften römischer Soldaten und Veteranen, welche in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten im römischen Kolonialgebiet Galliens und Germaniens beigesetzt wurden, noch die Durchprüfung unter diesem Gesichtspunkt und man fände hierbei vielleicht – besonders bei den ituräischen Kohorten – manchen Träger eines jüdischen Namens. Immerhin bleibt weit über ein halbes Jahrtausend nach dem Ende der Römerherrschaft für die Geschichte der Juden in Deutschland vollkommen dunkel und was wir über die Zeit des neunten und zehnten Jahrhunderts erfahren, ist zum Teil als unhaltbar erwiesen oder doch zweifelhaft.
Um die Mitte des zehnten Jahrhunderts beginnt das Dunkel sich zu lichten; in den Rheingegenden, wo das Deutschtum sich zuerst herausgebildet hat, treten jüdische Gelehrte und Führer hervor, von deren umfassendem Wissen und überragender Bedeutung die Tatsache Zeugnis ablegt, dass man ihre Arbeiten und Entscheidungen in den folgenden Jahrhunderten immer wieder zitiert und bis auf den heutigen Tag als maßgeblich betrachtet. Namen, wie die der Kalonymiden, eines Rabbenu Gerschom, eines Simon ben Isaak, eines Jacob bar Jakar, dieses Raschilehrers, um nur einige wenige zu nennen braucht der Kenner nur zu hören, um sofort die ganze fruchtbare und unabsehbar einflussreiche Zeit jüdischer Hochschulen auf deutschem Boden und das Jahr 1000 vor Augen zu sehen. Diese Männer und ihre großen Zeitgenossen, die wir hier nicht alle aufzählen können, strömten die Tiefe des Wissens und die Kraft des Glaubens in die nahe und ferne Umgebung aus, sodass die Heimsuchung der Kreuzzugszeit bei aller Vernichtung der Gemeinden am Rhein die jüdische Gemeinschaft nicht wankend fand.
Die Schriften dieser ältesten, geschichtlichen jüdischen Persönlichkeiten auf deutschem Boden kennen wir nur aus zitierten Bruchstücken, wie Häuser, in welchen sie lehrten, die Synagogen, in welchen sie beteten, sind verschwunden, aber die Grabsteine einer Anzahl dieser Größen sind uns erhalten. Die Schwestergemeinde Worms zeigte schon immer den alten Friedhof, in dessen Erde große Führer Israels schlummern; aber in unserer Gemeinde Mainz waren um die Mitte des 15. Jahrhunderts bei einem Kampf um die Kurfürstenwürde zwischen Diether von Isenburg und Adolf von Nassau nach der Ausweisung der Juden aus der Stadt die uralten Grabsteine verschleppt und beim Bau von Festungswerken verwendet wurden. In den letzten Jahrzehnten kamen sie bei der Niederlegung verschiedener Bauten und bei Ausschachtungen wieder zum Vorschein und seit dem denkwürdigen 3. Oktober dieses Jahres künden diese alten Steine, nachdem wir sie von der Stadtverwaltung zurückerhalten und auf dem alten 'Judensand' wieder aufgestellt hatten, in aller Öffentlichkeit von unseren alten Vätern auf deutscher Erde.
Die ältesten Steindokumente über deutsche Juden befinden sich darunter, Dokumente, die bis in die Zeit vor dem ersten Kreuzzug zurückreichen. Stark in ihrer Schlichtheit sprechen diese Felsstücke mit kurzen Worten zu uns; so heißt es auf dem Stein jenes Enkels des Mose Hasaken: 'Hier ward begraben unser Meister, der Lehrer Meschullam, der Sohn unseres Meisters, der Lehrer Kalonymos, seine Seele sei eingeflochten in den Bund des Lebens.' Und auf dem gedrungenen Steine, den ich als Denkstein für Rabbenu Gerschom bar Jehudah ansehen möchte, finden sich die Worte. 'Ein Fels wurde gebrochen zum Gedenken an Rabbi Gerschom, Sohn des … (die Leuchte des Exils?)'. 'Dies ist das Grab unseres Meisters, des Lehrers Simon bar Isak, seine Seele gehört dem ewigen Leben', so lesen wir auf dem dritten Steine. Meschullam lebte wohl vor dem Jahre 1000. Die erste Judenverfolgung in Deutschland im Jahr 1012. Rabbi Simon beschwichtigte durch seinen Einfluss die furchtbare seelische und körperliche Not seiner Leidensgenossen, Rabbenu Gerschoms Sohn ward geraubt und zwangsweise getauft. Erschütternde Klagelieder dieser beiden Männer über diese Zeit sind uns erhalten.
So reiht sich Stein an Stein aus der Zeit von etwa 1000 bis 1420. Durch ihre kurzen hebräischen Inschriften sind sie wuchtige, zu jedem Herzen sprechende Zeugen alter Zeit. Die ältesten Steine stammen aus der Zeit, wo man begann, den alten Mainzer Dom zu bauen und sind so auch Denkmäler allgemein deutschen Kulturlebens für eine Zeit, aus der uns nicht viele Originale erhalten geblieben sind. In diesen hebräischen Inschriften steckt tiefes jüdisches Empfinden, das in deutschen Formen Ausdruck sucht. Wenn wir da, besonders im dreizehnten Jahrhundert, Frauennamen wie Sarlin und Merlin, das ist Saralein und Mirjamlein, das letztere vielleicht auch vom mittelhochdeutschen 'Merl '= Amsel oder Amselein) finden, so sehen wir, jedenfalls aus den Koseendungen, wie die deutsche Sprache in den jüdischen Häusern lebte und die innige Verbundenheit zwischen Mann und Weib und zwischen Eltern und Kindern zum Ausdruck brachte. Namen wie Bruna (die Braune) oder Schona (die Schöne), wie Meitin (die Maid, Jungfrau) und Edlin (die Edle) sind mittelhochdeutsche Frauennamen, die – obwohl noch das Judentum seinen Mangel an schönen biblischen und nachbiblischen Eigennamen hatte- aus eigenem Entschluss, von jüdischen Eltern für ihre Kinder gewählt waren und so die Verbundenheit des deutschen Juden im frühen Mittelalter mit dem Deutschtum dokumentieren. Denn Juden war das Namengeben nie eine leere Formsache, in dne Namen, welche jüdische Eltern ihren Kindern gaben, legten sie von den ältesten Zeiten an ihr ganzes Empfinden, Glauben, Hoffen und Sehnen.
Wenn sich während des Krieges tief in Litauen drin noch Familien fanden, welche Namen wie 'Magenza' (alte Form von Moguntia = Mainz) und 'Bacharach' trugen, so war dies nicht etwa eine willkürliche Namensgebung oder eine Namenserhaltung aus stumpfer Trägheit, sondern diese Familien wussten und bekannten, dass ihre Vorfahren in schwerer Verfolgungszeit aus den rheinischen Gegenden hatten flüchten müssen und erhielten in ihren Namen das treue Gedenken an die alte Heimat.
'Saxa loquuntur', 'diese Steine reden' können wir darum von den in der Öffentlichkeit wieder aufgestellten Grabsteinen sagen. Sie redeten nicht nur vom Tode der Männer und Frauen, deren Namen sie enthalten, sie reden auch von ihrem Leben. Neue Zeugen sind uns erstanden für unser Recht in unserem beklagenswerten Kampf, in unserem Kampf um unser Recht auf unsere deutsche Heimat.  Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz).
Anmerkungen:  -  Ituräische Kohorten. https://de.wikipedia.org/wiki/Ituräa
-  Arabische Auxiliareinheiten https://de.wikipedia.org/wiki/Itura
- Kalonymiden:https://de.wikipedia.org/wiki/Kalonymiden
- Rabbenu Gerschom: https://de.wikipedia.org/wiki/Gerschom_ben_Jehuda   https://schumstaedte.de/entdecken/memorstein-fuer-gerschom-ben-jehuda/
- Jacob bar Jakar: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_ben_Jakar
- Raschi: https://de.wikipedia.org/wiki/Raschi
- Diether von Isenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Diether_von_Isenburg
- Adolf von Nassau: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_II._von_Nassau
- Meschullam:https://de.wikipedia.org/wiki/Meschullam_ben_Kalonymos
- Kalonymos: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalonymos_ben_Meschullam  
     
- über den Verfasser des Artikels: Sali Levi: https://de.wikipedia.org/wiki/Sali_Levi   https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/biographien/levi-sali.html   http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=2350  https://www.lbi.org/griffinger/record/242021        

 
 
 
Aus der Geschichte der Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft  
Zum Tod von Sophie Bondi geb. Epstein, Gattin von Rabbiner Samuel Bondi (1871)     

Mainz Israelit 26051871.jpg (172378 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1871: "Nekrolog
Mainz, 21. April. Mit tiefbewegtem Herzen sind wir heute in die traurige Lage versetzt, den geehrten Lesern eine höchst schmerzliche Nachricht mitzuteilen. Frau Sophie Bondi, die Gattin des weitberühmten Rabbi Samuel Bondi sein Licht leuchte, die Schwiegermutter des Herausgebers dieser Blätter ist nicht mehr; wir haben sie gestern zur letzten Ruhestätte geleitet. Was namentlich unsere Familie in dieser edlen, frommen Frau, einer wahrhaften Eschet Chajil (sc. 'wackere Frau' nach Sprüche 31) verloren, weiß ein Jeder zu beurteilen, der die Dahingeschieden kannte.
Frau Sophie Bondi sie ruhe in Frieden, die Tochter des in seiner Zeit rühmlichst bekannten Rabbi Meyer Epstein das Gedenken an den Gerechten sei zum Segen von Fulda  wurde schon als achtzehnjähriges Mädchen mit ihrem um wenige Jahre älteren, edlen Gatten vermählt, mit dem sie fünfundfünfzig Jahre in ungetrübtem ehelichen Glücke, in aufopferungsvoller, hingebender Liebe gelebt hat. Wie sie im Vereine mit ihrem unvergleichlichen Gatten G'tt vermehre seine Tage und seine Jahre ihre Söhne und Töchter erzogen, wie sie mit der größten Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt, den Pflichten unserer heiligen Religion nachgekommen, in wie hohem Maße sie die großen Tugenden von Wohltätigkeit, Gastfreundschaft usw. übte, das entzieht sich jeder Schilderung, jeder Beschreibung.
Auf die Trauerstunde hin waren Söhne, Töchter, Schwiegersöhne, Enkel und Enkelinnen, sowie zahlreiche andere Verwandte aus der Nähe und Ferne herbeigeeilt, um der so Tiefbetrauerten das Geleit zum letzten Gange zu geben und so wurde sie denn, selbstverständlich auch unter Beteiligung fast der ganzen hiesigen Gemeinde, unter heißen Tränen zur Ruhe bestattet.
Der Schmerz der Hinterbliebenen ist um so größer, da eine vor wenige Wochen von der Hand des Allgütigen geschlagene Wunde noch nicht vernarbt ist; Sonntag, den 26. März, verschied nämlich die Gattin unseres Schwagers Bertram Bondi, Frau Rosalie Bondi seligen Andenkens geborene Hechinger, aus Harburg in Bayern nach nur kurzem Krankenlager an einem typhösen Fieber. Die Tiefbetrauerte wurde nach nur sechsjähriger, überaus glücklicher Ehe in noch jugendlichem Alter, man kann sagen, in der Fülle der Gesundheit und Kraft, dahingerafft. Drei kleine Kinder, von denen das jüngste erst wenige Monate zählt, haben in ihr die zärtliche Mutter verloren, auch sie war eine Eschet Chajil, die Freude und das Glück ihrer erst vor Jahresfrist verwitweten Mutter.
Möge der allgütige Gott - gepriesen sei er - alle Betrübten trösten und die Tränen trocknen von jeglicher Wange. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

 
Zum Tod von Rabbi Samuel Bondi (1877)     

Mainz Israelit 28111877.jpg (105838 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1877: "Mainz, 25. Nov. Wir haben heute eine höchst betrübende Mitteilung zu machen. Rabbi Samuel Bondi sein Licht leuchte, durch seine tiefe und ausgebreitete talmudische Gelehrsamkeit wie durch seine innige Frömmigkeit in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannt, ist nicht mehr. Gestern Abend 9 Uhr, am Ausgang des Schabbat mit der Paraschah wajischlach, hauchte er seine reine Seele aus, in einem Alter von 83 Jahren und 8 Monate. Seine Kinder, Enkel und Urenkel beweinen den Verlust ihres unvergesslichen geliebten Vaters, der Herausgeber dieser Blätter, den Heimgang ihres teuren Schwiegervaters und verehrten Lehrers, die israelitische Religionsgesellschaft zu Mainz den Tod ihres Begründers und ersten Vorstehers, der mit wahrhafter Aufopferung und unermüdlicher Hingebung seit einem Vierteljahrhundert ihre Interessen vertreten, die Stadt Mainz den Heimgang eines ihres geachteten Bürger, und ganz Israel den Verlust eines Mannes, welcher der Gesamtheit zur Zierde gereichte. (hebräisch und deutsch:) wehe, es ist gefallen, die Krone unseres Hauptes! Es ist uns nicht möglich, heute mehr zu schreiben. Wir werden in den nächsten Nummern ausführlich von dem reichen Leben des teuren Verblichenen erzählen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Anmerkung:  - Rabbi Samuel Bondi: https://www.geni.com/people/Samuel-Bondi/6000000003639961105
         

   
Beisetzung von Rabbi Samuel Bondi (1877)    

Mainz Israelit 28111877c.jpg (210927 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1877: "Mainz, 26. November. Heute fand unter überaus zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis unseres verehrten, unvergesslichen Schwiegervaters - seine Seele leuchte - statt – es war ein Conduct, wie er hier noch nicht gesehen worden; circa 2.000 Menschen aus allen Ständen und Konfessionen folgten der Leiche. Die vornehmsten Bürger unserer Stadt, der Bürgermeister an der Spitze, die Rabbinen und Vorsteher der Gemeinde sowohl wie auch der Religionsgesellschaft, die Lehrer und Schüler des Gymnasiums und der Realschule, die Israeliten von Mainz fast ohne Ausnahme, sowie zahlreiche Fremde: Von Berlin, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Halberstadt, Darmstadt, Wiesbaden, Bingen, Fulda, Marburg, Biebrich, Biblis, Mosbach sowie von den in der Nähe befindlichen kleineren Ortschaften bildeten das zahlreiche Gefolge, welches dem allverehrten Manne die letzte Ehre erweisen wollte. Heute Vormittag eröffnete Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin die traurige Feier mit tief ergreifendem Hesped (Traueransprache). Im Trauerhause sprachen noch Herr Moritz Lewin aus Frankfurt a. M., Herr Leo Leser von hier und ein Sohn des Betrauerten, Herr Hugo Bondi. Punkt 11 Uhr setzte sich der imposante Zug in Bewegung. Auf dem Friedhofe entrollte der Herausgeber dieser Blätter ein Lebensbild des Betrauerten oftmals von dem lauten Schluchzen der zahlreichen Menge unterbrochen. Dann sprach Herr Dr. M. Hirsch aus Frankfurt, der Sohn des Rabbiner Hirsch, der leider durch Unwohlsein verhindert war, selbst zu kommen, verhindert war. Darauf sprach Herr Rabbiner Dr. Auerbach aus Halberstadt. Noch viele der Anwesenden hätten gerne ihrem Schmerze Ausdruck gegeben, wenn nicht die Zeit zu weit wäre vorgerückt gewese. Außer den Genannten waren noch folgende Rabbinen und Rabbinatassessoren anwesend: Dr. Cahn – Wiesbaden, Dr. Fromm – Frankfurt a. M., Dr. Sänger – Bingen, Dr. Munk – Marburg, Dr. Cahn – Fulda, Bamberger – Frankfurt a. M., Weil und Thalmann – Karlsruhe, Sulzbach – Darmstadt; auch waren fast sämtliche Vorsteher der israelitischen Religionsgesellschaften zu Frankfurt a. M., Darmstadt, Wiesbaden und Bingen erschienen. Heute Abend brachten alle hier erscheinenden Zeitungen Nekrologe, welche der allgemeinen Wertschätzung Ausdruck verliehen. Wir behalten uns vor, eine ausführliche Biographie des teuren Heimgegangenen in den nächsten Nummern zu veröffentlichen."
Anmerkungen: -  Religionsgesellschaft: https://de.wikipedia.org/wiki/Orthodoxe_Synagoge_Mainz  
Rabbiner Dr. Hildesheimer: https://de.wikipedia.org/wiki/Esriel_Hildesheimer    
Hugo Bondi: https://www.geni.com/people/Hugo-Bondi/6000000002954027226   
Rabbiner Dr. Fromm: https://www.lagis-hessen.de/pnd/1140052071
Rabbiner Dr. Sänger: Rabbiner Dr. Hirsch Naphthtali Zwi Sänger, 1843 Buttenwiesen – 1909 Mergentheim
Rabbiner Dr. Munk: https://www.alemannia-judaica.de/marburg_texte.htm#Nachruf zum Tod von Rabbiner Dr. Leo Munk (1917)      
Rabbiner Dr. Auerbach: Rabbiner Dr. Siegmund Auerbach, 1840 - 1901.          

     
Zum Tod von Rabbi Samuel Bondi (I, 1877)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1877: "Rabbi Samuel Bondi - er ruhe in Frieden.  Mainz, 27. November
Der große und bedeutende Mann, den unsre Überschrift nennt, wurde am Purimfeste des Jahres 5554 (d.h. 14. Adar II 5554 = 16. März 1794), geboren. Sein Vater, Rabbi Jonah Bondi, war aus Dresden, wohin dessen Vater, Rabbi Wolf Bondi, von Prag gezogen war. Rabbi Jonah war ein geborener Prager, ein hervorragender Schüler des berühmten Rabbi Jecheskel Landau; noch ist in unserem Besitze der erste Teil des Noda bi-Jehuda, den der Verfasser seinem Lieblingsschüler verehrt und mit einer eigenhändigen Widmung versehen hat. Rabbi Jonah war nicht nur ein großer Lamdan, sondern im wahrhaftesten Sinn des Wortes ein großer Heiliger; zu seinen Ahnen zählte er die hervorragendsten Männer unserer Nation. Den Verfasser des kikion diunah (???), den Maharschal (Rabbi Schelomo Lurja), Raschi (Rabbi Schelomo Jizchaki) und eine Familientradition führt den Stammbaum der Familie auf König David zurück. Die Mutter der teuren Dahingeschiedenen, Bella, war eine Tochter des weltberühmten Mainzer Oberrabbinen Rabbi Herz Scheuer, dessen Vater Rabbi Tewele Scheuer, ebenfalls daselbst Oberrabbiner gewesen. Rabbi Tewele war ein geborener Frankfurter, einer der bedeutendsten Schüler des Maharich (???); er wurde später als der große Verfasser des Penei Jehoschua Frankfurter Rabbiner war, Dajan in seiner Vaterstadt und ward dann zum Nachfolger seines Schwiegervaters, Rabbi Nathan Utitz, als Rabbiner nach Bamberg berufen. Von Rabbi Nathan Utitz möge hier ein Charakterzug erzählt werden. Derselbe hatte außer seiner, später mit Rabbi Tewele vermählten Tochter, einen einzigen Sohn, einen hoffnungsvollen Knaben von acht Jahren. Als dieser einst mit seinem Lehrer spazieren ging, begegnete ihm ein Priester, welcher die Embleme der katholischen Religion trug. Die den Priester begleitende Menge wollte die beiden Juden zwingen, niederzuknien. Der Lehrer gehorchte, der Knabe erlitt lieber den Tod. Als man die          
Mainz Israelit 05121877b.jpg (363977 Byte)Leiche des Kindes nach Hause brachte, saß der Rabbiner in seinem Studierzimmer, in dem sich auch ein heiliger Schrein mit einer Torarolle befand. Als der Vater die verstümmelte Leiche seines einzigen Sohnes erblickte, riss er die Türe des Aron hakodesch auf und rief: 'Allmächtiger Gott, ich danke Dir, dass Du mich so hoch beglückst, dass mein Sohn hat hingegeben sein Leben zur Heiligung Deines großen Namens.'
Rabbi Tewele hatte in Bamberg einen großen und schönen Wirkungskreis; Bamberg war damals eine namentlich durch Torakenntnis ausgezeichnete Gemeinde, allein die Verfolgungen eines Apostaten (Meschumar - getaufter Jude) verbitterten ihm das Leben. Der Apostat wurde nicht müde, bei der fürstbischöflichen Regierung den Rabbiner zu verleumden, damals ereignete sich die weltberühmt gewordene Geschichte, dass der Apostat es als ein Verbrechen dargestellt hatte, dass der Rabbiner am Weihnachtsabend mit seinen Schülern Karten spiele. Die heilige Hermandad überfiel wirklich den Rabbiner, aber es war gerade eine religiöse Anfrage (Sche'ela) gekommen, der Rabbiner und seine Schüler waren in der Erörterung der Sche'ela vertieft; die Karten waren vom Tisch verschwunden und Gemara, Alphaßi, Rambam, Tur und Schulchan Aruch lagen aufgeschlagen auf demselben.
Wir haben diese einzelnen Züge nur erwähnt, um zu zeigen, in welchen Familientraditionen Rabbi Samuel Bondi - er ruhe in Frieden - heranwuchs. Es war eine stürmische Zeit, in welcher er geboren wurde, Mainz hatte soeben (1793) jene schreckliche Belagerung überstanden, die Mainz von der Republik Frankreich lostrennte, und den entflohenen Kurfürsten wieder zurückrief. Allein schon 1795 wurde Mainz wieder französisch und beinahe hätte Rabbi Samuel in die Armee eintreten müssen. Er war schon eingekleidet als der Sturz des Imperators erfolgte.
Als zwölfjähriger Knabe verlor Rabbi Samuel seinen ebenso gerechten wie frommen Vater; seine Mutter, eine noch jugendliche Witwe, verschmähte es, einen zweiten Ehebund einzugehen und wies die glänzenden Anträge zurück; sie lebte nur der Erziehung ihrer drei Kinder, einer Tochter, die sich nach Bingen https://www.alemannia-judaica.de/bingen_synagoge.htm verheiratete und zweier Söhne, von denen der jüngere, der durch seine Gelehrsamkeit und Frömmigkeit rühmlichst bekannte Rabbi Tewele Bondi - sein Licht leuchte - seit mehr als sechzig Jahren in Frankfurt wohnt.
Der eigentliche Erzieher unseres Samuel war sein Großvater Herz Scheuer. Unter den zahlreichen bedeutenden Schülern der damals in Mainz blühenden Jeschibah – ich nenne nur Rabbi Mendel Karge, Rabbi Mosche Merzig, Rabbi Mosche Reis, Rabbi Bär Scheuer – war Rabbi Samuel Bondi der hervorragendste, der Lieblingsschüler seines Großvaters. - Als zwanzigjähriger Jüngling schloss er den Ehebund mit seiner edlen, frommen Gattin Sophie*), einer geborenen Epstein aus Fulda, mit der er 56 Jahre lang in glücklichster Ehe gelebt hat. Als sein Großvater im Jahre 5583 (1822) starb, übernahm Rabbi Samuel eine Zeit lang die Leitung der Jeschibah; aber die Ungunst der Zeiten versprengte die Schüler und so widmete er sich Rabbi Samuel den Geschäften – er gründete eine Weinhandlung – , aber immerwährend das Geschäft als Nebensache, das Talmudstudium als Hauptsache betrachtend. Sein öffentliches Wirken begann erst im Anfange der dreißiger Jahre. Es war im Jahre 5591 (1830), als am Versöhnungstage während des Neilah-Gebetes in der großen, alten Synagoge die Sifrei Kodesch (= Torarollen) aus dem heiligen Schreine, dessen Türen geöffnet waren, heraus auf die Erde fielen. Welcher Schrecken, welche Angst sich der Gemüter bemächtigte, kann man sich leicht vorstellen. In demselben Jahre wurde von der Regierung, die den sogenannten Fortschritt begünstigte, der damalige Gemeindevorstand seines Amtes entsetzt, statt seiner wurden Männer in die Verwaltung berufen, die genügsam charakterisiert sind, wenn wir mitteilen, dass der Präses des neuen Vorstandes später zum Christentum übertrat. 'Reform' auf allen Gebieten war nun das Losungswort, der alte Rabbiner, Rabbi Löb Ellinger, sollte als 'Lungenbesichtiger' beibehalten werden; dagegen sollte das Rabbineramt einem Jünger der damals aufstrebenden 'Reform' übertragen werden. Dagegen trat Rabbi Samuel Bondi mit aller Kraft und Energie auf, und seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, der neue Vorstand musste abtreten, und er selbst wurde mit seinen Freunden Rabbi Mosche Reis und Rabbi Jakob Levi, an die Spitze der Gemeinde berufen. Fünfzehn Jahre lang vermochte er mit seinen Freunden die Gemeinde in ihrem alten Bestande erhalten. Da traten neue Momente ein, die das unmöglich machten.
Der Rabbiner Löb Ellinger starb, und es sollte ein moderner Rabbiner berufen werden, die alte Synagoge war baufällig geworden und sollte durch einen Reform-Tempel ersetzt werden. Sieben Jahre währten die Kämpfe; da wurde im Jahre 1853 der mit Orgel etc. versehene Tempel eingeweiht und Dr. Aub von Bayreuth (jetzt in Berlin) als Rabbiner berufen. Als Rabbi Samuel sah, 
*) Sie hieß eigentlich Süßchen, musste aber nach hierländischen Gesetzen ihren Namen ändern.     
Mainz Israelit 05121877c.jpg (44820 Byte)dass all seine Kämpfe vergeblich gewesen, da tat er wie unser Vater Jakob getan (hebräisch und deutsch aus 1. Mose 32,8-9): 'Und er teilte das Volk in zwei Lager und sprach: 'Wenn der religionsfeindliche, herrschende Zeitgeist das eine Lager vernichten sollte, so möge wenigstens das übriggebliebene Lager errettet werden.'
Rabbi Samuel Bondi gründete nunmehr in Verbindung mit seinen Freunden Rabbi Mosche Reis und Rabbi Jizchak Fulda*) die israelitische Religionsgesellschaft.
(Fortsetzung folgt)
Anmerkungen:  -  Lamdan: https://de.wikipedia.org/wiki/Lamdan 
-  Rabbi Herz Scheuer:  https://de.wikipedia.org/wiki/Herz_Scheuer: Rabbi Herz Scheuer  war Vorgänger und Nachfolger von Rabbi Samuel Levi, dem Großvater des Dirigenten Hermann Levi (1839 -1900). Vgl. in der Seite zu den Rabbinern und Lehrern in Worms einen Artikel von 1900 und einen Artikel von 1912 sowie einen Artikel von 1933.
- Rabbi Tewele Scheuer:   https://en.wikipedia.org/wiki/David_Tebele_Scheuer 
-  Dajan: Richter am Beth Din https://de.wikipedia.org/wiki/Beth_Din
-  Aron hakodesch: https://de.wikipedia.org/wiki/Toraschrein
-  Hermandad: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermandad
-  Gemara: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemara
-  Alphaßi: https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Alfasi
-  Rambam:https://de.wikipedia.org/wiki/Maimonides
-  Tur: https://de.wikipedia.org/wiki/Naftali_Herz_Tur-Sinai 
-  Schulchan Aruch: https://de.wikipedia.org/wiki/Schulchan_Aruch
-  Jeschibah: https://de.wikipedia.org/wiki/Jeschiwa
-  Rabbi Mosche Merzig: https://www.merzig.de/tourismus-kultur/erinnerungskultur/reb-mosche-merzig/
-  Rabbi Mosche Reis: https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Rei%C3%9F
-  Versöhnungstag: https://de.wikipedia.org/wiki/Jom_Kippur
-  Rabbi Löb Ellinger: Lebte von 1772 bis 1847.   

   
Zum Tod von Rabbi Samuel Bondi (II, 1877)     

Mainz Israelit 12121877.jpg (227275 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1877: "Rabbi Samuel Bondi - er ruhe in Frieden - II.
Die Gründung der israel(itischen) Religionsgesellschaft zu Mainz war mit den allergrößten Schwierigkeiten, sowohl äußern wie inneren, verknüpft. Zwar war Frankfurt a. M. mit gutem Beispiele vorangegangen; allein dort lagen die Verhältnisse wesentlich günstiger. Zunächst hatte sich der Senat der damals freien Stadt zu der Gründung der Religionsgesellschaft entgegenkommend verhalten, während die Großherzoglich Hessische Regierung sich vollständig ablehnend verhielt. Der Ministerialrat W., der damals das Referat in judaicis hatte, wollte nicht einmal die Erlaubnis zur Abhaltung eines 'Minjan' außer der Orgel-Synagoge gestatten. Da galt es nun mit Energie, mit Klugheit, mit Ausdauer vorzugehen. Damals gab es noch keine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Mainz und Darmstadt, die Reise in die Residenz war eine sehr umständliche. Nichtdestoweniger reisten Rabbi Samuel Bondi und Rabbi Jakob Levi allwöchentlich einige Male dahin und hörten nicht auf, bei den einflussreichsten Persönlichkeiten so lange zu petitionieren, bis ihnen die Erlaubnis zur Errichtung eines besonderen Gottesdienstes erteilt wurde – aber auch nichts als das; die Erlaubnis, einen Rabbiner anzustellen und von diesem die rabbinischen Funktionen vollziehen zu lassen, musste erst noch – schrittweise – erlangt werden.
Nicht minder groß waren die Schwierigkeiten im Innern der Religionsgesellschaft. Anfangs waren es nur sechzehn Familien und unter diesen nur wenig Begüterte. Es fehlte geradezu an Allem, namentlich an Geld. Trotzdem gelang es dem rastlosen, unermüdlichen Eifer der beiden oben genannten Männer, eine Synagoge zu erbauen, die circa 36.000 fl. kostete.
Am Rüsttage des Hüttenfestes des Jahres 5615 (1854) trat der Herausgeber dieser Blätter seiner Stellung an der israel(itischen) Religionsgesellschaft an. Das Synagogengebäude war fertig, aber zur Vollendung der innern Ausstattung fehlte das Geld; so währte es noch zwei Jahre bis zur Einweihung. Wir wollen von dem Zustande, wie wir hier angetroffen, schweigen. Liegt es uns ja heute nicht ob, eine Geschichte der israel(itischen) Religions-Gesellschaft zu Mainz zu schreiben, sondern nur den hervorragenden Anteil hervorzuheben, den der Edle, welchen unsre Überschrift nennt, an der Bessergestaltung der religiösen Zustände in unserer Stadt genommen. Er war der geistige Mittelpunkt des Ganzen. Sein religiöser Ernst, sein Feuereifer, seine große talmudische Gelehrsamkeit, seine Strenge gegen sich selbst und seine Milde gegen andere, seine grenzenlose Bescheidenheit – all’ diese erhabenen Eigenschaften des Geistes und Charakters verliehen der Religionsgesellschaft einen ideale Höhe, die über die Kleinlichkeit der materiellen Zustände hinweghalf, Rabbi Samuel Bondi verstand es, die Begeisterung, die sein edles Herz durchleuchtete, seiner ganzen Umgebung mitzuteilen. So ruhte denn Gottes Segen sichtlich auf          
Mainz Israelit 12121877b.jpg (200395 Byte)seinem Werke. Die im Jahre 5616 (1856) eingeweihte Synagoge, anfangs viel zu groß, ward bald zu klein Im Jahre 5619 (1859) gelang es uns, eine Unterrichtsanstalt zu gründen, die mit 53 Kindern eröffnet wurde, und die jetzt über 150 Schüler und Schülerinnen zählt. Im Jahre 5618 (1858) hatte die Religionsgesellschaft nach vielen Mühen und Kämpfen Korporationsrechte erlangt. Im Jahre 5633 (1873) gelang es, eine Haus nebst Garten neben der Synagoge zu erwerben, um die notwendige Vergrößerung vorzunehmen, die denn auch im verflossenen Frühjahre in Angriff genommen wurde. Unsere neue Synagoge wird mehr als noch einmal so groß als die vorige werden. Ach, Rabbi Samuel Bondi sollte die Vollendung derselben nicht erleben!
Nachdem wir nun in Kürze den Lebenslauf und einen Teil der Wirksamkeit des verehrten Mannes den Lesern vorgeführt, wollen wir zu einer Charakteristik seiner Persönlichkeit schreiten, damit sie beispielgebend weiter wirke.
Der Lebensnerv, der Lebensquell des teuren Dahingeschiedenen war unsre heilige Gotteslehre. Vom Allgütigen mit großen geistigen Fähigkeiten ausgestattet, hatte er von frühester Jugend an seine ganze Kraft dem Studium der Tora gewidmet. Inmitten einer blühenden Jeschiba, in Verbindung mit Genossen, von denen einige später hochberühmte Männer wurden – wir nennen nur Rabbi Mendel Karge, den Verfasser des Gidulei Taharah, dem er ein Talmid Chawer war, wurde er der Talmid muwhak seines Großvaters Rabbi Herz Scheuer. Dass all diese Faktoren ein großes Resultat hervorbrachten, braucht nicht erst gesagt zu werden. Rabbi Samuel Bondi ward nicht nur ein großer Charif, er war auch Baki bechol Chidrei HaSchass (Kundiger in allen Ordnungen der Tora), sein Wissen war ein ausgebreitetes, sein 'Lernen' von einer ungewöhnlichen Tiefe und Gründlichkeit. Seit mehr als dreißig Jahren von allen weltlichen Geschäften zurückgezogen, war außer seinem Wirken für die Religionsgesellschaft die Tora seine einzige Beschäftigung bei Tag und Nacht. Selten suchte er vor 12 Uhr nachts sein Lager auf, das er nach wenigen Stunden der Ruhe wieder verließ, um aufs Neue in der Tora zu forschen. Er 'lernte' mit jedem, der es wünschte. Seine Liebe zum Tora-Studium, sein Verlangen nach demselben war unbegrenzt. Als in den letzten Wochen seines Lebens seine Augen schwach wurden, da lernte er 'auswendig' bis zu seinem letzten Atemzug. Täglich hielt er Vorträge in der Chebra Gemiluth Chassadim über Tenach und Menorath Hamaor. Jährlich zweimal, am Rosch Chodesch Schebath und am Simchat Thora, hielt er pilpulistische Vorträge, am letzteren Tage in der 
Mainz Israelit 12121877c.jpg (128959 Byte)Synagoge. Seine Festreden bei Beschneidungen – er war Mohel – waren außerordentlich anregend und begeisterten stets die Hörer.
Wie er nun die Gottesgebote, deren Studium er seine große, geistige Kraft widmete, praktisch ausführte, das zu schildern ist unsere Feder zu schwach. Seine simchah schäl mizwah (deutsch:), seine Freude an der Erfüllung der göttlichen Gebote, war unbeschreiblich. Mit dieser herzinnigen Freude an der Erfüllung der göttlichen Gebote wusste er auch seine Umgebung, seine Kinder und Enkel zu erfüllen. Man musste ihn an einem Sabbate oder an einem Festtage sehen! Die ganze Woche hindurch führte er ein asketisches Leben; er aß kein Fleisch, trank weder Wein noch Bier, noch andere derartige Getränke, fastete sehr viel; nicht allein an jedem Erew Rosch Chodesch (= Vorabend zum ersten Tag des Monats) und andern derartigen Tagen, sondern auch in den acht Wochen von Paraschath Schemoth bis Paraschath Ki-tissa an jedem Montag und Donnerstag, - an den Sabbaten und Festtagen aber, da freute er sich mit jeder Mahlzeit. Wie streng er es mit der Beobachtung jeder einzelnen Mitzwa nahm, ist gar nicht darzustellen. Zum Pessach-Feste mahlte er den Schemurah-Weizen für seine Mazzot vermittels einer Handmühle; auch buk er die Mazzot, er selbst, am Ereb Pessach mit der minuziösesten Sorgfalt. Am Seder-Abend glich er einem alkim malach. In der liebenswürdigsten Weise suchte er die Hagadah den an seinem Tische anwesenden Frauen und Kindern verständlich zu machen, daran die schönsten Erzählungen und Erklärungen aus Talmud und Midrasch knüpfend. Während des Essens aber sprach er an diesen Abenden nur Hebräisch, damit kein unheiliges Wort die Heiligkeit des Festes störte.   (Schluß folgt.)
Anmerkungen: -  Minjan: https://de.wikipedia.org/wiki/Minjan   
-  Orgel-Synagoge: http://www.alemannia-judaica.de/mainz_synagoge.htm#In der Synagoge befindet sich eine Orgel (1849)   
-  Rüsttag: https://de.wikipedia.org/wiki/Rüsttag
-  Hüttenfest: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukkot
-  Korporation: https://de.wikipedia.org/wiki/Korporation
-  Tenach: https://de.wikipedia.org/wiki/Tanach
-  Menorath Hamaor: 'Licht verbreitender Leuchter', Erbauungsbuch von Rabbi Isaac Abuhab  
-  Mohel: https://de.wikipedia.org/wiki/Mohel 
-  Rosch Chodesch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rosch_Chodesch
-  Simchat Thora: https://de.wikipedia.org/wiki/Simchat_Tora
-  Paraschath Schemoth: https://judentum.online/unsere-grossen-anfuehrer-machten-sich-die-probleme-des-volkes-zu-eigen-parascha-schmot/
-  Paraschath Ki-ßißa: https://judentum.online/die-zwei-steinernen-tafeln-parascha-ki-tisa/
-  Mitzwa: https://de.wikipedia.org/wiki/Mitzwa
-  Pessach: https://de.wikipedia.org/wiki/Pessach 
-  Pilpulistische Vorträge: vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Pilpul 
-  Schemurah: https://de.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1487011/jewish/Der-Unterschied-zwischen-Schmura-Mazza-und-gewhnlicher-Mazza.htm
-  Mazzot: Matzen https://de.wikipedia.org/wiki/Matze
-  Ereb Pessach: Vorabend (Erev) von Pessach
-  Hagadah: https://de.wikipedia.org/wiki/Haggada .      

   
Zum Tod von Rabbi Samuel Bondi (III, 1877)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1877:      
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Zum Tod von Rabbiner Samuel Bondi und seine Beisetzung (50 Jahre danach: 1927)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927:      

  
Rabbiner Dr. Markus Lehmann tritt sein Amt zum Sukkot-Fest an (1854)    

Mainz Jeschurun 111854.jpg (29965 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" vom November 1854:      

 
Zum Tod von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (zugleich Chefredakteur des "Israelit", 1890)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1890:         
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1890:      

 
Beisetzung von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (1890)    

Mainz Israelit 21041890.jpg (260244 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1890:       
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Trauergottesdienst für Rabbiner Dr. Lehmann (1890)      

Mainz Israelit 24041890.jpg (221527 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1890:     

   
Zum Tod von Therese Lehmann geb. Bondi, Witwe von Rabbiner Dr. Markus Lehmann (1899)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1899:       


Dr. Jonas Marcus Bondi wird zum Rabbiner der Religionsgesellschaft gewählt (1890)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1890:      

 
Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi tritt seine Stelle als Rabbiner der Religionsgesellschaft an (1890)     

Mainz Israelit 28051890.jpg (238351 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1890:     

  
Artikel von Rabbiner Dr. Lehmann: "War dem Rabbi Amnon von Mainz das Gaslicht bekannt?" (Artikel von 1900)   

Mainz Israelit 31051900.jpg (178345 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1900:          

    
Jahrzeitstag von Rabbiner Dr. Lehmann (1904)      

Mainz Israelit 11041904.jpg (239099 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1904:        

 
25-jähriges Ortsjubiläum von Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi bei der Religionsgesellschaft (1915)     

Mainz Israelit 29041915.jpg (86735 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1915:     

   
Todesanzeige für Rabbiner Dr. Jonas Marcus Bondi (1929)    

Mainz Israelit 21031929.jpg (80204 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1929:     

   
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners der Israelitischen Religionsgesellschaft (1929)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1929:       

   
Rabbinerwahl der Israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz (1929)    

Mainz Israelit 12091929.jpg (50480 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1929:     

  
Jahrestag des Todes von Rabbiner Dr. Jonas Bondi (1930)    

Mainz Israelit 13031930.jpg (237887 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930:      
Mainz Israelit 13031930a.jpg (130393 Byte)   

   
   
   
Aus der Geschichte der Lehrer und Kantoren der Religionsgemeinde
   
Ausschreibung der Stelle eines Vorsängers und Schochet (1860)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1860:           

    
Anzeige des Pensionates von Oberlehrer Fuld (1869)   

Mainz Israelit 22121869.jpg (41052 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1869:       

    
Hinweis: zwischen 1873 und 1880 war der Rabbiner Dr. Julius Fürst (geb. 1826 in Mannheim, gest. 1899 in Mannheim) Prediger und Religionslehrer in Mainz. Seit September 1880 war er Klausrabbiner in Mannheim.  
     
   
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Religionslehrers der Religionsgemeinde (1887)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Januar 1887:    

 
25-jähriges Amtsjubiläum von E. Gutmann als Rabbi und Kantor des "3. israelitischen Krankenpflegevereins" (1889)     

Mainz Israelit 31101889.jpg (149449 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1889:     

  
Ausschreibung der Stelle eines Lehrers und stellvertretenden Kantors der Religionsgemeinde (1890)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Februar 1890:     

  
25-jähriges Ortsjubiläum des Reallehrers Eschelbacher (1917)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. April 1917:       

   
   
   
Aus der Geschichte der Lehrer und Kantoren der Religionsgesellschaft 
      
Ausschreibung der Stelle einer Lehrerin in der Religionsgesellschaft (1859)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1859:             

 
Ausschreibung der Stelle eines Lehrers der Religionsgesellschaft (1866)      

Mainz Israelit 28031866c.jpg (42772 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866:     

  
Zum Tod des Kultusbeamten der Religionsgesellschaft Moses Marx (1894)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1894:       

    
Religionslehrer S. Eschelbacher wird Lehrer am Real-Gymnasium, Fräulein Weil wird Lehrerin an der Volksschule (1904)                

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1904: "Aus dem Großherzogtum Hessen. Unser Justizminister hat endlich einmal den Anfang mit der Anstellung eines stellvertretenden jüdischen Amtsrichters gemacht. Unser Schulministerium fährt in der Anstellung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen ordentlich fort. Nachdem die Gymnasien in Offenbach und Bingen jüdische Oberlehrer erhalten haben, wurde dieser Tage Herr Lehrer S. Eschelbacher, bisher Religionslehrer in Mainz, als ordentlicher Lehrer an das dortige Real-Gymnasium berufen und Fräulein Cahn aus Alzey an die Volksschule nach Gießen, ebenso Fräulein Weil aus Mainz an die Volksschule zu Mainz. Hoffentlich folgte das Justizministerium in ähnlicher Weise nach."      

        
25-jähriges Ortsjubiläum von Oberkantor und Lehrer der Israelitischen Religionsgesellschaft Abraham Oppenheimer (1911)     

Mainz Israelit 13071911a.jpg (191454 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1911:         

   
Zum Tod des Lehrers der Religionsgesellschaft Josef Kahn (1918)     

Mainz Israelit 24101918.jpg (166772 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1918:      

  
 40-jähriges Ortsjubiläum von Kantor und Lehrer Abraham Oppenheimer (1926)    

Mainz Israelit 29071926.jpg (82885 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1926:    

   
25-jähriges Ortsjubiläum von Jakob Tschorniki als Kultusbeamter der Religionsgesellschaft (1931)    

Mainz Israelit 23041931.jpg (41210 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1931:     

         
Zum Tod von Lehrer und Kantor Abraham Oppenheimer (1930)     

Artikel in "Der Israelit" vom 30. Januar 1930: "Lehrer Abraham Oppenheimer. Mainz, 27. Januar.
Innerhalb Jahresfrist standen wir trauernd an der Bahre von drei führen und Beamten unserer Gemeinde. Noch ist die Wunde, die der Heimgang unseres Raw Dr. Bondi - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, uns geschlagen, nicht vernarbt, noch ist der Grabhügel frisch, der sich über dem Oraun (= Sarg) unseres Kultusbeamten Moses Krieger - seligen Andenkens - schloss, der vorige Woche uns jäh entrissen wurde - noch am Morgen hatte der 76-jährige in gewohnter Treue und Hingebung seinen Dienst im Gotteshause versehen und am Mittag erlag er einem Schlaganfall und nun trauern wir mit der schwer geprüften Familie um Abraham Oppenheimer, den Dritten des ... , der die Awoda (Gottesdienst) unserer Religionsgesellschaft zu einem Awoda HaKodesch (heiligen Gottesdienst) machte.
Abraham Oppenheimer kam im Jahre 1886 als Lehrer und Kantor nach Mainz, gewann gleich das Vertrauen von Rabbiner Dr. Markus Lehmann - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - und suchte sich immer mehr in dessen Ideenwelt hineinzufinden. In der Nähe Dr. Lehmanns reifte er zu der Persönlichkeit heran, als welche er später so hoch geehrt wurde. Der Schlüsselbewahrer des alten Mainzer Chasonus (Art und Weise des Vorbetens) in seiner kräftigen Ursprünglichkeit war damals der 1896 heimgegangene Rabbi Jona Bondi - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -und an ihm hatte Oppenheimer den ersten und besten Anleitung für sein Kantor Amt. Wie setzte er seinen Stolz darein, das übernommene Erbe in Treue zu verwalten und zu mehren! Alle neuen Strömungen auf dem Gebiet des Chasonus (Art und Weise des Vorbetens). denen er als ein Mann von musikalischer Bildung zugänglich war, konnten dem überlieferten Nigun (Melodie, vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Niggun) keinen Abtrag tun. So wie auch der alte Mainzer Minhag (Brauchtum https://de.wikipedia.org/wiki/Minhag_(Judentum)) ihm hoch und heilig blieb. Jahrzehnte wirkte er dann in Schule und Synagoge an der Seite von Rabbiner Dr. Jonas Bondi - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Als Lehrer lehrte Oppenheimer nicht nur durch die Lehre, sondern durch sein Leben. Er entstammte einer frommen Familie aus Schmalnau und sein ganzes Leben war ein Gottesdienst. Als im Frühjahr sein einziger Sohn, Rechtsanwalt Dr. Max Oppenheimer - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - seiner Familie und seinen Freunden entrissen wurde, da bewährte er sich als Kohen gleich Aaron HaKohen und (hebräisch und deutsch:) er schwieg und ertrug mit seiner gleichgesinnten edlen Gattin und seinen Kindern den schweren Schlag als aufrechter. echter Jehudi (frommer Jude). Nun ist der so schwer geprüften Familie der Vater, der trauernden Gemeinde der Schaliach Zibur (Abgesandter der Gemeinde) entrissen und im Sinne des Wortes 'Der Bevollmächtigte eines Menschen ist wie dieser selbst' (Mischna Berachot V,5 schlucho schel adam kemoto) empfinden wir alle den Verlust im tiefsten Inneren, als ob ein Stück von uns selbst uns genommen wäre.
Unter überaus großem Ehrengeleite ging die Bestattung am Sonntag Vormittag vor sich. Unser Rabbiner, Herr Dr. Bamberger, fand warme Töne zur Würdigung des trefflichen Mannes und unseres herben Verlustes. Nach ihm sprach für den Vorstand der Religionsgesellschaft Herr Dr. Schlessinger in ergreifenden Worten den Dank der Gemeinde an ihren Schaliach Zibur (Abgesandter der Gemeinde) aus. Möge der Heimgegangene uns allen ein Fürsprecher sein Das Andenken an den gerechten sei zum Segen."      

 
    
    
Weitere Lehrer 
Über Moritz Lorge, von 1908 bis 1933 Oberlehrer und Studienrat an der Höheren Töchterschule in Mainz    

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgende Kennkarte ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des Oberlehrers an der 
Höheren Töchterschule in Mainz 
 Rabbiner Dr. Moritz Lorge
 
 HarmuthsachsenKK MZ Moritz Lorge.jpg (85926 Byte)

Kennkarte (Mainz) für Rabbiner Dr. phil. Moritz Lorge (geb. 6. Oktober 1874 in Harmuthsachsen). Moritz Lorge war nach dem Besuch der Schule in Harmuthsachsen Schüler an der Israelitischen Präparandenschule in Burgpreppach. 1892 bis 1892 studierte er am Lehrerseminar in Kassel. Er war zwischen 1900 und 1904 jeweils kürzere Zeit Lehrer in Wolfenbüttel, dann Lehrer und Prediger in Petershagen sowie Lehrer in Hamm in Westfalen. Ab 1904 studierte er in Berlin und Tübingen (Promotion 1907). Von 1908 bis 1933 war er Oberlehrer und Studienrat für Religion, Deutsch und Geschichte in Mainz an der Höheren Töchterschule. 1935 Bezirksrabbiner in Sobernheim. 1939 in die USA emigriert und in den folgenden Jahren in Cincinatti und New York Vortrags- und Lehrtätigkeit zur Geschichte der Juden in Deutschland und den USA. War verheiratet mit Hedwig geb. Steinweg (Sohn: der 1916 geborene Ernst Mordechai Lorge wurde gleichfalls Rabbiner, siehe Artikel unten). Moritz Lorge starb 1948 in New York.   

 

Harmuthsachsen PA 201605a.jpg (187927 Byte) Hinweis auf den Artikel von Gabriele Hannah, Hans-Dieter Graf und Wolfgang Bürkle in der "Allgemeinen Zeitung Mainz" vom 27. Mai 2016: "Stets hoffnungsvoll und furchtlos. 
Auswanderer. Ernst Mordecai Lorge flüchtete aus Mainz in die USA / Seelsorger für KZ-Überlebende..." 
Artikel zum 100. Geburtstag von Ernst Mordechai Lorge.   
Der Artikel ist eingestellt als Bilddatei (links) und als pdf-Datei.  
    

    
     

     

     

 

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Stand: 30. Juni 2020