Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Marmoutier (Maursmünster, Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
In Marmoutier bestand seit dem Mittelalter eine der ältesten und wichtigsten jüdischen Gemeinden des Elsass. Möglicherweise lebten bereits im 9./10. Jahrhundert Juden in der Stadt im Zusammenhang mit den Handelsaktivitäten der Abtei. 1338 wird Samuel von Maursmünster (Morsminster) in Straßburg genannt. 1497 versuchte Wilhelm von Rappoltstein die Juden aus Marmoutier zu vertreiben, wohl erfolglos, denn 1525 hatten sie die Juden der Stadt durch Plünderungen ihrer Häuser unter dem Bauernkrieg zu leiden. 
   
Auch im 17./18. Jahrhundert lebten Juden in der Stadt, 1650 waren es etwa 30 (bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 250). Sie konnten innerhalb der Stadtmauern wohnen, jedoch nicht im Bereich des Klosters und der Abteikirche. Im Dezember 1784 wurden 299 jüdische Einwohner gezählt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 357 jüdische Einwohner, 1846 469, 1865 405 (etwa 20 % der Gesamteinwohnerschaft), 1870 379, 1900 483, 1910 130. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der teilweise auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Bereits im 18. Jahrhundert war Marmoutier Sitz eines Rabbinates. 1910 wurde das Rabbinat aufgelöst.    
   
1848 wurden mehrere jüdische Häuser geplündert. Bereits damals ging in Folge die Zahl der jüdischen Einwohner zurück, in den folgenden Jahrzehnten verstärkt durch Abwanderung in die Städte, sodass 1910 nur noch 130 Juden in Marmoutier lebten. Aus Marmoutier stammt u.a. der Maler Alphonse Levy (1843-1910). 
   
1939 lebten noch 50 Juden in der Stadt, von denen die meisten unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert wurden. 14 Personen wurden in den Lagern ermordet. 
  
Von den in Marmoutier geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Marguerite Bielski (1892), Ida Bloch (1875), Irene Ewselmann (1897), Marthe Glashendler (1890), Lazare Heimann (1865), Jeanne Kahn (1884), Julien Kahn (1887), Melanie Kaufmann geb. Lehmann (1884), Janiel Korenstein (1889), Emma Lehmann (1872), Berthe Levy (1893), Hortense Levy (1864), Rene Levy (1879), Jeanne Mendel (1876), Alphonse Netter (1891), Isidore Netter (1897), Jacques Theodore (1868).  
   
Nach 1945 kehrte nur ein Teil der Überlebenden zurück. 1953 wurden 54 jüdische Einwohner gezählt. In den 1960 erlosch das jüdische Gemeindeleben. 
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
     
   
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Zum Tod von Rabbiner Jakob Hagenauer (1846) 
  
Anmerkung: Über Rabbiner Jakob Hagenauer liegen nur wenige Informationen vor. Sohn seiner Tochter Rosette, die mit dem Händler Félix Ulrich Lévy verheiratet war, war der Rabbiner Isaac Lévy (geb. 1835 in Marmoutier, gest. 1912 in Paris) heiratete. Rabbiner Lévy war 1869 Groß-Rabbiner in Colmar, 1887-1912 Groß-Rabbiner in Bordeaux.

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1846: "Einen andern, sehr gelehrten Rabbiner verlor der Elsass am vorigen Erew Jom Kippur (Tag vor Jom Kippur, das war am 29. September 1846) in dem Herrn Jakob Hagenauer, Rabbiner zu Maursmünster, dem mit dem vorher Genannten die Lehrhäuser anvertraut waren. Er war der Erste, welcher den Eid more judaico abzunehmen verweigerte und in die Prozesskosten verurteilt wurde, die aber durch Subskriptionen gedeckt wurden. Der Hochbetagte war im Begriff, ein Werk Kol Jaakow zu edieren. Auch sein Leichenbegängnis wurde sehr feierlich begangen".    

    
Auflösung des Rabbinates Maursmünster (1909) 
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1909: "Straßburg, 28. Januar (1909). Mit dem 1. April sollen die heute in Elsass-Lothringen bestehenden 40 Rabbiante (abgesehen von den Oberrabbinaten) auf 28 verringert werden. Neun dieser Rabbinate, alle im Oberelsass, sind schon seit langen Jahren nicht mehr besetzt, nicht so sehr aus Mangel an Kandidaten, als weil die Seelenzahl der betreffenden Gemeinden viel zu gering war. Vier Rabbinate waren unter 100 Seelen gesunken. Das geringste, Blotzheim, zählte 1905 nur noch 39 Seelen. Alle diese, ebenso auch das seit zwei Jahren erledigte Rabbinat Maursmünster werden bis jetzt von benachbarten Rabbinern interimistisch verwaltet, sollen aber von 1910 ab, nebst noch einigen anderen, aufhören, als Rabbinate zu existieren."      

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des Gemeindevorstehers und Stadtrates David A. Levy (1890)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 29. August 1890: "Am 6. Juli starb, 70 Jahre alt, der Vorsteher der Gemeinde Maursmünster im Elsass, Herr David A. Levy. Der Verstorbene, welcher Mitglied des Stadtrats war, erfreute sich bei allen Konfessionen der höchsten Achtung."    

    
Der Arzt Dr. Bielsky wurde nach unruhigen Gemeinderatswahlen am Ort in den Gemeinderat gewählt (1908)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juli 1908: "Straßburg. Zur Ergänzung des vorwöchentlichen Berichtes über die Gemeinderatswahlen sei mitgeteilt, dass nicht weniger als 17 Vorsteher jüdischer Gemeinden zu Gemeinderäten gewählt wurden. Außer in Quatzenheim und Maursmünster zeigten die Wahlen überall das schönste Einverständnis zwischen den Konfessionen. In den erwähnten beiden Orten gelang es Treibereien aus persönlichen Interessen, den Wahlen eine antisemitische Färbung zu geben. Es wurden dadurch drei jüdische Kandidaten, die bis dahin dem Gemeinderate angehört hatten, nicht wiedergewählt. In Maursmünster kam Dr. Bielsky, ein jüdischer Arzt, der seit 17 Jahren Bürgermeister des Ortes ist, erst in der Stichwahl durch."        

 
Goldene Hochzeit von Aron Heimann und Frau geb. Weill (1912)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Dezember 1912: "Straßburg. In Maursmünster feierten die Eheleute Aron Heimann und Frau geb. Weill die goldene Hochzeit".         

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge        
          
Die heute noch in Marmoutier stehende Synagoge wurde 1822 erbaut. Sie wird als ein kulturelles Zentrum der bürgerlichen Gemeinde verwendet.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeRue de la Synagogue, Marmoutier   
   

   
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2004) 

Marmoutier Synagogue 100.jpg (54329 Byte) Marmoutier Synagogue 101.jpg (47734 Byte) Marmoutier Synagogue 102.jpg (50926 Byte)
 Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes  Eingangstor zum Synagogenhof
     
Marmoutier Synagogue 103.jpg (57576 Byte) Marmoutier Synagogue 104.jpg (40746 Byte) Marmoutier Synagogue 105.jpg (50063 Byte)
   Heutiger Eingang  Straßenschild am Eingang in die 
"Rue de la Synagogue"
   
     

   
   

Links und Literatur  

Links:  

Französische Informationsseite zur Synagoge in Marmoutier   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Marmoutier (interner Link)   

Literatur:    

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 33.95.   

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Februar 2014