Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Venningen (VG Edenkoben, Kreis Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Venningen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1707 wurde durch die hochfürstliche Regierung zu Speyer ein Jude am Ort angenommen. Ende des 18. Jahrhunderts wird gleichfalls eine jüdische Familie am Ort genannt. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten die in Venningen lebenden jüdischen Personen zur jüdischen Gemeinde Kirrweiler, zeitweise zur Gemeinde in Altdorf, erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine eigene Gemeinde in Venningen gegründet.  
  
Von besonderer Bedeutung war am Ort die Familie Teutsch, zu deren Geschichte folgende Informationen vorliegen: Nicholas H. Sommers (Chicago, Information vom 23.7.2012) schreibt: "Meine Vorfahren haben sich um 1650 in Mussbach angesiedelt. Sie kamen aus Nikolsburg (Mikulov, Südmähren, heute Tschechische Republik): Abraham Teutsch (Avroham bar Gerschon) war der Sohn des Landesrabbiners von Mähren, Gerschon Aschkenazi. Sein Sohn Isak Teutsch und dessen Sohn Jakob Isak wohnten in Mussbach. Jakob Teutsch ist um 1770 nach Venningen gezogen, nachdem seine erste Frau und drei von den fünf Kinder gestorben sind.   
       
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 10 jüdische Einwohner (1,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1820 vier jüdische Haushaltungen, 1825 26 jüdische Einwohner (2,5 %), 1850 55 (in zwölf Familien), 1875 78 (8,5 % von insgesamt 914 Einwohnern), 1890 17 jüdische Haushaltungen, 1900 59 jüdische Einwohner. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Vieh- und Warenhandel, ein Teil war alsbald jedoch auch in der Landwirtschaft tätig.  
    
1809/10 waren die jüdischen Haushaltsvorstände am Ort: Aron Teutsch (Metzger), Jacob Teutsch (Viehhändler) und Joseph Teutsch (Viehhändler). Zunächst wurde der Familienname der jüdischen Familien "Deutsch" geschrieben; ab wann daraus ein "Teutsch" wurde, ist nicht bekannt.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Letzter Lehrer der jüdischen Gemeinde war Siegfried Langstädter, der 1915 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war (siehe Bericht unten). Er hatte von Venningen aus noch Ende 1936 den Unterricht in der jüdischen "Sonderklasse" in Ludwigshafen zu übernehmen. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Landau
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Paul Löb (geb. 30.1.1895 in Venningen, gef. 26.4.1915) und Unteroffizier Maximilian Oskar Teutsch (geb. 3.12.1890 in Venningen, gef. 2.6.1917).    
        
Um 1924, als zur Gemeinde noch 36 Personen gehörten (3,3 % von insgesamt etwa 1.100 Einwohnern, waren die Gemeindevorsteher Jakob Teutsch, Heinrich Teutsch, Hermann Teutsch und Ferdinand Teutsch. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Jakob Teutsch (1. Vors.), Heinrich Teutsch (2. Vors.) und Ferdinand Teutsch (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 gab es noch ein jüdisches Kind in der Gemeinde, das Religionsunterricht erhielt.    
 
Seit 1894 beziehungsweise 1916 gehörten auch die in den benachbarten Orten Altdorf (seit 1894 nach Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinde) und Kirrweiler (seit 1916 nach Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinde) lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Venningen. 1932 waren dies noch vier beziehungsweise zehn Personen.     
   
Nach 1933
ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 29 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden jedoch noch 38, 1937 34 und 1938 27 jüdische Einwohner gezählt. Im August 1938 verließ Lehrer Langstädter die Gemeinde, die sich im Laufe des Jahres 1938 in der Auflösung befand (siehe Bericht unten). Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 verließen die meisten der jüdischen Einwohner vollends den Ort. Die letzten beiden jüdischen Einwohner (ein Ehepaar) wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert.  
        
Von den in Venningen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Thekla Eisemann geb. Teutsch (1902), Norma Heymann geb. Teutsch (1909), Emilie Kahn geb. Teutsch (1905), Thekla Katz geb. Teutsch (1881), Albertine Keusch geb. Löb (1883), Flora Langstädter geb. Teutsch (1890), Heinz Justinus Isidor Langstädter (1921), Siegfried Langstädter (1887), Elsa Levy geb. Teutsch (1888), Ernst Löb (1891), Anna (Johanna) Löwenstein geb. Teutsch (1901), Emma Marx geb. Teutsch (1886), Irma Nachmann geb. Teutsch (1889), Anna Simon (1878), Albert Teutsch (1883), Arthur Teutsch (1875), Betti Teutsch (1928), Elisabeth (Babette) Teutsch geb. Teutsch (1898), Friedrich Wilhelm Teutsch (1882), Hermann Teutsch (1891), Hilde Teutsch geb. Rauh (1875), Isaak Teutsch (1857), Ludwig Teutsch (1857), Ludwig Teutsch (1879), Maria Alwine Teutsch (1889), Martha Teutsch (1893), Mathilde Teutsch geb. Triefus (1864), Pauline Teutsch geb. Teutsch (1880), Theodor Teutsch (1867), Willy Teutsch (1890).    
  
Exemplarisches Gedenken: 

Teutsch Familie 020.jpg (32226 Byte)Zur Familiengeschichte und zum Schicksal von Albert Teutsch (geb. 1883 in Venningen) und seiner Frau Jenny geb. Arfeld aus Bad Kreuznach (auf Foto links mit Sohn Haus) siehe eine Seite im "Gedenkbuch für die Karlsruher Juden"
  
Zur Erinnerung an die Familie Teutsch gibt es auch "Stolpersteine" in Karlsruhe, siehe im "Stadtwiki Karlsruhe" Seite "Stolpersteine Körnerstraße 46" in Karlsruhe.  
Bericht in der "Stadtzeitung" vom 5. Juni 2009         
  
In Dahn findet sich vor dem Haus Marktstraße 14 ein "Stolperstein" für Thekla Katz geb. Teutsch, geb. 1881 in Venningen, verheiratet mit Josef Katz in Dahn, deportiert am 22. Oktober 1940 nach Gurs und dort am 14. Dezember 1940 umgekommen.  
 
Weiterer Hinweis: umfassende Stammbäume der Familie Teusch finden sich im Nachlass von Berthold Rosenthal - 
zugänglich über Quelle: Guide to the papers of Berthold Rosenthal in the Leo Baeck Institute New York.    

      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 / 1898  

Venningen Israelit 20091892.jpg (82238 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1892: "Schuldienst-Erledigung. Die israelitische Verweserstelle zu Venningen bei Edenkoben (Pfalz) ist erledigt und wird andurch mit einem dreiwöchentlichen Meldetermin zur Bewerbung ausgeschrieben. 
Mit dieser Stelle ist zugleich der Schächter- und Vorbeterdienst verbunden und verteilen sich die Gehaltsbezüge wie folgt: 1) Bar aus der israelitischen Kultuskasse 685,71 Mark, 2) Anschlag eines Gärtchens bei dem Schulhause 2.06, 3) Anschlag der Wohnung 20,60, 4) Anschlag der Kasualien 171,43. Zusammen 879,80 Mark. 
Bemerkt wird noch, dass, falls die Israelitische Kultusgemeinde Altdorf der hiesigen Gemeinde zugeteilt werden sollte, vorstehende Gehaltsbezüge dadurch nicht erhöht werden. Der Verweser muss das Seminar besucht haben, damit er von der Regierung angestellt werden kann. 
Venningen, den 14. September 1892. Der israelitische Kultusvorstand. Aron Teutsch."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898: ""Schuldienst-Erledigung. Die israelitische Verweserstelle zu Venningen, Bezirksamt Landau, bayerische Pfalz, ist erledigt und wird andurch mit einem Meldetermin von 14 Tagen zur Bewerbung ausgeschrieben. 
Mit dieser Stelle ist zugleich der Schächter- und Vorbeterdienst verbunden und verteilen sich die Gehaltsbezüge wie folgt: 1) Bar aus der israelitischen Kultuskasse 685,71 Mark, 2) Anschlag eines Gärtchens bei dem Schulhause 2.06, 3) Anschlag der Wohnung 20,60, 4) Anschlag der Kasualien 171,43. Zusammen 879,80 Mark. 
Die Beheizung und Reinigung des Schulsaales besorgt die israelitische Kultusgemeinde. 
Venningen, 24. August 1898. Der israelitische Kultusvorstand. Aron Teutsch"   

   
Über Lehrer Siegfried Langstädter (1887-1942) und seine Familie  
Anmerkung: es konnte noch keine umfassende Biographie erstellt, sondern nur Angaben aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen werden. 

Über mehrere Jahrzehnte war die prägende Gestalt im jüdischen Gemeindeleben in Venningen Lehrer Siegfried Langstädter. Dieser ist am 21. März 1887 in Memmelsdorf als Sohn von Isidor Langstädter geboren. Er erhielt seine Ausbildung am Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg und war bereits vor 1914 als Lehrer in Venningen angestellt. Er heiratete in Venningen Flora geb. Teutsch (geb. 13. November 1890 in Venningen). Die beiden hatten ein Kind: Heinz Justinus Isidor Langstädter (geb. 18. August 1921 in Obermoschel). Am Ersten Weltkrieg nahm Siegfried Langstädter teil und wurde bereits 1915 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (siehe Bericht unten). Langstädter blieb als Lehrer in Venningen bis nach 1933. Wieso Sohn Heinz Justinus Isidor 1921 in Obermoschel geboren ist, ist noch unklar (war Langstädter dort auch als Lehrer tätig, eventuell zeitweise dort wohnhaft?). 1936 übernahm Siegfried Langstädter von Venningen aus auch den Unterricht in der "jüdischen Sonderklasse" in Ludwigshafen (siehe Bericht unten). Im August 1938 verzog er mit seiner Familie von Venningen nach Ludwigshafen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er in Ludwigshafen verhaftet und vom 12. November bis 17. Dezember 1938 im KZ Dachau festgehalten.  
Am 22. Oktober 1940 wurde Siegfried Langstädter mit Frau und Sohn in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Die weiteren Stationen nach dem Gedenkbuch des Bundesarchives der Familie sind: 10. März 1941 Internierungslager Rivesaltes, 28. Dezember 1941 Sammellager Marseille. Siegfried Langstädter starb am 15. Oktober 1942 in Marseilles. Sein Sohn wurde am 7. September 1942 nach Auschwitz deportiert, Flora Langstädter wurde am 16. September 1942 nach Auschwitz deportiert. Beide wurden ermordet (für tot erklärt).   

      
 
Auszeichnung von Lehrer Siegfried Langstädter mit dem Eisernern Kreuz (1915) 

Memmelsdorf Israelit 22071915.jpg (44814 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1915: "Würzburg, 9. Juli (1915). Der Armierungssoldat Siegfried Langstädter, Sohn des Isidor Langstädter in Memmelsdorf, Lehrer an der Israelitischen Volksschule Venningen (Pfalz), früherer Schüler der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, 'weil er seinen Kameraden durch Fleiß und Unerschrockenheit ein leuchtendes Vorbild ward.' Er befindet sich zur Zeit als Verwundeter im Israelitischen Verwundetenlazarett zu Würzburg."  

  
Lehrer Siegfried Langstädter übernimmt die jüdische "Sonderklasse" in Ludwigshafen (1936)    
   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936: "Sonderklassen. Im Nachtrage zu unseren Mitteilungen vom 15. vorigen Monats berichten wir, dass die Sonderklasse in Kaiserslautern nunmehr dem Kollegen Bernstein in Zweibrücken übertragen worden ist, während die zweite Stelle in Ludwigshafen vom Kollegen Langstädter in Venningen übernommen wurde."    

   
Hauptlehrer Siegfried Langstädter ist nach Ludwigshafen verzogen - die jüdische Gemeinde ist im Auflösen begriffen (1938)         

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Oktober 1938: "Aus Venningen. Im August verzog Herr Hauptlehrer S. Langstädter mit seiner Familie nach Ludwigshafen, wo er seit zwei Jahren an der jüdischen Sonderklasse als Lehrer tätig ist. In dem vollauf berechtigten Bewusstsein, dass mit seiner Person der Bestand der israelitischen Gemeinde Venningen gewährleistet ist, scheute er keine Mühe und keine Anstrengung, um jeden Tag aus einem Ort, der nicht einmal an der Bahnlinie liegt, eine einstündige Bahnfahrt zurückzulegen. Durch die Zeitverhältnisse ist auch über die Gemeinde Venningen der Niedergang gekommen. Viele Familien werden auswandern. Dasjenige, was Herr Lehrer Langstädter zusammen zu halten suchte, bricht die Zeit auseinander. Aus diesem Grunde hat Herr Lehrer Langstädter seine mit ihm so sehr verbundene Gemeinde verlassen. Doch wird sein Konnex mit den Gemeindemitgliedern nie gelöst werden, wie auch die israelitische Kultusgemeinde mit ihm in steter Dankbarkeit verknüpft bleiben wird."          


  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Jakob und Johanna Teutsch (1928)   

Venningen Israelit 03051928.jpg (46753 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1928: "Venningen, 1. Mai. Am 8. Mai feiert das Ehepaar Jakob und Johanna Teutsch im Kreise seiner 6 Kinder und 19 Enkelkinder das Fest der goldenen Hochzeit in geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Die Jubilare erfreuen sich allenthalben der größten Beliebtheit. Herr Teutsch, der jahrelang Vorstand der Gemeinde war, ist heute noch die Seele der Gemeinde. - Möge dem Jubelpaare noch ein langer und gesunder Lebensabend beschieden sein!"
 
Venningen BayrGZ 15061928.jpg (41904 Byte)Derselbe Bericht - nur im Rückblick formuliert - in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1928.

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge           
   
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden noch die Gottesdienste in den Nachbarorten Kirrweiler beziehungsweise Altdorf besucht. 1815 gab es in Venningen zumindest eine Betstube. Ob sie bereits - wie 10 Jahre später 1825 - im Haus des Jakob Teutsch I. war (damaliges Haus Nr. 133), ist nicht bekannt.  
  
Seit 1842 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. Ein eigenständiges Gebäude konnte freilich nicht erbaut werden. 1847 erwarb die Gemeinde für 1.400 Gulden das Haus des Georg Keiler in der Schafsgasse. In dem Gebäude war bis dahin ein Gasthaus eingerichtet. Die jüdische Gemeinde baute es zu einem Gemeindezentrum um. Im Erdgeschoss wurde die Lehrerwohnung eingerichtet, im Obergeschoss, dem ehemaligen Tanzsaal, wurden der Betsaal und ein Unterrichtsraum eingebaut. Es gab keine Frauenempore im Betsaal - der Frauenbereich war durch einen Vorhang getrennt. Ein rituelles Bad wurde im Hinterhaus oder im Hof errichtet.   
  
1868 musste das Gebäude gründlich renoviert werden. Dabei wurde u.a. die Decke des ehemaligen Tanzsaales durch eine gewölbte Decke, einen "künstlerisch ausgestalteten Himmel" ersetzt. In der Synagoge hatte es 70 Plätze für Männer, 50 für Frauen. Zur Ausstattung gehörten nach den Restitutionsakten 1950 u.a. zwei Kronleuchter, der Toraschrein mit fünf Torarollen, 20 Toramäntel, 30 Tora-Wimpel, vier Tora-Vorhänge, eine Ewige Lampe, ein Chanukka-Leuchter, ein Trauhimmel, zwei Schofar u.a.m.    
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet und geschändet. Auf Grund der engen Bebauung wurde sie nicht angezündet. 1942 bis 1945 wurden im Gebäude Kriegsgefangene untergebracht.   
  
Nach 1945
wurde das als Wohnung vermietet. Im Zusammenhang mit dem Restitutionsverfahren erfolgte eine Rückübertragung an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, von der das Anwesen am 5. Januar 1952 für 3.000 DM an einen Schneidermeister verkauft wurde. Seitdem wird das ganze Gebäude als Wohnhaus verwendet. Bei einem Umbau vor 1988 wurde die Decke des Betsaals entfernt. An die Zeit als Synagoge erinnert vor allem noch die Portalinschrift (5. Mose 28,6: "Gesegnet bist du bei deiner Ankunft und gesegnet bist du bei deinem Weggehen"), die 1990 bei Eingang angebrachte Gedenktafel (Text: "In diesem Gebäude befand sich von 1847-1940 die jüdische Synagoge Gemeinde Venningen 1990") und die drei Rundfenster am Giebel. 
   
Das Gebäude der früheren Mikwe wurde Anfang der 1950er-Jahre beseitigt. Ein sieben Meter tiefer, mit Sandstein ausgemauerter Brunnen, der die Mikwe speiste, ist noch erhalten. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:    Schafstraße 15 (früher Schafsgasse Gebäude Nr. 36)   
    

    
Fotos   
(Fotos: Michael Ohmsen, vgl. Seite zu Venningen in der Fotoseite von M. Ohmsen

Das ehemalige Synagogengebäude 
im Sommer 2012  
 
   
Venningen Synagoge 192.jpg (83306 Byte) Venningen Synagoge 190.jpg (107325 Byte) Venningen Synagoge 191.jpg (96023 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge im September 2012  
Die Portalinschrift mit Zitat aus 
5. Mose 28,6 (siehe oben) 
Die Gedenktafel 
von 1990 
     
     
Erinnerungen an die Deportationen 
(Fotos: Bernhard Kukatzki, 
Aufnahmen von 2013) 
Venningen Gurs BK 020.jpg (173976 Byte) Venningen Gurs BK 021.jpg (183979 Byte)
  Grabstein für Thekla Katz geb. Teutsch (1881-1940) in Gurs; Thekla Katz wurde am 
20./22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo sie am 14. Dezember 1940 umgekommen ist.  

     
      

Links und Literatur   

Links:

Website der Gemeinde Venningen 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Venningen (interner Link)     

Literatur:  

Albert Teutsch: Geschichte der Juden der Gemeinde Venningen - Familie Teutsch von 1590-1936.   
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 155.201 (mit weiteren Literaturangaben).
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 374-375 (mit weiteren Literaturangaben).

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Venningen  Palatinate.  Twelve families (55 Jews) were present in the mid-19th century, half of them farming, the other half in trade. A synagogue was consecrated in 1849 and a cemetery in 1887. In 1875, the Jewish population was 78 (total 914), dropping to 53 in 1900 and 29 in 1932. Most Jews left after Kristallnacht (9-10 November 1938), about half emigrating and the ofther half moving to other places in Germany. The last two Jews were deported to the Gurs concentration camp in October 1940. 
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. Januar 2015