Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wolfhagen (Kreis Kassel) 
Jüdische Friedhöfe

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
   
Siehe Seite zur Synagoge in Wolfhagen (interner Link) 
   
   
Zur Geschichte der Friedhöfe        
    
Ein erster jüdische Friedhof wurde im 17. Jahrhundert (?) "Auf der Liemecke" angelegt. Er war in den 1820er-Jahren voll belegt, sodass eine Erweiterung nötig war. Damals lag in der Nachbarschaft das Schützenhaus sowie eine Kegelbahn, die teilweise auf alten Gräbern erreichtet worden waren. Zunächst war eine Verlegung des Schützenhauses zur Vergrößerung der Fläche des jüdischen Friedhofes geplant, wobei die jüdische Gemeinde sowohl das neue Schützenhaus wie das Grundstück zu bezahlen gehabt hätte. Daraufhin legte die jüdische Gemeinde 1834 einen neuen Friedhof östlich der Stadt an der heutigen Wilhelmstraße an. Das Grundstück, das zuvor im Besitz der Evangelischen Kirchengemeinde war, wurde teilweise mit einer Mauer, teilweise mit einer Hecke umgeben. Die jüdische Gemeinde bemühte sich mehrere Jahrzehnte lang um eine Sicherung beziehungsweise Einfriedung des alten Friedhofes, was jedoch am ständigen Widerstand der städtischen Behörden scheiterte. 
  
Im April 1924 kam es zu einer Schändung des Friedhofes (siehe Bericht unten).    
  
Der neue Friedhof wurde mindestens bis 1935/36 belegt (Grab von Lina Gutmann). 1938 befanden sich auf ihm 177 Grabsteine, die im Zweiten Weltkrieg überwiegend zerstört und abgeräumt wurden. 
  
Nach 1945 wurden die noch vorhandenen Bruchstücke zu einer Mauer und darin integriertem Gedenkstein zusammengefasst. Der Gedenkstein wurde am 5. April 1948 eingeweiht (siehe Foto unten). Nicht zerstörte Grabsteine wurden vor dem Ehrenmal gruppiert. Die Fläche des Friedhofes beträgt 30,07 ar (Angabe Regierungspräsidium) oder 19,67 ar (Angabe der Stadt). 
 
Hinweis: ein Schlüssel zur Besichtigung des Friedhofes ist wochentags im Rathaus erhältlich, am Wochenende bei der Polizei (Anmerkung: am Samstag / Schabbat darf ein jüdischer Friedhof nicht besucht werden).  
  
  
Aus der Geschichte des Friedhofes - Schändung im April 1924  
"Tafel der Schmach" - von 1923 bis 1927 wurden 39 jüdische Friedhöfe geschändet (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. Juli 1927: 
"Tafel der Schmach - 39 jüdische Friedhöfe in Deutschland geschändet.  
Berlin.
(J.T.A.) 'Der Schild', Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, bringt unter der Überschrift 'Tafel der Schmach' ein Verzeichnis von 39 Friedhofschändungen, die sich von November 1923 bis Mai 1927 in Deutschland ereignet haben. Hier die Namen der Orte und die Daten:  
1. Sandersleben (November 1923), 2. Schneidemühl (Januar 1924), 3. Sandersleben (März 1924), 4. Rhoden, 5. Wolfhagen - Hessen (April 1924), 6. Ribnitz / Mecklenburg (Mai 1924), 7. Villing (Juli 1924), 8. Regensburg (August 1924), 9. Hemer (November 1924), 10. Hersfeld (November 1924, 11. Kleinbardorf bei Königshofen, 12. Binswangen Bez. Augsburg (Juni 1924), 13. Hagen i.W. (Juni 1924), 14. Göttingen (August 1924), 15. Beverungen (Dezember 1924), 16. Köthen (Mai 1925), 17. Plauen i.V. (Juni 1924), 18. Alsbach a.d. Bergstraße, 19. Hockenheim / Baden (Januar 1925), 20. Löwenberg (Februar 1926), 21. Pflaumloch (März 1926), 22. Erfurt (März 1926), 23. Callies (April 1926), 24. Memmelsdorf / Oberfranken (Main 1926), 25. Altdamm/Pommern (Oktober 1926), 26. Breslau (Dezember 1926), 27. Bingen (Dezember 1926), 28. Ermetzhofen / Mittelfranken (Dezember 1926), 29. Kuppenheim / Baden (Januar 1927), 30. Kerpen / Rheinland (März 1927), 31. Neviges / Regierungsbezirk Düsseldorf (März 1927), 32. Hillesheim / Rheinhessen (April 1927), 33. Moers (April 1927), 34. Krefeld (April 1927), 35. Richelsdorf / Bezirk Kassel (April 1927(, 36. Ansbach (April 1927), 37. Regensburg (Mai 1927), 38. Aufhausen bei Bopfingen (Mai 1927), 39. Rülzheim / Rheinpfalz (Mai 1927)."      

  
  
Lage der Friedhöfe    
 
Vom alten Friedhof sind keine Spuren erhalten (auf dem Grundstück steht heute der Lidl-Markt Lynkerstraße 18). 
Der neue Friedhof liegt auf der östlichen Seite der Wilhelmstraße.  
  
Link zu den Google-Maps 
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes an der Wilhelmstraße)  

Größere Kartenansicht 
   
   
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 17.6.2008)  

Wolfhagen Friedhof 150.jpg (82428 Byte) Wolfhagen Friedhof 151.jpg (106061 Byte)   
Blick auf den Friedhof vom Parkhaus Wilhelmstraße   
    
Wolfhagen 1948 10.jpg (78911 Byte) Wolfhagen 1948 11.jpg (104926 Byte)  
Die Einweihung des Gedenksteines am 5. April 1948 in Anwesenheit des damaligen
 hessischen Landesrabbiners Dr. Wilhelm Weinberg und Dr. Moses Breuer, Frankfurt
 am Main (Quelle: links: The Encyclopedia of Jewish Life Bd. 3 S. 1459; rechts:
 Arnsberg Bilder S. 207; Arnsberg datiert die Veranstaltung auf den September 1948)
  
    
Wolfhagen Friedhof 153.jpg (105267 Byte) Wolfhagen Friedhof 153a.jpg (72514 Byte)   
Der Gedenkstein von 1948 mit hebräischer und deutscher Inschrift: "Dieser
 Gedenkstein wurde aus den zerstörten Grabsteinen errichtet und soll als Symbol für
 die einst hier zur Ruhe gelegten jüdischen Einwohner als ewiges Gedenken dienen."
 
   
Wolfhagen Friedhof 159.jpg (82703 Byte) Wolfhagen Friedhof 159a.jpg (102948 Byte) Wolfhagen Friedhof 156a.jpg (118338 Byte)
"Segnende Hände" 
der Kohanim
Zerschlagene Grabsteine, 
zu einer Mauer zusammengefügt
Grabstein für Adelheid Gutheim geb.
 Kleeblatt
(1858-1931), Isack Gutheim
 (1862-1931) und Lina Gutheim (1892-1931)
     
      
Wolfhagen Friedhof 157a.jpg (81147 Byte) Wolfhagen Friedhof 157b.jpg (83379 Byte) Wolfhagen Friedhof 156b.jpg (84841 Byte)
Grabstein für Rika Kron 
(gest. 1915)
Grabstein für Jakob Reichhardt
 (1846-1926)
Grabstein für Lina Kann 
(1893-1927)

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Wolfhagen  
Zur Seite über die Synagoge in Wolfhagen (interner Link) 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Wolfhagen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Wolfhagen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365, 867 Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Wolfhagen, aufgenommen im Juli 1938 durch Baruch Wormser aus Grebenstein, wohnhaft in Kassel, Laufzeit: 1712-1723, 1795-1935 (1938)
Enthält: Bericht zur Geschichte des jüdischen Friedhofs mit Situationsplan, hebräische und deutsche Grabinschriften mit Angaben zur Grablage
  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719793     
HHStAW, 365, 860 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1851    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250857     
HHStAW, 365, 857 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031411        
HHStAW, 365, 862 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126696       
HHStAW, 365, 866 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1829 - 1936   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5493971       
HHStAW, 365, 858 Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1837 - 1874  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030596       
HHStAW, 365, 861 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1898    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379172     
HHStAW, 365, 859 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1909  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607237       
HHStAW, 365, 863 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1918    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924765    
HHStAW, 365, 868 Heiratsurkunden jüdischer Eheleute aus Wolfhagen und Abterode (3 Blatt) 1889 - 1892: Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Salomon Kleeblatt aus Röhrenfurth und Helene geb. Alexander aus Wolfhagen 1892, Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Heinemann Loewenstein aus Iserlohn in Westfalen und Bertha geb. Weilbrunn aus Abterode 1889  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245495     
HHStAW, 365, 864 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250826     
HHStAW, 365, 865 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250827      

Literatur:     

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 416-418. 

Anke Schwarz: Jüdische Gemeinden zwischen bürgerlicher Emanzipation und Obrigkeitsstaat. Studien über Anspruch und Wirklichkeit jüdischen Lebens in kurhessischen Kleinstädten im 19. Jahrhundert. 2002. S. 135-144.

Artikel von Antje Thon in der "Hessischen Allgemeinen" vom 24. September 2013 (hna.de):  "Jüdische Friedhöfe im Wolfhager Land". Beitrag zu den jüdischen Friedhöfen in Wolfhagen.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Mai 2016