Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

   
Zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in der Region  
Zurück zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz
Zurück zur Übersicht über die jüdischen Friedhöfe im Landkreis Mainz-Bingen      
    

Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz) 
Jüdischer Friedhof  
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
Siehe Seite zur jüdischen Geschichte / Synagoge in Bingen (interner Link)    
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes (nach der Darstellung von Josef Götten, Arbeitskreis "Jüdisches Bingen")       
    
Die mittelalterliche jüdische Gemeinde in Bingen hatte noch keinen eigenen Friedhof. Wie auch die Rheingauer Juden brachten die Bingener ihre Verstorbenen auf den Friedhof in Mainz.       
    
Ein jüdischer Friedhof in Bingen wurde erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegt. 1570 hatte die jüdische Gemeinde ein kleines Gelände am Berghang zwischen Wald und Weiden weit außerhalb der Stadtmauer als Begräbnisstätte erworben. Nach dem 1789 angelegten Memorbuch der Gemeinde wurde bereits 1562 eine erste Beisetzung vorgenommen. Der Eingang zu diesem Friedhof befand sich in der Süd-Ost-Ecke; das zugemauerte Tor ist noch erkennbar. Der älteste Teil des Friedhofs liegt im Osten des 265 m langen, aber unterschiedlich breiten Grundstückes. Da er auch von den umliegenden Gemeinden zur Bestattung benutzt wurde und die Zahl der jüdischen Einwohner in Bingen in der Neuzeit stetig wuchs, waren im Laufe der Zeit Veränderungen und Erweiterungen erforderlich. So wird vermutet, dass der alte Teil, der 610 Grabsteine aufweist, wenigstens einmal aufgeschüttet und aufs neue benutzt worden ist. Die Unregelmäßigkeit der Umfassungslinie deutet auf verschiedene Erweiterungen durch Ankäufe von Nachbargelände hin. Die Grabsteine des alten Teiles, die ohne erkennbare Ordnung unter hohen Bäumen und Gestrüpp stehen oder liegen, sind durchweg aus Sandstein gehauen und ziemlich gleich im Aussehen. Die oft den ganzen Stein einnehmenden Inschriften sind in hebräischer Schrift eingemeißelt. Die Gräber sind und waren nicht eingefasst, sondern eingeebnet. Der heutige Eingang liegt auf der Schnittlinie zwischen dem östlichen älteren Teil und dem westlichen neueren Teil, der 1856 angelegt worden ist. Man betritt zunächst eine Plattform mit einer niedrigen Umfassungsmauer, den Resten der 1878 errichteten und 1970 abgetragenen Trauerhalle. An der Wand hinter der Eingangstür befindet sich das Waschbecken mit Wasserhahn zur rituellen Reinigung nach dem Besuch des Friedhofs. Der neuere Teil hat einen ganz anderen Charakter; er gleicht in vielem einem christlichen Friedhof: Gerade Grabreihen mit Einfassungen und den unterschiedlichsten Grabmonumenten. In der Süd-West-Ecke des Friedhofsareals befindet sich - etwas höher gelegen - seit 1872 der Friedhof der jüdisch-orthodoxen Gemeinde. Bis 1925 war dieser Bereich durch eine Mauer abgetrennt. 
   
Trotz wiederholter Schändungen ist der jüdische Friedhof in Bingen im Laufe der Jahrhunderte einschließlich der NS-Zeit einer Verwüstung, Enteignung oder dem Zwangsverkauf mit Abräumung der Grabsteine entgangen. Mit seinen über 1.000 Grabsteinen ist er einer der bedeutendsten jüdischen Friedhöfe in Rheinland-Pfalz. Die Friedhofsfläche umfasst 93,27 ar. 
   
   
   
Aus der Geschichte des Friedhofes  
   

Schändung des Friedhofes (1905)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1905: "Ein Bubenstück wurde kürzlich in Bingen verübt, indem auf dem am Rochusberg gelegenen Friedhof der israelitischen Religionsgemeinde an mehreren Grabsteinen die Urnen abgehoben und weggeworfen wurden."   

    
Schändung des Friedhofes (1926)   

Mitteilung der der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins) vom 28. Januar 1927: "24. Dezember 1926. Bingen. Auf dem jüdischen Friedhof wurden Grabdenkmäler umgestürzt, Bronzestücke und Bronzeplatten abgeschlagen und mitgenommen."   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. Juli 1927: 
"Tafel der Schmach - 39 jüdische Friedhöfe in Deutschland geschändet.  
Berlin.
(J.T.A.) 'Der Schild', Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, bringt unter der Überschrift 'Tafel der Schmach' ein Verzeichnis von 39 Friedhofschändungen, die sich von November 1923 bis Mai 1927 in Deutschland ereignet haben. Hier die Namen der Orte und die Daten:  
1. Sandersleben (November 1923), 2. Schneidemühl (Januar 1924), 3. Sandersleben (März 1924), 4. Rhoden, 5. Wolfhagen - Hessen (April 1924), 6. Ribnitz / Mecklenburg (Mai 1924), 7. Villing (Juli 1924), 8. Regensburg (August 1924), 9. Hemer (November 1924), 10. Hersfeld (November 1924, 11. Kleinbardorf bei Königshofen, 12. Binswangen Bez. Augsburg (Juni 1924), 13. Hagen i.W. (Juni 1924), 14. Göttingen (August 1924), 15. Beverungen (Dezember 1924), 16. Köthen (Mai 1925), 17. Plauen i.V. (Juni 1924), 18. Alsbach a.d. Bergstraße, 19. Hockenheim / Baden (Januar 1925), 20. Löwenberg (Februar 1926), 21. Pflaumloch (März 1926), 22. Erfurt (März 1926), 23. Callies (April 1926), 24. Memmelsdorf / Oberfranken (Main 1926), 25. Altdamm/Pommern (Oktober 1926), 26. Breslau (Dezember 1926), 27. Bingen (Dezember 1926), 28. Ermetzhofen / Mittelfranken (Dezember 1926), 29. Kuppenheim / Baden (Januar 1927), 30. Kerpen / Rheinland (März 1927), 31. Neviges / Regierungsbezirk Düsseldorf (März 1927), 32. Hillesheim / Rheinhessen (April 1927), 33. Moers (April 1927), 34. Krefeld (April 1927), 35. Richelsdorf / Bezirk Kassel (April 1927), 36. Ansbach (April 1927), 37. Regensburg (Mai 1927), 38. Aufhausen bei Bopfingen (Mai 1927), 39. Rülzheim / Rheinpfalz (Mai 1927)."  

   
   
Lage des Friedhofes     
   
Am Fuß des Rochusberges oberhalb des kommunalen Friedhofes, erreichbar über die Waldstraße. 
  
Link zu den Google-Maps   
  

Größere Kartenansicht  
   
   
   
Plan 
(Fotos: Wolfgang Peters, Quelle: Arbeitskreis "Jüdisches Bingen")

Bingen Friedhof 010.gif (9382 Byte)
Plan des Friedhofes  

     
     
Fotos: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.3. 2005; 
Hinweis: zahlreiche Fotos finden sich auch in den Fotoseiten von Stefan Haas http://www.blitzlichtkabinett.de/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-rlp-ii/

Bingen Friedhof 211.jpg (88175 Byte) Bingen Friedhof 212.jpg (82276 Byte) Bingen Friedhof 214.jpg (85180 Byte)
Zugemauerter Zugang zum alten Teil des Friedhofes   
   
Bingen Friedhof 213.jpg (92286 Byte) Bingen Friedhof 210.jpg (92059 Byte) Bingen Friedhof 215.jpg (87996 Byte)
Im alten Teil des Friedhofes - völlig zugewachsen 
 
Bingen Friedhof 209.jpg (65445 Byte) Bingen Friedhof 208.jpg (66688 Byte) Bingen Friedhof 202.jpg (79220 Byte)
Das bis heute 
benutzte Eingangstor 
Im Eingangsbereich befindet sich ein
 Waschbecken; gleichfalls einige Steine 
aus der 1938 zerstörten Synagoge
  
 
     
Bingen Friedhof 207.jpg (74145 Byte) Bingen Friedhof 206.jpg (79423 Byte) Bingen Friedhof 205.jpg (76043 Byte)
Vom Friedhof aus Blicke über die Altstadt von Bingen    
   
Bingen Friedhof 204.jpg (83411 Byte) Bingen Friedhof 200.jpg (76021 Byte) Bingen Friedhof 201.jpg (86562 Byte)
Teilansichten des neueren Friedhofteiles 
 
  Bingen Friedhof 203.jpg (88715 Byte)  
  Rechts ein neues Grab von 2004   
     
     
Der Friedhof im Oktober 2011 
(Fotos wurden zur Verfügung gestellt von Mike Simons, Tucson, Arizona/USA; 
Album "Rosenau visit to Bingen & Gensingen"; picasaweb-Album
 
Bingen Friedhof 280.jpg (197228 Byte) Bingen Friedhof 287.jpg (256757 Byte) Bingen Friedhof 285.jpg (194821 Byte)
Angehörige / Nachkommen der Familie Simon in Gensingen und Bingen 
besuchen den Friedhof 
Blick vom Friedhof 
auf Bingen 
     
  Bingen Friedhof 281.jpg (175388 Byte) Bingen Friedhof 286.jpg (243550 Byte)
  Teilansicht 
des Friedhofes 
Reste der 1970 
abgebrochenen Trauerhalle 
        
Bingen Friedhof 284.jpg (118260 Byte) Bingen Friedhof 282.jpg (118334 Byte) Bingen Friedhof 288.jpg (119530 Byte)
Grabstein für Eva Simon geb. Simon
 (1826-1895) und Sigmund Simon 
(1819-1897) 
Grabstein von Seligmann 
und Henriette Simon 
Grabstein von Elias Simon und 
Lisa Simon geb. Wolff 
      
     
  Bingen Friedhof 283.jpg (143395 Byte)  
  Grabstein für Isaak und Jettchen Simon   
     

               

          
Links und Literatur

Link:    

Website der Stadt Bingen am Rhein  
Zur jüdischen Geschichte in Bingen siehe die Seiten des Arbeitskreises "Jüdisches Bingen"  
Zur Seite über die Synagogen in Bingen  (interner Link)       
Epigraphische Datenbank des Steinheim-Institutes zum jüdischen Friedhof in Bingen  
Fotoseiten von Stefan Haas mit zahlreichen Fotos zum jüdischen Friedhof in Bingen: http://www.blitzlichtkabinett.de/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-rlp-ii/   

Literatur

Germania Judaica II,1 S. 82-85; III,1 S. 116-128 (Lit.). 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. I, S. 75-79.  
Martina Strehlen: Der jüdische Friedhof in Bingen und die Erfassung seiner Inschriften. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 5. Jahrgang, Ausgabe 2/95 S. 48-56. Beitrag online zugänglich (pdf-Datei).   
Martina Strehlen/Dan Bondy: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bingen und ihres Friedhofes. Ein edler Stein sei sein Baldachin. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1996 S. 109-147.  

        
         

                   
vorheriger Friedhof     zum ersten Friedhof    nächster Friedhof   

        

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Januar 2016