Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Romrod mit Oberbreidenbach (Stadt Romrod, Vogelsbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
bulletLinks und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Romrod bestand eine jüdische Gemeinde bis Ende 1935. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Die Anwesenheit mindestens einer jüdischen Familie am Ort ist für 1650 nachgewiesen. Im "Beitrag zur Geschichte der Juden in Oberhessen von ihrer frühesten Erwähnung bis zur Emanzipation" von Rosy Oppenheimer 1931 Heft 4  S. 257 wird von einer Erwähnung jüdischer Personen in Romrod aus der Zeit "um 1600" gesprochen (mit damaligem Quellenhinweis: Hessisches Staatsarchiv XI 2 Konv. 4 fol. 4).
  
Seit 1798 bestand in Romrod eine selbständige jüdische Gemeinde.    
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 28 jüdische Familien, 1830 47 jüdische Einwohner, 1871 74, 1880 41 (4,6 % von insgesamt 876 Einwohner), 1895 38, 1893 43 (in 10 Familien), 1897 40 (in 9 Familien), 1898/99 44 (in 11 Haushaltungen), 1900-1905: 33/30 (in 9 Haushaltungen, 4,0 % von 816), 1905 26, 1910 16 (2,0 % von 793). Zur Gemeinde gehörten auch die im Ort Zell bei Alsfeld lebenden jüdischen Familien (um 1900 zwei Familien).
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (alle Einrichtungen im Synagogengebäude s.u.). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Angenrod beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise - ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten von 1877 und 1884). Genannt werden: um 1859 Lehrer Steinberger (vgl. AZJ vom 18.7.1859 S. 429), um 1863 Lehrer Plaut (genannt als Teilnehmer bei der zweiten Konferenz israelitischer Lehrer Oberhessens in Kirchhain am 24.9.1863; in "Der israelitische Lehrer" vom 22.10.1863 S. 170), um 1885/93 Lehrer L. Aberbach (unterrichtete 1891 - gegen ein Entgelt von 50 Pfg. pro Kind - auch 10 Kinder in Lauterbach und Maar, 1903 8 Kinder in Romrod; Jahrbuch der Jüd.-Literarischen Gesellschaft 1927 S. 86). 1899 erteilte Lehrer Werthan aus Ober-Gleen den Religionsunterricht in Romrod (1893 noch 3, 1897 noch 6, 1899 9 Kinder in der Gemeinde).
  
Die Gemeinde gehörte zum liberalen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in Gießen
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1878/84 Isaak Flörsheim; um 1889 Isaak Flörsheim, M. Stein und L. Aberbach; um 1894 Isaak Flörsheim, M. Stern und Baruch Flörsheim;  um 1899 Baruch Flörsheim und Isaak Flörsheim; um 1901/03 Baruch Flörsheim, Isaak Flörsheim, F. Ullmann.  
 
Im Ersten Weltkrieg sind von den jüdischen Kriegsteilnehmern aus Romrod gefallen: Lehrer (in Ulrichstein) Simon Rothschild (geb. 11. September 1895 in Romrod als Sohn von Abraham Rothschild, gef. 24. April 1918, siehe Artikel unten), Kaufmann Adolf Stern (geb. 1894 in Romrod, gef. 1. Oktober 1918), Leopold Ullmann (geb. 1885 in Romrod, gef. 31. Mai 1915). Simon Rothschild wurde für seinen Kriegseinsatz mit dem Eisernen Kreuz II und der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet sowie zum Unteroffizier ernannt ("Israelitisches Familienblatt" vom 4.10.1917 und Artikel unten). Auch Musketier Isidor Lorsch (Sohn des David Lorsch in Romrod) erhielt sowohl die Hessische Tapferkeitsmedaille wie auch das Eiserne Kreuz II ("Israelitisches Familienblatt" vom 28.12.1917 und 5.4.1918 S.14). Der Kriegsfreiwillige Bernhard Lorsch (Sohn des David Lorsch; im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 116) erhielt das Eiserne Kreuz II ("Israelitisches Familienblatt" vom 18. Mai 1916 S. 2, "Dr. Bloch's Österreichische Wochenschrift" vom 2.6.1916). Sally Rothschild (Sohn des Abraham Rotschild; im bayerischen Reserve-Infanterieregiment Nr. 13) wurde gleichfalls mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet ("Israelitisches Familienblatt" vom 30.7.1915 S.3, "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 23. Juli 1915 S. 557). 
 
Um 1924, als noch 15 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,7 % von insgesamt etwa 850 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher David Lorsch, Leopold Fischer und Adolf Stern. Zur Gemeinde Romrod gehörten auch die vier damals in Oberbreidenbach lebenden jüdischen Personen. 1932 waren als Vorsteher dieselben Personen wie sieben Jahre zuvor eingetragen: David Lorsch (1. Vors.), Adolf Stern (2. Vors.) und Leopold Fischer (3. Vors.).   
    
1933 lebten noch 13 jüdische Personen am Ort (1,5 % von 859). In den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Ende Oktober 1935 wurde die Gemeinde mit Genehmigung des Provinzialrabbiners Dr. Sander aufgelöst. Drei der jüdischen Einwohner von 1933 konnten in die USA emigrieren, die übrigen sind innerhalb von Deutschland verzogen. 1939 waren keine jüdischen Personen mehr in Romrod wohnhaft. 
        
Von den in Romrod geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Salomon Flörsheim (1864), Jenny Jacobsohn geb. Flörsheim (1894), Emmy (Jenny) Lindemann geb. Rothschild (1892), Grete Schwarz geb. Rothschild (1885). 
Von den in Oberbreidenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Goldschmidt geb. Stern (1888), Klara Katz geb. Stern (1901), Selma Levy geb. Stern (1899), Adolf Stern (1891), Marim Stern (1897), Moritz Stern (1900, Gedenkbuch Karlsruhe). 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1878 / 1884 / 1896 sowie Ausschreibung von Angenrod aus 1910 

Romrod Israelit 07031877.jpg (32932 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1877: "Die hiesige israelitische Religionslehrer- und Vorbeterstelle ist vakant und wäre durch eine ledige Person zu besetzen. Reflektanten belieben sich unter Beischluss ihrer Zeugnisse und Offerten an den Vorstand zu wenden.
Romrod. Der Vorstand Isaac Flörsheim."
  
Romrod Israelit 15081877.jpg (32988 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1877: "Die hiesige Religionslehrer- und Vorbeter-Stelle ist vakant. Der Gehalt besteht in 514 Mark, freie Wohnung und Holz. Es wird reflektiert auf eine ledige Person. Bewerber wollen sich brieflich mit Zeugnissen an uns wenden.
Romrod, den 12. August 1877. Der israelitische Vorstand." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1878: "In hiesiger israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters vakant mit einem Gehalt von 514 Mk. 29 Pf. nebst freier Wohnung und Holz.
Reflektiert wird auf eine unverheiratete Person.
Romrod
(Oberhessen), 7. April 1878.
Der israelitische Vorstand: I. Flörsheim." 
Anmerkung: Die Stelle in Romrod war damals offenbar nicht leicht zu besetzen. Eine weitere Ausschreibung erfolgte in "Der Israelit" am 30. Oktober 1878.   
   
Romrod Israelit 07011884.jpg (46329 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1884: "In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters vakant, mit einem jährlichen Gehalt von 514 Mark, 29 Pfennig nebst freier Wohnung und Holz. Reflektiert wird auf eine unverheiratete Person, welche sich durch Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden wolle. 
Romrod (Oberhessen), am 1. Januar 1884. Der israelitische Vorstand Isaac Flörsheim."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1892:"Die hiesige Religionslehrer- (8 Schüler) & und Vorbeterstelle ist vakant mit einem Gehalt von 514 M. 29 Pfg., freier Wohnung und Heizung. Nur unverheiratete junge Reflektanten wollen sich durch Beifügung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden.
Romrod (Oberhessen), 10. Juli 1892.
Der Vorstand: B. Flörsheim."    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1896: "Die hiesige Religions- und Vorbeterstelle ist zu besetzen. Gehalt 514 Mk. nebst freier Wohnung und Heizung und sonstigen Nebeneinkünften. Unverheiratete reichsangehörige Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. 
Romrod, 8. November 1896.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Baruch Flörsheim."   
 
1910 wurde die Stelle in Angenrod ausgeschrieben und dabei darauf hingewiesen, dass der künftige Lehrer auch Stellen in Kirtorf, Ober-Gleen und Romrod übernehmen könne. 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. April 1910: "Vakanz
In unserer Gemeinde ist die Stelle als
Religionslehrer, Vorbeter und Schächter
zu besetzen.
Garantiertes Einkommen 1200 Mark p. a. nebst freier Wohnung und Heizungs-Vergütung, großen Garten. Auch kann die Religionslehrerstelle in Kirtorf, Obergleen und Romrod mit 800 Mark Einkommen mit übernommen werden.
Bewerber, die ihr Staats-Examen abgelegt haben, wird ihre staatliche Anstellung bei Engagement schriftlich von uns garantiert.
Angenrod (Oberhessen). Der Vorstand
Rotschild."  

   
Nach Lehrer L. Röthler, ehemals in Romrod wird gesucht (1882)  
Anmerkung: es ist unklar, wann L. Röthler in Romrod und Wetter (nicht: Wettern) als Lehrer tätig war und wieso er von Kantor A. Baer gesucht wurde.
Ein Lehrer Leopold Röthler (geb. 13. Oktober 1861, zu jung für Anfrage 1882?; eventuell gab es noch einen anderen jüdischen Lehrer L. Röthler, aber der Familienname ist selten) begegnet 1892 in der Gemeinde Münchweiler, 1894 in Ortenberg, 1896 in Hottenbach, 1898/99 in Meudt, 1924 in Geinsheim (bei Neustadt a.d.W.). Weiteres zu seiner Familiengeschichte siehe in der Seite zu Geinsheim   

Anzeige in der "Österreichisch-ungarischen Kantorenzeitung" vom 25. Januar 1885: "Bitte zu beachten.
Herr L. Röthler, früher Lehrer in Romrod und Wettern wird dringend ersucht, seinen jetzigen Aufenthalt dem Unterzeichneten mitzuteilen.
Cantor A. Baer.

    
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
In der Synagoge in Romrod wird eine jüdische Konfirmation gefeiert (1840)    
Anmerkung: Im Zuge von liberalen Reformen in jüdischen Gemeinden Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele Gemeinden statt der traditionell individuellen Bar Mizwa-Feier die gemeinsame "Konfirmationsfeier" eines Jahrganges im Synagogengottesdienst eingeführt. 

Romrod Israelit19Jh 11101840.jpg (26985 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 11. Oktober 1840: "Desgleichen wird aus einer anderen kleinen Gemeinde, Romrod, im Großherzogtum Hessen, der Akt einer Konfirmation gerühmt, welchen der Lehrer A. Cahn als Alsfeld zur allgemeinen Erbauung der israelitischen und christlichen Zuhörer in der dortigen Synagoge gehalten."

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod von M. Stern (1894) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1894: "Romrod, (Oberhessen.) Am 25. vorigen Monats starb eines unserer bewährtesten Gemeindemitglieder, Herr M. Stern, nach kurzem Krankenlager im 67. Lebensjahre. Derselbe war weit und breit als ein mustergültiger Wohltäter in des Wortes edelster und schönster Bedeutung bekannt Er verpflegte Arme, spendete viel und gern, Hungrige nahm er gastfreundlich in sein Haus auf, speiste sie nach Hülle und Fülle, da Wohltätigkeit ihm ein teures Gut war. Aber auch seine Frömmigkeit stand ihm um nichts nach, aus vollkommener Gottesüberzeugung, aus dem tiefsten Grunde seines Innern diente er Gott sein ganzes Leben lang mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele."    

  
Lehrer Simon Rothschild (geb. 1895 oder 1896 in Romrod) ist im Krieg gefallen (1918) 

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juni 1918: "Auf den Schlachtfeldern des Westens fand am 24. April der Kollege Rothschild - Ulrichstein  den Heldentod fürs Vaterland
Rothschild war 1896 in Romrod (Oberhessen) geboren. Er war der Jüngste seiner Familie, der Liebling seiner Eltern und Geschwister. Er besuchte die Volksschule seines Geburtsortes und zeichnete sich frühzeitig durch außergewöhnliche Intelligenz und hervorragendes Streben aus. Seine Lehrer und besonders der Schulinspektor drängten die Eltern, den hoch begabten Knaben, wie es seinem eigenen Wunsche entsprach, dem Lehrerberufe zuzuführen. Er besuchte die Präparandenschule zu Höchberg und sodann das Lehrerseminar zu Köln. Nachdem er kaum ein Jahr in Ulrichstein als Lehrer amtiert und in der kurzen Zeit sich die Liebe und Zuneigung seiner Gemeinde und seiner Schüler erworben, brach der Weltkrieg aus, und auch er wurde zu den Waffen gerufen. Bei dem Garde-Grenadierregiment Nr. 5 in Berlin erhielt er seine Ausbildung, kam ins Feld, und mehr als drei Jahre hat er die Strapazen des furchtbaren Weltkrieges ertragen. Er wurde zum Unteroffizier befördert, erhielt das Eiserne Kreuz und die hessische Tapferkeitsmedaille.
In ihm verlieren seine tiefgebeugten Eltern einen gar wackeren Sohn, der ihnen die Stütze ihres Alters werden sollte, und nicht minder die Lehrerschaft ein aufstrebendes Mitglied, das durch natürliche Anlage und edle Charaktereigenschaften berufen schien, einmal eine Zierde seines Standes zu werden.
Er ruhe sanft in Frieden; der Allgütige tröste die trauernden Seinen!     M. St."   

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Landesproduktenhandlung Siegmund Flörsheim (1899) 

Anmerkung: bereits aus den Jahren vor 1899 liegen etliche Anzeigen von Siegmund Flörsheim in jüdischen Periodika vor.

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1899: "Suche für mein Frucht-, Mehl- und Futter-Artikel-Geschäft einen angehenden Commis. Kost und Logis im Hause. Samstags geschlossen.
Siegmund Flörsheim,
Romrod
, Oberhessen."  

     
Anzeige von A. Flörsheim (Suche nach einer Haushälterin, 1908)  

Anzeige in der "Neuen jüdischen Presse" ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt") vom 21. August 1908: "Suche
für längere Zeit in meinem ländlichen kleinen Haushalt (2 Kinder, 11 und 8 Jahre alt) eine selbständige
Haushälterin,
Dienstmädchen vorhanden.
A. Flörsheim, Romrod
, Oberhessen."   

     
Anzeige von David Lorsch (Stellensuche für seinen Sohn, 1916) 

Anmerkung: unklar, für welchen Sohn er die Stelle sucht: David Lorsch hatte mindestens zwei Söhne, die im Ersten Weltkrieg im Kriegseinsatz waren: Bernhard und Isidor.  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. April 1916:
"Suche für meinen Sohn, welcher die Lehre als Bäcker und Konditor beendet hat,
sofort Stelle.
David Lorsch  Romrod (Hessen).
"   

   
Anzeigen von M. Lorsch (1919) 
Anmerkung: die Anzeigen dürften von Moritz = Morris Lorsch stammen (damals 20 Jahre alt, siehe unten)

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. November 1919: "Suche Stelle
als Bäcker und Konditorgehilfe,

wo es mir möglich ist, mich in der Konditorei weiter auszubilden. Habe schon in der Bäckerei selbständig gearbeitet, Zuschriften erbeten an
Moritz Lorsch, Romrod
bei Alsfeld."    
 
Anzeige in der "Neuen Jüdischen Presse" ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt") vom 19. Dezember 1919: "Bäcker und Konditorgehilfe
sucht Stellung in einer Bäckerei gegen geringen Lohn,
Angebote an M. Lorsch, Romrod, Oberhessen."

   
Verlobungsanzeige von Rose Mayer und Moritz Lorsch (1923)    

In der Anzeige steht Rose Meyer, spätere Schreibweise Mayer  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1923: "Rose Mayer - Moritz Lorsch.
Verlobte.   
Seeheim an der Bergstraße - Romrod in Oberhessen - Frankfurt a. Main, Rechneigrabenstraße 12b.  Juni 1923."   

    
Geburtsanzeige von Frederic Zadok Lorsch (1928)  
Anmerkung: Frederic Z. Lorsch ist nach https://de.findagrave.com/memorial/211917898/frederic-z-lorsch am 15. November 1926 in den USA (Illinois) geboren. Er war als "Accountant" tätig und starb am 14.März 1968 in Lincolnwood, Cook County, Ill.  Er wurde im Westlawn Cemetery in Norridge, Cook County, Ill. beigesetzt. 
Die Gräber von Rose Lorsch (1900-1962) https://de.findagrave.com/memorial/131363560/rose-lorsch und Morris Lorsch (1899-1953) https://de.findagrave.com/memorial/131363559/morris-lorsch im Zion Gardens in Chicago, Cook County Ill. mit Fotos der Grabsteine. 

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. Januar 1928: "Fred Zadok
Die Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an 
Morris Lorsch und Frau Rose geb. Mayer 
 
Romrod (Oberhessen) -  Chicago Ill.   Seeheim a.d. Bergstraße".  

    
    
  
  
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Zunächst wurden die Gottesdienste in Angenrod beziehungsweise in Alsfeld besucht; vermutlich war auch bereits ein Betraum in einem der jüdischen Wohnhäuser vorhanden.   
  
1837 kaufte die israelitische Gemeinde ein 1722 als bäuerliches Wohn- und Wirtschaftsgebäude erbautes Haus ("Vogelsberger Einhaus am Ocherbach") und baute es in den folgenden Jahren zu einer Synagoge mit Schulraum, Lehrerwohnung und rituellem Bad um. In der bisherigen Scheune wurde der Synagogensaal mit einer Frauenempore im Obergeschoss eingebaut. Das rituelle Bad wurde in einer nordöstlich davon befindlichen Kammer eingerichtet. Der Umbau wurde vom damaligen Kreisbaumeister Sonnemann betreut, der auch die klassizistische Synagogeneinrichtung entworfen hatte. Am 16. September 1843 konnte die Synagoge eingeweiht werden. 1857 wird von der feierlichen Einweihung einer neuen Torarolle berichtet. Dabei wirkten auch christliche Schulkinder mit. 
 
Einweihung einer neuen Torarolle (1857)  

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1857: "Ich erlaube mir noch einige Notizen von auswärts anzuführen. In dem großherzoglich hessischen Orte Romrod wurde im Laufe dieses Sommers eine von einem Privaten gewidmete Torarolle mit großem Pompe eingeweiht. In der Synagoge unterstützten die christlichen Ortsschüler die nur geringe Zahl der jüdischen Kinder beim Singen einiger Lieder aus dem Philippson'schen Gesangbuche."   

  
Fast 100 Jahre war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Romrod. Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner konnte Mitte der 1930er-Jahre kein Gottesdienst mehr abgehalten werden. Die vier letzten Gemeindemitglieder verkauften das Grundstück mit dem Gebäude im Oktober 1935 an einen nichtjüdischen Landwirt für 5.000 RM. In den folgenden Jahren wurde die ehemalige Synagoge als Scheune und Lager verwendet.  
 
In den 1980er-Jahren befand sich das Gebäude inzwischen in baufälligem Zustand - der Abbruch drohte. Nach einem erneuten Besitzerwechsel 1988 und einem Übergang in den Besitz der Stadt Romrod im April 1992 kamen Überlegungen auf, die ehemalige Synagoge als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung für die Zukunft zu erhalten. 
 
In enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Romrod, dem Landesamt für Denkmalschutz und einem Architekturbüro wurde die ehemalige Synagoge in den Jahren 2001 bis 2006 denkmalgerecht saniert. Die Kosten in Höhe von etwa 750.000 € teilten sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stadt Romrod; außerdem wurden Mittel aus dem Dorferneuerungsprogramm zur Verfügung gestellt. Am 16. Juni 2006 wurde die restaurierte Synagoge als "Kulturhaus ehemalige Synagoge" eröffnet und wird seitdem für kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Lesungen, Theater, standesamtliche Trauungen usw.) genutzt. Erhalten und restauriert werden konnte die Innenausstattung der Synagoge einschließlich der Unterkonstruktion des Toraschreines und der Emporenanlage.  
     
     
Adresse/Standort der Synagoge        Schlossallee  
     
     
Fotos  

Die ehemalige Synagoge vor der
 Restaurierung
(Quelle: Außenaufnahmen 
aus Altaras 1988 S. 112; Innenaufnahmen 
aus einer Seite von
  www.juedisches-museum-vogelsberg.de
Romrod Synagoge a011.jpg (75369 Byte) Romrod Synagoge a010.jpg (75080 Byte)
    Blick von Westen auf das Gebäude  Blick von Osten auf das Gebäude
     
 Romrod Synagoge 060.jpg (23551 Byte) Romrod Synagoge 063.jpg (18852 Byte) Romrod Synagoge 061.jpg (22370 Byte)
 Blick zur ehemaligen Frauenempore    Auf der ehemaligen Frauenempore    
         
Baubestandspläne (gezeichnet 
durch TH Darmstadt; 
Quelle: Altaras 1994 S. 102.104)
Romrod Synagoge a012.jpg (48794 Byte) Romrod Synagoge a013.jpg (47653 Byte)
    1 = Synagoge, 2 = rituelles Bad, 
3 = Küche und Feuerung, 4 = Stube, 
5 = Empore im Obergeschoss
Lage und Versorgung 
des Ritualbades
 
           
Die ehemalige Synagoge während der Restaurierung 2002 (Quelle für Foto links:
 Karl-Eberhard Feussner, Alsfeld bei
  www.synagogen.info mit Hinweis auf Bildrecht
 bei der Denkmalakademie e.V.)
Romrod Synagoge 162.jpg (39334 Byte)   Romrod Synagoge 070.jpg (80762 Byte)
    Blick von Westen   Im Inneren während der Restaurierungsarbeiten 
(Foto erhalten von Bernd Rausch, 
Heimat- und Kulturverein Romrod)
 
 
       
       
 Die restaurierte ehemalige Synagoge
 im März 2008
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.3.2008)
       
Romrod Synagoge 201.jpg (77530 Byte) Romrod Synagoge 200.jpg (74607 Byte) Romrod Synagoge 202.jpg (57925 Byte)
Rückwärtige Ansicht des Synagogengebäudes (von Osten) Vorbau des ehemaligen Toraschreines
     
Weitere Außen- und Innenansichten des Synagogengebäudes, 
(erhalten von Bernd Rausch, Heimat- und Kulturverein Romrod im Februar 2011) 
    
Romrod Synagoge 080.jpg (124923 Byte) Romrod Synagoge 081.jpg (120064 Byte) Romrod Synagoge 096.jpg (129345 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge (von Nordwesten) Blick auf dem Synagogengebäude
      
Romrod Synagoge 083.jpg (179413 Byte) Romrod Synagoge 082.jpg (145105 Byte) Romrod Synagoge 821.jpg (188962 Byte)
Rückwärtige Ansicht des Synagogengebäudes (von Osten) Blick von der Schlossmauer des Schlosses
 Romrod auf die ehemalige Synagoge (Mitte)
    
     
Romrod Synagoge 086.jpg (71573 Byte) Romrod Synagoge 084.jpg (59823 Byte) Romrod Synagoge 820.jpg (102033 Byte)
Blick von der ehemaligen 
Frauenempore in den Betraum
Blick nach Osten - 
zum Standort des 
ehemaligen Toraschreines
Halbrundfenster über dem Standort 
des ehemaligen Toraschreines 
mit Blick zum Schloss Romrod
   
     
Romrod Synagoge 087.jpg (58000 Byte) Romrod Synagoge 092.jpg (79214 Byte) Romrod Synagoge 093.jpg (165756 Byte)
Westliche Seite des Betsaales, rechts ist 
über den Säulen die Frauenempore erkennbar
Säulenkapitelle unter 
der Frauenempore
Hinweistafel 
"Hessischer Denkmalschutzpreis 2007" 
     
Romrod Synagoge 090.jpg (64382 Byte) Romrod Synagoge 094.jpg (74551 Byte) Romrod Synagoge 095.jpg (54101 Byte)
Treppenaufgang zur ehemaligen Frauenempore  Blick von der Frauenempore 
in den Betraum 
    
      
Romrod Synagoge 089.jpg (49434 Byte) Romrod Synagoge 091.jpg (124638 Byte) Romrod Synagoge 088.jpg (55273 Byte) 
Informationstafeln; die linke Tafel auch in hoher Auflösung (bitte anklicken)    Im Raum der ehemaligen Mikwe
     
  Romrod Schule 010.jpg (90634 Byte)  
  Innenansicht des ehemaligen Raumes der
 jüdischen Schule (heute Domizil des
 Männergesangvereins 1858 Romrod)
 
     
Erinnerung am ehemaligen jüdischen
 Wohnhaus Alsfelder Straße 6 
(Fotos erhalten von Bernd Rausch) 
Romrod Ort 191.jpg (150071 Byte) Romrod Ort 190.jpg (99816 Byte)
  Am Wohnhaus Alsfelder Straße 6 erinnert eine Hinweistafel an frühere jüdische Hauseigentümer (Familien Flörsheim und Lorsch). Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass das Haus in der NS-Zeit an die Reichsfinanzverwaltung kam und nach Klärung des Restitutionsverfahrens nach 1945 vorübergehend wieder der Familie Isidor Lorsch gehörte, die es jedoch weiterverkauft hat.   
      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
    

Januar 2011: Vortragsreihe zur Aufarbeitung des in der NS-Zeit Geschehenen  
Artikel im "Lauterbacher Anzeiger" vom 6. Januar 2011 (Artikel): 
"Romrod. Den Faden der Geschichte der jüdischen Gemeinde aufnehmen
ROMROD. Am 13. Januar startet in der Romröder Synagoge die Vortragsreihe 'Die verlorene Welt'
Romrod
(rwh). Heute in einer Woche beginnt in Romrod eine kleine Geschichts- und Vortragsreihe, mit der die Initiatoren, der Heimat- und Kulturverein, sich besonders der jüdischen Geschichte ihrer Stadt widmen wollen. Unter dem Titel 'Die verlorene Welt' werden im 14-Tag-Rhythmus Heimatforscher, Experten und Zeitzeugen 'das noch vorhandene Wissen' über dieses Kapitel der Stadtgeschichte zusammentragen, wie Romrods Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg, eine der Initiatoren der Reihe, deren Zielsetzung beschreibt..."  
 
Januar 2011Erster Vortrag in der Reihe "Die verlorene Welt" mit einem Filminterview mit Michael Maynard   
Artikel im "Lauterbacher Anzeiger" vom 15. Januar 2011 (Artikel): "Auf der Suche nach dem ehemaligen jüdischen Leben
ROMROD. Auftakt der Reihe 'Die verlorene Welt' in der restaurierten Romröder Synagoge. 
(gsi). Den Faden der jüdischen Geschichte Romrods neu aufzunehmen, das ist das Ziel eines Projektes, das am Donnerstagabend in der ehemaligen Synagoge in Romrod startete. Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg konnte zur Auftaktveranstaltung einer ganzen Reihe von Vorträgen, die den Romröder Bürgern helfen soll, sich auf die Suche nach ehemaligem jüdischem Leben in ihrer Stadt zu begeben, neben dem ersten Redner Heinrich Dittmar zahlreiche Gäste in dem Bethaus begrüßen, darunter auch Vertreter anderer Gemeinden, die bereits einen tiefen Blick in ihre jüdische Vergangenheit gewagt und geschafft haben und die in späteren Vorträgen in der Synagoge in Romrod zu Wort kommen werden..."     
 
Januar 2011: Zweiter Vortrag in der Reihe "Die verlorene Welt" am Holocaust-Gedenktag über die "Suche nach einem neuen Zuhause"     
Romrod PA 29012011.jpg (136655 Byte)Artikel von "de" in der "Oberhessischen Zeitung" vom 29. Januar 2011: "Auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Vortrag von Dr. Marlene Bock in der Romröder Synagoge. 
ROMROD
(de). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Die verlorene Welt' lud die Stadt Romrod in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Kulturverein Romrod zu einem gut besuchten Vortrag mit dem Ziel, das Wissen über das jüdische Leben in Romrod zusammenzutragen. Die Veranstaltung fand am Donnerstagabend statt, dem Jahrestag der denkwürdigen Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee, der sich zum 66. Mal jährte...."    
 
Februar 2011: Dritter Vortrag in der Reihe "Die verlorene Welt" zur Geschichte der Juden im Vogelsberg        
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 12. Februar 2011 (Artikel): "Auf dem Judenpfad dem jüdischen Leben auf der Spur
ROMROD
. Über Juden im Vogelsberg referierten Ernst-Uwe Offhaus und Joachim Legatis. 
(gsi). 'Dies ist der Versuch, Erinnerung zu bewahren' - mit diesem Wunsch begann ein Film über das jüdische Leben in Kestrich, mit dem am Donnerstagabend Ernst-Uwe Offhaus seinen Vortrag in der ehemaligen Synagoge in Romrod eröffnete. Dieser Wunsch steht auch hinter der Veranstaltungsreihe 'Die verlorene Welt', die vom 13. Januar bis zum 10. März in vierzehntägigem Rhythmus Vorträge über die Erforschung jüdischen Lebens anbietet...."    
 
Februar 2011: Vierter Vortrag in der Reihe "Die verlorene Welt" über "Aufarbeitung der Vergangenheit - aber wie?"     
Artikel von "gsi" im "Gießener Anzeiger" vom 26. Februar 2011 (Artikel): "Sammeln und Erinnerungen wecken
ROMROD. Albert Naumann gibt in der Reihe 'Die verlorene Welt' Praxistipps für die Suche nach jüdischem Leben

(gsi). 'Willst du deine Vergangenheit erkennen, dann betrachte dich selbst in der Gegenwart, denn sie ist das Resultat deiner Vergangenheit.' Mit diesem Zitat von Buddha begrüßte am Donnerstagabend Stadtrat Bernd Rausch zahlreiche Gäste sowie den Referenten Albert Naumann in der ehemaligen Synagoge zur vierten Veranstaltung der Reihe 'Die verlorene Welt', mit der Romrod die eigene Suche nach jüdischem Leben starten will..."      
  
März 2011: Fünfter Vortrag der Reihe "Die Verlorene Welt" am 10. März 2011    
Romrod TB SCohn 010.jpg (98220 Byte)Foto links. Wiedergabe eines Poesiealbum-Eintrages von 1935, aus der Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge in Romrod: Selma Cohn schrieb einer Mitschülerin, christlichen Glaubens diesen eindrücklichen Text in ihr Album.
Pressemitteilung des Heimat- und Kulturvereins Romrod Anfang März 2011:    
"Die Stadt Romrod und der Heimat- und Kulturverein präsentieren am Donnerstag den 10. März, 20.00 Uhr die letzte Veranstaltung der Reihe "Die Verlorene Welt" im Betsaal der ehemaligen Synagoge am Ocherbach. Referent Heinrich Dittmar und Zeitzeugen aus Romrod werden versuchen, die Geschehnisse der Zeit vor und nach 1933 zu erhellen. Interessierte Menschen sind herzlich eingeladen."
  
Artikel von "mel" im "Gießener Anzeiger" vom 12. März 2011 (Artikel): "Erinnerungen dürfen nicht verloren gehen
ROMROD. 'Die verlorene Welt': Heinrich Dittmar tauscht mit Romröder Zeitzeuginnen Wissen über die jüdische Gemeinde aus. 

(mel). In Erinnerungen an lang vergangene Zeiten schwelgte man am Donnerstagabend in der Romröder Synagoge. Beim letzten Vortrag der Reihe 'Die verlorene Welt' berichtete Heimatforscher Heinrich Dittmar über das jüdische Leben in Romrod. Gemeinsam mit Romröder Zeitzeuginnen trug er Informationen über jüdische Familien, deren Lebensumstände und Werdegang zusammen. Ein bisschen wehmütig zeigte sich Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg: Am vergangenen Donnerstag hielt Heimatforscher Heinrich Dittmar den letzten Vortrag der Reihe 'Die verlorene Welt' im Betsaal der Synagoge am Ocherbach in Romrod. Bei Kerzenschein von siebenarmigen Leuchtern berichtete Dittmar davon, was er über das jüdische Leben in Romrod zusammengetragen hatte. 'Es geht nicht darum, die NS-Zeit aufzuarbeiten', betonte Dittmar. Im Mittelpunkt standen an diesem Abend vielmehr die konkreten Erfahrungen, die Juden in Romrod gemacht haben..."    
  
März 2011: Besichtigung der jüdischen Friedhöfe in Kirtorf und Angenrod  
Artikel im "Lauterbacher Anzeiger" vom 21. März 2011 (Artikel): "Auf Spurensuche nach einstigem jüdischen Leben
KIRTORF.  'Die verlorene Welt': Exkursion zu jüdischen Friedhöfen - Spuren auf dem Friedhof in Angenrod weisen nach Romrod. 

(gsi). Zum Abschluss der Reihe 'Die verlorene Welt', die seit Januar den Auftakt für Romrods Suche nach jüdischem Leben im Ort bildete, hatte Albert Naumann, Judaika-Forscher aus Kirtorf, zu einer Exkursion zu den jüdischen Friedhöfen in Kirtorf und Angenrod eingeladen. Am Freitagnachmittag startete diese im Kirtorfer Rathaus mit einem kurzen Überblick über das jüdische Leben in Kirtorf, über das Naumann seit einigen Jahren sehr engagiert recherchiert..."      
  
November 2017: Besuch von Nachkommen der Familie Lorsch   
Artikel in der Alsfelder Allgemeine" vom 30. November 2017: "Für Enkelin schließt sich Kreis. 
Bereits zum vierten Mal besuchte Carla Gordon, die Enkelin der aus Romrod vertriebenen jüdischen Familie Lorsch, die ehemalige Heimat ihrer Mutter, Großeltern und Urgroßeltern. Seit 2008 hat sich für die aus Quincy (Illinois) angereiste Carla Gordon durch den Kontakt zu Horst Blaschko, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins, eine Beziehung zu Romrod entwickelt. Bereits in 2011 war sie mit zwei ihrer erwachsenen Kinder im Vogelsberg, um ihnen die Heimat ihrer Vorfahren zu zeigen.
Dieses Mal hatte Carla Gordon, die in den USA in Vorträgen über die Lebensgeschichte ihrer Eltern und deren Familien berichtet, etwas Besonderes mitgebracht, um es dem Heimat- und Kulturverein als Dauerleihgabe zu überreichen. Es handelt sich um ein Ölbild des früheren Hauses Lorsch in Romrod, welches ihre Mutter wahrscheinlich von einem Chicagoer Auftragsmaler nach einer Fotovorlage hat malen lassen.
Dieser Tage fand in der ehemaligen Synagoge die Übergabe des Bildes statt. Dieses Bild hatte für die 1997 verstorbene Johanna Lorsch eine große Bedeutung. Auch deshalb möchte es die Tochter Carla Gordon in Absprache mit ihren Kindern der Stadt zur Verfügung stellen. In ihrer Ansprache berichtete Gordon darüber, dass sie durch ihren Vater Herbert Weil, ein mit seinen Eltern aus Steinheim in Ostwestfalen geflohener und in die USA entkommener Jude, und ihrer Großmutter, die der Deportation nach Ausschwitz entkommen konnte, seit der Kindheit langjährige Kontakte zu Steinheim hat.
Über Romrod, den Geburtsort ihrer Mutter, erfuhr sie erst durch den Kontakt zu Horst Blaschko. Die Besuche in den vergangenen Jahren, das Treffen mit Freundinnen und Bekannten ihrer verstorbenen Mutter, die Besichtigung des früheren Hauses Lorsch, die restaurierte ehemalige Synagoge – dies habe sie sehr bewegt. Nun komme die Nachfolgegeneration in ein Alter, welches es notwendig mache, die Erinnerung weiterzugeben. Aus diesem Grunde hatte sie Fotografien mitgebracht, die sie mit dem Bild im Kreis ihrer Kinder und Enkel zeigen. »Durch die Übergabe des Bildes schließt sich ein Kreis, der das Weiterbestehen unserer Familie und deren Beziehung zu Romrod symbolisieren soll. Ich hoffe, dass in der Zukunft auch meine Kinder mit ihren Kindern Romrod besuchen und die gemeinsame Erinnerung bewahren«, so Carla Gordon zum Abschluss. Matthias Heller für die Stadt Romrod und Horst Blaschko für den Heimat- und Kulturverein bedankten sich bei Frau Gordon für ihr Engagement und die großherzige Geste. Beide betonten, dass die Bewahrung der Erinnerung nicht einfacher werde, aber trotzdem notwendig sei und versprachen, das Bild in einem würdigen Rahmen zu präsentieren." 
Link zum Artikel     
 
Juni 2019: Nachkommen früherer jüdischer Familien zu Besuch in Romrod und Kestrich   
Artikel von Joachim Legatis in der "Alsfelder Allgemeinen" vom 3. Juni 2019: "Jüdische Vogelsberger. Plakette für ermordeten Großonkel in Kestrich
Nachkommen von jüdischen Vogelsbergern in der Heimat ihrer Vorfahren: In Kestrich war eine Gruppe aus Südafrika zu Gast, Großnichten von Sally Bacharach, der 1942 ermordet wurde
.
Besuch aus Johannesburg in Südafrika bekam dieser Tage Ernst-Uwe Offhaus. Der Vorsitzende des Vereins Historisches Feldatal führte einmal mehr Nachfahren von jüdischen Vogelsbergern durch die Alte Synagoge Kestrich. Er zeigte das frühere Wohnhaus der Familie Bacharach und fuhr mit zum Grab der Ur-Großvaters. Zuvor waren die Nachfahren Siegmund Bacharachs in Polen und in Romrod unterwegs gewesen. Lindsey Clare Krawitz und Carol Elaine Rabin kamen nicht mit leeren Händen nach Kestrich. Sie hatten eine Gedenkplakette für die Alte Synagoge dabei, die an ihren Großonkel Sally Bacharach erinnert. Er war im September 1942 mit dem Ehepaar Kapenberg von der Polizei verschleppt worden und in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Er wurde im KZ Auschwitz oder Vernichtungslager Treblinka ermordet. Lindsay und Carol waren mit Ehemann, Kindern und einem Enkel gekommen und zeigten sich beeindruckt von der restaurierten alten Synagoge. Genau studierten sie die kleine Ausstellung mit Fundstücken des 2005 restaurierten Fachwerkgebäudes.
In den nach dem Zweiten Weltkrieg eingezogenen Zwischenböden des ehemaligen Gotteshauses fanden die Bauarbeiter Reste des Kristallleuchters und Fragmente von Gebetbüchern. Die Gäste aus Südafrika freuten sich, dass der Verein die alte Synagoge als einen Ort der Erinnerung und der Kultur bewahrt. Gerhard Zinßer vom Verein Gedenkstätte Speier Angenrod erläuterte die Erinnerungsarbeit zu jüdischen Vogelsbergern durch die Vereine. Lindsey und Carol sind geborene Bacharachs, ihr Großvater war Siegmund Bacharach, der mit seiner Familie 1936 nach Südafrika flüchten konnte. Sein Bruder Sally blieb damals in Kestrich zurück, um den schwerkranken Vater zu pflegen. Dieser starb einige Wochen später. Sein Grab ist das letzte, das auf dem jüdischen Friedhof belegt wurde, wie Offhaus erläuterte. Carol E. Rabin erzählte, der Großvater Siegmund war ein stolzer Deutscher gewesen. Er hatte im Ersten Weltkrieg als Soldat in einer berittenen Einheit gedient. Der Viehhändler und seine Familie starteten in Johannesburg bei Null. "Sie hatten nichts und er arbeitete als Metzger, um den Lebensunterhalt zu verdienen", sagt Carol Rabin. Sein Sohn Helmut wurde Elektriker.
Besuch auch in Romrod. Seine Frau Marianne Margot war ebenfalls eine Überlebende des Holocaust, sie war mit einem Kindertransport nach England geflüchtet, die Eltern wurden getötet. Ihre Mutter wurde Krankenschwester, wie Carol Rabin weiter erzählt. Die Reise nach Europa unternahmen Elaine Rabin, Ehemann Harvey, Tochter Sarah Blumberg mit Ehemann Raphael und Enkel Jona sowie Lindsay Krawitz mit Tochter Jacqui. Die Schwestern freuen sich über den Nachwuchs, was ihnen nach dem Leid in der Familie sehr wichtig ist. Eine Visite der Gedenkstätte im ehemaligen KZ Auschwitz habe sie sehr traurig über die Grausamkeit von Menschen gemacht, sagt Lindsey Krawitz. Sie sieht aber auch das Gute: "Wir und unsere Kinder leben, Hitler hat uns als Juden nicht vernichten können". Erste Station beim Besuch von Lindsay Krawitz und Carol Rabin mit ihren Angehörigen im Vogelsberg war Romrod. Dort trafen sie Horst Blaschko vom Heimatverein und Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg und besichtigten die Alte Synagoge. Blaschko erläuterte, dass in Romrod nach 1933 noch die Familien Fischer, Lorsch und Stern gelebt haben. Ihre Existenz war geprägt durch Überfälle und Einschüchterungen. So starb Berta Fischer im Jahre 1936 nach einem Überfall örtlicher Nazis auf das Haus der Familie in der Alsfelder Straße. Schon vorher wurden Mitglieder der jüdischen Gemeinde gezwungen, wichtige Gegenstände aus der Synagoge öffentlich zu verbrennen. Es war diese Drangsal, vor der die Familien flüchteten. So auch die Eltern der Mutter von Elaine Rabin und Lindsey Krawitz, Klara und Adolf Stern, die mit Tochter Margot nach Karlsruhe zogen. Margot Stern konnte nach dem Novemberpogrom 1938 mit einem Kindertransport nach England entkommen. Ihre Eltern deportierten die Nationalsozialisten im Jahre 1940 mit etwa 6500 Juden nach Südfrankreich. Sie wurden 1942 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet."
Link zum Artikel  
Vgl. Artikel in der "Oberhessischen Zeitung" vom 1. Juni 2019: "Jüdische Familien aus Südafrika besuchen Romrod und Kestrich"
Link zum Artikel 
sowie Artikel in "nh24.de" vom 30. Mai 2019: "Auf den Spuren einer verlorenen Welt. Enkelinnen der früheren jüdischen Familien Stern und Bacharach besuchen Romrod und Kestrich" 
Link zum Artikel    
 


   
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Romrod  mit Seite zur ehemaligen Synagoge Romrod  
bulletGenealogische Seiten zu einer Familie Flörsheim aus Romrod:  www.thekesters.netFamilie Flörsheim 
bulletWebsite des "Vereins zur Förderung der Geschichte des Judentums im Vogelsberg e.V.": hier anklicken  

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 231. 
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 112. 
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 102-105.
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 199-200.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 298. 
bulletKatharina Jakob (Verein Landjudentum Vogelsberg): Romrod: Gesetze und Konflikte. Eingestellt als pdf-Datei.  Dazu: Quellenverzeichnis zu diesem Beitrag
bulletWertheimer Mathilde Lit 005.jpg (59674 Byte) Mathilda Wertheim Stein: The Way it Was: The Jewish World of Rural Hesse. 427 pages. FrederickMax Publications 2000. ISBN 978 0 967 3282 01. 
Weitere Informationen: siehe eingestellte pdf-Datei mit Bestellmöglichkeit über www.israeled.org bzw. http://www.amazon.com/The-way-was-Jewish-world/dp/0967328209  
Darin u.a. in Kap.3: "The Flörsheim Family of Romrod".   

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Romrod  Hesse.  The community, numbering 74 in 1871, disbanded in 1935. By September 1938 all the Jews had left.   
      
       

                   
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Stand: 17. Dezember 2025