Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Biesheim (Dep. Haut-Rhin / Alsace / Oberelsass) 
Jüdische Geschichte   /   Synagogue / Synagoge 
  
Zur jüdischen Geschichte in Biesheim gibt es auch zahlreiche Informationen in der Website
 
http://biesheim.free.fr/  
"Histoire et Généalogie de Biesheim" von Pierre Marck   

  
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Biesheim     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
In Biesheim bestand eine zeitweise große jüdische Gemeinde bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Ihre Entstehung geht in die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Unter den jüdischen Familienvorstehern zwischen 1701 und 1707 waren Joseph Greilsamer von Breisach, Wolf Bloch von Marcholsheim, David Bloch (Sohn des Wolf Bloch), Judas Bloch (Sohn des Wolf Bloch), Isaac Katz, Jacob Salomon, Isaac Günzburger von Breisach, Samuel Werth, Isaac Scheyele, Bernard Levy, Isaac Rieser, Elias Bloch, Cerf Jonas Ulmann, und Fasy Bloch. Schon 1703 dürfte es zehn religionsmündige Männer gegeben haben, womit die Voraussetzung für die Gründung einer Gemeinde gegeben war. Der erste Gemeindevorsteher war der Getreide- und Pferdehändler Jacob Salomon (gest. 1729). 
  
Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der Familien stark zu: 1723 (25 Familien) bis zu einer bei der Volkszählung am 12. November 1784 festgestellten Zahl von 53 jüdischen Familien mit zusammen 256 Personen . 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 334 jüdische Einwohner, 1808 401 (in 92 Familien), 1824 481, 1844 mindestens 500, 1851 480, 11873 342, 1883 375, 1890 330 (164 Männer, 166 Frauen), 1893 380, 1895 332, 1905 260 (in 60 bis 70 jüdische Haushaltungen). 
   
Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt zunächst überwiegend als Kaufleute, Händler (Viehhandel, Landesproduktenhandel, Handel mit Waren aller Art, Geldverleih), Krämer oder Metzger. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.     
  
Bis 1910 war Biesheim Sitz eines Rabbinates (Ende des 19. Jahrhunderts Rabbinat Bisheim-Neubreisach; vgl. Ausschreibung der Rabbinerstelle 1885 unten). Rabbiner waren u.a. um 1729 Lazarus Levy,  bis 1815 Hirsch Kahn (geb. um 1736 in Sulzburg als Sohn des Landrabbiners Isaac Kahn; gest. 1815 in Biesheim), 1808-1819 Kalmann Rachmiel (geb. 1755 in Biesheim, zunächst jüdischer Lehrer, dann Rabbiner am Ort; gest. 1819 in Biesheim), 1839-1841 Klein Salomon Wolf, 1842-1844 Jakob Wolff, um 1845-1879 Aron Hirsch (= Cerf Aron, geb. um 1819 in Dieuze, gest. 1879 in Biesheim), 1880-1883 Samuel Haymann Schüler (dieser war danach Rabbiner in Bollweiler). Zu den Rabbinern vergleiche den Beitrag von Günter Boll: Der Rabbonimplatz auf dem jüdischen Friedhof von Biesheim (pdf-Datei). 
   
Neben dem Rabbiner hatte die jüdische Gemeinde einen Lehrer für den Unterricht an der jüdischen Volksschule (um 1885/92 wird Hauptlehrer B. Moch genannt).
  
Die bekanntesten Familiennamen waren Marx, Salomon, Levy, Bloch, Ginzburger, Greilsammer, Gugenheim,  Dreyfuss, Samuel, Weyl, Bickart u.a.m.. Unter den Vorstehern der jüdischen Gemeinde sind bekannt: um 1885/92: Abraham Weyl,  
  
1940 wurden alle hier noch lebenden jüdischen Personen nach Südfrankreich deportiert. Von den in Biesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Jacques Bernheim (1884, 1885 oder 1890), Camille Bicard (1903), Theophile Bicard geb. Weil (1889), Elise Bloch (1873), Emile Bloch (1884), Flore Bloch (1938), Henri Bloch (1861), Leonie Bloch (1875 oder 1876), Salomon Bloch (1878), Zoe Chaikine (1884),  Clemence Greilsammer (1872), Gustave Greilsammer (1870), Jeanne Greilsammer geb. Levy (1880), Gaston Kahn (1880), Armand Levy (1900), Caroline Levy geb. Muller (1899), Ernestine Levy (1889), Jacob Lorsch (1875), Alexandre Marx (1897), Alice Marx (1890), Andre Marx (1897), Celine Marx (1880), Isaie Marx (1866), Lucien Marx (um 1895), Alice Samuel (1923), Simon Samuel (1879), Joseph Schwartz (1868), Gabrielle Weil geb. Bicard (1902), Celine Weil geb. Levy (1885), Moise Weill (1877), Joseph Zivi (1900), 
  
Nach 1945 kehrten nur sehr wenige der frühen jüdischen Personen zurück. Derzeit leben nach den vorliegenden Informationen keine jüdischen Personen in Biesheim. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Biesheim   
Ausschreibung der Rabbinerstelle für Biesheim - Neubreisach 1885  

Biesheim FrfIsrFambl 27041885.jpg (72557 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. April 1885: "Rabbiner gesucht. Die vom Staate besoldete Rabbinerstelle zu Biesheim-Neubreisach mit Nebeneinkünften, freier Wohnung und Heizung ist sofort zu besetzen. Bewerber wollen ihre Gesuche, versehen mit den fürs Rabbinat erforderlichen Zeugnissen, franco an Seiner Ehrwürdigen Herr Ober-Rabbiner Weil zu Colmar oder an den Herrn Abraham Weyl, Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Biesheim (Ober-Elsass) baldigst einzusenden. Reisekosten werden nur demjenigen vergütet, auf den die Wahl fällt. Unverheiratete erhalten den Vorzug."

   
Das Rabbinat Biesheim ist derzeit unbesetzt (1885)  
 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1885: "Aus dem Reichslande, im April (1885). Es sind jetzt mehrere Rabbinate im Reichslande vakant. Vor Allem das Oberrabbinat von Metz durch den Tod des seligen Herrn Bigard, die Rabbinate von Bisheim, Cernay, Durmenach, Hegenheim und Seppois-le-Bas. Dagegen sind zwei Rabbinate besetzt worden, Sultz durch Herrn Roller und Brumath durch Herrn Ury, früher Rabbiner von Lauterburg. Für Metz denkt man an Herrn Weill, Rabbiner von Pfalzburg, wo auch der selige Bigard Rabbiner gewesen

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Goldene Hochzeit der Eheleute Kohn 1892

Biesheim Israelit 14031892.jpg (147689 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1892: "Vermischtes
Biesheim
. Am 2. März (1892) feierten die Eheleute Kohn von hier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar ist noch in körperlicher Rüstigkeit und erfreut sich der allgemeinen Achtung aller Mitbürger. Eine hübsche Anzahl Kinder, Enkel und Enkelinnen, so wie sehr viele Verwandten und Bekannten scharten sich um das greise Jubelpaar, um diesen Ehretag in festlicher Weise gemeinsam zu begehen. Um ein Uhr Nachmittags wurde das greise Paar in feierlichem Zuge zur Synagoge geführt. Dort angekommen wurden, die Jubilare von den beiden Vorständen Herren Weyl und Bloch empfangen und in die festlich geschmückte und schön beleuchtete Synagoge geleitet, welche sehr dicht gefüllt von Gästen und von den hiesigen Einwohnern beiden Konfessionen war. Bei Beginn des Gottesdienstes sang der Kantor Levy einen prachtvollen Baruch Haba, später den Psalm 100 und zum Schluss das Jigdalgebet (Jigdal). Her Rabbiner Schüler aus Bollweiler (früher in Biesheim), welcher den Gottesdienst leitete, hielt eine sehr gediegene Festrede, in welcher er besonders die Gnade Gottes hervorhob, die durch diese seltene Feier den Jubilaren zuteil geworden sei und ermahnte dieselben diese Gnade auch zu würdigen. Nach Beendigung der Zeremonie vereinigte man sich zu einem Festmahle in der Wohnung der Eheleute Kohn, wo alsbald die fröhlichste Festesstimmung herrscht. Rabbiner Schüler und Hauptlehrer Moch feierten in sehr gelungene Tischreden das glückliche Paar und mehrere Enkel und Enkelinnen trugen dem Feste entsprechende Sprüche und Gedichte vor. Während des Tages liefen zahlreiche Glückwünsche von auswärtigen Verwandten, Freunden und Bekannten ein. So nahm dieses Fest einen glänzenden Verlauf und wird allen Teilnehmern eine angenehme Erinnerung bleiben. Dem Jubelpaare wünschen wir, dass es sich noch eine Reihe von Jahren der gegenwärtigen Gesundheit und Rüstigkeit erfreuen möge.  Bis 120 Jahre – B. Moch, Hauptlehrer."
 

   
Zum Tod von Prof. Dr. Heinrich Bloch, Direktor des Rabbinerseminars in Colmar 1882 - 
Bericht durch den Rabbiner Samuel Haymann Schüler, 1880-1883 Rabbiner in Biesheim 
Anmerkung: Rabbiner Dr. Samuel Haymann (Chaim) Schüler (geb. 1844 in Autenhausen als Sohn des Gelehrten Israel Schüler, gest. 1915):  zunächst als Religionslehrer in Autenhausen tätig, um 1870 Lehrer und Vorbeter in Haßfurt. Er heiratete 1869 in Bad Homburg Marie, Tochter des Colmarer Groß-Rabbiners Salomon Klein; 1881 bis 1883 Rabbiner in Biesheim, 1884 bis nach 1901 Rabbiner in Bollwiller und Gefängnisseelsorger in Ensisheim; 1887 bis 1891 interimistisch Rabbiner in Soultz.   

Biesheim Israelit 18011882a.jpg (106149 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1882: "Biesheim (Elsaß). Es ist eine höchst traurige Pflicht, welcher ich mich heute zu entledigen habe, indem ich Ihnen von einem schmerzlichen, tief erschütternden Todesfalle berichten muss, der nicht nur eine hochachtbare Familie tief niedergebeugt, sondern der auch jeden wahren Jehudi mit innigem Schmerz erfüllen muss. Herr Prof. Dr. Heinrich Bloch, Direktor des Rabbinerseminars zu Colmar, ist nach nur zweitägigem Krankenlager, am 11. Tewet, nach dem heiligen und unerforschlichen Ratschlusse des Allerhöchsten – gepriesen sei sein Name – im Alter von 44 Jahren, aus seinem segensreichen Wirkungskreise in ein besseres Leben abberufen worden. Der Verblichene ist den Lesern Ihres geschätzten Blattes schön längst durch sein ausgezeichnetes Wirken als Lehrer und Erzieher bekannt: schon oft wurde er in verschiedenen öffentlichen Blättern geschildert als ein Mann, in welchem der bescheidenste, edelste Charakter verbunden war mit einer glänzenden Begabung, ein Mann, der sich durch hervorragende Gelehrsamkeit in allen Doktrinen und ganz besonders in der jüdischen Literatur auszeichnete. Was ihn uns aber ganz besonders unvergesslich macht, ist seine warme Liebe, seine glühende Begeisterung für unsere heilige Lehre. An ihr hing er mit Herz und Leben, ihr gehörte jede Regung seines Geistes, jeder Pulsschlag seines Herzens. Um für die Verbreitung von unserer Heiligen Tora in größerem Maße wirken zu können, entschloss er sich vor Jahresfrist seine damalige Stellung, in welcher er sich einer außerordentlichen Wertschätzung erfreute, zu verlassen und die Direktion der besagten Rabbinerschule zu übernehmen. Leider sollte er diese Anstalt nur 8 Monate mit seiner so ersprießlichen Tätigkeit beglücken. Welche ungeteilte Hochachtung der Edle sich in dieser kurzen Zeit zu erwerben wusste, konnte man deutlich entnehmen aus der innigen Trauer, die sich Aller bemächtigte, die von seinem Hintritte hörten. Ein imposanter Trauerzug, in welchem wir den höchsten Verwaltungsbeamten des Kreises und viele Professoren des kaiserlichen Lyzeums bemerkten, gab ihm das letzte Geleite.
Biesheim Israelit 18011882b.jpg (172504 Byte)Sein Wirken an gedachter Anstalt kann ich nicht besser charakterisieren, als, indem ich folgende Worte aus der so ergreifenden und rührenden Trauerrede Seiner Ehrwürde, des Herrn Konsistorial-Oberrabbiners zu Colmar, unter dessen Oberleitung die Anstalt steht, hier anführe: Im Namen des Konsistoriums spreche ich es mit tiefer Betrübnis aus, dass unsere Anstalt einen herben Schlag erlitten, einen Verlust, der uns nie wieder vollständig ersetzt werden kann. – Mit welcher Verehrung und Liebe die Schüler der Anstalt ihm anhingen, davon gaben die erschütternden Abschiedsworte, die ein Zögling der Anstalt an die entseelte Hülle seines teueren Lehrers richtete, das lauteste Zeugnis. Kein Auge blieb tränenleer, als er mit von Bewegung zitternder Stimme in beredten Worten schilderte, wie er und seine Mitschüler in dem Verklärten nicht nur den Lehrer, sondern auch einen wahren Vater ins frühe Grab sinken sehen, wie sie sein Bild tief ihrem Herzen einprägen, seiner aufopfernden Liebe und treuen Hingebung ein ewiges Andenken bewahren werden. 
Wehe, dass der Träger dieser geistigen Schönheit in der Blüte der Jahre, in der besten Manneskraft zu Grabe getragen wurde! Welch vortrefflicher Lehrer, welch leuchtendes Vorbild einer heranwachsenden Generation ist nun für immer dahin! – Nur der eine Gedanke kann uns in dem tiefen und allgemeinen Schmerze aufrichten, dass der so früh Vollendete nicht umsonst gelebt und gewirkt hat, dass die Saat des Wahren und Guten, die er in so manches junge Herz gestreut, auf fruchtbaren Boden gefallen und zur Ehre unserer heiligen Religion aufgehen wird. – Auch der edlen, so tief betrübten Gattin wird der allliebende Vater – gepriesen sei sein Name – den wohltuenden Balsam des Trostes ins Herz gießen durch die außerordentliche Anerkennung, die das Wirken ihres verewigten Gatten gefunden. 
Der Geist des Verklärten aber, der sich nunmehr aufgeschwungen hat in die Regionen des ewigen Lichtes, wird dort reichen Lohn für sein Wirken hienieden ernten und himmlische, unaussprechliche Seligkeit im Strahle der göttlichen Herrlichkeit genießen.    S.H. Schüler, Rabbiner".  

   
Zum Tod von Baruch Zivi, Vater von Rabbiner Dr. Joseph Zivi (1910)      

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1910: "Straßburg. In Biesheim verschied im Alter von 96 Jahren der frühere Gemeinderat Baruch Zivi, Vater des Rabbiners Dr. Zivi - Winzenheim."   

   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Joseph Zivi (1935)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1935: "Rabbiner Dr. Joseph Zivi - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
Wintzenheim
(Haut-Rhin), 5. Mai (1935). Im Alter von 70 Jahren ist Rabbiner Dr. Joseph Zivi von dann gegangen. Ein Leben der Arbeit für Tora und Awoda (Gottesdienst) hat sein Ende gefunden. Festigkeit der eigenen Überzeugung wusste er mit Liebe und Zuvorkommenheit zu paaren und sich so in weiten Kreisen Sympathien und Einfluss zu sichern. Seinen Gemeinden war er ein treuer Führer, seinen Freunden und Kollegen ein nie versagender Weggenosse, seiner Familie ein fürsorglicher Vater und Berater. Seinen ersten höheren Unterricht hat er an der Hirsch'schen Realschule in Frankfurt am Main genossen. Zeit seines Lebens hat sich dieser religiöse Einfluss, der später durch seinen Lehrer Israel Hildesheimer noch vertieft wurde, im Großen wie im Kleinen geltend gemacht: ein ganzer Mensch und ganzer Jehudi, bei dem das gesprochene Wort im Einklang blieb mit seinem innigsten Denken. 
Am Donnerstag, den 29. Nissan, haben wir ihn unter einer Beteiligung, wie sie diese Gemeinde noch nie erlebt hatte, zur letzten Ruhe geleitet. Fast sämtliche Rabbiner aus Elsass und Lothringen waren erschienen; sie trugen die Bahre nach und aus der Synagoge.  
Es hielten Nachrufe: Rabbiner Dr. Joseph Bloch aus Barr, Schwager des Verstorbenen, namens der Familie; Oberrabbiner Dr. E. Weill, Rabbiner Dr. Armand Bloch (Saverne), einn Jugendfreund des Verstorbenen, namens der 'Association des Rabbins d'Alsace et de Lorraine' und namens der 'Asifa', die sich monatlich zum 'Lernen' in Straßburg versammelt; H. Paul Wurmser, Präsident des Israelitischen Konsistoroiums vom Haut-Rhin und Prof. M. Bloch aus Straßburg im Namen der ehemaligen Schüler. Sein Andenken sei gepriesen... J. Bl."  

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge          
   
An Gemeindeeinrichtungen war zunächst ein Betsaal in einem Privathaus vorhanden. 
  
1720
wurde eine erste Synagoge erbaut, die jedoch, da sie ohne Genehmigung erbaut worden war, 1726 abgebrochen werden musste. Danach wurde sicher wieder ein Betsaal eingerichtet. 
 
Eine neue Synagoge wurde 1830 erbaut. Dieses Gebäude wurde durch einen Neubau 1867 ersetzt. Aus der Geschichte der Synagoge liegen nur wenige Berichte vor, vgl. jedoch den Bericht über die Goldene Hochzeit der Eheleute Kohn 1892 s.o.. In einem Bericht von 1904 wird über den damals "schlechten Besuch der Synagogengottesdienste" beziehungsweise über die nicht mehr bestehenden täglichen Synagogengottesdienste berichtet:

Biesheim FrfIsrFambl 09121904.jpg (85687 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Dezember 1904: "Biesheim im Elsaß. Schlechter Synagogenbesuch.  Die hiesige jüdische Gemeinde zählt 60 bis 70 Haushaltungen und besitzt eine der größten Synagogen im Elsaß. Diese Synagoge nun steht die ganze Woche leer. Gegenwärtig sind zwei Brüder owel (in Trauer), die auf das regelmäßige Kaddischsagen reflektieren. Die beiden Herren haben des Morgens und des Abends die größte Mühe, um die 10 Mann für ein Minjan zusammenzubringen, und häufig ist ihre Mühe vergeblich. Wenn die Eltern wenigstens die Jungen, die bereits Barmizwoh geworden sind, zum Synagogenbesuch anhalten würden, dann würde man noch eher ein Minjan zusammenbekommen; aber die Eltern sind gleichgültig, die Oberbehörde und die Schule kümmert sich auch nicht um den Synagogenbesuch, und so wird man bald so weit sein, dass die Synagoge die ganze Woche hindurch überhaupt geschlossen bleibt."

Anmerkung zu dem beschriebenen Problem: nach jüdischer Tradition ist der Sohn eines Verstorbenen verpflichtet, täglich beim öffentlichen Gottesdienst Kaddisch zu sagen, und zwar für eine Periode von 11 Monaten, beginnend mit dem Tag der Beerdigung. Offenbar fand 1904 kein täglicher Gottesdienst mehr in der Synagoge statt, sodass die beiden Herren dieser Verpflichtung nicht nachkommen konnten.

Nach der Deportation der noch in Biesheim lebenden jüdischen Einwohner nach Südfrankreich 1940 wurde in der Synagoge ein Lager eingerichtet. Bei einer Bombardierung des Ortes im Februar 1945 wurde die Synagoge zerstört. Die Ruine und das Grundstück gingen an die Gemeinde über. 1950 wurde die Ruine abgebrochen. 
   
Als Erinnerung gibt es in Biesheim noch die "Rue de la Synagogue" (Foto).  
   
   
Adresse/Standort der SynagogeRue de la Synagogue   
   
   
Fotos   

Historische Aufnahmen
(Postkarten: Sammlung Hahn)  
   
Biesheim Synagoge 0016.jpg (75671 Byte) Biesheim Synagoge 0015.jpg (77565 Byte) Biesheim Synagoge 110.jpg (40975 Byte)
 Historische Ansichtskarte Ausschnittvergrößerung der Karte links: die ehemalige Synagoge 
von Westen (Eingangsportal mit Inschriften)
   
          
Nach der Zerstörung Biesheim Synagogue 170.jpg (349822 Byte)  Biesheim Synagoge 111.jpg (48926 Byte) 
   Die im Februar 1945 zerstörte Synagoge, 
       
Erinnerung an die Synagoge
(Foto: Hahn, 15.6.2004) 
Biesheim Synagogue 115.jpg (56714 Byte)     
    Erinnerung an die Synagoge in Biesheim:
 die "Rue de la Synagogue"
    
     
     
Besondere Erinnerung an die 
jüdische Geschichte: Siegelring aus
 jüdischem Besitz, gefunden in Biesheim
(Foto erhalten von Patrick Biellmann,
 Société d'Histoire de la Hardt et du Ried)
Biesheim bague juive 010.jpg (57513 Byte)
   Oben: positiver Abdruck des Siegelringes. Erkennbar sind Hände ("segnende Hände der Kohanim") 
und vier hebräische Buchstaben (vermutlich Abkürzungen für den/die Namen des Besitzers); der Ring
 dürfte aus der Zeit des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts stammen (Hinweise von Günter Boll)

   
   

Links und Literatur   

Links:

Website zur Gemeinde Biesheim 
http://biesheim.free.fr/: "Histoire et Généalogie de Biesheim"       
Französische Informationsseite zur Synagoge in Biesheim  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Biesheim (interner Link) 

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 52.153.  

      

Günter Boll: Die Entstehung der jüdischen Gemeinde in Biesheim. Erschienen in "Schau-ins-Land". Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins. 129. Jahresheft 2010. S. 135-138.  Auch hier  online eingestellt (pdf-Datei).  

ders.: der Rabbonimplatz auf dem jüdischen Friedhof von Biesheim: online eingestellt (pdf-Datei).    

ders.: Samuel Levy von Biesheim und Reis Joseph von Muggensturm. online eingestellt (pdf-Datei). 
Zum Inhalt: Samuel Levy von Biesheim (geb. 1720) und Reis Joseph von Muggensturm heirateten am 24. Mai 1750. Die Heirat der beiden ist exemplarisch für die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Mitgliedern der elsässischen jüdischen Gemeinde im oberelsässischen Biesheim und jenen der beiden kleineren Gemeinden im unterelsässischen Diebolsheim und im badischen Muggensturm

        
     
    

                   
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Stand: 21. September 2014