Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lauterbourg (Lauterburg, Dep. Bas-Rhin, Alsace, Unterelsass) 
Jüdische Geschichte  /  Synagogue / Synagoge     
       

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Sonstiges   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen             
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Lauterburg bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. Um 1309 zahlten sie eine Reichssteuer von neun Pfund. 1315 war die Judensteuer dem Bischof von Speyer verpfändet. Bei den Judenverfolgungen in der NS-Zeit wurde auch in Lauterbourg Juden ermordet. 
    
Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts lebten nur vereinzelt Juden in der Stadt. 1689 werden vier jüdische Familien in der Stadt genannt; ihre Zahl stieg innerhalb von hundert Jahren auf 16 Familien mit zusammen 84 Personen (1784). Diese lebten vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Handel mit Landesprodukten. 
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1784 wurden 16 jüdische Familien mit zusammen 84 Personen gezählt. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 135 jüdische Einwohner (6 % der Gesamtbevölkerung), 1846 316, 1861 293, 1870 282, 1910 63.   

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19./20. Jahrhundert ein Rabbiner angestellt, der zugleich den Religionsunterricht erteilte. Dies wird 1843 von Rabbiner Ullmann berichtet (siehe unten). Bereits vor ihm war 1840 bis 1842 Rabbiner Jacob Wolff (1813-1883) Leiter der israelitischen Grundschule in Lauterbourg. Er hatte eine abgeschlossene Rabbinerstelle und fand 1842 dann seine erste Anstellung als Rabbiner in Bisheim. Neben dem Rabbiner war ein Vorbeter und Schochet angestellt (vgl. Ausschreibung der Stelle von 1904 unten).   
 
Um 1800 gab es in Lauterbourg eine Talmudschule (Jeschiwa), an der auch künftige Rabbiner ihre Ausbildung bekamen. So studierte der 1786 in Mainbernheim geborene Aron ben Elieser Schach (bürgerlich Aron Lazarus) in Lauterbourg; er war seit 1826 Rabbiner in Schirrhofen, wo er dann auch eine Jeschiwa eröffnete, an der man auch in die Kabbala eingeführt werden konnte.  
 
Lauterbourg war Sitz eines Rabbinates. Rabbiner in der Stadt waren unter anderem: 
  
-  1826-1834 Rabbiner Ephraim Haas (geb. 1800 in Hottenbach bei Bernkastel, gest. 1834 in Lauterbourg): studierte in Mannheim und Frankfurt; 1826 bis 1934 Rabbiner in Lauterbourg.   
- 1868-1874/75 Rabbiner Isaac Weil (geb. 1840 in Brumath, gest. 1899 in Straßburg): studierte in Metz und Paris; 1865 Rabbiner in Seppois-le-Bas, 1868 Rabbiner in Lauterbourg, 1874/75 in Phalsbourg, Lothringen, 1886 Groß-Rabbiner von Lothringen in Metz, 1890 Groß-Rabbiner des Unterelsass in Straßburg.   
-  1874/75 bis 1885 Rabbiner Simon-Adolphe Uhry (Ury) (geb. 1849 in Niederbronn, gest. 1915 in Straßburg): studierte in Paris; 1874/75 bis 1885 Rabbiner in Lauterbourg, 1885 in Brumath, 1890/91 bis 1899 Oberrabbiner des Konsistoriums von Lothringen in Metz, seit 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums des Unterelsass in Straßburg. 
-  1888 interimistisch Rabbiner Simon Lévy (geb. 1838 in Balbronn, gest. 1898 in Schirrhofen), studierte 1857 bis 1864 in Metz und Paris, ab 1867 Rabbiner in Ingwiller, 1875 bis 1898 Rabbiner in Schirrhofen
-  1889-1893 Rabbiner Dr. Benjamin Meyer (geb. 1867 in Schwindratzheim, gest. 1934 in Straßburg): studierte in Colmar, dann in Straßburg; 1889 Rabbiner in Lauterbourg, 1893 in Thann, 1900 in Metz, 1915 auf Grund der Kriegsereignisse nach Mulhouse und Fellering geflüchtet, wo er nun als Religionslehrer tätig war; 1924 Rückkehr nach Thann
-  1895-1899 Rabbiner Dr. Isaak Albert Lévy (geb. 1864 in Quatzenheim, gest. 1921 in Brumath): studierte in Colmar, 1891 in Breslau, dann Straßburg (Promotion 1891): Interimsrabbiner in Soultz-sous-Forêts, 1895 bis 1899 Rabbiner in Lauterbourg, 1899 bis 1901 in Marmoutier, 1901 bis 1921 in Brumath
-  1903-1910 Rabbiner Dr. Bernard Émile Schwarz (geb. 1877 in Ribeauvillé, gest. 1956 in Obernai): studierte in Colmar, 1898-1902 in Berlin; 1908 Promotion in Heidelberg; 1903 bis 1910 Rabbiner in Lauterbourg, 1910 in Soultz-sous-Forêts, 1930 Verlegung des Rabbinatssitzes nach Wissembourg, im Zweiten Weltkrieg Rabbiner der elsässischen Flüchtlinge in La Châtre, nach 1945 Rabbiner in Obernai.  
   
Die jüdische Gemeinde hatte durch starken Wegzug in die größeren Städte um 1900 nur noch 58 Mitglieder. In diesem Jahr verließ der letzte jüdische Lehrer (Abraham Mayer) den Ort, da die Gemeinde ihn nicht mehr bezahlen konnte. 1910 wurde das Rabbinat von Lauterbourg mit dem von Weißenburg/Wissembourg verbunden.     
   
1936 lebten noch 43 jüdische Personen in Lauterbourg.  Im Juni 1940 wurde Lauterbourg von deutschen Truppen in Brand geschossen. Dabei brannte neben vielen anderen Gebäuden auch die Synagoge völlig aus. Die letzten jüdischen Einwohner wurden in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Am 10. Februar 1942 wurden bisherige jüdische Besitztümer der politischen Gemeinde übertragen. Der Krieg ging in Lauterbourg erst spät zu Ende. Als letzte französische Stadt wurde sie von den Alliierten erst 1945 befreit. Sie war zu 90 Prozent zerstört. 
    
Von den in Lauterbourg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  u.a. Rosa Haas (1878), Leon Klotz (1882), Gaby (Gabrielle) Levy (1922).   
  
Nach 1945 sind nur wenige der früheren jüdischen Einwohner zurückgekehrt. 1953 wurden 29 jüdische Einwohner in der Stadtgezählt. Wenige Jahre später waren es nur noch ungefähr 10 Personen.   
    
Hinweis: eine Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt war die "Rue de juif", die im 19. Jahrhundert in "Rue de Lyon" umbenannt worden war.   
 
 
 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
    
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Rabbiner Grumbach berichtet über einen großzügigen Bildhauer (1867)   

Lauterbourg Israelit 03041867.JPG (125540 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1867: "Lauterbourg. Herr Grumbach, der Rabbine dieser Gemeinde, veröffentlicht in einem Lokalblatte einen seltenen Zug von Toleranz, der in den weitesten Kreisen verbreitet zu werden verdient. 
Herr Ferdinand Killinger, Landwirt zu Trimbach, verließ am 7. Februar dieses Jahres Wissembourg, um sich nach Hause zu begeben. Auf diesem Wege begegnete ihm Herr Horn, ein Bildhauer, den er in sein Atelier begleitete. 'Welchen Preis', fragte er, 'verlangen Sie für einen Grabstein für eine arme israelitische Frau?' Zehn Francs. Killinger übergab hierauf Herrn Horn ein Zehnfrankenstück. 'Weil Sie dieses für eine Frau zahlen, die nicht ihrem Kultus angehört, so werde ich dafür ein Übriges tun und einen Grabstein anfertigen, der sonst 30 bis 40 Francs kostet.' Gut, erwiderte Killinger, haben Sie die Güte und eigen Sie mir gefälligst den Tag an, an welchem Sie den Grabstein auf den jüdischen Friedhof bringen werden, und ich werde alsdann den Rabbinen von Lauterbourg kommen lassen, damit dieser die bei dieser Gelegenheit üblichen Gebete verrichtet. - Und ich, erwiderte der hochherzige Künstler, ich werde dem Herrn Rabbinen das Honorar zahlen, das er für diese Funktion für das Seelenheil der armen israelitischen Frau zu empfangen hat."     

   
Rabbiner Simone-Adolph Ury wechselte von Lauterbourg nach Brumath besetzt (1885) 
Anmerkung: Rabbiner Simon-Adolphe Ury (Uhry) (geb. 1849 in Niederbronn, gest. 1915 in Straßburg): war 1874/75 Rabbiner in Lauterbourg, 1885 als Nachfolger von Salomon Lévy Rabbiner in Brumath, gleichzeitig Dozent am Rabbinerseminar Straßburg; 1890/91 bis 1899 Oberrabbiner des Konsistoriums von Lothringen in Metz, seit 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums des Unterelsass in Straßbourg.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1885: "Aus dem Reichslande, im April (1885). Es sind jetzt mehrere Rabbinate im Reichslande vakant. Vor Allem das Oberrabbinat von Metz durch den Tod des seligen Herrn Bigard, die Rabbinate von Bisheim, Cernay, Durmenach, Hegenheim und Seppois-le-Bas. Dagegen sind zwei Rabbinate besetzt worden, Sultz durch Herrn Roller und Brumath durch Herrn Ury, früher Rabbiner von Lauterburg. Für Metz denkt man an Herrn Weill, Rabbiner von Pfalzburg, wo auch der selige Bigard Rabbiner gewesen

 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochet (1904)   

Lauterburg Alsace FrfIsrFambl 18031904.jpg (13243 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1904: "Lauterburg im Elsass. Vorbeter und Schächter per sofort. Gehalt Mark 840, Nebeneinkommen Mark 300."   

   
Lob der jüdischen Schule unter Rabbiner Ullmann (1843)    

Lauterburg Alsace AZJ 26061843.jpg (46694 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843: "Lauterburg, eine treffliche Schule, in der der Rabbiner Ullmann selbst den Religionsunterricht erteilt. Dieser ist so geliebt, dass, als er das Rabbinat in Bayonne erhalten sollte, die Gemeinden sofort das freiwillig zusammenschossen, was er dort an Gehalt mehr genossen hätte."  

  
   
Sonstiges      
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert  - Grabstein für Sophie Klotz aus Lauterbourg in New Orleans (ca. 1834 - 1895)    
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.      

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans für  
"Sophia Klotz
A Native of Lauterburg, Alsace. 
Died April 7, 1895  Aged 61 years.    
Meyer Lehman

A Native of Boechingen, Bavaria 
Died November 23, 1897. 
Aged 76 years, 6 months, 6 days."       

 
  
  
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Um 1760 wurde eine erste Synagoge erbaut. 

1852
konnte man eine neue Synagoge einweihen, die von einem Germersheimer Architekten namens Flörschinger erbaut worden war.
  
Als im Juni 1940 Lauterbourg von deutschen Truppen in Brand geschossen wurde, brannte neben vielen anderen Gebäuden auch die Synagoge völlig aus.   
     
Nach 1945 wurde die Synagogenruine abgebrochen; außer ein paar Steinen ist nichts mehr von ihr vorhanden. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:    1 Rue des Pêcheurs 
  
  
Fotos   

Historische Karten von Lauterburg mit Synagoge
(obere Karte aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   

  
Lauterburg Synagoge 190.jpg (114817 Byte) Lauterburg Synagoge 191.jpg (140079 Byte) Lauterburg Synagoge 192.jpg (152140 Byte)
 Blick auf Lauterbourg mit dem 
Mitteltor, der katholischen Kirche 
und der Synagoge
 Ausschnittvergrößerung: 
die Synagoge
 Die Karte wurde per Feldpost 
am 24.12.1914 von Lauterbourg 
nach Aachen geschickt. 
    
Obige Ansicht in hoher Auflösung      
     
Rechts: eine 1919 
verschickte Karte
Lauterburg Synagoge 196.jpg (117246 Byte) Lauterburg Synagoge 196a.jpg (165796 Byte)
        
        
Karte mit Synagoge 
(Westseite mit Eingangsportal)
Lauterburg Synagoge 195.jpg (72465 Byte)   
     
        
Weitere, nicht datierte Karte Lauterburg Synagoge 197.jpg (72676 Byte) Lauterburg Synagoge 194.jpg (45590 Byte)
     
       
Innenansichten 
(Quelle: Rothé/Warschawski s.Lit. S. 91( 
Lauterburg Synagoge 198.jpg (48948 Byte) Lauterburg Synagoge 199.jpg (58433 Byte)
  Blick zum 
Toraschrein 
Blick über den Almemor
 zur Frauenempore  
     
Die brennende Synagoge 
(1940) 
Lauterbourg Synagogue 005.jpg (33911 Byte) Weitere Fotos der zerstörten Synagoge 
siehe Seite der der französischen
 Informationsseite (siehe Links)
  Juni 1940: das von deutschen Truppen in Brand geschossene Lauterburg; das große brennende Gebäude links ist die Synagoge, Quelle: Chronik von Serge Braun  
     
     

  
    

Links und Literatur

Links:  

Website der politischen Gemeinde Lauterbourg    
Französische Informationsseite zur Synagoge in Lauterbourg (Seite 1)  Seite 2   Seite 3 (Chronik der jüdischen Gemeinschaft in Lauterburg, französisch (Chronique de la communauté juive de Lauterbourg par Serge Braun)  
Fotos
  Seite zur jüdischen Schule    
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Lauterbourg (interner Link)  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 474-475.  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 42.91.  

  
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lauterbourg (german Lauterburg) Bas-Rhin dist., France. The Jews of Lauterbourg are first mentioned in the 13th centruy. They suffered during the Black Death persecutions of 1348-49. In 1760, a synagogue was constructed. The community numbered 89 members by 1784 and 293 in 1865. After the Franco-Prussian War of 1870-71, the Jewish population declined. In 1900 there were only 64 Jews in Lauterbourg, dropping to 43 in 1936. During Worldwar II, the Germans expelled all to the south of France. In 1956, only ten Jews remained in Lauterbourg.   
              

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Mai 2013