Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Brumath (Dep. Bas Rhin / Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte des Rabbinates    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Sonstiges   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
   
In Brumath besteht bis zur Gegenwart eine jüdische Gemeinde, deren Entstehung vermutlich in das 17. Jahrhundert zurückgeht. An die frühere jüdische Niederlassung erinnert bis heute die "Rue de Juifs" beziehungsweise die frühere "Judegass". 
 
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Einwohner auf 51 im Jahr 1784 (in 9 Familien).  

Brumath Synagogue 100.jpg (40985 Byte) Brumath Synagogue 101.jpg (43922 Byte)
Die "Rue des Juifs" ("Judegass") in Brumath (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.4.2004)

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 122 jüdische Einwohner, 1846 358, 1861 406, 1870 410, 1871 Höchstzahl von 478 jüdische Einwohnern in der Stadt, 1900 362, 1910 306. 
   
Brumath wurde im 19. Jahrhundert Rabbinatssitz. Unter Rabbiner Salomon Levy erlernte hier auch der spätere Großrabbiner Isaac Weil (geb. 1840 in Brumath) grundlegende rabbinische Kenntnisse. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und seit etwa 1880 einen eigenen  jüdischen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten die Berichte zu Lehrer Z. Klein, der nach 44-jähriger Tätigkeit 1905 in den Ruhestand getreten ist; sein Nachfolger wurde Lehrer Weill).  

1936
hatte die Gemeinde noch 185 Mitglieder. 1940 wurden die jüdischen Einwohner der Stadt unter der deutschen Besatzung mit den anderen Elsässer Juden nach Südfrankreich deportiert.  
       
Von den in Brumath geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Gabrielle Bicard (1902), Marie Bloch (1908), Blanche Bombet geb. Raphael (1884), Clemence Bombet geb. Raphael (1880), Pierre Bombet (1910), Flora Creange (1883), Helene Guntzburger geb. Blum (1902), Georges Heller (1911), Jean Heller (1920), Abraham Hermann (1871), Maurice Herrmann (1869), Adolphe Kahn (1881), Henriette Kahn (1881), Paul Kling (1888), Joseph Koch (1872), Lucie Koch (1910), Arthur Krämer (1881), Alice Levy (1915), Germaine Levy (1891), Lucie Lion geb. Blum (1895 oder 1896), Leon Loeb (1905), Paul Meyer (1881), Schlomo Roll (), Maximilian Rosenberg (1912), Marguerite Schiff (1905), Gabrielle Weil geb. Bicard (1902), 
   
Nach 1945 konnte die Gemeinde wieder begründet werden. In den 1950er-Jahren ist die Synagoge  restauriert und 1957 wieder eingeweiht worden. 1965 gehörten ihr 70 Personen an.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Zum Tod von Rabbiner Salomon Levy 1885 (1852-1885 Rabbiner in Brumath)   

Brumath Elsass Israelit 26011885.jpg (163475 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1885: "Aus dem Unter-Elsass. ‚Sie haben einen guten Mann begraben, und uns war er mehr!’ Mit dem Dichter rufen wir, hier in dem Reichslande und viele, welche weit hinaus über dessen Grenzen wohnen, dem am 15. dieses Monats zur ewigen Ruhe gebetteten Rabbiner Salomon Levy zu Brumath nach. – Dem Zuge hatten sich der Bürgermeister und Gemeinderat, die Geistlichkeit der übrigen Konfessionen und das Lehrerpersonal von Brumath, der Direktor der Anstalt von Stefansfeld mit allen seinen Beamten und eine Menge von Fremden aus nah und fern herbeigeeilten Personen angeschlossen. Unter letzteren zählten wir 13 Rabbinen. Alle waren gekommen, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. 
Im Sterbehause sprach Herr Rabbiner Weil aus Pfalzburg Worte des Trostes; in der Synagoge feierte der Großrabbiner Herr Aron von Straßburg die vielen Verdienste des Entschlafenen, der einer seiner geachtetsten Schüler gewesen sei, und am Grabe rief der Herr Rabbiner Levy aus Oberehnheim, der Senior unter den Rabbinen des Unterelsass, dem scheidenden Freunde den letzten Gruß zu. 
Im Jahre 1852 war Herr Levy zum Rabbiner in Brumath ernannt worden. Sein Ruf als Talmudist führte ihm zahlreiche Schüler zu, die er für das Rabbinerseminar vorbildete. Eine große Anzahl ehemaliger Schüler, darunter Herr Zadok-Cahn, Oberrabbiner in Paris, hatte noch vor wenigen Monaten dem Verstorbenen in Anerkennung seiner großen Verdienste ein kostbares Tafelservice zum Geschenke gemacht.
‚Die politische Gemeinde’, so schreibt das in Straßburg erscheinende Elsässische Journal, ‚verliert in dem Heimgegangenen einen ehrenwerten, achtbaren Bürger, die israelitische im besonderen einen treuen, gewissenhaften Seelsorger mit seltener geistiger Begabung und großer Herzensgüte.’ Wir rufen ihm nach:  Seine Seele sei eingebunden in dem Bund des Lebens."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1885: "In Brumath (Elsass) verschied soeben der ehrwürdige Rabbiner dieser Stadt, Herr S. Levy. Über 20 Jahre leitete er eine Vorbereitungsschule für das Rabbiner-Seminar und er hat eine große Anzahl Schüler ausgestellt, worunter auch der jetzige Großrabbiner von Paris. Sein Leichenbegängnis sah viele angesehene Personen versammelt, Rabbinen, protestantische Geistliche, Zivilbeamte und, was gewiss selten, einige barmherzige Schwestern. Die Rabbinen von Pfalzburg und Obernai, sowie der Großrabbiner von Straßburg, hielten Trauerreden."    

  
Das Rabbinat in Brumath wird durch Rabbiner Simon-Adolphe Ury besetzt (1885) 
Anmerkung: Rabbiner Simon-Adolphe Ury (Uhry) (geb. 1849 in Niederbronn, gest. 1915 in Straßburg): war 1874/75 Rabbiner in Lauterbourg, 1885 als Nachfolger von Salomon Lévy Rabbiner in Brumath, gleichzeitig Dozent für Exegese und jüdische Geschichte am Rabbinerseminar Straßburg; 1890/91 bis 1899 Oberrabbiner des Konsistoriums von Lothringen in Metz, seit Anfang 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums des Unterelsass in Straßburg.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1885: "Aus dem Reichslande, im April (1885). Es sind jetzt mehrere Rabbinate im Reichslande vakant. Vor Allem das Oberrabbinat von Metz durch den Tod des seligen Herrn Bigard, die Rabbinate von Bisheim, Cernay, Durmenach, Hegenheim und Seppois-le-Bas. Dagegen sind zwei Rabbinate besetzt worden, Sultz durch Herrn Roller und Brumath durch Herrn Ury, früher Rabbiner von Lauterburg. Für Metz denkt man an Herrn Weill, Rabbiner von Pfalzburg, wo auch der selige Bigard Rabbiner gewesen

       
Rabbiner Simone-Adolphe Uri wird Oberrabbiner in Metz (1890)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. November 1890:  "Zum Nachfolger des Herrn Oberrabbiners Weil in Metz ist sein Mitbewerber um das Straßburger Rabbinat, Herr Uri aus Brumath gewählt worden."         

   
Probleme bei der Neubesetzung des Rabbinats (1891)    

Brumath Elsass Israelit 03121891a.jpg (85525 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1891: Brumath, 30. November (1891). Die Wahl eines Rabbiners für die hiesige Stadt hat einen Zwiespalt zwischen der hiesigen Synagogenverwaltung und dem israelitischen Konsistorium des Unterelsass hervorgerufen, in welchem gegenwärtig die Entscheidung des kaiserlichen Ministeriums angerufen worden ist. Der Sachverhalt ist ganz kurz folgender: Um die hier erledigte Stelle bewarben sich die Rabbiner Dreyfuß und Meyer, sowie der Rabbinatskandidat Dr. Weil. Unterm 28. September ließ das Konsistorium der Synagogenverwaltung einen Brief zugehen, in dem es unter anderem hieß: ‚Um der Gemeinde Brumath einen vollständigen Beweis unserer Ergebenheit und Achtung zu geben, laden wir die drei Bewerber ein, an ein und demselben Tage, am 1. November, in der Synagoge zu Brumath Probepredigt zu halten.’ Diese Äußerung bildet den Beweis dafür, dass damals das Konsistorium sich die Entscheidung über die Auswahl der Kandidaten nicht selbst beilegen, sondern dieselbe der Gemeinde
Brumath Elsass Israelit 03121891b.jpg (244323 Byte)überlassen wollte, wie es ja auch recht und billig ist, denn die Gemeinde muss mit dem Rabbiner leben und auskommen, nicht das Konsistorium. Auch sprach sich dem Vorsteher unserer Gemeinde gegenüber eine sehr hohe Persönlichkeit des Konsistoriums in eben demselben Sinne aus, dass nur die Gemeinde das Recht der Entscheidung haben solle. Im gleichen Sinne muss schließlich auch eine Äußerung verstanden werden, welche der Präsident des Konsistoriums einem der Kandidaten gegenüber getan hat, welche ihm ihre Aufwartung machten. Er sagte: ‚Ich selbst kann nicht viel tun, es kommt sehr viel auf die Gemeinde Brumath an. Ich selbst bin gegen niemand eingenommen; wir werden nach unserem Gewissen urteilen.’ Wie bereits gesagt, fanden am bestimmten Tage die Probepredigten statt. Am Tage darauf traten die Wähler behufs Abgabe ihrer Entscheidung zusammen. Von 79 Stimmen wurden 69 abgegeben, davon 48 für Dr. Weil, 16 für Dreyfuß, 5 für Meyer. Diese Willensmeinung der Gemeinde Brumath war eine so deutliche und bestimmte, dass angesichts der früheren Kundgebungen und Aussagen des Konsistoriums ein Zweifel daran, zu wessen Gunsten die Entscheidung fallen würde, nicht wohl möglich erschien. Aber das Unmögliche geschah! In seiner Sitzung vom 26. November beschloss das Konsistorium mit vier Stimmen – zwei enthielten sich der Abstimmung – den Erwählten der Gemeinde fallen zu lassen und sich für Herrn Dreyfus zu erklären, der wie bemerkt, von 69 abgegebenen Stimmen 16 erhalten hatte. Die Gemeinde Brumath ist aber nicht geneigt, sich einen Rabbiner aufoktroyieren zu lassen! Noch einmal haben sich die Wähler mit 54 Stimmen für Dr. Weil erklärt und die Gemeinde hat Schritte beim kaiserlichen Ministerium unternommne, um dasselbe von der Sachlage zu unterrichten. Über die Gründe, welche das Konsistorium zu seinem Verhalten bewogen haben, wollen wir nicht reden. Wir würden sonst auf ein unliebsames Kapitel kommen. Ist es denn wirklich möglich, dass ein tadelloser Mann, der seine Studien mit vorzüglichem Erfolge gemacht hat und von der Gemeinde begehrt wird? Man sollte es nicht für möglich halten. Und doch ist es geschehen. Wehalb? Weil Herr Dr. Weil orthodox ist? Nun, wir Brumather freuen uns, dass wir einen Rabbiner gekommen, der noch an Gott glaubt und es offen bekennt. Oder ist Herr Weil nicht genehm, weil er in Berlin studiert hat? Der Gemeinde ist er deshalb gerade genehm, weil die israelitische theologische Wissenschaft gerade dort von den ersten Größen ihres Faches gelehrt wird. Oder erregt es etwas Missfallen, dass Herr Weil seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt hat? Auch das ist uns Brumathers ganz genehm, dass wir einen Rabbiner bekommen, der seine Pflicht gegen sein Vaterland erfüllt hat; wer das tut, der erfüllt auch die Pflichten gegen Kirche und Gemeinde. Wir wollen für heute auf alle diese Einzelheiten nicht weiter eingehen. Die Sache liegt jetzt der Behörde zur Entscheidung vor; wir wollen der letzteren nicht vorgreifen, da wir fest überzeugt sind, dass sie nur in unserem Sinn ausfallen kann."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember 1891: "Brumath, 6. Dezember (1891). Die hiesige israelitische Gemeinde ist mit dem Straßburger Konsistorium in einen Konflikt geraten, auf dessen Ende man gespannt sein darf. Nach der Berufung unseres verehrten Rabbiners Ury auf den Rabbinersitz zu Metz meldeten sich für den hiesigen Posten die Rabbiner Dreifuß, Mayer und Dr. Weil, letzterer ein Schüler des Berliner Seminars. Nach Anhörung der Probepredigten entschied sich die Gemeinde mit überwältigender Majorität für den letztgenannten Kandidaten. Durch bisher noch nicht bekannte Gründe veranlasst, berücksichtige indes das Konsistorium diese Entscheidung nicht, sondern ernannte Herrn Dreifuß zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Daraufhin hat die Gemeinde ihren Antrag wiederholt und die Entscheidung der Reichsregierung gegen das Konsistorium angerufen."        

 
Rabbiner Dr. Dreyfuß wurde zum Rabbiner in Saargemünd ernannt (1900) 
   

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Brumath, 7. Mai (1900). Rabbiner Dr. Dreyfuß von hier, ist seitens des israelitischen Konsistoriums zum Rabbiner in Saargemünd ernannt worden."      

   
Der Rabbiner von Lauterburg wird Rabbiner in Brumath (1900)
  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1900: "Der jetzt in Lauterburg amtierende Rabbiner ist zum Rabbiner in Brumath ernannt worden."      

  
Rabbiner Dr. Levy erklärt die Sitte des Holekreisch (Kolekrasch) (1910)  

Brumath AZJ 18021910.jpg (74658 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1910: "Hat die Erklärung des Herr Dr. Marcus - Sulzbürg "Kolekreisch" gleich Choleh Kr"sch auf den ersten Blick etwas Bestechendes an sich, so wird man derselben doch nicht ohne weiteres beipflichten können. 
Ganz äußerlicher Art sei die Bemerkung, dass man irgendwie Kriat Schema in Kr"sch abgekürzt findet; dafür hat man stets nur die Abbreviatur K"Sch, sodass der Buchstabe r keine Existenzberichtigung in dem betreffenden Worte hätte.
Sachlich wird das ganze Zeremoniell bei der Holekreisch in das Zimmer der Wöchnerin verlegt, was ja in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Vielmehr findet dieser Akt nach dem ersten Ausgang der Wöchnerin statt, das Bettchen oder die Wiege des Kindes wird von den herbeigeeilten Kindern in die Höhe gehoben, wobei sie einander zurufen: 
'haut la crèche`, das heißt 'hoch die Wiege' und dieser französische Aufruf ist im Volksmunde zu Holekreisch oder auch Holekrasch geworden. Rabbiner Dr. Levy - Brumath im Elsass."

   
Zum Tod von Oberrabbiner Adolf Ury (1915, Rabbiner in Brumath von 1885 bis 1890) 
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1915: "Straßburg im Elsass, 29. August (1915). Am 24. August verschied nach kurzem Krankenlager Oberrabbiner Adolf Ury. Mit ihm verliert die hiesige Gemeinde einen von hohem Idealismus erfüllten Seelsorger, den Pflichttreue und unermüdlicher Fleiß, Herzensgüte und Friedensliebe in gleicher Weise auszeichneten. Sowohl in der Gemeinde wie als Vizepräsident des Konsistoriums des Unter-Elsass und zahlreicher jüdischer und interkonfessioneller Körperschaften und Anstaltsverwaltungen entfaltete er eine überaus vielfältige und segensreiche Tätigkeit, die ihm die Wertschätzung und Liebe der ganzen hiesigen Gemeinde und des ganzen Konsistorialbezirkes und die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens erwarb. 1854 in Niederbronn im Elsass geboren, hatte Ury das Gymnasium in Buchsweiler, dann das Rabbinerseminar in Paris besucht, wirkte als Rabbiner zuerst in Lauterburg, später in Brumath, von wo er auch gleichzeitig an dem früher hier befindlichen Rabbinerseminar als Lehrer der Exegese tätig war; bis 1900 war er sodann Oberrabbiner in Metz, in welchem Jahre er hierher berufen wurde. Als an Stelle des Landesausschusses der elsass-lothringische Landrat trat. wurde er als Vertreter der drei Konsistorien in die Erste Kammer gewählt; er gehörte außerdem u.a. dem Bezirksunterrichtsrat und dem Armenrat der Stadt Straßburg an und war Ritter des Roten Adlerordens 4. und Kronenordens 3. Klasse.  An der am Freitag erfolgten Beerdigung nahmen u.a. der stellvertretende Kommandierende General, ein Vertreter des Kaiserlichen Statthalters, des Ministeriums, aller kirchlichen, staatlichen und städtischen Behörden teil. Bei der Trauerfeier in der Synagoge schilderten der hiesige Rabbiner Dr. Marx und Ober-Rabbiner Dr. Netter - Metz Charakter und Wirken des Entschlafenen. In der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes sprachen sodann noch der Präsident des Unterelsässischen Konsistoriums, Justizrat Dr. Schmoll im Namen des Konsistoriums, der Gemeindeverwaltung und sämtlicher jüdischer Vereine und Anstalten; Bankier Mannheimer für das Oberelsässische Konsistorium, Fabrikant Bing für den Fürsorgeverein für entlassene Strafgefangene; Rabbiner Dr. Levy - Hagenau als ältester Rabbiner im Namen der Berufsgenossen und Rabbiner Dr. Dreyfuß - Saargemünd für die Familie."   

   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Levy (1921)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1921: "Brumath (Elsass). Rabbiner Dr. Levy ist im Alter von 55 Jahren verschieden."    

 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer  
Kurzbericht zur jüdischen Schule (1843)   

Brumath Elsass AZJ 26061843.jpg (12604 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843 (es wird die schulische Situation in mehreren Gemeinden des Elsass kurz beschrieben): "Brumath hat nur eine Privatschule, wozu die Stadt 250 Franc gibt; 33 Schüler."

     
Vorsänger/Kantor Z. Klein wurde ausgezeichnet (1897)          

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1897: "Bei dem Krönungs- und Ordensfeste hat Herr Reichsgerichtsrat Behrend in Leipzig den Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, Sanitätsrat Dr. Wolff, Kreisphysikus in Löbau, den Roten Adlerorden 4. Klasse und der israelitische Vorsänger Klein in Brumath das Allgemeine Ehrenzeichen erhalten."            


Kantor Z. Klein geht nach 44 Jahren in den Ruhestand (1905)  

Brumath FfIsrFambl 06011905.jpg (19802 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1905: "Brumath im Elsass. Pensionierung. Nach 44-jähriger Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde ist Herr Kantor Z. Klein nunmehr in den Ruhestand getreten."

   
Lehrer und Kantor H. Weill wechselt von Hattstatt nach Brumath (1905)
       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Februar 1905: "Hattstadt im Elsass. Die hiesige israelitische Gemeinde hat in letzter Zeit große Änderungen durchgemacht. Der allseitig beliebte Kantor H. Weill, der auch ein vorzüglicher Sänger ist, wurde nach Brumath berufen. Nun hat die Gemeinde auch noch eine neue Verwaltungskommission erhalten. Der der frühere Präsident derselben vor einiger Zeit sein Ehrenamt freiwillig niederlegt hatte, wurde eine Neuwahl erforderlich. Diese fand vor einigen Tagen statt und wurde nicht nur ein neuer Vorsteher, sondern sogar eine ganz neue Kommission gewählt, bestehend aus den Herren Marx Bernheim, Präsident,  Jules Ducas, Adolf Levy, Henri Kirsch und Abraham Roth."    

 
"Unerhörter Vorfall" im Blick auf die Pension von Kantor Z. Klein (1910)  
   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Oktober 1910: "Straßburg. Einen Blick in das Leben einer kleinen jüdischen Gemeinde gewährt ein unerhörter Vorfall in Brumath. Dem Kantor Klein war, als er vor sechs Jahren nach 50-jähriger Dienstzeit pensioniert wurde, von der damaligen Verwaltungskommission eine lebenslängliche Pension von 500 Mark bewilligt worden, die ihm bis zum laufenden Jahre auch ausbezahlt wurde. Die jetzige Verwaltungskommission nun weigerte sich, die Pension zu zahlen, und so musste Kantor Klein die Synagoge etc. pfänden lassen. Die Verwaltungskommission hat ihre Demission eingereicht. Die Neuwahlen sind auf den 30. Oktober anberaumt worden."   

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Ein aufrichtiger Finder (1901)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901: "Brumath im Elsass. (Es gibt noch ehrliche Finder in Israel). Der  Getreidehändler Felix Weil von hier verlor kürzlich 840 Mark. Herr Abraham Meyer fand das Geld und übermittelte es dem Verlierer ohne den ihm dargebotenen Finderlohn anzunehmen. Auf die an ihn gerichtete Frage: welchen Finderlohn er beanspruche, antwortete der ehrliche Finder: gar keinen, ich gebe ihnen das Gefundene zur Ehre des Gebotes (Gottes) zurück, Gebote werden in der Synagoge versteigert, außerhalb derselben aber sind Gebote unveräußerlich."      

     
Nathan Heller wird bei den Gemeinderatswahlen als Gemeinderat gewählt (1908)
   

Ingweiler usw FrfIsrFambl 10071908.jpg (84126 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juli 1908: "Straßburg. Die Gemeinderatswahlen haben auch eine stattliche Anzahl Juden in die Stadtparlamente gebracht. Wir verzeichneten in der vorwöchentlichen Nummer bereits eine Anzahl Namen. Es wurden ferner gewählt: 
Marc Blum, Max Frank und Fritz Meyer in Straßburg; Gilbert Meyer, Abraham Bloch und Joseph Weil in Ingweiler; David Levy in Dettweiler; Nathan Heller in Brumath; Leo Ginsburger in Uffheim; Dr. Leon Weill und Arthur Moch in Hagenau; Bernhard Baer und Leopold Klotz in Sulz u.W.; Achille gen. Elie Weil in Bollweiler; Jakob Schwab und Leon Bloch in Winzenheim; Adrian Bloch und Ferdinand Dreyfus in Mülhausen; Emil Weill in St. Ludwig; Salomon Heimerdinger und Emile Picard in Grussenheim; Silvani Beer und August Levy in Saarburg; Tuteur und Leiser in Metz; Leopold Blum und Julien Levy in Umlingen, Felix Barth in Forbach; Marcel Cahen und Levy Aron in Püttlingen."       

 
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Henriette Heymann (1844-1901, aus Brumath) und Henry Heymann (1848-1911, aus Obernai)
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Henriette Heymann wird nicht mitgeteilt.        

Brumath New York Salem 1673.jpg (172770 Byte)   Brumath New York Salem 1673a.jpg (167810 Byte)    Links Grabstein für "our beloved mother Henriette Heymann 
born in Brumath - Alsace  Feb. 14, 1844 
died March 16, 1901
" sowie 
"our beloved father Henry Heymann 
born in Obernay - Alsace  June 4, 1848 
died Aug. 14, 1911
"   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge

Eine erste Synagoge wurde 1801 erbaut. 1844/45 konnte eine neue Synagoge in der heutigen Rue de Général Rampont erbaut werden, die 1922 renoviert wurde. 1936 hatte die Gemeinde noch 185 Mitglieder. Während der NS-Zeit wurden die jüdischen Einwohner der Stadt mit den anderen Elsässer Juden nach Südfrankreich deportiert. Die Synagoge - als Lebensmitteldepot zweckentfremdet - und der Friedhof wurden während schwer beschädigt. 

Nach 1945 konnte die Gemeinde wieder begründet werden. In den 1950er-Jahren ist die Synagoge restauriert und 1957 wieder eingeweiht worden. 1965 gehörten der jüdischen Gemeinde 70 Personen an. 
   
Adresse/Standort der Synagoge:    28, Rue de Général Rampont, 67170 Brumath 
  
  

Fotos
(linkes Foto obere Zeile: Hahn, Aufnahmedatum 16.4.2004; die Fotos der mittleren Spalte aus Rothé / Warschawski s. Lit.; die drei Fotos der rechten Spalte aus der Website des Ministère de la culture s.u.).     

Brumath Synagogue 102.jpg (87813 Byte) Brumath Synagogue 181.jpg (50379 Byte) Brumath Synagogue 091.jpg (121161 Byte)
Die kleine Allee führt zum Vorplatz 
vor der Synagoge 
Eingangsbereich und westlicher Giebel 
der Synagoge
     
  Brumath Synagogue 180.jpg (97736 Byte) Brumath Synagogue 090.jpg (134459 Byte)
  Innenaufnahmen mit Blick zum Toraschrein 
      
Brumath Synagogue 182.jpg (33982 Byte) Brumath Synagogue 093.jpg (124353 Byte)
  Blick von der Frauenempore zum Toraschrein, rechts: die Kanzel der Synagoge 
     
Neuere Fotos 
(Fotos: Bernhard Kukatzki, Anfang 2012) 
   
Brumath Synagogue 1215.jpg (194621 Byte) Brumath Synagogue 1210.jpg (63163 Byte) Brumath Synagogue 1213.jpg (111121 Byte)
Blick zum Eingangsbereich   Blick von Norden zur Synagoge  Blick von Süden zur Synagoge 
     
  Brumath Synagogue 1211.jpg (62608 Byte) Brumath Synagogue 1212.jpg (109693 Byte)
  Blick von Südosten: die Apsis im Bereich des Toraschreines ist
     

          
       

Links und Literatur

Links:

Französische Informationsseite zur Synagoge in Brumath
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Brumath (interner Link)        
Informationen zur ehemaligen Synagoge im Verzeichnis des Ministère de la culture  

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992.   

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Brumath  Bas Rhin dist.  The Jewish population numbered 400 in 1865. In 1884, the synagogue was inaugurated and then renovated in 1922. In 1936, the community numbered 185 members. During worldwar II,  the local Jews were expelled to the south of France and siv were deported. The synagogue and the cemetery were badly damaged during the war. In 1965, there were 70 Jews in Brumath.  
   
  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. Juli 2014