Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lambsheim mit Maxdorf (Rhein-Pfalz-Kreis)
sowie Eppstein und Flomersheim (Stadt Frankenthal) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Lambsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Bereits im Mittelalter lebten Juden in der Stadt. Aus den Jahren 1387, 1399, 1404 und 1408 liegen einzelne Nachweise vor.  
 
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück. 1658 wird eine jüdische Familie in Lambsheim genannt. 1668 sind es zwei Familien. 1743 werden 34 jüdische Einwohner gezählt.
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 82 jüdische Einwohner (6,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 85 (5,4 %), 1819 116, 1825 107 (5,1 %, dazu die im neu gegründeten, damaligen Ortsteil von Lambsheim Maxdorf lebenden 20 jüdischen Einwohner), 1826 134 (Lambsheim und Maxdorf), 1833 152, 1848 184 (in 36 Familien), 1875 95, 1900 65, 1910 54 (in 1908 19 jüdischen Familien). 
  
1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt: Lazare Abraham (Gebrauchtwarenhändler), David Bär (Viehhändler), Jacob Cahn (Viehhändler), Joseph Cahn (Papierhändler) Salomon Cahn (Viehhändler) Samuel Cahn, Lazarus David, Jacob Kaufmann jun., Jacob Kaufmann sen. Jacob Moses Kaufmann (Viehhändler), Simon Lang (Kolonialwarenhändler), Abraham Simon jun. (Kolonialwarenhändler), Abraham Simon sen. (Kurzwarenhändler), David Simon, Naphtali Simon (Viehhändler), Alexander Weill (Kolonialwarenhändler), Levy Weill (Viehhändler), Samuel Weingarten (Trödler), Lazare & Joseph Weill.      
    
Zur jüdischen Gemeinde in Lambsheim gehörten die in Eppstein, Flomersheim und seit 1900 die in Weisenheim am Sand lebenden jüdischen Personen. In Eppstein wurden gezählt: 1801 26 jüdische Einwohner (5,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 30 (5,6 %), 1825 29 (4,4 %), 1924/32 je ein jüdischer Einwohner. 1809/10 gab es in Eppstein die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände Jacques Beer sen., Jacques Beer jun. Isaac Hartmann und die Witwe von Aron Isaac. In Flomersheim wurden gezählt: 1801 7 jüdische Einwohner (2,4 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 6 (1,5 %), 1825 15 (2,6 %).    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde Lambsheim eine Synagoge (s.u.), eine Schule (nach 1842 bis 1874 eine jüdische Elementarschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Unter den Lehrern des 19. Jahrhundert sind bekannt: Isaac Singer (in den 1840er-Jahren, später Lehrer und Kantor in Frankenthal), R. Bechhöfer von 1875 bis 1879 (siehe Anzeigen unten) und Jacob Friedrich Wilhelm Mayer Eppstein von 1879 bis 1899 (siehe Anmerkung unten), Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Ludwig Lang (geb. 14.10.1884 in Lambsheim, gef. 23.12.1916). Außerdem ist gefallen: Eugen Schmelzer (geb. 14.11.1887 in Lambsheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 20.8.1914).         
  
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 33 Personen gehörten (1 % von insgesamt etwa 3.400 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Ludwig Simon, Moses Friedmann (Weisenheim), Ludwig Freiberg und Albert Lang. Als Religionslehrer kam regelmäßig nach Lambsheim Lehrer Heinrich Schottland aus Frankenthal. Er hatte damals in Lambsheim drei jüdischen Kindern den Religionsunterricht zu erteilen. Als Rechner der Gemeinde war Joh. Eschenfelder tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Israelitischen Kranken-Unterstützungsverein (1847 gegründet, 1924 unter Leitung von Ludwig Simon). 1932 waren die Gemeindevorsteher Martin Lang (1. Vors.), Ludwig Freiberg (2. Vors.) und Moritz Roßmann (aus Weisenheim am Sand). Lehrer Schottland aus Frankenthal erteilte auch im Schuljahr 1931/32 drei jüdischen Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht.         
    
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 31 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1936 ging die Zahl auf 24 jüdische Einwohner zurück, bis 1937 auf 19, bis 1938 auf 17 und bis 1939 auf elf. Im Oktober 1940 wurden acht jüdische Einwohner nach Gurs deportiert. In Lambsheim konnten zwei jüdische Frauen, die mit christlichen Männern verheiratet waren, zurückbleiben. 
        
Von den in Lambsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Leo Benjamin (1890), Ferdinand Chan (1873), Sally (Salomon) Chan (1872), Lydia Einstein geb. Seligmann (1900), Anna Herzberger geb. Wolff (1869), Eduard Hirsch (1878), Lina Hirschheimer (1877), Emma Kohlmann geb. Kaufmann (1866), Albert Lang (1883), David Lang (1903), Gerda (Gertrud, Gerta) Lang geb. Kern (1897), Ilse Elisabeth Lang geb. Neu (1909), Manfred Lang (1930), Johanna Mayer geb. Wolf (1856), Clara Moritz geb. Chan (1865), Cäcilie Rotschild geb. Wolff (1863), Alfred Salmon (1890), Erwin Salmon (1921), Selma Scheuer geb. Wertheimer (1889), Adolf Schmelzer (1889), Bertha Schmelzer (1859), Leopold Schmelzer (1863), Anna Schmitt geb. Wertheimer (1893), Rita Silberpfennig geb. Jacob (1904), Isaac Simon (1873), Simon Simon (1866), Jacob Wolf (1885).
Hinweis: die in einigen Listen als Opfer der NS-Zeit genannte Emma Salmon geb. Dellheim (1900) war bis 15. März 1941 in Gurs, danach u.a. im Lager Rivesaltes; sie überlebte und wanderte zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Ingeburg (1935) in die USA aus.  
Vgl. Informationsblatt von Jochen Glatt (Lambsheimer Heimatfreunde - Verein für Geschichte und Kultur e.V.): "Vor 75 Jahren: Lambsheimer Juden und das Internierungslager Gurs" (pdf-Datei; eingestellt im Oktober 2015) 
  
Aus Eppstein ist umgekommen: Rosa Loeb (1855).    
  
Im Februar 2014 beschloss der Hauptausschuss der Gemeinde Lambsheim, fünf Stolpersteine vor den Anwesen in der Hauptstraße 48 und 74 verlegen zu lassen. DIe noch 2014 verlegten "Stolpersteine" erinnern seitdem an Albert, Gertrud, David und Elisabeth Lang (Hauptstraße 48) sowie an Erwin Salomon (Hauptstraße 74). Im November 2015 wird in Eppstein (Stadtteil von Frankenthal) ein Stolperstein für Rosa Loeb vor dem Anwesen Hauptstraße 58 verlegt.   
    
Koeln Stolperstein Herbert Salmon.jpg (34067 Byte)Hinweis: Für Herbert Salmon (nicht: Salomon) aus Lambsheim wurde in Köln im Stadtatteil Altstadt-Nord in der Jakordenstr. 17 ein Stolperstein verlegt (Foto links), vgl. Link (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln). .  
Für Anna Schmitt geb. Wertheimer (geb. 1893 in Lambsheim als Tochter des Kaufmannes Karl Wertheimer, mit Familie 1907 verzogen nach Frankfurt, seit 1921 ebd. verheiratet mit dem Nichtjuden Emil Schmitt) wurde im Frankfurter Stadtteil Nordend am Mauerweg 10 am 21. Juni 2014 ein Stolperstein verlegt. 
Presseartikel     
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schächters 1875 / 1878 / 1908 / 1911

Lambsheim Israelit 03021875.jpg (61670 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1875: "Die Anstellung eines Vorbeters und Religionslehrers für die israelitische Kultusgemeinde Lambsheim, im Bezirksamte Frankenthal, wird unter Anberaumung eines Meldungstermins von 3 Wochen von heute an zur Bewerbung ausgeschrieben.
Die Gehaltsbezüge bestehen:  a) bar aus der israelitischen Kultuskasse 300 Gulden, b) für Beheizung  25 Gulden und c) die Schächtergebühren und Kasualien, welche sicher ertragen  100 Gulden, zusammen 425 Gulden.
Außerdem erhält der Anzustellende schöne geräumige Wohnung im Synagogen-Gebäude. 
Bewerber um diese Stelle wollen ihre Gesuche, mit Zeugnissen belegt, im angegebenen Termine persönlich bei dem Unterzeichneten einreichen. 
Lambsheim, den 19. Januar 1875. Der israelitische Synagogen-Vorstand. gez. H. Kahn."
Auf die Anzeige bewarb sich Lehrer R. Bechhöfer, der freilich nur drei Jahre blieb (vgl. Anzeigen unten). Nach seinem Weggang war die Stelle auf den 15. März 1879 wieder auszuschreiben:  
Lambsheim Israelit 25121878.jpg (46953 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1878: "Vakanz. Mit dem 15. März 1879 wird die Vorsänger-, Religionslehrer- und Schächterstelle zu Lambsheim, Pfalz, vakant. 
1) Gehalt aus der Kultuskasse  565 Mark, 2) Für Beheizung  35 Mark,  3) Für Sabbat-Vorträge  35 Mark,  4) Die Schächtergebühren und Kasualien ertragen circa  300 Mark,  Summa 935 Mark. 
Außerdem sehr schöne geräumige Wohnung im Synagogengebäude, bestehend in 4 Zimmer und Keller, und Brunnen im Hofe, die der Anzustellende in freien Genuss bekommt. Reflektierende wollen sich baldigst an den Vorstand wenden. 
Lambsheim (Pfalz), 16. Dezember 1878.  Der Vorstand."  
    
Lambsheim Israelit 02011908.jpg (43474 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1908: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächter dahier ist zum 1. Februar eventuell später neu zu besetzen. Gehalt 600 Mark Fixum nebst freier Wohnung. Nebenverdienst ungefähr 800-1000 Mark. Bewerber wollen Zeugnisse alsbald an den Synagogen-Vorstand in Lambsheim (Pfalz) einsenden."   
 
Ausschreibungen im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juli 1908: "Aus der Lehrerwelt. 
Frankfurt am Main. Vakanzen.
- Lambsheim in der Pfalz (4300 Einwohner, 19 jüdische Familien), Lehrer, Vorbeter und Schächter per sofort oder später, 700 Mark, freie Wohnung, 800 bis 1000 Mark Nebenverdienst. - Trabelsdorf bei Bamberg (500 Einwohner, 15 jüdische Familien), Lehrer, Vorbeter und Schächter per bald, 700 Mark, freie Wohnung und Heizung, 3-400 Mark Nebenverdienst. - Eberbach in Baden, Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage, - Braunfels an der Lahn (1500 Einwohner), 1300 Mark Gehalt. - Hechingen in Hohenzollern (4400 Einwohner, 82 jüdische Familien), Lehrer und Vorbeter, 1400 Mark Anfangsgehalt (2400 Mark Höchstgehalt), freie Wohnung, 1000 Mark Nebeneinkommen. - Nordheim a.d. Rhön (1200 Einwohner, 15 jüdische Familien), 1100 Mark Gehalt."    
 
Lambsheim Israelit 17101911.jpg (53012 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1911: In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters per 1. Januar 1912 eventuell früher neu zu besetzen. Gehalt Fixum 600 Mark bei freier Wohnung; Nebenverdienst 800-1000 Mark. Verheiratete Bewerber deutscher Staatsangehörigkeit wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen an den Unterzeichneten richten. 
Lambsheim (Pfalz), den 4. Oktober 1911. 
Der Vorstand: Ludwig Simon."

    
Irritationen um die Bescheinigung des Bezirksrabbiners für die Stopfgänse von Lehrer Bechhöfer (1878)     

Lambsheim Israelit 16011878.jpg (28931 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1878: "Ich nehme Aufträge auf schöne fette Stopfgänse zur Versendung bis Pessach an. Auf Verlangen sende auch eine Bescheinigung des Rabbiners, Herrn Dr. Salvendi in Dürkheim a. Haardt. Bestellungen werden pünktlich besorgt. 
Preis per Pfund 86 P. Gewicht 10-11 Pfund recht fett.  R. Bechhoefer, Lehrer in Lambsheim bei Frankenthal (Rheinbayern). 
Von der von Lehrer Bechhöfer angebotene Bescheinigung wusste der Bezirksrabbiner allerdings nichts, weswegen er eine Anzeige nachfolgen ließ:  
Lambsheim Israelit 30011878.jpg (36912 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1878: "Mit Bezugnahme auf das Inserat des Herrn R. Bechhöfer in Lambsheim in Nr. 3 des Israelit S. 69 Spalte 2, erkläre ich hiermit, dass derselbe niemals die dort erwähnte 'Bescheinigung' von mir erhalten; das Weitere ergibt sich dann von selbst. 
Dürkheim a.d. Haardt.  Dr. Adolf Salvendi, Bezirks-Rabbiner."  

  
Hinweis auf den jüdischen Lehrer Jacob Friedrich Wilhelm Mayer Eppstein (Lehrer in Lambsheim von 1879 bis 1899)  

Lambsheim Lehrer Eppstein 010.jpg (16632 Byte)Jacob Friedrich Wilhelm Mayer Eppstein (geb. 1846 in Saarwellingen; ein Enkel des Lehrers Jacob Mayer Eppstein und Vater von Oskar Eppstein, Weiteres zu ihm auf der Seite zu Gemünden im Hunsrück) war seit 1867 Lehrer an der jüdischen Elementarschule in Gemünden im Hunsrück, bis die Familie im August 1874 nach Essenheim übersiedelte, wo er bis April 1879 tätig war. Von April 1879 bis zu seinem Tod am 14. Februar 1899 war er Lehrer der jüdischen Gemeinde in Lambsheim. Zeitweise unterrichtete er auch in Nachbargemeinden. So erhielt er 1884 die behördliche Genehmigung, auch den Religionsunterricht in Dirmstein zu erteilen. Er wurde im jüdischen Friedhof in Lambsheim beigesetzt. 
(Foto aus der Sammlung Rolf Michael Mayer)   
   
Zur Familiengeschichte siehe Beitrag von Rolf Michael Mayer: Vom Taunus über Frankfurt und Mannheim nach Fußgönheim, Ruchheim und Mutterstadt. HaLevi - Eppstein - Eppler - Mayer. Vier Namen - eine Familie. 2009. Eingestellt als pdf-Datei.     

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Heiratsanzeige von Karl Kahn und Paula geb. Katz (1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. April 1938: "Aus Lambsheim. Am 17. März 1938 vermählte sich Herr Karl Kahn aus Lambsheim mit Fräulein Paula Katz aus Dahn (Pfalz)."      

 
Erinnerung an Elisabeth Lang geb. Neu (Kennkarte von 1939)      

Fraenkisch-Grumbach KK Elisabeth Lang geb Neu.jpg (102172 Byte)Links: Kennkarte für Elisabeth Lang geb. Neu (geb. 17. August 1909 in Fränkisch-Crumbach); die Kennkarte wurde am 16. Februar 1939 in Frankenthal ausgestellt. Elisabeth lebte mit ihrem Mann David Lang in Lambsheim, von wo sie am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Lager Gurs deportiert wurde (danach in Rivesaltes und in Drancy). Am 11. September 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. 
Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland.    
http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm
    
Für Elisabeth Lang geb. Neu wurde im Mai 2014 ein Stolperstein verlegt (siehe unten).    

  
Über die Familie Loeb in Eppstein (früher Eppstein (Pfalz))     
(zusammengestellt von Paul Theobald, Frankenthal)      

im Oktober 2015 werden in der Stadt Frankenthal (Pfalz) wieder "Stolpersteine" verlegt werden. Darunter soll auch der Stolperstein für Rosa Loeb (Löb), die in Eppstein (damals: Eppstein (Pfalz)) wohnte. 
In Eppstein hatte am 7. November 1853 Daniel Loeb (geb. 5. März 1823 in Assenheim, gest. 6. Januar 1883 in Eppstein) die 34-jährige Susanna geb. Weiler geheiratet (geb. am 3. Oktober 1819 in Eppstein, gest. 17. Mai 1906 ebd.). Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Rosa (geb. 8. Januar 1855 in Eppstein (Pfalz), umgekommen am 4. Februar 1941 in Hadamar), Veronika (geb. 7. November 1858 in Eppstein, gest. 30. Dezember 1889 in Eppstein), Knabe (geb./gest. 10. August 1860 in Eppstein) und Elisabetha (geb. 26. Juli 1861 in Eppstein).
Die Tochter Rosa Loeb blieb unverheiratet und wohnte in Eppstein in der Hauptstraße 48 (heute Dürkheimer Straße); sie betrieb hier einen kleinen Krämerladen. Das Anwesen Hauptstraße 48 war ihr Eigentum. Rosa Loeb war ab 1937/38 in der Kreis-Kranken-(Heil-) und Pflegeanstalt Frankenthal untergebracht. Sie wurde am 22. Oktober 1940 nicht in das "Camp de Gurs" gebracht, weil ihr Ableben erwartet wurde. Zu Beginn des Jahres 1941 kam sie in die Landes-Heil-Anstalt Heppenheim. Zusammen mit 17 Heppenheimer Patienten wurde sie am 4. Februar 1941 im Rahmen eines Sammeltransportes "nach einer für Juden vorbehaltenen Anstalt" verlegt. Dieser Transport endete in Hadamar mit dem Vermerk "Ort unbekannt". Da es keine Unterbringungsmöglichkeiten gab, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass sie in Hadamar umgebracht wurde.     

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge       
  
Eine jüdische Schule (Schule und Synagoge), die "nächst dem Rathaus" lag, wird bereits in einem Ratsprotokoll vom 15. Dezember 1705 erwähnt. 
  
1823 berichtet der Bürgermeister im Jahresbericht der Gemeinde: "Die jüdischen Glaubensgenossen dieser Gemeinde halten ihren Gottesdienst in einem gemieteten Lokale, wofür sie dem Eigentümer einen jährlichen Zins geben". Der Eigentümer war damals der Jude Löw. 1829 erwarb die jüdische Gemeinde das inzwischen Simon Abraham gehörende Haus in der "Vordergass" (Teil der heutigen Hauptstraße), um als künftig als jüdisches Gemeindehaus zu verwenden. Im Keller wurde eine Badestube und eine Küche eingerichtet, im Erdgeschoss ein Schulsaal sowie die Lehrerwohnung und im Obergeschoss die Synagoge.   
   
Über 100 Jahre war die Lambsheimer Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. Mehrfach wurde sie renoviert. 1848 wurden die Betpulte (Ständer) durch Bänke ersetzt. 1881 erhielt die Synagoge einen neuen Treppenaufgang, der zur Männersynagoge und zum Frauenbereich führte. Wie lange nach 1933 noch Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Mitte der 1930er-Jahre löste sich die Gemeinde auf. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch Mitglieder der SA und der Hitlerjugend das jüdische Gemeindehaus und die Synagoge gestürmt und die gesamte Inneneinrichtung demoliert. Inventar und Kultgegenstände wurden auf die Straße geworfen, der Leichenwagen verbrannt. Der im Betsaal gelegte Brand wurde durch Nachbarn gelöscht, die Angst vor einem Übergreifen des Brandes auf ihre Gebäude hatten. Die jüdische Gemeinde musste das Anwesen für 1.000 RM an die Milchlieferungsgenossenschaft Lambsheim verkaufen. Im Oktober 1948 kam das Anwesen an die jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, die die es wenig später an einen Privatmann verkaufte, der es abreißen ließ. 1957 wurde das Grundstück neu bebaut.    

Text der 1993 angebrachten Gedenktafel am Rathaus der Gemeinde: "Auf dem Platz des heutigen Anwesens Nr. 43 stand die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde. Das Gebäude 1829 angekauft, wurde in der Nacht vom 9.-10. November 1938 aus Hass in Brand gesetzt! Nach dem Verkauf im Jahre 1948 wurde es vollständig abgerissen. 1957 entstand an gleicher Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus. In Würdigung des Wirkens und der Verdienst der ehemaligen jüdischen Mitbürger. Gemeinde Lambsheim 1993." 
  
Neben der Synagoge gab es in Lambsheim in dem Haus der Familie Weill eine private Betstube. Nach O. Weber s.Lit. stammt das Gebäude aus der Zeit um 1780. Die Familie Weill habe um 1800 die Betstube eingerichtet, die auch von der jüdischen Gemeinde genutzt wurde. Das Haus ist als Wohnhaus erhalten.    
      
      
Adresse/Standort der Synagoge     Synagoge in der Hauptstraße 43; private Betstube der Familie Weill in der Hauptstraße 52.  
     
     

Fotos 
(Historische Fotos aus den Beständen des Historischen Archivs Lambsheim; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.6.2008)  

Die Synagoge auf 
einer Postkarte (1917)  
Lambsheim Synagoge S015.jpg (363573 Byte) Lambsheim Synagoge S015ausschnitt.jpg (64797 Byte)  
  Die am 27. Juni 1917 geschriebene Postkarte zeigt die Hauptstrasse in Lambsheim 
die Synagoge ist markiert - rechts Ausschnitt aus der Karte (in höherer Auflösung
     
Fotos vom Einzug der 
amerikanischen Soldaten 1945 

Fotos vom Einzug der 
amerikanischen Soldaten 1945 
Lambsheim Synagoge S017.jpg (100667 Byte) Lambsheim Synagoge S018.jpg (90602 Byte)
  Das Synagogengebäude - hinter 
dem vorbeifahrenden Lastwagen 
  
Das Synagogengebäude - links 
des vorbeifahrenden Panzers; im 
Vordergrund das Rathaus   
       
Der Standort der Synagoge in der Gegenwart      
Lambsheim Synagoge 152.jpg (79964 Byte) Lambsheim Synagoge 153.jpg (73532 Byte) Lambsheim Synagoge 150.jpg (84183 Byte)
Standort der ehemaligen Synagoge und 
das an ihrer Stelle 1957 erbaute 
Wohn- und Geschäftshauses 
(hinter parkendem Auto)
  
   
Standort der ehemaligen Synagoge 
(Mitte) und Rathaus (links), an dem 
sich die Gedenktafel befindet: die
 Nachbargebäude der früheren Synagoge 
sind alle noch erhalten (vgl. mit den
 historischen Fotos oben)   
Die Gedenktafel
 
 
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Mai 2014: Verlegung von "Stolpersteinen" in Lambsheim   
 Seiten im "Lambsheimer Amtsblatt" zur
 "Stolpersteine"-Verlegung am 14. Mai 2014 
Lambsheim Stolpersteine 2014 Abl30042014.jpg (61661 Byte) Lambsheim Stolpersteine 2014 Abl08052014.jpg (81740 Byte) Lambsheim Stolpersteine 2014 Abl22052014.jpg (101595 Byte)
  Amtsblatt vom 30.4.2014  Amtsblatt vom 8.5.2014   
"Stolpersteine" wurden verlegt in der Hauptstraße 48 für Albert Lang (1883), Gertrud Lang (1897), David Lang (1903), Elisabeth Lang geb. Neu (1909; vgl. oben Kennkarte von 1939) sowie in der Hauptstraße 74 für Erwin Salmon (1921).    
Vgl. auch den Artikel: "Stolpersteine in Lambsheim. Freya Lang, ein Lambsheimer Mädchen..." (Artikel eingestellt als pdf-Datei) 
Aus der Website der "Lambsheimer Heimatfreunde": http://www.lambsheimer-heimatfreunde.de/material/2014/LHF_Freya_Lang.pdf    

  
    

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Lambsheim 

Literatur:  

Kurt Kinkel: Die Juden in Lambsheim. Manuskript 1981. 1982 veröffentlicht.  
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 107-108.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben).
Martina Graf: Abraham Weill aus Lambsheim - Eine biografische Skizze. In: Heimatjahrbuch Rhein-Pfalz-Kreis 2013. 

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lambsheim Palatinate.  A few Jewish families were present in 1343, all burned at the stake following a blood libel. The community was again destroyed in 1349 during the Black Death persecutions.             
A permament Jewish settlement only emerged again in the mid-17th century. In 1658, there was one family; three in 1703; and seven (43 Jews) in 1743. The Jewish population then grew to 81 in 1803; 152 in 1833; and a peak of 184 in 1848. Most were engaged in petty trade. A cemetery was opened in 1822 and a synagogue was consecrated in 1829 with a mikve attached. With the founding of a Jewish elementary school in 1842, a classroom and an apartment foor the teacher-hazzan (who also served as the shochet from 1845) were set up in the synagogue. The municipality partially financed the school, which reached an enrollment of 23-37 in the 1842-58 period. Declining attendance caused it to close down in 1874. A society to aid the sick was founded in 1856. The Jewish population dropped to 95 in 1876 and 65 in 1900. In 1933 the Jewish population was 31 with 18 Jews from Weisenheim a. Sand and one from Eppstein belonging to the congregation. In 1938, 11 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Hitler Youth burned the contents of the synagogue and Jewish homes and stores were wrecked. In all, 25 Jews left Lambsheim in the 1933-40 period: 11 for the United States, two for England, one for France, and 11 for other cities in Germany. The eight remaining Jews were deported to the Gurs concentration camp in October 1940, five perishing along with another Jew originally from Lambsheim.  
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Mai 2017