Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Buchau (Kreis Biberach)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buchau wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.   
   
Ein Teil der Texte dieser Seite konnte noch nicht abgeschrieben werden - bitte zum Lesen die Textabbildungen anklicken.
   
  
Übersicht:  

bulletAllgemeine Berichte zur jüdischen Geschichte in Buchau  
"Reiseskizzen aus Württemberg" - Eindrücke aus der jüdischen Gemeinde in Buchau (1857)  
Zur Geschichte der Juden in Buchau und Kappel (Beitrag von Oberlehrer Marx, 1924)  
Über den Huldigungseid in den neuwürttembergischen Orten 1807 - mit besonderer Berücksichtigung von Buchau (Beitrag von Rabbiner Dr. Aaron Tänzer, Göppingen, 1926)  
bulletAus der Geschichte des Rabbinates in Buchau    
Über Rabbiner Jakob Kaufmann (1820-1834 Rabbiner in Buchau)    
Zur Predigt von Rabbiner Moses Bloch bei der Einweihung der Synagoge (1839)         
-  Rabbiner Güldenstein - einzelne Reformen im gottesdienstlichen Bereich (1846)     
-  Verhältnisse in Buchau, geprägt unter Rabbiner Güldenstein (1847)  
Beitrag von Rabbiner Güldenstein über "Württembergs Gesetzgebung über Juden im 16. und 17. Jahrhundert..." (1847)  
   mit einer Übersicht: Die 13 Rabbinatsbezirke in Württemberg (1847)  
Rabbiner Dr. Güldenstein hat eine lateinische Schule gegründet (1850)  
-  Über die Privatschule von Rabbiner Dr. Güldenstein (1852) 
-  "Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische Knaben" durch Rabbiner Güldenstein (1856)    
-  Rabbiner Dr. Güldenstein gibt die Privatschule auf (1860)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Güldenstein (1861)    
-  Bücher aus dem Nachlass des Rabbiners Dr. Güldenstein können erworben werden (1861)   
-  Ausschreibungen des Rabbinates Buchau (1861/62)   
-  Einsetzung von Rabbiner Weimann in seinen Dienst in Buchau (1862)   
-  Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochets durch Rabbiner Weimann (1865)     
-  Über Rabbiner Weimanns Bemühungen um Behebung einiger zu liberaler Zustände in Buchau (1866)    
-  Rabbiner Weimann veröffentlicht "fünf Zeitpredigten" (1866)   
Rabbiner Weimann äußert sich in einem Zirkular zu aktuellen Besteuerungsfragen und wird dafür kritisiert (1869)     
-  Rabbiner Weimann wird in Friedrichshafen von Königin Olga empfangen (1883)  
Über die "bismarckbegeisterten Töchter" des Rabbiners Weimann (1885)     
-  Abschied von Rabbiner Weimann (1886)    
-  Zum Tod von Rabbiner Weimann (1886)     
-  Ausschreibung des Rabbinates Buchau (1886)    
-  Rabbiner Laupheimer wechselt von Buttenhausen nach Buchau (1887)   
Einführung von Rabbiner Laupheimer als Rabbiner in Buchau (1887)   
-  Silberne Hochzeit von Rabbiner-Ehepaar Laupheimer (1902)     
-  Publikation von Rabbiner Abraham Schlesinger: "Einführung in den Zionismus" (1922)   
Die Frau von Rabbiner Dr. Schlesinger wird bei einem Eisenbahnunglück verletzt (1928)  
Mitteilung von Rabbiner Dr. Schlesinger zur Schaffung einer "hebräischen Lesegesellschaft für Württemberg und Baden" (1928)  
Vortrag von Rabbiner Dr. Schlesinger in München über den Dichter Bialik (1934)    
Publikation von Rabbiner Abraham Schlesinger: "Im Zeichen der Wiedergeburt" (1935)  
bulletAus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter (Kantoren) sowie der Schule  
-  
Publikation von Oberlehrer Leopold Lammfromm (1847)    
Buchbesprechung des "Lesebuches für Israeliten zum Gebrauche in Schule und Haus" vom Oberlehrer Leopold Lammfromm (1848)  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1865)    
-  
Abschied von (Unter-)Lehrer Rödelsheimer nach 30 Jahren Dienst in Buchau (1866)   
-  
Zur (Wieder-)Besetzung der israelitischen Volksschulstelle mit Lehrer Rödelsheimer (1867)   
-  
Aus einem Beitrag von Lehrer Baruch Straßburger: "Konfessions- oder Simultan-Schule...?" (1889)   
-  
Publikationen von Lehrer Baruch Straßburger (1890)  
Postkarte von Lehrer Straßburger, versandt nach München (1893)   
-  40-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Straßburger (1896)    
Lehrer Straßburger tritt Falschmeldungen über die israelitische Schule entgegen (1902) 
Schullehrer Straßburger erhält eine hohe Auszeichnung (1905)  
Zum Tod von Fanny Straßburger geb. Benedikt, Witwe von Lehrer Straßburger (1924) 
Lehrer Hermann Einstein kommt an Stelle von Lehrer Herbst nach Buchau (1932) 
Lehrer Hermann Einstein baut mit den Schülern eine Laubhütte (1933) 
Beisetzung von Oberlehrer Marx (1933)  
Die Schüler haben mit dem Lehrer wieder eine Laubhütte gebaut (1934) 
Lehrer Hermann Einstein wechselt nach Hildesheim (1935)       
bulletVerschiedene Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  
Jüdische Kaufleute aus Buchau feiern in Augsburg das Jubiläumsfest des württembergischen Königs (1841)   
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Antijüdische Vorfälle (1846)  
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25-jähriges Jubiläum des Armenhilfsvereins (1857)     
Dankgottesdienst zum Friedensschluss (1871)  
-  Die Zahl der jüdischen Einwohner geht durch Abwanderung in die Städte stark zurück (1871)    
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50-jähriges Jubiläum des Privat-Armenvereins (1882)    
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Stiftung des katholischen Stadtpfarrers zugunsten der jüdischen Gemeinde (1896) 
Wahlen zum Vorsteheramt (1924) 
Ein Schlichtungsausschuss wird gebildet sowie weitere Mitteilungen (1926)  
Der Frauenverein bildet einen "Ausschuss für geistige Interessen" (1927) 
Generalversammlung der Ortsgruppe des Centralvereins (1928)  
Monatsvorträge im Israelitischen Frauenverein (1929) 
Feier der Gesellschaft "Harmonie" aus Anlass des 70. Geburtstages von Sanitätsrat Dr. Nördlinger (1929)  
Purimfeier der Gesellschaft "Harmonie" (1930) 
Chanukkafeier der Gesellschaft "Harmonie" (1931) 
Veranstaltungen im Gemeindeleben im Winterhalbjahr 1929/30 (1930)  
Vortrag im Jüdischen Jugendbund mit Rechnungsrat Wissmann aus Stuttgart (1931)  
Hundertjahrfeier des Israelitischen Privatarmenvereins (1932)  
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1933)  
Plenarversammlung des Israelitischen Privatarmenvereins (1934) 
Generalversammlung der Gesellschaft "Harmonie" und Vortragsabend der Ortsgruppe des Central-Vereins (1934)  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1934) 
Sederfeier zu Pessach für die Kinder der Gemeinde - Schauturnen der jüdischen Jugend (1934)    
Rabbiner Dr. Schlesinger berichtet über seine Palästina-Reise (1934) 
Simchas Thora-Unterhaltung der Gesellschaft "Harmonie" (1934) 
Jahresversammlungen des Israelitischen Privatarmenvereins und des Central-Vereins - der Jüdische Frauenverein richtet eine Nähstube ein (1935) 
Chanukkafeier in der Gemeinde (1935) 
Vortragsabend des Reichsbundes Jüdischer Fronsoldaten (1935)  
Vortragsabend ("Lernzeit") mit Rabbiner Dr. Schlesinger für die Frauen der Gemeinde (1935) 
Zweiter Lehrkurs des Jüdischen Frauenbundes (1935)  
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1935) 
Versammlung von Freunden der zionistischen Bewegung (1935)  
Ergebnisse der Vorstandswahlen - Hinweis für die Wochentagsgottesdienste während der Wintermonate - Treffen des Frauenvereins (1935) 
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1936)  
Verschiedene Vereinsaktivitäten (Generalversammlung des Israelitischen Frauenvereins, Mitgliederversammlung der Zionistischen Ortsgruppe, Zusammenkunft des Synagogenchors) und Vortragsabende (1936)  
Verschiedene Mitteilungen: Schulvisitation durch Oberlehrer Berlinger - Moritz Vierfelder bereitet ein jüdisches Museum vor - 200 Jahre Rabbinat Buchau - Rabbiner Dr. Schlesinger ist wieder vor Ort - Moses Weil feiert seinen 88. Geburtstag (1937)   
bulletBerichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
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Belobigung für den israelitischen Kirchenpfleger Marx Mändle (1844)   
Über den Bildhauer Albert Güldenstein (Bruder von Rabbiner Güldenstein, 1847)   
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Dr. Eduard Löwenthal, Sohn des Lehrers Isac Löwenthal ist Redakteur in Frankfurt (1861)  
Über die Niederlassungen der Neuburger'schen Firma - Weberei und Stickerei (1860) 
Zum Tod von Fabrikant Joseph Neuburger (1867)     
-  
M.E. Weil und Jakob Dannhäuser werden erneut in den Gemeinderat gewählt (1897)  
Zum Tod des aus Buchau stammenden Generals Max Einstein (gest. in Philadelphia 1906)  
Bankier Max Dreifuß wurde zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt (1911)  
Die Ehepaare Moses und Babette Mayer sowie Ignaz und Rosa Schaal feiern ihre Goldene Hochzeit (1924) 
85. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos (1926) 
Silberne Hochzeit von Franz Moos und seiner Frau (1926)  
Zum Tod von Stadttierarzt Berthold Erlanger (1926) 
Silberne Hochzeit von Emil Kahn und seiner Frau (1926)  
70. Geburtstag von Luise Erlanger (1926) 
Zum Tod von Heinrich Erlanger (1926) 
Sanitätsrat Dr. S. Nördlinger ist 40 Jahre als praktischer Arzt in Buchau tätig (1927) 
Dr. Alfred Marx, Sohn von Oberlehrer Marx, besteht die Staatsprüfung für den höheren Schuldienst (1927) sowie die 2. Staatsprüfung (1928)  
Moritz Vierfelder erhält einen Ehrenbrief der deutschen Turnerschaft (1927) 
Goldene Hochzeit von Moses Weil und Anna geb. Bernheim (1927)  
Nach dem Ehrenbürger Prof. Meier Wallersteiner wird eine Straße in Buchau benannt (1928)  
90. Geburtstag von Moses Mayer (1928) 
Abraham Moos wird wiederum in den Gemeinderat gewählt (1929) 
85. Geburtstag von Rudolf Hirsch (Ulm, 1929)  
97. Geburtstag von Berta Neuburger geb. Bernheim (in München 1929)    
88. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos (1929)  
Verschiedene Geburtstage in der Gemeinde: Babette Weil geb. Bernheim (75), Moses Weil (80) und Moses Mayer (91) (1929) 
Silberne Hochzeit von Moritz und Elsa Vierfelder (1929)  
75. Geburtstag von Sophie Weil geb. Tannhauser (1929) 
75. Geburtstag von Leopold Einstein (1929)  
89. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos (1930) 
Zum Tod von Leopold Einstein (1930)   
Sanitätsrat Dr. Nördlinger erhält zahlreiche Ehrungen für seine Verdienste um die Pflege des deutschen Liedes (1930) 
Hauptversammlung des Turnvereins Buchau - Hermann Kahn und Sanitätsrat Dr. Nördlinger werden Ehrenmitglieder (1931) 
70. Geburtstag der Zwillingsschwestern Fanny Leopold Weil und Hannchen Klein (1931) 
90. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos  -  93. Geburtstag von Moses Mayer (1931)  
70. Geburtstag von Bankier Max Dreifuß (1931) 
Zum Tod von Viehhändler Albert Weil (1932) 
Zum Tod des Fabrikanten Felix Moos (1932) 
70. Geburtstag von Josef Einstein (1933) 
75. Geburtstag von Josef Berliner (1933)     
Beisetzung von Kaufmann Adolf Beer (1933)  
60. Geburtstag von Fabrikant Franz Moos (1933) 
80. Geburtstag von Hermann Weißberger (1933)  
70. Geburtstag von Fanny Dannhauser (1934)  
Josef Berliner ist 40 Jahre Kassier im Israelitischen Wohltätigkeitsverein (1934) 
Gemeindeabend mit Thekla Kaufmann  -  Arthur Ullmann erwirbt das Deutsche Turn- und Sportabzeichen (1934)  
Mitteilungen zu verschiedenen Personen aus der Gemeinde (Friedel Vierfelder, Ludwig Dannhauser, Siegfried Einstein, Anni Moos, Moritz Kahn, 1936)  
Frieda Ullmann wird als Sängerin beim Synagogenchor geehrt (1937)   
-  Verlobungsanzeige von Elsbeth Steinacher und Siegbert Bernheim (1937)  
Nach der Deportation: Todesanzeige für Max Dreifuss und Bertha Dreifuss geb. Erlanger (1942 / 1945)     
bulletAnzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
David Wallersteiner wirbt für seine Torawimpeln (1890) 
bulletWeitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen 
Firmenrechnung von Hermann Moos aus Buchau (1859)   
Firmenkarte der Firma Hermann Moos (1899) 
Geschäftskarte von A. Levy aus München an Hermann Moos in Buchau (1901)    
Firmenkuvert der Trikotfabriken Hermann Moos AG (1934/35)   
   
Briefumschlag an Ricka Neuburger (1869)  
Postkarte des Tuchgeschäftes Einstein & Erlanger in Buchau (1876)     
Karte von Benjamin Bernheim (1877)  
Postkarte von J. A. Berliner in Buchau nach Reute (1892)  
Postkarte an die Lederhandlung Siegfried Bernheim in Buchau (1893)  
Patentschrift für Straßenbahnweiche von Louis Einstein (1899)   
Ansichtskarte an Wilhelmine Dreyfuss in Buchau (1903)
Kartenbrief der Fa. Jakob Gabriel Bernheim & Söhne (1908) 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe aus einer Publikation von 1909     
Brief von Max Stern aus Los Angeles an Josef H. Einstein in Buchau (1912)   
Postkarte von Max Dreifuß an seinen Vetter Abraham Weil in München (1922)     
Karte von Familie Einstein aus Buchau (1925)   

    
    
    
Allgemeine Berichte zur jüdischen Geschichte in Buchau   
"Reiseskizzen aus Württemberg" - Eindrücke aus der jüdischen Gemeinde in Buchau (1857)   

Buchau AZJ 27071857.jpg (234862 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1857: "Reiseskizzen aus Württemberg. Wer in eine der nächsten besten Synagogen Württembergs tritt, der sieht bald, dass dort die schon vor geraumer Zeit angebahnte Reform ziemlich stabil geworden und zwar zum Nutzen und Frommen des Volkes, zur Ehre der Religion. Der alte Ritus ist zwar in seinem großen Ganzen unangetastet, bloß sind die Piutim (sc. Hinzufügungen zur traditionellen Gebetsliturgie) mit Ausnahme von Jom Kippur und Rosch Haschana entfernt, aber die lärmende 'Judenschule' findet man hier nicht mehr, die Predigt und meistens auch Choralgesang sind einheimisch. Die Synagoge Württembergs in ihrer jetzigen Gestalt ist die geheiligte Institution, die vom Volke anerkannt und geliebt wird. Sie ist die ehrwürdige Mutter, die man nicht verachtet, 'weil sie alt ist', sondern in steter Verjüngung zu erhalten weiß. Wir sprechen hier im Gegensatz von jenen Reformlistigen, die alles Geschichtliche aus der Synagoge gebannt wissen möchten, allem Positiven feindlich entgegen treten; aber auch im Gegensatze derjenigen Zeloten, denen es durchaus nicht um Ordnung und Weihe im Gotteshause zu tun ist, sobald nur kein Jota vom alten Ritus abgeändert wird. Mag Alles durcheinander gehen, die Machthaber sehen und hören Nichts. - 
Es war im lieblichen Mai, als wir die in Oberschwaben gelegene Stadt Buchau zuerst besuchten. Buchau am Federsee ist eine zahlreiche, alte und rühmlichst bekannte Gemeinde, deren Mitglieder schon lange vom Zelotismus als sehr 'neu' empfunden wurden. Sie birgt in ihrem Inneren die schönsten jüdischen Institutionen, die unter der Aufsicht des würdigen Rabbiners und des Vorstandes in bester Ordnung sind. Vereine, zur Unterstützung der Armen, Kranken, zur anständigen Beerdigung der Toten, und andere wohltätige Institute sind in größter Blüte. Die Synagoge, namentlich an Sabbaten stark besucht, ist das Bild der Ordnung und der Andacht. Schon die weibliche Schuljugend, welche am Gottesdienste teilnimmt und beim Chore mitwirkt, ist in der Liturgie wohl bewandert und den fremden Beobachter berührt es sehr angenehm, wenn er sieht, wie auch sie sich nach Osten gegen die heilige Lade wendet, um die Schemone Esre zu beten. Was liegt in dieser Erscheinung für Unerlaubtes? Warum hat die Orthodoxie nicht dafür gesorgt und warum sorgt sie nicht jetzt dafür, dass das weibliche Geschlecht der krassesten Unwissenheit in synagogalen Dingen entrissen wird, damit wir auch im Kultus bewanderte jüdische Mütter erhalten? In Gemeinden, wo die weibliche Jugend schon frühzeitig den Gottesdienst besuchen lernt und in der Schule die Gebete übersetzt, erscheint das weibliche Geschlecht im Gotteshause nicht bloß, um im Putze zu glänzen und sich mit den Nachbarinnen zu unterhalten, sondern des wahren Zweckes, des Gebetes zu seinem Vater im Himmel wegen. Der an gewöhnlichen Sabbaten nicht stark besetzte Chorsang sang bei unserer Andacht Jawehi Binsoa (sc. Gebetslied: 'es geschah, als das Volk aufbrach...') sehr gut. Sehr ergreifend ist der Akt, wo der Rabbiner bei den Worten 'Denn von Zion geht die Tora aus...' (Jesaja 2,3) die Gesetzesrolle herausnimmt und sie feierlich nach dem heiligen Tische trägt. Es ist der dreijährige Zyklus eingeführt. Die Tora wird wird vom Rabbiner ohne Negina vorgetragen. Ein zweiter deutscher Choral wird vor der Predigt gesungen, die beständig sehr erbaulich auf die Zuhörer wirkt. Der Vorsänger, Herr Lehrer Rödelsheimer, scheint sich sehr viel Mühe zu geben, den Chor auf würdige Weise zu leiten, was ihm auch gelingt. Still und geräuschlos wirkt äußerst wohltätig in seiner Gemeinde der dortige Rabbiner, Herr Güldenstein, geliebt und geachtet von allen Genossen derselben. Kein Mittel zur religiösen Anregung und Bildung gibt es, 
Buchau AZJ 27071857b.jpg (110764 Byte)das nicht vom Rabbiner zu seinen schönen Zwecken benutzt wird. Der Jugend ist er der beständige Leiter auf dem Pfade des Guten, den Erwachsenen Ratgeber und Freund. Es besteht in Buchau ein Leseverein, dessen Lokal im israelitischen Gasthause zum Waldhorn sich befindet. Dass die Schriften des Literaturvereines sich dort befinden, verstehet sich von selbst. Erfreulich aber ist die Erscheinung, wie man da mehrere gebildete Geschäftsleute im Vereine mit dem Herrn Rabbiner über die neuesten Erscheinungen im Gebiete der jüdischen Literatur mit einem Ernste und Interesse sprechen hört, der den Betreffenden Ehre macht. Was außer dem Bereiche der Laien liegt, wird vom Rabbiner in freundlichem Gespräche erläutert, wodurch der Zweck des von Ihnen, Herr Redakteur! gestifteten wohltätigen Vereins zur Wahrheit wird. Denn heutigen Tages ist es oft der Fall, dass der Laie das Beste aus der Hand legt und sich zum Trivialen wendet. Die nützliche Lektüre, namentlich die religiöse, will einen lebendigen Anreger haben. Herr Rabbiner Güldenstein hat schon seit einer Reihe von Jahren eine von ihm allein geleitete Realanstalt gegründet, die als Vorbereitungsanstalt für Gymnasien oder gewerbliche Schulen gilt und in welcher die schönsten Resultate erzielt werden. Er wünscht nun mit dieser Schule eine Erziehungsanstalt für israelitische Knaben zu verbinden, zu welchem Unternehmen wir ihm den besten Erfolg wünschen, da seine Originalität in der Unterrichtskunst und seine Gemütlichkeit ihn zum eigentlichen Erzieher stempeln. Schließlich bemerken wir noch, dass in Buchau und in der dazu gehörigen Filialgemeinde Kappel gut eingerichtete israelitische Schulen bestehen, an denen die tüchtigen Lehrer Lammfromm und Hofheimer mit gutem Erfolge wirken."

   
Zur Geschichte der Juden in Buchau und Kappel (Beitrag von Oberlehrer Marx, 1924)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1924: "Zur Geschichte der Juden in Buchau und Kappel.
Zum ersten Male werden Juden in Buchau im Jahre 1577 in Verträgen zwischen der ehemaligen Reichsstadt und dem freiweltlichen Damenstift mit dem Hinweis erwähnt, dass sie nur für eine unbestimmte Zeit aufgenommen werden sollen. Seitdem wohnen Juden ununterbrochen in Buchau. Sie standen hier unter doppeltem Schutz, indem sie gleichzeitig Schützlinge der Reichsstadt und der Fürst-Äbtissin waren. Nach einer Überlieferung kamen die ersten Juden aus Grundsheim, O.A. Ehingen, hierher. In den benachbarten Herrschaften Scheer und Dürrmentingen standen die Buchauer Juden gegen ein Schutzgeld in gräflich Friedberg-Scheer'schem Schutz; für das auf einen Tag beschränkte Aufenthaltsrecht im Gebiet der Reichsstadt Biberach mussten sie jährlich 20 Gulden zahlen; an die Herrschaft nach Wolfegg mussten sie ein Schutzgeld von 20 Gulden entrichten, für die ihnen erlaubt war, deren Gebiet zu betreten; an die Reichsstadt Buchau mussten sie schließlich für die Aufnahme 'seit alten Zeiten' 100 Gulden Abgabe leisten. Ihr ältester Friedhof lag 'hinter Kappel'. Am 9. Dezember 1659 baten Moyses Israel und Abraham, Juden aus Aulendorf und Buchau, um die Zuteilung eines 'Gemeinplätzleins' in dem Kutzenwinkel der Insel, der noch heute der Gemeinde als Begräbnisstätte dient. Noch vor 40 Jahren zeigte man hier den Grabstein des im Jahre 1675 verstorbenen Abraham Günzburg von Aulendorf. Da die Nachbargemeinden Mittelbiberach und Aulendorf ihre Toten in Buchau beisetzten, gewann Buchau die Vorrechtstellung der Muttergemeinde, zumal als 1693 die Juden aus Aulendorf ausgewiesen wurden. Sicher besaß die Gemeinde schon damals ihren Rabbiner und Schächter. Der älteste erhaltene Anstellungsvertrag stammt allerdings erst aus dem Jahre 1731. Damals wurde Hirsch, der bis dahin in Deggingen tätig gewesen, gegen eine Zahlung von 48 Gulden als Rabbiner, Vorsinger und Schächter angestellt. Er verpflichtete sich, die rabbinische Befähigung vom Rabbinate in Oettingen beizubringen, um zur Vollziehung aller rabbinischen Funktionen autorisiert zu sein. Für den Unterricht der Knaben sollte er eine Vergütung von 50 Gulden erhalten. Er ist bis 1754 in Buchau tätig gewesen. Ihren Gottesdienst verrichteten die Juden damals noch in Betstuben, von denen sich noch heute die Reste von drei nachweisen lasten. Der Bau eines bescheidenen Gotteshauses wurde ihnen erst 1760 gestattet.
Während des ganzen 18. Jahrhunderts hörten die wirtschaftlichen Beschränkungen und Plackereien nicht auf. Im Jahre 1705 wurde verfügt, dass ein verehelichter Jude nicht mehr als ein Ross, eine Kuh und eine Geiß auf die Weide treiben durfte. Die Judenartikel von 1785 und 1786 brachten ihnen keine Erleichterungen, ebenso wenig die 'Schutzartikel und Verhaltungsbriefe für die Reichsstadt Buchauische Judenschaft" vom 1. Januar 1794. Die Folge dieser Einengungen waren die trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde. Als sie ein Darlehen von 30 Gulden aufnehmen wollte, musste sich die ganze Gemeinde in solidum verbürgen.
Diese unerträgliche Lage, die noch dadurch verschlimmert wurde, dass der Magistrat sein Recht, den Juden Wohnrecht zu geben oder zu nehmen, willkürlich zum Nachteil der Juden missbrauchte, veranlasste die Buchauer Juden, sich an die Stiftsregierung mit der Bitte zu wenden, ihnen auf Stiftsgebiet in Kappel das Niederlassungsrecht zu gestatten. Tatsächlich gestattete die Fürst-Äbtissin, Gräfin von Zeil-Wurzach (sc. Angabe unklar, da um 1793 Fürst-Äbtissin Maria Maximiliana von Stadion war, vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Maximiliana_von_Stadion), unter dem 18. September 1793 in einem Schutzbrief, der gegenwärtig im Federseemuseum aufbewahrt wird, zwölf Schutz- und Stammjuden die Niederlassung in Kappel und überließ ihnen zur Erbauung von Häusern einen großen Garten gegen die Entrichtung eines Bodenzinses. Besonders erfreulich war die Bestimmung des auch sonst eine milde Gesinnung bekundenden Schutzbriefes, dass die Kinder der Stammjuden die christlichen Schulen in Buchau ohne Entrichtung von Schulgeld besuchen durften. Mit der israelitischen Gemeinde in Buchau wurde ein Übereinkommen getroffen über die gemeinschaftliche Benützung der Synagoge, über Rabbiner, Vorsänger, Friedhof u.s.w.
Die fürstliche Regierung unterstützte sie aber in dem Streben nach einer eigenen Gemeinde und einem eigenen Gotteshause. Bereits im Jahre 1802 konnte die junge Gemeinde ihr Gotteshaus im Beisein der Fürst-Äbtissin mit einer Rede des Rabbiners Wolf feierlich einweihen. In ihr leitete der Buchauer Rabbiner regelmäßig den Sabbatnachmittaggottesdienst, während er einmal im Monate dort am Sabbatmorgen predigte. Gleichzeitig wurde Elias Landauer aus Hohenems als Lehrer und Vorsänger angestellt. Kappel besaß dann von 1835 bis 1857 sogar eine eigene Konfessionsschule, deren Lehrer Leopold Hofheimer (geb. 1808 in Laupheim) bis 1865, Jakob Levi aus Mühlen und Nathanael Forchheimer aus Niederstetten waren. Den Gottesdienst versah von da an Lehrer Lazarus Bernheim aus Laupheim, bis am 25. Februar 1873 die Vereinigung der beiden Gemeinden Buchau und Kappel beschlossen wurde. Am 10. Mai 1873 fand in Kappel der letzte Gottesdienst statt, bei dem Rabbiner Weimann predigte. Am 6. März 1882 ist schließlich das baufällige Gotteshaus abgebrochen worden. Während 1859 Kappel noch 161 jüdische Einwohner zählte, - 1828 waren es 131 gewesen - wohnt heute dort kein Jude mehr.       
Bad Buchau GemZeitung Wue 16101924a.jpg (276717 Byte)Inzwischen hatte sich in Buchau die Lage der Juden gebessert. Während es noch im Jahre 1822 nur unter dem Widerspruch der Bürgerschaft zwei Juden gestattet wurde, ihre 'Gasse' zu verlassen und in der Hauptstraße Wohnung zu nehmen, erwarben bereits 1828 mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes 18 Buchauer Juden das Bürgerrecht. Schon vorher, im Jahre 1825 wurde die Israelitische Elementarschule geschaffen, nachdem bis 1770 die jüdischen Kinder kostenfrei die Normalschule im Ssist und von da an die Stadtschule besucht hatten.
Ein Zeichen des neu erstarkten Gemeindelebens war der im Jahr 1838 unternommene Bau der neuen Synagoge. Ihre Baukosten betrugen 23.092 fl., die durch Verkauf der Synagogenstühle aufgebracht wurden. Das Gotteshaus wurde am 30. August 1839 in Gegenwart Königs Wilhelm I. feierlich eingeweiht. Das Gotteshaus besaß ursprünglich in seinem Glockentürmchen ein Glockenspiel, das 1854 durch eine Glocke ersetzt würde, die in hebräischer Inschrift den ersten Vers des 122. Psalms trägt: 'Ich freue mich, wenn man mir kündet: Wir wollen ins Gotteshaus gehen'. Wenige Minuten vor jedem Gottesdienst lässt sie ihr Geläut ertönen und ruft die Beter zum Gotteshause.
Seit 1866 besitzt die Synagoge eine Orgel, deren Einführung mit der Schaffung eines Synagogenchors verbunden war. Als Vorbeter waren seitdem Gerstel, Zwinger, ein Schüler Sulzers, und seit dem 1. Mai 1898 der in Hohebach geborene Max Marx tätig, der es verstanden hat die guten Überlieferungen des Kantorats festzuhalten und durch wertvolle Neueinführungen glücklich zu bereichern. Um die Hebung des Gottes­dienstes hat sich besonders Rabbiner Jonas Laupheimer verdient gemacht.
Der Vorsänger- und Schächterdienst wurde erst 1808 nach dem Tode Maier Wolfs von Klein- nördlingen vom Rabbineramte getrennt. Seitdem waren Amschel Levi von Roßheim (1808-1818), Jakob Kaufmann von Archshofen (1818-1834), Moses Bloch aus Gailingen (1834-1841), Dr. Michael Güldenstem von Sontheim (1841-1861), Elkan Weimann aus Treuchtlingen (1862-18861, Jonas Laupheimer auS Lauphenn (1887-1914), und Dr. Ferdinand Straßburger von Buchau (1915-1916) hier als Rabbiner tätig. Der der­zeitige Rabbiner Dr. Abraham Schlesinger aus Mergentheim ist seit 1916 im Amte.  M. Vierfelder - Buchau.

Das jüdische Schulwesen in Buchau.   Von 1770-1803 besuchten einzelne jüdische Kinder die Normalschule im Stift und von da an die Stadtschule. Während dieser Zeit wurde der hebräische Unterricht von den Privatlehrern Samuel Neubürger aus Kleinerdlingen, R. Eisig Cohn aus Buchau, R. Süssel aus Gailingen und Moses Vierfelder aus Buchau erteilt. Inzwischen war die Verordnung König Wilhelms vom 18. November 1817 erschienen, derzufolge die beiden Oberschulbehörden des Landes Kommissionen für die Schaffung eines eigenen israelitischen Schulwesens aufstellten. Die Anregung hierzu war von dem Buchhändler Isaak Heß in Ellwangen ausgegangen. Am 9. Februar 1825 erschien ein erster Erlass des Ministeriums des Inneren an die Kreisregierungen wegen des Schulbesuchs der israelitischen Kinder. Ein Erlass des Katholischen Kirchenrats ordnete fast gleichzeitig an, dass 'die Israeliten ihre Kinder entweder in die öffentliche Elementarschule des Orts schicken oder ihnen den Unterricht von der Regierung für fähig erkannter Lehrer zu geben haben'. In demselben Sinne erklärte das Evangelische Konsistorium am 12. Juli 1825: 'Wo die Israeliten keine besondere Schule für ihre Kinder errichten, haben letztere die öffentliche Ortsschule gleich den Christenkindern ohne Unterschied des Geschlechts vom 6.-14. Lebens­jahr zu besuchen. Beim Lehrplan ist hauptsächlich auf richtige Erlernung der deutschen Sprache das Augenmerk zu richten und zwar die hebräische Sprache, sofern es die Israeliten verlangen, nicht gerade von den Unterrichtsfächern auszuschließen, aber doch mehr als Nebensache zu behandeln'.
Infolge dieser Verfügungen war auch unter den Israeliten in Buchau der Wunsch immer lebhafter hervorgetreten, eine eigene Schule zu schaffen. Die Vorsteher Benedikt Einstein und Israel Borger sowie der Gemeindedeputierte Marx Mändle ruhten und rasteten nicht, bis sie den Wunsch in die Tat umgesetzt, und schon am 6. März 1826 konnte die neue Elementarschule ihre Wirksamkeit beginnen. Ihr erster Lehrer war Leopold Lammfromm aus Oberdorf, der als erster jüdischer Seminarist das Esslinger Seminar absolviert hatte. Er hatte zu seiner Ausbildung aus der Privatkasse König Wilhelm ein Stipendium von 75 fl. erhalten. Am 2. September 1826 fand die feierliche Einweihung des neu erbauten israelitischen Schulhauses statt. Lammfromm, der 1831 auf Lebenszeit angestellt wurde, löste eine von der Behörde gestellte Preisaufgabe, erhielt eine Belobung und wurde zum Musterlehrer befördert. 1847 veröffentlichte er das 'Lesebuch für Israeliten'.
Im Jahre 1836 wurde die Schule zweiklassig. Die Oberklasse wurde von 58, die Unterklasse von 44 Schülern besucht. Samuel Rödelsheimer, geboren am 12. September 1816 in Unterschwandorf, wirkte bis 1866 als Unterlehrer. Am 16. Juni 1859 verstarb Lammfromm an einem Herzschlag. Lehrer Hofheimer in Kappel übernahm vorerst als Verweser die Weiterführung der Schule, bis Isaak Ephraim Löwenthal, der am 23. Februar 1809 in Nordstetten geboren und bisher in Baisingen als Lehrer gewirkt hatte, 1859 Lammfromm-Nachfolger wurde. Er wurde am 1. April 1867 pensioniert und starb am 14. Oktober 1872 in Mannheim
Bad Buchau GemZeitung Wue 16101924b.jpg (93071 Byte)Die Unterklasse übernahm nach Rödelsheimer Jakob Levi aus Mühlen, der Vater des Reichstagsabgeordneten Levi. Im Februar 1861 verließ Levi den Schuldienst, wurde Kaufmann und war als Fabrikant in Hechingen tätig. An seine Stelle trat Lazarus Bernheim aus Laupheim, der hier fünf Jahre als Unterlehrer wirkte. Da keine jüdischen Lehrer vorhanden waren, wurden von da an drei christliche Lehrer in der Unterklasse angestellt, die gleichzeitig den Organistendienst in der Synagoge versahen: Georg Fröhlich, Löhle und Abele. Nach Löwenthals Pensionierung wurde Rödelsheimer hier definitiv angestellt. Er wirkte bis 1881. In diesem Jahre wurde die Schule wieder einklassig. Bis zum 1. Oktober 1882 war Max Neckarsulmer aus Rexingen Amtsverweser.
Damals übernahm der ebenfalls aus Rexingen gebürtige Baruch Straßburger, der bis dahin in Buttenhausen Lehrer gewesen war, die Leitung der Schule, die noch 82 Schüler zählte. Er ist der Verfasser des 'Memorier- und Gesangbuches für israelitische Schulen' (1884) und der 'Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten' (1885). Bis 1887 versah er 3 1/2 Jahre den Rabbinatsdienst. Seine Tätigkeit fand 1905 ihre äußere Anerkennung durch die Gewährung der Verdienstmedaille des Kronenordens, der höchsten Auszeichnung für Volksschullehrer. Er trat 1906 in den Ruhestand. Aber schon am 1. September 1901 übernahm sein Schwiegersohn, der derzeitige Stelleninhaber, die Leitung der Schule. Damals wurde die Schule von 37 Kindern besucht.
Heute ist die Schülerzahl unter zehn gesunken, so dass die Schule ein Opfer des 'Abbaus' werden musste. Seitdem wird sie als Privatschule weitergeführt. Es muss dabei rühmend hervorgehoben werden, dass die Gemeinde geschlossen für die Erhaltung der Schule eingetreten ist und nichts unversucht gelassen hat, den Fortbestand der Schule zu sichern.
Oberlehrer Marx-Buchau
".  

   
Über den Huldigungseid der Juden in den neuwürttembergischen Orten 1807 - mit besonderer Berücksichtigung von Buchau (Beitrag von Rabbiner Dr. Aaron Tänzer, Göppingen, 1926)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1926: "Der Huldigungseid der Juden in den neuwürttembergischen Orten im Jahr 1807.   Von Rabbiner Dr. Tänzer, Göppingen.
Zu den 534 Juden in Altwürttemberg kamen bekanntlich mit den bis 1806 erworbenen Gebieten Neuwürttembergs 4884 weitere, die in 50 bisher den verschiedensten Herrschaften angehörenden Orten wohnten. Über die Art und Weise, wie die Vereidigung dieser Juden durch die württembergische Regierung vorgenommen wurde, ist bisher nichts bekannt geworden. Eigentümlicher Weise finden sich Aufzeichnungen hierüber sogar in den noch vollständig erhaltenen Archiven jüdischer Gemeinden aus jener Zeit, ich denke hierbei z. B. an Jebenhausen, deren Vorsteher eine für den Historiker erfreuliche Schreibseligkeit betätigten, nicht vor. Das Archiv der Ortsgemeinde Jebenhausen ist 1904 durch Feuer leider vernichtet worden. Nur in den 'Akten der Oberregierung' hat sich in einem Berichte eines Huldigungskommissars an den König Friedrich eine Darstellung des Huldigungsaktes erhalten.
Eine Resolution des Königs Friedrich vom 9. Dezember 1806 hatte verfügt, dass die Huldigung durch die Juden in der Weise vorzunehmen sei, wie dies durch die Juden früher schon in den altwürttembergischen Orten geschehen war. Der Präsident der Oberlandesregierung v. Reischach sucht vergebens nach näheren Aufzeichnungen und erhält am 24. Dezember die Auskunft, dass ausführlichere Angaben hierüber nicht vorhanden seien. Man wisse nur, dass die 14 Judenfamilien in Zaberfeld im Jahre 1795 besonders beeidigt worden seien. In Freudental sei dies 1794 gemeinsam mit der christlichen Einwohnerschaft geschehen. In Gochsheim habe der Kommissar 1794 und 1798 die Juden auf das kleine Ratsstüble kommen lassen und ihnen dort das Handgelübde an Eidesstatt abgenommen.
Eine weitere königl. Verordnung bestimmte hierauf, dass man sich der gewöhnlichen Huldigungsformel bedienen und sich, 'um den Weitläufigkeiten auszuweichen, welche mit der körperlichen Beeidigung der Juden verbunden sind', auf Ab­nahme der Handtreue an Eidesstatt beschränken solle. Im Jahre 1807 fand dann diese Huldi­gung in den neuwürttembergischen Judengemein­den statt. In der Regel fungierte der zuständige Kreishauptmann als Huldigungskommissar. Dass die Juden in eifrigster Weise bemüht waren, den Huldigungsakt zu einem möglichst feierlichen zu gestalten, geht aus einem sehr ausführlichen Berichte vom 7. Mai 1807 hervor, welchen der Ehinger Kreishauptmann v. Arand dem König erstattete, nachdem er die Huldigung in Buchau a. Federsee mit Anschluss von Kappel am 29. April und in Laupheim am 3. Mai 1807 vorgenommen hatte.
Er sagt da u. a.: 'Die Judenschaft zu Buchau, vereinigt mit jener zu Kappel, hatte durch die Feierlichkeitsveranstaltungen gezeigt, mit welcher Herzlichkeit und Attachement sie Eurer Königlichen Majestät Treue und Gehorsam gelobe.' Die Männer waren alle schwarz gekleidet. Die Vorsteher, in schwarze Mäntel gehüllt, holten den Huldigungskommissar in seinem Absteigequartier ab. Vor der Synagoge kam der Rabbiner (wohl Maier Wolf aus Kleinerdlingen) mit einer Torarolle im Arm der Kommission entgegen, die dann unter einem Himmel in die Synagoge geleitet wurde. Hier hielt der Kommissar eine Ansprache, 'zeigte ihnen, was für ein glückliches Los die Vorsehung über sie und uns alle geworfen habe, unter dem Szepter Eurer Majestät, des gerechten und weisen Königs gekommen zu sein', sprach dann noch Einiges über die Pflichten des Untertans, las hierauf die Huldigungsformel vor, welche die Vorsteher nach abgelegter Handtreue unterschrieben. Sodann las einer der Vorsteher eine Danksagung vor, der Rabbiner sprach ein Gebet mit abschließendem Segen, auch wurden noch einige Psalmen auf den König gesungen, worauf die Kommission in gleicher Weise wie beim Einzuge die Synagoge verließ. In gleicher Art verlief die Feier auch in Laupheim, nur dass hier das Gebet für den König in sehr schöner Schrift auf einer Tafel in der Synagoge aufgehängt wurde. Der Kommissar schließt seinen Bericht mit den Worten: 'Beide Judengemeinden haben daher Beweise von alleruntertänigster Anhänglichkeit und Devotion gegeben, dass sie des allergnädigsten Schutzes Eurer Königlichen Majestät würdig sein dürften."
Die dem Berichte beigefügte Huldigungsformel hatte folgenden Wortlaut: 'Ihr werdet dem allerdurchlauchtigsten und großmächtigsten König und Herrn Friedrich von Gottes Gnaden König von Württemberg usw. als Eurem nunmehrigen allergnädigsten König, Erblandesfürsten und Herrn an Eidesstatt durch Handtreue feierlich geloben: Seiner Königlichen Majestät in allem getreu, hold und gewärtig zu sein; Allerhöchst deren Nutzen und Frommen zu fördern, Schaden zu warnen und nach bestem Vermögen zu wenden. Überhaupt aber alles dasjenige zu tun, was getreue und gehorsame Untertanen ihrem allergnädigsten König und Herrn zu tun schuldig und pflichtig sind. Auch darauf nunmehr Eure ausrechte und redliche Erbhuldigung erstatten. Alles getreulich und ohne Gefährde.' - Hierauf wurde allen männlichen Geschlechts vom 16. Jahre an aufwärts die Handtreue abgenommen, und zu dessen Bestätigung haben die Vorsteher namens der beiden Gemeinden dieses unterschrieben.'
Für Buchau unterschrieben die Vorsteher: 'Hirschle Marx und Leopold Einstein im Namen Bernhard Moses, welcher nicht deutsch schreiben kann.'
Für Kappel unterschrieben die Vorsteher: Abraham Kohn, Kusel Einstein.
Für Laupheim unterschrieben die Vorsteher: Samuel Nathan, Vorgesetzter zu Groß-Laupheim. Abraham Jakob Levi, Vorgesetzter zu Klein-Laupheim.
Die in Buchau verlesene und dem Könige, ebenso wie das Gebet des Rabbiners, vorgelegte Danksagung hatte folgenden Wortlaut:
'Hochwohlgeborener Herr Kreishauptmann! In Gottes Allgegenwart und vor dessen Heiligtum haben nun die beiden Judengemeinden in Buchau und Kappel Seiner Majestät dem König von Württemberg, unserem allergnädigsten König, die Pflichten der Unterwürfigkeit und unverbrüchlichen Treue feierlich gelobet. Heilig, wie das von unseren Urvätern ererbte Gesetz Gottes, sollen uns allen von nun an die gegen unseren allergnädigsten König angelobten Pflichten bleiben. Euer Hochwohlgeboren als allergnädigst ernannten Huldigungskommissar erstatten hiermit die beiden Judengemeinden Buchau und Kappel den schuldigsten Dank und bitten gehorsamst, Euer Hochwohlgeboren wollen die beiden Gemeinden der ferneren, allerhöchsten landesväterlichen Huld und Gnade Seiner Majestät unseres allergnädigsten Königs und Herrn alleruntertänigst empfehlen". 

    
    
Aus der Geschichte des Rabbinates in Buchau          
Über Rabbiner Jakob Kaufmann (1820-1834 Rabbiner in Buchau)  

Archshofen AZJ 02051853.jpg (121579 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1853: "Laupheim, im März. Nekrolog. Am 27. vorigen Monats verschied dahier der seit 1. Januar vorigen Jahres pensionierte Rabbine Jakob Kaufmann. In Berlichingen anno 1783 geboren, wo er bei dem dortigen Rabbinen Jakob Bär sich auf das Studium der jüdischen Theologie vorbereitete, frequentierte er fünf Jahre lang die damals in hoher Blüte gestandene jüdische Hochschule zu Fürth, an welcher der verstorbene berühmte Rabbine Wolf Hamburger Talmud und Poskim vortrug. Nachdem er einige Jahre als Privatlehrer in Herzfeld und hernach in Sennfeld, ferner in Braunsbach, als Substitut des dortigen Rabbinen, seines nachmaligen Schwagers, sich auch im Praktischen für das Amt mehr qualifiziert hatte, wurde er von der Gemeinde Archshofen als More Zedek und Vorsänger aufgenommen. Hier blieb er zwölf Jahre, bis er 1820 von der Gemeinde Buchau in Oberschaben als Rabbiner aufgenommen wurde. In den Grundsätzen der früheren strengen jüdischen Asketik auferzogen, und der streng orthodoxen Richtung zugetan, hatte er vielseitige Kämpfe mit den Bestrebungen und der etwas freieren Richtung, die in den diesseitigen Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant genug, um zu erkennen, dass auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht ihrer Existenz habe. In Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 musste er sich mit mehreren seiner Kollegen einer Kirchendienst-Prüfung, im Sinn des § 16 der königlichen Ministerialverfügung vom 31. Januar 1834 unterwerfen. In seinem 50sten Lebensjahre, bis wohin er ein Vierteljahrhundert lang gelehrt hatte, fing er wieder an zu lernen. Mit seinem Kollegen, dem christlichen Geistlichen seiner Gemeinde, gut befreundet,  
Archshofen AZJ 02051853a.jpg (122639 Byte)übte er sich in der Rhetorik und verwandten Doktrinen, um den an ihn gestellten Erfordernissen in Zukunft besser entsprechen zu können. Die Deraschot des 'großen Sabbat' und des 'Bußesabbat' metamorphosierte er in logisch geordneten Predigten, womit ein Pastoralkurs Hand in Hand ging. Bei der im Frühling 1834 stattgehabten Prüfung für befähigt erklärt, wurde der Verstorbene von Buchau weg auf das Rabbinat Laupheim versetzt. Im Jahre 1836 wurde er von der königlich württembergischen israelitischen Oberkirchenbehörde zur Beratung des Organisationsentwurfs der Kirchenordnung mit einberufen, dem er nun auch seinerseits zustimmte. Man sieht daraus, dass er nicht abgeneigt war, unserer Zeit diejenigen Konzessionen einzuräumen, die er für zweckmäßig und notwendig hielt, und die nach seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten. 
In hiesiger Gemeinde wirkte er 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1851, wo er wegen seines Alters in den Ruhestand versetzt wurde. In seiner Quieszenz bezog er aus der königlichen Zentralkirchenkasse einen angemessenen Sustentationsgehalt. 
In den letzten Monaten seines Lebens überfiel ihn eine schmerzhafte Krankheit, die auch seinen Tod herbeiführte. Während seiner Krankheit genoss er allgemeine Teilnahme. Seine Leichenbegleitung war eine sehr zahlreiche, woran auch christliche Honoratioren teilnahmen. So ist er denn zur Ruhe heimgegangen, nachdem er so viele Kämpfe durchgemacht. Er starb im 70. Lebensjahre und hinterließ eine Witwe mit einer schon längst verheirateten Tochter, deren Stützte nunmehr ins Grab gesegnet ward. Jetzt im Tode findet er den Frieden, nach dem er als Priester gestrebt, 'sein Andenken bleibt zum Segen'. 

    
Zur Predigt von Rabbiner Moses Bloch zur Einweihung der Synagoge (1839)      

Buchau Sulamith 1834-43 S80.jpg (102181 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" (Jg. 1839). "Seine Majestät der König von Württemberg hat der Israelitischen Gemeinde zu Buchau 800 Gulden und Seine Durchlacht der Fürst von Thurn und Taxis als Standesherrschaft 300 Gulden zum Bau der Synagogen geschenkt. (Berl. Zeit.). [Der dortige Rabbiner Herr Bloch hat bei der Einweihung dieser nun beendigten Synagoge, wie die politischen Zeitungen berichten, eine sehr schöne Einweihungspredigt gehalten, die besonders deshalb als nachahmungswürdig von denselben gerühmt wird, weil er zugleich dabei ein Gebet für die christlichen Mitbrüder und für die christliche Geistlichkeit verrichtet hat. Dies geschieht aber auch in anderen Vorträgen israelitischer Redner nicht selten, bei feierlichen Gelegenheiten in den Synagogen. Gebete für den Landesherrn, dessen hohes Fürstenhaus, und für die christliche Obrigkeit werden ja bekanntlich in allen Synagogen an jedem Sabbat und an Festtagen verrichtet."

   
Rabbiner Güldenstein - einzelne Reformen im gottesdienstlichen Bereich (1846)    
Anmerkung: Rabbiner Dr. Michael Güldenstein (geb. 1814 Sontheim, gest. 1861 Buchau): studierte in Würzburg und Tübingen. Um 1840 war er zunächst Privatlehrer in Stuttgart, von 1841 bis 1861 Bezirksrabbiner in Buchau. An ihn erinnert seit März 2014 eine kleine Tafel am ehemaligen Schulhaus in der Inselstraße 18. 
Dr. Michael Güldenstein hatte 1850 die Schule als 'Vorbereitungsanstalt für Gymnasien und gewerbliche Schulen' gegründet (siehe Bericht unten von 1850). Die Schule zählte 1852 36 Schüler, von denen acht katholisch waren. 1856 erweiterte Güldenstein seine Schule und bot den Schülern die Möglichkeit bei ihm zu wohnen.     

Buchau AZJ 26011846.jpg (218726 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1846: "Buchau, 25. November (1845). Ich ersuche Sie hiermit, meinem Votum über die in den Gebeten zu berücksichtigende Messiasidee, wie ich solches bei der letzten Rabbinerversammlung abgegeben, in Ihrer Zeitschrift gefälligst ein Plätzchen zu gönnen, da in den soeben erschienenen Frankfurter Protokollen, Seite 79, meine Worte, vermutlich durch Druckfehler, gänzlich entstellt sind.
'Da der Glaube an einen persönlichen Messias, welcher einen selbständigen, politischen Staat und den Opferkultus wieder herstellt, aus dem religiösen Bewusstsein eines größeren Teils der Juden geschwunden und dem Glauben an ein Messiasreich, ein Reich der Gottesfurcht, des Friedens, der Wahrheit und Gerechtigkeit Platz gemacht: so enthalten unsere Gebete Manches, das für Viele keine Wahrheit ist. Wir haben aber die Aufgabe, jede Lüge aus dem Gotteshause zu verbannen und müssen daher jede Bitte um die Widerherstellung eines politisch-nationalen Reiches aus den Gebeten entfernen. Es sollen aber diejenigen, welche einen persönlichen Messias erwarten, keineswegs dadurch verdächtigt werden, als ob sie keine trefflichen Staatsbürger sein können, wie dieses vom Herrn Vize-Präsidenten in seinen einleitenden Worten, und Herrn Dr. Holdheim klar und richtig berührt wurde. Ich möchte eine solche Fassung vorschlagen, dass jeder den Ausdruck seines Glaubens im Gebete wiederfindet etc.'
Gelegentlich mache ich Ihnen die Mitteilung, dass das hiesige Kirchenvorsteheramt, auf die Äußerungen der Rabbinerversammlung, folgende zwei Beschlüsse der königlichen Oberkirchenbehörde zur Genehmigung vorlegte: 
1) Soll künftig beim Aufrufen zur Tora eine freiwillige Spende zur Erbauung einer Orgel in hiesiger Synagoge
2) der dreijährige Zyklus für die Tora-Lektionen eingeführt werden.
Der erste Beschluss ward von königlicher Oberkirchenbehörde unbedingt genehmigt, der zweite wird erst dann seine Genehmigung erhalten, nachdem das Kirchenvorsteheramt mit den selbständigen Mitgliedern der Gemeinde einen Durchgang gehalten, um ihre Meinung in Betreff dieser Veränderung zu vernehmen, und sich die bei weitem überwiegende Mehrheit dafür ausgesprochen haben wird. 
Der Artikel von Württemberg in No. 46 dieses Blattes, in welchem mein Bruder Albert* als Schüler des Herrn Professors Schwanthaler in München aufgeführt wird, ist dahin zu berichtigen, dass derselbe allerdings eine Zeit lang im Atelier des Prof. S. arbeitete, eigentlich aber Zögling der königlichen Kunstschule zu Stuttgart ist, von welcher aus er zur Fertigung der Preisarbeit nach Berlin abging und hiezu eine namhafte Unterstützung vom königlichen Ministerium erhielt. Mit nächstem Frühjahr gedenkt derselbe seine Reise nach Rom anzutreten. Rabbiner Güldenstein."
* Anmerkung: mit dem "Bruder Albert" ist der zu seiner Zeit sehr bekannte Bildhauer Albert Güldenstein gemeint (geb. 1823 in Sontheim bei Heilbronn, gest. 1891 in Stuttgart)

   
Verhältnisse in Buchau, geprägt unter Rabbiner Güldenstein (1847)  

Buchau AZJ 08031847.jpg (62844 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1847: "Die Gemeinde Buchau geht auch auf die Vorschläge ihres Rabbinen gern ein. So ist der Synagogenchor aus geübten Sängern, unter Leitung des Provisors Rödelsheimer, zusammengesetzt, harmonierend mit den prachtvollen Räumen der Synagoge; die Schulen gedeihen unter Leitung des wissenschaftlichen Rabbinen und ein von ihm gegründetes Leseinstitut, dem auch mehrere jüdische Ärzte und Rechtsgelehrte angehören, verbreitet wahre Bildung." 

  
Beitrag von Rabbiner Güldenstein über "Württembergs Gesetzgebung über Juden im 16. und 17. Jahrhundert..." (1847)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1847: "Württembergs Gesetzgebung über Juden im 16. und 17. Jahrhundert, verglichen mit dessen neuester Gesetzgebung.   Von Rabbiner Güldenstern in Buchau.
Tempora mutantur et nos mutamur in illis.   Horatius.

Wie richtig der Horatius'sche Spruch über die Veränderung der Zeiten und der vom Zeitstrome fortgerissenen und bewältigten Gesinnungen und Ansichten der Menschen sei, und wie die Zeit auch bei den jüdischen Zuständen ihren unabweisbaren Einfluss gelten macht, möchte auf einleuchtende Weise die Zusammenstellung dreier, der Gesetzgebung eines Landes angehöriger Aktenstücke dartun, welches noch am Anfang des siebzehnten Jahrhunderts zu den judenfeindlichsten gehörte; seit Anfang dieses Jahrhunderts aber in die vorderste Reihe derjenigen Länder Deutschlands trat, die auf eine gründliche und wohlgemeinte Verbesserung israelitischer Zustände Bedacht nehmen und diese auch durch Gesetze zu erzielen suchten.
Die ersten beiden Aktenstücke — die ältesten Gesetzesbestimmungen über Juden in Württemberg — sind der III. und VII. Landesordnung von 1521 und 1621 entnommen, das andere ist ein Auszug aus dem königlichen württembergischen Hof- und Staatshandbuche 1847. Wahrend nach den Landesordnungen 'diß nagende wurm die Juden' im Fürstentum nicht bleiben, noch betroffen werden soll, ohne 'fangllich' eingezogen und mit 'strenger straff" belegt zu werden, erhalten wir durch das Hof- und Staatshandbuch Notiz, dass das Königreich 11.974 Israeliten in den vier Kreisen zähle; während dort aus jedem Worte der Geist krassester Unduldsamkeit, welche die Israeliten 'von der Wurzel ausrotten' möchte, hervorleuchtet, weht uns hier ein Geist der Liebe, des Wohlwollens und der Gerechtigkeit freundlich an: es wird einer aus Israeliten bestehenden königlichen Behörde Erwähnung getan, mit deren Wirkungskreise man nur ein wenig vertraut sein darf, um sich von den wahrhaft väterlichen Absichten unsrer Regierung zu überzeugen. Die königlich israelitische Oberkirchenbehörde ist die in Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 eingesetzte und dem Ministerium des Innern unmittelbar untergeordnete Stelle, deren Aufsicht und Leitung das ganze israelitische Kirchen- und Armenwesen übergeben ist. Zu ihrem Geschäftskreise gehören insbesondere: die Aufsicht über die Besetzung der Kirchenvorsteherämter; die Begutachtung der 
Buchau AZJ 08111847a.jpg (321118 Byte)für einzelne Rabbiner festzusetzenden Gehalte; die Prüfung und Festsetzung der Vorsängergehalte; die Veranlassung der ersten Dienstprüfung der Rabbinatskandidaten durch die damit beauftragte königliche Prüfungskommission und die Vornahme der zweiten Dienstprüfung; die Vorschläge zur Besetzung und im Fall der Vereinigung des Vorsängerdienstes mit der des Schullehrers die gemeinschaftliche Besetzung des Amts mit der betreffenden königlichen Oberschulbehörde; die Aufsicht über die Amtsführung der Rabbiner, Vorsänger und Kirchenvorsteher; alle Anordnungen, die sich auf die Form des israelitischen Gottesdienstes, auf die Herstellung und Erhaltung seiner Reinheit beziehen, oder die Beobachtung der reinen israelitischen Glaubenslehre zum Gegenstande haben. Die Festsetzung der Gottesdienstordnung in den Synagogen und der Amtsobliegenheiten der Rabbiner und Vorsänger; die Entscheidung von Anständen und Zweifeln und in Beziehung auf die Anwendung und Auslegung der Religionsvorschriften, und die Erstattung der von anderen Stellen, insbesondere den ehegerichtlichen Behörden, diesfalls verlangten Gutachten; die Festsetzung des Umlagefußes für die Bedürfnisse der Gemeinden, unter Einholung der Genehmigung des Ministeriums, und die Oberaufsicht über die Verwaltung der örtlichen Kirchenpflege, über die Erhaltung und Verwendung der damit verbundenen Stiftungsfonds, sowie über die Herstellung und Erhaltung der Synagogen und anderer Kulterfordernisse; endlich die Verwaltung des israelitischen Zentralkirchenfonds, welcher aus den jährlichen Beitragen aller selbständig lebenden Israeliten gebildet ist, und nötigenfalls das weitere Bedürfnis durch Umlagen auf die sämtlichen Kirchengemeinden erhält, für deren Einzug und Festsetzung die Stelle zu sorgen hat. Aus der israelitischen Zentralkirchenkasse setzt die israelitische Oberkirchenbehörde auch Lehrgelder und vorübergehende Unterstützungen an arme israelitische Gewerbslehrlinge und Gewerbsgehilfen, sowie an arme israelitische Rabbinats- und Schulamtszöglinge aus. Sowie nun die königliche Oberkirchenbehörde die Aufgabe hat, die kirchlichen Angelegenheiten der Gemeinden zu überwachen und einen geläuterten religiösen Sinn zu erwecken und zu erhalten, so haben die übrigen Teile des oben angeführten Gesetzes von 1828 den Zweck, die Israeliten des Landes zu nützlichen Bürgern und moralischen Menschen zu erziehen. Es umfasst das Gesetz die Schule, die Kirche und das Leben, für diese drei Sphären erteilt es Vorschriften, die der Israeliten wahres Wohl bezwecken, obschon es sich nicht leugnen lässt, dass gewisse Beschränkungen im gewerblichen Leben, die oft den Einen oder Andern schwer belästigen, aufgehoben werden dürften, deren Ausmerzung aber gewiss vom nächsten Landtage zu erwarten ist. Gehen wir nun zu den Aktenstücken selbst über.
I.    III. Landesordnung vom 20. August 1521.

Das die juden im Landt nit gehalten, noch darin zu wandeln zugelassen werden sollen.
Und nachdem die juden so gesuch und Wucher nemen Got dem almächtigen, der natur und christlicher ordnung hessig, verschmecht und widerwertig, auch dem gemainen armen und unterthanen verderblich und unlydentlich sind. Setzen, ordnen und wöllen wir, das diß nagende würm die juden in diesem Fürstenthum nit gehalten, noch in die Flecken zu wandeln gedultet werden, sunder so sie in diesem Fürstenthum betreten, das sie fengklich angenommen und gegen inen mit strenger straff gehandelt werde.
Ob sie aber durch das Land ziehen sollen sie zuvor umb gleit bey den Zöllner ansuchen, und an irem durchziehen die rechte straß brauchen.
Und ob von den juden außerhalb diß Fürstenthumbs, oder an orten und enden da die Oberkeit diesem Fürstenthumb nit zustet, den gesessen, ynsässen und unterthanen diß lands uff ligende guter, pfandt, burgschafften, oder verschrybungen, lehnung geschehen war, so sollen doch nicht destminder sottiche ligende guter, pfandt, burgschaft und brive ledig tod und absyn. Auch von den Amptleuten und gerichten nichtzit daruff erkannt werden, sunder die Juden an bezalung ihres ußgeluhen Hauptguts beniegig syn, und wyters nichts zu vordern haben.
Es soll auch ein jeder amptman sölliches den Juden synen amtgesaffen, uff stund anzaigen und verkünden, fürter sollicher lehnung genutzlich und gar in ru zu- steen, auch diß Fürstenthumb by bemelter straff zumyden warnen.
Und ob iemant den unterthanen in diesem landt über diß ordnung und verbot ichzit mit den Juden handeln oder handtieren wurde, als obstat, soll der selbig ain klainen frevel geben. Oder so er den zu bezalen nit hat fengklich angenommen, und acht im thure am Boden mit Wasser und Brot gebießt werden
.  (Schluss folgt.).    
Fortsetzung des obigen Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. November 1847: "Württembergs Gesetzgebung über Juden im 16. und 17. Jahrhundert, verglichen mit dessen neuester Gesetzgebung.   Von Rabbiner Güldenstein in Buchau.  (Schluss.)
II.  VII. Landesordnung vom 11.November 1621.
- - dieweil wir als der Landesfürst, von Oberkeit wegen je geneigt, deß auch von Gott und allem Rechten schuldig seynd, Weg und Mittel zu suchen, den gemeinen Nutz und unsre Unterthanen, sovil immer möglich, vor der arglistigen Juden Verderben zuverhüten, auch die unnutzen verthunischen Buben, so Tag und Nacht in den Wirthshausern ligen, das ihr üppiglich verspihlen und verprassen, und zum theil, so sie das ihrig gar verthan ihrer Treu und Ayd vergessen, hinweg von Weib und Kindern lausten, die in jämmerlichem Elend sitzen, Hun­ger und mangel leiden lassen, von solchem leichtfertigem Wesen abzuschrecken, zu guter Haushaltung zu ziehen, und von verderben zu verhüten.
Haben wir mit wohlbedachtem Rath, vermög unsrer habenden Freiheiten und Privilegien, von der Rom. Keys. Maj. unserm allergnadigsten Herrn, umb gemeines Nutzes willen, auch unfern Leuten und Landen zu Gnaden und Gutem in bester Form gegeben und publicirt rc.
Nachdem etlich Juden etwann vil Sachen gegen uns, unser Unterthanen, Zugehörigen und Verwandten, am Keys. Kammergericht, und dem Hofgericht zu Rottweil im Recht anhängig haben, so sollen sie, die Juden, die-  alsobald abstellen, auch die hiemit gänzlich abgestcllt und gefallen seyn, und fürohin diesel- bige in keinerlei weg treiben, üben, oder gebrauchen. Doch sollen solche Juden um ihr Forderung, so sie zu unfern Unterthanen haben, darumb sie nun anfänglich diesen Prozeß angesangen und fürgenommen, von unfern Amptleuten vertagt, gegen einander gehört, und under- standen werden, sie solcher Forderung halb in der Güte, der Billigkeit und dem Rechten nach, zuvertragen.
Hingegen haben wir, auff der Jüdischheit unterthänig bitt, damit sie, die Juden ihrer notturft nach, von einem Land in das andere wandeln mögen, außer Gnaden und gar keiner Gerechtigkeit, auch in allweg ohnbegeben des alten löblichen Herkommens, Ordnung und Brauchs, und dazu auch habender Keyserlicher Freiheiten und Privilegien, sondern denen unverletzlich und unnachtheilig, gnädig bewilligt, dass sie, die Juden durch unser Herzogtum Württemberg, ihr notturft nach ziehen und wandern dürfen, doch dergestalt, daß ein jeder, sobald er in solchem unsrem Herzogthum Württemberg ankompt, sich zu unsrem nächstgesetzten Amptmann verfügen, und jene um Glait ansuchen und bitten, derselbe Amptmann soll und wirbt, solchem oder solchen Juden, alsdann ein Glaitsmann zuordnen, der ihm oder sie, den fürgenommen weg, straks durch unser Herzogthum und Gebiet, so weit unser Glait gehet, sicherlich führen und glaiten soll, wie sich gebührt. Und sollen sich die Juden in solchem Durchzug glaitlich halten, und bey Verlust diß Glaits und obgemeldeten Peenen, gar kein Handthierung oder Wucher, in was schein oder list das immer erdacht, fürgenommen oder geschehen möchte, oder ichzit anders, wie das Namen hat, deß unsren Freiheiten zuwider, in einichen weg, weder treiben, brauchen, üben noch handeln, sondern wo sie in Stätten und Flecken, von dem Gelaitsmann hingeführt werden oder mit schriftlichem Glait fürziehen wurden, in Herbergen bleiben, und sich unser Unterthanen gänzlich enthalten und entschlagen. Wir gebieten auch ferner mit allem Ernst, daß keiner unsrer Unterthanen, bey den Juden etwas entlehnen, mit ihnen handtieren, oder sich in einem wucherlichen Handel einlassen, bey straff Leibs und guts und dazu Verweisung unseres Herzogthums.

 
III. Königliches Hof- und Staatshandbuch 1847. (Departement des Innern):
6) Die königliche israelitische Oberkirchenbehörde (Sitz: im neuen Kanzleigebäude in der Königsstraße Lit. C. No. 44.).
Vorstand und Regierungskommissär: v. Steinhardt, Oberkirchenrath.
Geistliches Mitglied: Dr. Maier, Kirchenrat, zugleich Rabbiner in Stuttgart.
Weltliche Mitglieder (Oberkirchenvorsteher): Dreifus, med. doct.,  Kaulla, Hofagent,  Jordan, Rechtskonsulent.
Vortragendes Mitglied und Expeditor: Dr. Weil, Kollegialassessor.
Der israelitischen Oberkirchenbehörde sind untergeordnet:
a) der israelitische Zentralkirchenfonds. Verwalter: Holland, Buchhalter,
b) die 13 Rabbinate (siehe nachfolgende Zusammenstellung). 

Sonstige Notizen über einzelne Israeliten des Landes erhalten wir noch folgende:
In der Rubrik 'Dolmetscher" Behufs der Übertragung der bei den Gerichten einkommenden, in fremden Sprachen verfassten Urkunden:
Heß in Ellwangen, Vorsteher der israelitischen Lehranstalt daselbst; für die neuhebräische Sprache.
Im Verzeichnisse der Advokaten sind folgende Israeliten: Pflaum, Oberjustizprokurator in Ellwangen, Jordan in Stuttgart, Kaulla in Stuttgart, Kallmann in Heilbronn, Heß in Ulm, Ellinger in Mergentheim und Wallersteiner in Buchau.
Im Verzeichnisse praktischer Ärzte: Dr. Essinger in Oberdorf und Dr. Einstein in Buchau. Beide sind Wundärzte erster Abteilung. 
 
Die 13 Rabbinatsbezirke Württembergs 
(*) Die mit einem Stern * bezeichneten Orte haben einen eigenen Filialgottesdienst unter Leitung einer Vorsängeramtsverwesers.)
Rabbinatsbezirk Kirchengemeinden Oberamtsbezirk Seelenzahl Rabbiner  
I.  Berlichingen 1) Berlichingen mit den Israeliten daselbst und in
Bieringen
2) Ernsbach
3) Nagelsberg
4) Olnhausen
Künzelsau
Künzelsau 
Öhringen
Künzelsau
Neckarsulm
238
 48
233
134 
151
Wälder  
II.  Braunsbach  1) Braunsbach
2) Crailsheim mit den Israeliten dieses Orts und in
Ingersheim, Goldbach und Unterdeufstetten*
3) Dünsbach mit den Israeliten dieses Orts und in
Gerabronn
4) Michelbach a. d. Lücke mit den Israeliten daselbst und zu
Hengstfeld und Wiesenbach
5) Steinbach mit den Israeliten daselbst und zu
Hall 
Künzelsau 
Crailsheim
Crailsheim
Gerabronn
Gerabronn 
Gerabronn
Gerabronn
Hall
Hall  
241
178
34 - 91 - 43 
94
51  
184
119 - 48
90
40  
Hirsch 
III.  Buchau Buchau mit den Israeliten daselbst und zu
Kappel*  
Buchau
Buchau  
714
163 
Güldenstein
IV.  Buttenhausen  Buttenhausen  Münsingen 334 Kallmann 
V.   Freudental  Freudental mit den Israeliten daselbst und in
Zaberfeld  
Besigheim
Brackenheim 
352
36
Grünwald  
VI.  Jebenhausen  Jebenhausen Göppingen  532 Herz 
VII.  Laupheim  Laupheim mit den Israeliten daselbst und zu
Ulm
Laupheim 
Ulm 
706
44
Kaufmann 
VIII. Lehrensteinsfeld  1) Lehrensteinsfeld  
2) Affaltrach mit den Israeliten daselbst und zu
Eschenau*
3) Kochendorf mit den Israeliten daselbst und in
Gundelsheim, Neckarsulm und Oedheim*
4) Massenbachhausen mit den Israeliten daselbst und in
Bonfeld*  
5) Sontheim mit den Israeliten daselbst und in
Heilbronn, Horkheim und Talheim
Weinsberg
Weinsberg 
Weinsberg
Neckarsulm 
Neckarsulm
Brackenheim 
Brackenheim 
Heilbronn 
Heilbronn   
133
180
108
129
6  - 50 - 93
89
124
103
15 - 66 - 81
Löwengardt
IX.  Mergentheim 1) Mergentheim mit den Israeliten daselbst und zu
Neunkirchen
2) Dörzbach mit den Israeliten daselbst und zu
Laibach und Krautheim 
3) Edelfingen
4) Igersheim mit den Israeliten daselbst und in
Markelsheim
5) Wachbach   
Mergentheim
Mergentheim
Künzelsau
Künzelsau 
Mergentheim
Mergentheim
Mergentheim
Mergentheim  
97
54
149
19 - 3
173
48
54
218 
Wassermann  
X.   Mühringen 1) Mühringen mit den Israeliten daselbst und zu
Rottweil*
2) Baisingen mit den Israeliten daselbst und zu
Unterschwandorf*
3) Nordstetten mit den Israeliten daselbst und zu
Mühlen am Neckar
4) Rexingen 
5) Wankheim  
Horb
Rottweil
Horb
Horb
Horb
Horb
Horb
Tübingen  
508
42
238 
105
351
126
412
118 
Wassermann 
XI.  Oberdorf 1) Oberdorf
2) Aufhausen
3) Lauchheim mit den Israeliten daselbst und zu
Regelsweiler   
4) Pflaumloch
Neresheim 
Neresheim
Ellwangen 
Ellwangen 
Neresheim  
529
350
136 
14 
234  
Adler  
XII.  Stuttgart  1) Stuttgart mit den Israeliten daselbst und zu Möhringen 
2) Aldingen mit den Israeliten daselbst und in
Ludwigsburg 
3) Esslingen  
4) Hochberg 
Stuttgart
Ludwigsburg
Ludwigsburg
Esslingen
Ludwigsburg 
234
118
180
120
267 
Maier 
XIII. Weikersheim 1) Weikersheim mit den Israeliten daselbst
und Laudenbach *
2) Ailringen mit den Israeliten zu
Hohebach, Hollenbach und Mulfingen 
3) Archshofen mit den Israeliten in
Craintal, Creglingen, Waldmannshofen
4) Niederstetten
Mergentheim
Mergentheim
Künzelsau
Künzelsau
Mergentheim
Mergentheim
Gerabronn  
133
145
34
150  -  32 - 41 
144
5  - 97 -  21 
217
Mainzer 

    
Rabbiner Dr. Güldenstein hat eine lateinische Schule gegründet (1850)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juli 1850: "Herr Rabbiner Dr. Güldenstein in Buchau hat daselbst nach erstandenem Professoratsexamen eine vielbesuchte lateinische Schule gegründet."     

 
Über die Privatschule von Rabbiner Dr. Güldenstein (1852)
Rabbiner Dr. Güldenstein führte die Schule seit 1850 als eine Vorbereitungsanstalt für Gymnasien oder gewerbliche Schulen neben der israelitischen Volksschule, die am Ort bestand. 1856 hat er die Schule durch eine Pension zur Unterbringung auswärtiger Schüler ergänzt (siehe folgender Artikel von 1856).

Buchau AZJ 18101852.jpg (68194 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1852: "Buchau (am Federsee), im September. Die Privatschule, welche der hiesige Rabbiner Güldenstein leitet, zählt 36 Schüler, worunter 8 Katholiken. Bei der vorjährigen öffentlichen Prüfung durch den Kreisschulinspektor, Herrn Rektor von Moser in Ulm, erhielt die Anstalt eine Belobung vom königlichen Studienrate. Eine hebräische Deklinations- und Konjugationstabelle, die Güldenstein vor Kurzem herausgegeben, wurde durch die israelitische Oberkirchenbehörde 'allen Religionslehrern des Landes beim Unterricht im Hebräischen' empfohlen."

 
"Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische Knaben" durch Rabbiner Güldenstein (1856)

Buchau AZJ 11021856.jpg (239897 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1856: "Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische Knaben in Buchau am Federsee. Vor sechs Jahren gründete ich am hiesigen Orte mit Gutheißung des Königlichen Studienrats und der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde eine unter Staatsaufsicht stehende höhere Privat-Lehranstalt für Knaben. Mit Ostern 1856 gedenke ich nun dieselbe zu einer Pensions- und Unterrichtsanstalt für israelitische Knaben von 9 bis 16 Jahren zu erweitern. Als letztes Ziel setzt sich die Anstalt: wahrhaft religiöse Israeliten zu bilden, deren Kenntnisse nicht hinter den Anforderungen der Zeit zurückbleiben. 
Die körperliche Erziehung, einfach und ungekünstelt, ist auf Kräftigung, Ausdauer, Mäßigung und anständige Haltung gerichtet. leichte Turnübungen, zeitweilige Ausflüge in die naheliegende Schweiz und die gesunde Lage Buchau's selbst werden unser Streben unterstützen. 
Die geistige Ausbildung erhalten die Zöglinge teils in meiner Schule, teils in meinem Hause. Während es von dem künftigen Berufe der Pensionäre abhängt, ob eine humanistische Bildung zu erstreben, und - die lateinische und griechische Sprache, oder eine realistische, und - die französische und englische Sprache vorzugsweise zu lehren ist: genießen alle ohne Unterschied auf die Wahl des Berufs, einen gründlichen Unterricht in folgenden Gegenständen: biblische und israelitische Geschichte, israelitische Glaubens- und Pflichtenlehre, hebräische Sprache, Bibel in der Ursprache mit dem Kommentaren des Raschi und Kimchi, deutsche Sprache, Arithmetik, Geographie, Geschichte und Kalligraphie.
Was die Schule in diesen Unterrichtszweigen nicht zu leisten vermag, hat der Unterricht im hause zu ersetzen, sowie überhaupt auch in Lehrgegenständen, die im Lehrplan nicht aufgenommen sind, wie: Naturwissenschaften, Mathematik im weiteren Sinne, Geometrie, Musik, Gesang und Zeichnen, auf Verlangen der Eltern von dem einen oder anderen der hiesigen tüchtigen Lehrer Privatunterricht erteilt werden kann. 
Buchau, im Königreich Württemberg Anfangs Januar 1856. M. Güldenstein, Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde, befähigter Lehrer der älteren und neueren Sprachen und der Realien. 
Seit zwanzig Jahren kenne ich Herrn Rabbiner Güldenstein als einen kenntnisreichen, gewissenhaften und echt religiösen Mann, von dessen Leitung und Erziehung gewiss die besten Erfolge zu erwarten sind, wie sie sich bis jetzt von seinem Unterrichte erprobt haben. Namentlich vom Auslande können ihm daher vertrauensvoll Eltern ihre Kinder anvertrauen. Dr. Ludwig Philippson*."
* Herausgeber der "Allgemeinen Zeitung des Judentums".

 
Rabbiner Dr. Güldenstein gibt die Privatschule auf (1860)
  

Buchau AZJ 18121860.jpg (81480 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember 1860: "Herr Rabbiner Dr. Güldenstein in Buchau hat seine Privatschule zur Vorbereitung für die lateinische Schule aufgegeben, obschon er vom Königlichen Studienrate zur Fortführung derselben ermuntert wurde; er hat aber eingesehen, dass sein geistlicher Beruf seine ganze Kraft in Anspruch nimmt und nur die Liebe zur Unterrichtswissenschaft hatte ihn angetrieben, sein Lehrtalent nutzbar zu machen. Jeder Rabbiner hätte vollauf zu tun, wenn er sein geistliches Hirten- und Predigtamt gewissenhaft erfüllen will und dürfte alle Nebenbeschäftigungen beiseite liegen lassen, besonders wenn er auch seiner Fortbildung Genüge leisten will."

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Güldenstein (1861)  

Stuttgart AZJ 14051861g.jpg (438095 Byte) Aus einem längeren Bericht aus Württemberg in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Mai 1861: "Seit einigen Jahren sind vier außerwürttembergische Rabbiner bei uns nationalisiert und in unsern Staats- und Kirchendienst getreten und noch zwei weitere Rabbinate sind erledigt. Am jüngsten Feste des Auszugs aus Ägypten vom Sklavendienst zur Freiheit ist der Rabbiner Dr. Michael Güldenstein in Buchau vom Knechtesdienste des irdischen Lebens zur Freiheit des ewigen Leben eingegangen. Es werde ihm die Erde leicht, auf der er 45 kurze Jahre gewandelt und seiner Gemeinde ein treuer Hirte, seinen Schülern ein emsiger Lehrer, seiner Familie ein teueres Glied und seinen Freunden ein lieber Genosse gewesen ist. Fahre hin zum Frieden!..."
Zum weiteren Lesen des Abschnittes (nicht mehr zu Rabbiner Dr. Güldenstein) bitte Textabbildung anklicken   

    
Bücher aus dem Nachlass des Rabbiners Dr. Güldenstein können erworben werden (1861)  
Anmerkung: hebräische Buchtitel sind teilweise nicht ganz präzise wiedergegeben  

Buchau AZJ 18061861.jpg (79690 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1861: "Buchau am Federsee (Württemberg). Literarische Anzeige. 
Der verstorbene Rabbiner Dr. Güldenstein dahier hat eine sehr zahlreiche Bibliothek der verschiedensten hebräischen, griechischen, lateinischen, englischen und französischen Werke hinterlassen, und befinden sich besonders darunter ein Schass (babylonischer Talmud), Jad hachasaka (Mischne Tora) von Rambam (Maimonides) in 4 Teilen, mehrere  mehrere Schales und Tschuwes (Responsen-Werke), Mischnajot und überhaupt eine Auswahl der schönsten hebräischen und sonstigen Werke, die im Hause der Unterzeichneten eingesehen und angekauft werden können. 
Die Witwe des Rabbinen Dr. Güldenstein."

  
Ausschreibungen des Rabbinates Buchau (1861/62)  

Buchau AZJ 06081861.jpg (75761 Byte)Datum in der Anzeige verschrieben: 1851 für richtig: 1861! Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August 1861: "Das erledigte Rabbinat Buchau, mit welchem neben freier Wohnung und außer den Gebühren für Kasualien und Emolumente ein aus der israelitischen Zentral-Kirchenkasse zu empfangender Fixgehalt von 750 Gulden verbunden ist, wird besetzt werden. Etwaige auswärtige Bewerber werden aufgefordert, sich unter Angabe ihrer persönlichen Verhältnisse und ihrer Bildungslaufbahn und unter Vorlegung der Befähigungsdokumente bei der unterfertigen Stelle innerhalb 5 Wochen von heute an zu melden. 
Stuttgart, den 22. Juli 1861 (statt 1851). Königlich israelitische Ober-Kirchenbehörde. Schmidt."
 
Buchau AZJ 14011862.jpg (65398 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Januar 1862: "Das neuerdings erledigte Rabbinat Buchau, mit welchem neben freier Wohnung und außer den Gebühren für Kasualien und Emolumente ein aus der israelitischen Zentral-Kirchenkasse zu empfangender Fixgehalt von 750 Gulden verbunden ist, wird besetzt werden. Etwaige auswärtige Bewerber werden aufgefordert, sich unter Angabe ihrer persönlichen Verhältnisse und ihrer Bildungslaufbahn und unter Vorlegung der Befähigungsdokumente bei der unterfertigen Stelle innerhalb 5 Wochen von heute an zu melden. 
Stuttgart, den 30. Dezember 1861. Königlich israelitische Ober-Kirchenbehörde. Schmidt." 

  
Einsetzung von Rabbiner Weimann in seinen Dienst in Buchau (1862)  
Anmerkung: Rabbiner Elkan Weimann (geb. 1818 in Treuchtlingen), war zunächst Lehrer in Büdingen und Fulda, danach Rabbiner in Welbhausen, danach in Lehrensteinsfeld bei Heilbronn, seit 1882 bis zu seinem Tod 1886 Rabbiner in Buchau. 

Buchau AZJ 06051862.jpg (33145 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1862: "Buchau, 6. April (1862). Gestern fand hier eine schöne, seltene Feier statt. Der neu ernannte Rabbiner Weimann wurde auf Anordnung der Königlichen israelitischen Kirchenbehörde in Stuttgart durch den diesseitigen Königlichen Bezirksbeamten (Oberamtmann Bockmaier in Riedlingen) in sein Amt installiert."

    
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochets (1865)  

Buchau Israelit 19071865.jpg (80096 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1865: "Buchau (Württemberg). Für die hiesige Synagoge soll ein Kantor, der zugleich geprüfter Schochet sein muss, baldmöglichst und spätestens bis zum 1. September dieses Jahres angestellt werden. Da die Schächterfunktion dem bisherigen 71-jährigen Schochet bis zu seiner Dienstunfähigkeit verbleiben soll, so wird das jährliche Gehalt vorläufig auf 500 Gulden mit dem Bemerken festgesetzt, dass dasselbe durch die spätere Übernahme der Schächterfunktion, welche im obgenannten Falle dem Kantor zugeführt wird, auf beiläufig 800 Gulden sich erhöhen dürfte. Übrigens ist in der hiesigen ca. 150 israelitische Familien zählenden Gemeinde Gelegenheit zu Nebeneinkünften reichlich geboten. Bewerber moralischen und religiösen Lebenswandels, im Besitze einer schönen Stimme und musikalischer Kenntnisse, wollen ihre Gesuche mit Belegen innerhalb 3 Wochen an das Unterzeichnete franko einsenden, wo auf frankierte Anfragen das Nähere zu erfahren ist. 
Den 2. Juli 1865. Das israelitische Kirchen-Vorsteher-Amt. Weimann, Rabbiner."   
Anmerkung: die Ausschreibung der Stelle des Schochet 1865 wird verständlich, wenn man die Klage im nachstehenden Artikel über den offenbar nicht streng bei der Schechita prakitizierenden bisherigen Schochet zur Kenntnis nimmt.   

  
Über Rabbiner Weimanns Bemühungen um Behebung einiger liberaler Zustände in Buchau (1866)
  
Anmerkung: dieser Abschnitt entstammt der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" und ist auf dem Hintergrund einer grundsätzlichen Kritik an den überwiegend liberal geprägten Zuständen in der damaligen jüdischen Gemeinde in Buchau zu verstehen. 

Buchau Israelit 05091866.jpg (243440 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1866 (S. 582): "Als ich jüngst Oberschwaben bereits, besuchte ich auch die Gemeinde, wo Herr Rabbiner Weimann auf dem Lehrstuhl sitzt (gemeint: das Rabbinat inne hat). - Man sagte mir, dass, obgleich der Mann weder zu den Orthodoxen gezählt werden kann noch will, man doch zugestehen müsse, wie er durch seine Ernennung von Heilbronn nach Buchau auf einen Boden versetzt worden sei, der in religiöser Hinsicht durch seine Amtsvorgänger schon seit 30-40 Jahren so total unterminiert und inkurabel gemacht worden ist, dass man fast klagen kann: 'Keine Furcht Gottes ist an diesem Orte' (1. Mose 20,11). Es ist anzuerkennen, dass es Herrn Weimann z.B. schon bei mehr als einem Dutzend Fällen gelungen ist, dass der Trauernde in den Tagen der Trauerwoche (sc. wo das Gesetz ein siebentägiges Trauersitzen nach bestimmten Gebräuchen vorschreibt) wenigstens eine einzige Stunde sitzt, und das mag ihn mehr Mühe kosten, als in frommer Gegend einen außergewöhnlichen Taanit (Fastentag) zu statuieren. Alles gemäß dem Ort. Schon mit seinem Amtsantritte begannen seine Bemühungen, gegen abgekommene Trauergebräuche, gegen unreine Speisen und Entweihungen des Schabbat usw. eifrig aufzutreten, und man kann zugeben, dass diese hie und da etwas gewirkt haben, ungeachtet ein früherer Rabbiner sagte, man brauche keine Anfragen (sc. beim Rabbiner) zu machen und der andere selbst Trauerbräuche nicht beobachtete. Ein Verdienst Weimanns darf es genannt werden, dass er durch Aufmerksamkeit einen Grund fand, jenem seltsamen Schochet, der schon 30 Jahre keinen Fall entdeckt, um Terefa (Unbrauchbarkeit des Fleisches) oder eine Anfrage (beim Rabbiner) zu machen, nach der Suspension einen wirklich gewissenhaften Schochet beizugeben, sodass jetzt innerhalb eines Vierteljahres mindestens 30 Anfragen vorgekommen sind. Die Schwierigkeit der amtlichen Wirksamkeit eines Rabbinen auf diesem Teil des religiösen Feldes tritt mehr hervor, wenn man erwägt, dass ihm ins Gesicht gesagt worden ist, dem (bisherigen) Schächter würde auf eine Beschwerde an die israelitische Oberkirchenbehörde ohne Weiteres die Erlaubnis zum Schächter wieder erteilt werden. Die ist übrigens in Wahrheit doch nicht so. So hat z.B. ein neuer Rabbiner, obgleich er selbst z.B. geweihten Wein (?) trinkt, doch aus anderen Gründen einem orthodoxen Jehudi, der von einem frommen Rabbiner die Kabbala (rabbinisches Diplom) schon hatte, die Ermächtigung zur Ausübung der Schechita (Schächten) versagt, bis er auch von ihm approbiert sei, und die Oberkirchenbehörde hat auf Beschwerde den Rabbinen unterstützt. Eine originelle Erscheinung in Württemberg ist es, dass die württembergischen jüdischen Theologen, wenn sie in Tübingen studieren, denselben Tisch frequentieren sollen, den ihre christlichen Kommilitonen haben. Ist's wahr? und was tut unsere israelitische Oberkirchenbehörde, die das religiöse Wohl der Söhne Seines Volkes im Lande zu heben berufen ist, gegen solche Zustände, obgleich sie von Seiten des Staates ganz freie Hand hätte? - Mit Recht hoffen alle Parteien, die Neuen wie die Alten, auf die baldige Revision der jüdischen Kirchenverfassung in Württemberg, die den Gemeinden ihre Autonomie wieder bringen soll."    

   
Rabbiner Weimann veröffentlicht "fünf Zeitpredigten" (1866)  

Buchau Israelit 28111866.jpg (214152 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1866: "Buchau am Federsee. Von dem hiesigen Herrn Rabbinen Weimann sind im Verlage des Verfassers auf allseitiges Verlangen seiner Zuhörer 'fünf Zeitpredigten' erschienen, welche derselbe vom Sabbat vom Tischa BeAw an bis Kol Nidre während der Kriegszeit und nach dem Friedensschluss in der Synagoge hier gehalten hat. Es werden darin in bündigen und markigen Worten zuerst die 3 Sünden unserer Zeit, bestehend in der Entfernung von der Gottheit, von der Einfachheit und von der Einigkeit, aufgezählt und am Schabbat Nachamu der Trost unserer Zeit durch den Glauben gespendet, dass unser Schicksal allein in Gottes Händen ruht: 'Hebet empor eure Augen und sehet: wer hat diese geschaffen? usw. (Jesaja 40,26). Es dorrt das Gras, es welkt die Blume, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit (Jesaja 40,8)' Unmittelbar nach dem offiziell publizierten Friedensschluss zwischen Preußen und Württemberg sprach der Redner vom Heil unserer Zeit und legte dem Thema den Ausspruch von Rabbi Simon (Aboth I,18) zugrunde, indem er nachwies, dass dieses Ziel dauernd und beseligend nur dann erreicht werden könne, wenn Wahrheit gesprochen, Gerechtigkeit geübt und Frieden gehalten wird. Am Neujahrstag kommt dann der Verfasser auf das Zählen der Zeit, deren Wert er an den Worten erläuterte: 'Mene Mene tekel u-parsin' (Daniel 5,26-26), woraus er uns das Gottesgericht in den Ereignissen der Gegenwart zeigte. Schließlich wird am Vorabend von Jom Kippur auf die Versöhnung unserer Zeit hingewiesen, und an der Hand der heiligen Schrift eine Versöhnung mit Gott, mit uns selbst, Versöhnung mit unserem Nächsten verlangt. - Die kleine Predigtsammlung in der Offizin des Herrn Schell in Heilbronn äußerlich gut ausgestattet, kostet nur 18 Kreuzer und zeigt mindestens von dem Eifer des Verfassers, die Zeitereignisse auch von der allgemeinen religiösen Seite in passender Stunde zu besprechen. Getragen von den damals hoch gehenden politischen Wogen hat der Verfasser die spezifisch-jüdische Bedeutung der Festzeiten, an denen er die Predigten vortrug, zu sehr in den Hintergrund gestellte, statt sie ermunternd auf die Tagesneuigkeiten anzuwenden und dabei zu zeigen, dass unser altes Judentum eine Quelle lebendigen Wassers (Jeremia 2,13) ist, das uns in allen Lagen des Lebens Labung, Trost und Hilfe bringt. Nur die früheren Tage, wenn sie wiederkehren, die Zeiten der Frömmigkeit, wie sie das geschriebene und mündliche Gesetz vom Juden verlangt, können uns Trost, Heil und Versöhnung bringen. 'Führ uns zurück, Ewiger, zu dir, und wir wollen zurückkehren; verjünge unsere Tage wie vormals" (Threni = Klagelieder Jeremias 5,21)."     

   
Rabbiner Weimann äußert sich in einem Cirkular zu aktuellen Besteuerungsfragen und wird dafür kritisiert (1869)
             

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1869: "Buchau am Federsee. Namens des hiesigen Kirchenvorsteheramtes hat das Königliche Rabbinat dahier ein von dem Rabbiner Weimann verfasstes, und als portofreie Dienstsachen an alle beteiligten Gemeinden des Landes verbreitetes Zirkular mit dem Poststempel 5. dieses Monats (August 1869) ergehen lassen, worin er zu gemeinschaftlichen Schritten bei dem Kultministerium auffordert, auf dass die bisherige hälftige Entrichtung der Erachsteuer zu Gunsten der Heimatgemeinde auch gerner aufrecht erhalten, dagegen der § 8 des kirchlichen Verfassungsstatutsentwurfs von der Delegiertenkommission verworfen werde, kraft welchem die Kirchengemeindeangehörigkeit lediglich vom Wohnsitz abhängig sein würde. Leider sind die Gründe, die er anführt, nicht so gut als die Sache, die er zu vertreten sucht; er dürfte sie deshalb füglich einem tüchtigeren Anwalte überlassen, wenn sie auch nur teilweise zum Siege gelangen soll, der unter den jetzigen Zeitumständen hierin so schwer zu erringen ist. Das Armengesetz, wonach die Juden selbst ihre Armen erhalten mussten, ist aufgehoben und die politische Heimatgemeinde, welche die Pflicht übernehmen musste, hat durch das Besteuerungsrecht an die Wohnsitzgemeinde abtreten müssen für Gewerbe, Kapital, Einkommen etc. Außerdem wird das jetzige Armen- und Steuergesetz revidiert und in seiner Neugestalt noch weniger Anhaltspunkt bieten. An die Stelle der fallenden Personalsteuer treten die neuen Steuerquellen als Kriterium des Stimmrechts, dass Herr Weimann den domizilierenden trotz ihrer halben Steuerkraft doch in der Gemeinde des Wohnsitzes ausüben lassen will, ohne dass er naiverweise die Heimatgemeinden etwas dagegen einwenden lässt. Aber was werden erstere dazu sagen? Mir scheint's es wäre natürlicher, der Rabbi hätte sich seinem Stande gemäß gegen die religiösen Fragen des Entwurfs gewendet - oder sollte er damit einverstanden sein! - Er würde die materiellen Angelegenheiten den hierin gewandteren, einsichtsvolleren Delegierten überlassen, denen er sich dann anschließen mag. Freilich ist die Steuer der nervus rerum - aber die §§ 5,27-29 und 30-48 sind für einen Rabbiner doch wichtiger als die §§ 8 und 11.           

 
Rabbiner Weimann wird in Friedrichshafen von Königin Olga empfangen (1883)  

Buchau AZJ 25091883.jpg (44085 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1883: "Rabbiner Weimann aus Buchau, der sich zur Kur in Friedrichshafen aufhielt. hatte daselbst die Ehre, von Ihrer Majestät der Königin Olga in Audienz empfangen zu werden. Er nahm davon Veranlassung, der Königin seine zur Vorfeier Ihres Geburtstages am vorhergegangenen Sabbat gehaltene Predigt überreichen zu lassen und erhielt darauf aus dem Kabinett Ihrer Majestät ein huldvolles, anerkennendes Dankschreiben."

    
Über die "bismarckbegeisterten Töchter" des Rabbiners Weimann (1885)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1885: "Aus Gießen teilt man uns mit, dass der Rabbiner Herr Dr. Levi auf ein Glückwunschschreiben an den Fürsten Bismarck zu dessen 70jährigem Geburtstage ein freundliches Dankschreiben erhalten habe. Ein solches ward auch, wie man uns aus Buchau am Federsee berichtet, den beiden Töchtern des dortigen Rabbiners Weimann zuteil, die folgendes Telegramm an den Reichskanzler gerichtet. 
"Zwei Bismarckbegeisterte Mädchen 
Lina und Jeanettchen 
Im fernen Federseestädtchen 
Gratulieren durchs Telegraphdrähtchen 
Dem größten der Diplomätchen."     


Abschied von Rabbiner Weimann (1886) 

Buchau AZJ 05101886.jpg (72140 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1886: "Man schreibt aus Buchau am Federsee, vom 21. September (1886): Rabbiner Weimann, der 24 Jahre in der hiesigen israelitischen Gemeinde als Seelsorger gewirkt hat, musste wegen andauernder Krankheit in den Ruhestand treten und verließ heute unsere Stadt, um nach Stuttgart überzusiedeln. Derselbe hat sich durch gewissenhaftes, pflichttreues und eifriges Wirken die Zufriedenheit der Behörde und Gemeinde erworben und erhalten. Da der Scheidende durch seine Gesundheitsverhältnisse am Predigen verhindert war, so hat er seine Abschiedsworte im Druck erscheinen und an die Gemeindegenossen verteilen lassen. Aus dem gleichen Grunde musste er die ihm zugedachte Abschiedsfeier ablehnen und wurde ihm durch das Kirchenvorsteheramt eine Adresse nebst einer sehr ansehnlichen Ehrenhabe von den Gemeindegenossen überreicht. Die Gesellschaft Harmonie brachte ihm gestern Abend ein Ständchen, wobei der Vorstand derselben, Kaufmann H. Erlanger, dem Danke der Gemeinde für seine Wirksamkeit Ausdruck verlieh."

  
Zum Tod von Rabbiner Weimann (1886)   

Buchau AZJ 12101886.jpg (58970 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Oktober 1886: "Man schreibt aus Stuttgart vom 27. September: Gestern Nacht verschied schnell an einem Schlaganfall der erst vor einigen Tagen hierher übergesiedelte pensionierte Rabbiner Weimann aus Buchau, von dessen Abschied in dieser Woche berichtet wurde. Rabbiner Weimann ist geboren zu Treuchtlingen 1818, er besuchte die dortige Volksschule, später das Gymnasium in Augsburg und 1839-43 die Universität zu München. Nachdem er als Hauslehrer in Büdingen und später in Fulda gewirkt hatte, ward er 1847-61 Rabbiner in Welbhausen (Bayern) und trat 1861 in den württembergischen Kirchendienst ein, war 1861-62 Rabbiner in Lehrensteinsfeld-Heilbronn und 1862-1886 in Buchau. Seit 3 Jahren war er kränklich und konnte seinem Amte nicht mehr vorstehen. Der Verstorbene war mit einem seltenen Rednertalent begabt."

      
Ausschreibung des Rabbinates Buchau (1886)  

Buchau AZJ 16111886.jpg (104221 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. November 1886: "Erledigtes Rabbinat. Das erledigte Rabbinat Buchau, Oberamts Riedlingen, ist wieder zu besetzen. dasselbe ist mit einem aus der Israelitischen Zentralkirchenkasse fließenden pensionsberechtigten Gehalt von 1.900 Mark, welcher nach fünf Dienstjahren sich auf 2.000 Mark und nach weiteren zehn Dienstjahren auf 2.057 Mark 14 Pfennig durch ebenfalls pensionsberechtigte Alterszulagen aus der genannten Kasse erhöhen wird, sowie mit freier Wohnung und Gebühren für Kasualien verbunden. Die Bewerber werden aufgefordert, sich innerhalb 4 Wochen unter Darlegung ihres Lebenslaufs und Bildungsganges und unter Anschluss der Nachweise über ihre Befähigung bei der unterzeichneten Stelle zu melden. 
Stuttgart, den 27. Oktober 1886. Königliche Württembergische Israelitische Oberkirchenbehörde. Finckh."

     
Rabbiner Laupheimer wechselt von Buttenhausen nach Buchau (1887)  

Buchau AZJ 17021887.jpg (21921 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Februar 1887: "Stuttgart, 9. Februar (1887). Vermöge Entschließung des Königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 5. dieses Monats wurde das Rabbinat Buchau dem Rabbiner Laupheimer in Buttenhausen übertragen." 

   
Einführung von Rabbiner Laupheimer als Rabbiner in Buchau (1887)  

Buchau AZJ 26051887.jpg (42729 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1887: "Am 7. Mai wurde in Buchau am Federsee Rabbiner Laupheimer aus Buttenhausen durch den Kirchenrat Dr. von Wassermann in einem feierlichen Gottesdienste in sein Amt eingeführt. Die bürgerlichen Kollegien der Stadt und viele christliche Honoratioren wohnten dem Gottesdienste und auch dem Festessen bei, so auch der Stadtpfarrer Ruber."    

 
Silberne Hochzeit von Rabbiner-Ehepaar Laupheimer (1902)  

Buchau Israelit 02011902.jpg (66112 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1902: "Buchau am Federsee, 26. Dezember (1902). Heute feierten Herr Rabbiner Laupheimer und Frau im engsten Familienkreise ihre silberne Hochzeit. Eine offizielle Feier, die ihnen die israelitische Gemeinde widmen wollte, lehnte das Jubelpaar ab. Von der Liebe und Verehrung, deren sich das Jubelpaar hier und auswärts erfreut, legten die zahlreichen Glückwünsche und Geschenke ein erhebendes Zeugnis ab. Mit warmem Herzen, klarem Blick und geschickter Hand nimmt Herr Rabbiner Laupheimer Teil an Freud und Leid seiner Gemeinde und sät so eine Saat aus, die die schöne Frucht der Anhänglichkeit seiner Gemeinde trägt."

   
Publikation von Rabbiner Abraham Schlesinger: "Einführung in den Zionismus" (1922)  
vgl. zu Rabbiner Dr. Schlesinger: Reinhold Adler: Dr. Abraham Schlesinger - Ein Zionist auf dem Rabbinatssitz Buchau. 2023. Bisher unveröffentlichter Beitrag eingestellt als pdf-Datei.   

Buchau AZJ 06011922.jpg (358335 Byte)Buchbesprechung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1922: "Abraham Schlesinger: Einführung in den Zionismus. Verlag J. Kauffmann. Frankfurt am Main. 1921.
Der Artikel wird nicht abgeschrieben - bei Interesse bitte Textabbildung anklicken

     
Die Frau von Rabbiner Dr. Schlesinger wird bei einem Eisenbahnunglück verletzt (1928)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1928:            

    
Mitteilung von Rabbiner Dr. Schlesinger zur Schaffung einer "hebräischen Lesegesellschaft für Württemberg und Baden" (1928)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1928:       

 
Vortrag von Rabbiner Dr. Schlesinger in München über den Dichter Bialik (1934)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1934:      


Publikation von Rabbiner Abraham Schlesinger: "Im Zeichen der Wiedergeburt" (1935)       

Buchau Israelit 30071936.jpg (175834 Byte)Buchbesprechung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1936: "Im Zeichen der Wiedergeburt. 'Von Abraham Schlesinger. Berlin. 18935. Verlag Kedem. 217 S. 
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse Textabbildung anklicken.  

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter und der Schule  
Publikation von Oberlehrer Leopold Lammfromm (1847)
   
Leopold Moses Lammfromm war der erste jüdische Seminarist am Lehrerseminar in Esslingen (Promotion 1820-23). Er ist am 12. Juli 1803 in Oberdorf geboren und war von 1825/31 bis zu seinem Tod 1859 Lehrer in Buchau. 

Buchau AZJ 06121847.jpg (128893 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Dezember 1847: "Literarische Anzeigen". 
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse Textabbildung anklicken.  

    
Buchbesprechung des "Lesebuches für Israeliten zum Gebrauche in Schule und Haus" von Oberlehrer Leopold Lammfromm (1848)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 27. Februar 1848: "Literarisches. Lesebuch für Israeliten zum Gebrauche in Schule und Haus. Herausgegeben von Leopold Lammfromm, Oberlehrer in Buchau am Federsee. Blaubeuren. Verlag von Wilhelm Lubrecht 1847. (200 S. gr. 8.)."  
Der Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keinen direkten Zusammenhang zur jüdischen Geschichte in Buchau gibt - bei Interesse Textabbildung anklicken.    
    

   
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1865)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1865: "Für die hiesige Synagoge, welche demnächst Orgel und Organist erhält, soll ein Kantor, der zugleich geprüfter Schochet sein muss, baldmöglichst und spätestens bis zum 1. September diese Jahres angestellt werden. Da die Schächterfunktion dem bisjetzigen, 71-jährigen Schochet bis zu seiner Dienstunfähigkeit verbleiben soll, so wird das jährlich Gehalt vorläufig auf 500 Gulden mit dem Bemerken festgesetzt, dass dasselbe durch die spätere Übernahme der Schächterfunktion, welche im obgenannten Falle dem Kantor zugesichert wird, auf beiläufig 800 Gulden sich erhöhen dürfte. Übrigens ist in der hiesigen, circa 150 israelitische Familien zählenden Gemeinde Gelegenheit zu Nebeneinkünften reichlich geboten.  
Bewerber moralischen und religiösen Lebenswandels, im Besitze einer schönen Stimme und musikalischer Kenntnisse wollen ihre Gesuche mit Belegen innerhalb 3 Wochen an den Unterzeichneten einsenden, wo auf frankierten Anfragen das Nähere zu erfahren ist. 
Buchau am Federsee in Württemberg, den 2. Juli 1865. Das israelitische Kirchen-Vorsteher-Amt. 
Weimann
, Rabbiner."    

    
Abschied von (Unter-)Lehrer Rödelsheimer nach 30 Jahren Dienst in Buchau (1866)  
Anmerkung: Samuel Rödelsheimer (geb. 12. September 1816 in Unterschwandorf) war von 1836 bis 1866) Lehrer in Buchau. Nach seiner unten geschilderten Verabschiedung wurde er auf eigenen Wunsch nach Pflaumloch versetzt. Seit 1867 wurde er - auch auf Wunsch der Gemeinde Buchau - wieder nach Buchau versetzt. Er starb am 4. Februar 1899 in Stuttgart.    

Buchau AZJ 06031866.jpg (240322 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1866: "Aus Württemberg, vom Federsee, 20. Februar (1866). Ein Akt schöner Anerkennung, als Kundgebung der Dankbarkeit gegen einen scheidenden Lehrer hat vor einigen Tagen in Buchau stattgefunden, der es verdient, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Der Unterlehrer Rödelsheimer an der israelitischen Volksschule, der 30 Jahre an derselben wirkte, wurde auf sein Ersuchen als Schullehrer nach Pflaumloch befördert; dessen Abschied von Buchau war ein kleines Volksfest, insofern sich die ganze Gemeinde dabei beteiligt; aber auch allgemeines Bedauern gab sich unter allen Bewohnern Buchaus ohne Unterschied der Konfession über das Scheiden des wackeren, bescheidenen Volkslehrers kund. Herr Rabbiner Weinmann hat in Anerkennung der Verdienste des Scheidenden um Schule und Gotteshaus, eine Subskription eröffnet, die so reichlich ausfiel, dass dem Scheidenden ein kostbarer silberner Pokal und 12 Karolin in Gold bei der Abschiedsfeier als Andenken überreicht werden könnten, die der Herr Rabbiner mit einer passenden Ansprache dem scheidenden Lehrer im Namen der Gemeinde aushändigte. - Auch bei Sabbatgottesdienste würdigte der Rabbiner in einer schwungvollen Predigt das Wirken des Lehrers, der in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Erzieher ein ganzes Menschengeschlecht erzogen, und zeichnete die Wichtigkeit und Würdigkeit des Lehramts. - Überhaupt hat Herr Rabbiner Weimann schon mehrere Male sich als Freund der Lehrer bewiesen, was ihm bei seinem weiteren Streben für angemessene Reform des gottesdienstlichen Kultus, durch Einführung von Orgel, Chorgesang und des neuen Stuttgarter Gebet- und Gesangbuches zur Ehre gereicht. Nicht minder verdient die Gemeinde Buchau den Dank aller Gutgesinnten dafür, dass sie in ihrem scheidenden Lehrer den ganzen Stand der Volkslehrer ehrte. 
In Herrn Gerstel, einem Jünger Sulzers, hat Buchau einen tüchtigen Kantor gefunden, der sowohl durch tüchtige musikalische Bildung, durch schöne Stimmmittel, wie durch Kenntnis der heiligen Sprache alle Eigenschaften eines Chasan und Chordirigenten in sich vereinigt. - Ein jüdisches Blatt, 'Mainzer Israelit', lässt den Stifter der Kogitanten-Sekte einen getauften Juden sein. Herr Eduard Löwenthal ist Jude, Sohn des ersten Lehrers an der israelitischen Volksschule in Buchau und erhielt von seinen Eltern eine streng jüdische Erziehung; besonders war die erst kürzlich verstorbene Mutter ein echt frommes, jüdisches Herz und von väterlicher Seite wurde er in den Grundsätzen des Judentums unterrichtet und erzogen. Herr Dr. Eduard Löwenthal ist nicht getauft."

 
Zur (Wieder-)Besetzung der israelitischen Volksschulstelle mit Lehrer Rödelsheimer (1867)  

Wuerttemberg Israelit 30051866.jpg (80249 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1866: "Aus Württemberg. Schulstatistik S. 2 1865. Im Jahre 1865 sind folgende israelitische Schulstellen ausgeschrieben und nachbenannten Lehrern übertragen worden: am 30. Juni die zu Kochendorf Herrn Rödelsheimer, bisher Unterlehrer in Buchau; am 25. August die zu Hohebach Herrn Sänger, bisher Schulmeister in Braunsbach, mit je 300 Gulden fixem Einkommen neben freier Wohnung; am 24. November die zu Ernsbach Herrn Rothschild, bisher Amtsverweser daselbst, mit 400 Gulden und freier Wohnung. (Das neueste Schulgesetzt hat auch die beiden ersteren Gehalte auf das jetzige Minimum von 400 Gulden erhöht und Herr Rödelsheimer hat die Stelle in Kochendorf nicht angetreten, sondern ist auf seine Bitte nach Pflaumloch versetzt worden.) Pensioniert wurden die Lehrer Löwenstein in Pflaumloch und Wassermann in Lauchheim". 
  
Wuerttemberg Israelit 05061867.jpg (42658 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1867: "Aus Württemberg. Im Jahre 1866 sind folgende israelitische Schul- und Vorsängerstellen ausgeschrieben und nachbenannten Lehrern definitiv übertragen worden: Am 6. Januar wurde der Schulmeister Rödelsheimer in Kochendorf nach Pflaumloch, am 11. Juni der Schulmeister Maison in Archshofen nach Buchheim (?? = Buchau ??) und am 30. Dezember der Amtsverweser Marx in Laudenbach ebendahin ernannt. Mit jedem dieser Schuldienste ist neben freier Wohnung ein fixes Einkommen von 400 Gulden verbunden."
  
Buchau Israelit 24071867.jpg (73299 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1867: "Stuttgart. 'Der Beobachter' sagt in seinem Briefkasten an S. in H., - der sich mit vielen seiner älteren Kollegen verwundert hat, dass die israelitische Volksschulstelle in Buchau am Federsee in aller Stille dem Lehrer und Vorsänger Rödelsheimer, der doch kürzlich erst nach Pflaumloch ernannt worden war, übertragen wurde, - dass die Besetzung dieser Stelle ohne vorhergehenden Bewerberaufruf nicht gegen ein Gesetz, sondern nur gegen Gebrauch und ministerielle Anordnung verstoße. Wie man höre, sei hierbei der Wunsch der Gemeinde respektiert worden, wogegen vom Standpunkte des Beobachters aus, eines demokratischen Blattes, nichts einzuwenden wäre."   

  
Aus einem Beitrag von Lehrer Baruch Straßburger: "Konfessions- oder Simultan-Schule...?" (1889)  
Anmerkung: Baruch Straßburger (geb. 2. Juni 1836 in Rexingen), war nach seiner Ausbildung am Lehrerseminar Esslingen (Promotion 1854-1856) zunächst Lehrer in Oberdorf, Ernsbach und Olnhausen, seit 1864 in Buttenhausen, um dann von 1884 bis 1906 in Buchau tätig zu sein (gestorben 1912). Er verfasste zahlreiche pädagogische Schriften (vgl. Anzeige unten). Er war verheiratet mit Fanny geb. Benedict von Baisingen. Die beiden hatten acht Kinder: Hermann, Jesaias, Max, Bertha, Moriz, Babette Bona, Clara und Ferdinand (letzterer wurde später Rabbiner in Ulm). Baruch Straßburger starb am 31. März 1912, seine Frau Fanny am 29. Oktober 1924.  

Buchau Israelit 14021889.jpg (198600 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1889:
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken     
Buchau Israelit 14021889b.jpg (196713 Byte)   

 
Publikationen von Lehrer Baruch Straßburger (1890)  

Buchau Israelit 01091890.jpg (141809 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1890:    

  
Postkarte von Lehrer Straßburger, versandt nach München (1893)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)    

Bad Buchau Dok 15050.jpg (112007 Byte)  

Bad Buchau Dok 15050a.jpg (99787 Byte)

Die Karte wurde von Lehrer Strassburger am 12. April 1893 von Buch an Herrn Dr. Kohnstamm bei der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde München verschickt. Es handelt sich um eine Nachfrage seitens Strassburgers bezüglich eines Stipendiums, für das er wahrscheinlich einen Kandidaten vorgeschlagen hatte. Bei der Stiftung handelt es sich um die israelitische Schleißmann'sche Schulstiftung (in Osterberg, später Altenstadt, vgl. http://www.gda.bayern.de/findmitteldatenbank/?archivalie=9975c5c1-2560-4d52-a710-122655a11a4a 
Text der Karte: "Buchau a. F. 12. April 1893
Euer (?) Hochwohlgeboren bitte ich um gütige Verzeihung, wenn ich Euer Hochwohlgeboren um gütige Mitteilung zu bitten mir gestatte, ob bei der Verteilung der Stipendien aus der Schleißmannschen Stiftung meine Bittschrift vom 3. Januar diese Jahres Berücksichtigung gefunden habe. Für Ihre Bemühung zum Voraus dankend zeichnet Hochachtungsvoll Euer Hochwohlgeb. ergebenster Lehrer Strassburger."    

  
40-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Straßburger (1896)  

Buchau Israelit 29061896.jpg (213091 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1896: "Personalien. Buchau am Federsee. In der ersten Woche des Monats Juni (1896) feierte die hiesige israelitische Gemeinde das 40jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers Straßburger, der am Tage seines Jubiläums zugleich das 60. Lebensjahr überschritten. Die Einhelligkeit des kirchenvorsteheramtlichen Beschlusses, dieses Fest zu feiern, und es möglichst ehrenvoll für den Jubilar und seine Familie zu gestalten, und die einmütige Freude und Befriedigung der Gemeindegenossen über diesen Beschluss sind die beredtesten Zeugen von der Beliebtheit des Lehrers, sowie von dem schönen Verhältnis, das zwischen diesem und der Gemeinde besteht. In Buttenhausen, im Lautertale, woselbst Straßburger seinen Hausstand gründete und 18 Jahre lang segensreich wirkte, entstand sein treffliches Werk: 'Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten', das von bleibendem Werte ist und bald in zweiter verbesserter Auflage erscheinen wird. Sein Spruch- und Gesangbuch und die von ihm umgearbeitete evangelische Fibel wurden in den israelitischen Volksschulen amtlich eingeführt. Seit 14 Jahren wirkt er hier zum Segen. Beim Festbankett, bei dem ein silberner Ehrenbecher überreicht wurde, betonte der Ortsvorstand, der mit den geistlichen und weltlichen Mitgliedern der Ortsschulbehörde fast vollzählig erschienen war, wie der Jubilar bei den jährlichen Visitationen stets die I. Note erhalten. Aufsichtslehrer Munding rühmte seine Kollegialität, der Vorsitzende Rabbiner Laupheimer, seine seelenvolle Harmonie, seinen friedlichen Charakter, sein kernhaftes, gediegenes Wesen und sein ernstes Bestehen, wie als Israelit, so als Bürger und Mensch stets ein Muster und Vorbild und damit eine Zierde der Gemeinde zu sein. Die Becherweihegedanken des ehrwürdigen Redners, dessen Zunge die Gedanken des Herzens redete, dass es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange 'segensreich, lebensvoll, in der Freuden Fülle und gesättigt vom Himmelstau des Trostes und des Friedens unter uns zu wirken', fanden beredten Widerhall und begeisterte Zustimmung der den Saal zur Traube in Kappel bis auf den letzten Platz füllenden Menge. Der Jubilar ergriff zweimal das Wort zu Dank und Gegenrede. Bei den zum Teil sehr witzigsten Toasten wurde aller Familieglieder, insbesondere seiner Gattin, mit der er zugleich einen '30jährigen' Krieg in diesen Tagen feiere, ehrenvoll gedacht. Telegramm liefen ein von Wien, vom Lehrerverein, der Gemeinde Buttenhausen, von Oberdorf, der Diaspora Ravensburg, sowie von einzelnen dankbaren Schülern, Freunden und Amtsgenossen. Möge es dem Jubilar und der Gemeinde, die sich durch diese Ehrung am meisten ehrte, vergönnt sein, nach Umfluß eines Jahrzehnts das 50jährige Jubiläum zu feiern. Nicht zu vergessen sind, der Synagogenchor und die Sänger der 'Harmonia', welche durch ihre schönen Vorträge das Fest verschönern halfen."   

  
Lehrer Straßburger tritt Falschmeldungen über die israelitische Schule entgegen (1902)  

Buchau Israelit 11091902.jpg (85491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1902: "Buchau, 9. September (1902). In Nr. 72 des 'Israelit' bringen Sie eine, dem 'Hohenstaufen' entnommene Korrespondenz, die die Meinung verbreiten könnte, es herrsche hier strenge Absonderung und Intoleranz unter den Konfessionen, die sich bis auf die Absonderung in den Aborten erstrecke. Mit Mitteilung beruht aber auf falscher Auffassung und enthält Unwahres. Wie in jedem geordneten Schulgebäude hat auch hier jede Schulklasse ihren eigenen, verschließbaren Abort, um die Kontrolle der Lehrer zu ermöglichen. Da die israelitische Volksschule als städtische Schule sich auch im Schulgebäude befindet, so lautet auch eine der Aufschrift über den Türen: 'Isr. Schule'. Eine Aufschrift für Katholiken findet sich nicht, sondern nur I., II. und obere Klasse. Die Protestanten haben ihre Schule in einem entfernteren Gebäude, daher fehlt auch am Abort diese Aufschrift. Die Korrespondenz beruht also auf Unwahrheit, was ich in Ihrem Blatte mitzuteilen bitte. Die konfessionellen Verhältnisse hier, besonders soweit sie das Unterrichtswesen betreffen, sind musterhaft geregelt und herrscht hier die beste Harmonie unter den Konfessionen. Lehrer Straßburger."   
 
Hinweis: Straßburger hatte auf den nachstehenden Artikel geantwortet:  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1902: "Buchau, 4. September (1902). Dem 'Hohenstaufen' wird geschrieben: 'Sie haben vor einiger Zeit an die Nachricht über die konfessionellen Badeanstalten in Ulm die Bemerkung geknüpft, es fehlen jetzt nur noch konfessionelle Aborte und dergleichen. Als Sie dies schrieben, glaubten Sie wohl selber kaum, dass es noch soweit kommen werde oder gar schon gekommen sei. Aber wir sind bereits so weit. Als ich kürzlich nach Buchau am Federsee kam und den Schulhof betrat, in dem die Aborte stehen, fand ich, dass jede der Abortstüren eine andere Aufschrift trug, und zwar die erste 'Für Katholiken', die zweite 'Für Protestanten', die dritte 'Für Israeliten'. Wenn Sie einmal nach Buchau kommen, können Sie sich selber überzeugen. Wir sind also bereits weiter in der Ausbildung der verschiedenen Arten konfessionellen Bewusstseins, als sie glaubten'. Das sind Abnormitäten, die zu sehr trüben Rückschlüssen zwingen. 
(Bekanntlich ist auch in Buchau eine Synagoge mit einer Glocke. Redaktion des 'Israelit')."   

    
Schullehrer Straßburger erhält eine hohe Auszeichnung (1905)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1905: "Anlässlich des Geburtstages des Königs von Württemberg erhielt der theologische Referent der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, Kirchenrat Dr. Kroner in Stuttgart, das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens; Schullehrer Straßburger in Buchau, der Senior der aktiven Lehrerschaft Württembergs, die Verdienstmedaille des Kronenordens, sowie der Kommerzienrat Bernheimer in München (geborener Württemberger) das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens."          

     
Zum Tod von Fanny Straßburger geb. Benedikt, Witwe von Lehrer Straßburger (1924)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1924:       


Lehrer Hermann Einstein kommt an Stelle von Lehrer Herbst nach Buchau (1932)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1932:       

   
Lehrer Hermann Einstein baut mit den Schülern eine Laubhütte (1933)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1933:       

 
Beisetzung von Oberlehrer Marx (1933)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1933:        

    
Die Schüler haben mit dem Lehrer wieder eine Laubhütte gebaut (1934)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1934:      

 
Lehrer Hermann Einstein wechselt nach Hildesheim (1935)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. April 1935:       

   
Hinweis auf den Lehrer Siegmund Zodick (1893-1944)   
Anmerkung: Lehrer Siegmund Zodick ist am 5. Juni 1893 in Laubach geboren als Sohn des Religionslehrers Emanuel Zodick und der Josephine geb. Westerfeld. Im Ersten Weltkrieg war er von 1914 bis 1916 eingesetzt. Er war verheiratet mit Hedwig geb. Oppenheimer (geb. 12. Oktober 1897 in Essen). Die beiden hatten zwei Kinder: Ruth (geb. 15. Juni 1923 in Montabaur) und Kurt (geb. 11. Juni 1925 in Montabaur). Siegmund Zodick war seit 1922 Lehrer und Kantor in Montabaur, danach Lehrer in St. Wendel. 1935 verzog Siegmund Zodick nach Bad Buchau, wo er noch bis 1938/39 die jüdischen Kinder unterrichtete. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er für mehrere Wochen in das KZ Dachau verbracht. Ende August 1939 mussten er und seine Familie Bad Buchau verlassen und nach Bad Mergentheim ziehen. Die ganze Familie wurde am 1. Dezember 1941 von Stuttgart aus nach Riga - Jungfernhof, Außenlager des Ghetto Riga deportiert und im September 1944 in Auschwitz ermordet.       
  
 
   
   
Verschiedene Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben       
Jüdische Kaufleute aus Buchau feiern in Augsburg das Jubiläumsfest des württembergischen Königs (1841)  

Buchau AZJ 23101841.jpg (58249 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1841: "Augsburg, 29. September (1841). Es ist bemerkenswert, und ein Zeichen der Zeit, wie die Israeliten Deutschlands keine Gelegenheit vorübergehen lassen, an den freudigen Ereignissen des Vaterlandes ihre ungeheuchelte Teilnahme zu erkennen zu geben. Als am 29. September israelitische Kaufleute aus Buchau am Federsee zufällig in Augsburg zur Messe sein mussten, feierten sie, 20 an der Zahl, das 25. Jubiläumsfest ihres Königs, durch ein Festmahl." 

 
Antijüdische Vorfälle (1846)  

Buchau AZJ 03081846.jpg (169142 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1846: "Aus Württemberg, 25. Juni (1846). Folgendes verdient Beachtung: Seit mehreren Jahren werden diesseits öffentliche Schlussverhandlungen vor den königlichen Gerichtshöfen abgehalten. Verbrechen vom größten und abgefeimtesten an abwärts, aller Art, verübt von jedem Geschlecht und Alter, sind da schon verhandelt worden. Wie viele Juden da in Untersuchung standen? Gottlob! bis jetzt nicht Einer. - Seitdem im Laufe dieses Jahres über enorme Getreidepreise geklagt wird, schreibt man diesen Umstand zu großem Teil dem handwerksmäßigen Wucher zu. Daneben enthalten unsere öffentlichen Blätter seit Kurzem einige Beispiele unerhörten Wuchers bei Geldanleihen höchst Dürftiger in bitterster Not. An all dem verwerflichen Streben scheint Keiner unserer Juden beteiligt zu sein. Woher wir das wissen? - Wäre dem nicht also, so hätten es die Zeitungen längst haarklein, mit reichlichen Zusätzen berichtet!
Den 10. (Juli 1846). In Buchau am Federsee fielen in der jüngsten Zeit Vorfälle bedauerlicher Art vor. Der Ort zählt 1.400 christliche, 600 jüdische Einwohner und hat ein taxisches Amt und Amtsgericht. Vor 14 Tagen wurde Morgens ein natürlich anonymer Anschlag an der Synagoge gefunden, in welchem den jüdischen Einwohnern Feuer, Schwert und eine zweite Zerstörung Jerusalems gepredigt wurde, und war, weil, wie aus dem Schreiben zu ersehen, die Juden verlangte, was sie als solche verlangen konnten. Vorher schon waren als Wiederholung von Szenen früherer Jahre verschiedene Gärten jüdischer Einwohner geplündert und zerstört, Fenster derselben eingeworfen und zur selbigen Zeit Steine in einen öffentlichen Garten geworfen worden, die, wie man allgemein sagt, dem Stadtschultheißen gerade in die Hände fielen, ein Vergehen, das mit Einsperrung von 48 Stunden gestraft wurde. - Montag, den 29. vorigen Monats nun wurde das Gerücht laut, dass 20 jüdische Grabsteine aus dem Boden gerissen und ein Teil derselben freventlich zertrümmert worden seien. Das Gerücht hatte nicht gelogen. Zwei ledige Burschen, welche man für verdächtig hielt, wurden eingezogen, lagen zweimal 24 Stunden in gefänglicher Haft, mussten aber sofort wieder entlassen werden. Die Beeinträchtigten aber können und werden über diese Ungebühr nicht schweigen." 

 
25-jähriges Jubiläum des Armenhilfsvereins (1857)   

Buchau AZJ 29061857.jpg (58809 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni 1857: "Buchau am Federsee, 31. Mai (1857). Am heutigen Tage wurde die 25-jährige Jubelfeier des hiesigen Armenhilfsvereins sehr festlich begangen, sowohl durch gottesdienstliche Feier, als durch ein fröhliches Festessen. Der Verein hat in dieser Zeit sowohl hier als durch sein Filial Kappel höchst segensreich gewirkt, und in dieser Zeit an 3.200 Gulden verausgabt, sowie an 4.200 Gulden Fond gesammelt. Bei dem Festmahle wurde die Gründung einer Vorschusskasse verabredet und sogleich durch ansehnliche Spenden fundiert."     

   
Dankgottesdienst zum Friedensschluss 1871  

Buchau AZJ 11041871.jpg (101687 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Aus Württemberg, im März (1871).  Durch Erlass der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde vom 28. Februar dieses Jahres wurde für alle Synagogen des Landes aus Anlass des Friedensschlusses die Abhaltung eines Dankgottesdienstes in der Weise angeordnet, dass nach Rezitierung der Psalmen 9. 33 und 96 und nach dem vom Gesangchore vorgetragenen Liede Nr. 105 der Maier'schen Gebetordnung vom Rabbinen, beziehungsweise Vorsänger die Festpredigt über den Text Psalm  89, 16-19 gehalten wurde. In mehreren israelitischen Gemeinden des Landes, wie in Buchau und Göppingen, fanden feierliche Züge zum Gotteshause statt, welchen sich, um sich an dem Gottesdienste zu beteiligen, auch Christen anschlossen. Die von dem Herrn Kirchenrat Dr. von Maier in Stuttgart und von Rabbiner Herz in Göppingen bei dieser Feier gehaltenen Predigten wurden auf vielseitiges Verlangen durch den Druck veröffentlicht und finden dieselben umso reicheren Absatz, als deren Ertrag für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Württemberger und für die deutsche Invalidenstiftung bestimmt ist."  

    
Die Zahl der jüdischen Einwohner geht durch Abwanderung in die Städte stark zurück (1871)   

Buchau AZJ 03101871.jpg (67125 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Oktober 1871: "Unsere Stadtgemeinden wachsen lawinenartig und mit ihrem Wachstum stellen sie die Existenz der Landgemeinden in Frage. In Ulm, wo eine Synagoge im Bau begriffen, war über die Festtage der gewöhnliche Betsaal zu klein und musste noch ein zweiter erstellt werden. Dagegen nimmt Buchau, fast eine der größten Gemeinden des Landes, durch Übersiedlungen in rapider Weise ab. Jebenhausen, das vor 25 Jahren noch 100 Familien zählte, ist fast auf ein Zehntel herabgesunken; das nagegelegene Göppingen, von dem es schien, es solle die Muttergemeinde werden und das den Rabbinatssitz für sich beanspruchte, gravitiert auch nach dem Zentrum der größeren Handels- und Industrieplätze, und die bedeutenderen Firmen fangen schon an, den Platz zu verlassen und der Metropole des Landes sich zuzuwenden."    


50-jähriges Jubiläum des Privat-Armenvereins (1882) 
Anmerkung: Buchau wird in nachfolgendem Abschnitt versehentlich in die Schweiz verlegt....

Buchau Israelit 14061882.jpg (77325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1882: 

 
Stiftung des katholischen Stadtpfarrers zugunsten der jüdischen Gemeinde (1896)   
Anmerkung:  es handelt sich um Pfarrer Dr. Franz Schleweck aus Ennetach (geb. 21. September 1818), der 1851 Präzeptor in Scheer wurde, von 1853 bis 1863 als Stadtpfarrer in Buchau tätig war und von Buchau aus als Präzeptor nach Biberach kam. 
Siehe Joh. Evang. Schöttle: Geschichte von STadt und Stift Buchau 1884 repr. 1977 S. 157 

Buchau Israelit 20061895.jpg (24222 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1895: "Der dieser Tage in Röhlingen, Oberamt Ellwangen, verstorbene katholische Pfarrer Dr. Schleweck hat den christlichen und jüdischen Armen in Buchau - wo der Verblichene früher als Pfarrer und Präceptor tätig war - ein Legat von 2000 Mark vermacht."   
 
Buchau AZJ 10041896.JPG (66639 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. April 1896: "München, 2. April (1896). Folgender edle Zug eines katholischen Geistlichen wird wohl allgemeines Interesse erregen. In den sechziger Jahren lebte in Buchau am Federsee (Württemberg) ein Stadtpfarrer Dr. Schleweck. Es war ein äußerst wissenschaftlich gebildeter und toleranter Herr, später wurde derselbe nach einem andern Orte Württembergs versetzt, wo er ca. 25-30 Jahre tätig war. vor einigen Monaten starb Dr. Schleweck und hinterließ u.a. testamentarisch der katholischen Gemeinde in Buchau 1000 Mark und ebenso der israelitischen Gemeinde 1000 Mark. Es ist dies wohl noch nicht oft vorgekommen, dass ein christlicher Geistlicher in seinem letzten Willen noch der israelitischen Armen gedachte. Ehre dem edlen braven Gottesmann! Buchau hatte damals 1800 katholische und 600 jüdische Einwohner."  

   
Wahlen zum Vorsteheramt (1924)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1924: "Buchau. Wahlen zum Vorsteheramt. Wiedergewählt wurden Franz Maas, Moritz Vierfelder und Hermann Weil. Anstelle des bisherigen Vorstehers Emil Kahn, der aus Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl abgelehnt, wurde Siegfried Dannhauser neu gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Rabbiner Dr. Schlesinger, zum stellvertretenden Vorsitzenden Moritz Vierfelder ernannt. Die Gemeindepflege verwaltet wie bisher ehrenamtlich Abraham Maas."        

  
Ein Schlichtungsausschuss wird gebildet sowie weitere Mitteilungen (1926)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. April 1926: "Buchau. Unser hiesiges Gemeindeleben scheint in der letzten Zeit einen gewissen Aufschwung nehmen zu wollen. Zunächst wurde ein 'Schlichtungsausschuss' ins Leben gerufen, d. h. ein Dreimännerkollegium mit dem Rabbiner als Vorsitzenden und den Herren Heinrich Erlanger und Leopold Einstein als Beisitzern. Aufgabe dieses Kollegiums ist es. Streitigkeiten zwischen Gemeindemitgliedern auf gütlichem Wege beizulegen, um die Inanspruchnahme der öffentlichen Gerichte möglichst zu vermeiden. Sodann fand eine Zusammenkunft des Vorsteheramtes mit den Mitgliedern unserer Diaspora statt. Aus der Mitte der Versammlung wurde unter freudiger Zustimmung aller Anwesenden angeregt, von Zeit zu Zeit derartige Zusammenkünfte in Buchau zu veranstalten, die durch besonderen Gottesdienst und gesellige Unterhaltung noch weiter ausgebaut werden dürften. Außerdem wurde beschlossen, dass der Rabbiner künftighin in Ravensburg Vorträge über die Vorschriften und! Lehren des Judentums halten soll."         

 
Der Frauenverein bildet einen "Ausschuss für geistige Interesse" (1927)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1927: "Buchau am Federsee. Einer Anregung des Ulmer und Laupheimer Israelitischen Frauenvereins folgend, wurde auch vom hiesigen Frauenverein ein Ausschuss für geistige Interessen eingesetzt, der im Laufe des Winters bereits eine Reihe Vortragsabende veranstaltete. Es sprachen: Rabbiner Dr. Schlesinger über 'Jüdische Literatur', Frl. Anni Moos - Buchau über 'Franz Werfel', Frl. Peppi Dreifuß - Buchau über 'Paulus unter den Juden'. Frau Rabbiner Straßburger - Ulm über 'Das jüdische Weib', Frl. Else Dahlberg - Wangen über 'Glücke! von Hameln', Frau Rabbiner Treitel - Laupheim über 'Drei jüdische Frauengestalten der Gegenwart''. Frau Gertrud Weil - München über 'Jüdische Frauenarbeit in Palästina'. Die Vorträge waren sehr gut besucht und fanden allgemeines Interesse."       

    
Generalversammlung der Ortsgruppe des Centralvereins (1928)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1928:       

    
Monatsvorträge im Israelitischen Frauenverein (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1929:        

 
Feier der Gesellschaft "Harmonie" aus Anlass des 70. Geburtstages von Sanitätsrat Dr. Nördlinger (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1929:       

  
Purimfeier der Gesellschaft "Harmonie" (1930)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1930:       

      
Chanukkafeier der Gesellschaft "Harmonie" (1931)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Januar 1931:       

    
Veranstaltungen im Gemeindeleben im Winterhalbjahr 1929/30 (1930)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1930:       

    
Vortrag im Jüdischen Jugendbund mit Rechnungsrat Wissmann aus Stuttgart (1931)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1931:         

 
Hundertjahrfeier des Israelitischen Privatarmenvereins (1932)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1932:        
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1932:    

  
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1933)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1933:      

    
Plenarversammlung des Israelitischen Privatarmenvereins (1934)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 14. Januar 1934:        


Generalversammlung der Gesellschaft "Harmonie" und Vortragsabend der Ortsgruppe des Central-Vereins (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1934:      

 
Chanukkafeier in der Gemeinde (1934)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1934:        

   
Sederfeier zu Pessach für die Kinder der Gemeinde - Schauturnen der jüdischen Jugend (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1934:      


Rabbiner Dr. Schlesinger berichtet über seine Palästina-Reise (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1934:        
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1934:     

     
Simchas Thora-Unterhaltung der Gesellschaft "Harmonie" (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1934:        

   
Jahresversammlungen des Israelitischen Privatarmenvereins und des Central-Vereins - der Jüdische Frauenverein richtet eine Nähstube ein (1935)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1935:        

 
Chanukkafeier in der Gemeinde (1935)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1935:      

    
Vortragsabend des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1935)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. März 1935:       

  
Vortragsabend ("Lernzeit") mit Rabbiner Dr. Schlesinger für die Frauen der Gemeinde (1935)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1935:     

   
Zweiter Lehrkurs des Jüdischen Frauenbunds (1935)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1935:       

  
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1935)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. November 1935:       

 
Versammlung von Freunden der zionistischen Bewegung (1935)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1935:      

   
Ergebnisse der Vorstandswahlen - Hinweis für die Wochentagsgottesdienste während der Wintermonate - Treffen des Frauenvereins (1935)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1935:         

  
Verschiedene Mitteilungen aus der Gemeinde (1936)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Januar 1936:      

   
Verschiedene Vereinsaktivitäten (Generalversammlung der Israelitischen Frauenvereins, Mitgliederversammlung der Zionistischen Ortsgruppe, Zusammenkunft des Synagogenchors) und Vortragsabende (1936)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1936:       

      
Verschiedene Mitteilungen: Schulvisitation durch Oberlehrer Berlinger - Moritz Vierfelder bereitet ein jüdisches Museum vor - 200 Jahre Rabbinat Buchau - Rabbiner Dr. Schlesinger ist wieder vor Ort - Moses Weil feiert seinen 88. Geburtstag (1937)  

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1937:       

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Belobigung für den israelitischen Kirchenpfleger Marx Mändle (1844)
  

Buchau AZJ 11031844.JPG (207473 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. März 1844: "Buchau am Federsee, 6. Februar (1844). Dem hiesigen israelitischen Kirchenvorstande kam durch das königlich fürstliche Bezirksamt folgender hoher Erlass zu: 
Aus den Antrag der israelitischen Oberkirchenbehörde und in Folge der vom königlich fürstlichen Bezirksamte bei Gelegenheit der Visitation des dortigen Bezirks dem Regierungs-Kommissär zu Protokoll gegebenen Bemerkung, haben Seine königliche Majestät vermöge höchster Entschließung vom 8. dieses Monats aus Anlass des Vortrags des Ministeriums des Innern gnädigst verfügt, dass dem israelitischen Kirchenpfleger Marx Mändle zu Buchau wegen seiner uneigennützigen und sehr ersprießlichen Amtsführung das höchste Wohlgefallen ausgedrückt werde.
Das königlich fürstliche Bezirksamt wolle den Mändle hiervon mit dem Anfügen benachrichtigen, dass die Veröffentlichung dieser höchsten Entschließung durch das Regierungsblatt, bereits eingeleitet worden ist. 
Stuttgart den 26. Januar 1844. Auf besonderen Befehl. Steinhardt. Weil. 
 
Wir sind aus doppeltem Grunde erfreut, vorstehende Belobung der Öffentlichkeit übergeben zu können, weil sie auf der einen Seite wiederum den Beweis liefert, dass in unserem württembergischen Vaterlande auch das Verdienst des Israeliten bei unserer Regierung willige Anerkennung findet - ein Sporn mehr, auf dem einmal betretenen Wege mit Mut und Festigkeit fortzufahren -; und weil sie auf der anderen Seite als verdiente Belohnung einem Manne zuteil ward, der seit 20 Jahren mit unermüdlichem Fleiße, angestrengter Tätigkeit und eiserner Willenskraft sich dem hiesigen Gemeindewesen gewidmet und dem Gemeindehaushalt unter Mitwirkung eines intelligenten Vorstands, auch höheren Orts Anerkennung verschaffte. (Hierauf folgt eine ausführliche Darstellung der wirklich ausgezeichneten Wirksamkeit des Herrn Mändle, die wir jedoch beschränkten Raumes und des lokalen Interesses wegen hier nicht folgen lassen können, demselben aber auch unsererseits unsere Achtung bezeugend. Redaktion).  
Gelegentlich erhalten Sie auch die Anzeige, dass sich seit Neujahr, neben dem schon 10 Jahre bestehenden Leseverein zur Krone (israelitisches Wirtshaus), der unter seinen Mitgliedern, den hiesigen Honoratioren, christlichen und israelitischen Bürgern, mit andern belletristischen Blättern auch Ihre geschätzte Zeitschrift, seit ihrer Entstehung zirkulieren lässt, ein 'Lese- und Gesellschaftszirkel für Buchau und Kappel' konstituiert hat, als dessen Zweck in den vom Amte genehmigten Statuten angegeben wird: Kunde von den Zeitbegebenheiten und wissenschaftliche Bestrebungen im Judentume unter seinen Mitgliedern zu verbreiten und das Interesse an dem Aufschwunge und die bessere Gestaltung der israelitischen Zustände anzufachen und zu beleben. Bei seiner ersten Zusammenkunft hat der Lese- und Gesellschaftszirkel beschlossen, in pleno dem von Ihnen vorgeschlagenen zweckmäßigen Literaturverein beizutreten, was Sie gefälligst zur Notiz nehmen wollen."

   
Über den Bildhauer Albert Güldenstein (1847)  
Anmerkung: Albert Güldenstein in 1822 in Sontheim geboren und 1891 in Stuttgart gestorben. Er selbst hat nicht in Buchau gelebt. Über seinen Bruder - Michael Güldenstein - siehe oben.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. September 1847: "Stuttgart, im September (1847). Je weniger bis jetzt sich Juden in der Bildhauerkunst ausgezeichnet haben, desto erfreulicher ist es, gegenwärtig einen Solchen in dem Herrn Albert Güldenstein, dem Bruder des Rabbiners Güldenstein in Buchau, nennen zu können. Soeben hat er wieder einen ehrenvollen Auftrag von Seiner Majestät dem Könige erhalten, eine kolossale Tiergruppe auszuführen".    

     
Über die Niederlassungen der Neuburger'schen Firma - Weberei und Stickerei (1860)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1860: "Ulm, 16. Februar (1860). Zu den renommiertesten Fabrikfirmen, was Weberei und Stickerei betrifft, bekannt weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes Württemberg hinaus, gehört die Neuburger'sche Firma. Sie hat auf sieben Landes- und Weltindustrieausstellungen (Mainz 1842, Berlin 1844, Leipzig 1850, London 1851, New York 1853, München 1854, Paris 1855) die ehrendsten Preismedaillen für ihr Fabrikat erhalten und erweitert und vervollkommnet ihr Geschäft von Jahr zu Jahr. Die Firma, wohl die älteste dieser Art im Lande, teilt sich in drei Zweigfirmen ab: H. Neuburger Söhne, J.H. Neuburger und Michael Neuburger. Der Sitz der H. Neuburger Söhne ist Buchau und Stuttgart. Sie beschäftigen sich mit Stickerei und Weberei. In Stuttgart befindet sich das Verkaufslokal. - J.H. Neuburger betreibt Baumwollenweberei. Sein Geschäft blühte vierundzwanzig Jahre in Dietenheim, ist aber seit einigen Jahren hierher nach Ulm verlegt worden. - Michael Neuburger betreibt Jacquard-Weberei und Stickerei. - Alle drei Zweigfirmen arbeiten Hand in Hand und bilden zusammen Ein großes Fabrikgeschäft, das im Ober- und Unterlande etwa fünfhundert Weber und tausend Stickerinnen beschäftigt. Der Absatz ihrer Waren (glatte, faconierte und gestickte weiße Musselin-Waren) geht nach Norddeutschland, hauptsächlich aber nach Amerika.   
Die Inhaber dieser Firmen erfreuen sich sowohl bei ihren Arbeitern, als auch bei der ganzen Einwohnerschaft Ulms, einer großen Achtung, wie fast ohne Ausnahme hier die ganze israelitische Gemeinde, die von Jahr zu Jahr an Zahl und an Ansehen zunimmt. Das Vorurteil, aus welchem man Israeliten die Ansässigmachung in hiesiger Stadt zu erschweren suchte, schwindet immer mehr und an seiner Stelle macht sich die Überzeugung geltend, dass der unermüdliche Unternehmungsgeist, die industrielle Regsamkeit, durch welche die meisten der hiesigen Israeliten sich auszeichnen, der Stadt und ihrer Einwohnerschaft von größtem Nutzen ist.  Von einem Nichtjuden."            

 
Zum Tod von Fabrikant Joseph Neuburger (1867)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Juni 1867: "Vom Federsee, im Juni (1867). In der Pfingstwoche starb in Buchau 'Joseph Neuburger', Fabrikant, langjähriger Kirchenvorsteher, Schwager des verstorbenen Rabbinen Güldenstein, im 57. Lebensjahre am Schlagfluss, ein Mann, der sich viele Verdienste um seine Gemeinde errungen hat. Im Kollegium des Kirchenvorsteheramtes wie im Privatleben widmete er sich mit Eifer den öffentlichen Gemeindeangelegenheiten und war ein Armenfreund. Die Leichenrede, gehalten von Rabbiner Weiman in Buchau, ist unter dem Titel: Das Herz Josephs im Verlage der Gebrüder Nübling in Ulm im Druck erschienen und legt ehrendes Zeugnis für den Verstorbenen sowohl, als für die schöne Rednergabe des Verfassers ab. Die Epitaphien des Buchauer Friedhofs gegen monumentale Kunde, dass Herr Weiman die hebräische und deutsche Sprache in gebundener Form sinnig und kunstvoll zu behandeln versteht, und haben wir eine hübsche Anthologie seiner elegischen Muse unter den Trauerweiden auf den Grabstätten am Federsee gelesen."     

   
Dr. Eduard Löwenthal, Sohn des Lehrers Isac Löwenthal ist Redakteur in Frankfurt (1861)   
Anmerkung: der im Artikel genannte Lehrer Isaac Löwenthal ist am 23. Februar 1809 in Nordstetten oder in Pfalzburg / Elsass geboren. Er war nach 1835 u.a.  Lehrer in Mühringen, seit dem Sommer 1848 in Baisingen, seit 1859 in Buchau. Er starb am 14. Oktober 1872 . Unter seinen 9 Kindern war Ephraim / Eduard Löwenthal, geb. 22. Dezember 1839, ein "Vordenker des Internationalen Parlamentarismus" (Ralph Uhlig: Die interparlamentarische Union 1889-1914. Wiesbaden 1988. S. 52-53).   

Buchau AZJ 14051861.jpg (42800 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Mai 1861: "Der in Frankfurt ausgewiesene und wieder restituierte Dr. Eduard Löwenthal, jetzt bei der Redaktion der Nassauischen Allgemeinen Zeitung angestellt, ist der Sohn des israelitischen Lehrers Löwenthal in Buchau und bürgerlich zu Nordstetten im Schwarzwald, also ein Landsmann Berthold Auerbachs."  

 
M.E. Weil und Jakob Dannhäuser werden erneut in den Gemeinderat gewählt (1897)  
Anmerkung: bei M. E. Weil dürfte es sich um Michael Emanuel Weil gehandelt haben (geb. 25. Juli 1853 in Kappel, gest. 1. Dezember 1915 in Cleveland, USA); Jakob Dannhausen (geb. 3. Januar 1860 in Buchau, gest. 19. Juli 1918 ebd.). 

Buchau Israelit 16121897.jpg (79466 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897: "Buchau am Federsee, 10. Dezember (1897). Bei der letzten Tage dahier stattgehabten Stadtratswahl wurden die beiden ausscheidenden israelitischen Gemeinderäte, die Kaufleute M. E. Weil und Jakob Dannhäuser wiedergewählt. Trotzdem zwei weitere israelitische Kandidaturen aufgetaucht sind, ließ sich die christliche Bevölkerung in dem Herkommen, zwei Israeliten in den Stadtrat zu berufen, nicht irre machen und von abgegebenen 271 Stimmen erhielt Herr M. E. Weil 226 Stimmen und Gr. Rat Dannhauser 171 Stimmen. Damit hat die christliche Bevölkerung hierorts aufs neue gezeigt, wie tolerant und friedliebend sie allezeit ist, und ein angenehmes Zusammenleben ist damit in Zukunft gesichert."

  
Zum Tod des aus Buchau stammenden Generals Max Einstein (gest. in Philadelphia 1906)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. April 1906: "Nürnberg. Der in Philadelphia im 84. Jahre verstorbene General Max Einstein war hier von 1861-1863 Konsul der Vereinigten Staaten. Einstein war aus Buchau in Württemberg gebürtig."      

  
Bankier Max Dreifuß wurde zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt (1911)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Januar 1911:  "In Buchau am Federsee ist Bankier Max Dreifuß wiederum zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt worden."     

   
Die Ehepaare Moses und Babette Mayer sowie Ignaz und Rosa Schaal feiern ihre Goldene Hochzeit (1924)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1924:        

 
85. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos (1926)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1926:       

  
Silberne Hochzeit von Franz Moos und seiner Frau (1926)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1926:        

  
Zum Tod von Stadttierarzt Berthold Erlanger (1926)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1926:       

  
Silberne Hochzeit von Emil Kahn und seiner Frau (1926)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1926:       

 
70. Geburtstag von Luise Erlanger (1926)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1926:        

   
Zum Tod von Heinrich Erlanger (1926)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1926:       

   
Sanitätsrat Dr. S. Nördlinger ist 40 Jahre als praktischer Arzt in Buchau tätig (1927)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Mai 1927:       


Dr. Alfred Marx, Sohn von Oberlehrer Marx, besteht die Staatsprüfung für den höheren Schuldienst (1927) sowie die 2. Staatsprüfung (1928)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1927:        
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1928:    

  
Moritz Vierfelder erhält einen Ehrenbrief der deutschen Turnerschaft (1927)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1927:      

  
Goldene Hochzeit von Moses Weil und Anna geb. Bernheim (1927)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1927:       


Nach dem Ehrenbürger Prof. Meier Wallersteiner wird eine Straße in Buchau benannt (1928)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1928:       

  
90. Geburtstag von Moses Mayer (1928)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1928:       

  
Abraham Moos wird wiederum in den Gemeinderat gewählt (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. Januar 1929:       

 
85. Geburtstag von Rudolf Hirsch (Ulm, 1929)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1929:         

 
97. Geburtstag von Berta Neuburger geb. Bernheim (in München 1929)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. Februar 1929:       

   
88. Geburtstag von Fabrikant Felix Moos (1929)   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1929:       

   
Verschiedene Geburtstage in der Gemeinde: Babette Weil geb. Bernheim (75), Moses Weil (80) und Moses Mayer (91) (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. April 1929:         

 
Silberne Hochzeit von Moritz und Elsa Vierfelder (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1929:        

 
75. Geburtstag von Sophie Weil geb. Tannhauser (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1929:      

 
75. Geburtstag von Leopold Einstein (1929)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1929:        

   
89. Geburtstag von Felix Moos (1930)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1930:        


Zum Tod von Leopold Einstein (1930)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1930:      

   
Sanitätsrat Dr. Nördlinger erhält zahlreiche Ehrungen für seine Verdienste um die Pflege des deutschen Liedes (1930)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1930:       


Hauptversammlung des Turnvereins Buchau - Hermann Kahn und Sanitätsrat Dr. Nördlinger werden Ehrenmitglieder (1931)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1931:        

     
70. Geburtstag der Zwillingsschwester Fanny Leopold Weil und Hannchen Klein (1931)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1931:       

    
90. Geburtstag von Felix Moos - 93. Geburtstag von Moses Mayer (1931)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1931:        

    
70. Geburtstag von Bankier Max Dreifuß (1931)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1931:       

  
Zum Tod von Viehhändler Albert Weil (1932)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1932:       

   
Zum Tod des Fabrikanten Felix Moos (1932)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1932:        

    
70. Geburtstag von Josef Einstein (1933)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1933:       

     
75. Geburtstag von Josef Berliner (1933)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1933:      

 
Beisetzung von Kaufmann Adolf Beer (1933)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1933:        

     
60. Geburtstag von Fabrikant Franz Moos (1933)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1933:       

 
80. Geburtstag von Hermann Weißberger (1933)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1933:       

     
70. Geburtstag von Fanny Dannhauser (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 14. Januar 1934:       

  
Josef Berliner ist 40 Jahre Kassier im Israelitischen Wohltätigkeitsverein (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1934:       

   
Gemeindeabend mit Thekla Kaufmann - Arthur Ullmann erwirbt das Deutsche Turn- und Sportabzeichen (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1934:       

   
Mitteilungen zu verschiedenen Personen aus der Gemeinde (Friedel Vierfelder, Ludwig Dannhauser, Siegfried Einstein, Anni Moos, Moritz Kahn, 1936)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom  16. März 1936:      

     
Frieda Ullmann wird als Sängerin beim Synagogenchor geehrt (1937)    

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1937:       

          
Verlobungsanzeige von Elsbeth Steinacher und Siegbert Bernheim (1937)   
Siegbert Bernheim ist am 20. Februar 1905 im bayerischen Deggendorf als Sohn des aus Buchau stammenden Alfred Bernheim und der Berta geb. Lederer geboren. Die Familie Alfred Bernheim ist erst im Dezember 1935 aus Passau, wo Alfred Bernheim Inhaber eines Kaufhauses war, nach Buchau gezogen. Hier kaufe Alfred Bernheim ein Wohngebäude an der Oggelshauser Straße. Siegbert und seine Frau (wie auch die Eltern Alfred und Berta) emigrierten 1939 nach Palästina / Erez Israel.

Buchau CV-Ztg 27051937.jpg (28015 Byte)Anzeige in der CV-Zeitung (Zeitung des Central-Vereins) vom 27. Mai 1937: "Statt Karten: 
Elsbeth Steinacher - Siegbert Bernheim.
Verlobte - Mai 1937. 
Nürnberg - Bayreuther Straße 14 - Buchau am Federsee - Oggelshauser Straße."

        
Nach der Deportation: Todesanzeige für Max Dreifuss und Bertha Dreifuss geb. Erlanger (1942 / 1945)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 20. Juli 1945: "Wir erhielten die schmerzliche Nachricht, dass unsere geliebten Eltern und Großeltern 
Max Dreifuss   Bertha Dreifuss geb. Erlanger (früher Buchau am Federsee) 
im Herbst 1942 in Theresienstadt verschieden sind.  
Wilhelmine Dreifuss, Aufenthalt unbekannt; 
Hermann und Anna Nathan geb. Dreifuss   Mier y Peado 114 E. Mexico, D.F.  
Karl und Helen Ehrlich geb. Dreifuss   1828 W. Tioga St., Philadelphia, Pa.  
Fredric und Rose Hofheimer geb.Dreifuss   42-52 Layton St., Elmhurst, L.I., N.Y."        

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   
David Wallersteiner wirbt für seine Torawimpeln (1890)  

Buchau Israelit 03111890.jpg (23987 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1890: "Mappot (Wimpeln) werden in Farben schön und billig ausgeführt von David Wallersteiner in Buchau am Federsee, Württemberg."  

  
Hochzeitsanzeige von Emil Isaac und Fritzi geb. Einstein (1925) 

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 21. August 1925: "Statt Karten! 
Emil Isaac  -  Fritz Isaac geb. Einstein  

Vermählte: 
Wallertheim (Rheinhessen) - Buchau (am Federsee)  
24. August 1925 / 4. Elul 5685  
Trauung: Ratskeller-Restaurant Gottschall, Mainz"   

   
   
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; die Anmerkungen auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)  

Firmenrechnung von Hermann Moos 
aus Buchau (1859)
  
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Brief mit inseitiger Rechnung der 1840 entstandenen Textilfirma Hermann Moos aus Buchau, versandt am 18.Dezember 1859 an Herrn Ludwig Weiß in Schönau im Wiesental. Hermann Moos hatte 1840 eine Hemdenfabrik gegründet, die er später, in Zeiten der Modernisierung zur Trikotfabrik ausbaute. Sein Sohn Friedrich stieg in das Unternehmen mit ein. Ab 1900 gab es Filialen in Weingarten und Schussenried. Als Eigentümer zu dieser Zeit zeichneten damals Hermann Moos mit Teilhabern Alfred, Richard und Franz Moos. 1922 vergrößerte sich der Betrieb nochmals und aus der Trikotweberei, Hemden - und Blusenfabrik wurde 1923 die Trikotwarenfabrik Hermann Moos AG. 1938 wurde auch dieser Betrieb ein Opfer der "Arisierung" in der NS-Zeit. Hermann Moos emigrierte in die USA; Franz Moos - Soldat im 1.Weltkrieg und mit dem EK II ausgezeichnet - wurde im August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und kam dort am 22. April 1944 zu Tode.
Hermann Moos, der Gründer der Textilfabrik Hermann Moos (geb. 7. Mai 1816 in Buchau; gest. 12. Mai 1889) war verheiratet mit Sophia geb. Neuburger (geb. 17. September 1819 in Buchau, gest. 2. Mai 1905). Die beiden hatten sieben Kinder: Felix Ephraim, geb. 20.4.1841, Friedrich, 28.4.1842, Hedwig, 2.9.1843, Ida, 7.2.1846, Emilie, 28.12.1850, Marie, 21.11.1857 und Alfred, 21.11.1862. 
Quellen (darin viele Informationen nach den Recherchen von Charlotte Mayenberger): www.schwaebische.de/region/biberach-ulm/riedlingen/stadtnachrichten-riedlingen_artikel,-
Mit-Hitlers-Machtergreifung-verloren-sie-alles-_arid,5409164.html
 
http://www.judeninbuchau.de/Ausstellung_Theresienstadt_Heft.pdf 
Ausschnitt aus dem Bericht 'Von Buchau nach Theresienstadt - Dr. Oskar Moos', BC Heft 2000/2
www.hohenemsgenealogie.at/en/genealogy/descend.php?personID.   

  
Firmenkarte der 
Firma Hermann Moos (1899) 
  
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Es handelt sich um eine Vordruckkarte der Firma Hermann Moos zur Zahlungseingangsbestätigung an die Kunden. Die Karte wurde am 17. April 1899 von Buchau nach Eibenstock versandt.    

  
Geschäftskarte von A. Levy aus München 
an Hermann Moos in Buchau (1901)
  
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  Die Karte wurde aus München am 6. Dezember 1901 nach Buchau versandt. 
     
Firmenkuvert der Trikotfabriken 
Hermann Moos AG (1934/1935)
 
Buchau Dok 14015.jpg (186577 Byte) 
   Der Brief wurde verschickt in der Zeit vom 4. September 1934 und dem 31. Dezember 1935.  
     

 

Postkarte des Tuchgeschäftes 
Einstein & Erlanger in Buchau (1876)
  
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Die Postkarte wurde am 27. April 1876 vom Tuchwarengeschäft Einstein & Erlanger in Buchau an die Tuchfabrik Lörrach versandt (Lörracher Ankunftsstempel vom 28. April 1876). Der rückseitige Text ist geschäftlicher Natur und gezeichnet mit "Einstein & Erlanger".
Hinweis: Siegbert Einstein, geboren am 25. Oktober 1889 in Buchau war wohl der letzte Inhaber des Tuchgeschäftes Einstein & Erlanger. Vermutlich war das Geschäft schon davor zum Teil im Besitz der Familie. Das Datum der Postkarte lässt darauf schließen. 1938 kam das unvermeidbare Ende für das Geschäft und Siegbert Einstein arbeite forthin in Riedlingen im Butterwerk als Hilfsarbeiter. Im Februar 1939 musste er sein Haus verkaufen. Mit 56 Jahren wurde er am  21. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Am 22. Mai 1945 kam er von dort zurück nach Buchau. Weitere Informationen bei 
Charlotte Mayenberger: Von Buchau nach Theresienstadt  - http://www.judeninbuchau.de/Ausstellung_Theresienstadt_Heft.pdf 
bzw. dies.:  Juden in Buchau, Federseeverlag 2008.  

     
Briefumschlag an 
Ricka Neuburger (1869) 
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Der Brief wurde an Fräulein Ricka Neuburger (Firma H. Neuburger Söhne, Buchau) am 15. Februar 1869 von Ravensburg versandt und trägt rückseitig  einen Königlich-Württembergischen Bahnpoststempel vom 16. Februar 1869 (Zug 10), einen Stempel vom Postamt Schussenried und den Ankunftsstempel des Postamtes Buchau. 
Die zunächst als Handweberei für bunte Stoffe von Isaak Heinrich Neuburger gegründete Firma bestand ab 1838 als Textilfirma H. Neuburger Söhne in Dietenheim. Ricka Neuburger (geb. 7. Juni 1849, gest. 7. Juli 1920) war verheiratet mit Max Dreyfus (geb. 21. April 1839, gest. 13. Mai 1916). Das Ehepaar liegt begraben in einem Doppelgrab im neuen jüdischen Friedhof in Ulm.  
Grabstein 109 im neuen jüdischen Friedhof in Ulm:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2418210 

     
Karte von Benjamin Bernheim 
(1877)
  
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Die Karte wurde am 14. Mai 1877 von Buchau nach Berlin versandt. Benjamin Bernheim (geb. 24.1.1832 in Buchau) lebte nach seiner Heirat 1863 mit Berta geb. Wolf (geb. 26.4.1841 in Mannheim) vor allem in Stuttgart, wo er ein Kurz-, Band- und Posamentiergeschäft innehatte. Er starb am 19. Juli 1901 in Stuttgart, seine Frau am 29. Dezember 1906 (beigesetzt im israelitischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart).

     
Postkarte von J. A. Berliner 
in Buchau nach Reute (1892)
    
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Die Karte ist am 7. Januar 1892 von J. A. Berliner an einen Xaver Mayer in Reute bei Biberach geschickt worden. Der Inhalt der Karte ist geschäftlich.
Josef Berliner (geb. 14. März 1858 in Buchau) war verheiratet mit Julie Berliner geb. Erlanger (geb. 19. Februar 1864). Das Ehepaar hatte drei Kinder. Josef Berliner hatte ein Manufakturwaren-Geschäft, das er zusammen mit seiner Frau führte. Das Ehepaar Berliner wurde am 22. August 1942 von Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Julie Berliner starb bereits am 5. September 1942 an Erschöpfung und Unterernährung. Ihr Mann folgte ihr knapp zwei Monate in den Tod am 2. November 1942 (Todesursache Unterernährung und Erschöpfung). Josef Berliner war zum Zeitpunkt der Deportation 84 Jahre, seine Frau Julie 78 Jahre. Weitere Informationen bei 
Charlotte Mayenberger: "Von Buchau nach Theresienstadt" - http://www.judeninbuchau.de/Ausstellung_Theresienstadt_Heft.pdf 
dies.: "Juden in Buchau", Federseeverlag 2008. .  

     
 Postkarte an die Lederhandlung Siegfried Bernheim
 in Buchau (1893)
   

Die Postkarte geschäftlicher Art wurde an Herrn Siegfried Bernheim, Lederhandlung in Buchau versandt von Oberstdorf im Allgäu am 6. März 1893.
Siegfried Bernheim wurde am 11. Dezember 1854 als Sohn von Heinrich Bernheim und Martha geb. Mayer geboren. Am 26. Mai 1891 heiratete er in Ulm Ida geb. Stern (geb. 1868). Das Ehepaar lebte in Bad Buchau, wo Siegfried Bernheim eine Lederhandlung betrieb. Siegfried Bernheim starb am 22. April 1931 und liegt begraben auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau.
Quellen: https://www.geni.com/people/Siegfried-Bernheim/6000000017308961194
https://www.findagrave.com/memorial/123011855/siegfried-bernheim.      

     
Patentschrift für Straßenbahnweiche 
von Louis Einstein (1899)
  
Buchau Patent CIMG4273.jpg (269157 Byte) Buchau Patent CIMG4281.jpg (203285 Byte)
  Die "Selbstthätige Weiche für Straßenbahnen" von Louis Einstein, Buchau a.F. wurde ab dem 29. März 1899 durch das Kaiserliche Patentamt patentiert. 
     
Ansichtskarte an 
Wilhelmine Dreyfuss in Buchau (1903) 
  
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Die Ansichtskarte wurde am 4. November 1903 aus München nach Bad Buchau geschickt. Wilhelmine Dreyfuss war eine Tochter von Martin Dreyfuss (geb. 30. November 1862 in Buchau) und Selma geb. Moos (geb. 19. September 1874 in Buchau). Wilhelmine hatte noch drei Geschwister: Alfred (geb. 25. März 1898), Erna (geb. 7. Juni 1900) und Anna (geb. 8. September 1901). Wilhelmine Dreyfuss war später verheiratet mit Ernst Körbchen (geb. 12. Juni 1895 in Bremen). Wilhelmine und Ernst Körbchen konnten in der NS-Zeit emigrieren und lebten 1945 in Pukokapia, Huntley, New Zealand. Die beiden hatten eine Tochter Rosemary - eventuell weitere Kinder -, die sich 1945 (Anzeige im "Aufbau" vom März 1945) mit Dr. vet. Naftali Siegel verlobte. Im "Buchauer Blättle" (siehe unten) wird Wilhelmine Dreyfuss zu ihrem neuen Enkel, dem Sohn Rosemary's gratuliert. Gleichfalls wird dort ein ausführlich illustrierter Artikel in der bekanntesten Farmerzeitung New Zealand's erwähnt, in dem die Verdienste von Wilhelmine Dreyfuss' Ehemann Ernst Körbchen gewürdigt werden. Ernst Körbchen starb am 18. September 1946 in Auckland, New Zealand.
Quellen: www.judeninbuchau.de/Blattle_mit_Deckblatt_Dez-12doc.pdf siehe April 1945 S. 3 (insgesamt S. 10),  August 1945 S. 6 (insgesamt S. 24), September 1946 S. 3 (insgesamt S. 47)
http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~alcalz/aufbau/1945/1945pdf/j11a09s19.pdf  4. Reihe - 3. Anzeige von oben
http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~alcalz/aufbau/1945/1945pdf/j11a11s19.pdf  5. Reihe - 4. Anzeige von oben
https://www.geni.com/people/Ernst-K%C3%B6rbchen/6000000032002753838    

     
Kartenbrief der 
Fa. Jakob Gabriel Bernheim & Söhne (1908)
  
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Es handelt sich um einen Teil eines Kartenbriefes geschäftlicher Art der Fa. Jakob Gabriel Bernheim & Söhne, versandt am 2. Januar 19078 nach Rudersberg. Text auf der Rückseite: "Adresse auf dem Frachtbrief machen Sie: Jakob Gabriel Bernheim & Söhne aus Buchau. Empfangnahme in Jagstfeld Badischer Bahnhof". 
Beim Absender handelt es sich um Jakob Bernheim (geb. 11. August 1828 in Buchau als Sohn von Gabriel Bernheim und der Caroline geb. Moos). Er war seit 1858 (in Buchau verheiratet mit Erna geb. Maendle (geb. 11. Februar 1837 in Buchau als Tochter von Leonhard Maendle und Luise geb. Neuburger). Die beiden hatten zusammen 16 Kinder, die zwischen 1859 und 1875 geboren sind; mehrere von ihnen sind bereits früh verstorben. Jakob Bernheim verstarb am 8. Februar 1900 in Buchau, seine Frau Erna am 15. Oktober 1887.  
Bei der Firma Jacob Gabriel Bernheim & Söhne bzw. später Jacob Gabriel Bernheim Söhne handelte es sich um ein florierendes Schuhgeschäft in der Schussenriederstraße 17 in Buchau, das im ganzen Federseegebiet bekannt war. Inhaber war zuletzt in den 1930er-Jahren Leonhard Bernheim (geb. 23. Mai 1871 in Buchau als Sohn von Jakob Bernheim). Er war verheiratet mit Theresia geb. Bollag aus Endingen CH; die beiden hatten drei Kinder (Emma, 1907; Hedi, geb. 1908 und Jakob, geb. 1919. Das unweit der Synagoge gelegene Schuhgeschäft wurde im November 1938 "arisiert". Ende 1939 emigrierte Leonhard Bernheim in die Schweiz, von hier aus nach Amerika. Er starb im November 1943 in New York, seine Frau Thereia geb. Bollag ebd. 1976. 
Quelle: Charlotte Mayenberger: Juden in Buchau S. 160-164.      

  

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe aus einer Publikation 1909    

 
   
Publikation von 1909: Programm zum historischen Festzug in Buchau  Schuhgeschäft Heinrich Bernheim & Söhne
 
 Textilgeschäft Bernhard
 Moos
am Marktplatz
   
 Café, Konditorei,
 Weinstube Hermann
in der Hofgartenstraße
  Spezialhaus für
 Damenmoden
Friedrich Moos
Wäschefabrik Brüder
 Dannhauser

  
     
 Brief von Max Stern aus Los Angeles an 
Joseph H. Einstein in Buchau (1912)
  
Buchau Dok 481.jpg (89070 Byte)  

Der Brief trägt einen Poststempel vom 12. November 1912 in Los Angeles. Bei Josef H. Einstein handelt es sich um den am 2. Februar 1863 in Buchau geborenen Josef Einstein, Sohn von Hermann Einstein; seit 1896 in Buchau verheiratet mit Sara geb. Beissinger, gest. 9. Mai 1938 in Buchau (Sara starb am 9. November 1937 ebd.).   

      
Postkarte von Max Dreifuß an seinen 
Vetter Abraham Weil in München (1922)
  
Buchau Dok CIMG3338.jpg (273894 Byte)
Die Postkarte wurde am 6. April 1922 von Max Dreifuss in Buchau an seinen Vetter Abraham Weil in München geschrieben. Der Text der Karte lässt auf eine geschäftliche Sache schließen. 
Max Dreifuß (geb. 19. Mai 1861 in Buchau) war seit 1. August 1895 in erster Ehe verheiratet mit Anna geb. Dreifuß. Diese starb jedoch bereits nach sechs Jahren nach der Heirat am 14. Mai 1901. Die Tochter Wilhelmine (geb. 17. April 1894 wurde am 1. Dezember 1941 nach Riga-Jungfernhof, Außenlager Riga Ghetto deportiert und ist umgekommen (für tot erklärt).
Max Dreifuss heiratete am 17. Juli 1902 in zweiter Ehe Berta geb. Erlanger. Den drei Töchtern aus dieser Ehe, Anna, Helene und Rosa, gelang in der NS-Zeit die Auswanderung nach Amerika und Mexiko. 
Max Dreifuss hatte ein Bankgeschäft in der Hauptstraße 10 in Buchau, welches er aber in der NS-Zeit unter dem politischen Druck aufgeben musste. Er war ein hochgeachteter Mann in der bürgerlicher Gemeinde. So wurde er 1911 zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt.
Am 22. August wurde Max Dreifuss nach Theresienstadt deportiert. Neun Tage später, am 31. August 1942, ist er dort umgekommen. 
Quellen: http://www.judeninbuchau.de/Ausstellung_Theresienstadt_Heft.pdf 
http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~alcalz/aufbau/1945/1945pdf/j11a29s18.pdf 
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?result#frmResults   
     
Karte von Familie Einstein 
aus Buchau (1925)
 
Buchau Dok 482.jpg (89778 Byte) Buchau Dok 481a.jpg (139232 Byte)

Die Karte von Familie Einstein aus Buchau wurde versandt an Martin Dreifuss in Stuttgart am 30. Oktober 1925. Martin Dreifuß war in Stuttgart Inhaber eines Bankgeschäftes (Rotebühlstraße 99; Teilhaber Martin Dreifuß und Alfred Weil). Dreifuß (geb. 13.11.1862 in Buchau, gest. 12.3.1932) war verheiratet mit Selma geb. Moos (geb. 19.9.1874 in Buchau, gest. 10.8.1936); beide sind auf dem israelitischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart beigesetzt. 

     

     

     

     

     

     

     

 

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Stand: 31. Januar 2026