Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diersburg 004.jpg (49342 Byte)Die 1928 hergestellten Wappenscheiben im Saal des ehemaligen Diersburger Rathauses (Talstraße) zeigen die Symbole der drei in Diersburg damals vertretenen Religionsgemeinschaften. Das Foto links zeigt das Fenster der israelitischen Gemeinde.    

 

 

Diersburg (Gemeinde Hohberg, Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
     
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton Ortenau gehörenden Diersburg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Von dem 1748 genannten Levi Meyer heißt es, dass er seit elf Jahren in Diersburg (zuvor in Schmieheim) lebe (d.h. seit 1737); 1738 wird Samuel Ellenbogen erwähnt. 1744 waren fünf jüdische Familien am Ort, 1759 elf Familien.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 39 jüdische Familien, 1825 190 jüdische Einwohner (29,3 % von insgesamt 938 Einwohnern), höchste Zahl um 1832 mit 306 Personen (etwa 30 % der Gesamteinwohnerschaft), 1842 225, 1875 130 (12,6 % von 1.032), 1900 80 (7,8 % von 1.033), 1910 59.  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, s.u. eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und - seit 1773 - einen Friedhof. Die Schule wurde von 1830 bis 1876 als jüdische Konfessionsschule betrieben (vgl. Ausschreibungen der Lehrerstelle unten von 1846 und 1852), danach (nach Auflösung der Konfessionsschulen in Baden) als Religionsschule. Über dem Eingang des früheren Schulhauses Strittmatt 4 befindet sich bis heute eine hebräische Inschrift (übersetzt "Führe herbei die Endzeit unserer Befreiung und unsere Erlösung" mit hebräischer Jahreszahl für 1826). Das rituelle Bad wurde auf dem Anwesen Talstraße 30 eingerichtet. Es lag unmittelbar beim Bach und blieb in seiner äußeren Form bis um 1985 erhalten (zuletzt als Garage genutzt, inzwischen abgebrochen). Eine hebräische Inschrift vom diesem "Judenbad" (Zitate aus Ezechiel 36,25 und Sprüche 31,30) wurde um 1933 in die Bachmauer unterhalb des Häuschens eingemauert (erhalten mit deutscher Übersetzung). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bereits 1766 wird ein jüdischer Lehrer am Ort genannt.   
1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim zugeteilt, dessen Sitz 1893 nach Offenburg verlegt wurde.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Emil Bruchsaler (geb. 31.7.1892 in Diersburg, gef. 4.3.1916), Ferdinand Lehmann (geb. 20.12.1878 in Diersburg, gef. 14.12.1914) und Louis Leier (geb. 25.11.1892 in Diersburg, gef. 13.7.1919). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal gegenüber der Katholischen Kirche des Ortes. Außerdem ist gefallen: Julius Kahn (geb. 23.6.1892 in Diersburg, vor 1914 in Baden-Baden wohnhaft, gef. 9.9.1917).   
        
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 43 Personen gehörten (4,3 % von insgesamt 996 Einwohnern), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Heinrich Bruchsaler, Julius Valfer und Ludwig Lederer. Als Kantor, Lehrer und Schochet wirkte Moses Schloss (zu seinem Leben Weiteres siehe unten). Er erteilte 1925 noch zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder am Ort den Religionsunterricht. 1932 war erster Gemeindevorsteher Heinrich Bruchsaler, 2. Vorsteher Ludwig Lederer und 3. Vorsteher Julius Bruchsaler. Im Schuljahr 1932/33 gab es drei schulpflichtige jüdische Kinder.   
          
Bereits im 19. Jahrhundert spielten jüdische Gewerbetreibende eine große Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung Diersburgs. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Händler Bruchsaler (Strittmatt 6), Schuh-, Leder- und Eisenwarenhandlung Heinrich Bruchsaler (Talstraße 2), Viehhandlung Samuel Bruchsaler (Talstraße 9), Viehhandlung David Dreyfuß (Talstraße 27), Kolonialwaren Lina Kahn, bis 1921 koschere Metzgerei Maier Kahn (Talstraße 33), Stoffe und Aussteuer Ludwig Lederer (Waldrain 8), Stoffe und Aussteuer Moritz Lederer (Waldrain 5), Schlächterei Meier-Kahn (Talstraße 33), Krämerladen Siegfried Maier (Talstraße 29), Händler David Moch (Talstraße 28), Lebensmittel, Stoffe und Medikamente Julius Valfer (Talstraße 17), Gasthaus "Badischer Hof", Inh. Julius Valfer (Talstraße 27).     
     
1933 lebten insgesamt noch 26 jüdische Personen am Ort (2,5 % von 1.036 Einwohnern). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.), die männlichen Juden wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. Die letzten elf in Diersburg lebenden jüdischen Personen wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.       

   
Von den in Diersburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch "Gedenkbuch Baden-Württemberg"): Jules Baer (1918), Anna Basch geb. Kirschner (1868), Julius Baum (1886), Paul Baum (1885), Paula Behr geb. Valfer (1877), Ernst Bergheimer (1890), Jakob Bergheimer (1868), Josef Bergheimer (1878), Julius Bergheimer (1872), Salomon Bergheimer (1885), Johanna Bodenheimer (1875), Cäsar Bruchsaler (1889), Fanny Bruchsaler (1886), Flora Bruchsaler (1889), Karl Bruchsaler (1868), Moses Bruchsaler (1866), Sophie Bruchsaler geb. Israel (1864), Thekla Bruchsaler (1896), Rosa Cohn geb. Moch (1887), Josef David (1860), Fanny Haberer geb. Baum (1887), Leopold Kahn (1860), Lina Kahn (1894), Leopold Lederer (1889), Fanny Liebhold geb. Bergheimer (1885), Fanny Maier geb. Bergheimer (1889), Hermine Maier geb. Valfer (1879), Sara Marx (1875), Hermine Mayer (1879), David Moch (1893), Leopold Moch (1885), Bruno Nathan (1887), Lina Nathan geb. Kahn (1889), Flora Rosenbaum geb. Bruchsaler (1891), Gustav Rosenbaum (1879), Else Samuel geb. Lederer (1889), Lehmann Stein (1861), Augusta Valfer geb. Bensinger (1885), Gustav Valfer (1868), Max Valfer (1880), Samuel Valfer (1882), Clementine Weil (1887), Louis Weil (1875), Salomon Weil (1870), Simon Weil (1875), Mathilde Wertheimer geb. Stein (1862).
    
    
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte am Ort:  

Hebräische Inschriften sind in Kellerbogeninschriften der Häuser Strittmatt 10 ("Nathanael und Sarale") und Talstraße 35 ("Paul und Lea", mit segnenden Händen) Hinweise auf die ehemaligen jüdischen Besitzer. 

Im Roederschen Heimatmuseum (Philippshof) gibt es einzelne Erinnerungen an die jüdische Geschichte. So stammt ein Sandsteintürbogen, der sich in der Eingangstür zum Museum befindet, von einem ehemaligen jüdische Wohnhaus; die darin enthaltene Mesusa wird im Museum aufbewahrt. 
     
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Lehrstelle an der öffentlichen israelitischen Schule (1846 / 1852)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 29. Juli 1846 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die Lehrstelle an der, zur zweiten gesetzlichen Klasse gehörigen öffentlichen israelitischen Schule in Diersburg, Amtsbezirks Offenburg, mit welcher ein jährlicher Gehalt von 200 fl. nebst einer Dienstwohnung oder dem gesetzlichen Wertanschlage für solche, und einem Schulgelde von 1 fl. für jedes Schulkind verbunden ist, ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Bewerbungsgesuchen, nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1836, Regierungsblatt Nr. 38, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, durch die betreffende Großherzogliche Bezirksschulvisitatur, bei der Großherzoglichen evangelischen Bezirksschulvisitatur Lahr, binnen 6 Wochen sich zu melden."                  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 15. Mai 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  "Die Lehrstelle an der zur II. gesetzlichen Klasse gehörigen öffentlichen israelitischen Schule in Diersburg, Amtsbezirks Offenburg, mit welcher ein jährlicher Gehalt von 200 fl. nebst einer Dienstwohnung oder dem gesetzlichen Wertanschlage für solche, und einem Schulgelde von 1 fl. für jedes Schulkind verbunden ist, ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Bewerbungsgesuchen, nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1836, Regierungsblatt Nr. 38, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, durch die betreffende Großherzogliche Bezirksschulvisitatur, bei der Großherzoglichen evangelischen Bezirksschulvisitatur Lahr zu Dinglingen, binnen 6 Wochen sich zu melden."    

 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1891 / 1892 / 1893  

Diersburg Israelit 15011891.jpg (47332 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891"In der israelitischen Gemeinde Diersburg in Baden ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters zum 1. März dieses Jahres neu zu besetzen. Gehalt 600 Mark, Nebeneinkünfte 3-400 Mark nebst freier Dienstwohnung. Meldungen sind bis Mitte Februar an die unterzeichnete Stelle zu richten. 
Schmieheim (Baden), im Januar 1891. Großherzogliche Bezirks-Synagoge. Dr. M. Rawicz." 
 
Diersburg Israelit 04081892.jpg (51434 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1892:  "In der israelitischen Gemeinde Diersburg (Baden) ist die Stelle eines Schächters, Kantors und Lehrers sofort zu besetzen. Das Fixum beträgt 600 Mark, die Nebeneinkünfte belaufen sich auf 350 Mark nebst freier Dienstwohnung. Ledige Bewerber wollen sich alsbald an den Unterzeichneten wenden. 
Schmieheim (Baden), 2. August 1892. Großherzogliche Bezirks-Synagoge: Dr. M. Rawicz." 
 
Diersburg Israelit 28081893.jpg (49619 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1893"In der israelitischen Gemeinde Diersburg (statt: Duisburg) ist die Stelle eines Vorsängers, Schächters und Religionslehrers wieder zu besetzen. Gehalt 700 Mark, Nebeneinkünfte 3-400 Mark nebst freier Dienstwohnung. Meldungen sind sofort an den Unterzeichneten zu richten, da womöglich noch bis zu den hohen Feiertagen die Stelle besetzt werden soll. 
Offenburg (Baden), 16. August 1893. Die Bezirks-Synagoge: Dr. M. Rawicz." 

    
Zum Tod von Lehrer Jakob Oestreicher (1887)  

Diersburg Israelit 02061887.jpg (299823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1887: "Offenburg, 20. Mai (1887). Unsere einst groß und blühend gewesene jüdische Nachbargemeinde Diersburg ist seit einer Reihe von Jahren vom Schicksal leider schwer heimgesucht worden. Durch den Wegzug der meisten besser situierten Familien in die benachbarten Städte ist die Zahl der Kultusmitglieder bedeutend zusammengeschmolzen, wodurch die Aufbringung der Mittel zum Kultusaufwand für die paar Übriggebliebenen erschwer ist. Dazu kam, dass in jüngster Zeit einige Familien von Unglücksfällen schwer betroffen wurden.    
Doch den größten Schmerz verursachte der hart geprüften Gemeinde, das leider erfolgte Hinscheiden ihres hoch verdienten, allgemein geachteten und geliebten Lehrers Jakob Österreich – seligen Andenkens. Er war ein gerechter und frommer Mann, von ungeheuchelter Frömmigkeit, hervorragendem Charakter, strengster Rechtlichkeit und Pflichttreue, ausgezeichnet durch seine Geistes- und Herzensbildung.    
Trotz seines umfassenden talmudischen Wissens benützte er jede freie Zeit und Gelegenheit zur Erweiterung und Bereicherung desselben. Dabei besaß er aber auch immense Kenntnisse in den weltlichen Wissenschaften. Als Beweis seines nie rastenden Geistes, seines nicht zu stillenden Wissensdurstes will ich nur anführen, dass er noch in seinem 67. Lebensjahr anfing, sich dem Studium verschiedener orientalischer Sprachen mit regem Eifer und Erfolg hinzugeben. So war ihm das Lernen, das er bis zur Mitternachtsstunde fortzusetzen pflegte, eine Quelle reinster Freude. Seiner Gemeinde und insbesondere den seiner geschickten Leitung anvertrauten Schülern war er ein Muster edlen Wirkens und Strebens. Daher konnte er auch mit Befriedigung auf die von ihm zurückgelegte Lebensbahn blicken, in dem freudigen Bewusstsein, seine Dienste Gott und der Menschheit nach Kräften gewidmet zu haben, wofür ihm die Mit- und Nachwelt ein ehrendes Andenken bewahren wird.   
Der Tod erlöste ihn im Alter von 69 Jahren von einer schweren Krankheit und mit den Worten ‚in deine Hand übergebe ich meinen Geist’ (Psalm 31,6) hauchte er seine reine Seele aus.   
Durch seinen Tod verliert seine Gemeinde nicht nur ihren Lehrer, sondern auch ihren Mittel- und Haltpunkt, ja, wie dies mit Recht an seiner Bahre betont wurde, ihren Vater.   
Die Hochachtung und Verehrung, die der Verblichene genoss, die allgemeine Trauer und Teilnahme, die sein Tod hervorrief, kam in vollem Maße durch die zahlreiche Leichenbegleitung seitens der Glaubens und Nichtglaubensgenossen zum Ausdruck. Unter Letzteren befanden sich auch der protestantische Ortsgeistliche und sämtliche Lehrer, die beseelt vom Geiste wahrer Menschenliebe und Toleranz gegen Andersgläubige, durch ihr Erscheinen den Toten, zugleich aber auch sich selbst ehrten.  
Vor dem Trauerhause schilderte unser verehrter Bezirksrabbiner Herr Dr. Rawicz in meisterhafter Rede die hohen Eigenschaften, Tugenden, Verdienste, sowie die außerordentliche Bescheidenheit des Heimgegangenen und am grabe widmete ihm der Einsender Dieses einige Worte der Anerkennung und des Schmerzes. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.    
Möge der Allgütige, den in tiefe Trauer versetzten 6 Töchtern und 3 Söhnen des Edlen Trost und Beruhigung gewähren, und von der nun verwaisten Gemeinde ferneres Ungemach abwenden.  J. Baer, Lehrer."

  
Anzeige von Lehrer Dav. Mos. Mannheim (1891)  

Diersburg Israelit 14051891.jpg (54929 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "’Eines Mannes Red’ ist keine Red’ – Man muss sie hören alle beed.’ Meine Privatklage gegen den Vorstand der Israelitischen Gemeinde Dornheim ist zwar auf Wunsch der Gemeinde Diersburg und auf Veranlassung des Präsidenten am Großherzoglich Hessischen Schöffengericht Groß-Gerau unter der Bedingung des in Nr. 34 und 35 dieses Blattes enthaltenen Widerrufes zurückgezogen worden; da die Sache jedoch nicht vielfach in Dunkel gehüllt ist, so erkläre ich mich hierdurch gerne bereit, auf Wunsch meinen Freunden, Bekannten, sowie sonstigen Interessenten wahrheitsgetreue Aufklärung zu geben. David. Mos. Mannheim, Lehrer in Diersburg (Baden)."

    
Lehrer Heller wirbt für seine Schülerpension (1900)     

Diersburg Israelit 20081900.jpg (40086 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1900: "Luftkurort 
Diersburg, Baden.
 
Bei dem Unterzeichneten können Schüler, welche während der Sommerferien Landaufenthalt wünschen, gute und billige Pension, als auch Nachhilfeunterricht erhalten. 
M. Heller, Lehrer, Diersburg, Baden."   

  
Auszeichnung des Großherzoglichen Oberrates für die Witwe von Lehrer Hermann Berg (1913)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Januar 1913: "Karlsruhe. Vom Großherzoglichen Oberrat wurden folgenden Damen aus der Michel Weil-Stiftung Tugendpreise von je 400 Mark verliehen: Maier Auerbacher Witwe in Kippenheim, der Witwe von Religionslehrer Hermann Berg in Diersburg und der Witwe von Siegmund Bloch in Gailingen. Ferner wurden für zwei Witwen die Kosten der mehrwöchigen Unterbringung je eines Kindes im Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dürrheim übernommen.   
Bezirksältester Gabriel Karlsruher in Ittlingen erhielt den Verdienstorden des Zähringer Löwen und Synagogenrat Salomon Rosenstiel in Schmieheim das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen in Gold."            

 
Beitrag von Lehrer Moses Schloß "Der jüdische Lehrerberuf und die Schechitah" (1926)   

Anmerkung (Angaben auf Grund der intensiven Recherchen von Wolfgang Schönfeld, Flehingen 2012): Lehrer Moses Schloß ist am 14. August 1871 in Külsheim geboren. Er war verheiratet mit Lea geb. Wechsler, die am 13. Juni 1870 im oberfränkischen Aschbach geboren ist. Moses Schloß war Mitte der 1920er-Jahre Lehrer in Diersburg, bis er Anfang 1932 (Angaben des Ortsarchives Flehingen - Melderegister) nach Flehingen wechselte. Er war der letzte Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde in Flehingen. Am 10. Juli 1940 verließ er Flehingen (Angabe des Ortsarchives Flehingen), um mit seiner Frau in das jüdische Altersheim ("Friedrichsheim") in Gailingen zu ziehen. Von hier wurden Moses und Lea Schloß am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Konzentrationslager Gurs deportiert. Ein Gedenkblatt bei Yad Vashem ist zu Moses Schloss vorhanden, allerdings keine Eintragung im Gedenkbuch des Bundesarchives. Nach weiteren Recherchen von Wolfgang Schönfeld (Auskunft vom 19.3.2012) befand sich Moses Schloss im Februar 1943 in einem "Heim für alte Männer" im Département Corrèze (Link). Im März 1943 kam das Ehepaar Schloss vom Lager Nexon (Haute Vienne) in ein Altersheim nach Cornil (Dep. Corrèze), wo sie bis Kriegsende untergebracht waren. Lea Schloss starb am 11. September 1945. Moses Schloss verließ Cornil im Mai 1946. Er starb am 15. Dezember 1946 in Périgueux und wurde im israelitischen Teil des Cimetière de l'Ouest beigesetzt.   
Diersburg Israelit 25111926.jpg (293820 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1926: "Der jüdische Lehrerberuf und die Schechitah
Von M. Schloß, Lehrer in Diersburg (Baden). 
Nicht über den Beruf des jüdischen Lehrers an sich will ich mich auslassen, sondern über die Schechitoh, welche in Deutschland in der Regel von den Religionslehrern mit versehen wird; ein heikles Thema, dessen Behandlung jedoch nur der Hebung des heiligen Berufes des Schochet dienen soll. 
   
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Diersburg Israelit 25111926a.jpg (169546 Byte)   

  
Stellungnahme zum Beitrag von Lehrer Moses Schloß über "Der jüdische Lehrerberuf und die Schechitah" (1926)  

Diersburg Israelit 02121926.jpg (274148 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1926: "Der jüdische Lehrerberuf und die Schechitah. Aus Hessen. Herr Kollege Schloß – Diersburg (Baden) hat unter obigem Titel in der vorigen Nummer von ‚Erziehung und Lehre’ eine Angelegenheit behandelt, die der Beachtung weitester Kreise wert ist. Er hat damit den Finger auf eine Wunde am Körper des deutschen Judentums gelegt, für deren Heilung einzutreten unabweisbare Pflicht der jüdischen Öffentlichkeit ist. Wie Kollege Schloß bereits ausgeführt, ist es in der Hauptsache in den Mittel- und Kleingemeinden vielfach üblich, dass die Schechita von unwürdigen Personen aufgeübt wird. Das ist aber nicht nur der Fall in Landschaften, in denen man die Einrichtung von Bezirksrabbinaten nicht kennt, sondern auch in Gegenden, wo die Landgemeinden in religiöser Fürsorge von Rabbinern betreut werden… 
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Beitrag von Lehrer Moses Schloß über "Der Lehrer in den Kleingemeinden" (1927)  

Diersburg Israelit 07071927.jpg (274739 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1927: "Der Lehrer in den Kleingemeinden
Eine ernste Betrachtung von Lehrer Schloß in Diersburg. 
Ein bekannter Führer unserer Gemeindeverbände nennt unsere Landgemeinden das Reservoir, aus dessen lebendigem Quell jüdisches Leben den Großgemeinden zufließen soll. Die meisten Lehrer von Landgemeinden werden sich jener Behauptung nicht anschließen können, und zwar deshalb, weil im Großen und Ganzen das Land schön lange nicht mehr jene Stätte ist, wo jüdisches Leben pulsiert. Das Land hat bereits aufgehört, sich für Judentum und Lehre zu begeistern, seine religiösen Pulse schlagen fast nicht mehr. Ich spreche nicht von jenen bereits entvölkerten Gemeinden, wo kein Minjan mehr zu finden ist, vielmehr noch von jenen anderen, wo das numerische Leben noch nicht entwichen ist. Heute stellen die Großgemeinden jene Zentren dar, wo die jüdische Jugend sich um ihre religiösen Führer scharte, wo jüdische Lehrhäuser nicht mehr eine Seltenheit, wo bereits jüdisches Leben aus alten Ruinen erblüht. Wir Lehrer auf dem Lande blicken unter traurigem Empfinden auf jenes neue Leben, das wir leider nicht mehr entfachen können, blicken ratlos nach allen Seiten, weil fast keine helfende Hand sich uns Klagenden auf zerfallenen Tempelmauern entgegenstreckt. Die religiöse Not in ihrem vollen Umfang zu schildern ist meine Feder kaum imstande. Von Tora-Lernen kann im Großen und Ganzen nicht mehr gesprochen werden; die Tora hat bereits ihre Zugkraft verloren. Die wenigen vorhandenen Alten wissen noch, was sie in ihrer Jugend gelernt haben, kennen noch die üblichen Minhagim und Gebräuche und verstehen noch einen Bibelvers zu übersetzen; die Überlieferung hat ihnen diesen kleinen Überrest alter Größe belassen. Die Judend steht der heiligen lehre und der Überlieferung skeptisch gegenüber, meist beten sie nicht, legen auch keine Tefilin mehr. Und jüdische Gemeinden ohne Lehre sind unfehlbar dem religiösen Untergang geweiht, es fehlt eben die Begeisterung, die der Jehudi zum Leben braucht. Kein Wunder, dass selbst am Schabbat das nötige Minjan nur schwer zusammen kommt. Die meisten wissen fast nichts mehr von der täglichen Gebetordnung, wissen nichts von einem gewöhnlichen oder ausgezeichneten Schabbat, wissen nicht, ob 3 oder mehr Leute zur Tora gerufen werden.  Viele gehen nur in die Synagoge, um dort zu warten – bis sie wieder aus ist! Dieses ist die Signatur fast aller süddeutschen land- und Kleingemeinden. In Norddeutschland sieht es darin zum Teil noch trauriger aus. Gegen diesen drohenden Verfall ist der jüdische Lehrer fastmachtlos, hier hilft kein Schiur-(Lehr-)Vortrag, hier kein religiöser Eifer und keine Energie des Lehrers; er ist dem gleichen Schicksal verfallen, wie einst Aron, der das goldene Kalb gegen seinen Willen aufstellen musste. Zudem zieht man immer noch einen religiös unwissenden Parneß einem Lehrer vor; der erste regiert, und der Lehrer vegetiert immer noch im Niphal – als passiver Gemeindebeamter.   
Mit innerer Befriedigung las ich von den Verhandlungen des bayerischen Gemeindeverbandes, dass Herr Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth – Kitzingen vorschlug, dass die Herren Rabbiner mehr denn früher die Landgemeinden durch Predigten und Vorträge, beleben sollen. Die Stunden des obligatorischen Religionsunterrichts sind viel zu wenig. Nicht drei Stunden wöchentlich  genügen zu einem ersprießlichen Toraunterricht; täglich 3-4 Stunden müssen es sein, wenn die Grundlage für spätere Zeiten gegeben sein soll.  Wo bleibt der Keren Hathora? Hier wäre sein Platz: Man gibt Tausende fürs Ausland, warum nicht auch für unsere Landgemeinden? Schaut die Sifre Tora nach und bessert sie aus usw.! Ein großes Feld, um im Sinne unserer Tora zu wirken! Gründet Lehrhäuser, helfet uns Lehrern, unsere gesunkenen Gemeinden aufzurufen!!!"

  
Beitrag von Lehrer Moses Schloß über "Die Autorität des Thoralehrers" (1928)  

Diersburg Israelit 08031928.jpg (160531 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1928: "Die Autorität des Thoralehrers. Von Lehrer Schloß in Diersburg (Baden). Die Ehrfurcht des Schülers vor seinem Rabbi, seinem Lehrer in der Thora wurde unserem Volke an vielen, vielen Stellen unserer heiligen Schrift vor Augen geführt, sie wurde uns in den strengsten Vorschriften derselben und in verschiedenen Ausdrücken ans Herz gelegt. Denn nur auf dem ethischen Gesetz der Hoch- und Wertschätzung seines Lehrers und der Ehrfurcht vor demselben kann eine Überlieferung und eine Verpflanzung unserer Tora verbürgt werden. Schon der erste Satz in den Pirkei Awot, in den Sprüchen der Väter, gibt einen Hinweis für diese wichtige Tatsache (hebräisch und deutsch:) 'Moses empfing die Tora vom Sinai und überlieferte sie dem Josua, Josua den Ältesten des Volkes und diese den Propheten. Die Propheten überlieferten sie den Männern der großen Synode, welche folgende drei Grundsätze aufstellten: 1. Seid behutsam im Richtersprucht! (in der religiösen Entscheidung). 2. Stellet viele Schüler auf. 3. Machet einen Zaun um die Tora!'  
1. Viele Schüler sind notwendig, um eine Verbreitung unseres heiligsten Kleinods, der Tora in unseren Reihen zu sichern. 2. Eine richterliche religiöse Entscheidung kann nur dann überall gefällt werden, wenn viele Toragelehrten vorhanden sind, welche durch ihr eingehendes Torastudium dazu befähigt werden, derartige wichtige Urteile über Mein und Dein, über Sein und Nichtsein zu fällen.         
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Lehrvortrag von Lehrer Moses Schloß zum Tora-Abschnitt Kiduschim (1928)  

Diersburg Israelit 03051928.jpg (564076 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1928:  
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Beitrag von Lehrer Moses Schloß über "Wir und die Schechito" (1929)  

Diersburg Israelit 14021929.jpg (229275 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1929: 
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Beitrag von Lehrer Moses Schloß über "Der Schüler soll in erster Reihe hebräisch beten lernen!" (1930)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1930:   
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Diersburg Israelit 24041930a.jpg (351783 Byte)   

 
Beitrag von Lehrer Moses Schloss über "Das Gebet im Sinne der religiösen Erziehung" (1930)    

Diersburg Israelit 17071930.jpg (389597 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1930:  
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Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für die in große Not geratenen Familien der Brüder Valfer (1887)  

Diersburg Israelit 12051887.jpg (105702 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1887: "Diersburg bei Offenburg in Baden. Ein ergreifender Unglücksfall hat seit einigen Wochen unsere kleine Gemeinde in Trauer und Schrecken versetzt. Zwei Gebrüder Valfer, bisher durch ihre Religiosität und Wohltätigkeit weithin bekannt, kamen unvermutet in zerrüttete Vermögensverhältnisse, und hat sich der eine Bruder aus Verzweiflung erschossen, während der andere zurzeit zu einem Erwerb unfähig ist. Infolge dessen sehen die beiden Frauen, deren jede sechs kleine Kinder hat, bitterer Not entgegen und sind die, deren Schwelle bisher von keinem Armen hungernd verlassen worden war und an deren Mitleid sich nie ein hiesiger Armer in seiner Not vergebens gewendet hatte, nun selbst genötigt, milde Gaben anzunehmen.   
Wohl noch nie war jüdische Wohltätigkeit mehr am Platze und bittet daher der hiesige Synagogenrat edle Menschenfreunde, an ihn milde Gaben zu senden.  Der Synagogenrat: Samuel Bruchsaler. 
Wir sind bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiter zu befördern. Die Expedition des ‚Israelit’."

  
Spenden für die Familien Valfer in Diersburg (1887)   
Anmerkung: es gingen noch weitere Spenden ein, die nachstehende Anzeige ist eine von mehreren Quittierungen von Spenden. 

Diersburg Israelit 14071887.jpg (29088 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1887: "Für die zwei unglücklichen Familien Valfer in Diersburg
Anonym 5 Mark. N.L. in Sch. 5 Mark.  New-York (Amerika) J. Gideon 5 Mark. 

   
Öffentlicher Dank für die Spenden für die beiden Familien Valfer
(1887) 

Sulzburg Israelit 18081887.jpg (76388 Byte)Artikel in der Zeitschrift  "Der Israelit" vom 18.8.1887: "Öffentlicher Dank. 
Für die beiden Familien Valfer gingen in Folge unseres Aufrufs in Nr. 37 dieses Blattes ein durch die Herren Lehrer Levi und Synagogenrat Simon Bloch in Rheinbischofsheim, Mark 57,39, Dr. Steckelmacher in Mannheim Mark 55, Nathan Weil in Kippenheim Mark 50, Gustav Weil dasselbst Mark 24, Dr. Salvendi in Dürkheim Mark 15, M. J. Stern in Mainstockheim Mark 12.20, D. Strauß in Königheim Mark 9, Dr. Koref in Hanau von Herz Levi Mark 4.80, Lehrer Neu daselbst Mark 2.30, ungenannt in Neustadt (Hannover) Mark 3, Adolf Moos in Gailingen Mark 2, zusammen Mark 240,60. 
Dafür sprechen wir den edlen Spendern, sowie der Verehrlichen Redaktion dieses Blattes für die Aufrufsannahme den herzlichsten Dank aus.
Sulzburg (oder besser Diersburg??), 14. August 1887. Der Synagogenrat: Samuel Bruchsaler."  

 
Spendenaufruf für die durch ein Unwetter heimgesuchte Gemeinde Diersburg (1896)   

Diersburg Israelit 13071896.jpg (110274 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1896: "Wie durch Zeitungsbericht bereits bekannt geworden, ist unsere arme Gemeinde am 5. vorigen Monats durch ein über eine halbe Stunde andauerndes Hagelwetter furchtbar heimgesucht worden. Die Reben, die gerade in diesem Jahre zu besonderen Hoffnungen berechtigten, sind mindestens zwei Jahre, vielfach durch Bodenabschwemmung auf längere Zeit ertragsunfähig geworden. Die Frucht ist größtenteils zerschlagen und die Leute auf längere Zeit brotlos. Nach vorläufiger Schützung beträgt der Schaden, den unsere 200 durchweg unbemittelten Bürger zu tragen haben, mindestens 250.000 Mark. 
Angesichts dieses großen Unglücks, das unsere israelitische Gemeinde sowohl wie unsere gutgesinnten Mitbürger betroffen hat, wage ich es, die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen anzurufen. 
Diersburg (Baden), 9. Juli 1896.  Heinrich Bruchsaler, Vorsteher der israelitischen Gemeinde.  
Auch die Expedition ist gerne bereit, Gaben unter 1890 in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern."   

  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
Zum Tod von Hannchen Lehmann (1891)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1891: "Offenburg (Baden), 6. April (1891). Vergangenen Samstag starb in hiesiger Nähe eine brave, allgemein geachtete Frau, die fast das 86. Lebensjahr erreicht hatte. Es war dies Frau Hannchen Lehmann von Diersburg. Viele Verwandte und Bekannte aus Nah und Fern strömten herbei, um der Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleit zu geben. An der Nahre sprach Herr Lehrer David Mannheimer - Diersburg in einer ergreifenden Rede über das Leben der Verstorbenen, ihre guten Eigenschaften und Vorzüge beleuchtend, unter denen echte Religiosität im allgemeinen und Wohltätigkeit gegen Arme und Hilfsbedürftige im besonderen hervorzuheben waren. Die Verblichene wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben; möge ihr auch im Jenseits die Gnade Gottes zuteil werden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
Zum Tod von Marx Kahn (1902)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1902: "Diersburg (Baden). Am 3. dieses Monats wurde hier ein Mann beerdigt namens Marx Kahn aus Offenburg, der vor ca. 10 Jahren von hier verzogen war. Seinem Wunsche, an der Ruhestätte seiner Eltern begraben zu werden, wurde entsprochen. Eine zahlreiche Versammlung aus Nah und Fern war herbeigeeilt, um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Am Grabe gedachte Herr Rabbiner Dr. Rawicz aus Offenburg seiner Verdienste und schilderte denselben als einen frommen, strebsamen Mann. Auf Veranlassung des Synagogenvorstandes erwähnte Herr Lehrer Helle und zeichnete in treffenden Worten, wie der Verstorbene stets für das Wohl der hiesigen israelitischen Gemeinde arbeitet und freiwillig zur Kultussteuer seinen Beitrag entrichtete. Auch erwähnte der Redner, dass derselbe ein Kohen war und er es verstanden hat, an den hohen Feiertagen alle Andächtigen zur Gottesfurcht zu entflammen. Die hohen Feiertage verbrachte er stets in Diersburg, da er von den Neuerungen in seinem Wohnorte nichts wissen möchten. Man konnte auf ihn den Vers anwesenden (hebräisch und deutsch) 'öffne deine Hand und gib es den Armen', auch seine früh verstorbene Frau war sehr wohltätig, denn es ging nie ein Armer leer aus ihrem Hause. Die Söhne des Verschiedenen stifteten zum Andenken ihrer so geliebten Eltern einen Betrag für ein Kaddisch, das alljährlich hier gesprochen werden soll.   
Möge der Allgütige den Hinterbliebenen Trost spenden und die Seele des Heimgegangenen aufnehmen in den Bund der Lebendigen zum ewigen Leben."   

    
Über den Botaniker Isaak Blum (1833-1903)  

Diersburg IsBlumStr 01.jpg (21001 Byte)Isaak Blum (geb. 1833 in Diersburg (Haus Strittmatt 6), gest. 1903 in Frankfurt): nach Besuch von Schulen in Schirrhofen/Elsass (Toraschule), Breisach (Höhere Schule) und Karlsruhe (Lehrerseminar) war er Lehrer in Karlsruhe, ab 1865 im Philanthropin in Frankfurt (1860 ordentliche Anstellung am Philanthropin mit den Lehrfächern Französisch, Naturwissenschaft, Turnen). 1868 Mitglied der Senckenbergischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, 1871 für zwei Jahresperioden Ester Direktor. Besondere Verdienste auf dem Gebiet der Botanik mit zahlreichen Veröffentlichungen. Die Gemeinde Diersburg benannte 2005 eine Straße nach Isaak Blum (Foto links: U. Schellinger) 

  
Zum 70. Geburtstag des Gemeindevorstehers Heinrich Bruchsaler (1925)  

Diersburg Israelit 04061925.jpg (103031 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1925: "Diersburg (Baden), 26. Mai (1925). Unser sehr verehrter Vorsteher, Herr Heinrich Bruchsaler, beging am 20. Mai seinen 70. Geburtstag und zugleich das Jubiläum seiner 30-jährigen Tätigkeit als Vorstand der hiesigen Gemeinde. Viel hat ihm seine Gemeinde zu danken. Wenn diese kleine Gemeinde heute noch ihre Institutionen besitzt und noch einen beamten hat, so verdankte sie es nur ihrem jetzigen Vorsteher, der sein Amt zur Ehre Gottes verwaltet und dessen sorgen und Trachten darauf gerichtet ist, jüdischen und religiösen Geist in seiner Gemeinde zu erhalten, damit in dieser noch religiöses Leben pulsiert. Der Friede untereinander und das Verhältnis der einzelnen Mitglieder zueinander ist ein inniges, musterhaftes. Das verdanken wir in erster Reihe unserem lieben Vorsteher, dessen doppeltes Jubiläum am verflossenen Schabbos bamidbor in der herrlich geschmückten Synagoge besonders gefeiert wurde. Der Synagogenrat überreichte dem Jubilar einen schönen silbernen Pokal und eine Ehrenurkunde. Am Sonntag darauf wurde im engeren Kreise der Gemeinde und geladenen auswärtigen Gästen im ‚Badischen Hof’ der verehrte Jubilar nochmals gebührend gewürdigt, seine Verdienste um die Gemeinde besonders hervorgehoben. Dabei fehlte der hiesige Bürgermeister nicht. Auch die Herren Vorsteher aus Offenburg und Friesenheim waren zugegen. Toaste und Reden würzten den herrlichen Abend. Möge der Jubilar bis 100 Jahre noch zur Ehre Gottes wirken! 

   
Zum Tod von Herz Bloch (1926)  

Diersburg Israelit 18051926.jpg (56285 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1926: "Diersburg (Baden), 21. April (1926).  … starb … dahier das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herz Bloch im gesegneten Alter von 95 Jahren. Er war ein wahrhaft religiöser Mann, eine Zierde unserer Gemeinde, aller Menschen Ratgeber und Freund. Kein Wunder, dass er hier allgemein geschätzt und geliebt wurde. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung für diesen wahrhaft frommen Mann. Noch im vorigen Jahre trat er als Hilfsvorbeter an den Ehrfurchtgebietenden Tagen ein, die Gebete mit inniger Andacht vortragen. Sein Andenken bleibe in unserer Gemeinde ein gesegnetes; möge er bei Gott ein rechter Fürsprecher und Dolmetsch für uns sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zum Tod von Friedrich Maier (1929) 

Diersburg Israelit 19121929.jpg (51910 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1929: "Offenburg, 9. Dezember (1929). Mit Friedrich Maier ging ein Mann des guten Namens im vollen Sinne des Wortes von dannen. Er stammte aus dem benachbarten Diersburg und er hatte in dieser alterwürdigen Gemeinde Gottesfurcht und Wahrheit von Jugend auf in sich aufgenommen. 32 Jahre lang versah er in hiesiger Gemeinde das Amt eines Synagogendieners mit Liebe und Hingebung bis zu seinem Tode. Seine Kinder erzog er zu achtbaren Menschen, die überall zur Zierde gereichen. Möge Gott die Trauernden trösten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

       
   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Hinweis auf das streng koschere Hotel "Badischer Hof" in Diersburg (1893)  

Diersburg Israelit 03071893.jpg (63083 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1893: "Diersburg (badischer Schwarzwald). Jedes Jahr besuchen jüdische Familien den badischen Schwarzwald und ist am sämtlichen Plätzen wie zum Beispiel in Hornberg, Triberg etc. ein jüdisches Hotel nicht zu treffen.  
Um denselben Gelegenheit zu geben, koscher zu leben, ist in Diersburg, 3/4 Stunden von den Stationen Ortenberg und Niederschopfheim entfernt, sehr schön gelegen, rings mit Wald umgeben und mit sehr schönen, neu angelegten Wegen eine jüdische Restauration errichtet worden.  
Jedes Jahr sind Couranten da und nimmt deren Zahl immer zu, und ist also jedem Jehudi, der streng koscher leben will, Hotel Badischer Hof, Diersburg bestens zu empfehlen."    

    
Werbung für das Hotel "Badischer Hof" von Julius Valfer (1928)   

Diersburg Israelit 14061928.jpg (36508 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1928: 
"Diersburg bei Offenburg (Schwarzwald). 
Jüdische Kurgäste können sich hier in unserem idyllischen Walddorf gut erholen. 
Rituelle volle Pension Mark 4.50. 
Julius Valfer zum Badischen Hof."   

   
   
   
       

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge    
    
Das jüdische Wohngebiet befand sich zunächst im Bereich des Philippshofes an der Straße nach Oberschopfheim, getrennt von den christlichen Häusern. Nach 1793 wurden jüdische Häuser vor allem in der "Strittmatt" (sogenannte "Judenstadt") östlich des Gasthauses "Zum Hirschen" erbaut. Die "Judenstadt" blieb bis 1940 der Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Diersburg. Doch wohnten im 19./20. Jahrhundert einige jüdische Familien auch im Vorderdorf, wenige im Fuchsbühl, keine im Hinterdorf. 
       
Bereits in den 1740er-Jahren war die Zehnzahl der zum Gottesdienst nötigen jüdischen Männer am Ort erreicht. In der Judenordnung von 1759 wird erstmals eine "Synagoge" genannt, "die den Juden allhier erlaubt worden". "Solange diese Erlaubnis dauern wird", musste jeder jüdische Haushalt hierfür jährlich zwei Gulden an die Herrschaft entrichten. Der Judenvorsteher war von dieser Abgabe befreit. Wo diese erste Synagoge genau stand, ist nicht bekannt, vermutlich im Bereich der "Judenstadt", da sie bei der Aufteilung dieses Areals erwähnt wird. Nach der Überlieferung der Diersburger Juden handelte es sich um ein kleines und einfaches Gebäude. 
   
Nachdem die Zahl der jüdischen Einwohner gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Jahr zu Jahr zunahm, bemühte sich die jüdische Gemeinde um den Neubau einer Synagoge. Aus dem Jahr 1799 ist ein Vertrag mit dem Maurermeister Michael Link aus Zunsweier (heute: Stadtteil von Offenburg) über den Bau einer Synagoge um 1.600 Gulden erhalten, der allerdings nicht nur Ausführung kam. Am 12. Januar 1801 wurde ein neuer Akkord mit dem Zimmermeister Johann Benz in Seelbach um 1.700 Gulden abgeschlossen, der bestimmte, dass der Bau noch 1801 schlüsselfertig zu übergeben sei. 1801 konnte dann offensichtlich auch der Neubau eingeweiht werden.
Die neue Synagoge wurde als Fachwerkbau aus Eichenholz errichtet. Es handelte sich um ein unauffälliges Gebäude, dessen Architektur es äußerlich nicht als Sakralbau auswies. Es passte sich den umliegenden Wohn- und Ökonomiegebäuden an. Im Gegensatz zum schlichten Äußeren gab es im Inneren einen relativ hohen Betsaal, der durch ein blau-weißes Oberlicht eine feierliche Atmosphäre erhielt. Für die Frauen lag an der Westseite eine Empore, die durch eine Außentreppe zugänglich war. Bis in die 1930er-Jahre war der Betsaal ganz traditionell eingerichtet mit dem erhöhten Almemor in der Mitte des Raumes. Sitzbänke aus braungestrichenem Holz standen entlang der Wände, davor waren die in vielen anderen Orten längst verschwundenen Betpulte. Im einfach gehaltenen Toraschrein an der Ostwand wurden sieben Torarollen aufbewahrt. Rechts und links des Toraschreines waren zwei größere Tafeln mit Gebeten für den Landesfürsten angebracht, rechts in hebräisch, links in deutscher Sprache. In diesem Gebetstext war noch um 1930 der Name des letzten badischen Großherzogs Friedrich II. zu lesen.       
   
Aus der Synagogengeschichte liegen nur wenige Berichte vor. 1906 erfahrt man von der feierlichen Weihe einer von Gustav Kahn gestifteten Torarolle:         
            
Feierliche Weihe einer gestifteten Torarolle (1906)  

Diersburg FrfIsrFambl 16111906.jpg (48375 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. November 1906: "Diersburg (Baden). Herr Gustav Kahn - Straßburg, ein Sohn unserer Stadt, hatte der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Torarolle gestiftet, deren feierliche Weihe unter Teilnahme fast der gesamten Bevölkerung erfolgt; unter anderem wohnten die Herren Oberst von Roeder, Freiherr von Reischach mit ihren Gattinnen, Bürgermeister und Gemeinderäte dem Festzuge und Festgottesdienst bei. Die Festpredigt hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Rawicz auf Offenburg."   
    
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. November 1906: "Diersburg (Baden). Jüngst fand hier eine Toraeinweihung statt und verlief in glänzender Weise. Von Nah und Fern waren Gäste herbeigeströmt, um an dem seltenen Feste teilzunehmen. - Der Zug bewegte sich vom Hause des Stifters durch den Ort und von da aus in die festlich geschmückte Synagoge; es beteiligten sich an dem Festzug nicht nur Israeliten, sondern auch der Bürgermeister, sowie Gemeinderatsmitglieder und noch viele christliche Einwohner. Auch die Herrschaften Freiherr von Röde rund Gemahlin, sowie Baron von Reischach und Schwester beteiligten sich an dem Festzug und Gottesdienst. Herr Bezirksrabbiner Dr. Rawicz aus Offenburg hielt in der Synagoge eine wohl durchdachte Predigt. Herr Kantor Bruchsaler aus Bühl (ein gebürtiger Diersburger) leitete abwechselnd mit Herrn Lehrer Heller, hier, den Hauptgottesdienst und wurde dabei von dem Synagogenchor in vollendeter Weise unterstützt. - Das Bankett begann 1 1/2 Uhr in dem neu erbauten Saale zum badischen Hof mit abwechselnden Toasten. - Die israelitische Gemeinde kann mit Stolz auf dieses schöne Fest zurückblicken."     

Auf Grund der zurückgehenden Zahl der jüdischen Gemeindeglieder war es gegen Ende der 1920er-Jahre bereits sehr schwierig geworden, die Zehnzahl der zum Gottesdienst nötigen Männer zusammenzubekommen. Als schließlich nur noch acht jüdische Männer in Diersburg lebten, half man sich damit dass die zum Minjan fehlenden Männer aus der Friesenheimer jüdischen Gemeinde zum Gottesdienst nach Diersburg kamen. Der dortige Tierarzt Dr. Dreifuß hatte damals schon ein Auto und brachte die anderen meist mit. Wenn kein Minjan vorhanden war, wurden in der Synagoge die Gebete von jedem still für sich gehalten.  
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge insbesondere von SA- und SS-Leuten aus Offenburg vollkommen zerstört. Am frühen Morgen des 10. November brachen sie die Synagogentür auf. Das gesamte Mobiliar wie Gebetspulte, Toraschrein und der Almemor wurde zerschlagen und innerhalb des Synagogengebäudes mit den Torarollen und anderen Kultgegenständen auf einen Haufen geworfen und angezündet. Das Gebäude selbst wurde nicht abgebrannt (nach einem Bericht nur "ausgebrannt"), da das Feuer hätte leicht auf die Nachbarhäuser übergreifen können. Am 1. Juni 1939 forderte der Kreisleiter der NSDAP von der Gemeinde Diersburg den Abbruch des Synagogengebäudes auf Kosten der jüdischen Gemeinde. Da diese jedoch nicht in der Lage war, die Renovierungs- beziehungsweise die Abbruchkosten zu tragen, verkaufte sie das Gebäude an einen örtlichen Schreiner für 800 RM. Der Vertrag wurde am 24. Oktober 1940, zwei Tage nach der Deportation der Juden, beim Offenburger Notariat für rechtskräftig erklärt und protokolliert. In den 1950er-Jahren war das ehemalige Synagogengebäude inzwischen in sehr baufälligem Zustand. 1956 brach die Decke herunter, worauf Schreinermeister Bertold Herrmann, dem das Gebäude gemeinsam mit seinem Bruder gehörte, die ehemalige Synagoge weitgehend abgebrochen und auf dem alten Grundriss ein neues Schreinereigebäude erstellt hat.  

In dem 1956 baulich stark veränderten Gebäude befindet sich noch heute eine Schreinerei.    
       
        
Fotos / Plan 
Historische Fotos:
(Quelle: alle historischen Aufnahmen in: Diersburg. Die Geschichte einer jüdischen Landgemeinde. s. Lit.) 

Diersburg Plan 001.jpg (65868 Byte) Diersburg Synagoge 005.jpg (50522 Byte) Diersburg Synagoge 004.jpg (95820 Byte)
Plan von Diersburg mit den 
jüdischen Einrichtungen
Innenraum 
der Synagoge
Dasselbe - andere 
Perspektive
     
   Diersburg Synagoge 006.jpg (51822 Byte) Diersburg Synagoge 002.jpg (114623 Byte)
   Sofie Bruchsaler mit Enkel 
vor der Synagoge sitzend
Der Eingang zur Frauenempore 
der Synagoge


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1985
(Foto: Hahn)
Diersburg Synagoge 010.jpg (61607 Byte)   
  Von der ehemaligen Synagoge sind nach
 den Umbauten Ende der 1950er-Jahre 
nur noch die Grundmauern erhalten
  
     
Fotos 2003 
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 1.9.2003)
Diersburg Synagoge 152.jpg (58682 Byte) Diersburg Synagoge 151.jpg (46923 Byte)
  Gebäude mit den restlichen Mauern der ehemaligen Synagoge
    
Diersburg Synagoge 153.jpg (64125 Byte) Diersburg Synagoge 150.jpg (53617 Byte)
Inschrift am Gebäude gegenüber der Synagoge (jüdisches Schulhaus). 
Hebräisch übersetzt: "Es naht sich die Zeit unserer Befreiung und unserer Erlösung"
 mit hebräischer Jahreszahl für 1826
dass. wie oben  
  
   
Die ehemalige Mikwe vor dem Abbruch 
(um 1985)
(schwarzweiße Fotos: R. Basler, Offenburg)
Fotos des Grundstückes und des Inschriftensteines von 2004 
(Farbfotos: J. Krüger, Karlsruhe)
Diersburg Mikwe 005.jpg (68737 Byte)
   Das Gebäude der Mikwe oberhalb 
des Mühlbachs in Diersburg
   
Diersburg Mikwe 010.jpg (45105 Byte) Diersburg Mikwe 006.jpg (117429 Byte)  Diersburg Mikwe 011.jpg (49547 Byte)
Standort der Mikwe 2004 Inschriftenstein übersetzt: "Ich werde auf euch reine Wasser gießen, auf dass ihr rein
 werdet; von allen Unreinigkeiten und Beschmutzungen werde ich euch reinigen
 (Hesekiel 36,25). Eine gottesfürchtige Frau soll gerühmt werden (Sprüche 31.30)"
  
   

  
Text
e  

Beschreibung der Diersburger Synagoge durch den katholischen Pfarrer Hermann Romer, der sich dabei auf Informationen des damaligen Synagogendieners Maier Maier stützte (abgedruckt in Diersburg. Die Geschichte einer jüdischen Landgemeinde s. Lit. S. 123ff).
"Die Synagoge selbst ist innen ein würdiger, wirkungsvoller Raum. Durch das blau-weiße Oberlicht erhält der hohe Raum eine feierliche Stimmung, die durch die peinliche Sauberkeit noch bedeutend hervorgehoben wird. Ringsum an den Wänden sind Sitzbänke aus braungestrichenem Holz. Etwa einen Meter davor sind Betpulte, von denen jetzt etwa 20 von männlichen Angehörigen der jüdischen Gemeinde besetzt werden könnten. 
Mitten im Raum steht, einige Stufen erhöht, ein hölzernes Gerüst, ähnlich einer Kanzel. Hier liest der den Gottesdienst Leitende den Abschnitt aus der Tora.
Die Tora selbst, das Heiligtum der Juden, ist eingeschlossen auf der nach Osten liegenden Vorderseite des Raumes. Der Kasten für die Torarollen hat ungefähr Schrankgröße. Den Schlüssel verwahrt der Kantor. Vor der Doppeltüre hängt ein bunt gewirkter Vorhang. Über ihm sind an einer Querstange kleine rundförmige Wappenfähnlein, fünf Stück. Die drei mittleren zeigen Kronen: die Krone der Schrift, des Priestertums und des jüdischen Reiches.
Im Schrank befinden sich sieben Rollen, die nach Vorschrift auf Pergament geschrieben sind und abwechselnd vorgelesen werden. Jede einzelne Torarolle ist in ein besonderes Kleid eingehüllt, das in beliebiger Farbe mehr oder weniger kostbar gerichtet ist. Die Juden legen ihren Stolz darein, schön geschriebene Torarollen in kostbaren Umhüllungen zu besitzen. Die neueste Toraumhüllung, ist gestiftet von Siegfried Mayer in rostbraunen Plüsiesamt mit aufgestickter Goldkrone mit dem Namen des Stifters. Die Rollen sind je auf zwei künstlerisch verzierte Hölzer gewickelt.
Der in hiesiger Synagoge stehende Leuchter ist von ganz einfacher Form - zwei Arme mit je vier elektrischen Birnen (was würde wohl Moses dazu sagen?) und eine Birne in der Mitte. Links und rechts von der Treppe, die zum Toraschrank führt, eine kleine Balustrade, die primitive Kerzenhalter trägt, hierhin werden am Versöhnungstag die Kerzen gestellt. Oben über dem Schrank mit der Tora sind zwei Gesetzestafeln angebracht. Jedoch weisen sie nicht wie in unserer Kirche, bloß die Gesetzestafeln auf, sie enthalten hebräische Buchstaben und Wörter. Oben ebenfalls rechts und links vom Schrank sind zwei größere Tafeln mit Gebeten für den Landesfürsten - rechts in hebräisch - links in deutscher Sprache. Besonders eingetragen ist in der Schrift der Name des letzten Großherzogs Friedrich II."  
 
Ergänzend zu dieser Beschreibung einige Zeilen aus einem Bericht von Bertold Herrmann, der das Synagogengebäude nach 1945 gemeinsam mit seinem Bruder erwarb: 
"Der Synagogenbau war ein eingeschossiger Fachwerkbau aus Eichenholz, der geweißelt war. Er ist aber im Inneren hoch gewesen, hoch wie eine Kirche. Vor der Eingangstüre zur Synagoge war ein Vorraum gebaut, der sogenannte 'Vortempel'. Über den Vortempel führte eine Treppe hinauf ins Dachgeschoss. Dort befand sich eine Empore..., die allein den Frauen vorbehalten war. Dafür durften aber die Frauen den unteren Synagogenraum nicht benutzen. Die Frauenempore hat sich in der Zeit, die mir noch in Erinnerung ist, nicht 'arg rentiert', da höchstens an hohen Festtagen drei bis vier Frauen die Synagoge besuchten. Die Frau des letzten Judenlehrers und die des Vorbeters Schloß sind noch regelmäßig am Sabbat zur Synagoge gegangen... 
Als Kinder haben wir gelegentlich durch die Fenster dem Gottesdienst zugeschaut, weil wir neugierig waren. Die Juden haben das aber selbstverständlicherweise nicht gerne gehabt.
...In der letzten Zeit, in der Juden in Diersburg lebten, waren nur noch acht jüdische Männer im Dorf. Man half sich (zum Synagogengottesdienst) damit, dass die zur Anzahl Zehn fehlenden Männer aus der Friesenheimer jüdischer Gemeinde zum Gottesdienst nach Diersburg kamen. Der jüdische Tierarzt Dr. Dreifuß aus Friesenheim hatte damals schon ein Auto und brachte die anderen meist mit. Konnten keine zehn religionsmündige Männer zusammenkommen, wurden in der Synagoge die Gebete von jedem still für sich gehalten...".  

   
   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

September 2010: Auf den Spuren der jüdischen Geschichte durch Diersburg  
Artikel von Renate Tebbel in der "Badischen Zeitung" vom 7. September 2010 (Artikel): 
"Der erste Jude kam aus Schmieheim
Am Europäischen Tag der jüdischen Kultur führt Gisela Stoffel durch die Geschichte von Diersburg. 
HOHBERG-DIERSBURG
. Es gibt viele Spuren jüdischen Lebens in der Gemeinde Diersburg, das hat eine Führung durch Gisela Stoffel vom Historischen Verein Hohberg am Sonntag deutlich gemacht.
Rund 30 Personen waren gekommen, um am Europäischen Tag der jüdischen Kultur mehr über das Leben der Juden in Diersburg zu erfahren. Vor rund 200 Jahren machte die jüdische Bevölkerung mit 273 Personen etwa ein Viertel der Einwohner aus, führte Gisela Stoffel in das Thema ein. Begonnen habe es im Jahr 1737, als sich Levi Meyer aus Schmieheim in Diersburg ansiedelte. Warum überhaupt Juden nach Diersburg kamen? Die Referentin erklärte den historischen Hintergrund: Die Grundherrschaft der Familie Roeder von Diersburg hatte das kaiserliche Privileg, sogenannte Schutzjuden in ihr Herrschaftsgebiet zu holen. Das hatte nicht nur humane, sondern auch "fiskale Gründe", denn die Juden mussten dem Baron Schutzgeld zahlen, bei Ereignissen wie Hochzeit, Beerdigung oder Kindstaufe war ein Zins fällig. Bevor man nun aber die Nase rümpfe über diese Art der Steuereintreibung, solle man doch mal an heute denken, die Steuer in unserer Zeit sei ja auch sehr hoch, meinte Gisela Stoffel.
Die ersten Juden kamen also aus Schmieheim und dem Elsass, siedelten zunächst in der Nähe der Grundherrschaft auf dem Philippshof bis im Gebiet der heutigen Strittmatt zehn Häuser gekauft wurden. "Es gab aber kein Ghetto", betonte Gisela Stoffel. Die Gemeinde hatte eine Synagoge und eine jüdische Schule, bereits im Jahr 1766 wird ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter fungierte. An der Talstraße war das rituelle Bad, die Mikwe. Zwar gibt es die Mikwe nicht mehr, aber der Originalstein mit seinem Segensspruch konnte gerettet werden und ist an der Bachmauer aufgestellt. Eine Kopie dieses Steins steht an der Offenburger Mikwe.
Der Jüdische Friedhof Diersburg ist ein schützenswertes Kulturdenkmal. 
"Diersburg ist ein ganz toller Ort", schwärmte die frühere Vorsitzende des Historischen Vereins, die im Jahr 2000 eine Arbeit über den jüdischen Friedhof in Diersburg vorlegte. "Als Zugezogene hat mich das Thema besonders interessiert." Wo sonst gebe es vier Friedhöfe, einen evangelischen, einen katholischen Friedhof, dazu einen jüdischen und den Baronschen Friedhof. Der Jüdische Friedhof mit seinen mehr als 200 Grabsteinen ist ein schützenswertes Kulturdenkmal. Die Toten der jüdischen Gemeinde Diersburg wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof Schmieheim beigesetzt, zeitweise auch auf dem jüdischen Friedhof Offenburg. 1773 wurde auf Betreiben von Josef Bruchsal ein eigener Friedhof an der Bachstraße errichtet. Der älteste Grabstein ist von 1773, die letzte Bestattung fand 1936 statt.
Neben vier Friedhöfen hatte Diersburg auch drei Gasthäuser, die Linde für die evangelischen, den "Hirsch" für die katholischen Bürger und den Badischen Hof für die jüdische Gemeinde. Die Namensgebung "Badischer Hof" kommt nicht von ungefähr, erklärte Stoffel. Baden gehörte zu den wenigen Gebieten, die im Jahre 1862 das Emanzipationsgesetz vollständig durchsetzten. Damit waren die Juden den anderen Bürgern gleichgestellt und konnten ihren Wohnsitz selbst bestimmen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren dann auch viele jüdische Familien nach Offenburg oder in andere größere Städte gezogen, zu der Zeit sank die Zahl der jüdischen Einwohner auf weniger als hundert. Die Juden lebten vor allem vom Handel, denn sie durften den Zünften nicht beitreten und Handwerksberufe blieben ihnen verwehrt.
Das Miteinander der jüdischen und der christlichen Bevölkerung beschrieb Gisela Stoffel als einvernehmlich, da habe es zwischen evangelischen und katholischen Bürgern ebenso viele oder sogar noch mehr Probleme gegeben. Für die Diersburger Bevölkerung habe die Anwesenheit der Juden viel Gutes gehabt: Am Sonntag gingen die Frauen zu den jüdischen Händlern, suchten sich Stoffe oder Schuhe aus, die dann in der Woche geliefert wurden. Es habe auch "Nothändler" gegeben, die in einem Bauchladen ihre Ware anboten. Im Jahre 1933 lebten noch 26 jüdische Personen am Ort. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört, die männlichen Juden wurden verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Die letzten elf in Diersburg lebenden jüdischen Personen wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. "Gut, dass es den europäischen Tag der jüdischen Kultur gibt", sagte eine jüngere Teilnehmerin aus Hofweier, sie habe auf den Spuren jüdischen Lebens eine ganz neue Welt kennen gelernt. "Was für eine Bereicherung!" "    
 
  

   
    

Links und Literatur 

Links:  

Website der Gemeinde Hohberg   
Seite zum jüdischen Friedhof in Diersburg (interner Link)    
Einige Quellen zur jüdischen Geschichte (zusammengestellt von Franz Müller, Offenburg)  

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Diersburg 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Diersburg sind vorhanden im Staatsarchiv Freiburg:  
L 10 Nr. 3664  Diersburg  Israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1813 - 1868  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-489937    
L 10 Nr. 3665  Diersburg  Israelitische Gemeinde: Heiratsbuch 1813 - 1869   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-489938    
L 10 Nr. 3666  Diersburg  Israelitische Gemeinde: Sterbebuch 1813 - 1869    http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-489939      

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 66-67.  
"Die Juden in Diersburg", in: Heimatbuch Hohberg-Diersburg S. 56-65.  
Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof von Diersburg, in: Die Ortenau 65 (1985) S.364-377. Zugänglich über "Freiburger historische Bestände - digital" der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Ortenau 65. Jahresband 1985.  
Separat eingestellt der Beitrag von Bamberger als pdf-Datei.   
Diersburg Buch 001.jpg (51291 Byte)Historischer Verein Mittelbaden - Mitgliedergruppe Hohberg (Hrsg.): Diersburg. Die Geschichte einer jüdischen Landgemeinde 1738-1940. Haigerloch 2000. (Verlag Medien und Dialog)
Uwe Schellinger: Aus einer "anderen Welt": Der jüdische Bäcker von Diersburg. Bilder aus dem Ortenauer Landjudentum. Dr. Kurt S. Maier zum 75. Geburtstag. In: Geroldsecker Land. Jahrbuch einer Landschaft. Heft 48 2006 S. 141-152.
zu Isaac Blum: ders.: Vom Land in die Stadt, oder: Vom Talmud zur Kreuzotter. Leben und Wirken des jüdischen Gelehrten Isaak Blum (1833-1903) aus Diersburg. In: Diersburg. Die Geschichte einer jüdischen Landgemeinde s.o. S. 200-208. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 216-217.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Diersburg  Baden. Jews were apparently present by the Thirty Years War (1618-48). An organized community was formed in the later 18th century. The Jewish population grew to a peak of 225 in 1842 (20 % of the total) and played a central role in the town's economy, with not a few working the land. After emancipation, the Jewish population began to dwindle (many going to nearby Strasbourg), falling to 26 in 1933. By 1938, all Jewish businesses were liquidated and nine Jews had emigrated. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and all Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Of those remaining, 11 were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940.  
  
     

                   
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Stand: 13. Februar 2016