Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schirrhofen (Dep. Bas-Rhin / Alsace / Unterelsass) 
Synagogue / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeiner Artikel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus der Geschichte der Rabbiner     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  

 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
    
In Schirrhoffen bestand eine jüdische Gemeinde bis in Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre Entstehung geht in das 18. Jahrhundert zurück. Seit 1723 war Juden die Niederlassung erlaubt. 1784 wurden 27 jüdische Familien mit 127 Personen gezählt.
  
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Schirrhoffen zu einer der bedeutendsten Gemeinden der Region Bas-Rhin. Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder entwickelte sich wie folgt: 1807 184 jüdische Einwohner,  1841 445 jüdische Einwohner (von insgesamt 645 Einwohnern), 1851 409, 1866 427, 1880 342, 1900 188.  Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder insbesondere durch Auswanderung nach Amerika, weniger durch Abwanderung in die Stadt zurück. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und seit 1881 ein eigener Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren ein Rabbiner und ein Lehrer angestellt, die auch die Vorbeterdienste übernahmen. 
   
Von 1815 bis 1910 war Schirrhoffen Rabbinatssitz. Unter den Rabbinern sind zu nennen: 
Rabbiner Aron Lazarus (Aron ben Elieser Schach; geb. 1786 in Mainbernheim als Sohn des Dajan Elieser ben Aron, Dajan in Mainbernheim, gest. 1854 in Schirrhofen): studierte in Lauterbourg; war seit April 1826 Rabbiner in Schirrhofen; eröffnete auch eine Jeschiwa, in der er seine Schüler auch in die Kabbala einführte.
Rabbiner Zacharie Lazarus (geb. 1829 in Schirrhofen als Sohn des o.g. Rabbiners Aron Lazarus, gest. 1897 in Westhoffen, Unterelsass): studierte 1847-1855 an der École rabbinque in Metz; 1855 bis 1872 Rabbiner in Schirrhoffen, seit 1872 Rabbiner in Westhoffen. 
Rabbiner Simon Lévy (geb. 1838 in Balbronn, gest. 1898 in Schirrhoffen): studierte in Metz und Paris; ab 1867 Rabbiner in Ingwiller, 1875 bis 1898 Rabbiner in Schirrhoffen.  
Rabbiner Félix Blum (geb. 1847 in Bischheim, gest. 1925 in Straßburg): studierte 1866-72 an der École rabbinique in Paris; 1873 bis 1875 Rabbiner in Schirrhofen, ab 1875 in Fegersheim ab 1886 in Phalsbourg, Lothringen; um/vor 1890/91 in Brumath, 1899 in Mulhouse. 1922 in den Ruhestand nach Straßburg.  
- Rabbiner Dr. Zacharias Wolff (geb. 1840/41 in Pfungstadt, gest. 1915 in Straßburg): studierte in Gießen, Würzburg und Berlin; 1867 bis 1882 Lehrer und Prediger der Gemeinde Biblis und Direktor der dort von ihm gegründeten israelitischen Bürgerschule; seit 1882 Direktor der Rabbinervorbereitungsschule in Colmar; 1899 bis 1902 Rabbiner in Schirrhoffen (Bericht zu seiner Amtseinführung 1899 unten bei der Geschichte der Synagoge), danach nach Bischheim berufen.   
- Rabbiner Dr. Sylvain Lehmann (geb. 1875 in Guebwiller, gest. 1938 in Bischwiller): studierte in Colmar und Berlin; nach 1902 Rabbiner in Schirrhoffen-Bischwiller; 1910 wurde das Rabbinat nach Bischwiller verlegt, wo er bis 1938 amtierte. Zunächst gab er noch wöchentlich Religionsunterricht in Schirrhofen.. 
   
Aus der Gemeinde stammte u.a. der Schriftsteller Alexandre Weill (1811-1899). Auf Grund der zeitweise weit mehr als die Hälfte der Einwohner umfassenden Zahl der jüdischen Einwohner gab es mehrfach jüdische Bürgermeister des Ortes: 1846 bis 1864 Levy, 1864 bis 1884 Weil, 1884 bis 1905 Simon Heymann (siehe Bericht unten) und 1905 bis 1907 Salomon Kahn (1832-1907).   
  
1905 gehörten der jüdischen Gemeinde noch 188 Personen an, 1910 83, 1912 50, von denen die meisten jedoch innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte vom Ort verzogen. Die letzten jüdischen Einwohner wurden in der NS-Zeit deportiert.
  
Von den in Schirrhofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Henriette Strauss geb. Kahn (1870).
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde             
    
Allgemeiner Artikel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (1911)  

Schirrhofen AZJ 28071911.jpg (149467 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juli 1911: "Straßburg im Elsass, 21. Juli (1911). Traurig mutet es an, wenn man die Kultusgemeinde Schirrhofen betrachtet, die vor noch nicht so langer Zeit zu den größten Landgemeinden des Elsass gehörte und heute in die Reihe der kleinsten eingerückt ist. Wie rasch die Abnahme geschah, mögen folgende Zahlen beweisen. Im Jahre 1866 hatte diese Gemeinde die Höchstzahl von 427 jüdischen Seelen erreicht, 1880 wohnten hier noch 342, - 1900 noch 188, 1910 noch 83 Juden, und in diesem Jahre wird die Zahl auf 50 herabsinken. Der Hauptgrund dieses Rückgangs liegt nicht, wie in anderen Orten, in der Landflucht, sondern in der Auswanderung der jungen Leute nach Amerika. Von der Geschichte der Juden in Schirrhofen berichtet August Kocher aus Herrlisheim Unterelsass folgendes: 'Schon frühzeitig hatte Schirrhofen eine Judengemeinde. Im Jahre 1730 besaßen sie hier eine Synagoge. Im Jahr 1778 befanden sich hier 26 Judenfamilien. Die Zählung vom 10. Juli 1784 ergab 27 Familien mit 127 Personen. 1807 hatte Schirrhofen 184 Judenpersonen. Den 10. Mai 1811 wurde hier Abraham (Alexander) Weill geboren, der sich durch mehrere literarische Werke auszeichnete. Er starb in Paris den 19. April 1899. 1818 wurde in Schirrhofen die heutige Synagoge erbaut. Im Jahre 1851 zählte der Ort 409 Juden. Wie sich diese Zahl in den folgenden Jahren änderte, ist oben bemerkt worden. 1881 erhielten sie einen eigenen Friedhof, vorher wurden sie in Hagenau begraben. Schirrhofen ist seit 1820 Sitz eines Rabbiners'. Damit schließt die Ausführung Kochers in seinem 1907 erschienenen Bändchen. Wie bekannt, ist seither der Rabbinatssitz nach Bischweiler verlegt worden. Interessant ist noch zu bemerken, dass die Bevölkerung dieses Ortes lange Zeit fast nur aus Juden bestand, weshalb natürlich die meisten Mitglieder des Gemeinderats und der Bürgermeister Juden waren. Folgende jüdische Ortsvorstände amtierten hier: 1846 bis 1864 Levy, 1864 bis 1884 Weil, 1884 bis 1905 Simon Heymann und 1905 bis 1907 Salomon Kahn. Heute sind die Juden nur noch durch ein Mitglied: Moritz Bloch, im Gemeinderat vertreten."     

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 

Ausschreibung der Lehrerstelle (1872)   

Schirrhofen Israelit 17011872.jpg (36941 Byte)Ausschreibung der Stelle in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1872: "Lehrerstelle. Die israelitische Lehrerstelle in Schirrhofen, im Kreise Hagenau (Elsass), welche ein Einkommen von ca. 1.600 Franken und Wohnung hat, ist zu vergeben. Bewerber, die außer dem deutschen auch hebräischen Unterricht zu erteilen haben, wollen ihr Gesuch mit Zeugnissen der Mairie in Schirrhofen einreichen. Engler, Schulinspektor."   
Auf die Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Lehrer Joseph Levi, der in der Gemeinde bis 1896 blieb.  

    
Pensionierung von Lehrer Joseph Levi (1896)  

Schirrhofen Israelit 07051896.jpg (48526 Byte)Artikel in "Der Israelit" vom 7.5.1896: "Schirrhofen im Elsass, 29. April. Der sehr beliebte und allgemein geachtete Lehrer und Sekretär des Bürgermeisteramtes Herr Joseph Levi von hier, ließ sich aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand versetzen. In den hiesigen Zeitungen finden wir folgende Notiz über ihn. 'Unser Lehrer, Herr Joseph Levi ist in Folge von Krankheit pensioniert wurden. Seine Majestät der Kaiser haben allergnädigst ihm das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen geruht. Herr Levi war seit dem 1. Mai 1872 in Schirrhofen tätig und hat die Mehrzahl der hiesigen Einwohner ausgebildet. Er war ein braver, pflichttreuer Lehrer und freuen wir uns über die ihm von Allerhöchster Stelle gewordene Auszeichnung. Er hat seinen Wohnsitz nach Hagenau verlegt, wo seine Tochter verheiratet ist. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht viele Jahre bei guter Gesundheit seine wohlverdiente Pension zu genießen."

 
Ehrenzeichen für Lehrer Levi 1896  

Schirrhofen AZJ 15051896.jpg (15178 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1896: "Der Lehrer und Sekretär des Bürgermeisteramts in Schirrhofen Joseph Levi hat anlässlich seiner Pensionierung das allgemeine Ehrenzeichen erhalten."    

   
   
Aus der Geschichte der Rabbiner
   
Als Rabbiner am Ort wird Felix Blum eingeführt (1873)
     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1873: "Schirhofen (Elsass), im März (1873). Am 17. Februar wurde hier ein neuer Rabbiner, Herr Felix Blum, ein Schüler des Rabbinerseminars von Paris, in Gegenwart des Großrabbiners von Straßburg, des Kreisdirektors, des Bürgermeisters und anderer Honoratioren, installiert. Es werden in Kurzem noch andere Besetzungen vakanter Rabbinersitze in Elsass-Lothringen vor sich gehen. Man sieht hieraus, dass die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden im neuen Reichslande durchaus nicht den gefährlichen Charakter angenommen haben, den man von Frankreich aus vorausgesagt, und wahrscheinlich auch gewünscht hat. Die Gemeinden haben durch Auswanderung in ihrem Bestande durchaus nicht gelitten, ihre Institutionen sind sorgfältig aufrecht erhalten worden, und die deutsche Regierung lässt ihnen alle Pflege zukommen, die sie nach dem Gesetze beanspruchen können."    

     
  Zum Tod von Rabbiner Simon Levy (1898)  

Schirrhofen AZJ 14101898.jpg (24413 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Oktober 1898: "In Schirrhofen im Elsass ist am 2. dieses Monats der Rabbiner Simon Levy, ein gelehrter und frommer Mann, ein treuer Freund unseres Blattes, im 60. Lebensjahr gestorben. Friede seinem Andenken!"

        
Ernennung von Rabbiner Dr. Sylvain Lehmann zum Rabbiner in Schirrhofen (1902)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1902: "Die von dem israelitischen Bezirkskonsistorium vorgenommenen Ernennungen der Rabbinatskandidaten Dr. Josef Bloch zum Rabbiner in Dambach, Dr. S. Lehmann zum Rabbiner in Schirrhofen, Camill Bloch zum Rabbiner in Sulz i.W. und Max Gugenheim zum Rabbiner in Quatzenheim sind seitens des Ministeriums für Elsass-Lothringen bestätigt worden."           

 
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
   
Steckbrief des Jakob Schirm aus Schirrhofen (1822)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 3. August 1822 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bekanntmachungen - Steckbrief. 
Am 26. vorigen Monats haben 3 Juden einen diesseitigen Amtsangehörigen und Bürger von Ehrenstetten, auf folgende Art um 100 große Thaler zu betrügen versucht. Zwei dieser Juden kamen ganz früh, gaben sich für Viehhändler aus, verlangten Vieh oder auch Pferde zu kaufen. Bald darauf kam ein dritter verkleideter Jude, welcher sich für einen Russen, und zwar für den Bedienten eines russischen Generals ausgab. Der letztere, welcher, die beiden erstern nicht zu kennen, sich verstellte, klagte sehr über Schmerzen an einem Fuß, stellte sich, als könne er nicht deutsch sprechen, tat sehr furchtsam, küsste dem Hauseigentümer, welcher betrogen werden sollte, fleißig die Hände, kniete vor ihm nieder, und rief öfters aus - Vater, Vater! nicht Kopf abhauen!  
Anfangs suchte dieser vorgebliche Russe eine silberne Sackuhr zu verkaufen, zeigte aber bald in einer kleinen Schachtel einige mit böhmischen Steinen besetzte Finger - und Ohrenringe, ein solches kleines Kreuz, und eine sogenannte venezianische Kette von Semilor.  
Die 2 Viehhändler kamen dazu, bewun-         
Schirrhofen Anzblatt Seekreis 03081822a.jpg (250243 Byte)derten diese Kostbarkeiten, behaupteten, dass sie von sehr großem Wert seien, sie schätzten zwei Ohrenringe und eine Fingerring aus wenigstens 8000 fl., und verlangten, der Bürger von Ehrenstetten solle diese Kostbarkeiten nicht mehr aus seinem Hause lassen, er solle sie kaufen, oder ihnen das benötigte Geld darleihen, damit die diesen kostbaren Schmuck kaufen können.   
Die 2 Viehhändler gaben nämlich vor, dass sie sehr viel Vieh erst kürzlich aufgekauft, und dafür all ihr Geld ausgelegt haben, dass sie aber bis den andern Tag eine beträchtliche Summe Geldes erhalten werden. Diese beiden boten nun dem Russen, welcher für die 2 Ihren und den Fingerring nebst der Kette 200 Rubel verlangte, 100 große Taler. Der Bürger von Ehrenstetten war entschlossen, den 2 Viehhändlern, welche er für reiche Leute hielt, die abverlangten 100 Thaler darzuleihen, und die Viehhändler wollten ihm dafür, bis zur Rückzahlung dieser Summe den gekauften Schmuck, jedoch wohl besiegelt, als Versatz zurücklassen. Aus dem Handel wurde aber nichts, weil die verlangten 100 große Thaler nicht aufgebracht werden konnten.   
Der verkappte Russe wollte von dem Hauseigentümer den Weg in den Wald gezeigt haben, dieser merkte Unrat, arretierte denselben mit zufälliger Hilfe, und brachte ihn gefänglich hier ein. - Die beiden anderen Juden aber entkamen und konnten bisher, der erlassenen Steckbriefe ungeachtet, nicht beigefangen werden.   
Bereits auf die nämliche Art, wie in Ehrenstetten, wurde am 29. Mai 1820 ein Bürger von Wihl um 346 fl. 36 kr., am 7. Juni 1820, ein Bürger von Hecklingen um 335 Gulden, und ein Bürger aus dem Kirchzartertal zu Ende November vorigen Jahres um 66 Gulden betrogen.   
Bei der heute mit dem am 26. vorigen Monats arretierten Juden - welche nach einem bei sich führenden Pass der Königlich Französischen Präfektur zu Straßburg vom 7. November vorigen Jahres Jakob Sturm heißt, und in Schirrhofen im Elsass bürgerlich sein soll - stattgehabten Konfrontation, haben die betrogenen von Wihl und aus dem Kirchzartertal diesen Jakob für den nämlichen anerkannt, welcher auch sie als verkleideter und angeblicher Russe ganz auf die nämliche Art, durch die nämliche Kunstgriffe und durch Spielung der nämlichen Komödie, betrogen habe, wie der Betrug in Ehrenstetten versucht worden.   
Da man nun erfahren, dass auch in mehreren anderen Orten ähnliche Betrügereien stattgefunden: so glaubt man diesen Vorfall umständlich zur allgemeinen Warnung öffentlich bekannt machen, und alle respektive Behörden bitten zu müssen, auf die, nebst dem arretierten Jakob Sturm - unter signa efierten zwei weiteren noch nicht beigefangenen Juden, welcher der Teilnahme an den stattgehabten und versuchten Betrügereien sehr stark beeinzüchtig sind, fahnden, auf Betreten arretieren, und anher einliefern zu wollen.  
Person-Beschrieb.  1. Der arretierten Jakob Sturm. Jakob Sturm von Schirrhofen im Elsass, niederrheinischen Departements, 49 Jahr alt, 5' 8" 2'" hoch, hat ein längliches schmales Gesicht, blasse Gesichtsfarbe, hohe Stirne, graue Augen, hellbraune, a la Titus geschnittene kurz Haare, und Augenbrauen von dieser Farbe, einen starken blonden Backenbart, oben und unten eine Zahnlücke, mittlern Mund spitziges Kinn, große Ohren, und ist von schlanker Statur.   
Als Jude trägt Jakob Sturm einen Frackrock von grünem Tuch, noch ganz gut, ein weiß und blaugestreiftes Gilet von Piquet, lange Hosen von hellblauem Nanquinette, kurze oder Halbstiefel, ein weiß und blaugestreiftes Halstuch von Mouselin, einen runden schwarzen Filzhut, und im rechten Ohr einen kleinen goldenen Ring.   
Als Russe ist derselbe gekleidet in einen wollenen gestrickten hellgrauen Tschopen mit dunkelgrauen bibernen Ärmeln sehr weit, weite Hosen von grauem Nanquinette, ziemlich schmutzig, eine Kappe von schwarzem Manchester mit einem Stulp von grauem Pelz, um diese Kappe war ein schwarzes Tuch gebunden, ebenso hatte er den Kopf noch besonders nur der Länge nach mit einem schwarzen Tuch verbunden, das Gilet war nicht sichtbar, die Stiefel wie oben.   
Schirrhofen Anzblatt Seekreis 03081822c.jpg (125050 Byte)Signalement. 2. Des größeren noch nicht arretierten Juden. 
Dessen Namen, und woher er sei, ist nicht bekannt. Er ist beiläufig 38 Jahre alt, 5' 9" groß, von besetzter starker Statur, jedoch nicht sehr dick, hat schwarze a la Titus geschnittene Haare, Augen und Augenbrauen von der nämlichen Farbe, einen starken Bart am Kinn, einen schwarzen in das Gesicht geschnittenen Backenbart, ein längliches gut gefärbtes Gesicht mit nur wenig Blatternarben, eine große gebogene Nase und auf der rechten Seite derselben ein Warze oder ein sehr merkbares sogenanntes Muttermal, auch einen etwas hohen Rücken.   
Derselbe trug am 26. vorigen Monats einen langen dunkelblauen Überrock mit Knöpfen von nämlichen Zeug, lange, dunkelblaue Hosen, ein weißes Gilet von Piquet mit kleinen roten Streifen, die Knöpfe ebenfalls vom nämlichen Zeug, ein weiß mouselinenes Halstuch, am Hemd einen aufgestülpten Kragen, weiße baumwollene Strümpfe, Schuhe mit Schnällelen und hohen Absätzen als Suverow und einen hohen feinen Kastorhut.   
Signalement 3. Des kleinen noch nicht arretierten Juden. 
Namen und Heimat sind ebenfalls nicht bekannt. Derselbe ist beiläufig 36 Jahre alt, 5' 5" groß, von mittlerer Status, hat schwarz braune als Titus geschnittene Haare, solche Augen und Augenbrauen, hohe Stirne, Mund und Nase gut proportioniert, ein wohlgefährbtes Gesicht, schwarzbraunen Bart, und Backenbart und gute Zähne. 
Derselbe trug einen dunkelblauen tüchenen Frackrock mit weißen metallenen Knöpfen, ein weißer Gilet von Piquet mit kleinen roten Streifen, dunkelgraue, biberne lange Hosen, ein weißes mouselines Halstuch, weiße baumwollene Strümpfe, Schnällelen-Schuh mit Absätzen als Suverow und einen hohen runden feinen Gut.  
Staufen, den 10. Juli 1822. Großherzoglich Badisches Bezirksamt. Martin."      

   
Zum Tod von Bürgermeister Simon Heymann (1905) 
    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1905: "Aus dem Elsass, 1. März (1905). In Schirrhofen starb am 27. Februar in seinem 81. Lebensjahre der Bürgermeister Simon Heymann. Er hatte dieses Ehrenamt seit 1881 ununterbrochen inne. Auch war er lange Jahre Präsident der israelitischen Gemeinde, aus deren Vorstand er vor kurzem ausschied, um sich ganz den Bürgermeistereigeschäften widmen zu können. Die Regierung verliert in ihm einen gewissenhaften, fleißigen Beamten, die Gemeinde einen jederzeit hilfsbereiten und zuvorkommenden Vorsteher."    

      
Erinnerung an die Heimat Schirrhofen in den USA - Grabstein für Julius Weill aus Schirrhofen in New Orleans (1875-1937)       
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.       

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans für das Ehepaar Weill: 
"Hier ruht WEILL  
Julius Weill  Feb. 4 1875 - Feb. 20 1937  
Born in Schirhofen Alsace  
Bertha Levy Weill  Feb 14 1889 - Aug. 29 1972  
Born in Marckolsheim Alsace  
Ihre Seelen seien eingebunden in den Bund des Lebens.
"       

   
 
 
   
Zur Geschichte der Synagoge             
    
Eine erste Synagoge wurde 1730 erbaut. Da sie zu klein war, erstellte die Gemeinde 1817/18 eine neue Synagoge, die im Herbst 1818 eingeweiht wurde. 1899 wurde sie umfassend renoviert, worüber ein Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vorliegt: 

Schirrhofen Israelit 28091899.jpg (74980 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1899: "Schirrhofen. Vor einigen Tagen konnte die israelitische Gemeinde ein Doppelfest feiern, nämlich die Wieder-Einweihung der neu restaurierten Synagoge, sowie die Amtseinführung des Herrn Dr. Wolf, des bewährten Leiters der eingegangenen Präparandenschule zu Kolmar. Von Nah und Fern waren neugierige zu dieser Feier herbeigeeilt. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren Rabbiner aus Zabern, Hagenau, Weißenburg, Buchsweiler, Lauterburg und Saarunion, welche fast alle ehemalige Schüler des Dr. Wolf sind. Als Vertreter der Regierung war anwesend Kreisdirektor Freiherr von Gagern aus Hagenau. Rabbiner Levy - Hagenau führte unsern neuen Rabbiner mit einem herzlichen Willkommen in sein Amt ein; er möchte Glück, Segen und Freude in seinem neuen Wirkungskreis finden. Mehrere Psalmen wurden von Kantor Weill abwechselnd mit dem Synagogenchor in schönster Weise vorgetragen. Darauf hielt Dr. Wolf seine Antrittsrede. Die Synagoge bildet jetzt eine Zierde der Gemeinde."   

Durch die Auswanderung der meisten jüdischen Einwohner konnten bereits in den 1920er-Jahren keine regelmäßigen Gottesdienste gefeiert werden. 1930 stand die Synagoge zum Verkauf, doch wurde dieser nochmals verschoben. 1945 ist sie bei den Kämpfen gegen Schluss des Krieges niedergebrannt. 1959 wurde die Ruine abgebrochen, das Synagogengrundstück verkauft. Auf diesem wurde ein Wohnhaus erbaut (Grundstück: 7, Rue des Huttes).   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   7 Rue des Huttes         
   
   
Fotos    

Historische Ansichten 
der Synagoge  
Schirrhofen Synagogue 02.jpg (44649 Byte) Schirrhofen Synagoge 010.jpg (45891 Byte)
  Die Synagoge in Schirrhofen  
   
Erinnerung an die jüdische 
Geschichte: die "Rue de Juifs"
Schirrhofen Rue des Juifs 01.jpg (54828 Byte) Schirrhofen Rue des Juifs 02.jpg (51165 Byte)
   Die "Rue de Juifs" (Judenstrasse) in Schirrhoffen, in der es jedoch keine Spuren 
der jüdischen Geschichte mehr zu entdecken gibt.

     
      

Links und Literatur   

Links:

Französische Informationsseite zur jüdischen Geschichte/Synagoge in Schirrhoffen  
Hinweis auf das Friedhofsverzeichnis von Schirrhoffen   
Private Website mit Informationen zur jüdischen Gemeinde Schirrhoffen (englisch)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Schirrhofen (interner Link)  

Literatur:  

Rose-Marie Vetter: À La Lisière de la Forêt: Schirrhein/Schirrhofen. Strasbourg 1995.  
Beitrag von Joë Friedemann: Alexandre Weill : un "hors-cadre" de la vie juive alsacienne au 19ème siècle. 1811- 1899:  hier anklicken (der Schriftsteller Alexandre Weill stammt aus Schirrhoffen)  

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Januar 2014