Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ingwiller (Ingweiler, Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte  /  Synagogue / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1604 Juden in der Stadt genannt. Am Ende des 17. Jahrhunderts waren es sechs jüdische Familien, 1784 38 Familien mit zusammen 195 Personen. 
      
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 250 jüdische Einwohner, 1846 486, 1861 399, 1866 409, 1900 343, 1910 310.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule (seit 1836 jüdische Konfessionsschule; im Gebäude neben der Synagoge), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Bouxwiller, nach 1945 zum Rabbinat Saverne.      
     
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sind zahlreiche Familien in größere Städte gezogen. 
  
1936 wurden noch 168 jüdische Einwohner in Ingwiller gezählt. Diejenigen, die in den folgen vier Jahren nicht den Ort verließen, wurden 1940 unter der deutschen Besatzung nach Südfrankreich deportiert. 
   
Von den in Ingwiller geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moise Baer (1866), Robert Bloch (1890), Emile Braun (1876), Eugenie Debre (1861), Esther (Estelle) Dublon geb. Uhry (1875), Blanche Franck (1888), Robert Gerst (1930), Margot Halbronn geb. Wolff (1913), Robert Isaac (1918), Laure (Laura) Job geb. Weiss (1881), Cecile Kahn geb. Uhry (1885), Adolphe Klein (1891), Emma Levy (1879), Mina Lévy geb. Meis (1884), Salomon Levy (1874), Isaac Loeb (1867), Marguerite Loeb (1899), Julie May geb. Meis (1903), Michel Metzger (1872), Julius Meyer (1890), Myriam (Mina) Meyer geb. Netter (1888), Fernand Reblaub (1903), Pierre Reblaub (1929), Sylvain Reblaub (1899), Emma Samuel (um 1890), Zélie (Celie) Samuel (1884), Alice Simon geb. Braun (1909), Sarah Stock geb. Metzger (1889), Gédéon Weil (1893), Henri Weil (um 1915), Fanny Wolf (1889), Clemence Wolff (um 1888), Fanny Wolff (1910), Maurice Wolff (1878), Berthe Wormser geb. Samuel (1882).                      
     
Nach 1945
kehrte ein Teil der Überlebenden zurück. 1969 hatte die jüdische Gemeinde etwa 100 Mitglieder. In der Folgezeit ging die Zahl der jüdischen EInwohner stark zurück.  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer       
Zum Tod des Lehrers A. Mayer, 1900/1901 Lehrer in Ingweiler

Ingweiler Israelit 14021901.jpg (70967 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901: "Ingweiler (Elsass), im Februar (1901). Ein imposanter Leichenzug bewegte sich am Mittwoch, den 31. Januar durch die Straßen unseres Städtchens dem jüdischen Friedhofe zu. Galt es doch unserem so jung verstorbenen Lehrer A. Meyer das letzte Geleite zu geben. Trotzdem er kaum ein Jahr in unserer Gemeinde gewirkt hatte, erfreute er sich doch der allgemeinen Liebe und Achtung. Seiner Bahre folgte die ganze jüdische Gemeinde und die Lehrer des Kantons Buchsweiler. Am Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Weill-Buchsweiler und Kreisschulinspektor Gasser - Zabern, welche beide das frühe Hinscheiden des braven Mannes und tüchtigen Lehrers beklagen.
Herr Meyer wurde nur 39 Jahre alt. Er hinterlässt eine trauernde Witwe mit vier unmündigen Kindern. Gott tröste sie!" 

    
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
   
Gründung eines Literaturvereines "Progressia" (1903)
   

Ingweiler Israelit 02041903.jpg (40797 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Ingweiler (Elsass). Ein neuer Literaturverein wurde vor einigen Wochen von unserer Jugend unter dem Namen 'Progressia' ins Leben gerufen. Unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Weill - Buchsweiler hat uns regelmäßige Vorträge zugesagt. Am ersten Vortragsabend sprach derselbe über 'Jüdisches Wissen überhaupt'."   

    
Zur Gründung eines jüdischen Handarbeitsvereins (1904) 
  

Ingweiler FrfIsrFambl 23121904.jpg (49232 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1904: "Ingweiler (Elsass). Nachahmenswert! In unserer Gemeinde hat sich eine Anzahl junger Damen zu einem Handarbeitsverein zu Gunsten der jüdischen Auswanderer aus dem Osten Europas zusammengefunden. Der Reinertrag wird dem Hilfskomitee für jüdische Auswanderer in Basel zur Verfügung gestellt werden. Zur Präsidentin wurde Fräulein Zelie Netter, zur Kassiererin Fräulein Irma Uhry gewählt." 

    
Gründung einer Ortsgruppe der Misrachi-Bewegung (1920)  

Ingweiler FrfIsrFambl 16011920.jpg (23905 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Januar 1920: "Aus der Misrachi-Bewegung. 
Ingweiler
. Hier hat sich mit Paul Loeb, Lucien Bloch und Benjamin Lemmel als Vorstand einer Ortsgruppe gebildet."   

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
 
Über den in seiner Kindheit und Jugendzeit in Ingwiller aufgewachsenen Lazare Isidor, Großrabbiner von Frankfurt (Artikel von 1888) 
   

Ingwiller AZJ 11101888.jpg (427038 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1888:  
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken          
Ingwiller AZJ 11101888a.jpg (425677 Byte)   

   
Zum Tod von Bankier Theodor Meyer (1904)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1904: "Ingweiler. Hier verstarb plötzlich Herr Bankier Theodor Meyer. Derselbe war eine allseitig beliebte und geachtete Persönlichkeit. Seit zwei Jahren war er Vorstand der hiesigen Gemeinde und Mitglied des Konsistoriums für das Unter-Elsass; außerdem gehörte er seit Jahren dem Gemeinderat an".  

        
Abraham Bloch und Joseph Weil werden bei den Gemeinderatswahlen als Gemeinderäte gewählt (1908)
   

Ingweiler usw FrfIsrFambl 10071908.jpg (84126 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juli 1908: "Straßburg. Die Gemeinderatswahlen haben auch eine stattliche Anzahl Juden in die Stadtparlamente gebracht. Wir verzeichneten in der vorwöchentlichen Nummer bereits eine Anzahl Namen. Es wurden ferner gewählt: 
Marc Blum, Max Frank und Fritz Meyer in Straßburg; Gilbert Meyer, Abraham Bloch und Joseph Weil in Ingweiler; David Levy in Dettweiler; Nathan Heller in Brumath; Leo Ginsburger in Uffheim; Dr. Leon Weill und Arthur Moch in Hagenau; Bernhard Baer und Leopold Klotz in Sulz u.W.; Achille gen. Elie Weil in Bollweiler; Jakob Schwab und Leon Bloch in Winzenheim; Adrian Bloch und Ferdinand Dreyfus in Mülhausen; Emil Weill in St. Ludwig; Salomon Heimerdinger und Emile Picard in Grussenheim; Silvani Beer und August Levy in Saarburg; Tuteur und Leiser in Metz; Leopold Blum und Julien Levy in Umlingen, Felix Barth in Forbach; Marcel Cahen und Levy Aron in Püttlingen."       

      
      
      

Zur Geschichte der Synagoge
         
   
1776 wird erstmals eine Synagoge genannt. 
  
1809
konnte die jüdische Gemeinde Ingwillers die Überreste des ehemaligen Schlosses der Grafen von Lichtenberg erwerben. Über den ehemaligen Kellerräumen errichtete sie 1822 ein Gebäude im Stil des 18. Jahrhunderts, von dem ein Teil als Betsaal diente. Erst im Jahre 1870 wurde das Gebäude zu einer Synagoge umgebaut (mit Einbau einer Frauenempore). 1891-92 wurde die Synagoge in westlicher Richtung vergrößert und 1903 mit einer Kupferkuppel ausgestattet. 
   
Im 2. Weltkrieg wurde die Synagoge unter der deutschen Besatzung von Nationalsozialisten geplündert. 
  
Nach 1945 konnte sie wieder restauriert und eröffnet werden. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:    Cour de Château, 67340 Ingwiller    
   
   

Fotos
(Neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.5.2004) 

Historische Ansichten 
Ingweiler Synagogue 75.jpg (57781 Byte) Ingweiler Synagogue 74.jpg (58395 Byte) Ingweiler Synagogue 78.jpg (60597 Byte)
Historische Ansichtskarte; rechts Ausschnittsvergrößerung: die Synagoge Karte mit Ansicht der Synagoge
   
Ingweiler Synagogue 76.jpg (78749 Byte) Ingweiler Synagogue 77.jpg (88044 Byte) Ingweiler Synagogue 79.jpg (57524 Byte)
Gesamtansichten von Ingwiller mit Eintragung des Standortes der Synagoge  
       
     
Neuere Fotos    
Ingwiller Rue des Juifs 100.jpg (54972 Byte) Ingwiller Rue des Juifs 101.jpg (71005 Byte)     
Erinnerung an die frühere jüdische Geschichte der Stadt: 
die "Judegass" (Rue des Juifs)
    
       
Ingwiller Synagogue 100.jpg (63452 Byte) Ingwiller Synagogue 101.jpg (64684 Byte) Ingwiller Synagogue 121.jpg (17954 Byte)
Die Synagoge in Ingwiller Drei Innenaufnahmen der Synagoge: 
hier anklicken
   

       

Besichtigung der 
Synagoge in Ingwiller bei der
 Jahrestagung der "Alemannia
 Judaica" am 30. Oktober 2011 
(Fotos: Hahn)  
Ingwiller Synagogue JT 335.jpg (143566 Byte) Ingwiller Synagogue JT 340.jpg (152689 Byte) Ingwiller Synagogue JT 336.jpg (126709 Byte)
   Auf dem Weg 
zur Synagoge
Die Synagoge von der Ostseite: links die beiden Eingänge (links zur
 Frauenempore, rechts Männereingang); auf dem rechten Foto 
ist die Nische des Toraschreines erkennbar 
  
       
Ingwiller Synagogue JT 337.jpg (158560 Byte) Ingwiller Synagogue JT 338.jpg (122698 Byte) Ingwiller Synagogue JT 339.jpg (79958 Byte) Ingwiller Synagogue JT 346.jpg (187837 Byte)
Begrüßung durch einen der derzeit nur wenigen jüdischen Einwohner
 Ingwillers mit Einführung in die Geschichte der Synagoge 
Historische Foto 
der Synagoge
Die Gruppe vor dem 
Aufgang zur Synagoge
       
Ingwiller Synagogue JT 342.jpg (185310 Byte) Ingwiller Synagogue JT 343.jpg (172830 Byte) Ingwiller Synagogue JT 344.jpg (156319 Byte) Ingwiller Synagogue JT 345.jpg (112352 Byte)
Im Garten erhalten: die früheren 
Toiletten zur Synagoge
Blick auf die Synagoge 
von Westen
Eingemauert: obere Teile des 
Toraschreins der alten Synagoge
Blick zur Kuppel mit 
einer alten Uhr 
  Das Foto oben in hoher Auflösung     
       
Ingwiller Synagogue JT 341.jpg (162611 Byte) Ingwiller Synagogue JT 347.jpg (242172 Byte) Ingwiller Synagogue JT 348.jpg (115676 Byte) Ingwiller Synagogue JT 349.jpg (128672 Byte)
Aufgang zur Synagoge mit eingemauerten Gebotstafeln  Eingang zum Betsaal mit Inschrift:
 "Dies ist das Tor zum Ewigen,
 Gerechte gehen durch es hinein"
 (Psalm 118,20)
Torarolle der jüdischen 
Gemeinde Ingwiller
 von 1956 
  
 
 
       
Ingwiller Synagogue JT 350.jpg (78041 Byte) Ingwiller Synagogue JT 351.jpg (107269 Byte) Ingwiller Synagogue JT 352.jpg (122516 Byte) Ingwiller Synagogue JT 353.jpg (180142 Byte)
Waschbecken 
vor dem Betsaal
Im Betsaal - oben ist die Frauenempore erkennbar  Einige der Torarollen im Toraschrein
   
       
Ingwiller Synagogue JT 354.jpg (135326 Byte) Ingwiller Synagogue JT 355.jpg (116490 Byte) Ingwiller Synagogue JT 356.jpg (122173 Byte) Ingwiller Synagogue JT 357.jpg (79573 Byte)
Torarolle der Gemeinde zur
 Erinnerung an die Opfer der Schoa
Die Torarolle ist mit einer Mappa (Torawimpel) eingewickelt
 (Wikipedia-Artikel)   
Beim Aufrollen 
einer Mappa
       
Ingwiller Synagogue JT 358.jpg (106671 Byte) Ingwiller Synagogue JT 359.jpg (109569 Byte) Ingwiller Synagogue JT 360.jpg (143120 Byte) Ingwiller Synagogue JT 361.jpg (117373 Byte)
Blick zum Toraschrein - im Vordergrund ein Chanukka-Leuchter Die Gruppe vor 
dem Toraschrein
Blasen eines 
Schofar
Tafel mit Namen der in der Shoa aus Ingwiller Umgekommen 
       
  Ingwiller Synagogue JT 362.jpg (140461 Byte)    
  Rückweg von der Synagoge    

  
     

Links und Literatur

Links: 

Informationen zu Ingwiller auf der Seite des "Office de Tourisme Pays de Hanau": hier anklicken  
Französische Informationsseite zur Synagoge in Ingwiller 
Beschreibung des Synagogengebäudes als Denkmal: hier anklicken  
Weitere Informationsseite zur jüdischen Geschichte und der Synagoge in Ingwiller (mit Fotos): hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Ingwiller (interner Link): hier anklicken 
Website des Ministère de la culture mit Informationen zur Synagoge in Ingwiller      

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992.  S. 31.87.    

       
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ingwiller (German Ingweiler) Bas-Rhin dist. The Jewish presence dates from 1604. At the end of the 17th century, there were six Jewish families. In 1784 there were 38 Jewish families (195 persons). From 1776 they maintained a synagogue. Half of the Jews in Ingwiller traded in livestock. In 1805, the Jewish population numbered 400, and peaked at 550 in the middle of the 19th century. A new synagogue was founded in 1822 and an elementary school in 1836. By the end of the 19th century there was a drop in population due to emigration. The Germans expelled the 166 Jews in Ingwiller to the south of France, together with the rest of Alsace-Lorraine Jews. Twelve Jews were deported to concentration camps. The synagogue was looted and the cemetery was destroyed. In 1969, the community consisted of fewer than 100 persons. 
  
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. September 2013