Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Alsfeld (Vogelsbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer/Vorbeter und der Schule     
Aufrufe zu Spenden für arme jüdische Gemeindeglieder  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   -  Persönlichkeiten  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Alsfeld bestand eine - vermutlich kleine - jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. 1359 wurde ein Haus, das früher dem Juden Kersancz gehörte, dem Arzt Sibold übergeben. Somit werden vor 1359 in Alsfeld jüdische Personen gelebt haben. Es ist anzunehmen, dass die Ansiedlung bereits vor 1348/49 erfolgte und mit der Judenverfolgung in der Pestzeit gewaltsam beendet wurde. Da Mitte des 15. Jahrhunderts ein Haus  "Judenschule" (Synagoge) genannt wird, kann auf eine jüdische Gemeinde in der Stadt geschlossen werden (trotz der späten Nennung dieser "Judenschule" vermutlich auch auf erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren). 
  
Im 17. Jahrhundert lebten nur vereinzelt Juden in der Stadt; 1721 wird ein Hofjude genannt. 
  
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es zunächst nur zwei jüdische Familien in Alsfeld. Durch Zuzug aus umliegenden Dörfern (u.a. Angenrod) vergrößerte sich die Zahl der jüdischen Einwohner auf 1828 61 und 1840 etwa 70 jüdische Einwohner, was den entschiedenen Widerstand antijüdischer Kreise in der Stadt hervorrief (siehe unten Artikel von 1842). Um 1840 wurde die "israelitische Religionsgemeinde" gegründet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1861 67 jüdische Einwohner (1,7 % von insgesamt 4.033 Einwohnern), 1871 73 (2,0 % von 3.612), 1880 178 (4,5 % von 3.973), 1895 213 (5,3 % von 3.975), 1910 252 (5,0 % von 5.001).
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (bis 1826 drei private rituelle Bäder, danach ein Badehäuschen der jüdischen Gemeinde) sowie seit 1877 ein eigener Friedhof (Beisetzungen zuvor im Friedhof Angenrod). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An jüdischen Lehrern sind insbesondere zu nennen: um 1860 Lehrer Steinberger (genannt bei einer Lehrerkonferenz in Gießen 1860), um 1865 Lehrer Isaac (genannt bei einer Lehrerkonferenz in Nidda), von 1875 bis 1911 Lehrer M. Spier, danach Lehrer Koschland (genannt beim Bericht zur Verabschiedung von Lehrer Spier s.u.), gefolgt von Lehrer Leopold Kahn.   
   
Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in Gießen.
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Joseph Rothschild (geb. 8.8.1882 in Alsfeld, gef. 22.10.1914), Gefreiter Theodor Strauß (geb. 19.6.1894, gef. 5.11.1918), Friedrich Fritz Wallach (geb. 15.8.1894 in Alsfeld, gef. 10.5.1916), Theo Reinhold (geb. 3.5.1882 in Kleineibstadt, gest. an der Kriegsverletzung 5.2.1919), Emil Flörsheim (geb. 14.9.1895 in Alsfeld, vor 1914 in Halberstadt wohnhaft, gef. 10.1.1916), Friedrich Ludwig (Louis) Levi (geb. 2.11.1888 in Alsfeld, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef. 18.9.1914), Hermann Lorsch (geb. 22.12.1881 in Alsfeld, vor 1914 in Gersfeld wohnhaft, gef. 3.8.1915). Außerdem sind gefallen: Karl Rothschild (geb. 1.4.1890 in Alsfeld, vor 1914 in Bamberg wohnhaft, gef. 17.5.1915), Isaak Rothschild (geb. 5.7.1896 in Alsfeld, vor 1914 in Bierstadt wohnhaft, gef. 26.9.1917).
   
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 229 Personen gehörten (4,6 % von insgesamt ca. 5.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Steinberger, Albert Stein, Isaak Strauss, Dr. Max Rothschild und Julius Justus. Als Lehrer und Kantor wirkte der bereits genannte Leopold Kahn (auch 1932), als Synagogendiener Abraham Kupferminz, als Synagogendienerin Anna Horz, als Rechner Friedrich Seippel. Die Religionsschule der Gemeinde besuchten 28 Kinder, dazu erhielten weitere sieben Kinder Religionsunterricht. Lehrer Kahn unterrichtete auch die Kinder umliegender Gemeinden, u.a. in Ober-Gleen und Kirtorf. An jüdischen Vereinen bestanden der Wohltätigkeitsverein Chewro Gemilus Chasodim (Männerchewro, 1924 Leitung Hermann Spier, 1932 Leitung Lehrer Kahn, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker), der Frauenverein Frauen-Chewro (1924/32 Leitung Auguste Strauss, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker), eine Ortsgruppe der Agudass Jisroel (1924 Leitung Hugo Rothschild), eine Jugendgruppe der Agudass Jisroel (1924 Leitung Leopold Kahn), ein Jungjüdischer Wanderbund J.W.B. Ortsgruppe (Leitung Tilde Rothschild), ein Verein zur Hebung des Gottesdienstes (1924 Leitung Abraham Lorsch), die Armenkasse (Durchwandererunterstützung; 1924/32 Leitung Leopold Kahn) und die Anijim Kasse (für Ortsarme und Arme der Umgebung; 1924 Leitung Adolf Steinberger). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Steinberger (1. Vors.), Isak Strauß (2. Vors.) und Dr. Max Rothschild (3. Vors.). Der genannte Adolf Steinberger war 1930-31 stellvertretendes Mitglied im Landesverband der Israelitischen Gemeinden Hessens.   

Alsfeld Anz 010.jpg (83883 Byte)Jüdische Unternehmer und Gewerbetreibende spielten im wirtschaftlichen Leben der Stadt Alsfeld seit der Mitte des 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. So waren in jüdischem Besitz eine Likörfabrik, eine Hutstumpenfabrik, eine Textilfabrikation, ein Sägewerk, eine Brauerei, ein Bankgeschäft. Es gab jüdische Metzger, Bürstenbinder, Elektrotechniker, auch einen jüdischen Arzt und einen Zahnarzt. 

Links: Anzeige des "Oberhessischen Schuh-Bazars" von Adolph Levi (Quelle: The Encyclopedia of Jewish Life s.Lit.)

1933 lebten noch 220 jüdische Personen in Alsfeld. Zu Gewalttätigkeiten von Nationalsozialisten kam es bereits am Tag der Machtübernahme am 30. Januar 1933 und nahmen im Laufe des Jahres ständig zu, sodass sich bereits mehrere Familien zur Emigration entschlossen. Leopold Spier, Inhaber des Bankgeschäftes N. Spier Söhne, beging 1933 Selbstmord. Auf einige der jüdischen Geschäfte hatten es die Nationalsozialisten besonders abgesehen, u.a. auf das Getreide- und Düngemittelgeschäft von Adolf Cahn (Hersfelder Str. 9). Sein Laden wurde zerstört, Adolf Cahn kam längere Zeit ins Gefängnis. In den folgenden Jahren haben jährlich zwischen 30 und 40 der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien Alsfeld verlassen beziehungsweise sind ausgewandert. 35 Personen konnten in die USA emigrieren, 27 nach Palästina, 15 nach Südafrika, je fünf nach England und Frankreich. Viele verzogen in andere Orte, insbesondere in die Frankfurter Gegend. Beim Novemberpogrom 1938 wurde nicht nur der Innenraum der Synagoge in Brand gesetzt (s.u.), sondern auch die Fenster der jüdischen Wohnhäuser und Geschäfte eingeworfen. Das Inventar der Läden - von Lebensmitteln bis zu Lederwaren - wurde auf die Straße geworfen. 1939 wurden nur noch 33 jüdische Einwohner in Alsfeld gezählt, im Jahr darauf nur noch vier. In den folgenden Jahren wurden aus Alsfeld stammende jüdische Personen aus anderen Orten deportiert.  
        
Von den in Alsfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch die Angaben bei Dittmar/Jäkel s. Lit.):  Rosa Aaron geb. Stein (1880), Betty Adler geb. Rothschild (1882), Friederike Adler geb. Spier (1878), Hans Herbert Adler (1904), Moritz Adler (1879), Rosa Aron geb. Stein (1880), Ida Baer geb. Strauss (1888), Sally Baer (1875), Frieda Bauer geb. Levi (1884), Adelheid (Adele) Bettmann geb. Rothschild (1872), Herrmann Bettmann (1898), Jakob Bettmann (1873), Joseph Bettmann (), Hans Blumenthal (1919), Levi Buxbaum (1876), Siegfried Döllefeld (1874), Salomon (Sally) Flörsheim (1864), Sara Freund (1873), Rosa Goldschmidt geb. Stern (1888), Sidonie Gurassa geb. Rothschild (1886), Adele Heinemann geb. Wallach (1870), Joseph Isaac (1874), Julius (Juda) Justus (1880), Rosa Justus geb. Hanauer (1878), Jenni (Jenny) Kaufmann geb. Rothschild (1887), David Lamm (1866), Minna Lamm geb. Lamm (1868), Rachel Lamm (1936), Rebecka Lamm geb. Kaufmann (1856), Regina Levi (1872), Paula Lilienstrauß geb. Lorsch (1898), Siegmund Lindenbaum (1882), Hedwig Löser geb. Döllefeld (1880), Julius Löser (1878), Elise Löwenbaum geb. Wallach (1865), Berta Löwenstein geb. Stein (1882), Setta Lonnerstätter (), Arno Lorsch (1928), Frieda Lorsch (1877), Gustav Lorch (1894), Johanna Lorsch (1883), Karl Lorsch (1896), Norbert Lorsch (1927), Sara Lorsch geb. Moses (1861), Selma Lorsch geb. Stiefel (1898), Jacob Metzger (1899), Ida Moses geb. Rothschild (1890), Philipp Moses (1886), Max Neuwald (1884), Johanna Oppenheimer geb. Abt (1867), Lydia Rath geb. Schloss (1884), Frieda Rothschild geb. Nußbaum (1867), Ida Rothschild geb. Rothschild (1884), Isaac Rothschild (1878), Julius Rothschild (1882), Selma Rothschild geb. Wetterhahn (1875), Susanne Rothschild geb. Präger (1862), Samuel Schaumberg (1884), Dina Minna Schloss (1881), Moritz Schloss (1876), Leopold Spier (1881), Albert Stein (1884), Alice Stein geb. Hammel (1901), Augustta (Auguste) Stein geb. Schuster (1880), Cilly Stein geb. Stein (1885), Clementine Stein geb. Rothschild (1880), Ernst Stein (1935), Heinz Stein (1929), Henny Stein geb. May (1885), Julius Stein (1871), Levi Stein (1874), Walter Stein (1931), Adolf Steinberger (1872), Hermann Steinberger (1883), Julius Steinberger (1886), Selma (Helma) Steinberger (1884), Auguste Stern geb. Schuster (1880), Betty Stern geb. Steinberger (1878), Erna Stern geb. Katz (1897), Julius Stern (1871), Lotte Stern (1932), Marga Lore Stern (1932), Marim Stern (1897), Moritz Stern (1900), Walter Stern (1914), Auguste Strauss geb. Marcus (1873), Jeanette Strauss (1921), Josef Strauss (1872), Kaufmann Strauss (1862), Max Strauss (1884), Rebecka (Rieke) Strauss geb. Lazarus (1873), Meta Strauss (1906), Markus Strauss II (1882), Therese Strauss geb. Steinberger (1884), Ida Sundheimer geb. Rothschild (1885), Gerda Wallach geb. Humpert (1900), Jeanette Wertheim geb. Wertheim (1859), Ilse Westheimer (1920).   
   
Am 24. Oktober 2009 wurden in Alsfeld sogenannte "Stolpersteine" verlegt für Selma Rothschild (Amthof 2), Sara Lorsch, Gustav Lorsch, Selma Lorsch, Arno Lorsch und Norbert Lorsch (Rittergasse 4), Julius Stein, Alice Stein, Walter Stein (Mainzergasse 1), Leopold Spier (Mainzergasse 7), Frieda Lorsch und Levi Buxbaum (Mainzergasse 13), Auguste Strauss (Mainzergasse 20), Jeanette Strauss, Sally Baer und Ida Baer (Steinborngasse 12). Weitere 13 Stolpersteine wurden am 7. September 2010 verlegt für Josef Strauss, Rebekka Strauss geb. Lazarus, Meta Strauss (Altenburger Straße 21), Markus Strauss, Therese Strauss geb. Steinberger (Grünberger Strasse 30), Sally Flörsheim (Grünberger Strasse 22), Alice Stein geb. Hammel, Walter Stein, Ernst Stein (Zeller Weg 3), Julius Justus, Rosa Justus geb. Hanauer (Ludwigsplatz 2), Hedwig Loeser geb. Döllefeld (Ludwigsplatz 4), Frieda Rothschild geb. Nussbaum (Obergasse 19), Karl Wallach (Ringofen 2) . Weitere 13 Steine wurden am 28. September 2011 verlegt in der Hersfelder Straße, der Untergasse, dem Pfarrwiesenweg und der Unteren Fulder Gass.       

Alsfeld Stolpersteine 030.jpg (190551 Byte) Alsfeld Stolpersteine 031.jpg (209008 Byte) Alsfeld Stolpersteine 032.jpg (244223 Byte)

Fotos oben (erhalten von Joachim Legatis vom Förderverein zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg): "Stolpersteine"-Verlegung am 24. Oktober 2009 in Alsfeld (Foto links und Mitte); zu sehen sind die Steine für Walter Stein, Alice Stein geb. Hanweil und Ernst Stein; rechts von der Verlegung am 28. September 2011.   
Insgesamt wurden in Alsfeld (Stand: September 2013) bislang 42 "Stolpersteine" verlegt. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Alsfeld    

        

   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Allgemeine Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Widerstand gegen die Aufnahme weiterer jüdischer Familien in Alsfeld (1842)  

Alsfeld AZJ 26031842a.jpg (122176 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. März 1842: "Darmstadt, 6. März (1842). In der Sitzung der zweiten Kammer der Stände fand die Beratung über den 'Antrag des Abgeordneten Ramspeck, die Erteilung des Staatsbürgerrechts an nicht-christliche Glaubensgenossen betreffend', statt. In diesem Antrag wird sich beschwert, dass die Stadt Alsfeld, trotz ihrer Remonstrationen, selbst bis höchsten Ortes, von der Regierungsbehörde genötigt worden sei, mehrere Judenfamilien aufzunehmen, und hierauf an die Kammer das Gesuch gerichtet, es möge dieselbe '1) da die Stadt Alsfeld vorhin nicht mehr als zwei Judenfamilien als Schutzjuden in ihrer Mitte zu dulden gemüßigt war, in neuerer Zeit aber, gegen den Willen und gegen die eingelegten Protestaktionen des Stadtvorstandes, mehrere Schutzjuden sich in Alsfeld haben niederlassen dürfen, deren Seelenzahl schon gegen 70 herangewachsen ist; 2) da in den benachbarten Städten Lauterbach, Schlitz und Grünberg nicht einmal ein Schutzjude Aufnahme findet, Alsfeld aber nicht allein als Zufluchtsstätte der Juden erscheinen kann; 3) da die Emanzipation der Juden, soviel als bekannt, noch zur Zeit in keinem europäischen Staate, so auch im Großherzogtum Hessen nicht, erfolgt ist, die großherzogliche Staatsregierung ersuchen,
Alsfeld AZJ 26031842b.jpg (231504 Byte)der Stadt Alsfeld nicht aufbürden zu wollen, nichtchristliche Glaubensgenossen als Ortsbürger aufnehmen zu müssen und diese Benachteiligung, der durch die Verfassungsurkunde ausgesprochenen Gleichheit vor dem Gesetze entgegen, ihr allein fühlbar zu machen, und deshalb die besagte Stadt Alsfeld von der Verbindlichkeit, jüdische Glaubensgenossen als Ortsbürger aufnehmen zu müssen, so lange loszählen zu wollen, bis nach Art. 15 der Verfassungsurkunde ein allgemeines Gesetz votiert und erschienen sein werde. Die Kammer wolle deshalb weiter beschließen: Großherzogliche Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, wodurch das vorliegende Sachverhältnis geregelt wird.' Abgeordneter Hardy hatte hierüber in der vorigen Sitzung, namens des dritten Ausschusses berichtet und der vom großherzoglichen Regierungskommissar, Gemeinderat von Kuder gegebenen Auskunft beistimmend, beantragt, den Beschwerden des Antrags keine Folge zu geben, weil die Aufnahme der Juden nur nach Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen, namentlich nach Artikel 15 der Verfassungsurkunde und Artikel 48 der Gemeindeordnung erfolgt sei. Für die Stadt Alsfeld könne aber keine Ausnahme von den für das ganze Großherzogtum gesetzlich bestehenden Bestimmungen gemacht werden, indem gerade eine solche mit der von dem Antragsteller desidierten Gleichheit vordem Gesetz im Widerspruche sein würde. Wenn es also auch an gesetzlichen Bestimmungen über die Befugnis der Staatsregierung zur Erteilung des Staatsbürgerrechts an Israeliten im Allgemeinen nicht fehle und daher dem Ausschusse das Bedürfnis einer desfallsigen Legislation nicht erkennbar sei; weshalb derselbe auch der beantragten Provozierung eines Gesetzentwurfs keine Folge zu geben der Meinung ist, so glaubt der Ausschuss dennoch den Wunsch aussprechen zu sollen, dass die Erfordernisse, an deren Vorhandensein die Erteilung des Staatsbürgerrechts an Israeliten in den beiden diesseits rheinischen Provinzen geknüpft wird, worüber bis jetzt nur reglementaire Bestimmungen bestehen, im Wege der Gesetzgebung festgesetzt werden möchten, in welcher Beziehung sich jedoch der Ausschuss einen Antrag zu stellen enthielt, weil hierauf die vorliegende Motion nicht gerichtet sei. Bei der heutigen Beratung machte der Abgeordnete Ramspeck diesen Wunsch des Ausschusses zu seinem Antrag, worin er unterstützt ward. Es erfolgten nun einige kurze Bemerkungen über den Gegenstand von Seiten mehrerer Abgeordneten. Abgeordneter Brunck meinte, man könne dem zweiten Teil des Antrags Folge geben, da er nichts Anderes sei, als was der Ausschuss auch wünsche am Schlusse seines Berichts. Abgeordneter von Bibra hob hervor, wie die Juden wohl in größeren Städten weniger schädlich dem Gemeinwesen würden als in kleinern und auf dem platten Lande, wo sie durch den Schacherhandel, namentlich mit Vieh, oft großes Verderben anrichteten, wenn auch in neuester Zeit die Wohltat der Sparkassen diesem Schaden entgegenwirke, Abgeordneter Hardy hob die bestehenden Verhältnisse kurz hervor, insbesondere, wie zur Erwerbung des Staatsbürgerrechts der Israeliten die Erfüllung strenger Bedingungen erforderlich sei. Abgeordneter Zulauf meinte sie versprächen diese wohl, hielten sie aber nach der Aufnahme nicht. Nur denen möge man Rechte wie den Christen verleihen, welche sich auch gleich den Christen bürgerlichen Gewerben, dem Ackerbau, Handwerken usw. ergäben und den verderblichen Schaden ließen. Abgeordneter Franck bestätigt, dass sie nach der Aufnahme wieder gern in den Schacherhandel verfielen, und hält ebenfalls strengere Bestimmungen in dieser Hinsicht für nötig.  (Großherzoglich Hessische Zeitung)." 

    
Antisemitischer Vorfall gegen das Gießener Stadttheater bei einem Auftritt in Alsfeld (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. März 1930:  "Gießen. Die Wahlen zur Kammer der Gießener Studentenschaft (im Volksstaat Hessen besitzen die Studentenschaften noch die staatliche Anerkennung und dürfen Zwangsbeiträge einziehen) brachten die Nationalsozialisten auf einen Schlag neun Sitze von den insgesamt 25 ein. Die Republikaner erhielten 4 (4) Sitze, die Großdeutschen diesmal nur 12 (21) Sitze. Die nationalsozialistische Hetzpropaganda hat mit ihrer Presse und den Flugblättern, die in der Universität verteilt wurden und die in bekanntem, keinesfalls akademischem Ton über Juden und Judengenossen herzogen, ihre Schuldigkeit getan. - Wie uns von der Intendanz des Gießener Stadttheaters mitgeteilt wird, hat die nationalsozialistische Propaganda auf dem flachen Land auch schon dem Gießener Theater zu unliebsamen Zwischenfällen verholfen. Ein bezeichnender Vorfall am letzten Sonntag: das Gießener Ensemble, unter dem sich auch einige Juden befinden, gibt es Alsfeld ein Gastspiel. So oft nun die jüdische Künstlerin Frl. Heß auftrat, wurde aus einer bestimmten Ecke von einigen Zuschauern gezischt und gepfiffen. Es stellte sich heraus, dass es Nationalsozialisten waren, die unter der Anführung eines Gießener Studenten bewusst störten und ruhig angaben, dass sie allein das Auftreten einer jüdischen Schauspielerin dazu veranlasse. Als Frl. Heß zu Beginn des nächsten Aktes wieder auftrat, gab das Publikum den Störenfrieden, denen man inzwischen das Handwerk gründlich gelegt hatte, die rechte Antwort: Ein spontaner Beifall setzte auf offener Szene ein. Bürgermeister Völsing sprach dem Ensemble sein aufrichtiges Bedauern über den Vorfall aus."      


NS-Zeit: 500 Plakate mit der Aufschrift "Juden sind unerwünscht" werden angebracht (1935)  

Alsfeld Israelit 29081935.jpg (34577 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1935: "Handel und Verkehr: In Alsfeld (Oberhessen) hat, nach Mitteilung der 'Frankfurter Zeitung', der NS-Hago 500 Plakate mit der Aufschrift 'Juden sind hier unerwünscht' anfertigen lassen, die in allen arischen Geschäften, Gaststätten und Cafes der Stadt und des Umkreises angebracht werden."

  
  
Aus der Geschichte der Lehrer / Vorbeter und der Schule     
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1911 / 1924

Alsfeld Israelit 20071911.jpg (53073 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1911: "Vakanz. Durch Pensionierung des 36 Jahre hier amtierenden Lehrers ist die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schochetstelle vom 1. Oktober laufenden Jahres ab neu zu besetzen. Seminaristisch gebildete, musikalisch und stimmlich gut begabte, streng religiöse Bewerber wollen ihre abschriftlichen Zeugnisse an den Unterzeichneten einreichen.
Alsfeld, 16. Juli 1911.
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Abraham Rothschild, I. Vorsteher." 
  
Alsfeld Israelit 10011924.jpg (46042 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1924: "Gesucht zum 1. April dieses Jahres eventuell etwas später Religionslehrer, Kantor und Schochet. Reichsdeutsche seminaristisch gebildete stimmlich gut begabte religiöse Bewerber wollen ihre abschriftlichen Zeugnisse an den Unterzeichneten einreichen. Gehalt nach staatlichen Sätzen. Gutes Nebeneinkommen. Schöne Dienstwohnung vorhanden. Auf Wunsch kann die Schochetstelle abgetrennt werden.
Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Alsfeld (Hessen).
Adolf Steinberger, 1. Vorsteher."  
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 31. Januar 1924
Text wie in der Zeitschrift "Der Israelit", siehe oben.
 

      
Der jüdische Lehrer unterrichtet auch an der christlichen Schule (1852)  

Alsfeld AZJ 08111852.jpg (21516 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1852: "In den darmstädtischen Orten Homberg und Alsfeld machte ich die erfreuliche Wahrnehmung, dass in diesem Lande mitunter jüdische Lehrer an christlichen Schulanstalten Unterricht – wenn auch nur privatim – erteilen."

   
Lehrer M. Spier tritt 1911 nach 36 Jahren in den Ruhestand 

Alsfeld Israelit 19101911.jpg (97303 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1911: "Alsfeld, 6. Oktober (1911). Am 1. Oktober trat Herr Spier, Kantor und Religionslehrer der jüdischen Gemeinde, nach 36 ½ jähriger segensreicher Wirksamkeit in seiner hiesigen Gemeinde in den wohl verdienten Ruhestand. Die Gemeinde sieht mit lebhaftem Bedauern ihren sehr verehrten Lehrer und Führer scheiden, an welchem sie mit aufrichtiger Liebe und Hochachtung hing. Am vergangenen Samstag hielt Herr Spier nach dem Morgengottesdienst in der Synagoge eine ergreifende Ansprache an seine Gemeinde, in welcher er mit einem Rückblick auf seine hiesige Tätigkeit das vorzügliche gegenseitige Einvernehmen zwischen Gemeinde und ihm hervorhob und versicherte, dass er seine Gemeinde nie vergessen und in bestem Andenken behalten werde. Der erste Vorsteher erwiderte ihm mit Worten des Dankes und der Anerkennung für sein segensreiches ersprießliches Wirken, gab dem allgemeinen lebhaften bedauern über sein Scheiden Ausdruck und versichert ihn namens der Gemeinde eines bleibenden unvergänglichen und treuen Andenkens. Zu seinem Abschiede hatten sich an der Bahn der Vorstand sowie zahlreiche Mitglieder der Gemeinde und seine Schüler eingefunden, welche ihrem scheidenden Lehrer das Geleite gaben. Als Nachfolger für Herr Spier ist Herr Lehrer Koschland zum Lehrer und Kantor der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde gewählt worden, der sein Amt bereits angetreten hat."

    
Lehrer Leopold Kahn als Vorsteher der Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine gibt Anweisungen an die Lehrer (1923)  

Alsfeld Israelit 24091923.jpg (72212 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1923: "Alsfeld, 23. August (1923). Wir werden um Aufnahme folgender Notiz ersucht: Hessen. Es sei hierdurch allen Kollegen mitgeteilt, dass wir für die Provinz Starkenburg einen Bezirksrat geschaffen haben, dessen Aufgabe darin besteht, alle Verhandlungen der Lehrer mit ihren Gemeinden und mit den betreffenden Kreisämtern zu führen. Es ist von heute ab kein Kollege mehr berechtigt, allein diese Handlungen zu führen. Die Kollegen mögen sich daher mit ihren Anliegen an den Bezirksrat, der von Herrn Kollegen Kahn – Höchst i.O. geleitet wird, wenden und mögen selbst durch strengste Disziplin dazu beitragen, dass wir Erfolge zu erzielen vermögen. Die gleichen Bestimmungen gelten auch für Oberhessen, wo Herr Kollege Kahn – Alsfeld dazu beauftragt ist, diese Verhandlungen zu führen. Gleichzeitig wollen alle sich nach Hessen meldende Lehrer an obige Stellen um Auskunft wenden. Porto ist stets allen Anfragen beizufügen. Die Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine in Hessen. Kahn – Alsfeld, Simon – Darmstadt." 

   
Bezirkstag der Agudas Jisrael - Jugendgruppen in Alsfeld (1922)   

Fulda Israelit 02031922.jpg (274196 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Fulda, 22. Februar. Am 15. Tewes (= 15. Tewet, = 15. Januar 1922) fand in Alsfeld der Bezirkstag der hessischen Agudat Jisrael Jugend-Gruppen statt, der trotz mancher Widrigkeiten gut besucht war. Vertreten waren die Gruppen Alsfeld, Birstein, Burghaun, Flieden, Fulda, Guxhagen, Hersfeld, Kassel, Lauterbach, Niederaula, Rhina und Treysa. Aus Alsfeld und Umgebung waren zahlreiche Gäste zugegen. Herr Lehrer Kahn - Alsfeld begrüßte im Rahmen der gastgebenden Gruppe die Versammlung herzlich. Dr. Herz dankte der Gruppe Alsfeld für die Übernahme der mühevollen Aufgabe, die sie aufs schönste gelöst habe und dem Vertreter der Gemeinde Alsfeld für sein Erscheinen. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Herr Lehrer Kahn - Alsfeld gewählt.
Dr. Herz gab den Bericht über seine Tätigkeit jetzt dem letzten Bezirkstag (17. 11.19 20). Er sprach einleitend über die Notwendigkeit der Organisation, in der ein jedes Glied das Bewusstsein haben müsse, dass es in Deuten, Fühlen und Handeln ein Teil des Ganzen sei. Seine Tätigkeit, die leider 3 mal durch längere Abwesenheit unterbrochen werden musste, gab er mit folgenden Daten:
(siehe Liste in Text links mit Zahl der Besuche, Schiurim, Vorträge usw. in Fulda, Hersfeld, Kassel, Guxhagen, Burghaun, Rhina, Hanau, Treysa, Gersfeld, Marburg, Alsfeld, Birstein, Wüstensachsen, Flieden, Lauterbach, Niederaula, Langenselbold, Groß-Krotzenburg, Schmalnau, Propagandavorträge in Gelnhausen und Sterbfritz, Vorträge außerhalb des Bezirks in Basel, Luzern, Zürich und Schwäbisch Hall)
Die Vorträge bezogen sich auf Sidre und Haphtarah (Wochenabschnitt und prophetischer Abschnitt), auf die besonderen Tage des Jahres und auf allgemeine jüdische Fragen.
Dr. Herz beklagt, dass in vielen unserer Gruppen die Verbindung mit der Aguda und ihrem Ideenkomplex noch eine sehr lockere sei.
In der Diskussion bedauerten die Herren Lehrer Haas - Niederaula, Kahn - Alsfeld und Stern - Lauterbach, dass die Gruppen an kleinen Orten von dem Bezirkssekretär weniger häufig besucht werden als die in den Städten. Namentlich wäre es wünschenswert, dass Vertreter der Aguda, vor allem Kaufleute, über den Heiligen Schabbat in die kleinen Gruppen kommen. Allerlei Schwierigkeiten, die unserer Arbeit im Wege stehen, vor allem die Übertreibung des Sports, hebt Lehrer Freudenberger - Flieden hervor.
Die Gruppenvertreter gaben kurze Berichte über die Tätigkeit ihrer Gruppen: es ist hierbei zu konstatieren, dass, einige Gruppen ausgenommen, die Leistungen sich vermehrt haben, von Einzelheiten ist hervorzuheben, dass die Gruppe Birstein alle 14 Tage von einem Ben Tora (= Sohn der Tora, Torastudierender), der Schiurim (= Lehrstunden) (zur Nachahmung empfohlen!), ferner, dass die Fuldaer Mädchengruppe soziale Arbeit leisten (Kinderfürsorge, Krankenpflege usw.)
Kassel und Hersfeld beklagen es, dass die Agudat Jisrael Jugend-Organisation nur außerordentlich selten Propagandaredner zur Verfügung stellt. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, dass häufigere orientierende Vorträge über ihre Arbeit in und für Erez Jisrael veranstaltet werden. Dr. Herz sagt die Weiterleitung der geäußerten Wünsche zu; er erwidert, dass seine Besuche in den Landorten deshalb weniger oft stattfinden können, weil dort gewöhnlich der Sonntag der einzige geeignete Tag sei. Es folgt ein Referat des Herrn Lehrer Landsberg - Hersfeld: 'Das Schulwesen im Talmud': Die umfassende und tiefgehende Darstellung zeugte von gründlicher Durcharbeitung des Stoffes und wurde mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Der Bericht über die vor einem Jahr gegründete Wanderbibliothek besagt, dass ungefähr 70 Werke vorhanden sind, die in 6 Serien zirkulieren; zur Erweiterung der Bücherei wird ein einmaliger Betrag von 5 Mark pro Mitglied beschlossen.    
Fulda Israelit 02031922a.jpg (86984 Byte)   Eine Bibliothekskommission unter dem Vorsitz des Herrn Lehrer Landsberg wird gewählt.
Lehrlingsfürsorge: An etwa 90 Lehrer Hessens wurden Fragebögen versandt auf denen Angaben über die in die Städte kommenden Lehrlingen etc. erbeten wurden; nur die Hälfte ungefähr wurde beantwortet; die Jugendgruppen und geeignete Persönlichkeiten wurden auf die uns gemeldeten jungen Leute aufmerksam gemacht. Herr Schneemann - Fulda hob besonders die Notwendigkeit der Förderung des Gemeinschaftsgefühls hervor; ferner fordert er intensive Arbeit für Erez Jisrael, er hält die Belehrung der Jugend über die jüdische Politik für unerlässlich; außerdem stellt er die Forderung der Pflege und Stärkung des Körpers auf. Eine rege Diskussion knüpfte sich an seine Worte.
Mit warmem Dank an Alsfeld und an den Vorsitzenden Herr Lehrer Kahn, wurde die Tagung geschlossen; besonders wurde noch der weitgehenden Fürsorge der Gruppe Alsfeld für das leibliche Wohlergehen der Gäste rühmend gedacht.
Am Abend war gemütliches Beisammensein: besonders tiefer Eindruck machten hierbei die von einigen Fuldaer Esräern vorgetragenen jüdischen Melodien aus dem Osten."    

   
Generalversammlung der "Unabhängigen israelitischen Lehrervereins im Freistaate Hessen" in Alsfeld (1925)   

Alsfeld Israelit 29101925.jpg (296610 Byte)Artikel in der Zeitung "Der Israelit" vom 29. Oktober 1925. 
Der Artikel wird nicht ausgeschrieben, da es nur einen indirekten Bezug zur jüdischen Geschichte in Alsfeld gibt. 

     
     
Aufrufe zu Spenden für arme jüdische Gemeindeglieder
 
Aufruf für eine verarmte Witwe (1878)   

Alsfeld Israelit 14081878.jpg (52274 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1878: "Aufruf
Wir richten an alle edlen Menschenfreunde die dringende Bitte, durch ihren beistand die Nahrungssorgen einer armen, kranken, allein stehende Witwe verscheuchen, die Not einer tief gebeugten Frau lindern zu wollen, deren schwachen Kräfte nicht mehr ihren Lebensbedarf erschwingen können und die mit schwerem Herzen an die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen appelliert. Wir können versichern, dass die Bittende keine Unwürdige ist. Die Unterzeichneten nehmen bereitwilligst Gaben in Empfang und werden später in diesen Blätter quittieren. 
Alsfeld in Oberhessen. M. Spier, Lehrer. H. Rothschild, Vorstand."


Aufruf für ein verarmtes Ehepaar (1907)  

Alsfeld Israelit 10011907.jpg (119817 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1907: 
"Aufruf
Ein in einem Dorf lebendes von unverschuldetem Unglück verfolgtes Ehepaar ist derart in bitterste Not geraten, dass ihm sein einziges Besitztum, ein bescheidenes Häuschen gepfändet worden ist und demnächst versteigert werden soll. Zunächst gilt es hier, den Armen, die eine zahlreiche Familie zu ernähren haben, ihr Obdach zu retten. Wir bitten die breite Öffentlichkeit, den jüdischen Wohltätigkeitssinn hier nachdrücklich zu bewähren. Gaben nehmen die Unterzeichneten gerne in Empfang. 
Gez. M. Spier, Lehrer, Alsfeld. 
Gez. Sally Flörsheim, Alsfeld. 

Obigen Aufruf bestätige ich vollinhaltlich, mit der auch meinerseits geäußerten Bitte, demselben wohlwollendste und unterstützungsreichste Aufmerksamkeit zu schenken. 
Gez. Dr. L. Hirschfeld, Gießen, Großherzoglicher Provinzialrabbiner. 

Wir bitten dringend um fernere Spenden. Mit den bis jetzt eingelaufenen Spenden können wir den bedrängten Eheleuten ihr Haus nicht erhalten. Wir werden später durch Quittungslisten den Empfang ihrer Gaben bestätigen. 
M. Spier, Lehrer. 
Sally Flörsheim."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Auswirkungen der antisemitischen Agitationen - 
die Kaufleute Hermann und Leopold Wallach in Alsfeld erheben eine Privatklage gegen Karl Kratz in Wettsaasen (1890) 
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1890: "Gießen, 16. Dezember (1890). In der heutigen Strafkammersitzung kam, der 'Darmstädter Zeitung" zufolge, nachfolgender Fall zur Verhandlung. Karl Kratz in Wettsaasen hatte nach einer an die Kaufleute Hermann und Leopold Wallach in Alsfeld geleisteten Zahlung an dieselben eine Postkarte folgenden Inhalts geschrieben: 'Anbei schicke ich Ihnen den Betrag mit Mark 221,53 und will Gott danken, dass es das letzte ist, welches Sie von mir erhalten, und wünsche Ihnen hiermit eine glückliche Reise nach Jerusalem. Achtungsvoll K. Kratz. Wettsaasen, den 17. Juni 1890.' Auf seitens der genannten Kaufleute erhobene Privatklage wurde das Hauptverfahren vor dem großherzoglichen Schöffengerichte Grünberg eröffnet. In dem Hauptverhandlungstermin hatte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Weidig, geltend gemacht, dass in den Schlussworten 'und wünsche Ihnen hiermit etc.' keine Beleidigung liege, indem damit den Juden etwas gewünscht werde, wonach sie alle streben und sie hiermit an die Glanzzeit ihres Volkes erinnert würden. Das Schöffengericht hatte jedoch den Tatbestand des § 185 des Strafgesetzbuchs als vorliegend erachtet, indem jene Kundgebung zwar objektiv nicht die Ehre der Privatkläger zu verletzen geeignet sei, allein die Absicht, die Verachtung, Verhöhnung und Geringschätzung den Kaufleuten Wallach gegenüber auszudrücken, aus den Verhältnissen, unter denen die Karte geschrieben wurde, und aus der Art und Weise der Abfassung derselben klar hervorgehe. Die Karte sei geschrieben worden, um dem Unmut des Angeklagten darüber, dass die Privatkläger gegen ihn einen Zahlungsbefehl genommen hatten, Luft zu machen; außerdem komme hinzu, dass in der Gegend von Grünberg durch die antisemitische Agitatoren die Bevölkerung sehr gegen die Juden aufgebracht sei und dass augenscheinlich einer derartigen antisemitischen Kundgebung die obenerwähnten Schlussworte auf der Postkarte entsprungen seien. Das Schöffengericht verurteilte deshalb den Angeklagten in eine Geldstrafe von 8 Mark nebst Kosten und privatklägerischen Auslagen, gegen welches Urteil Angeklagter Berufung einlegte. In der heutigen Strafkammerverhaltung führte der Vertreter der Privatkläger aus, die antisemitischen Agitatoren hätten sich bei den Wahlen dahin ausgesprochen, die Juden müssten zur Auswanderung nach Palästina gezwungen werden, und nur in diesem Sinne sei der fragliche Wunsch den Privatklägern gegenüber zu deuten. Die Strafkammer schloss sich den Ausführungen des schöffengerichtlichen Urteils in jeder Beziehung an und verwarf die Berufung des Angeklagten unter Verfällung desselben in sämtlichen Kosten."       
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung de Judentums" vom 25. Dezember 1890: "Ein Herr Karl Kratz in Wettsaasen hatte nach einer an die Kaufleute Hermann und Leopold Wallach in Alsfeld geleisteten Zahlung an dieselben eine Postkarte folgenden Inhalts geschrieben: 'Anbei schicke ich Ihnen den Betrag mit 221,53 Mark und will Gott danken, dass es das Letzte ist, welches Sie von mir erhalten, und wünsche Ihnen hiermit eine glückliche Reise nach Jerusalem. Achtungsvoll K. Kratz, Weetsaasen, den 17. Juni 1890.' Auf seitens der genannten Kaufleute eingereichte Klage wurde Kratz zu einer Geldstrafe verurteilt, gegen welches derselbe Berufung eingelegt hatte. Nunmehr ist die Sache in der Berufungsinstanz in Darmstadt zur Verhandlung gekommen. Die Strafkammer schloss sich den Ausführungen des schöffengerichtlichen Urteils in jeder Beziehung an und verwarf die Berufung des Angeklagten unter Verurteilung desselben in sämtliche Kosten."     

           
Zum Tod von Hermann Rothschild I, 25 Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde und 34 Jahre Mohel (Beschneider) (1895)  

Alsfeld Israelit 12061895.jpg (132376 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1895: "Alsfeld. Am Erew Schabbat Paraschat Naso (Freitag vor Schabbat mit der Toralesung Naso = 4. Mose 4,21 - 7,89, das war Freitag, 31. Mai 1895) starb hier ein Mann, dessen Tod eine große Lücke gerissen, dessen Hinscheiden an das schöne Raschiwort lebhaft erinnern: 'Solange der Fromme in der Stadt weilt, ist er ihr Schmuck, ihr Glanz und ihre Pracht, verlässt er sie, so wendet sich ihr Glanz und ihre Pracht.' – Der verstorbene, in weiten Kreisen bekannte Hermann Rothschild I. war 25 Jahre lang Vorsteher in der hiesigen Gemeinde und hat während dieser langen Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit sein Amt verwaltet. Er war ein echter Jehudi und als solcher bestrebt, die Gebete unserer heiligen Tora und Vorschrift auszuführen. Der Heimgegangene war von seinem 18. Jahre an Mohel (Beschneider) und hat über 500 Kinder in den Abrahamsbund eingeführt, zu welchem Zwecke er selbst weite Reisen auf eigene Kosten nicht scheute. Seines ehrenhaften Charakters wegen wurden ihm viele Ehrenämter übertragen, die er trotz seines umfangreichen Geschäftes in hingebender Weise verwaltet. Er starb in dem Alter von 52 Jahren, tief betrauert von seiner zahlreichen Familie und Anhängern. Zu seiner Beerdigung waren von nah und fern unzählige Trauernde und Mitführlende herbeigekommen und das Leichengefolge war ein überaus großes. Am Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Hirschfeld – sein Licht leuchte – aus Gießen und Lehrer M. Spier aus Alsfeld. In warmen Worten wurden von den Rednern die zahlreichen Verdienste des Verstorbenen gebührend hervorgehoben. Gott – gepriesen sei er – möge die Trauernden ob ihres schweren und harten Verlustes trösten und von ihnen jedes Leid und jede weitere Heimsuchung fernhalten."     

   
Zum Tod von Rechtsanwalt Dr. Emil Stern (1901)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1901: "Alsfeld, 8. August (1901). Heute verschied hier nach langem Leiden der Großherzogliche Notar und Rechtsanwalt Dr. Emil Stern, ein überaus frommer, braver und gottesfürchtiger Mann. Derselbe war ein Zadik im wahrsten Sinne der Worte. Die gesetzestreuen Rabbinen der Umgegend eilten herbei, um seiner sterblichen Hülle die letzte Ehre zu erweisen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: "Alsfeld, 5. September (1901). Sie haben bereits sofort nach dem Hinscheiden des Rechtsanwalts und Notars Dr. Stern dahier, von dem traurigen Ereignis, unter Hervorhebung des schweren Verlustes, den das gesetzestreue Judentum erlitten, Ihren Lesern Kenntnis gegeben. Gestatten Sie mir, Ihnen heute noch mitzuteilen, wie sehr das ganze Leben des Dahingeschiedenen ein großer Kidusch Haschem (Heiligen des Gottesnamens) gewesen. Das bezeugen namentlich die in überaus großer Menge eingelaufenen Beileidsschreiben an die Gattin des Heimgegangenen. Der Landgerichtspräsident, die Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare beklagen alle das Hinscheiden eines ihnen liebgewordenen Kollegen, den sie bei dem Zusammenwirken im Laufe der Jahre überaus hochschätzen gelernt hätten, und der durch seine seltene Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und Rechtlichkeit allen ein leuchtendes Vorbild gewesen sei. Der Landgerichtspräsident insbesondere rühmte seine Tüchtigkeit als Notar und ein Landgerichtsrat dessen lauteres und biederes Wesen, sowie dessen vortrefflichen Charakter; alle aber preisen einstimmig seine vorzüglichen Eigenschaften des Geistes und des Herzens. Leider war, entgegen meiner früheren Mitteilung, kein Rabbiner vertreten, da dieselben zufälligerweise alle verhindert waren. Ich schließe mit den Worten des Nachrufes der 'Alsfelder Oberhessischen Zeitung': 'Herr Dr. Stern hat ein Alter von nur 46 Jahren erreicht; - viel zu früh ist dieser brave Mann, das Vorbild eines wohlmeinenden Rechtsberaters, von uns geschieden. Viele sind es, die den Tod des treuen Anwalts aufs Tiefste beklagen. Möge ihm die Ede leicht sein!'" 

     
Zum Tod von Isaak Löb Rothschild (1904)  

Alsfeld FrfIsrFambl 29011904.jpg (102419 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Januar 1904: "Alsfeld. Am 13. dieses Monats verschied nach kurzem, schwerem, aber mit Geduld ertragenem Leiden Herr Isaak Löb Rothschild (Firma D.H. Rothschild Sohn) hier im Alter von 45 Jahren. 
Der Verewigte war ein guter Jehudi im wahren Sinne des Wortes. Wegen seines bescheidenen Wesens, seines streng rechtlichen und offenen Charakters wurde er in allen Kreisen der Bevölkerung geschätzt und geachtet. 
Er war einer der Wenigen, die mit Begeisterung und tiefer Überzeugung an dem überlieferten Judentum festhalten. Von Jugend an war der nun Verblichene bestrebt, Tora zu lernen und so fand er trotz der Anstrengung in seinem Berufe noch spät abends Zeit dazu. Am Sabbate gab er sich gerne die Mühe, auch andere in unserer heiligen Lehre zu unterweisen. 
Ein inniges Familienglück ist durch den Heimgang dieses trefflichen Mannes erschüttert, und mit der Familie, deren Stolz der Verstorbene gewesen, beklagt die hiesige Gemeinde den Verlust eines ihrer besten Mitglieder. Sein Andenken wird bei all denen, die ihn kannten, ein gesegnetes bleiben."
Alsfeld Israelit 28011904.jpg (94691 Byte)  
Ein ähnlicher Bericht zum Tod von Isaak Löb Rothschild erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1904. 

   
Zum Tod der aus Alsfeld stammenden Frau Spiro geb. Rothschild, Witwe des Butzbacher Lehrers Emil Spiro (1922)  

Butzbach Israelit 09021922.jpg (93625 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1922: "Butzbach, 24. Januar (1922). Vergangenen Dienstag haben wir mit Frau Lehrer Emil Spiro einen Esches Chajil (wackere Frau) zu Grabe getragen, deren ganzes Leben nichts anderes als Erfüllung jüdischer Pflicht gewesen ist. Sie wird deshalb nicht nur vom Kreise ihrer Familie und der Freunde, sondern von der ganzen Gemeinde und Umgegend aufrichtigen Herzens innig betrauert. Sie entstammte der bekannten Familie Rotschild aus Alsfeld und wurde schon im Elternhause im Geiste der Menschenliebe erzogen. So ward sie die würdige Gattin ihres Mannes, des leider so früh von uns gegangenen und in weiten Kreisen bekannten Lehrers Emil Spiro seligen Andenkens. Wenn ihr Mann seine berufliche Tätigkeit in Schule und Haus im Sinne der Thauro, Awaudo und in Gemillus Chessed (Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit) entfalten konnte, so konnte er das nur, weil die Gattin ihm als Hilfe zur Seite stand, weil ihr warmes Herz für alles Jüdische, für alles Gute schlug. All dem gab Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld aus Gie0en in seinem Hesped (Trauerrede) tiefergreifend Ausdruck. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Abraham Rothschild (1923), über 20 Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde 

Alsfeld Israelit 08031923.jpg (119940 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1923: "Alsfeld, 25. Februar. Am Mittwoch, 17. Februar, bewegte sich durch die altertümlichen Straßen der Stadt Alsfeld ein großer Leichenzug; galt es doch, was sterblich war an Herrn Abraham Rothschild dem Schoße der Erde zu übergeben. Nicht nur die trauernde Witwe und Familie, sondern auch die jüdische Gemeinde Alsfeld hat in dem Heimgange des Verblichenen einen fast unersetzlichen Verlust erlitten. Ein Mann von tief innerlichen Frömmigkeit, der treu und fest an unserer alt überlieferten Religion festhielt, ein Mensch von wahrhaft vornehmer und edler Gesinnung ist mit dem Verklärten dahin gegangen. Mehr als 2 Jahrzehnte versah er das Amt des Vorstehers der hiesigen Gemeinde mit einer seltenen Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Allen Geschäften der Gemeinde brachte er das größte Interesse entgegen und in wahrhafter Emunoh (Wahrhaftigkeit) hat er das Wohl der Gemeinde stets im Auge gehabt. So fällt in seiner Amtszeit der Bau der neuen, schönen Synagoge, den er auf jede Weise gefördert hat. Und nun ist er als 72jährigen Greis von uns gegangen. An seinem Grabe verliehen Herr Lehrer Kahn, Herr Dr. Rothschild, Dinslaken, ein Neffe des Verstorbenen und Herr Adolf Steinberger als jetziger Vorsteher der Gemeinde, dem Schmerze der Allgemeinheit, der Familie und dem Gemeinde lebhaften Ausdruck. Unvergesslich wird sein Wirken in unserer Gemeinde fortleben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

 
Zum Tod von Clothilde Rothschild geb. Adler (1923)  

Alsfeld Israelit 07091923.jpg (91155 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1923: "Alsfeld, 2. September 1923. Am 27. Aw (9. August 1923) verschied nach schwerem, mit Geduld und Gottvertrauen ertragenem Leiden Frau Clothilde Rothschild geb. Adler. Im echtjüdischen Hause ihrer frommen Eltern erzogen und daselbst im Geiste der heiligen Tora aufgewachsen, stand ihr ganzes Leben im Dienst von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit. Mit seltenen Kenntnissen unserer heiligen Lehre ausgestattet, diente sie dem Ewigen mit strengster Gewissenhaftigkeit und gehobener Freude durch peinlichste Befolgung Seines in Seiner Tora zum Ausdruck gebrachten Willens. Die Unterstützung von Armen, Kranken und Verlassenen mit Rat und Tat war ihr Herzensbedürfnis, und ständig und unermüdlich war sie in diesem Sinne tätig. Viele Jahre bekleidete sie das Vorstandsamt in der hiesigen Frauen-Chewra, bis ihr Leiden ihrer gesegneten Tätigkeit ein zu frühes Ende setzte. Die ungemein starke Beteiligung bei der Beisetzung zeugte von der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung, welcher sich die Verklärte in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute. Der tief gebeugte Gatte und Sohn trauern um den unersetzlichen Verlust einer echten wackeren Frau, liebevollen Mutter und treu sorgenden Erzieherin. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Zum Tod von Emilie Rothschild geb. Bing (1929)  

Alsfeld Israelit 19121929.jpg (114745 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1929: "Alsfeld (Hessen), 10. Dezember (1929). Am Montag, dem 1. Marcheschwan (= 4. November 1929) verstarb hier die wegen ihrer echt jüdischen Frömmigkeit, ihrer seltenen Geistesgaben und ihres reichen jüdischen Wissens in weiten Kreisen angesehene und geachtete Frau Emilie Rothschild im Alter von 81 Jahren. Sie war die Tochter des ebenfalls wegen seiner umfassenden Thauro-(Tora-)kenntnis und der in ihr wurzelnden Gottesfurcht bekannten und geehrten Chower (Gelehrten) Mauscheh Bing - seligen Andenkens - in Oberseemen. Seit 1873 bis 1905 lebte sie in inniger Harmonie an der Seite ihres gleichgesinnten Gatten, welchen sie in diesem Jahre verlor, ihre Kinder im Geiste des überlieferten Judentums erziehend. Trotz schwerer und schmerzlicher Schicksalsschläge, welche ihr nicht erspart blieben, blieb sie standhaft in unerschütterlichem Gottvertrauen, ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten in den Dienst jüdischer und allgemein menschlicher Aufgaben stellend. Bis in die letzten Stunden nahm sie mit ihrem regen Geiste und Scharfblick Interesse an allen Vorgängen der jüdischen und allgemeinen Öffentlichkeit, insbesondere der hiesigen jüdischen Gemeinde. Seit Gründung des Jüdischen Frauenvereins war sie Vorstand desselben, seine Geschäft mit unermüdlichem Eifer und Gewissenhaftigkeit führend, und in den letzten Jahren in Anerkennung ihrer Verdienste Ehrenmitglied dieses Vereins. Die Verkörperung eines echten jüdischen Frauenideals, ernster religiöser Pflichttreue, verankert in selten reichem jüdischem Wissen und starker Überzeugungstreue, ist mit ihrem Heimgange von uns geschieden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Hugo Rothschild (1930)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1930: "Alsfeld, 27. Mai (1930). In einem Alter von nur 58 Jahren wurde seiner Familie und unserer Gemeinde am Samstag, den 10. Mai Herr Hugo Rothschild - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - durch einen plötzlichen Tod entrissen. Was seine Familie und unsere Gemeinde durch den Tod dieses trefflichen Menschen und aufrechten Jehudi verliert, ist gar nicht mit diesen wenigen Zeilen, die eine kurze Würdigung des Verstorbenen darstellen sollen, wiederzugeben.   
Auf streng gesetzestreuem Boden stehende, hat der Heimgegangene ein der Tauroh (Tora) und den Mizwaus (religiöse Gebote) geweihtes Leben geführt. Jede freie Minute, die sein Beruf ihm gab, verwandte er zum Studium der heiligen Lehre, und er hatte es zu einem überaus großen Wissen auf diesem Gebiete gebracht, zu einem Wissen, das überall die größte Bewunderung hervorrief. Mit seiner Gattin, die ihm 7 Jahre im Tode voranging, hat er ein echt jüdisches Familienleben geführt, das den Idealen des orthodoxen Judentums gewidmet war. Trotz schwerer Schicksalsschläge und großer Heimsuchungen blieb sein Gottvertrauen unerschütterlich, weil er ein wirklich gläubiger und frommer Mensch gewesen ist, ein Jude, wie wir ihn in solcher Vollendung in dieser Gegenwart nur noch selten antreffen. Und so trauert um ihn nicht nur der einzige Sohn, den der Allmächtige trösten und stützen möge in seinem großen Schmerze, sondern unsere ganze Gemeinde war aufs tiefste bestürzt und innigste bewegt durch diesen schweren Verlust, den wir alle durch den Heimgang erlitten haben. Die Beerdigung fand am 12. Mai unter außerordentlich starker Anteilnahme statt, wobei Herr Lehrer Kahn in einem erhebenden Nachrufe die Verdienste des leider so früh Verschiedenen würdigte. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde nicht verlöschen.
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

 
Zum Tod von Hannchen Steinberger geb. Jacob (1931)  

Alsfeld Israelit 23071931.jpg (92983 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1931: "Alsfeld, 20. Juli (1931). Am Alter von mehr als 84 Jahren ist am 6. Juli Frau Hannchen Steinberger geb. Jacob, nach kurzer Krankheit in die Ewigkeit eingezogen. Mit der Heimgegangenen ist aus unserer Gemeinde eine Frau von einfachem und bescheidenem Wesen geschieden, die, treu den alt geheiligten Idealen unseres Glaubens, ein Leben jüdischer Frömmigkeit und jüdischer Pflichterfüllung geführt hat. Mit ihrem Gatten, dem sie stets eine treue Lebensgefährtin gewesen ist, und der ihr schon vor 13 Jahren in dem Tod vorausgegangen ist, hat sie ihr Haus zu einer Stätte religiöser Lebensführung und Betätigung aller Mizwaus (Gebote) unserer heiligen Religion gestaltet. Sie gehörte zu den eifrigsten Besuchern unseres Gotteshauses und hat bis in die letzten Tage ihres Lebens kaum eine Tefiloh versäumt. In seltenster Rüstigkeit des Geistes und Körpers verlebte sie ihren Lebensabend im Kreise ihrer Familie, getragen von der Liebe ihrer Angehörigen, aus deren Herzen das Andenken der lieben Mutter und Großmutter nie schwinden wird. Unter großer Beteiligung der hiesigen Stadt wurden ihre sterblichen Überreste am 8. Juli zu Grabe getragen, wobei Herr Lehrer Kahn in einer tief empfundenen Grabrede die Tugenden der Heimgegangenen würdigte."

    
Lotte Steinberger aus Alsfeld rettet ein Mädchen in Miltenberg vor dem Ertrinken (1932)  

Miltenberg Israelit 04081932.jpg (49836 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1932: "Miltenberg am Main, 26. Juli (1932). Eine schöne und mutige Tat hat dieser Tage die hier bei ihrer Großmutter zu Besuch weilende 9jährige Lotte Steinberger, das Töchterchen des Vorstehers der Israelitischen Gemeinde in Alsfeld vollbracht. Sie bemerkte in der städtischen Badeanstalt, dass ein 5jähriges Mädchen in einem unbeaufsichtigten Augenblick in das große Bassin gefallen war und sah, wie das Kind mit dem Tode rang. Sie sprang nach und zog das Kind glücklich aus dem Wasser heraus. Die hiesige Lokalzeitung zollt der mutigen Lebensretterin warme Anerkennung." 
 
 Erinnerungen aus
der Familie Steinberger
(erhalten von Nancy F. Heller)
     
   Irmgard (links) und Charlotte
(Lotte) Steinberger
 
 Mutter Rosi Steinberger geb. Grünstein*
mit ihren Töchtern am
10. Geburtstag von Charlotte
 Die zum Purimfest verkleideten
 Mädchen mit ihrem
Cousin Jules Strauss
*Die Mutter Rosi Steinberger geb. Grünstein stammte aus Miltenberg/Unterfranken, wo sie am 17. Juni 1897 geboren ist. Sie heiratete Adolf Steinberger, der am 12. Januar 1886 in Alsfeld als Sohn von Isaak Steinberger und Hannchen geb. Jakob aus Grebenau geboren ist. Adolf und Rosa hatten zwei Töchter: Judith Irmgard (geb. 20. Februar 1920 in Alsfeld, später verheiratete Freund, gest. 27. November 2010 in Chathan, NJ/USA) und Charlotte (Lotte, geb. 21. September 1922 in Alsfeld, später verheiratete Levi, gest. 17. April 1972 durch einen Verkehrsunfall in den USA). Adolf Steinberger starb 1947 in Haifa, Israel. 
Genealogische Informationen vgl. https://www.geni.com/people/Rosa-Steinberger/6000000066392397853  
Links: Anzeige der Mechanischen Kleiderfabrik Steinberger & Co. in Alsfeld aus:  Mitteilungsblatt des Landesverbandes Hessen vom Juli 1926 S. 6.

   
   
Persönlichkeiten 
Über Samuel Spier (1838 bis 1903)     

Alsfeld Spier 001.jpg (61548 Byte)Alsfeld Spier 002.jpg (18814 Byte)Samuel Spier (1838 in Alsfeld - 1903 in Frankfurt am Main), Kämpfer für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Spier entstammte einer jüdischen Familie in Alsfeld, wo er die Schule besuchte (seit 1852 im Gymnasium in Gießen, 1855 in Büdingen). Studium für das Lehramt in Gießen. 1862 als Lehrer am 'Brüsselschen Institut' in Segnitz bei Würzburg tätig, seit 1864 an der Samsonschule in Wolfenbüttel. 
1865 Mitbegründer eines Arbeiterbildungsvereines in Wolfenbüttel. Seit 1867 Anhänger der Ideologie von Lassalle, Begründer einer Ortsgruppe des Lassalleschen ADAV in Wolfenbüttel. 1869 nach Trennung vom ADAV Gründung der Socialdemokratischen Arbeitspartei Deutschland durch August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Wilhelm Bracke, Samuel Spier und einen anderen Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung. Auf das Programm des SDAP nahm Spier wesentlich Einfluss. Braunschweig/Wolfenbüttel wurde zum Sitz der Partei. 1870/71 wurde die Braunschweiger Parteiführung wegen angeblichem "Landesverrat" verhaftet und für mehrere Monate ins Gefängnis gebracht. Nach der Entlassung ließ sich Spier als Privatgelehrter in Segnitz nieder und übernahm die Leitung des "Brüsselschen Institutes". 1881 nach Frankfurt verzogen, wo er 1903 verstorben ist. 
Seit Frühjahr 2005 erinnert in Alsfeld die "Samuel-Spier-Gasse".
Link: Wikipedia-Artikel zu Samuel Spier.
Literatur: Melanie Stumpf: Samuel Spier, ein bürgerlicher Arbeiterführer. Segnitz bei Würzburg 1998.
Die Abbildungen sind aus der Website Jüdisches Museum Vogelsberg       Faltblatt zu Samuel Spier aus Alsfeld (pdf-Datei)   
Alsfeld Synagoge 220.jpg (68852 Byte)   
Links: Erinnerung an Samuel Spier in Alsfeld: die unweit des ehemaligen Synagogenstandortes gelegene "Samuel-Spier-Gasse".

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Hermann Rothschild (1897) 

Alsfeld Israelit 30121897.jpg (37271 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1897: "Für mein Samstags und israelitische Feiertage geschlossenes Manufakturwaren-Geschäft suche zum baldigen Eintritt einen Reisenden, der 28 Jahre alt ist und eingeführte Touren hat. 
Hermann Rothschild
, J.W., Alsfeld."

   
Anzeige des Manufaktur-, Modewaren- und Konfektionsgeschäftes J. Rothschild (1900)  

Alsfeld Israelit 31051900.jpg (33430 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1900: "Für mein Manufaktur-, Modewaren- und Konfektionsgeschäft Lehrling  
mit guter Schulbildung für sofort gesucht. Samstags und israelitische Feiertage geschlossen. 
J. Rothschild,
Alsfeld, Oberhessen."  

   
Anzeige des Frucht-, Mehl- und Futter-Artikel-Geschäftes Sigmund Flörsheim (1903) 

Alsfeld Israelit 23111903.jpg (40365 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1903: "Einen kräftigen Lehrling für mein Frucht- Mehl- und Futter-Artikel-Geschäft bei sofortigem Eintritt gesucht. 
Sigmund Flörsheim, Alsfeld, Oberhessen."    

     
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes Daniel Strauß Söhne (1904)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1904: "Wir suchen per 15. Juli, eventuell 1. August, für unser Manufaktur- und Konfektionsgeschäft einen jüngeren
 Verkäufer
welcher perfekt zu dekorieren versteht. Den Offerten erbitten Photographien und Gehaltsansprüche bei freier Station beizufügen. 
Daniel Strauß Söhne, 
Alsfeld
."       

  
Über das koschere Wattierleinen der Firma C. Grünwald und Sohn (1905)  

Alsfeld FrfIsrFambl 05051905.jpg (95685 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1905: "Alsfeld. In unserem durch seine Leinenindustrie weithin bekannten Städtchen wird jetzt eine Spezialität dieser Branche hergestellt, die für die Anhänger des gesetzestreuen Judentums von besonderer Wichtigkeit ist. Den Bemühungen unseres Provinzialrabbiners, Herr Dr. Hirschfeld in Gießen, ist es gelungen, die angesehene hiesige Firma C. Grünwald und Sohn zur Fabrikation von Wattierhanfleinen in ihrer Weberei unter seiner Aufsicht zu veranlassen. der von dem Herrn Rabbiner bestellt Schaumer versieht das Fabrikat mit einem Stempel, der außer dem Namen der Firma, die Bezeichnung 'Koscher, hergestellt unter Aufsicht des Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld-Gießen' enthält. Herr Dr. Hirschfeld darf das Verdient in Anspruch nehmen, mit seiner Einrichtung einem dringenden Bedürfnis abgeholfen zu haben, und es bleibt nur zu wünschen, dass jüdische Geschäfte ihnen Bedarf an Koscher-Leinwand nunmehr bei oben genannter Firma decken." 
  
Alsfeld FrfIsrFambl 02061905.jpg (36343 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Juni 1905: "Koscher Wattierleinen Koscher  
hergestellt unter Aufsicht des Provinzialrabbiners Dr. Hirschfeld, Giessen. 
Mechanische Weberei Alsfeld C. Grünwald & Sohn. 
Alsfeld,
Oberhessen".  

  
Heiratsanzeige von Henry Strauss und Helene geb. Rotschild (1921)  

Alsfeld Israelit 16061921.jpg (34646 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1921: "Statt Karten. 
Henry Strauss - Helene Strauss geb. Rotschild. Vermählte.  Darmstadt - Alsfeld.  
Trauung: Sonntag, den 19. Juni 1921. Giessen, Restaurant Grünewald."  

   
Heiratsanzeige von Sally Kaufmann und Jenny geb. Rothschild (1921)  

Alsfeld Israelit 14071921.jpg (39684 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1921: "Statt Karten. 
Sally Kaufmann - Jenny Kaufmann geb. Rothschild. Vermählte.  
München / Frankfurt - Alsfeld (Hessen). 
Trauung: Sonntag, 17. Juli 1921 / 11. Tammus 5681. 'Hotel Goldschmidt' Würzburg."    

   
Hochzeitsanzeige für Alice Hammel und Sally Stein (1930)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1930: "Statt Karten. Mit Gottes Hilfe
Herr und Frau Heinrich Hammel und Herr und Frau Abraham Stein 
beehren sich zu der am Sonntag, den 29. Nissan 5690/27. April 1930, so Gott will stattfindenden Trauung ihrer Kinder Alice und Sally freundlichst einzuladen. 
Frankfurt am Main - Rödelheim  -  Alsfeld/Hessen.  
Trauung um 1 1/2 in Frankfurt-Main im Volksbildungsheim Saal 5, Eschenheimer Anlage 40/41. 
Telegramme nach Hotel Ulmann, Frankfurt-Main, wolle man gefälligst für jüdische Wohltätigkeitszwecke ablösen."   
Anmerkung: Alice Stein geb. Hammel (geb. 1901 in Frankfurt) ist nach der Deportation ab Frankfurt am Main im November 1941 in das Ghetto Kowno umgekommen.  

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Bei einer Bauerlaubnis von 1458 wird vermerkt, dass "die Judenschul unverbaut" zu belassen sei. Bei dem "Judenschul" genannten Gebäude dürfte es sich um die Synagoge der bis zur Verfolgung der der Pestzeit 1348/49 in der Stadt bestehenden jüdischen Gemeinde gehandelt haben. Der Standort ist nicht bekannt. 

Ob im 18. Jahrhundert oder am Anfang des 19. Jahrhunderts bereits ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden war, ist nicht bekannt. 

Seit 1830
war im Gebäude Metzgergasse 18 eine Synagoge eingerichtet ("alte Synagoge"). Dieses Gebäude war vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und nach dem Erwerb durch die jüdische Gemeinde zu einem jüdischen Gemeindezentrum umgebaut worden. Das Gebäude umfasste einen Betsaal sowie einen Unterrichtsraum für die jüdische Religionsschule und eine Lehrerwohnung. 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war ein Synagogenneubau dringend notwendig geworden, zumal die Gemeinde inzwischen über 200 Personen umfasste. 1890 erwarb die "Israelitische Religionsgemeinde" ein Baugrundstück in der Lutherstraße. Der Beschluss zum Bau der Synagoge wurde nach den notwendigen Vor- und Planungsarbeiten Anfang 1904 gefasst, der Bau selbst noch in diesem und im folgenden Jahr 1905 ausgeführt. Architekt Adam aus Fulda wurde als Bauherr beauftragt. Nähere Einzelheiten gehen aus nachstehenden Berichten hervor:      
    
Beschluss zum Bau der neuen Synagoge Anfang 1904  

Alsfeld FrfIsrFambl 02021904.jpg (8541 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Februar 1904: "Alsfeld (Hessen). Hier wurde der Bau einer neuen Synagoge beschlossen."   

Einweihung der Synagoge am 29./30. Dezember 1905  

Alsfeld FrfIsrFambl 08121905.jpg (23549 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Alsfeld (Hessen). Die Einweihung der neu erbauten Synagoge, welche jetzt fertiggestellt ist und eine Zierde der Stadt bildet, findet am 29. und 30. Dezember statt."    
  
Alsfeld FrfIsrFambl 05011906.jpg (157613 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Januar 1906: "Alsfeld, 1. Januar. Über die Einweihung der neuen Synagoge berichtet die 'Oberhessische Zeitung' in ihrer heutigen Nummer: 
Die Feier nahm nach voraufgegangenem Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge ihren Anfang in der Vorhalle des neuen Gotteshauses. Ein Chorgesang 'Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet', leitete sie ein. Fräulein Franzisak Spier trat als Trägerin des Schlüssels vor und feierte den bedeutungsvollen Moment der Erschließung des Gotteshauses in schwungvollen, mit eindrucksvollem Pathos gesprochenen Versen. Dann überreichte Herr Architekt Adam, der Schöpfer des Baues, den Schlüssel unter Worten des Dankes an alle beim Bau beteiligten Faktoren und mit dem Ausdruck der Befriedigung über des Werkes Wohlgelingen an den Vertreter der Großherzoglichen Regierung, Herrn Kreisrat Dr. Melior. Dieser begleitete die Weitergabe des Schlüssels an den Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Abraham Rothschild, mit dem Wunsche, dass das neue Gotteshaus werden möge eine segenbringende Stätte religiöser Erbauung, eine Pflanzstätte bürgerlicher und menschlicher Tugenden. Aus den Händen des Herrn Rothschild, der im Namen der israelitischen Religionsgemeinde für jede Art der Mithilfe am Bau, insbesondere der Großherzoglichen Staatsregierung und der städtischen Verwaltungsbehörde für ihr Wohlwollen und ihre tatkräftige Unterstützung, ferner allen hochherzigen Spendern zugunsten des Synagogenbaues wärmsten Dank aussprach, empfing der Provinzialrabbiner, Herr Dr. Hirschfeld den Schlüssel, Dieser öffnete nunmehr die Pforten des Gotteshauses.
In ernsten, feierlichen Formen vollzog sich der erste Gottesdienst, das Anzünden des ewigen Lichtes, das Verbringen der Torarollen in die heilige Lade. Gebete des Provinzialrabbiners, Einzelgesänge des Kantors, Herrn Lehrer Spier, und Chorgesänge begleiteten diese Handlungen. 
Zu Beginn der Festpredigt begrüßte der Provinzialrabbiner, ein sprachgewandter, temperamentvoller Redner, die festliche Versammlung, insbesondere die Vertreter der Behörden, sowie der anderen Konfessionen. Er sprach tiefernste und begeisterte Worte über die Bedeutung der Synagoge und über unser Verhältnis zu dem gemeinsamen großen Gotte, den wir ja alle anbeten. Ein tief empfundenes Gebet für das Heil unseres hochsinnigen Landesfürsten und seines Hauses, für den kraftvollen Schirmer und För-
Alsfeld FrfIsrFambl 05011906a.jpg (155327 Byte)derer des Reiches, unseren Kaiser und für das Wohl des Landes bildete den Schluss der gedankenreichen und geistvollen Predigt. 
Mit ihr erreichte zugleich die offizielle Feier ihr Ende. Freitag, Samstag und Sonntag abend fanden festliche Veranstaltungen im Deutschen Kaiser statt.
Die neue Synagoge präsentiert sich von außen als ein stilvolles imponierendes Bauwerk mit geschmackvollen, eigenartigen Formen, das unserer Stadt zur Zierde gereicht. Das gleiche harmonische, solide Gepräge trägt die innere Einrichtung und Ausstattung, prächtig ist der Anblick des Innern des Gottesdienstraumes und der darin aufgestellten heiligen Lade. Die hiesige israelitische Gemeinde hat mit dem Bau der neuen Synagoge der Pflege ihres religiösen Lebens und konfessionellen Gemeinsinnes ein hochbedeutsames Opfer gebracht.
In opferwilliger Weise haben fast alle Gemeindemitglieder durch größere Geldspenden den Bau gefördert. Von auswärts haben Herr Benscher - Leipzig und Frau Löwenbaum in Hannover u.a. durch großherzige Geldspenden ihr Interesse an der Sache bekundet. 
An besonderen Gegenständen wurden gestiftet: Von den Frauen und Mädchen der Gemeinde der weiße Vorgang vor der heiligen Lade und dazu passende Decken für die Pulte, zwei ebensolche Mäntelchen für die Torarollen. Die herrlichen Stickereien hat Frau Silberstein in Sulz im Elsass angefertigt. Von ihr stammen auch die von den Herren Samuel Spier, Rechtsanwalt Dr. Rothschild - Offenbach und Israel Lorsch gestifteten Toramäntelchen. Einen Vorhang, dazu gehörige Decken und Mäntelchen in bunt stiftete Frau Sara Wallach. Die Frauen und Mädchen spendeten außerdem einen silbernen Toraschmuck, der aus der Silberwarenfabrik Posen Witwe, Frankfurt am Main, stammt; einen gleichen schenkte Herr Dr. Max Rothschild. Die silbernen Leuchter auf dem großen Vorlesepult sind eine Spende des Herrn Direktor Stein in Berlin, die beiden Vasen für das ewige Licht eine solche der Herrn Louis und Simon Spier in Frankfurt am Main. Die Uhr in der Synagoge ist von Herrn Levi Nussbaum in Fulda, der Uhrenschrank in der Vorhalle, der die verschiedenen Zeiten für den Gottesdienst angibt, ist ein Kunstwerk aus der Werkstatt des Herrn Beckert - Alsfeld, gestiftet von den Herrn Dr. Leopold Rothschild - Schneidemühl und Zahnarzt Hugo Rothschild in Lübeck. Einen Ofen spendete Herr Max Rothschild in Nordeck."  

Die Synagoge hatte insgesamt 350 Plätze. Damals erwartete man vermutlich eine weitere Zunahme der jüdischen Einwohner der Stadt, zu der es dann doch nicht gekommen ist.  

Baubeschreibung 
(1903)  
Alsfeld Synagoge Plan 1364.jpg (194188 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1366.jpg (162012 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1367.jpg (164456 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1368.jpg (142557 Byte)
  "Baubeschreibung und Statische Berechnung zum Neubau der Synagoge für die Israelitische Religionsgemeinde Alsfeld"
(erhalten vom Geschichts- und Museumsverein e.V. Alsfeld)    
         
Erläuterungsbericht 
(1902/03)
 
Alsfeld Synagoge Plan 1369.jpg (173590 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1371.jpg (187672 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1372.jpg (159040 Byte)  
   "Erläuterungsbericht zum Entwirf für den Neubau einer Synagoge zu Alsfeld", unterzeichnet am 28. Dezember 1902 vom damaligen Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Alsfeld A. Rothschild, Ad. Spier und W. Wallach.    
(erhalten vom Geschichts- und Museumsverein e.V. Alsfeld)  
 

   
   
Ende Dezember 1930 konnte feierlich das 25jährige Synagogenjubiläum gefeiert werden. Anlässlich der Feier wurde die Synagoge von innen und außen renoviert.   

Alsfeld Israelit 08011931.jpg (183153 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1931: "Alsfeld, 28. Dezember (1930). Am Sabbath Wajigasch feierte die hiesige Gemeinde (Schabbat mit der Toralesung Wajigasch = 1. Mose 44,18 - 47,27, das war am 27. Dezember 1930)  das 25jährige Jubiläum der Erbauung ihrer Synagoge. Die Feier, zu der Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen, erschienen war, wurde am Freitagabend eingeleitet durch den Synagogenchor. Der 1. Vorstand der Gemeinde, Herr Adolf Steinberger, stattete in einer Ansprache all denjenigen seinen Dank ab, die zur Erbauung und Erhaltung der Synagoge beigetragen haben. Anschließend daran hielt Herr Lehrer Kahn eine Weiherede, die in ihrer Formvollendung und Innigkeit einen tiefen Eindruck hinterließ. Am Sabbatmorgen hielt Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld die Festpredigt, die von Chorgesängen umrahmt war und die die Zuhörer mit großer Begeisterung erfüllte. Der Gottesdienst an diesem Morgen wurde von Herrn Josef Betmann gehalten, der schon fast 30 Jahre das Amt eines Hilfsvorbeters ehrenamtlich ausübt. Samstag Abend versammelte sich die Gemeinde zu einem Gemeindeabend, in welchem Herr Lehrer Kahn einen Vortrag hielt über "Die Geschichte der Alsfelder jüdischen Gemeinde', die bis in tiefste Mittelalter zurückreicht. Dieser Vortrag wurde von Gesangsvorträgen umrahmt. Die Synagoge wurde zu dieser Feier von außen und von innen renoviert, besondere Beachtung verdient die künstlerische Innenausgestaltung. Von Frauen der Gemeinde wurden Porauches (Toraschreinvorhänge), Schulchandecke (Decke für das Vorlesepult) und silberner Toraschmuck, von der Männerchewrah ein schönes stimmungsvoller Neir Tamid (Ewiges Licht) gestiftet. 
  
Alsfeld Israelit 15011931.jpg (54988 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Alsfeld, 12. Januar (1931). In dem Bericht über die Feier des 25jährigen Jubiläums der hiesigen Synagoge ist versehentlich die überaus verdienstvolle Tätigkeit der 1. Vorsitzenden des Frauenvereins, Frau Auguste Strauß, unerwähnt geblieben. Frau Strauß, die seit Jahren den hiesigen Frauenverein in vorbildlicher Weise führt, hat das Verdienst, durch ihre Sammeltätigkeit es ermöglicht zu haben, dass an diesem Tage unsere Synagoge mit einem neuen künstlerischen Porauches (Toraschreinvorhang), nebst den zugehörigen Decken und einem schönen Toraschmuck geziert werden könnte. Möge sie noch recht viele Jahre in dieser echt jüdischen Weise in unserer Gemeinde tätig sein."   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 14. Januar 1931: "Alsfeld (Synagogen-Jubiläum). Die hiesige Gemeinde feierte vor kurzem das 25-jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld aus Gießen weilte aus diesem Anlass zur Abhaltung des Festgottesdienstes beziehungsweise der Festpredigt hier. Der erste Vorsteher Adolf Steinberger dankte in der Begrüßungsansprache allen, die zur Erbauung und Erhaltung der Synagoge beigetragen hatten. Lehrer Kahn hielt am Freitagabend eine Weiherede, die tiefen Eindruck auf alle Zuhörer machte. Sabbatmorgen fand ein besonderer Festgottesdienst statt, der durch Chorgesänge verschönt wurde, in dessen Mittelpunkt die wirkungsvolle Predigt des Provinzial-Rabbiners Dr. Hirschfeld, Gießen, stand. Den Gottesdienst führte der Hilfsvorbeter Josef Bettmann aus, der seit 30 Jahren dieses Amt ehrenhalber versieht. Am Abend hatten sich die Mitglieder und Gäste zu einem Gemeindeabend versammelt, in dem Lehrer Kahn einen fesselnden Vortrag über die Geschichte der Alsfelder Juden hielt. Die Synagoge war zum Jubiläum gründlich außen und innen renoviert worden. Frauen- und Männervereine hatten außerdem durch Stiften von Decken, Vorhängen für die heilige Lade, eines silbernen Toraschmuckes und einer stimmungsvollen 'ewigen Lampe' zur würdigeren Ausstattung des Gottesdienstes beigetragen."    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 9. Januar 1931:   
Ähnlicher Bericht wie die schon zitierten Berichte. 

Nur 33 Jahre war die Synagoge Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt.   
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurden am Abend des 9. November gegen 21 Uhr die Fenster der Synagoge eingeworfen. Danach wurde der Innenraum durch SA-Leute in Brand gesetzt. Das vollständige Niederbrennen wurde durch den Vorsitzenden der Bezirkssparkasse (zugleich SA-Führer) und den Bürgermeister der Stadt verhindert. Ersterer erwarb wenig später das Gebäude und baute es 1939 nach dem teilweisen Abriss des Betraumes zu einem Wohnhaus um. Beim Abriss wurde im Wesentlichen der Sakralraum abgebrochen, erhalten sind insbesondere das Lehrer-Wohnhaus sowie die Versammlungsräume der jüdischen Gemeinde. Sie wurden mit den Steinen des abgerissenen Betsaales umgebaut und bis heute als Wohnhaus genutzt. 
 
Dazu der Zeitzeugenbericht des langjährigen Schulrates Karl Rausch über die Ereignisse beim Novemberpogrom: "Ich erfuhr erst am nächsten Morgen, dem 10. November 1938, bei einem Gang durch die Stadt, von dem erschreckenden Ereignis. Man erzählte erregt, dass die SA gestern Abend gegen 21:00 Uhr, als die Straßen bereits nahezu menschenleer waren, die Synagoge angesteckt hätte. Die alarmierte Feuerwehr, so erfuhr ich weiter, durfte auf Befehl des Ortsgruppenleiters nicht löschen, die Leute aus der Nachbarschaft haben zugesehen, wie das Gebäude brannte. Nachdem ich dies erfahren hatte, ging ich sofort zu meinem Museumsmitarbeiter Konrad Geisel, der in der Nähe der Synagoge wohnte. Ich bat ihn, mit mir zu gehen…schnell waren wir am Synagogengelände und stellten fest, dass fast alle Wände unversehrt erhalten waren, lediglich das Innere des Gotteshauses stark angebrannt erschien. Bänke, Schränke und sonstige Gegenstände aus Holz waren zum größten Teil verbrannt, zumindest stark verkohlt. Unser Augenmerk richtete sich vor allem auf den leicht beschädigten Thoraschrank, in dem wir zu unserer Freude mehrere Thorarollen in ihren prächtigen Hüllen und Decken mit anderen wertvollen Kultgegenständen entdeckten. Herr Geisel holte zu sogleich aus seiner nahen Wohnung einen Korb in dem wir die Kultgegenstände einlegten, in das Museum trugen…und sie dort verwahrten, um sie später einmal in einer geeigneten Form auszustellen. Wir wollten dies zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Alsfeld tun, um der Nachwelt die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus vor Augen zu führen. Den nur leicht beschädigten Thoraschrank bauten wir gemeinsam mit dem Schreinermeister aus und verwahrten ihn bei der Halle des Hochzeitshauses."
    
An einer Mauer im Garten (Ecke Martin-Luther-Straße/Hinter der Mauer) wurde eine Gedenktafel angebracht, deren Inschrift lautet: "Hier stand die Synagoge, 1905 eingeweiht, am 9.11.1938 durch nationalsozialistischen Terror zerstört. Die Leiden des jüdischen Volkes rufen auf zur Verteidigung der Menschenrechte, zum Widerstand gegen Gewalt und die rechtlose Verfolgung Andersdenkender".
    
Eine Torarolle der Synagoge wurde 1938 von Mitgliedern des heute noch existierenden Museums- und Geschichtsvereins gerettet und ist im Regionalmuseum ausgestellt. Im Regionalmuseum finden sich weitere Exponate zur jüdischen Geschichte (Toraschrank, Davidstern, bis hin zu antijüdischen Plakaten) sowie seit 2013 das Modell der ehemaligen Synagoge. 
   
Anschrift des Geschichts- und Museumsvereins Alsfeld e.V.: c/o Regionalmuseum Alsfeld  Rittergasse 3-5  36304 Alsfeld (Tel. 06631-4300 oder 06631-182-165 (Verkehrsbüro Alsfeld)
Stadtgeschichtliche Führungen zur jüdischen Geschichte in Alsfeld durch Heinrich Dittmar in 36305 Alsfeld  E-Mail    
   
   
Adresse/Standort der Synagoge: neue Synagoge (von 1905) in der Luther-Straße 1  
   
   
Fotos / Pläne   

Die alte Synagoge (bis 1905)
(Fotos aus Altaras 1994 S. 95)
Alsfeld Synagoge 004.jpg (104607 Byte) Alsfeld Synagoge 005.jpg (70704 Byte)
            
Pläne für die neue Synagoge (1903) 
(Geschichts- und Museumsverein e.V. Alsfeld) 
     
Alsfeld Synagoge Plan 1352.jpg (276094 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1442.jpg (294070 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1443.jpg (349956 Byte)
 Das Baugrundstück mit 
Eintragung des Synagogenbaus 
 Ansicht des Synagogengebäudes 
von Süden 
 Ansicht des Synagogengebäudes 
von Osten (mit Apsis des Toraschreines)  
     
Alsfeld Synagoge Plan 1444.jpg (352627 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1357.jpg (162766 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1353.jpg (110168 Byte)
 Ansicht des Synagogengebäudes 
von Norden 
  Schnitt durch das 
Synagogengebäude (G-H)  
 Schnitt durch das 
Synagogengebäude (E-F) 
     
Alsfeld Synagoge Plan 1441.jpg (363503 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1354.jpg (151347 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1356.jpg (181387 Byte)
 Dachaufsicht    Schnitt (A-B)    Schnitt (C-D)  
     
Alsfeld Synagoge Plan 1359.jpg (292712 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1360.jpg (293592 Byte) Alsfeld Synagoge Plan 1361.jpg (346942 Byte)
 Grundsriss des Obergeschosses mit 
der Frauenempore (109 Plätze) 
 Grundriss der Kellergeschoss 
und der Fundamente 
 Grundriss des Erdgeschosses mit dem 
Betsaal der Männer 
     

Die neue Synagoge (1905-1938)  
(Quellen: obere Zeile links: Sammlung Hahn; Mitte: Geschichts- und Museumsverein Alsfeld; rechts aus www.synagogen.info (eingestellt von William L. Gross, Tel Aviv); zweite und dritte Fotozeilen: Abbildungen erhalten von Bodo Runte vom Geschichts- und Museumsverein Alsfeld)  

  Alsfeld Synagoge 001.jpg (45775 Byte)   Alsfeld Synagoge K010.jpg (228989 Byte)  Alsfeld Synagoge 085.jpg (215835 Byte)   Alsfeld Synagoge 020.jpg (97793 Byte)
Aufnahme der gerade fertig gewordenen
 Synagoge (die Postkarte mit dem Foto ist
 abgestempelt am 21.12.1905, also 10 Tage
 vor der Einweihung der Synagoge)
    Postkarte von vor 1933 mit
 Sehenswürdigkeiten aus Alsfeld, 
darunter die Synagoge 
 
     
Alsfeld Synagoge D011.jpg (249436 Byte) Alsfeld Synagoge D010.jpg (43726 Byte) Alsfeld Synagoge h1405.jpg (36551 Byte)  Alsfeld Synagoge h1406.jpg (40124 Byte) Alsfeld Synagoge 090.jpg (143674 Byte)
  Dreifaltigkeitskirche mit Synagoge 
am linken Bildrand 
   Synagoge mit einem
 Auto (Lutherstraße)
Blick auf die 
Synagoge
   "Festordnung" zur Einweihung 
der Synagoge"
          
Alsfeld Synagoge 086.jpg (144800 Byte) Alsfeld Synagoge 087.jpg (299284 Byte) Alsfeld Synagoge 002.jpg (43842 Byte)
Innenansichten zur Synagoge - Blicke über den Almemor zum Toraschrein; links davon die Gefallenendenktafel.  
     
Alsfeld Synagoge Toraschrein 010.jpg (108043 Byte) Alsfeld Synagoge Uhrenschrank 010.jpg (148228 Byte)    
Toraschrein der ehemaligen Synagoge  Der Uhrenschrank der Synagoge    
      
Synagogengrundstück mit Gedenkstein im März 2008 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.3.2008)
   
 Alsfeld Synagoge 225.jpg (76978 Byte) Alsfeld Synagoge 224.jpg (85236 Byte) Alsfeld Synagoge 003.jpg (85227 Byte)
   Das ehemalige Synagogengrundstück an der Lutherstraße mit dem Gedenkstein. 
   
   Alsfeld Synagoge 223.jpg (117844 Byte) Alsfeld Synagoge 222.jpg (93365 Byte)
   Gedenkstein mit der Inschrift: "Hier stand die Synagoge. 1905 eingeweiht, am 9.11.1938
 durch nationalsozialistischen Terror zerstört. Die Leiden des jüdischen Volkes rufen auf 
zur Verteidigung der Menschenrechte, zum Widerstand gegen Gewalt und die rechtlose
 Verfolgung Andersdenkender" 
     
     
Modell der Synagoge    Alsfeld Synagoge Modell 010.jpg (135377 Byte)
  Oben: Modell der Synagoge im Maßstab 1:100, das der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld 
durch den Modellbauer Hans Heinrich Graue erstellen ließ - ein größeres Modell im Maßstab 1:25 wurde 2012 erstellt (Fotos unten)
 (vgl. Pressebericht unten vom Juni 2012 und Fotos) 
Alsfeld Synagoge Modell 1403.jpg (51045 Byte)   Alsfeld Synagoge Modell 1401.jpg (12357 Byte)  Alsfeld Synagoge Modell 1402.jpg (11587 Byte) Alsfeld Synagoge h1407.jpg (1369597 Byte)
   Die obigen Fotos des Modells sind in hoher Auflösung eingestellt.   
     
Weitere Erinnerungen an die jüdische Geschichte 
(erhalten von Bodo Runte vom Geschichts- und Museumsverein Alsfeld)  
 
Alsfeld Adolf Levi Schuhwaren 010.jpg (143306 Byte) Alsfeld Zahnarzt Rothschild 010.jpg (236329 Byte) Alsfeld Boykott 010.jpg (61639 Byte)
Foto des Schuhwarengeschäftes 
von Adolf Levi
Holztafel der Zahnärzte Dr. Leopold Rotschild
 und Hugo Rothschild 
 Foto vom Boykott der jüdischen 
Geschäfte in Alsfeld 
     
Alsfeld Lehrer 020.jpg (187588 Byte) Alsfeld Emil Wallach.jpg (124133 Byte) Alsfeld Therese Wallach 010.jpg (98778 Byte)
Foto des jüdischen Lehrers 
(Leopold Kahn ?) 
Emil Wallach aus der Rittergasse (gestorben
 1933), Bruder von Karl Wallach 
Therese Wallach, Ehefrau 
von Hermann Wallach 
     
  Alsfeld Karte JRothschild II 010.jpg (203623 Byte)  
  Karte der Firma Josef Rotschild II, 
Fabrikation von Bürstenwaren usw. 
 
     
Das "Wasserhäuschen" 
der Firma David Levi
 (Kaplaneigasse 4)
(Fotos, Presseartikel und Text erhalten von 
Bodo Runte, Geschichts- und 
Museumsverein Alsfeld e.V.) 
Alsfeld Wasserhaeuschen Levi 010.jpg (207023 Byte)  Alsfeld Wasserhaeuschen 201308a.jpg (20669 Byte)  Alsfeld PA OZ 28051983.jpg (173926 Byte)
Oben: Presse-Artikel aus der 
"Oberhessischen Zeitung" vom 28. Mai 1983  

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte das Trinken von unreinem Leitungswasser die Gesundheit gefährden. Deshalb entstanden in vielen Städten Trinkhallen oder Wasserhäuschen, an denen unbedenkliches Wasser aus Flaschen angeboten wurde. Hier gab es Mineralwasser; zunächst in Gläsern, später auch in wiederverschließbaren Flaschen. Die Wasserhäuschen sollten auch den Genuss von alkoholischen Getränken eindämmen.
An der Straßengabelung von Alicestraße und Georg-Martin-Kober-Straße stellte David Levi vor fast 100 Jahren ein "Wasserhäuschen" auf. David Levi war Wasserhändler und dürfte das Häuschen um 1916 gebaut haben. Das Alsfelder "Wasserhäuschen" musste allerdings dem Ausbau der Straßen und den Neubauten in diesem Bereich weichen. Es wurde versetzt und diente seit Jahrzehnten als Gartenhäuschen auf einem städtischen Grundstück. 
Der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld sieht das "Wasserhäuschen" als Teil der Wirtschaftsgeschichte der Stadt und als wichtiges Kulturgut, das erhalten werden muss. Der Magistrat hat keine Bedenken wenn der Verein das "Wasserhäuschen" in den Bestand des Museums übernimmt. Er begrüßt diese Initiative mit großem Wohlwollen und dankt dem Vorstand, dass er das einmalige Kulturgut erhält. 
Mitarbeiter der Neuen Arbeit haben Ende August 2013 das Wasserhäuschen abgebaut (siehe unten) und danach sachgerecht saniert. Im Sommer 2014 wurde es im Museumshof aufgebaut und der Alsfelder Bevölkerung vorgestellt. Der gesamte Ablauf der Maßnahme wurde vom Geschichts- und Museumsverein dokumentiert.  

Zur Familiengeschichte (Quelle: Stadtarchiv Alsfeld): David Levi (geb. 29. Dezember 1865 in Birstein) war verheiratet mit Frieda geb. Baruch (geb. 6. August 1876 in Bad Wildungen). Die beiden sind zwischen 1875 und 1900 in Alsfeld zugezogen. David Levi betrieb in der Kaplaneigasse 4 ein Limonadengeschäft  (Limonadenherstellung und -verkauf). Das Limonadengeschäft soll nicht sehr gut gegangen sein. Die Familie wird als fleißig bezeichnet. Am 12. November 1934 wanderte die Familie nach Haifa aus. Ein Sohn von David und Frieda Levi war Dr. Gustav Levi, Dipl.-Ing. bei AEG. Er war bereits vor dem Krieg oft auf Geschäftsreisen. Letzter deutscher Wohnort war Berlin-Wilmersdorf. Dr. Gustav Levi war verheiratet mit Johanna geb. Oeverdieck (geb. 16. Juni 1901). Am 30. Mai 1939 war ein Kind vorhanden. Die Ausbürgerung erfolgte am 21. März 1939, weil Gustav Levi die Staatsbürgerschaft Palästinas erworben hatte. 

Alsfeld Wasserhaeuschen 201308b.jpg (21339 Byte) Alsfeld Wasserhaeuschen 201308c.jpg (22457 Byte)  Alsfeld Dok 070.jpg (37509 Byte)  Alsfeld Wasserhaeuschen 092014a.jpeg (162187 Byte) 
Abbau des Wasserhäuschens 
Ende August 2013 
 Juli 2014: Dokumentation der Restaurierung 
des Wasserhäuschens ist erschienen (s.Lit.) 
 Das Wasserhäuschen nach Abschluss der
 Restaurierung im Hof des Regionalmuseums 
     
Rechts: Fotos vom Tag der Einweihung 
des restaurierten Wasserhäuschens 
(18. Oktober 2014) 
Alsfeld Wasserhaeuschen 2562.gif (176619 Byte) Alsfeld Wasserhaeuschen 2563.gif (207824 Byte)
     
     
Juli 2014: Das "Wasserhäuschen" wird renoviert  
Artikel in der "Oberhessischen Zeitung" vom 2. Juli 2014: "Renaissance für ein kleines Denkmal
RESTAURIERUNG Richtfest für 'Levys Wasserhäuschen“ in der Schreinerei der Neuen Arbeit
ALSFELD -
(gsi). Sie haben zwar eher in Großstädten eine lange Tradition, die Wasserhäuschen, aber auch Alsfeld hatte sein 'Büdchen', wo sich durstige Alsfelder und ihre Besucher mit einem spritzigen klaren Schluck Wasser erfrischen konnten. Levys Wasserhäuschen stand bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein an der Alice-Straße, Ecke Georg-Martin-Kober-Straße, damals noch Bahnhofstraße. Betrieben hat es die Familie Levy. Irgendwann wurde es dort entfernt und fristete sein Dasein als Gartenhütte, zuletzt auf einem städtischen Grundstück..." 
Link zum Artikel    
Anmerkung: Das Wasserhäuschen des Wasserhändlers David Levy wird Ende Juli 2014 im Hof des Regionalmuseums aufgestellt.   
 
Oktober 2014: Das Wasserhäuschen David Levi steht nach der Restaurierung durch den Geschichts- und Museumsverein jetzt im Hof des Regionalmuseums in Alsfeld. Am 10. Oktober 2014 wurden die Arbeiten mit der Dacheindeckung in Zink-Stehfalztechnik, Traufausbildung und einem denkmalgerechten Abtropfblech abgeschlossen. Am 18. Oktober 2014 wurde das Wasserhäuschen mit einem Kulturprogramm seiner weiteren Verwendung zugeführt.    
Zwei Presseberichte 
Über die Veranstaltungen am 18. Oktober 2014 
zur Einweihung des restaurierten Wasserhäuschens 
(
Alsfelder Allgemeine_2014_10_20.jpg (1682613 Byte) Oberhessische Zeitung_2014_10_21.jpg (1047195 Byte)
  "Alsfelder Allgemeine" vom 20. Oktober 2014  "Oberhessische Zeitung" vom 21. Oktober 2014 

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

März 2009:  "Stolpersteine"-Aktion ab Oktober 2009 auch in Alsfeld  
Artikel in den "Osthessen-news" (Artikel) vom 30. März 2009:   
Initiative Stolpersteine erinnert an verfolgte Opfer der Naziherrschaft - morgen Film
Alsfeld -
Im Oktober wird Gunter Demnig in Alsfeld die ersten Stolpersteine verlegen, die am letzten Wohnort an verfolgte Opfer der Naziherrschaft erinnern sollen. Die Initiative Stolpersteine in Alsfeld hat sich das Ziel gesetzt, dieses Ereignis mit Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen vorzubereiten und zu begleiten. Den Auftakt bildet am Mittwoch, den 1. April die Aufführung der preisgekrönten Dokumentation 'Stolperstein' von Dörte Frank. Die Initiative zeigt den Film um 19:30 Uhr im Alsfelder Regionalmuseum. Über 15.000 "Stolpersteine" hat der Künstler Gunter Demnig inzwischen vor den Wohnhäusern deportierter Nazi-Opfer verlegt und ihnen damit ihre Namen zurück gegeben und einen Ort der Erinnerung geschaffen. Neben dem Künstler stehen hinter jedem 'Stolperstein' engagierte Helfer, die wenn möglich Lebensgeschichte der Opfer dokumentieren und die Spender, die helfen, die Verlegung der Stolpersteine zu finanzieren.
'Hier wohnte...' steht auf jedem 'Stolperstein', darunter Name und Jahrgang – dann das Deportationsdatum sowie Ort und Zeitpunkt der Ermordung durch die Nazis. Auf dem Internationalen Filmfestival Locarno wurde Dörte Frankes Dokumentation 'Stolperstein' über Demnigs Initiative erstmals gezeigt und ausgezeichnet.     
  
Oktober 2009: Stolpersteine werden in Alsfeld verlegt  
Alsfeld Plakat Stolpersteine 2009.jpg (88551 Byte)links: Plakat zur Verlegung der "Stolpersteine" in Alsfeld am 24. Oktober 2009.   
Website - Fotogalerie: Fotoseite mit den Häusern in Alsfeld, vor denen Stolpersteine verlegt wurden.   
Bericht zur Verlegung in den Osthessen-News    
  
Artikel im "Lauterbacher Anzeiger" vom 26. Oktober 2009 (Artikel): "Vergangenheit sichtbar und greifbar machen
ALSFELD. Am Samstag verlegte Gunter Demnig 16 Stolpersteine an sieben Stellen in der Alsfelder Innenstadt.
   
(gsi). Wolkenverhangen war der Morgenhimmel über Alsfeld, erste Novembermelancholie kroch über den Platz am Amthof, als am Samstag um neun Uhr die Verlegung von 16 Stolpersteinen vor sieben Häusern in der Alsfelder Innenstadt begann. Passend zu den Gefühlen der vielen Menschen zeigte sich die Natur, denn alle waren gekommen, um an 16 Menschen zu erinnern, die ihren letzten frei gewählten Wohnsitz in Alsfeld hatten, bevor sie von den Nationalsozialisten ermordet oder vertrieben wurden..."    
  
September 2010: In Alsfeld wurden 13 weitere "Stolpersteine" verlegt    
Bericht in der "Oberhessischen Zeitung" (gsi) vom 8. September 2010 (Artikel): 
"13 neue Stolpersteine in Alsfeld verlegt
ALSFELD.
(gsi). Herbstlich war es schon, als gestern Morgen in der Altenburger Straße der zweite Durchgang der Verlegung von Stolpersteinen in Alsfeld begann, knapp ein Jahr nach der ersten Verlegung von Gedenksteinen in der Innenstadt. Musikalisch-melancholisch begleitet vom Saxofon Uli Schimpfs und der Posaune Alexander Kowalskys begrüßte Pfarrer Peter Remy im Namen des Fördervereins zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg zahlreiche Menschen, die den Zug zu den einzelnen Häusern, den letzten frei gewählten Wohnorten jüdischer Mitbewohner vor ihrer Deportation, begleiteten und teilweise mitgestalteten, darunter auch viele Jugendliche, die gemeinsam mit ihren Lehrern von Alsfelder Schulen kamen..."        
  
Juni 2012: Der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld lässt ein Modell der Synagoge bauen 
Artikel in der "Alsfelder Allgemeinen" vom August 2012: "Museumsverein will Synagogenmodell in 1:25
Alsfeld
(pm). Das kleine Modell der ehemaligen Synagoge in der Lutherstraße im Maßstab 1:100 fand bei den Vorstandsmitgliedern des Alsfelder Geschichtsvereins Anklang - nun soll die alte Synagoge in 1:25 entstehen. 
Alsfeld (pm). Hans Heinrich Graue, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg hatte vor einiger Zeit angeregt, ein Modell der ehemaligen Synagoge Alsfeld zu bauen. Als Fachmann für Industriemodellbau stellte er vor kurzem einem interessierten Personenkreis, darunter Joachim Legatis, und Peter Remy vom Fördervereins, sowie Dr. Norbert Hansen, Bodo Runte und Armin Ziegler vom Geschichts- und Museumsverein, das von ihm recherchierte und im Maßstab 1:100 gebaute Modell der Neuen Synagoge Alsfeld (Lutherstraße) vor.
Graues Vorschlag und das Modell stießen auf breite Zustimmung. Ziel ist, es im Maßstab 1:25 zu errichten. Dann würde es folgende Maße erreichen: Länge 1,25 Meter, Breite 72 cm, Höhe 80 cm. Der Vorstand des Geschichts- und Museumsverein hat in dieser Woche einstimmig beschlossen den Auftrag für den Bau eines Modells der Synagoge Alsfeld im Maßstab 1:25 zu erteilen...  Der Vorstand des Geschichts- und Museumsverein vollendet mit diesem Projekt die angemessene Dokumentation der Geschichte der Alsfelder Juden im Regionalmuseum. Mit der Verlegung der Judaica aus dem Zunftsaal in den ersten Stock des Minnigerodehauses, in die Nähe der christlichen Abteilung, wurde im Frühjahr eine notwendige Maßnahme bereits durchgeführt."
Link zum Artikel     
 
 Fotos des Modells 
(erhalten im Februar 2013 von 
Bodo Runte vom Geschichts- und
 Museumsverein e.V. Alsfeld)   
Alsfeld Synagoge Modell 1388.jpg (123686 Byte) Alsfeld Synagoge Modell 1393.jpg (81715 Byte)   
 
August 2012: SPD pflegte Mahn- und Gedenkstein der Synagoge in der Lutherstraße    
Artikel in den osthessen-news.de vom 3. August 2012: "SPD pflegte Mahn- und Gedenkstein der Synagoge in der Lutherstraße
Alsfeld - Mitglieder der SPD Alsfeld nutzen die Sommerpause, um den Gedenkstein am ehemaligen Standort der Alsfelder Synagoge in der Lutherstraße zu pflegen. Die Sozialdemokraten, darunter auch einige Mitglieder der SPD-Stadtverordnetenfraktion, beseitigten das Unkraut im Pflaster, schnitten den Gedenkstein frei und reinigten den Sockel sowie die Metalltafel des Mahnmals, das auf die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses durch vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen hinweisen soll..." 
Link zum Artikel  
 
September 2013: Weitere Pflegeaktion - Putzen der "Stolpersteine"      
Artikel in der "Oberhessischen Zeitung" vom 19. September 2013: "Alsfeld 'Stolpersteine' leuchten wieder. 
(hek). Zwölf Freiwillige fanden sich gestern im Freiwilligenzentrum ein, um sich von dort aus mit Schwamm, Wasser und Putzmittel aufzumachen, um die 35 'Stolpersteine' zu säubern. Im Oktober 2009 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig den ersten von inzwischen insgesamt 35 'Stolpersteinen' in Alsfeld. Diese dienen als eine Mahnung und Erinnerung an die Juden, die bis zum Zweiten Weltkrieg in Alsfeld lebten. In den Gehweg vor den letzten freiwilligen Wohnorten der jüdischen Mitbürger, bevor sie deportiert und getötet wurden, sind die zehn mal zehn Zentimeter großen Plättchen verlegt. 'Den Opfern soll mit den Erinnerungstafeln der Name zurückgegeben werden', erläuterte Roland Heinrich von Freiwilligenzentrum, das die gestrige Aktion initiiert hat, den Sinn der Stolpersteine..."   
Alsfeld 'Stolpersteine“ leuchten wieder (Oberhessische Zeitung, 19.09.2013)  .    
 
Oktober / November 2013: Das Modell der Synagoge wird vorgestellt   
Artikel in der "Oberhessischen Zeitung" vom 14. Oktober 2013: Modell zeigt die einst imposante Synagoge (Oberhessische Zeitung, 24.10.2013) 
 
November 2013:  Veranstaltungsreihe zum Novemberpogrom 1938:   
Link zum Presseartikel:  Gedenken an nächste Generation weitergeben (Oberhessische Zeitung, 30.10.2013) 
 
Dezember 2015: Artikel anlässlich 110 Jahre Einweihung der Synagoge in Alsfeld   
Artikel von Matthias Nicolai in der "Oberhessischen Zeitung" vom 29. Dezember 2015: "Alsfeld. 'Feierlicher und imposanter Akt'. 
STADTGESCHICHTE Vor 110 Jahren wurde die Alsfelder Synagoge eingeweiht / am 9. November 1938 in Brand gesetzt..
." 
Link zum Artikel:  'Feierlicher und imposanter Akt“ (Oberhessische Zeitung, 29.12.2015)  
 
März 2016: Putzaktion für die 42 "Stolpersteine" der Stadt - Helfer gesucht  
Artikel in oberhessen-live.de vom 10. März 2016: "Das Alsfelder Freiwilligenzentrum sucht Helfer zum Reinigen der Stolpersteine Putzaktion im Zeichen des Gedenkens
ALSFELD (ol). 42 Stolpersteine erinnern in der Alsfelder Innenstadt seit über sechs Jahren an die letzte freiwillige Wohnstätte Alsfelder Juden, bevor sie von den Nationalsozialisten vertrieben, deportiert, in den Selbstmord getrieben oder ermordet wurden. In einer Putzaktion will das Freiwilligenzentrum am kommenden Sonntag, die Stolpersteine reinigen..." 
Link zum Artikel    
 
November 2017: Veranstaltung zum Gedenken an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Maximilian Gerten in lokalo.de (Alsfeld) vom 16. November 2017: "Pogromgedenken in Alsfeld: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"
Um der Opfer in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zu gedenken, versammelten sich in Alsfeld am Standort der ehemaligen Synagoge Pfarrer Peter Remy, Stadtrat Jürgen Udo Pfeiffer sowie einige Bürgerinnen und Bürger. 
28.855 Tage sind seit der Nacht vergangen, in der der Innenraum der Synagoge in Brand gesetzt und nahezu alle Fenster eingeworfen wurden. 'Eine große Menschenmenge stand hier, wo wir jetzt stehen und sah meist schweigend zu, wie die Flammen aus dem Inneren leuchteten. Die Feuerwehr war angewiesen, nur einzugreifen, wenn Nachbargebäude in Gefahr gerieten', berichtete Remy in seiner Begrüßung. Später in dieser Nacht sollte noch ein Raubzug durch Alsfeld folgen – Häuser und Geschäfte der damals etwa 100 Juden wurden verwüstet.
Erinnern bedeute nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft, ist sich Remy sicher: 'Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.' Das aktuelle Beispiel eines 14-jährigen Schülers jüdischen Glaubens in Berlin, der über Monate hinweg von Mitschülern bedroht, antisemitisch beleidigt und gewaltsam angegriffen worden war, belegt die These. In ihren Reden forderten Remy und Stadtrat Pfeiffer dazu auf, nicht wegzuschauen, die Gegenwart und Zukunft aktiv mitzugestalten und zu erinnern.
Einige Schüler der Geschwister-Scholl-Schule taten bei der Gedenkzeremonie genau das. Sie standen ein für eine offene und tolerante Gesellschaft. Und sie erinnerten. An die 48 Juden aus Alsfeld – Kinder, Frauen und Männer – die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. So verteilten die Schüler 48 Gedenksteine, die anschließend am Denkmal in der Lutherstraße beigelegt wurden. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Lea Hamel und ihrer Klarinette." 
Link zum Artikel     
  
Juni 2018: Gedenktafel am Haus der Familie Steinberger in der Hersfelder Straße 39  
Artikel von Andreas Ungermann in der "Oberhessischen Zeitung" vom 7. Juni 2018: "Gedenktafel am Haus der Großeltern
ALSFELD
- Für die Schwestern Bekka und Deborah Fink ist es ein emotionaler Moment, als sie gemeinsam mit Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU) die weiße Gedenktafel mit blauer Schrift am Haus in der Hersfelder Straße 39 enthüllen. Bekka kann ein paar Tränen nicht unterdrücken und wird von ihrer Schwester in den Arm genommen. In der Familiengeschichte der zwei Frauen, die in Berkley in Kalifornien leben, hat das Gebäude eine starke Bedeutung, berichten sie. Ihre Großeltern lebten einst darin.
Es war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als die Großmutter der Amerikanerinnen, Irma Levi (geborene Steinberger), nachts deren Mutter - damals nicht einmal ein Jahr alt - aus dem Kinderzimmer ins Elternschlafzimmer holte. 'Als sie am nächsten Morgen in das Kinderzimmer kam, waren die Fenster demoliert, und ein großer Stein lag im Kinderbett', berichten die Finks. Es war die 'Kristallnacht', das Haus der jüdischen Familie war an der Front beschädigt. Hätte Irma Levi ihre Tochter nicht im Elternschlafzimmer übernachten lassen, Doris wäre wohl durch den Stein getötet worden. Am nächsten Tag fällt für die Familie aus Alsfeld, die sich bis etwa in das Jahr 1769 auf einen Herz Steinberger aus Angenrod zurückverfolgen lässt, die Entscheidung, Deutschland zu verlassen. Die Flucht von Irma und Arthur Levi, die sich in der Textilfabrik kennengelernt hatten, führte 1939 zunächst nach Baltimore. Teile der Familie sind heute über die ganze Welt verteilt, weil Irmas Geschwister Martha und Alfred (Avraham) Steinberger nach Südafrika und Israel flohen. An sie alle sowie an Leopold und Franziska Steinberger erinnert nun am Haus von Fahrrad Schütz die Gedenktafel mit der Aufschrift: 'In Erinnerung an unsere geliebten Vorfahren, die über Generationen hinweg in Alsfeld lebten. Zum Glück konnten sie ihre Leben retten, indem sie Deutschland verließen, als die Nazis die Macht errangen.' Unter den Namen sind die mahnenden Worte aus der Bibel, die Zusammenfassung des zweiten Teils der Zehn Gebote, zu lesen: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst' - abgefasst auf Englisch, Deutsch und Hebräisch. Gestaltet wurde die Tafel von einer Verwandten der Finks, die als Grafikdesignerin in Israel lebt und arbeitet. Die Idee zu der Gedenktafel, die zum großen Teil von den Nachfahren der Familie Steinberger finanziert und vom Förderverein Jüdische Geschichte sowie der Stadt Alsfeld bezuschusst wurde, geht zurück auf einen Besuch von Ami Inball vor zwei Jahren. Der, so erinnert sich Joachim Legatis , sei von der Idee der Stolpersteine begeistert gewesen. Alsbald stellte Paule den Kontakt zu Joachim Legatis vom Förderverein Jüdische Geschichte her. 'Mit den Stolpersteinen wird aber der Opfer gedacht, also der getöteten', erläutert Legatis. Die Steinbergers jedoch waren dem Naziregime entkommen, und so wurde die Idee zu der Gedenktafel geboren. Als Legatis dann an die Hauseigentümer Norbert Schütz und Christa Kreuder-Schütz mit dem Ansinnen herangetreten sei, hätten diese sofort ihre Bereitschaft signalisiert. Darin, was der Fördervereinsvorsitzende ausspricht, sind sich an diesem sonnigen Mittwochmorgen alle Anwesenden in der Hersfelder Straße einig: 'Es ist wichtig, dass auch an die jüdischen Alsfelder erinnert wird. Und es ist immer wieder unsere Aufgabe, uns mit der Geschichte auseinanderzusetzen.' Dazu gehöre es auch, wichtige, besondere Häuser herauszustellen. 'Um Geschichte erlebbar zu machen, muss sie sichtbar gemacht werden', ist Paule überzeugt. Die Geschehnisse in der Hersfelder Straße 39 in jener Novembernacht seien nicht nur ein Teil der Geschichte der Familie Steinberger und ihrer Nachkommen, sondern auch eben auch ein Stück Stadtgeschichte. Deshalb sei die Enthüllung der Tafel ein öffentlicher Anlass und nicht nur ein privater, unterstrich der Bürgermeister, der Stadtarchivar Dr. Norbert Hansen für die historischen Recherchen dankte. Zustimmung erhält Paule von Bekka Fink zu seinem Appell, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen. Sie spricht davon, dass manches in der Welt nicht richtig laufe - gerade auch in ihrem Land, sagt sie in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump. Und bevor Bekka und Deborah Fink mit Paule und Vertretern des Fördervereins auf Tour durch die Alsfelder Altstadt gehen, bleibt noch ein Augenblick Zeit, um den Stammbaum der Familie Steinberger und alte Familienfotos zu betrachten. Die Schwestern werden übrigens nicht die Letzten sein, die die Stätte aus der Familienhistorie besuchen. Weitere Verwandte hätten schon angekündigt, nach Alsfeld kommen und die Tafel sehen zu wollen, sagen sie." 
Link zum Artikel  

     
     
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Alsfeld 
bulletInformationen zum jüdischen Friedhof der Stadt Alsfeld (interner Link) 
bulletWebsite des "Vereins zur Förderung der Geschichte des Judentums im Vogelsberg e.V.": hier anklicken  
bulletSeite zu Spuren jüdischer Geschichte in Alsfeld bei der Hessischen Landeszentral für politische Bildung 

Literatur:  

bulletKeine Artikel zu Alsfeld in Germania Judaica I - III. 
bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 31-32.  
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 10. 
bullet Alsfeld Lit 04.jpg (29497 Byte)Heinrich Dittmar/Herbert Jäkel: Geschichte der Juden in Alsfeld. Hg. vom Geschichts- und Museumsverein Alsfeld. Alsfeld 1988.  
bulletThea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 95-96. 
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Darmstadt. 1995 S. 190-192. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 70-72. 
bulletMonica Kingreen: Michael Maynard - Erinnerungen eines jüdischen Jungen an die Jahre 1933-1939. Alsfeld - Frankfurt- Gambach - KZ Buchenwald, in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, NF 86. Band, Gießen 2001 (erschienen 2002), S. 69-88. 
bulletGeschichts- und Museumsverein Alsfeld (Hrsg.): Wasserhäuschen David Levi. Dokumentation der Restaurierung. Juli 2014. Zahlreiche Abbildungen 

     
     


 
    
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Alsfeld Hesse. A community established in medieval times fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49. Jews returned in the late 18th century and helped develop local industries. The modern community - numbering 252 (5 % of the total) in 1910 became known for its strict Orthodox and philanthropic work. Antisemitic violence mounted even before the Nazis came to power and in 1933 Jews began emigrating to Palestine. The anti-Jewish boycott and Kristallnacht (9-10 November 1938) hastened their departure by 1940. 
At the request of 15 Israelis born in Alsfeld, the former congregations's surviving ark and appurtenances were transferred to a Haifa synagogue, Adat Yeshurun in 1954. 
    
     

                   
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Stand: 30. Juni 2020