Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gießen (Hessen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt -
 
Texte zur Geschichte der Rabbiner und weiterer Kultusbeamten in Gießen im 19./20. Jahrhundert 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Gießen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
  
Hinweis: Einen Großteil der Texte hat freundlicherweise Susanne Reber abgeschrieben, einige andere konnten noch nicht abgeschrieben werden - bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken.
    
    
Übersicht über die Rabbiner in Gießen bis 1940: 

bullet In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird Rabbiner Michael Berr genannt. 
bulletRabbiner Löw Mayer beziehungsweise Löb Mayer Hess (geb. 1748, gest. 1826 in Gießen): seit mindestens 1810 als Rabbiner / Landesrabbiner in Gießen tätig (seit diesem Jahr auf Trauungskunden genannt); war verheiratet mit Veile geb. Vetter (1772-1834) auf Friedberg. 
bulletGiessen RWolf 010.jpg (74498 Byte)Rabbiner Dr. Abraham Alexander Wolf (geb. 1801 in Darmstadt, gest. 1891 in Kopenhagen): studierte bei Rabbinern in Darmstadt und Mainz, ab 1819 an der Universität Würzburg und der Jeschiwa von Oberrabbiner Abraham Bing; 1821 in Gießen promoviert; von August 1827 bis Januar 1829 Rabbiner (Landrabbiner) in  Gießen, danach Oberrabbiner in Kopenhagen. 
Foto links aus: Leo Baeck Jahrbuch III 1958 S. 322 bzw. Arnsberg Bilder S. 74. 
Artikel in der "Hessischen Biographie" (LAGIS): https://www.lagis-hessen.de/pnd/104155760
bulletRabbiner Dr. Benedict Samuel Levi (geb. 1806 in Worms als Sohn von Rabbiner Samuel Wolf Levi; gest. 1899 in Gießen): besuchte die Bürgerschule in Mainz; ab November 1825 Studium an der Universität in Würzburg; daneben rabbinische Ausbildung bei Rabbiner Abraham Bing; Promotion in Gießen 1828 zum Dr. phil.; war seit 1. Oktober 1829 bis 1896 Rabbiner in Gießen, seit 1842 Großherzoglich-Hessischer Rabbiner der Provinz Oberhessen.
Literatur: Carsten Wilke: Humanität als Priesterschaft: Der Gießener Rabbiner Dr. Benedikt Levi (1806-1899). In: Aschkenas Band 16 S. 37-75. Online zugänglich (pdf-Datei).      
Wikipedia-Artikel zu Benedikt Levi   
Artikel in der "Hessischen Biographie" (LAGIS): https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/3317.  
bullet Giessen RSander 010.jpg (35223 Byte)Rabbiner Dr. David Sander (geb. 1867 in Kurnik, Posen [Kórnik], gest. 1939 in Gießen): 1888 bis 1895/96 Studium in Breslau, Promotion in Erlangen 1894; 1895-1896 zweiter Stadtrabbiner und Religionslehrer in Karlsruhe; 1897 bis 1939 Bezirksrabbiner (Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde) von Oberhessen in Gießen. 
(Foto links: Stadtarchiv Gießen; dazu Presseartikel (fod) aus dem "Gießener Anzeiger" vom 18.12.2009: "Nach Jahrzehnten Unrecht gutmachen. In seinem Vortrag berichtet Bibliotheksdirektor Dr. Peter Reuter über die Anstrengungen zur Restitution jüdischen Raubgutes. Artikel als pdf-Datei

   
Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft: 

bulletGiessen Israelit 28091933Ra.gif (62778 Byte)Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (geb. 1867 in Posen [Poznan], gest. 1933 in Gießen): studierte nach 1887 in Berlin; um 1890 bis 1895 zweiter Rabbiner in Ostrowo und Rogasen (Rogozno), Posen; 1893 Promotion in Heidelberg; von April 1895 bis 1933 Rabbiner der orthodoxen Religionsgesellschaft "Kultusverein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Oberhessen" Gießen, als solcher seit 1. April 1897 "Großherzoglicher Provinzial-Rabbiner" der orthodoxen Landgemeinden Oberhessens. Nach seinem Tod blieb die Stelle unbesetzt.  
(Foto links aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28.9.1933)  

    
    
Übersicht über die nachstehenden Texte: 
       

bulletAus der Geschichte der Rabbiner in Gießen     
-  Zum Tod der Frau von Oberrabbiner Dr. Benedikt Levi - der evangelische Stadtpfarrer aus Darmstadt hält die Predigt bei der Beerdigung (1842)   
-  Kritik an den "Preudo-Predigten" von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1845)  
-  Erklärung zur Kritik an der Amtsführung des Rabbiners (1858)  
-  50-jähriges Doktorjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1878)  
-  50-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1879) 
Rabbiner Dr. Levi gratuliert Fürst Bismarck zum 70. Geburtstag (1885)   
Hofkapellmeister Hermann Levi (Sohn des Rabbiners Dr. Levi) erhält in München den Titel eines "General-Direktors der königlichen Hofkapelle" sowie weitere Auszeichnungen (1889)  
-  60-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1889)  
R
abbiner Dr. Levi äußert sich über den Antisemitismus (1890)  
R
abbiner Dr. Levi engagiert sich für eine gemeinsame Beeidigung der Rekruten aller Konfessionen (1891)  
Glückwunschadresse der Rabbiner des Großherzogtums zur Heirat des Großherzogs (1894) 
-  90. Geburtstag von Rabbiner Dr. Samuel Benedikt Levi (1896)  
Zum Tod des Bankdirektors Wilhelm Lindeck in Mannheim - ein Sohn von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1911)  
-  Die Vorfahren des Generalmusikdirektors Hermann Levi - Sohn von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (Bericht von 1933) 
Empfang von Rabbiner Dr. David Sander beim Großherzog von Hessen (1897)   
60. Geburtstag von Rabbiner Dr. David Sander (1927)   
-  Amtseinführung von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1895)  
-  Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld wird als Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft angestellt (1895) 
Publikation von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1901)     
-  25-jähriges Amts- und Ortsjubiläum von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1920)  
60. Geburtstag von Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld (1927)  
-  Zum Tod von Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1933)  
-  Nachruf für Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1933)   
bulletAus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und weiterer Kultusbeamten 
-  Lehrer Rosenthal übernimmt die israelitische Schule (1824)  
Ü
ber die Vorsteher- und Lehrer-Konferenz in Gießen (1860)  
-  Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet der Israelitischen Religionsgesellschaft (1887)  
-  Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors der Israelitischen Religionsgemeinde (1890)  
-  50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Salomon Mayer (1892)  
Dr. Max Mayer - Sohn des Lehrers Mayer - wird zum Sekretär am Großherzoglichen Landgericht in Darmstadt ernannt (1887)  
Z
um Tod von Lehrer Salomon Mayer (1894)   
-  Ausschreibung der Stelle des Schochet und Kantors der Israelitischen Religionsgemeinde (1900)   
-  Lehrer A. Salomon wirbt für seine Schülerpension (1908) 
40-jähriges Lehrerjubiläum von Lehrer Bernhard Klein und Lehrer Fröhlich (1923)      
-  Lehrer und Kantor Bernhard Klein (Israelitische Religionsgesellschaft) feiert sein 40-jähriges Ortsjubiläum (1928) 
65. Geburtstag von Lehrer und Kantor Joseph Marx (Israelitische Religionsgemeinde; 1930)  
Ein Wanderlehrer wird für Oberhessen angestellt (1930)  
Lehrer Bernhard Klein tritt in den Ruhestand (1932) 
Aus der Zeit von Lehrer Erich Neumann (1932-1938)   

   
   
Aus der Geschichte der Rabbiner in Gießen  
Zum Tod der Frau von Oberrabbiner Dr. Levi - der evangelische Stadtpfarrer aus Darmstadt hält die Predigt bei der Beerdigung (1842)    
Anmerkung: Es handelt sich um die Frau des Oberrabbiners Dr. Benedikt Levi (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_Levi): Henriette Levi geb. Mayer, geboren am 28. Januar 1807 in Mannheim als Tochter von Hajum Gottschalk Mayer (geb. 9. August 1785 in Mannheim, gest. 20. Juli 1856, Mannheim) und seiner Frau Rebekka geb. Ladenburg (geb. 27. Januar 1788 in Mannheim, gest. 24. Januar 1854 in Mannheim). Henriette Levi verstarb in Gießen im Alter von 36 Jahren am 23. Dezember 1842. Ihr Cousin war Carl Ladenburg (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Ladenburg).     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Januar 1843: "Darmstadt, 27. Dezember (1842). Die gebildete und geistreiche Gattin des Oberrabbiners Levi starb in Gießen vor einigen Tagen in Folge eines Wochenbettes. Ihrem und ihres Gatten willen gemäß, wurde der hiesige evangelische Stadtpfarrer, Kirchenrat Engel, von dem Oberrabbiner ersucht, der Entschlafenen auf dem israelitischen Kirchhofe eine Leichenpredigt zu halten, was der Kirchenrat Engel zusagte, und am ersten Christfeiertage, nach der Mittagskirche, in einer gehaltvollen, eindringenden und erbaulichen Rede so schön ausführte, dass über tausend Menschen, die versammelt waren, um einem so seltenen Ereignisse beizuwohnen, tief davon ergriffen und gerührt wurden."      
 
Artikel in der Zeitschrift "Didaskalia" vom 29. Dezember 1842: "Gießen, 26. Dezember (1842). Am ersten Christtage fand hier eine religiöse Handlung statt, die wohl auch anderwärts Teilnahme erregen dürfte: eine Grabrede eines christlichen Geistlichen auf dem israelitischen Friedhof vor der Leiche einer vortrefflichen israelitischen Frau. Die Hingeschiedene, eine geborene Mannheimerin, in glücklicher Ehe verbunden mit dem hiesigen Rabbiner Dr. Levi und Mutter von vier Kindern in noch zartem Alter, hatte als gleich ausgezeichnete Gattin, Mutter und Hausfrau im Leben allgemeine Achtung genossen, die noch erhöht ward durch ihre feine Bildung, ihre schönen Kunstfertigkeiten, vor Allem durch die trefflichen Eigenschaften ihres Gemüts, die ihr namentlich viele Freundinnen unterden gebildeten Frauen der Stadt gewonnen hatten. Je größer die Achtung und Zuneigung war, die ihr im Leben geworden, um so allgemeiner sprach sich bei der Kunde von ihrem Hinscheiden die öffentliche Teilnahme aus. Als nun nach dem Wunsche des hinterbliebenen Gatten und mehrerer seiner Glaubensgenossen der erste evangelische Stadtgeistliche dahier, Kirchenrat Dr. Engel, an ihrem Grabe auf dem israelitischen Friedhof am ersten Festtage die Leichenrede hielt, und in dieser ergreifendenStunde die herrlichen Eigenschaften und Tugenden der Entschlafenen inzweckmäßigen und gemütvollen Worten schilderte, da feierte in der allgemeinen Rührung, in dem tiefen Ergriffenseyn der Zuhörer von beiden Religionen das Edelste im Menschen seinen schönsten Triumph; das Judentum stellte es auf, das Christentum erkannte es an. Vor der Allmacht der schönsten Gefühle der Menschenbrust sank hier die Scheidewand der zwei Religionen nieder und Ein Gefühl befreite Christenund Israeliten. Der Friede Jehova's der edlen Israelitin, die noch im Grab veredelnd wirkte! Und dank dem echtchristlichen Geistlichen, der dem bewegten Gemüte des Christen wie des Israeliten die Worte lieh!""  

   
Kritik an den "Preudo-Predigten" von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1845)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1845: "Gießen, im Februar. Da die Tendenz Ihres wertgeschätzten Blattes, wie bekannt, hauptsächlich dahin geht, den Fortschritt im Judentums zu befördern, die ihm entgegenstehenden Hindernisse wegzuräumen, auf Mängel und Missbräuche, die hier und da bestehen, aufmerksam zu machen und sie bloß zu stellen: so erlaube ich mir, hier einen Übelstand zu erwähnen, der schon bereits den ganzen Winter hindurch auf eine nicht entschuldbare Weise unsere hiesige Gemeinde trifft. Der hiesige Rabbiner nämlich, Herr Dr. Levi, hält es für gut, seine Predigten einzustellen. Statt dieser übersetzt er ein Bibelstück aus dem Hebräischen ins Deutsche und fügt dieser Übersetzung bisweilen eine erbauliche Sentenz hinzu. In diesem Winter zum Beispiel übersetzt er nichts, als die Kriegsgeschichte Josuas, und hält so vor den wenigen Zuhörern, die Geduld genug haben, solche Sachen anzuhören, exegetische Vorlesungen, die manchmal mit sehr scharfsinnigen und gar wichtigen, gelehrten Untersuchungen versehen sind. So disquirierte er auf der Kanzel, ob Rahab eine Wirtin oder eine feile Dirne gewesen sei, ob die Sonne oder die Erde sich bewege (!!!), ob die Austrocknung des Jordans auf eine natürliche Weise geschehen sei. Solche und ähnliche Dinge müssen wir, so oft es Herrn Dr. Levi beliebt, die Kanzel zu besteigen, was aber oft in einem Zeitraume von drei bis vier Wochen nur einmal geschieht, von ihm als eine Predigt annehmen. Die natürliche Folge davon ist, dass viele, namentlich die jüngeren und gebildeteren Mitglieder der hiesigen Gemeinde die Synagoge gar nicht oder höchst selten besuchen, und die älteren beim Beginne der Pseudo-Predigt die Synagoge alsbald verlassen. Dadurch schleicht sich ein gänzlicher Indifferentismus ein, der nur dem Judentum schaden kann. 
Ich glaube, dass es bei Herrn Dr. Levi nur dieser Andeutung bedarf, wieder die früher so gerne gehörten und fleißig besuchten Predigten zu halten, und dadurch sich als einen wahren Freund des Fortschritts zu zeigen."          

   
Erklärung von Dr. Levi zur Kritik an der Amtsführung des Rabbiners (1858)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1858: "Gießen, im Dezember (1858). Nachdem in No. 25. dieses Blattes aus Butzbach 'unsren Rabbinen' schlechtweg der Vorwurf gemacht worden ist, dass sie sich wenig um Synagoge und Schuler kümmerten und jede Gemeinde sich selbst überließen, hieß es neuerdings in No. 47 am Schlusse eines mit T. unterzeichneten Artikels aus Kurhessen, dessen Berichtigung von dorther mir eben zu Gesicht kommt, wörtlich wir folgt: 'Im Großherzogtum Hessen, im Rabbinatsbezirk Oberhessen auf dem Lande sind die Gottesdienste in jeder Hinsicht noch so unregelmäßig traurig, wie bei uns, und geschieht dort auch zur Verbesserung derselben gar nichts.' Sehen wir von dem unschönen, um nicht zu sagen undeutschen Stile dieser Phrase ab, der in der Tat nicht von sonderlicher Bildungsstufe des Herrn T. zeugt, und bleiben auch unsererseits berichtigend bei der Sache stehen.     
Wiewohl nicht zu denen gehörend, die da meinen, die Aufgabe der Rabbinen der Neuzeit bestehe vornehmlich in fieberhafter Tätigkeit fortwährenden Besserns und Umgestaltens 'der Gottesdienste' in Stadt und Land, so glaube ich doch mit Fug und Recht behaupten zu dürfen, dass der Großherzogliche Rabbinatsbezirk Oberhessen, dem ich die Ehre habe vorzustehen, was Synagoge und Schule betrifft, im Ganzen vollkommen den Vergleich aushält mit allen anderen Rabbinatsbezirken des Großherzogtums, insbesondere mit allen auswärtigen 
Giessen AZJ 18011858br.jpg (370275 Byte)Rabbinaten von ähnlicher Verfassung. Es gibt in meinem Sprengel, selbst unter den kleinen Miniaturgemeinden auf dem Lande, eine beträchtliche Anzahl von Synagoge mit so schönem, wohlgeordnetem Kultus, wie er unter ähnlichen Verhältnissen nur irgendwo gefunden werden dürfte; eine große Menge derselben hat regelmäßigen, wohleingeschulten Chorgesang, drei sogar mit Orgelbegleitung, und in den meisten herrscht ungestört Ordnung, Andacht und Würde. Damit soll nicht geleugnet werden, dass auch hier da und dort Manches, ja Vieles zu wünschen übrig bleibt; aber das Nämliche ist, so viel ich weiß, überall anderwärts der Fall, und oftmals noch in höherem Maße und unter viel günstigeren Umständen; und daran ist der Unterzeichnete so wenig als der Herr T. aus Kurhessen schuld. Es fehlt in unserem Lande die Autorität einer israelitischen Religionsbehörde; die einzelnen Rabbinen stehen jeder vereinzelt für sich da, und haben nicht die geringste anordnende Gewalt oder Autorität; wir können zur Zeit nichts als begutachten, raten, anregen, abwehren, ablehnen. Eine neue Kultusordnung zum Beispiel mit irgend erheblichen Abänderungen der alten, die ich meinen Gemeinden vorlegen wollte, würde angenommen werden müssen von - keiner einzigen, strikte angenommen nicht von 10, teilweise und unter Vorbehalt nicht von 20, und von mehr als 50 gänzlich abgelehnt. Ob eine Gemeinde das Mizwosversteigern abschaffen will oder nicht, hängt ganz allein von ihr ab; bei weitem in den meisten meines Sprengels ist es längst geschehen; weil aber neulich mehrere von diesen, natürlich aus finanziellen Gründen, es wieder einzuführen versuchen, schlug ich der höchsten Staatsregierung für die seitherige, eben in Revision begriffene Synagogen-Ordnung unter anderem folgenden Zusatzartikel vor, dessen Annahme übrigens noch zweifelhaft ist: 'Das sogenannte Mitzwosversteigern innerhalb der Synagoge, da, wo es noch üblich ist, soll, weil unzeitgemäß, andachtstörend und leicht zu Streit und Unordnung führend, möglichst bald abgestellt, und an seiner Staat ein bestimmter Modus des Aufrufens und Mitzwosvergebens eingeführt werden. Da, wo das Mitzwosversteigern bereits abgeschafft ist, wie in den meisten Synagogen der Fall, darf es durchaus nicht wieder eingeführt werden.' Wer hiernach noch weiter über die 'unregelmäßig traurigen Gottesdienste' auf dem Lande in dem Großherzoglichen Rabbinatsbezirk Oberhessen sich auslassen, oder ferner darüber klagen wollte, dass 'unsere Rabbinen' sich wenig um Synagoge und Schule kümmerten, der möge es immerhin tun; ich meinerseits werde ihm, was hier ein für allemal bemerkt sei, - Schweigen entgegensetzen. 
Denn dieselbe Bewandtnis hat es mit den israelitischen Schulen des Rabbinatsbezirks Oberhessen, die, was Dotation, Disziplin, Lehrgegenstände, Qualifikation und Würdigkeit der Lehrer betrifft etc., in allen Beziehung ebenfalls den Vergleich mit auswärts vollkommen aushalten. Wenn von 96 Gemeinden mit durchschnittlich kaum 20 Familien, sehr viele natürlich mit kaum 10, etwa 50 im Besitze ganz tüchtiger, und 25 im Besitze zwar minder tüchtiger, aber zum Teil noch recht brauchbarer Lehrer sind, so ist das, in Anbetracht der geringen pekuniären Mittel so vieler kleiner Ortschaften, und in Rücksicht des überall herrschenden Lehrermangels, besonders aber im Hinblick darauf, dass unsere Gemeinden gesetzlich nicht verbunden sind, Religionslehrer zu halten, gewiss kein ungünstiges Verhältnis. Auch sind nicht wenige Lehrerstellen meines Rabbinates ziemlich gut dotiert, wie schon der Umstand beweist, dass nicht selten auswärts definitiv angestellte Lehrer diesseitige provisorische, aber besser fundierte Stellen nachsuchen. Freilich ist der positive, anordnende, maßgebende Einfluss der Rabbinen unseres Landes auf die Religionsschulen ihrer Sprengel, wie die Lehrerkonferenz zu Offenbach im verwichenen Sommer dargetan, ebenfalls lange nicht der, wie er zum Heile derselben und zum Besten der Lehrer sein sollte; der Unterzeichnete ist sich aber bewusst, pünktlich und genau den zu üben, den ihm das Gesetz gestattet, und daran muss ihm genügen. Das Hauptübel unserer Religionsschulen, der diesseitigen wie der auswärtigen, besteht in der bekannten geringen Geneigtheit der Gemeinden, ihre Lehrer definitiv anzustellen; aber daran sind wieder die Rabbinern nicht schuld; es hängt dies innig mit dem Mangel einer jüdischen Religionsbehörde, die Schule wie Synagoge ordne, zusammen, und könnte erst mit dieser und durch diese seine Erledigung finden. Doch kann ich schließlich nicht umhin, zu Gunsten meiner Gemeinden es auszusprechen, dass während meiner langjährigen Amtstätigkeit nicht eine einzige, sage nicht eine einzige derselben ihren Lehrer willkürlich, das heißt ohne vollkommen gerechten Grund, seines Dienstes entlassen hat.   Rabbiner Dr. Levi."         


50-jähriges Doktorjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1878)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. November 1878: "Aus Gießen schreibt man uns: Am 7. dieses Monats beging der Großherzogliche Rabbiner der Provinz Oberhessen, Herr Dr. Levi, sein 50jähriges Doktorjubiläum. Die hiesige philosophische Fakultät erneuerte sein Doktordiplom, in welchem sie seine talmudische Gelehrsamkeit und die verdienstvolle Erfüllung seines Amtes rühmend anerkennt. Dr. Levi wird nämlich am 1. Oktober 1879 sein 50jähriges Amtsjubiläum feiern. Am Tage seines Doktorjubiläums machte er seine gesamte hebräische, talmudische und rabbinische Bibliothek der hiesigen Universität zum Geschenk unter dem Vorbehalt, sie während seiner Lebenszeit in Besitz zu behalten."
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. November 1878: "In voriger Nr. berichteten wir, dass Herr Rabbiner Dr. Levi in Gießen am 7. November sein 50jähriges Doktorat feierte, und ihm die dortige philosophische Fakultät das erneuerte Doktordiplom übersandte. Es wird interessieren, die Form zu lesen, in welcher dies geschehen ist. Der betreffende Passus des Diploms lautet: 'Viro nobilissimo atque doctissimo Benedicto Levi Philosophiae Doctori ordinis Hassiaci Ludivici in secunda classe Equiti sacerdoti bibliorum talmudicaeque disciplinae peritissimo ac de eorum qui quidem eandem profitentur religionem animis bene merito qui per quinquaginta fere annos rabbinici muneris officiis functus nunc totius provinciae Hassiacae superioris coetui Judaico praepositus est et cum omnium laude sacrum magisterium administrat summos in philosophia honores ante haec decem lustra rite impetratos ipso horum die anniversario in sempiternam eius laetissimi diei memoriam publice hoc diplomate instauravit.'"        
   
vgl. links Titelblatt der "Thesen, welche zur Erlangung der Würde eines Doctors der Philosophie auf der Ludewigs-Universität den 7ten November 1828 öffentlich verteidigen wird - Benedict Levi aus Mainz", Quelle: Dissertation: https://reader.digitale-sammlungen.de//resolve/display/bsb10973719.html.   

  
50-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1879)    
Online zugänglich ist: "Rede gehalten am 30.September 1879 in der Synagoge zu Gießen bei der Festesfeier seines Fünfzigjährigen Amtsjubiläums von Dr. Benedikt S. Levi, Großherzoglichen Rabbinen der Provinz Oberhessen, Ritter 1. Klasse des Gr. Philippsordens, Ritter 2. Klasse des Gr. Ludwigsordens. Als Manuskript gedruckt. Brühl'sche Universitäts-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen". Zugänglich über http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/urn/urn:nbn:de:hebis:30:1-174715. Im Beitrag ist auch die unten erwähnte Rede von M. Homberger abgedruckt.      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1879: "Gießen, 1. Oktober (Privatmitteilung) Am 30. v.(origen) M.(onats) fand hier die seltene Feier des 50jährigen Rabbinats statt, welche der verdienstvolle Rabbiner Herr Dr. Levi beging. Sowohl die hiesige Gemeinde als auch die Gemeinden der Provinz Oberhessen würdigten die Bedeutung dieses Festes in vollstem Maße und beeiferten sich, ihre Teilnahme zu bezeugen. Durch Dekret des damaligen Großherzogs Ludwig I. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._(Hessen-Darmstadt)) vom 1. Oktober 1829 wurde der noch nicht 23jährige Dr. Levi zu dieser Stelle berufen und hat sie mit dem segensreichsten Erfolge und dauernder Eintracht mit seinen Gemeinden bekleidet.
Zum Festgottesdienste, zu welchem sich die Synagoge mit einem prachtvollen Blumenmeer geschmückt hatte und das Allerheiligste im reichsten Lichterglanz erstrahlte, hatten sich neben der ganzen Gemeinde und zahlreichen Vertretern von dem Rabbinate unterstehenden Gemeinden der Provinz auch die Spitzen der staatlichen Zivil- wie der städtischen Behörden, der gesamte Stadtvorstand, die Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, der Universität sowie zahlreiche Freunde des Jubilars aus Nah und Fern eingefunden. Bei seinem, unter rauschendem Orgelklange erfolgendem Eintritte in das Gotteshaus wurde dem Jubilar, welchem blumenspendende Mädchen vorangingen, die reich geschmückte Thorarolle von seinem Vorstandesmitgliede entgegengebracht. Bekleidet mit einem prachtvollen Ornate und einem kostbaren Tallis (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Tallit), welche ihm bereits Tage zuvor von den Frauen der Gemeinde als Liebesgabe dargebracht worden waren und geschmückt mit dem Ritterkreuze I. Klasse des Philippordens, welcher ihm schon morgens von dem Großherzoglichen Provinzialdirektor Herrn Dr. Boekmann im allerhöchsten Auftrage seiner königlichen Hoheit des Großherzogs überreicht worden war, umfasste der Jubilar die Thora mit den Armen und wandte sich mit ihr zunächst dem heiligen Schranke zu, vor dem er in Gebet versunken eine Weile stehen blieb. Inzwischen stimmte der Synagogenchor den Psalm 117, Vers 26 -29 in der Ursprache an. Hierauf beglückwünschte der Präsident des hiesigen israelitischen Gemeindevorstandes, Herr M. Homberger,         
Giessen AZJ 21101879br.jpg (182806 Byte)in einer warmen Ansprache namens der Gemeinden unserer Provinz den Jubilar, welcher sich bei diesem Vorgang Tränen der Rührung nicht erwehren konnte, aufs Herzlichste. Die hohen Verdienste des Jubilars um die religiöse und sittliche Bildung der Gemeinden wurden nach allen Seiten zum Ausdruck gebracht.
Auf den Vortrag eines der Feier angemessenen Festgesanges folgte sodann die meisterhaft vollendete, tief empfundene Festpredigt des Jubilars, durch welche er sich der schwierigen Aufgabe, an seinem eigenen Jubeltage selbst der doch nur ihm geweihten Stimmung aller Ausdruck zu geben, glänzend erledigte. Nur in der allerbescheidensten Weise gedachte er unter fortwährenden Dankesergüssen gegen Gott seiner vielfachen Leistungen, führte er sein ganzes vielbewegtes Leben an dem Zuhörer vorüber.
Die Predigt hinterließ einen mächtigen Eindruck auf die Gemüter aller Anwesenden und manches Auge hatte sich während derselben mit Tränen der Rührung gefüllt.
Bei dem nun folgenden Empfange in der Wohnung des Jubilars, wurde dem Jubilar von dem Vorstande der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde namens derselben ein kostbarer silberner Pokal mit entsprechender Inschrift als Ehrengeschenk überreicht. Auch die übrigen Gemeinden des Rabbinats bestätigten durch ansehnliche Geschenk ihre Dankbarkeit und die Zahl der dem Jubilar von Privaten aus Nah und Fern gewordenen Liebesbezeugungen, bestehend in brieflichen und telegrafischen Beglückwünschungen, poetischen Widmungen, Blumenspenden usw. war kaum übersehbar.
Am Nachmittage vereinigte ein sehr zahlreich, auch von den Ehrengästen besuchtes Festessen die Gemeindemitglieder, sowie die zahlreichen Freunde und Verehrer des Jubilars aus Stadt und Land, welche, freudig bewegt, erst die späte Nacht zu trennen vermochte.
Auch uns sei es hier vergönnt, dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass dem greisen, aber noch frischen Jubilar, der von ihm so rührend erflehte ruhige Lebensabend bis in die spätestens Jahre von Gott beschieden sein möge, zum Stolze seiner Familie, zur Freude seiner Gemeinde und all derer, welche ihm ja im Leben nähergetreten sind. Dr. M."      

    
Rabbiner Dr. Levi gratuliert Fürst Bismarck zum 70. Geburtstag (1885)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1885: "Aus Gießen teilt man uns mit, dass der Rabbiner Herr Dr. Levi auf ein Glückwunschschreiben an den Fürsten Bismarck zu dessen 70jährigem Geburtstage ein freundliches Dankschreiben erhalten habe."           

   
Hofkapellmeister Hermann Levi (Sohn des Rabbiners Dr. Levi) erhält in München den Titel eines "General-Direktors der königlichen Hofkapelle" sowie weitere Auszeichnungen (1889)    
Anmerkung: Weiteres zu Hermann Levi siehe Artikel unten - Bericht von 1933.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. März 1889: "Bonn, 24. März (Notizen.) Aus München wird geschrieben: Hofkapellmeister Hermann Levi erhielt den Titel eines "General-Directors der königlichen Hofkapelle". (Herr Levi, Sohn des Rabbiners Dr. Levi in Gießen, ist der zweite Israelit, der durch den Titel Generalmusikdirektor ausgezeichnet wird; der erste war Meyerbeer) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Giacomo_Meyerbeer)."           
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1889: "Gießen, 22. August (1889). Der Königlich Bayerische Generalmusikdirektor Hermann Levi erhielt nach Beendigung der von ihm dirigierten Parsifal-Aufführungen von Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm, der ihn zur Audienz befohlen hatte, den Kronenorden 3. Klasse, und von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten einen kostbaren, aus Elfenbein geschnitzt, mit Lapislazuli, Gold und Edelsteinen belegten Taktstock.
(nächste Meldung betrifft nicht Gießen): Auch davon wollen Sie gefälligst Notiz nehmen, dass der Herr Rabbiner Dr. Kußnitzki (sc. Rabbiner Dr. Salomon Kusnitzki, von 1880-1911 Rabbiner in Bayreuth), gleich den evangelischen und katholischen Geistlichen, zur Kaiserlich-Königlichen Tafel gezogen worden ist."         

   
60-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1889)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1889: "Man schreibt uns aus Gießen: Die zahlreichen auswärtigen Freunde und Kollegen des großherzoglichen Rabbinen der Provinz Oberhessen, Herr Dr. Levi dahier, werden mit Interesse vernehmen, dass derselbe am 4. Oktober dieses Jahres in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit sein 60jähriges Amtsjubiläum feiert."     
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September 1889: "Zur Berichtigung schreibt man uns aus Gießen, dass das Jubiläum des Herrn Rabbiner Dr. Levi nicht am vierten, sondern am ersten Oktober stattfindet."      
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1889: "Gießen, 6. Oktober (Privatmitteilung) Am 1. Oktober feierte, wie schon früher in dieser Zeitung gemeldet worden, der Provinzialrabbiner von Oberhessen, Herr Dr. Benedikt Samuel Levi, sein sechzigjähriges Amtsjubiläum. Geboren den 14. Okt. 1806 zu Worms, steht er gegenwärtig im 83. Lebensjahre. Sein Vater, Samuel Wolf Levi war Rabbiner daselbst, später in Mainz und zuletzt in Metz, wo er 1813 verstarb. Der Jubilar, nachdem er die Creizenach’sche Schule (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Michael_Creizenach) und die Universität in Würzburg und Gießen promoviert, auch in der jüdischen Theologie bei bewährten Meistern sich die Vorbildung zum Rabbineramte erworben hatte, wurde 1829 als 23jähriger junger Mann zum Rabbiner in Gießen gewählt.1842 wurde damit das Rabbinat Friedberg verbunden, sodass er die ganze Provinz Oberhessen zum Sprengel hatte. Bemerkenswert ist, dass sein Vorgänger, Herr Dr. Abraham Alexander Wolf zum Oberrabbiner nach Kopenhagen berufen, vor einiger Zeit ebenfalls das 60jährige Amtsjubiläum gefeiert hat.
Ununterbrochen war Levi in seinem Amte tätig, pflichtgetreu und segensreich wirkend. Die allseitige Teilnahme an dem Ehrentage des Jubilars bekundeten die zahlreichen und prachtvollen Blumenbouquets, die Menge von Glückwünschen, die in einer Zahl von 100 telegrafischen und 300 brieflichen im Laufe des Tages eingegangen waren und ebenso die verschiedensten Deputationen, welche erschienen waren, den Jubilar zu beglückwünschen. Herr Provinzialdirektor Freiherr von Gagern (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Maximilian_von_Gagern_(Diplomat)) gratulierte im Auftrag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und des Ministeriums, sowie in eigenem Namen mit den besten Wünschen für den greisen Jubilar, und überreichte dabei zu den beiden Orden, die er bereits besitzt, den Ludwigs- und Philippsorden, die von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog verliehene Krone des Philippsordens. Eine Deputation der Stadt Gießen bestehend aus dem Herrn Bürgermeister Gnauth (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Feodor_von_Gnauth), den Herren Hanstein, Baist und Hoch, ferner der ganze Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde überbrachten die herzlichsten Wünsche und insbesondere dankte der Letztere dem Herrn Dr. Levi für sein bisheriges segensreiches Wirken in der Gemeinde. Auch über 20 (es gibt im Rabbinate 81 Gemeinden an 30 bis 40 Lehrer) Lehrer der auswärtigen Gemeinden des Rabbinats mit dem Vorstande des israelitischen Lehrervereins der Provinz Oberhessen an der Spitze, waren zur Beglückwünschung erschienen, und Herr Dr. Levi machte als Zeichen seiner Teilnahme an den Bestrebungen dieses Vereins für die Bibliothek desselben eine Anzahl wertvoller Bücher zum Geschenk. Seine hebräisch-talmudischen und rabbinischen Bücher hat er der Universitätsbibliothek hier vermacht. Am Abend fand im Hotel Einhorn* ein gesellschaftliches Essen statt, zu welchem sich der größte Teil der israelitischen Religionsgemeinde eingefunden hatte und zu welchem Herr Dr. Levi abgeholt worden war. Beim Eintritt in den Saal erhoben sich alle Anwesenden und brachten demselben ein von Herzen kommendes Hoch aus. Der israelitische Vorstand hier und die Landjudenschaft haben den Grund zu einer 'Rabbiner Dr. Levi’schen Stiftung' gelegt, deren Zinsertrag zu einem Drittel den Bedürftigen der Israeliten hier, zu einem Drittel den israelitischen Armen der Provinz, zu einem Drittel den christlichen Armen der Stadt Gießen zu Gute kommen soll."
vgl. Rabbiner Samuel Levi https://wikipedia.org/wiki/Samuel_Levi_(1751-1813); Rabbiner Dr. Abraham Alexander Wolf: https://www.youtube.com/watch?v=vlrfWKgbVl4   
*Hotel Einhorn, Bahnhofstraße 62 – 64."       

   
Rabbiner Dr. Levi äußert sich über den Antisemitismus (1890)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Mai 1890: "Gießen, im Mai. Was heißt das: Antisemit? Antisemit heißt: Gegner des Semiten, Gegner des Semitentums, Gegner des semitistischen Geistes. Fragen wir, was ist das für ein Geist, der die Welt erobert hat, der Geist, welcher der Welt die Einheit Gottes und das Gebot Gottes: 'Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst' verkündete; es ist der Geist, der den Josua (vgl. https://de.wikipedia.org./wiki/Josua_der_Sohn_Nuns) Kriegsheldentaten verrichten ließ; es ist der Geist, der dem König David (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/David) die herrlichen Psalmen eingab und so die Menschen beten lehrte; es ist der Geist, aus dem König Salomo (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Salomo) die vortrefflichen Sittensprüche (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Sprichwörter), das Lied der Lieder (vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Hoheslied) und den philosophischen Kohelet (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kohelet)  schuf; es ist der Geist, der den Jesaias (vgl.  https://de.wikipedia.org/Jesaja), Jeremias (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremia) und Ezechiel (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ezechiel), und die anderen Gottesmänner der Schrift zu Propheten bildete; es ist der Geist, der den Hiob (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Ijob) dichtete; es ist der Geist des alten Hillel (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Hillel), der einen Heiden, welcher in spöttischer Weise zu ihm sprach, er wolle Jude werden, wenn er ihm die jüdische Religion lehren könne, so lange er auf einem Bein stehe, sanftmütig erwiderte: 'Das kann ich, mein Sohn. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst und was Du nicht willst, das man Dir tue, tue auch einem anderen nicht. Das ist die Grundlehre des Judentums, alles andere ist nur die Erklärung davon', es ist der Geist, der die Makkabäer (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Makkabäer) trieb, das Joch der syrischen Könige von sich abzuschütteln, der Geist, der die Bewohner Jerusalems zu heldenmäßigem Widerstande gegen die weltbesiegenden Römer befähigte; es ist der Geist, der den erhabenen Stifter (vgl.  https://wikipedia.org/wiki/Jesus_Christus) des Christentums erfüllte, der Geist, der seine Apostel beseelte; der Geist, der die Evangelien (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Evangelium_(Buch)) schrieb, es ist der Geist, der die ersten Juden-Christen (vgl. https://wikipedia.org/wiki/Judenchristen) als Märtyrer ihren Glauben mit dem Tode besiegeln ließ, es ist der Geist, der die ganze Christenheit, die Kirchen, die Schulen und die Häuser der Christen durchweht, es ist der Geist, der den heutigen Juden Kraft und Mut gibt zum Ertragen alles Leides, das man ihnen zufügt; es ist der Geist, der ihnen zu allen Zeiten hervorragende Eigenschaften und Tugenden ins Herz pflanzt, gegen welche die Schwächen, die ihnen anhaften, verschwinden; es ist schließlich der Geist der erhabensten, bedeutendsten Männer- und Frauengestalten, von welchen die Weltgeschichte erzählt. Das ist semitischer Geist. Wer gegen diesen Geist ankämpft und die Juden, weil Semiten, hasst und verfolgt, der ist Antisemit und zugleich aber, was schlimmer ist – Antichrist. Schreiber dieses kennt das Evangelium und die Sittenlehre des Christentums so gut und vielleicht besser als viele, die sich Antisemiten nennen: Er weiß, dass Hass, Missachtung, Verfolgung, Lieblosigkeit und Kränkung, wie sie in dem Antisemitismus zu Tage treten, schnurstracks dem Geiste des Christentums widersprechen. Er weiß, dass ein wahrer Christ, d.h. wer nicht bloß äußerer Bekenner, sondern wirklicher Betätiger seiner Lehren ist, dass der keinen Menschen hassen und verfolgen, noch ihm Böses zufügen oder gönnen dar, am wenigsten den Juden, deren semitischen Stamm und Geist er das Höchste verdankt, was dem Menschenleben Wert verleihet – seine Religion. Weg also mit dem Antisemitismus! Antisemitismus ist Antichristentum. Antisemit sein heißt, Gegner des Christentums sein. Rabbiner Dr. Levi."           

   
Rabbiner Dr. Levi engagiert sich für eine gemeinsame Beeidigung der Rekruten aller Konfessionen (1891)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1891: "Aus Gießen. Den Lesern dieses Blattes dürfte aus vorigem Jahrgang noch erinnerlich sein, dass ich in einer Immediatvorstellung an Seine Majestät den Kaiser Allerhöchstdenselben untertänigst gebeten habe, befehlen zu wollen, dass die Beeidigung der Rekruten hier nicht mehr, wie der zeitige Oberst angeordnet hatte, in verschiedener Weise (Katholiken und Protestanten in ihren Kirchen, die Israeliten im Kasernenhof), sondern wie vordem immer von allen Konfessionen zusammen unter freiem Himmel geschehen solle, und dass daraufhin auf Allerhöchsten Befehl der Kriegsminister mir erwiderte, es liege in der vom Regierungskommandeur angeordneten Eidesweise kein Verstoß gegen die bestehenden Bestimmungen vor, daher keine Veranlassung genommen werden könne, eine Abänderung des bei dem genannten Regimente beobachteten Verfahrens anzuordnen. Es gereicht mir nun zu großer Freude und hoher Befriedigung, mitteilen zu können, dass gestern die Beeidigung der Rekruten hier wieder in früherer Weise nach Belehrung durch die resp.(ektiven) Geistlichen von allen gemeinsam unter freiem Himmel stattgefunden haben.
Gießen, den 12. November 1891 Rabbiner Dr. Levi."             

  
Glückwunschadresse der Rabbiner des Großherzogtums zur Heirat des Großherzogs (1894)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1894: "Darmstadt. Die Rabbiner des Großherzogtums haben aus Anlass der Vermählung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs eine Adresse anfertigen lassen, welche Mittwoch den 2. dieses Monats von den Herren: Levy - Gießen, Stein - Worms, Salfeld - Mainz und Marx und Selver - Darmstadt überreicht worden ist. Beim Eintritt der Herrn Rabbinern sprach Dr. Levi - Gießen den Segensspruch hebräisch und deutsch und überreichte die Adresse. Der Großherzog war sehr erfreut über diese Kundgebung und bat, seinen herzlichsten Dank auch den anderen Kollegen mitzuteilen."         

 
90. Geburtstag von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1896)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1896: "Gießen. Eine seltene Feier beging am 14. Oktober Herr Rabbiner in Pension Dr. Benedikt Levi, nämlich der Tag, wo er in das 90. Lebensjahr getreten ist. Nur wenig(en) Sterblichen ist es beschieden, wenn überhaupt, so bei körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische, wie es bei dem Jubilar der Fall, ein so hohes Alter zu erreichen. Mit dem 23. Lebensjahr wurde Herrn Dr. Levi die Stelle als Rabbiner in Gießen übertragen Von Seiten unserer Hochschule (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Gießen) wurde Herrn Dr. Levi am 7. November 1878 das Doktordiplom erneuert und nach weiteren 10 Jahren wurde ihm eine ehrende Gratulationstafel ausgehändigt. Den Geburtstag verlebte der Jubilar im Kreise seiner Familie und Freunde. Am Vormittag sprachen Herr Oberbürgermeister Gnauth (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Feodor_von_Gnauth), sowie noch verschiedene Spitzen der Behörden ihre Glückwünsche aus. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde erschien in corpore (geschlossen) und überraschte ihren greisen Seelsorger mit einem sehr schönen Geschenk. Aus Darmstadt, Mainz und Worms waren die Herren Rabb.(iner) Dr. Selver, Dr. Salfeld und Dr. Stein gekommen, um ihren Amtsbruder persönlich zu beglückwünschen. Die Stadtverordneten sandten dem Jubilar ihre Glückwünsche auf schriftlichem Wege."     

   
Zum Tod des Bankdirektors Wilhelm Lindeck in Mannheim - ein Sohn von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1911)  
Hinweis: Wilhelm Lindeck (geb. 24. November 1833 in Gießen als Samuel Wilhelm Levi, gest. 6. März 1911 in Mannheim; änderte 1861 seinen Familiennamen von "Levi" in "Lindeck: siehe  https://kipdf.com/namensnderungen-von-1826-bis-auszge-aus-dem-groherzoglich-hessischen-regierungsb_5acadeb01723dd3537739fb2.html S. 53). Wilhelm besuchte in Gießen das humanistische Gymnasium, beendete es mit dem Abitur und nahm 1851 an der Gießener Universität ein Jurastudium auf, das ihm jedoch als zu wenig "kreativ" erschien und er es zugunsten eines Musik- und Gesangsstudium aufgab. Wilhelm war als Zwölfjähriger gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Hermann (siehe unten) als Pianist öffentlich aufgetreten. Er beendete sein Musikstudium mit einem Examen bei Daniel Francois Esprit Auber (vgl. https://de.schott-music.com/shop/autoren/daniel-francois-esprit-auber), dem Direktor des Pariser Conservatoire. Während seines Engagements am Kölner Stadttheater (Stimmfach: Bass) lernte er Emma Bieger (Katholikin) und Tochter eines Notars (geb. 20. Juni 1840 in Kastellaun) kennen, die er am 18. Februar 1867 heiratete. Frau Lindeck geb. Bieger, missfiel der "unsolide" Beruf ihres Mannes, der auch am Nürnberger Stadttheater engagiert war und so zog Familie Lindeck am 1. Juni 1868 nach Mannheim (B 5,4, ab 1870 D 3,12). Zunächst fand er dort Arbeit als Commis bei seinen Onkeln Max und Rudolph Mayer (Brüder seiner Mutter Henriette Levi, geb. Mayer (vgl. http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ladenburg1882/0035?sid=c765f1606de3a07479d841dd059fe211)), den Gründern der Zigarren- und Tabakfabrik "Gebrüder Mayer". Wilhelm Lindecks Großmutter Rebekka Mayer geb. Ladenburg, ebnete dem Enkel den Weg in die Privatbank "W.H. Ladenburg & Söhne", wo er Prokurist, Vorstandsmitglied und bis zu seinem Tod Aufsichtsratmitglied war. Zu seinem Vater, Rabbiner Dr. Benedikt Levi, hatte Wilhelm Lindeck bis zu dessen Tod ein herzliches Verhältnis.
Anton Lindeck hatte seine Kanzlei zusammen mit Ernst Bassermann (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Lindeck). Dieser wieder war verheiratet mit Julie geb. Ladenburg, Tochter von Carl Ladenburg.
Wilhelm Lindeck und seine Frau Emma hatten fünf Kinder; Stephan Rudolph Max, geb. 19.11.1868; Anna Maria Delphine, geb. 1870; Anton, geb. 1871 (später bedeutender Rechtsanwalt, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Lindeck); Hermann Carl, geb. 1873; Maria, geb. 1879.
Quelle: Johannes Brahms, Briefwechsel mit dem Mannheimer Bankprokuristen Wilhelm Lindeck 1872-1882), Stadtarchiv Mannheim (Hg.), bearbeitet von Michael Martin, 1983, Heidelberg; 
dazu Wikipedia-Artikel zu Wilhelm Lindeck.  Genealogische Angaben siehe https://www.geni.com/people/Wilhelm-Lindeck/6000000142442300992 

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom  17. März 1928: "Mannheim. Der dieser Tage hier verschiedene Bankdirektor Wilhelm Lindeck war ein Sohn des Gießener Provinzialrabbiners Benedict Levi und ein Bruder des Münchener Generalmusikdirektors Hermann Levi. Da er nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Religion gewechselt hatte, so hat es einer seiner Söhne bereits zum königlichen preußischen Hauptmann gebracht."   

     
Die Vorfahren des Generalmusikdirektors Hermann Levi - Sohn von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (Bericht von 1933) 
Hinweis: Wikipedia-Artikel zu Hermann Levi (geb. 7. November 1839 in Gießen, gest. 13. Mai 1900 in München und beigesetzt in Garmisch-Partenkirchen)  
Anmerkungen: - Richard Wagner vertraute dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi die erste Aufführung seines "Parsifals" in Bayreuth an. Die von Nationalsozialisten als "typisch deutsche Musik" gepriesenen Wagner-Komposition wurde von Richard Wagner selbst einem jüdischen Dirigenten zur Erstaufführung anvertraut (1882)! 
- Im nachfolgenden Text wird der Leutnant Julius Moch genannt. Diesen hatte die am 14. Juni 1836 geborene Emma Levi (ältere Schwester vom Hermann Levi) am 14. April 1858 in Frankfurt-Rödelheim geheiratet (Jules bzw. Julius Moch ist 1829 in Saarlouis geboren und 1881 gestorben). Jules und Emma Moch hatten zwei Kinder: Gaston, geb. am 6. März 1859 und Henriette, geb. am 6. April 1868. Dazu http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ladenburg1882/0027/image?sid=fb6163cbe153a6d5cd3f81a5defb9424#current_page. Zu Oberst Jules Moch, der im Krim-Krieg und im Deutsch-Französischen Krieg gekämpft hatte, siehe auch https://en.wikipedia.org/wiki/Col._Jules_Moch
und https://en.wikipedia.org/wiki/Jules_Moch_(French_Army_officer)
Zu Gaston Moch (1859 - 1935): https://de.wikipedia.org/wiki/Gaston_Moch; zu dessen Sohn Innenminister Jules S. Moch (1893-1985): https://www.munzinger.de/search/portrait/Jules+Moch/0/1470.html, https://en.wikipedia.org/wiki/Jules_Moch und http://judaisme.sdv.fr/perso/jmoch.htm.

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1933: "Die Vorfahren Hermann Levis. Zu Richard Wagners fünfzigstem Todestag. Die Fünfzigjahrfeier des Todestages Richard Wagners weckt auch die Erinnerung an einen der Getreuen des Hauses Wahnfried, den 1872 von Karlsruhe nach München berufenen Generalmusikdirektor Hermann Levi (1839-1900), der nach dem Tode Wagners der treueste Berater seiner Frau Cosima gewesen ist. 
Der Vater, der den Künstlerdrang seines Sohnes schon früh erkannt hatte und ihn in seinem Künstlerstreben immer zu fördern suchte, war Rabbiner Dr. Benedict Levi zu Gießen, der 1806 als Sohn des Rabbiner Samuel Levi in Worms geboren wurde. Dieser war der Sohn des Rabbiners Wolf Levi in Pfersee bei Augsburg, besuchte die höhere Schule daselbst und eignete sich die französische Sprache derart an, dass der Bürgermeister von Worms und einige Stadträte allwöchentlich bei ihm in der Judengasse einkehrten, um sich von ihm die französischen Zeitungen übersetzen zu lassen. 1807 wurde er in das Synhedrion zu Paris berufen (vgl. http://www.genami.org/Personnages-celebres/en_membres-gd-sanhedrin.php, Rabbiner Samuel Levi unter Nr. 22). Der französisch sprechende Rabbiner von Worms gefiel Napoleon so gut, dass er ihn mehrmals in Audienz empfing, und um ihm eine Gnade zu erweisen, bot er ihm das Rabbinat Metz oder Mainz an. Levi wählte das letztere, und so wurde er 1808 zum Grand Rabbin du consistoire du département de Mont Tonnère berufen. Dr. Levi erzählte gerne in Freundeskreisen, wie er 1812 Napoleon auf seinem Zuge nach Russland über die Große Bleiche in Mainz ziehen sah und wie ihn sein Lehrer in die Höhe hob und aufforderte, den Segensspruch beim Anblick eines gekrönten Hauptes zu sprechen.
(Anmerkung S.R.: beim Lehrer, der den kleinen Benedikt 1812 beim Anblick von Napoleon in Mainz in die Höhe hob, handelte es sich um Rabbi Eisek Schwalje, siehe Frithjof Haas: Zwischen Brahms und Wagner. 1995. Mainz/Zürich, S. 15).
Dr. Levi besuchte nach dem Tode seines Vaters, der sterbend ihn aufgefordert, Rabbiner zu werden, die Schulen in Mainz, Frankfurt und die Universität in Würzburg. In Gießen promovierte er 1828 und besuchte dann die 'Jeschiwa' des Rabbiners Koppel Bamberger in Worms, wo er auch die rabbinische Ordination erhielt. Im Alter von 23 Jahren wurde er zum Rabbiner in Gießen gewählt. Großherzog Ludwig I. von Hessen war nach 40-jähriger Regierung gestorben. Sein Sohn Ludwig II. bereiste nach seinem Regierungsantritte auch die Provinz Oberhessen, wo er Dr. Levi mit zwei Vorstehern in Audienz empfing. Bei dieser Gelegenheit überreichte Levi dem Landesfürsten mit folgendem Motto: 'Und die Zeit, die König David über Israel regierte, ist 40 Jahre. Und er starb im hohen Alter      
Giessen BayrGZ 15031933br.jpg (116414 Byte)voll an Leben, Größe und Ruhm, und es herrscht sein Sohn Salomo an seiner Stelle (I. Chronik Kap. 29 Vers 27,28). Der Großherzog äußerte wiederholt seinen Beifall über die sinnige Widmung, und als das Rabbinat Friedberg frei wurde, ernannte er Levi zum Rabbiner der Provinz Oberhessen mit 90 Gemeinden. 1832 führte Levi Henriette Mayer aus Mannheim als Gattin in sein Haus. Diese gemütreiche und geistig hochstehende Frau war bis zu ihrem frühen Hinscheiden 1842 eine der ansprechendsten Erscheinungen der Gießener Gesellschaft. Sie war eine ausgezeichnete Klavierspielerin, und ohne Zweifel hatte ihr Sohn Hermann seine musikalische Begabung von ihr empfangen. 1858 verheiratete sich die einzige Tochter Dr. Levis mit einem französischen Offizier, dem Leutnant Julius Moch, Repetiteur der Kaiserlichen Militärschule zu St. Cyr (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Jules_Moch_(French_Army_officer)) In Rödelheim vollzog Levi die Trauung. Moch war im Kriege 1870/71 als Oberst Gefangener in Gießen.
Während Dr. Levi ins Greisenalter eingetreten war, erlebte sein Herz die Freude, seinen Sohn Hermann, den genialen Dirigenten, Sprosse um Sprosse an der Ruhmesleiter emporklimmen zu sehen. 1882 wohnte Dr. Levi der ersten Aufführung des 'Parsifal', unter seines Sohnes Leitung, in Bayreuth bei. Richard Wagner, der ihn aufs Herzlichste begrüßte, fragte ihn scherzend: 'Wie sind Sie mit Ihrem ungeratenen Sohne zufrieden?' 'So, ziemlich,' antwortete Levi. 'Ihr Hermann,' sagte darauf Wagner, 'müsste als mein alter ego eigentlich den Namen Wagner führen.' Dr. Levi starb nach der Feier seines 90. Geburtstages.  S.(amson) Rothschild, Worms ."  
Zu Samson Rothschild siehe  http://www.warmaisa.de/stolpersteine/rothschild-samson-1848-1939/   .
Anmerkung: Frithjof Haas berichtet, dass Hermann Levi und Richard Wagner für die Premiere folgende Besetzung ausgewählt hatten: Amalie Materna https://de.wikipedia.org/wiki/Amalie_Materna für Kundry, Hermann Winkelmann https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Winkelmann für Titurel, Emil Scaria https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Scaria für Gurnnemanz, Karl Hill https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Hill  für Klingsor und Theodor Reichmann https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Reichmann für Amfortas.  
Zum Großen Sanhedrin in Paris vgl. Beitrag von Carsten Wilke: Der Freibrief des Despoten. Zum zweihundertsten Jahrestag der Lehrbeschlüsse des Großen Sanhedrin. In "Kalonymos" 2007 Nr. 1 S. 4-8  online zugänglich.   
 
 
Giessen HLevi 010.jpg (53402 Byte)Zu Hermann Levi siehe u.a. Wikipedia-Artikel mit weiteren Links.  
Hermann Levi war als Zwölfjähriger Organist in der Synagoge in Gießen, siehe Seite zur Synagoge.   
2018 erschien der Briefwechsel zwischen Hermann Levi und Cosima Wagner: Dieter Stein: Unsere Kunst ist eine Religion. 874 S. Verlag Valentin Körner. ISBN 978-3-87320-601-4. Reihe: Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen Bd. 101. Dazu Presseartikel von Karolna Schepp in der "Gießener Allgemeinen" vom 18. Oktober 2018: "Cosima Wagner und Hermann Levi. Dieter Steil gibt berühmten Briefwechsel heraus..." Link zum Artikel  
Dazu auch die Video-Dokumentation von arte: "Richard Wagner und die Juden"  https://www.youtube.com/watch?v=BXw7UGhc0cw .     

    
Empfang von Rabbiner Dr. David Sander beim Großherzog von Hessen (1897)           

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. November 1897: "Der Großherzog von Hessen empfing am 10. dieses Monats den Provinzialrabbiner Dr. Sander - Gießen in längerer huldvoller Audienz."          

 
60. Geburtstag von Rabbiner Dr. David Sander (1927)
       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 26. September 1927: "Gießen. 60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Sander. Vorige Woche beging Herr Rabbiner Dr. David Sander seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass gedachten die Gemeindemitglieder mit Dank und Anerkennung seiner Verdienste, die er sich um die jüdische Allgemeinheit, insbesondere um das Wohl seiner Gemeinde erworben hat. Auf seinen Wunsch sollte das Jubiläum im allerengsten Familienkreis begangen werden, aber bei der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar bei allen Mitbürgern erfreut, wurde das Jubiläum doch zu einer Feier für die ganze Gemeinde."      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. September 1927: "Gießen. 60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Sander. Vorige Woche beging Herr Rabbiner Dr. David Sander seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass gedachten die Gemeindemitglieder mit Dank und Anerkennung seiner Verdienste, die er sich um die jüdische Allgemeinheit, insbesondere um das Wohl seiner Gemeinde erworben hat. Auf seinen Wunsch sollte das Jubiläum im allerengsten Familienkreis begangen werden, aber bei der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar bei allen Mitbürgern erfreut, wurde das Jubiläum doch zu einer Feier für die ganze Gemeinde."      

  
Amtseinführung von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1895)  
Anmerkung: zur Wahl von Dr. Leo Hirschfeld siehe Artikel "Neun Jahre Israelitische Religionsgesellschaft..."  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1895: "Die Amtseinführung des Herrn Rabbiners Dr. K. Hirschfeld in den Stadt- und Landkreis Gießen. Mainz, 23. April (1895).  
Das war ein wundervolles, erhabenes und erhebendes Fest, welchem beizuwohnen wir am vergangenen Sonntag das Glück und die Ehre hatten. Wir haben bereits in unseren Nummern 27 und 28 von den Vorgängen berichtet, welche sich seit einer Reihe von Jahren in dem oben genannten Kreise abspielten. Die Zustände daselbst in Bezug auf unsere heiligsten Stätten waren tatsächlich jammervolle, bis es einer Anzahl wackerer Männer gelang, eine von der Hauptgemeinde getrennte Religionsgesellschaft ins Leben zu rufen, welche heute in der Anstellung des obengenannten Rabbiners ihre richtige Weihe empfinge. Für diesen, für die Geschichte der Oberhessischen Judenheit so hochwichtigen veranstaltete der 'Cultusverein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Oberhessen', so heißt die junge Vereinigung, ein Fest, zu welchem viele Vertreter der Provinzgemeinden, sowie eine Reihe von Freunden der guten Sache aus Nah und Fern herbeigeeilt waren. In den herrlichen Räumen des Stein'schen Etablissements versammelten  sich die Festgenossen..."       
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Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld wird als Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft angestellt (1895)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1895:    

   
Publikation von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1901)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901: "Literarische Notiz.  

  
25-jähriges Amts- und Ortsjubiläum von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1920)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1920:    
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60. Geburtstag von Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld (1927)   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 27. Mai 1927:    


Zum Tod von Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1933)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933: "Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Gießen, 25. September (1933).  
Noch kurz vor Jahresausgang wurde die Israelitische Religionsgesellschaft in Gießen, und mit ihr das gesetzestreue Judentum in Deutschland, von einem schweren ungeahnten Schlag getroffen. Rabbiner Dr. Hirschfeld, der Mann, den wir immer in voller Rührigkeit und glühendem Eifer für Gott und seine Tora zu sehen gewöhnt waren, ist nach kurzer schwerer Krankheit aus dem Leben geschieden. Eine Gemeinde trauert um ihren Führer und Meister, der sie bald vierzig Jahre durch alle Fährnisse und Wandlungen, an mancherlei Klippen vorbei geführt, der ihr Generationen ausgerüstet hat, dass sie die treue Hut weiter wahren. Die Feststimmung wurde für eine jüdische Gemeinde in stille Trauer verwandelt, möchte sie noch so sehr dagegen ankämpfen. Mussten doch unwillkürlich die Beter zu dem Platze hinaufschauen, wo ihr Rabbiner voriges Jahr noch um diese Zeit in geweihter Stunde zu ihnen sprach. Noch kurz vor Festeingang hatte sich sein Tag gesenkt, war seine Neilohstunde gekommen, hatte er mit dem letzten Sch'ma seine Seele ausgehaucht.  
Und am Nachmittage des zweiten Rosch haschono (zweiter Neujahrstag) stand die Gemeinde draußen und nahm stummen, stillen Abschied, wie es das Fest gebietet, von ihrem Lehrer und Führer: Ein Fest ging zu Ende, ein Sabbat begann. Schabbos Schuwah! Ein Begnadeter mit sabbatlich gestimmter Seele ist in den ewigen Sabbat eingekehrt. 
Rabbiner Dr. Hirschfeld kam, nach gründlichen jüdischen und profanen Studien, im Jahre 1895, kaum ein Dreißiger, als rabbinischer Führer der orthodoxen Gemeinde Israelitische Religionsgesellschaft nach Gießen. Die Gemeinde als solche war erst vor kurzem gegründet worden. Sie war aus großen schweren Kämpfen um (hebräisch und deutsch:) den letzten Rest aus dem religiösen Zusammenbruch einer Reformperiode, hervorgegangen. Der junge Rabbiner fand so gut wie Neuland, das noch eine Fülle von Kampf und Arbeit zu seiner Bebauung und Ausweitung erforderte. Mit welcher Wucht, Energie und welchem Elan der tätige, kraftstrotzende Mann diesen Kampf und diese Arbeit aufnahm, wissen nur diejenigen einzuschätzen, die jenen neuesten Abschnitt der jüdischen Geschichte Oberhessens miterlebt haben. Ein Enkel von Rabbi Schlome Pleßner - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - von dem er stets mit Stolz sprach, war ihm dieser große Ahn stets Leuchte und Vorbild in seiner rabbinischen Amtswirksamkeit. Die meisten Landgemeinden Oberhessens schlossen sich dem orthodoxen Rabbinate an, das von der damaligen, den Juden stets wohlwollenden Darmstädter Regierung zu einem Großherzoglichen Provinzial-Rabbinat mit genau gleichen Rechten wie das sog. liberale Rabbinat erhoben wurde. In diesen Gemeinden, mit denen der Rabbiner gleich zu Anfang in engen Kontakt trat, blieben die religiösen Institutionen unter der Oberaufsicht Hirschfelds im besten Stande. Manche Kleingemeinde bekam, mit Hilfe der 'Freien Vereinigung', eine Mikwe neu errichtet oder instandgesetzt. Besuche des Rabbiners, mit der Predigt und der Religionsschulprüfung, gestalteten sich für die Landgemeinde immer zu einem hohen Feste. In Gießen selbst, wo die Religionsgesellschaft sich schon vorher das eigene herrliche Gotteshaus in der Steinstraße errichtet hatte, wurde mit Hilfe des bewährten Lehrers Herrn Klein, der Religionsunterricht noch ausgebaut und alle Mittel ergriffen, um, oft unter Schwierigkeiten, und auf einigem Boden, das religiöse und geistige Leben zu heben. Konnte Rabbiner Dr. Hirschfeld in den letzten Jahren auch nicht mehr so oft in die Landgemeinden seines Bezirkes kommen, so sammelte er doch fast wöchentlich die Lehrer seines Rabbinatsbezirkes in seinem Hause bei Schiurim (Lernstunden), Fortbildungskursen, Aussprachen und blieb so mittels der Lehrer, die in Oberhessen fast durchweg noch treu und gewissenhaft zur Tradition halten, auch mit den Gemeinden in enger Fühlung. 
Eine kernige, imposante Erscheinung, auch schon nach außen durch Kleidung und würdevolle, fast feierliche Haltung die Ehre der Tora hervorkehrend, genoss Rabbiner Dr. Hirschfeld große Verehrung weit über seine Gemeinde hinaus, ja auch in nichtjüdischen Kreisen. ein Meister des Wortes, liebte er es, den Gedankenbau mit einer blumigen poetischen Sprache zu umkleiden, die oft große Wirkungen erzielte. Er konnte von der Kanzel seine Donnerstimme erheben, wenn es galt, seinen Gemeinden ins Gewissen zu reden, Fehler zu rügen, Übel abzustellen; er konnte aber auch weiche poetisch verklärte Töne anschlagen, wenn er als Mensch zu dem Menschen sprach, wenn er bei festlichen Anlässen oder bei Familienfeierlichkeiten, zu denen der Rabbiner als Freund herangezogen wurde, sich mit Geist und Humor als liebenswürdiger Gesellschafter bewährte. Ein tief veranlagtes Gemüt und vortrefflicher Kenner der althebräischen Literatur, versuchte er sich oft selbst in poetischen Schöpfungen. Seine nach Reim und Rhythmus ins Deutscher übertragenen Schabbatlieder fanden guten Anklang. Lange Jahre arbeitete er an einem Werke, einer lexikalischen Zusammenstellung aller Namen in der Bibel unter Anführung aller einschlägigen Stellen in der gesamten rabbinischen und midraschistischen Literatur, die nun abgeschlossen und vollkommen druckfertig daliegt. Man darf hoffen, dass sich bald ein Verleger für dieses für die jüdische Wissenschaft wertvolle Nachschlagewerk findet. 
In seinem gastlichen Hause, das er in langer glücklicher Ehe mit einer kongenialen Gattin, einer Frankfurterin, Tochter von Moses S. Schwab - seligen Andenkens - teilte, fanden       
Giessen Israelit 28091933c.jpg (293473 Byte)Schüler, Freunde, die Lehrer des Bezirkes stets freundliche Aufnahme, Arme und Hilfsbedürftige, besonders auswärtige Toragelehrte, Rat und Hilfe. Eine schwere Lücke ist mit seinem Heimgange dem gesetzestreuen Judentum geschlagen. Möge Gott seine Gemeinde und seine Familie, drei Töchter, von denen zwei ihre eigenen Heime an der Seite bewährter Männer im Geiste des Vaters führen, trösten. Möge der heimgegangene Führer an den heiligen Tagen ein Fürsprecher seiner Gemeinde und seiner Gemeinschaft in schwerer Zeit sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      
Die Trauerfeier in der Synagoge. Die Trauer und die Wehmut, die bei der Bestattung am Festtage keine Worte finden konnte, kam am Sonntagnachmittag in einer Trauerfeier in der Synagoge spontan und dennoch überaus würdig zum Ausdrucke. In dem vollgefüllten hellbeleuchteten Gotteshause sah man neben der gesamten Gemeinde auch viele auswärtige Gäste. Alle orthodoxen Rabbiner Hessens, sowie sämtliche Lehrer des Rabbinatsbezirkes waren anwesend. Auch der Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main war offiziell vertreten. von der Jeschiwah kam Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer. Auf den Galerien standen die Frauen der Gemeinde Kopf an Kopf. Die Feier wurde eröffnet mit dem stimmungsvollen Vortrag eines Gebetsstückes durch den Kantor der Gemeinde, Herrn Neumann, worauf der Ehrenvorsitzende der Gemeinde, Herr Hofrat Jacob Grünewald, die Kanzel bestieg, um in schlichten, herzlichen Worten den Dank der Gemeinde an den Führer zum Ausdruck zu bringen und weitere Treue zu geloben, in dem Sinne, dass die Gemeinde entschlossen sei, in seinem Geiste die Traditionen des Judentums weiterhin treu zu hüten. Den ersten Hesped (sc. Trauerrede) hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn, Marburg. In großangelegter Rede entwarf er in Anknüpfung an alte Textworte ein Charakterbild des Menschen und des Lehrers Hirschfeld, der wie ein Vater zu seiner Gemeinde und zu jedem einzelnen ihrer Mitglieder stand, der als treuer Wächter den ihm anvertrauten Weinberg hütete und bearbeitete und sich immer wieder mit neuer Kraft an die Arbeit machte, auch wenn die Frucht einmal der Mühe nicht entsprach. Redner schilderte, wie kraftvoll der erste Rabbiner diese Gemeinde auch nach außen hin zur Geltung brachte, wie er sich die Fortbildung der Lehrer seines Bezirkes angelegen sein ließ, und schloss wirkungsvoll mit der Wiedergabe der letzten Worte Dr. Hirschfelds - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - auf seinem Krankenbette: (hebräisch und deutsch) 'Hat das Jahr in Armut und Trauer begonnen, so wird es in seinem Verlaufe Glück und Segen bringen.' Das nehme die verwaiste Gemeinde als letzten Segen des heimgegangenen Rabbi. 
Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, sprach für den orthodoxen Hessischen Landesverband, sowie für den Orthodoxen Rabbinerverband. In feingeistiger Rede kehrte er die sühnende Bedeutung des Todes der Gerechten auf Grund eines Wortes aus der Tagesselicho über den Tod Gedaljas hervor und wusste eindringliche Worte einzuflechten über die jüdische und geistige Verpflichtung, die die Gemeinde am Grabe ihres Führers für die Zukunft übernimmt.  
Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt am Main, der die letzten Grüße der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und des Frankfurter Mekor Chajim überbrachte, schilderte Dr. Hirschfeld, mit dem er in den ersten Jahren seiner rabbinischen Wirksamkeit in Hessen ein Stück Weges zusammengehen und kämpfen durfte, als    
Giessen Israelit 28091933d.jpg (40549 Byte)einen der aufrechten Menschen, die kamen mit der Macht ihrer Taten. Er zeichnete dann in gehobenen Worten insbesondere auch die literarische Tätigkeit Hirschfelds. Herr Lehrer Klein, der treue Mitarbeiter Hirschfels in fast einem Menschenalter, sprach in bewegten Worten von der Lehrweise seines Rabbiners und brachte den Dank der Lehrer im Rabbinatsbezirke zum Ausdruck. Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenthal dankte für die Jugend, für die früheren und späteren Schülergenerationen. 
Mit Am'r und dem Minchogebet, in festfeierlicher Weise von Herrn Kantor Neumann vorgetragen, fand die in ihrer Schlichtheit und Herzlichkeit überaus würdige und eindrucksvolle Feier ihr Ende."   

  
Nachruf für Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1933)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933: "Nachruf. Am Erew Rausch haschonoh (Vortag vor dem Neujahrsfest) starb nach kurzer Krankheit im 67. Lebensjahr unser allverehrter Rabbiner 
Herr Dr. Leo Hirschfeld - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.
 
38 Jahre hat er in unerer Gemeinde den Gedanken des unverfälschten, überlieferten Torajudentums vertreten. Er war ein ausgeprägter Charakter und eine Führerpersönlichkeit. Seine Fähigkeiten und sein Wissen stellte er in den Dienst seiner Gemeinde. Darüber hinaus galt sein warmherziges Interesse der Förderung der Belange des orthodoxen Judentums. Wir werden dem Heimgegangenen ein treues und dankbares Andenken bewahren und unsere Kehilloh im Geiste des Verewigten weiterführen. 
Israelitische Religionsgesellschaft Gießen. Der Vorstand A. Fröhlich."      

      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und weiterer Kultusbeamten 
Lehrer Rosenthal übernimmt die Israelitische Schule (1824)   

Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" Jg. 1824: "In Gießen steht jetzt Herr Rosenthal - ein sehr talentvoller Lehrer - an der Spitze einer neuen, zweckmäßig eingerichteten Israelitischen Schule. Es ist sehr erfreulich, wahrzunehmen, wie sehr man immer mehr strebt, das Israelitische Schulwesen zu verbessern."     

  
Über die Vorsteher- und Lehrer-Konferenz in Gießen (1860)  

Giessen AZJ 29051860.jpg (350838 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  29. Mai 1860: "Büdingen, Großherzogtum Hessen, im Mai 1860. Vorsteher- und Lehrer-Konferenz zu Gießen. 
Die vom Großherzoglichen Provinzialrabbinen, Herrn Dr. Levi zu Gießen auf den 17. vorigen Monats dahin berufenen Delegierten sämtlicher israelitischen Gemeinden und deren Lehrer der Provinz Oberhessen sammelten sich am genannten Tage daselbst im Lokale des Busch'schen Gartens, und waren nach Ausweis der desfalls aufgenommenen Verzeichnisse folgende Gemeinden durch Abgeordnete vertreten: 1) Allendorf (Herr Schulhof), 2) Altenlotheim (Herr Schiff), 3) Angenrod (Herr Rothschild), 4) Altenstadt (Herr Ehrenreich), 5) Bobenhausen (Herr Katz), 6) Butzbach (Herren Mühlhausen und Sundheimer), 7) Büdingen (Herr B. Lismann), 8) Gießen (Herr Hofgerichtsadvokat Rosenthal, Herr Antiquar Kaufmann), 9) Großenbuseck (Herr Rosenberg), Heldenbergen (Herr Rothschild), 11) Hungen (Herren Bamberger, Steinberger, Salomonsohn), 12) Höringhausen (Herr Bickhardt), 13) Kestrich (Herr Schwerin), 14) Langgöns (Herr Oppenheimer), 15) Lollar (Herr Kann, 16) Nidda (Herr L. Katz, 17) Nieder-Weisel (Herr Rothschild), 18) Reiskirchen (Herr Löwenberg), 19) Steinbach (Herr Katz), 20) Steinfurth (Herr Löser), 21) Ulrichstein (Herr Schwerin).   
Eine zweite Liste verzeichnete folgende dabei erschienene Lehrer: 1) Herr Ehrenreich aus Altenstadt, 2) Herr Steinberger aus Alsfeld, 3) Herr Katz aus Beuern, 4) Herr Ottensoser aus Büdingen, 5) Herr Harris aus Düdelsheim, 6) Herr Grünstein aus Gladenbach, 7) Herr Hecht aus Gedern, 8) Herr Meyer aus Gießen, 9) Herr Würzburger aus Garbenteich, 10) Herr Kahn aus Friedberg, 11) Herr Kuttnauer aus Heldenbergen, 12) Herr Rölf aus Höringhausen, 13) Herr Mohr aus Homburg a.d. Ohm, 14) Herr Wertheimer aus Lich, 15) Herr Morgenthal aus Langgöns, 16) Herr Blaut aus Mainzlar, 17) Herr Fürth aus Münzenberg, 18) Herr Isaak aus Niederweidbach, 19) Herr Würzburger aus Nieder-Weisel, 20) Herr Jugenheimer aus Steinbach, 21) Herr Brandeis aus Staden.  
Zur Freude Aller, namentlich der Lehrer, war auch ihr treuer wackerer Mitkämpfer für Verbesserung ihrer Lage, Großherzoglicher Kreisrabbiner Herr Dr. Formstecher aus Offenbach (Provinz Starkenburg), Präsident der Offenbacher Generalversammlung von 1857, hierher gekommen, um auch an dieser Konferenz teilzunehmen...."  
Zum weiteren Lesen des Berichtes bitte Textabbildungen anklicken      
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Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet der Israelitischen Religionsgesellschaft (1887)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1887: 
"Die israelitische Religionsgesellschaft zu Gießen sucht bis zum 1. Januar 1888 einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Chasan (Vorbeter) und Schochet
Meldungen unter Anschluss ihrer Zeugnisse nimmt entgegen 
A. Marcus, Vorsitzende
r."   

     
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors der Israelitischen Religionsgemeinde (1890)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1890: "Der seitherige Religionslehrer und Cantor unserer Gemeinde wird demnächst in den Ruhestand treten und ist diese Stelle mit einem Einkommen von ca. 2.000 Mark neu zu besetzen. Bewerber, welche für beide Fächer tüchtig ausgebildet sind, wollen ihre Befähigungsnachweise und Zeugnisse über ihr seitheriges Wirken uns alsbald einsehen. 
Gießen
, 8. Dezember 1890. Der Vorstand der israelitischen Religions-Gemeinde: 
M. Homberger.
"     

   
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Salomon Mayer (1892)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1892: "Gießen, 3. Mai (1892). Der Religionslehrer und Vorbeter der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr S. Mayer, beging gestern die Feier seines 50-jährigen Dienstjubiläums. Der Jubilar hat sich als Lehrer dreier Generationen, als rastlos strebsamer Arbeiter die Achtung seiner Glaubensgenossen wie der übrigen Mitbürger erworben."       

   
Dr. Max Mayer - Sohn von Lehrer und Kantor Salomon Mayer -  wird zum Sekretär am Großherzoglichen Landgericht in Darmstadt ernannt (1887)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1887: "Darmstadt, im August (1887). Durch allerhöchstes Dekret vom 25. vorigen Monats ist Herr Dr. Max Mayer zum Sekretär am Großherzoglichen Landgerichte dahier ernannt worden. Im Großherzogtum Hessen besteht wie in allen süddeutschen Staaten die gesetzliche Vorschrift, dass die Sekretäre an den Kollegialgerichten (Land- und Oberlandesgerichten) die Richterprüfung bestanden haben müssen, und sind dieselben demgemäss auch hinsichtlich ihres Ranggehaltes und ihrer Anciennetätsverhältnisse den Amts- und Landrichtern vollständig gleichgestellt, rücken insbesondere in den nämlichen Gehaltsklassen mit denselben auf. - Man kann sich denken, dass die ehrenvolle Anstellung des Herrn Dr. Mayer bei uns Israeliten große Freude erregt hat. Derselbe ist der Sohn des sehr geachteten israelitischen Kantors und Lehrers Mayer in Gießen."      

   
Zum Tod von Lehrer Salomon Mayer (1894)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1894:         

 
Ausschreibung der Stelle des Schochet und Kantors der Israelitischen Religionsgemeinde (1900)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1900: 
"Die Stelle eines Schächters und zweiten Kantors in hiesiger Gemeinde ist neu zu besetzen. Das Gehalt beträgt Mark 1100 und Nebeneinnahmen, welche seither Mark 800 schätzungsweise betragen haben. Bewerber wollen ihre Anmeldungen unter Beilegung von Zeugnissen, Angabe ihrer seitherigen Stellungen oder Lebenslaufes, ihrer Familienverhältnisse und ihres Alters an den unterzeichneten Vorstand richten.  
Gießen, im Februar. 
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde."     

  
Lehrer A. Salomon wirbt für seine Schülerpension (1908)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908:  
Giessen.  
Schüler, welche eine der hiesigen höheren Schulen (Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule) besuchen sollen, finden liebvolle Pflege, gewissenhafte Beaufsichtigung und Nachhilfe bei A. Salomon, Lehrer an dem Großherzoglichen Realgymnasium und der Oberrealschule. Auch Besucher hiesiger Universität erhalten daselbst Pension. B
este Referenzen".     

   
40-jähriges Lehrerjubiläum von Lehrer Bernhard Klein und Lehrer Fröhlich (1923)   
 

Adelsberg Israelit 17091923.jpg (58841 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1923: "Würzburg, 15. September (1923). Ihr 40jähriges Lehrer-Jubiläum begingen im Hotel Goldschmidt dahier die Lehrer: Ehrenreich - Langenselbold, Fröhlich - Gießen, Goldstein - Würzburg, Klein - Gießen, Levi -  Burgpreppach, Rau - Hirschaid, Rosenthal - Worms, Schloss - Langen, Stern - Echzell, Strauß - Gelnhausen, Weichselbaum - Adelsberg. Gleichzeitig übergaben sie dem hiesigen israelitischen Seminare ein ahnsehnliches Geschenk. Von den 15 Absolventen des Jahrganges 1883 sind leider drei mit Tod abgegangen und einer in einer Nervenanstalt untergebracht."

    
Lehrer und Kantor Bernhard Klein (Israelitische Religionsgesellschaft) feiert sein 40-jähriges Ortsjubiläum (1928)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1928: "Gießen, 27. Februar (1928). Am 10. März feiert uns Lehrer und Kantor Bernhard Klein sein vierzigjähriges Ortsjubiläum in unserer Gemeinde."     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1928: ""Gießen, 5. März (1928). Am 10. März sind es 40 Jahre, dass Herr Bernhard Klein als Lehrer, Kantor und Schochet in unserer Gemeinde wirkt. Klein ist ein Lehrersohn auf Veitshöchheim, besuchte die Präpanderie in Höchberg und das Seminar in Würzburg. 1883 fand er seine erste Anstellung in Pflaumloch, Württemberg. 1888 kam er als Kultusbeamter an unsere Religionsgesellschaft, die 1923 die Rechte einer öffentlichen Körperschaft erhielt. In dieser langen Zeit bewährte sich der Jubilar als ein pflichttreuer Beamter, der die Jugend zu wahrer Treue (sc. zu ihrer Religion) begeisterte und durch sein klangvolles Organ den Gottesdienst verherrlichte. Möge ihm ein recht schöner Lebensabend beschieden sein"       
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1928: "Der Kollege Bernhard Klein in Gießen feiert am 10. März sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Lehrer der dortigen Religionsgesellschaft. Wir entbieten dem Kollegen, der jahrzehntelang auch als Vorstandsmitglied des unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Freistaate Hessen tätig war, die herzlichsten Glückwünsche des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer und wünschen ihm weiteres Wohlergehen und ungehemmte Kraft des Körpers und Geistes für ferneres Wirken im Dienste seiner Gemeinde."     
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 16. März 1928: "Gießen (Jubiläum). Am letzten Sabbat konnte Herr Bernhard Klein sein 40-jähriges Dienstjubiläum als Lehrer, Kantor und Kultusbeamter der Israelitischen Religionsgesellschaft begehen. Die Gemeinde nahm gern Anlass, ihrem bewährten Beamten mancherlei Ehrungen als Ausdruck des Dankes zugehen zu lassen."        

     
 65. Geburtstag von Lehrer und Kantor Joseph Marx (Israelitische Religionsgemeinde; 1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 5. März 1930:      

   
Ein Wanderlehrer wird für Oberhessen angestellt (1930)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 11. April 1930:    

 
Lehrer Bernhard Klein tritt in den Ruhestand - Lehrer Erich Neumann wird sein Nachfolger (1932)  

Pflaumloch Israelit 03111932.jpg (104352 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1932: "Gießen, 30. Oktober (1932). Nach 49-jähriger Dienstzeit, 5 Jahre in Pflaumloch in Württemberg (d.h. 1883-1888) und 44 Jahre in der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft, trat Herr Lehrer Bernhard Klein vor einigen Monaten in den wohlverdienten Ruhestand. Am vergangenen Samstag fand in der hiesigen Synagoge ein Abschiedsgottesdienst mit Festpredigt statt. Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld schilderte die Tätigkeit unseres Kultusbeamten, der Lehrer, Kantor und Schochet war. Mit Liebe, Sorgfalt und pädagogischem Geschick brachte Herr Klein den Kindern die religiösen Lehren und Pflichten des wahren Judentums bei. In Andacht und Ehrfurcht lauschten die Synagogenbesucher seinen erbauenden und klangvollen kantoralen Leistungen. Auf dem Gebiete des Schächtens war er ein Meister, der seinesgleichen sucht. Sowohl von Seiten des Rabbinats als auch von Seiten hoher christlicher Beamtenstellen fanden hier seine Leistungen reiche Anerkennung. Für all das dankte ihm Dr. Hirschfeld im Namen der Gemeinde und wünschte ihm einen ruhigen, angenehmen und langen Lebensabend in unserer Mitte. Sein Nachfolger, Herr Lehrer Erich Neumann aus Kassel, wie Herr Lehrer Klein, ein Schüler des Würzburger Seminars, trat vor den hohen Feiertagen die vakante Stelle an."

     
Aus der Zeit von Lehrer Erich Neumann (1932-1938) 
Anmerkung (Informationen erhalten von Fredel Fruhman): Erich Neumann ist 1908 als Sohn von Salomon Neumann und Frieda geb. Dorfzaun in Kassel geboren. Er studierte vn 1926 bis 1930 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Danach war er in den jüdischen Gemeinden von Spangenberg, Schlüchtern, Eschwege und Gießen (1932-1938) tätig. Er war verheiratet mit Fränze geb. Müller; das Ehepaar hatte zwei Söhne. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und in ein KZ verschleppt. Nach seiner Entlassung betrieb er seine Auswanderung. Er konnte Deutschland nach England verlassen; seine Frau und seine Söhne konnten nicht mehr nachfolgen. Sie wurden nach der Deportation ermordet. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Neumann als Lehrer und als Gemeindesekretär in jüdischen Schulen und Gemeinden in England (London und Manchester) tätig. Nach 1945 verzog er in die USA, wo er sich nun Eric Neumann nannte. Er war als Kantor und Lehrer in der Synagogengemeinde Ohav Sholaum in New York tätig. Er heiratete in zweiter Ehe Anita geb. Eldod. Eric Neumann verstarb 1984 in New York.              

Fotos, erhalten im August 2010 
von Fredel Fruhman, 
eine Nichte von 
Lehrer Erich Neumann
Spangenberg Lehrer Neumann 011.jpg (42330 Byte) Spangenberg Lehrer Neumann 010.jpg (118801 Byte)
   Lehrer Erich Neumann, der älteste Sohn des Lehrers 
Salomon Neumann und seiner Frau Frieda geb. Dorfzaun
 (Salomon Neumann war lange Jahre Lehrer in Kassel; nähere
 Informationen zu ihm auf einer Seite zu Gochsheim
Lehrer Erich Neumann mit 13 Schülerinnen 
und Schülern in Spangenberg (1931), wo er
 vor seiner Zeit in Gießen tätig war.
 

     

     

     

     

     

      

 

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Stand: 30. Juni 2020