Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dambach-la-Ville (Dambach, Dep. Bas-Rhin / Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte / Histoire juive  /  Synagoge / Synagogue 

  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte des Rabbinates in Dambach  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)            
    
In Dambach bestand eine - vom 17. bis 19. bedeutende - jüdische Gemeinde bis zu ihrer Zerstörung 1940. Um 1613 werden die folgenden Juden (Familienvorstände) am Ort genannt: Latzarus, Zaudick, Eliaß, Kosch, Sannel und Aron.   
 
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien zu: 1784 wurden 30 jüdische Familien mit zusammen 129 Personen gezählt.     

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 189 jüdische Einwohner, 1846 348, 1861 314, 1870 295, 1900 108, 1910 69.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Konfessionsschule bis 1906; 1843 noch 40 Schüler, im Jahr der Auflösung 1906 nur noch 5 Schüler) und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof Rosenwiller / Rosenweiler beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war (neben dem für den Bezirk zuständigen Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.    
  
Dambach war bis 1910 Sitz eines Bezirksrabbinates. Rabbiner waren:  bis 1870 Rabbiner Seligmann Weil (s.u.); 1872 bis 1883 Rabbiner Marc Levy; 1885 bis 1887 Rabbiner Dr. Salomon Singer; 1887 bis 1900 Rabbiner Eisig Roller; 1902 bis 1910 Dr. Joseph Bloch (verlegte das Rabbinat nach Barr, wo er bis 1940 amtierte). Zum Rabbinat Dambach gehörten auch die in Epfig und Barr lebenden jüdischen Personen.     
   
1936 wurden noch 65 jüdische Einwohner in Dambach gezählt. Unter der deutschen Besatzung wurden die letzten jüdischen Einwohner 1940 nach Südfrankreich deportiert.   
     
Von den in Dambach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Fernand Bader (1899), Elie Bloch (1898), Isaac Blum (1887), Gabrielle Dreyfus (1891), Lucien Kahn (1876), Rene Kane (1932), Fanny Luzzato (1882), Flore Meyer geb. Bader (1890).     
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Dambach     

Zum Tod von Rabbiner Seligmann Weil (1870)
   
Anmerkung: Rabbiner Seligmann Weil (geb. 1816 in Rosheim, gest. 1870 in Dambach): studierte in Mainz; war bis 1870 Rabbiner in Dambach.
Hinweis: im "Biographischen Handbuch der Rabbiner" (hrsg. von Michael Brocke und Julius Carlebach) werden die Dambacher Rabbiner bis 1870 nicht aufgeführt.     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1870: "Dambach, 16. November (1870). Unsere Gemeinde und mit ihr ganz Elsass, hat leider einen großen Verlust erlitten. Rabbi Seligmann Weil, einer von denjenigen Rabbinen Frankreichs, welche streng fromm vor Gott wandern und ihre Gemeinden führen zur Tora, zum Gottesdienst und zur Wohltätigkeit, ist nicht mehr. Samstag, 4. November, erlag er einer vierwöchentlichen Krankheit, am 6. November fand das Begräbnis unter großer Beteiligung statt. Der Rabbiner von Obernai - unser Herr und Meister Jochanan - der Barmherzige möge ihn bewachen und ihn erhalten, und der Rabbiner von Fegersheim, Herr Aron, Bruder des Oberrabbinen von Straßburg, hielten die Leichenreden. Aus der ganzen Umgegend war Alles herbeigeeilt, um dem allbeliebten, treuen Seelenhirten die letzte Ehre zu erweisen. - 
Der Verewigte war geboren zu Rosheim und hatte seine Studien in Mainz unter Rabbi Löb Ellinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - und Rabbi Samuel Bondi - sein Licht leuchte - gemacht; er erreichte ein Alter von nur 54 Jahren. Der Verlust ist für uns ein fast unersetzlicher; an Rabbinen ist kein Mangel, aber, fromme gottgefällige Rabbinen sind heutzutage leider sehr, sehr selten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

     
Besetzung des Rabbinates mit Rabbiner Dr. Salomon Singer (1885)
  
Anmerkung: Rabbiner Dr. Salomon Singer (geb. 1850 in Güssing [Németújvár] im Burgenland, gest. 1887); studierte 1876 bis 1882 in Berlin; 1883 bis 1885 Rabbiner im tschechischen Prerau (Přerov). Er blieb nur kurze Zeit als Rabbiner in Dambach und wechselte 1887 nach Fegersheim, wo er kurze Zeit nach seinem Dienstantritt verstorben ist.        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1885: "Straßburg im Elsass. Die von dem israelitischen Konsistorium des Bezirks Unter-Elsass vorgenommene Ernennung des Rabbiners Dr. Salomon Singer aus Prerau (Österreich) zum Rabbiner in Dambach ist seitens des Ministeriums genehmigt worden."
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1885: "Dambach, 16. Juni (1885) (Unter-Elsass). Endlich wurde unsere, seit zwei Jahren verwaiste Rabbinerstelle wieder und zwar durch Herrn Dr. Salomon Singer, ehemaligen Rabbiner zu Prerau (Österreich) besetzt. Heute fand dessen Einführung in sein Amt statt, mit welcher große Feierlichkeiten verbunden wurden. Um 3 Uhr machte Herr Dr. Singer unter zahlreicher Versammlung von Personen aller Konfessionen seinen Eintritt in die zu dieser Feierlichkeit prachtvoll geschmückte Synagoge. In Vertretung des Herrn Ober-Rabbiners wurde derselbe von Herrn Leon Schwarz, Bankier und Mitglied des israelitischen Konsistoriums des Unter-Elsass, in sein Amt eingeführt. Der Festlichkeit wohnten, außer der ganzen israelitischen Gemeinde, auch die Herren Kreisdirektor, Amtsrichter, Bürgermeister und Gemeinderat bei. Der Installierung in der Synagoge folgte ein solennes Bankett. 
Der israelitische Leseverein von Dambach."    
   
Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1885: "Am 16. Juni wurde in Dambach im Elsass der neue Rabbiner eingeführt. Es ist dies Herr Salomon Singer, ein Österreicher."   

  
Über Rabbiner Marc Levy zu seinem 79. Geburtstag (Rabbiner in Dambach von 1872 bis 1883; 1912)  
Anmerkung: Rabbiner Marc (Marx) Levy (geb. 1842 in Quatzenheim, gest. 1926 in Metz): lernte in Straßburg und bei verschiedenen Rabbinern; 1861 bis 1867 Studium in Paris, 1872 bis 1883 Rabbiner in Dambach, 1883 Rabbiner in Weißenburg (Wissembourg), seit 1898 Rabbiner in Haguenau; 1920 im Ruhestand.   
Sohn von Rabbiner Marc Levy war Rabbiner Dr. Emil Nathan Levy (geb. 1879 in Dambach, gest. 1953 in Tel Aviv, Israel): studierte 1897 bis 1903 in Berlin, 1905 bis 1914 Rabbiner des Religionsvereins 'Westen' in Berlin und Leiter einer Religionsschule; 1914 bis 1916 Feldrabbiner; 1916 Oberrabbiner in Straßburg; 1919 bis 1934 Rabbiner an der liberalen Gemeindesynagoge Berlin-Charlottenburg, Pestalozzistraße; 1934 nach Palästina emigriert und Rabbiner in einer Gemeinde in Tel Aviv.     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Mai 1912: "Hagenau. Rabbiner Marc Levy begeht am 30. Mai den 79. Geburtstag. 
Rabbiner Levy amtierte von 1872 bis 1883 in Dambach, von 1883 bis 1898 in Weißenburg und ist seitdem der Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Er erwarb sich überall die Liebe seiner Gemeindemitglieder."     

     
Ernennung von Rabbinatskandidat Dr. Josef Bloch zum Rabbiner in Dambach (1902)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1902: "Die von dem israelitischen Bezirkskonsistorium vorgenommenen Ernennungen der Rabbinatskandidaten Dr. Josef Bloch zum Rabbiner in Dambach, Dr. S. Lehmann zum Rabbiner in Schirrhofen, Camill Bloch zum Rabbiner in Sulz i.W. und Max Gugenheim zum Rabbiner in Quatzenheim sind seitens des Ministeriums für Elsass-Lothringen bestätigt worden."           

  
Die Einweihung der Synagoge in Ville (Weiler) durch Rabbiner Dr. Bloch (August 1904)  

Mommenheim AZJ 07101904.JPG (100734 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Oktober 1904: "Aus dem Elsass, im Oktober (1904). Am 31. vorigen Monats (gemeint 31. August 1904) fand in Mommenheim die Einweihung der neu erbauten Synagoge in Gegenwart des Kreisdirektors und der Gemeindebehörden statt. Oberrabbiner Ury aus Straßburg und Rabbiner Dr. Levy – Brumath hielten die Weihereden, während die Gesänge von dem Oberkantor Heymann aus Straßburg und seinem Chor vorgetragen wurden. - Auch in Weiler bei Schlettstadt wurde am 25. vorigen Monats (25. August 1904) durch Oberrabbiner Ury und Rabbiner Dr. Bloch Dambach eine neue Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Diese noch junge kleine Gemeinde hatte bisher nur einen Betsaal benützt. Sehr bemerkt wurde, dass der üblichen Sitte entgegen der Kreisdirektor weder selbst erschienen noch einen Vertreter geschickt hatte, und dass aus dem Städtchen selbst nur die protestantischen Beamten (Amtsrichter, Polizeikommissar, Zollbeamte und andere), nicht aber der katholische Bürgermeister und Gemeinderat an der Feier teilnahmen. – Hingegen berichteten vor kurzem die Zeitungen aus Rosenweiler, dass der dortige katholische Bürgermeister und Gemeinderat einem aus Rosheim kommenden Leichenzug – eine Frau wurde beerdigt – entgegengegangen sei. Rabbiner Dr. Goldstein Mutzig dankte in seiner Ansprache auf dem Friedhofe dem Gemeinderat und der Bevölkerung für ihr Erscheinen und hob die schöne Eintracht hervor, die in Rosenweiler stets zwischen Christen und Juden bestanden habe. Jetzt wohnen in diesem Orte keine Juden mehr; nur der mehreren Gemeinden gemeinsam Friedhof erinnert noch an ihren früheren Aufenthalt daselbst."   

 
Das Rabbinat wird von Dambach nach Barr verlegt (1909)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1909: "Barr im Elsass, 4. Dezember (1909). Der Gemeinderat erklärte sich mit der Verlegung des Rabbinats von Dambach nach Barr einverstanden."    

     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Kurzinformation zur Bezahlung des Lehrers und zur Schule (1843)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843: "Straßburg, im Juni (1843). Wir haben in voriger Nummer aus den Auszügen, welche die Arch. isr. de France aus dem Bericht des Großrabbinern über seine Rundreise durch seinen Sprengel bringen. Einziges mitzuteilen versprochen. Diese Berichterstattung ist in Frankreich selbst etwas Neues, und von der Art und Weise, wie die israelitischen Angelegenheiten eines ganzen Landstrichs mit einem Blicke übersehen zu werden angefangen werden, ein löbliches, erfreuliches Zeugnis. In der Einleitung setzt der Großrabbine auseinander, wie erst von der Bestimmung dieser Rundreisen an sich ein näheres, unmittelbares Verhältnis zwischen dem Konsistorium und den ihm zur seelsorgerlichen Obhut Anvertrauten datiert. Alsdann geht er die einzelnen Gemeinden durch, und bezeichnet, was sie für ihre Synagogen und Schulanstalten getan; insbesondere bemerkt er auch, was sie zu diesen von den städtischen Gemeinden an Unterstützung erhalten. - Bouxwiller gibt 1.400 Fr. für seine Schule aus, und erhält 500 Fr. von der Stadt und frei Lokal dazu; 47 Schüler. Der Rabbine ist alt und blind. - Brumath hat nur eine Privatschule, wozu die Stadt 250 Fr. gibt; 33 Schüler. - Dambach gibt dem Lehrer 600 Fr., wozu die Stadt 200 Fr.; 40 Schüler..."      

   
Die jüdische Schule wurde aufgelöst (1906)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. August 1906. Straßburg. Am 1. April dieses Jahres bestanden in Elsass-Lothringen 2844 öffentliche Elementarschulen mit 5426 Schulklassen und 240.677 Schulkindern; davon waren 52 Schulen mit 56 Schulklassen und 1218 Schülern israelitisch. Außerdem gab es eine private israelitische Elementarschule und 3 israelitische Kleinkinderschulen.  
In Dambach wurde wegen zu geringer Schülerzahl - 5 Kinder im ganzen - die israelitische Schule aufgelöst und die Kinder der katholischen Schule überwiesen."     

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
  
Zum Tod von J. Bader, Vater von 13 Kindern (1897)  

Osthofen Elsass Israelit 05071897.JPG (131243 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1897:  "Oberehnheim im Elsass, 25. Juni (1897). Gestern vor acht Tagen trug sich auf dem hiesigen Viehmarkt ein trauriger Fall zu. Unser Glaubensgenosse, der 52 Jahre alte J. Bader aus Dambach, Vater von 13 Kindern, stürzte plötzlich vom Herzschlag getroffen, tot zu Boden. Sein Neffe, Ch. Levy aus Mutzig, in dessen unmittelbarer Nähe dieses plötzliche Unglück sich ereignete, fiel vom Schrecken bewältigt neben der Leiche des Onkels hin, und man glaubte, auch ihn habe das Schicksal des unglücklichen Onkels ereilt. Erst nach langer und geraumer Zeit waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg begleitet. Nachmittags wurde der Verstorbene nach Dambach überführt, in seine Wohnung gebracht, so die untröstliche Gattin, der man vorher schon die traurige Nachricht mitgeteilt hat, ohnmächtig zu Bette lag und die unglücklichen Kinder in herzzerreißender Weise den toten Vater empfingen. Freitag Vormittag fand die Beerdigung unter großer Beteiligung statt. Die Leichenrede hielt der Rabbiner von Barr im Hause des Verblichenen. An demselben Tag, fast zur selben Stunde brach über eine achtbare Familie in Osthofen ein noch schrecklicheres Unglück ein. Jakob Dreyfuß, 64 Jahre alt, der länger als zwanzig Jahre an einer schmerzhaften Hirnkrankheit litt und öfters Anfälle von Geistesstörung bekam, hat sich in seinem Hause erhängt. Auf Grund des langjährigen, mit Geistesstörung verbundenen Hirnleidens hat die Rosenweiler Friedhofs-Verwaltung es gestattet, den unglücklichen Toten in der Reihe der übrigen Toten zu begraben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   


 
bader.jpg (28538 Byte)Über Théophile Bader (1864-1942), fondateur des Galeries Lafayettes de Dambach-la-Ville au Boulevard Haussmann 
siehe Beitrag von Charles Reich 
 
    
    
  
         
         
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   
Anzeigen der Haarnetzfabrik S. Lanzenberg (1901 / 1903)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1901: "Gesucht israelitisches Mädchen zu älteren alleinstehenden Eheleuten bei guter Behandlung und hohem Lohn. Offerten an S. Lanzenberg, Haarnetzfabrik in Dambach (bei Schlettstadt im Elsass)."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1903:  "Gesucht wird für ein älteres, alleinstehendes Ehepaar ein jüdisches 
Mädchen
 
von 18-20 Jahren, aus guter Familie, das leichtere Hausarbeiten versteht. Man würde später eventuell auch für seine Aussteuer sorgen. Offerten erbeten an 
Sal. Lanzenberg,
Filets-Fabrik in Dambach, Kreis Schlettstadt".  

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge         
   
Über die alte Synagoge in Dambach, die aus dem 17. Jahrhundert stammte, liegen keine Informationen vor. Um 1850 war sie in baufälligem Zustand.   
  
Eine neue Synagoge wurde durch den Architekten Antoine Ringeisen 1865 bis 1867 erbaut. Sie war für über 70 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Dambach. Nach der Deportation der jüdischen Einwohner 1940 wurde das Gebäude geschändet und geplündert.     
   
Nach 1945 blieb das Gebäude erhalten, wurde jedoch nicht mehr als Synagoge verwendet. 1947/48 wurde das Gebäude vom Israelitischen Konsistorium an die bürgerliche Gemeinde verkauft und danach als Turnhalle verwendet. Die seitlichen Frauenemporen wurden entfernt. 
   
Im Januar 2009 begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten am Synagogengebäude mit dem Ziel, in diesem Haus ein Kulturhaus einzurichten. Weitere Informationen über die unten stehenden Links zu einzelnen Presseartikeln. 
   
Dambach Genisa Ausstellung 01.jpg (70116 Byte) Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde im Herbst 2012 im Dachboden der Synagoge eine Genisa entdeckt. Diesen Fund nahmen das Elsässische Museum Straßburg und das Amt für Denkmalpflege der Region Grand Est zum Anlass für eine Ausstellung im Elsässischen Museum der Stadt Straßburg: Héritage inespéré - Unverhoffter Nachlass. Genisa-Funde aus Synagogen in Ostfrankreich. Ausstellung vom 15. Oktober 2016 - 24. Februar 2017 (Informationen in der Website des Museums).    
 
Anmerkung: Als Genisa bezeichnet man den rituellen Aufbewahrungsort für Schriften, die die verschiedenen Namen Gottes enthalten, sowie für Kultgegenstände. Weil diese Objekte, wenn sie unbrauchbar geworden sind, nicht vernichtet werden dürfen, finden sie in einer Ablage in der Synagoge eine vorläufige Ruhestätte, bevor sie später auf dem Friedhof begraben werden. In Frankreich wurde solchen Genisot lange kein besonderes Interesse beigemessen, in anderen Ländern des aschkenasischen Kulturraums war man sich dagegen des historischen oder auch künstlerischen Wertes dieser bescheidenen Zeugnisse des Lebens der später im Holocaust umgekommenen Landjuden bewusst.
Die in der Synagoge von Dambach-la-Ville geborgenen Gegenstände sind aufgrund ihrer Vielfalt sowie des Alters mancher Objekte (Manuskripte aus dem 15. Jh., Drucke aus dem 16. Jh., Mappot aus dem frühen 17. Jh.) von besonderer Aussagekraft. Daneben zeigt die Ausstellung Genisa-Funde aus drei anderen elsässischen Synagogen in Mackenheim, Bergheim und Horbourg. Auch sie wurden zufällig bei Bauarbeiten entdeckt und von Wissenschaftlern oder sachkundigen Amateuren in letzter Minute vor der Zerstörung gerettet. Die Ausstellung erläutert das Konzept der Genisa und macht mit Herkunft und Bedeutung der einzelnen Objekte bekannt. Deutlich wird dabei auch die Rolle solcher Sammlungen für die Erforschung des Alltagslebens jüdischer Landgemeinden, dessen verschiedene Facetten sie über die Jahrhunderte hinweg – vom Beginn der Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts – dokumentieren. Darüber hinaus hinterfragt die Genisa auch das Verhältnis zum Objekt an sich: Warum wird bestimmten Gegenständen Wert beigemessen, was wird weggeworfen, was aufbewahrt und weitergegeben?
Die Ausstellung ist Teil der Reihe "Geteilte Leidenschaften. Von Sammlern und Sammlungen", die den Fokus auf die Bestände der Straßburger Museen richtet und mit einer Sonderförderung der Eurometropole Straßburg unterstützt wird..   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:    27 rue de la Paix     
  
  
Fotos   

Das Synagogengebäude 
in den 1980er-Jahren 
(Quelle: Rothé / Warschawsky 
s.Lit. S. 66)  
Dambach Synagogue 170.jpg (37737 Byte) Dambach Synagogue 171.jpg (123118 Byte)
    Außenansicht   Die ehemalige Synagoge: als 
Turn- und Festhalle verwendet
 
      
Rechts: Neueres Foto (2008) 
 aus einem der 
unten genannten Presseartikel  
Dambach Synagogue 180.jpg (84307 Byte)  
   Der Dambacher Bürgermeister erhält einen
 Scheck über 120.000 € der Heritage
 Foundation zur Renovierung der Synagoge
  

 

Presseartikel (französisch) zur Renovierung und zum Umbau der Synagoge in ein Kulturhaus:  
-  Artikel in dna.fr (Dernieres nouvelles d'Alsace) vom 7. Dezember 2008: "Début des travaux en janvier"   
-  Artikel in dna.fr vom 11. Dezember 2009: "L'extérieur refait à neuf"    
-  Artikel in dna.fr vom 15. Januar 2010: "Pas de retard pour la synagogue". 

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der politischen Gemeinde Dambach la-Ville  
Französische Informationsseite zur Synagoge in Dambach-la-Ville 
Weitere Informationsseite zur Synagoge in Dambach-la-Ville    
Informationen zum Synagogengebäude auf einer Seite des Ministère de la cultur          

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 34.59.   

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  
  
Dambach-la-Ville  Bas-Rhin district. The Jewish presence dates from the 16th century. A century later Dambach war regarded as the site of an important Jewish community. In 1784 it consisted of 120 members. By 1865, the Jewish population was 315. It established a synagogue in 1867. The community dwindled to 65 members in 1936. During worldwar II, they were expelled by the Germans from their homes to the south of France. Four were deported. The synagogue was looted and damaged.
         
            

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Oktober 2016